XM.-WWek; 2284W IWNÜ«U Kurze Beschreibung zu den Ansichten vom Bodensee und seiner Umgebung. Abtheilung: der Obersee^ cL ^.Zndem ich hier das in der Ankündigung dieses Werkes gemachte Versprechen erfülle, zu jeder Abbildung auch eine kurze Beschreibung zu liefern; muß ich zum voraus um gütige Nachsicht bitten, wenn sich, der auf diese Arbeit verwendeten Sorgfalt ohng^achtet, noch hie und da eine historische Unrichtigkeit vorfinden sollte; die ich auf gefällige Anzeige, bei einer wahrscheinlichen 2ten Auflage sehr gern verbessern werde. Wer eine umfassendere Beschreibung des Bodensees und seiner Umgebungen wünscht, findet solche in „Hartmanns Versuch »über den Bodensee" (St. Gallen bei Huber und Compagnie) und in dem erst vor einigen Jahren bei Cotta in Stuttgardt erschienenen und mit vieler Eloquenz verfaßten Werke „derBodensee und seine Umgebung" von Gustav Schwab, u. a. m. Con stanz im May 1682. I. A. P e cht. Inhalt der I. Abtheilung. Die 62 Abbildungen dieser Abtheilung beginnen mit Constanz, gehen dann auf der Schweizer-Seite den See hinauf bis Bregenz, von dort am teutschen Ufer herab bis Bodmann und um die Erd- zunge herum bis zur Graf Thurn'schen Campagnie. Sie bezeichnen folg i. Constanz, Aussicht vom Damm s. „ der Hafen, 3 . „ die Dominikaner Insel, 4. ,, die Münster-Kirche. 5 . Kreuzlingen, das Dorf. „ b. „ das Kloster. 6 . Botlighofer Schlößle. 7. Scherzingen u. Münsterlingen. 9 . Schiffölände zu Uttwyl. 9. Romanshorn. 10. Luxburg. n. Arbon. ende Gegenstände: 12. Steinach. 1 3 . Horn. i 4 - Rvrschach, 1 5 . „ der Hafen. 16. St- Anna, (Maria Berg.) 17. Wartensee. i 9 . Wartegg. 19. Staad bei Rvrschach. 20. Greiffenstein. 21. Weinbnrg. 22. Steinerner Tisch. r 3 . Rheineck. ü ri 2- -8 rz Z- p 24 - Walzenhausen, (Aussicht.) 25 . Fußach, 2b. Äach-Brüte bei Bregenz. Wj, 27. u. 31. Bregenz (v. 2 Seilen«) ! 28. Kloster Merrerau. 29. u. 30. St. Gebhardsberg ob Bregenz (von 2 Seilen.) 32. Die Klause bei Bregenz. 33 . Lindau', 34. „ der Hafen. 3 Z. Giebelbach mit Lindau. 3 ^' Wasserburg. ^ 87. Langenargen. 36 . Die Schloßruine Montfort. 89. Friedrichshafen. 4 0. „ Schloß. 4 1. Herrschberg. 42. Kirchberg. 43 . Meersburg. 44 - Neu Birnau. 45. Ueberlingen. 4b. Heidenlöcher bei Ueberlingen. 47. Die Felskapelle St. Catharina bei Ueberlingen. 46. u. 5 o. Sipplingen v. 2 Seiten. 49. Hohenfels. 5 >. LuLwigshaftn. 52 . Alt Bodmann. 53 . Frauenberg ob Bodmann. 54. Dingelsdorf. 55 . Die Insel Mainau. 5 b. Das Schloß daselbst. 57. St. Loretto. 53 . und 59. Parkhien im Graf Thurnschen Gut. bo. Rheinbrücke, (sieheConstanz.) 6>. Heiligenberg. Ferner r Chärtchen vom Bodensee. lab. I. Constanz, (Aussicht vom Damm.) Ein Kastell das Constautius CloruS um das Jahr zog. gegen die Allemanen hier anlegte, gab der jetzigen Stadt Constanz ihre Entstehung. Sie ist der einzige Badische Ort auf dem linken Rheinufer, und durch eine gedeckte Brücke mit dem rechten Ufer verbunden, auf welchem die Vorstadt Petershausen mit den Ueberbleibscl» der ehemaligen Reichsabtei gleichen Namens liegt. Der älteste Theil der Stadt ist die sogenannte Niederburg. Zwei Theile wurden in verschiedenen Zeiträumen dazu gebaut, und so entstand nach und nach der heutige Umfang. Con stanz war in früher» Zeiten weit volkreicher als itzt, und hatte bedeutenden Handel; was der wirkliche Umfang der Stadt und die vielen großen mastven Gebäude beweisen, und die Geschichte bestättigt; in welcher sich große und ehrenvolle Erinnerungen für Constanz finden. Mehrere Kaiser und Könige besuchten diese Stadt, und verweilten bald längere bald kürzere Zeit in ihren Mauern, z. B. Karl der Große i. I. 782. Ludwig der Teutsche i. I. 846. Karl der Dicke i. I. 878. König Konrad 914. Otto b. I. und sein Sohn 97z- Heinrich der Hl. 1240. und 48 .« Kaiser Friedrich der Rothbart il8z. u. 85., Kaiser Sigmund 1414. n. 54. Auch wurden daselbst mehrere Reichstage abgehalten und mehrere Frieden geschlossen. So der berühmte Reichsfriede unter Barbaroßa mit den lombardischen Städten im Jahr H 83 -, die Reichstage von mr. — 1142. — nzz. — rzzg. — izn;. — Unvergeßlich wird der Name Constanz in der Geschichte durch die famöse « Kirchenversammlung 1454 bis 1418. welche unter andern auch die Verurteilung und W Hinrichtung der böhmischen Reformatoren Johannes Hup, und dessen Schüler Hiero- ch »imus von Prag znr Folge hatte. ßli Hundert Jahre später nahm Constanz selbst die Reformation an, (welche Ambras l ij und Thomas Vlarer, Wann er und Zwick besonders beförderten) nnd trat dem !«j> Schmalkaldischen Bunde bei. jri! Constanz hielt als freie Reichsstadt im Jahr 1348 einen Sturm von den Spaurern ich aus, mußte sich aber, da es von keiner Seite Hülfe erhielt, noch im gleichen Jahr auf Tt Gnade an den Kaiser ergeben; und wurde nun aus einer Reichsstadt eine Ocsterrei- inMsche Municipal-Stadt; in welcher Verfassung sie bis zum Prcßburger Frieden 180z „liblieb, wo sie unter die Landeshoheit von Baden kam. Im Jahr 1633 wurde Constanz tz!,von einer Schwedischen Armee unter Gustav Horn mehrmal'jedrch vergebens bestürmt, i Von der Zeit des Conciliums und der Reformation datirt sich die Entvölkerung ih und der Verfall der Stadt, weil sich sowohl bei dem ersten als dem zweiten Ereigniß viele angesehene und reiche Familien mit ihren Fonds und Gewerben aus dieser Stadt ^ entfernten, um sich passendere Wohnsitze in der Schweiz zu suche». Gegenwärtig enthalt Constanz in -zo Gebäuden nicht über Z5<-c> größtenteils ka- thvlische Einwohner, welche rn 4 Pfarreien, z Katholische und i Protestantische eingetheilt sind. Noch ist diese Stadt der Sitz einer Großherzoglich Badischen Kre'^ ftk Regierung, eines Bezirksamtes, einer Dcmainen-Verwaltung, einer Obereinnehmers; und verschiedener Revislonsbehörden; Ferner eines Lyceums und Dekanats rc. — Auch Hi war hier bis zum Jahre 1826 der eigentliche Sitz des Visthums Constanzs welches II! vonWrndisch, Vindonißa, schon in der Mitte des sechsten Jahrhunderts dahin verlegt worden war. Lange Zeit wohnten hier die Bischöfe, und spater wurde Meers- t'! 2 » Ä bürg ihre Residenz. Das Domkapitel und das geistliche Gericht blieb hier ^'is zu seiner Auflösung. - Unter den vielen Gelehrten und Künstlern, die Constanz, besonders in früherm Jahrhunderten hervorgebracht hat, nennt die Geschichte einen Heim ich Sußo, Hein-'" rich von Kiingenberg, Heinrich Gundelfinger, Christoph und Johann Schultheiß, Ulrich Rsichenthaler, Ulrich Aasius, Ambros Blarer, Johann Iwick, Gregor Mangold, Georg Vögelin, Matheus Schenk; — und dato noch glänzt ein Constanzcr, der als^" Orientalist und Theolog gleich berühmte Dommherr und Professor Dr. Leonhard Hug an Freiburgs hoher Schule. An ausgezeichneten Malern besaß Konstanz einen Memberger - Storer, Vater'" und Sohn, Bock Tobias, und fein Bruder, Stauder, Vater und Sohn, Spiegler- und Ludwig Herrmann; als Glasmaler: Wolfgang und Sebastian Spengler; als Bild-s ^hauer und Bildschnitzer, Moring, die beiden Schenk, deren einer auch vortreffliche ,,-,>.'Elfenbein-Arbeiten lieferte, — und die beiden Spvrer, deren Werkstatt nun durch ^Hrn. Bauer dahier wieder vorzüglich bestellt ist. Endlich gebührt auch Constanz die ^Ehre, der Hauptstadt Frankreichs den ersten Buchdruker gegeben zu haben: dieser war ^ll lrrch Seh ring, der um das Jahr 1462 dahin kam, und bis an sein Ende ^dert blieb, Aur Aeit erblikt diese Stadt mit Stolz in ihren Mauern den eben so edlen als gelehrten ehemaligen Bisthumsverweser Ignatz Heinrich Freiherr» ^,von Weßenberg, und die schon mit den herrlichsten Lorbeer« bekränzte Mahlen» Marie Ellenrieder. hm Seiner ausgezeichnet schonen Lage nach scheint Evnstanz am Ausflusse des mächtr- . j gen Rheins aus dem Obersee, durch welchen eS mit 5 Staaten, Oesterreich, Bayern, ^Würtemberg, Baden , und der Schweiz auf die leichteste Weise verkehrt, zu einer gro- ßen Fabrik und Handelsstadt geeignet; allein zur vvrtheilhaften Anlegung mehrerer ^.Fabriken feblt es hier an Triebwasser; welches einzig nur unter der Rheinbrüke und . zwar auf Kosten der, für die Sradt unentbehrlichen Rheinmühle erhältlich wäre. — ^Jn Bezug auf das Letztere aber scheinen allerdings die frühern Bewohner dieser Stadt ^ibre Aeit nicht gehörig begriffen zu haben; was nun ohne ihre Schuld die Nachkom. ^ men büßen; die, auch mit dem besten Willen , besonders bei den dermaligen merkan- Mischen Verhältnissen, das Versäumte nicht mehr, oder nur sehr langsam wieder nachholen können. » In der neuesten Zeit hat übrigens Constanz viel von seindm düstern Aussehen , verlohre»; mehrere schlechte oder entbehrliche Gebäude sind verschwunden, noch melm, rere sind verschönert, und von verschiedenen Privaten sind auch Neue in geschmackvoll lem Style errichtet worden. Auch die städtische Verwaltung blieb hierin nicht zurück,^ indem sie bei beschrankten Mitteln mehr zu Verschönerung der Stadt gethan hat, alS^ früher bei vollen Kasten geschah. ^ Die für den Bodensee, unter großmüthigen Beitritt von Seite der Badiscken Re- ^ gierung, durch eine Aktiengesellschaft etablkrten Dampfschiffe Leopold und Helvetia, ^ erleichtern den wechselseitigen Verkehr, und befördern überhaupt die merkantilische Regsamkeit dieser Gegend; wobei auch Constanz in mancher Beziehung gewinnt; und"" sollte dieser Gegend einmal wieder das Glück zu Theil werden, die ihrem Weinhandel nach Außen angelegten Fessel» abgenommen, so wie die leider nun schon längere! Zeit verwaißten beträchtlichen Schlößer, Salem, Meersburg, Mainau, Petersbaufen, rc. rc. und sei es auch nur in den schönen Sommermonaten wie z. B. das Schloß z, zu Frkedrichshafen und zu Heiligenberg, von ihren H. H. Besitzern wieder besuch^,, und bewohnt zu sehen, wie sehr müßte dieß auf den Wohlstand der Seegegend, undj,^ vorzüglich auf den der Stadt Constanz wirken! — Sollte es aber dieser Stadt auch^,, nie wieder gelingen, ihre ehemalige Vedentfamkeit in vollem Maaße zu erlangen, so-- wkrd sie doch immer durch ihre herrliche Umgebung für den Freund der schönen Natur einer der lieblichsten Punkte des europäischen Continents bleiben. — - " " Auf Lad. I. ist eine der vielen herrlichen Aussichten abgebildet, an welchen Con- "^stanz sowohl, als seine Umgebung so reich ist. — Am besten genießt man sie vom Conciliums-Saal aus, wo sich der ganze Obersee mit den Allgäuer, Tyroler und Bündt- " «er rc. rc. Hochgebürgen im Hintergründe, zu einem wirklich entzückenden Bilde ge- ' "staltet. — Noch prachtvoller und ausgedehnter aber erscheint dieses Bild auf der Gallerte des Münsterthurmes. — Doch das herrlichste was man in dieser Beziehung sehen ^kann, gewährt die Rundsicht auf dem kaum i 1/2 Stund von Constanz entfernten, erst 'seit 2 Jahren errichtete» Lelveäsro zu Hohenrhein, worüber bei den Ansichten des "Ulitersees ein mehreres gesagt wird. *> Isk. 2. V „s„ Der Hafen zu Constanz. Ä! Der durch eine Reihe von Pfählen und einen Steindamm gebildete Hafen von Konstanz war in ältern Zeiten viel beträchtlicher als jetzt; und droht durch das mit chem Ostwind herkommende Geschiebe, welches sich gegen Abend an der sogenannten «Rauheneck immer mehr anhäuft und eonsolidirt, immer beschrankter zu werden, wenn nicht --- t* Etn auf diesem Belvedere treu nach der Natur gezeichnetes und sauber lithograxhirtes Panorama ist so eben in her Pechtischen Ske inhrnckerei in Constanz erschienen. — 12 dagegen, was nach so langer Vernachläßigung nun freilich keine kleine Arbeit ist, kräftig ein- s geschritten wird. — Die übrigens vortheilhafte Lage dieses Hafens am AuSstusse des « Rheins aus dem Obersee zieht Schiffe aus der ganzen Seegegend herbei, deren An- 2 zahl und Mannigfaltigkeit, besonders an Marktagen, den interessantesten Anblik gewährt, i Im Winter, und sonst wenn dichter Nebel den See bedeckt, giebt ein Glockchen auf i dem, am Eingänge in den Hafen erbauten sogenannten Luckenhäusle oder Wachtthurme, d den Schiffen auf der See da- Signal zu ihrer Richtung, um den Hafen sicher zu tref- l> fen. — Im Hintergründe des Hafens zeigt sich das städtische Lager- oder Kaufhaus. - ! Dasselbe wurde im Jahr lass erbaut, sein großer Saal, besser Laube) diente während i der Zeit des Conciliums zum Conclave, bei der Wahl des Pabstes Martin des V-, » und enthält wirklich noch einige Ueberbleibsel aus jener Zeit; welche Herr Antiquar Kastell mit einer merkwürdigen Privatsammlung von andern Alterthümer» rc. rc. für Schaulustige dort anfgestellt hat. — Lab. 3. Die Dominikaner - Insel zu Consta Zunächst dem Hafen liegt rings von Wasser umgeben und durch eine Brücke mit der Stadt verbunden, die sogenannte Dominikaner-Insel, gleichsam als ein Vor» werk zur Beschützung der Stadt, des Hafens und der Brücke, zu welchem Zweck die-> j!ii ser Punkt auch wirklich sowohl im Schmalkaldischen als Schwedenkriege glücklich benutzt iij wurde. — Später wurde daselbst ein Dominikaner-Kloster erbaut; welches Kaiser >L Joseph II- aufhob, und im Jahr <786 einigen Genfer Colonisten zur Anlegung von chl Fabriken überließ. — Jetzt gehört diese Insel mit allen Gebäuden, Gärten rc. rc. als > M Eigenthum dem Herrn Macaire, der darauf in Gesellschaft der Herrn Sulzberger und » Lvtt, eine ausgczeichnete'Jndienfabrik und Rolhfärberei unterbält. — In der Kloster- irrl kirche daselbst liegt der gelehrte Grieche Emanuel Chrysvloras, welcher zur Zeit der il.- Kirchenversammlung dahier starb. Seine lateinische Grabschrift ist noch vorhanden. IM Auch zeigt man dort ein Gefängniß in welchem Johann Hnß einige Zeit soll eingesperrt «7. gewesen sein. tißi —— - Die Rheinbrücke zu Constanz (siehe Isb. 60.) AnS der Dominikaner-Insel sieht man auch noch den Rest des Klosters Petershausen, (wovon die am Eingang gestandene Kirche mit dem Thurme voriges Jahr auf Abbruch verkauft, und zum Bau eines Bierkellers verwendet wurde.) 81 v temxor» inutsMui-!) und die Rheinbrücke mit der sehenswerthen städtischen Mühle. " Für den Reisenden ist diese Brücke in zweifacher Beziehung merkwürdig: einmal ' als Gegenstand.der Baukunst, und wegen einer großen geschichtlichen Erinnerung, die sich -4 — damit verknüpft. Wir haben daher dieser Brücke auch ein eigenes Blättchen gewidmet. Bis in das zwölfte Jahrhundert war hier keine Brücke über den Rhein. Man fuhr in Schiffen bei dem KIpster zum Fahr, in dem nun Heroseischen Garten von einem Ufer zum andern. Die wirkliche Brücke wurde der Tradition nach zuerst von dem Grafen Mangold von Rvhrdorf im zwölften Jahrhundert erbaut, aber von jener Zeit an mehreremale zerstört. Namentlich war dieß der Fall im Jahr isLs als die Spanier unter ihrem Obersten HxLons Viven die Stadt überfielen, und durch Sturm nehmen wollten. Damals bewiesen sich die Bürger vonConstanz als Helden, und die Frauen und Jungfrauen verläugueren die ihrem Geschlecht eigene Schüchternheit, und trugen Steine und Kugeln Herzu. Mehr als too Bürger verloren hiebei ihr Leben, darunter auch der Patrizier Johann Jakob Manniißhofer, Arzt, und Stadtphysikus, auch berühmter Musiker, von Erasmus und Botzhaim Hochgeachtet. Er fiel vor der Brücke im Kampfe mit den andringenden Spaniern; ^Ixirons Vives, und sein Sohn fanden hier den Todt, und eine große Anzahl Kriegsvolks kam um. Die Stadt ward aber dieses mal gerettet. Im Jahr 1675 brannte die Brücke wieder ab, da Feuer in der Mühle auskam, und im Jahr 1800 mußte sie auf Befehl des französischen Militär- Commandanten abgebrochen werden. Sie wurde 1802 wieder hergestellt wie sie wirklich ist. Die dcrmaliche Rheinmühle, eines der merkwürdigsten Bauwerke mit 18 Gänge«, ^ « il!> »> ki >ll fl > i« einer Säge- Schleife- Lohe- und Malzmühle rc. ist erst im Jahr ,792 von dem ver- M» dienten Werkmeister undMechaniker Balteschweiler von Laufenburg in den gegenwärti- n»gen trefflichen Stand hergestellt worden. Vorher konnte man weder bei hohem, noch ckihci niederem Wasserstand mahlen. Die erste Rheinmühle wurde an der wirkliche» M Stelle im Jahr 1427 mit einem Kostenaufwand von 6ooo Pfund Hellern, die wirk- Zffliche im Jahr izz-> erbaut und in Jahresfrist vollendet; sie hatte 25,462 ff. geko. »»stet. Früher war eine Schiffsmahle im Paradies die nichts taugte, und oft verunglückte. ill! ' ^ Das Münster zu Conftanz. M Diese ehemalige Dom — nun Pfarrkirche, istl ein ehrwürdiges Denkmal alter cki Baukunst; nur Schade, daß bereits die meisten ihrer alterthümlichen Außcnwerke Mdurch den Zahn der Zeit und die Sucht zu Mobernisiren verschwunden sind. — >i«Der Bau dieser merkwürdigen Kirche wurde nach der Geschichte um das Jahr 1052 w durch den Bischof Rumhold begonnen. Ihr sehr hohes Hauptgewöibe wird von r6 M Säulen getragen , deren Schäfte zo Fuß hoch, z Fuß dik und aus einem Stäke gehauen sind. Unter dem schönen Chor ist die sogenannte alte Crypta, die auf 4 kur- >k»,zen Säulen ruht, deren jede ein anderes Capital hat. — An der Abendseite erhebt sich über dem Hanptportal der in z Thürmchen auslaugende Münsterthurm; auf dem mittlern ist die Wohnung des Städtischen Hochwächters, wo man, so wie schon auf der etwas tiefer angebrachten Gallone, die bereits erwähnte herrliche Aussicht genießt. — Bei esner im Jahre i;ll entstandenen Feuersbrunst verbrannte der ^ damahls höher gewesene Thurm mit allen ->a darin befindlichen Gloken, darunter eine z;z Centner soll gewogen haben, deren geschmolzenes Metall in Strömen auf die ' Straße tief. — Aus diesem Metalle wurde später das Marienbild gegossen, welches jetzt noch auf einer schönen Marmorsäule im Münsterchof ruht. Merkwürdigkeiten dieser Kirche sind: r. Die Thüre am Haupteingauge aus Lerchenholz, auf deren Flügel» die Lebensund Leidensgeschichte des Herr» kunstreich von Simeon Baiudter in dem Jahr i;7c> geschnitzt, zu sehen ist. — 2. Die Konrads — und heiligen Gcabs Kapellen. In letzterer ist die bekannte römische Inschrift von Viwäaullm. z. Der Saal hinter der obern Sakristei. — Hier stand ehemals der große Himmelsglobus, den der Mathematiker Stöfler von Justingen, welcher sich zu Ende des fünfzehnten Jahrhunderts längere Zeit am Hofe des Bischofs Hugo von Landenberg aufhielt, auf Kosten des Weihbischofs Daniel Wattlin verfertigte. ^ Jetzt ist dieser Globus im Lyceum. »7 4. Die Kapelle unter diesem Saal, mit Wandgemählde aus Martin Schöns Schule. 5. Die untere Sakristei mit ihrem zierlich gearbeiteten Kamin und Lavatvrium; und einem schönen Altargemälde aus dem 16 Jahrhundert. 6. Die obere alre Sakristei, mit einem merkwürdigen Altargemälde, die Kreuzigung, vorstellend. 7. In der sogenannten Schatzkammer zwei für den Bischof Hugo geschriebene Andachtsbücher auf Pergament, mit sehr schönen Miniaturen. In diesem Tempel und in dessen Nebenhallen sind die Grabstätten der meisten Bischöffe und vieler berühmten Männer. - Unter andern liegt auch Herzog Ernst von Schwabe», der so häufig besungen worden ist, hier begraben. Der zum Theil in neuester Zeit erst abgebrochene, an die Kirche gebaute Kreuzgang, ist seiner leichten Bauart, wegen, merkwürdig. Hier wurde ehemals das geistliche Gericht gehalten. lab. 3. a. K r e u z l i n g e n. (Dorf.) So wie man in der Richtung nach St. Gallen das Stadtthor von Constanz paßirt hat, steht man schon auf Schweizerischem Boden, und hat das herrlichste Bild der 8 — r8 — mkt Wiesen, Rebhügeln, Obstgärten, Landhäusern, Schloßern, und Dörfern, rc. rc. , bedekten Thurgauer Landschaft vor sich. — Der erste Ort in dieser Richtung ist das z freundliche Dörfchen Kreuzlinge», das außer dem Tab. 5. g. abgebildeten schönem Landsitze des Hrn. Wächters, meistens aus Gast- und Schenkhäusern besteht, unter denen j sich der Gasthof zum Löwen schon wegen seiner reißenden Lage besonders empfiehlt, ^ und daher häufig von Gesellschaften aus der Stadt und der Umgegend besucht wird. — z Am Ende des Dörfchens erblikt man ^ ruk s. k. ^ D a S K l 0 st e r K r e u z l i n g e n. k, I!I Diese von regulirten Chorherrn bewohnte Abtei soll- bereits im Jahre 1125 vom ^ BischvfConradvonConstanz gestiftet, worden sein.