«. 7 ^', ^ / - V »"'->F ' : ^.?k7 I i » V, ^Li-^ ^ > *-i ^ 3 ^. 2 ^- ÄMÄ .''»1 '1 L e h r b u ch der ^ ^ Volksschulkunde » von R ll d o l f H a n h a r t. - Basel, i» der Schweighauser'schcn Buchhandlung. ^-L- Vorrede. dieses Lehrbuch ist zunächst in seinem allgemeinen und speciellen Theile für meine pädagogischen Vorlesungen und praktischen Uebungen an der hiesigen Hochschule bestimmt. Die Einrichtung desselben gestattet aber auch den Vorstehern von pädagogischen FortbildungSanstaltcn (Schllllehrer-Conferenzen) dasselbe bei ihren Zusammenkünften als Leitfaden zn benutzen; besonders werden die im allgemeinen Theile jedem Abschnitte beigefügten und mit derjenigen Auswahl, welche das jeweilige Bedürfniß der Zuhörer erfordert, von mir behandelten Fragen zu schriftlichen Aufgaben dienen können oder Stoff zu mündlichen Verhandlungen liefern. Die Literatur ist deßhalb beigefügt, damit diejenigen, welcheübcrirgcnd einen Punkt die Ansichten der Sachkundigen kennen lernen wollen, in den angezeigten Büchern nachschlagen können. Sie werden i» denselben noch mehr finden als sie verlangen. Wenn manches schätzbare Werk nicht angeführt worden ist, besonders so manche wichtige Abhandlung aus pädagogischen Zeitschriften, so wird es mir angenehm seyn von kundigen Beurtheiltem darauf hingewiesen zu werden, um sie bei meinen Vorlesungen oder in einer spätern Auflage nachzutragen. Im speciellen Theile habe ich nur solche Lehrgegenstände mit ihren Lehrgängen aufgeführt, welche ich gröstentheils selbst ele- mentarisch zu behandeln im Stande bin. Ich halte nämlich IV dafür, der Lehrer der Pädagogik müsse stets mit der Theorie die Praxis verbinden und selbst lehrend dasjenige in der Schule darstellen können, worüber seine Zuhörer einst Unterricht ertheilen sollen. Nach der Erörterung derjenigen Punkte, welche in jedem Paragraphen bezeichnet sind, zeige ich also in besondern Stunden und in verschiedenen Schulklassen, vom Elementarunterrichte an bis zu den Lehrgängen der höchsten Bildungsstufe, wie in der Volksschule unterrichtet werden soll ; auf dieses Vorun- terrtchten lasse ich dann die praktischen Uebungen folgen, welche die Zöglinge unter meiner Leitung vornehmen. Wie Vieles oder wie Weniges von demjenigen, was ich als Gegenstand des Unterrichtes in der allgemeinen Volksschule aufführe, in die Dorfschule oder in die untern Stadtschulen gehöre und wie weit man in Hinficht auf Umfang des Lehrstoffes gehen dürfe, darüber wer- den die Meinungen stets getheilt seyn. Von jeder Polemik entfernt überlasse ich diese Entscheidung den Sachkundigen und der stets gerechter hierüber urtheilenden Nachzett. ES hängt ja dieses Urtheil von der Ansicht ab über den Zweck der Volksschule, unter welcher ich mir jede Schule denke, die nicht eine besondere Richtung z. B. französischen oder lateinischen Sprachunterricht verfolgt. Diese Ansicht gestaltet sich anders auf dem Dorfe, anders in der Stadt, anders bei demjenigen, der nur einen Theil des großen Gebietes über- schaut, anders bei solchen, welche Gelegenheit hatten, das ganze Gebiet zu überschauen. Ich habe in Dorf- und Stadtschulen nicht allein zugesehen und geleitet, sondern auch selbst gelehrt; ich weiß aus Erfahrung, und durch Be. kanntschast mit dem Volke und seinem BildungSbedürf- niß, wie weit man mit dem Volköschullehrer in seiner Vor- bildung und Fortbildung, und wie weit dieser selbst ge- hen dürfe. Mein Gewissen spricht mich von AufklärungS- V stürmerei eben so frei als von jener Bangigkeit, welche von einem wohl erzogenen Bauern - und Bürgerstande, sogar in Freistaaten, Gefahr befürchtet für die Ruhe des Landes, die wahrlich, (dieß wisse» die für das Schulwesen thätigsten Fürsten iehr wohl) auch in Monarchien am wenigsten von denjenigen gestört wird, wel- > ehe die höchste Stufe der Bildung erstiegen haben. Ueber meine in dieser Schrift angeführten Lehr- Mittel für den Wiederholungöunterricht und über andere meiner druckfertigcn, zur Zeit aber, weil AmtSgcschäfte mich hindern der Correctur obzuliegen, noch nicht heraus gegebenen Lehrmittel, stehe ich Schnlbehördcn und Lehrern, die sich deßhalb an mich wenden wollen, für jede weitere Erklärung stets zu Diensten. Basel den 10. Horuung 1827. Pros. Hanhart, Rektor drs^G»muagums und der Realschule. Inhalt, Vorwort- Einleitung. Seite- i—m. 1—16 i- Allgemeiner Theil. §. 1. Zweck der Volksschule. 17 §. 2. Grnndbildung. Z. 3. 4. Bildungöstusen. 18 §. 6. Erste Bildungsstufe. Die Periode der vorherrschenden Phantasie. Vorübungen. — §. 6. Sinncnblldung/ Organenbildung. 19 §. 7. Fehler in der Wahl der ersten Uebungen. — §. 8. 1. Geistige Fertigkeiten. 20 it. Körperliche Uebungen und Fertigkeiten. 21 §. 9. Kenntnisse/ welche in der Grundschule mit- getheilt werden. Kenntniß der Volks - und Schriftsprache. 2Z H. 10. Wortbildung/ Wortfügung/ Lexikologie. 24 §.11. Lesebuch für Volksschulen. 25 12. Charakterbildung. — H. 18. Weckung und Stärkung des religiösen Sinnes. 26 Zweite Bildungsstufe. §. 14. Die Periode des vorherrschenden Gedächtnisses. 27 i5. Fertigkeiten; Lesen/ lautes und stilles Lesen. 28 H. 16. Methodischer Schulunterricht. 29 Z. 17- Zeichnung. 30 tz. 18. Geometrische Formenlehre. — 19- Fertigkeit in LeibeSbcwegungen. 31 32 33 34 20. Muttersprache. 21. Mathematik. 22. Naturkunde. ^ 23. OrtSkunde/ VatcrlandSkunde/ Weltkunde. 35 24. Bildung und Leitung der Phantasie. 37 §, 25. Bildung des Charakters. H. 26. Bildung zur Religiosität. 27. Poesie und Gesang. 38 40 41 VIl Seite. §. 28 . Anhang. Vorschläge für industrielle Bildung der Knaben und Tochter. 44 Dritte Bildungsstufe.. « Die Periode des vorherrschenden Verstandes. §. 29. Nepetirschnlen/ Ergänzungöschulen. §. 30. Fertigkeiten; körperliche und geistige. §.31. Kenntnisse; Sprachkcnntnissc, Naturkunde; Ortö-Landes-und Weltkunde. Praktische Darstellungen aus der Mechanik. §- 32. Bildung der Phantasie. §. 33. Charakterbildung. §. 34. Ncligionöunterricht. §.35. Lehrformen auf den drei Bildungsstufen. §. 36. Einzcln-Unterricht; Gesammninterricht oder gleichzeitiger/ gegenseitiger; abgestufter Wicderholungöunterricht. §. 37. Lchrcharakter. §. 38. Schulgeist. §. 39- Schnlzucht. §. 4o. Lehrplan, Penseneintheilung/ Schnlprüfnn- gcn, Censuren. §. 41. Schulordnung. 47 49 50 55 58 59 61 63 66 69 70 71 73 ik. Specieller Theil. Reihenfolge der Lehrgänge nach den Lehrgegcnständcn. §- §. Vorübungen: 4.. Körperliche, k. Geistige. 43. -») Schulunterricht. Geistige Uebungen. Lehrgänge. 4. jm Lautiren. v. Syllabircn. Fibel. 43. i>) Ausfüllung der Lücke zwischen Fibel und Lesebuch durch Sprachübungcn; Lehrgänge. 44. Erstes Lesebuch. Nichtiges und fertiges Lesen. Analyse des Lesebuchs; Nedetheile. 45. Zahlen! ehre. Das Numeriken; Lehrgänge. L. DaSAddiren; (vorbereitet durch Zählen und Ponderiren); Lehrgänge. 6- DaS Subtrahiren; Lehrgänge. ^ Die Multiplikation; Lehrgänge. L. Die Division; Lehrgänge. 75 76 78 79 81 82 85 88 89 90 91 93 95 Seite. Z. 46. Raumlehre. Lehrgänge. 98 §. 47. Linearzeichnung. Lehrgänge. 99 §.48. Schr eib u nt e rr i ch t in deutscher Schrift. 101 Lehrgänge und Curie incnglischer Schrift. 106 Da6 Schreiben nach dem Takte. io7 §.49. Erdkunde, elcmentarische; verschiedene Methoden; Lehrgänge. — §. 50. Historischer Unterricht. no §. 51. Fehlt. §. 52. Naturgeschichte; Lehrgänge. 11Z §. 55. Naturlehre; Lehrgänge. 118 §. 54. Gedächtnißübungen; Lehrgänge. 123 §. 55. Religionsunterricht. 127 §. 56. Gesang. 128 Lehrgegenstände der Ergänzungsschule. §. 57. Styllehre; Lehrgänge. 132 tz. 58. Correctur schriftlicher Arbeiten. 135 §. 59. Erklärung von Musterschriften. 137 tz. 60. Arithmetischer Cursuö. Proportionsrechnung. 138 §. 61. Praktische Geometrie. i4o Einleitung. A5enn wir die Forderungen der Kirche, des Staa- tes und des LebenSbernfeö erwägen, welche in unserm Zeitalter an den erwachsenen Christen, an den Bürger und an die Hausobern gemacht werden, so erscheint unS namentlich diejenige Schule, in welcher zunächst, was das Elternhaus nicht leisten kann, für die Jugend- bildung gethan wird, als eine sehr wichtige Anstalt. Ich meine die Volksschule, die ich lieber Grundschule oder Fun damcntalschule nennen möchte. Denn in derselben sollen dem jetzt aufwachsenden Geschlechte nicht etwa, wie bisher meistens, nur einige Elemcntarkenntnisse beigebracht und einige Fertigkeiten eingedrillt werden; sie soll Vorbereitung seyn auf daS ganze Leben des erleuchteten Christen, des verständigen Bürgers, dcö sorgsamen Hausvaters, der treuen Hausmutter, dcö unschicklichen Dienstboten. Für das christliche Leben soll das Kind von früher Jugend an in der Schule vorbereitet werden durch sorgfältige Entwicklung und Ausbildung der von Gott ihm verliehenen Anlagen und Kräfte, durch das Zurück- 2 führen ins Innere von den Zerstreuungen des irdischen Gewühls, vornämlich durch Charakterbildung, durch Stärkung der Willenskraft zum rüstigen und sieg. reichen Kampfe gegen innere und äußere Versuchungen; cS soll dabei stets hingewiesen werden auf den, der uns von Gott gemacht ist zur Weisheit und zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung. ES ist ein bcdauer- licher Mangel an Achtung und Liebe für diejenigen, welche durch Christum unsere Brüder und Schwestern sind, wenn man die heilige Verbindung verkennt, in welcher die Schule mit der Kirche steht, als der reli- giösen Fortbildungsanstalt, wenn man dieselbe zu einer. AbrichtungSwerkstäile für mechanische Leser, Beter, Schreiber und Rechner herabwürdigt und jeden Funken des höher» Lebens methodisch zum Erlöschen bringt. Unserer Zeit scheint es aufbehalten, durch klare Darstellung des richtige» Verhältnisses die Schule zur Vorhalle des hehren Tempels zu weihen, der alle zur Verehrung Gottes im Geiste und in der Wahrheit Berufene auf- nimmt. Solchen erhabenen Zweck zu fördern, werden die Schullchrcr, deren Lebensaufgabe das Streben nach dem, hieniedcn zwar nie erreichbaren, Schulmeister, thu», ist, ihr Geschäft betrachten alö eine theure Angelegenheit, ihre künftige Verantwortung aber als die freudigste, wenn sie Gehülfen im Dienste deö Herrn, die schwerste, wenn sie Knechte der Menschen geblieben sind. Durch eigene gute Vorbildung und Fortbildung zum Studium des Menschen geführt und befähigt zum Schließen auf ihr inneres Leben aus den Erscheinungen des äußern, macht der Lehrer seine Schule für sich selbst und für seine Kinder zur D c nkschule, nicht zur bloßcn Kcnnt- nißschule, und sichert sich und ihnen die lieblichen Früchte eines auf Beobachtung der menschlichen Ent- wicklungSweise gegründeten Unterrichts. Zunächst ist der Sprachunterricht das vor. nchmste Mittel das Denkvermögen zu stärken und zu entwickeln, aber nicht das einzige. Denn die andern Lehrfächer, Rechnen, Schreiben, Zeichnen, Natur - Erd. und Weltknude, besonders aber der religiöse Unterricht liefern ja den reichsten Stoff, an dem die Denkkraft sich üben kann, und kein Sprachunterricht ist möglich ohne diese Realien; keine Realien (Sachkenntnisse) können aufgefaßt werden ohne Sprachkenntniß. Doch so wich. tig als das Erwerben ist daö Aufbewahrendes durch Denken Erworbenen; die Entwicklung und Star. kung' der Gedächtnißkraft muß also Schritt halten mit dem Sprach, und Sachunterricht, oder vielmehr in demselben begriffen seyn und durch denselben vermittelt werden; sonst bauen wir Häuser ohne Fundament, deren schneller Einsturz gewiß ist. Ja das Erzeugen neuer Gedanken ist durch daü Aufbewahren der früher erzeug, ren bedingt; denn was nützt uns die Henne, die über einem leeren Neste brütet? DaS in der Schule betrie. bene Wissen und Denken, das Auffassen und Schaffen, besonders aber dann das Beleben des Stoffes durch eine reiche Phantasie, welcher frühe schon aus der Betrachtung des Schönen, Wahren und Guten ihre Nahrung zugeführt wird —diese harmoni. sche Ausbildung weiser den Schüler zum wahrhaft christlichen Leben. In diesem soll dann die FortbildungS- anstalc, die Kirche, ihre Glieder festigen durch Beispiel, Lehre und Cultus. Sie verlangt also mit Recht eine Schulbildung, welche durch Entwicklung und Stärkung der Denkkraft den erwachsenen Christen willig macht, die Vorbilder des christlichen Lebens in der christlichen Vorwclt und Mitwelt aufzusuchen, welche sie fähig macht die Frommen von Frömmlern mit richtigem Blicke zu scheiden, die Bedeutung und den Werth der heiligen Ge- 4 bräuche einzusehen, welche sie endlich geneigt macht ihren ungebeuchcltcn Klauben in der Liebe zu bewähren. Die Kirche verlangt ferner mit Recht, daß ihre künftigen Glieder auf dem schon angedeuteten Wege vorgebildet werden zum Verständniß derjenigen Sprache, in welcher ihnen daö Evangelium, dieses Wort des Lebens, mitgetheilt wird. ES wäre also zuerst der Wortver- stand deS biblischen Lese- und ErbaunngSstoffeö, des Katechismus, der Liturgie, des Gesangbuchs, zu wel- chem die Schule durch alle ihre Leistungen führen müß- te; es ist zweitens das Verstehen und Auffassen des im Religionsunterrichte Erklärten, des im zusammen- hängenden halbstündigen, oft Stundelangrn Vortrage Gepredigten, der Katechisation, der Gebete, des Gesanges, wozu der Schullchrer seine Zöglinge anzuleiten hat. Der erwachsene Sohn, die erwachsene Tochter sollen, wenn sie aus der Kirche nach Hause kommen, im Stande seyn, den wesentlichen Inhalt der Predigt und der Katechisation aufzuschreiben oder den fragenden Eltern zu erzählen, und wo etwa die sogeuann- te Applikation (Hiaweisung aufs Leben) nicht beigefügt worden, dieselbe aufzufinden. *) Ein in hochdeutscher Sprache abgefaßtes ErbauungSbuch darf ihnen nicht ein verschlossenes oder ein unbegehrtcS Buch bleiben; denn die Schule soll den Sinn für religiöse Erbauung geweckt und das Verständniß der Poesie deS Gesangbuches durch zweckmäßigen Unterricht vermittelt haben. Man vergleiche aber dasjenige was in gewöhnlichen Volksschulen für diesen Zweck geleistet worden, und man wird sich nicht verwundern über so vieles, was in die- ») Wem diese Forderung zu strenge scheint, dem will der Persaffcr Zeit und ürt nennen, wo dieses geschehen ist und noch geschieht, und die sehr einfachen Mittel angeben, durch welche der schöne Zweck erreicht ^vurde. 5 scm Lehrbuche für Volköschullehrer als Lehrfach aufge- führt ist. Man prüfe die erwachsenen Glieder der Kirche über ihre Fortschritte in der religiösen Bildung , und bei oft vergeblichem Aufsuchen der Anknüpfungspunkte wird jede Klage wegen Ucberbildung oder Verbildung dem beschämenden Geständnisse weichen müssen, daß die Volksschule noch lange nicht in denjenigen Bund mit der Kirche getreten ist, welchen die Natur ihres Verhältnisses verlangt. ES wird sich also der Blick des Menschenfreundes zuerst auf die Ordner und Lenker des Gemeinwesens richten, welche die Volksschule heben und tragen sollen und gewiß auch höher stellen wollen, sobald die Geistlichen als nächste Aufseher und Leiter derselben mit Einsteht und Ausdauer an dieses nothwendige und heilsame Werk schreiten. Aber auch diesen muß schon der akademische Lehrer und dann der päda- gogische Schriftsteller den Weg zeigen und die Lehrmit- tel rüsten, welche ihnen zur Erreichung des höchsten Zweckes alles Unterrichts behülflich sind. Auch in Schule» die noch bloße Kennt« iß schulen sind, ist es so schwierig nicht dieselben in Denkschulen zu verwandeln.*) An das Lesebuch, an die biblischen Erzählungen, an den Katechismus, an das Gesangbuch und an die übrigen Uebungen läßt sich schon viel Anregendes und Berichtigendes knüpfen; wo aber die Schule wegen unbesiegbaren Hindernissen nicht dafür ausreicht, steht der Reli- ") Der Verfasser will gern jedem, der es für allzu schwierig halt, eine mechanische Schule in eine bildende umzuschaffen, die Lehrmittel weisen, durch deren gebrauch selbst ein in die alte Weise sehr lange eingewöhnter rchrcr die glücklichste Veränderung erzielen kann. Wer sich mit »er dunimtcn Kinder» abgeben muss, wer besonders im Cvnstrmandcn - U» tcrrichte neben solchen durch verdummende Lehrwcisen zum Erstarren gebrachten Kindern andere behandelt hat, denen der Verstand durch heben und Lehre zeitig geöffnet worden, der weiß wie wichtig solche entwickelnde Schulbildung für die Kirche ist 6 gionSlehrer da und führt die Kleinen schon frühe an Vatcrhand aus den öden Wüsten des gcisttödendcn Schien, drians und aus den düstern Regionen der Gedankenlere, festen Schrittes immer höher und höher auf seinem Ge- biete dem lichtumstralten Ziele zu; er bildet seine Pfarr- kinder zu denkenden Hörern des Wortes. Betrachten wir zweitens die Forderungen des Staa. tes an den erwachsenen Bürger, so erscheint das Bedürfniß eines dem aufgestellten höchsten BildungSzweck angepaßten Unterrichtes noch mehr fühlbar. Durch G e. setze regiert der Staat, verwalteter das Gemeinwesen, nach Gesetzen wird der Einzelne gerichtet, und bei Uebertretung derselben gilt weder die Entschuldigung des Nichtwissens noch des NichtvcrstchcnS; der Buchstabe tö- det. Gesetze und Verordnungen sind aber in der Schrift, spräche abgefaßt, gedrängt, oft in KunstauSdrückcn, die der gemeine Mann nicht versteht; die Erwägungsgründe wie die Anwendung einzelner Fälle muß man sich häu. fig, wo nicht immer selbst hinzu denken; oft sind die scharfsinnigsten Rechtsführer, dieß lehren die Prozeßver. Handlungen, uneinig bei Auslegung der Texte. Und von der Beobachtung dieser stets sich mehrenden Gesetze hängt so unendlich vieles, hängt ja Ehre, Habe, selbst das Leben ab, so daß man wünschen muß, für das Wohl des Staates und für das Familicnglück, je die wichtigsten Gesetze und Verordnungen möchten dem Herzen und dem Gedächtnisse des Volkes eingegrabcn oder, wie einst in Sparta, eingesungen seyn. Wie viele sind aber, die diese Gesetze nur richtig lesen, ihren Sinn fassen, die Ursache ihrer öfter» Abänderung, Erweiterung u. s. w. begreifen, geschweige denn von der Regel die Anwendung auf einzelne Fälle machen können? Natürlich , denn un. scre Volksschulen waren bisher meist auf mechanisches Lesen, nicht aber auf das Verstehen deö Gelesenen bercch. 7 » »tt. Und wo sie verbessert worden sind, was lernen die Kinder von Gesetz, von Verfassung, von Bürgerlichkcit? Wie wenig wissen die meisten Schullehrer davon? Ist nicht der Gesctzknndige im Dorfe, im Flecken, in der Stadt, ja im Colleginm, im GerichtSsaale hie und da ß noch daS alleinige Orakel, an welches sich alle gläubig wenden? Wann soll dieser Ucbelstand aufhören? AlSdann, wenn die Schule als Denkschule und Sprachschule für das Leben vorbereitet, wenn statt der sieben Hungerjah- rc, *) welche der auf wenige Druckbogen beschränkte Le- seschülcr in der Schule zubringt, die fruchtbaren Jahre eintreten, in welchen er aus zweckmäßigen Schulbüchern, nnd durch dieselben angeregt aus Privatlcetüre, für sein ganzes künftiges Leben einen Jdecnvorrath sammelt; wenn er durch OrtSkunde, Vaterlandsknndc und Gesetzes- künde mit der heimatlichen Umgebung, mir den Vatcr- » landSgeuosscn bekannter wird; wenn also der Staatsbürger seine bürgerlichen Rechte und Pflichten am Ende eines Repetirschul-oder Oberklasscn-CursuS kennenlernt. Dieß ist keine vergebliche Erwartung; es geschieht ja schon zum Theil an den Orten, wo man Dienstboten nebst dem Tauf- und Heimatschcine auch einen gedruckten AuSzug aus den auf Vcrehlichung und PaternitätSverhältnisse bezüglichen Gesetzen in die Fremde mit giebt; schon haben wir Lesebücher für Schulen, die den jungen Bürger mit jenen Gegenständen bekannt machen. Sorge man nur dafür, daß dieselben erklärt und verstanden werden! Jneincm republikanischen Gemeinwesen aber, ^ wo der Bürger zur Theilnahme an der StaatSregierung und Staatsverwaltung als Gesetzgeber, Verwalter, Rich- -> Die Kinder sind gewöhnlich Vom sechsten biS dreizehnten Jahr in der Schule, oft vom sünstcn ölltcrsjahre au und aus wenige Schuldüchcr beschrankt, die ste ost zwauzignial während ihres Schmiedens lesen müssen, ohuc sie ,» verstehe». 8 ter aus Dörfern, Flecken und Städten berufen wird, wo die niedern und höher» Gerichte, wo die Verwaltung des GemeingntS, wo die Kirchen- Schul. Armen- und Waisenpstege eine ansehnliche Menge von Bürgern aller Klassen beschäftigt und denselben so wichtige Pflichten auferlegt, von deren Erfüllung ja die Wohlfahrt des Einzelnen und drö Ganzen abhängt — welche strenge Forderungen muß da der Staat und darf er mit Recht an seine Bürger machen! Wo soll aber der stimm- und wahlfähige Bürger dasjenige lernen was ihn befähigt seine Rechte auszuüben, wenn nicht in der Volksschule, welche die Mehrzahl der Bevölkerung aufnimmt, und von, KindeSaltcr bis inS Jünglingsalter in ihrer Alltags - und Nepctirklassc lange genug hcrbcrgt, um ihnen durch Mittheilung dieser nothwendigsten Kenntnisse den Genuß ihrer Rechte zu sichern. Der Geschäftsgang selbst wird ungemcin vereinfacht, wenn jeder Beamte in der Schule an Denken, Sprechen, Schreiben gewöhnt und von den Formalisten unabhängig ist; man gewinnt an Zeit, an Lebensgenuß und an Zufriedenheit, weil das früh ge- stärkte Denkvermögen, weil die früh geschärfte Urtheils- kraft zu schneller Auffindung des Nichtigen vcrhilft; die strenge Rechtlichkeit übt dann über die alles absichtlich verwirrende Pfiffigkeit ihre furchtbare und niedcrschmet- ternde Gewalt; die Trölerei verschwindet. Fassen wir endlich inS Auge, was der LebenSbe- ruf (ich will mir deö Allgemeinen gedenken, denn die Volksschule kann nicht das spezielle umfassen) was daS Leben verlangt vorn Hausvater und von der Hausmutter, so erscheint uns die Schule als eine ungemein wichtige Anstalt. Im einsamsten Dörfchen, wie im ver- kehrrcichstcn Flecken und auf dem entlegensten Weiler wie in der bevölkertsten Stadt, führt nnS die Verwaltung des Hauswesens, führen uns Kauf und Verkauf, 9 Miethen und Vermierhen, Erbschaft« Heiraths - und VormundschaftSvcrhällnisse u. s. w. in oft so verwickelte Fälle, daß der gesunde Menschenverstand nicht immer anShilft. Mit wenigen Worten ertheilt da der Gebildete seinen Rath, wo der Ungebildete, der Schullose keinen weiß. ES giebt bald keine BcrufSart mehr, wo nicht Rechnen, Buchhaltung, Kenntniß der Münz« und Maaßverhältnisse deö eigenen «nd des Nachbarlands durchaus unentbehrlich, wo nicht Uebung im Denken, im schnellen Auffassen deö Vorkommenden, in richtigem Urtheilen unmittelbar nützlich ist. Bleiben wir vorerst nur bei diesem stehen; wo find die Schulen, welche für den noth- wendigsten Bedarf hinlänglich sorgen? Wie mancher Schulmeister gcriethe in die bitterste Verlegenheit, wenn er schnell eine Rechnung aus der Münzsorte des Landes in die deö Nachbarstaates übertragen, in irgend einem verwickelten Falle seine» Rath ertheilen oder nur die Behörde nennen müßte, in deren Bereich die Behand- lung eines nicht alltäglich ihm vorkommenden Geschäftes gehört. Treten aber außerordentliche Fälle ein, Krankheiten z. B. die einen umständlichen mündlichen oder schriftlichen Bericht an den entfernten Arzt erfordern, kommen etwa im Gefolge deö Kriegs allerlei Leistungen und Berechnungen vor, giebt eS Hungerjahrc, Seuchen, Sperranstalten u. dgl.; wie fühlhar wird da der Mangel an unterrichteten Mensche»! Kommt der Dorfbewohner in die Stadt, wird er in andere Lebenskreise versetzt, muß er Reisen machen, verdingt er sich auch nur als Dienstbote, in welche Verlegenheit gerälh er, in welche Verwirrung und Beschämung, wie oft wird er gehöhnt, betrogen, verstoßen, wenn er in der Schule, welche ihn für das Leben hätte bilden sollen, verdummt worden ist. Aber wir betrachten ihn nun als Menschen in rein menschlichen Verhältnissen. Wie cinför- 10 inig schleicht ihm das Leben hin, wie leer an geistigen Genüssen, *) wenn er seine Schuljahre bloß auf die ge. wohnliche Weise zugebracht hat; wie unglücklich wird er im Dienste der Sinnlichkeit, wenn seine Willenskraft nicht durch geistige Entwicklung gestärkt worden, **) wie oft wird er die Beute des Aberglaubens und des k Unglaubens, wenn er nicht zu derjenigen Einsteht ge. langen konnte, welche daS Gefühl mit dem Verstand ins richtige Verhältniß bringt. Wie oft scheitert besonders der Wohlhabende anü der Klasse der Ungebildeten an ^ der gefährlichsten Klippe, an der Halbkultur, wenn er ohne Durchbildung in das Lesen von Büchern sich vcr. tieft, die mit sophistischer Kunst daS Laster oder die Jr- religiösität ihm einzuschmeicheln wissen! In einer Schrift, welche nur die allgemeine Bildung inS Auge faßt, übergehe ich waö der Beruf im engern Sinne heut zu Tage fordert. Ich erinnere > nur an die großen Fortschritte, welche in der Landwirth. ') „Ganz abgesehen davon, wie viel der Unterricht in der Naturkunde, welcher in der Landschule ertheilt wird, dem Landnian» zu einer vcr- stäudiaen Betreibung seiner Geschäfte »übe» würde, ist es denn Verantwortlich, daß man dem Landmaun die unerschövflich reiche Quelle nicht mehr öffnet, aus welcher jedem Mensche» von natürlichem Gefühl ein so großer Reichthum religiöser Erhebungen und Belehrungen zufließt? Würde wohl er, der so eigentlich im Umgänge mir der Na. tur lebt, gegen ihre Schönheiten, die sich ihm auf dein nächsten Wege überall darbieten, so uncnivfindlich seyn als er es gewöhnlich ist, wenn man ihn früher gelehrt hätte, sie mit einem aufmerksamen Blick zu betrachte» ? Freilich arbeitet er im Schweiße seines Angesichts, und die bis zur Ermüdung gehende Anstrengung macht ihn z» erhebenden Ansichten weniger ausgelegt. Aber sollte den» das aufgeregte Gefühl für Schönheit und Zweckmäßigkeit der Naturerscheinungen nicht daS sicherste innere Mittel seyn, ihm die mühsame Arbeit z» versüße» und ihm seinen Stand — den er doch am Ende — wenn »>a» Ihn fragt, mit keinem andern vertauschen will — noch theurer und anziehender zu machen? „Dcnzcls Erzieh-und UntcrrichtSlchre. Stuttg. 181». S. 18. ") Nicht das Fabriklcbcn, nicht die sogenannte einförmige Beschäftigung des Landbaucrs, ldie es aber ia viel weniger ist als dicicnigc einer Menge von Handwerkern und Beamten, Handelsdiencrn und ähnlicher) müssen wir anklagen, wenn der stiere Blick des Verdummte» uns er- . schlittert und die Abneigung gegen den Gebrauch der großmüthig angebotenen VercdlungSmittcl uns befremdet; die Schuld liegt oft ii, der Schweigsamkeit der Eltern, gewöhnlich aber in, geisttödtcndcn Unterricht der Schule, wo sie den größte» Theil des TageS versiheu. 