/r. ,5 f«M- MM Lk- ^o-^ErE' 2 ^«^7»«esr» Archiv kleiner zerstreuter Reisebeschreibungen ' durch merkwürdige Gegenden d e r Schweiz. Erster Band. St. Gallen in her Hnberischrn Buchbanölnttl!» r 7 9 §. Vorrede. 3)ey dem grossen, fast unübersehbaren Heere von Reisebeschreibungen , deren Gegenstand die Schweiz überhaupt ist, hat man doch öfters schon den Wunsch geäußert: Daß auch die zerstreuten, einzelne Gegenden dieses Landes im nä. heren Detail schildernden Reisen gesammelt wer- - ^ ' >v^ ' den mögien. Das gegenwärtige Archiv erfüllt diesen Wunsch. Zwar ist der Gehalt der Aufsätze verschieden. Nicht alle sind gleich reich an / Interesse. Allein dieses liegt schon in der Natur einer solcher; Sammlung. Die Quellen zeigte ich bey jeder Reise. an. Die' Aufnahme dieses Bandes wird für' die Fortsetzung entscheiden. Zur Ostermesse 1796. Der Herausgeber, 1 I n n h a l t des ersten Bandes, ! Seite- r» Svaziergang auf den Pilatusberg, im Kanton Luzern . .... r - 28 . Das Pftfferserbad und die umliegende Gegend - . » « « .29-56. , ;. Reife durch die Alpen und das Walliferland 57 - 104. 4. Bruchstücke einer Reise drrch das Disthum Basel und die Gebürgt von Neufchatel 105 - i;r. 5. Bemerkung auf einer Reise durch die Kantone Glarus und Appenzcll . . 1;; . 176, 6. Reisen durch einzelne Gegenden von Grau- l'ündtcn ...... r?7 - 220. 7. Der Rheinfall bey Schafhausen . . 221' - 2; 8. g. Reise von Bcx nach Sitten über den Berg Anzeindax . . . . . 259 - 282. 9. Reise über den Rigiberg und die vier Waldstädte . , . . . . 28r - ;r Spaziergang auf den Pilatus - Berg im Kanton Lueern. ^er pilatus «Berg liegt tm Kanton Lucern, beynahe itt» Mittelpunkte der Schweiz. Er beginnt an der westlichen Seite des Lucerner» Sees, und seine Kette dehnt fich vierze, hen Stunden lang von Norden nach Süden bis in den Kanton Bern hin. Noch war die gebürgigte Schweiz beynahe unbewohnt als eine Horde römischer Ausreißer auf diesem Berge sich anficdelte. Sie schufen ihm um seiner Abstürznngcn willen, den Namen und noch heißt jener Theil, welchen sie bewohnten, Frackmünd, Frackmont. Zwar belagerten die Römer diese Ausreisscr, aber ohne Wirkung, ob. A » gleich 4 gleich die letzteren keine anderen Waffen zur Vertheidigung hatten, als Felß-Trümmer, welche sie herabwalztcn. Nach dieser fruchtlosen- Unternehmung zogen die ersteren fürbaß in den Kanton Unterwalden, bauten ein Dörfchen, nannten es Staus, weil ihnen ihr Führer hier stille zu stehen geboten hatte, und noch führt der Hauptflekcn des KanlonS diesen Namen. ^ Der Berg selbst erhielt späterhin den Namen lilonr ?i- leLtus, weil seine Stirne beynahe immer mit Wolken, wie mit einem Hute (klleus) bedeckt ist. Aus der Verkrüpplung dieses Namens entstand dann die Benennung: pilatus- Berg. Der Döbel, dem diese Wortabstammung unbekannt ist, behauptet: Pontius Pilatus sey aus Verzweiflung, daß er den Stifter unserer Religion zum Krcutzes-Tod vcrur- theilt hatte, bis auf die Höhe dieses Berges gepilgert, und habe in den kleinen See sich gestürzt, von welchem wir bald reden werden- Volksmahrchen dieser Art bedürfen keiner Widerlegung. Sie widerlegen sich selbst. Die Lage des pilatus-Berges ist allerdings merkwürdig. Isolirt steht er da und man kann ihn in gewissen Rücksichten als den höchsten Berg der Schweiz betrachten- Zwar sind die Spitzen des Tittlis, des Gotthards und einiger Graubündtcn- schcn Berge weit höher. Aber dieses sind Schichtenweiie auf einander liegende Gebürgketten, deren Fuß ungleich höher her l ist dl dem wclci Ton «mp der Rar The geg< Wa den zwc drei Esc aus M wö> scr wo «in sie sol s - her liegt/ als der Lucerner - See- In seiner ganzen Lange ist der pilatus nur von der Spitze: „der Esi'I» bis zu dem Rnappstein unzugänglich. D«se Spizcn, zwischen welchen noch fünf andere- das Oberhaupt- daö Band- daS Tommlishorn, das Gcms , Mättle und das Widdcrhorn emporragen - sind eine und eine halbe Stunde von cinan. der entferne. Auch reden wir hier nur von diesem Zwischen- Raumc, nicht von dem übrigen- bevölkerten und bekannten Theile des Bcrgcö. Die Wind und Regenseite ist weit steiler, als die entgegengesetzte, aber auch weit fruchtbarer, reicher an fetten Waiden, und folglich auch mehr bewohnt. Sechs verschiedene Wege führen den Berg hinan, vier auf der steileren, zween auf der anderen Seite- Hingegen kann mau nur an drey Stellen von einem Ende des Berges, das ist von dem Esel zum Rnappsteine kommen. Zween dieser Wege sind äusserst gefahrvoll- der dritte aber führt durch so viele Ab, schwciftmgcn, daß man desselben nur selten sich bedient. Ess- wohnlich geht man über die Alp Bründlen. Auch ist dieser Weg vorzüglich reich an interessanten Gegenständen. Da. wo er beginnt, reifen vom Junins bis zum December an einem Abhänge die schönsten Erdbeere», solange nicht Schnee sie begrabt. Aber selbst unter dieser Hülle noch findet man solche, wenn man die Mühe des Suchcns «ichsscheut- Die 6 Die Tannen, welche in diesem Bezirke wachsen, nennt man allgemein Wetter »Tannen, wahrscheinlicher Weise lieg! weil sie zum Schutze gegen Gewitter dienen. Einige der» bey! selben bilden ein Gewölbe von fünfzig Fuß im Umkreise, Int durch welches der Regen nicht zu dringen vermag. Oft die sammelt sich bey dem heitersten Himmel das Vieh unter den denselben. Aber gewiß entsteht dann in einer Viertelstunde ein Gewitter. M° Der Weg vom Fusse dcS Felsen bis Bründsten ist ziem- sig lich gemächlich. Man führt mit zweckmässiger Vorsicht selbst sa>r Kühe auf demselben hinauf. Gewöhnlich braucht man fünf- die viertel Stunden um dahin zu kommen. Auf der Hälfte sn> dieses Weges steht eine Tanne, die vielleicht in ihrer Art hi" einzig ist. Ihr Stamm hat acht Fuß im Umkreise. Fünf- der zchcn Fuß hoch von der Erde gehen aus demselben neun un> Aestc hervor, die drey Fuß dick und sechs lang sind. AuS thc jedem Extrem dieser Aestc nun steigt wieder eine starkgcbauie die Tanne empor und so gleicht das ganze einem vielarmigten, kei mit Kerzen prangenden Kronleuchter. In einiger Entfer- nci nnng dehnt ein kleines Gehäge sich hin, über welches nur ein geübtes Auge ohne Entsetzen in die schaudernde Tiefe hinab blikcn kann- Hinuntergeworfene Steine erreichen N erst in zwo Minuten die Erde- läj bc Lründ» 7 s nt Bründlen ist dir höchste und letzte Brrgwohnung. Sie se liegt an der Wurzel eines gräßlichen Felsen, von welchem r. beynahe ununterbrochen ungeheure Trümmer sich loSreifen. se, Indessen sind die Hütten in einer solchen Lage gebaut, daß ist die Fels-Stücke über dieselben hinwegtanzen, ohne sie zu er berühren, de Die Waide dieser Alpe ist vortreflich. Sie nährt fünf Monden des Jahrs hindurch vierzig Kühe, und giebt drei« >n- sig Klafter Heu. Dieses aber wird nur an jenen Plätzen ge. bst sammelt, die für das Vich^unzugänglich sind. Manur Gestein heraus wächst auch das dunkelblaue Eisenhütlein esc (Xcomtuni idlspellus) eine vier Schuhe hohe Pflanze, die ein ,en sehr subtiles Gift enthält. Das Vieh wittert dieses, und läßt vier bis fünf Fuß umher das Gras unberührt. Nahe bey Bründlen liegt der berüchtigte See, in welchem Ptla- » tut 8 tus den Tod gefunden haben soll. »Wenn man einen Stein in denselben wirft so entsteht ein Gewitter" sagt die Lc, gendc. Aber die Legende lügt- Gewiß hingegen ist es: daß beynahe alle Gewitter oberhalb dieses Sees sich sammeln. Erst erhebt sich nur ein Nebel/ kaum so groß/ als ein Hut und zieht dann gcgerr den Felsen sich hin, der an den See gränzt/ aber weit über denselben emporragt. Steigt, was selten geschieht, die Dunstsäule über die Stirne des Felsen hinauf, so verzicht sie sich. Gewöhnlich aber bleibt sie an demselben hängen, dehnt mit jedem Augenblicke weiter sich aus, senkt sich hinab, und wird zur schwarzen Gewitterwolke, die mit fürchterlichem