Kant.-Bibliothek 1314 THURGAU _**' rv w. t •JW^ vo >^3vw> v/^t iA-v|^w_ Grescbenk von frl. O, Nt)'/'/e/ f s> ^g8BIBU^ ; —■ (Bodensee.) Ansicht von Bregenz. : i;n\ L /2/if STÄDTEBILDEK UND LANDSCHAETEN AUS ALLER WELT. No. 56—57. MITHERAUSGEBER JUL. LAURENCIC. DER BODENSEE VON VICTOR LEHNERT. MIT 43 ILLUSTRATIONEN UND 1 KARTE. ZÜRICH VERLAG VON CAESAR SCMIDT. BREGENZ A/B. WAGNER’SCHE BUCH- UND KUNSTHANDLUNG JOS. WEBERING. 5£010 INHALT. Seite I. Von Innsbruck nach Bregenz. 3 II. Der Bodensee. 6 Bildung des Seebeckens. Rheinthalgletscher, Historisches, Geographisches, seine TiefeD, Zuflüsse, Winde, Naturerscheinungen, Niveau-Verhältnisse, seine Bewohner, Schifffahrt. III. Bregenz. 15 IV. Das Nordufer des Bodensees. 34 Lindau, Bad Schachen, Lindenhof, Wasserburg, Kressbronn, Thunau, Langenargen, Schloss Montfort, Eriskirch, Friedrichshafen, Seemoos, Manzell, Fischbach, Immenstaad, Hagnau, Meersburg. V. Der Ueberlingersee.60 Ueberlingen, Goldbach, Brunnenspach, Sipplingen, Ludwigshafen, Bodman, Burghof, Dingelsdorf, Lützelstetten, Mainau. Westufer des Bodensees: Allmannsdorf, Staad, Loretto, Eichhorn, Hinterhausen, Constanz. VI. Zeller- und Untersee.82 Ober-, Mittel- und Unterzell, Allensbach, Mettenau, Eadolfszell, Moos, Iznang, Gundolzen, Horn, Wangen, Kattenhorn, Oberstaad, Stiegen, Stein, Eschenz, Mammern, Neuenburg, Glarisegg, Steckborn, Bedingen, Mannenbach, Arenenberg, Ermatingen, Triboldingen, Gottlieben, Kreuzungen. VII. Das Südufer des Bodensees. 95 MünsterÜDgen, Güttingen, Kessweil, Uttweil, Romanshorn, Egnach, Arbon, Steinach, Horn, Rorschach, Heiden, Staad, Altenrhein, Rheineck, Fussach, Mittel weierburg, Hard, Vorkloster. I. Von Innsbruck nach Bregenz. Eines der grossartigsten Landschaftsbilder, reich an Naturschönheiten, reizend und anmuthig, entfaltet sich an den Gestaden des schwäbischen Meeres, das von fünf Staaten eingeschlossen, so recht den Charakter der Internationalität und des Cosmo- politismus zur Schau trägt. War der Bodensee mit seiner herrlichen Umgebung bisher nicht so bekannt, wie es seine Schönheit, seine wichtige Bedeutung für den Verkehr verdient hätte, so trug der Mangel an zweckentsprechenden Communicationen, besonders gegen Osten, Schuld daran. Heute ist die Scheidewand gefallen, die Arlbergbahn*) hat die östlichen Länder näher gerückt, und die zahlreichen ausländischen Anschlusslinien zu Wasser und zu Lande haben Bregenz zu jenem Verkehrsknotenpunkte erhoben, der ihm seiner Lage nach lange schon gebührt hätte, der aber jetzt seine Errungenschaft bis in die entferntesten Länder geltend macht. Die österreichische Staatsbahn führt von Innsbruck über Imst, Landeck, Bludenz, Feldkirch, Dornbirn nach Bregenz. Zwischen St. Anton und Langen liegt der Arlbergtunnel, ein hervorragendes Bauwerk der jüngsten Zeit. In Innsbruck besteigen wir den Courierzug der österreichischen Staatsbahn, und eilen durch den Arlberg an die Gestade des Bodensees nach Bregenz, der lebensvollen Hauptstadt Vorarlbergs. Die interessanteste Strecke der Trace liegt zwischen Landeck und Bludenz, in deren Mitte der Arlberg durchbohrt werden musste. Die hochromantische Umgebung der erwähnten Bahnstrecke veranlasste uns eine kleine Schilderung derselben hier einzubeziehen. Nach beiläufig zweistündiger Fahrt erreichen wir L a n d e c k, dessen Schloss gebieterisch, auf steiler Höhe der Feste Schrofen- stein gegenüber liegt. Historisch sind die Berge und Schluchten dieser Gegend; hier lebte der in Bann und Beichsacht gefallene *) Der Bau der Arlbergbahn begann im Jahre 1880; im Jahre 1884 wurde die Bahn eröffnet. 1 4 Herzog Friedrich „mit der leeren Tasche“ verborgen als Flüchtling, bis es ihm im Vereine der treuen Landecker Bergbevölkerung gelang, den aufständischen Adel zu demüthigen. Von Landeck an steigt der Bahnkörper. Der Zug bewegt sich bergauf nach Pi ans (910 m), wo uns eines der schönsten landschaftlichen Bilder begrüsst, es ist die majestätische Par- seyer Gruppe (2942 m), die den Horizont begrenzt; tief unten das liebliche Dorf Pians. Von den stark bewaldeten Geländen bis hinauf zum kahlen Alpenscheitel überschaut das Auge ein prachtvolles Stück grossartiger Gebirgswelt. Am Eingänge in das Petznauer Thal, auf vorspringenden Felsen, Pians gegenüber, erhebt sich das mittelalterliche Schloss Wiesberg mit der St. Georgskapelle. Die keuchende Locomotive schlägt ein langsameres Tempo ein, als sie dem Trisaner Viaducte, einem der grössten Brückenwerke der Neuzeit, nahe kommt. Der Viaduct überspannt die 230 m breite Thalschlucht der Trisana in einer Höhe von 86 m; unten schäumen die brausenden Wogen dieses gefährlichen Wildflusses, der bald mit seiner ebenbürtigen Genossin, der wilden Rosana, sich vermählt. Mehrere Tunnel und Kunstbauten durcheilend, passiren wir Strengen (1030 m) und Flirsch, bewundern die Gletscher des Riffier, und nachdem Pettneu (1220 m) und St. Jacob (1294 m) an uns vorüberfliegen, halten wir in St. Anton (1282 m), an dem Ostportale des 10260 m langen Arlbergstunnels. St. Anton bietet ein seltsam schönes Alpen - Panorama. Alles überragend, erhebt sich in schwindelnder Höhe die Patteriol-, die Kuchen- und Küchelspitze bis über 3000 m, die Hochhornspitze (2840 m) und der kalte Berg (2900 m). Um die Grossartigkeit des ßahnbaues würdig betrachten zu können, ist es der Mühe werth, die Strecke von Strengen bis St. Anton zu Fuss zurückzulegen, um so mehr, da die Fahrstrasse mit dem Bahnkörper in beinahe gleicher Höhe liegend, ohne Anstrengung zu begehen ist. Am Tunneleingang bei St. Anton erblickt man das Denkmal des Oberbauratkes Julius Lott, des obersten Leiters des Baues, dem das Schicksal die Gunst versagte, an der Vollendung des grossen Werkes sich zu freuen. Am 24. März 1883 raffte ihn der Tod hinweg. Der Zug durcheilt den Tunnel in 26 Minuten, und wir begrüssen freudigen Herzens, nach langen beängstigenden Gefühlen das erste Tageslicht, das uns Langen vom Westportale aus entgegensendet, und betreten zugleich die östlichste Marke Vorarlbergs. Von hier bis Danöfen (1073 m) ruht der Blick an den grossartigen Landschaftsbildern des Kloster- thales und auf den 2960 m hohen Scesaplana, dessen Gestein aus bunten, vom Meere gebildeten Sand-, Muschelkalk- und Keuper- Conglomeraten besteht. Diese Strecke, so reizend in ihren Landschaften, ist ebenso gefährlich im Winter bei eintretenden Föhn oder im Thauwetter des Frühlings der alles verheerenden Lawinen wegen. Die umfassenden Schutzbauten erwiesen wieder in letzter 5 Zeit sich als unzureichend. In 15 Minuten erreichen wir Dalaas (981 m), nachdem wir die durch wildzerklüftete Gypsbrüche gebildete, höchstens von kühnen Alpenjägern aufgesuchte, von zahllosen abgestürzten Felstrümmern fast ungangbare Schlucht auf einem 60 m langen, und 15 m hohen gewölbten Viaduct überschreiten. Von hier aus bieten sich dem Touristen die lohnendsten Fusstouren. Ueber den Christberg (1490 m) gelangt er in das Silber- und Montavonerthal nach dessen Hauptort Schruns. Zu einer ebenso reizenden Partie ladet der Formarinsee (1808 m) am Fusse der rothen Wand (2700 m) ein. Der Zug passirt den Höllentobel-Viaduct, den 65 m langen Höllentobel-Tunnel, erreicht in steiler Höhe eines der hervorragendsten Bauobjecte, den gewölbten mit fünf Oeff- nungen versehenen Schmiedtobel- Viaduct, und durch den 240 m langen Engelwandtunnel gelangen wir zur steil abfallenden Engel wand, übersetzen auf überwölbten 50 m langen, 25 m hohen Viaduct den Brunnentobel, passiren noch einen 200 m langen Tunnel, durchschneiden dann die steil abschüssige Braxerhalde, und durch einen 78 m langen überwölbten Einschnitt setzend, erreichen wir die Station Hintergasse. Das äussere Klosterthal entsendet uns den letzten Gruss; die zahlreich anwesenden Gemsen, welche bei Tagesanbruch auf dem stark bewaldeten, vorgelagerten Schuttkegel der gegenüber liegenden Thalwand sich oft einfinden, winken uns mit ihren klugen Augen eine „glückliche Reise“ zu. Eine Abwechslung in der Scenerie bietet der an der Fellbachwand (des Schwarzhorns) abstürzende Fellbach. Im Osten ragen der Purtscherkopf (2242 m) und der kalte Berg hervor, während der Westen uns noch einen Blick auf die Sentisgruppe gestattet. Hintergasse verlassend, bewundert der Reisende die 40 m lange, 19 m hohe, kühn gebaute Schanatobelbrücke. Nun geht es bei fast senkrechten Felsenwänden vorbei, der Zug durchschneidet einen 50 m langen Tunnel, übersetzt den Platten- tobel, und den PIattentobel-Tunnel passirend. erreicht er den Aequaduct der Alfenz, welcher die wilden, oft Verderben bringenden Fluthen des Mühlentobels zwingt, das Gewässer der Alfenz zu bereichern. Bald liegt die Station Braz (715 m) vor uns. Rechts zeigt sich das wilde Geschrüffe der Gamsfreiheit (2210 m), der Pitschiköpfe (2410 m), während links der Davenkopf sich erhebt. Der Zug übersetzt den Almen- und Griibsertobel, saust bei Bings vorbei, und durch einen kurzen Einschnitt rollend, der leider die prachtvolle Aussicht zum Eingänge in das Montavonerthal dem Blicke verschliesst, steht er in Bludenz (570 m) stille. Bludenz mit 2100 Einwohnern, ist ausser Dornbirn die industriellste Stadt Vorarlbergs; Vorarlberg mit 107,373 Einwohnern und 2602 Quadratkilometer Flächeninhalt im Grössen- Verhältnisse ausser Schlesien das industriellste Kronland Oesterreichs. Hauptsächlich ist es die Baumwoll-Verarbeitung, welche 6 längs des ganzen Rheinthaies bis ins Illthal seine Fabriken gestellt hat. Nahezu ein Viertheil (22000 Einwohner) der zählenden Bevölkerung ist bei den Industrie- und Gewerbe- Unternehmungen beschäftigt. Die Stickerei - Industrie (2800 Plattstich- und 1400 Kettenstich - Maschinen) beschäftigt 10 bis 11000 Personen Vorzügliche Viehzucht (letzte Zählung 1880: 61115 Stück Kindvieh), besonders Ragenzucht in Montavon. Milcherträgniss 1880: 70 Millionen Liter, davon wurden circa 29,000 Metercentner fette, halbfette, Backensteiner- und magere Käse erzeugt. 36,500 Personen beschäftigt die Land- und Forst- wirthschaft, Jagd und Fischerei. Vorarlberg zerfällt in drei politische Bezirke (Bregenz, Feldkirch, Bludenz), welche sechs Gerichtsbezirke mit 103 Ortsgemeinden umfassen. Bludenz ist der Ausgangspunkt von zahlreichen Touren, als dessen schönste und besuchteste „Lünersee-Scesaplana“ (Lünersee 1930 m) gilt. Dieser Gebirgssee, von zerklüfteten Felsen umschlossen, mit der nahen „Douglashütte“ (24 Betten, Erfrischungen) mit der Grossartigkeit seiner Umgebung, gehört jedenfalls zu den herrlichsten Punkten unserer Alpenwelt. Mit vermehrter Schnelligkeit, denn im Thale angelangt, eilen wir über Feldkirch, Hohenems, Dornbirn, den bedeutendsten Orten Vorarlbergs, den Bodensee zu. Kaum hat der Zug Lautrach verlassen, so breitet sich vor unserem Blicke die silberne Seefläche aus, ein Bild des wohlthuenden Friedens. Melodischer Wellenschlag umschmeichelt uns, und verwischt die mächtigen Eindrücke, welche die Alpenwelt hervorgebracht. In Bregenz betreten wir den classischen Boden des römischen Brigantium; vor uns liegt das schwäbische Meer, dessen klare Wellen an den lachenden Ufern Oesterreichs, Bayerns, Württembergs, Badens und der Schweiz im ewigen Spiele sich brechen. II. Der Bodensee. Von welchem Gesichtspunkte man das Gebiet des Bodensees betrachten mag, stets beansprucht dasselbe unser vollstes Interesse. Sei es die wechselreiche historische Vergangenheit des Lacus Brigantinus, dessen schon im Alterthume anerkannte Handelswichtigkeit, sei es die geologische Entwickelungsgeschichte des Bodenseebeckens, sei es seine liebliche Lage mit dem nahen Rheine, dessen Loreley jährlich viel tausende Besucher heranlockt, immer ist dem Auge ein interessantes, der Forschung aber noch ein weites Feld geöffnet. 7 Die Bildung des Bodenseebeckens fällt in die Zeit der Erhebung der Alpen, in die pliocäne Periode. Zur Zeit der Grauwacke oder der Uebergangs - Formation war die Bodensee-Gegend ein Festland; es finden sich hier keine Niederschläge, z. B. der devonischen Formation, auch keine Ueberreste von Meeresthieren, wie solche im Urmeere lebten. In der Steinkoblenperiode senkte sich die Erdkruste, und das Meer überfluthete die Gegend. So kommt es, dass in den nächstfolgenden Formationen des Trias und der Jura der Bodensee einen Theil der vom mittelländischen zum schwarzen Meere sich hinziehenden Meeresanne bildet. Diese Thatsache ist durch zahlreiche, vom Meere erzeigte, bunte Sand- und Muschelkalk- Conglomerate, aus denen z. B. der Scesaplana besteht, bestätigt. Durch die Erhebung der Alpen in der Pliocänzeit wurden diese Conglomerate in bedeutende Höhen gebracht, wie dies auch die versteinerten Ueberreste der gepanzerten Infusorien zeigen, aus denen der Säntis besteht. In der Kreideperiode und der eocänen Formation der tertiären Periode hat der Meeresarm sich verschmälert, ja die Miocäne weist schon (nach 0. Heer) eine Uferbildung am Bodensee nach, während in die pliocäne Periode die Bildung der Bodenseespalte, des Bodenseebeckens fällt. Nach Professor Steudel in Ravensburg, dem berühmten Forscher der Bodensee-Gegend, erstreckte sich zu dieser Zeit der Bodensee durch das als See zu denkende Rheinthal bis Chur, war mit dem Wallenstädter- und durch diesen mit dem Züricher See verbunden, ebenso bildeten die Thäler der Schüssen, Argen etc. grosse Seebuchten. Erst nach dem Schmelzen der Gletscher sind die Gewässer abgeflossen und die tiefsten Stellen blieben als Einzeln-Seen zurück. Zur Eiszeit beherrschte, den von der Ostschweiz bis weit nach Oberschwaben vereinzelnd stehenden erratischen Blöcken nach zu schliessen, die ganze Bodensee-Gegend der mächtige Rheinthalgletscher. In der Richtung des heutigen Rheines — zwischen den Baifrieserbergen und der Säntisgruppe im Westen, und den Vorarlberger Alpen im Osten nordwärts sich hinziehend — füllte er das Becken