— Das Kloster stand zuerst näher gegen die Stadt Constanz zu, da, wo nun das Wirthshaus zum Schäpfle stehet. —Dort ^ wnrde es zweimal abgebrannt, einmal iggy im Schwabenkrieg, dann im Jahr 16z; . bei der Belagerung der Stadt von den Schweden, die es vorher plünderten und dann verbrannten. Sie machten von hier' aus den Hauptangriff, und bauten aus den Ma- ^ tenalien des abgebrannten Klosters ihre Batterien. — Später wurde nun das Kloster wieder, und zwar au seiner jetzigen Stelle erbaut, und von dem Prälaten Augustrn ^ Vollendet. Außer der reihenden Lage dieses Stiftes, findet man dort nachfolgende ^"Merkwürdigkeiten: i»! der freundliche» Kirche ein schönes Altargemählde von Membe rge r, das ^ehemals in Petershausen war, nebst einigen andern braven Malereien; ein kunstreiches E Schnitzwerk, die ganze Leidensgeschichte in beinahe tausend Figuren. — ES ist das r^'Werk eines Tirolers, der achtzehcn Jahre daran gearbeitet haben soll, und in jeder Beziehung der Aufmerksamkeit und Bewunderung des Beschauers werth. — Das Klostergebäude selbst ist masiv, und sehr geräumig, hat außer den Wohnungen der Religiösen noch einen geräumigen Bibliotheksaal, mit einer nicht unbedeutenden Anzahl von Büchern, schöne Speiscsäle, Schulzimmer für den Unterricht, der seit mehreren Jahren daselbst jungen Leuten des Jnn- und Auslandes in den Alten und neuen Sprache» '"und in andern Gegenständen ertheilt wird. — " Dieses, durch die schweizerische Revolution und die famosen stncsmerstionen ^in den yoer Jahren sehr beeinträchtigte Stift, zeichnet sich nicht nur durch seine mu- Esterhafte Oekonomie, sondern auch durch seinen edlen Menschensinn aus, der in der ""glücklichen Wahl des erst ohnlängst zum Abte berufenen Pater Augustin Fuchs eine .^fortgesetzte Stütze und Ermunterung finden wird. — sa lab. 6. > ji Das Schlößchen Bottighofen. ,, In einer Urkunde aus dem 7ten Jahrhundert, wird bereits dieses sehr besuchten - Schlößchens erwähnt, daß seiner vortheilhaften Lage wegen zu den vorzüglichsten Lan- dungs - und Sxeditions-Plätzen Thurgaus, und wegen der überaus schönen Aussicht, b die man von dem Schlößchen aus nach mehreren Richtungen hin genießt, zu einem « der interessanteren Punkte am Oberste gezählt werden kann. In letzterer Beziehung t wurde es auch schon wiederholst von Sr. Maj. dem Könige von Würtemberg während dessen Sommeraufenthalt im Schloß Hosen, mit zahlreichem Gefolge besucht. — Ge- i« genwärtig ist es im Besitze des Herrn Weinhändlers Schwank, bei dem jeder An- kehrende eine anständige Aufnahme und Bewirtyung findet. - tl lab. 7. ^ Scherzingen und Münsterlingen. Die kleine, weise Kirche im Vordergrund unsers Bildes ist die Pfarrkirche des i, friedlichen Dörfchens Scherzingen. — Es liegt auf einer Anhöhe an der neuen Land- tz straße von Cvnstanz nach St. Gallen, in einer gut angebauten Obst u. weinreichen Ge- gend. — In einiger Entfernung zeigt unser Bild das Nonnenkloster Münster ringen kaum 40a Schritte von, See entfernt. Aus dem Kloster genießt man einer aus, gedehnten Aussicht auf- und abwärts des Sees. — Landeinwärts aber erfreut den W Wanderer der Anblik des fleißig angebauten Landes, mit seinen Rebenhügeln, Baum- M gärten und Wiesen, seinen zahlreichen Dörfern, Höfen, Burgen und Landhäusern.— W, Das Kloster, dem eine Äbtissin vorsteht, hat seit 124z die Regeln des heil. Augnsti- U, nus angenommen. Es entstand wahrscheinlich aus dem Armen - und Krankenspital, W welchen Bischof Gebhard von Constanz, von Kreuzlingen hieher verlegt hatte. Die Königin von Ungarn und Tochter Kaisers Alb rechts!. Agnes, begabte dieses Klo- ,K ster sehr reichlich. - Hier wurden auch im Jahr 1413 die im Schloße zu Meersburg rN begonnenen Konferenzen zwischen den Abgeordneten des Kaisers S igism und und des Herzogs Friedrich von Oesterreich fortgesetzt, und mit der Aussöhnung beider Fürsten geschlossen. — Zur Zeit der Reformation haben die meisten Nonnen dieses Kloster verlassen, ohne wieder dahin zurückzukehren. Seitdem steht es unter besonderer Aufsicht des Abts von Einffedeln, und unter enger Klausur. Etwas aufwärts von Münsterlingeu liegt daß vonObst-und Weingärten umgrenzte :d Dorf Alt» au; erkenntlich durch seine» weit gesehenen Kirchthurm; weiter vorwärts z«! erblikt man das Pfarrdorf Gü ttingen, und Keßweil, dann lab. 8. U t t w y l. ÜS Ein schon gelegenes Dorf z Stunden von Constanz, dessen vom See bekreuzter Theil mit der Schiffslände hier abgebildet ist. — Dieser Ort kann sich eines hohen Alters rühmen; den» bereits im y. Jahrhundert erscheint er in öffentlichen Urkunden unter dem Namen Utzinwylan als einzelnes Gehöfe, das sich im Verlaufe der Zeit vergrößert und durch fortgesetzte Betriebsamkeit seiner Bewohner zu einem ansehnlichen Pfarrdorfe gestaltet hat. — Im Besitze einer guten Schiffslände, welche von dem Dampfschiffe Leopold auf seinen Fahrten nach Rorschach und Lindau regelmäßig besucht wird, treibt Uttwyl einen ziemlich lebhaften Speditionshandel durch seine Schiffe, so wie durch eigene Fuhren, welche die zu Wasser ankommenden Güter Landeinwärts bringen. lab. 9. R 0 m a n s h 0 r n. I! t!> t, H V ß «i jq A li! «i Liegt nicht an der Landstraße, sondern 1/4 Stund abseits auf einer Landspitze. — Das Wort Horn kömmt m Seegegeuden häufig vor; es bedeutet immer einen Vor- sprung des Landes gegen den See, wodurch sich eine Bucht und bequeme Anfahrt 'üldet. — Die alte Römerstraße von Windisch über Psyn nach Arbon gieng über dieses Horn, und daher kam der alte lateinische Name 6ornnKom,»um, Römer-Horn, M die Römer übersetzten den bereits vorhandenen deutschen Alisdruk in ihre Sprache, tz, oder die spätere Zeit that dasselbe von der Geschichte belehrt, daß einst Römer hier hausten. — Man glaubt hier noch die Ueberbleibsel eines römischen Kastells z« sehen. Zä Jetzt erhebt sich auf der weit in den See sich hineindehnenden Landspitze ein Fleken, ^dessen Umgebungen von der Natur reichlich begabt sind. — Reben der Kirche steht ein Unschön gebautes Schlößchen, das in früherer Aeit seine eigene Freiherrn hatte. Dieses-, ^verbunden mit der Kirche auf einem sanften mitReben bepflanzten Hügel, und das aus ^zerstreuten, unter Obstbäumen nnd Weingärten verstekren Wohnungen bestehend« Dorf, Mibt der Landschaft ein wahrhaft mahlerisches Ansehe». Hier bildet der See eine weite Bucht, auf deren einem Arme Arbon, auf dem anderen Romanshorn sich befindet. - Romanshvrn hat einen ziemlich lebhaften Speditionsverkehr, besonders mit dem gegenübertiegengen Friedrichshafen, (ehemals Buchhorn) auch mehrere Familie« ernährt der ergiebige Fischfang. - — 24 L lab. ic>. u x b u r g. ß! Eli! Schlößchen, dicht am See gelegen, mit der herrlichsten Aussicht auf den großen Wasserspiegel des Sees, und das gegenüberliegende Schwäbische Ufer. Bei dem Oekonvmiegcbäude des Schlosses befindet sich eine Stahlquelle, deren Wasser von dem umliegenden Landvvlke nicht ohne Erfolg benutzt wird.-Von hier führt der Weg über das sogenannte Egnach (einer aus einigen Dörfern, Weilern und Höfen bestehender Pfarrgemeinde von mehr als 2102 Seelen, deren Hauptvxt Neukirch ist), nach Arbon. In der Feldmarkung der Gemeinde Egnach findet man die meisten und die großtench Obstbäume, die bei guten Jahren einen außerordentlichen Gewinn abwerfen. Dies! Gegend gehört in dieser, und auch in mancher andern Beziehung zu den bessern Cantons Lhurgau. - -—- lab. i l. D !>il» A r b v n. Das uralte ^,-Lo kkiix zk man schon in weiter Ferne crblitt. - Arbon ist eine Amtsstadt deren Gerichtsbarkeit iß sich über vier Kreise erstrekt. — Au Arbon wohnte im «te« Jahrhundert der fromme nß Priester Willimar, zu welchem Kolumban und Gallus mit ihren Gesellen zil kamen. - Die Einführung des Christenthums in diesem Theile des alten Allemaniens P gieng demnach gewissermaßen von Arbon aus. — Auch fand Gallus, da er vor den M Ailemanen von Bregenz fliehen mußte, bei Willimar wieder Schutz und Arisch enthalt. N I» der Burg zu Arbon wohnte der unglückliche Cvnradin von Schwaben lü einige Zeit, bevor er nach Italien zog. Arbon erhielt damals eine» Freiheitsbrief von ihm. - Es war unter den Herzogen vpn Schwaben wohlhabend geworden. — Aber nach Conradius Tod und dem Untergänge der Hoheustaufen wurde die Stadt in dieReichsacht erklärt, und au die Freiherr» vvnKemnaten und vouBvdmann verkauft. Durch diese kam sie wieder durch Kauf in den Jahren 4282 u. 1235 an das Hochstift Constanz, bei dem sie bis zum Ausbruche der Schweizerischen Revolution 1798 W blieb. Der Bischof hielt hier einen Obervogt, der im Schlosse wohnte und dessenGe- K richtsbarkeit das Sgnach untergeben war. — Arbsn hatte ehemals beträchtliche» 4 — s6 — Leinwandhandel und schöne Kattunfabriken. — Sie haben aber durch die allgemeine Abnahme des Handels sehr gelitten; so wie überhaupt dieser Ort sehr dadurch verlor, daß in Folge der Revolution einige sehr bedeutende Familien Arbo» verließen, und sich in Rorschach etablirten- - Aus den Fenstern des Schlosses genießt man einer herrlichen Aussicht über den See in seiner weitesten Ausdehnung. Am äussersten Ende nordwärts erblikt man das bergichte Meersburg, wie einen weisen Punkt; dann näher aufwärts das Schloß Hosen mit seinen Thürmen, und Friedrichshafen; hierauf Langenargen mit der Schloßrnine Montsort, dann Wasserburg, und gegenüber die Inselstadt Lindau. Gegen Morgen rechts die Wälder Vorarlsbergs mit der Kette der zakrgen Tyro- lerberge; und noch mehr rechts das Appenzeller Hügelland, welches sich durch das dunklere Grün seiner Matten und Wälder von andern auffallend unterscheidet. Zu Arbon war der Sammelplatz, den Herzog Friedrich i. I. lgoz für dasÄriegsvolk bestimmt hatte, welches er gegen die Appenzeller führte. Die Truppen derStädte am See waren gleichfalls bei dieser Crpeditivn. Aber das Treffen, am Stoß und an der Wvlfshalden belehrte den Herzog, daß ein Volk, welches für seine Freiheit kämpft, auch die größte Schaar von Söldnern nicht fürchtet. Arbon zählt etwa isoo Einwohner, die greßern Theils refvrmirt sind, und dato den Herrn Bornhauser, der sich durch seine warme Theilnahme an der jüngsten Umgestaltung der Thurgau'schen Kau- «! 27 — » tonalverfassung große Popularität erworben hat, al« Pfarrer besitzen. Außer meh- ilii «reu Städtischen Gewerben und einigem Handel, treibt dieser Ort auch Acker-, Obst- »>! und Weinbau. Der Wein dieser Gegend gehört zu die bessern des CantonS, und als im «in ganz vorzüglicher Wein, kaun der vomWinseliberg vhnweitArbo», angesehen »»erden. — « --- im lab. is. S t e i n a ch. Ü« Ein nettes Dorf von 662 katholischen Einwohner», zum Kanton St. Gallen und I ti Bezirke Rorschach gehörend. Die Einwohner nähren sich vom Landdau, der Fischerei ) und der Schiffahrt die hier nicht unbedeutend ist, und wozu die Gemeinde eine gute II d Schiffsländi und geräumiges Lagerhaus besitzt. Steinach ist sehr alt; bereits im ke i» Jahre «y6 war es eine Besitzung des Klosters St. Gallen, hatte eine Kappeüe und »tl Schiffsläudi. Im Mittelalter hatte» Herren von Sreinach ihre Burg unfern des H Orts. Noch sieht inan die Grundmauern davon. Das Volk nennt sie die Steiner- tz« bürg; und das im »5. oder 16. Jahrhundert darauf gesetzte Edelhaus bewohnt jetzt l ß «in wohlhabender Sandmann. M Ob der Sänger Blicker von Sreinach diesem alten Rittergeschlechte, s8 und diesem Orte angehört habe, — ist wenigstens wahrscheinlich. — Nm eine halbe ^ Stnnde von Steinach entfernt, liegt das niedliche l3. Horn. Ein Dörfchen, noch zum Cantvn Lhurgau und Oberamt Arbon gehörig. Unsere Abbildung zeigt dieses Dorf mit dem einem Herrn Giulkani gehörigen neuerbauten und geschmakvoll eingerichteten Schloße im Vorgrund. Hier ist ein stark besuchter Landungsplatz, und ein eigener Wasserzoll. Doch sind ble Einwohner (größtentheils Schiffleute und Fischer) hinsichtlich ihres Hausbedarfes zollfrei über See, und dürfen Kaufmannsgüter in Lindau abholen , und laut einer alten Uebereinkunft vom Jahr izZz gewisse Sorten davon auch in Horn ausladen. Ehemals war der Ort eine Besitzung der Herrn von Rorschach, im Jahr 1449 kam er an das Kloster St. Galle», und 146z an das Bisthum Constanz. Kaum eine Stunde von hier, wenn man dem dicht am See hinlaufenden Wege folgt, findet man iß D, i» — 2Y — W 2'ul). 14. R 0 r s ch a ch. Als Hof erscheint Rorschach zuerst im sten Jahrhundert. Durch Zeitumstände und die herrliche Lage begünstiget, wuchs der Ort nach und nach zu einem ansehenli- chen Fielen. Abk Ulrich der mit dem großen Plan umgieng, sein Kloster von dem unfreundlich gesinnten St. Gallen hieher zu verlegen, baute ums Jahr 1487 eine Wl Schiffsstelle und ein Lagerhaus daselbst; - Härte das Unternehmen Fortgang gehabt, » so würden die Vortheile für Rorschach und die ganze Gegend unendlich groß gewesen «V sein. Der Bau ward aber nicht vollendet; denn die St. Galler, und die von ihnen M aufgeregten Axpenzeller und Rheinthaler, welche befürchteten, daß Rorschach eine M blühende Stadt werden, neue Zölle anlegen und St. Gallen beschädigen möchte, Ä überfielen bewaffnet den neuen Bau, zündeten Kirche, Haus und Scheune, nebst den Hütte» der Zimmerleute an, plünderten die Wirthshäuser, soffen den Wein, zerschlu- ih gen dieFässer, und zerstörten was sie nicht mitnehmen konnten. Der Pabst, der Kaiser und endlich die Eidgenossen nahmen sich des Abtes an, und verlangten der Unthat >ve- A gen Genugthuung. St. Gallen mußte 10,000 fl. Entschädigung geben. — Auch die andern Theilnehmer am Nvrschacher Brand mußten Geldstrafen und Entschädigung bezahlen. — — Z« — Hohensar und das Rheinthal wurde damals an die 4 Orte abgetrette». Dagegen blieb das Kloster nun für und für zu St. Galle«, bis es 1828 aufgehoben wurde- Bis zur französischen Revolution blühte zu Rorschach Handel nnd Gewerbe in vorzüglichem Grade - Das Kloster unterstützte die Industrie, «nd man machte besonders!; viele Geschäfte in Leinwand. — Der veränderten Ieitvrrhältniffe ungeachtet, herrscht!z daselbst doch noch ein reges Leben in Leinwand Spezerei und Speditions-Geschäfte». z, Buch ist der dortige Korumarkt einer der bedeutendsten der Schweiz. Die bei der f Stadt befindliche» große« Steinbrüche, welche treffliche grünlich graue Sandsteine für j g das Irrn- und Ausland liefern, beschäftigen viele Hände, und bringen viel Geld inS Land. Außer seiner herrlichen L'ge, und einer fruchtbaren mit Bäumen besäten, und Gärtenund Landhäusern besetzten Umgebung, ist Rorschach schon an «nd für sich ein sehr freundlicher angenehmer Ort. Das große Salz- und Kornhaus und viele andere schöne Gebäude, nebst einer schönen Pfarrkirche, breite gutgepflasterte Straßen, und der geräumige Hafen u.a. m. zeugen von Geschmack, Ordnung und Wohlstand. Auch besitzt Rorschach mehrere gute Gasthäuser, was für den Fremden den Aufenthalt in dort um so angenehmer macht. I > lab. iz. «jj Der Hafen zu Rorschach. E« Das wohlverstandene Interesse der gewerbsamen Bewohner von Rorschach hat k^die Wichtigkeit eines guten und geräumigen Hafens, und einer gut eingerichtet« Korn- Wiholle nicht übersehe». Beide sind ganz vorzüglich, und gehören zu den schönsten am bü>See. Der dortige wöchentliche Fruchtmarkt, so wie das Speditivnswesen werden "^turch die beinah' tägliche Ab - und Zufuhr des Würtembergischen Dampfschiffes, und ^bie des Badischen Dampfschiffes Leopold ungemein befördert, wodurch Rorschach einigermaßen Ersatz für seine frühem glänzenden Zeiten erhält. /« _ . M a r i a B e r g, (bei Rorschach.) U auf dem Bilde fehlerhaft, St. Anna, unterschrieben.) In den Umgebungen von Rorschach ziehen denBlik des Reisenden mehrere Gebäude an, die entweder ihres Alters oder ihrer Form, oder geschichtlicher Erinnerungen wegen Erwähnung verdienen. Darunter gehören die sogenannte Statthalterei oder daS einstige Kloster Maris Berg, ehemals die Wohnung des Statthalters, im > 6 te» Jahrhunder erbaut; und St. Anna, oder das Vogtschlößle oberhalb Maria Berg. « Dieses Gebäude war ehemals eine Besitzung der Herrn von Rvrschach, die es! im Jahr rggv an den Abt von St. Gallen verkauften. — Wir erwähnen dieser Orte 8 sls vorzüglich gut gelegene Punkte zur Fernsicht. — Nicht weit von hier liegt dann s >ll! W rsb. 17. a r t e n s e e. Die Maarer von Wartensee waren schon im iz. Jahrhunderte reich begütert, ^ «nd führten von irgend einer Schirmvogtei her den Namen Vögte v 0 n War te nsee. § Als ihre Familie anwuchs, bauten sie zwei andere Burgen und verbanden sie durch' einen zwischen beide hineingesetzten Thurm, so daß Wartensee das Ansehen eines dreifachen Schloßes erhielt. Wilhelm und Bernhard Binarer stifteten mit Appenzell Landrecht. Nach des letzter» Tode fielen alle Güter an Konrad von Steinach, und dieser verkaufte Ez. die Burg Wartensec an die Bruder Dietheim und Wilhelm s Blaarer. Im Jahr 1728. verkaufte die Familie ihre Burg Wartensee an die Freiherr« D Segefier von Brunegg, und die Söhne desselben im Jahr 1757 an das Kloster St-ii; >«> Gallen. — Zur Zeit gehört dieses Schloß der Familie Watzau aus Bündten. Ein zweig der Familie Blarrer von Wartensee eristirt dato noch bei Vasel. din Im Schloß Wartensee genießt man einer herrlichen Aussicht auf dem See hinab ttl his Constanz, Ueberlingen und Ludwigshafen, in die Berge des Allgäus, Vorarlbergs ia und Tyrols. Aber unübertrefflich, und nicht zu schildern ist die Aussicht bei Sonnenuntergang ; wenn die Kahlfelsen des Vorarlbergs und Tirols vom Sonnenstrahl ge- röthet, sich in dem dunkleren Wasserspiegel des Sees reflektircn, und die grünen Mat, ten der Appenzeller Alpen mit den dunklen Wäldern der Verberge im Golde der Abendsonne in stiller Herrlichkeit das scheidende Tagsgestirn grüßen. So etwas will gesehen und empfunden werden. Zeder und Pinsel vermögen nicht ^es darzustellen. rir kSil >M! > 8 . W a r t e g g. k Als die Brüder Christoph Gaudenz, und Jakob Blaarer im *6. Jahrhunderte Wahrem Bruder Caspar, Vogt zu Arbon, den ob Staad gelegenen Theil der Familien- Wlgüter abtraten, baute dieser im Jahr izzü den Edelsitz Wartegg, der nachher darr l Stammhaus der Gräflichen Familie ThurnVaßassina geworden. S — 34 — Dieses nun ganz modern hergestellte Gebäude, liegt einige hundert Schritte un- terhalb Wartensee. Man genießt anch hier einer herrlichen Aussicht. — Doch ist sie 'S der Lage wegen nicht so ausgedehnt wie zu Wartensee. Besitzer von Wartegg ist zur H Zeit Herr Regierungs -Rath Gmür von St. Gallen. Ii, Von hier kömmt man auf einem etwas abschüssigen Wege nach einer kurzen Streke, nach ki lad. i y. ß S t a a d. Einem katholischen Dorfe ohne Kirche, aber von vielen Wirthshäusern. Der ,, Ort hat eine Schiffslände, mehrere Färbereien, und andere Gewerbe. In der Nähe befinden sich unerschöpfliche Steinbrüche, die vielen Menschen Arbeit und Unterhalt § verschaffen, sie liefern dieselbe Steinart, wie die Brüche zu Rorschach. Die Steine werden größtentheils roh, wie sie aus dem Buche komme» zu Schiffe gebracht, und nach allen Richtungen des Sees verführt. lad. 20. Schloß Greifenstein. Auf einem znm Theile mit Rebe» bepflanzten Hügel, rechts von der Straße die ö« d! !»! »I von Rorschach nach Rhekneck führt, ist das alte hübsche Schloß Greifenstein. — Es Es ist gegenwärtig ein Eigenthum der Familie Salis -Solis aus Granbündten. — >j> Auch hier findet der Wanderer eine schone Aussicht auf den See, die ivohlangebaute Umgegend und die ferne» und nahen Gebirge. — »P Oberhalb Greife »stein erblikt man das alte Dorf W o l f s h a l d e n p das an die Siege von 1405 und 144z erinnert, welche die Appenzeller gegen die Völker Herzogs Friedrich von Oesterreich erfochten, da Eintracht und Vaterlandsliebe, Sitteneinfalt und Frömmigkeit in der Eidgenossenschaft einheimisch waren. — ^ Von Greifenstein führt der Weg durch eine etwas sumpfige Gegend, die das , öftere Austretten des Rheins erzeugte, in einen mit dem üppigsten Obstbau »er- ^ schönem» Thalgrund, worinn die Fürstliche Villa As i ci!)» 21. " W e i n b u r g. liegt. — Hier war seit mehreren Jahre» der gewöhnliche Sommerausenthalt Sr. Durchlaucht des ehemaligen Erbprinzen, nun regierenden Fürsten von Sigmaringen, der durch die Wahl dieses Platzes, und die hier angebrachten Verschönerungen seinen reinen Natursinn und edlen Geschmack auf eine wahrhaft ausgezeichnete Weise beur- i« kündet hat. Dieser reihende Landsitz liegt nur einige tvvo Schritte von Rheineck am Fuße des Buchbergs der mit Reben bepflanjt ist, die einen vorzüglichen Wein liefern. ! — Auf der Höhe des Berges liegt der sogenannte lab. 22. Steinerne Tisch. Ein Punkt, der sich mitRecht der Aussicht wegen die man hier genießt, berühmt gemachthat. —Man hat hier nördlich und westlich beinahe dieselbe große Fernsicht wie im Schloße Wartensee , gegen Osten und Süden ist sie aber weit vorzüglicher, und besonders mannigfaltiger. — Im Mittelgrunde erblikt man das niedliche Städtchen Rheineck mit seiner alten Burg, hinter dem sich der jugendliche Rhein durch die Wie-' sen windete- Von dem Vorsprung der Appenzeller Alpen schaut das Bergdorf Wal-? zenhausen mit seiner Kirche in das gartenähnlicheRbeinthal, auf den Rhein, die Ebenen Schw bens, und die Berge Tirols. — Der Hintergrund endlich enthält Bre- genz, St. Gebhard, Hard, Fußach, Lauterach rc. am Fuße der schroffen Gebirge Vorarlbergs. Die Schönheit und der Reichthum dieses Gesichtskreises kann wohl empfunden und gesehen, aber weder beschrieben noch dargestellt werden. — «! D K L d k 8 - 37 - 23 . R h e i n e ck. Eine halbe Stunde von« Ausflusse des Rheins in den See entfernt liegt dieses niedliche Städtchen höchst angenehm und malerisch in einer der reißendsten Parthien der Seegegend. Man kann es als den Schlußpunkt des großen Landschaftsgemähldes betrachten, welches wir vereinzelt dem Freunde der schonen Natur vorlegen.