Donner sich entladet. Jene die auf der Spitze des Berges sich befinden, su» chen dieses Gewitter zu ihren Füssen; aber sie find deswegen doch vor dem Blitze nicht sicherer. Denn eben so oft fährt er hinauf als hinab. Die Fels-Grotte» sind dann der ein, zige Zufluchtsort für Menschen und Vieh. Nie dringt der Blitz in dieselben. Immer flössen ihn die heftigen Winde zurück, die aus diesen Höhlen wehen. Noch konnte man die Tiefe des kleinen SecS nicht ergründen. Er hat acht und dreisig Fuß *) im Umkreise und eine länglichte Form ^ die .) Im Original steht»38 Fuß,,, aber wahrscheinlich ist dieses ein Druckfehler. .Denn Capeller, der eine pragmatische Geschichte des Pilatus schrieb, giebt dieser Pfüze, die man mit Unrecht See > nennt, ein Länge von i;q Fuß. S. Halters Vibl. d. Schweizer-vesch. r D. 9 die so schmal zusammenläuft, daß man mit leichter Mühe hinübcrspringen kann- Das Wasser ist schwärzlich! und still und jene, die den See als einen Abgrund schildern, in welchem das Wasser immer tobe und sprudle, haben ihn wahrlich niemals gesehen. , Eben so falsch ist es, daß er auf der Spitze des Berges liege. Er liegt in einem Tannenwalde über dessen äusserste Höhe der Berg noch achjig Klafter em, porragt. In einer Höhe von hundert Klaftern, gerade oberhalb Lründlen erblickt man in der Mitte eines hervorstehenden schwärzlichtcn Felsen den Eingang in eine Grotte, in welcher eine Bildsäule steht, die von den Bergbewohnern Do» mtnick gcncnnt wird. Sie ist von wcisser Steinmassc und nach dem Augcnmaase clwa drcyßg Fuß hoch. Bestimmt unterscheidet man ihre Achnlichkcit mit einem Menschen, der mit den Armen auf einen Tisch steh stürzt, die Beine quer über einander schlägt, und ganz die Attitüde hat, als bewache er den Eingang der Höhle. Vergebens bemühte man sich, zu dieser räthselhasten Bildsäule zu kommen. Noch ist ein gewisser Huber durch die Wege, die er von dem Fusse des Berges bis Bründlen einrichtete, und durch sein tragisches Abentheuer in den Gegenden umher berühmt. Da er von dem Fuße des Felsen nichts 10 nicht bis zu der Bildsäule hinanklimmen konnte, so senkte er von der Scheitel des Felsen an einen: langen Seile ssch hinab, bis er der Höhle gegenüber schwebte. Aber der über, Hangende obere Theil des Felsen hinderte ihn trotz seiner Schwenkungen und Wendungen, den Eingang zu erreichen. Er ließ sich wieder hinaufziehen, und versicherte: die Bild» säule sey für ein zufällige- Werk der Natur viel zu artistisch ausgearbeitet. Er nahm nun eine Stange, an deren Spitze er einen Hacken bcvestigct haue, und gleitete zum zweyten mahle an dem Seile hinab, voll Hoffnung, mit der Hülfe jenes Werkzeuges in den Eingang der Höhle sich schwingen zu können. Aber noch unglücklicher endete sich,dieser Ver» such. Huber vcnnogte nicht, den Felsen zu erreichen, um welchen er immer hernmschwcbte, das Seil riß cutzwey, er stürzte hinab und ward zerschmettert. Die Meinung einsichtsvoller Männer ist: Die Bildsäule sey ein, von der Natur selbst in den Eingang dieser dunklen Höhle gepflanzter weißer Stein, den die Römer zum Zeitvertreibe bebauen, und in Mcnschcnform umgebildet hätten. Nach dem Zeugnisse der Erfahrung lößt noch jetzt von Jahr zu Jahr Erdreich sich ab, und so ist man zu der Vermuthung berechtiget, daß in jenen Zeiten dieser Theil des Berges weit minder steil, der Pfad zu diesem Steine folglich zugänglich gewesen sch. pie rr tr Die Gipfel, die Bründlen beherrschen, sind: das ch Widderfeld und das Gemsmättle. Von dem einen zu r- dem andern zu kommen, ist unmöglich. Leicht ersteigt mau er zwar den ersten, aber um den anderen zu ersteigen, muß man n. einen sechzig Fuß hohen Felsen hinanklettcrn, der amRande d» eines grausenden Abgrundes liegt. ^ ch tze Auf der rechten Seite von Bründlen liegt die Oberalp, m die sechzig- Kühe enthält. Der Boden umher ist ziemlich fe eben, aber auch sehr