11 schaft mld im Gcwerböfache gemacht werden und frage: wieistdaö M itfortsch reiten möglich ohne eine Schulbildung/ welche den Menschen nach allen Seiten erfassend und harmonisch ausbildend/ indem sie das Allgemeine berücksschtigt/ auch für daS bürgerliche Leben erzieht? Der besondere Beruf bietet in seinem Bearbeitungsstoffe allerdings viele Gelegenheit auch zu geistiger Bildung/ aber nur demjenigen der durch Entwicklung seiner Gei« steökraft zur Empfänglichkeit dafür zu geistiger Mündigkeit gelangt ist. Man besorgt zwar von der entwickelnden Lehrweift/ sie mache den auf eine gewisse Sphäre beschränkten Menschen unzufrieden mit seinem Berufe und ungehorsam gegen seine Obern. Diese Bcsorgniß ist aber durch die Geschichte der neuesten Zeit hinlänglich widerlegt/ und in Monarchien geschieht noch mehr alö in Freistaaten/ um durch unaufhörliche Verbesserung des Schulwesens i» seinem ganzen Umfange daü Volk auf eine höhere Stnfe der Geistesbildung zu heben. Deutschlands Regenten gehen mit ihrem Beispiele voran; sie zeigen was geleistet werden kann/ wo man die Sache mit ruhigem Ernste betreibt. Wo ist jetzt/ die südlichen Völker/ sogar Italien nicht ausgeschlossen/ noch ein Land/ in welchem nicht etwas für die Bürger- und Volksschulen gethan wird? Denn überall wird man je länger je mehr überzeugt/ daß die frühern Lebensjahre zur Vorbereitung für die spätern benutzt werden müssen/ und daß cö ein unersetzlicher Verlust sey/ wenn ein so wichtiger Theil des Lebens in Müßiggang und verdummendem Hinstarrcii/ eine Frucht des Mechanismus / zugebracht wird. Wundere man sich also nicht über den Umfang/ der nach diesem Lehrbuch den UnterrichtSgegcnständen in den Volksschulen gegeben werden soll. ES wäre allerdings ausfallend/ wenn alles aufgeführte neben einander getrieben 12 werden sollte; aber der aufmerksame Leser sieht wohl, daß durch die Aufeinanderfolge der Lehrpensen in 14 Halbjahrkursen allerdings vieles gelehrt und gelernt wer, den kann, und daß bei zweckmäßiger Abstufung, indeß immer dem in anderer Form Wiederholten etwas Neues hinzu gefügt wird, der Unterricht an Gründlichkeit wie an Ausdehnung gewinnt. Des Wissenöwerthen für je, den Zögling der Volksschule scheint allerdings weit mehr aufgeführt, als vielleicht von den meisten Lehrern, die aus früherer Zeit herstammen, geleistet werden könnte. Solches läugne ich nicht. Aber wenn die Schullehrer-BildungS, anstalten auch zur Fortbildung der schon im Amte lebenden Lehrer benutzt werden, wie es hie und da ge- schicht, so kann durch Verbreitung zweckmäßiger Lehr, Mittel und durch praktische Anleitung zum Anwenden derselben, unstreitig vieles auch da geschehen, wo man es nicht erwartet hätte. Ich kann auf Erfahrungen hinweisen , die ich hierüber im Jahr 1801 und 1502 in einer Landschule deö Kantons Zürich und im Jahr 1820 und 1821 an Landschullehrern des Kantons Basel selbst gemacht habe. Sogar an solchen Orten, wo nur Mangel und Noth auS den örtlichen Umgebungen hervor zu treten scheinen und wo man keine Empfänglichkeit für Veredlung er. wartet, bedarf eö nur der umsichtigen Thätigkeit des in Eintracht wirkenden Pfarrers und SchullehrerS, und der Menschenfreund sieht in wenigen Jahren alles so verändert, daß er in freudiges Erstaunen gcräth über die Wunder der neuen Schöpfung. Beispiele aller Art könnte ich auS meiner 27jährigcn Erfahrung nennen; neben zwei Männern, die zu einem im 5osten Lebensjahre noch lernbegierigen Landschullehrer von einem ent- fernten Dörfchen kamen, und von denen jetzt einer als Fabrikaufsehcr, der andere als Sladtschullehrer ehrenhaft wirkt, stehen noch viele vor meinen Augen, auf welche ich jeden hinweisen kann, der von Ueberbildung spricht und zwischen Stadt- und Landvolk seine Cultur- schranken aufstellen will. Es kommt gewiß die Zeit, und sie ist schon da, wo man nicht mehr von Städtern und Landvolk, sondern nur von Staatsbürgern sprechen wird, wenn man sie in ihrer Gesammtheit betrachtet, wo sich dem Genie überall der Eintritt in jeden BerufskreiS öffnet, ja wo der den Landbau wählende Städter sich garnicht tiefer als jene gestellt sieht, wenn er mit seinen Kenntnissen den Bauernstand adelt und mit seiner Gesittung. Ohnehin verschwindet in den größer» Dörfern und Flecken bald jede Spur von Standesunterschied, wo eine bessere Erziehung, besonders unter der wohlhabenden Klasse, als geziemend und als nothwendig sich Eingang verschaft hat. Auü allem, was angeführt worden, geht hervor, daß bei der gegenwärtigen Umgestaltung des VolkSschul- wescnS, das in einer neuen Entwicklung begriffen ist, die Bildung der Schultehrer eine ganz andere als die frühere seyn muß, wenn anders das Fortschreiten des Menschengeschlechts nicht gewaltsam gehemmt werden soll, was ohnehin — wie die neuesten Erfahrungen lehren — alö ein ohnmächtiger Versuch verblendeter Menschen erscheint. Von der Verbesserung der Schullchrerbcsoldungen und der daraus Herfließenden Ermunterung hängt allerdings vieles, aber nicht alles ab. Ich kenne Schullehrcr in kleinen Dörfern, die ihr geringes Einkommen verdreifacht haben, weil der Ruf, den sie als vorzügliche Lehrer erlangt, ihnen aus einem Umkreis von 1—2 Stunden Tag- und Nachtschüler zugezogen. ES giebt andere, deren LehrkreiS sich hinsichtlich des Pensums mit ihrer eigenen Fortbildung und mit der dadurch crhöhcten Empfänglichkeit ihrer Schüler stets erweitert hat. Indem wir ihnen die Mittel reichen sich 14 selbst innerlich höher zn stellen nnd also sich einer bessern äußern Sellung würdig zu machen, bereiten wir zugleich alles vor, was von Seite ihrer Mitbürger für ste ge- thau werden kann, und was, wie das rühmliche Beispiel des baslerischen großen Rathes beweiset, geschehen wird, sobald man in den Schullehrcrn wirkliche Beförderer der Volksbildung erblickt. Aber, was in meinen Au- gen eben so wichtig erscheint, wir machen durch diese ausgedehntere Vorbildung des SchullehrerS denselben empfänglicher für die das ganze Leben ausfüllende Fort- bildung; wir sichern ihm den Sieg im Kampfe gegen ' die Versuchungen zur Unzufriedenheit. Denn an Ein- ficht vorschreitcnd und reicher an edler» Genüssen durch Befriedigung seiner Wißbegierde, wird er sein LooS nicht mit dem meist sinnlichen Genüssen fröhnenden Reichen des Dorfes vertauschen wollen. Als ein gebildeter Mann fin. det er auch leichter Zutritt in die Gesellschaft der Gebildeter» und wird ein geschabter Berather des Volkes. Man besorgt zwar von dem gebildeten Schnllehrer, er möchte seine Stellung gegen die über ihm stehenden Männer verkennen und namentlich manche Dienste ungern leisten, die einstweilen noch mit seinem Amte, besonders auf Dörfern, verbunden sind. Hat sich aber der Schul- lehrer dem OrtSgcistlichen als achtnngöwerther Lchrge- hülfe empfohlen und über den Dünkel der Halbknltnr durch tüchtige Vor. und Fortbildung zu bescheidener Selbst, achtung erhoben, so ist solche Besorgnis; durchaus un- gegründet, wie die Erfahrung lehrt. Den Geistlichen sichert übrigens eine durch höhere Sprachstudien nnd tiefere Forschung erlangte Ueberlcgcnheit vor jeder schiefen Beurtheilung, und als Redner kann er ja, so oft er die Kanzel betritt, den Wahn des Dünklerö zerstören, der sich ihm gleich stellen will. Im Fortschreiten des SchullehrerS erblickt der Unbefangene nur die wünschens- 15 werthe Annäherung zn dem Kirchenlehrer, welcher in seiner oft drückenden Abgeschlossenheit einen Freund findet, der ihn verficht, der ihm in die Hände arbeitet und seine Plane verwirklichen hilft. Glücklich die Gemeinde, wel. ehe neben einem frommen und gründlichgelehrten Pfarrer einen Schullchrcr hat, der in seiner GeificS- und Her- zenSbildung nicht zurück bleiben will. Aber noch glücklicher , wo auch seine Gattin im rühmlichen Streben die weibliche Jugend zu wackern Hausmüttern bilden zu helfen, an derjenigen dcS SchullehrerS eine Gehülfin findet, welche eine tüchtige Unterklasse inS Pfarrhaus füh- ren kann zu ihrer Fortbildung in weiblichen Arbeiten. *) Die zeitgemäße Einrichtung der Volksschulen wird abervorzüglich gefördert durch die größere Verbreitung pädagogischer Kenntnisse unter dem Stande, welchem die Leitung der Volksschule zunächst obliegt. Ohne genaue Kenntniß dcö Einzelnen ist weder eine Uebersicht noch eine richtige Anficht vom Ganzen, am wenigsten eine kundige Leitung möglich. Wenn cS irgendwo noch solche Geistliche giebt, denen das Schulwesen nicht LieblingS- fach geworden ist, da mag wohl daü mechanische Treiben des gewöhnlich nicht vorgebildeten SchullehrerS eine Hauplursache seyn. Aber sehr häufig fehlt die nothwendige akademische Anleitung im pädagogische» Fache, in theoretischer und praktischer Hinsicht. ES führt dann zu mancherlei Mißgriffe», wenn man erst im Amte diese nothwendigen Kenntnisse nachhohlcn, auö Büchern, die einander widersprechen, seine Belehrung schöpfen und mancherlei Methoden probircn soll. Gewiß gehört daS Studium der Pädagogik schon als Studium des Menschen zu den anziehendsten; aber es ist völlig unentbehrlich dem künftigen Aufseher der Volksschule, wenn er sich selbst >1 Ich siabc diese» Gedanken hier absichtlich ausgesprochen, u»> auf eine große Locke im DolkSsckmlwcsen hinzudeuten < die alncklicherwei,e schon hie und da / auch in, Kanton Vasel, ausgefüllt wird. 16 und seinen Zeitgenossen genügen will. In den Augen aller Gebildeten und wohl auch vor den ungebildetesten Eltern (denn alle haben ja ihre Kinder lieb) kann der Geistliche an Achtung und Vertrauen nur gewinnen/ wenn man ihn alö Schulfreund, als Kinderfreund kennen lernt, andere Vortheile nicht zu gedenken. Und wo pädagogisch gebildete Geistliche zusammen treten zu dem heiligen Nun- de, ihre Schulen zu wahren Vorhallen für die Kirche zu machen und zu wahren Werkstätten des heiligen Gei- steS, der ja im Gemüthe des Verwilderten nicht wirken kann, da wendet sich ihnen gewiß auch die Theilnahme zu der Väter des Landes; denn man erkennt bald, wie dieß auch die Nachrichten über die Zöglinge der Nochow- schen Schüler lehren, den unaussprechlichen Segen der vereinigten Wirksamkeit des Pfarrers und SchullehrerS. Der beständige Hinblick auf beide Klassen, aufTheo- logiestndirende, die sich zu tüchtigen Schulauf- sehern auf der Hochschule bilden wollen, und auf künftige Schullehrer hat mich zu der Anordnung geführt, die in diesem Leitfaden das specielle von dem allgemeinen scheidet und mir bei meinen Vortragen eine größere oder geringere Ausführlichkeit gestattet, je nachdem ich Zöglinge von der einen oder der andern Klasse oder von beiden zugleich vor mir habe. Die Ableitung des Bildungüprin- eipS auö dem Zustande des Menschen und dem Zwecke des Staates behalte ich dem mündlichen Vortrage vor, so wie die absichtlich angedeutete hie und da unerläßliche Zurückführung auf die ersten Gründe. Tiefer wollte ich aber nicht eingehen, weil ich andern Vortrügen die sogenannte Philosophie der Erziehungskunde aufbehalten muß. Man wird ohnehin finden, daß für Lehrer an Volks- schulen ein Ideal aufgestellt sey, welches kaum erreicht werden könne. Aber wer daS Höchste will, muß nothwendig nach dem Hohen streben. I. Allgemeiner Theil I. Zweck und Umfang der Volksschule- (Grundschule.) §. i. Die Volksschule empfängt Kinder znm entwickelnden Unterrichte und zur Erziehung, mit einem Wor- te, zur Bildung. (Kenntnißschulen, BildungS- schulen.) Welches ist das Bildungs Princip? In wie fern ist der Schullehrcr auch Erzieher? Welcher Unterricht ist ein erziehender? Wie muß er beschaffen seyn, um beiden Zwecken zu entsprechen? Wie kann die Bildung für das Berufsleben mit der idealen Richtung verbunden werden? In welchem Verhältniß steht die Schulbildung zur Selbstbildung? s. « askr, Divinikät oder das Princip dcr einzig wahren Menschen- erziehn»,!. Hos. 181Z. SlrndtS Fragmente über Mensche,ibildung. 2te Auff. Haninicrich. 1S0L. Nicmeuer, Dcnzcl, Nebe in der Einleitung zu ihre» unten a»i„sührc»dcn Lehrbüchern. tz. 2 . Diese Bildung als Entwicklung aller Kräfte des Menschen ist eine allgemeine; weder durch Geschlecht, noch Stand, noch Beruf modi- ficirt. (Grundbildung.) Dürfen die Geschlechter in dcr Volksschule getrennt werden? Zst die Dorfschule verschieden von dcr Stadtschule in diesem Alter? Soll der künftige Gelehrte von den sogenannten Nichtstudircndcn schon in der Grundschule getrennt werden? S. Harnisch Handbuch für das deutsche Volksschulwescn. S. 185. BrcSIa» ISA. §> 2. ES giebt von dcr ersten Stufe der Leitfähigkeit des Kindes bis zum Eintritt in daS Berufsleben verschiedene Bild nngSstufenoderEntwicklungSperiodcn. Wir können drei annehmen: die Anschauung 6 Periode, die 2 FKcdächtnißpcriode/ dieVerstandeöperiode; d.h. auf der erste» Periode herrscht diePha »tasie vor/ auf der zweiten die Gedächtnißkraft, auf der dritten der Verstand/ obgleich in allen Perioden keines dieser Vermögen schlummert. Die erste Periode fällt in das Alter von 5—9 Jahren; die zweite von 9-15; die dritte von 15—18 Jahren. Lassen sich diese Perioden nicht auch noch anders' eintheilen und benennen? Kann man eine Periode der Sinnlichkeit annehmen? Was ist von einer Methode zu halte»/ die nur die An sch a » n n g bcnnhen / oder meist das G c dst ch tnisi beschäftigen / oder blos an den Verstand sich wenden will? Was versteht man unter der harmonischen Bildung? §. Diesen Bildungsstufen muß der Unterricht/ dem Umfang und der MittheilnngSform nach/ muß die Schulzncht/ muffen die Lehrmittel angepaßt werden. Worin fehlten die Lehrer der alten Zeit/ und worin die der neuern und neueste» in Hinsicht auf Bcschrstiikuug und Ausdehnung des Unterrichts? Welche MitthcilungSformcn sind die herrschenden in den Grundschulen? Wie sind die Kinder moralisch zu leite» in Beziehung auf ihre BilduugS- periodcn? Welche Lehrmittel bcthsttigcu vorzüglich die A lisch au u ng/ welche das Gcdstchtnisi/ welche den Verstand? Lomenlu-, Basedow, Pestalozzi, Christian Wolf, Euter. VolkSschnl- lehrer von Harnisch. Itt. 2. S- 82. Erste Bildungsstufe. 5. In die erste Bildungüperiode fallen die sogenannten Vorübungen. Sie können und sollen schon im Elternhause beginnen. ES sind körperliche und geistige: auf beide sollte die Schule sich einlasse«/ sobald die Kinder eintreten. Mio soll in vieler Hinsicht die Schule mit dem Elternhause in Verbindung treten? Sind Klci»ki „ derschulen für Kinder von 2—.; Jahren zwcckmstfiig? In wiefern dürfen wir die Mütter für die Bildung des Kindes in Anspruch 19 nehmen? Darf der Lchrcr spielend unterrichten? Welche körperlichen Uebungen sind den Mädchen anzuweisen? Vor welcher Art von Ucbcrfüllung durch Unterricht hat sich der Lchrcr in dieser Periode zu hüten? S- Wie Gertrud ihre Kinder lehrt, von Postalozzl; sämtliche Werke, htcr Theil, Stuttgart u. Tübingc» 1823. Desselben Buch der Mütter; da> selbst 1803. Stzruvc, «der Erzichnng n. Behandlung der Kinder luden ersten Lcbcnsiahrsn, 2te Anst. Hanovcr 1803, »nd Anhang zu dem Vorige» , ebendaselbst 1806. Heust ngcr, über Benutzung des Thätigkeits- tricbes der Kinder, Gotha 17-S. Wilderspinc, über Kleinkinderschule», au§ dem Englischen übersetzt. Wien 182S. Zu Vorübungen im Sprechen: Kinderbuch von Friedrich Gcdicke, 2tc Aufl. Berlin 1708. Für Anschauung u. Sprechübung: Bascdow'S Elcmentanverk mit Kupscrn. Dessau 1774. Fr. Richters Levana. Berlin 1827. tz. 6. Die weniger beachteten und dennoch sehr wichtigen Vorübungen sind diejenigen im Sprechen, Nacherzählen und Singen; in der Entwicklung und Uebung des Anschauung övermögenS durch Betrachtung der Naturkörper, im Zählen, Messen und im Formen und Zeichnen. (Sinnenbildung, Organ c n b i l d u n g, Schätze n.) Welche Nachtheile bringt die Vernachläßigung solcher Vorübungen, so wie daS zu lange Verweilen bei denselben? H» wie fern und wie soll man die Kleinen singen lehren? Und welche Schranken seht die Fürsorge für ihre Gesundheit diesem Unterrichte? Warum sind Naturkörper den Bilderbüchern vorzuziehen? Welche Beschränkung erfordert die Rücksicht auf dass zarte Alter beim Unterrichte im Zählen und Messen? Warum soll dass Formen dem Zeichne» vorangehen? Welche Spiele untersiühcn diese Vorübungen? S. Bcsclircibnng »nd Boezcignng mcincr Zähl- und Rechnen»,«- schine, meines S vi cl - APParats süe das zarte Kindcsa 1 ter. Die Kunst des Gesanges, v. Marx. Berlin 182S. S. 347. Harnisch a. a. ü. p. 101 ». s. f. §. 7. Die sehr empfohlenen, aber unzweckmäßigsten und schädlichsten Vorübungen sind das verfrühete Kopfrechnen, M dessen Stelle daö Ponderiren treten muß, die sogenannten Vcrstandc 6 übungen, die m e- chanischeu Gedächtnißübnngen, deren Stoff der * 20 Anschauung nicht nahe gebracht werden kann, das allzu- frühe Lesen, Schreiben, Rechnen nach dem Buche. Woher der oft bemerkte Stillstand in der Entwicklung des Kindes? Woher die oft beklagte Altklughcit? Woher der Widerwille im Knabenalter gegen anstrengende Geistesarbeit? Woher die Lesegier und die Scheu vor körperlicher Uebung? Woher die frühe Ertödung statt Belebung des religiösen SinncS? S. Rousseau'? E»nl hin u. wieder. Erjiel»i»asschriste» v. Nesewlz. Revissvnswerk ». Campe / i» den sich hieraus beziehende» Abhandlungen. ?. 8. Von den Vorübungen geht man in der Grundschule über zur Mittheilung der auf dieser Bildungsstufe lehrbaren Fertigkeiten und Kenntnisse. I. Geistige Fertigkeiten.' Lesefertigkeit. ») Lautkenntniß und Lautverbindung. b) Zusammensetzung und Trennung der Sylben (Syllabiren, Buchstabiren.) <-) Lesen der Wörter und Sätze. (LeseMaschine und bewegliche Buchstaben.) ö. Die Schreibfertigkeit geht der Lesefertigkeit nicht voran, aber zur Seite. Sie beginnt nach den §. 6 genannten Vorübungen mit methodisch geordneten Schreibübungen: ») auf der Tafel und auf dem Papiere, und geht fort zur i>) Darstellung aus der inner» Anschauung, endigt auf dieser Stufe mit c) Schriftlicher Darstellung gehörter und selbst- erfundcner Sätze. 6. Linearzeichnung, als Unterstützung des Schreibund Zeichnungs. Unterrichtes und als für sich bestehendes Auge und Hand bildendes Unterrichtsfach; eS beginnt nach Vorlagen und Körpern: 21 ») mik den geradlinigten Figuren, geht fort zu i>) den krummlinigteu und endigt mit^ c) den gemischt linigten. Auch dieser Uebung geht zur Seite die v. Maßverhältniß.Lehre. ES werden gemessen und verglichen (geschätzt.) 2) Linien und Winkel, b) Figuren, c) Körper. L. Rechnen: 2) nach der Maschine und Einheitstabelle, Ponde- riren, t») systematisch in Stufengängen (Tafelrechnen) c) in Verbindung mit Anschauungsmitteln und wieder ohne dieselben. I?. Gcdächtnißübungen: 2) Sachgedächtniß durch Vor. und Nacherzählen b) W 0 rtgedächtniß durch Memoristrcn kleiner Lieder und leichtverständlicher bilderreicher Sprüche. c) Zahlgedächtniß durch Vor, und Nacherzäh. len mit Bestimmung des Jahres und Tages der Geschichte, mit Angabe von Maaß und Werth der Dinge. 6 . Gesang. Uebungen. Zuerst ohne Noten nach dem Gehör, alsdann mit Noten, und zwar, dem Alter angemessen: 2) melodische ii) melodisch, rhythmische c) melodisch - rhythmische und dynamische. n. Körperliche Uebungen und Fertigkeiten. 2. Uebungen der Füsse durch Schreiten, Gehen, Hüpfen, Laufen, Springen, Hinauf, und Hinabsteigen. 22 b. Uebungen der Arme durch Strecken, Heben, Werfen, Graben, Tragen, Hauen n. dgl. c. Gemischte Uebungen in geregelter Gymnastik und Tnrnspielen, Feld, Karten - und Hausarbeiten. ,1. Handhabung des Werkzeuges, als Beil, Bohrer, Hobel, Sage n. dgl. Fortsetzung des For- menS aus Lehm, GypS und Wachs. ' Soll mau lautircn zuerst oder buchstabircn? Wie bringt man in die Spräche dcS Kindes'Nc i nhc it, Stärke, Mo« , dnlation? Soll man Schreiben vor dem Lesen? Warum ist frühe Uebung in dem Lincarzcichncn so allgemein- wichtig? Soll man zuerst Zeichnen nach Vorlagen oder nach Körpern oder nach beiden neben einander? Wie weit dürfen die Maß-Verhältniß-Uebungen getrieben werden auf dieser Bildungsstufe? Hn welches' Verhältnis! zu einander sind die verschiedenartigen Gedächtniß«Uebungen z» . bringen? Warum fängt man den Gcsanguntcrricht lieber mit der Melodik an? Wie wc,t darf man in der Dynamik gehe» auf dieser Stufe? Was kann durch die Schule mittelbar und unmittelbar geschehen für den Unterricht in körperlichen Uebungen und Fertigkeiten? S. Stephani' s Haus- u. Wandfibcl. Erlanac» 1518, nebst seiner An< leitn»-,. Berlin 1818. Tillichs erstes Lesebuch, 2te Anst. Vrivziq IM. r-livlcrs ortho- epogravhischeö Elemcntarwerk, 2 Theile. Dessau 1808. Pädagogische und amtliche Berichte an das Publikum über Sliviers Laut. Methode. Meine Anleitung zum Gebrauch der Naslerischen lithogra, ohirtei, Schrcibvorlagcu. Basel 182t. Schulthcs, und Reu-HUn, An lcitunaen ,um Gebrauch der Einheitstabeilc, und Schulthcs! Ercm- vcltase ln. Zürich >82b. Eiiaguiz ^st^ul, n I'usage ile.e Sc». ie.e >ie in lsampaxne ,iu (lantunb'rihomL. briixiur-g > 8 :- 1 . Stephani'S anssührlichcr Unterricht zum Rechnen iu Volksschulen. Nürnberg 1816. GesinerS Neliaionsnnterricht für die zartere Jugend/ 6te Aust. Winter, thue 1826, liefert Stoff zu Gedächtnisübungen. Roch fehlt ein für diese Bildungsstufe eingerichtetes Buch «n solchen Uebungen. — Leichte Gesänge für den angegebene» Zweck findet man in dc» Saunnlnugcn von Nägeli in Zürich, Lauer iu Basel, Lind»er in Leimig. — Soicle zur Uebung und Erholung des Körners und Geistes für die Jugend — gesammcit und „taktisch bearbeitet, rwn Gnsshsmutbs, 8tc Aust. Schncpfenthal 1802 , und dessen G»»>uastik 1801. Ebendesselben lncchanische Rcbc»bcsa,ästi> gungcn, 2te Aust. Frankfurt 1817. Blasche, der Pavicrsormer; cbend. 1819. Desselben Pa voar bcitc n, sstc Anst. Ebcnd. 1811, und seine Wcrkstättc für Kinder, 4 Thl., Gotha 180-t. Zieglers Anleitung in Pavoarbeiten. Winterthnr 181ö. —Meine Abhandlung über eine von dem gewöhnliche» Unterricht abweichende Aicthodc im Zeichnet, in der wisseiil fchaftlichc» Zeitschrift, Bafel 1826 ltcS Heft. Leitfaden »um Zeichennnter. richt in Volksschulen v. Lübc»; im Volksschullehrer v. Harnifch. >>k- 2. §. 9. Die Kenntnisse, welche die Grundschule mittheilen soll, sind: i. Kenntniß der Volks- und Schriftsprache. Hinsichtlich der Volkssprache geht der deutsche und der schweizerische Lehrer mehr berichtigend und vergleichend zu Werke; die Schriftsprache lehrt er systematisch, doch nicht nach grammatischen Gerippen, sondern anü den Musterschriften der Deutschen, und nach einer naturgemäßen Methode. Wir' könne» dic Schwierigkeiten besiegt werden, welche die so sehr abweichende Volkssprache dein reinen und richtigen Sprechen nnd Schreiben der Schriftsprache entgegen stellt? Warm» können so viele Kinder nicht sprechen, ihre Gedanken nicht niederschreiben, dic Sprache des Evangeliums lind der Gcsche nicht verstehen? Wozu führt dic Sprachbanlchre ohne Sprachsinnlchre? Warum sangen unsere Sprachlehrer nicht mit dem Verbum an? Wie soll die Reproduktion und Sclbstcrfindung schon beim ersten Sprachunterrichte mit dem Hören verbunden werden? tiirarll xraniniairo llc lil cami'allne ponr Ic? 6c»Ics ruriller »>',. klibonrz >8ri. Meine Abhandlung über die girardische Methode in den Neben und Abhandlungen padag. Inhalts. Winterthnr 1824. Hülfsmittel filr den schweizerischen Lehrer snid Staldcrs Dtalck, tologic nnd Idiotikon. Aara» 1816 u. 1810, für den Deutsche» die Jdio. tika der verschiedenen Völkerschaften. Ganz »ach dieser Idee eingerichtet find dic Svr ach ü b n »g en oder Handbuch für Lehrer und Eltern, wcl, chc richtig Evrechcn nnd Schreiben lehren wolle». Stuttgart 1817. §. 10. Mit dem Unterricht in der Formenlehre der schriftdeutschcn Sprache, die von dem Verbum ausgehend nach und nach alle Nedethcile in den einfachen Sah aufnimmt, wird schon auf dieser Bildungsstufe die Wortbildung«;, und WortfngungS-Lehre vorgenom- mcn, und durch siere mündliche und schriftliche Einübung daö Erlernte befestigt. Die Lexikologie schließt sich unmittelbar an die Erklärung deö Lesebuchs. Statt dcS sogenannten DiktirenS zur Uebung im Nechtschrciben (ein wahrer Zeitraub) setzt der Lehrer nach wohlgeordneten Lehrmitteln diesen Unterricht in Verbindung mit der Grammatik und den Gcdächtnißübunge». Mas ist von der Behauptung G r i m m S, dcS kundigsten,Forschers der deutschen Sprache/ zu halte»/ dasi diese Sprache in deutschen Schulen gar nicht gelehrt werden sollte? In wiefern ist die Muttersprache die Sprachinutter? In wiefern ist dieser Unterricht die beste Logik und das vorzüglichste Mittel zur sogenannten harmonischen Bildung? Ist gutes Lesen / richtiges Schreiben möglich ohne genaue» grammatischen Unterricht? Wie sollen sich Sprachübungcn anschließen a» die Uebungen der Anschauung? Die Ansangsgriindc der deutsche» Svrachlchrc in Nee,ein und Aus, gaben für die ersten Anfänger, von Mö hing er, Lehrer der deutschen Sprache l» Hoswyl. Leipzig 1825; ein treffliches Hülfsmittel zur Formenlehre. Krause, Versuch eines methodischen Lehrbuchs der deutschen Sprache, für Schule», -t Theile, sstc Auff. 1825; ist siir die Salzbil- düng wichtig. Tillichs erster Unterricht; der zweite Theil, bearbeitet von Freudenreich, gehört hichcr. Leipzig 1820. Harnisch, zweite faßliche Anweisung zum ersten vollständige,, deutschen Sprachunterricht und desselben 2tes Svrachbuch. Brcslau 1818. T«rk, smulichc Wahrnehmungen a,S Grundlage des Unterrichts in der Muttersprache, 2tc Anst. 1817. Beckers deutsche Wortbildung. Frankfurt 1824. WcnigS gedrängtes Handwörterbuch der deutschen Svrache mit Bezeichnung der AuSsvrache und Betonung. Erfurt 1821.; siir Lerikologic unentbehrlich. Der schweizerische Lehrer Vergleiche mit demselben stets Stgldcrs Idiotikon. §. 11. Das Lesebuch für die Volksschule», welches auf eine nach dem LandeSbedürfniß eingerichtete Fibel folgt, muß die Realkennt Nisse enthalten; die Gespräche, welche sich an diese Lesung knüpfen, machen die sogenannten Verstandcsübungcn entbehrlich. Der Mcnsch und die Rat» r, deren Betrachtung zum Echo- pfcr führt; moralische Erzählungen, durch deren Entwicklung das Kind zur Einkehr in sich selbst genöthigt wird; Erzählungen aus der VatcrlandSgeschichte als Eh- renspicgel — gebe» den Stoff zum ersten Lesebuch, 25 der auch zur Unterstützung des religiösen Unterrichts (§. 1Z) benutzt werden kann. Was bleibt hinsichtlich einer zweckmäßigen Sprachsibcl zu wünschen übrig? Wie muß dieselbe für Schwcizcrschulcn eingerichtet werden? Wie kann sich der Lehrer in Ermanglung einer solchen behelfen ? Wie muß das Lesebuch benutzt werden für Kenntnisse/ für die Sprachübung und für die sittliche Bildung? Was hat der Lehrer bei der religiösen Natucbctrachtuiig vorzüglich ins Auge zu fassen? Wie zu verhüte»/ daß aus der Sittcnlchrc eine bloße KlughcitS- lchrc werde? Wie sorgt man dafür/ daß das Lesebuch den Kinder» nicht gleichgültig werde? Ist es besser/ mehrere Lesebücher zu haben oder nur Eines? S. Testes baslerisches Lesebuch. Basel 1822. (4 ae,) Schweizerischer Kiiidcesremid. Zürich 1822, 5te Slufl. Wilmsens deutscher Kindcrsreuud, Ner Theil, Berlin 1820. L'ohr erste Vorbereitungen für Kinder, 4 Theile, 2tc Anst. Leipzig 18l>b-18. — Sticrlin, schweizerischer Ehrcnspiegcl. Vern 1820. Erzählungen für die zartere Jugend. Stuttgard 1826. §. 12. Zur Bildung dcö Charakters seiner Zog, lingc kann der Lehrer, selbst wenn ihm die häusliche Erziehung entgegen wirkt, vieles thnn: 1. Durch Gewöhnung an Reinlichkeit, anOrd- nung in allen Dingen, an Gehorsam, Ausdauer, Selbstbeherrschung. 2. Durch strenge Handhabung der Gesetze mit liebreicher Hinwcisnng auf deren Nothwendigkeit (Schnl- zucht im christlichen Sinne.) Z. Durch Unterhaltung der Eintracht und Liebe unter den Schülern (Gemciugcist, Iugcndfrcundschaft. 4. Durch alles, waü die Phantasie reinigt, veredelt und vom Gemein-Niedrigen abzieht. (Poesie, Anklänge . 1Z. Das höchste Ziel der Wirksamkeit des Lehrers in der Grundschule ist die Weck ung und Stärkung deS frühe erwachenden religiösen Sinnes. Juwürdi- gcr Stimmung, mit evangelischem Sinne und in edler Sprache begründet der christlichgesinnte Lehrer die Religion; er führt die Kinder zu dem größten Kiudcr- frcunde, nach seinem Vorbilde kleidet er das Erhabenste in das lieblichste Gewand, wo immer möglich, durch das heilige Lied erhöhend den Eindruck der evangelischen Lehre, die auö der wohlbenutztcn evangelischen Erzählung geschöpft worden. Die Jahreszeiten, der Wochenschluß und Anfang, das christliche Kirchenjahr/ Dankfeste/ freudige und traurige Vorfälle in der Umgebung liefern reichen Stoff zu solcher Belehrung, die aus dem Herzen kommend stets zum Herzen gehen wird. Darf der Lehrer mit solcher Belehrung warten bis auf späteres Alter? Wie kann er rühren ohne zu tändeln, erschüttern ohne zu schrecken? Wie wird die Geschichte für die Belehrung benutzt? Wie die Lehre durch Geschichte erläutert? Welche Behutsamkeit fordert die Behandlung der alt-testamentlichen Geschichte? (i Cor. st. i.) Wie wehrt der Lehrer dem Mechanismus und der daraus entstehenden Kälte beim Gebete? S. Von den, christlichen Religionsunterricht/ von I. Georg Müller. Wintcrthiir 1800; desselben Glaubenslehre in biblischen Sprüche», 8tc Anst. Schaffhanscn t81l. Erzählungen (biblische) von tzieddersc»; von der asketischen Gesellschaft in Zürich. Sammlung biblischer Historien, »ach Hüb- »er (von Ranschcnbnsch) Schweln,. 18M. Schmidt biblische Geschichte sür Kinder zum planmäliigen unterricht sür die Schulen Bauern«, 8 Theile. 27 ?»»dsl)»t 1812. SchcUcnbcrgS Kuvscr zu den bivlischcu Erzähluuqcn, mit berichtigtem Texte v. B er» e r. Wiuterthnr 1826. Evruchbuch in Pcr- l'iudumi mit piederverfen. Veivzig 1802. Denzels biblische Svrüche; Itcr 2ter Ciirfns. Stuttgart 1815. fragen an Kinder/ v. der astetischc» Gesellschaft in Zürich 1798. Zweite Bildungsstufe. H. 14. Von, neunten bis vierzehnten Jähret«, tcn die Kinder auf die Bildungsstufe, welche wir Periode des Gedächtnisses nennen. In der Landschule er, folgt hier der Ucbergang in die höhere Klasse, i-n den Stadtschulen meist in Klassen oder in Anstalten, wo man fremde Sprachen neben der Muttersprache lehrt. Aber selbst in der sogenannten gelehrten Schule wird die allgemeine Bil, düng durch Fortsetzung, Vervollkommnung und Erwci, tcrnng der auf der ersten Stufe erworbenen Fertigkeiten «nd Kenntnisse gefördert. Von der Verglcichung der Muttersprache (der durch Kultur veredelten, oder Schrift- spräche) geht aller Unterricht aus; an dieser werden die allgemeinen Sprachgcsetze entwickelt. AIS Denk Mittel, als geistiges Erwerb Mittel, als Mittel der Darstellung und V crgleichung, wird sie der Mitte l p u n k t alles LcrncnS; sie ist der Maaßstab der geistigen Entwicklung des Kindes nnd also der bessern Behandlung werth, welche sie nun überall erfahrt. Nach diesen, Grundsätze muß nun alles Folgende beurtheilt werden. Dürfen wir diese Stufe schon Verstandes'Periode nennen ? Kann auf dieser Stufe das Bewußtsein über die Muttersprache erst durch die Anschauung einer fremden Sprache entstehen? Woher kommt cS, wenn der beste Schüler der französischen oder lateinischen Klasse nicht auch der beste Schüler in der deutschen Klaffe ist? Ist cS rathsam, das Erlernen fremder Sprachen auf spätere Zeiten zurück z" drangen? Zst cS richtig, daß man dem Kinde von12 Jahren noch nicht zuinuthen dürfe, sich in eigenen deutschen Aufsähe,, versuchen? Welches mochte wohl der beste deutsche Zettel zu lateinischem oder französischem Einschlage seyn? In wiefern darfdas Geschlecht oder der künftige wahr- 28 schcinliche Beruf des Kindes schon auf dieser Bildungsstufe berücksichtigt werden? Gehöre» die sogenannten Gcschöftsauf- ssitzc schon in diese Vildungspcriovc? Giebt es Beschrank- ungcn im Wissen und Können für Kinder in Landschulen auf dieser Bildungsstufe? DenzcI V. E. E!»lcttu»a t» die Erziel,unas < und ttntcn'tchlslchrc für Bvlksschullchrer, Zter Theil. Stuttaart 1822. Ecdaiike», Vorschlüge und Wünsche, von R c sew i v. Berlin 1778. Erster Bond, 3tcö Stück. S. 25. Wagner System dcS Unterricht». Aarau 1821. §. 143 u. s. f. Spille ke gesammelte Schulschristen. Berlin u. LandSbcrg 1825. S. 1--7. u. a. a. S. §. 15. Unter den Fertigkeiten, anf deren mög. lichste Steigerung besonders in der ersten Hälfte dieser Bildungöperiode zu achten ist, nennen wir zuerst das laute Lesen mit Ausdruck in prosaischer und poetischer Darstellung, und das stille Lesen mit dem Auge, an welches sich die so nützlichen orthographj. sehen Lese Übungen reihen. Jenes wird gefördert: 1) durch guten Vertrag des Lehrers, 2 ) durch das öf- tere Zurückgehen zu den Uebungen der ersten Bildungsstufe, 5) durch genaue grammatikalische Entwicklung und 4) durch gute Auswahl und sorgfältigen Wechsel des Lehrstoffes. Daö letztere, so wichtig für die übrige Lernzeit, erfordert zweckmäßige Uebungen in einer gewissen Reihefolge und fällt zum Theil dem häuslichen Fleiße anheim. Welche früher genannte Fertigkeiten erscheinen auf dieser Bildungsstufe als Kenntnisse? Warum ist die Fertigkeit al, solche von großem Werthe? Warum giebt eS so viele Ausgeschulte, die weder richtig, noch ausdrucksvoll, noch fertig lesen können? 3» wiefern fallen die Gedacht - nißübungen mit diesen Lcscübungcn zusammen? Hangt denn so vieles vom Buchstabircn ab, wie man behauptet? Entsprechen unsere Lehrmittel den Forderungen der Zeit hinsichtlich auf das Gutlescn und die Fertigkeit? In wcl- ' chem Verhältniß müssen diese beiden Uebungen zu ciiiander stehen? In welcher Wechselwirkung stehen DcklamationS- und Gesangübung? 