— Rheinek wurde von den Aebten zu St. Gallen erbaut, und zwar zuerst als Burg. Es brannte verschiedenemale ab, und litt viel während den Schweizerkriegen und den Fehden der Aebte von St. Gallen mit ihren Nachbarn und Gvtteshausleuten. — Die alte Burg welche oberhalb der Kirche auf einem Hügel stand, wurde im Jahr ,408 von den Ap- penzellern zerstört. — Das Stäbchen zündeten die Einwohner die es damals mit Ap- penzell hielten, selbst an. - Eine zweite Burg, hinter der Stadt, auf einem theil- weise waldigten Hügel erbaut, hatte das gleiche Schicksal. —Im Jahr 1445 traf abermals die Stadt dasselbe Leos. — Jetzt stellt ein Nebhäuschen, an der Stelle der ersten Burg, welche früher den ganzen Berg einnahm. Unser blatt zeigt die geringen Ue- berreste der zweiten Burg. Rheinek ist von vielen schönen Landhäusern umgeben, äußerst anmuthig gelegen, und hübsch gebaut, hat y--o reformirte Einwohner und 18Z Wohngebäude, Kirche, und Rathhaus. — ES bildet mit St. Margarethen und Aube- — 38 — hörde einen Kreis des St. Gallischen Bezirkes Rheinthal. - Landbau, Holzhandel, ^ Handwerkerund Fabriken von Leinen und Baumwolle, eine mechanische Weberei, - Fischerei, Schifffahrt und Spedition der von und nach Italien transitirenden Waaren rc., Wochen- und Jahrmärkte bringen Leben, Verdienst und Wohlstand in das Stadt- chen. — Ein wohl fondirtes Spital und Waisenhaus beurkunden den wohlthätigen ! Sinn seiner Bürger. So wie die guten Primär- und Realschulen daselbst mancher großem Stadt zum Muster dienen könnten. - Als warmer Beförderer dieser Anstalten hat sich der schon seit zo Jahren dort angestellte, als Schriftsteller längst rühmlichst be- ü kannte Herr Pfarrer Stein Müller, der Zeit Antistes des Cantvns St. Gallen, ein !» ehrenvolles Denkmal gestiftet. ^ l'ab. 24. " »1 W a l z e n h a u s e n, ob R h e i n e k. j, Bei dem Bilde Nco. 22. ist bereits dieses in den Appenzell Verbergen gele- » genen Appenzeller Dorfes erwähnt worden. Seiner romantischen, herrlichen Lage >ve- gen haben wir dies Bild von demselben gegeben. — Wir bemerken nur noch, daß der -l schönste Punkt für die großartige Aussicht bei der Kirche ist - Ein Frauenkloster das !l in der Rahe sich befindet und im Jahr 1420 als eine bloße Einsiedelei gegründet wur- B - Zy - M de, gehört zur Gemeinde, und ist eine wohlthätige Spende für die Dürftigen (mit- Mi unter auch Arbeitsscheuen) der Umgegend. — «! -' - - M l'ad. 26. ch F u ß a ch. ,L Wenn man bei St. Johann Höchst über den Rhein fährt, so betritt man am jen- ,^festigen Ufer das k. k. österreichische Gebiet, das sogenannte Vorarlberg , — und ,,«kömmt zu dem ziemlich ansehnlichen Dorfe Fußach, das an der Mündung der Doren- Lürer Aach in den See, in einer z Stund breiten, etwas sumpfigen Ebene liegt. Man giebt dem Ort ein hohes Alter bis in das 9te Jahrhundert hinauf. Es ist nicht unwahrscheinlich, der Lage wegen, durch weiche die merkantilische Verbindung zwischen Deutschland, der Schweiz und Italien begünstigt wird. Der Speditionshandel Fuß« achs ist daher auch sehr alt, und war immer bedeutend. Die Schiffahrt wird sehr ^lebhaft betrieben, und regelmäßig geht ein Botenschiff nach Lindau, das die von Ve- «nedig und Mailand angekommenen Waarenartikel nach Lindau bringt. Fußach hatte ehemals ein eigenes Schloß, worin die österreichischen Vögte wohnten. Die Schweiger haben es wie so manches andere im Jahre 1460 zerstört. Dafür besitzt der Ort yMn ein geräumiges Mauthaus. - — 4o K Inli. 26. Die Nachdrücke und der St. GebhardSberg. Eine Viertelstunde vorwärts Fußach kommt man an die hölzerne sehr lange Brücke, welche über die sogenannte Bregenzeraach, ein wildes, verheerendes Berg- wasser, gebaut ist. Wege» der öfter» Uederschwemmung und Ausgießungen dieses Waldstrohmes mußte die Brücke auch auffallend lang gebaut werden. Die Nach wird übrigens auch zum Flöhen von Bau und Brennholz benützt. Der Weg von Bregenz bis zu dieser Brücke ist ein beliebter und sehr besuchter Spatziergang der Bregenzer. Man erblickt zur Rechten der Brücke den Gebhardsberg, von dem wir noch besonders sprechen werden, und hinter demselben das Haupt des ganzen Gebirgsstockes , den ß, Pfänder, (dessen Spitze eine entzückende Aussicht gewährt,) mit seiner alten Schanze^ und seinen Bauernhauser», wo man auf dem Heuboden übernachten, und Sonnenauf-D gang abwarten kann. 27. u. 3 o« Bregenz, von zwei Seiten. Das alte Brigantium der Römer, das dem See den Namen gab, im Lande der Briganter, und gegen die Allemannen erbaut, ist verschwunden, und das heutige Bregenz zeigt nur noch an dem einten Thore, das von der Ober- in die Unterstadt führt, eine Spur der alten Romerherrschaft. Es ist ein Fragment eines Basrelifs, einen !« Mann zu Pferde, und zwei Figuren vorstellend. Dies mag indessen genügen, um Si> das hohe Alter von Bregenz nachzuweisen. itz Uebrigens stand das Brigantium, alten Nachrichten zufolge auf der Anhöhe, wo »k jetzt der Oelrain ist, und früher ein römischer Altar nebst Münzen gefunden wurde. P Nach Vertreibung der Römer setzten sich hier die Allemannen fest. Kolumban mit sei- V »en Gesellen kam von Arbon, um den Allemannen das Evangelium zu predigen. M Seit Attillas Zeit lag die Stadt in Trümmern, nur noch ein christliches Bethaus des il-heil. Aurelian, wo nebe» dem Altar die Götzenbilder der Allemannen standen, war übrig W geblieben. Kolumban und seine Gefährten blieben drei Jahre hier, und suchten die « Lehre des Evangeliums zu verbreiten. Allein sie faßte nicht Wurzeln, und die frommen Glaubensprediger mußten aus dem Lande fliehen. Während ihres Aufenthaltes hatten sie dort den erste» Anfang mit der Obstbaumzucht gemacht, und das Land angebaut. Ihnen hat demnach Bregenz und das dortige Gebiet das Christenthum und die Kultur des Landes zu verdanken. Gegenwärtig besteht die Stadt aus zwei Theilen, der obern und der unter« Stadt. Jene, welche ummauert ist, zieht sich den Berg hinan, und ist alt und W« h — 4 - — i lich. Ihre Mauern sind größtentheils aus dem >z. Jahrhundert. Den untern schönern Theil, jetzt die eigentliche Stadt, mache» die am See Hergelegenen ehemalige» Vorstädte aus. t« Bregenz ist die Hauptstadt der alten Grafschaft dieses Namens, die bei y Meile» ^ lang, und zwischen r und 4 Meilen breit war. Diese Grafschaft gieng von den alte« Grafen von Bregenz, die eines Stammes mit denen von Montfort waren, nach ih- ,, rem Aussterben auf die Grafen von Jstrien Rhätien, und von diesen durch Heirakhj,, auf die Grafen von Pfullendorf über (im er. Jahrhundert.) Von diesen kam sie a» ^ die Pfalzgrafen von Tübingen, die auchMontfortischen Stammes waren, und endlich ^ an die Grafen vvn Montfort. — Elisabeth, Gräfin von Montfort und Bregenz, vrr- ,, mahlte Markgräfin vvn Hochbcrg, verkaufte im 1 .1451. ihren halben Theil der Graf-z, fthaft Bregenz, der Herrschaft und des Schlosses Hohenek an den Erzherzog SiMund^, von Oesterreich für zg,zy2 Gulden. Die andere Hälfte der Grafschaft verkaufte Grafl,, Hugo v. Montfort und Bregenz im Jahr 152z. für zooo Gulden, an den Er-Hcrzvz^, Ferdinand von Oesterreich. Seit dieser Zeit ist Oesterreich im fortwährenden Besitz! ^ der Grafschaft, der nur in Folge der neuern Ktaatsumwälzungen auf kurze Zeit imVj terbrocheu wurde, indem durch den Friedensschluß von Preßburg (l8°ü), nachdem daS^ Jahr zuvor die Franzosen die Stadt Bregenz ohne Schwierigkeit zu finden, besetzt» hatten, das Dorarlbergische an Bayern kam. sk« 4 "! In Folge des Wiener - Cengresses kehrte jedoch die Grafschaft i. I. isiz. wieder ^ «n das Erzhaus Oesterreich zurück. Bregeuz ist die Hauptstadt des Bregenzerkreises oder Vorarlbergischen, der die Herrschaften, Embs, Feldkirch, Bludenz, Gvnneuberg ^ und Hohenek umfaßt, und einen Kreishauvtmann hat, der zu Feldkirch wohnt. Gewöhnlich liegt ein Bataillon eines Jägerregiments in Vorarlberg, und der Staab bald von zu Bregeuz. Dieses und die in verschiedenen Dikasteriea daselbst angestellten Besamten, giebt der Stadt ein lebendiges ansehen. In der angenehm aus einem grünen !lk Hügel gelegenen Pfarrkirche sieht man links an der Kirchmauer die Grabsteine des E1822 d. ic>. Juli gestorbenen, in der Vorarlbcrger Jnsurrection von igoy. bekannt -l gewordenen Doktor, und nachherigen k. k. Appelationsgerichtsraths Schneider, und am ^Eingänge der Kirche, rechts dekt ein aanz einfacher Stein die irdischen Ueberreste des W,. I. I8oo. an der Lith gebliebenen Feldmarschall-Lieutenants Hohe, von Richter- ^schwyl am Jürchersee gebürtig. Auch sind daselbst noch einige hübsche Grabmäler zu Äschen. Bregenz wurde i. I. 1408. von den Appenzellern im härtesten Winter y ^Wochen lang belagert, aber nicht erobert. Im Gegentheile wurden die Appenzeller iUdiirch das vereinigte Heer der Ritterschaft und Stadt am See geschlagen, und zur ^Aufhebung der Belagerung genöthigt, zm Schwedenkriege nahm dagegen Gustav ^Wrangel ,646. die für unüberwindlich geachtete Klause, und alle weitem damaligen Verschanzungen weg, und bemeifterte sich dann der Stadt, und einer unermeßlichen — 44 — Beute. — Denn weit umher harte alles seine beste Habe dahin geflüchtet, da man ^ an keine Möglichkeit glaubte, daß der Feind nach Bregenz kommen könne. .i Im Jahre 1796. kamen die Franzosen ganz leicht nach Bregenz, und die Oester- reicher zogen sich gegen Dornbirn zurück. Ebenso leicht ward es den Franzosen in dem verhängnißvollen Feldzuge von izoz. Bregenz zu nehmen. Bregenz hatte vor Errichtung der Mauthen mit dem schwäbischen und schweitzer- schen Ufer einen sehrlcbhasten Verkehr unterhalten. Das Vorarlbergische kaufte in den schwäbischen Seestädten Korn, Weine und andere Lebensbedürfnisse ein, und gab dafür H seine Käße, Butter, Obst, Flachs, Garn, Kälber, auch etwas gestikte Mvusselinerc. kl Ein bedeutender Handel wird noch von Bregenz aus mit Holzwaaren getrieben, die Z entweder verarbeitet, als Fässer, Dauben, Kübel, oder als Reebsteken, Bretter, Dielen rc. in ganzen Schiffsladungen nach Constanz, Schaffhausen und Ueberlingen verführt werden. So angenehm auch die Lage von Bregenz an sich ist, und so interessant die Aussicht von der Höhe worauf die Pfarrkirche und einige andere Gebäude stehen, ic sich zeigt; so wird sie doch noch von einigen benachbarten Höhenpunckten übertreffen, « deren Darstellung und Beschreibung Gegenstand der folgenden Blätter sein wird. — li Dagegen fehlt es nicht an angenehmen Spaziecgängen, die ihrer Oertlichkeit wegen B dem unverdorbene» Freunde von Naturschönheiten einen angenehmen Genuß gewäh-M — 45 — « ren. Darunter sind ausser Mehrerau, Wolfurt, Höfen, Lochau und Baumle, die alle nicht über eine Stunde von der Stadt entfernt sind. lad. 28. Kloster Mehrerau. !>tz «>l Es ist wahrscheinlich, daß Kolumban und Gallus mit ihren Gefährten den erste» iii Grnnd zu dem ehemaligen Kloster Mehrerau legten. Wenigstens spricht, Walafeia U Strato, ein Reichen««» Mönch ganz ausdrüklich voneinem Caenvb i um, was nach >,> damaliger Zelt eine gemeinsame Wohnung bedeutet. « Graf Ulrich VIII- von Bregenz baute aber das Kloster nach Benedikts Regel r. litz I. toyz. und fand seine Grabstätte daselbst. Die Mönche für diese neue Stiftung H kamen von Petershausen. — Bischof Ulrich von Konstanz, ein Graf von Dillinge» ch, weihte die Kirche i. I. 1102. Damals begabten Graf Rudolph von Pfullendorf das >p neue Kloster sehr reichlich, wie huch des Stifters Ulrichs Gemahlin, Bcrtha, eine Tochter Rudolphs von Rheinfelden bereits gethan hatte. Das Kloster wurde mehre- H remal zerstört, und wieder aufgebaut, das letzte mal zu Ende des vorigen Jahrhun- « derts. — Als das Kloster an Bayern (1326.) kam, wurde es aufgehoben. Das Haupt- - 46 - gebäude pachtete ein Bürger, die Klosterkirche aber wurde i. I. >8,,. von einigen Bürgern der Stadt gekauft und abgebrochen. Jetzt ist ein Wirthshaus an des Klosters Stelle getretten, das von Spaziergängern eben so fleißig besucht wird, als wohl ehemals das Kloster. Was aus den alten Grabmälern des Grafen Ulrichs und der Grafen von Mont- fort, die sich in der Kirche befunden haben, geworden sein mag, wissen wir eben so wenig, als welche Denkmale von Gelehrsamkeit und sonstigem geistigen Wirken aus diesem ehemaligen Kloster vorhanden sein mögen. — Die Lage von Mehrerau ist allerliebst, und durch Fleiß und verständige Anordnung kann hier ein kleines Paradies geschaffen werden. — Dem Vernehmen nach soll sich dort eine Gesellschaft zur Errichtung einer Cichorien-Caffe Fabrik, und zum Anbau der dazu nöthigen Wurzeln etablircn wollen. lab. 29. u. 3 o« St. GebkartS-Kapelle von 2 Seiten. Eine halbe Stunde von Bregen; entfernt mit dunklen Tann n bewachsen und auf kahler jäher Felsenspitzc ein Kirchlein tragend, ist der Gebhardsberg. Er bildet gleichsam den Eckpfeiler am Bregenzerwalo gegen das Rheinthal. Ein Portal dessen An- !» ficht wir geben, fällt dem Wanderer zuerst in die Augen, bevor er in den Genuß der N majestätischen Schöpfung tritt, die sich nun seinem Auge ausschließt; den» M hier auf dieses Berges Höhe genießt man aus den Fenstern eines kleinen Gebäudes nach drei Seiten hin einer entzückenden Aussicht über den ganzen See in seiner volle» »>l Ausdehnung von 18 Stunden, von Vregenz bis Sernatingen, oder Ludwigshasen, isi und über Cvnstanz hinaus bis an den Untersee. AUf der anderen Seite erblikt ma» I»! das von hohen Bergen umschlossene Rheinrhai, und den Ausfluß des Rheins, die manig- saltig geformten Appenzellergebirge, und die von den Kalkfelsen Vorarlsbergs scharf Mj abstechenden waldigtcn Höhen des Bregenzerwaldes, welchem sich die rauschende Bre- s>i genzerach entwindet, um vereint mit dem Rhein sich in den See zu ergießen. Durch den freien Blick in das einem englischen Garten gleichende Rheinthal ist man in den Stand gesetzt, den vielfach wechselnden Lauf des Rheins bis zu seiner Auswündung in den See, auf einer weiten Streke zu verfolgen. Wegen dieser, in ihrer Art einzigen, unermeßlichen Aussicht ist der Gebhardsberg, von allen Reisenden fleißig besucht, einer der schönsten Punkte am Bodensee. St. Gebbardskirchlein ist an der Stelle erbaut, wo das im Jahre 1646. von den «l! Schweden zerstörte Schloß Hohenbregenz stand. Wie dieses leztcre zu jener Zeit mit A hohen Thürmen, Basteien, Thoren, und Gräben befestiget gewesen, zeigt die noch W vorhandene Abbildung davon im Lheatrum Europaeum. — 48 — ! lad zi. ^ B r e g e n z, (siehe vorne.) ^ lad. 32 . Die Klause bei Bregen;. Dieses Ueberbleibsel eines ehemals sehr wichtigen, und gut verwahrten Engpasses durch welcken die Straße aus Italien nach Schwaben zieht, liegt nur eine Viertel- Stunde von der Stadt gegen Lindau zu am sogenannten Unnvth. '' Ein Thor mit Schanzen, und einigen Bollwerken sind noch vorhanden; da der Paß ^ auf einer steilen Anhöhe liegt, so schien er mit wenig Mannschaft leicht vertheidi ' werden zu können. Allein im Schwedenkrieg, i. I. 1646. in den Weihnachtsfeierta« ^ zen, bemächtigte sich Gustav Wcangel, der theils von Soldaten, theils von Bauer» ^ besetzten Schanze», nachdem er bereits vorher schon mit Hilfe der Landlente von ^ Wangen Mittel gefunden hatte, einige derselben durch Ueberfall zu nehmen. Bregenz^ war damals vollgepfropft mit geflüchtetem Gut au« der ganzen Gegend. Die Grafen von Zeil, Königsegg und Hohenems hatten beinahe ihr ganzes Mobiliarvermögcn dahin geschält. Die Beute der Schweden war daher unermeßlich. Ueber 5-00 Wagen» wurden damit beladen, und über die Donau gesandt. Viele Landleute blieben bei!« — 4 <) — der Erstürmung des Paffes, preis ertranken im See, Wohin ste flohen, um die Schiffe zu erreichen. Was entkam, floh der Stadt zu, und verbreitete dort Verwirrung und T'ab. ZZ. U. 34 . Lindau 0 n d s e i l, H a f e n. « Auf drei ungleich großen Inseln von los Merzen Flächenraum, welche mit dem festen Lande, und unter sich durch Brücken verbunden sind, liegt die ehemalige Reichsstadt Lindau mit 700 Häusern und ihren 2720 Einwohnern. Auf einer dieser Jn- 7''n die Burg genannt, zeigt man »och Reste uralter Befestigungen, die als Schutz- wehr gegen den See dienen und seit Jahrhunderte« »«zerstört geblieben sind. Mau hält sie für Ueberblcibsel römischer Werke, obgleich man nicht darüber einig ist, ob die Insuln l'iberU hier zu suchen, oder dieses Bauwerk der späteren Zeit, etwa des Konstantins Chlorus zugeschrieben werden müße. Die gleiche Ungewißheit herrscht auch bezüglich auf die sogenannte Heide »mau er, ein Fragment eines riesenhaftes Thurmes oder anderen Befestigungswerkes, mit einer 8 l/s Schuh dicken Mauer, am Eingang rechts bei dem HaupttlM gelegen. Man weiß nicht ob man sie zu einem Rvmerwerke oder zu einem gegen die Hunnen im Mittelalter gebautes Vorwerk ma- 7 chen soll. Wir sind eher geneigt ersteres als lezteres anzunehmen. Die uralte Lee- /> dition stimmt damit überei». t Lindau erscheint bereits in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts (774.) als ? eine Besitzung eines gewißen Blittgäk, und war wahrscheinlich von Leibeignen gebaut, Ik nachdem die Zeit der Allemannischen und Hunnenverheerungen vorüber, und das Land um den See unter die Herrschaft der fränkischen Könige gekommen war. Im y. Jahr- H hundert war es Besitzung Adelberts Grafen von Rhätien, der seinen im Treffen bei >! Iizers erschlagenen Gegner Rnodpert, Grasen im. Argengau hier begrabe» ließ- Da- mals war es bereits ein bedeutender Ort. Allein im Jahr 943. brannte es ab. Spe, Z ter kam es an die Grafen von Bregenz. Es kaufte sich aber in der Folge loß, und !i ward eine freie Stadt- Wann es geschah kann nicht mehr genau bestimmt werden, r da die ältesten Urkunden in den großen Feuersbrünsten, welche 12S4. 1339. und rg 47 > die Stadt verheerten, zu Grunde gierigen. Allein zu Kaiser Rudolphs Zeit war Lindau bereits eine alte Stadt des Reiches. Bis in das iz. Jahrhundert war hier eine Wahlstadt des schwäbischen Landgerichtes, das nun nach Altdorf verlegt wurde.-t Im Jahre >396. brach ein gefährlicherBürgerauftuhr aus, durch die Feindschaft zweier >» Bürger, Reinold und Schreiber veranlaßt, der durch die Hilfe der Bundesstädte un- s terdrückt wurde. Rienold und sein Sohn, die Zunftmeister Baumgarten und Zahn, h mehrere andere Bürger, die minder mehr am Aufruhr Theil genommen hatten, wurden st L enthauptet.' einige wurden verwiesen, andere an Geld gestraft. Hundert Jahre spater hielt Kaiser Marimilian zu Lindau den berühmten Reichstag, der den bekannten ) t Schwabenkrieg zur Folge hatte. Die Stadt war Mitglied sowohl des schwäbischen M Städte-Bundes, als des mächtigen Schwabenbundes, und nahm sehr frühe schon die Reformation an. Mit Konstanz, Memmingen und Jffny übergab sie auf dem Reichs- A tag zu Augsburg izzo. ihr eigenes Glaubensbekenntniß und trat dem Schmalkaldischen kiü Bunde bei. Im Schwedenkriege hielt sie eine zwei monatliche Belagerung durch L General Wrangel aus. Der Kaiserliche Kommandant Graf Marimilian von Wolfegg h Waldsee, ein Mann von Einsicht, Erfahrung und Muth unterstützt von Rath und Bürgerschaft schlug alle Angriffe des Feindes zurück und nöthigte ihn die Belagerung M aufzuheben; durch -enReichsdepudativusschluß kam Lindau mit dem Stift an den Für- ix Aen von Bretzenheim, durch den Preßburger Frieden si«0L.) an Bayern, lt i Lurch seine günstige Lage, seinen vortrefflichen Hafen und die bekannte Solidität kjimid Intelligenz feines resp. Handelstandes ist Lindau zu einem bedeutenden Handels- «ü'iind Speditivns-Platz geeignet; als welcher es auch in frühern Zeiten vor alle» an- M dein Städten des Bodensees glänzte. Allein durch die Veränderung früherer Beritt hältnisse, und besonders, seit Unsere Finanzmänner durch die Schlagbäume den deutsch schen Handel und Gewerbsfleiß so sinnreich gelahmt haben, ist auch Lindaus merkan- Ä Mischer Glanz gesunken, und dürfte schwer wieder die alte Hohe erreichen; indem sich, besonders in Beziehung auf die Spedition, seitdem Sieles asf eine bleibende Weise anders gestaltet hat. Indessen findet Lindau in seiner herrlichen Lage, seinen ausgedehnten merkantilischen Verbindungen, so wie in seinem mit Königl. Liberalität ! vollendeten Hafen, noch immer einige Bürgschaft für seinen Handel , und seinen ? Wohlstand; auch wird der regelmäßige Besuch der Dampfschiffe diesen Platz gewiß mehr Vortheil als Nachtheil bringen, was sich durch die auffallend stärkere Frequenz ' des alle Samstag in dort stattfindenden sehr bedeutende» Kornmarktes bereits unzwei-!'' deutig erwahrt hat. Außer seinem prachtvollen Hafen hat Lindau noch mehrere bcmerkenswerthe Ge- bände, — darunter find: l.) Das ehemalige Stiftsgebäude, mit der Kirche, welche 1752 neu gebaut wurden, ^ da sie im Jahr 1728. nebst 46 Bürgershäusern abgebrannt waren. Jetzt find die ^ Wohnungen für das königl. Bayerische Landgericht, Polizei-Commiffariat und ?" Rentamt verwendet. b r.) Die alte St. Pcterskirche auf der Insel. Sie soll die erste Pfarrkirche gewesen!' sein, und bereits seit dem io, Jahrhundert stehen. !