snmpfigt, weil der kleine See öfters en sich ergießt. Dessen ungeachtet ist diese Alp die beßte des !r» Berges. Vor dem I. 17;; waren Bründlen und Ober» m alp Freyalpen. Wer zuerst kam, »ahm sie in Besitz, weil c, es beinahe unmöglich war, Vieh hinauf zu treiben. Noch rristirt der alte, hundert Klassier hoch in den Felfcn gehauene Weg nach der Oberalp. Zwey Menschen, die auf dcmscl. ld- ben sich begegnen, können mit Mühe nur an einander vor- scr beiftrcifen, und es ist unbegreiflich, wie Kühe hinaufklettern lm konnten. Dcßen ungeachtet nennt man diesen engen Pfad >ct „ die Strasse, " und Sennen, mit drey Käsen von minde. :tzt stcns hundert und drcyfig Pfunden befrachtet, wandern auf >cr demselben hinab. Seitdem aber Huber im I. 17)5 einen eil neuen Weg nach Bründlen bahnte, stiegen diese beiden! Al, ine g>en ausserordcntlich im Werthe. Die Die Oberalp wird durch den Anappstein beherrscht. Dieser Stein, eine Masse von der Grösse eines Hauses?, liegt im Gleichgewichte auf der höchsten Felscnspitze, über deren Rand er noch ein wenig hervorragt- Mit jedem Augenblicke fürchtet man ihn herabstürzen zu sehen. Bei näherer Untersuchung der besondern Lage desselben aber zeigt es sich: daß dieses nur durch eine äusserst hefftige Crder» schüttcrung bewirkt werden könnte. Hat man den Muth, auf diese Steinmaße sich zu legen, so, daß der Kopf über den Rand hervorragt, so beginnt sie so hefftig zu wanken (nach dem Provinzialausdruck: zu knappen) daß es scheint man werde mit derselben hinunrerfallen. Zwischen dem Rnappstern und dem wtdderfelde entdeckt das forschende Auge die seltensten und schönsten Kräuter und Blumen, und man mögte beynahe sagen: die Na. tur habe sie absichtlich auf die unzugänglichsten, selbst von Erde beynahe entblößten Flecke verpflanzt- Denn einige derselbe» wurzeln sogar im Felsen. Linker Hand von Vründlen liegt die grosse Alpe Ca- > fielen. Noch im Jahr nährte sie hundertund achtzig Kühe, aber im folgenden Jahre löste von dem Tondis- horn die Erde, und mit derselben ein großes Felsstück sich ab, das im Sturze in kleine Theile zertrümmerte und so . war- rz ward die ganze Alpe und ein großer Theil des Vich's in Schutt und Graus begraben- Indessen trug seil 1744 der Wind wieder viele Erde dahin und hie und da erblickt man allmählich keimende Grasplätze. Seit dieser Rcvoluzion ward der Weg dqhin nicht mehr unterhalten. Leicht verirrt man sich allso, und oft kömmt man in Klüffte, wo man weder vorwärts noch rückwärts gehen kann. Indessen führt noch ein anderer, aber noch gefährlicherer Weg von Bründlen nach Castellen. Man trifft auf demselben eine fünfzehen Ruthen lange, beinahe scnkrechtliegende Wand von röthlichter, immer unter den Füßen ausglitschender Erde an, über welche man seitwärts in schnellen Sprüngen hinwcgeilen muß- An jedem Miß. trittc hängt Lebensgefahr- Daher besuchen nur wenige Waghälse Castellen, und doch ist diese Gegend in Rücksicht des Gewtldes und der Versteinerungen eine der merkwürdigsten des ptlatus. Hier findet man Auerhahnen, Gemsen, Rehe, Stcinböcke- Fünf Schützen, die in allen Alphütten, wo sie einkehren, unentgcldlich Speise und Trank erhalten, theilen sich in diese Jagd- Gewöhnlich stürzt das angeschossene Gcwild in die lieferen Gegenden hinab. Aber mit seltener Treue bringen die Finder es ihnen zurück und erspähten ihnen großen Zeitverlust. Denn oft müßten fie sonst ei. neu Weg von drey bis wer Stunden um eines Thieres willen willen machen, das sie in einer Entfernung von zwanzig Schritten erlegten. Aber oft führt der Gcwinngeist, derbiS auf diese Fclsenhöhcn drang, die Jäger in Lebensgefahr, besonders wenn sie über senkrechte Felscnwände hinabglit- schen, die sie nicht wieder erklimmen können. In dieser fürchterlichen Lage bedienen sie sich eines schrecklichen Mittels, das unglaublich scheint, ob es gleich verbürgte That. fache ist. Sie machen sich