29 Scidcnstnckcrs Eutonia. Dortmund 1810. Zweites u. drittes basierst schcs Lesebuch. Basel 1820—28 Kcrndö r fers Handbuch für Deklamation. Leipzig, 8 Bde. 1815. Ar. A. Wolf über ei» Wort Friedrichs des Grosteii. Berlin 1818. Herder, von der Ausbildung der Rede und Sprache in kin- der» und Jünglinge» r Bildung dcr Jugend benuhc» j» lerne». B, Schulfreund, l4teS Bündchen. S. 85. n. s, s. ZO 17. Jtl der nächsten Verbindung mit solchen Fertigkeiten steht die auf dieser Stufe sorgfältig fortzusetzende und zu erweiternde Uebung in gebundener und ungebundener Zeichnung nach Vorlagen und nach Körpern, womit die geometrische Formenlehre in eine solche Verbindung gebracht wird, daß sich diese Lehrfächer wechselseitig unterstützen. An und für sich selbst stnd diese Uebungen ungemein wichtig und bildend; in unsrer Zeit aber ist cS eine der schwersten Unterlassungssünden gegen die Jugend jedes Geschlechtes und jedes Standes in allen Ländern, wenn ihnen diese nothwendigen und unentbehrlichen BerufSkennlnisse nicht mitgetheilt oder durch mangelhaften Unterricht verkümmert werden. Nur durch Aufnahme dieses Unterrichts-Zweiges in alle Schulen können wir die Menge der Lehrstunden vor Sachkundigen rechtfertigen. Laßt sich wohl, wie Nicmeycr behauptet/ (a. a. O. II. pag. tLt>.) keine feste Regel des StnfcngaugS von dem clc- mcntarischcn Zeichenunterrichte zu dem höbern bis zur Malerei finden? Beschränkt die Kunst ihre Lehrlinge durch einen geordneten Lehrgang? Darf der Unterricht im Zeichnen stets und in der geometrischen Formenlehre nie ein stilles Pensum seyn? Welche Beschränkung des Unterrichts verlangt die Rücksicht auf die Schulzeit? In welche Verbindung ist der Unterricht im Zeichnen mit dem Unterricht in der Naturgeschichte und Geographie zu bringen? h. 18. Vorzüglich wichtig ist ein gründlicher Un- terricht in der geometrischen Formenlehre, wenn das Ausschweifen inS Unendliche und die Herabwürdi- gung dieses Bildungsmittels zum Gedächtnißwcrk dabei verhütet wird. Das Kind lernt durch diese Uebungen richtig sehen, vergleichen, unterscheiden, nr- theilen;, es wird von einer Erfindung zur andern geführt und auf diesem Wege die Selb stthä tigkeit angeregt. AlS Sprachübungen hat dieser Lehrgegen- 31 stand keineswegs den Werth, welchen man ihm beizulegen pflegt; wichtiger ist derselbe in Beziehung auf die Z. 17 erwähnten Gegenstände; am wichtigsten als Grundlage der Geometrie. Der auf dieser Bildungsstufe durchzuführende CursuS, in welchem A u ffassu n g, Darstellung und Berechnung einander in jedem Abschnitte folgen, ist eine Fortsetzung und Erweiternng des frühern mit Hinwcisung auf die Anwendungen im tägliche» Leben. Noch haben wir nur Versuche zur Abfassung von Lehrmitteln für den also behandelten Lehr- zwcig. Ä» welchem Verhältniß stehe» I. Schmidö Leitfaden zur Lehrbücher zu unsrer Aufgabe? Welche Modifikation scheint dieser Unterricht i» Mädchenschulen zu fordern? Täcks ?lnlcik»»a zur Behandln»» der Formen- und Groäenlchre. Berlin 1821, (1 Rthr. 18 gr.) Nauisaucrs Forme»' Maß - und Kor- rcrlchrc, inctliodisch bearb. Stntt». «. Tub. 182s, besonders die Einleit»»». §. 19. Die Fertigkeit in LeibcSbewegungcn wird in dieser Bildungöperiode durch eine auf daö Geschlecht, das Alter und die eigenthümliche Körperanlage der Schüler wohl berechnete, dem Hauptzweck stets un- tergcorduetc Gymnastik erzielt, von welcher das Schwimmen, wo die Oertlichkcit cö gestaltet, am wenigsten ausgeschlossen ist. Wo diese Uebungen nicht mit dem öffentlichen Unterrichte verbunden sind, kann durch Privat- vereinc vieles allmälig eingerichtet werden. Sie müssen sich aber durch eine freie Form und durch Beschränkung auf ihren Hauptzweck auch dem Acngstlich- sten alö wesentlicher Theil der Bildung empfehlen. Warum wurdc dir Gymnastik von dcn Griechen so eifrig selbst »och im Manncüaltcr getrieben? Welche Leibesübungen find auf dieser Stufe die wichtigsten? Z„ welches Verhältnis, müsse» die gymnastischen Uebungen mit den geistige» gebracht werden ? Wie läfit sich Gesang mit Gymnastik verbinde»? Was kann durch die Gymnastik geschehen für die mililairischc Vorbildung? Z2 Was Fr. Jakobs (Anzeiger der Deutsche». 1817 Nro. 2L9.) Franz Passow. Turazicl. Breslau 1817. Fr. Thicrsch in der Zucigmmg seiner Ausgabe des Pindaros an Iah» sür die Leibes,chunaen vorgebracht, findet sich i>» Auszug in den Stimmen über das Turn Wesen, von I. C. v. Örclli, Pros. Sechzig u. Zürich 1820. Als Arzt hat diesen Gegenstand behandelt der Professor v. Konen in seiner Schrift: Leben und Turnen, Turnen und Leben. Berlin 181». Guthsmuths, kleines Lehrbuch der Schwimmkunst. Weimar 1798. Das Ganze der Schwimmkunst. Berlin 1817. §.20. Unter den Kenntnissen, welche die Grundschule in ihrer höher» Klasse mitzutheilen hat, steht oben an die Muttersprache (Schriftspracheder Deutschen.) Die auf der ersten Bildungsstufe vorkommenden Uebungen werden nun in der erforderlichen Ausdehnung gesteigert. Die rein-deutsche Volksschule faßt inS Auge die Abweichungen der Schriftsprache von der Volkssprache der äußern Form, der Derb in- düng im Satze und in der Periode, und derBe- deutung nach; die deutsch-französische (Realschule) vergleicht die deutsche Schriftsprache mit der französischen; die diesen Schulen gleichlaufenden Klassen der lateinischen Schulen, der Gymnasien behandeln das Abweichende der lateinischen von der schriftdeutschen Sprache. Ist er möglich, eine fremde Sprache ohne Vcrglcichung mit der Muttersprache des Lernenden zu lehren? Zn welchem Verhältnisse stehen die bisher gebrauchten Lehrmittel zu einem Sprachunterrichte unsrer Art, und welche Materialien sind hiefür zu benutzen? Wie sind die Uebungen im Uebcrsetzcu auS der fremden und in die fremde Sprache mit dem grammatikalischen und lcxikologischcn Unterrichte und mit dem Lesen der deutschen Musterschriften zweckmäßig zu verbinden? Zn wiefern ist die Kenntniß der lateinischen Sprache ein Mittel zur gründliche» Erlernung der deutschen? Wann dürfen die sogenannten Dcklamirübun- gen vorkommen, und in welcher Ausdehnung ? Welche im Leben vorkommende Sprachübungen sind von der Schule auszuschließen? Wie kann der Lehrer auf dieser Bildungsstufe dem gewohnten Schcmatistrcn eben sowohl entweichen als dem un- zeitigen Phtlosophircn ? Welche Behandlung der Poesie crfor- dcrt dcr allgemeine Zweck des' Unterrichts auf dieser Bildungsstufe? In welche Verbindung kann die Lesung der Dichter mit dem grammatischen Studium treten? LhicrsÄ, über gelehrte Schulen. S. 181 u. s. s. Stuttgart und Tu, hinge» 1826. Vv»> guten Vortrage heim Lesen, v. I. L. Tamm, in den Erziel,ungsschristen V. Resewii, ,»tcr Band, Istcs Stück. Ber> lin 1817. S- HZ. Wichtige Fragen, ebendaselbst, 2tes Stück S- 51—58. Svillckc a. a. O. S. 87. PreiSschrist über die beste Methode, iunge Leute anzuleiten und zu üben, ihre Gedanke» schriftlich auszudrücken. In den Gedanken und Wünschen von Rescwiz, Ztcr Band, 4tes Stück. Berlin u. Stettin 1782. Stevha »i, über den Svrachunkerricht in Volksschulen ; im baverschcn Schulsrcund, Utes Bündchen. S. 42, ebendaselbst 12tcs Bd. S- ?2. Probcarbeitc» von Kindern von 11—18 Jahren, die nach dem Geiste dcr bildenden Sprachlehre in Harthausen unterrichtet wurden. Das. S. -l>—1V1. 21. DaS zweite Hauptfach ist die Mathema- ti k. Als ergreifende GcisteSbcschäftigung und in Beziehung auf die Jugend alö Bildungömmel schon sehr wichtig, wird sie eS noch mehr auf dieser Bildungsstufe, wo das Kind eine Reihe von Schlüssen im Gedächtniß festhalten nnd von. Bekannten auf das Unbekannte fol- gerecht zu schließen angeleitet werden kann. Von dieser Ansicht geleitet, wird der Lehrer stets an den im ersten Lehrkurse angefangenen Unterricht das folgende anknüpfen und das angemessene Verhältniß zwischen der D e- monstration, Einübung und Selbsterfindung eintreten lassen. Bei den Anwendungen darf nicht nur, sondern soll auch die Rücksicht auf das im bürgerlichen Verkehr, nnd zwar nicht blos auf das in den eng- sten Kreisen vorkommende, vorwalten. Die nur zurückgedrängten aber nicht verbannten VersinnlichungSmittel werden, je nach Bedürfniß, besonders bei der Wiederholung vorgerufen, und der Schwache wird also über dem Starken nicht versäumt. In welchem Umfange hier die Geometrie und Elementar - Algebra gelehrt werden können, das müsse» die äußern Verhältnisse der Schule und die Fortschritte der Schüler bestimmen. Mathematische Z ' Geographie und Elementar-Mechanik sollte mit diesem Unterrichte nothwendig verbunden werden. Welche Rücksichten gebieten uns, die Mathematik als formales Bildnngsmittel und als Bcrufskciintuiß neben dem Sprachunterrichte zu einem Hauptfach zu erheben? Welche Beschränkung gebieten Geschlecht und Alter der Kinder? In welcher Verbindung steht sie mit dem Sprachunterrichte? Vor welchen Irrwegen hat sich der Lehrer bei Erthci- lung dieses Unterrichtes zu hüten? Warum soll derselbe beim Unterrichte in der mathematischen Geographie und Elementar-Mcchanik nicht mehr sagen als er zeigen kann? Unger, das Wesen der Arithmetik, Lcibiig 1810. I. A. Matthias Leitfaden für eine» heuristischen Schulunterricht über die allgemeine Gröhenlchrc, Elementargcomctrie ic. nebst Erläuterungen. Magdeburg 1814—15. Große, über den Unterricht Inder Mathematik »ud Arithmetik auf Schulen, in Ncscwi» Gedanken!«., Z Theil, 2teS Stück. §. 22. Die Naturkunde erscheint nun auf dieser Stufe in systematischer Form und in angemessenem Umfang. Mit Ausschluß aller Tändelei gebe der Lehrer von der Erdrinde auö zu den Pflanzen und Thieren nach dem natürlichen System, immer durch Poneigen und Vor- zeichnen die Beschreibung erzeugend, in dem er an den bekannten und hablichen Stellvertretern das jeder Familie eigenthümliche auffinden läßt. Die Heimat und die Be- Nutzung der Mineralien, Pflanzen lind Thiere wird in der Folge beiläufig erzählt, später das Zerstreute unter Haupt- gesichtSpunkte gebracht und so der Blick des Kindes vom Geschöpfe auf den großen Schöpfer gelenkt, und auf des Ganzen Zusammenhang und Zweckmäßigkeit. An Beobachtung deö Einzelnen und an das Schließen auf allgemeine Gesetze gewöhnt, werden die Schüler am Schlüsse der Lehrknrse dieser Bildnngüpcriode oder beim Eintritt auf die dritte Bildungsstufe mit nicht geringem Nutzen dasjenige aus der Naturlehre lernen, was jedem Stand und Geschlechte, vorzüglich aber dem Landmann und Techniker zu wissen nöthig und nützlich ist. Die ZL sogenannte VolkSnatnrl ehre ist in der nenern Zeit mit Erfolg auch in den bessern Landschulen gelehrt wor- den. Welches sind die natürlichen Beschränkungen des natur- hisiorischcn Unterrichts in den Bürgerschulen und Obcrklas- scn der Landschulen auf dieser Bildungsstufe? Darf dem weiblichen Geschlechte der Unterricht in der Naturkunde vorenthalten werden? Bedarf eS eines kostbaren ApparatS zur Darstellung der wichtigsten Erscheinungen/ welche die Physik zu erklären sucht? Auf welchem Wege kann der Lehrer seine naturwissenschaftlichen Kenntnisse erweitern? Wie verschafft er zuerst sich selbst und alsdann seinen Schülern eine die edelste Wißbegierde befriedigende und zur religiösen Betrachtung leitende Ansicht des Weltalls? In welche aufhellende Verbindung kann dieser Unterricht mit dem Lesen der Bibel (Psalmen und Hiob) gebracht werden? Welcher Vorsicht bedarf cS bei der Belehrung über Giftpflanzen und andere Gifte? Der Vcrsuch ciuor Auswahl des Wissonswürdigstcn aus der Naturgeschichte nach Lchrkursrn ist von mir cicdoch aus Gründen in einer andern Ordnung) gemacht worden in dem daöicrischen Lesebuch. Basel 1820—2S, 4 Bändche». Pdhlmann, wie lehrt man Kinder im Buche der Natur lese» ? oder svkratischc Unterhaltungen eines Lehrers mit seinen Schülern über Gegenstände der Natur, 4 Theile. Erlangen 1802— 1807 l7 Thlr. 8 gr.) Von T ü r k, die Erscheinungen in der Natur. Ein Buch für Eltern, Erzieher, Lehrer und vorzüglich für Volksschulen. Essen. 1820 (1 1/2 Thlr.) Mclos, Naturgeschichte für Bürger und Volksschulen, mit 132 Abbildungen. Weimar 1822. (1 Thlr.) Schubert, Lehrbuch der Natur-geschichte für den ersten Unterricht. Erlangen 1825. (8 gr.) §. 23 . Bei der Fortführung des geographisch. historischen CnrsuS muß OrtS künde/ Vater land Stunde/ Weltkunde in verhältnißmäßigem Umfang und daS Geschichtliche mit genauer Bezeichnung deö OrteS, der Zeit und der wichtigsten gleichzeitigen Ereignisse gelehrt werden/ so daß sich Geographie und Geschichte stets unterstützen. Ein Lesebuch dient besser als ein Lehrbuch zur Erreichung dieses Zweckeö/ wo ivic bei der Weltkunde die Auswahl aus dem überreichen Stoffe so schwierig ist/ anderseits/ wie bei der OrtS- und Landeskunde/ 36 der znverläßigcn Nachrichten gewöhnlich so wenige sind. Wenn der Lehrer weder mit der sogenannten reinen Geographie, und den Abdachungen auf der flachen Karte die Kinder langweilt, noch mit der üblichen zur Zeit noch meist materiellen Statistik überladet; wenn er vor »»zeitigem Moralisircn und Politisiern sich hütet und das Alte weder auf Unkosten des Neuen erhebt, noch die Zeitgenossen überschätzt, so wird er gewiß ungcsncht diesem Unterrichte seine würdige Stellung im Gcsammt- plane sichern. Vom 9ten bis i-Uen Jahre lassen sich übn- genS die topographischen, geographischen und historischen Curse also vertheilen, daß durch die Wiederholung alles Wichtige dem Gedächtniß fest eingeprägt und alles Reizende und Erhebende dem Gemüthe nahe gebracht werden kann. Mit dem Sprachunterrichte bringt der Lehrer diese Lehrgcgenständc durch mündliches und sch r i ft- licheS Wiederholen in eine zweckmäßige Verbindung und sucht hinwieder in dem Lehrstoffe für Sprachübungcn die Unterstützungsmittel für das historisch, geographische Pensum. An die Schulpcnsen knüpft der sinnige Lehrer durch Rath und Leitung die häusliche Lcctüre, wo solche statt finden kann. Warum wissen oft die Schüler von fremden Völkern so viel, von der nächsten Heimat (der Verfassung z. B.) so wenig? WaS sollte jedes Baucrnkind von seinem Vaterlande und von der Welt wisse»? Wie kann das Volk mittelbar und unmittelbar durch die Schule zur Vaterlandsliebe erzogen werden? Ist eS zweckmäßig, daß die Schüler in der Schule die geographische Karte vor sich legen zum Nachsehe»? In welchem Falle könnten die Kinder altklug werden durch die Geschichte? Wie ist die Mythologie in der Volksschule zu behandeln? Welche Notizen aus der Culturgcschichte sind am wichtigsten für diese Schule? Wie sollen chronologische Tabellen entworfen und allmählig ausgefüllt werden? Darf in der kleinsten Dorfschule eine Karte von Palästina fehlen? In welche Verbindung ist zur Befestigung des in dem ge- Z7 graphischen Unterrichte Erlernten dieses Pensum mit dem ZeichiiungSuntcrrichtc zu setzen? Sck>I öYcrs Vorbereitung zur Weltgeschichte nebst der Zeittafel, Göt »Inge» 18V6. (8 gr.) Straß, Strom der Zeiten. Berlin 1802 littuminirt, 5 Rkhlr.) S e i d cn stii eker, iiber den Kescbichtsvortrag aus Schule», in seinen Aussalzen padag. und vhilol. Inhalts. Heimstatt 1795. F r. Kohl rausch, Bemerkungen über die Stufenfolge des Geschichtsunterrichts. Halle 181» (8 gr.) Dresch D. L. v., über den methodischen Unterricht i» der allgcm. Geschichte und die zweckmäßigsten Hülfsmittel dazu. Weimar 1818, (Z Thlr.) Rdhr, Palästina. Zeiz. 1820, mit einer Karte. Melos, Beschreibung des jüdischen Landes zur Zeit Jesu, mit einer Karte. Weimar 1822. §. 24 . Wenn auch die Phantasie auf dieser Bit- dnngsstufe vor dem Gedächtnißvermögcn zurücktritt und dieses nebst der erwachenden Urtheilskraft hier mehr in Anspruch z» nehmen ist, so hat dennoch die Schule, indem sie eine harmonische Entwicklung aller Anlagen dem hoch. stell Zwecke alles Unterrichtes gemäß erzielt, die Bildung und Reinigung der Phantasie nicht zu vernachläßigcn. Die Ursache vieler Vergehungen muß ja der Psychologe in einer verwahrloscten, mißleiteten und verwüsteten Phantasie aufsuchen. Deßhalb hat erstlich der Lehrer jene Eintönigkeit aus dem Vortrage und jenen Me. chaniSmuS aus der Lehrwetse sorgfältig zu entfernen, welche, wie traurige Erfahrungen lehren,, das Leben der Anschauung schwächen, das Kind auf sich selbst zurückdrängen und zum Schaffen phantastischer Gebilde zwingen, indem eS auch dem einschläferndsten Schlendrian keineswegs gelingen kann, diese Anlage ganz zu ersticken. Zweitens muß er vorzüglich darauf Bedacht nehmen, daß im Neligionspensum, nach dem Beispiele des Heilandes, in Erzählung und Lehre nur solche Bilder der Phantasie vorgeführt werden', die den Zweck dieses Unterrichtes unterstützen, nicht aber denselben zerstören. Drittens muß er die Auswahl der poetischen Lehrmittel, besonders des Gesangstoffes mit Vorsicht treffen. Dieses Pensum Z8 darf jedoch nicht überschätzt, noch weniger von der auf dieser Bildungsstufe so lehrreichen und das Gemüth er- greifenden Naturbetrachtung getrennt werden. Endlich soll er die Schüler in und außer der Schule, so weit es möglich ist, hinsichtlich ihres Umgangs zwav nicht ängstlich bewachen, doch beobachten, damit kein böser Feind das schwer zu tilgende Unkraut säe unter den guten Walzen. Welcher Plan zu methodischer Ertödung der Phantasie möchte wohl am schnellsten z»m Ziele führen? Könnte wohl irgend ein Lehrfach genannt werden, das der Cultur dieses Vermögens keine Nahrung böte? Welchen Einfluß hat der Müßiggang überhaupt und die Nichtbcschäftiguiig und Nichtanrcgung in der Schule besonders auf Mifilcitung der Phantasie? Was kann durch Verbindung der körperlichen Arbeit mit der GeistcSbeschöftigung für Gesunderhaltung und Entwüstung der Phantasie geschehen? Kann wirklich die Bildung des Gemüths durch Anregung und Entwicklung des SchönhcitsgcfühleS nicht zu den allgemeinen Tendenzen der Pädagogik gerechnet werden? Wie sind Musik, Zeichnen und Deklamation in eine zweckmäßige Verbindung zu bringen zur Untcrstühung des oben genannten Zweckes? Was ist von Schauspielen für Kinder und durch Kinder zu halten, die oft in Städten und Flecken verlangt werden? Del brück Ansichten der Gemütbswclt. Magdeburg 1811; derselbe über das Schöne. Berlin 1800. Ni eine »er a. a. ö. Tb. 1. S. 580. Nebe, der Schullehrcrberuf, Grundlage einer praktischen Anitsvorschrift für Lehrer in Bürger - und Landschule». Eiscnach 1825. S. 56. u. s. f. Herz Versuch über den Geschmack. Berlin, 2te Aufl. 1790. Jakobs Al< Win unb Theodor. Nürnberg 1824- Meier, die Gräuelscenen in Wllde- spuch, 2tc Aufl. Zürich 1824. Krummachcr Parabeln, 2 Bde. 1814 u. 1815. Schmids, Verfasser der Ostereier, sämtliche Werke. München 1825 , 4 Bde. Bellerman», über den Anbau der Phantasie in pädagogischer Hinsicht. Berlin 1805. Nevisionswcrk vin. 150. Ebendaselbst XII. 501—506. Aus solche Liederbücher, Gcbetsammlungcn und kleine Erbau- uugsschristcn , welche die Phantasie »»pädagogisch anregen, ist besonders zu achten. §. 25 . Die Bildung des Charakters ist auf dieser Stufe von der höchsten Wichtigkeit. Von der 39 Persönlichkeit des Lehrers, von dem Lehrstoffe und der Lcbrordnung hängt daS meiste ab; vieles auch von dem Geist der Schule und den Einwirkungen derEltern, derBücherund derJugend- genossen. Der Lehrer sucht den Schüler an Offen- heit durch Vertrauen, an Selbstbeherrschung durch Beharrlichkeit im Fordern zu gewöhnen. Die Arbeitsamkeit und Ausdauer des Zöglings ist die Frucht des guten Beispiels, der zweckmäßigen Behandlung des Lehrstoffes, der Einfachheit des LchrplanS und der festen Schulordnung. Durch Verhütung der Viel- geschäftlgkeit steuert man dem Ekel an anhaltender Arbeit, und feste Grundsätze sind die Frucht klarer Vorstellungen, welche der gründliche Unterricht erzeugt. Auch gutgewählte moralische Lektüre und sorgfältig geleitete Leibesübungen tragen zur Festigung des Charakters bet. Welche Cbaraktcrtugcndcn und Charaktcrfchlcr scheinen national? welche dem weiblichen oder männlichen Geschlechte eigen? Welches sind die vornehmsten Quellen der Verweichlichung und Vcrflachung auf dieser Bildungsstufe? Wie ist Charakter ruhe ohne das AuSgleiten in un- jugendliche Kälte zu erzielen? Was können die VolkS- lchrcr thun, wo Charakterlosigkeit herrschender Charakter zu werden droht? Welche Lektüre ist besonders geeignet zur Bildung eines festen Charakters und Erhabenheit der Gesinnung ohne lächerliche Strenge und Ueberspannung? Wie kann der Jugendfreund des Zöglings vom Lehrer als Gehülfe zur Entwöhnung von Charakterfchlcrn benutzt werden? Welche» Einfluß auf Charakterbildung hat der Pen« siouSgeist und Familiengeist? Wie geht die Tapferkeit des Geistes aus Abhärtung und Uebung des Körpers hervor? Wie pflanzt der heilkundige Lehrer Frcimuth an die Stelle der Frechheit, natürliche Höflichkeit an die Stelle der Ab- geschliffcnheit, Besonnenheit, wo Vorwitz herrschend ist? Was ist von dem sogenannten Bändigen der ausgelassenen Kinder durch RcligionSmittel zu halten? Wie sichert man dieselben vor dem Uebergang zur Heuchelei? 40 Heide »reich, «der die Möglichkeit, feine LedenSgrt mit Redlichkeit des Charakters zu vereinige»; in den Betrachtung e n «der die feine Lebensart, nach dem Französischen des Adts Bcllcgard. Lcivzig 1804. Schwarz Erziehungslehre. Leipzig 1808. >11. 1 . S. 333. u. f. f. Nic- mcver a. a. ü. i>- S. 280. u. f. s. §. 34!>. u. f. f. I. «» dimi- ons. L la liavc 1752. Jselin Geschichte der Menschheit, 2te Ausi. 1758. 7tes u. 8tes Buch. Kleine .Schulschriste» von I. AI. Hamanu. Königsberg 1814. S. 83. u. f. f. Beispiele des Guten. Stuttgart 1810. Suclls Sittenlehrc in Beispielen f«r Bürger und Landlcutc. Wag » itz Moral in Beispielen. Halle 1755. §. 26 . Neligiosität als Ziel alles übrigen Stre. bens und als die lieblichste Frucht der harmonischen Bildung kann in dieser Periode nicht allein durch den systematischen Unterricht in der Religion fester begründet, sie soll auch durch würdige Behandlung der übrigen Untcrrichtügcgenständc befördert werden, ohne daß man in solchen Fächern irgend eine Gelegenheit zu religiösen Betrachtungen gleichsam mit Zwang herbeizieht. Eben so bildend sind, in Geschichte dargestellt, die Aeußerungen ächter Frömmigkeit, so wie der veredelte häusliche Gottesdienst als Veranlaßung zur Selbstkenutniß durch tägliche Selbstprüfung und als stete Anregung zum Besuch des öffentlichen. Endlich die gute Auswahl von Liedern und Sprüchen, welche dem Gedächtniß, doch nicht ohne Erklärung, eingeprägt werden. »Vor allem, sagt Riemeyer (a. a. O. n. i?o.) nährt die Religiosität der Jugend der Anblick des Beispiels der Erwachsenen besonders der Eltern und Erzieher, die Benutzung der Augenblicke wo ihre Seele allen bessern Eindrücken offen und zu höhern Empfindungen gestimmt ist, so wie, zur frühen Erwcckung eines christlichen Sinnes, die Veranschaulichung des Bildes des ErlöserS in seiner ganzen Hochheit, Heiligkeit und Güte mehr wirkt als aller an Forum, gebundene Unterricht." Auf Erweiterung deS religiösen Jdeenkreiseö sey der Lehrer mit allein Eifer bedacht, um der Einseitigkeit 41 und Unduldsamkeit, so wie der Gleichgültigkeit zu rech, ter Zeit zu steuern. Die Hinweisnng auf Erfüllung der Pflicht aus religiösen Beweggründen ist dieser Bil. dungöstufc ganz angemessen: für diesen Zweck ist die Bi, bel A. n. N. T6. reich an Beispielen. In welchem Zusammenhange steht die Bildung znr Religiosität mit der Cultur des sittlichen Gefühls? Wie und wo könne» die moralischen Erzählungen für religiöse Bil- düng benutzt werden? Waö könnte man einwende» gegen NicmcycrS Behauptung: (ll. 267;) cS läßt sich auch ein moralischer Charakter gar wohl denken, ohne zugleich ein religiöser zu seyn? Giebt eS eine wahre Religiosität ohne Sittlichkeit? Wie kann der Lehrer in die Lücke treten, wo der häusliche Gottesdienst unterbleibt oder mechanisch bc- gange» oder zur Plage des Kindes der Zeit nach allzuweit ausgedehnt wird? Wie kann in schicklicher Abwechslung der zusammenhängende Vertrag dem Religionsgesprächc vorangehen oder folgen? Welche Nachtheile hat die Verwandlung der NcligionSsiunden in blosic SvruchabhöruugS- oder in Betstunden? Was mnsi geschehen, damit die NeligionS- stundc zur Erbauungsstundc werde? Wie kann das Schul- gcbct zur Befestigung in der Religiosität benutzt werden, und welchen Mißbrauchen muß dabei der Lehrer steuern? Harnisch 0. S. 25«. U. s. f. Niemeyer ll. 267. u. f. s. Sehr wichtig sind die Bemerkungen von Nebe a. a. Ö. S. 208-258. Z c r< renncrs Atethodcnbuch, 6tcr Abschickt. Krusi biblische Ansichten der Werke Gottes zu religiöser Belebung der Volksbildung, Abtheilung I. Ansichten der äußern Natur. Zwerdu» 1816. W agu itz NcUgionslchre in Beispiele», 2 Theile. Halle 1777. Wegschcidcr, gegen die Trennung der Religion und Moral. Hamburg 180 t. Briesc an Bettina über die Religion, von Pseffcl. Basel 1824. Hesi, kehren, Thaten und Schicksale »»scrS Herr», von verschiedenen Seiten bclcncbtct, 2kc Aufl. Zürich 1817. (2 1/2 Rthr.) Schwari Anleitung iil dem unterricht der Jugend im Christenthum. Giessen 1818, besonders S. 577. u. s. s. Baslerischcs Lesebuch, ätcr Theil 182 t, isier Abschnit. Wagner, Svurcn der Gottheit im anscheinenden Zufall, 2 Theile. Berlin 18ll>. Lossius, Gumal und Lina, 6kc Aufl. Gotha 1817. Krui» machers Festbüchlcin, «Theile. Essen 1818-17. §. 27. In genaue Verbilidung mit dem Ncligions, unterricht sollte auf dieser Stufe der Unterricht in Poe. sie und Gesang gebracht werden, so weit es die Schul, zeit und die Hülfsmittel gestatten. Der Text des kirchlichen Gesangbuchs ist zunächst der Gegenstand einer sorgfältigen erklärenden, so wie einer prosodischen Behandlung , damit die Trennung von Musik und Andacht ver- hütet und das Mittel nicht über den Zweck erhoben werde. Aus der Prosodik und Metrik theile der Lehrer wenigstens so viel mit als nöthig ist, um das Ohr und Herz zerreißende unrythmische Geleier zu verbannen und Sinn für Wohllaut und NbytmuS einzupflanzen, wofür auch das Kind deS Landmannö nicht unempfänglich ist. Daß die Schü- ler zweitens die in Gesang - und Gebetbüchern und im poetischen Theile der 2ckbel vorkommende Dichtersprache verstehen lernen, mnß dem Lehrer vorzüglich anliegen. Endlich vergesse er ja nicht, daß cS lieblos wäre, derjenigen Klasse deü Volks, welche durch Mühseligkei- tcn und Entbehrungen aller Art am meisten niedergedrückt wird, dasjenige zu entziehen, was dieselbe, wie uralte Erfahrungen lehren, am meisten heben und veredeln kann. Dem Gesangunterricht ist auf dieser Stufe eine hinlängliche Stundenzahl anzuweisen, damit die Würde deS christlichen Gottesdienstes durch einen harmonischen Choral erhöht und das gesellschaftliche Leben durch das veredelte Volkslied (Figuralgesang) erheitert, jedes Gemüth aber, indem der edle Gesang den Ungeschmack verdrängt, zur Liebe deS Guten im Schönen entflammt werde. Denn wie die Leibesübungen zur Erhaltung der körperlichen Gesundheit dienen, also der Gesang zur Nei- nigung des Gemüthes und zur Beherrschung der Leiden- schaften. Die Gedächtnißübungen müssen den Gesang unterstützen, und durch die sorgfältigste Auswahl der Texte soll die Willigkeit zum Auswendiglernen vermittelt werden. Kirchenchöre und Sangvercinc beleben die Andacht nnd wecken Kemeinsinn; sie ergänzen sich aus der Volköschnle. Auf Erweiterung der Grenzen dieses Unterrichts kann und soll der Lehrer stets bedacht scun, da die Theilnahme an Gesangnbungen sich weit in die dritte Bildungsstufe hinein zieht/ ja sogar beim Eintritt ins Berufsleben nicht aufhört. Was haben wir noch von den Alten zn lernen/ in.Hinsicht auf die Bcnuhung der Dichtkunst für die VolkScrzie- hung? Welchen Gebrauch soll der Lehrer an der Volksschule von der Poesie machen zur Förderung des Sprachunterrichts? MaS ist von Gedichten zu halte» / die in der Volkssprache abgefaßt* sind? Wie festigt sich der Lehrer selbst immer mehr in der Kcnntnifi der Dichtcrsprachc? — Welche Vorsicht erheischt der am Ende dieser BildungSperiodc eintretende Stimmwechsel? Soll man in Volksschulen den schweren Choral dem leichtern Figuralgcsang vorangehen lassen / oder sich/ wie viele wolle»/ auf denselben beschränken? 8st der vierstimmige Gesang etwas unausführbares in der Gemeinde? Waü ist von Darstellung der Noten durch Ziffern zu halten? Durch welche Mittel kann der Schulleh- rcr die Theilnahme an Gesangvereinen auch bei Erwachsenen beleben und erhalten? Wie könnte zur Veredlung des Volkslebens und auch zur Erziclung eines Nebenverdienstes für den Schullehrcr die Instrumental-Musik durch eine verständige Benuhung der Logicrschen Methode verbreitet werden? Was kann durch bürgerliche und religiöse Volksfeste/ zu deren würdiger Feier der Lehrer mit seinen Chören vorzüglich beiträgt/ zur Empfehlung der veredelnden Poesie und Gcsangkundc gewirkt werde» ? Joh. Sebastian Nach/ vierstimmige Choralgcsängc/ in 4 Abtheilungen. Leipzig 17».»—87. tt 1/?, Ntblr.) C. H. Nink/ ucucö Cboralbuch für das Groslhrrzogtbum Hesse» - Darmstabt 18Iä. (2 Ntblr.) I. G. Schicht allgemeines Cboralbuch für Kirche» / Schulen / Gefangvcreinc / Orgel < und Pianosortespielcr/ vierstimmig gefetzt/ 3 Tblr. Leipzig i»i?. c« Ntblr.) I. F. W. Koch Cboralbuch für Volksschule,, / 2tc Anst. Magdeburg l»2st. I. A. Hiller/ kurze und erleichterte Anweisung zum Singen für Schulen in Städten und Dörfern. Leipzig 1702. l16 Gr.) Gcfangbilbuugslehre nach Pcstalpzzischen Grundsätzen/pädagogisch begründet von Pfeifer/ und mctbobifch bearbeitet v. H. G. Na gell. Zürich 1810. G 1 6 Rthlr.) ?luszug aus diesem Werke / zunächst für Volksschulen bestimmt / mit Z Beilagen vierstimmiger Gesänge. Zürich 1812. (1 Nthlr.) I. F- Wälder Anleitung zu,' Siugkuust in kurzen Negcln für Lc' rcr und in stusenwciscr 44 Reihe von Uebungen und Vcisviclcn für Schüler, Lee Ausgabe. Zürich 1320. l12 Gr.) C. G- Hering, neue praktische Singschule für Kinder nach einer leichten Lchrart bearbeitet, 4 Bändche». (Das Zte u. 4tc enthält Gesänge zur Uebung.) Leipzig 1807 — 180». (Z Rthlr.) H. Stcphani und Muck, musikalische Wandftbcl zum Gesangunterrichtc in Volksschulen , nebst einer Anweisung zur ci,nächsten Methode dabei, und einem Anhang von ein < und mehrstimmigen Singstncken in Ziffern vorgestellt, mit 14 Nvtentafcln in Folio. Erlangen 1815. (2 1/z Rthlr.) H. K. Nägeli Teutonia, Rundgcsänge und Licdcrchöre, 12 Hrste. Zürich 1808. lDas Heft 12 Gr.) Desselben Männcrchöre, 4 Sannnlungen. Zürich 1824—26. K. Gläser Liederbuch für Schule» zum früheste,> Unterricht im Singen bestimmt, nebst einen, besondern Melodie,«buch sür den Lehrer. Esse» 1820. l12Gr.) Natorp, über den Gesang in den Kirchen der Protestant. Essen 1817. h. 28. Als Anhang zu dem Vorgeschlagenen für die zweite Bildungsstufe, sey es Ideal oder from- mcr Wunsch, mag nun folgendes der vielseitigen Prii- fung anheimfallen: 1.) Die Knaben auf Dörfern, in Flecken und in kleinen Städten, auch eine große Zahl in großem Städten sind durch ihre beschränkte Lage großtentheilö dem Gewerböstande oder Handwerküstande zugetheilt. Wenige gute Köpfe erheben sich zur Wissenschaftlichkeit; diese sollten, wo eigene ökonomische Kräfte nicht hinreichen, von StaatSwegen unterstützt werden zum wissenschaftlichen Kursus. Das geschieht auch nach alter Erfahrung; daher dte Stipendien. Weniger im Dorfe als im Flecken und in der Stadt werden sie durch den täglichen 5—6 ständigen Schulbesuch der Handarbeit entfremdet, oft auch der Mühseligkeit des ArbeitenS; sie werden oft deßhalb ar- beitscheu, unzufrieden, lüstern nach andern BerufSkrei- scn, wo sie sich aller Anstrengung enthoben glauben. Ohne sie von dem cdlern wissenschaftlichen Streben abzuziehen, könnte sich die Schule in zweckmäßigem Stundenwechscl zur Arbeitsstätte gestalten, wie es wirklich hie' und da geschieht. Die körperlichen Arbeiten würden aber so gewählt, daß Sitzen und Stehen und die in beiden Stellungen vorkommenden Beschäftigungen einander folgten. Diese Beschäftigungen müßten sich zweitens an die Un- terrichtSgegenftälide anschließen: z. B. Gartenarbeit, cilS Pfropfen u. s. w. und Blnnicnban an den naturwissenschaftlichen; Papparbeit, Lineal - und Kubuühobeln an den Unterricht in geometrischer Formenlehre; Holzschnitzcn u. dgl. an die ZeichnungSlehre; die nnschwercn Versuche in Basreliefs aller Art an den geographischen Unterricht, u. dgl. mehr. Hier könnte sich das mechanische Genie entwickeln, und an die Stelle des Znfallü würde der beobachtende Lehrer treten als Nathgebcr für die Berufswahl. In mancher Armenschule und in großen Erzie- bungöanstalten sind diese Ideen verwirklicht. Auf jedem Dorfe, daü einige Handwerker enthält, ist die theilweise Durchführung diefes Planes so leicht als in der Stadt. 