> 3.) Die wirkliche Pfarrkirche zu St. Stephan, mit einer trefflichen Orgel, und dem i! Grabmahl der i. I. 1645. verstorbenen Gemahlin des damaligen Kommandan-i' ten Grafen Mr von Wolfegg. ^ — sr — 4.) Der Chor in der eingegangene» Dreifaltigkeit - Kirche, sehenswerth wegen den sch dorr befindlichen Bildnissen verdienter Lindauer; in dieser Kirche befindet sich L auch M 5.) Die Stadtbiblivthek. Die Umgebungen von Lindau liefern Wein, Obst, besonders Kirschen, Gemüse bst «nd Futter. Der See ist reich an guten Fischen. — Hübsche Gärten, mit schönen Landhäusern laden den Fremden zum Besuch ein und bereiten ihn gewissermaßen auf den Genuß der herrlichen Aussicht vor, die sich ihm in der Stadt sowohl als in der ^ Umgebung öffnet. In der That kann es nichts überraschenderes, großartigeres geben als der Anblik ist, welchen die Gegend von Lindau gewährt, wenn man zn Wasser von ^ Friedrichshafen her sich derselben nähert. Da öffnet sich ein Amphitheater das die Tiroler und Vorarlberger kahle Felsen gegen das Rbeinthal zu bilden, nnd das mit den Appenzeller Alpe» einen auffallenden Kontrast zeiget. Ist man so glücklich dieses Schauspiel bei der Abendsonne zu erblicken, so bleibt man wirklich in stummes Erstau- neu versunken, und findet kaum Worte das Gefühl zu beschreiben daS dieser Anblik erregt. Der freie Blik schweift hier auf der großen Wasserfläche von ungefähr 40 Ejj Gevicrtstunden umher. Die besten Punkte zur Uebersicht dieses wunderbaren Panvra- ^ Mas find die Karlsschanze auf der Insel, und die Stadt-Thürme. — §4 — l lad. 35. Giebelbach bei Lindau. -Eine allerliebste Villa, z. Z. dem köuigl. bayerische» Herrn General von WaK- hingtvn gehörig , der hier im Schvoße einer reihenden Natur, und in phylosvphi- scher Ruhe das glückliche Leben lebt, das Cicero gepriesen hat: Muße mit Würde. Auf der Höhe des zu diesem Gute gehörenden Weinberges ist die sogenannte Waß- ^ hing tonsbank. Wo man nicht nur eine der herrlichsten Aussichten nach dem im ! See schwimmenden Lindau sondern auf den ganzen unermeßlichen Wasserspiegel und den schönern Theil seiner Umgebungen hat. Bei Sonnenuntergang ist diese Fernsicht einem Zauber gleich, der nur gesehen, aber nicht beschrieben werden bann. Wir verweisen dieserhalben auf Ebel und Schwab, und laden jeden echten Freund von Naturschönheiten ein, selbst dahin zu gehen, zu schauen, und sich zu überzeugen, daß «ir nichts übertrieben Haben. — Anmerkung. Ein anderes zunächst obiger Will« gelegenes Landhaus bewohnt in den Sommer- ^ Monaten Herr Doktor Reiner, der zu Bregenz gebürtig, auS Liebe zur Seegegend, mit 8 Hintansetzung einer einträglichen Praxis in München, sich mit seiner liebenswürdigen Familie dichter nikdkrtieK, und seinen als ausgezeichneter Augenarzt und Qperatrur »«rangegangenen Ruf durch mehrere glückliche Kuren, bereits auch am Bodensee aus eine Weise begründet hat, die seiner seltenen Kunst die höchste Anerkennung lund das Zutrauen von nahe und ferne sichert. — Zeden Vormittag widmet Herr Doktor Reiner seinen Patienten in Linda», und seiner daselbst kürzlich errichteten Heilanstalt für Augen» undGehörkranke, wo jeder auswärtige O Hilfesuchende zugleich sorgfälltige Verpflegung, und auch Arme eine Aufnahme nebst unenr> itz geldlicher ärztlicher Besorgung finden, wenn die weiteren Itnterhaltskösten, und Medikamenten AuSlagen von Gemeindswegen oder sonst woher gedeckt werden. — Aus Hochachtung für den ^ Unternehmer dieser für die leidende Menschheit so wohlthätige» Anstalt» glaubten wir auch > die auswärtigen Leser dieser Blätter mit einigen Worten darauf aufmerksam machen zn sollen. - —— - lab Zb. ^ Wasserburg. Liegt eine Stunde von Lindau abwattS, auf einer Halbinsel im Bodeusee. Dle Pfarrkirche, das ehemalige Schloß, und das Pfarrhaus stehen so zu sagen im See. E Der Ort der ein Flecken von 2220 Seelen ist, eine Schifflände, und eine an Getreide s Wein und Obst sehr reiche Umgebung hat, ist sehr alt und kömmt bereits im 8 , Jahr- M hundert vor. Als Herrschaft, mit der Gerichtsbarkeit über die Orte Oberreitenau Mellenberg war Wasserburg schon früh eine Besitzung des Hanfes von Montfort, und gehörte zur Herrschaft Argen. Später im iz. Jahrhundert belassen es die von Schel- ienberg Wasserburg. Im r6. Jahrhundert war es aber wieder in den Häyden der Grafen Montfort, die es an die Fugger verkaufte» von welchen es an Oesterreich, und endlich, von diesem durch den Preßburger Frieden an Bapexn kam. Außer der Fruchtbarkeit der Gegend die sehr gut angebaut ist, und einem Garte» gleicht, in dem ^ Obstbäume, Weinberge u«d Fruchtfelder mit einander abwechseln, findet hier der Wanderer auch den Genuß der schönen Aussicht über den See, und auf die gegen überliegende Schweitzerlandfchaft. ti! lab. Z^. K Langenargen. Unter dem Namen Argon« kömmt das heutige Langenargen in einer Urkunde vom Jahr 77z. als Weiler vor. Im Verlaufe der Zeit wuchs es zu einem Flecke» , heran, der nun bei yoo Einwohner hat, den Namen hat der Ort wahrscheinlich von ^ der Argen, einem bösen und tückischen Flüßchen, das vpm Allgau herabkömmt und ^ hier in den See fällt. Langenargen war eine Besitzung des einst so mächtigen und berühmten Hauses von Montfort. . >z,, «> Graf Willhelm welcher zur Zeit Ludwigs des Bayer Stadthälter zu Maylaud ^ war, baute bei seiner Rückkunft von dem Reichthum den er in Italien gesammelt hatte, ^ im Jahr izzr. das Schloß zu Argon auf dem Argenhvrn; einer schmalen sich i» den See erstrekenden Erdzunge. Es war für seine Zeit sehr fest, und nur auf einer Seite über eine Brücke zugänglich. Jetzt ist nur noch eine Brückenschanze vorhanden. ^ Noch im Schwedenkriege war das Schloß zu Langenargen ein wichtiger militärischer kk Punkt, daher es denn auch im Theatrum Eurvpäum, und in Icilers Schwäbischer V Topoaraphie abgebildet worden ist. Gegen das Ende des 17. Jahrhunderts bauten die Grafen von Montiert — Tettnang, ein modernes Schloß an des alten Stelle. Es hatte eine» kleinen Hasen und eine hübsche Rüstkammer. Nun sind nur noch die vier Wände vorhanden. Schifffahrt, Fischerei und Feldbau sind die Nadrungszweige dieses Ortes. Auch ist daselbst eine seit einigen Jahren errichtete Bleistiftfabrike. Das ehemalige Kapuzinerklsster mit seinem schönen Garten ist verkauft. u Schöne Ansichten bieten sich dar aus dem Hintern Saal im Wirtbshause zum Schiff, vom Kirchthurm aus, und aus den Ruinen des ehemaligen Schlosses auf der Halbin* ^ sel. Auf diesem letzten Standpunkte, wo die Wellen des Sees die ehemalige Schwell denschanze peitschen, die nun zu einem Gärtchen umgeschaffen ist, übersieht man den See nach westlicher und südöstlicher Richtung mit dem Bregenzerwald, den Einschnitt 8 des Rheinthales mit seine» Gebirge», den Rorschacherberg und die ganze Säutiskette oder Alpstein. - — ^ 33» jz Sch lo ß r ni n e M o n t f o r t. ^ Wegen der vorzüglichen Aussicht die sich hier darbietet, haben wir die Ruine des ,D ehemalige» Montforter Schlosses, in unsere Sammlung aufgenommen; möge der An- L blik der schöne» Natur dem Wanderer auf diesem Ueberbleibsel alter Herrlichkeit da- >,s traurige inemenw mori vergessen machen, auf dem sein Fuß hier ruht. ft - 8 3o. "" » Friedrichshafe n. (Stadt.) Die alte kleine ehemalige Reichsstadt Buchhvrn hat ihren Namen geändert, nach- ^ dem König Friedrich von Würtemberg das ehemals zu Weingarten gehörige Kloster ^ Höfen, durch eine Häuserreihe mit der Stadt in unmittelbare Verbindung gebracht, ^ und durch mancherlei Begünstigungen mehrere Niederlassungen daselbst veranlaßt hat. , > - Sy - " Buchhorn kömmt bereits im yten Jahrhunderte vor. Es war später eine Besitzung der Grafen von Linzgau aus dem Kyburger Stamme. Sie wohnten zu Buchhorn. Graf Ulrich V- zog im Jahr 916. in den Krieg gegen die Hungarn, wurde gefangen und ließ nichts mehr von sich hören. Seine Gattin Wendelgarde glaubte ihn tod, trauerte und zog sich in St. Wiboraders Zelle nach St. Gallen zurück. Alle Jahre kam sie nach Buchhorn, und feierte dort das Jahresgedächtniß ihres'todtgeglaubten Mannes, dl! Allein dieser lebte noch und hatte nach dreijähriger Gefangenschaft seine Freiheit d wieder erhalten. Er zog in Lumpen gehüllt, und durch die langen Leiden entstellt !>! in seine Heimath, und kam eben nach Buchhorn als Wendelgarde wie gewöhnlich am Gedächrnißtage seines Todes den Armen Allmosen spendete. Mit Ungestüm drängte sich der Graf an Wendelgarde, und fvrderle gleichfalls eine Gabe. Entrüstet über deS fremden Bettlers Dreistigkeit rief die Gräfin ihrem Gesinde, als Ulrich sich zu erkennen gab, und die erstaunte Gattin in seine Arme schloß. Durch eine Synvdalent- scheidung, wurde Wendelgarde die bereits den Schleier genommen hatte, wieder frei, und zog wieder nach Buchhorn. Sie gebar mehrere Kinder, und starb an der ^ Geburt eines Sohnes , der in der Folge Abt zu St. Gallen wurde. Adelhard ein an- ^ derer Sohn Ulrichs V. war der Großvater des heiligen Gebhards, Bischofs von Kon- stanz. Graf Otto von Buchhorn, raubte die Gemahlin des Grafen Ludwig vvnPsul- lendvrf. Er wurde deßwegen mit dem Kirchenbann belegt und enthauptet. Von den Grafen von Bnchhorn kam die Stadt an die Weifen. Heinrich der Stolze war schon im Besitze derselben, und das Kloster zu Höfen wurde bereits im , Jahr uz--, von seinem Bruder Weif gegründet. AIs der Stamm derWelfen erlosch, wurde Buchhorn eine freie Stadt des Reichs, und blieb es bis zur Mediatiflrung, unter ^ § verschiedenen Schicksale». Im Jahr 1292. ward es von dem Abt von St. Gallen er- ^ »bert, und geplündert. Im Jahr izüz brannte es ganz ab. Im dreisigjährigen B Kriege war es von «üzr. — iszg. in den Händen der Schweden, und hatte sehr viel « zu erdulden. Im Jahr 1795. darre der berichtigte General Larreau sein Hauptquar- tier lange in Höfen, und Buchhorn wurde übel umgenommen. dj Friedrichshafen hat circa 800 Einwohner, eine Post, Kammeralvcrwaltung, Ober- ^ Zollverwaltung, katholische und protestantische Pfarrei, und einen schönen mit best»- deren Privilegien begünstigten Hafen, von wo aus das Königliche Dampfbvot Wil-' ü" Helm seine täglichen Fahrten nach Rvrschach macht. Der Ort nährt sich vorzüglich vom Gpeditivus- und Durchgangshandel. Eine in der Nähe angelegte königl. Sennere» M die durch Ausstokung einer großen Strecke Waldes noch vermehrt wird, giebt der Ge- Irgend ein freundliches Ansehen. I! —. —- 40. Das Schloß Friedrichshafen (Höfen.) ,d Das Schloß Hosen, ehemals ein Kloster zur Reichsabtei Weingarten gehörend, nun ,, durch eine Reihe neuer schöner Häuser an einer herrlichen Straße mit dem Städtchen tz zusammenhängend, erblikt man mit seiner schonen Kirche und seinen zwei Thürmen ,i vom See aus in weiter Ferne. Jetzt ist aus dem ehemaligen Kloster ein Königliches p Lustschloß geworden, das S. Maj. der König von Würtemberg alle Jahre einige Monate lang im Sommer bewohnen. Es ist einfach aber sehr geschmackvoll eingerichtet. Auf ^ dem Balkon dieses reizenden Lustschlosses genießt man einer der herrlichsten Aussichten, ch Beinahe jm Mittelpunkte der ganzen Seelänge sieht man hier aus einer Seite die K Thürme von Konstanz, auf der anderen über Langenargen an die lange Erdzunge aus welcher der Vater Rhein in den See hercinschreitet. Und zwischen diesen beiden N Endpunkten liegt der Obstgarten des ThurgauS, mit seinen Dörfern, Burgen und Höfen, und die im Hintergründe derselbe» aufsteigende Kette grüner Hügel mit den kahlen Fclscnwänden des Säntis! — Ü2 lab. Hr. Schloß Hersperg. !«> Es liegt an der Landstraße von Meersburg nach Friedrichshafen und Lindau, auf i, einem schönen mit Reben bepflanzten Hügel, und hatte ehemals seine eigenen Freiherren. Im l7- Jahrhundert kam es an das Kloster Ochscnhausen und nach dessen . Säkularisation an den Fürsten von Metternich; der es vor einigen Jahren an Herr» ^ Baron Kremp verkaufte, welcher dasselbe nahmhaft verschönern ließ. Der hohen freien Lage wegen gewährt das Schloß Hersperg eine der unbeschränktesten Aussichten ^ über den See nach seiner Lange und Breite, ja sogar bis über den Untersee, da man ' die Inseln Mainau und Reichenau überschaut. Der Wanderer, der große interessante ^ Aussichten sucht, möge daher die Höhe von Hersperg besteigen, da er von diesem . ' Standpunkte aus sich den Genuß einer ausgezeichneten Fernsicht verschaffen kann. ' lab tj.2. K i r ch b e r g. Äirchberg kam durch Kauf von dem Stift Kemxten bereits im Jahr rrzz. an da- Kloster Salniansweiler. Nach der8seu1sl'l8gtion ward das Schloß dem letzten Abt, Kaspar Oechsle zum Aufenthalt angewiesen, der hier auch starb (aber keineswegs Pachter, Wirth und Winzer war, wie Gustav Schwab irrig angiebt.) Mit dem Kloster Salem oder Salniansweiler ist diese Besitzung, nun Eigenthum '' der Herren Markgrafen Wilhelm und Maximilian von Baden; sie besteht aus einem . schönen nun unbewvhnren Schlosse nebst Oekonomiegebävden , und einer Kapelle. . Ein sehr angenehmes Büchenwäldchen dicht am See, in welchem sich ein ganz rund geformtes Lusthäuschen befindet, gehört zu den Annehmlichkeiten dieses herrlich gediegenen Besitzthumes. Im Schlosse sind alte Hvlzgemälde, man glaubt, daß sie ' einem Ulmer Meister angehören; leicht, daß sie ein Werk des Stadtschreiber.S von Eßlingen, Nikolaus von Ulm waren, von welchem in dem Kunstblatt von rzzo. Nachricht gegeben worden ist. Salniansweiler hatte schon frühe Gefalle, und eine» Verwalter zu Eßlingen. lad. HZ. Meersburg. Gleich einer Krippe an Fellen klebend mit halbverödetcn alten und neuen Schlösser» Ü4 und seinem alten Martelksthurme gukt Meersburg wie ein warnendes mevrenw «wri auf den glatten Spiegel des Sees herab, und lädt den Vorbeischiffenden ein, sich aus Erinnerungen alter und dahin gegangener Herrlichkeit Denkwürdigkeiten in sein Reisetagbuch zu sammeln. Ein Theil dieses ehemaligen Aufenthaltes der Bischöfe von Konstanz, die sogenannte Stadt mit ihrem Kirchlein ist sehr alt, und bildete den Weiler, oder den Vorhvf um den alten viereckigten Thurm her, welcher der älteste Aufenthalt der Herren von Meersburg war, und mit dem sogenannten alten Schloße gebaut worden ist. Meersburg war anfänglich eine Schifflände, wie das gegenüberliegende Stand, und das seeabmärts am Schwabenufer liegende Unternhldingen, das noch in einem Dokument des izten Jahrhundertes Uhldingen Stand heißt, und in frühester Zeit eine Besitzung der Grafen von Pfuilcndorf war, die das Fährrecht dort ausübten. Man nennt die Truchseffen von Rohrdorf und die Herren von Vatz als die ältesten Besitzer der Burg nnd des Weilers von Meersburg ; beide Angaben sind nicht ohne geschichtlichen Grund, und namentlich zählt das erwähnte Dokument eine lange Reise von Besitzungen und Renten auf, welche die Herren von Natz in der Gegend von Meersbarg , zu Daiffendorf Stetten u. a. O. damals befassen. Die Graten und nachherigen Truchseffe von Rohrdorf aber haben nach einer Urkunde vom Jahr izzs. das Münzrecht zu Konstanz in der ältesten Zeit gehabt. Sb sie Meersburg als Eigen- thum ober nur als Vögte und Administratoren des Welfischen Hauses besoffen, ist !> nicht mehr auszumittein. Aber gewiß ist, daß im Jahr 1211 das Schloß (Sssirunt) ß zu Meersburg, einem gcwißen Edelmann innIMviros Walter von Wattis, und seinem !« Bruder eigenthümlich zugehört habe. Schon zu Anfang deS iz. Jahrhunderts war Graf Mangold von Nohrdorf wieder im Besitze der Stadt. Er schloß damals mit ! . Bischof Dicthelm ab, wodurch er sich verbindlich machte, daß Meersburg nach seinem «l» kinderlosen Tod wieder an das Stift zurückfallen sollte, von dem es durch Verkauf ge« li» kommen war. M Frühe scheint daher Meersburg schon theilweise eine Besitzung der Bischöfe ,1 »on Konstanz geworden zu sein. Im Jahr 1226. fertigte daselbst BischofKonrad eine M Urkunde für das Kloster Wettingen aus; der nemliche Bischof bewirkte der Stadt auch im Jahr 12ZZ. die Freiheil einen Wochenmarkt zu errichten, und im Jahr 1299 in bestätigte Kaiser Albrecht der Stadt ihre Privilegien. Auf diese war sie auch sehr >« eifersüchtig, und rang sichtbar nach völliger Freiheit; mitUnwillen ertrug sie die Ober« !lii Herrlichkeit des Bischofs. Im Jahr izzg. wurde das Schloß und der Flecken von W Meersburg >z Wochen lang von Kaiser Ludwig belagert, der ein ziemlich starkes Heer «>' beisammen kalte. Mein die Besatzung im Schlosse , aus 70 Mann bestehend, und von dem Domherren Graf Friedrich von Lvggenburg angeführt, so wie die Bürger ktz Wehrten sich ss gut, Laß der Feind viele Leute verlvhr, und «»verrichteter Dinge 9 -6 «Wehe» mußte. Der Bischof hatte eine Anzahl Bergleute gedungen die eine» tieft» Graben um das Schloß gruben. Von den Belagerte» kamen nur 2 Männer und ei» ^ Weib um; dagegen verlor ein Freiherr von Rechberg das Leben, ein Burggraf vo» ^ Nürnberg wurde gefangen, und von dem gemeinen Volk kamen in den Ausfällen sehr ^ viele um. Nach dem Abzüge der Feinde besetzte Herzog Albrecht Schloß und Flecke» ^ Meersburg einige Zeit lang, gab es aber bald wieder an den Bischof zurück. Im . Jahr 1452. empörten sich die Bürger, erschlugen Hans Breitenbach, einen Diener ^ des Vischoffs und erstürmten das Schloß, der Verlust vieler Rechte und eine Geld- ^ büße von 40222 fl. war die Folge davon. Aehnliche Ereignisse i-m Jahr 1457. veram ^ laßten einen Vertrag unter Vermittlung des Grafen von Montfort, Truchsessen vo» ^ Waldburg, und der Städte Konstanz und Zürich, wobei die Stadt die Bedingung?» des früheren von 1452. aufs neue eingehen, Stadt und Schloß dem Bischöfe zurück-^ geben, des Schaden und Kosten wegen aber sich dem Entscheid des Erzbischofs vv» ^ Mainz und der Bischöfe von Basel und Augsburg unterwerfen mußte. Diese Uu- ^ eiiiigkcrten zwischen dem Bischof und der Stadt währten noch lange fort. — ^ Endlich wurde der letzte Vertrag geschlossen , nnd die Stadt mußte vollends aus^ den Rest ihrer früheren Privilegien verzichten. Die späteren Schiksale der Stadt wa- ^ ren meistentheils traurig , und für sie verderblich. Im Bauernkrieg wurde sie vo°^ Leu Bauern eingenommen, die sich auch des Schlosses bemächtigten. Im Schmal- ^ D kaldiscken Kriege, im Schwedenkriege und im französischen Revolutlonskriege litt sie ebenfalls, besonders sehr stark während des letzteren. Sie mußte schwere Conkributi- onen an die Schweden bezahlen, welche den Stadtpfarrer Schrandvlph im eigenen Haus» aufknüpften. Ein Anfall entriß ihn jedoch dem Tode. Seuchen rasten von Zeit zu Zeit einen großen Theil der Einwohner weg. iüz 6 . starb der Rath zweimal aus. Auch litt die Stadt durch mehrere Feuersbrünste sehr, besonders im Jahr 1712. Seit der Reformation war Meersburg die ordentliche Residenz der Bischöfe von stvnstanz. Bischof Hugo von Landenberg erweiterte die alte Burg und baute die runden Thürme an diesselbe im Jahr izog. Jetzt hält das grvßherzogliche Hofgericht seine Sitzungen darinn. Das neue Schloß baute Bischof Anton von Sickinge» Hobenburg, der von 174 « bis 50. regierte. Der Baumeister hieß Dinar. Es ist ein sehenswcrthes modernes Gebäude, mit einer schönen Stiege; aus den gegen den See gewandten Zimmern genießt man einer trefflichen Aussicht. Außer diese» beiden Hauptgebäuden ist das im Jahr 1735. vollendete Seminarium mit seinem Garten schenswcrth. Buch hier sieht sich das Auge des Reisenden an der Mannigfaltigkeit, den Reichthum und der Größe der sich darstellenden Gegenstände nicht satt. Ueberhaupt