nehmlich mit ihren Waidmessern Einschnitte in Hände und Füße, schlagen diese an den Fel. fen an, und das gerinnende Blut wird zu einer Art von zähem Leime, der die Glieder so fest an das Gestein anheftet, daß man sie nur mit äusserster Mühe wieder losreißen könnte, wenn man sie zu lange in dieser Stellung ließe. Ehe man eine Hand abläßt, muß die andere schon wieder angeheftet seyn- Und so bilden jeneWaghälse auf eine eben so einzige, als schauderhafte Weise sich eine Leiter mit ihrem eigenen Blute. Die Gemsen sammeln sich gewöhnlich in Heerdcn von zwölf bis fünfzehn Stücken auf den steilsten Gebürggegcnden. Wachtthiere lauern an höheren Standpunkten, und geben ihren Gefährten mit einem gellenden Pfiff durch die Nase Kunde, wenn sie Jäger entdecken. Fällt ein Wachtlhier durch einen Schuß und bleibt eS auf der nehmlichen Stelle liege«, so entflieht die Heerde, stürzt es aber hinab vvm Fel. Fel gcl> zuki Loc Ba we, lüg lisl Sp Ge Da aus del> ähi der stei Kr! bra hin *' Felsen, so stürzt fie ihm nach in den Abgrund. Zuweilen gelingt es einigen, mit den Hörnern an den Felsen sich an, t zuklammrrn, aber gewöhnlich ist Tod oder Lähmung daS Loos Aller. Eine große Zahl von Gemsen wird bey dem Bache Sulz erlegt, der auf der Alpe Lastellen quillt, ein wenig Salz führt, pctrifizirend ist, und diesen Thieren vorzüglich behagt. Die Svitzen, die Castellen beherrschen, sind das Tom- lishorn, das Band und das Oberhaupt. Aber keine dieser Spitzen ist von Lastellen aus erstciglich und nur von dem Gemsmättlt kann man auf das Tomlishorn kommen. Das Band ist ein langer schmaler Felsgrath, der so spitzig auf dem Rücken zusammenläuft, daß man nicht darauf wandeln kann. Diese Gestalt, die einem wellenförmigen Bande ähnelt, gab dem Felsen den Namen. Um auf das Oberhaupt zu kommen, muß man aufder an, deren Seite des Berges durch das Rriesenloch *) hinaufsteigen. Dieses Loch, das feinen Namen von der Menge Kriefcnsteine (Kirfchcnstcinc) hat, die von Raben dahin gebracht werden, geht gleich einem Rauchfangc durch den Berg hindurch- Steigt man von Lastellen aus hinauf, so muß man *) Nach Capeller» Meinung soll eS eigentlich „Nriechenloch" heißen, wett man durch dasselbe kriechen muß. G. bi. L, xsller kilatl mootl« brüorla. man nothwendiger weise selbandcr seyn um sich Wechsels- sein weise Hülfe leisten zu können- Gleich beim Einteilte ist ein ma Gang von zehen Fuß in der Höhe, den ein Mann nicht allein sich ersteigen kann. Denn leicht könnte er, wie oft schon geschah, W selbst wenn er das Loch schon erreicht hätte, wieder zurück« der glitschen, weil es zu weit ist, um an den Seitenwändcn sich Ob halten zu können. Im Rückweg aber setzt man sich gewöhn« z/ch lich auf die Erde, und glitscht so hinab. Doch muß man unten sicher auf eine kleine Fels-Spitze treffen und an dieselbe sich anstemmen, sonst würde man auf dieser oder jener höc Seite in die Tiefe hinabstürzen. Seit der Verheerung der der Alve Castellcn ist dieser Weg äusserst gefährlich und nur vor die Jäger allein bedienen sich desselben. Wi ten Die Vorderseite des pilatus ist so abstürzia, daß an derselben nur die einzige kleine Alpe Treyen nistet. Auch En enthält diese mehr nicht, als fünf Kühe und noch über die. bli, scs erfordert jede derselben einen besonderen Hüter; aber ein dieser Vorsicht ungeachtet stürzen sie nicht selten hinab. Man Bb erzählt es als etwas Wunderähnlichcs, daß einst eine Gemse nia an dieser Vvderwand geklettert sey. das Die Spitze der Esel, liegt in der Mitte. Am Fuße derselben liegt der Staubbach, der von einer solchen Höhe abs hinabströmt, daß. das Wasser in Staub sich auflvßt. Daher »na sein ls- sein Name! Die Quelle selbst ist unzugänglich. Steigt in man aber etwa sechs Klafter unter den Esel hinab, so t» sichk man sie in einer Vertiefung aus einem Fclsbcckcn >h, schäumend hervorsprudeln. Indessen hat der Weg dahin, ck« der