des Bodensees, und erreichte in seinem Hauptzuge in der Richtung von Ravensburg das heutige Waldburg. Fächerartig entsendete er seine Nebenzüge. Ein annäherndes Bild der damaligen Scenerie bietet ein Morgenspaziergang bei dichtem Nebel auf den Gebhardsberg. Oben angelangt, begriisst der blaue Himmel den Wanderer, und im hellen Sonnenstrahle sieht er zu seinen Füssen ein Nebelmeer, wogend und wallend, das ganze Rheinthal ausfüllend. Ein undurchdringlicher Schleier, über dessen Saum die Häupter der Staufenspitze, der drei Schwestern und der Säntisgruppe emporragen, scheint über den Bodensee gelagert. Aus diesem Nebelmeere erheben in weiter Ferne im magischen Lichte die Gletscherfelder der Scesaplana, der grauen Hörner und anderer Riesen ihre schimmernden Kuppen. An Stelle des Nebels denke man colossale Eismassen; — so mag die Bodensee-Gegend vor vielen 8 hunderttausend Jahren ausgesehen haben. Ein Schauer durchrieselt uns, wüssten wir uns verdammt auf solch’ ewigen Schnee zu leben; bald müsste unser Leben entfliehen. Und doch war diese Gegend schon in der Eisperiode, nach den Funden bei der alten Abtei Schussenried zu urtheilen, bewohnt. Erdarbeiten brachten 1866 eine Erdschichte zum Vorschein, in welcher bearbeitete Rennthier-Geweihe, Angelhaken, lanzettförmige Feuersteine zwischen Gletscherlehm-Schichten lagen; ebenso Knochenreste des Eisfuchses, des nordischen Fiolfrasses, sowie Reste zweier Moosarten, welche heute nur in Norwegen und Lappland, an der Grenze des ewigen Schnees zu finden sind. Wer, und wessen Stammes die ersten Bewohner der Bodensee-Gegend gewesen, — werweiss es! Zeiträume, die der schwache Menschenverstand nicht zu fassen vermag, sind seit jener Epoche in das Meer der Ewigkeit herabgerollt, — wir aber können nur auf einen kurzen Zeitpunkt zurücksehen, der uns Gewissheit bringt. Etwa im 5. Jahrhundert vor Clir. drangen die von Asien kommenden Kelten gegen Westen, besetzten ausgedehnte Ländereien, und siedelten sich auch an den Ufern des Bodensees an. Die vielen Funde aus der Stein-, Eisen- und Bronceperiode dürften meistentheils keltischen Ursprunges sein, gewiss aber die im Sommer bei niederem Wasserstande über die Seefläche ragenden Ueberreste der Pfahlbauten, wie sie in Constanz, an den Ufern des Ueberlinger- und Reichenauer Sees, bei Friedrichshafen, theilweise auch an dem Schweizer Ufer getroffen werden. Bei Robenhausen bedeckte der Pfahlrost eine Fläche von 13000 Quadratmeter, in Wangen fand man Ueberreste ausgedehnter Pfahlbauten auf 30—40 000 Pfählen im Rechteck aufgestellt. Die Naturforscher schätzen (so unsicher diese Angabe auch sein mag) die Broncezeit auf 29—42, die Steinzeit auf 47—70 Jahrhunderte. Strabo (20 n. Chr.) ist der erste Geograph, welcher des Bodensees, zwischen den Quellen der Donau und des Rheins, erwähnt, und ihm einen Umfang von 300 und eine Breite von 200 Stadien giebt. Pomponius Mela (40 n. Chr.) spricht in seiner Weltbeschreibung von zwei Seen, dem Lacus venetus (vermuth- lich der heutige Obersee) und Lacus Acronius (wahrscheinlich der Untersee;, in welche sich der aus den Alpen kommende Rhein ergiesst. — Plinius (70 n. Chr.) erwähnt einen Lacus Räetiae Brigantinus. Später finden wir in Amminians Werken eine interessante Stelle des L. Brigantinus, welche G Schwab mit den Worten übersetzt: „Zwischen den Klüften der höchsten Berge entspringt der Rhein mit gewaltigem Stoss, bahnt sich über abschüssige Klippen ein Bett ohne Zuwachs fremder Wasser, und strömt hin mit stürzendem Falle, wie der Nil durch seine Katarakten. Und er könnte vom Ursprünge an beschifft werden, da er Ueberfluss an eigenem Wasser hat, wenn er nicht einem Rennenden (ruenti) ähnlicher dahinliefe, als einem Fliessenden. Und schon ins Freie hinausgetreten, und die tiefen Spaltungen seiner Ufer bespülend, tritt er in einen runden und Ungeheuern 9 See ein (Brigantina nennt ihn der anwohnende Bätier), der 460 Stadien lang ist und fast in gleicher Breite sich ergiesst; unzugänglich durch das Grauen trauernder Wälder; ausser, wo seine alte, nüchterne Röraertugend einen breiten Weg angelegt hat; denn die Natur der Oeden und des Himmels Unfreundlichkeit streiten wider die Barbaren. Durch diesen Sumpf bricht der Strom brausend, mit schäumenden Wirbeln, wandelt rasch durch die träge Ruhe seiner Gewässer und durchschneidet sie wie mit einer scharf begrenzten Fläche; und wie ein durch ewige Zwietracht von ihm getrenntes Element, löst er sich wieder vom See mit nicht vermehrtem und nicht verminderten Strome, mit ganzem Strome und ganzen Kräften, und auch ferner keine Ansteckung erleidend, taucht er sich in des Oceans innerste Tiefe. Und was gar wunderlich ist, das ruhende Gewässer des Sees wird von dem raschen Durchgänge nicht bewegt, und der eilende Fluss von dem unter ihm schwimmenden Schlamme nicht aufgehalten; beider Stoffe vereinigt und vermengt sich nicht, und lehrte nicht der Anblick, dass es wirklich so geschähe, so würde man glauben, keine Gewalt sollte die beiden von einander ferne halten können.“ Im J. 800 wird der Bodensee lacus Podamicus (von der Pfalz Bodana der fränkischen Könige) genannt, die Zimmerische Chronik erwähnt ihn als „Schwäbisches Meer“, und erst die mittelhochdeutschen Dichter und Minnesänger besingen ihn als Bodan- oder Bodensee. Im J. 14 v. Chr. kamen die Römer das erstemal bis an die Ufer des Bodensees, als sie die besiegten Rätier und Vindelicier, welche in Oberitalien eingebrochen waren, verfolgten, und ihnen eine Seeschlacht lieferten. Der Schauplatz der entscheidenden Hauptschlacht war die Ebene zwischen Lustenau und Dornbirn. Die Bodensee-Gegend, ein Theil der römischen Provinz Rätiens werdend, stand über 400 Jahre unter Roms Herrschaft. Zuerst entstand Brigantium, dann breiteten sich die römischen Ansiedlungen gegen den Westen des Sees aus. Dass Brigantium für die Römer von hoher strategischer und handelspolitischer Bedeutung war, da es einen Pass von der obern Donau in das rätische Rheinthal, also unmittelbar eine Strasse nach Italien beherrschte, und dass dessen antiker Beiname „Schlüssel des Rheinthaies“ schon damals zur rechten Geltung kam, zeigt die Anlage der Heeres- und Handelsstrassen. In Brigantium mündeten die Strassenziige nach Süden über Chur und dem Splügenpass, nach Westen in die heutige Schweiz und nach Norden über Kempten nach Augusta Vindelicorum, dem heutigem Augsburg, der Hauptstadt Vindeliciens. Den letzten Sieg erfochten die römischen Legionen über den alamannischen Stamm der Lentienser im J. 355 wieder zwischen Lustenau und Dornbirn. Bald sollte jedoch die römische Herrschaft in Germaniens Gauen gebrochen sein. Die Völkerwanderung zertrümmerte das weströmische Reich, und germanische Völkerstämme, zuerst die Alamannen, besetzten ihr natürliches Erbe an den Ufern des 10 Bodensees. Später unter fränkischer, ostgothischer, wieder fränkischer Herrschaft stehend, wurden endlich diese Landtheile (843) dem deutschen Reiche einverleibt. Als der Stern Roms im Erlöschen war, als die Germanenkraft zur Geltung kam, und die romanischen Völker von den deutschen Gefilden auf immer vertrieben wurden, verschwand auch jedes Andenken an alte Zeiten. Die Germanenstämme machten bei der Verfolgung der Römer alles dem Erdboden gleich. Wie vieles wurde da von rächenden Händen zerstört, was für die Geschichts- und Cultur- kunde von unbezahlbarem Werthe gewesen wäre. Gewiss standen an vielen Orten noch Denkmäler aus grauer Vorzeit, welche, als von römischer Herkunft vermuthend, ihr Ende fanden. Was damals vielleicht gerettet blieb, unterlag später der rohen Gewalt der Hunnen und anderer asiatischen Horden während der Völkerwanderung. Der Bodensee, 410 m über dem Meere liegend, hat einen Flächeninhalt von 528 Quadratkilometer, von denen nach Staatsgebieten vertheilt, auf die Schweiz 174,3, auf Baden 159, Württemberg 103,5, Oesterreich 61,5 und auf Bayern 30 zu stehen kommen. Er besteht aus dem Obersee (Länge 44, Breite 20 km) mit der Insel Lindau, von Bregenz bis Constanz sich erstreckend, dem Unter- oder Zellersee mit der Insel Reichenau und dem Ueberlingersee mit der Insel Mainau. Eine launige Berechnung brachten die Schriften des Bodensee-Vereins, nach diesen hätten die 1430 Millionen Menschen, welche die Erde bewohnen, auf der gefrorenen Seefläche hinlänglich Raum, wenn per Kopf vier Quadratfuss Raum bestimmt wäre. Man würde nicht einmal ein bedeutendes Steigen des Sees bemerken, wenn die ganze Menschheit in den Wellen unterginge, da sich der Wasserspiegel nur um einen halben Fuss erhöhen würde. Die grösste Tiefe mit 305 m liegt zwischen Romanshorn- Friedrichshafen, circa 6 km vom wiii'ttembergischen Ufer entfernt. Bedeutende Tiefen weist der See auch zwischen Arbon- Langenargen mit 262, zwischen Romanshorn-Lindau mit 251, Constanz-Friedrichshafen 243, Rorschach-Langenargen 219 m auf. Seiner Lage und Umgebung nach erscheint der Bodensee als ein grosses Reservoir, welchem durch Aufnahme zahlreicher Gebirgswasser, die Rolle eines mächtigen Wasserregulators zufällt, dessen hohe Bedeutung selbst für die nördlichen Rheingegenden eines weiteren Hinweises nicht bedarf. Ausser des an der Ostseite des Gotthardgebirges entspringenden Rheines, der bei Rheineck in den See mündet, ergiessen sich in diesen noch circa 100 Bäche und Flüsse, darunter die Bregenzer-A ch, die Goldach zwischen Horn und Rorschach, die Steinach von St. Gallen kommend. Das deutsche Ufergebiet durchziehend, und in das schwäbische Seeufer mündend, ist die bei Immenstadt entspringende Argen, die Schüssen, Roth- ach und Salmsacher Ach. Einen sehr interessanten Zufluss bildet die Radolfzeiler Ach, welche mit der Donau in unter- 11 irdischer Verbindung steht. Oelungs- und Versalzungsversuche wurden 1877 von Hofrath Dr. Knop angestellt: auch sind durch den Webereibesitzer Brink zu Arien Versuche mit Fluorescin, das in alkalischer Lösung schon in sehr kleinen Mengen grossen Quantitäten Wassers eine schöne grüne Pluorescenz mittheilt, gemacht werden. Am 9. October 1877 wurde die Lösung in eine der Donauspalten zwischen Immendingen und Möhringen versenkt, und am 12. October Morgens erschien die Pluorescenz in prachtvoll grüner Farbe in der Achquelle und in der Ach bis Arien, und währte circa 36 Stunden. SSjSjgj Ä PliK SSE Föhnsturm. Der grösste Zufluss und einzige Abfluss ist der Rhein, der den Bodensee bei Constanz verlässt. Dieser führt ihm bei höchsten Sommerwasserstand per Secunde circa 1300, bei ausserordentlichen Wasserständen bis 2100 cbm Wasser zu, die übrigen Aftluenten speisen ihn bei starken Niederschlägen mit etwa 1800, bei aussergewöhnlichen mit 3500 per Secunde. Diese riesigen Wassermengen üben durch ihre Erwärmung, Abkühlung und Verdunstung einen ungemein günstigen Einfluss auf die klimatischen Verhältnisse des Ufers. (Mittlere Sommertemperatur 16.6°R.). Von den Winden, welche die Seefläche am häufigsten be- 12 wegen, ist es der Westwind mit seinen nördlichen, meistens aber südlichen Combinationen. Der Fremde freut sich, die herrlichen Uferlandschaften betrachtend, über die Reinheit der Luft, die dem Auge die entferntesten Berge so nahe rückt, dass deren Conturen scharf gezeichnet, die Wälder im dunkelsten Grün erscheinen. Dieses sind aber schon die Vorboten des anziehenden Westwindes, dessen Erscheinen zuerst, die Bergeskuppen einhüllend, Schichtenwolken verkünden. Mit dem Winde treten oft lang andauernde Niederschläge ein. Als gefährlichen Gast bezeichnen wir den von Süden kommenden Föhn, einen Genossen des Sirocco. Viele, meistens nervöse Personen fühlen schon Tags zuvor Mattigkeit, die in ein allgemeines Unbehagen übergeht. Das Gebirge sieht düster drohend ins Thal herab, der südliche und südöstliche Horizont mit gelb- und rothbraunem Saume eingefasst, warnt den Schiffer zur Heimkehr, die Möve, von dem plötzlichen Farbenwechsel der Seefläche verscheucht, flüchtet mit kreischendem Geschrei dem schützenden Ufer zu. Der See, schon im hellsten Grün, von kleinen schäumenden Wellen bedeckt, wechselt bald seine Färbung in tiefere, dunklere Tinten, — noch tiefe Ruhe, — plötzlich einzelne Windstösse; herab in die Ebene braust dann der Sturm! „Und in den unermess'nen Tiefen Erwachen Kräfte wunderbar. Und alle Schrecken, die da schliefen, Und alle Geister der Gefahr! Erst Geflüster, hohl und düster in den Wogen, Dann kommt’s lauter und vertrauter angezogen, Kleine Wellen, grüne Zwerge Werden Riesen, werden Berge, Schreiten auf der Wasserhaine, Geisterbleich in weissem Kleide!“ Den heftigsten Föhnsturm brachte der 18. Juli 18dl, Das nördliche Seeufer wurde stellenweise arg beschädigt, namentlich die Ufermauern und Steindämme des kgl. Schlosses in Friedriehs- hafen. Eine eigenthiimliche Schwankung des Seespiegels „Ruhss“ sei auch erwähnt. Es ist ein zeitweise plötzliches Aufsteigen und Siuken des Seeniveaus, und wird einer Wirkung von Strömungen auf dem Seegrund zugeschrieben. Der „Ruhss“ ist eine den „Seiches“ auf dem Genfersee ähnliche Erscheinung. (In Pr. Forels Schriften erläutert. Lausanne, Corhaz et Cie.) — Ein besonders starker Ruhss am 25. Febr. 1549 wird in einer Chronik des ConstanzerBürgermeistersCh. Schulthaiss beschrieben: „Uff diesen Tag war St. Mathys Abend; Morgens Früh ist der See an und abgeloffen, wohl einer Ellen hoch, dergestalt, so der See angeloffen, so ist er in der Welle schier bis zu der Spitals- egke heruffgangen. So er abgeloffen, ist er schier by der Stegen an der Fischbrugke erwunden, und so er klein worden, so ist er bald mit einem Ruschen, als ob das Gewell von dem Wind (welcher doch nicht war), getrieben wurd wieder angeloffen, und sölch’s ist etwa in ainer Stund vier oder fünfmal 13 geschehen, das hat also bis Nachmittag geweert. Aber je später es worden, je minder er an und abgeloffen ist. Dass hat menig- lich ain gross Verwunderung gehabt, denn niemant gewesen, der je gehört, dass dergleichen vorher hier geschehen seye.