bieten die Umgebungen dieser Stadt, für welche die Natur alles gethan hat, große Mannigfaltigkeiten an Spatziergängen, und viele Punkte für reihende Aussichten dar. Gegenwärtig hat Meersburg den Sitz seiner Bischöfe, seit Karl von Dalberz, und durch die Verlegung des Bisthums nach Freiburg, auch das Seminar, wie früher schon die weltliche Regierung, und Kammer verloren; dafür ist nun ein großherzog- licheS Hvfgericht, ein Bezirksamt, Amtsrevisorat, Dvmainen-Verwaltung und PH-. fikat mit einem Landchyrurgat daselbst. Das schöne Schloß aber ist unbewohnt. Die ki Einwohner leben fast ausschließend vom Weinbau, und der Schiffahrt. Der wöchentliche Fruchtmarkt ist unbedeutend, da die Lokalität der Landzufuhr ungünstig ist. Die s» b sehr erschwerte Ausfuhr des Weines in das Ausland, hat dem Nahrungsstande von ed Meersburg tiefe Wunden geschlagen, und verkümmert ihn von Tag zu Tag mehr. Trauriges Geschick eines Landes, für welches die Natur so viel thut, das aber mit U diesem Reichthum, und den Früchten seines Fleißes nichts zu machen weis, und mir, d! ten unter den Gaben der Natur Gefahr läuft zu Grunde zu gehen. ^ Von Meersburg aus führt ein angenehmer Fußweg längs dem See hin, (welcher von hier bis Ludwigshafen und Bvdmann, unter dem Namen Ueberlinger See, eine gegen 4 Stunden lange Bucht bildet,) nach Ueberlingen; iu Mitte dieses WegeS er« ! hfikt man die Insel Meinan gegenüber: ^ N e u B i r n a n. H kin heiterer auf einem schönen Rebhügel im Jahr <750. vom Gotteshaus Salem K erbauter Tempel, mit einem Anbau von mehreren schönen Gemächern der srüher ge- tz wohnlich von ü Geistlichen aus Salem bewohnt war. — Bei der llebergabe des Klosters Salem an die HH. Markgrafen von Baden kam auch Neu Birnau mit dem ,, unter ihm an der Landstraße liegenden SchlosseMa urach, ein ehemaliges Nonnenklo- ch, ster, in Ihren Besitz; und mit uns wird gewiß jeder hier Vorbeireisende es bedauern, daß , dieser schone Tempel geschlossen, und das ganze in der herrlichsten Lage befindliche Besitzkhum nur von einem Hausmeister bewohnt wird. — Eine Stunde weiter aus der schöne» Landstraße von Maurach gelangt man nach der ehemaligen freien Reicht« H Stadt Ueberlingen. Das alte Jburinga kUeberlingen) eine dicht am See auf Felsen gegründete, einst blühende allemannifche Ansiedlung war schon im 7. IahrhuuLcrt unter dem Na- «euJburniagen der Sitz eines HerzogsGunzo, von dem die Geschichte sagt, daß er dem frommen GallnS, durch den seine einzige Tochter von einer schweren Krankheit ' geheilt wurde, aus Dankbarkeit große Unterstützung bei seiner Ansiediung in den ^ Wäldern der durch ihn gegründeten, jetzt so reichen Stadt St. Gallen, zukommen ließ. * Jburningen war eine der ersten Pflanzstädte des Christenthums in dieser Gegend. ^ Seinen größten Aufschwung erhielt eS, wie noch viele andere Orte am Bvdensee, im ^ is Jahrhundert unter der weisen und kräftigen Regierung Kaiser Friedrichs, genannt ^ der Rothbart, aus dem Geschlechte der Hvhenstaufen. — Von dort an erscheint es ^ unter dem Namen Uebe klingen als wohlhabende und geachtete ehrenveste " Municipal-Stadt, rühmlichst in der Geschichte des Schwäbischen Herzoglhums. Unter Conradin erhielt es größere Freiheit und Bürgermeister; das Stadtammann- "" Amt war noch kaiserliches Lehen bis 1397. wo auch dieses vom Kaiser losgekauft, und " Ueberlingen eine freie Reichsstadt wurde, und bis zur Uebcrgabe an Baden blieb. ^ Im zc> jährigen Raubkriege wurde es von den Schweden unter Gustav Horn 1634, hart belagert, und war mittelst Sprengung angeleglec Minen bereits zur Hälfte . erobert. Allein die Städter verschanzten sich Straße für Straße , und leisteten mit ^ Hülfe des in die Stadt geflüchretsn Bauernvvlkes so tapfern Wiederstand, daß der r" Feind ohne für dießmal seinen Zweck zu erreichen, wieder abziehen mußte.—Weniger ruhmvoll benahm sich 8 Jahre später die Thorwache von Ueberlingen, als sich der eben so listige und tapfere als rsubsüchtigeWiederhvld, Kommandant von Hohent- 7 - P Wie! einfallen ließ, durch Ueberfall dieser alten Jungfrau ihr Ebrenkränzlein abzunetz- ,,, wen. Vom Jahr 1S47 — 1648. war auch Ueberlingen mit mehreren anderen Städte» ^ am Bvdensee vvu den Schweden besetzt, und mußte hart die Drangsalen dieses ^ scheußlichen Krieges fühlen. — Als freie Reichsstadt mit einem ansehnlichen Gebiete , j, kounte es sich indessen, leichter als manche andere Stadt wieder erholen, wenn die E Verwaltung seines Gemeinwesens mit mehr Ordnung und Intelligenz besorgt wurde; ^ was leider nicht immer der Fall war. — Dazu noch in neuerer Zeit der Revolutions- ^ Krieg, und der darauf erfolgte Verlust seiner Reichsfreiheit, wodurch die städtische» Einnahmen vielseitig vermindert, die Ausgaben dagegen bedeutend vermehrt wurden; E, ferner die Beeinträchtigung seines Korumarktes und SpeditionShandels durch die ^ neuen Etablissements in Friedrichshafen und Ludwigshasen, so wie der beschränkte ^ Absatz seines Hauptproduktes, des Weines«. Wer wird sich bei diesen Verhältnissen wundern, wenn er Ueberlingen mitten im Aeberflusse einer üppigen Natur darben sieht» Dieses die Schattenseite einer ehemals glänzenden Stadt, deren anfpruchlvse ge- ^ müthliche Bewohner eines bessern Lvoses nicht unwerth, dasselbe nur durch eigene An- ^ strengung und die thätigste Ausbildung intellektueller Kräfte erringen können, wozu ihnm ^ die geistlicho sowohl als die weltliche LrtSLehörde zur Zeit ruhmvoll die Hand bietet. ^ , Die Lichtseite ovn. Ueberlingen ist vor allem die schöne Natur, die es nach alle« Seiten umgirbt, in welcher Beziehung dasselbe ron wenig Städten am BrdenM — 7 » übertreffen wird. — Noch besitzt Ueberlkngen als Ueberbleibsel ehemaliger Größe und , Wohlhabenheit viele sehenswerthe Gebäude, als da sind: ^ «t > Die in großem gothischen Style erbaute Münsterkirche, auf deren 200 Schuh «« hohen Thurme man der herrlichsten Aussicht genießt. ß Das Nathhaus, (zugleich der Sitz des Bezirksamtes und Amtsrevisvrats) mit dem daneben stehenden sogenannten Pfennigthurme. ibd Das für den Äornmarkt bequem eingerichtete Grethaus. Das nun zum Schnlhause eingerichtete ehemalige Fr an; is kan erk lo ster, und G mehrere andere mit großen Kosten aufgeführte massive Privatgebäude. — Endlich hat !>d Neberlingen noch einen zwar sehr schleckt gebauten aber reich fundirten Dürgerspital, bll «ebst noch andern milden Stiftungen, die bei zweckmäßiger Verwaltung ein bedeuten, k des-jährliches Einkommen abwerfen, und der städtischen Dürftigkeit, so wie dem hüls» losen Alter zur großen Stütze gereichen. — I Was in Ueberlinge» aber noch besondere Beachtung verdient, und worauf eS am sichersten die Hoffanng einer schönern Zukunft bauen kann, sind seine wohleingerichte- V keu Elementar-, Industrie - und Realschulen; als thätiger Beförderer dieser Anstal- - ten wird mit hoher Achtung der gegenwärtige Herr Dekan und Gtadtpfarrer W 0 cheler daselbst genannt, der durch die Hingebung seines ganzen Vermögens für diesen erha- ! denen Zweck am schönsten gezeigt hat, wie der wahre Priester dem Hervu dienen solle. ' — ?3 — ,,i Gegenwärtig zählt Ueberlingen in seine» zoo Wohnhäusern circa 2700 Einwohner, und ist der Sitz eines Grvßherzogliche» Badischen Bezirksamtes und Amtsrevisvrats, eines Dekanats, einer Obereinnehmerei, eines Forstamtes, eines Phpsikats, und einer Pvstverwaltung. — «l! Außerdem verlieh ihm die Natur noch einen Schatz den keine andere Stadt am Vodensee auszuweisen hat — eine Mineralquelle. Diese zum Wohl der leidende» Menschheit vor mehr als qoo Jahren schon entdekte Quelle sprudelt aus einem Sand- O kelsen rechts am untern Thore gegen Ludwigshafen. Wenige Schritte davon ist das Badhaus wohin sie durch Röhren geleitet, sowohl zu warmen Bädern,, als auch U kalt zum Trinken benutzt wird. — In neuerer Zeit ist diese Badeanstalt durch neue M Anbauten ansehnlich vergrößert und in vieler Beziehung verschönert worden, und wurde H daher auch häufig und mit gutem Erfolge besucht. Möchte diese nützliche Anstalt immer mehr die Anerkennung und Unterstützung finden, welche sie nicht nur inHinsicht auf z,l die entschiedene Heilkraft des Wassers sondern auch in Rüksicht auf ihre gesunde und P angenehme Lage vor vielen andern verdient. * Abgerechnet, daß man mittelst der nun cit ») Ein niedreres über die Bestandtheile dieser Heilquelle und Ueberlingen selbst, ist in dem bei ch WalliS in Konstanz 1SZ1 erschienenen Werke in lesen, „Ueberlingen und seine Heils ^ qnelle von I. E. Herberger (Preis hs kr.) 10 — 74 — so bequem eingerichtete» Danipfboote sehr leicht ab Und zukomme», dieselben such zu den angenehmsten Exkursionen benutzen kann, ist Ueberlingen reich an den schönsten und >, mannigfaltigsten Spaziergängen »ach allen Richtungen, was bei einem Heilbad gewieß von großer Wichtigkeit ist. Als interessante Punkte Seeabwärts bezeichnen wir lad« 46. Die Heidentöcher. Zu diesen gelangt man aUf dem angenehmsten Fußwege längstem See unter dem ^ kleinen Dörfchen Göldbach. Sie gleichen förmlichen Wohnungen die in den Sandfel- ^ sen eingebauen sind, und »»bezweifelt einst von Menschen bewohnt wurden. Noch E etwas weiter abwärts führt der Weg über die Ruinen der ? 47. ^ ^ F e l s ka p e ll e St. Katharina. ^ Welche noch im vorigen Jahrhundert einem Einsiedler zum Aufenthalt diente.-^ D Ob diese uralte Denkmäler römischen Ursprungs seien, oder in der Zeit der Christe»! »> Verfolgung als Zufluchts- und Versammlungsorte erbaut wurden, bleibt aus Mangel au sichern Urkunden unentschieden; indeß sind sie immer der Veachlung werth. !!> Etwas weiter vorwärts erblikt man von Berge» mid Wasser umgeben und zu' Lande nur auf Fußwegen zugänglich/ das Pfarrdvrf «! lab. ^8» ' Sipplingen. Das wir hier mit der dem Auge besonders wohlthuenden mehr begränzte» ^ Aussicht gegen Abend darstellen, wo man den Schluß des Ueberlinger Sees und K Bodmann mit seinen Vergschlössern, und im Hintergründe die Bergkegel des Hegäus U erblikt. Wer jedoch eine der grösten Aussichten genießen will, der labe sich hier mit einem LrunkSippliuger Cilfer (denn von den meiste» andern Jahrgängen soll der dortige Wein etwas zu viel Citrvnensäure enthalten, eine Entdekung welche vielleicht den Punschliebhabern interessanter als den Weintrinkern ist) und steige rechts den Berg hinan, auf dessen Gipfel er vhnweit dem sogenannten Haldenhof reichlich für die ^ Mühe des Steigens entschädigt wird; indem sich hier besonders bei dunstfrciem Him- mcl seinem Büke eine Aussicht darbietet, die gewiß wenig ihres gleichen »m Bodensee hat. Im Herabsteige» wird er die Ruine der Sängerburg; H o h e n f e l 6. Nicht unbeachtet lassen, wo einst Burkhard von Hobenfels ein Jagdlustiger jk Sänger saß, und seiner mächtigen Leier hier in dieser Herrüchen Einsamkeit, die U lieblichsten Töne entlokte. Von diesem Standpunkte aus ist die Abbildung von si, 5o. Sipplingen mit der Aussichtnach dem Obersee, z, entnommen; welche ebenfalls wunderschön ist. Eine Stunde weiter liegt ohnweit itt dem Abschlüsse des Sees, Bvdmann gegenüber Z i. Ludwigs Hafen, welchen Namen das ehemalige Sernatingen, wegen dem unter der Regierung des letztverstorbenen Großherzogs Ludwig hergestellten Bau des Hafens und eines N, schönen Lagerhauses, erst vor wenigen Jahren erhielt. Dieser durch mehrere Privile- gien und eine neue Straße bis Stokach, begünstigte Speditions-Platz ist von großem Einfluß aus den Speditionshandel des Bvdensees, und scheint, besonders seit Errich- >>t — 77 . — tuug der Dampfschiffe , welche wöchentlich z mal dort ankehren und die Güter in der möglichst kürzesten Zeit nach allen Hauxtplätzen des Vodensees verführen, immer mehr an Ausdehnung und Solidität zu gewinnen. Gegenwärtig befinden sich daselbst W 4 Speditions Büreaus. Im dortigen Gasthvf zum Adler, zunächst am Hafen, wo der k Reisende jeden Standes eine anständige Bewirthnng und gute Herberge findet, hat man eine vortreffliche Aussicht. Außerdem bietet dieser Ort wenig Sehenswerthes dar. Um so interessanter aber ist, wenigstens in geschichtlicher Hinsicht, das gegenüber liegende Ufer; hier erheben sich über dem Fleken Bvdmann, wo gegenwärtig in einem beschei- I"- denen Schlosse von einem lieblichen Park und sonstigem ausgedehnten Besttzthum umge- « ben ein Sprößling des uralten Geschlechtes von Bodmann wohnt, die Ruinen derBurg. Isb. 52. Alt Bodmann. !W Die Aussicht von diesem Standpunkte, die eine der schönsten des Sees ist, kann nilii leider nur unbequem genoßen werden, da die Ruine ganz von Bäumen umwachsen M ist, und nur mitMühe bestiegen wird. Wir überlassen es dem Besucher dieser Ruine, -ch- zu wählen, wo er am besten der schönen Aussicht theilhaftig wird, und wenden uns M zu dem Geschichtlichen. Schon in den ältesten Zeiten tritt das edle Geschlecht von ^ - 78 - Vodmann in der Geschichte auf; es schrieb sich von dem alten Kaiserlichen Pallaste Vodmann (P o tamomr von dem einMehreres unten. Der erste dieses Geschlechts, ^ welcher genannt wird, kommt im Jahr 1146 in der Geschichte des berüchtigten Ar- , nold von Brescia vor — er heißt Eberhard vonBodmann. Arnold nannre die- ! sen ausdrücklich, als er von Barbaroßa ein Paar einsichtsvolle Männer verlangte, ^ welche sein Reichsrecht in Italien gegen den Pabst vertheidigen sollte». Jm J. 1271 ^ lebte llolistous rniles äs Lsäsmsn: vielleicht ein anderer lärious äs Loäeinsn ^ erscheint im Jahr 129z in einer Urkunde. Seit dieser Zeit kommt der Name wenig ^ vor. Mit Anfang des 14. Jahrhunderts drohte diesem Geschlechte gänzlicher Unter- gang. Im Jahr izo/ wurde das Stammschloß durch einen Blitzschlag entzündet und ^ verbrannt. Das ganze zahlreiche Geschlecht, das gerade im Schlosse versammelt war, ^ wurde ein Raub der Flamme bis auf den jüngsten Sprößling der Familie, Johann von ^ Bodmann. Diesen nahm während des Brandes seine Amme, legte ihn in einen kupfernen Kessel, und ließ ihn den Berg hinabrollcn. So wurde daS Kind gerettet, «nd, einer mündlichen Sage nach, bei einem auf der nahen Burg Kargek leben- ^ den Seitenverwandten der Familie erzogen. Mit diesem Johann von Vodmann be- > gaim das Geschlecht aufs Neue zu blühen. Es theilte sich vielleicht bald nachher in s Hauptaste: Bodmann Bodmann und Vodmann Mekingen; denn schon im Jahr 1Z84 nennt sich in einer Urkunde Johann von Bodmann der älter saßhaft z» — 7y — VkekingeN, und I o h a n u von Bodmann säßhaft zu Bodmann Ritter. Sekt die- 1 ser Zeit kommt das Geschlecht oft in der Geschichte vor. Die Glieder desselben ha- ^ bei, durchgängig den Vornamen Hans, der zuverläßig zum Andenken an jene wunderbare ^ Rettungs - Geschichte blieb. Noch zeigt man im neuen Schloße zu Bodmann einen ' kupfernen Kessel von ganz eigenthümlicher Form, der derselbe seyn soll, in welchem das , Kind gerettet wurde. Auch finden sich daselbst 2 alte Oelgcmälde, auf denen alle jene Familienglieder abgebildet sind, die bei dem Brande des Schlosses ein Raub der ! Flammen wurden. Die Original-Gemälde auf Goldgrund finden sich im Schloße zu ^ Salmansweilcr, an welches Kloster die Herrn von Bodmann in früherer Zeit Man- ^ ches vergällten. Weit ausgedehnt waren die Besitzungen des Geschlechts von Bodmann. ^ Die ganze längs dem See hin biegendeStreke von der Nellcnburg bis gegen Konstanz, ^ die Meinau mit eingerechnet, gehörte ihnen. Auch die Burg Friedingen kam vielleicht ^ schon frühe an Bodmann. Die Burg Hvchbvdmann seit neuerer Zeit Badisch, be- ^ weißt, daß auch noch über dem See bin die Besitzungen von Bodmann sich erstrebten. ^ Noch heut zu Tage blüht das Geschlecht in vielen würdigen Gliedern. ,h! 53. Frauenberg. ?!! Erhebt sich in nur geringer Entfernung gegenüber der Ruine Alt-Bodmann. Die Aussicht auf diesem Standpunkte ist bei weitem ausgedehnter und freier als auf ? Alt-Bodmann; man genießt sie bequem aus den Zimmern des niedlich gebauten Schlößchens. In früherer Zeit war hier eine Wallfahrtskirche, an welcher ei» Mönch ^ vom Stift Salem als Priester und Pfleger angestellt war. In der noch erhaltenen Kirche des Schlößchens findet sich auf einer Tafel die wunderbare Rettung des ^ Stammhalters von Bvdmann abgebildet. Auf dem Platze, wo sich das Gegenwärtige Schlößchen befindet, stand zuverläßig in frühester Zeit das alte königliche kslstillm ^ IZotsrnionm (kotsmus, Lotomsf auf dem die Fränkischen Könige, besonders " Carl der Dike, sich oft aufhielten, und Urkunden ausstellten ei. I. 879 88Z. ^ yoz.) Um das Jahr 7Z0 wurde der heilige Othmar, verfolgt von den beiden Gau- grasen Alemanniens, Wari» und Ruodhard, hier in dem königlichen Pallasch " (sä vUIsm kotsmEh ins Gefängniß gelegt, das er später mit seinem Eril auf " der kleinen Weininsel bei Stein vertauschte. Noch zeigt man in dem untern Theile ^ des Schlößchens ein kleines Gewölbe, in dem der heil. Othmar gelegen seyn soll: es führt in Stein gehauen die Aufschrift: vostiZ-um oaioeris 8. Otiimsm. Später ^ war die alte königliche Burg auf dem darunter liegenden Flecken (Votainnnr oxpiäumsi ^ im Besitz der beiden Kammerboteu Erchinger und Bertholt»; nach deren trauri- ^ gem Ende wurde sie zerstört, um das Andenken dieser Männer gänzlich zu vernichten. Bn her Stelle des zerstörten Palatium wurde vielleicht auf den Grundmauern in 8 » viel späterer Zeit ras jetzige Schlößchen erbaut, und das gegenüber gegründete Bodmann wurde das eigentliche Stammhaus des jetzigen Geschlechts von Bodmann. ^ Gegen die Ansicht, daß auf dem Fraueuberge das alte Palatium stand, erhoben sich ^ in neuerer Zeit Zweifel, indem man auf dem nicht fernen etwas höher gelegenen und ^ ^ geräumigeren Berge öfters Reste von altem Gemäuer entdekte. Demnach mußte auch dort eine Burg gestanden seyn. Doch immerhin spricht für die gewöhnliche Ansicht das erwähnte Gefängniß des heil. Othmars. Auch wurde in neuerer Zeit vom Freiherr» ^ von Laßberg eine wichtige Entdekung gemacht, die letztere Ansicht unterstützt. Ilnmit- ^ ^ telbar unter dem Garten des Frauenbergs fand sich in weichen Sandfels eingegraben ^ dasselbe Zeichen, das König Dagoberr an der Rhätischen Gränze bei Mondstein ein- hauen ließ: ein die Hörner aufwärtskeyrender Mond. Noch heißt ein Weingarten ^ bei Bodmann der Königsgarten, weil ihn Carl der Dicke gepflanzt haben soll, und ^ der Wein, Königswein. ^ Won Bodmann Secaufwärts erblikt man das Schlößchen Burg, zur Zeit ein Bauernhof zu dem Waldeinwärts gelegenen Dörfchen Tettinge» gehörig. — Wahr- ' scheinlich war dieses Schlößchen der Sitz des Sängers Hei nr ich vonTettingen, eines Zeitgenossen des Burkhards vo n Hohenfels. W Weiter vorwärts erscheint 8s DasPfarrdorf Dingelsdorf. Hier war von jeher einer der Hauptüberganqspunkte über den Bvdensee, dessen ^ Breite hier kaum z Viertelstunden beträgt, und auch beim stärksten «Hegenwiude be- schifft werde» kann, was weiter oben bei MeerSburg nicht immer der Fall ist. — Durch die Errichtung der Dampfschiffe, die alle Wochen mehrmal direkte von Konstanz,u aus die eben so bequeme als schnelle Fahrt «ach Ueberlingen machen, hat Dinzels- V dorf sehr an Frequenz, und die dortige Schifferzuuft bedeutend verloren, indem die " Ueberfahrt ihr Hauptnahrungszweig war. Von Dingeisdorf führt ein angenehmer Fußweg größtentheils durch den Wald über?