unter einem Gewölbe von einigem Schnee zwischen dem ich Oberhaupt und dem Esel hindurchführt, etwas Fürchter- m- liches. an ie» Der Weg auf den Esel ist bey all seiner Gemächlichkeit »er höchst schauerlich- Auf dem äussersten Punkte des Gipfels, )er der >4°; Klafter über Meercsflache erhaben ist, ist eine Ecke, lur von welcher man senkrecht in den Lucernersee, der an dev Wurzel des Berges liegt hinabsehen kann. Allerdings hat. tcn auf dieser Spitze fünfzig Personen Raum genug, aber nichts destowcniger wird man von einem unwtllkührlichen ich Entsetzen ergriffen, wenn man nichts mehr um sich her er« »je, blickt, lunb man wähnt, im Gleichgewichte auf der Spitze der einer Stange zu stehen. Hier wächst eine kleine roth« !an Blume, von sehr starkem, aber angenehmen Gerüche, die nse umn sonst nirgends findet. " vflückt sie zum Wahrzeichen, daß man dort gewesen sey. aße Die Rückseite des pilarus - Berges ist weit mindek öhe abstürzig, als die eben erwähnte. Ein gerader Weg, den her Man in sechs Stunden zurücklegt und der folglich der küy r B zeste. ztste ist, führt hier vom See bis zum Fusse des Estls hinan. Man ist bis dahin immer entweder von Gehölzen oder von Fels-Massen eingeschlossen, und ehe man es noch vermuthet steht man schon auf dem Rücken des Oberhaupts. Aber obgleich diese Seite des Berges minder abstürzig ist, als die entgegengesetzte, so hat sie doch weder an Fruchtbarkeit noch an Kultur einen Vorzug. Vielmehr ist sie öder und wüster; die Waiden sind magerer, der Sümpft und Gebüsche sind mehr, und man findet hier nur vier Genten, deinen Bewohner die rohesten Menschen sind am ganzen Berge. Am inneren Fuße des Esels liegt die Alpe Matt, die fünfzehen Kühe ernährt. Oberhalb derselbe» erblickt man zwey versteinerte Baumstämme. Nach der allgemeinen Meinung waren eS Eichen. Wahrscheinlich war also diese Gegend vormals nicht so verwildert; denn jetzt wachsen in die. ser Höhe keine Bäume mehr, selbst nicht einmal Tannen. Der Weg, der dahin führt, beginnt bey Alpnach am See. Er hat den Vorzug gemächlicher, aber zugleich auch länger ^ zu seyn, als die übrigen Zugänge. D>c Alpe, die etwas ^ tiefer liegt, als die Spitze des Tomlishorns und nur sieben ^ Kühe nährt, 'ist die höchste am Berge. Auf dieser Seite ^ liegt ein kleiner Teich, der dem Vieh zur; Tränke dient. Leicht r- Leicht steigt man von hier aus auf das Tonilishorn, wo man viele unbekannte Pflanzen von hoher Schönheit findet. Unterhalb der Tomlls.Alpe beginnt der Weg in das Mondloch. Er ist minder fürchterlich als die andern, weil die Kluft nur achzig Klafter tief ist, und das Aug an den gegenüberstehenden Felsen einen Rnhepunkt findet. Indessen ist doch der Zugang höchst beschwerlich. Denn man muß querfeldein an der Seitcnwand eines beynahe senkrechten Ab« Hanges über Gestein hinwandeln, das immer unter den Füssen hinwcgrollt. Einige spitze Felsgräthe und steile Rasenplätze über welche man kommt, vermehren die Beschwerlichkeiten. Hier ist der Berg ganz öde, und nur von einigen Ziegen bewohnt. Aus dem Mondloche quillt ein Bach hervor und stürzt sich hinab in die Tiefe. Etwa zchen Schritte wadct man - aber ohne Gefahr, auf dem schlüpfrigen, movsigten Grunde diese- Baches vorwärts und steht dann im Eingänge des Mondloches, der vier Schuhe breit und zchen hoch ist. Der Eintritt hat etwas Fürchterliches. Man fühlt eine tödtende Kälte- Mehrere Bergleute machten in früheren Zeiten Versuche, in diese Höhle zu dringen; aber Fivchk und Ermattung hemmten immer die Ausführung d.s Vorsatzes. Erst im I. 1752. drang man weit genu» vor, um B» ür- 20 f gcwis zu seyn, daß' die Kluft durch den ganzen Berg durchgehe, und die entgegengesetzte Ocffnung jener Grotte oberhalb Bründlen sey, in welcher die Dommicusbildsäule steht. Gleich beym Eingänge eröfnet sich ein Gewölbe, so groß ungefähr, als der Llsce äes ViÄoires zu Paris. Schichte» von