2.) Für Tochter läßt man gewöhnlich den Unterricht in weiblichen Arbeiten neben dem wisscnschaft- liche» hergehen, oder vielmehr, der letztere wird durch den ersteren beschränkt. Mit großem Vortheil könnte aber in den Arbeitsstunden daü wissenschaftliche Pensum wie- derholt oder in einer andern Form fortgeführt werden; dem Hauptzweck des Unterrichtes sollte man auch diese Beschäftigung unterordnen durch eine verständige Wahl und rcgelrichtige Folge der Arbeitspensen, durch eine die Gründe des Verfahrens klar entwickelnde An lcitung und durch Richtung deü Sinnes auf die schöne Form neben dem innern Gehalte. Obiger §. enthüll nur einige leise Andeutungen eines Plans, dessen Ausführung das Volksschulwcscn völlig umgestalten und dem Volksleben näher bringen, auch den Schul« zwang und eine Menge auffallender Verordnungen unnöthig machen würde, endlich den größten Theil der Unkosten deckte, deren AuSmittclung oft so viel Mühe verursacht. Alle Materialien liegen zu einem schönern Bau bereit; zu denselben gehören zum Theile die Stroh- Flechtschulen im Kanton Zürich, wo in den Früh» und Spätstundcn, ohne Abbruch der Dorfschule der Unterricht ertheilt wird und das Wissenschaftliche leicht mit dem Industrielle» zu vereinen wäre. Im KantonFrcyburg geschah es klingst nach einer trefflichen Methode. Ich verweise auf eine nächstens von mir herauszugebende Schrift über diesen wichtigen Gegenstand. In wiefern steht die industrielle Richtung der sogenannten ideale» entgegen? Sind nicht auch körperliche Arbeiten formal bildend und in welchem Fall? Welche Hindernisse der Voltscntwicklung werden durch die Vereinigung beider Richtungen beseitigt? Welche körperliche Beschäftigungen für Knaben sind formal bildend/ einträglich und edel? Darf eine solche Schule bloß zum Spinnhausc oder zum Strick- und Flcchthausc werden? Wo findet sich Raum und Zeit für solche Industrie? Wie lassen stch die Erziehungsgehülfen aller Klassen zu diesem Unterrichte benutze»? Und in wiefern gilt von solcher Einung der Ausspruch: die Hälfte ist besser als das Ganze? Welchen Einfluß hat solche Bildung auf freiwillige Verlängerung deSSchulkursuS? Wäre diese Bildung nur für Armenschulcn zweckmäßig? Und warum noch besser für Wohlhabende als Mittel zur Wcckung industrieller Ideen? — Welchen Mängcln der Töchtcrcrziebung könnte solche Lehr-und Arbcits«Einigung steuern? Was geschieht bereits für diesen Zweck? Was könnten die Pfarr- fraucn und Schullchrcrfraucn zur Erreichung dieses Zweckes thu»? In wiefern könnte Blödsinnige»/ Blinde»/ Taubstummen die Theilnahme an solchem Unterrichte gestattet werde»/ und welche Vortheile hätte diese Theilnahme für diese/ für ihre Gemeinde und für den Staat? — Nesewiz , Gedanke», Vorschläge und Wünsche zur Verbesserung der öffentlichen Erziehung. Berlin 177s. Nie meyer a. >,. o. 640. u. dort die Litteratur. Krü ulk, bie Landschule» sowohl wie Lehr - als Arbeit«> und Industrieschulen betrachtet. Berlin 1704. S. 406. u. f. s. u. S. L76. über die erste Baucrnhandwcrksschnle in Tcnowa in Böhme»; ferner S. 464—506 u. f. s. Waglmanus Magazin für Industrie und Armen' pflege, 1 B. 1 H. Göttingcu 178S; 2 Heft 178s, ». 4teS Heft. S. As, ^2tcr Band, Ztes Heft, 4ies Heft, 8ter Band, Itcs Heft 17s2 Historische Nachricht von der Entstehung«»" und der Verbreitung dc« Normalschul. Institut« i» Böhmen, von Ignatz Böhm. Prag 1784, und die Fortsetzung 1785. Wage mann, über die Bildung des Volkes zur Industrie. Göt< ringen 17s1- Wa»ger ow, über die Bildung der Jugend für Industrie. Hirschbcrg 1»0s. Viele Ideen hierüber in Du pin« Geometrie und Mechanik der Künstler und Handwerker und der schöne» Künste; Nvrmalkur« »um Gebrauch der Handwerker und Künstler, vorzüglich im Ztcn Theil StraSburg 1822 — 26 . R enggcr, Darstcttlliig bkv Armen-Evzichuugsanstalt in Hvswvl. Aarau 1812. Berichte der gcmcinnükigc» Gesellschaft in Basel von 1777—1826. Hannoverisches Magazin 1792. Neue Verhandlungen der schweizerischen gemeinnützige» (Gesellschaft, iibcr Erziehungswcscn, Geweeb- flciß und Armenpflege, Istcr Theil. Zürich 1825. Dcnzcl a. a. 0. k. S. 18. Pcstalvzzi, Lienhard ».Gertrud, (in scinr» sämmtlichen Werken 1—Z) Lachmann, das Jndusirieschulwcscu, ein wesentliches und erreichbares Bedürfniß aller Bürger- und Landschulen. Braunschwcig 1802« Blasche Grundsätze der Jugendbildung zur Judustrie als Gegenstand der allgemeinen Menschenbildung. Schnevfcnthal 1302. Vieles in Hamcls Schrift über die Lankaster-Schule». Paris 131». Dritte Bildungsstufe. 29. Die Volksschule entläßt ihre Zöglinge meist beim Eintritt in diese Periode znm Berufsleben; wo dieses nicht der Fall ist, in höhere Lehranstalten, (Berufsschulen.) An vielen Orten treten sie dann in Ergn n z u n g ö sch u l c n (Nepetirschulcn, VolleudungSschu- lcn, SomilagSschulen,) deren Errichtung, wo sie etwa »och fehlen, sehr wünschl'ar ist. Denn es ist die Periode des zur höher» Thätigkeit gereiften Verstandes, der nun mit den übrigen Seelenkräften harmonisch entwickelt werden kann. Diese Dentreiße erhöht die Empfänglichkeit für den Unterricht und erleichtert die Fortschritte in Verbindung mit dem crhöhctcn Gefühle; bei dem Mädchen tritt eine auch auf geistiges Leben einflußreiche körperliche Entwicklungöpcriode ein; deü Knaben regeres Selbstgefühl bedarf der konsequenten Leitung, (Takt des Lehrers.) Der körperliche Wachsthum hat oft einen Einfluß auf das Betragen, welches unpsychologi- sche Erzieher verkennen; die Gefahren für die Sittlichkeit durch den Umgang mit andern werden größer als früher, und Wachsamkeit mit vorsichtiger Belehrung wird zur unerläßlichen Pflicht, indem die Schwäche der Willenskraft auch von körperlichen Mißverhältnissen abhängt. Wo der Beruf schon den größten Theil der Zeit in An- 48 spnich nimmt/ wo Nührnngösorgen die Frühlingstage des Lebens trüben/ wo zu gewissen Jahreszeiten der Geist in seinem Aufschwung durch entgegengesetzt wirkende Kräfte aufgehalten/ ja niedergedrückt wird/ da dürfte wohl der religiöse Sinn des Lehrers ihm alles hiefür empfehlen waö nothwendig ist. Hier ist eS/ wo der Lehrer alö weiser Freund seine Zöglinge leiten kann auf dem schlüpfrigen Pfade/ und eingreifend ist sein Wirken in den wichtigsten Lebensmomenten. Wo Ergänzungöschulcn auf dieser Stufe Statt finde«/ wird der öffentliche Unterricht mehr als sonst den häuslichen Fleiß in Anspruch nehmen/ und mehr alsAnleitung zum Selbstarbeiten hervortreten denn alö Unterweisung. Je erfreuender und stärkender hier die Wahrnehmung des guten Erfolges ist/ wo der Verstand beim Verarbei- ten des Mitgetheilten so vieles übernimmt/ wo Phantasie wie Gedächtniß in einem höhern Grade entwickelt daS Bil- dungSgeschäft fördern helfen/ desto angelegentlicher wird der Lehrer nach demjenigen Grade der Gründlichkeit durch angestrengte Fortbildung streben/ auf welchem er der fortschreitenden Zeit stets angehört und immer frischere Farben seinem Vortrage leihen kann. Indem er durch freundlichen Ernst alö Stellvertreter dcS göttlichen Erziehers sich darstellt, sichert er sich seine Achtung und eine stets größere Wirksamkeit. Wie hat der Lehrer die beginnende Thätigkeit des Verstandes zu fördern? — Ist cS wahr, dafi auf dieser Bildungsstufe daS Mädchen mehr an concrctcs, der Knabe mehr an abstractcS Neflcctircn z» gewöhnen sey? Was kann der Lehrer an Schülern thun, welche zu frühe (etwa schon im i-l — iNen Jahre) konsirmirt worden, um die zu starken Regungen des Selbstgefühls zu regeln, ohne sie zu ersticken? Welche Vortheile und Nachtheile hat der Gesammtnnterricht beider Geschlechter in dieser Periode? Wodurch kann die Gefährlichkeit der sogenannten Nacht-- 49 schiilc» vermindert werden? Was läsit sich für und gegen die EoiiiitagSschnlcii sagen? I» welche Verbindung kann die Ergiittjuugsschulc treten mit dem früher» Unterrichte / mit der kirchlichen Unterweisung und mit dem Berufsleben? Wie zeigt sich besonders für die Wochcnkinderlehrcn und in der vom OrtSgcisilichen geleiteten Nepctirschiilc der VolkS- schullehrcr als fein wirklicher Gehülfe? In welche heilsame Verbindung können die Schullehrcr mit den Geistlichen treten zur Förderung der Sittlichkeit unter der erwachsenen Jugend? Welches sind die Gränzen ihrer Wirksamkeit? Geba»kcn über diese Gegenstände enthält die Eeziehungslehre von Schwarz. Leipzig 1808, besonders lll. n. S. 21? «. f. f. Dcnzcl a. a. II. 24. Fuchs, die Sonntagsschulc und die Sonntagsfeirr. Nürnberg 182S, (viel Wahres neben mancher gewagten Behauptung.) Stephan i Svstcm des öffentlichen Unterrichts. Erlangen 1813 §. 75—77. Harnisch Handbuch für das deutsche Bolksschnlwcscn S. 2Z4. Nicmeqer a. a. Ö. 11. S44. Nebe, der Schullchrcrbcruf S. 40Z. §. ZO. Die Fertigkeiten, zu deren Vervollkomm- nnng die Ergänznngöschulen auf dieser Stufe beitragen könnten, sind; 1. ) Die körperlichen, als Gymnastik/ wobei besonders das Schwimmen zu berücksichtigen ist, und Turn- spiele, Reigentanz; dazu kommen nun Uebungen in Fußreisen.. Turnfahrten bei allerlei Witterung — was mit dem frühern Unterrichte über Natur- und Volkskunde in Verbindung gebracht werden kann. Ueber industrielle Beschäftigungen, die zugleich als Leibesübung dienen, siehe §. 28. 2 . ) Die geistigen. DaS Schön- und Fertig, schreiben, wobei das Notcnschreibenauch vorkommen sollte; (Sonntagsschriften) der zur Uebung gewordene Gesang; verständig gewählte GesellschaftS- spiele zur Verdrängung der Hazardspiele und als Vorbereitung zum Verdrängen der Langeweile von Volks - und Familienfesten. Wie kam, der Lehrer diese Fertigkeiten durch Rath und Beihülfe steigern helfen? Was ist für und wider die so- 4 genanntenTurnspiele und Turnfahrtenzu sagen? WaSfür und wider daS Tanze» überhaupt/ besonders aber über den Reigentanz? Wie kann der Lehrer durch Rath und Beistand das Baden und Schwimmen gefahrlos für Leib und Seele machen? Wie ist dem Stcifwcrdcn der Hand unter den zu körperlicher Arbeit schon mehr benuhten Schrcibcschülcrn vorzubeugen? Was kann der Lehrer/ seiner AmtSwürde unbeschadet/ wirken zur Verbreitung bildender Gesellschaftsspiele unter beiden Geschlechtern? Niemepcr a. a. ü. II. LSI. Guthsmuths Spiele zur llcbunau. Erholung des Körpers u. Geistes für die Jugend, ihre Erzieher u. alte freunde unschuldiger Jugcudsrcudcn gesammelt und praktisch bearbeitet, 8to Anst. Schnepscnthal 1802. Desselben Turubuch sür die Söhne des Vaterlandes. Frankfurt 1817. — Zur Uebung für solche, denen ihre Berufsarbeit Zeit genug übrig läßt, um sich i» der Gcsangkunst auch theoretisch fortzubilden, möchte ich anrathcn: ei» i» Ziffer» gcschtes Lehrbuch zu durchgehen und die Beispiele und Ucbungsstiicke in Noten umzufelze». Dafür find cmpfehlenswerth: Gcsanglchre für Volksschulen, von M. Hering. Leipzig 1820. (12 gr.) I. C. W. Niemcpcrs dreistimmiges Ehoralmclodien- buch in Ziffern. Halle 1817. (14 gv8 Geistliche Liederweisen nach dem Kähnaufchen Choralbuchc in Ziffern ausgesetzt, zum Gebrauch in den Schulen und Kirchen, erste Sammlung, 2te Slufl. Schwedt. 1810. (Geheftet 2 gr.) Kochs Choralbuch, enthält auf 82 Seite» in Qncroctav K-- der gebräuchlichsten Kirchenmclvdicn in Ziffernschrist aufgestellt. 31. Die Kenntnisse/ auf deren Mittheilung sich die ErgänzungSschnlc je nach Lokalumständen zu be- schränken/ oder welche sie in größerer Ausdehnung zn lehren hat/.sind: 1.) Spra chkennt Nisse. Hier finden fortgesetzte Erklärungen von Musterschrtften und fiylistischc Uebungen ihre Stelle/ aus dem Jdeenkreise der Stadt- und Landjugend genommen und aufö möglichste gesteigert. Den Stoff dafür finden wir in der Natur/ in Vorfällen des täglichen LebenS/ auf kleinern und größer,: Reisen; auch die Ka- techisation und Predigt (s. die Einleitung) geben bei schriftlicher Wiederholung reichen Stoff zu stylistischer Darstellung. ES muß aber eine zweckmäßige Stufenfolge (s. den speciellen Theil dieser Schrift) beobachtet und 51 nicht einseitig nur die Phantasie, wie bei Beschreibungen, oder einzig das Gedächtniß, wie bei der grassirenden Wiedcrerzählung, in Thätigkeit gesetzt werden; der Verstand (Urtheilökrafl) tritt ja auf dieser Bildungsstufe also hervor, daß man in Hinsicht auf A n o rd n u n g und Darstellung des Stoffes mit logischer Schärfe, besonders in den Definitionen, das Geschriebene beurtheilen muß. (Erste Schritte zur Synonymik.) Wo etwa, wie auf dem Lände bei Einzelnen durch den Geistlichen, oder in Flecken und Städten durch besondere Lehrer eine fremde Sprache gelehrt wird, da bietet die Vergleichung und Ucbersetzung ein treffliches Mittel zur mündlichen und schriftlichen Uebung in der Muttersprache, in welche man übersetzt. 2 .) N a t u r kund e. Der Lehrer an der Volksschule, besonders wenn er von dem OrtSgeistlichen unterstützt ist, kann sich ungemein verdient machen durch Mittheilung des Wissenöwürdigsten aus der N aturle hre (Volkö- naturlehre) und Naturgeschichte, wo die Beispiele aus der Umgebung zu nehmen sind. Auch gelegentlich läßt sich, je nach der Jahreszeit, mancher Sonntags-Abend zum Freudenfeste für Alt und Jung gestalten durch solchen belehrenden und ergehenden Unterricht. Den Aberglauben bekämpft man am sichersten auf diesem Wege. Wo der Lehrer kein Fremdling ist in dem technologi- sehen Theile der Naturgeschichte (Haus- nnd Fcldwirth- schaftSlehre, HandSwcrkökuude,) wird die nächste und dann auch die fernere Umgebung bald zur Einsicht geführt in den Zusammenhang dieser Wissenschaft mit dem Leben, besonders wenn er sich an die gegen Fehlversuche sichernde eigene Beobachtung hält. Nur vertiefe er sich nicht in die Volk 6- arzncikunde(Hauödoktorei) so belehrend übrigens eine diätetische Anleitung für die Jugend ist. I» keiner 52 Schule sollte die RettungStafel (GesundheitS.Katechismus) fehlen zu gründlicher Anleitung über das Verfahren in Unglücköfällen; am besten wird jedoch diese Belehrung an die darauf bezüglichen Abschnitte der Volkö- naturlehre geknüpft. Z) Orts- Landes- und Weltkunde. Entwe- > der eröffnet dafür die Realschule oder die Gewcrbsschule besondere Kurse, oder die ErgänzungSfchule führt diesen angenehmen und nützlichen Unterricht sott, oder der VolkSschullehrcr im Vereine mit dem Pfarrer, wohl auch beide als Stifter von Lefegesellschafce», sorgen für belehrende Lektüre; an diese kann sich Vorlesung, Erzählung oder Gespräch schließen, bald ergänzend, bald berichtigend, bald warnend. Ein gutes Volköblatt und der Volkökalender in der Hand eines nicht einseitigen Erklärerö stiften großen Nutzen unter der Jugend wie unter Erwachsenen. Ein Auszug auS den La n- deSgesetzen, nach welchen männiglich gerichtet wird, sollte von einem kundigen Ausleger erklärt werde»; eben so die Feuerordnung. Würden auch nützliche und anwendbare Erfindungen auf ähnliche Weise bekannt gc. macht, so könnte die ErgänzungSschnle durch erregte Theilnahme der Erwachsenen zur allgemeinen Fortbil- dungöanftalt auch für Erwachsene sich erheben. 4.) AuS Arithmetik und Geometrie müßte nun besonders dasjenige auSgchobcn werden, waö in die nächste Beziehung mit dem Leben gesetzt werden kann und sowohl mittelbar als unmittelbar nützlich ist, also Geschäftörechnungen; für die nach einer großem Ausbildung strebenden Zöglinge der Real- oder Ergäu- zungöschule die praktische Geometrie. Kann der letztere Unterricht mit technischer Zeichnung, waö so schwierig nicht ist, verbunden werden, so wird mancher Sonntags- und Winterabend auf eine gewinnretche Weise in Städten und Flecken verwendet werden. (Handwerks- zcick> iiun g.) 5.) Vorzüglich wichtig und allgemein belehrend und bildend ist eine praktische Darstellung der Mechanik. Ihre Hauptsätze können faßlich entwickelt und die An- Wendungen an den im gemeinen Leben am häufigsten vorkommenden Gegenständen gezeigt werden; selbst Ma schilt e n (Winden, Trotlgeschirr, Flaschenzüge, Uhren u. s. w.) kann ein Lehrer erkläre», ohne daß er sich versteigen muß in die Tiefen der Wissenschaft. Schon ist hie und da ein zweckmäßiges Lehrmittel für diesen Zweig deö Unterrichtes bereitet, aber wir stehen erst an der Vorarbeit. Welchen Werth hat die Vcrgleichung einer fremden Sprache auf dieser Bildungsstufe für die Wcckung und Belebung des sogenannten Sprachgefühls? Was ist von der Anleitung zu den sogenannten GefchöftSaufsöhen zu halten? Wie können Reiscbcschreibungcn durch stylistische Uebungen veranlaßt werden, und auf welche Punkte hat man sich dabei zu beschranken? Was ist von den beliebten Tagebüchern als StylbildungSmtttcln zu halten? Welche Arten von Aberglauben sind cS, denen Seelsorger und Volksschullch- rcr vorzüglich durch Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse am besten steuern können? Welche Wege führen den Lehrer am stchcrstcn zur Kunde der ihm nothwendigen Technologie, ohne daß er sich verflacht? Wie hat er es anzufangen, um nicht bei den GewohnheitS-Menschen anzustoßen oder als oberflächlicher Vielwisser und unreifer Vicl- lchrcr (Kann-allcS) verdächtigt zu werden? Welche Kräuterbücher sollten in jeder Volksschule vorhanden seyn? Wie kann der Lehrer nützliche Sammlungen von Natur- körpern auf wohlfeilem Wege anschaffen? Welche Vorsicht ist bei verlangte» oder aus eigenem Antriebe zu ertheilenden Belehrungen über den physischen Menschen zu beobachten? Was kann der VolkSschullchrer sammeln z»r Aufhellung der OrtS- und LandcSgcschichtc? Wie kann er sich durch statistische Sammlungen um die Zeitgenossen verdient machen, theils allein, theils in, Vereine mit AmtSgcnossen und Geistlichen? Wie kann man Leselust verbreiten, ohne Lcscwuth zu erzeugen und Arbeitsunlust? Wie müßte ein Volksblatt beschaffen seyn/ »m dem pädagogischen Zwecke zu genüge» ? Welche nützliche Erfindungen der neuern lind neuesten Zeit sind vorzüglich bcach- tungswcrth für den VolkSschullchrcr? — Wie kann der Unterricht in GcschäftSrcchnungcn als Mittel zur Verstan- desbiloung und zur Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse benutzt werden? — Wie bildet sich der VolkSschullchrcr aus zur Behandlung oben genannter Gegenstände ? Was kann der OrtSgeistliche zn dieser Ausbildung des Lehrers und der Jugend beitragen? Heinsins Lehrbuch bes deutschen Geschäftssinns. Berlin 18N6. Mel- l i's Briefsteller. Ebnak 1828. Schier Briesmiistcr für das geuieiuc Lc< den, flteAufl. Heilbron» 1802 Gar.) Dolz praktische Anleitung !U schriftlichen Aussalzen für Bürgerschule», 6tc Aug. Leipzig 1821. (1 Rthlr.) Baumgartcns Borübnngcn zu schriftliche» Aufsätzen und Ausgaben für Stplübungcn ails Vorlcgcblättcrn. Lcipzia 1817. (1 Nthlr.) Falkniann Methodik der deutschen Stpiübuuacu, Lte Aug. Hannover 1821. <2 Rthlr.) Desselben Hülssbuch der deutschen Stplübuuacn für die inittleru u. höher» Klassen, ebendaselbst 182Ü. Derselbe, stplistisches Elenientarbnch oder erster Eursus der Stpiübunacn. Hannover 1825. Hurtcl Aus,'ablehre. Wien 182st. Härtung Aulcitulig zum richtigen Gebrauch der deutschen Sprache, in Beispiele». Berti» 1818. Eberhards s»nou»»lische§ Handwörterbuch der deutschen Sprache, ein AuSzug aus dem arösjerll Werke. Berlin 1321. In Hinsicht aus Begränzuug des Lehrstoffes für aenicinuütziac Kenntnisse sind nachzusehen: Harnisch, die Wcltkundc und Leitfaden in der Erd, Mineral- Stoff- Pflanzen- Thier- Menschen- Staaten n. GcschichtS' knnde. Brcslän 1820. Die naturhistorischc» und historischen Abschnitte des 2tc» , 8te» und stten baslcrischcn Lesebuchs. I. G. Mc loS, Naturgeschichte für Bürger xnd Bolksschulcn, cwo aber die Kupfer dem pädag. Zwecke nicht entsprechen.) Weimar 1822, mit 1Z2 Meinen) Abbildungen. AIs Material für den Lehrer ist wichtigt Hellmuths Volköuatnrlchre zur Dämpfung des Aberglaubens, 7tc Aufl. Braunschwelg 1822. slü gr.) Für die Kenntnis, des Mensche» im Krankhcitsznstand nud das Benehmen des NichtarzteS gegen denselben ist empfthlenswerth Schregers Pastorat- Medicin. Halle 1828. E. G. Stcinbcck, der aufrichtige Kalenderuiann. — F. Lange, Erd - und Staatcnkuudc, oder reine und praktische Geographie, in 2 Theilen, für Stadt - und Töchterschulen. Züllichau 1821. Tappes erste Uebungen zum mathematischen Zeichnen. Duisburg 18ül>. Sie gehören zwar auf eilte frühere Stufe; wo es aber nicht früher geübt worden, kann man damit ansangen. Desselben allgemeine erste Uebungen im freien Zeich,»-,,. Duisburg 15V5; zu demselben Zwecke dienlich. Bü sch Versuch ciner Mathcmatik zu», Nutzen und Vergnügen für das bürgerliche Leben, neue Anst- Hambnrg 1778, flzebr besonders für die niedere Mechanik sehr sasilichc Anleitung und interessante Beispiele. Eben so Dupin im 8ten Theile seines Normal-Eursus für Handwerker und Künst- 55 lco. StraSburg und Parts 1326. Deutsch und französisch. Für den Lehrer, der sich selbst und andere weiter bringen will, sind wichtig: Lehrbuch der ErfahruugöiNaturlkhre, von Biot, 3te Anst. Ilcbcrscht von Fechner, Istcr Band. Leipzig 1824. Matthias Anleitung zur Erfindung und Ausführung cienientarischer Beweise und Auslösungen. Magdeburg isil. Winterst lds Ansangsgründe der Mathematik, zum Gebrauch für Schu< lcn und Sclbstlchrlingc, 4 Theile, Ztc Ausgabe. Braunschivcig 1806.(21/3 Thlr.) KricS Lehrbuch der mathematische» Geographie. Gotha 1S1Z. (1 Rthlr.) Seit der Verbreitung der Lithographie ist das Landkartcnwcscn in so reißendem Fortschreite», daß man kaum heute etwas Gutes nennen darf, welches nicht morgen schon durch ein zweckmäßigeres Lehrmittel verdrängt wird. Mehr hierüber im speciellen Theile. §. 32 . Die Bildung der Phantasie ist auf dieser Stufe, wo zwar der Verstand vorzüglich hervortritt, ein Gegenstand der Beachtung, besonders in einem Zeitalter,'wo man aus Mißverstand durch den sogenannten GefühlSglanben die Einbildungskraft, bei Einzelnen oft bis zur Verrückung, zu reizen pflegt. Wo die Erzeug- nisse der Kunst, wie in Städten und Flecken, dem Volkö- schnllehrer eine erwünschte Gelegenheit darbieten, seine Zöglinge auch diese Bildungö - und Reinigungsmittel der Phantasie benutzen zu lassen, da wird es auf Kunstausstellungen n. s. w. mit großem Nutzen geschehen. Auf Dörfern ist die Orgel, wenn dieselbe gut gespielt wird, in Verbindung mit dem Choral- und Figuralgefang zu denselben Zwecken behülflich. Beim Kirchen- b au, und deren innercrVerzierung, und im Anlegen der Kirchhöfe als Todteng arten ist auf die Bildung deS Gefühls für daü Schöne und durch erhabene Einfachheit das Gemüth Beruhigende die erforderliche Rücksicht zu nehmen. So werden auch Volks- und Familienfeste diesem Bildungszwecke gemäß angeordnet und geleitet. Selbst Kirchweihe und Jahrmarkt sind der sorgfältigsten Aufmerksamkeit werth, besonders in Hinsicht auf Phantasie befleckende bildliche und schriftliche Darstellungen. ES muß überhaupt allem aufgeboten werden, um durch das erregte Wohlgefallen an dem 66 Schönen die heran wachsende lind die schon erwachsene Jugend von dem Genusse roher und die Phantasie verwüstender Ergetznngcn zurückzuhalten und so der Scham- haftigkeit eine sichere Stütze zu geben. Auch die Privat lcctüre ist in dieser Beziehung auf eine verständige Art zu beachten und durch guten Rath zu leiten, besonders wo, selbst auf Dörfern, die Lcihcbibliothekcn und Büchertrödler neben gesunden Früchten auch sehr ungesunde und die Phantasie verbildende zu verbreiten rastlos bemüht sind. Welchen Gefahren in Hinsicht auf Verwüstung der Phantasie ist die Jugend auf dieser Bildungsstufe am meiste» ausgesetzt? Und was taun der Lehrer an Volks - und Bürgerschulen thun, um sie zum Kampfe in solchen Versuchungen zu waffncn? Könnte der VolkSschullchrer nicht auch Spazirgängc am Sonntagabend veranstalten, um die erwachsene Jugend auf das Schöne und Erhabene i» der Natur aufmerksam zu machen nach dem Beispiele des grossen Lehrers? Wie hat Derselbe die Erwachsenen, deren Phantasie mißbildet worden durch feindselige Entgegenwirkung, auf den guten Pfad zurück zu bringen? Welche Arten von Vergnügungen sind dem Sonntag angemessen, und was konnten Geistliche und VolkSschullchrer thun, um den Geschmack am Schönen und Guten durch sichtbare oder unbc- mcrklichc Leitung dieser Vergnügungen zu wecken und zu unterhalten? Wie kann der Lehrer auch als Gehülfe der Freude seine AmtSwürde unter der erwachsenen Jugend behaupten? Was könnte gegen Einschwärzung sowohl als Ausstellung schlechter Bücher, Lieder und Kupferstiche auf dem Wege der Belehrung geschehen? Wie kann dem Vaterlands- und VolkSlicde seine Wirksamkeit gegen Zoten gesichert werden? Was könnte, ohne die Nachtschulen in Dörfern, Städten und Flecken aufzuheben, zur Verhütung aller Unsittlichkcit angebahnt werden? AIs Lcctüre rur Reinigung der Phautagc lind cmpsehlcuSwcrth: Wagner, die Gelee,isser; Erzählungen aus dem Reiche der Wahrheit, /, THIc. Berlin UM—1810. G Nthlr.)* Desselben Naturwunder und Länder,»erk, Würdigkeiten. Ci» Beitrag znr Verdrängung inmüncr und schädlicher Nvinane, 6 Theile, mit Huelcrn. Berlin 1806—1810. (-, Rthlt.) Schlei, 57 kleine romantische Volksschi-istc», 2 Sammlmigcn. Hcilbvonn 18N2. (l 1/2 Rthlv.I Sander, über das Gvostc und Schone i» der Natur, 4 Theile, 2tc Aufl. Lcipzlg 1814. Wilmsen, die Schönheit der Natur, geschildert von deutschen Musterdichtcr». Berlin. Amciang. Eine Auswahl davon nebst andern für diesen Zweck dienliche» Gedichten enthält das 2te das, lerischc Lesebuch. Basel 182». W»ß, der schweizerische Robinson, Z Thle. Zürich 1813—1826. Der Sonnabend, eine strcffllchcl Nahrung für die Elllbiidungökrask und das Herz für die reifere Jugend. Leipzig 1804. (1 1/2 Rthlr.) Hahn, Stoff zur Bildung des Geistes und Herzens, 3 Theile. Berlin 1812. Ziegcbein, Lesebuch für Deutschlands Töchter, zur Bildung dcS Geistes und dcS Geschmacks und zur Veredlung des Herzens, 3 Theile. Quedlinburg 1812—16. >3 Rthlr. P almblät t er oder auserlesene morgenländischc Erzählungen für die Jugend von Herder und LicbcSkind, 4 Theile, 2tc ckufl. Berlin 1816. <2 1/2 Rthlr. Hicher gehört der erste Abschnitt im 4tcn baslcrischcn Lesebuch. Basel 1824. Hirsch' man», Tempel der Natur und Kunst. Eine neue Auswahl der interessantesten Darstellungen aus dem Reiche der Natur, aus dem Gebiete der Kunst ic., 2te Allst. 3 Theile mit Kupfern. Leipzig 18N2 u. 1803. l8 Rthlr.) Heinsius, der Bardcnhaln, 4tc Anst. 3 Theile. Berlin 1825.(3 Thaler.) Ein nicht unwichtiger Gegenstand, der in der neuesten Zeit angeregt worden, ist die sogenannte Landes- VerschoncrungSkunde. In München ist die Sache besonders durch den Baurath Vorhcrr angeregt und nachher durch Andere die Sache in Beziehung auf Gesund- heitöpflcge, Lebensgenuß u. s. w. weiter ausgeführt worden. Wo der Lehrer an Volks- und Bürgerschulen Gelegenheit hat, in dieser Rücksicht einzuwirken und durch guten Rath zu vermitteln, daß z. B. nicht nur in Schul- häusern und Armcnanstaltcn, sondern auch in Prioat- wohnungen auf die Sonnenseite mehr Rücksicht alö sonst genommen werde; wo er im Stande ist, beizutragen für die Einung dcS Schönen mit dem Nützlichen, da wird er auch zur Einführung solcher Hülfsmittel der neuesten Zeit zur Reinigung und Veredlung der Phantasie behülflich sevn. Ob die Sache in seinen Wirkungskreis gehöre, darüber geben ihm folgende Schriften einige Auskunft: S ch ndero ff, über LandeSverschönerung. Erlangen 1824. Vorherr, Zeitschrift für LandeSver- schönerungS-Kunde. München 1521—26. §. 3Z. Für die Bildung des Charakters ist diese LebcnSpcriode entscheidend als Scheidepnnkt, auf dem der Jüngling/ die Jungfrau in sittlicher Hinsicht stehen. (Geschlechtsverhältnisse.) Wenn man früher in die Gründe der Handlungsweise weniger eintreten konnte und Glauben und Gehorsam von dem Kinde fordern mußte/ so darf und soll man hingegen den in die Periode des Verstandes Eingetretenen zu einer klaren Erkenntniß der sittlichen BestimmungSgründc vcrhcl- fen und ihre Willenskraft durch Vorhaltung edler Muster stärcken. Das bisweilen stark hervortretende Selbstgefühl/ welches oft in Uebcrschätzung seines Selbstö übergeht/ darf nicht etwa nur zurückgedrängt/ es muß als Quelle der Selbstachtung und sittlichen Selbstbestimmung zur Bildung eines edeln Charakters benutzt und richtig geleitet werden. Die Ergänzungsschule kann hie- für mittelbar durch den Lehrstoff einwirken; der Lehrer erntet aber den Lohn seiner frühern Bemühung/ wenn die Herangewachsenen mit Vertrauen seinen Rath suchen. Seine unbefangenen Aeußerungen über Rechtlichkeit und Redlichkeit werden sehr vieles beitragen zur Feststellung einer wahren LebenSansicht. Auch auf die äußern Formen, in denen sich das Gefühl für Anstand und edlere Gesittung auSspricht/ wird der rathende Lehrer aufmerksam machen, ohne die Einfachheit durch Abgeschliffenheit zu verdrängen. Wie kann das Lesen guter Biographie» in diesem Alter zur Charakterbildung benutzt werden/ und welche Wahl ist den iiußern Verhältnissen der Zöglinge gemäß zu treffen? Was kann der Lehrer mit den Eltern vereinigt wirken zur Beseitigung des auf dieser Stufe oft hervortretenden Trotzes der Kinder und ihres Starrsinns? Wie ist dem so- genannten Diinkcl der männlichen und der in Putzsucht sich zeigenden Eitelkeit der weiblichen Zöglinge auf dem Wege der Belehrung zu steuern? Welche Berücksich- 69 tiglurg erfordert bei der sogenannten Anstandslch re das Geschlecht der Zöglinge? G»tc Lcbtnsbcschrcibungc» für die i» bicsc» Schule» erzogene Klasse sind: die Biographie von Nettelbek/ Benjamin Fränklin, Bater Me»cr in Aarau ivon Evcrsi Salomo» Lanbolt (von Hcß.) Pflaum Le« hensheschreibungcn merkwürdiger Männer für Jünglinge. Sruttgart 1817— 181g. Christof NiemcperS deutscher Plutaocb, 8 Theile. Halle 1812. Auch die allgemeinen Biographie» von Schröekh. Der Biograph, 8 Bände. Halle 17?g. Der Nckro log der Deutschen von Schlichtegroll, enthält einzelnes, was der Lehrer mit verständiger Auswahl für diesen Zweck benuhcn kann. — Einzelne Züge sind gesammelt in den Beispielen dcS Gute», 4 Theile. Stuttgart 181S. FcnelonS Leben von Claudius, ist sehr lehrreich. Für sranjösch Lernende: l.e penple inrreuir,,ar se^ ,>ro,ire5 vortu«, pur Köreni-or. ?!>r!» >8oc. Chr. Nicmcycrs Heide »buch, Ztc Allst. Leipzig 1818. Meine Blätter zur Belehrung u. Erbauung f. Jü ng« li» ge edler Erzieh >lng, Winterthur 1822; .enthalten Erinncrililgen an verdiente Männer verschiedene» Standes, als Beiträge zur Charakterbildung. Jedes Volk sollte eine Sammlung von gutgeschriebene» Biographien haben, in welchen seine Trefflichsten aller Zeiten und aller Stände treu geschildert wären.