-« das ehemalige Frauenkloster St. Katharina (nun Privateigenthum mit einer Schenk->ti wirthschaft) nach Konstanz. Der Fnhrweg aber geht über Lizelstetten *) au der 's Ehemals Final von Dingelsdorf, nun durch die großmüthige Stiftung eines IrrländerS E NamenS Darby, der sich mit feiner Gemahlin längere Zeit in dieser Gegend und inu i ,»entlieh auf der Insel Mainau aufgehalten, und durch seinen Wohlthätigkeitssinn ein >!s »leibendes Denkmal der Achtung und Dankbarkeit gestiftet bat, mit einer schönen Kirche, s/ Pfarrhaus und einem eigenen Seelsorger oder Pfarrberrn versehen. >e. — — SZ — 1»b. 55. Insel Main au H vorbei, bei bereu Aublik wir mit Vater Horaz ausrufe», ^Ile rerrsrui» midi l,t xrseter omnss angulus rillet. Schon im iz Jahrhundert kam dieses schöne Be- ßtzthum vom Ritter Arnold von Langenstei» als Lehen an den Deutschvrden, ich und einer der 4 Söhne dieses Arnold, der als Liederdichter bekannte Hug von tz! Langenstein, erscheint im Jahr rzry, als Kvmthur auf der Insel Mainau. — Von nk dort an blieb sie Eigenthum des Deutschordens bis zum Frieden igoz., wo sie mit allen dazu gehörigen Grundstücken und Gefällen an Baden kam. Schon in der letzter» «Zeit und namentlich unter dem letzten Commandeur Freiherr» von Reichenstein wur- Wden die durch Kunst erzeugten schöne» Anlagen dieser Insel vernachläßigt; und unter h, der Herrschaft von Baden, welches diese Insel nur in ökonomischer Beziehung beachtete, und das herrliche Schloß unbewohnt ließ, wurde auch kaum das Nothdürjtigste ^ mehr unterhalten. — DaS Schicksal wollte jedoch nicht, daß diese herrliche Schöpfung veröden sollte, H«,und führte in der Person Sr. Durchlaucht des Fürsten Csterhazi einen Käufer her- «bei, der mit eben so viel Geschmack als Aufwand die Insel Mainau wieder, einem Phönir gleich aus der Asche hervorrief, so daß sie nun zur Freude der ganzen Seege- — Sagend , wie er» wahrer Feensitz im Schwäbische» Ocean prangt. Möchte, so ruft mit uns gewiß jeder Freund der schönen Natur, der Besitzer noch recht lange die Früchte dieser seiner Schöpfung genießen! Der Umfang der ganzen Insel, die durch einen zoo Schritt langen Steg mit dem festen Lande zusammen hängt, ist eine starke halbe Stunde. Ihr Flächeninnhalt beträgt 120 badische Morgen, davon 12 Mor- ^ gen gegen Mittag mit vorzüglichen Reeden bepflanzt, und 20 Morgen zu geschmack- ^ vollen Anlagen, Lust - und Gemüßegärten verwendet wurden. Das Uebrige ist frucht- ^ bares Ackerland und Wießwachs mit den herrlichsten Obstbäumen geziert. ^ '1'»?). Sü. S ch l 0 ß M a i n a u. Auf alle» Punkten der Insel genießt man eine entzückende Aussicht; die pracht- . vollste jedoch ist auf dem Balkon des Schlosses gegen Morgen. Dieses pallastähnliche in schönem Style erbaute Schloß mit seiner freundlichen Kirche ist sehr sehenswerth uud wird jedem honetten Fremden zum Beschauen geöffnet. Jur Bewirthung der Fremden, welche besonders in der bessern Jahreszeit häufig > diese Insel besuchen, ist am Eingänge in den Schlvßhvf ein gutes Absteigequartier i bei Herrn Hofgärtner Schnetz, der als wvhlachtbarer Veteran der Insel jeden nach i Stand und Würde bestens zu bedienen versteht. Zwischen, der Insel Mainau und Konstanz liegt am Wege nach Meersbutg auf dem freundlichsten Hügel die kleine Kapelle St. Loretto mit einem einzigen Hause, der Wohnung des Meßmers. Auf diesem Standpunkte wird der Reisende der von Konstanz her kömmt, mit einer Aussicht nach den Nordöstliche» Ufern des Bodensees überrascht, die wenige ihres gleichen hat. Nur gegen Südwest wird sie von der am sogenannten Kirschbä «inle, (seit dem Besuche des Großherzogs Leopold und der Frau Großherzogin Sophie, derLeopolds-Platz genannt) übertreffen; wohin ein sehr angenehmer Fußweg von Loretto aus durch das Loretter Wäldchen Konstanz zuführt. lab. 56. u. 5g. Parthien im Graf von Thurn'schen Gut. Auf dem Heimwege vom Leopolds-Platze nach dcr Stadt wird der Wanderer gerne die reizenden Anlage besuchen , welche ihr Daseyn dem, leider zu frühe für alle ^ die ihn kannten vvm Todte überraschten, ehemaligen Domkapitulareu Jvh. Paul von D Thür» Valsaffina verdanken , der einen umvirtbare» hökerichen Landstrich längs dem ^ Seeufer zu einem kleinen Paradiese umgeschaffen, und denselben auf die humanste Weis« D dem Publikum zum Besuchen geöffnet hat. Die Lab. zz. und. zy. stellen einige Par- »I thien in dieser Anlage vor, die der Umgebung von Konstanz zur wahren Zierde und K' dem Stifter zum ehrenden Denkmale gereichet. H Mit diesem beschliesen wir nun unsere Wanderung um den Obersee, und kehren ^ wieder über W lab. So. M Die Rheinbrücke nach Konstanz zurück. ^ lab. 6l. l Heiligenberg. Schon als herrlicher Standpunkt zu einer der prachtvollsten Aussichten am Boden- >»! see, gehört dem Heiligenberge ein Platz in dieserSammlung. Zwar steht die Aussicht d" vom Heiligenberg jener vvm Belvedere zu Hvyenrhein, mit der sie nach Südwest viele Aehnlichkeit hat, (siehe in der Darstellung des Untersees Hohenrhein) an Vollständigkeit nach, hat dagegen aber für den der von Nordest her dahin kömmt, i»l> - 87 - das Ueberkaschende , Laß er schon in wenig Augenbliken mit allem Herrlichen und Lieblichen bekannt wird, dem er auf einer weiter» Reise au den Dvdensee entgegen gebt. Die schönste Aussicht genießt man vom Rittersaals des Schloßes aus, welcher den Fremden vom Schloßverwalter auf die humanste Weise geöffnet wird. - Von hier «ms scheint euch Hr. Keller sein Panorama gezeichnet zu haben, das im Jahr 182I heraus kam, und die ganze Alpeukette von deu Tiroler Gebirgen au bis zu dem badischrn Kcbwar-walde umfaßt. Aber nicht nur wegen seiner schönen Lage, sondern auch in gefchichichtlicher Beziehung gehört der Heiligenberg zu den interessanter» Punkten der Seegegend. — Zahlreich und mächtig war einst das Geschlecht der Grafen von Heiligenberg, das noch bis ins rz Jahrhundert reiche Besitzungen au beiden Ufern des Vodensees und des liheinthalS bis nach Rhätien hinaus hatte. Doch es ist verschwunden im Strome der Zeit, nachdem es seine meisten Be- itzungen an Klöster und Kirchen vergabt, und auch die Grafschaft Heiligenberg au einen Verwandten den Grafen von Werdenberg Sargans verkauft hatte. Uud als nachher auch diese mächtige Familie ansstarb, wurde ein Graf Friedrich von Fstrstenberg, welcher mit der einzigen Tochter des letzten Werdendergers vermählt war, vom Kaiser Karl V> mit einem Theile des Werdcnbergischen Erbes belehnt, darunter auch Heili- geuberg war. — Erst von dieser nachher in den Fürstenstand erhobenen Familie wurde — 8V — im <6. und 17. Jahrhundert das dermal so stattliche Schloß erbaut. — DeNn die Stammburg der alte» Grase» von Heiligenberg war auf dem V4 Stunde nördlich vom jetzigen Schloße entfernten sogenannten alten Heiligenberg gestanden. Das nun geschmackvoll eingerichtete Schloß enthält gegen roo Zimmer, worunter ein großer Rittersaal mit den Ahnenbildern des Fürstenbergischen Hauses sehr merk, würdig ist. - Lange von seinen Fürstliche» Besitzern unbeachtet und ziemlich in Verfall gerathen muß als Wiederherstellet dieses schönen Besitzthums mit Recht die letztverstvrbene unvergeßliche Fürstin Elisabeth, geborne Prinzeß!» von Thurn und Taris, angesehen werden, welche vom izc>Z an das Schloß Heiligenberg zu ihre» Lieb- lingsaufenthalt erkohren, und auf dessen Verschönerung so wie aus die seiner Umgebung bedeutende Summen verwendet hat. Was die Mutter mit Geist und Herz begonnen, hat dann Ihr Sohn der jetzt regierende Fürst von Fürstenberg mit dem edelsten Geschmake fortgesetzt; so daß nun Heiligenberg als ein seines erhabenen Fürstenpaares würdiger Sommeraufenthalt von Jedermann mit Entzüken beschaut wird. In dem geräumigen Vorhofe des Schlosses sind noch die Wohnungen des dort befindlichen Bezirksamtes, des Amrsrevisorates und des Physikats rc. Außer diesem ist das freundliche DorfH e il igenb erg mit circa 50 Häusern und einem zum Empfange jedes Reisenden best eigerichteten Gasthauses, wo man sehr gute Bewirthung findet. II. Abtheilung der Unter see. Jnnhalt der II. Abtheilung. *) Da in der I. Abtheilung unter Nro. §. zwei Ansichten vorkommen, so ist dafür die Nro. 6s. Übergängen worden. — ?ab. 63 . Konstanz, (vom Fürstenberg aus gezeichnet.) 6H. Das Schloß Castel, 65 . Gottlieben, 66. Die Ruine Schöpften, auf der Insel Reichen«», 67. Oberzell, daselbst 69 . Das Kloster, daselbst 69. Ermatingen. 70. Das Schloß Hard, daselbst 71. Wolfsberg, 72. Arenaberg, 78. Salenstein, 74. Eugenshöhe, 75. Die Preßpiterie zu Mannen- bach, 76. Sandegg, 77. Berlingen, 76« Stekbor», 79. Kloster Feldbach, 60. Die Ruine Neuenburg, 9 l. Wangen, 62. Oehningen, 93 . Freudenfels, 8/z. Stein a./R., 93 . Dießenhofen, 86. Kloster Katharinenthal, 87. Kloster Paradieß, 99 , Schaffhausen, 69. Der Rheinfall, 90. Hohentwiel, total-Ansicht 91. dettö Eingang in die obere Festung, 92. detto Aussicht gegen Constanz 93. detto detto nach Hohenkrähen 94. Ruine Staufen, 98. Ruine Hohenstoffeln, - 96. Hohe» Höwen, ü 97. „ Mägdberg, „ 96. „ Hohenkrähen, 99. /, Homburg, ^ »oc>. Radolphzell, roi. Schloß Hegne. Die 89 Blätter der zweiten Abtheilung bezeichnen laut Im Ä halt das Sehenswürdigste an beiden Ufern des Untersees und h des Rheins von Konstanz abwärts bis zum Rheinfall bei, Schaffhausen; dann die, die Seegegend begränzenden einst so stolzen « Burgen des HegäuS, und schließen mit Radolphzell und Hegne. jtz Bevor ich aber die Leser in diese merkwürdigen Hallen der j>« Vorzeit führe, erlaube ich mir, sie noch auf einen, erst neuerlich ih bekannt gewordenen Punkt in der Nähe von Konstanz aufmerksam zu machen, der besonders denjenigen, welche schöne Aussichten suchen, nicht genug empfohlen werden kann. Ich meine das, schon Seite ii erwähnte, ohnlängst von Freunden schöner Naturansichten ge- stiftete Belvedere zu Hohenrhein. Dasselbe befindet sich auf dem sogenannten Wäldiberg, i 1/2 Stund von Konstanz, zunächst an der Landstraße nach Frauenfeld ) und Zürich, und ist sowohl für Fahrende, als zu Fuß ohne Bei «i schwerde zugänglich. j, Das prachtvohe Bild der Natur, daß sich hier in einem Par H norama von mehr als 200 Stunden Umfang vor den Augen des N Beschauers aufrollt, wird selbst von der mit Recht geprießeuen Aussicht nicht übertreffen, welche der mühsam zu besteigende RigüCulm gewährt. Zwar wird hier beim Anblick der schweizerischen Hochger M birge das Gemüth weniger vom Erstaunen ergreiffen, als auf dem ks,, Rigi, dem diese riesenhafte Schöpfung näher liegt, — dagegen aber wird es wert mehr von dem herrlichen Anblik des Ober- und Untersees mit der ihn umgebenden reizenden Landschaft entzükt, die wie ein unübersehbarer Garten , vor ihm ausgebreitet, da liegt, und durch ihre Mannigfaltigkeit und Lieblichkeit, einen nicht zu beschrei, benden Geunß gewährt. — Ich enthalte mich hier in nähere Details dieses herrlichen Bit, des einzugehen, und verweise dafür auf das vom Belvedere aus, genau »ach der Natur gezeichnete und sauber lithographirte kanorama, welches sowohl auf dem Belvedere selbst/ als bei dem Herausgeber dieser Blätter, schwarz oder colorirt, zu haben ist. «i — y§ — d« ^ad. ÜZ. ^ Ansicht von Konstanz. ^ (Dom Fürstenberg ans gezeichnet.) Ueber die dortige liebliche Anlage am Schluße dieser Beschreib ^ bung ein Mehrerer. ^ 64. ^ Das Schloß Lastet l. Dieser l Stund e von Konstanz gelegene stattliche Sommersitz einer Hochachtbare« Familie aus St. Gallen, geberer äo Orsncl - 6los bildet gleichsam die Hvchwacht über die große Ebene, die der Rhein beim Heraustritt aus dem Oberste bei Konstanz bis zum Eintritt in den Unterste durchschneidet. Schon durch seine herrliche freye Lage, und die das weitläufige Schloßgebäude umgebenden schönen EartenanlageN gehörte Castell längst zu den angenehmsten Wohnsitzen der Seegegend. — Noch vorzüglich aber wurden dessen Reihe durch mehrere Erweiterungen, und wesentliche Verschönerungen erhöht, dje daselbst in nknefier Zeit an den - 8 ? - Anlagen sowohl als im Schloße selbst, unter der geschmakvolle» Leitung des Herr» Oboist Junker Scherrer ausgeführt wurden. Dahin gehört die an der Ostseite des Sckloffes angebrachte, und mit schönen astronomischen Instrumenten versehene Sternwarte, auf der man eine der köstlichsten Aussichten genießt. — Nicht weniger interessant als das jetzige Schloß für den Freund der Natur, ist die gegenüber liegende > stattliche Ruine für den Freund der Geschichte. Hier stand einst die, wahrscheinlich ^ von den Römern erbaute feste Burg Castell, die bis zum ll. Jahrhundert schon stark H vorn Zahne der Zeit zernagt, unter Bischof Ulrich von Konstanz wieder hergestellt, und zum Bischofssitze gemacht wurde. — Im l2 Jahrhundert wurde sie zweimal zer- § stört, und zum drittenmal i. I. 1499. von den Eidsgeuvssen gleich nach der Schlacht ^ von Kchwaderlvch. — Seit dem wurde sie nicht wieder erbaut, und steht nun da, mit Epheu zierlich «wrangt, als merkwürdiges Denkmal der Vorzeit, vielleicht noch ^ Jahrhunderte durch Sturm und Wetter trotzend. — Ob diese Burg die Wiege der ^ ün Thurgau einst hochberühmten adelichen Geschlechts der Schenke von Kastell sei, deren Nachkömmlinge zur Zeit noch in mehrere« Zwerge« in Deutschland blühen, ist geschichtlich nicht nachgewiesen. — W Unterhalb Kastell liegt in einer der fruchtbarsten Gegenden des Thurgaus freundlich ^ zwischen Obst- und Weingärten zerstreut, d as P farrd o rf Tägerw eile»; mit dem ehemalige» Freysitz Pflanzberg, nun Eigenthum der Wittwe Steiner von Winterthur' ^ — Y7 — M rttl !>» »««l! Weiter vorwärts erscheint mit seiner graue» Burg dicht am Ufer des Rheins l'ad. 63. Der Fleken Gottlieben. Ob, wie die Sage geht, Bischof Kvnrad der Heilige im 10. Jahrhundert Gott- E liebe» erbaut habe, lassen wir dahin gestellt sein. - Gewiß aber ist: daß Bischof Eber- hard von Waldbnrg bei seinen häufigen Fehde» mit den Fürsten, und seinen immer- währenden Zwisten mit der Stadt Konstanz, die sich überhaupt nie recht in das sanfte Ep Joch der Bischöfe schmiegen wollte, um das I. 1250. sich diese feste Burg zu seiner W Sicherheit baute, und um Konstanz zu demüthigen, den Bischofssitz dahin verlegte; «ch der wie es scheint öfter mit Kastell wechselte. Dieser nemliche Bischof ließ auch von Gottlieben aus eine Brücke über den Rhein bauen; die aber, weil ihr Ertrag die llnterhaltskosten nicht dekte, bald wieder abgebrochen wurde. Im Jahr rz;Z. wurde II" Gemieden, und nach einigen auch das Schloß aus Rache gegen den Bischof, durch W> Kvnrad von Homburg verbrannt. — Indeß scheint das Schloß selbst nicht wesentlich gelitten zu habe» ; den» wenige Jahre darnach sehen wir schon wieder den B üppigen Bischof Heinrich von Brandis seinen Hof in Gvttlieben hallen. Nach ! einem Wappen zu urtheilen, welches ein gegen den innern Hof gehender Crker trägt, O hat der Bischof Otto, Graf von Sonnenberg im Jahr 1480 bis 1490 dem »Z - y8 - Hauptgebäude seine jetzt noch bestehende Form gegeben. - Als aber dessen Nachfolger j« der Bischof Hugo von Landenberg im sogenannten Schwabenkriege 1499- der j, ihm von den Eidsgenossen zugesicherten Neutralität zuwider, kaiserliche Besatzung in ^ seine Burg nahm, welche mehrere Schweizer von den Thürmen aus erschossen, und tz diese zur Wiedervergeltuug die bischöfliche Burg Kastell verbranten, schien es den Bischöfen in Gottlieben nicht mehr recht zu gefallen, und wir sehen sie von dort an »,! ihren Sitz nach Meersburg verlegen. - Im Schloße wohnte nnn bis zur Revolution », ei» bischöflicher Obervvgt. sZur Zeit ist es Eigenthum des Herrn Rittmeisters Hippenmayer) Geschichtlich ist dieses Schloß unter andern auch dadurch geworden, daß Johann Hnß einige Monate dort in harter Gefangenschaft saß. — Noch will man in einem der dortigen Thürme das Blockhaus erkennen, in welchem dieses Schlachtopfer der kirchlicken Tiranney damaliger Zeit soll geschmachtet haben. Auch der durch das Concilium zu Constanz abgesezte Pabst Johann XXII. lebte einige Tage in diesem Schloße in gesanglicher Haft, so wie später Hieroni- mus von Prag, Felir Häm Merlin von Zürich, m a. m. — Gottlieben war schon im 12. Jahrhundert unter Kaiser Friedrich ein bemerk- ^ barer Ort geworden; am meisten aber hob es sich durch die lange Anwesenheit des Bischöflichen Hofes. — Es hatte eine schöne Straße längs dem Rhein hin mit 2 Reihen wohlgebauter Häuser; im Verlaufe der Zeit aber hatte das Wasser das Fundament ^ — yy — Ue der äußern Häuserreihe unterfressen, so daß im Frühjahr des I. 1692 bei einem gro- »k ßen Sturme mehrere Häuser in den Rhein versanken; und nur mit großem Aufivande >>!» konnte durch Einschlagen einer ungeheuern Anzahl hölzerner Pfähle re. die andere Häu- serreihe mit der Straße noch gerettet werden, st« Noch ist Gottlieben ein freundlicher wohlgeordneter Fleken, wo ziemlich viel Ge- «>r iverbsfleiß und Wohlstand herrscht. — Von hier war der mit dem Ruhme eines glük- >l«>» llchen Kaufmanns und den noch großem eines ausgezeichneten Menschenfreundes, vhnlängst in Wien verstorbene Hr. I. C. H i p penmay er gebürtig; dessen schöne ick Wermächtnisse seinen Namen gewiß der späten Nachwelt bewahren. — ^ Gleich unterhalb Gemieden tritt der Rheinstrom wieder aus seinem Bette, und bildet den sogenannten Untersee; in dessen Mitte erhebt sich: Die Insel Reichen« u. Schon im 14. Jahre vor Christo scheint der römische Feldherr Cluuäius ribo- » Nero (nachmaliger Kaiser Tiberius) als er den Rhein herauf gegen die Vi n- Htl dellizier und Näthier zog, die Insel Reichenau beachtet, und als Haupt- W sammelplah seines Heeres benutzt zu haben. — Hier mag er sich seine Schiffe gebaut mk haben, mit denen er dann die wilden .und raubsüchtigen Bin dellizier besiegte. die mit ihren Kähnen den See beherrschten, und von dort aus ihre verheerende» i»> Einfälle in die Nachbarschaft machten. - Ob aber schon von dort an diese Insel be, wohnt blieb, muß aus dem Grunde bezweifelt werden, weil, als 700 Jahr sxäter w der heil. Pirminius dahin kam, um seine nachher so berühmt gewordene geistliche k Niederlassung zu gründen, nur Krötten, Schlangen, und andere giftige.Insekte» dort ßi haußten. — D Doch dieser muthige, von der Heiligkeit seines Unrernehmens durchdrungene K Mann (er war damals Bischof von Meaur in Frankreich, aber wahrscheinlich von Ge» i« burt ein Schottländer) dessen Ueberblick schon in dieser Wildniß ein künftiges Paradies >j, erkannte, ließ sich nicht abschroten, sondern gieng mit 40 arbeitsamen Laven, die er i>i mit gebracht hatte, muthig aus Werk, und fing gleich damit au, den Wald zu lichten W der die Insel bedekte; dann führte er einen Tempel auf, und baute Zellen für sich Ui und die Mittgenosse» seines Werkes, die sich unter den Regeln des heil. Benedikt H zu vereinigen gelobten, und zum Zwecke hatten: das Christenthum und bessere Sitten ! und Kenntnisse unter den rohen allemanischen Völkern zn verbreiten. Der schnelle kii Fortgang dieses heiligen Unternehmens das Gott wunderbar mit seinem Segen zn S» krönen schien, erwarb sich sehr bald den Beifall und die Unterstützung der Mächtigen ßs und Reichen damaliger Zeit in einem solchen Grade, daß einer gleichsam den andern überboth, diese Anstalt durch Geschenke und Privilegien zu ehre», - So stieg diese li, >>!> so einfach begonnene Unternehmung IN nicht vollen 200 Jahren zu einer Größe empor, >>, daß sie an Macht und Einkommen die meisten erlauchten Familien damaliger Zeit »!« übertraf. ü» Sie besaß eine beynahe unzählbare Menge Dörfer, Schlösser und Herrschaften, !«» und über zoo adeliche Vasallen. Ihr Einkommen überstieg die für damalige Zeit unerhörte Summa von 60,000 fl. — Von dem Kaiser mit der fürstlichen Wurde begabt, » zählte die Abtei zu Rcichenau zur Zeit Ludwigs des Frommen über röoo von ihr ab- H hängige Mönche und Priester. Als wirkliche Capitularen konnten aber Jahrhunderte M lang, nur Fürsten, Herzoge, Grafen und Freye aufgenommen werden. — Aber groß >»! und ausgedehnt wie seine Besitzungen, war auch Jahrhunderte durch die fromme iß Thätigkeit, und nützliche Wirksamkeit dieser Anstalt. Das Christenthum, Künste und iif Wissenschaften verbreiteten sich von dort aus in weite Ferne, und der deutsche Adel M versammelte da seine Jugend in einem für sie angelegten Erziehungs - Institute. Ai Doch, wie alles Menschliche dem Wechsel unterliegt, so hatte mit dem Anfang M des io. Jahrhundert, auch dieses glänzende Stift seinen Culminativns-Punkt erreicht. Don dort an sehen wir es eben so schnell von seiner Höhe wieder herabsteigen, als es G sich hinaufgeschwungen hatte. — M Durch die Stürme der Zeit, die fortwährenden Streitigkeiten der Päbste und der Kaiser, in die das Stift häufig verwikelt wurde, durch unglükiiche Besehdunges Ivs — und gewaltthätige Eingriffe der weltlichen Herren so wie durch Demoralisation und die schlechte Haushaltung der Mönche selbst — gieng wieder eines nach dem Andern verloren; so daß schon im Jahr li 75 - daS einst so reiche Stift kaum mehr iüoo fl. Einkünfte hatte, und 200 Jahr später war es einige Zeit so arm, daß der Abt um ein geringes Kostgeld bei dem Priester zu Niederzell zu Tische gehen mußte. Es traten zwar hie und da wieder etwas bessere Verhältnisse ein, besonders wenn ein sparsammer, verständiger Abt an der Spitze stand; indeß das Stift war bereits zu tief gesunken , um sich je kräftig wieder emporzuheben — Im I. rzz 8 . wurde eS endlich unter Zustimmung des Kaisers, vom Pabste Paul lll., dem Bischof von Constanz übergeben; und nachdem bald darauf der letzte Abt Mar von Knorrin, gen als armer Pfründner starb, erhielt das Hochstift vom Kaiser Karl V. die Rek« chenau mit allem Zubehör als förmliches Lehen. Nur wenige Mönche blieben nun unter einem Prior, zur Besorgung des Gottesdienstes noch im Stifte. — So gieng es bis ins 18. Jahrhundert. — Da wagte ein muthiger Prior, Namens M eich e lb e ck, seinen Blick nach der Jnful, und versuchte mit Hülfe des Benediktiner-Ordens die Selbstständigkeil des Klosters wieder herzustellen.