IKsutKÜiliMK 1M8LLII ruvnvLvjA liesproche» Om der- ZZeermqu»,i des Her am 30. Oktober 1862 in der Pfarrkirche zu Wartn. Hum Drucke befördert für Verwandte und freunde. Frauenl'ekd. Druck von I. Kromann In Christ» -rm Derr» andächtige Lr»uernersa»iml»ng! Wir haben soeben zur letzten irdischen Ruhestätte begleitet den christlichen Mitbrudcr und Ehegemahl I)r. Joseph Jgnaz Lenz, Bürger in Warth. — Geboren den 2. Februar des Jahres t790, war er der eheliche Sohn des Gemeindevorstehers, Stabhaltcrs und Amtsrichters Joseph Jgnaz Lenz und der Gcnofcva Lenz, gcbornc Kurz, von Warth. — Da der Knabe einen nicht gewöhnlichen Reichthum von GcistcSgaben besaß und Lust und Liebe zum Studium zeigte, that ihn der Vater nach Dießcnhofcu an die damals wohlbestellte Lateinschule, die er während drei Jahren mit großem Fleiße und mit erfreulichen Fortschritten besuchte. Dicßcnhofeu verlassend, aber in freundlichem Andenken bchaltcnd, ging er nach Zürich, frc- qnrntirtc dort nenn Jahre hindurch das Gymnasium und die Hochschule. Dort auch wurde ihm die Ehre und das Glück zu Theil, an den Univcrsitätsprofcssorcn und berühmten Aerzten Nahn, Vater und Sohn, Freunde und Wohlthäter zu finden, ja sogar in ihr Haus aufgenommen zu werden. Vater Nahn fand solches Gefallen au dem jungen Lenz, daß, nachdem Professor Jrmingcr, Rahns Tochtcrmänn, zum Spitalarztc befördert worden, er dem jungen Manne die Besorgung seiner und seines Sohnes Apotheke anvertraute, wobei Lenz so sehr das Vertrauen und die Liebe seines Herrn und Gönners zu gc winncn wußte, daß dieser — Vater Nahn nämlich — dem jungen Manne bei seiner Abreise nach der Universität Würz- burg warme Empfehlungsschreiben an die berühmte Doktor- familie Dicbvld, die mehr als ein Jahrhundert mit Auszeich nung die Lchrstühlc der Medizin der dortigen Hochschule iunc- gehabt, mitgab und überdies ihn selbst mit Gutscheinen für fast tausend Gulden versah. — Nach drei Semestern kehrte er nach Zürich zurück, war längere Zeit Adjunkt seines Herrn und Gönners, und nachdem er daselbst noch den Doktorhut sich erworben, verließ er auch Zürich, das ihm sein Leben lang lieb und theuer geblieben, und begann am Heimatorte Warth seine Laufbahn als praktizirender Arzt; es war im Jahre 1812 . Mit welchem Eifer und mit welchem Geschicke, mit welcher Willigkeit für Alle und mit welcher Sittenrcinheit er diesem seinem Berufe obgelegen, das ist allbekannt, und gerne gibt die ganze Umgegend davon Zeugniß. „Ich bin der Kranken wegen da, — und wegen allen Kranken, — den Wohlhab liehen wie den Armen"; — „es handelt sich um ein Menschenleben"; — es istGewisscnö- fache, ich bin Gott dafür verantwortlich ", das waren die ihn im Berufsleben leitenden Grundsätze, die er so festgehalten, daß er stets mehr für die Gesundheit seiner Patienten besorgt war, als für seine eigene. — Die Gewissenhaftigkeit und das Geschick, mit denen er als Arzt amtetc, öffnete ihm den Weg auch zn den Aemtern und Würden des Staates. Längere Jahre war er Mitglied des Großen Rathes und Mitglied des Sanitätörathes, einige Zeit selbst Mitglied des Ober- gerichtes. Jedoch fühlte er, daß mit solchen Aemtern seinen ärztlichen Pflichten Eintrag geschehe, und er legte, damit er eingetheilt wieder seinen Patienten angehöre, jene Aemter gerne nieder; nur den Sitz im Sanitätsrath behielt er mit Freude, so lange