—Fell »er, I. etwas über Sitten und Höflichkeit, der Schuljugend gewidmet. 12. Mainz 1821. Dolz, Anstandslehrc für die Jugend. Leipzig 181L. cis gr.) §. 34. Obschoir auf dieser Stufe der eigentliche Religionsunterricht gewöhnlich nicht mehr der Schule anheim fallt, so kann doch für Wcckung und Erhaltung deö religiösen Sinns noch manches in der Schule und durch den Lehrer geschehen. Als Leitcr'd es Singchore 6 wird derselbe schon durch die Wahl des religiösen Gcsangstoffeö wirksam, so wie durch die würdige Behandlung der ihm etwa aufgetragenen Gedächtnißpensen, welche mit dem wöchentlichen Katechismus- oder mit dem KonfirmationSunterrichtc oder mit beiden in Verbindung stehen, geschehe eü zur Vorbereitung oder zur Wiederholung. Ist der Lehrer ein Freund religiöser Lektüre, so hat er viele Gelegenheit, gute Erbaunngö- bücher zu verbreiten oder verbreiten zu helfen. Vor Mißgriffen wird ihn seine bessere Erkenntniß sichern und die Anerkennung der Stellung zu dem Seelsorger der Gemeinde. ES wird ihm auch möglich seyn, auf die hohe Wichtigkcitdeö Gcbeteöalü einer Pflicht und eines Veredlungsmittels bei vielen Anlässen anfmerksom zu machen und daö aufwachsende Geschlecht vor dem Versinken in HerzcnSkälte zu bewahren. Wo ihm eine sogenannte Kinderlehre, (religiöse Katechisation) als Amtspflicht oder im Nothfall übertragen wird, benutze er jedes Muster und Hülfsmittel zu angemessener Besorgung eines so schwierigen Geschäftes und bereite er sich mit der grossen Gewissenhaftigkeit auf solche Stunden vor, es hängt ja so vieles von diesem Unterrichte ab; auch durch eigene Hausordnung so wie durch Mitwirkung zur Erhaltung der kirchlichen Ordnung wirkt der VolkSschullehrer religiös. In wiefern könnte durch allzu häufige oder allzu ausgedehnte Singübung, besonders in Chorälen, eine den Zweck zerstörende Ucbcrsättigung entstehen? Wie sollte der VolkS- schullehrcr zur Erhöhung der christlichen Festfeier durch sei- nen Singchor beitragend auf die erwachsene Jugend wirken ? Wie könnte er im Einverständniß mit dem Seelsorger gute alte EcbauungSbücher der Vcrnachläßigung entziehen und zweckmäßige neue den Freunden religiöser Erbauung bekannt machen? Was kann derselbe zur Veredlung des häuslichen Gottesdienstes beitragen? Welchen bescheidenen Gebrauch darf und soll er von seiner genauern Kenntniß des religiösen Volkslebens mache» zur Erfrischung desselben, ohne aus seiner Stellung heraus zu treten? WaS ist zu urtheilen von Ncbe'S Anficht (a. a. O. S. 257 ,) daß der Lehrer die größcrn Schulkinder anweise, aus dem Herzen Gebete niederzuschreiben und ihm, dem Lehrer, vorzulegen? Wie soll er als LcichcnvcrS-Schreiber diese Gelegenheit zu ächt-religiöser und in solcher Stimmung der Trauernden ungcmcin wohlthätiger Wirksamkeit benutzen? Was erlaubt ihm seine Stellung auch bet freudigen Anläßcn zu thun, und was gebeut ihm dieselbe zu meiden? Empfthlenswertl, sind: Engels Meist der Bibel für Schule und Haus, 2tc Allst, vclpsij, 1824. Kenn, mach er, Bibelkatcchismus, 7te Allst. Esse» IM. Toblcrs Erbauungsschristcn, Z Bände. Zürich 1770. Klaus Harms Sommer- und Wintcrpostillc; neben vielen schätzbare» ältern Erbauungsschriftcn die von Fiatt, Ewald, Georg Gegner, Antistes Heg; das Bremische, Wlirtembergtsche, Zürcherischc, St. Galli- 6t sche Baslcrischt Gesangbuch; Gcllcrts religiös-moralische Schriften, Z ü f,l i, der heilige Gesang der Deutschen. Zürich i7S2. Lehrformen. §. 35. Seinen Schülern theilt der Lehrer die erforderlichen Fertigkeiten und Kenntnisse auf verschiedene Weise mit; eben so mannigfaltig sind die Wege, welche er bei der Prüfung derselben über die erlangten Kenntnisse und bei der Anregung ihrer Selbstthätigkeit einschlägt. Die Lchrkunst zeigt steh vorzüglich in der Erhebung jeder Lehrform zum geistigen Bil- dungSmittel. Die natürlichste Mittheilungöweise ist in der Periode der Anschauung: das Vorthun bei der Entwicklung und Uebung der Fertigkeiten; das Vorzeigen und Vorsprechen beim Lehren der Kenntnisse; das Abfragen bei der Wiederholung; daS Ausfragen bet Anregung der Sclbstthätigkeit. Wenn auch auf der zweiten Stufe der Lehrer durch Vorthun die Fertigkeit zu steigern sich bemüht/ so darf hingegen in den Kenntnißfächern das Vorsprechen weniger angewendet werden; hier wird daS Gedächtniß bethätigt durch die sogenannten Aufgaben. Bei der Wiederholung ist die Recitation (Aufsagen/ Erzählen) vorherrschend und der Lehrer hat mehr abzuhören als abzufragen. Beim Vorzeigen darf er nun häufiger den Schüler auffordern/ seine Stelle einzunehmen. Dieses ist der erste Schritt zum Wieder- holungSunterrichte. Mit den Ansprüchen auf rcprodu- circnde Selbstthätig kett/ wozu der Lehrer den Stoff verschafft, verbindet er auch die Anleitung zum Selb sterfinden- Ju der sogenannten Verstandesperiode sollte das Lehrgeschäft meist auf Anleitung zu geregelter Selbstthätigkeit steh beschränken. Der Lehrer trete bei der Einübung gleichsam in den Hintergrund und lehre nur/ wo das Lchrpcnsum fortzuführen ist. Dieses geschehe aber auf eine solche Weift/ daß der Schüler zum Fragen veranlaßt und die Gesprächsform vorherrschend wird bet allen Gegenständen/ die nicht eine unmittelbare Ansprache an das Gemüth (Rede/ Ermahnung) gestatten oder verlangen. DaS Ablesen wird nur in höchst seltenen Fällen von Seite des Lehrers eintreten können/ etwa beim Wiederholen des entwickelten zur Vermittlung einer Ueber- steht. Eben so vorsichtig wird der Lehrer seyn in der sogenannten stillen Mittheilungöweise (Abschreiben/ Kopirunterricht.) Zu welchen Fertigkeiten kann der Schüler nur durch das Vorthun des Lehrers gelangen? Wie hat sich dabei der Lehrer zu benehmen / um seiner amtlichen Stellung nichts zu vergeben? Wo muß das Vorsprechen eintreten/ und welche Achtsamkeit des Lehrers auf sich selbst ist bei dieser Lchrform nothwendig? Welche UnterrichtSgcgenstände fordern ein beständiges Vorzeigen und Mitarbeiten des Lehrers ? Welche Beschränkung muß in der Benutzung der Anschauungsmittel eintreten? Wann dürfen hier die Kinder an die Stelle des Lehrers treten? Welcher Unterschied findet Statt zwischen Abfragen und Ausfragen? Wie geht man vom Erstem über zum Letztem/ und welche Lehr- gegenstände gestatten die sogenannte heuristische Lehrform? Wo muß der Lehrer eher geben als entwickeln/ wo soll er entwickeln und nicht geben? In wiefern gehört daö Sokratisiren in die Volksschule? Wo kann allein die mündliche/ wo kann und soll die schriftliche Rechenschaft der Kinder eintreten? Wie führt man den Schüler vom Wiedergeben des Empfangenen (Reproduktion) zum Schaffen dcS Eigenen (Selbsterfindcn) fort? Wie von der gebundenen zur freien Form? — Wie könnte auch die Recitation zum BildttiigSmittcl werden? Wodurch kommt in das Necitiren der erforderliche Wechsel? Welche Mäßigung muß beim zusammenhangenden Vortragc des Leh- 63 rcrS beobachtet werden? Worauf hat er sich zu beschränken bei der Gesprächsform? Wo können und dürfen alle obcngenanntc MitthcilungSweisen in demselben Pensum nach einander eintreten? Welche Ergebnisse darf man von solcher Einigung erwarten? In welches Verhältniß seht man die Forderungen an die Schüler zur Sclbsibcschäftigung mit den Schulpcnsen? Licberkühus Versuch über die anschauende Erkenntniß. Züllichau 1782. Denzcl a. a. S. I. 273—200; II. 335—360. Nebe a. a. S. 179— 106. Nicmcycr a. a. s. II. S. 38— 53. 123 u. s. s. Schwarz Er> zichunaSlchre III. 2. S. 18—60, u. S. 138. s. f. Zerrcnncrs Me> thodenbuch. S- 30—31. Dol; karcchctische Anleitung zu den ersten Denk« ul'unaen der Jugend, 2 Bände, 5tc Anst. Lcivzig 1820. >20 gr.> Carstei» scus, Handduch der Katechctik, mit Hinsicht aus den katcchetischen Ncli< gioukuntcrricht. Connnentar über H. Müllers Lehrbuch der Katechctik, 2 Bände. Alton« 1821—23. In Will» scus Ilntcrrichtskunst, 2te Aufl. stud gute Vcmcrkungeu über die Lehrsoriu, ii» 5ten Abschnitt, §. 36. Man glaubt gewöhnlich, die Lchrform werde modifieirt durch die größere oder geringere Zahl derjenigen, welche den Unterricht empfangen. Aber diese Vorstellung ist irrig. Wo Kinder, die auf verschiedenen Bildungsstufen stehen, zusammentreten müssen, kann der Lehrer hinsichtlich der Lchrform in Verlegenheit gerathen, wenn auch die Zahl sehr klein ist. K unstrciche Tages - und Stundenordnungen sind Nothbehelfe. Theilung der Schüler ist das einzige Mittel, dem Lehrer eine nützliche Wirksamkeit zu sichern; diese Theilung geschieht auf verschiedene Art. Das Verwerflichste in einer mehr oder weniger zahlreichen Schnlklasse ist der Einzeln-Unter richt, in Verbindung mit stillen Pensen. Er ist höchstens im engern Familienkreise anwendbar auf Kinder verschiedenen Alters, an die der Hauslehrer nicht zugleich sich wenden kann. Der Gesammtllnterricht oder der sogenannte gleichzeitige ist zwar weniger unzweckmäßig, aber in einer Schule, wo Kinder vom 5-14 tcn Jahre unter 64 einem einzigen Lehrer stehen, nicht anwendbar. Die Theilung in zwei Hauptklassen hilft dem Uebelstande nur wenig ab. Durch die Theilung in drei Klassen, wodurch eine Mittelklasse gebildet wird, die aus den Schwachem der Oberklasse und den Stärker» der Unterklasse zusammen gesetzt ist, vermeiden wir manchen Fehler der Gleichzeitigkeit; es treten aber zu viele Stillarb eilende neben den Beschäftigten auf, und die Anhäufung der schriftlichen Arbeiten und ihre stets wiederkehrende Durchsicht bringt Verwirrung. Durch die gegenseitige Lchrform sucht man in den Schulklassen jener Unbequemlichkeit auszuweichen lind die Selbstthätigkeit der Schüler zu steigern. Sie ist aber ganz nnanwendbar, wo von der Persönlichkeit des Lehrers der Erfolg deö Unterrichts abhängt, also bei der Entwicklung. Selbst bei der, gewissermaßen mechanischen, Einübung ist große Vorsicht in den kleinsten Dingen nothwendig, z. B. beim Lautiren und Lesen, beim Recitiren u. s. w. Daß eö Pensen giebt, wo man diese Lehrform nicht gestatten darf, benimmt derselben übrigens nichts von ihrem vielfachen Werthe als Er- regungömittel der Selbstthätigkeit. Der abgestufte WiederholungSunterricht vermeidet am meisten die aufgezählten Nachtheile. Man geht dabei von dem Grundsätze auS: die Schüler sind nicht Lehrer, der Lehrer steht nie außerhalb des Schülerkreise s. Daö eigenthümliche dieser Lehrform besteht in folgendem: 1.) Die ganze Schulklasse zerfällt in so viele Haupt- abtheilungen als Bildungsstufen sind; also bei Kindern von 6—14 Jahren in drei; von 5-11 Jahren in zwei, u. dgl. Jede Unterabthcilung hat ihre Rotten oder Kreise. Wo Schulen sind mit mehrern Klaffen und 65 Lehrern, richtet sich die Zcrfällung jeder einzelnen Klasse nach der Beschaffenheit des Personals. (Schwache, Mitelmäßige, Starke.) 2.) Der Lehrer unterrichtet in den Hauptabthcilun- gen abwechselnd, und bestimmt nach Bedürfniß die Unterrichtszeit; sein Unterricht wird hierauf von Lehrge- hülfen nach schriftlichen Instruktionen wiederholt (Wie- derholungsunterricht.) Sobald Aufgaben Statt finden können, werden diese nach der Wiederholung vorgenommen. Später bekommt der Lehrer das Rcproducirte oder Sclbsterfundene von den Schülern zur letzten Durchsicht , nachdem die Lchrgchülfen dasselbe durchgesehen. Z.) Wo Entwicklung, Ansprache an das Gemüth u. s. w. vorkommt, fällt die Wiederholung weg, an deren Stelle, je nach Bestimmung des Lehrers, das Wiedergeben des Aufgefaßten treten kann. 4.) Die Lchrpensen werden in Lehrgänge zerlegt, nach einer möglichst lückenlosen Abstufung (abgestufter Wiederholungsunterricht), die eine fortgehende Vervollkommnung durch Ausfüllen der Zwischenglieder nicht blos gestattet, sondern verlangt. Von der Einrichtung des Lehrapparatö, und der Anleitung der Lehrgehülfen, so wie von der angemessenen Klassifikation der Schüler hängt der glückliche Erfolg dieser Unterrichtöweise größ- tenthcilS ab. Der nöthige Raum muß ebenfalls vorhanden seyn, damit kein Kreis dem andern sich störend nähere. Die Pädagogik kann jedoch über das Ganze nur Andeutungen geben; am Lehrapparate und in einer nach diesem System organistrten Schule oder Schulklasse muß die Sache gezeigt werde». Wodurch unterscheidet sich die Lchrform der vorchristlichen Zeit von der der christlichen? Wie ist der Einzelunterricht in der Schule aus den, häuslichen hervorgegangen, und wodurch S 66 ist er modificirt worden? Was ist an den künstlichen Pcn- senverthcilungcn stets fehlerhaft? Welcher Bildungsstufe gehören die sogenannten stillen Pensen durchaus nicht an? Welche Möngcl deS gleichzeitigen Unterrichtes sind die auffallendsten? Woher mag cS kommen/ daß man dennoch nicht zu einer bessern Lchrwcise übergehen will? Sind der gegenseitige Unterricht sowohl als der abgestufte Wieder- holungSuntcrricht nur für überfüllte Klassen nothwendig ? Auf welcher Stufe der Bildung und in welchen Fächern kann der Kleine nicht Lehrer des Kleinen seyn? Wo ist das Monitorsystem allein anwendbar? Wie ist bei dem Wicder- holungSuntcrricht die Aufsicht des Lehrers möglich/ und wie weit soll sich dieselbe ausdehne»? Werden durch das Ge- röusche des WicdcrholenS der Lehrer oder die Stillarbcitcr gestört? Welche Materialien können für diesen abgestuften WicdcrholungSiintcrrtcht benutzt werden: i) zum Lauti- rcn/ Syll abirrn und Lesen? 2 ) für den mathematischen Unterricht; 3) für die Formenlehre? 4) für die gemeinnützigen Kenntnisse? Gibt cS solche Materialien auch für den Sprachunterricht? Dinters SchuIVerbesserungspla», 2te Aufl. S. meine Andeutun, ge» über über den abgestuften Wiederholungsuntcrricht und bie bort angeführte» Schriften, in der wissenschaftlichen Zeitschrift. Basel I82L, ätes Heft. Girard, über die Lehrsormcn beim Unterricht; und ebendesselben Aufsah über den sittlichen Werth des gegenseitigen Unterrichts — i» den Verhandlungen der cidsgcnössifch > gemeinnützigen Gesellschaft, b. I. 1825. Zürich 1826. Meine Abhandlung, über Vortheile und Nachtheile des gegenseitige» Unterrichts, ferner: über die girardfchc Methode in den Rede» und Abhandlungen pädagogischen Inhalt». Wintcrthur 1828. Was in der Stadt und Republik Frciburg zerstört worden ist, in der wissenschaftlichen Zeitschrift. Basel 1828, ätes Heft. I. Lankaster, ein einziger Schulmeister unter tausend Kindern in einer Schule; aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt und mit Anmerkungen begleitet Von Natorp. Essen 1808. A. Bell Schulmethodus; aus dem Englischen übersetzt von Tilgen kam p. Esse» 1808. Andrea» Bell und Joseph Laukaster, Bemerkungen über ihre Schulcinrichtung, Schulzucht und Lehrart von Natorp. Essen 1817. Pädagogische Bemerkungen mit besonderer Beziehung aus das Wesen und den Werth der wechselseitige» Schul- cinrichtnng v. A. F. v. Krohn. SchleSwig 182S. Briese über die wechselseitige Schulcinrichtung »ach ihrem Bestehen in der Normalschulc zu Eckernfdrde v. Diecknianu. Alton» 1826. tz. 37. Der Lehrcharakter ist für den Erfolg des Unterrichts eben so wichtig als die Lehrweise. In 67 vielen Schulen ist Eintönigkeit und Strenge, welche die aus Langeweile herrührende Unruhe ertödten soll, vor. herrschend. So soll es aber nicht seyn; es kann nicht seyn, wo wir Denkschulen haben und Lehrer, die ein höheres Ziel ins Auge gefaßt als die dürftige Ab. richtung. Zum Lchrcharakler gehört die aus religiöser Betrachtung der Wichtigkeit des Lehrberufes entstehende beharrliche Thätigkeit vor, während und nachher Schu. le. Vor der Schule durch Vorbereitung, während der Schule durch Beobachtung und aufregende Mitthei- lung, nach der Schule durch Fortbildung. Es ist aber eine demuthSvolle Thätigkeit; sie giebt dem die Ehre, von dem alle guten Gaben kommen, also auch die Lehr. gäbe; sie erwartet nicht Ernte vor oder sogleich nach der Saat; sie anerkennt jede gute anderweitige Einwirkung, und sucht ste nicht vom Schüler ab, sondern ihm zuzu- wenden; sie bringt Hauserziehung, Umgang und Schul, unterricht in die engste Verbindung. Freundlicher Ernst gehört ferner zum Lehrcha- rakter. ES ist kein Spiel, was Lehrer und Schüler treiben, sondern ein ernstes Geschäft, das Anstrengung fordert; die Trägheit des Schülers muß durch die Aus. dauer des Lehrers überwältigt werden. Sich selbst aber und den Schülern erleichtert der Lehrer das sonst un. angenehme Geschäft durch die Freundlichkeit, mit welcher er dem Schwachen nachhilft, den Stärker» fördert, dem Fehlenden den Weg zur Besserung zeigt und Alle an sich und an die Wissenschaft zu fesseln strebt. ES bleibt ewig wahr: die Liebe bessert, d. h. der Ernst in der Liebe. Besonnenheit ist des Mannes Zierde, also auch des Lehrers. Sie schützt ihn gegen Uebcrschätzuug der Tugenden und Fehler seiner Schüler, bewahrt ihm Hei- 68 terkeit und Ruhe des Gemüthes, sichert unbefangene Beobachtung und richtiges Ergebniß, und erleichtert die Prüfling fremder Ansichten und Erfahrungen; selbst unter Ver- wilderten steht der besonnene Lehrer wieder Arzt am Kran- kenbette, die Ursachen der Krankheit erforschend, nicht jammernd über deren Symptome. Tapferkeit gehört nothwendig zum Lehrcharak. ter. Der Lehrer hat zu kämpfen mit der aus Unkciint. niß des höher» Zweckes alles Unterrichts entstehenden unrichtigen Ansicht von der Schule, als AufbewahrungS - und AbrichtungSort; er muß sie durch die That bekämpfen und siegt, indem er daö nächste Geschlecht durch bessere Bildung auf eine andere Meinung bringt, ja vermittelst der Kinder schon ihre Eltern für die bessere Ansicht ge- ivinnt. Ihm steht der Kampf bevor gegen den aus niederschlagenden Erfahrungen entstehenden Kleinmut!); der Blick auf die Bessern bewahrt ihm Kraft und Hoffnung. Selbst in der demüthigen Anerkennung der Schwäche, die ihn stets von Erreichung des Zieles zurückhält, findet er Ermulhigiing zum tapfern Kampfe gegen innere und äußere Hindernisse; denn eben solches Selbstbewußt- sein bewahrt vor gefährlichem Stillstand. Ist cS richtig, daß der Schullchrer immer dasselbe thu» müsse? Kann er nicht dasselbe imincr wieder auf andere Weise thun? Welches sind die Symptome der Langeweile in der Schule und was muß der Lehrer ihr entgegen sehen? Welche religiöse Beweggründe müssen den Lehrer zu beharrlicher Pflichterfüllung ermuntern? Wie kaun sich der Lehrer die Vorbereitung auf die Lchrstundc angenehm machen? Wie sichert sich auch der vielbeschäftigte Lehrer die zur Fortbildung erforderliche Muffe? Welche Art der Beobachtung während der Schule ist die lohnendste ? Zn welcher Vcrwandschaft steht edles Selbstgefühl zu ungchcuchclter Demuth? Wie hilft der Schullchrer den Eltern zur Einigung der häuslichen Zucht und Aufsicht mit derjenigen in der Schule? In welche Verbindung kann und 6.-1 darf und soll derselbe sich mit den Eltern seiner Schüler setze» zur Erreichung dieses KwcckcS? Welche Grenze hat der Lebrer in seinem Umgang mit den Schülern zu beobachte» zwischen Freundlichkeit und Vertraulichkeit/ zwischen Ernst und einschüchternder Strenge? Welche Liebe bessert? welche schadet? Wodurch wahret steh der Lehrer vor der zur Ungerechtigkeit führenden Abneigung gegen einzelne fehlerhafte Schüler? Warum darf er keine Lieb- lingsschülcr haben? Was hat das Gcschsift des Lehrers gemein mit demjenigen des Arztes? Welche Vorurtheile stehen der Verbreitung einer bessern Ansicht hinsichtlich dcS allgemeinen BildnngszwcckeS entgegen? Wie kann sich der Lehrer vor Kleinmuts» und vor Dünkel bewahren? Was erleichtert ihm seine Fortbildung? Von dcr Acht»»», die Lehrer ihren Schülern schuldig sind. Herders Thcovhron. Nr». 18. Von, Fortschreiten einer Schule mit dem Zeitalter. Nr». 20. cbendas. Harnisch Handduch. §. 11—14. §. 40—45. Wilinsen IlnkerrichtSkunst/ 2te Anst. in dcr Einleitung. Svillckens Rede S. 21!» in seinen gesammelten Schnlschriftc». Berlin 1825. Dcnzcl a. a. S. II. S- 328—33?. Nebe a. a. O- S- 3—16. S. 201—204. Meine Aufsätze in den Rede» und Abhandlungen. S. 1—27: Daß die häusliche Zucht und ozcwöhuuug mit dcr Ordnung dcr Schule in Einklang zu bringen so». — Von der Belebung des fröhlichen Sinnes unter den Zöglingen einer Schulanstalt. — Die Volksschule »ach ihrer innern u. äußern Bestimmung. Mainz 1826. S. 63—70. Ricmcyer a. a. S. im ersten Theil unter den aus obiges bezüglichen Abschnitten und II. §. 8. 12. 13. 14-15. §. 38. Der Schulgeist oder der im ganzen Wesen dcr Schüler bemerkbare Charakter der Schule/ den der flüchtige Beobachter zwar nicht so leicht auffaßt/ welcher aber dem Kundigen kenntlich genug sich darstellt/ soll in Regsamkeit/ Wißbegierde/ sittlichem Ernste und ungeheuchelter Religiosität hervortreten. ES ist eine nothwendige Folge deö oben bezeichneten LehrcharakterS und der harmonischen Ausbildung aller Seelenkräftc. Der gute Geist der Schule wird erhalten durch eine zweckmäßige Schulordnung/ durch die Wachsamkeit und freudige Thätigkeit der Lehrer/ aber auch durch eine/ wenigstens nicht störende Einwirkung dcr Eltern/ der Einwohner und der Fremden / deren Kinder am Unter- 70 richte Theil nehmen. Gegen üble Einwirkungen, die aus dem allzuöftern Lehrerwechsel, aus der Uebcrfiillung der Klassen, Zerstückelung der Pensen und aus allzuge- fälligem Anschmiegen an einen gewissen herrschenden Ton entstehen könnten, muß der Lehrer sich und seine Schule durch angestrengte Fortbildung und stete Fort« enrwicklung des vorhandenen Guten zu sichern streben. Wie kann man die Ausartung der Regsamkeit in Wildheit verhüten? Wie wehrt man der Schwatzhaftigkcit? Wie wird die Wißbegierde gesteigert ohne Nachtheil für die körperliche und sittliche Ausbildung? Wie kann man den sittlichen Ernst unterhalten ohne zur Tuckimüiscrei Anlaß zu geben? Welche Punkte hat eine Schulordnung zu berücksichtigen, um einen guten Geist in der Schule zu pflanzen? Herders Theovbro» S. 128. Nom GcniuS einer Schule; voni Vernein- geig einer Schule. S. 188. Von der Heiligkeit der Schulen. S. 281. Dcnicl a. a. S. II. S, 28—46. G. G. Mebring, der Geist der Schule. Berlin 1816, §. N. Unter Schulz ucht versteht man die Mittel zur Erhaltung des Fleißes, der Ordnung, Sittlichkeit. Man könnte unter denselben die Persönlichkeit des Lehrers (Lehrtakt) oben anstellen; denn davon hängt alles ab. Ist der Lehrer pünktlich, so werde» es die Kinder auch seyn; weiß er für den Unterricht anzuregen, so wird er selten der Theilnahmlosigkeit und allen daraus entstehenden durch keine Drohungen des Gesetzes zu verhütend)» Uebeln steuern müssen. Entfernt sich der Lehrer nie ohne dringende Noth aus dem Lehrzimmer, so kann er auch seine Schaar besser zusammenhalten. Schlimm genug, wenn er seine Schüler zur Beiwache brauchen muß, noch schlimmer wenn er Stock und Schandtafcl sters bereit hält, am schlimmsten aber, wenn die Obern ihm Achtung verschaffen sollen. Bei einer zweckmäßigen Schnlcinrichtn n g, die durch gute Lehrmittel am sichersten erzielt wird, werden Belohnungen und Strafen selten als Zucht Mittel gebraucht, 71 so zweckmäßig dieselben als Nothbehelf noch immer seyn mögen/ wo cö an den Lehrmitteln und an einer passenden Lehr form fehlt. Durch welche äußere Mittel sucht man gewöhnlich den Fleiß und die Sittlichkeit der Schüler zu fördern? Worin besteht die verhütcndcSchulzncht? Welche Nachtheile hat das Lohn- und Strafsystcm für die Sittlichkeit der Schüler? Gehören körperliche Züchtigungen in die Schule oder in das Elternhaus? Worin liegt die Schwierigkeit einer richtigen Classistcation der Schüler? Welche Nachtheile bringt es der Schule, wen» der Lehrer bloß den kleinen Dienst versteht? Welchen Schaden bringt wohl das Platzwechsel»/ und wie wäre diesem nothwendig scheinenden Uebel zu steuern? Welche Schulet nrichtung macht Belohnung 6 und Strafmittel überflüssig? Welche Pedanterien graffircn zur Zeit noch unter dem Titel von Zuchtmittcln? Grundsätze der Schuldiseipliu, von Zerenncr. Magdeburg 1826. De»zcl a. a. S. S. 828—ZZY. Viel Wahres und GutcS hierüber in DintcrS kleinen Reden an künftige VolkSschullehrer, zu Beförderung der Weisheit i» Lehr und Leben, 4 Bände, 2tc Aust, Neustadt 1820. Harnisch a. a. O. S. IZä—166. Nie»ic»cr a. a. O. S. 206—257; besonders wichtig ist was dort von S. 257—260 über dc» Einfluß der Persönlichkeit des Erziehers Vorkommt. Kämpe über das zweckmäßige und Unzweckmäßige in den Belohnungen und Strafen. Braunschwcig 1788. Die Menge von Schriften über Schuldiscipli» berühre ich nicht, weil ich von andern Grundsätzen über den Zweck der Schule und die Mittel zur Erreichung dieses Zweckes ausgehe, als solche, die alle jene Rothbe- hrlse überflüssig mache». z. 40. Der Lehr Plan in der Volksschule ist ein fester; die Penseneintheilung aber muß beweglich seyn. Im Lehrplane wird dem Bildungözwecke gemäß die Reihe von Lehrgegenständen aufgeführt/ die Ordnung/ in welcher sie einander folgen und ihr gegenseitiges Verhältniß auf jeder Bildungsstufe hinsichtlich der Stundenzahl, oder vielmehr des Raumes, den sie füllen in der Zeittafel der Schule. Die Penseneintheilung wird durch die jeweilige Beschaffenheit des größer» Theiles der Schüler 72 bestimmt. Darnach sollte sich auch die Versetz ungS- zeit richten, nicht nach dem Kalender. Mit dem Schlüsse der sogenannten Schulcurse treten gewönlich auch die Schulprüfungen ein, von deren zweckmäßiger Ein- richtnng ihr Nutzen abhängt. Es sollen mündliche und schriftliche seyn; sie müssen sich mehr über das Können als über das Wissen der Schüler verbreiten; ihren Werth als Ergebniß der gemeinschaftlichen Thätigkeit der Lehrer und Schüler wird nie. wand bestreiken. Eben so wichtig aber als die wissen, schaftlichen Prüfungen sind die Sitten-Censuren und deren Mittheilungen an die Eltern durch periodische * Zeugnisse. Kann der Lehr plan und muß derselbe die Ocrtlich- keit berücksichtigen? Nach welchen Grundsätzen »inst die Penseneinthcilung vorgenommen werden? Wodurch ist das Zerstückeln der Lchrpenscn n, verhüten? Welche Lchr- form gestattet und verlangt häusigc Versetzungen? Welches sind die Vortheile und Nachtheile der Ocffentlichkcit für Schulprüfungen? Wie können solche Prüfungen als Mittel zur Förderung des regelmäßigen Schulbesuches benutzt werden? Wie sind dieselben einzurichten, damit die Thcil- nehmer nicht getäuscht werden? Wie könnte jeder einzelne Schüler in allen Fächern genan geprüft werden ohne zu vielen Zeitaufwand? Wie sind die VerhaltungSzcugniffe einzurichten, damit die Eltern in einer der Schule zuträglichen Verbindung bleiben? Lehrplane enthalten die schon erwähnten Schriften von Denzel, Dintcr, cs. besonders dessen oben angeführten Schulverbcsscrunqsolan.) Nebe, Nicme» er, Harnisch, Nie mann; die in den freimüthigen Jahrbüchern für Deutschland« Volksschulen enthaltene» Schulordnungen und Soillrkens gesammelte Schulschriften. Aber sie kränkeln meist M» Principlostgkcit und daraus entstehender Ueberfüllung. Meine Ansichten hierüber enthält der specielle Theil dieser Schrift, nebst einer Würdigung der Lehrmittel und der nöthigen An ord n u n g in, S-bullokal. Ueber die Seh ulprü s» n g e n s. besonders Ni eine »er a. a. O. und die dort nachgewiesenen Schriften- II- Nebe ». a. s. S. 334 und s. s. Thcophro» von Herder. S. liü. Vorn Zweck öffentlicher Prüfungen. Heroisch a. a. O- S- 16'-. , » 73 §. 41. Die Schulordnung bestimmt zwar die aus. scrlichcn Verhältnisse deSSchullchrerS und ordnet die Auf. ficht. Aber sein nächster Aufseher sey sein Gewissen; der Maßstab zum Urtheil über sich selbst das Benehmen seiner Schüler; sein Sporn die Betrachtung der Wichtigkeit seines AmteS und die Erinnerung an den Ausspruch des Heilandes: Wer ein Kind aufnimmt in meinem Namen / der nimmt mich anf. Durch die Willigkeit, mit welcher sich der Lehrer jeder menschlichen Ordnung, die als eine solche nie voll- kommen seyn kann, unterzieht, durch die Weisheit, mit welcher er Verbesserungen allmählig herbcizufüh- ren, und durch die Ausdauer, mit welcher er von eig- ner Fortbildung und Veredelung ausgehend in und außer der Schule den höchsten Zweck aller menschlichen Wirksamkeit zu fördern sucht, bewährt er seine Würdigkeit zur Führung eines BerufcS, mit welchem eine so schwere Verantwortlichkeit verbunden ist. WaS ist von den Streitigkeiten über die Schulaufstcht zu halten und wovon gehen dieselben mit Unrecht aus? Wie hat sich der Schullehrcr hinsichtlich seines sogenannten Ranges und seiner Stellung zu andern Stünden zu befriedigen? Welchen unbestrittenen Rang erwirbt er sich durch Pflichttreue und Bescheidenheit? Wie kann auch der Hauslehrer am besten seinem Stande und seiner Person eine billige Anerkennung sichern? Welche Behutsamkeit hat der Lehrer in Hinsicht auf wünschcnswcrthc Verbesserungen zu beobachten ? WaS kann der lüngfl im Amte stehende Lehrer vornehmen, und wie weit darf der Neuling im Amte gehen? Durch welche Mittel und in welcher Stufenfolge kann der Lehrer seine Schule auS einer bloßen Kcnntnißschulc z»r BildungSschulc erheben? WaS kann und muß der Schul- lchrer auch unter den ungünstigsten Umstünden für seine Fortbildung thun, sowohl durch eigenes Studium und Beobachtung als im Umgang mit Höherstehenden und mit AmtSgcnoffcn? KGL 74 Ueber des Schullchrers äußere Verhältnisse s. Nebe S. 392—660. — ie Volksschule nach ihrer inner» und äußern Bcssiinmung. Mainz 1326. . 165—187. Harnisch a. a. S. S. 61 und f. s. S. 75-85. Nie, euer a. a. S. H. §. 55. Denzel a. a. s. II. S- 170 und f. f. ' I 2'>r1 7 ' . , ss... . 2 >' ä'.u k> > ''^NiruKM» r«« E, .. ir< ß«vd Ss» u ?' SzV "^-! V'V II. Specieller Theil. n Reihenfolge der Lehrgänge nach den Lehrgegenständen §. -42. Die in §. 5 und 6 erwähnten Vorübungen sind körperliche und geistige. Sie können mit Kindern von 3—5 Jahren in besondern Schulen (Klein« kinderschulen) oder im Eltcrnhause in folgendem Umfange und in folgender Reihenfolge vorgenommen werden. Körperliche Uebungen. 1. Das Gehen. ES ist nothwendig/ um die Ktn- der an Uebung der Gliedmaßen zu gewöhnen / sie oft in frische Luft zu bringe»/ eine gewisse körperliche Ermüdung zu erzielen/ die zur erforderlichen Ausdünstung führt und einen gesunden Schlaf zur Folge hat. Man läßt sie täglich/ auch bei unfreundlicher Witterung/ vom 3—4 Jahre wenigstens eine Viertelstunde/ vom 4—5 Jahre eine halbe Stunde Weges zurück legen. Kann cö nicht täglich geschehen/ doch wenigstens wöchentlich zwei bis dreimal; stets aber unter Aufsicht. 2. Das Laufen. Bei kleinen Kindern ist von 3—5 Jahren ein Ziel von 60—100 Schritten/ nach welchem sie in die Wette laufen/ hinreichend. Anfänglich wird 76 / die Bahn nur einmal durcheilt und zwar so, daß eine Ruhe von wenigstens 10 Minuten eintritt, damit die Kleinen nicht überspannt und der so nützlichen Uebung nicht überdrüssig werden; später läßt man sie nach ganz kurzer Rast denselben Weg zurückmachcn, so daß das Hauptziel am Anfang der Bahn zu stehen kommt. Dieselbe Bahn kann zur Abwechslung von Reiftreibern, von Hüpfern, Stclzläufern zurück gelegt werden in allmälig vermehrter Länge. 