“ Eine weitere Erscheinung sehen wir in einem glatten, scheinbar unbeweglichen Streifen auf der See-Oberfläche, der namentlich vor der Rheinausmündung und am Untersee zwischen Ermatingen und der Insel Reichenau beobachtet wird. Dieses ist eine Strömung des Sees, und hat zu dem! Glauben Veranlassung gegeben, dass der Rhein durch den Bodensee „rinnt“, ohne dass eine Vermischung der Gewässer stattfinde. Da aber die Wirkung dieser Strömungen manchmal sogar die Dampfschiffe beim Anfahren an die Landungsplätze Rücksicht nehmen lässt, so dürfte dieses Phänomen, das auch den Wasserspiegel an den Ufern langsam hebt und senkt, mit einer Störung der horizontalen Lage des Seespiegels Zusammenhängen, welche entweder durch zeitweisen ungleichen Luftdruck auf dem Oberund Untersee, durch Temperatur-Verschiedenheit, oder durch plötzliches Aufhören kräftiger Winde hervorgebracht wird. Zu den interessanten, freilich seltenen, imposanten Naturschauspielen gehören die Wasserhosen, welche zeitweise bei starken Stürmen zu beobachten sind, wie dies am Morgen des 4. Juli 1872 geschah. Eine eigenthümliche, seltsam beleuchtete, schwarzgraue, jedenfalls mit Electricität stark geschwängerte Wolkenbildung mit lichtgelbem, scharf abgegrenztem Hintergrund lagerte über der ganzen Seefläche. Der See schien ruhig, dagegen machte sich in dem hie und da zipfelartig herabhängenden Gewölke eine starke westliche Windrichtung bemerkbbar, die sich zum Wirbelsturme bald ausgebildet hatte. Unter diesen meteorologischen Zurüstungen der Natur entwickelten sich während einer Stunde sieben Wasserhosen, von denen fünf zur vollständigen Ausbildung gelangten, und mindestens 4—500 Fuss hoch waren. Ein einziges Mal seit 20 Jahren hatte ich Gelegenheit, das seltene Phänomen einer Fata Morgana bewundern zu können. Vom Bregenzer Hafen beobachtete ich dieses Naturspiel. Das Lindauer Ufer war von einem leichten Nebelschleier bedeckt, als gegen 12 Uhr Mittags die Sonne mit grellem Lichte aus der Wolkenhülle trat, und eine eigenthümliche Färbung dem Gewölke verlieh. Die Nebeldecke vor Lindau, grell beleuchtet, zeigte Anfangs in ihrem Innern unbestimmte Umrisse, immer deutlicher werdend, nahmen sie bestimmtere Formen an, und präsentirten endlich getreu das Landschaftsbild der Landungsstelle von Hard mit Häuser und Baumgruppen, aber umgekehrt. Schon nach etwa 20 Minuten verschwand das Zauberbild mit dem sich verziehenden Nebel. Der Monat Februar bringt dem See den niedersten Wasserstand, da die colossalen gefrorenen Schneemassen auf den Bergen nahezu keinen Zufluss geben. Im Frühjahre, mit dem Steigen der Temperatur, mit dem Schmelzen des Schnees auf dem Mittel- 14 gebirge steigt allmählich der Wasserstand, und erreicht nach dem Schneeabgang auf dem Hochgebirge, gewöhnlich Ende Juni seinen höchsten Stand. Treifen dabei anhaltende Begengüsse zusammen, so tritt der See aus seinem Bette, wie dies die fürchterlichen Ueberschwemmungen in den Jahren 1277, 1343, 1511, 1566, 1720, 1739, 1770, 1817, 1868 und 1888 gezeigt haben. Zu den Seltenheiten gehört es, wenn der See ganz zugefriert, wie dies in den Jahren 1277, 1435, 1560, 1573, 1695, 1830 und 1880 der Fall war. Den 3. Februar 1880 feierten die Bewohner an dem oberen See das fünfzigjährige Eisjuhiläum mit vielen Belustigungen. Die auf der Eisdecke gedruckte „Bodensee-Zeitung“ bewahrt das Andenken an dieses Fest. So verschwenderisch die Natur diese Seegegend mit allem Beiz ausgestattet, ebenso reichlich sorgte sie für das Leben in den Tiefen des Sees. Bevor seine edelsten Bewohner vorgeführt werden, sei der liebenswürdige Leser in Vorhinein gewarnt, den kühnen Gedanken zu fassen, solche auf sein Menu zu setzen. Vielleicht — aber nur vielleicht — könnte der Hotelier solche Gelüste befriedigen. Vortheilhafter ist es gewiss ein „non possumus“ als Antwort zu erwarten, denn die edleren Fische werden zumeist weit in das Innere des Landes, oft bis nach Paris versendet, und die Seeufer-Bewohner haben das Nachsehen. Beinahe alle Arten der Süsswasserfische bevölkern die See- tiefe; darunter die Salmenfamilien, Blau-, Sand- und Kropffelche, die Seeforelle, bei den Flussmündungen die Fluss- und Alpenforelle, die Aesche, der Wels (bei zwei Meter Länge, 100 kg schwer), Hechte, Karpfen, Schleihen, der Barsch etc. Man zählt 26 Fisch- und 20 Schalthierarten. Das Ufer ist der Tummelplatz von ungefähr 70 Arten Wasser-, Strand- und Sumpfvögel, deren Bepräsentanten im Landesmuseum zu Bregenz zu sehen sind. Gross ist gleichfalls die Mannigfaltigkeit der Flora, welche beispielsweise beinahe vollständig alle deutschen Orchideen- Familien, nebst vielen Pflanzen der subalpinen Flora aufweist. Der amerikanische Consul Church in Bordeaux war der Begründer der Dampfschifffahrt auf dem Bodensee, König Wilhelm von Württemberg führte dieselbe energisch durch. Am 17. August 1824 wurde in Friedrichshafen in Gegenwart des königlichen Hauses und einer grossen Menschenmenge unter Glockengeläute, Geschützsalven und Musikfanfaren das erste Dampfschiff des Bodensees „Wilhelm“ vom Stapel gelassen; noch in demselben Jahre folgte „Max Josef“, von Privaten erbaut, 1831 die von der „Dampfschifffahrts-Gesellschaft für den Bodensee“ gebauten Dampfbote „Helvetia“ und „Leopold“. Nach und nach entwickelte sich die Dampfschifffahrt, kam aber erst nach ihrer Verstaatlichung zur vollen Blüthe. Wenn Oesterreich der letzte Staat war, der seine Flagge auf dem Bodensee entfaltete, ist dies nicht der Begierung, welche schon vor vielen Jahren auf die schwäbische Wasserstrasse aufmerksam, die Dampfschifffahrt einrichten wollte, sondern Einzelinteressen im Lande selbst 15 zuzuschreiben. Erst im Jahre 1884 bereicherte Austrias Flagge die Flotte des Bodensees, welch’ letztere gegenwärtig aus 40 Dampfschiffen, darunter 13 Salondampfer und zwei Schraubenpropeller besteht. Der Schiffspark ergänzt sich noch durch 12 Traject- kähne und 17 Schleppschiffe. Im Jahre 1869 wurde der erste Trajectverkehr zwischen Friedrichshafen-Romanshorn eröffnet, welchem 1874 jener zwischen Lindau-Romanshorn folgte, an den sich dann 1884 die Trajectlinien Bregenz-Friedrichshafen, Bregenz- Romanshorn und Bregenz-Constanz anschlossen. Diese stattliche Flotte, die an den Ufern einmündenden zehn Bahnlinien und ein weit verzweigtes Telegraphennetz, welches mittelst zahlreichen, unterseeischen Kabeln fast alle Uferorte verbindet, alle diese Factoren dienen zur wesentlichen Hebung des Handels und Verkehres, also zur volkswirtschaftlichen Wohlfahrt der Uferstädte. Was die Forschung der Bodensee-Gegend anhelangt, hat der „Verein für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung“ durch rastloses Wirken sich hervorragende Verdienste erworben. Und nun folge mir freundlicher Leser, in die lieblichen Gefilde des reizenden Ufers! III. Bregenz.*) Am Fusse des Pfänderstockes breitet sich, gegen den See abflachend, malerisch die östlichste Stadt des Bodensees, das anmuthig gelegene Bregenz, die Hauptstadt *) Hotels und Gasthöfe: Oesterreichischer Hof, Hotel 1. Ranges, am Landungsplatz, prächtige Aussicht (s. Inserat), — Montfort, Hotel 1. Ranges, gegenüber des Bahnhofes, Bäder im Hause (s.Inserat),— Kreuz, — Krone, —Europe neben dem Bahnhof, nächst des Sees, — Pension Pfänder, klimatischer Kurort am Pfänder, Telephon-Verbindung mit der Stadt, eigene Fahr- und Reitgelegenheit (s. Inserat), — Schweiz er - hof, — Gasthof und Brauerei „Zum Löwen“ (s. Inserat), — Tirolerhof, — Edelweiss, Lamm und Brauerei Pfänder. Gasthäuser mit Fremdenzimmer: Hirschen, — Heidelberger F'ass (s. Inserat), — Helvetia, sämmtlich mit Garten. Bahnhof-Restauration (G. Etteuberger): schattige Veranda im Parterre mit Gartenanlage, Speisesaal und Terrasse im 1. Stock mit freier prachtvoller Fernsicht auf See und Gebirge; günstiger Punkt zur Beobachtung des Sonnenunterganges. Separirte Speisezimmer, Lesezimmer mit Bibliothek, renomirtc Küche, echte Oesterreicher-, Ungarische-, Tiroler- und alle Sorten Ausländer 16 Vorarlbergs aus. Die letzten zwei Decennien brachten dieser Stadt, die von dem Herzen ihres Mutterlandes bis noch vor wenigen Jahren isolirt au der äussersten Westgrenze, gleichsam als österreichischer Vorposten stand, ein wunderbar rasches Emporblühen. Die 1872 eröffuete Vorarlbergerbahn brachte schon einen regeren Verkehr mit sich; als aber die Munificenz Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef das Gesetz, den Bau der Arlbergbahn, der österr. Dampfschifffahrt und Trajectanstalt auf dem Bodensee betreffend, sanctionirte, und damit einen neuen Beweis der väterlichen Huld und Fürsorge seinen Völkern geboten hatte, da ging Bregenz rasch seiner durch die Lage schon lange vorgezeichneten Bestimmung entgegen. Die österreichische Schutzzoll-Politik liess hier an der Grenze einen Gürtel von Fabriken, ausländischer Firmen entstehen, welche eine wohltliätige Rückwirkung auf die volkswirth- schaftlich-örtlichen Verhältnisse, als auch eine rasche Ver- grösserung der Stadt und Vermehrung der Einwohner in kurzer Zeit herbeiführten. Weine. Dreher’s Schwechater Bier vom Fass. Wiener Cafe und Gefrorenes (s. Inserat). Restaurationen: Försters Restauration, schattiger grosser Garten, Glassalon, im 1. Stock „Leseverein Austria“, — Cafe Austria mit Restauration, — Restauration am Berg Isel und auf dem Geb hard sberg, — Veranda, zwischen Bahnhof und Seehafen, — Schanze, — Wirthschaft am See, — Restauration D e g e 1 e, letztere 3 mit Garten, nächst der Seebäder. Biergärten: Försters Biergarten, — Hörburger, — Grunner, — Hirschgarten, — zum Hirschen (im Sommer Pilsener Bier), — Rose, — Bavaria, sämmtlich mit Kegelbahnen. Weinstuben: z. Altbürgermeister (Kinz), Telephon- verdindung mit dem Pfänder, — alte Weinstube, vis-ä-vis des Bahnhofes mit altdeutscher Einrichtung,— schwarzer Wallfisch mit Garten, — Fz. Ritter am Siechensteig mit Garten. Gefrorenes ist täglich bei den Conditoren Schindler und Bannmüller zu erhalten. Auskunfts - Bureau des deutschen und österreichischen Alpenvereins: In der Wagner’schen Buchhandlung (J. Webering), dortselbst grosse Niederlage von Reiseliteratur, deutsche, französische, englische Romane, Photographien von Tirol, Vorarlberg, der Schweiz, dem Bodensee, Schnitzereien und andere Andenken an die Alpengegend. 17 Südwestlich von Bregenz zieht sich ein Hügelzug, E r a oder Ae rat (im Volksmunde Oehlrain) genannt, gegen die Bregenzer- ach und verflacht sich an deren Ufer. Auf dem Aerat erbauten die Römer nach der Besiegung der Rätier und Vindelicier um das Jahr 40 vor Chr. Brigantium, welches bis in die heutige „obere Stadt“ sich verzweigte.*) An vielen Punkten beherrschten Castelle, See, wie Ebene und ein ständiges Kriegsgeschwader bewachte den brigantinischen See. Erst an der Wende des vierten Jahrhunderts, als die römische Herrschaft gebrochen, säuberten die Alamannen die Gegend von den römischen Eindringlingen. Neue blutige Kämpfe brachte die Völkerwanderung. Gegen das Jahr 450 vertrieben die Hunnen unter Attila auf ihrem Zuge nach Italien die Alamannen, zerstörten Brigantium vollkommen, und vernichteten jedes Andenken römischer Cultur. Um 476 beherrschte der Herulerfürst Odoacker die Gegend, aber schon nach 23 Jahren musste er dem Ostgothenkönig Theodorich weichen. Im sechsten Jahrhundert war Bregenz fortwährender Zeuge blutiger Fehden; die Kriegsfackel bedeckte das Land mit tiefen Wunden. Um diese Zeit (610) erschienen die ersten Glaubensboten Kolumban und Gallus mit 12 Gefährten, aus Irland kommend, auf Weisung des Priesters Willimar zu Arbon auf den Trümmern von Brigantium auf dem Gallenstein, am Fusse des Gebhardsberges, und predigten das Evangelium. Ein Zweig der alamannischen Grafen, „Königliche Sendboten“, erbaute auf dem Schutt des römischen Castelles auf dem Gebhardsberge eine feste Burg; sie nannten sich Grafen von Bregenz. Carl der Grosse verlieh ihnen unter anderen Privilegien auch jenes der Erblichkeit. In diese Zeit fällt der Bau von Alt-Bregenz, der heutigen oberen Stadt. Im 10. Jahrhundert beherrschten die Grafschaft Graf Otto, aus königlich fränkischem Geblüte mit seiner Frau Dietburga, die Eltern des hl. Gebhard, welcher am 7. August 949 geboren, 996 als Bischof zu Constanz starb. Jetzt kommen die Kämpfe mit den einbrechenden ungarischen Horden, dann die verheerenden Kriege zwischen den eigenen Grafen und Aebten von St. Gallen und Constanz, sowie die Fehden zwischen den Kaiserlichen und ihren Gegnern unter Heinrich IV. 1079 traf Bregenz der härteste Schlag, es brannte *) Schon vor ca. 150 Jahren wurden auf dem Oehlrain unterirdische Gewölbe mit Funden römischen Ursprungs gefunden. Seit dem Bestehen des Landesmuseura unternimmt dessen Obmann Dr. Jenny systematisch jährlich Blosslegungen von Ueberresten römischer Bauwerke. Zu einem der ersten Objecte, welches wieder das Licht der Sonne erblickte, zählt die römische Begräbnisstätte (117 m lang, 16—38 m breit) mit ca. 700 Grab- und mehreren Verbrennungsstätten, Die zahlreichen Funde von Münzen, Graburnen, Amphoren, Balsamfläschchen, Thonschalen, Glasvasen, Krügelchen, die meisten Gefässe mit Reliefdarstellungen (röra. Biga mit Rosselenker, Delphine, obscöne Bilder etc.) bereicherten in grosser Menge die Räume des Museums zu Bregenz. Unter den vielen Blosslegungen finden wir römische Bäder, sehr gut erhaltene Mosaikböden etc. Die römischen Gebäude zogen sich terrassenförmig bis beinahe zum Seeufer herab. Anlässlich eines Baues in der oberen Stadt stiess man im Jahre 1S87 auf die Ueberreste eines römischen Bades, — ein sicheres Zeichen, dass die obere Stadt einen Theil von Brigantium bildete. Bodensee. 