—Allein er traf in der Person des Kardinals Roth, damaligen Konstanzischen Fürstbischofs, einen noch muthigern Gegner; der, unterrichtet von den Anschlägen des Priors, eine gewaffnete Commission nach der Reiche»»» sandte, welche den Ä « Prior sammt seinen frommen Mitbrüderu zwang, das Kloster zu räumen, um nie wieder dahin zurückzukehren. Von nun an versahen den Dienst der Kirche 12 sogenannte Missivnärien aus schwä- tischeu und helvetischen Benediktinerklöster; aber auch diese gierige» nach und nach ein, und gegenwärtig ist die Stiftskirche mit der Pfarrei St. Johann verbunden. — Wenn auch gleichwohl diese mehr als 1000 Jahre bestandene Pirminische Stiftung im Verlaufe der Zeit dem ursprünglichen Zwecke entrückt, nicht mehr das war, was ste hätte sein sollen, so wird doch niemand die großen Verdienste verkennen, welche sie sich um die Kultur ihrer Zeit erworben hat. Die reiche Büchcrsammlung der Reicherm» war im Mittelalter eine der wichtigste» Deutschlands, und enthielt, obgleich vorher vielseitig geplündert und ihrer schönsten Zierden beraubt, noch in der neuesten Zeit reiche Schätze, die nun in den öffentlichen Bibliotheken von Carlsruhe und Heidelberg prangen. — Wir wenden nun unser Auge weg, von der Geschichte des Stiftes, und werfe» einen Blick auf die Insel selbst. Diese enthält in einer Ausdehnung von zsg Stund Länge und asg Stund Breite einen Flächenraum von circa noo Jauchert Boden; wovon, den Raum für die Gebäude abgerechnet, etwa die Hälfte mit Weinreben bepflanzt ist, und das übrige zum Getreide- Futter - und Gartenbau verwendet wird. — Ueberall finden wir auf dieser lieblichen fruchtbaren Insel die Spuren arbeitsamer — »OH — Menschenhände, so daß man es kam» begreife» kann, wenn man bei den darauf leben- !,lij den iqM Bewohnern, statt gehofften Wohlstand, größtentheils das Gegentheil findet. !L Außer mehreren schlechten Weinjahren, durch Frost und Hagelschlag, und den ge- A hemmten Absatz ihres Hauptprsduktes, des Weins, ins Ausland, scheint auch hier noch manche andere Ursache — worüber die Grvßherzoglichen Domainen-Verwaltungen viel- W leicht Aufschluß geben könnten — die Verarmung der Reichen«« befördert zu habe», die einst ihres große» Reichthums wegen diesen Namen erhielt. — Noch enthält diese Insel mehrere schöne Gebäude und andere sehenswerthe Denkmale aus der Zeit ihrer Größe, als t lab. bb. l Die Ruine Schopflen. A« Diese befindet sich am östlichen Ende der Insel, und war als ehemalige stattliche Burg, vermuthlich der erstel feste Punkt auf derselben; der wie die Geschichte nachweißt den Bebten der Reichesau öfters als Lustort, vielleicht auch als Zuflucht, nie aber als fester Wohnsitz gedient hat. Seiner Bauart nach scheint Schopflen (wie die alten Thürme vvn Franenfeld, Arbon Vischofzell rc.) fränkischen Ursprungs zu sein. Die Zerstörung dieser Burg soll im tz, I. iZs? der tyrannische und jähzornige BischofMangs ld, als Abt der Reichen««, da« P« k«! durch veranlaßt haben, daß er einem Fischer, der sich herausnahm in des Abtes Geil. biete zu fischen, gefangen nahmund des Augenlichtes beraubte; (eine damals eben nicht >!b seltene Grausamkeit der Tirannen) zur Wiedervergeltung dieser Gräuelthal zog dann die gesammte Fischerzunft von Constanz gegen Schöpften, machte des unwürdigen Bi- Ä schofs Burg der Erde gleich, und verbrannte mehrere ihm zugehörige Höfe. it«, _ sl'ab. Ober 67. l. Eine der drei Pfarrkirchen der Insel, ohnweit der Ruine Schöpften; sie ist im Byzantinischen Style gebaut, und in architektonischer Beziehung äusserst merkwürdig. ch ll'ad. 6 z. Das Kloster mit dem Münster. Das jetzige Kloster ist erst im 17. Jahrhundert erbaut worden, als das Stift li« schon dem Bisthume einverleibt war; das Münster hingegen, welches nun die zweite ,i» Pfarrkirche auf der Reicherm» ist, wurde schon im Jahr 8oü. von Bischof Hatt» er» >4 »ob baut, und ist sowohl wegen dem alterthümlichen Charakter seiner Bauart, als wegen , verschiedenen interessante» Monumenten die es enthält, sehr sehenswerth.*) ^ Der sogenannte Smaragd von 28 Pfund, der mit andern Seltenheiten dort ^ vorgezeigt wird, und dem man lange einen ungeheuren Werth beilegen wollte, hat ^ schon darum Zweifel über seine Aechtheit erregt, weil er unter so mancherlei Verhältnissen des Stiftes, immer noch unangetastet geblieben war. Seit er nun in ueuerer Zeit eine Reise nach Karlsruhe , und von da wieder zurück gemacht hat,.hält mau ihn für einen, doch immer sehenswerthen, schönen Glasfluß. Die dritte Pfarrkirche ist Nie derzeit, am westlichen Ende der Insel, sehr merkwürdig durch ihre Bauart. Hier ruhen die Gebeine des Bischofs Egino aus dem Hause der Zähxinger. In diesem Theile der Insel wächst der bekannte, in guten Jahrgängen köstliche Tafelwein, derSchleitheimer genannt. Bevor wir nun diese schöne Insel verlassen, wollen wir auch noch den höchsten ^ Punkt derselben, der durch ein großes hölzernes Kreuz bezeichnet ist, in Mitte der ^ Insel besuchen, um uns dort als Schadlvshaltung für die düsteren Gefühle, welche ^ *) Bei Hr. N. Hug i« Konstanz stnd genau gezeichnete und lithographirte Blätter Ober diese, und mehrere andere alte Denkmäler unserer Gegend zu baden. »«7 die Geschichte der Reichen«» unwillkührlich einflöße» muß, an der entzückenden Aussicht zu laben, die man aus diesem Standpunkte nach verschiedenen Richtungen hin genießt. Besonders sanft und lieblich ist das Landschaftsgemälde dem unser Auge gegen Südwest hin begegnet, und das allein schon den Wanderer für einen Ausflug nach der Reichen«» hinlänglich entschädigt. Nicht minder anziehend für Aug' und Gemüth stich die gegen Mittag aufden Bergen des Thurgaus zum Besuche winkenden Schießer, Wolfsberg, Aren aber«, Salenstein, Eugenshöhe und Sandegg. Am Fuße des Elstern liegt lab. 69. E r m a k i n g e n. Schon im Anfange des ». Jahrhunderts, als Karl Martell der mächtige Beschützer der Christenheit diese Gegend beherrschte, war dieser Ort unter dem Namen Ermuottingen bekannt, und nebst vielen andern mit Land und Leuten dem Stifte in der Reichenau einverleibt. — Gegenwärtig ist Ermatingen ein ziemlich belebter Fleken, von beinahe rov mit unter sehr wohlgebauten Häusern, mit 2 Pfarreien, die mit ihren Filialen 2Z00 resormirte und gegen 2Z0 katholische Einwohner zählen. Außer seinem beträchtlichen Wein - und Obstbau, Fischerei und Schifffahrt besitzt die» ser Ort auch noch mehrere andere Gewerbe, eine Leimsiederei aus Knochen, und elni- A ge bedeutende Weinhandlungen. — «!< Am Ende dieses Ortes gegen Mittag erblickt man dicht am Fuße des Berges «i« von den lieblichsteuAn lagen umgeben: 2 70. ^ Das Schloß Hard. ^ Es wurde erst im Jahr 1760. von Junker Aollikofer erbaut; vor Kurzem aber von einem ehemaligen französischen General, Herrn ss.inäss)' aquirirt, welcher dasselbe in vielen Theilen verändert, und durch nahmhafte Verschönerungen zu einen .höchst angenehmen Wohnsitz gemacht hat. — Dicht an diesem Schloße vorbei führt eine schöne Landstraße die Anhöhe hinaus nach 71. », W 0 l f S b e r g. » Auf dieser herrlich gelegenen und mit einem bedeutenden Landgute verbundenen ^ Besitzung eines ehemaligen Offiziers von Napoleons Garde, des Herrn xsl-hui-,, ^ befindet sich eine auf sehr noble» Fuß eingerichtete und mit allen Bequemlichkeiten ver- — — »' sehene Pensionsanstalt für Fremde, welche die schöne Jahkszeit in dieser gesunden und anmulhigcn Gegend zuzubringen wünschen. — (Das Nähere über diese Anstalt W ist daselbst in einem gedrillte» Prospektus zu ersehen.) — Vom Wolfsberg kehrt man wieder zurük nach Ermatingen, und folgt einige hundert Schritte der unter dem Schatten schöner Obstbäume See abwärts ziehende» Landstraße, dann führt ein sich links den Berg hinauf schlängelnder anmuthiger Weg nach lad. 72. « Arenaberg. D Als langjähriges Vcsitzthum der Familie von Streng, wurde der ArenaLerg von seiner gegenwärtige» Besitzerin, der durch Geist und Herz gleich erhabenen Herzogin von 8l. L>eu, ehemaligen Königin von Holland, auf die geschmakvvllste Weife verschönert, und, besonders wenn man noch die überaus schöne Lage des Schloßes und seiner Umgebung betrachtet, zu einen wahren Feensitz umgestaltet. — Im auffallendsten Konstraste mit dem schönen Arenaberg erbitten wir vhnweit 1°" demselben isvlM auf einem zugespitzte» Hügel die graue Ritterburg I 10 'lud. 73. . W S a l e n st e i n. ^ Diese uralte Behausung der Edlen von Salenstein, die schon im 12. Jahrbundert ^ als Scherrken der Reichenau vorkommen, war, nachdem sie mehrmal ihre Herrn ge- si wechselt hatte, seit Anfang des vorigen Jahrhunderts Eigenthum der einst so mächti- W gen und reichen Familie von Breitenlandeüberg; und von einem Sprößling derselben erst vor wenigen Jahren an den Besitzer von Wolfsberg, Herrn Obrist k'ar^uiu käuflich abgetretten worden. Sie ist sehenswerth wegen ihreralterthümlichen Bauart und ihrer Lage. Ohuweit von Salenstein steht auf einer angenehmen Bergfläche das erst vor i» Jahren ganz neu ausgeführte Schloß S ch Eugens höhe. D « Es hat diesen Namen von seinem Stifter Eugen Napoleon ehemaligen j,z Vicekönig von Italien. Hier in der Nähe seiner geistreichen und geliebten Schwester K gedachte Eugen einen Theil der schönen Jahreszeit zuzubringen, und Tage der^. »II Wonne zu leben, wie sie weder im Getümmel des Krieges noch in dem erzwungene» Glanz der Höfe, sondern nur in dem Zauber der Natur zu finden sind, von dem diese ganze Gegend umstrahlt wird. Doch! kaum war der Bau dieses Schlvßes chi vollendet, so wurde Eugen vvm Tode überrascht, und nur sein unsterblicher Ruhm l,,, wird in der Geschichte bewahrt. — Der gegenwärtige Besitzer von Eugenshöhe Sr. W Durchlaucht der Erbprinz von Hohenzollern Hechingen, — vermählt mit einer Prin- jjkzeffi» von Lenchtenberg; scheint diese Besitzung nicht sehr zu beachten. Rtz -:-- ' » 'Hd. 7S. Die Kaplanei zu Mannenbach. Am Fuße des Berges, auf dem sich Eugenshöhe befindet, liegt an der Landstraße nach Stein zwischen Obstbäumen und Weingärten zerstreut, das Dörfchen Mannenbach, und in Mitte desselben auf einem sanften Hügel die geräumige Kaplanei; welche schön gelegene Wohnung vor einigen Jahren die verwittibte Groß- Herzogin Stephanie von der Thurgauischen Regierung erkaufte, um sich hier in der Nähe chwon A ren ab erg und Eugens höhe, ein bescheidenes Adsteigquartiereinzurichten; Balleln durch den Tod des Herzogs von Leuchtenberg; scheint auch dieser schöne Plan i itzeschcitert zu sein. — — >l 2 — lad. 76. Das Schloß Sandegg. Gleich unterhalb Mannenbach glänzt auf einem Vorsprnnge des Bergrückens, der ^ die Schlößer Engenshöhe, S al e nst ein nnd A r e nab er g trägt, das Schloß'" Sandegg. — Schon im 8. Jahrhundert wohnte hier ein Australischer Landvogt, Namens Sintlas, bei dem sich der heilige Pirminius aufhielt, bevor er sein großes Werk auf der Reichen«», damals Sintlas Au genannt, begonnen hat. ^ Nachdem die alte Burg im Verlaufe der Zeit oft ihre Besitzer gewechselt, und im Jahr iü-3. an das Kloster Muri gekommen war, kaufte sie vor 20 Jahren Herr E Kaufmann Delisle von Konstanz, unrer dessen Händen sie zu einen sehr gefälligen Wohnsitz eingerichtet und abermal veräußert wurde. — Gegenwärtig gehört sie Hr. Obrist psr-^uin dem Besitzer von Wolfsberg. Auf allen diesen Schlößern von Wvlfs- berg an bis Sandegg genießt man eine Aussicht, die durch ihre Ausdehung und § Mannigfaltigkeit die herrlichsten Genüße gewährt; daher auch der Besuch dieser Schloß- ^ ser zu den angenehmsten Ausflügen von Konstanz gehört. Äi . - tz ,r3 — lab. 77. B e r l i n g e n. jg Unter Sandegghin führt die, schon von Konstanz her mit den schönsten Frucht- ^ säumen beschattete, Landstraße nach den reinlichen wohlgebauten und gewerbssmen ^ Fleken Berlin gen von 750 referm. Einwohnern, die sich vorzüglich von Wein und ^ Obstbau, Viehzucht, Fischerei und Schiffsahrt nähren. Unter seinen Gewerbsleuteu ^ zählt Berlingen eine auffallend große Anzahl Küfer und Brandweinbrenner, die ihre Produkte größtentheils ins Ausland verkaufen. — Eine halbe Stunde unter Verlingen liegt auf einer breiten Erdzunge «^ St lab 76. e k b 0 r u. ! Eine Thurgauische Municipal - Stadt, und Hauptort des Amtsbezirks Stekbor« Mpon 248 großentheils solid gebauten Häusern, mit circa 700 reform. und 200 katholischen Einwohnern , die sich wie jene von Berlingen, den Sommer über meisten- lheils mit dem Weinbau, und den Winter durch , mit Küferei, Brennerei , Viehma- stung und verschiedenen andern Handwerken und Gewerben beschäftige«. Auch besitzt »Z — "4 — Stekbvrn nicht unbedeutende Fischerei und Schifffahrt, mehrere Gerbereien, eine Tuchfabrik und mehrere sehr wohlhabende Einwohner. — So unbestimmt die Nachrichten über das ohne Zweifel sehr hohe Alter von Stekbora ^ find, so dunkel ist auch seine Geschichte. — Schon im 8 Jahrhundert scheint Stekbvrn von dem Stifte Reichen»» abhängig geworden zu sei». — Im rz. Jahrhundert hakte ^ es zwar seine eigenen Edelleute ,,die Herren von Stekbvrn" aber auch diese , Waren Lehenträger der Abtei Reichen«». I Der nun zu einem Lagerhause eingerichtete maßive Thurm wurde erst gegen die Mitte des iq. Jahrhunderts von einem Abte auS der Reichen»», Namens Diethelm geboren von Kaste! erbaut, welcher sich hieher zurückzog, und von da aus sein zer« > rüttetes Kloster regierte, das er nach seinem Tode in blühendem Zustande zurük ließ. « Einen Haupttheil der Geschichte Stekborns machen dessen immerwährende Zwiste ^ mit der Abtei Reichen«» aus; in deren Namen später die Bischöfe von Konstanz als Bebte der Reichen«,,, noch bis zur Zeit der Revolution eine Art Gerichtsbar- kett über Stekbvrn ausübten. >q — ».s — lad. -79. Kloster F e l d b a ch. Eine Viertelstunde unterhalb Steckbvrn liegt auf einer in den See hinausgehenden Erdzunge das alte Frauenkloster Feldbach. — Seine» Ursprung hatte es von einem Edlen von Feldbach / der wie die Geschichte erzählt, seine an diesem Platze befindliche feste Burg samt Kapelle und vielen Gütern , im Jahr riza. den fromme« Schwestern auf der Bruck zu Konstanz um sgoo fl. überließ; welche dann die Burg in ein Nonnenkloster verwandelten. Durch die reichen Beiträge anderer geistlichen Stifter, und mehrerer Edlen, davon einer, ein Walter von Klingen in der Klosterkirche zu Feldbach begraben liegt, so wie auch der Bürger von Konstanz wurde diese Anstalt bei ihrem Entstehen kräftig unterstützt, und ist zur Zeit noch von conveutuslianea vvm Cisterzienzer-Orden bewohnt. Noch weiter abwärts erscheint in einer herrlichen Lage von den schönsten Weinbergen umgeben, ohnweit der Landstraße das niedliche Schlößchen Glarisegg, vormals ein Freisitz, nun einem Grafen von Elggin aus Thüringen gehörig; der aber nicht selbst da wohnt, und diesen schönen Landsitz ziemlich zu vernachläßigen scheint. Oberhalb Glarisegg erblickt man in wildem Gebüsche die graue Ruine r — ,16 — lad. 80. Neuenburg. D Einst der Sitz der Edlen von Mammern, die sich dann besser unten, im jetzigen Dorfe Mammern eine Burg bauten, auf deren Platz wir nun die statt- jj» liche Wohnung eines Statthalrers und eines Pfarrers aus dem Kloster Rheina» M unterhalb Schaffhauscn, gebaut sehen. — > Gerade über Mammern schaut aus dem Walde das an einem wilden Lobel W stehende, und durch seine unterirdischen Gänge und Gemächer merkwürdige Schloß O Lieben fels herab, für dessen zarten Namen wir durchaus keine andere Ableitung finden können, als daß es einst der Sitz der Freiherr» von Liebcnfeis war; seit langem gehört es dem Stifte St. Urban im Kanton Luzern. Aber auch jenseits des Rheins, auf der, sich zwischen dem Unterste und dem Rhein gegen die Reichen«» vorschiebenden Landzunge, die Hört genannt, erdliken tz wir mehrere Schlößer, zerfallene Burgen, und Ortschaften, die in uns intcrreffante ,k, geschichtliche Erinnerungen weken. — So finden wir auf dem breite» Bergrüken dieser tz Landzunge, ohmveit dem Dorfe Schienen, von dem dieser Berg der Schkeue- mer Berg heißt, die Reste der alten Schrotzburg, wo einst das unter den jsi — » 1 / —- Hohe»,kaufen so mächtige Geschlecht der Herrn von Gchrotzbnrg hanßte. — (Bei Liesen Ruinen ist auch eine der schönsten nnd freiesten Aussichten am ganzen Bvdensee.) Auf der nördlichen Seite dieses Berges liegt das kleine Dorf Jznang, die Wiege eines großen Mannes; des Doktor Meßmer, Erfinder des thierischen Magnetismus; dessen tiefen Blick in die Natur vielleicht unsere Nachkommen besser alS Meßmers Zeitgenossen erkennen, nnd zum Beste» der Menschheit benutze« werden. — Am Gestade des Rheins herab erscheinen Sekbvrn gegenüber, das noch bewohnte Schloß Marbach, die Orte Gaienhvfen, Hemmenhofen, n, a, Noch besser abwärts: lak. 6l. Wangen. Ein Pfarrdvrf von zoo katholischen und iüo jüdischen Einwohnern, welche letztere daselbst ohnlängst eine schöne Sinagoge und Schulhaus errichtet Habens (Ueber die oberhalb Wangen befindliche merkwürdigen Steinbrüche ein Mehreres bei der Beschreibung von Oeningen.) Unterhalb Wangen sieht man die alten Edelsitze Kattenhsrn nnd Ob erst gad, welches letztere in neuester Zeit durch den daselbst a» der liebenswürdigen ,,8 Tochter des Herrn Hauptmann von Lenz verübten schändliche» Raubmord, eine traurige Berühmtheit erhielt. - Won da kömmt man nach ßh lad. 62. O e n i n g e n. Einst der Sitz der mächtigen Grafen von Lenin gen. — Die schon im Jahr H y 6 z. daselbst gestifke Probstei mit einem Stifte regulkrtec Chorherr», kam mit ihre» ,!! Einkünften, gleichzeitig mit der Reichen«» an das Bisthum Konstanz; und im Jahr 1805. mit Petershausen, welches Kloster seit Langem die Probstei mit Geistlichen aus ihrer Mitte besetzte, an die Markgrafen von Baden. — Im Berge oberhalb « Oeningen, so wie bei Wangen sind reichhaltige Steinbrüche von kalksteinartigem Stink» D schiefer, in welche sehr häufig Versteinerungen von Säugthieren , Amphibien, ch, Insekten und allerlei Pflanzen dieser Gegend angetroffen werden. Eine ausführliche D Beschreibung hierüber von Professor Dr. Karg in Konstanz ist im I. Band der Denk- schriften der vaterländischen Gesellschaft der Aerzte und Naturforscher Schwabens «! ^805. erschienen. Ä Kehren wir nun wieder über den Rhein auf das schweizerische Ufer Zurück, um, z, bevor wir nach Stein gelangen: — »I- — !'m Die geschichtlich merkwürdige Gegend um Eschen; ;« desuche». — Von Eschen; bis Ste in zeigen sich mehrere unzweideutige Spuren» daß einst dort eine große römische Ansiedlung cristirte; es wurden dort nicht «ur zu verschiedenen Zeiten und selbst wieder vor einigen Jahren in Menge eiserne, kupferne» silberne und goldene Kaisermünzen und verschiedene andere alte römische Monumente ausgegraben, sondern mehrere Ueberbleibsel alter Befestigung, und Mauerstöke aus M kolossalen Kieseln, die ungezweiselt römischen Ursprungs sind, (wie z. B> die Mauer W auf der Burg herwärts Stein, auf der noch zum Theil das jetzige Pfarrhaus ruht,) W so wie die Ruder« einer Brücke von der schweizerischen Seite auf die Insel im W Werd, wo einst der von seinen Feinden gefangen genommene frvme Othmar, H Abt von St. Gallen, sein Leben beschloß; und andere geben der Vermuthung ziem- N liche Wahrscheinlichkeit, daß auf diesem Boden wohl gar einst die berühmte Stadt der alten Helvetier , Osunoäurum möchte gestanden haben ; welche von ihnen vor ihrem u« ? ,M glücklichen Auszuge nach Gallien selbst zerstört, und bann von den Römern wieder M hergestellt, und als festes Lager gegen die Wndellizrer und Allemanaen gebraucht W wurde. — In der Folge scheint diese Stadt von den wilden Allcmannen, oder noch wildern Hunnen abermals zerstört worden, und aus ihren Trümmern Esche uz, i«, Wagenhau sen, und das jetzige Stein hervor gegangen zu sein. Reisende, welche diesen klassischen,Boden näher Untersuchen wollen,finden i« Gasthvf zum Adler in Eschen;eine sehr gute Herberge, «m von da a«S ihre Ercurs ^ sionen zn machen. Links am Berge von Mammern nach Eschen; sehen wir noch die ehemalig« ^ Pkvbstei K l in genzell, und ohuweit davon !li. lab. 63. . «i . Ei F r e u H e n f l s. u Eine ehemalige Herrschaft der Herrn von Frendenfels und nun eine Skat« Halterei des Klosters Ein siedeln, von 2 Geistlichen dieses Klosters bewohnt. - Auf IreudenstlS genießt man eine sehr schöne Aussicht. ^ st ° lab. 04. -» S t e r n. ^ Eine Stadt von rroo reformlrten Einwohnern, ehemals zum Kanton Zürich , ^ seit der Revolution aber zu Schaffhausen gehörig; sie wird durch den Rhein, der schon von Oeningen -n wieder einen regelmäßigen Strom bildet, in zwei Theile ge« ISI „tz theilt, weiche durch eine schöne hölzerne Brüke verbunden sind. — Außer seinem Wein - und etwas Ackerbau hat Stein auch bedeutenden Speditivnshandel und Schiff- >Ii!. fahrt. Dieser Ort war schon im 8 . Jahrhundert ein beträchtlicher Fleken. — Im Jahr - 66 . wurde er von Herzog Burkhard von Schwaben mit Mauern umgeben, und mit dem Stadtrechte begabt. Vierzig Jahr darnach verlegte König Heinrich II. das reichdotirte Benediktinerkloster zu Hohentwiel nach dieser Stadt, wodurch fle besonders gehoben wurde.