3. Das Werfen. ES stärkt die ArmmuSkeln und schärft das Augenmaß, wenn ein Ziel gesteckt ist. Der gewöhnliche Ball ist hinreichend und eine am Pfale hängende Scheibe. Zur Abwechölurg dient der Bogenwurf in eine Tonne. Andere Wurfspiele sind leicht zu finden oder zu erfinden. 4. .Das Seilziehen. ES setzt mehrere Muskeln, der Hände und Füsse, in Bewegung, und ist ein wahrer Kraftmesser und eine Kraftstärkung. Die Aufsicht muß allzugroße Anstrengung und eine leicht rege werdende Leidenschaftlichkeit der gegen einander auftretenden Parteien verhüten. 5. Gartenarbeiten. Wo Schulgärten find für diesenZweck, kann auch die Kleinkinderschule mit Vortheil in dieselben bei günstiger Jahreszeit verlegt werden. Die Arbeiten müssen aber geregelt, durchgeführt, und durch Ueberlassung des Angepflanzten muß dazu crniun- tert werden. Hier kann man die Kinder an Führung des Handwerks- und GärtnergeräthcS gewöhnen, aber mit Vorsicht. v. Geistige Uebungen. i. Stimm- und Sprach Übung. ES ist nicht unwichtig/ ob und wie die Stimme geübt werde. Ver. 77 nachläßigung hat manche lebenslang bleibende Unarten zur Folge. Die Vokale muffen rein, in einem gcwis- seu Tonumfänge gesprochen und gesungen wer. den. Hierauf wendet man alle Aufmerksamkeit den Con- sonanten hernach den Diphthongen oderD oppellauten zu, besonders den schwierigern. (Vorübungen zum Lautiren.) ES versteht sich, vom L—6 Jahre ohne Buch. Der Leh, rer allein mag ein solches, (wie das hiefür taugliche Pcstalozzische A. B. C. Buch) vor sich haben. 2. Sprechübung. Der Lehrer spricht vor und zwar rein, in verändertem Tonumfang, und in all. mälig wachsender Entfern » ng vom Kinde. Er läßt zuerst Wörter, dann Sätze, hierauf Perioden nachsprechen von einem einzigen Kinde, alsdann von 3—10 Kindern, doch selten im Chor, zur Vermeidung deS Chorgeschreis und Chortons. Endlich erzählt er kleine Geschichten, frägt sie ab und läßt sich solche nacherzäh. len. (Angrenzende Gedächtnißübung) 3. Singübung. Man singt (und spielt, wo mög. lich) zuerst den Kleinen vor, damit ihr Gehörsinn sich ausbilde. Die Kinder ahmen bald nach; die besten der Singenden werden nun in ganz leichten Melodien durch Vorsingen geübt, erst eines, dann 2, 3, 4, und sofort, bis man einen Kern gebildet hat, an den die Uebrigen sich anschließen können. Auch hier ist kein eigentlicher Unterricht. Aber der Lehrer beobachte eine genaue Stufenfolge, sonst ist der Erfolg unsicher und die Lust verschwindet statt zu steigen. Kein Organ muß so zart behandelt werden wie das Ohr. 4. Sinnen Übungen. Man bringt bewegliche Körpcx dem Kleinen vor das A u g e. Er betrachtet sie in verschiedenen Entfernungen und von allen Seiten und benennt die Verschiedenheit der Gestalt, Farbe, Schwere, Dichtigkeit. Der Lehrer vrr- anlaße und leite das Vergleichen und Schätzen. Auch der G eschma ck kann durch Kosten der verschie- denartigsten Speisen/ Früchte/ Flüssigkeiten geprüft wer, den; daS Gefühl durch Betasten der weiche»/ harte», rauhen/ glatten Körper. Die Reproduktion des Betrach- teten durch Zeichnen und Formen kann man nach Zeit, Lust und Gelegenheit vornehmen lassen. §. 43. Mit dem zurückgelegten fünften Jahre kann sich der eigentliche Schulunterricht diesen Vorübungen anschließen und dieselben fortführen. Die körperli- chen Uebungen können bis zum 7ten Jahre dieselben bleiben mit einiger Erweiterung; die geistige» sind aber nun anderer Art, nämlich: Lautiren. (Lautkenntniß und Lautbe- nennung, Lautverbindung) Dazu bereitet der Lehrer vor durch Bildung des Sprach organö (§. 42. v. 2 ;) er achtet auf den OrtSdialekt und regelt die Uebungen zur Förderung einer reinen Aussprache; fcr-. ner auf Tonumfang (§. 42. v. 1.) alles dieses, indem die Kinder abwechselnd sitzen und stehen. Jede Landschaft muß ihre besondere Lautirtabellen haben, wo alle Abweichungen vom Schriftdeutschen in Hinsicht auf Aussprache der Vokale, Doppellaute, Consonante, alle Zusammenziehungen, Ausdehnungen aufgeführt sind. Hier kommt folgendes Fortschreiten vor: 1. Der Lehrer spricht den Laut und zeigt auf das todte Zeichen desselben, den Buchstaben, mit dem Stäbchen. 2 . Er spricht den Laut und läßt die Kinder, eines nach dem andern, auf die neben einander gestellten Buchstaben mit dem Stäbchen hinweise» und den Laut wiederholen. 79 3. Er berührt stillschweigend mit dem Stäbchen den Buchstaben und läßt zuerst jedes Kind einzeln, dann mehrere, zuletzt Alle den Laut und den Namen des Buchstabens angeben. 4. Er vergleicht ähnliche Laute und ähnliche Laut- zeichen und läßt ste dann neben einander stellen; hierauf werden einzelne Laute mit einander verbunden z. B. a —- u - au. (Erste Schritte zum Syllabiren durch diese einfache Laulvcrbindung.) 5 . Er durchgeht die Buchstaben zuletzt alphabetisch und zwar zuerst in der Wandfibel, dann auf dem Buchstabengeftclle, endlich in der Handfibel. So entsteht die erforderliche Abwechslung und das Kind gewöhnt sich an das Lesen der kleinen wie der großen Schrift. Können die Kinder mit einiger Fertigkeit die Laute durch Worte bezeichnen , so wäre die in andern Zeiten geübte Methode, diese Zeichen auf der Tafel darzustellen, als Wiederholungs-Cursuö sehr anwendbar. Nur müßten, ehe diese Formen dargestellt werden können, andere Uebungen, nämlich die ersten Schritte in der Linearzeichnung, vorausgegangen seyn. v. Das Syllabiren. Mehrere Laute werden in eine Sylbe zusammengefaßt. Bei der Reihenfolge von Uebungen kann man nach folgendem Schema fortschreiten: 1. Consonante (einfache) verbinde mit den Vokalen: z. B. ma, mä, me, mö, mi, mü, mo, mu. 2. Consonante» mit Doppellauten: z. B- mei, mie und s- w. 3. Consonanren mit Vokalen und einem Consonan- ten am Ende; z. B. ber, bar, bur, der, das u- s- w. 4. Consonante» mit Doppellauten und Schlußcon- sonanten: j. B. bier, mein, sein, mauS, hauö u. dgl. 5. Zwei Consonanten mit einem Vokal: z. B. bla, gra — als erste Sylben von bla —sen, gra —sen. 6. Zwei Consonanten mit einem Doppellaute: z. B. blau, grau, frau. 7. Zwei Consonanten mit einem Doppellaute und Schlußcoiisonantcn z. B. brief- 8. Wiederholung aller bisherigen in zweisylbigen und mehrsylbigen Wörtern z. B. Ma —ma, Pa —pa; Mei —se, bau —e, Mäu —se und dgl. Ferner: Kerker, Rit —ter, Hur —ter, Bie —ter, Sei —ler, Läu—ser, Hau —ser. Hierauf: Blä—ser, Gräser, Glä —ser, Brei— ter und dgl. Alödann: Plan — dc —rer, Plau —dc —rei, Kräu —-ter—kun - de. Endlich: Brief —trä — ger, Braut —klei —der. (ES versteht sich von selbst, daß man hier die Sylbenthei- lung, sowohl die natürliche als die eonveinto- nelle kennen lehrt. Auch müssen allein der Volkssprache abweichende Wörter durchgenommen werden.) Nach dieser Wiederholung läßt der Lehrer die schwierigere Uebung vornehmen, ncmlich das Anfügen von zwei Consonanten zum Vokal; damit bringt man alle obigen Uebungen in Verbindung, um Langeweile zu verhüten. Dieses ist die Reihenfolge: «. Vokale vor zwei Schluß-Consonanten z, B. als, alt, arm und dgl. Mit diesen verbunden: arm—se—lig, ält —lich, ehr —bar, Ehr —bar —keil. b. Einfache Consonanten vor einem Vokal und zwei Schluß-Consonanten: z. B. warm, Herz, Holz. Mit diesen verbunden: herz —lich, Holz—hg„ —er, Barm — her —zig-keit. Zwei Consonanten im Anfang und zwei Schluß. Consonanten; z B. Sturm, Schwert, Schwärm; ver- 81 bunden mit früher vorkommenden Sylben, z. B. Sturm — lei —ter, Schwert —fc — ger und dgl- . Als unregelmäßige; der, die, das gute, bessere, beste. AnS der Volkssprache werden solche Ab- weichungen erläutert, wie hoch, höher, der höchste, gut (baß) besser u. s. w. 5. Zum Substantiv und Adjektiv tritt nun das Zahlwort. Auch dieses wird im Lesebuch aufgesucht und geordnet r 2 . unter allgemeine Zahlwörter — als viele, w enige. b. Grund zahlen (Cardinalia) ring, zwei, wobei man auf die vielfachen Formen der Volkssprache (zwo, zwa, drü) aufmerksam macht. Unter diese Rubrik kommt auch einmal, zweimal u. dgl. e. Ordnungszahlen (dinmeroiia), der erste, zweite. ß. Das Fürwort (Pronomen) bedarf einer besondern Beachtung. Manordnetdie im Lesebuche vorkommen, den in große Massen, als: ». Declinirbare; mein, dein, sein, unser, euer, dieser, jener u. dgl. und vergleicht die volkSüblichcn sorg. faltig mit den schriftdeutschen und deren mannigfacher Umschreibung in der Volkssprache. ES folgen dann ti.die nichtdeclinirten, alör ich, du, er,und es verden dann die Verba vorgeführt, welche solche regieren ; z. B- Hast du es gesehen ? Er hat sich verwundet. e. Die übrigen folgen, wie sie die Grammatik gibt, m der dritten Reihe (Gren;fcheide des Adjectiv und pronnmeii) stets mit dem Verbum im Satze. 7. Die N e b e n w örter werden nun eine Zeit lang aufgesucht und im Satze sorgfältig behandelt: ». In Hinsicht auf ihre Bildung, Steigerung. l>. In Hinsicht auf ihre Verbindung mit Verben, Ad. jectiven, und mit den Adverbien selbst, j. B. sehr gern n. dgl. c. Endlich werden sie gruppirt, so weit als dem Kin- de diese Eintheilung faßlich gemacht werden kann. 8. DiePräpositionen (Vorwörter, Verhält, nißivörter) sind dem Kinde durch täglichen Gebrauch bekannt ; der Lehrer vergleicht die volkSüblichen mit den schriftdeutschen und macht auf ihre Verschiedenheit auf- «erksam ; die merkbarsten Abweichungen werden durch Aeiikvcrfe eingeprägt. Wo Gewobuheit und Wohllaut zweierlei Construetionen gestalten, wird sich dcr Lehrcr nicht dri'ch das Ansehen der Grammatiker schrecken lasse», wie z. 8. bei wegen u. dgl. 9. Die Empfindungswörter werden nur kurz berührt; die Armuth der Schriftsprache, wie der Reich- thun, der Volkssprache wird durch Beispiele anschaulich "macht, so wie, waö die niedrigste Art der Umgangs- 8 -; spräche verwerfliches in dieser Rücksicht hat, heraus zu heben ist. 40. Schon in §. 7. mußten die gewöhnlichsteuCon- junktionen gebraucht und ihre Bedeutung erklärt werden. Manführt nun aus demLesebuche auch die schwicriger n vor und übt dieselben durch Denkvcrse ein (S. meine Lehrmittel für Volksschulen), besonders hat man auf diejenigen aufmerksam zu machen, durch welche Perioden mit Perioden verbunden werden. Die Volkssprache jeder Land- schaft hat auch hierin ihre eigenthümlichen Abweichungen , an denen der Kundige bald den Schweizer, Wür- tcmberger, Pfälzer, Sachsen, u. s. w. erkennen wird. S. §. 20. Bei diesen Lehrgängen muß der Lehrer, wenn ihn noch keine abgestuften Lehrmittel zu Gebore stehen, dir besten Schriftsteller seiner Ration als Fundgrube zu edeln Lehrstoff durcharbeiten und nur was dem Kinde zur B.l- dung seines Geistes und Herzens bchülflich seyn kain, sammeln und dem Gedächtniß einprägen. Hier öffnet sich ihm ein großes, noch wenig angebautes Feld für >ie wohlthätigste Wirksamkeit. Wie die 4 Theile des BaSlerischcn Lesebuchs für diesenZweck zu benuxen, wird in derAnlcitnng zum Gebrauche derselben gezeigt. Anderes s. §. ii. §. 45. Zahl - und Naumgröße ist neben der Sprache der zweite wichtige Gegenstand der Schu- le. Beides kann und soll in nebeneinander laufende! Lehrstnnden behandelt werden; dadurch erzielen wir nicht nur Abwechslung, die verwandten Gegenstände tre en auch in die innigste Verbindung. Folgendes können die Lehrgänge seyn bei Behandlung der Zahl; 1. Räch §. 8. L. wird mit dem Vor- und RückwärtSzählen auf der Maschine (40 Kugeln 89 I von verschiedener Große und Farbe für 10 Einheiten, eben so viele Zehner, Hunderter, Tausender laufen auf einer polirtcn Eisenstange) angefangen. Man läßt hierauf an derselben Maschine sogleich das Ponderiren (Zersetzen der Zahl in ihre Bestandtheile) in der ersten Dekade d. h. von i—10 folgen; später mit diesen Kugeln und Würfeln, Marken, Strichen zu- und abzählen (addircn und subtrahiren). Von da geht man zur Einheitötabelle, nachher zu den arabischen und römischen Zahlzeichen fort. Das Numcriren läßt man nicht über lo taufende hinaus gehen; eS wird aber unter mehrern For- men aufgeführt. 1 . Der Lehrer hilft den Kindern zur Bildung der einfachen und zusammengesetzten Zahlgrößen (z. B. 12,112, 1112 u. dgl.) läßt dieselben auüsprcchen, inW 0 rtc n mündlich und schriftlich ausdrücken. Zuerst bringt man keine Nullen hinein. Hierauf schreibt er mit Worten die Summe, und läßt dieselbe von den Schülern in arabischen und römischen Ziffern darstellen. Indem er den Summen einen Namen gibt, führt er zur Kenntniß der Raum- Zeit. und Werthmaße. 2. Zahlgrößen, die in arabischen Ziffern ausgedrückt sind, werden umgesetzt in römische, und umgekehrt. (Bauern zahl.) 8 . Man rückt dann die Reihen vor bis zur Million und bringt nun auch Nullen als Stellvertreter der Einer , Zehner, Hunderter u. s. w. an, zuerst einzelne, dann mehrere neben einander. (Wo 30 —sto Kinder in einer Classe sind, kann jedes eine Zahl vorstellen in der Reihe der Einheiten, Zehner, Hunderter, Tausender, und eö entsteht nun ein sehr nützliches Spiel durch Aufruf; so wird z.B. wenn Z 6 Kinder in st Bänken sitzen durch Aufstehen der st obersten die Zahl 1111, der st un- 90 tersten die Zahl 9999 entstehen; die Veränderung und Abwechslung im Spiele, das zugleich die Aufmerksam- keil schärft, erhellt von selbst.) Hierauf geht man zur Darstellung vorgesagter Summen durch bewegliche arabische und römische Zahlzeichen über, wobei die Fehler der Schwächer» durch die Geübten verbessert werden unter Leitung des Lehrers oder des Lehrgehülfen. 5. Den Schluß dieser Uebungen macht ein söge- nannteö stilles Pensum. Wie beim Generalbaß bezeichnet der Lehrer 2—4 Zahlen mit kleinern übergesetzten und durchstrichenen Ziffern, die dann der Schüler in die bezeichnete Stelle bringt, z. B. , d. h. 7 gehört in die 87 §te und 8 in die 7te Stelle; also ^—8070000, u. dgl. 87 u. Das Addiren (Zuzählen) ist durch Zählen und Ponderircn vorbereitet und wird nun unter verschie. denen Formen geübt. 1. An der Maschine, mit Marken, mit Würfeln, an der Einheitötabelle, mit Hülfe der Finger, durch Aufstehen der nach §: 45. 3. geordneten Kinder. 2. Nach dem Gebrauche dieser Anschauungsmittel geht man zur Aufstellung der Posten über in arabi- schen Ziffern; zuerst nur Einheiten, z. B. 9 -i-8 7^x; diese über und neben einander gestellt; endlich im Kopfe zusammen gezählt- Ueber io— 12 Posten wird der Lehrer nicht hinausgehen. Z. ES folgen dann 2 , 3, 4 und mehr Stellen und Posten und bis auf 7 ; auch diese über einander; z. B. 4 Posten und 4 Stellen über einander; 91 T. H. Z. E. 3 4 5 6 7 8 9 4 5 0 3 8 6. 4., 7.. 5 2 2 8 6 3 E. «Nd neben einander: 3456 4 - 7894 4 - 5038 4 - 6475 — 22863. Hier ist nun die Abwechslung sehr mannigfaltig, indem man entweder von Einern zu Zehnern, n.s. w. wie gewöhnlich fortgeht oder von der höchsten Zahl zur tiefsten hinabsteigt r z. B. 3 4 - 7 4 - 5 4 . 6 taufen- der —21 T.; 4 4.8 4 .4 Hunderter — 16 H.; 54 - 94 - 3 4-7 Zehner — 24 Z.; 6 4 . 4 4 - 8 4 - 5 Einer — 23. Diese Einzelstimmen zusammengezählt — 22863 Einer. Man kann auch mit jeder beliebigen Stelle anfangen, und so die Posten nach Belieben über oder neben einander ord- uen. So wird es möglich durch verschiedenartige Auflösung Schwächere und Stärkere zu beschäftigen und gegenseitige Controlle zu erzielen. 4. ES folgt die Addition mit niederst ei- genden Reihen (Dccimalstellen) welche dann in der Addition mit Sorten auf Zehntheile; z. B. Franken, Batzen, Rappen, geometrische Ruthen, Schuhe, Zoll, Linien, Centner, Pfunde; Onilmes wiederholt wird- DaüZifferrechnen erscheine stelö in Verbindung mit demKopfrechncn und in erforderlicher Beschränkung auf den dem KindeSaltcr angemessenen Umfang. 6 - DaS Snbtrahiren (Abzählen) wird ebenfalls zuerst mit Hülfe der oben genannten Anschauungsmittel geübt, alsdann geht man zum Zifferrechnen in steter Verbindung mit dem Kopfrechnen. 1. Reine Subtraktion. Mit Einheiten; z. B. ziehet ab von 10 Einheiten: 1 , 2 , 3 , 4, 3, 6 — 10 ; eben so 9—1, 2, 3 — 9; n s. w. 92 b. Mit Zehnem und Einem: z. B. 20 — 11 , 12 , 16 — 20 ; 60 — 20 , 21 , 22 , 26u.s.w.—X ? Man kann zuletzt gemischte Stellen nehmen; z. B.: d7 — 49 —x? 0 . Summen durch ihre Zehntheile subtrahirt bis kein Rest bleibt. ( Stilles Pensum z. B. von 12670 zehnmal abgezogen 1267 — 0. Hier dürfen anfänglich keine Nullen in der Mitte der Reihen vorkommen; später bringt man eine, zwei und mehrere an; z. B. 40970080 — 4097003 — 0 nach zehnmaligem Abzug; man kann auch bis auf zwanzig und dreißigtheile mit den Geübtem gehen , die dann an Fertigkeit gewinnen. DaS sogenannte Entlehnen muß gründlich erläutert und häufig geübt werden. ä. Es folgt dann die Subtraktion mit beliebig veränderten Reihen; z. B. 9798 —2756 —X? Hier kann ich zuerst — 2000, dann — 700 — dann — 50 — endlich — 6 setzen; oder den Hunderier auf den Einer, den Tausender auf den Zehner folgen lassen, wie 45. L. e. 0 . Man geht endlich zur Subtraktion in Decimalstellen, ebenfalls wie in ä mit veränderter Reihenfolge der Stellen, fort, denen man die Subtraktion in zchn- theiligen Sorten als nahe verwandt anschließt. 2 . Gemischte Subtraktion. 1 . Zuerst mit den oben genannten Anschauungsmitteln , indem man die durch Zuzählung entstandenen Summen durch daS Abzählen wieder zernichtet. Dasselbe durch Kopfrechnung in mäßigem Umfange. 2 . In Ziffern durch folgende Aufgaben: s 7 ^.4 —9 —x? Hierauf läßt man bald eine Reihe bald einen Posten nach dem andern in verschiedener Ordnung abziehen, bis kein Rest bleibt, für Geübtere 92 -t- 74 -i- 87 — 59 — x? Man setzt hier voraus, daß 93 die Uebungen mit neben einander gestellten Posten nach v. 3. gründlich durchgeführt worden- 3. In Deei mal stellen mit denselben Veränderung in zehntheiltgen Sorten. o. Die Multiplikation. Sie wird zuerst mit Hülfe der obigen Anschauungsmittel geübt; hierauf das Einmal-EinS von den Kindern construirt und in mäßigen Aufgaben genau auswendig gelernt, das Erlernte aber sogleich zu Kopfrechnungen benutzt. Man nimmt nun vor die a. Reine Multiplikation. i. Zuerst die Multiplikation einfacher Faktoren über nachfolgende Tafel: 1, 2, 3, 4, 5, 6,7, 8, 9, 10, 11, 12, multiplicirt jede Reihe mit 2 — 12 - 2. Ein zweistelliger Faktor wird durch einen einstelligen mnltiplicirt auf verschiedene Weise: z. B. 49X8 — x? Antw. 4 Zehner achtmal — 32 Zehner, mehr 7 Zehner und 2 Einer — 39 Z. 2 E. -- 392 Einer; oder 9 X 8 — 72 Einer zu 8 x 4 Zehner — 320 Einer geschlagen — 392. Dann geht man zu 3-4-und mehrstelligen Faktoren ^er mit Abwechslung; z. B. 4689 x 8 — x? I. AuflösungSart- 4ooo x 8 -j- 600 x 8 -l- 80 x 8-i-9x8— X? Man fängt mit jeder beliebigen Stelle an. n. Auflösung. 4 6 8 9 8 7 2 6 4 4 8 3 2 3 7 S 1 2 E. 94 m. Kürzeste Auflösung / die gewöhnliche: 4 6 8 9 8 3 7 5 1 2 E. Also verfährt man bei mehrstelligen Factoren. 8. Man geht nun über zu arithmetisch er und geometrischer Zerfällung des einen Faktors: -r. arithmetische: z. B. 524 x 36 — x? 524 X 80 15720 --- X 6 — 8144 Auflösung 18864 b. geometrische: 524 x 6-- 8144 x 6— 18864. Nicht alle Zahlen lassen sich geometrisch zerlegen. Web- che nicht? Hier fühlt man das Bedürfniß- LieP o tcnz. und Primzahlen kennen zu lernen. Ihre Bildung gehört aber in die DivistonS-Rechnung. 4. Multiplikation mit Decimalstellen und in Sorte»/ wo die Einheiten der niedrigern Reihe ja nichts anders als Theilganze find ; z. B. 4 Franken 7 Nap> pen — 4/07. I,. Gemischte Multiplikation. 1. Multiplikation mit Addition verbunden. 2-^-2 -- 4; 2 X 2 — 4; 3 -l- 3 3 — 9. u. s. lv. 2. Dieselbe mit Subtraktion: 4x 3-^12; 12-8-9—3 —6— 8— 0 . — Ein stilles Pensum 12 X 12 — 144 — 12 U. s. W. 8. Multipliciren in Sorten. Hier fängt man nun an die Maße und Gewichte durchzunehmen. Zuerst Zeitmaße/ alsdann Raummaße; nämlich Länge; Länge und Breite; Länge / Breite/ Höhe oder Tieft/ Dicke (Hohlmaße). Ferner Gewichte: Krämer - / Apotheker-Silbergewicht. ES kommen dann die Haufenmaße: Reben/ Papier/ Obst nach Schock/ Mandel 95 u. dgl. Endlich Werthmaße/ wirkliche und ideale — Klingendes Geld in Knpfcr, Silber, Gold. Papiergeld in Banknoten, Wechseln- — Alles dieses mit weiser Mäßigung und Beschränkung nach Zeit, Ort, und Beschaffenheit der Schüler. L. Die Division. Vorübungen sind dieselben, wie oben. Rechenmaschine , Aepfel, theilbare Würfel, Stäbe und Papier- streifen, am meisten die Hohlmaße in Abstufungen, endlich die Bruchta belle werden zur Versinnlichnng benutzt. Denn eS kommt zuerst vor die Lehre von Theilganzen (Brüche) die nicht von der Division getrennt werden kann. Man beschränke sich aber auf einfache Brüche. i. Reine Division. ^ 8 a. Zerlegung in geometrische Faktoren z. B^—2, ^ — 2». s. w. Hiehcr gehört nun die Lehre^on Potenz- und Primzahlen, welche wenigstens bis auf 200 von den Schülern aufzusuchen sind. l>. Man stellt hierauf die Theilungötafel auf. Wievielmal steckt oder ist enthalten: 2 in 4, 6, 8,io, 12, 14 u. s. w. 3 in 6, 9, 12, 15, 18 u. dgl. c. ES kommen 2- 3. und mehrstellige Ganze (Dividendus) mit einstelligen Divisoren ( Theilern) z. B. 4 steckt in 48? —x? Aufl. 4 in 4 Zehnern i Zehncrmal oder io Einermal. Ferner in 8 Einern 2 Etnermal; also 4 o 8 ^ io 2 — 12. Diese Austösungöart wird mit Ausdauer durchgeführt an 2- 3. 4. und 6stclli- gen Ganzen. Denn hier ist die Grundlage aller übrigen Lösungsarten, welche als Abkürzungen folgen- B. in 67 Hundertern ist 24 wie viel mal enthalten? Antwort: nicht zweimal, sondern 200, mal, u. s. w. e. Division durch Zerlegen des Divisors, wo es mög. lich ist. S- oben 0. 8. - k. Division mit Deeimalstellen und in Sorten. S- 0. 4. n. Gemischte Division. 2. Division verbunden mit Addition: z. B. ^ ^ 2. Der vierfache Quotient addirt: 2^.2-z-2-i-2 — 8. 43 b. Division mit Subtraktion: z. B. ^ — 6. Der Quotient 8mal abgezogen vom Ganzen. 43 — 6 42 — 6 — 86 — .... — 0. 480 e. Division mit Multiplikation z. B. 2^ — 20. Der Quotient multiplicirt mit dem Divisor 24 X 20 ^ 480. u. s. w. Dieses stille Pensum kommt in den Schulen sehr häufig in unverhältnißmäßiger Ausdehnung vor. <1. Division mit Decimalen in Verbindung mit Addition , Subtraktion und Multiplikation, wie in 6. S7 Die nun folgenden Entwicklungen der Arithmetik verlegt der Lehrer auf eine höhere Bildungsstufe und geht lieber in zweckmäßiger Abwechslung das frühere wiederholend auf die Elemente zurück, mehr in die Tiefe als in die Breite arbeitend. So weicht er dem Uebelstande aus, daß ein Kind, welches in Billionen auf der Tafel rechnet , mit der gemeinsten Hauörechnnng nicht inö Rei. ne kommen kann. §. 46. An die Zahlenlehre muß sich die Raum. lehre anschließen; dieser soll das Linearzeichnen stets zur Seite gehen. ES ist hier eine Hauptregel/ nur Schrittweise zu gehen/ aber auch nicht das geringste Werk- zeug zu gestatten / das dem Schüler die Entwerfung der Figuren erleichtern konnte. Auge und Hand muß ge- übt werden; und sie können geübt und gestärkt werden; bis auf einen hohen Grad von Sicherheit und Fertigkeit ohne daß man die Kinder überreizen oder Nothwendigeres über solchen Uebungen versäumen müßte. Folgende Lehr- gänge führen dazu: 1. Man geht von Punkten aus. Sie werden in ge. rader Richtung neben und über einander gesetzt. Durch ihre Bereinigung entsteht die Linie. Man fängt mit der wagrechren an/ geht zur lothrechten/ dann zur rechts, und links schiefen fort. Die Geübter» zie. hen dann Linien solcher Art aus einem Mittelpunkte. 2 . Sie kommen hierauf zur Einthcilung dieser Linie»/ die sich allmälig verlängern. Man sucht die Half- te, die halbe Hälfte; den dritten Theil/ den halben Drittel u. s. w. bis daö Auge eine gewisse Sicherheit im Schätzen erlangt. z. Nun läßt der Lehrer alle vorgekommenen Linien und Verbindungen der Linien an die Wandtafel zeich. 7 9 « nett, dieselben benennenundschätzcn. Er fordert alsdann die Schüler auf, dieselben Linien ohne Muster particwei- ft (gleichartige zusammen) zu entwerfe»/ zu benennen und einzutheilen. 4. Aus den Linien werden Winkel gebildet; zu- erst rechte, hierauf spitzige durch Theilung vermittelst einer vom Vercinigungspunkt gezogenen Linie; also 90 ° 2 — 46; endlich stumpfe durch Verlängerung der wag- rechten Linie und ähnliche Theilung: so ° -z- so — 135 u. s. w. 2 6. Es folgt die Bildung des Viertelbogens (Quadranten) des HalbenbogenS/ dcSKreises. So stehen wir bei den krummlinig tcn Figuren. Hier schließt sich die Eintheilung des Kreisbogens durch Gradbezeichnung an; zeichnen/ benennen, schätzen tritt nun ein wie oben in Z. Diese Uebung muß aber unter stetem Wechsel der Figuren so lange fortgesetzt werde»/ bis der Kreis mit ziemlicher Nichtigkeit getheilt und das Maaß der Winkel durch das Auge mit Genauigkeit bezeichnet wird (der Zirkel ist nur in des Lehrers Hand zur genauesten Untersuchung der Schätzungen) In den für Linearzeichnung bestimnitenStu». den wird auf genaue und zugleich saube r e Zeichnung gese- heu, und es werden geradlinigte, krummlinigre und gc- mischtlinigte Figuren aller Art in stetem Wechsel der Formen so lange gezeichnet bis des Schülers Auge und Geschmack gebildet worden. An Mustern fehlt cS nicht. 6. Man geht endlich zum Zeichnen, Benennen, Umgestalten und Vergleichen der Figuren über. Also kommen Aufgaben vor von Figuren, die aus Verbindung gerader und krummer Linien entstehen können / so weit es 99 den Schülern ohne Vorgreifen in die Lehrpensen einer spätern Bildungsperiode erklärt werden kann. S. §. 18. und die dort genannten Schriften. §. 47 - Die Linearzeichnung bedarf einer geometrischen Grundlage und hat ihre ersten Uebungen mit denjenigen der Raumlehre gemein. Sobald aber zu der Verbindung krummer Linien mit geraden geschritten wird, so öffnet sich dem Lehrling ein größeres Feld. ES ist die Darstellung von Umrissen, die ihn beschäftigt und welche vom Einfachen zum Zusammengesetzten vorschrei- tet. Hier kommt auch schon eine praktische Einleitung in die Perspektive vor, in stufenweiser Fortschreitung. Freilich in derjenigen Beschränkung, welche der Hauptzweck gebietet, nämlich die Anschauung zu bilden und daS Zeichnen nach der Natur vorzubereiten und zu unterstützen. Die Erfindungskraft kann in hohem Grade angeregt und gesteigert werden, nur hüte man sich vor der zu einem drückenden Mechanismus führenden Erschöpfung aller Möglichkeiten. S. §. 8 . am Ende, meine Abhandlung über Zeichnungsunterricht. Die Lehrgänge können folgende seyn: 1. Uebungen des AugeS und der Hand durch Con- struction geradlinigter Figuren ohne Lineal undLirkel (denn diese Nothbehelfe eines die Nachläßig- keit begünstigenden Schlendrians dürfen nur als Con- trole dienen) nach Diktatendes Lehrers zuerst vom Schüler entworfen und alsdann eingeübt nach einem wohlgeordneten Apparat von Vorlagen. Erste Schritte zur Perspektive. S. cours «le liessin Unfaire. 2 . Wiederholung dieser Uebungen nach Körpern (Würfel, Prisma) die einzeln und einfach verbunden in verschiedener Richtung aufgestellt werden. Hier kom- 7 * 100 men schon Umrisse von einer Menge Mobilien und Werk. zeuge vor , deren Oberflächen durch gerade Linien be- gränzt sind, auch Treppen, Quadern u. s. w. z. Anschließung krummer Linien an gerade nach Diktaten und Vorlagen, wie oben; Bildung des Kreises, des Ovals; Darstellung einer Menge von Figuren besonders architektonischer, die durch Vereinigung der krnm- men Linien mit den geraden entstehen. Die Vorübungen für den CursuS in englischer Schrift treten hier ein, auch die Umrisse von Landkarten. Dieser Lehrgang be- zweckt nicht allein die Uebung des AugeS und der Hand, sondern auch die Bildung des Gefühls für schönes Ebenmaß. 4. Wiederholung dieser Uebungen nach Körpern. Hier kommt die Säule vor mit dem Kapital, zuerst ohne, alsdann mit einfacher Verzierung; die Urne oh- ne und mit einfacher Verzierung. An diese schließen sich die sogenannten Ornamente, einzeln zuerst, alsdann in Verbindung mit den früher gezeichneten geradlinigten Körpern. ES folgen hierauf Früchte, einfache Blumen in Urnen auf Tischen und solche Compositionen in wel- chen alles früher gezeichnete sich wieder auf mannigfaltige Weise znsammengeordnct findet. Hier öffnet sich in wohlgeordnetem Smfengange ein weites Feld und schon bieten die Ergebnisse des Fleißes einen reichen Genuß. 5. An den naturgeschi ehrlichen CursuS schließt sich die Entwerfung der Umrisse von Thiergestalten an, die erst theilweise, dann ganz dargestellt werden. Hier geht man von der Linearzeichnung über zur eigentlichen Kunstzeichnung. Materialien für obigeZwccke sind, außer den im tz.iZ und Zi. genannten die lithographieren Umrisse von Brodmann in Zürich, Laureat in Epinal, die lithographirten Blätter (einzeln nnd in Sammlungen) von Senefelder in Mün- chen, von Scheiblcr in Wien, Engelmann in Mühlhau- sen u.s.w. Noch fehlt eine methodisch geordnete Sammlung von Vorlagen und Körpern für den angegebenen Zweck. §. 48. Der Schreib unterricht wird vorbereitet durch die Uebungen von §. 6. nnd §. 46. und 47. und soll neben denselben fortlaufen. ES ist wichtig, den Schüler eine geraume Zeit nur an eine Grundform zu weisen; seine Individualität wird sich später dennoch meiner eigenthümlichen Handschrift darstellen. Die deutsche Schrift nähert sich weniger als die englisch, französische dem Oval; die letztere hac aber einfachere und schönere Formen. Die Lehrgänge, bei welchen nach und nach die Regeln vorgenommen und eingeübt werden, beginnen 1. Vom Rautenbuchstaben, der im Rhomboid dargestellt wird — m, o. Sie werden zuerst einzeln, alsdann in Verbindung dargestellt; anfänglich in unbestimmter , später in bestimmter Zeit (Schreiben Müdem Takte.) Die Neigungswinkel fast aller Schriftzüge fallen zwischen Lo und 60 ° des Winkels. Wie weit die Schenkel der einzelnen Buchstaben von einander abstehen müssen, ist hier zu zeigen. 2. Den Rautenbuchstaben schließen sich die ober- halblangen an, z. B. u. dgl- Sie werden sters in Verbindung mit den erster» geübt: li, kein u. s- w. Sie stehen im Verhältniß zu obigen wie 1 : 4. Hier kommt nun die Regel vor über Abstand der einzelnen Buchstaben von einander. o. ES folgen die unterhalblangen verbunden und stets eingeübt mit den frühern r als plagen u. dgl- 102 Diese abwärtSlangen stehen mit den Rautenbuchstaben in demselben Verhältniß wie die aufwärtölangen Buchstaben. Man steht nun auch auf Schattirung (reine Striche nach oben / schatlirle nach unten). Auch der Abstand zwischen ganzen Wörtern und der Wörter vor und nach Interpunktionszeichen wird hier angegeben. 