2 18 vollständig ab. Abt Ulrich IV. von St. Gallen, der Gegner des Grafen Marquardt von Bregenz, hatte den Brand gelegt. Unter den folgenden Grafen von Montfort wurde die Stadt wieder aufgebaut, und gegen den See erweitert. Man kann den Ursprung des heutigen Bregenz in das 12. Jahrhundert setzen. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts verheerten die Appenzeller aufs neue die blühenden Fluren des Rheinthaies, bis sie den 15. Januar 1408 an den Mauern von Bregenz von den Bregenzern total geschlagen wurden, doch besiegelten Helvetiens Söhne ihre Unabhängigkeit vom Deutschen Reiche auf dem Schlachtfelde von Hard den 20. Februar 1499 durch den Sieg über die Kaiserlichen. 1451 ging die Herrschaft Bregenz durch Kauf an Oesterreich über. Der nun ausbrechende Bürgerkrieg brachte pestartige Krankheiten, Mord und Brand an die lachenden Gefilde des Bodensees. Kaum zur Ruhe gelangt, ertönt neues Kriegsgeschrei, dessen Echo in ganz Europa wiederhallt. Ritter und Bauer rüsten zur Abwehr. Bregenz wird noch mehr befestigt; Wälle, Schanzen errichtet, und getrost sieht man dem ersten Anprall des schwedischen Heeres entgegen. Verrath spielt die Rolle. Am Christtag des Jahres 1646 machte Wrangel einen Scheinangriff auf die Klause, während er mit der Hauptmacht, durch Kundschafter über den Pfänder geführt, die Befestigungen umgehend, zum See abstieg und Bregenz trotz der heldenmüthigen Vertheidigung des österreichischen Obersten Caspar Schoch, einnahm. 500 Wagen mit Kostbarkeiten im Werthe von vier Milionen Gulden, die man in der befestigten Stadt sicher glaubte, fielen in die Hände des Siegers. Gräuel und Mordthaten bezeichnen den Weg der schwedischen Soldateska. Hohenbregenz und die Festungswerke an der Klause wurden gesprengt. Noch ragt hie und da ein von Schlingpflanzen umwachsenes Gestein als Denkmal aus dem Erdboden, und klagt die Barbaren an. Fünfzig Jahre des Friedens vernarbten theilweise die Wunden des Krieges; wohl bringt der spanische Erbfolgekrieg zweimal Franzosen vor die Thore der Stadt. Den 6. November 1744 betheiligte sich die Bevölkerung an dem Sturm gegen die Klause, schlug und vertrieb den Feind, dessen Schandthaten die Geschichte ewig brandmarken wird. Der durch die französische Revolution angefachte Brand lodert auch an den Gestaden des Bodensees. Nach dem Baseler Frieden (1796) kämpft Oesterreich mit Süddeutschland allein gegen die Franzosen. General Paillard rückt nach dem Gefechte an der Laiblach (zwischen Bregenz und Lindau) und der Capitu- lation von Wellenstein in Bregenz ein. Unermüdlich kämpfen die Landessöhne unter Waibel von Sulzberg und Math. Frick, bis Bregenz wieder befreit ist. Bonapartes Zug nach Aegypten ruft die Russen in das Land. Nach den Schlachten von Uznach und Zürich ist Bregenz das Lager des russischen Heeres (45259 Mann mit 27375 Pferden). Nach der Rückkehr des Corsen von Aegypten rasselt wieder die 19 Kriegsfurie. Die Franzosen unter Laval nehmen die Besatzung von Bregenz gefangen; trotz der aufopfernden Verteidigung des Volkes bleibt Vorarlberg bis zum Friedensabschluss (1801) im französischen Besitze. Nach fünfhundertjährigem Zusammenhänge mit Oesterreich erfolgt (13. März 1806) die Uebergabe Vorarlbergs an Bayern, um nach acht Jahren wieder an Habsburg zurückzufallen. Die zahlreichen Schlachtfelder sind nun dem Landwirthe wieder gegeben, freisinnige Gesetze ermuntern das intelligente Volk Vorarlbergs; Eisenbahnlinien durchschneiden als belebende Verkehrsadern das Land, und die innige, aufrichtige Freundschaft der erlauchten Häuser Hahsburg und Hohenzollern sichert, langen Frieden verheissend, die Wohlfahrt der Völker. Auf römischen Fundamenten erhebt sich auf dem Oehlrain die protestantische Kirche, an deren Fusse der evangelische Friedhof die Heimgegangenen zur ewigen Ruhe aufnimmt. Hier haben der Dichter Alfred Meissner und der Jugendschriftsteller A. W. Grube ihre letzte Ruhestätte gefunden. Wenden wir uns der Stadt zu, so erreichen wir auf der alten Strasse das 1636 erbaute Kapuziner-Kloster, denkwürdig von den Schwedenkriegen, wo es als Lazareth der Verwundeten und als Zufluchtsstätte aller Nothleiden- den unter dem besonderen Schutze des sonst grausamen Feldherrn Wrangel stand. Die hoher gelegene Pfarrkirche zum St. Gallus kommt schon in einer päpstlichen Bulle von 1196 als eine Mehrerau’sche Pfarre vor. Vor der Kirche erhebt sich, Ehrfurcht gebietend, das ernste Denkmal des Feldmarschall- Lieutenants Freiherrn von Hotze und Max Grafen von Punket, welche (22. September 1799) auf dem Schlachtfelde zu Schönnis den Heldentod fanden. Dem für das Vaterland hoch verdienten Apellationsrathe Dr. Anton Schneider ist beim Kircheneingang ein Denkstein gewidmet. Die Pfarrkirche war 1477 ein Raub der Flammen geworden; nur der im arabisch-gothischen Geschmacke auf geführte Thurm ist als Andenken des früheren Baues zurück geblieben. Das Hochaltar, ein Stolz der Stadt, wurde als anerkennendes Zeichen der Treue und Anhänglichkeit an das Herrscherhaus während des österreichischen Erbfolgekrieges von der grossen Kaiserin Maria Theresia gespendet. Das Gemälde am Hauptaltar, die anbetenden Hirten vor 2 * 20 dem Christuskinde, ausgeführt von Hermann, dem Alten, sowie die „drei Könige“ sind geschätzte Gemälde. Im Schiffe des Hochaltars zeichnen sich die aus der Mehrerauer Kirche — während des bayrischen Interregnum (1806) — geretteten, kunstvoll geschnitzten Chorstühle aus. Unter anderen Bildhauerarbeiten erregt der historische Denkstein des Yertheidigers von Bregenz, des Obersten Caspar Schöch, seiner ■ tragikomischen Inschrift wegen allgemeines Interesse. Von den Kirchenschätzen nennen wir ein aus massivem Silber verfertigtes Hochaltar (1472 vom Baron Deuring gestiftet), die von Maria Theresia gewidmete silberne, mit 72 Edelsteinen belegte Monstranz, ein Kruzifix von Ebenholz aus dem 14. Jahrhundert u. s. w. Um die Kirche lagert der alte Friedhof; von hier geniesst man einen freien Blick auf die obere Stadt, besonders auf das Schloss, der früheren Kesidenz der Grafen von Bregenz, jetzt von dem beliebten Romanschriftsteller Robert Byr bewohnt. Mit diesem Gebäude verbunden, sieht auf See und Thal die gloriettartige Veranda „Meissner’s Ruhe“ herab. Dort sammelten sich die mächtigen Gedanken des grossen, heimgegangenen Dichters Alfred Meissner, der es so meisterhaft verstand, sie rosig geformt hinzuhauchen, aber auch mit glühendem Griffel niederzuschreiben. Zwischen Friedhof und der oberen Stadt im Thale „Töbele“ liegt in ungesunder Lage das Dominikane- rinnen-Kloster Thalbach. Hugo III. von Montfort stiftete mit seinem Bruder Otto, Bischof von Constanz, 1422 ein Frauenkloster auf dem Hirschberge (1090 m, Culminationspunkt des Pfänderstockes). Als 1462 ein Blitzstrahl das Gebäude zerstörte, erbauten die Nonnen das Kloster Hirschthal in Kennelbach, und da auch dieses 1796 abbrannte, eilten sie dem 1783 aufgelösten Franzis- kanerinnen-Kloster Thalbach zu. Von der Pfarrkirche gelangt man in einer halben Stunde zur Wallfahrtskirche am Gebhardsberg. Der Weg dahin gehört gewiss zu den schönsten Spaziergängen. An der mit allem Luxus ausgestatteten, im französischen Style gehaltenen, von schönen Parkanlagen umgebenen, gräflich Raczynsky'sehen Villa vorbei, er- 21 reicht man auf einer guten Fahrstrasse, die sich in sanfter Steigerung durch schattige Waldungen hinaufzieht, den Bergesgipfel. Für den Fussgänger sind von dem Verschönerungs - Vereine bequeme Ruhestationen angelegt, welche je höher gelegen, einen desto freieren Blick auf den See gestatten. Endlich verkündigt weit ausgebreitetes, epheuumranktes, altes Gemäuer, angeschüttete Wallgräben , Ueberreste längst vergangener Zeiten, dass das Ziel der Wanderung bald erreicht ist. Auf einem vorspringenden, überhängenden Felsen des 595 Meter hohen Berges steht das Gasthaus, weiter im Hintergründe die 1723 erbaute Gehhardskirche. Von der Altane der Restauration überrascht uns ein wunderbares Bild, ein Panorama, das würdig zu beschreiben, die Worte fehlen. J. F. Castelli, von dem überwältigenden Eindruck der grossartigen Landschaft bezaubert, die zu seinen Füssen lag, besingt sie mit tief empfundenem Herzen: „Und hätt’ ich einen Feind auf dieser Erde, Jetzt komm' er, dass er mir zum Bruder werde!“ i r | 22 »Du glücklich Volk, das hier in diesen Auen Die ganze Welt in einem Punkt kann schauen!“ Die Verherrlichung des Gebhardsberges schliesst er mit den Worten: „Wer dies gesehen, kann unbekümmert sterben, Pür’s Auge hat er nichts mehr zu erwerben!“ — Uns zu Füssen breitet sich das liebliche Eheinthal aus, durchflochten von dem Silberbande des Kheins; überall entfalten sich herrliche Ländereien, Städte und Ortschaften in malerischer Gruppirung geben der. Landschaft unendlichen Reiz, einzelne auf höheren Punkten gelegene Schlösser und Klöster mit ihren Türmen, Zacken und Giebeln erheben die Scenerie zum bunten Bilde. Die wilde, mehrfach überbrückte Bregenzerach rast am Fusse des Berges dahin; die Luftwellen bringen das brausende Getöse der Wogen, gedämpft und geläutert, als harmonische Musik hinauf in die Höhe; — gemischt mit den ernsten Glockentönen der Kapelle — mahnt sie unwillkürlich, selbst den Ungläubigen, zur Andacht, zur Anbetung des allmächtigen Schöpfers all’ dieser Pracht. Die Schönheit des hier vor unseren Blicken entrollten grossartigen Panoramas sucht ihresgleichen. In seiner ganzen Herrlichkeit liegt das schwäbische Meer mit seinen Buchten, üppigen, einem einzigen Garten gleichenden Ufergestade von Bregenz bis Constanz, vor uns. Im Osten und Süden ist das Bild von abfallenden Bergesketten abgeschlossen, über welche die Riesen der Vorarlberger- und Schweizer-Alpen ragen. Zur Linken die meist schneebedeckten Kuppen der Canisfluh (2041 m), das Hoch- älple, in bewaldeter, vorgeschobener Hügelkette der besuchte Wallfahrtsort Bildstein, hoch darüber die Mörzeispitze (1827 m), der Hohen-Freschen (2002 m), die Staufenspitze, die hohe Kugel, der Gallina- kopf (2196 m), der Callanda (2808 m), die drei Schwestern (2098 m), die Kette der grauen Hörner (Glaserhorn 3206 m, Gamsberg 2365 m), die Kurfürstengruppe (Schönblank 2270 m, Rosienfirst 2120 m). In einer Höhe von 2435 m erhebt sich der Altmann, an dem der 2504 m hohe Sentis sich reiht. In grauer Ferne Hohen-Bregenz. rvr'^3'^ J f / C jr ’'smM iis- ypa j&M8i Trachten aus dem Bregenzer Wald. fluh — Au — Bezau 6 Stunden — mit Stell wagen nach Schwarzach oder Dornbirn. (In Mellau Führer und Proviant nehmen. Auf der Canisfluh wächst Edelweiss.) 33 Der Bregenzerwald ist reich an Mineralquellen. Eisenhaltige Bäder in Reut he und Fahl bei Andelsbuch, Schwefelbäder in Schwarzenberg und Hopfreben bei] Schoppernau. Das Bad Kor len bei Hittisau enthält alkalisch-erdige Theile, und jenes in Hinteregg alkalisch-salinische Stoffe. Diese heilenden Mineralbäder, sowie das äusserst gesunde Klima, ziehen jährlich zahlreiche Besucher an. • So originell das Land in seiner Bodenbeschaffenheit, ebenso eigenartig sind auch Natur und Charakter der „Bregenzerwälder“. Unter seinem Dache lässt der „Wälder“ keinen Unterschied des Standes gelten, und nur ungern gebraucht er das modern gewordene „Sie“. In stolzer Haltung prägen seine markigen Glieder um so fester sich aus, und lassen ihn als echten Sohn des Gebirges erkennen. Graziös und verständig, lieblich und ihres Werthes bewusst, gefällig und mittheilsam, frei in den Manieren, doch streng sittlich, ordnungsliebend und äusserst reinlich, — das ist das bezaubernde Wesen der üppig gebauten „Schmelgen“ (Mädchen), deren zarte Formen aber eine originelle Tracht keusch verhüllt. Viele, in anderen Gegenden schon vergessene Volkssitten haben hier bis heute sich erhalten, so das „Stubentgehen“, ■die „Hochzieter“, die „Schmelge mit dem Schöppele“, die Kirchweih und der Fasching mit dem „Spilit“ und „Usigiga“, die volksthümlichen Sitten bei Geburten, Trauer-Anlässen u. s. w. Eigentümlich ist die Tracht der Bevölkerung, besonders | der Frauen und Mädchen. Die Kleidung der letzteren besteht t aus einer schwarzen, ärmellosen „Juppe“ von Glanzleinwand, in I unzählig viele — 700 bis 1000 — Falten zusammengelegt. Den f Hals umschlingt ein schwarzsammetener „Goller“, in dessen Mitte ' ein goldgestickter Brustfleck sich befindet; die Taille umschliesst ein glanzlederner Gürtel mit zierlichen, silbernen Schnallen. Um die Mitte der Juppe zieht sich von der Taille abwärts, ein hellblauer, schmaler Saum. An diese schliesst ein schwarzes Tuchmieder an, welches längs des Rückens mit einem schmalen, feingewirkten Goldstreifen „Kotei“ verziert ist; ähnliche Goldstreifen tragen die Achseln. Die Aermel, den ganzen Arm verhüllend, bestehen aus verschiedenfarbigen, oft Seiden- oder Sammet-Stoffen. Der grüne oder schwarze Unterrock endet mit grossen, rothen Tuchzacken. Als Kopfbedeckung dient im Winter eine runde, schwere Pelzkappe; im Sommer ein breitkrämpiger, schwarzer Strohhut mit langen herabhängenden Bändern. Bei besonderen Gelegenheiten trägt die Frauenwelt die eigenthümliche, einem umgestürzten, kleinen Milchkübel ähnliche „Koppe“von schwerem Wollstoffe. Bei festlichen Anlässen wird das „Schöppele“ ij aufgesetzt, das ist ein Reif von schwarzem Sammet mit einer aus t Filigranarbeit von Gold, Silber und farbigen Steinen zusammengesetzten kleinen Krone. Dieses „Schöppeli“ bezeichnet den Stand der Jungfrau. Die Wälderin ist stolz auf ihr National- costüm, und haltet treu und fest darauf; einen modernen Anzug nennt sie „fremdhösig.“ Bodensee. 