Steinen, die von der Decke sich ablösten, füllen den Boden. Ein Gang, der drey Schuhe breit ist, zieht rechter Hand des Einganges sich hin, ein anderer aber, aus welchem der Bach hervorstießt, geht durch die Hintcrwand, dem Eingänge gegenüber- Wer nur eine Viertelstunde unbeweglich hier stünde, würde zu Eis erstarren, so schneidend ist die Kälte, die aus der Höhle hervor kömmt. Wir unternahmen, sieben an der Zahl, die gefahrvolle Farth, .reichlich versehen mit Fackeln, Laternen, Stricken und kleinen Bäumen, um im Nothfälle Brücken daraus zu bauen. Drey von uns wählten den Gang zur rechten Hand, vier aber, unter welchen ich mich befand, den anderen durch die Hintcrwand. Von diesem lezteren allein, der vier Schuhe in der Breite hat, rede ich. Kaum ist man eine Strecke von sechs Klaftern vorwärts gekonnyen, so stößt man auf einen tiefen, acht Schuhe breiten Wasserschlund, eine Kaskade aber, stürzt sich fünf Schuhe hoch I Sl hoch über ein Felsstück herab, an welchem man emporklimmen mnß. Wir bildeten zu diesem Ende aus zween Bäumen eine Brücke, und als der erste oben war, bot man ihm die Laternen an einer Stange und wir folgten nach. Oberhalb der KaSkade erweitert sich zwar der Saug in der Breite, aber er wird zugleich so niedrig, daß man in einer Strecke von zchen Klaftern auf Händen und Füssen durch das Wasser kriechen mnß. Jetzt tritt man in ein offenes, hohes, zwanzig Schuhe im Viereck haltendes Gewölbe, aus welchem man in einen hohen, fünf Schuhe breiten Gang kömmt, von dessen Wölbung wir Steine herabfallen sahen. Viele hängen so locker, daß man sie hinwcgblafen könnte. Hier vereinigten jene drey, die den Gang rechter Hand ge« ' wählt hatten, sich wieder mit uns. In den engen Gängen durchweiche sie sich durchzlvängcn mußten, hatten sie ihre Bäume zurückgelassen. Jetzt kamen wir wieder in einen erweiterten Gang. Aber neues Unglück drohte. Ein großer Stein hieng schwebend über unsern Häuptern. Um ihn zu unterstützen., mußten wir noch einen unserer Bäume aufopfern, und nur zween blieben uns übrig. In einiger Entfernung trafen wir wieder einen Wasserfall an, der zehn Schuhe hoch herabstürzte. Wir bildeten nach Sitte eine Brücke auö unseren zween letzten Bäumen, und der Wägste von uns stieg zuerst hinan- Wir hatten die Stange, die uns hinderte, zurückgelassen, ob sie uns gleich in Rücksicht der / 22 der Lichter sehr wesentliche Dienste gethan hatte. Jetzt erst fühlten wir die Grösse des Verlustes; denn'wir mutzten unserem Vorläufer die Fackeln zuwerfen, die immer erloschen bis er endlich durch Zufall eine brennende erreichte- Wir folgten nun nach, und krochen auf Händen und Füssen durch das Wasser, das uns bis in die Ohren drang, fort. Aber allmählich verengte sich dcr Gang so sehr, daß unsere ganze Körper ganz zusammengepreßt wurden. Endlich erreichten wir eine ausgedehntere Oeffnung. Hier lagerten wir uns, um uns mit dem Brod und Weine zu laben, den wir an unserm Halse, mühsam genug, bis hieher geschleppt hatten. Während des Mahles überdachten wir die Gefahren, die wir schon erduldet hatten, und die unserer noch harrten. Wir waren allesamt und sonders zerquetscht oder mindestens gebläut. Auch halten Frost und Beschwerden all unsere Kräfte gelähmt. Die Furcht endlich, irgend ein Felsblock mögte steh losreißen und den Rückweg unS verrammeln, nahm uns vollends alle Lust, die abcntheucr- lichc Reise weiter fortzusetzen. Nur Einer von uns hatte, nach vollendetem Mahle, den Muth, allein weiter zu gehen. Kaum war er zchen Schritte fürbaß, so rief er uns zu: Er erblicke Licht durch eine kleine Oeffnung, welche aber noch ziemlich weit entfernt fey. Es ist außer allem Zweifel, daß diese Oeffnung die Dominikusgrotte war. Aber Ermattung und Furcht bestimmten uns dessen ungeachtet zur Rück- / -Z st Rückkehr, die nicht minder beschwerdcvoll war. Kaum vermogtcn wir unsere Bäume, deren