derselbe ihm gegönnt worden. Wo es Noth that, war er Arzt und Samariter zugleich und reichte mit den Medizinen seiner Apotheke auch die stärkenden Mittet seiner Küche und seines Kellers. — Trotz seiner ausgedehnten und mühsamen Praxis wußte er stets Zeit zu finden, an Sonn- und Festtagen des Morgens dem Pfarr- gottesdienste beizuwohnen, im Hanse Gottes Gott die Ehre zu gtbcn und scinc Seele mit dcm Göttlichen für's Himmlische zu nähren; und zn diesem hl. Werke erschien er gewöhnlich an der Spitze seiner Familie, znr Erbauung für alle, zur Mahnung und Aufmunterung für sa viele. Sei» Hinschcid ist darum ein großer Verlust für seine Umgegend und für ihre Kranken, und dieses ihr massenhaftes Erscheinen an seinem Leichenbegängnisse, ist es nicht eine Bestätigung meiner Worte ? — Sein Hinschcid ist ein Verlust auch für seine Mitkollcgcn; wahrscheinlich war er deren Senior; und er wahrte so taktvoll die amtsbrüdcrliche Kollegialität, daß Niemand je ein unbrüderlichcs Urtheil gegen das Ainten irgend eines Mitkollcgcn aus seinem Munde gehört haben wird. Das ist Takt, aber nicht nur Takt, es ist mehr, es ist Adel der Seele, es ist Tugend, eine Tugend, die für sich allein schon ihn der stillen Theilnahme seiner Kollegen werth machen müßte. Es ist aber noch ein Weiteres; das Jahr 1862 ist das Jubeljahr seiner treuen Berufsthätigkeit; wer aber ein halb Jahr- - hundert in einem so wichtigen Berufe treu gearbeitet hat, der wahrlich hat sich verdient gemacht, er ist werth, daß sein Andenken im Segen bleibe. — Nicht minder verdient der Hingeschiedene ein Andenken in Segen als Wohlthäter und als Bürger. Das weiche, für fremde Noth offene Herz, mit dcm ihn der Schöpfer beschenkt hatte, ward ihm znm Talente, mit dcm er sich Schätze für den Himmel zu crwnchcrn trachtete. Die Armen wußten sein Hans immer zn finden, und keiner von ihnen ging je unbefriedigt, geschweige leer, von dannen. Ncbstdcm übte er ein weiteres Wohlthun schwierigerer Art gegen Bedrängte, denen eben nicht mit ein Paar Franken zn helfen war, deren Umstände größere, ja gar bedeutende Opfer er heischten; — dennoch er half, und nicht nach Art der klugen Weltkindcr, die 80 für 100 geben und große Prozente beziehen, sondern uneigennützig, nie fremde Noth zu seinem Nutzen aus deutend; für manche bedeutende Summe fand er hicnicden keinen Rückzahler! Doch der Herr wird ihm eben jetzt alles mit Wucher vergelten! Als Bürger war er für Alles thätig, was der Gemeinde ehrend oder das Gcnicindcwohl fördernd sein konnte. Ohne alle Hinterlist und Widerrede trug er die ihn treffenden Ge- mcindclastcn; in den Rodeln freiwilliger Beiträge zu Dingen des öffentlichen Wohles stund er immer obenan mit namhafter Gabe. Auch ragte er hervor aus jenen Männern, die in den Drcißigcrjahren mit vielen Schwierigkeiten kämpfend nm das Ziistandebringcn einer eigenen Pfarrei sich bemüht und durch wirkliche Errichtung derselben um die hiesige Gemeinde ein bleibendes Verdienst sich erworben; er war ihr Wort- und Schriftführer. — Der Bürgerschaft leuchtete er mit den Tu gendcn der Nüchternheit, der Genügsamkeit, der Opfcrwilligkcit und der Thätigkeit voran. — Mit ihm ist der beste und biederste Bürger der Gemeinde zu Grabe gegangen; sein Andenken bleibt auch bei der Gemeinde im Segen. Wer aber ein Herz hat und Aufopfcrnngssinn für den " Mitmenschen, hat Herz und AnfopfcrnngSsinn »in so mehr für seine eigene Familie. Der beste Bürger ist in der Regel auch der beste Gatte und der beste Familienvater. Das fand sich so auch an unserm theuern Hingeschiedenen. Im Jahre l83.