3 34 IY. Das Nordufer des Bodensees. Wir betreten das Deck des elegant ausgestatteten österreichischen Salonbootes „Kaiserin Elisabeth“,*) eines stattlichen 54 m langen Schilfes, dessen Maschine mit 550 indicirten Pferdekräften arbeitet, und von sanften Wellen gewiegt, werfen wir kurz vor der Abfahrt auf die schönste Landschaft des schwäbischen Meeres den letzten Blick. Yor uns steht die majestätische Alpenkette, im Vordergrund der imposante Pfänder, auf dessen Höhen wir heute noch den Sonnenaufgang bewunderten. Es waren herrliche Stunden! Das Morgenroth kleidet die Alpenlandschaft in ein rosaleuchtendes Brautgewand, die schlummernde Natur erwacht, von hundertfältigem Jubelgesang der befiederten Sänger begrüsst. Ein wunderbares Präludium von Tönen und Tinten zeigt uns die Nähe des erwachenden Tages an, bis die Sonne hinter den erglühenden Alpenkuppen in voller Majestät hervortritt, und in den azuren Lüften schwebend, Berg und Thal mit ihren milden Strahlen beglückt. Ein schriller Pfiff — das Schiff setzt sich in Bewegung; unsere Rundfahrt um den See, an dessen nördlichem Ufer beginnend, verlassen wir den Hafen von Bregenz. Die grosse Kaserne mit dem Officiers - Pavillon, welche seit Jahren ein Kaiser-Jägerbataillon aufnimmt, das ausgebreitete Fabriks-Etablissement für Leder- und Schuh-Industrie mit dem imposanten Springbrunnen, die Villen Auersperg und Fairholm ziehen vor uns vorbei, bis der Blick an dem alterthümlichen Turm an der Klause (siehe geschichtliche Daten über Bregenz) und einer weit in den See blickenden Gloriette „Graven- reuths Ruhe“ gefesselt bleibt. Dieser Ruheplatz wurde *) Die Restaurationen der öster. Dampfboote besorgt die Restaurations-Unternehmung an den k. k. Staatsbahnen (G. Etten- berger, Bregenz und Feldkirch), Wiener Küche, Schwechater Bier etc. (s. Inserat). 35 von der Stadt während der bayrischen Herrschaft dem damaligen Gouverneur von Vorarlberg, Grafen von Graven- reuth aus Dankbarkeit für sein humanes Vorgehen gewid- „ met. Der Sonnenuntergang, von diesem Punkte betrachtet, ? entfaltet ein wunderbares Bild. Der Glanz der untergehenden Sonne theilt den See durch eine Flammenstrasse, während sich das Abendroth in hundertfachen Nuancen auf der Seefläche wiederspiegelt; oft ist die ganze Landschaft in gelbbräunlicher Beleuchtung, deren Nachahmung jeder Kunst spottet. Oberhalb des Gloriettes steht im geschmackvollen Style die Villa Gravenreuth. Die Pfänderkette flacht sich nun immer mehr ab, und weicht dem Thale der die österreichisch-bayrische Grenze bildenden Laiblach. Die Ortschaften Lochau, Hörbranz, Hohen- weiler, das Cistercienserinnen-Kloster Gwiggen liegen zerstreut in der Ebene, während vom Bergesgelände Schloss Hofen, schon 1293 als Curia bezeichnet, in das blühende Thal herabsieht. Dort wurden die Fastnacht-, Maien- und Herbst-Gerichte unter freiem Himmel abgehalten. Oestlich auf steilen Felsen, in Mitte eines hochromantischen Gebirgskessels, stehen die Ruinen der Ruggburg, und gewähren die herrlichste Aussicht. Als römischer Wartthurm erbaut, von den Alamannen zerstört, erscheint Ruggburg im Mittelalter als Sitz der Edlen dieses Stammes. Im 15. Jahrhundert hauste dort als Raubritter Hans von Rechberg. Erst 1452 gelang es den schwäbischen Ständen, dieses Raubnest zu schleifen. Indessen sank das Tagesgestirn unter den Horizont und Dämmerung trat ein. In verschwommenen Umrissen sehen wir Unterhochsteg, die hart am See gelegene Villa Leuchtenberg, und all’ die Lustschlösschen, welche den Rangierbahnhof mit Lindau verbinden. Im electrischen Lichte strahlend, erreicht unsere „Elisabeth“ die Höhe der in ausgebreiteten Parkanlagen gebetteten Villa Amsee des Prinzregenten Luitpold von Bayern und jener des Grossherzogs von Toscana, f Wir sind in die Nähe Lindaus gelangt. Wie ein märchen- " 3* haftes Feenschloss, das in ein Flammenmeer sich senkt, und in dessen Tiefen wiederspiegelt, so steht die alte Inselstadt vor uns. „Aus des Meeres tiefen, tiefen Grunde Klingen Abendglocken dumpf und matt, Uns zu geben wunderbare Kunde Von der schönen, alten Inselstadt!“ Lindau.*) Die alte Inselstadt Lindau, mit 5400 Einwohnern, bedeckte ursprünglich drei Inseln, deren Canäle, ausgefüllt, jetzt ein einziges Eiland bilden, welches mit dem Festlande durch eine 219 m lange Brücke und den 550 m langen Eisenbahndamm in Verbindung steht. Lindau (Curtis Lintowa), römischen Ursprungs, zeigt als Denkmal dieser Zeiten bei dem Landthore die sogenannte Heidenmauer, einen Rest römischer Befestigungen; die Stadt theilte damals das Schicksal der meisten Orte der Bodensee-Gegend. Im Jahre 1275 vom Kaiser Rudolf von Habsburg zur freien Reichsstadt erhoben, gehörte sie 1370 dem schwäbischen Städtebunde an, und war der Schauplatz blutiger Fehden der Bürger gegen die Patrizier und den Adel. Kaiser Maximilian I. rief 1496 zur theilweisen Reorganisirung der Reichskammer-Gesetzgebung einen Reichstag in Lindau ein, und verweilte auch *) Hotels u. Gasthöfe: Bayrischer Hof, zwischen Bahnhof und Hafen am Landungsplatz, Hotel ersten Ranges, — Hotel und Pension Reutemann am Hafen. — Hotel Greiner zur Krone mit Terrasse, — Lindauer Hof und Helvetia am Seehafen, beide mit Pensionen, — Sonne am Reichsplatz, — Lamm (Schafgasse). — Restaurationen: Schützengarten mit einladendem Garten, grosser gedeckter Halle. Prachtvolle Aussicht auf den See uud das Vorarlberger-Schweizer-Gebirgspauorama, — Bahnhofsrestauration, — Inselbrauerei mit Braustübchen nahe dem Bahnhof, — Wein Stube von Rupflin beim Schützengarten, — Seegarten am Hafen, — Gärtchen an der Hauer, mit Sommertheater, zwischen Landthor und Eisenbahn brücke, — Gasthaus zum Hirschen an der Landstrasse. Gefrorenes ist täglich bei den Conditoren Hauser und Schneider zu haben. 37 während des ™ ,'iiz. ar 7 •:» friP&iffcH? St; •i&M j], p 3. SÄniÄ ''Ü£$ ä Schwabenkrieges j (1497—99) längere Zeit dort- selbst; das kaiserliche Hofl ager war im adeligen Damenstift aufgeschlagen. Nicht unbe- 1 rührt blieb Lindau von den | Wirren der Refor- i mationszeit. Mit Constanz, Memmingen und Strasshurg vereinigte sich 1530 ' Lindau zur Confessio tetrapoli- tana, trat dem Schmalkalden- ( Bunde bei, wurde ■1 aber wegen Nicht- ( annahme des Interims vom Kaiser Carl V. mit grossen Geldstrafen ' belegt. Die Be- : festigungen von Lindau stammen grösstentheils aus der Zeit des 30- jährigen Krieges. Unter tapferer Mitwirkung der Bürger wurde von der kaiserlichen j Besatzung die Belagerung durch die Schweden unter Wrangel j abgeschlagen. 1803 erhielt der Fürst von Brezenheim Lindau Lindau. 38 als Entschädigung, 1804 kam es an Oesterreich, der Pressburger Frieden brachte es 1805 an Bayern. Die einst reiche Stadt hatte durch des Krieges Wechselfälle allmählich den Wohlstand verloren; erst nach den napoleonischen Kriegen erholte es sich wieder, und steht heute in voller Blüthe. In Lindau garnisonirt das dritte Bataillon des 3. bayrischen Infanterie-Regimentes. Heidenmauer. M i ui : JyJ Der Hafen von Lindau, einer der schönsten des Bodensees, hat eine reizende Lage; die Einfahrt bezeichnet ein 32 m hoher, im gefälligen Style gehaltener Leuchtturm, und als bayrisches Hoheitszeichen der von Halbig aus Kehlheimer Marmor gehauene, 78000 kg schwere bayrische Löwe. An den Hafen schliessen sich Parkanlagen, hinter denen eine Reihe von Hotels und Gärten ihren Platz finden. 39 Gleich bei der Landungsstelle begrüsst den Ankommenden das erhabene Monument König Max II., von den zwanzig an der bayrischen Südnordbahn von Lindau bis Hof gelegenen Städten ihrem Monarchen aus Dankbarkeit gewidmet. Der König, sprechend ähnlich, in der Hubertus- Ordenstracht, erhebt sich aus einer Gruppe allegorischer Figuren. In Mitten des Hafenufers bildet der alte Leuchtturm in alterthümlicher Bauart einen auffallenden Contrast zu der Keihe moderner Häuser, welche den iiäÄjs? gSÜgsj • «IS*! Hafeneinfahrt in Lindau. Hafen einschliesst. Feenhaft ist der Anblick der Hafenfront während der glänzenden und beliebten „venetianischen Nächte“, welche der gemeinnützige Verein von Lindau zur Sommerzeit (Gondelfahrt, Illumination, Feuerwerk, Musik etc.) zu veranstalten pflegt. In der Maximilianstrasse, der schönsten Zeile der Stadt, steht das alte Rathhaus. Dieser ehrwürdige, 1422—1436 im gothischen Style errichtete, 1578 massvoll in Deutsch-Renaissance umgesetzte Bau, wurde unter Lei- 40 tung des Architecten, Professors Friedrich Thiersch, 1886 bis 1888 auf den Stand des Jahres 1578 zurückgeführt. LJ»,-. g;0H w£m ii« iiliMi msän Kl'**'*?'. Eathhaus in Lindau. Das Erdgeschoss birgt die Requisitenhalle der Feuerwehr. Im Hauptgeschosse befinden sich ein Repräsentation^- und Diebsthurm. der Sitzungssaal (einst die „grosse“ und „kleine Rathsstube“), im Obergeschoss ist das Museum und das vormals reichsstädtische Archiv untergebracht. Zwei Riesen- 42 Säulen, die eine aus Stein, die andere aus Eichenbäumen gefügt, zieren das Erdgeschoss. Die Säle, in welche man durch mittelalterliche und Eenaissance-Portale tritt, zeigen über Wandvertäfelungen gewölbte Riemendecken mit reichen, alten Schnitzereien im Style der Spätgothik und mittelalterliche Oefen. Im kleinen Saale sind die Fensterbögen bemalt. In der äusseren Erscheinung ist das Rathhaus durch bildlichen Schmuck und ein köstliches Glockentürmchen gehoben. Beide Giebelfa^aden sind unter Anwendung der Wasserglastechnik vom Kunstmaler Jos. Wid- mann in München reich bemalt, welcher Künstler den Stoff zu seinen bildlichen Darstellungen aus der Geschichte der Glanzzeit Lindaus, der ehemaligen freien Reichsstadt, geschöpft hatte. An derselben Gassenseite ladet das 1385 erbaute Sünf- zengebäude, im 14. Jahrhundert die „Trinkstube der Junker“, jetzt ein Vereinslocale, zum Besuche ein. Den Vorplatz schmücken die Wappen aller seit 1730 bestandenen Patrizierfamilien von Lindau. Zu den ältesten Bauwerken gehört auch die jetzt als Magazin benützte Peterskirche mit noch sichtbaren Erescomalereien. In der Nähe dieses einstigen Gotteshauses steht als Andenken an das 13. Jahrhundert der gut erhaltene Diebs- oder Malefizturm. Die aufgelassene Barfüsserkirche birgt die ziemlich umfangreiche, alte, reichsstädtische Bibliothek mit interessanten Manuskripten aus der Reformationszeit, dann vorlutherische deutsche Bibeln u. s. w. — Dortselbst haben neuestens auch Thalia und die Musen ihren Tempel aufgeschlagen. Unter den noch vorhandenen Wandmalereien soll das „jüngste Gericht“ als werthvolles Frescogemälde gelten. Recht nette Anlagen umgeben den vor einigen Jahren von Professor Friedr. Thiersch und Bildhauer Rümann aus München in Marmor und Erzguss hergestellten Monumentalbrunnen am Reichplatz. Für Seebäder ist in Lindau besonders gesorgt. Gut eingerichtete städtische Badeanstalten für Damen und Herren, sowie ein sehr besuchtes türkisches Bad, russische Dampfbäder etc. machen die Inselstadt zu einem beliebten Kurort. 43 Den Marktplatz zieren zwei friedlich neben einander stehende Gotteshäuser, die protestantische aus dem 12. Jahrhundert stammende, mit schönen Glasmalereien ausgestattete St. Stephanskirche und die katholische Marien- oder Stiftskirche mit verschiedenen Grab- und Denksteinen der gefürsteten Aebtissinnen. Das gegenüber liegende Damen-Stiftsgebäude beherbergt heute die königlichen Aemter. Weiter schreitend, erreichen wir die bereits erwähnte Heidenmauer. Einladende Parkanlagen breiten sich hier bis zum Landthor (1846 erbaut) aus, auf deren linken Seite einfach, aber ernst das Kriegerdenkmal an die Heldensöhne aus Lindau erinnert, die 1870—71 für deutsches Recht kämpfend, mit unsterblichem Ruhm bedeckt, auf Frankreichs Boden den Heldentod starben. Rechts bietet die hart über den See aufsteigende Terrasse des vielbesuchten Schützengartens die herrlichste Aussicht gegen Bregenz. Die beliebtesten Ausflüge von Lindau sind jene nach dem eine halbe Stunde entfernten, altrenommirten Bad Schachen und auf den Hoierberg. Bad Schachen ist nicht ein Vergnügungsort für Lindau allein, denn dort findet im Sommer aus Nah und Fern alles zu einem Monstre-Rendez-vous sich ein. Die begünstigte Lage, die freundliche Umgehung, die genussreiche Aussicht, alles trägt dazu bei, Schachenbad zu einem Lieblingsaufenthalt der Fremden, zu einer gern besuchten Sommerfrische zu gestalten. Eine geringhaltige Schwefelquelle speist die dortigen Wannenbäder, und praktisch eingerichtete Seebäder laden zur Kühlung ein. Die gute Omnibus-Verbindung mit der Stadt und andere Fahrgelegenheiten zu Land und zu Wasser vereinigen im Sommer zahllose Gäste. Nicht minder besucht ist der rebenbewachsene Hoierberg (2 Restaurationen), und der Ringelsberg, die Lindau nächstgelegenen Aussichtspunkte. In dreiviertel Stunden gelangt man zum Belvedere des Schlösschens, das die Berghohe beherrscht. Die reizende Landschaft zu unsern Füssen gleicht einem grossen, üppigen Garten. Gegen Westen begrenzt im Dunstkreise den Horizont der Hohentwiel im Hegau, der Turm des Constanzer Münsters wird noch 44 vom Auge erreicht; während an den Ufern in noch undeutlichen Umrissen Friedrichshafen, dann aber immer deutlicher Langenargen und Nonnenhorn hervortreten, bis der Blick bei der Landzunge von Wasserburg und dem friedlich hingestreuten Enzisweiler im stark markirten Lichteffecte ruhen bleibt. Zahlreiche Schlösschen, Villas, und Parkanlagen verbinden diese Landschaft mit dem östlichen Panorama, welches auf einer mit Obstbäumen bepflanzten Hügelkette das Bild von Aeschach, Reutin und andere Orte uns vorführt, um bei der Laiblach in die Ebene überzugehen. Bei Lochau steigt die mächtige Pfänderkette, mit dem Gebhardsberg abschliessend, empor, an deren Fusse das terrassenförmig gelegene Bregenz anmuthig lagert. Die weitere Fortsetzung des Ausblickes bildet die schloss- ähnliche Mehrerau, von wo das Ufer gegen Rorschach, Arbon und Romanshorn fortziehend, zuletzt Constanz erreicht; während der Hintergrund die Riesen der Vorarlbergischen- und Schweizer-Alpen bilden. Die schneebedeckten Kuppen des Scesaplana, die Kette der grauen Hörner, der Kurfürsten- und Sentisgruppe bilden den lebhaftesten Contrast zu den im üppigsten Grün prangenden Vorbergen. Inmitten dieser Pracht