4. Nun treten die ganz-langen Buchstaben auf/ gewöhnlich in der Länge von 7 Rauten; es giebt auch sechsrautige; alsdann ist aber das Verhältniß der auf und abwärts langen auch ein anderes / nämlich 2 -/:.-i. Diese ganz langen werden in Verbindung mit allen obigen eingeübt / z. B. salzig. 5. Ein fünfter Lehrgang ist der Bildung und Ein- üb'w.g der Zahlzeichen (Ziffern) gewidmet. Die niedrigern haben gewöhnlich die doppelte Höhe der Rau- tenbuchftaben; also Eins —2 «. ES folgt nun das oberwärt S lange 6/ das sich zu 1 verhält/ wie 2:1 ; endlich die abwärtSlangen: 7 und 9/ welche zu 1 in demselben Verhältniß stehen. Alle werden immer in Verbindung mit den früher vorgekommenen geübt. Den Schluß macht die Darstellung der lateinischen Ziffern. 6. Bei den weniger einfachen Buchstaben des großen Alphabets / in welchem/ je nach LandcSüblichkeit/dieselben einrautig oder mehrrautig seyn können/ wird derselbe Plan verfolgt. ES werden aber die Buchstaben des kleinen Alphabets stets in Verbindung mit jenen geübt. Die Regel/ daß alle Buchstaben des großen Alphabets um eine Raute länger seyn müssen als die ihnen nahe stehenden deö kleinen/ z B. Klar/ Heilig, wird zwar nicht überall befolgt. DicK anzlcischrift und Zierschrifl gehören eigentlich auf eine höhere Bildungsstufe. Die Ab- stufn»,g der Lehrgänge findet stch leicht. Nach jedem Lehrgang muß die §. 8 i. u. d. c. empfohlene Uebung enitreten. In dem ersten CursnS werden alle Verhältnisse den Schülern auf der Vorlage durch schräge und wag, rechte Linien gegeben; diese Vorlagen sollen aber blos zur Wiederholung desjenigen dienen, was der Lehrer an der Wandtafel demonstrirt und dargestellt hat, sonst ist der Unterricht mangelhaft, langweilig und bei größer» Klassen äußerst schwierig, indem jeder seinen eigenen Weg geht. Sehr leicht läßt stch in diesem Fache die Wieder- holungö'Lehrform anwenden, selbst die wechselseitige, wenn der Lehrer sich auf die Monitors durchaus verlassen kann- Im zweiten CursuS wird die Schräglinie, welche die Neigung des Winkels anzeigt, weggenommen. Der Lehrer richtet aber seine Aufmerksamkeit desto angelegentlicher auf diesen Punkt und versieht die Monitors oder die Schüler mit Controlen ( hölzernen Dreiecken, die in dem Neigungswinkel abgeschrägt sind.) Im dritten CursnS läßt man die äußersten Parallel. Linien weg, welche die Höhe der nichtrautigen Buchstaben bezeichnen. Hier hat nun der Lehrer darauf zu sehen, daß der Neigungswinkel sowohl als die Höhe beobachtet werde. ES versteht sich von selbst, daß man bei jedem CursuS wieder alle frühere Lehrgänge durchführt, und nie von einem Lehrgänge zu einem folgenden forteilt, bis alles gut dargestellt und mit einiger Fertigkeit ein- geübt ist. Von dieser Ausdauer hängt der Erfolg des Unterrichts ab und keineswegs von der Kunstfertigkeit des Schreibmcisters. Zum vierten CursuS werden nur die zwei Linien gelassen, welche die.Raure einschließen. Desto aufmerk- 104 samer ist der Lehrer auf die genaue Beobachtung der übn- gen Verhältnisse. Das Augenmaß soll nun so gebildet seyn, daß der Schüler unschwer die Länge, Breiteu.s w. finden kann. Hier kann man in der einen Stunde das mit Fertigkeit ausüben lassen, was in der frühern ge- nau dargestellt und mit Gründen verbessert worden ist- Mit dem fünften CursuS werden die Schüler auf eine einzige Linie beschränkt. Der Lehrer hält mit »er- doppelter Strenge auf Consequenz und geht immer zu frühern Uebungen zurück, sobald er bemerkt daß irgend ein Verhältniß außer Acht gesetzt wird, sey es die Nei- gnng, die Höhe, oder die Entfernung der Buchstaben und Wörter. (Emiren nach der Fchiersumme.) Sechsten 6 geht man nun zum Schreiben ohne Linien über, mit steter Beobachtung aller Verhältnisse; zuerst auf einem in der Mitte gebrochenen Oktavblatt, hernach über das ganze Octavblatt hin. Man geht dann zur halben, später zur ganzen Quartscite über; eben so zu Halb. und ganz Hochfolio, schließlich zu halb und ganz Querfolio. Die Linien durch Punkte abzustechen, ist «»nöthige Künstelei; wichtiger die Anweisung, sich an eine angemessene Richtung des Körpers zu ge. wöhncn. Manhateinegroße, mittlere und kleine Schrift. gaming.Dic erste ist die sogenannte Mutterschrift, an wel- eher natürlich, je größer dieselbe ist, die verschiedenen Verhältnisse desto besser nachgewiesen werden können. Bei der mittlern, als der gewöhnlichen, muß man sich am längsten aushalten. Die kleinste ist besonders deßhalb nicht außer Acht zu lassen, weil durch Uebung in Lersel. ben der Lehrer seine Schüler vor der Unart bewahrt, die Schrift im allerkleinstcn Maßstabe bis zur Unleserlich, feit darzustellen. 105 Bei der sogenannten englischen Schrift werden im allgemeinen die oben angegebenen Lehrgänge eintreten / jedoch nach den Bedürfnissen der Schüler modifi- zirt. In einer Dorfschule geht man hierin gewöhnlich nicht so weit; es ist aber aus vielen Gründen nothwendig < auch die Dorfkinder an das Lesen und Schreiben der französisch - englischen Schriftzüge zu gewöhnen. Die oft pedantischen Uebungen der französischen Schreibmeister soll man weder blindlings annehmen, noch selbstgcnügsam verwerfen. Wahr ist eö ja, daß gute französische Schreiber mit großer Schnelligkeit und Consequcnz die deutsche Schrift darstellen. Sollte eS umgekehrt nicht auch möglich seyn? Man versuche obige Lehrgänge, und daS Ergebniß ist gewiß dasselbe mit deutschen Schönschreiben!. Einige gehen bei der englischen Schrift von dem Grundstriche des aus, andere vom Die' sogenannten lviouvcmens folgen alsdann, d. h. Wieder- holungen desselben Buchstabens; z. B. zuerst jeder eine Blattseitc durchgeführt, hernach in Verbindung mit den übrigen. Folgende Lehrgänge können hier statt finden: 1. Darstellung und Uebung derjenigen kleinen englischen Currenlbuchstaben , welche den Schrägstrich zur Grundform haben, alö: 2, Der Schrägstrich mit sogenannter »ungewandter Flanimenlinic, als: -s ^ ^5^ 106 3 , Die Buchstaben mit dem Bogen nach Links (Oval): s- ^ e?^ ^7 ^«2^ Die gemischtförmigcn: ^ Die großen Buchstaben, oder das sogenannte Alpha- bet der Anfangsbuchstaben: F! S, Ä s: 2. Ovalbuchstaben als: ss, Da die Schreiblehrcr in englischer Schrift Hinsicht, lich der Höhe der Buchstaben in beiden Alphabeten sehr von einander abweichen und nur in wenigen Grundfor. men übereinstimmen, so kann für die Hohenverhältnisse der Buchstaben keine arithmetische Formel aufgestellt werden; denn z. B- kann sich zu^ und ^ wie 1 : 2 oder 1: 3 verhalten, je nachdem man/6oder ^ als Figur annimmt. 107 Den Uebergang vom Schönschreiben zum Schnellschreiben macht das Schreiben nach dem Takte. Jeder Buchstabe läßt sich in einzelnen Bestandtheilen darstellen (S. meine Anleitung zum Gebrauch der bag- krischen lithograph. Schrcibvorlagen. Basel 1824.) Die Raute - erhielte z. B. im Anfangs und Endstrich 2 kurze und im Grundstrich einen langen Takttheil — ^ Der Schreiblehrcr kann nun das Tempo, wie bei der Mufik, anfangs langsam, dann kurz und immer kürzer nehmen. So erzielt derselbe eine steigende Fertigkeit, und eS kommt in die Schriftzüge eine Kraft und Sicherheit, welche den Nutzen solcher Uebungeu bald bewährt. Das Copircn der Vorlagen gehört dem häuslichen Fleiße an, oder denjenigen Stunden, wo der Schüler unter Aufsicht des Monitors wiederholt oder selbst darstellt. MehrereS in meinen Lehrmitteln für den abgestuften Wiederholung S-Unterrichl. Ueber die Vortheile des Taktes s. SteinS vollständigen Schreibunterricht. Züllichau 1825. S. Vil und 22 — 26, und 54, welcher mit Recht S- 55. die Uebungen des Elementarzeichnens mit diesem Unterrichte in Verbindung gebracht wünscht, und Denzel a. a. O- H. S. 164. tz. 49. Unter den Kenntnissen, welche man gemeinnützige oder allgemeine nennt (rein menschliche) kann die Erd künde zuerst als Elementar-Geographie vorkommen. Man geht dabei entweder von, Wohnorte aus, und schreitet (aber in Umrissen ) schon sehr frühe von der Topographie, (8. lzleiitelle deoxi'Ljilüo erisoignee par riua nn-lliollo nouvelle. Uarls an 4 üe 1a Rep. Lvcc 9 carles e,ilumi«eos) zur Ehorvgraphie, UNd zur Geographie, endlich zur Uranographie (HimmelS- kuudc); oder man schlage den umgekehrten Weg ein, jedoch alles in großen Umrissen vorführend- 108 1. Nach der ersten Methode beginnt man mit dem Plane (am -besten im Hochbilde, Haut rollet') des Wohnortes und bringt das Hochbild in ein Flachbild (Karte, Plan) mit Angabe und Veranschaulichn«^ der Größenverhälmisse(verjüngterMaaßstab). Dieses Flachbild ( Kartenumriß in verjüngtem Maaßstab) wird her. nach auf der Schiefertafel dargestellt, nachdem die Rich. tungslinien gegeben worden. Man erweitert diese Uebung, sobald die Schüler hinlänglich orientirt sind, indem der Schauplatz sich ausdehnt, und Stromgebiete, 'GebirgS- züge, Thäler, Erdtheile und endlich den Globuö um. faßt. 2. Hierauf stellt man, und mit angemessener Auswahl des Merkwürdigsten, in großen Umrissen die po. litisch e Eintheilung dar, und läßt dieselbe einüben. Man kann ausgehen von denjenigen Ländern, wo natürliche und politische Grenzen zusammenfallen, z.B. von Spanien , England u. dgl. 8. Es folgt hernach die Cultur-Geographie, ebenfalls beschränkt auf das Merkwürdigste aus der Menschen. Produkten. Handels- und BevölkerungSkunde. 4. Auf einer höhern Bildungsstufe folgt die hist o- rische Geographie, (alte, mittlere, neue) nach großen ' Perioden, nur stets in Umrissen, welche der Schüler durch Privatlektüre leicht ausfüllen kann und mit desto größerem Eifer ausfüllen wird, je fester die gegebene Grundlage ist. 5. Der Schluß des geographisch enCursuswirdmit der mathematischen Geographie gemacht, in Wissenschaft, licher Form und angemessener Ausdehnung, parallel mit angewandter Mathematik. Ein anderer Weg ist derjenige, der gewöhnlich ein- geschlagen wird: das Anschauen der ganzen Erdoberflä- 109 che (Globuslehre) und hierauf die Betrachtung ihrer einzelnen Abtheilungen , und zwar zuerst mathematische Grundlage / alsdann physische/ nachher politische Erdkunde. 1. Die mathematische Grundlage ist die Kenntniß der Erdkugel. ES kommt also vor ihre Gestalt, Ober. fläche, Bewegung um die Pole und die Sonne, Aequa. tor, Parallelen (9. 90) Meridiane (06. 360) wel- che die Parallelen rcchtwinklicht durchschneiden- Später werden diese Umrisse erweitert biö zur wissenschaftlichen Darstellung der mathematischen Geographie. 2. Die physikalische Grundlage ist eine Darstellung der großen Abtheilungen der Erdfläche, also: Land, Wasser; ». Land: Erdthcile, Weltgegcnd (Windrose) Abdachungen, GcbirgSzügc, Thäler, Flußgebiete. i>. Wasser: Meere (Hauptmeere, Mcertheile, Seen.) c. Wasser undLand: Inseln, Sunde, Landengen,Vorgebirge. 3. Von diesen Grundlagen geht man zu den n i ch t- politischen Einthcilungen über, wobei Flüsse, Bcr- ge, und Meere die natürlichen Grenzen bilden und die Lage der wichtigsten Städte an Meeren, Flüssen, Seen, Sunden, Bergen bestimmt wird. 4. ES folgt hierauf die sogenannte politische Geo- graphie: man fängt gewöhnlich in Westen an, vonPor- tngal bis zum Ural. Man kann auch von, Grosten bis zum Kleinsten, von Rußland bis St. Marino fortrücken. 6. Jsi auf solchem Wege ein deutliches Bild der Phantasie und dem Gedächtniß des Schülers eingeprägt worden, so wird dasselbe chorographisch erweitert; d. h. man geht nun zu den Hanptabtheilnngen der Länder fort; 110 z. B. Deutschlands Königreiche / Großherzogthiimer / Fürstenthüirier/ freie Städte; deutsche Länder Oestreichs/ Preussens/ Dänemarks / der Niederlande. Die Verfas- sungsverschiedenheit muß hier in großen Zügen bärge- stellt werden. 6. Endlich wird die Erdkunde topographisch; man verweilt nun mit statistischem Blicke bei den kleinsten Abtheilungen und beachtet ihre klimatischen und Culturverhältnisse. 7. Ein EndkursuS faßt alle jene Verhältnisse in ihrer Wechselwirkung zusammen und bereitet auf Naturwissenschaft und Geschichte vor/ wo das in der Geographie vereinzelt vorkommende in seiner Verbindung mit dem Ganzen erscheint. Wenn man zur rechter Zeit/ ohne vorzugreifen/ und in dem oben angegebenen Stufengange die Erdkunde behandelt / und in stets ausgedehntem Cursen das früher behandelte wieder hervortreten läßt- so wird zugleich für die Befestigung des Erlernten hinreichend und gründ, lich gesorgt. Ein guter Leitfaden ist Heusingers Elementar-Geo- graphie mit Kärtchen. DreSden 1826. Karten zum Kartenzcichnen von Gaspari/ Engel- mann. §. Lo. In der engsten Verbindung mit dem geographischen Unterrichte steht der historische/ in christlichen Volksschulen längst eingeführte/ leider.' jedoch nur in Bruchstücken (jüdische Geschichte.) In neuern Zeiten wurde daS Bedürfniß gefühlt/ die Landesgeschichte nicht länger der ägyptischen/ assyrischen/ jüdischen/ nachstehen zu lassen. Daß aber die Landesgcschichte nicht ohne ei- nige Kenntniß der allgemeinen Geschichte verstanden 111 werden könne, ergab sich von selbst. Daher die historischen Abschnitte in den Lesebüchern für Volksschulen, die leiderl auü Sparsucht so gedrängt ausfallen, daß man sie nicht brauchen kann. Der natürlichste Weg ist in Volksschulen der folgende: 1 . Im ersten Lesebuch kommen Anekdoten vor aus der Vaterlandögeschtchte, mit besonderer Berücksichtigung denkwürdiger Ereignisse, z. B. der Schlachten, Kultur - Epochen ». dgl. Findet sich in der Vaterlandsgeschichte und namentlich in der neuesten ein brauchbarer Stoff zu den sogenannten moralischen Erzählungen, so sollen mit allem Rechte vor der historischen Person der erdichtete HanS und Wilhelm zurücktreten. (S. das erste baölerische Lesebuch. Vom Vatcrlandc.) 2. Den biblischen Erzählungen des A. T müssen zur Seite stehen die Erzählungen aus der söge- nannten Profangeschichte der alten Welt, um dem Kinde ein klares Bild der patriarchalischen und des Heroenzeitalters, seiner Sitten und Vorstellungen zu geben. (S- das Ite Bändchen meiner Erzählungen aus der alten Welt. Basel 1827. und daS zweite BaSlerische Lesebuch 4ter Abschnitt.) 3. Im Mittelalter liegt der Ursprung fast aller bürgerlicher Einrichtungen der neuesten Zeit, ihrer Verfassungen, besonders aber ihrer frommen Stiftungen. Die Chroniken dieser Epoche liefern Stoff zu Auszögen und Erzählungen, welche dem Kinde interessanter stnd als alles Erfundene der Volköschriftsteller unsrer Tage. (S. das Zle BaSl. Leseb. 4ier Abschnitt und dort die Kreuzzüge und Karl der Große und den ersten Theil meiner Erzählungen aus der Schweizergeschichte. Basel 1827. ) 112 4. Die neueste Geschichte ist als Knlturge- schichte und Entdeckungsgeschichte vorzüglich wichtig und muß aus diesem Standpunkte von dem VolkS- schullehrer benutzt werden; jedoch nur in Beziehung auf das Allgemeinwichtige. Vorzüglich smd die Männer herauszuheben, welche einen großen Einfluß auf ihr Zeitalter übten, wie Kolumbus, Luther, Peter i. Friedrich n., Franklin u. a. (S. das 4te Basl. Leseb. 4ter Abschnitt) Die Privatlektüre ergänze, was die Schule nicht vollständig leisten kann. Wie in der Erdkunde, so müssen auch in der Geschichte die wichtigsten Punkte dem Gedächtniß fest eingeprägt werden, nach Jahrtausenden zuerst, alsdann nach Jahrhunderten und zwar in der Kulturgeschichte so gut als in der VerfassungS- und Kriegsgeschichte. (S. die Zeittafel, in dem 4ten BaSl. Leseb.) 1. Was die Methodik betrifft, so ist und bleibt der Lehrer, nicht das Buch, Mittheilungöorgan; die fragenden Kinder werden ihn aber schon in Athem bringen und darin erhalten. WaS im Lesebuch steht, kann der Schüler zu Hause lesen und in der Schule erzählen. WaS der eine nicht weiß, ergänze der andere; nur nichts abgefragt und nicht moraltsirt! Die Phantasie muß vorerst beschäftigt werden; die Reflexion oder das sogenannte kaisonnewent fällt meine spätere Periode. 2. In die Volksschule gehört mehr die Volke rgesch ich te als die Weltgeschichte; wo aber, wie bei der biblischen Geschichte, die gleichzeitige anderer Völker, (der Aegyptier, Griechen, Römer) verglichen werden muß, geschehe es mit der Mäßigung und Beschränkung auf das Wichtigste, welche der Zweck der Volksschule gebietet. Die synchronistischen Data müssen aber dem Gedächtniß fest eingeprägt werden B David.) 113 3. An die Land esge schichte/ sobald in derselben helle Punkte hervortreten / knüpfe der Lehrer alles an / was von der Völkcrgcschichte den Schülern erzählt wird, auch die vergleichende Sittengeschichte. Wo daS Volk eine Geschichte hat die in Sagen und Liedern fortlebt, wäre eü fehlerhaft, diese nicht auch für solche Zwecke zu benutzen (GleimS Kriegöliedcr, La vaterS Schwcizerlicder; die Chronik der Limpurger, von Königshöfen, Tschudi, Stettler, Stumpf, Bullingcr u. A.) 4. Berge, Flüsse, Seen, und wie viele Felder, Städte, Burgen, Burgtrümmer sind Denkmale der Vorzeit; wer in der Nähe derselben wohnt, hat eine Ge- schichtökarte, auf welcher die Jugend orientirt werden soll, und die dem Schüler stets aufgeschlagen vorliegen muß. 5. Die Verfassung (jetzige, frühere, früheste) des Wohnortes, des Vaterlandes darf dem Schüler so wenig unbekannr bleiben als die der Nachbarn. Bcson- derö wichtig ist die Kenntniß alter Satzungen und neuer Gesetze, mit welcher in der Gcschichtüstunde und bei besondern ungesuchten sowohl als herbeigeführten Veranlaßungen die Schüler bekannt zu machen sind. — Immer aber gelte der Grundsatz: der Lehrer so viel als möglich, und daü Buch so wenig als möglich, sey Mil- theilungSorgan. 52. Die Reihenfolge der Lehrgänge in der Naturkunde darf schon in der Kleinkinderschule für 5—6jährige Kinder um so viel unbedenklicher mit dem Thierreiche eröffnet werden, je weniger Stoff das Mineralreich der Phantasie des Kindes bietet, je reicher hingegen die Thierwelr an belrachlungöwcrthcn Gegenständen ist, die ganz in der Nähe sich darbieten. Später geht man fort zu Beschreibungen: 8 114 ,1. Aus der Thierwelt/ und zwar (nicht des Menschen) sondern der nächsten thierischen Umgebung (Pferd/ Rind / Schaf/ Huhn/ Biene/ Schmetterling/ Regenwurm u. s. w.) „Hier macht der Lehrer den Fra- ger/ nicht/ wie bei Geschichte und Erdkunde/ den Erzähler. Er bringt Ordnung in dasjenige/ was das beschreibende Kind berichtet/ und fordert zu Ergänzungen auf/ wo die Beschreibung lückenhaft ist. Alles wird vom Lehrer an die Wandtafel geschrieben / was die Schüler vorbringen. Später schlägt derselbe daS Buch auf/ läßt lesen (z. B. im 2ten basl. Lesebuch daS Schaf) waS dort erzählt wird und durch die Kinder das zu Ergän- zende aufsuchen und ihre Erzählung daraus berichtigen. So werden die Leseübungen anziehend. n. Aus dem Pflanzenreiche; zuerst kommt die gröste Pflanze/ der Baum vor/ mit seinen Theilen, (Wurzel/ Stamm/ Neste? Zweige/ Blätter/ Blüthe, Früchte,) hierauf der Strauch (Brombeerstrauch) mit seinen Theilen; der Stru nk (Kohlgewächse); daüHalm- gewächS (Getreide und Gräser- die Moose; die Bodengewächse (Die Ordnung ist hier willkührlich.) 6. DaS Mineralreich- Auch hier gebt man von den allernächsten und bekanntest u Körpern aus, die man aber dem Schüler nie auf dem Papier und immer in möglichst großen Exemplaren zeigt, damit er durch Gesicht und Gefühl und Geschmack z B. vom Eigenthümlichen der Kreide, des Thons, des Kiesels, des Eisens, der Salze steh selbst überzeugen kann. ES werden in kleinern Sammlungen die habhaften Repräsentanten jedes Geschlechts aufgestellt; von jedem derselben wird die Gestalt, Farbe, vcrhältnißmäßige Schwere/ eigenthümliche Beschaffenheit (rauh, glatt, porös, kompakt, durchsichtig, trübe, undurchstchlig, weich, harzig, 115 brennbar, blicht, fm, salzig u. s. w.) beschrieben. Auch hier leitet der Lehrer, ohne den Schein -eS Mittheilet anzunehmen. Dem Unterrichte in der Naturlehre muß er hier vorgreifen durch eine faßliche Uebersicht der allgemeinen Eigenschaften der Körper. Bei der. Bestim- mung der verhältnißmäßigen Schwere und Leichtigkeit muß ein sehr fester und ein sehr poröser Körper, alSBlei und Tuffstein in gleichem Kubikinhalt zum Maaßstab genommen werden. Daö Abwiegen in der Hand (Schätzen) ist den Kindern angenehm und hat einen Werth auch für daö Leben. Ein zweiter Lehrgang im Vertrag der Naturgeschichte ist der vergleichende, verbunden mit schriftlicher Darstelln ng. Man wählt zuerst solche Körper zur Verglcichung, die den schroffesten Gegensatz bilden (jedoch auü guten Gründen nie den menschli- che» Leib.) Man stellt nämlich Anfangs einen organischen Körper einem unorganischen gegen über, z. B. dem Baume daü Felsenstück u. dgl.; hierauf von organischen dem Thiere die Pflanze (Thierlcben, Pflan- zenleben) alödann dem vollkommnenste» Thiere daö unvollkommenste, dann daö weniger vollkommene, so bet der Pflanze und den unorganischen Naturkörpern, z. B. Schaf, Baum, Pferd, Regenwurm. So geht man von Stufe zuStu- fe forr, bis solche Thiere, Pflanzen, Mineralien verglichen werden können, die einander sehr ähnlich sind, so daß bet Aufsuchung und Darstellung deö Aehnlichen daö Geschäft immer schwieriger wird; der Lehrer geht auch hier immer fragend voran. Man hüte sich aber vor Lakonismus wie vor der sogenannten erschöpfenden Weitschweifigkeit; man bringe Ordnung und Bestimmtheit in die Beschreibung, und in 116 der Darstellung leite man zu dem ledelsten Ausdruck, d. h. zum einfachsten. Auf die mündliche alles Einzelne zusammen fassende Darstellung folge stctö die schriftliche unter Leitung des Lehrers. Den dritten Lehrgang möchte ich den ord- nenden nennen. Er fällt in die LebenSperiode, wo der Verstand thätig ist. Häufig läßt man dieses Geschäft zu frühe vornehmen, weßhalb dann auch diese Behand- lung der Naturgeschichte die Kinder nicht ansprechen kann. 1. Die frühern Lehrgänge haben den Schüler schon mit den Eigenthümlichkeiten jedes bedeutenden Natur- korperö bekannt gemacht. Er sucht nun die Zwischen, gliedcr auf in der früher nur nach ihren auffallendsten Sprossen vorgeführten Stufenleiter und ordnet nach den erkannten Merkmalen zusammen was in dieselbe Classe gehört: also Vierfüßler, Vogel, Fische, Amphibien, Insekten, Würmer. So im Pflanzenreich und Mineralreich die Classen — z. B. Bäume, Sträucher — Metalle, Salze u. s. w. Ist der elemcntarischc Zeichnungsunterricht zweckmäßig ertheilt worden, so werden die Schüler mir Vergnügen und mir Richtigkeit und Festigkeit die Thiere, Pflanzen in Umrissen darstellen. 2. Die Ordnun gen der bekannten Thiere, Pflanzen , Mineralien werden hierauf durch Beobachtung nach den vom Lehrer gegebenen leitenden Merkmalen zusammen gestellt. Der Schüler wird -bald einsehen, daß Natter und Blindschleiche in eine andere Ordnung ge. hören als Frosch und Kröte, und daß man nicht Frosch und Natter, Blindschleiche und Kröte, Eidechse und Frosch in dieselbe Ordnung einreihen könne, so wenig als Pferd und Hund, Esel und Wolf, obgleich alle Vierfüßler sind- (NaturhistorischeS System) In die Ein- zelnheiten der Arten / besonders bei den Insekten , Grä- fern, Mineralien wird der kundige Lehrer sich nicht zu sehr vertiefen. Die Brod in an Nischen lithographirten und illu- minirten Tafeln nnd Einzelnabdrücke leisten hier gnte Dienste; desgleichen die Kupfer zu Okens Naturgeschichte. Der vierte Lehrgang ist der ökonomisch-tech- no logische. Man frägt den Kindern ab, waSsie von der Lebensweise, Zucht, Nahrung, dem Nutzen und Schaden der Thiere, Pflanzen u. s. w. wissen; was der Mensch von denselben für seine Nahrung, Bekleidung, seinen Putz und sein bequemeres Fortkommen gebrauche; wozu die Felle der Thiere, die Theile der Pflanzen ver- arbeitet werden. Ein andermal geht man von Kunftcr- zeugnissen aus, und untersucht, welche Thiere, Pflanzen, Mineralien dazu haben steuern müssen, z. B. zur Orgel u. dgl. Endlich führt man die Kinder in eine wirkliche oder erdichtete Werkstätte und besichtigt die Kunsterzeugnisse mit naturhistorischem Blicke. Hier hat der Lehrer ein weites Feld zu den nützlichsten Belehrungen; aber groß sind auch die Versuchungen zu Abschweifungen in das Einzelne, da die Beschaffenheit seiner Schüler und der Schule allein die Grenze seines CursuS bestimmen kann, nicht irgend eine didaktische Regel. Den Schluß macht die geographisch - te- leo logische Naturgeschichte. Daß sich schon frühe, auch durch Fragen der Schüler veranlaßt, der Blick vom Geschöpfe zum Schöpfer erhob, ist wohl voraus zu setzen. Aber hier durchwandert der Lehrer absichtlich die verschiedenen Länder, besucht, wie beider zoologi- sehen, botanischen, mineralogischen Geographie, die Wohnörtcr der verschiedenen Naturgeschlechtcr, leitet die Schüler an zum Beobachten der weisen Vertheilung der 118 verschiedenen Thiere, Pflanzen, Mineralien. Er vergleicht ihren Nutzen und Schaden für den Menschen, ohne je dem Gedanken an Geschöpfe, die ohne Bezie- hung auf den Menschen (zur Ehre Gottes) leben, aus- zuweichen, so sehr dieses auch des Menschen Stolz de- wüthigen mag. Der Thiere innerer Bau, ihre Kunst- triebe, ihre Menge, Mannigfaltigkeit; die Herrlichkeit der Pflanzenwelt, die Bildung und der Bau der Kristalle, die Gebirgsmassen, Versteinerungen, die Uebcrreste der Urwelt—welch ein reicher Stoff zu den erhabcndsten Ansichten geben sie dem religiös gestimmten Lehrer! Die Schriften von FabriciuS, Götze, Sander, Rei- marus, Meier (die Geister der Natur. Aarau 1824) poetische, wie Halters Alpen, Neubecks Gesundbrunnen, le« jaiciins xsr Iielilie und andere solcher Art wird der Lehrer für diesen Zweck benutzen können. Z. 6Z. Mit der Naturlehre, d. h. mit den Versuchen zur Erklärung der wichtigsten Erscheinungen in der Natur sollte jeder Mensch so weit bekannt gemacht werden als nur immer möglich ist. Gelegenheit dazu bietet sich zu jeder Jahres. und Tageszeit. Die Volks- schulen, sogar Mittelschulen, vernachläßigcn fast durchaus diesen so wichtigen Zweig gemeinnütziger Kenntnisse; deßhalb ist die Reihenfolge der Lehrgänge desto ausführlicher hier aufzustellen. i. Die gewöhnlichstcnNaturerscheinungen, als Wind, Sturm, Thau, Nebel, Regen, Schnee, Reif, Hagel, Frost, Eis, Donner, Blitz, werden erklärt sobald das Kind darüber belehrt seyn will. Und Fragen dieser Art werden nicht fehlen, wenn der Unterricht entwickelnd, nicht verdummend ist. Vom Nutzen und Schaden derselben muß der Lehrer auch sprechen. 119 2 . Man geht dann zn den weniger gewöhnlichen über, als Echo, Regenbogen, Sternschnuppen, Irrlich- tcr, Windbraut, Wasserhosen, Erdbeben, AuSbrüche der Vulkane, an welche sich Belehrungen über das Licht und seine leicht bemerkbaren Berechnungen (Prisma), über Luft, Wärme, Feuer, Wasser, später auch über elektrische und magnetische Erscheinungen (Blitzableiter) auf die natürlichste Weise anknüpfen lassen. Hier kann der Lehrer allerlei Aberglauben, die Furcht vor dem Ungewitter, vor feurigen Männer», schies- scnden Sternen u. dgl. bekämpfen oder vielmehr für solche Vorstellungen seine Schüler unempfänglich machen. (S. N o chow'S'Kinderfreund und Gutmann v. Thteme.) 3. Auf einer Hähern Stufe erklären wir die ein- fachen Gesetze der Bewegung fester und flüssiger Körper, nachdem dasjenige genauer und umfassender behandelt worden, waö vor der Uebersicht der Mineralien über die allgemeinen Eigenschaften der Körper zn sagen war. Damit hängen auch zusammen die Belehrungen über Cohäston und Schwere. An einer Wage, am Steine, der durch einen Hebel vom kleinsten Kinde verrückt wird, am Schubkarren, den man über ein schief gelegtes Brett stößt, läßt ssch ohne Aufwand von Gelehrsamkeit schon vieles erklären, was selbst der Tagelöhner nothwendig wissen muß, um sich seine Arbeit zu erleichtern. «An einem mit Wasser gefüllten Trinkglase kann man die Gesetze der Cohäston, die Brech- u»g der Lichtstrahlen, die Schwere und Elasticität der Luft, die Wirkung der Taucherglocke erklären u. dgl." Vermittelst eines leicht zu fertigenden Elektrophors zeigt der Lehrer genauer, was er früher mehr gelegentlich über elektrische Erscheinungen vorgebracht. Ein Heber von GlaS, ein gläsernes Prisma, der Spiegel, ein Thermometer und Barometer, eine Brille, ein Fernrohr und 120 ein Mikroscop, die nach und nach angeschaft oder der Schule geschenkt werden (wenn etwa nicht für solche sehr unbedeutende Ausgaben Geld vorhanden ist!) diese wenigen Hülfsmittel sind hinreichend für dir Erklärung der Gegenstände des dritten CursuS, in welchem man dem 10— 12 jährige» Kinde so Vieles sagen kann, was es sonst nie und nirgends oder ganz außer allem Zusammenhange mit den Grundbegriffen hören würde. Die Auffassung solcher physikalischer Erklärungen ist lange nicht so schwierig als daö Verständniß derjenigen Erläuterungen, welche über metaphysische Vorstellungen zu ertheilen sind, die in Volksbüchern vorkommen, welche seit Jahrhunderten in den Schulen eingeführt und der zarten Kindheit inö Gedächtniß gelegt werden. ä. Wie der Mensch das Wasser, das Feuer, die Luft, den Wind, den Dampf benutze zur Verstärkung der Kraft und zur Beschleunigung der Bewegung, dieß wird aufver hoher« Stufe (von 14—15 Jahren) durch Beschreibung der Mühlen und einfacher Druck - Heb- und Pumpwerke, die überall zu sehen sind, anschaulich gemacht werden können, besonders, wenn auch durch den mathematischen Unterricht der Verstand im Bilden von Schlußreihen geübt, und wenn eine Form der gewöhnlich vorkommenden Berechnung gegeben worden ist. Man zeigt an der Rolle, am Flaschenzng die Wirkung der zusammengesetzten Bewegung, an andern Körpern die Hindernisse der Bewegung, die Stärke des Widerstandes (Reibung, Widerstand der Luft.) Auch die Mittel zur Verminderung der Reibung (Beschmieren mit Fett, Del) so wie des Widerstandes der Luft, des Wassers (Nadschanfel, Ruder), wobei daö Fliegen und Schwimmen nicht unerwähnt und unerklärt blei- 121 den darf (Schwimmblase des Fisches, Schwimmweste, Luftballon.) Was früher aus der Lehre vom Lichte vorgekommen, wird nun erweitert und ausgedehnt auf die Lehre vom Sehen (das menschliche und thierische Auge.) Stärkung deö Augenmaßes, GefichtSfehler, Ursachen der Augcnverderbniß, grauer, schwarzer Staar, Warnung vor Augcnbeschädigung finden hier ihre Stelle. Die im gemeinen Leben so häufig vorkommenden und zu vielen Gewerben täglich gebrauchten Säuren und Salze werden, wo möglich, berührt; als Salpetersäure , Potasche, Kochsalzsäurc, Essig - Citronen - Sauerkleesäure , (Waschen, Einstecken, Auslaugen, Bleichen). Eine Menge anö Mangel an solcher Kenntniß in der HauSwirtbschaft täglich vorkommender Fehler kann man hier aufführen und durch Belehrung ihnen steuern. Nach einigen Worten über Stickluft sollen hier die Vorsichtsmaßregeln angegeben werden, deren Nichtbeobachtung aus Unwissenheit so vielen Menschen noch immer das Leben kostet. Nun folgt die so nothwendige Belehrung über die drei Stufen der Gährnng und ihre merkwürdigen Erscheinungen; die Wringährung; (Behandlung der im Keller verunglückten Personen; die Esstggährung, die faule Gährung, Fäulniß (Einsalzen, Räuchern des Fleisches). Auch die gewöhnlichen GährungSmit- tel wird man mit Ruhen erklären, alö Hefe, Sauerteig, Laab u. dgl. Ohne sich in physikalische Terminologie zu vertiefen, kommt man anf Snnipfluft (Irrlicht, Schwaden) K nalllust (bald jedem Schühcn bekannt), Lebenslust (Einblasen in Ohnmacht), Fenerluft (Kampfer und Phosphor), Luftsäure (Warnung vor «nterir- 122 dischen Höhlen, Brunnen, Kellern mit Gärungsstoffen gefüllt), Sauerwasser, natürliche und künstliche; gemeine Luft (Verbrennung, AthmoSphäre.) Auch die Erscheinungen beim Verbrennen stnd zu erklären; das Glühen, die Flamme, der Rauch, der Ruß, die Asche. Warum ein Docht in der Lampe? Woher die Kohle? Wozu der Blasebalg, die Zuglöcher, der Feuerrost? Warum Thonpulver zum Wasser bei FeuerS- brünsten? u. dgl. Das Athmen und sein Zusammenhang mit dem Blutumlauf (Pulöschläge) ist ein besonders wichtiger Gegenstand. WaS mit Ertrunkenen und Erstickten anzufangen? (R ettu ng ötafel n in den Schulen deö KantonS Basel zur Erklärung aufgehängt.) Elektrischen Spielereien gehe der Lehrer nicht nach; Erwachsenen kann er, wenn der Apparat nicht fehlt, in Mußestunden seine Künste zeigen; auch früher, wo von Blitzableitern die Rede ist. Aber mit den Vorsichtsmaßregeln bei Gewittern sollte jedes Schulkind bekannt werden. Angenehm ist immer die Belehrung über den Magnet und über magnetische Erscheinungen (Magnetnadel, Eompaß, Schiffahrt.) In die Versuchung, dasjenige zu erklären, worüber er selbst noch keine klare Vorstellung hat, wird der verstän- dige Lehrer nicht fallen; eher in die Scheu vor Verbrci- tung solcher Kenntnisse, deren unmittelbaren Einfluß auf Leben und Gesundheit und auf die Betreibung aller Berufgarten, und deren Zusammenhang mit der täglichen Lebenö- beschäftigung deßhalb hier absichtlich angedeutet wird. ES soll aber nichts erklärt werden, was man nicht zur Anschauung bringen kann (physikalische Kupferstiche ge- hören nicht in die Volköichule.) §. 