-; verehelichte er sich mit einer Inngfran von hoher Gesittung und trefflichem Herzen, "Namens Karolina Nogg zum Schäfte, Bürgerin der Stadt Franenfeld. Mit ihr war er so Eines Herzens und Eines Sinnes, daß er über deren Verlust, in Folge eines unglücklichen Falles im nennten Monate ihres ehe liehen Glückes, nur schwer und langsam zu trösten war. Die zweite eheliche Verbindung schloß er im Jahre lkM» mit unserer christlichen Mitschwester und Inngfran Maria Veronika Dnttli, des Bürgermeisters von Ochningcn. Auch dieser seiner zweiten Ehegemahlin war er bis zum letzten Angenblickc, seines Gebens zugethan als Gatte von Vicbenswürdigkcit und- unverbrüchlicher Treue. — Sie gebar ihm fünf Kinder, von denen eincö, drei Monate alt, längst schon in's bessere Leben übergegangen. Die vier noch lebenden Kinder waren stets des Vaters Lust und Freude; er erzog sie mit Hilfe seiner Ehegattin für Gott und für's Haus, für christliche und häusliche Tugend. Und dieses gelang ihm ohne Schwierigkeit und ohne Mühe, da er ja selbst in allem diesem ihnen voranging, zu allem diesem selbst das crmnntcriide Beispiel gab. Wenn gesagt wird, er hinterlasse treffliche Kinder, so ist das mehr nicht als volle Wahrheit. — Seiner Gattin und seinen Kindern zu lieb, um ihnen länger Helfer und Rathgeber sein zu können, unterzog er sich vor vier Jahren einer höchst schmerzlichen Operation. Das natürlich mußte den geliebten Gatten und Vater, wenn möglich, noch lieber und theurer machen, und es ist schwer zu entscheiden, wer inniger liebend am Andern gehangen, ob der Vater an den Kindern, oder ob die Kinder am Vater, ob er an der Gattin, oder ob sie an ihm; und es ließ sich mit Gewißheit voraussehen, daß bei sich ereignendem Todesfälle die Thräne» reichlich und bitter fließen werden. — Schon seit geraumer Zeit war cS der Gattin und der Kinder stehender Hcrzcnsknmmcr, wahrnehmen z» müssen, wie sehr der Vater altere und zusehends an Kräften abnehme. Aber auch ihm selbst blieb nicht verborgen, daß die Zahl seiner Lebensjahre voll sei; denn als sein hoffnnngSvollcr Sohn letzte Woche znr Vollendung seiner medizinischen Studien nach Deutschland sich verabschiedete, rollten dem greisen Vater, zum ersten Male bei solchem Anlasse, Thräne» über die Wangen, erpreßt, wie er selbst bekannt, vorn Vorgefühle, daß er seinen theuern Sohn kaum mehr sehen werde. Und etwas früher schon schrieb er auf einen Papierstrcifcn seiner Apotheke: Ach Gott! wie sehn' ich mich »ach Ruh'! Mag kaum die Last mehr länger tragen. Wann sagst Du mir sie gütigst zu? Mein müdes Herz, darf's wohl dich fragen? Und als von ungefähr das Papier mit diesen Zeilen in die Hände seiner Gattin fiel, und sie mit dem Vorwürfe einer Gattin und Mutter ihn fragte: „Aber was schriebest du da?" antwortete er, seine Gedanken verbergend, er fange im hohen Alter noch an Reimen zu machen. Nur zu bald verwirklichte der Herr den geheimen Wunsch seines müden, ja erschöpften Dieners. — Letzten Sonntag Morgens gegen 6 Uhr traf ihn, ohne vorangegangene Symptome, znm Schrecken der Seinen ein heftiger Schlag, der sofort fast seine ganze linke Seite