liegt aber wie eine Perle in prächtig schimmernder Muschel das liebliche Lindau. Der Hoierberg ist der einzige Punkt, welcher diese Inselstadt zur würdigen Anschauung bringt. Vor ihm entfaltet sie ihren ganzen Liebreiz. Bald schaukeln uns wieder neckische Wellen, — der Kurs führt westwärts. Villegiaturen in blühenden Anlagen bilden eine reizende Staffage des Seeufers. Wir ziehen beim Lindenhof vorbei; eine tiefschattige Lindenallee blickt träumerisch in den See. Durch einen in satten Farben prangenden Park getrennt, ragt über den mächtigen Baumkronen die im italienischen Style geschmackvoll gehaltene Villa Gruber hervor, an welche sich ausgedehnte, hohe von tropischer Flora überreiche Glashäuser anschliessen. Am westlichsten Ende des Parkes steht in einem Haine von Trauerbäumen, von gelieimnissvoller Stille umgeben, das Denkmal des Gründers (Fried. Aug. Gruber) dieses kleinen Paradieses. Der Eintritt ist jeden Freitag unentgeltlich, an den andern Tagen mit Ausschlufs des Sonntages gegen 45 Entrichtung einer Gebühr von einer Mark (Eintrittskarten in allen Hotels) gestattet. Grossartiger in ihrer Bauart ist die nächst gelegene Villa Alwind gehalten, deren blühende Beete und schattigen Anlagen freundlich herüber winken. Nach zwanzig Minuten dauernder Fahrt hält das Dampfboot vor Wasserburg. Wasserburg. Auf einer kleinen Halbinsel gelegen, ist dieser Ort nordwärts durch das grosse Dorf Mitten begrenzt. Die alte, durch einen hohen Quai geschützte Pfarrkirche, in Mitten des Friedhofes, der die Ueberreste des Stuttgarter Componisten Lintpointner birgt, enthält interessante Aufzeichnungen über Wasserstände und Eisbedeckungendes Sees. In begünstigter Lage, am Ufer mit hervorrspringender Terrasse und herrlicher Aussicht auf die Schweizerberge, liegt Hotel und Pension Hornstein (Wannen- und Seebäder) ; beliebt ist auch A i c h 1 e r s Restauration. Zu einem angenehmen Spaziergang ladet das eine halbe Stunde entfernte, an einer Bucht gelegene Nonnenhorn ein. Unmittelbar vor Kressbronn (Gasthaus zum Schiff), welchem wir zusteuern, zieht die bayrisch-württembergische Grenze sich hin. Kressbronn, obwohl eine Haltestelle der Dampfschiffe, beansprucht nur während des Sommers einige Bedeutung, wo der Zug der Sommergäste reges Leben in die sonst stille Gegend bringt. Malerisch hingestreut, lagern längs des Ufers und weiter landeinwärts zahlreiche Weiler und Häusergruppen, wie Thunau,*) Schnaidt, Reute, Gohren u. s. w. Das Dampfboot führt uns an der breiten, canalisirten Mündung der bei Immenstadt entspringenden wilden Argen vorbei, die bei anhaltendem Regen viel Gerolle mit sich führend, S den Uferbewohnern schon oft gefährlich wurde, t In zwanzig Minuten landen wir in Langenargen. *) Thunau, früher Ettenried, erhielt seinen Namen von der Gräfin Thun, Gemahlin des Grafen Anton von Montfort, deren Liehlingsort Ettenried war. 1728 stiftete dieselbe dortselbst eine Kaplanei. 46 Langenargen.*) Langenargen mit 1200 Einwohnern, bestehend aus dem alten, früher befestigten Oberargen, und dem erst nach dem 15. Jahrhunderte nach und nach erbauten Unterargen, zieht sich, von obstreichen Gärten umgeben, anmuthig längs des Ufers hin. In maurisch-italienischem Style, auf einer künstlich mit dem Festlande verbundenen Insel, liegt, reich an Vergangenheit, Schloss Montfort, und erinnert unwillkürlich an das liebliche, und doch so ernste Miramar, an die ==£T'J *2 Schloss Montfort. kunstvolle Schöpfung des unglücklichen Kaisers Max von Mexico. Montfort — Bergesfeste —, so stolz wie Dein Karne, so gebieterisch und furchtlos blickst Du in die brausenden Wellen. Das Geschlecht Deiner Beherrscher, zwar ist es ausgestorben; doch verkündet Dein steinern Haupt, in den Lüften ragend, den herrlichen Gauen den erhabenen Namen „Montfort“, den sie einst getragen. Ein eigener Zauber lagert über der Insel; noch lange fesselt sie unsere Blicke, und macht uns empfindungslos gegenüber den blühenden Ufergefilden, die an uns vorbei *) Gasthöfe: Schiff, von der Altane herrliche Aussicht auf den See, — Löwen, — Krone. 47 eilen. Riesige Coniferen streiten bei Schloss Montfort mit den mächtigen Trauerbuchen, deren Yerästungen eine melancholische Laube bilden, um den Vorrang der Schönheit; die üppigste Flora bringt ein eigenes Colorit in die anziehenden Baumgruppen. Fürwahr, Montfort gleicht einem Märchenschloss, in dem, als gütige Fee, Prinzessin Louise von Preussen residirt. Die innere Ausstattung des Gebäudes ist königlich. Meisterhafte Stuckaturarbeiten umgeben allegorische Wand- und Plafondmalereien, antike, künstlerisch ausgeführte Porzellan-Kronleuchter, alte Majolika-Gegenstände, und solche aus altem Meissner Porzellan schmücken die Käume dort, wo die luxuriösen Möbeln einen Platz freiliessen, — überall fürstliche Pracht, wohin das Auge sieht. Und doch verschwindet diese vor der Grossartigkeit der Natur, die so verschwenderisch dieses Eiland umgiebt. Der Schlossturm vermittelt eine wunderbar schöne Fernsicht. Gleich einer Feste, am Berge gelehnt, liegt ostwärts Bregenz. Helvetiens Ufer, überragt von mächtigen Alpenketten, entfaltet bis Constanz seine Reize. Im Westen winkt traulich Montforts liebliche Schwester, das üppige Eiland Mainau. Die von Schiffen durchfurchte Seefläche selbst belebt dieses Landschaftsbild. Leider ist der Eintritt in das Prunkschloss Montfort, dem Lieblingsorte Ihrer königlichen Hoheit, in den Monaten Juli, August und September, also in der Sommersaison, der Anwesenheit der hohen Frau wegen nicht gestattet. Nach blossgelegten Fundamenten zu schliessen, standen an der Stelle des Schlosses zwei römische Wachttürme. Nach Urkunden vom Jahre 773 fanden im heutigen Montfort, der ehemaligen Residenz Argen der Grafen des Argenaues, die öffentlichen Gerichte statt. Schloss und Insel wurden durch die Wechselfalle der Kriegszeiten zerstört und verwüstet; erst in der Mitte des 14. Jahrhunderts baute Graf Wilhelm von Montfort die zerfallene Burg wieder auf. 1556 erscheint Argen als Festung, mit einer Schlange, acht Falkonetten und Falkonettleins, sowie mit einer Büchse vertheidigt. Im dreissigjährigen Kriege beherbergte Argen die Schweden; 1720 wurden die Festungswerke geschleift, und das Schloss vom Grafen Anton von Montfort neu hergestellt. Graf Ernst, der ihm folgte, schlug hier seine Residenz auf. Unter Oesterreichs Regierung erhielt dieser Edelsitz eine profane Bestimmung. Dort, wo einst idyllische Feste die Höchsten des Landes versammelten, wo der Freudenpocal credenzt wurde, 48 dort traf im Criminal-Gefängnisse die Verbrecher der Bezirke Wasserburg, Argen, Schomburg und Tettnang die gerechte Strafe. 1810 verkaufte die bayrische Staatsverwaltung das Schloss zum Abbruch um 2100 Gulden. Erst König Friedrich von Württemberg, die prachtvolle Lage würdigend, begann den Bau des heutigen Schlosses. König Carl beendigte ihn, und gab dem Schlosse zum Andenken an die früheren Herrscher dieses Landstriches den Namen „Montfort“. Langenärgen besitzt gute Badeanstalten, und ist im Sommer stark besucht. Das Dampfboot führt uns nun an der Mündung der bei Schussenried entspringenden Schüssen vorbei, an deren jenseitigen Ufer, bekränzt von einem Obsthaine, lieblich Eriskirch sich eingebettet hat. Die alte, baufällige Kirche ist ein Anziehungsobject vieler Alterthumsforscher. Die Dampfmaschine signalisirt die Einfahrt in den Hafen, wir werfen noch einen Blick auf den S e e w a 1 d mit seinen mächtigen Tannen, — nach 35 Minuten Fahrzeit landen wir im stattlichen Friedrichshafen. Friedrichshafen.*) Friehrichshafen mit 3300 Einwohnern, besteht aus der früheren Reichsstadt Buchhorn, der Neustadt und dem königlichen Schlosse Hofen. *) Hotels und Gasthöfe: Hotel und Pension „Deutsches Haus“, altrenominirtes Haus 1. Banges, mit allem Comfort, neu eingerichtet, in schönster Lage, unmittelbar am oberen Hauptbahnhofe und 7 Minuten vom Hafen entfernt, mit grossem Garten am See und herrlichster Aussicht auf das Alpenpanorama, 70 vorzüglichen Betten (von 1 Mark 50 Pf. aufwärts). Bestaurant, Lese- und Billard-Zimmer, Salons und Badezimmer. Für Passanten mit längerem Aufenthalte (Pension) besonders geeignet, Massige Preise. Service in den modernen Sprachen. Bahnhof- Hotel, grosser Bestaurationsgarten, gegenüber des Post, Telegr.- und Telephon-Bureau (s. Inserat). — Krone, mit Garten am See, — „König von Württemberg“, in der Nähe des königl. Schlosses, mit schöner Aussicht, — Müller (früher Bauch) am Hafen, mit Garten, — Dreikönig, — Bad, — Sonne, — Seehof, mit Garten und Seebäder. Restaurationen: Kursaal mit schönen Parkanlagen, — Bahnhof-Restauration, — Kesenheimer, mit Garten am See, — Stern, mit Wannen- und Seebäder, — Schwann, mit schattigem Garten, — Lamm, mit Garten am See, — Türkisches Bad. 49 Wo heute Stadt und Schloss im lieblichen Reize das schwäbische Ufer zieren, dort umschattete in grauer Vorzeit ein mächtiger Buchenwald die Gestade des „Bodanus“. Nach Urbarmachung des Bodens entstand in der Lichtung des Waldes ein „Burgesäss“, welches schon in Urkunden des Jahres 837 als Buachihorn und Puhihorn vorkommt. Jedenfalls war es eine an der Stelle des heutigen Königsschlosses erbaute Burg der Grafen des Linzgaues. Ulrich V. war der erste Linzgauer, der sich Graf von Buchhorn nannte. Unter Kaiser Friedrich Barbarossa steht Buchhorn mit den welfischen Besitzungen in Oberschwaben unter Hohenstaufischer Herrschaft, und wurde nach dem Falle der letzteren zur Reichsstadt erhoben. Nach Sitte der damaligen Zeit, um möglichst die Rechte auszunützen, prägte Buchhorn i-\ v Friedrichshafen. eigene Münzen, welches Recht aber der schwäbische Reichstag (1704) wegen des schlechten und geringen Metallgehalt aufhob. 1363 wurde beinahe die ganze Stadt ein Raub der Flammen. Buchhorn theilte im dreissigjährigen Krieg das traurige Schicksal aller Orte, wo keine Fesseln die Greulthaten der Kriegsfurie hemmten, die Schweden plünderten, die Truppen von Weimar raubten, und der Commandant von Hohentwiel nahm, was übrig blieb. So blickte Buchhorn am Friedensschluss arm und verödet in die Zukunft. Im Jahre 1802 unter bayrischem Scepter, gelangte es 1804 an Oesterreich, und ging endlich 1810 im bleibenden Besitz von Württemberg über, dessen Regierung die grosse Schuldenlast von 97,000 Gulden gegen Abtretung von 400 Morgen des Seewaldes und der herrschaftlichen Einkünfte übernahm. Das königliche SchlossHofen, früher ein Kloster, wurde 1130 umgebaut, und kam als Priorat sammt der 919 erbauten Andreas-Kirche an die Abtei Weingarten, welche 1695 Kloster Bodensee. 4 f.'- na SB E3 ',ISB |(3 Gfl ;@l I» s S |@) ß gg E3 *V.'4 : Ifilfei? P-Ä/ST, ■s?» «*y ; f - 51 und Kirche neu herstellte. 1803 ist Hofen im Besitze von Nassau- Oranien, 1804 finden wir es unter österreichischer und 1805 unter württembergischer Regierung. In das Jahr 1811 fällt die Vereinigung von Buchhorn und Hofen unter den Namen „Stadt und Schloss Friedrichshafen“, worauf erst die zwischen beiden gelegene Neustadt entstand. 1812 wurde nach Auflassung der Landungsstellen in Buchhorn und Hofen ein Freihafen gebaut, und zum Andenken an König Friedrich, dem Förderer des Handels und Verkehrs „Friedrichshafen“ genannt. Obwohl j Friedrichshafen schon damals eine commerzielle Bedeutung hatte. | da der Verkehr mit der Schweiz ein sehr reger war, so kam diese erst unter König Wilhelm zur rechten Geltung. Wie bereits erwähnt, war Württemberg der erste der Seeufer-Staaten, welcher schon 1824 die Dampfschifffahrt einführte; es war aber auch der erste Staat, welcher die handelspolitische Bedeutung erkennend, die erste Eisenbahn an der schwäbischen Wasserstrasse ausmünden liess, indem er 1847 Friedrichshafen durch einen Schienenstrang mit Stuttgart verband, und durch.die 1869 entstandene Trajectanstalt eine directe Handelsstrasse von Deutschland in die Schweiz eröffnete, die jetzt durch die Gotthardbahn bis nach Italien eine Fortsetzung findet. Eisenbahnen verbinden Friedrichshafen auch mit Sigmaringen-Tübingen, mit Waldsee- Wangen etc. Der Seehafen gelangte seit der Bahneröffnung durch wiederholte Erweiterungen zu seiner heutigen Grösse. Der 1862 erbaute, schöne Leuchtthurm musste schon nach zwanzig Jahren wegen Baufalligkeit abgetragen werden. Als Leuchtthürme dienen heute zwei elegante, eiserne Pavillons. Das königliche Schloss, mit dem kunstvoll angelegten Parke, seit 1824 Sommer-Residenz der königlichen Familie, bildet einen Hauptanziehungspunkt für alle Fremden. Wir wählen die Nachmittagsstuuden von 2—4, während welchen die Hoftafel abgehalten wird, und der Eintritt in den Park gestattet ist, zu dessen Besuche. Das Portal bewachen zwei grosse französische, vor Paris 1870 erbeutete Kanonen, ein Geschenk Weiland Kaisers Wilhelm I., der fast jährlich bei seiner Rückkehr von der Insel Mainau die königliche Familie hier zu begrüssen pflegte. Inmitten des herrlichen Parkes liegt das Schloss, an welches sich die Schlosskirche, jetzt evangelische Stadtkirche, anlehnt. Lange, hohe Corridore deren Fenster werthvolle, aus verschiedenen Zeitepochen stammende Glasmalereien enthalten, durchziehen das Schloss ; hauptsächlich ist die Renaissance hier vertreten. Den Speisesaal zeichnen geschmackvolle Frescomalereien (von Gegenbauer) aus. ^ * 52 Wir finden im Königsschlosse keine überladene Pracht, und doch erscheint jeder Platz ebenso anmuthig wie einladend, ebenso erhaben wie traulich, ebenso majestätisch wie gemüthlich. Von der Freitreppe des Schlosses aus geniesst der Besucher den Anblick eines wunderbaren Panoramas, das See und Alpenwelt so harmonisch vereinigt. Tausende Rosenbäumchen in ihrem von Gotteshand gewobenen, in unzählbaren Farben strahlenden Florakleide bilden theils bezaubernde Gruppen, theils weisen sie, allein stehend, zu schattigen Alleen, zu künstlichen Felspartien. Springbrunnen