— Die Herrschaft über dieselbe erhielten die Herrn von H v hen- U klingen, deren Stammburg noch jetzt als stattliche Ruine über dem freundliche» g,. Rebhügel bei Stein zu sehen ist. Dieses Hol) anklingen war noch bis zur Revolution von einem Zürchischen Landoogt bewohnt, und dient dermal zum Aufenthalt einer städtischen Hochwacht. — Im Jahr igzz. kam die Herrschaft über Stein und diese Burg vvm Hause Hohenklingen an die Linie von Klingenberg; von welcher sich im Jahr 1457. die Stadt für die Summa von Zoo fl. loskaufte, um sich im Jahr 1484. unter den Schutz und die Oberherrschaft von Zürich zu begeben. Die Benediktiner Abtei wurde bei der Reformation aufgehoben; die Mönche stehen nach Radolphzell, und wurden später mit Petershansen vereinigt. — Die alte Kloster» Arche zu Stein dient nun der reformirten Gemeinde als Pfarrkirche. ^ Für den Freund der Alterthumskunde findet sich in Stein noch manches Sehens- »ü »2S werthe, worunter der kleine Saal des Amtshauses im alten Kloster besondere Er« ; wähnung verdient; dessen Anblik sowohl als Kunstwerk, wie auch als lebendiges Zeugniß einer entschwundenen Zeit großen Genuß gewährt. — , - — - -- !,» 'lab. LS. D i e ß e n h o f e n. I»! Der s Stund lange Weg von Stein über Wagenhausen nach Dießcnhofen bietet , wenig M erkwürdiges dar. — Desto angenehmer aber ist die Fahrt dabin auf dem Mheinstrom, besonders wenn man Gelegenheit hat, das Dampfschiff benutzen zu können, welches in weniger als z/4 Stunden diese Streke zurüklegt. -, Dießenhofcn ist eine noch zum Kanton Thurgau gehörige Oberamts-und ^ Municipalstadt von 1200 Einwohnern, davon 4/5 Theil der reformirten Cvnfeßion, und i/Z Theil der katholischen angehören. — Die Einwohner beschäftigen sich vorzüglich mit Weinbau und Ackerbau, und verschiedenen städtischen Gewerben, dar» ^ unter mehrere Gerbereien, auch hat die Stadt 8 wohlbesuchte Jahrmärkte, und stak, ^ ken Vichhandel, der besonders mit Schaafcn von einer Gesellschaft bis in die Um- se b ung von Pari 6 getrieben wird. v »s3 " Die von Dießenhofen nach der badischen Gerte gehende Rheinbrüke, so ^ wie die günstige Lage dieses Ortes überhaupt befördert den Verkehr und die Spedition, die von dort aus sowohl zu Schiffe nach dem Bodensee, als z« Lande durch eigene Fuhren nach Basel betrieben wird. — Ein Mehreres über die Geschichte dieser im ir. Jahrhundert von einem Grafen vonKpburg gegründeten, und von dessen Nachfolger, Rudolph von H absb urg sehr begünstigten Stadt, ihren ehemaligen Adel, und ihre Verhältniße bis zur Revolution, wo sich dieselbe an den Kanton Lhurgau anschloß, — finden die Leser in ^ dem Thurgauischcn Nenjahrsblatt vorn Jahr 1827. W " lab. 66 . ^ Das Kloster St. Kalharinenthal. P>, Dieses zunächst unter Dießenhofen gelegene, und besonders von der Rheinseite sich stattlich ausnehmende Frauenkloster, nahm im iz. Jahrhundert seinen Anfang in dD der Stadt Dießenhofen, durch Willib urg» von Hünigkon, welche als kA Vorsteherin eines Vereins frommer Schwestern von Winterthur her kam, und von dem Grafen Hartmann von Äyburg, Schirmherr von Dießenhofen die >s4 Crlaubtniß erhielt, mit ihre» Freundinnen in dem sogenannten untern Hofe zu wohnen. - Bald darauf schenkte der G r Mf diesem Frauenvereine sein geräumiges M Jagdhaus unter der Stadt am Rhein, dem sie den Namen St. Katharinenthal beilegten. — Im Jahr 1245. nahmen die Bewohnerinnen von St. Katharinenthal den Dominikaner-Orden an, und wurden nun bei der damaligen günstigen Stimmung für das Klvsterkeben von allen Seite» unterstützt, so daß Katharinenthal in kurzer Zelt zu den angesehensten Franenklöstern feiner Zeit gezählt werden mußte. Durch mancherlei Unfälle und Verluste namentlich durch die famosen Jncamerationen in öko- M komischer Beziehung sehr zurückgebracht, besitzt dieses Stift gegenwärtig kaum noch h das Nothwendigste um bestehen zu können. iil In noch traurigern ökonomischen Verhältnißen aber ist das eine Stunde unter Katharinenthal gelegene, ebenfalls noch dem Kanton Thurgan «»gehörige §, 2'ab. 67. Kloster Paradies. Welches dato ynr noch eine einzige Klosterfrau enthält, nach deren Absterbe» wahrscheinlich das sehr schön gelegene Stift aufgelößt und veräußert wird. — ie Von hier aus führt ein sehr angenehmer und von Lustwandelnden häufig besuchter » ! >2S !» HO l>!>. »i !» Fußweg über Feu er th ale», ein zum Kanton Zürich gehöriger schöner Fielen von so» Einwohnern, über die schöne Rheinbrüke nach 69 . Schaffhausen. ich lid It »hü Diese sowohl als Hauptort des Kantons, als auch in anderer Beziehung merkwürdige Stadt zählt mit den Vorstädten und dem Stadtban» gegen 7000 reformirte Einwohner, die sich größtentheils mit Industrie und Handel beschäftigen, welcher durch die glückliche Lage der Stadt als Hauptstappelplatz für alle Rhein auf- und abwärts gehende» Waaren sehr begünstiget wird. - Außer einigen Manufakturen in Seiden- und Vaumwvllenzeugen, und einer Jndiendrukerei, hat sich in neuerer Zeit auch die Ciseuschmelze des Hrn. Näher, und die Stahlfabrik des Hrn. Obristen Fischer großen Namen und Kredit erworben. - Von den Landcsprvdukten war der Schaff Häuser Wein, als z» den bessern Schweizerweinen gehörend, «vn jeher geachtet und vom Auslande begehrt. — So wie Stein und Dießenhofen hatte auch Schaffhausen sein Emporkomme» in frühern Jahrhunderten größtentheils den Klöstern und dem Adel zu danken. — Vor tvoo Jahren standen da, wo jetzt diese reiche Stadt sich befindet, nur wenige Fischer- und Gchifferwohnungen, und einige Hütten znr Sicherung der Waaren, welche wegen dem Rheinfall hier abgeladen werden mußten. — So wie aber die Thäler des Kleckgaus und des Hegaus sich immer mehr bevölkerten, und in der Gegend Burgen und Schlößer entstanden, so wuchs auch aus den Fischerhütten ein Fleke» empor. — Nahe bei demselben baute dann anno iozr. der Graf Eberhard von Nellen- bürg, dem die ganze Gegend um Schaffhausen gehörte, die Abtei Allerheiligen, und schenkte ihr nebst vielen andern Gütern auch den Fielen Schaffhausen. Durch das schnelle Emporkommen dieser Abtei, von welcher bald darauf auch das Frauenklvster der heiligen Agnes gestiftet wurde, gewann auch Schaffhausen immer mehr an Ausdehnung und Wohlstand. Im lz. Jahrhundert wurde es mit Mauern und Gräben umgeben, mit einer Rheinbrücke versehen, und als Reichsstadt betrachtet. — Durch Kauf erwarb sich diese Stadt nach und nach viele Güter und Grundstücke von den oft in Geldverlegenheit gerathenen Geistlichen und Rittern. .Im Jahr »glt. erhielt sie die städtische Verfaßung, die noch bis 1798. dort fort bestand. — Häufig von dem benachbarten Adel befehdet, und von Oesterreich gedrängt, trat ß sie im Jahr rgzg. in ein Bündniß mit den Scbweizerkantvnen, und im Jahr izoi. wurde sie in den Staatsbund als rrter Kanton aufgenommen. - Durch die Reformation gewann Schaffhausen die Stifter Allerheiligen und St. Agnes; und beschränkte die Rechte desjenigen Adels, der nicht vorgezogen hatte, die protestantische j — >27 — l Stadt zu verlassen. — Dieß die kurze Geschichte einer Stadt, die sich den durch ^ günstige Verhältniße und Klugheit in frühern Jahrhunderten erworbenen Wohlstand, ^ durch weise Sparsamkeit und lobenswerthe Thätigkeit noch bis auf die neuesten Zeiten " zu erhalten verstand. Daß es übrigens einer Stadt, die einen Johannes von Müller erzog, nicht an guten Schul - und Bildungsanstalten fehle , läßt sieb von selbst erwarten.» Unter die sehenswürdigsten Gebäude der Stadt gehört die Klosterkirche Allerbei- ^ ligen, und vorzüglich das alte römische Bollwerk Unuvth, auf dem man eine sehr ' schöne Aussicht hat. " Höchst wichtig für das Gewerbslebe» in Schaffhause» war von jeher. IR v; lab. 69. ^ D e r R h e i n fa l l. Dieses rnerkwürdie Schauspiel der Natur, das an Größe in Europa nicht seines gleichen hat, befindet sich eine kleine Stunde westlich von der Stadt bei dem Zürich. —- —— ») Um so i>»begreiflicher ist «§ daher, daß der Schaffhausrr Schulkalechismus die §,a>h«> , ! Uten »och aiü vermaiadeite Abgöt lerer bejeichnet. ^ (Anmerkung der Setzers.) I2g Schloße Laufen. Hier stürzt die gewaltige Wassermasse des Rheins mit donner- ^ ähnlichem stundenweit hörbarem Rauschen, über eine mehr als 70 Fuß hohe Felsenwand zwischen Felsblöken herunter. — ^ Wer diesen, schon vielfach beschriebene» schönen Wasserfall von allen Seiten zu sehen wünscht, der lasse sich unten an der sogenannten Fisch enz nach dem Schlößchen Wörth überschiffen, bei welchem er die ganze Breite des Falles übersieht. Auch gewährt es einen überaus angenehmen Genuß, dieses große Schauspiel in der im Schlößchen aufgestellten Kamera obsxnra zu beschauen. — Reisende, die den b« Rheinfall im Vorbeireisen, R^r bei der Abendbeleuchtung, oder gar bei Mondschein W besuchen, und nicht mehr nach Schaffhausen zurückkehren wollen, finde» eine sehr gute M Herberge in dem zu Neuhause» phuweit dem Rheinfälle bestens eingerichteten Gasthofe. --—- L, Die Ritterburgen des Hegaus. ^ Zudem wir nun die schöne Rheinstraße verlassen, um auf der Poststraße über j« Hilzingen, Singen und Radolphzell wieder nach Konstanz zurückzukehren, ^ wird unser Blik unwillkührlich von den mächtigen Kegelbergen des Hegaus gefesselt, die aus Basalt und Basalt ähnlichem Klingstein bestehen, daher zu der Vermuthung führen, daß sie durch ein vulkanisches Naturereigniß aus dem Bodensatze alter Flnth ^ - isq — hervvrgetkieben, einst, wo nicht selbst Vulkane, doch von vulkanischer Hitze durchglüht "ö waren. - Nun auch noch einige Worte über das Geschichtliche der auf diesen Bergen befindlichen Burgruinen. *) 1U ^ ^ H ^ab. 90. 91. 92. 9Z. H 0 h e n t w i e l, mit vier Ansichten. li»! ^ Es ist nicht unwahrscheinlich, daß schon in den früheste» Jahrhunderten christlicher dk> Zeitrechnung der so trefflich gelegene Hohentwieler Berg, von den Römern zu einer W Grenzfestung gegen die unruhigen Allemannen benutzt wurde, und daher seinen alten B Namen Duellium empfangen haben mag. Einige Sicherheit in der Geschichte von W Hohentwiel besitzen wir aber erst seit Anfang des 10. Jahrhunderts, wo die Burg !;Twiel im Besitze des noblen Brüderpaars Erchinger nud Berthold war, die als Königliche Kammerbothen Oberdeutschland beherrschten, und ihre Frevel und Räubereien namentlich gegen den frommen Bischof Salomonvon Konstanz, so weit A trieben, bis sie durch das Fürstengericht zum Tode verurtheilt, und in Oettiugen ent- Wn--—-—-———- ') Herr Schönhuth i. Z, Pfarrverweser auf Hohentwiel, ein eben so thätiger, alS gegen Fremde die Hohentwiel besuchen, gefälliger junger Mann, hat bereits eine geschichtliche Skizze Hohentwiels herausgegeben, und beschäftiget sich schon längere Zeit mit einer um* fassender» Geschichte des Hegäus und seiner Burgen, die nächstens im Drucke erscheinen soll. »7 — ,Z0 — hauptet wurde». Bon dort an scheint Tw ie l mehrmals den Herzogen AllemannienS zum Wohnsitze gedient zu haben. Wenigstens wissen wir, daß Herzog Burkhard m. dort die letzten Lage seines ruhmvollen Lebens beschloß; so wie auch später yyi. seine hinterlassene Gemahlin: die durch ihre Schönheit und besondere Gelehrsamkeit geschichtlich gewordene Herzogin Hab ewig, Nichte König Ottosdes Großen. Nach deren Tod zog Ottos Nachfolger HerzogHeinrich 1l.', BurkhardS Besitzungen mit Twiel an sich, und verlegte das von Hadewig daselbst gestiftete Benediktinerkloster nach Stein a/R. (siehe Stein.) Vom I. ic>;6. an erscheint Twiel unter den Besitzungen der Hoyenstaufen. Nach dem Tode Kvnrads von Schwaben aber kam es in die Hände der Edlen von Kliugeuberg, die eS unausgesetzt bis z. I. izzg. behielten. Damals war der Herzog U l r i ch von Würtemberg in großem Gedränge, and richtete,von seinen Ländern vertrieben, sein Auge auf die feste Burg Twiel, von wo aus er das Seinige wieder zu erobern hoffte. — Er unterhandelte daher mit Heinrich von Klingenberg, und erhielt von ihm das Oeffnungsrecht, und als er endlich wieder in den Besitz seines Landes kam, aquirirte er i. 2- *538. Hvhent. «iel durch förmlichen Kauf um 12000 fl. Herzog Ulrich erkannte sehr gut die Wichtig' keit dieses Platzes, und lies ihn daher möglichst befestigen. Von da au blieb Hohentwiel ununterbrochenes Besitzthum des Würtembergischeu Hauses.M zläujeudsie« war dessen Geschichte in der Zeit des z-> 2-Krieges, wo es Sbkist Widerholt IZ Jahre lang unbesiegt gegen die härtesten Belagerungen und Angriffe vertheidigte, und durch seine häufigen Ausfälle und Raubzüge, die er biS Ulm und Memmingen ausdehnte, sich eine Berühmtheit erwarb, die unö keineswegs mit unbedingter Achtung für seinen Charakter erfüllt. Im I. isoo. sollte endlich auch diese alte Jungfrau ihr Ehrenkränzlein verlieren. Ein französisches Armeekorps unter Gen. Van dämme lag in der Gegend von Singen, von da aus sandte Vandamme einen seiner Offiziere als Parlementär nach der Festung, lies sie zur Uebergabe auffordern, und zum Erstaunen für ganz Deutschland, und §«? wiß für die Franzosen selbst, ergab sich die aus wenigen Invaliden bestehende Besatzung nach kurzer Bedenkzeit. Nach der bekannten Jerstörungsliebe der damaligen französischen Helden wurde nrm unter ihren Händen diese schöne Festung für immer verwüstet, und in eine Ruine verwandelt, deren Bild wir unter 92. — 9z. unsern Lesern vorlegen. — Erheiternder als die Geschichte Hohentwkels und der Anblick seiner Ruine, ist das herrliche Panorama, daß sich auf der obern Festung dem Auge des Schauers darbietet, und die von Heiligenberg und Hohcnrhein, obgleich wesentlich von ihnen verschieden, dennoch an Fülle übertrifft.") Wanderer nach Hohentwiei, und besonders diejenigen «eich« dort z« tbernachten tvÄn, scheu, um die Pracht der SluSficht bei aufgehender Sonn» zu schauen, finden im Gast» Haus zu Hobentwiel selbst gute und billig» ch-Dirthung. Ziemlich ähnlich der Aussicht auf Hohentwiel ist auch die der übrigen seltener bestiegenen Vergkegel; die obgleich in ihrer Geschichte minder wichtig, doch einst auch von angesehenen Geschlechtern bewohnt waren, davon wir, so wie von ihren Burgen nur noch wenige Spuren auffinden können. Der nächste dieser Berge au Hohentwiel ist lad. yH' S t a u f e n. Mit der Ruine einer Burg deren früheste Besitzer uns ganz unbekannt sind; später finden wir die Herren von Homburg, von Randegg, und von Scheilender- auf S taufen. Im zc>. I. Kriege wurde sie wie manche andere Burg des Hegaus einigemale zerstört. Endlich sehen wir Staufen mit Hilzingen als Herrschaft dem Kloster Petershausen «»gehörig, mit welchem es dann im I. >825. an die H. H. Markgrafen von Baden kam. Wichtiger als Staufen ist der mit den Trümmern dreier Burgen auf z Basalthügeln gleich einer Krone gezierte Stoffelerberg, wovon der wichtigste Theil unter lad. 96. Hohenstoffeln abgebildet ist, Die ältesten Besitzer dieser Vergschlößern uannten sich Herrn zu .33 !- den z Stoffel», davon wir mehrere im »ten und I4ten Jahrh, in Domstiften und ihi Ritterorden erbitten. Im iü. Jahrh, waren diese Schlößer Reichslehen, und gehör- !» ken längere Zeit der mächtigen Familie von Reischach. Zur Zeit sind dieselbe» ill Eigenthum des Freiherr» von Hornstein zu Weiterd in gen und Binnigen. Auf Hohenstvffeln ist nach dem Urtheile eines Kenners, des Freiherr« von Laßberg, eine der reichsten und reizendsten Aussichten Deutschlands. lad. 96. il H 0 h e n h ö w e n. ^ Der entfernteste der Kegelberge Z/g Stund vvm Städtchen Engen gelegen. Ho- ^ henhLwe» war einst eine bedeutende Herrschaft die das Städtchen Engen und iz Dörfer in sich schloß. Das Geschlecht der Hohenhowen lebte noch fort bis ins lab. <) 0 . Hohenkrähen, ki Dieses zerstörte Bergschloß liegt eine Stunde nördlich von Hohentwiel, anf einem znckerhutformigen steilen Bergkegel; für dessen etwas mühvolle Besteigung man aber reichlich durch das Bild der herrlichsten Schöpfung belohnt wird , welches man oben angelangt, nach alle» Richtungen beschaut. Auch von dieser Burg kennen wir weder den Erbauer noch die Besitzer bis zu Anfang des 16. Jahrh., wo sie auf des» ^ Kaisers Befehl zerstört wurde, zur Strafe ihres damaligen Besitzers, eines Edlen von Friediugcn, welcher dieselbe dem Stephan Hausner geöffnet hatte, um seinen an den ' Bürger» von Kaufbeuren verübten Menschenraub dort in Sicherheit zn bringen. Der- « mal ist Hohenkrähen, wo sich ei» bewohnbares Schlößchen, und 2 Rebmannshäuser befinden, im Besitze des Freiherr» von Reischach. Die berühmten Geschichten des Herenmeisters Popolius von Hohenkrähen überlassen werden Ammen. je lab. 00. ^ g Homburg. ,, Eine Ruine auf einem hohen Berge mit einer herrlichen Aussicht auf den Bodell, »35 — » !l- I» M «!l^ w ßk> e§ ii> see, und das Hvchgebirg, ob dem Dorfe Stahringen, zwischen Radolphzell und Lud- wigshafeu gelegen. Es hatte einst seinen eigenen Adel, der um die Mitte des 16. Jahrh, ausstarb. Später kam es i» den Besitz der Familie von Bodmann, dann des Stifts St. Gallen, endlich an das Hochstift Avnstanz, und von da an das Grohhcr- zogthum Baden. läd. roo. RadolphSzekl. Eine Gr. Bad. Municipalstadt, au der nordwestlichen Ducht des Unterstes, mit z;o Einwohnern; sie ist der Sitz eines Gr. Bezirksamts und Amtsrevisorats, einer Gr. Domainenverwaltung, eines Physikats, Postamtes, und eines Dekanats. Die Einwohner beschäftigen sich mit Wein- und Gartenbau, der Obstzucht, und einigen andern Gewerben. Auch findet daselbst alle Mittwoch ein lebhafter Kvrnmarkt statt. Den Grund zu dieser Stadt legte im y. Jahrh. Bischof Nadolph, aus dem Geschlechte der Grafen von Oeuingen, der sich aus Liebe zu seiner Heimath hier eine Zelle baute, um die sich nach und nach ein Fleken ansiedelte, daraus die Stadt Ra- dolphszell erwuchs. Noch jetzt zeigt man dort das Grabmahl dieses in der ganzen Umgegend hochgeehrten Mannes. Nach Radolphs Tod kam Radolphszell an die Reichenau später war sie Oeflerreichisch, dann eine Reichsstadt, und in der Folge wieder Lester- reichisch, im 2 . töoS. kam sie an Würtemberg, und 1310. an das Großherjosthum- »36 Baden. — Im zo jährigen so wie im Revolutivnskriege wurde diese Stadt sehr ins ^ Mitleid gezogen; das größte Unglück aber traf sie r. I. 1826., wo sie durch eine» ' schicklichen Brand beinahe zur Hälfte verzehrt wurde. Zur Zeit ist zwar die Brandstätte wieder mit zum Theil sehr hübsche» Häusern besetzt, aber dadurch der gesunkene Wohlstand der Bürger eben nicht verbessert worden. Sehenswerth ist daselbst die Münstcrkirche mit ihren Alterthümern: lab- lol. Das Schloß He grie. l, Diese ansehnliche, von ibrem dermaligen Besitzer dem Hr. Staats rath von Ho fer, in vieler Beziehung verschönerte und verbesserte Besitzung war früher ein Svmmeraufenthalt der Fürstbischöfe von Meersburg, von dort sie an Baden, und dann durch Kauf in die Hände der von Ho forschen Familie kam. In der dortigen Schloßkapelle befinden sich noch 2 Werke des berühmten Konstanzischen Bildhauers Hans M »ring, — Von Hegne gelangtman auf einer sehr guten Straße in 1 is2 Stund nach Konstanz. Eine halbe Stunde herwärts dieser Stadt erblikt der Wanderer links an der Landstraße die, erst neuerlich durch einen gewerbsamen Bürger von Con- stanz, Hr. Karl Barrel entstandene herrliche Anlage, mit einer trefflichen Schenk- wirthschafc, der Fürstenberg genannt; welche sowohl wegen der überaus schönen Aussicht die man auf diesem Punkte genießt, als auch wegen des guten Biers, aus dem mit dieser Anlage verbundene» - Sommerkeller, von Lustwandelnden fleißig besucht wird. — / z^/zz^.z^zz'/ / ^z-'zz/z/z/^z/z^ /" >//zZ^Z'ZZ .///E-^-/»V .E/- MX/. - » zzz^/ /Z^/// , ZÄZ//?/ ^ .VZ/Z/Zz/^/// Z^zz/zz.'zz /? » /^/ - ^Z N'/z /Zz"ZzZz » „ . -- Zz/ ^/^Z'zzzz/z/z/^z^ zz^' z /ZZ'ZZ.« <§ / oZs/z,Zzz „ ^ „ z/zz/>zz.> /« . » «l/z.»^.'»»zr?» Z' ' >//^Zz//zZZ^ V- »/U/.'z-^zzz/ .^zzzz/z^zzz/ //'7'/71.'/,tZ. 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