54. Auch in den Gedächtnißübungen soll ein Stufcngang Statt finden. Man beachtet zuerst nach §. 8. b'. das Sachgedächtniß, alsdann das Wort- gedächtniß, endlich das Zahlgcdächtniß; später kommen diese Uebungen gemischt vor. Je nach der Persönlichkeit des Kindes muß die eine oder andere Abthei- lung vorzüglich berücksichtigt und eine Zeit lang ausschließlich geübt werden. Die Wiederholung (icpetiUo M-Uor sluilioi mn) muß stets in anderer Form vorkommen, damit das allerdings nicht leichte Pensum den Lehrlingen versüßt und erleichtert werde, ohne daß man der Sache selbst etwas vergicbt. l. Bei der Uebung des Sachgedächtnisses kann man folgende Lehrgänge wählen. 1. DaS Vor erzählen und Nacherzählen. Solche Uebungen dürfen schon in die frühesten Lebens- jähre fallen- Das Kind, sobald eS sprechen kann, hört gern erzählen; es erzählt gern nach, es lernt dadurch richtig aussprcchcn und sammelt sich einen Vorrath von Ausdrucksweisen (Phrasen). Kleine Fabeln werden dafür gewählt, und in der Volkssprache sowohl als in der Schriftsprache (die prosaischen nämlich) vorerzählt, am besten in Versen; die Poesie ist ja älter als Prosa und schleicht sich so lieblich ein- Kann man die Fabel durch Bilder veranschaulichen, so wird dadurch das Gedächtniß ungemein unterstüht. Dieselbe Erzählung oder Fabel wird bet der Wiederholung erweitert, indem man stets einen neuen Umstand hinzufügt und beim Nacherzählen sorgfältig darauf achtet, daß die Erweiterungen nicht Übergängen werden. 2. In angemessener Stufenfolge geht man von kürzern zu länger» Fabel» nnd Erzählungen, endlich zu Beschreibungen über, indem man, fietS durch die Phantasie, wo eS immer möglich ist, das Gedächtniß unterstützt und zugleich die B eobachtungSgabe weckt und stärkt. Man geht dabei von der nächsten Umgebung auS: Menschen, Thiere, Theile der Wohnung; der Garten, der Wohnort geben zuerst einzeln, hernach in Verbindung mir einander hinreichenden Stoff. Der Lehrer geht voran und beschreibt, zuerst in der Volks - alsdann in der Schriftsprache. n. Die Uebung des Wortgedächtnisses, und deö Na m e n - G e d ä ch t n i sse S ist für die wissenschaftliche Bildung und für das Leben sehr wichtig; besonders beim geographischen^ historischen, nalurhistorischen Unterricht daö letztere; das erstere ist beim Sprachunterricht unentbehrlich. Bei vorzcigbaren Gegenständen knüpft man das Zeichen an daö Bezeichnete (Naturkörper) die geographischen Namen an die Karten (Lokal-Gedächtniß) und deren hervortretende Einzelnheilen. Man kann z. B. alle Städte, die zu beiden Seiten eines Flusses liegen, dem Gedächtniß einprägen und dabei bald von der Mündung, bald von der Quelle ausgehen. (Berge, Flüsse, Seen u. dgl.) Historische Namen an Orte; (LeonidaS und die Thermopylen, Winkelried und Sempach u. dgl.) 1. Gelegentliche Uebungen des Namengedächt- nisseö verschafft die Geographie (Flüsse, Berge, Thäler, Städte, Produkte u. s. w.) die Naturgeschichte (Klassen, Gattungen, Geschlechter) später der Religionsunterricht. 2. Absichtliche Uebungen des WortgcdächtnisscS, nachdem die Sache erklärt worden ist: . 1 ) Liederverse, kleine gereimte Fabeln, Erzählungen, kürzere und längere Lieder, die stets mit Hinsicht auf die daö Gedächtniß unterstützende Phantasie und mit 125 Berücksichtigung des Wortgedächtnisses gewählt werden. So z. B. im deutschen Lesebuch 2r Tyl. Bremen 1824. Fabeln. No. i. 11 . iz. 81. Im 2ten BaSler Lesebuch. I. 22 . 26. ll. 8. 7. 8. 80. 84. 85. 86. 87. 41. und die gereimten des 8tcn Baöl. Lesebuchs. 6) Sprüche. Auch hier wählt man zuerst solche, die ein dem Kinde verständliches Bild enthalten. Eine schöne Auswahl s. bei Müllers Glaubenslehre §. 18 . Dcnzel ir und 2r CursuS. Badischcö Spruchbuch. Karlsruhe 1819. o) Fabeln und Erzählungen in Prosa. Erster Gang: deutsches Lesebuch 2 r Thl. Fabeln No. 5. Baöl. 8teS Lesebuch von No. 18—38. Zweiter Gang: Sentenzen. Eine schöne Auswahl bietet die Aüeman- nia von Preuß. Berlin 1828 —1326. 8 Theile. < 1 ) Kleine und zuletzt größere Abschnitte aus rednerischen Darstellungen und Reden, abwechselnd mit Gedichten aus den verschiedenen Gattungen der Dichtkunst, mit steter Rücksicht auf Alter und Vorkcnnmisse. Für die höchste Stufe (vom 14 Jahre) ist als Gedächtniß, ftoff benutzbar die Auswahl poetischer und prosaischer Aufsätze im 4ten BaSl. Lesebuch. ill. Das-Zahl eng edächtniß wird geübt in Verbindung mit den Uebungen des Wort- und Sachge- dächtnisses. ES werden dafür benutzt, nicht unbeschränkt das Rechnen, denn eö ist keine Gedächtniß- sondern VerstandeSsache; aber 1 . DaS Maß. Münz - und GewichtSvcrhältniß. (Reduktion.) 2 . Geographie. Zahlen angeheftet an die Berge Länder, Städtenamen u. s. w. z. B. Höhe dcü Montblanc; Flächeninhalt der Schweiz; Bevölkerung von England, London, Paris u. s. w. 126 Z) Geschichte (Chronologie) NomS Erbauung, Jahre vor Christo; Eroberung von Constamiuopel; Jahre nach Christo; Vcrgleichung der Zeitrechnungen z. B. in welchem Jahre der Welt, oder vor Christo? an welchem Tage neuen oder alten StylS? 4. Arithmetik.-,) Gerade und ungerade Zahlenreihe. d) Multiplikat. - und DivisionS-Tabelle. <-) Primzahlen und Faktoren. 6) Quadrat - und Kubikzahlen. Auf einer höher» Stufe auch die wichtigsten Logarithmen, waö in manchen Berufsverhältnissen von Wichtigkeit ist. Bei der Wiederholung werden alle jene einzelnen Uebungen, die früher nacheinander vorgekommen sind, neben einander vorgenommen und eine Zeit lang in besondern Stunden (Gcdächtmß-Uebungsstunden) mit einiger Thätigkeit fortgesetzt. §. LL. Der Ncligionöu nterricht, der gleichsam den Schlußstein des ganzen UnterrichtSgebäudeS bildet und aus allen obgenannten Lehrzwcigen seine Materialien (Tele ologie) vermehrt, hat ebenfalls seine Siu- fen und Lehrgänge. Denn anders muß derselbe für das Kind, anders für die Erwachsenen oder bald Erwachse- nen angeordnet seyn. 1 . Auf dieselbe Weise, wie im Herzen des Unmündigen allmählig Dank, Liebe, Vertrauen zu den Pflegern seiner Kindheit geweckt wird, weckt der Lehrer diese Empfindung in dem kindlichen Gemüthe in Beziehung auf den himmlischen Vater und Den, in welchem uns die Allmacht, Liebe und Gnade des Vaters erschienen ist. Diese Hinweisung kann sich anknüpfen: an die biblische Erzählung, bei deren Auswahl jedoch nicht bloß das Außerordentliche, sondern auch der stille Weg der göttlichen Offenbarung zu beachten ist; b) an die Sprüche und Licdcrverse des Schul. Pensums, in welchen eine Lehre bildlich und faßlich ausgedrückt worden; <-) an wichtige Ereignisse i in Familien, und kirchlichen Leben; Taufe / Tod, Begräbniß, christ. liche Festtage, Jahreswechsel, Schulfcste; <>) au Raturvcrä ndcrungcn, Jahreszeiten, Tageszeiten (Morgen, und Abendgebete), Erntefest, Ungcwitler u. s. w- ES versteht sich leicht, daß hier von keinen zusammen, hängenden Verträgen oder Catechisarionen, sondern nur von gelegentlichen, freilich absichtlich herbeigeführten, Entwicklungen die Rede ist; aber der Lehrer wird dabei seine eigene und seiner Schulkinder Stimmung berückstchti. gen und die Wer bestunden wählen für daS Heiligste. 2. In einem zweiten Lehrgänge werden die bibli. sehen Erzählungen und Lehren als Grundlage des christliche» RcligionSunterricheS und mit historischem Blicke betrachtet, und mit den Abschnitten deü LandcSea. techiSmuS in Verbindung gebracht. Dabei wird alles benutzt, was oben die Geographie zum Verständniß der. jcnigen von Palästina und die Profangrschichte zur Erhcl. lung der h. Geschichte darbietet; besonders aber waS die Geschichte der alten Welt enthält zur Erläuterung des im A. T- vorkommenden. S. Heß Geschichte der Patriarchen. Dadurch, daß der Lehrer und die Kinder sich mit Hülfe der allgemeinen Geschichte in den JdeenkreiS der Hebräer, Juden und der altchristlichen Kirche einführen, wird der Versuchung vorgebeugt, spätere Vorstellungen in die frühe Vorwelt hineinzutragen und daö Bild jener Zeit zu entstellen. Die Erziehung des Menschengeschlechtes ist eine allmähligk Heranführung aus Dämmerung zum 128 Lichte; dieß ist die leitende Idee (S- Heß Geschichte der Jftaeliten). Es folgt als dritter Lehrgang. z. Der Vorkursus zum systematischen Re- ligionSunterrichte. Wenn derselbe auf einer höher» Bildungsstufe in die Schule verlegt wird, so kann er bestehen: ->) in Aufhellung des Wort verstand es des Religions-LehrbucheS; K) In Einprägung des Lehrstoffes, sey dies. dern oder Sprüchen, oder in beiden zugleich ,>cbcn, und in Gewöhnung an einen würdigen Vertrag des Gelernten. <-) in Behandlung der oben angeführten Lehrgcgen- stände aus religiösem Gesichtspunkte ohne gesuchte Te- leologie, und des Gesangunterrichtes besonders ; jedoch ohne Tändelei, stets in der Absicht, daö Gemüth z« erheben und die Offenbarungen Gottcö in der Schöpfung und im Gewissen (moralische Erzählungen, Geschichte) nachzuweisen. Somit wären die Grenzen bezeichnet, welche dem religiösen Lehrfach in der Schule anzuweisen sind. ES kömmt freilich vieles auf die Art der Verbindung dc- religiösen Schulunterrichtes mit dem kirchlichen an, auf die Dauer des SchulkuriuS und die übrigen Verhältnisse der Schüler. Darum kann sich die Methodik nur auf solche Andeutungen im Allgemeinen über die Lehrgänge einlassen. §. 56. In der genausten Verbindung mit dem Ne, ligionSu nterrichte und als religiöses BildungSmittcl in schönem Bunde, nach 6. und §. 8. G. kann schon frühe das Singen gelehrt werden; es versteht sich von selbst, in demjenigen Umfang der Stimme, der dem zarten Alter eigen ist und der jede der Gesundheit schädliche und Stimmverderbende unnatürliche Anstrengung ausschließt. i. Der erste Lehrgang gehört in das Elternhaus. Die Mutter, oder in der Kleinkinderschule der Lehrer, die Lehrerinn (). 43. 1. und 3.) singt (und spielt wo es möglich ist) dem Kinde eine leichte Melodie vor, bet deren Wahl sie durch Kunstverständige, oder durch eine gute Sammlung von Singftücken geleitet wird. Der Text muß aber verständig gewählt nr.h,.alles Tändelnde ausgeschlossen seyn. (Wer schafft unAsölche Texte?) ' > 2 . Von, 7tcn big 9ten Jahre kann dieser CnrsnS in der Schule fortgesetzt werden, zuerst nach dem Gehör später nach Ziffern oder Noten, wie etwa die Ocrtlich- kcit oder die Noth gebieten. ES ist gar nicht schwierig, nachZahlen neben den gewöhnlichen Musikzeichen die Kinder singen zu lehren; das Uebersctzcn aus Noten in Ziffern und umgekehrt fördert daö Mustklesen und die Noten- kcnntniß. Die Auswahl der Texte für diesen Lehrgang ist immer noch schwierig; denn auf Bildung der Phantasie und auf Bereicherung derselben mit würdigen Bildern muß bei der TcxteSwahl genaue Rücksicht genommen werden. Das Musikalische bezweckt Bildung des Gehörs und Stimmübttttg. (§. 12. 4. §. 24.) Die Takt lehre wird vor und neben der Melodik vorgenommen, in mäßigen Aufgaben, um die Kinder nichr zu ermüden. ES kommt hier vor das Auffassen, Unterscheiden und Nachsingen einzelner Töne des - Tetrachordö und der Tonleiter in verschiedener Tonhöhe; daö Singen der Tonleiter in verschiedener Tonhöhe, erst langsam, dann immer schneller genommen. (Beurtheilung solcher Lieder in Hinsicht auf Text und angemessene Melodie.) 130 3. Mit Kindern von 9 —11 Jahren beginnt der förmliche methodische Gesangunterricht. Erster einjähriger CnrsuS in 3 Stunden wöchentlich. Reihenfolge der Uebungen: ->) Zeiteinthcilung eines Tonstiicks (Takte; parallel mit der Lehre vom Tonumfänge; Takttheile, Taktschläge) d) Vorführung der Taktarte» in Mufikzeichen- Werth der verschiedenen Notengamingen; Vorführung der Takt- arten mit denselben. Uebungen. — Höhe und Tiefe, Stärke und Schwäche der Töne, Tetrachord — Tonleiter, Notenlinien, Buchstaben. Erste Schritte im Notenschreiben durch Abschreiben nach dem Vorgesungenen (Mäßigung) Treffen von 1 — 3; Z—i; u. s. w. (Tertianer.) Erfindung von Beispielen durch die Schüler. c) Aufsuchung der Taktverhältnisse durch Zusammenziehen der Viertel. Diese Verhältnisse werden in andern Tonarten aufgesucht und geübt. — Auffassen der Quinte und Uebung mit Wiederholung der Terztöne (Quintaner mit Tertianern zusammen.) ci) Die Pausen, mit Uebungen der Terze und Quinte (Oktavianer mit Quintanern und Tertianern.) e) Rotengattungen, wovon zweiaufeincn Taktschlag gehen. Aufsuchung der Verhältnisse und Uebung derselben. — Die Septime in Verbindung mit den frühern geübt, eben so die Quarte, Sekunde und Sexte. Wenn die eine Hälfte der Stunde den melodischen, die andere den rhytmischen Uebungen bestimmt wird, so können die Schüler ohne Ermüdung und angenehm beschäftigt werden- An die Stelle der Rhytmik kann und muß bisweilen die Dynamik und die Corrmur rhytmi- 131 scher Versuchstücke treten- Denn die Kenntniß der Stärke und Schwäche der Töne darf den übrigen nicht zu lange nachstehen. Der zweite einj äh r ig e Cursus mit Schülern von 11—13 Jahren könnte folgende Uebungen auö der Nhytinik Melodik und Dynamik in dieser Reihenfolge enthalten: 1. Aufsuchung der Taktverhältnisse in Achteln und Uebung derselben biv zur Fertigkeit. Uebung der Achtclpau- sen; Triolen; — Erfindung solcher Beispiele durch die Schüler. — Verlängerung der Tonreihen; Discantisten, Misten, Auffindung der halben Töne; dieftlbcn in verschiedenen Tonverbindungen; Uebung im Treffen derselben. 2. Wiederholung des rhytmischen CursuS. Die In- tervallenlehre. 3. Rotengattungen, deren vier auf einen Taktschlag fallen. SechSzehntelSvcrhältnisse. — Tonhaltung; An - und Abschwellen; Druck- und Stoßton. ä. Die Akkorde verschiedener Dur-Tonarten mit pa- rallel laufenden Wiederholungen aus der Nhytmik/ stets mit erfundenen Beispielen der Schüler. 5. Die Ausweichungen in die verwandten Tonar. tcn; die Molltonarten. Fortgesetzte Wiederholung aus der Rhytmik; anhaltende schriftliche ErfindungSübungen. — Von den St immg attung en, Schlüsseln und deren Zeichen. Wie weit der Lehrer im dritten CursuS/ den wir Schülern vom 13—Een Jahre bestimmt ansehen/ in der Harmonielehre und Dynamik gehen dürft/ muß seinem Ermessen anheim gestellt seyn. Auf musikalische Deklamation (die so sehr vernachläßigt 132 wird) kann und soll er schon frühe halten; im letzten CursuS hat man aber diesen Gegenstand vorzüglich zu beachten, da ja der Eindruck des Gesangs so sehr durch den Vortrug des Textes bedingt ist. In dieser Hinsicht wird vieles verdorben, wenn der schwere Choral dem leichtern Liede vorangeht, statt auf dasselbe zu folgen. DaS Zeitverhältniß der Uebung zur Demonstration sey stets wie 4 — 1 . — Als Leitfaden ist besonders zu empfehlen KüblerS Anleitung zum Gesangunrerrichte in Schulen, 2 te Anst. Stuttgart i«26. 57. Die Styllebre, im eigentlichsten Sinne des Wortes, fällt gröstencheilü (§. 31 .) in die höhere Bildungsstufe- (Eigenschaften des guten StylS) Die Stufenfolge der Lehrgänge kann folgende seyn: 1. Man gibt zuerst schriftliche Fragen über das Gelesene, (anfänglich mit Hülfe, alödann ohne Zuziehung des Textes,) welche schriftlich zu beantworten sind. Hier zeigt sich die Geschicklichkeit des Lehrers in der Wahl, Bestimmtheit, Kürze und im Zusammenhang dieser Fragen. Man wendet sich nicht blos an das Gedächtniß, sondern vorzüglich an die Urtheilskraft der Befragten. (Abfragen und Ausfragen §. 35.) 2. Im zweiten Lehrgänge werden diese Fragen zu Aufgaben, deren Grundriß jedoch in der Frage selbst liegt. Man frägt z. B. in der Form eines Briefes über eine Reihe von Gegenständen, die nun in derselben Ordnung, in welcher die Fragen aufgestellt sind, beantwortet werden. (Muster solcher Anfragebriefe.) 3. Der dritte stylistische Lehrgang umfaßt die Beschreibungen. Den CursuS nach §. 44. 1 . vorausgesetzt läßt der Lehrer mit Hülfe des Lesebuchs einen Ge- gen stand nach der Wirklichkeit oder nach einem Bilde ge- nau beschreiben, hierauf diese Beschreibung in einem ununterbrochenen Vortrage reindeutsch mündlich, als- dann schriftlich darstellen. Man geht vom concreten allmalig zum abstrakten über (Beispiele.) Nach einem Schema und alödann ohne Schema unternehme» die Schü- ler selbst die Beschreibung von vorgezeigten Gegenständen. (Reihenfolge dieser Gegenstände.) 4. Auf einer höhern Stufe erhalten viertens die Schüler zuerst ausführliche, alödann kürzere Grundrisse zu eigenen Aufsätzen (Muster zu solchen Grund- rissen) später nur die Ueberschriftcn. 5- ES folgt das Gespräch, dessen Erfindung und Abfassung so schwierig nicht ist als man sich gewöhnlich vorstellt. Man benutzt dafür , 2 ) Erzählungen, die schon ziemlich dramatisch stiid und leicht in Gespräche umgewandelt werden können; z. B. der Verlorne Sohn und sein Vater; Hiob und seine Freunde; Abraham und Loth. b) Fabeln, die an den Dialog grenzen. „Der Rabe mit dem Käse und der Fuchs; der Wolf am Bache und das Lamm, u. dgl. (Muster.) <-) Disputirübungen über einen demSchüler be- kannten Gegenstand, wovon eine Art von dialogistrtem Protokoll aufgenommen wird. (Beispiele.) 6. Die Fabel; eö wird irgend eine Wahrheit oder (ine Lebensregel in einer Fabel dargestellt: ->) erstlich nach Mustern, indem man die handelnden Personen verändert. (Beispiele.) ll) nach leitenden Ideen z. B. Der Starke findet immer einen stärker«: der Regenwurm, der Gründling und die Forelle. <-) Angabe des Themas ohne handelnde Personen, endlich 3) freie Erfindung. Diese Aufgaben übersteigen, wie Erfahrungen lehren, keineswegs die Kräfte eines 13 — 14jährigen Schülers. Aber man muß auf dem angedeuteten Wege vorschretten. 7. Auf der siebenten Stufe geht man fort zu den sogenannten Geschäft S-Anfsätzen. Dazu gehören : ->) Geschäftsbriefe; solche nämlich, die eine bestimmte Form haben und in welcher eine durch Gesetze oder Convenien; bestimmte Titulatur angebracht wird. K) Berichte über Vorfälle verschiedener Art, die im gewöhnlichen Leben vorkommen; z. B. Krankheitö- berichte, Rechenschaften an VerwaltungS-Behördcn u. dgl- (Muster.) o) Plane, mit und ohne Nisse. (S. §. 31. 4.) Bauanschläge; ökonomische Verbesserungsplane, Güterberechnungen u- dgl. (Beispiele) 3) Verträge; für Kanf und Verkauf, Miethe; Schuldverträge und Scheine; Anweisungen, Vollmachten, Bürgschaften. (Form und Cautelen.) e) Inventarien; von Gerälhe, Liegenschaften, Büchern u. s. w. 8. Nefertrkunde; es gibt auch Weiterstrebende in der Volksschule, die dadurch für daö GeschäftSleben sich vorbilden und ihren Styl bilden können: v) ES kommen zuerst vorAuözüge aus weitläufigern Erzählungen und Beschreibungen, nach Anleitung des Lehrers zuerst, alsdann ohne Anleitung. I, ) AuSzüge aus Rechnungen, indem einzelne Ausgaben und Einnahmen unter Rubriken gebracht werden; eben so aus Verzeichnissen (7. <-.) c) AuSzüge aus Reiscbeschreibungen, wobei besondere Gesichtspunkte angegeben sind, alö: Naturkunde, Sittengeschichte, Statistik; später aus Lebensbeschreibungen- (Muster) II. Concentrirte Darstellung des Gelesenen in frei gewählter Form (S. Benjamin Franklinö Jugendgeschichte.) o) Das Historische wird anö einem Drama oder Gedichte herausgezogen (Engels Edelknabe, Wilhelm Tell von Schiller, Herrmann und Dorothea.) — Die Umsetzung der Poesie in Prosa scheint mir zu schwierig für den Volksschullchrer als Corrector. r. AuSzüge aus Abhandlungen und Reden. 5s. Nach der Uebersicht des StufengangeS in der Styllchre ist hier der Ort für die Reihenfolge der Lehrgänge in derCorrectu r schriftlicherUcbungSstücke. r>) Die Verbesserung bezieht sich anfänglich auf etwa noch vorkommende gra m m arische Fehler (Orthographie, Formenlehre, Syntax); man kann also die so- genannten selbst gemachten Kakographien durchaus entbehren, da hier der nngesnchten nur zu viele sich darbieten werden. Der Lehrer liefet die Aufsätze laut vor, hält ein bei Fehlern am Ende einer Periode, und nimmt zuerst die orthographischen, alsdann die grammatikalischen Fehler vor, stets fragend der Reihe nach; später buchstabiren die Schüler alles durch. i,) Im 2tcn Gange werden die V erb in dnngSw eisen der Sätze (Conjnnktionen) und der Perioden (Ucber- gänge) neben allem Obigen ins Auge gefaßt. Hier bedient sich 1Z6 der Lehrer zuerst der lauten Correctur, später der stillen, indem er fehlerhafte Stellen anstreicht und auf die Paragraphen der Grammatik oder des stylistischcn Lehrbuchs verweiset, gegen welche gefehlt worden ist. Spater fällt auch diese Nachweisung weg^ °) In diesen Lehrgängen, besonders was gewöhn, liehe orthographische, grammatische und stylistische Feh. lcr betrifft, kann steh der Lehrer noch der Hülfe der fähigsten Schüler zur Durchsicht der Aufsätze bedienen, welche die Schwächer« und Schwächsten ihm einreichen. In diesem Falle hat derselbe die letzte Correctur. Aber in den folgenden Lehrgängen möchte eS nicht wohl ge. thau senn, weil hier daS bei Schülern noch nicht genug ausgebildete Sprachgefühl meist entscheiden muß, besonders im Deutschen, wo wir glück- licherwcise keine Akademie als Ober -Sprachgericht haben. <>) Der Lehrer beurtheilt im vierten Lehrgänge neben dem Grammatikalischen nun vorzüglich daS Nhe- torische; die Wortstellung, den Rhythmus n. dgl. Durch lautes Vorlesen sucht er dieses bcmcrklich zu machen. Die Schüler werden aufgefordert, hierauf zu achten und ihre Bemerkungen zu machen, die dann der Lehrer ergänzt und berichtigt. (FrankcS Buch über Deklamation, Engels Philosoph für die Welt, sind dafür vorzüglich brauchbar.) «) Endlich richtet sich/ wie auf alles Vorige, die Aufmerksamkeit noch bei der Correctur auf daö Lo. gische; auf Richtigkeit des Gedankens und auf Schärfe und Bestimmtheit des Ausdrucks (Synonymik), auf Ord- nnng und Zusammenhang in der Gedankenfolge. (Beispiele.) 127 §. 59. Bei der mit obigen Uebungen parallel lau. senden Erklärung von Musterschriften geht der Lehrer ohngefähr denselben Weg. ES werden Anfangs nur solche Stücke gewählt, die sich durch Einfachheit im Ausdruck und Leichtigkeit im Periodenbau empfehlen. (S- WilmsenS Deutscher Kindersrcnnd 2r Thl. Baöl. Lesebuch 3r. Deutsches Lesebuch. Bremen. 1824. 2r.) Darauf lenkt nun der Lehrer die Aufmerksamkeit des Schülers und läßt ihn versuchen, sowohl in der Volks- als in der Schriftsprache ähnliches auf ähnliche Weise darzustellen. Hier kommt nun Alles vor, was sich auf die sogenannte Wortbildung, Entwicklung der Sprache aus ihren Stämmen bezicht. Je genauer die Kennt- niß der Urwörtcr, desto einfacher der Ausdruck. So hängt wieder die Leichtigkeit in der Verknüpfung der Sätze und in- der Bildung der Perioden aus Sätzen von der Einsicht in die Gesetze der Wortfügung einer reinern und ediern Sprache ab, welche hier an Mustern nachgewiesen werden. (Beispiele) In einem zweiten Lehrgänge faßt der Lehrer die sogenannten Tropen ins Auge, und zwar nicht nur in prosaischen Musterschriftcn, sondern auch in den gebräuchlichen Gesangbüchern, deren Inhalt ohne solche Kenntniß kaum verständlich ist. Indem man stets von Aufsuchung der Grundbedeutung (sinnlichen) zur Er- kennung der abgeleiteten fortgeht, wird der Schüler mit der sogenannten Lexikologie (§. 55) bekannt; es sind die ersten Schritte zur natürlichen Logik. Der dritte Lehrgang auf einer höher» Stufe fuhrt zur Erklärung solcher Musterschriftcn, die sich nicht nur durch grammatische Nichtigkeit, sey eS in der Angemesscnbeit des Ausdrucks und in der Verknüpfung der Gedanken, und durch logische Schärfe, sondern auch 1Z8 durch Schönheit und Adel der Darstellung (Elasticität) empfehlen. (S. das 4te Baül. Lesebuch.) In den pro. saischen und poetischen Stücken wird also die Form ein Gegenstand (nebenbei Numerus und RhntmiiS) der Be. trachtung, und der Schüler, welchem die Natur schon daS Gefühl für Schönheit eingepflanzt hat, muß hier sein Urtheil durch Gründe unterstützen lernen. Dazu führen Vergleich» »gen vollkommener und weniger vollkommener Schriftwerke. (Beispiele.) Da bald in jedem Lesebuch und in den meisten Ke. sangbüchcrn verschiedene VcrSfüsse und VcrSarten vorkommen, so darf der Lehrer nicht unterlassen alles vor. zuführen, was zur unentbehrlichen Kenntniß der Syl. benlänge und Sylbenkürze, und der Prosodik und Me. trik überhaupt führt, mit derjenigen Beschränkung näm. lieh, welche die Schule und die Schüler, die Zeit nnd der Ort empfehlen. Die schönsten Stücke müssen dem Gedächtniß vertraut werden, prosaische (Sprüche und Reden) und poetische. 60 . Der arithmetische CursnS muß das in §. 46. enthaltene auf einer höher» Bildungsstufe fortfüh. rcn, indem die wichtigsten Lehrsätze in streng wissen, schaftlichcr Ordnung wiederholt werden. Die sogenannte Proportion«lrechnung, welche aber auch in Glci. chungen dargestellt werden kann, ist in ihrer möglichsten Entwicklung der Gegenstand dieses hohem Unterrichtes. Von den Schülern und der Lehrzeit hängt eS ab, wie weit der Lehrer hier gehen soll. Eine Hauptsache ist in diesem Cursus, die Schüler, sobald fie ein Lehrstück recht gefaßt und geübt haben, zu eigener Erfindung nnd zur Anschreibung von Aufgaben in verschiedener Form an- zuhalte». 139 1 . Nach deutlicher Auseinandersetzung der Grund. Verhältnisse behandelt der Lehrer im erstenLehrgawge die einfachen Verhältnisse und zwar ->) Die arithmetischen. Unter diesen zuerst die steigenden dann die fallenden. ES werden Anfangs vorgeführt, und auf der Tafel wie im Kopfe berechnet diejenigen , welche Exponenten - ohne Brüche haben ( 2 , 4, 6, s; 16, 12 , 9 , 6) alödann mit den Brüchen (2'/r, 6, 7'/-; 16, 12'/., io.) Aber solche Uebungen dürfen nur vorgenommen werden, wann eine feste Grund, läge (Z. 46.) gelegt worden ist. (Beispiel, zur Anwen. düng auf Gegenstände des gemeinen Lebens.) ES folgen dann arithmetische Verhältnisse in Decimalftellen ( 2 , 5, 7, 6. — 15, 12, 5, 10.) wobei man wieder vom Leichtern zum Schwierigern in einem angemessenen Stufengang fortgeht und die Anwendung zeigt. Zuletzt kommen reine Brüche vor C/z, 1, i°/z, 2'/-; 9 , 8'/z, 7/z.) d) Die ge 0 metrischen, steigenden und fallenden Verhältnisse werden auf dieselbe Weise behandelt. 0 ) Man läßt hierauf aus solchen Verhältnissen die sogenannten Proportionen, arithmetische, dann geometrische in derselben Reihenfolge wie oben, entstehe» und ihre Eigenschaften auffinden, (6:5 — 5 : 7; 7 : 5 — 3 : 1), daü unbekannte Glied wird stets verändert; also: 4:8 — 6: x;x:s — 6 : 12 , 4 : x — 6 : 12 ; 4 : 8 — x : 12 . Diese Aufgaben wer. den in Beispiele, die der Lehrer giebt, und in solche, welche der Schüler aufstellen muß, eingekleidet und ans steigende zuerst, dann auf fallende mit Ganz-Exponentc»; hernach in Decimalstellen und Br lieh e n durchgeführt .lo in). An die letzten schließen steh die sogenannten Sorte «rech nungen an. 140 >i) Im zweiten Lehrgänge kommen die zusammen, gesetzten Proportionen vor, die sogenannte üe^la (Zuiir-ine, der Kettensatz, die Vermischungsrechnung. Alle sind zuerst ohne Brüche, alsdann mit Brüchen, und in Decimalen durchzuführen, mit steter Anwendung aus das im gemeinen Leben Vorkommende. Sie werden Lurch alle Arten von Maaß; geführt und durch alle Münzsor. ten, deren Kenntniß dem Schüler nothwendig und nütz. lich ist. (Beispiele.) Die Befriedigung des Lehrers be. stehe darin, daß die Schüler im Stande sind, die Fehler in den Auflösungen anzugeben und Beispiele zur Regel selbst zu erfinden. — MehrereS iu meinen Lehrmitteln für Volksschulen. ?. 6t. Wenn der Lehrer so gründliche Kenntnisse in der Mathematik besitzt, daß derselbe in der Ergän- zungSschule (Z. 31.) oder einer auöerwählten Anzahl von Privatschülern aufder höchsten Bildungsstufe erntgenllnter- richt inderpraktisch enG eometric ertheilen kann, so möchte eö wohl am besten in folgenden Lehrgängen geschehen: i. Das sogenannte Feld messen wird zwar auch in Dorfschulen gelehrt und selbst von Bauern geübt; aber es genüge dem Lehrer ->) an einigen, besonders unregelmäßig gestalteten, Grundstücken zn zeigen, welche Handfertigkeit zur theoretischen Kenntniß hinzukommen müsse, wenn ein solches irregulaireö Grundstück genau auögemessen werden soll, (Waldmessung.) d) man gebt dann zur Ausmessung solcher Grund, stücke fort, welche an Hügeln und Bergen liegen und zeige, worauf es hier vorzüglich ankomme. (Rivelliren.) --) endlich versuche man über einen Teich, Bach, Fluß zu messen ohne das jenseits AuSgesteckte zu be- 141 . rühren; ferner einen Thurm zu messen durch Abstecken, und man vergleiche später das Gemessene. (Andere prak- tische Anwendungen stehe im 6ou>8 von vuxin.) Manche Anwendungen aus der Theorie der Mechanik lassen sich ebenfalls auf gewöhnlich vorkommende Gegenstände machen. »In? r^vE> .^si','^-,- < '-'^ L-«t --'''^» -,' ->>'> n- ' s'!'. '' -'.»'?) '' ^ 1N5- r:^ !?H, -r ^ ^ ^ n, ! Ä^. . - ' NiiLzL^^KM « r 4. ^ 5 .. 77 . » ^L,/77i i IM^ V .'i>'!-»-^.K- .E