erfrischen die mit seltenen Pflanzen ausgestatteten Blumenbeete; — hier parkartige Waldesgruppen, kleine dem Süden abgerungene Kastanienhaine, dort riesige Mammuthhäume, Erzählungen aus alter Zeit belauschend, von welchen die vielhundertjährige Buchswand zu flüstern scheint. Elegante, von Schlingpflanzen umwachsene Pavillons unterbrechen die Anlagen und laden im Vereine mit vielen andern Ruheplätzen zur Bewunderung all’ des Liebreizes ein. So ausgestattet ist der Lieblingsaufenthalt der königlich Württembergischen Majestäten, welche gleich Höchst- ihren erlauchten Vorfahren Friedrichshafen mit Wohlthaten beschenkten. Die Rosenpracht des Königsparkes findet in der Stadt köstliches Pendant; hundertfach prangt die königliche Lieblingsblume im Parke des Reichen, die Rose schmückt in mannigfaltigen Nuancen den Garten des Bürgers, und umschliesst seihst die Hütte des Armen mit poesievollem Reiz. Zu den Sehenswürdigkeiten von Friedrichshafen gehört das in der Friedrichstrasse liegende Alterthum s- Museum des Vereines für Geschichte des Bodensees und seiner Umgehung, welche Gesellschaft mit unermüdlichem Fleisse ihren Forschungen obliegt, und wie die Sammlungen zeigen, glänzende Resultate erzielte. Die Sammlungen bestehen aus Alterthümer der prähistorischen Zeit (Werkzeuge und Waffen aus Stein, Horn und Bronce, — Funde aus den Pfahlbauten), aus Alterthümer der Römer-Niederlassungen im Bodenseegebiet, aus Alterthümer germanischen und mittelalterlichen Ursprungs, aus Münz-, Wappen- und Siegelsammlungen, aus Karten und Abbil- 53 düngen von historischer Bedeutung, aus Urkunden, Beschreibungen und Bücher, aus der naturhistorischen Sammlung des Bodenseegebietes, und endlich aus Schriften von über hundert Vereinen, mit denen der Bodensee-Verein im Wechsel verkehre steht. Während der Sommersaison ist das Museum dem Besuche (Eintritt 50 Pfennige) täglich von 10 bis 12 Uhr Vormittags geöffnet; doch ist der Custos des Vereins gern bereit, auch ausser diesen Stunden die Thore des Alterthum- Tempels dem Besucher aufzuschliessen. Sehenswerth ist die 1650 erbaute katholische Stadtpfarrkirche St. Nikolaus in der Altstadt. Das Innere, neu restaurirt, enthält schöne Glasmalereien und Wandgemälde. Unstreitig verfügt Friedrichshafen gegen andere Uferstädte des Bodensees über die meisten zweckmässig eingerichteten Badeanstalten. Ausser zwei grösseren und mehreren kleineren Seebädern, nennen wir das nächst dem Schlosse gelegene türkische Bad des Dr. Leibold mit römisch-irischen Bädern, russischen Dampfbädern, kalten und warmen Douchen, wo auch Electricität und Massage angewendet wird. Das der Stadt gehörige Kurhaus mit freundlichen Anlagen und schönster Aussicht trägt ebenso zum angenehmen Aufenthalte der Sommergäste bei, wie der Verschönerungs-Verein bestrebt ist, Kuheplätze auf den schönsten Aussichtspunkten herzustellen, und durch Anlagen oder Verbesserung von Wegen zugänglich zu machen. Durch Aufstellung des monumentalen Brunnens zwischen der Olga- und Friedrichstrasso hat dieser uneigennützige Verein ein schönes Denkmal seiner Thätigkeit geschaffen. Wohin das Auge sich wendet, überall gewahrt es, dass ein hoher Gönner seine huldreiche Hand dem Volke geöffnet, welchem frühere Zeiten harte Wunden geschlagen. So bleibt auch das 1856 von Ihrer Majestät der Königin Pauline gegründete höhere Mädchen-Erziehungs-Institut „Paulinenstift“ stets ein ehrendes Monument fürstlicher Munificenz im Weichbilde von Friedrichshafen. Glücklich der Fürst, dem Gott die Wundergabe verlieh, ein Volk in aufrichtiger Liebe um sich zu schaaren; 54 glücklicher aber das Yolk, sock’ einem Herrscher untertlian zu sein ! So anmuthig die kleineren Spaziergänge, so interessant und belehrend sind die grösseren Ausflüge. Zuerst führen wir den Fremden in das allerliebste, nächst Friedrichshafen gelegene, 90 Morgen grosse Olgawäldchen. Wer ist nicht entzückt über dieses kleine Paradies, welches Ihre Majestät die Königin Olga angekauft, zu einem prächtigen Waldpark umgeschaffen, und der allgemeinen Benutzung eröffnet hatte. Riesige Laub- und Nadelhölzer breiten ihre mächtigen Arme aus, den vielen Ruheplätzen und gefällig- angelegten Fuss- und Fahrwegen Schatten zu spenden. Ein sehr beliebter Spaziergang führt nach dem eine Stunde entfernten, auf einer rebenumwachsenen Höhe postirten Dorfe Berg. Yon der nächst der Kirche gelegenen Restauration lohnt eine grossartige Fernsicht auf See und Alpen die Wanderung. Man gelangt von hier in das romantische Theuringer-Thal mit den Weilern Unter- und Obertheuringen, und kehrt über Ailingen und Jettenhausen nach Friedrichshafen zurück. Einladend sind die Ausflüge über die Trautenmühle (15 Minuten) nach dem ehemaligen Dominikanerinuen- Kloster Löwenthal, oder über die alte Römerstrasse nach Hochstrass und weiter nach Waggershausen; dort prachtvolle Aussicht auf See und Gebirge. Gern besucht wird das dreissig Minuten entfernte St. Georgen, wohin ein schattiger Weg führt. Weitere Ausflüge: Mit der Bahn nach Meckenbeuren (30 Minuten), dann zu Fuss (40 Minuten) oder mit Wagen nach Tettnang, wo 1787 der letzte Sprosse der Grafen von Montfort starb. Sehenswerth in Tettnang ist Schloss Montfort mit schöner Schlosskapelle (jetzt evangelische Kirche). Der Bachussaal enthält beachtungswerthe Plafond-Gemälde aus der Herkulessage. Die Gemälde- Sammlung des Hofrathes Dr. Moll (Präsident des Bodensee- Vereines) mit Montfort-Portraits von der Künstlerin Angelika Kaufmann aus dem Bregenzerwald, sowie eine Sammlung von über tausend auf die Bodensee-Gegend Bezug habende Original-Pergament-Urkunden ziehen viele Fremde an. Lohnend ist der Ausflug nach Ravensburg, mit 55 ; der Bahn in 30 Minuten zu erreichen. Auf dem Schloss- • berge (Veitsberg) ragen die Kuinen des Stammschlosses der ! Welfen, der alten Ravenspurc oder Rabenburg empor. Von dem 1884 erbauten Aussichtsturm weite Fernsicht. Von Ravensburg angenehmer Spaziergang, mit Ueberblick des Schussenthales, nach dem 50 Minuten entfernten Weingarten, dessen St. Martinkirche im Renaissancestyle und Kreuzform gebaut, die Gruft der alten Welfen enthält. Nach massgebendem Urtheile ist die Kirche eine der schönsten dieses Styles in Deutschland. Die Räume des einst so mächtigen, reichen Klosters beherbergen heute die Garnison von Weingarten. Zu den schönsten Partien zählt jene nach W a 1 d b u r g. Von Friedrichshafen mit der Bahn nach Ravensburg, dann Stunden zu Fuss, oder Benutzung des Wagens. Schloss Waldburg, Besitz des Fürsten von Wolfegg, auf einem von Fichten und Tannen bewachsenen Hügel, zeigt eine jener wenigen mittelalterlichen Burgen, welche das Auge immer mit andächtiger Bewunderung betrachtet. Würdig steht diesem Ausfluge jener nach Wolf egg zur Seite. Dort ist das 1647 von den Schweden zerstörte, 1687 wieder erbaute, fürstliche Schloss mit dem sehr ausgebreiteten, prachtvollen Parke das Ziel unserer Wanderung. Das Innere des Schlosses ist königlich ausgestattet, der colossale Rittersaal mit den von Waffengruppen umgebenen Standbildern Waldburg’scher Ahnen kann in der That als ein historisches Mosaikbild der Schicksale dieses erlauchten Hauses angesehen werden. Die grossen Waffen-, Gemälde-, Kupferstich- (einige tausend Blätter) Sammlungen, die aus 12000 Bänden bestehende Bibliothek, endlich die Sammlung von Schnitzereien, Mosaikarbeiten, Glasmalereien verdienen besonders hervorgehoben zu werden. Befriedigt verlassen wir das alte Buchhorn, das neue, rosenbekränzte Friedrichshafen und dampfen gegen Meersburg. Schloss und Park verschwinden bald dem Sehkreise, um anderen freundlichen Landschaftsbildern Platz zu machen. Obstreiche Fluren, saftige Wiesen umsäumen das Ufer, über welches mächtige alte Weiden die Zweige zum Silberspiegel des Wassers senken. Dahinter liegt, unterbrochen von Obsthainen, das lieb- 56 liehe S e e m o o s. Eine Abwechslung in der Scenerie bildet das Dunkelgrün des Tannenwaldes, der jetzt in den Vordergrund tritt, und bei Manzell endet, wo die weitläufigen Oeconomie-Gebäude der königlichen Meierei sich ausbreiten. Manzell ist von Friedrichshafen in dreiviertel Stunde zu erreichen; sowohl der angenehme Spaziergang durch den schattigen Wald, als auch die vorzüglichen Producte der Sennerei (Milch, Butter, Käse) machen diesen Punkt im Sommer zu einen beliebten Ausflugsort. In einigen Minuten wird man Fischbach an der württembergisch-badischen Grenze gewahr, in dessen Nähe Beste von Pfahlbauten gefunden wurden. Das Dampfboot wendet dem Ufer zu und landet nach halbstündiger Fahrt in Immenstaad, dem ersten badischen Orte. Einen eigenthümlichen Beiz verleihen dieser Gegend die Schlösser, welche längs des Ufers malerisch, bald aus schattigem Parke, bald aus blühendem Garten auf den See hinabsehen, so Helmsdorf, das einstige Heim des Minnesängers Conrad von Helmsdorf (jetzt Brauerei), das dem Fürsten Salm- Reiflerscheidt gehörende Schloss Herschberg, und ausserhalb der grossen Bucht, welche zwischen Langenargen und Immenstaad das Ufer zurückdrängt, das zu einer grossherzoglichen Sommerresidenz hergestellte Kirchberg. Wir erreichen Hagnau; der See verengt sich, und wir dampfen, nach 70 Minuten langer Fahrt, der alten, aus der Zeit der Merovinger stammenden Felsenstadt Meersburg zu, deren 1852 erbauter Hafen uns gastlich aufnimmt. (Grösste Seetiefe zwischen Meersburg und Allmannsdorf 181 Meter.) Meersburg.*) Meersburg, eine der ältesten historischen Städte am Bodensce, mit 1800 Einwohnern, liegt in einer besonders begünstigten Lage, malerisch im Felsen gebettet, mit wundervoller Aussicht von den Schlössern. Gegenüber von Meers- *) Gasthöfe. Untere Stadt: Schiff, mit grösseren Räumlichkeiten, — Seehof, See- und Wannenbäder, — wilder Mann, mit Biergarten am See, — Hecht, gute Meersburger Weine. Obere Stadt: Löwe, — Bär. 57 bürg das alte Constanz mit dem Münster, der aus dem See emporzusteigen scheint, im Hintergrund die obstreichen Fluren und dunklen Wälder Thurgaus, im Osten die dem Meere gleichende Seefläche, westlich der reizende Ueber- linger-See mit seinem kostbaren Kleinode, der Insel Mainau; das ist das Panorama, das von Meersburg aus sich entfaltet. äii Jijii'iiij riiitianfFB i. «r® xj n? is t>j !■ •Hii: m» t Hanoi Meersburg. Meersburg, früher Mercesburg genannt, besteht aus zwei Stadttheilen. Jedenfalls ist die untere Stadt älter als die obere. Diese an Schicksalen reiche Stadt wechselte oft seine Dynastie. Zuerst im Merovingischen Besitze, ging Meersburg an die Welfen, dann an die Hohenstaufen über. Oonradin von Schwaben, der letzte dieses Stammes, unternahm 1267 von hier seinen unglücklichen Zug nach Italien gegen Carl von Anjou, von dem er nicht mehr heimkehrte. Ende des 14. Jahrhunderts wurde Meersburg von Ludwig dem Bayern belagert, theilte nach manchen Schicksalsschlägen mit den andern Uferstädten die Unbillen des 30jährigen Krieges, bis es nach dem Frieden von Lune- ville 1802 an Baden kam. 58 Das alte, schwer zugängliche Schloss weist verschiedene Bauperioden auf. Der austrasische Merovinger Dagobert hatte, einer Chronik zufolge, den sogenannten Dagobertturm dem alten Schlosse angebaut, 1334 liess Bischof Siicolaus von Ken- zingen den die Burg umgebenden Felsen sprengen, um ihr, als isolirt stehend, eine grössere fortificatorische Widerstandskraft zu verleihen, 1805 wurden die vier runden Ecktürme von Bischof Hugo von Breitenlandenberg und die andern Gebäude hergestellt. 1838 kam das Schloss in den Besitz des Freiherrn Josef von Lassberg, genannt „Meister Sepp von Eppishusen“, des unermüdlichen Forschers altdeutscher Literatur. Seine, an werthvollen, altdeutschen Handschriften reiche Bibliothek war ein Magnet, der die berühmtesten Forscher anzog. Lassbergs Schwägerin, Anna von Droste-Hülshof, die bekannte deutsche Dichterin, wählte auch Meersburg bis zu ihrem Lebensende f l 848) zum Aufenthalte, die Poesie pflegend, die sie mit meisterhaften Schöpfungen bereicherte. Meister Sepp folgte seiner Schwägerin 1855 ins stille Grab, und neben einander auf Lor- beern gebettet, ruhen beide in Meersburgs geweihter Erde. — 1877 beherbergte das Schloss, als Eigenthum des Freiherrn Mayer von Mayerfels, des bekannten Heraldikers und Alterthumsforschers, antike Schätze, die nach dessen Tode 1883 veräussert wurden. Oede stehen jetzt die Räume, wo ehemals Kunst und Wissenschaft ihren Tempel aufgeschlagen hatten. Dem alten Schlosse gegenüber erhebt sich das 1750 vom Bischof Anton von Sickingen erbaute neue Schloss, als dessen letzter Bischof Theodor von Dalberg, der spätere Fürst-Primas des Rheinbundes, genannt wird. Heute dient es den wohlthätigen Zwecken einer Taubstummen-Anstalt. Ausser des zunächst liegenden Schullehrer-Seminars, früher bischöflichen Seminars, wollen wir noch das Rathhaus erwähnen, in dessen Kellereien vorzügliche, alte „Meersburger“ lagern. Die Meersburger Gegend ist überhaupt das Weinland des Bodensees und erzeugt die besten Seeweine. Der „Edelstein“, der „Kaiser st ein“ mit der Kaisereiche, das „Wetterkreuz“, das „Glaserhäusle“, zu dem man über den Döbeliweg gelangt; alle diese Orte werden der herrlichen Fernsicht wegen gern besucht. An diese Partien reiht sich würdig der Ausflug über Salem nach Heiligenberg. Ein zweieinhalbstündiger, angenehmer Spaziergang führt von Meersburg nach Salem, dem früheren Salmansweiler, das 1134 Guntram von Adels- reuthe als Cistercienser-Abtei errichtet hatte. Unter Hohen- staufischer Herrschaft erhielt dieses Convent viele Rechte 59 und wurde von Carl IV. mit der Reichsunmittelbarkeit belehnt. 