lahmte und ihm das Sprechen mehr als mühsam machte. Alsbald empfing er die Heilmittel der Religion Jesu, damit, wofern im Rathe Gottes sein Tod beschlossen wäre, er christlich stürbe, wie er christlich gelebt hatte. — Und das war gut; aller Pflege lind aller menschlichen Kunst ungeachtet nahm das Uebel übcrhand; schon am Abende desselben Tages verlor er Sprache und Gehör vollends, und schlummerte endlich Dienstags Morgens gegen 3 Uhr hinüber in's bessere Leben in einem Alter von 72 Jahren 8 Monaten und 26 Tagen, im vollendetsten fünfzigsten Berufsjahre, und im erfüllten sechsundzwanzigstcn Jahre seiner zweiten Ver- ehclichnng. — Er, der heute vor acht Tagen noch trauernd am Grabe seines hochbetagtcn Schwiegervaters in Ochningcn gestanden, sank heute, zur nämlichen Stunde, selbst in's Grab, znm großen Leidwesen aller, die ihn gekannt, znm tiefen Bedauern seiner vielen Klienten, znr Trauer der Heimatgcmeindc und natürlich zum großen Schmerze seiner Gattin und seiner Kinder, die auf einmal so verlassen, und ohne den gewohnten Rathgcbcr wie rathlos sich fühlen und bange in die Zukunft blicken. — Doch, Sterben ist eben aller Menschen unabwendbares Loos; hicniedcn ist für keinen Menschen eine bleibende Stätte; hicniedcn geht's durch Nacht zum Licht, durch Leid zu Freud', durch Verlust zum Besitz, durch Tod znm Leben, durch Grab znr Auferstehung, durch Abschied und Trennung znm Wiedersehen! Und denen, die den Herrn fürchten und dem Herrn liebend anhangen, darf es für sich selbst nie so eigentlich bange sein. Wenn ihnen der Herr Wanden schlägt, so ist Er cü anch, der sie wieder heilet, and wenn auch Menschen gegen sie sind, so ist der Herr für sie nnd ihnen nahe. — Das Wort der Schrift: „Wirf deine Sorge anf den Herrn, Er wird's schon machen", ist kein Wahn, es ist Wahrheit und Wirklichkeit. — Und was die erstarrte Vatcrhand nicht mehr leisten, und was der verstummte Vatcrmnnd nicht mehr rathen kann, das waltet und wirkt nnd bietet von nun an von Oben herab der Vatcrsegen, der anf den Hinterlassenen ruhet und Gottes Rath nnd GottcS Huld nnd Gnade bleibend anf sie herabzieht. — Darum, ihr mit Recht tief Betrübten: „Hinanfgeschaut und auf Gott vertraut! Er wird's schon machen!" — Und um den Dahingeschiedenen selbst darf uns wohl nicht bange sein! Wir dürfen gegründet hoffen, daß der Herr ihn in Gnaden an- und aufnehmen nnd ihm die ewige Ruhe, den ewigen Frieden und die ewige Seligkeit schenken werde! — Ja, er ruhe im Frieden! — Namens der trauernden Wittwe, Kinder nnd Verwandten spreche allen verehrten Anwesenden beider Konfessionen für die freundschaftliche Theilnahme am vorliegenden Traucrfalle, wie auch für das tröstliche Geleite zum Grabe den aufrichtigsten Dank, und entbiete die Versicherung, daß sie zu all den Gegendiensten der christlichen Liebe, die in ihren Kräften liegen, stets bereit sich finden lassen werden. Des theuren Verstorbenen laßt uns auch ferner in Liebe eingedenk sein, zumal in den Stunden unsrer Andacht; denn wer auch in dcu Augen der Menschen gerecht ist, ist meist doch nicht ganz ohne Mackcl vor Gott, und muß darum, um vollends rein zu werden, noch büßend abtragen! Kommen wir dem Hingeschiedenen darin zu Hilfe mit Gebet und Opfer und andern guten Werken, die wir für ihn und in seinem Namen verrichten! — I'sl. 50. !)o protunclia I'.-ll. 12. 99028