1706 neu umgebaut, ist es heute ein markgräflichbadisches Schloss. Die Schlosskirche, aus dem 14. Jahrhundert stammend, enthält kunstvoll geschnitzte Kirchenstühle, ein Tabernakel aus dem 15. Jahrhundert, eine sehr gelungene Steinarbeit und andere Kostbarkeiten. In Salem residirten vierzig Bischöfe, deren erster Frowin 1165 starb; als letzter Kirchenfürst wird Caspar Oexle (f 1820) erwähnt. Das 690 m hohe Heiligenberg ist von Salem fünfviertel Stunden entfernt. Das Schloss ging 1277 von dem letzten „Heiligenberger“ Berthold, Bischof von Chur, auf die Grafen Werdenberg-Sargans kaufweise über, und fiel durch Heirat an die Grafen von Fürstenberg. 1598 umgebaut, wurden am Schlosse bis in die neueste Zeit Ver- grösserungen vorgenommen. Das stattliche Gebäude enthält hundert Gemächer und zwei Kirchen, deren eine die gräfliche Gruft einschliesst. Sehenswerth ist der grosse, getäfelte Rittersaal, ein Meisterstück deutscher Renaissance mit reichen Schnitzereien und Glasgemälden, sowie die neu restaurirte Schlosskapelle mit dem von Professor Heer in Carlsruhe kunstsinnig ausgeführten Altarbilde „mater dolorosa“. Vortreffliche Wandmalereien von Lud. Seitz aus Rom und prachtvolle Schnitzarbeiten zieren diese Gott geweihten Räume. Eine viertel Stunde vom Schloss entfernt, stand die „alte Burg“ der Heiligenberger, von hl. Conrad für den jeweiligen Schirmvogt des Constanzer Bisthums erbaut. Durch einen schattigen Wald gelangt man auf diesen Platz, den jetzt ein geschmackvoller, aussichtsreicher Pavillon krönt. Gegen Süden schweift der Blick über die von den Thurgauischen Vorbergen begrenzte schwäbische Meeresfläche, östlich erhebt sich der Basaltkegel Höwen. Hinter diesem liegt die ganze Gebirgslandschaft von der Wand des schwäbischen Jura bis zum Dreifaltigkeitsberge bei Spaichingen vor unserem Blicke entfaltet. Weit hinten in verschwommenen Umrissen thronen die höchsten Gipfel des südlichen Schwarzwaldes, während von Südost die Vorarlberger und Schweizer-Alpenkette gegen Thurgau ziehend, den See umkränzt. Heute erfreut sich Heiligenberg als beliebter Luftkurort eines lebhaften Zuspruches. 60 V. Der Ueberlingersee. Meersburg verlassend, dampfen wir in den mit herrlichen, meist steil ansteigenden Uferlandschaften eingeschlossenen U eh erlin ge r-See. Was der Übersee an grossartigem geboten, findet sich hier im kleinen lieblich vereint. Das Ufer bis Ueberlingen, meist mit Weinreben bewachsen, aus denen niedliche Häuschen herausblicken, hat einen unendlich anmuthigen Eeiz. Bald drängen sich steile Felsen bis zum See, bald sind die Ufer von bewaldeten, sanft ansteigenden Hügeln oder Weingeländen eingefasst; dort stürzen Bäche und Flüsse dem Gestade zu, alles unterbrochen von zahlreichen Orten und Gehöften. Links erhebt sich die holde Mainau, deren Hafen uns bei der Rückfahrt aufnehmen wird. Malerisch gelagert ziehen Unter-Uhldingen, Seefelden, 0 ber-Uhldingen und die Pfahlbautenstation Nussdorf an uns vorbei, bis wir nach ein- stündiger Fahrt in Ueberlingen landen. Ueberlingen.*) Ueberlingen hat eine vielbcwegte, begebniss- und glorreiche Geschichte, deren Aufzeichnungen bis in das siebente *) Hotels und Gastliöfe: Städtisches Badhotel, Hotel I. Banges, grosser am See gelegener Garten, nächst der städtischen Anlagen, 100 Fremdenzimmer und Salons, Wannen und Douchebäder. Näheres im Prospect, der gratis versendet wird. Löwe, Hotel und Pension, sehr empfehlenswerthes Haus, nächst dem Landungsplätze am Seeufer. Von der Veranda genussreicher schöner Anblick auf den See und Alpen. Comfortabel eingerichtete Zimmer, grosser, luftiger Speisesaal. Table d’höte und ä la carte, Cafestube, warme Bäder im Haus, Seebäder in nächster Nähe. Krone, — Schiff, — Engel,—Anker,— Adler, — Wildermann. Restaurationen und Weinstuben: Beck, Schäpfle, Hölle, Bachstein, Traube. Brauereien und Bierwirthschaften: Birkenmeyer in hoher Lage, prächtige Aussicht vom Garten, Waldschütz, — Babe, — Ochs, — zum Koloss, — Burth (alle mit Garten), — Joh. Keller, — zur Hölle, — Hofstatt, — Rose, — Reisig, — Bickel etc. Conditoreien: Backstein, — Hummel, — Stegmaier. 61 Jahrhundert reichen. Jeder Ueherliuger kann stolz auf diese Vergangenheit zurückblicken. Eine Biographie des hl. Gallus (775) erwähnt Ueberlingen „Iburninga“ als Sitz des alamannischen Herzogs Gunzo (615). 1180 bis 1268 unter der Regierung der Hohenstaufen, kam es 1268 schon als Stadt an das Reich. Rudolf I. verlieh ihr verschiedene Privilegien und Freiheiten, welche seine Nachfolger bis 1384 allmählich vermehrten, bis Ueberlingen 1397 reichsunmittelbar wurde. Von diesen Privilegien hat sich bis heute der bedeutende Kornmarkt als eine Haupterw'erbsquelle der Bevölkerung erhalten. jSSt* i ■ . . •r ' * ; ! •■%--- &äsäsä>äAä>ä>äAikäAA Bregenz am Boden see. Hotel Oesterreichischer Hof. Einzig in unübertrefflicher Lage am Landungsplätze der Dampfschiffe und in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes gelegenes Hotel I. Banges. Prächtige Aussicht auf See und Gebirge. Comfortable Einrichtung. Grosse geschützte Veranda. Table d’hote. Caffee. Billard. Pension je nach Uebereinknnft, Ermässigte Preise für die Herren Geschäftsreisenden. Grösste Reinlichkeit. Unter persönlicher Leitung des Besitzers Arnold Tliöneu. Bregenz 1887. Silberne Yereiusmedaille lies landi»irthsc]inffliclicn Vereines in Vorarlberg. Silberne Staats- medaillc des kaiserl. köuigl. Aekcrban-Jiinisterinnis. Georg Etienberger Restaurations - Unternehmung — an den kaiserl. kiinigl. österr. Staats-Bahnen. — Comptoir und Kellereien Bregenz am Bodensee neben dem Hotel Montfort. Inhaber der Restaurationen in den Bahnhöfen Bregenz und Feldkirch, sowie derjenigen aul‘ den k. k. österr. Bodensee-Dampfbooten. Coniplete Diners in und ausser dem Hause werden prompt ausgeführt. Anfertigung und Versandt aller Sorten Pasteten nach Strassburger Art. Assortirtes Engros-Lager in gewöhnlichen und feinen Tiroler, Oesterreicher und Ungar-Weinen. Depot für Champagner: von Moet & Chandon, Epernay: Heidsieck Co M Reims (Champagne); Brüder Kleinoscheg, Graz. Bordeauxweine von Schröder & de Constans, Bordeaux, Engros-Lager in Mattoni’s Giesshübler. Preis-Courante werden auf Verlangen franco zugesandt. • • Telegramm-Adresse: Ettenberger, Bregenz, 115 Bregen*. HOTEL MONTFORT I. Ranges vis-ä-vis dem Balmhof. Bäder im Hause. Grarteix-.A.nl&g-e- Wittwe Mallaon. Bregenz. ISniiicrci und Gastliof zum Löwen Altreuommirtes Gasthaus, am frequentesten Platze der Stadt, nahe dem Seehafen und dem Bahnhof. Gut eingerichtete Zimmer. Bürgerliche Küche. Vorzügliches Bier. Tiroler und österreichische Weine. Besitzer Lucas Trunsperger. Bank und Wechselgeschäft Carl Veith in Bregenz, k. k. Tabak-Haupt-Yerlag. Neben dem k. k. Postamte, in erster Nähe der Dampfschiff- und Eisenbahn-Hafenstation. Hotel und Pension Pfänder. Klimatischer Kurort bei Bregenz am Bodensee. 1060 Meter über der Meereshöhe. Prachtvolle Rundsicht über die haierischen Bregenzerwälder, Tiroler- und Schweizergebirge lind den ganzen Bodensee. Vorzügliches Alpenklima und schöne Spaziergänge durch die Waldungen. Telephonverbindung mit meiner Weinstube in Bregenz. Comfortable Einrichtung und beste Bedienung. Eigene Fahrgelegenheit: 1 Wagen Bregenz-Pfänder 2—3 Personen, tour und retour iucl. Trinkgeld ö. W. fl. 9.— 1 Pferd (Haflinger), zum Reiten Bregenz-Pfänder tour fl. 4.— 2 Pferde „ „ „ „ „ „ „ 7.— incl. Führer und Trinkgeld. Alle Auskünfte giebt der Besitzer. Ferd. Kinz. 116 Sommerfrisch -Aufenthalt Dornbirn (Vorarlberg). Reizend gelegener, über eine Stunde ausgebreiteter Marktflecken au der Arlbcrgbahn, umgeben von saftigen Wiesen, zahlreichen Villen und Anlagen für längeren Aufenthalt bestens geeignet, Post- und Telegraphcnamt, Lesecasiuo, Schwimm- und Badeanstalt. Ansgangsnnnfct für den Besuch fles Bregenzerwaldes, wohin zweimalige, tägliche Postwagenfahrt Dorn- birn-Bezau und retour. Zahlreiche höchst lohnende Spaziergänge und grössere Touren (alle Wege mit farbigen Zeichen), unter diesen hervorzuheben: 1. Nachmittagsausflug: Gütle und Rappcn- loch - Schlucht (hochromantisch), Bad Haslach, Zanzenborg (herrliche Aussicht), Bregenz, St. Gebhardsborg u. Pfänder, Lindau, Rorschach, Heiden, Bodonsee. 2 . Tagesausflüge: St. Gallon, Konstanz, Bregenzerwald, Montavon, Friedrich s h a f c n und Ragaz-Pfäfers. 3. Hochtouren : II o c h ä 1 p o 1 o, einer der herrlichsten Aussichtspunkte der Bodonsec- gegend, ganz leicht zu machen, Hoher Fröschen, Mörzelspitzc, Hohe Kugel. Für Unterkunft in den verschiedenen Gasthöfen ist bestens gesorgt. Nähere Auskünfte crtlioilen Friedrich Rusch, Buchhandlung in Dornbirn, und Wagner’scho Buchhandlung (Josef Webering) in Bregenz. 117 Grösster Markt Voralbergs 10,000 Ein- | 13 Kiloin. von Bregenz, vielbesuchter wohaer, in reizender Lage. | klimatischer Curort. Dornbirn. Vis-a-vis dein Bahnliofe. — Post-Omnibus Bregenzer Wald. — Banz frei gelegen. Hotel & Cafe-Restaurant Weiss (W einhandlung). Neu, elegant, comfortabel eingerichtet, in- und ausländische Zeitungen, grosse Garten-Anlage und Fernsicht. — Eigenbau-Tiroler Weine, Ppecialität. — Vorzügliche Küche, aufmerks. Bedienung, billige Preise; auch wird Pension gegeben. Besitzer: Weiss. Lindau i. Bodensee. HOTEL & PENSION REUTEMANN. In schönster Lage, unmittelbar am Seehafen und zunächst dem Bahnhofe, mit prachtvoller Aussicht auf den See und das Gebirge. Garten mit schattiger Terrasse vor und neben dem Hause. Hübsche comfortabel eingerichtete Zimmer. — Billige Preise. — Pension nach Uebereinkunft. Den Pit. Reisenden bestens empfohlen. Georg Hcntber, Besitzer. Städtisches Mineral- und Seebad Überlingen am Bodensee. Klimatischer Kurort in herrlicher und geschützter Lage. Erdig-salinische Mineralquelle. Seebäder und warme Bäder. Douche - Bäder. Pichtennadel- und Soolbäder. Grosse städtische Schwimm- und Badeanstalt. Milch-, Molken- und Traubenkuren. Grosses Badhotel mit schönem Park und Trinkhalle am See. Gute Gasthöfe, Privatwohnungen, massige Preise. Grossartige Fernsicht auf See und Alpen. Ausgedehnte städtische Anlagen in unmittelbarer Nähe. Reizende Spaziergänge und Ausflüge. Jagd-, Fisch- und Rudersport. Kurmusik. Alte, höchst interessante Stadt. Täglich fünfmalige Dampfbootverbindung mit allen Uferplätzen des Bodensees. Nächste Eisenbahnstationen: Konstanz, Stockach, Friedrichshafen. - Saison: Mai bis Oktober. - 118 Friedrichshafen a. B. Gasthof und" ' Müller, am Hafen und Balinliof, gegenüber der Post, Telegraph und Telephon neu restaurirt und bedeutend vergrössert empfiehlt sich dem tit. reisenden Publikum unter Zusicherung reeller und billiger Bedienung angelegentlichst. W. Müller, Besitzer. Grosser Kestaurationsgarten am Perron. " . St. Gallen. Hotel Linde. St. Gallen. Neu erbautes Hotel nächst Bahnhof, Post und Telegraph. Conifortable eingerichtete Speissesäle, Billard-, Kauch- und Damensalon. 33^- Massige Preise. Es empfiehlt sieh ! ■ Billziiri, Hotel Hirschen, Rorschach. ln nächster Nähe des Bahnhofes und Hafens gelegen. Prächtige Aussicht auf See und Gebirge. Schöne Fernsicht. Conifortable eingerichtete Zimmer, gute Küche u. Keller. Massige Preise, sowie aufmerksame Bedienung. Es empfiehlt sieh dem reisenden Publikums bestens der Eigenthiimer W. Zinnnermaiin-Ostcrwalder, Hotel Anker, Rorschach am Hafen und Bahnhof gelegen, mit prachtvoller Aussicht auf See und Gebirge, neu und confortable eingerichtet, empfiehlt sich dem tit. reisenden Publikum aufs Beste. Civile Preise und aufmerksame Bedienung. Der Eigenthümer J. Schelling. Grosse Stallung im Hause. 119 Post- und Telegraphen-Eurean. ?0ü m ü. M. a | 4 Stunden von Station Ebeineeh. Luft- und Molkeukurort WalzpiiVmusen. Hotel. ..Kurhaus“. Pension. nt fviii tASHiill Iiiliii iMgtii Mm ZttöX Al Dieses auf dem schönsten Punkte durch seine prachtvolle Lage deB weitbekannten und aufblühenden Kurortes gelegene Ilötel mit seinen schattigen Anlagen und ganz nahen Waldpromenaden und seiner wundervollen Aussicht über den ganzen Bodensee, die Rhätikon- und Vorarlbergerkette und die schwäbischen Alpen, bietet Kuranten wie Touristen den angenehmsten Aufenthalt. Molken, Ziegen- und Kuhmilch im Hause. Vorzüglichste Küeho und Keller. .Freundliche Bedienung. Pensionspreis von Fr. G an incl. Zimmer. Bader im Hause. Eigene Equipagen am Bahnhof. Hell. Koch, Eigentümer. „Schweizcrlwnd“ St Margrcthen (Schweiz) in nächster Nähe des Bahnhofes, mit schöner grosser Gartenwirtschaft. Zwei Kegelbahnen. Schöner Saal mit Veranda. Prachtvolle Aussicht. Schöne Zimmer, gute, ganz neue Betten zu massigen Preisen. Grosse Stallungen. Hochfeine Weine, offen und in Flaschen, ßorschacher Löwenbier, Münchner Biirgerbräu in Flaschen. Gute Küche! Es empfiehlt sich für Gesellschaften, Hochzeiten, Schulen, ergebenst I.. Keel-Roggenbass, — ■ 120 St. Gallen. Hotel „Walhalla“ Einziges Hotel am Balmhof und liehen Post- uml Telegraphen-Gebäude. Comfortabel eingerichteter Gasthof Elektrische Beleuchtung. Soignirte Küche. — Billigste Preise (1.50 an). lSäder Im Hanse. Einem verehrliehen reisenden Publikum und der Tit. Geschäftswelt bestens empfohlen. Der Besitzer R. Hader. - '!&■*& 'vf/ttjrox/taH.rm ■ESroSSlV JSWwifii 7 Ä f V^^eL/A CYf r ' :• T\ Maasstab 1:300000. ■v/r/wj. iiQ^-nm^tgA ^Vw^irsll . * }lfai7doy ;^. Jf$| t-''.’:- rs-üirt/ftfi Kilometer feriäBJB 3 fc\SB 5 fe Verlag von Caesar Schmidt. Zürich. Afi/nm&}/2itTt, £i>ftr/noi U.'ClÄÄMiÄV'Sks^ TP"<* ’XUMrurtn Jjfitihfftitt •!'•>? ‘ V-JL *ri?,Kw«»J? |T FjWsh FqertJ'iiicA '' • '^ey/e/v^ri^e f.utxcM'ttt o/t/in '/fev"'M&.e ^-^QSsr - “''■ • JC f?/vc/7tyj& ?Jm*r ^Tctoaiiap^raVV^i i!V "‘ vi U''A7&Ö1. f '/tjf* «Yvar« j/,(c/*. $ß- •■/fou/u'n i#QVv;$ *l%pfH:rLfy m r /oA\ \ VJ 5 w®®®älÄO^TjH®K _ ‘/j; X . a£r?. f/iu\f/c>-6i 07*; f.raAnutfan ^äL V <•'*:*'• "••. ^**C* Oru't. \\\$&iiÜmofx •S/HrA*. n 'irAnu,.** A(t„t,,-s& v /0 ;\JfuA i- k-'u] ^/Kww ',*°' ,l /}f'A :: ~''^ \>^frnSSSS^<."'.( 7<> 4f °.. % \£g»/.“t tu r* -i ft ksSr*^ifeJ^®^X. " •rs^ , >Ä^ v -:. • ■ -frm r& £*&», vw/y ovs* la. ' Brotk ?Wwöw» \ /(IKtkl l/tutc < g 3 X I- * LU X H o 3 m m (0 CO CO CO CN CM CO G> i p \