wir zu Brücken so sehr bedurften, fortzubringen. Wir befrachteten uns reichlich mit Mondmilch, einer leichten, schwammigten, milchweißen Materie, die in den drey Tagen des Vollmonds anS den Felsen schwizt, und allmählich sich verhärtet. Die Aclplcr bedienen sich derselben als einer Universalarzney in allen Krankheiten. In Quetschungen bei Menschen und dem Vieh ist sie von sehr großer Wirkung. Aerzte aus Montpellier kamen ehemals häufig an den Fuß des Berges, um dieses Arzneymittel von den Hirtenknaben zu kaufen. Von dem Mondloch aus kommt man an der Seiten» wand des Berges zu dein Anfange des Widderfeldes. , Hier steht in einer schauerlich wilden Gegend die Bubenhütte. Noch wachsen hier Bäume, aber sie sind ganz schwarz, verkrüppelt und zersplittert von Blitzen und Stürmen. Nur Kinder von zehen bis zwölf Jahren, deren Aeus- sercs noch verwilderter ist, als die Gegend, weiden daselbst ^ eine Ziegenheerde- Ein angenehmer Spaziergang führt f von dieser Hütte auf das Widderfeld. Gemächlich wandelt man den sanften Abhang hinan. Bcmerkenswerrh ist eS, daß man auf dieser Spitze die Stimme eines, ohne Anstrengung sprechenden Menschen in einer Entfernung von drryhundert Schritten deutlich, den Schall einer abgesthof- i senere 1 24 senen Pistole aber gar nicht vernimmt. Sobald man sich hingegen an die Bergwand kaum ein wenig abwärts stellt, so daß der Fels nur wenige Schuhe über den Kopf empor, ragt, so hört man die Stimme bei weitem nicht mehr so gut als vorher, den Schall der Pistole aber ungleich stärker, als auf dem flachen Lande. Unterhalb des Widderfeldes, nicht ferne von einem Teiche, an der Gränze gegen die Alpe Bründlen entspringt der Bach Sumlingen, in welchen alles Gewässer von dieser Seite des Felsen fließt. Bei Gewitterregen wird der Bach zum Strome, der Alles, was feinen Lauf hemmt, verheerend imil sich fortreißt. Ist er so angeschwollen, so erblickt man nichts, als Schaum und Feuer. Die Felsen, stucke, die er herabwälzt, reiben sich an einander und sprühen Funken, die gleich Blitzen durch das Wasser hervorschimmern. (??) Er führt Goldsand und bei der Quelle hat man Steine mit Goldadern gefunden. An diesen Bach.. lehnen beinahe alle Regenbogen sich an, die man in diesem Gelände und im Eygenthaie sieht. Docktor Lang in Lucern hat ein Kabinet von Natu-^ rasten des pilatus, Berges gesammelt. Unter denselben sind viele versteinerte Conchylien, Corallen und Abdrücke von Fischen in einem blätterigten Schiefer. Diel Gegend unten «m i «5 am Tomlish-rn ist vorzüglich reich an solchen Versteine, rungen. Unter die Seltenheiten dieses Kabinets gehört auch ein Messer mit einem Hefte von Hirschhorn, welches samt der Klinge petrificirt ist. Man giebt auf dem pilatus,Berge Unterricht im ge. hen, wie anderswo im Tanzen. Denn an gefährlichen Stel. len ist es äusserst wichtig, zu wissen: ob man den rechten oder linken Fuß zuerst vorsetzen, der rechten oder linken Hand sich zuerst bedienen soll. Geht man über zugespitzte Felscnrücken so muß man wieder wissen, wo man auf die Spitze des Fusses und wo man auf die Fersen tretten darf. Wer alles dieses nicht weißt, ist der Gefahr ausgesetzt, cnt» weder zu fallen, oder in eine so zwangvolle Lage zu kommen, in welcher er weder vorwärts noch rückwärts kann. Auch findet man Stellen, wo man mit den Händen, ja oft so gar selbst an einem einzelnen Finger sich anhängen muß, und cS .scheint die Natur habe selbst zu diesem Zwecke Löcher in den Felsen gegraben. Die Schuhe, deren man sich zum Bergklettcrn bedient, bestehen aus einer Sohle von leichtem Holze, die mit ledernen Riemen an den Fuß gebunden wird. In diese Sohle schlägt man sechs, in den Absatz aber vier grosse Nagel, die einen halben Zoll über den Rand hinausgehen. Indessen liegt die größte Stärke des Bergsteigers im Stocke. Dieser muß leicht, biegsam und stark genug seyn, 26 seyn, einen Mann zu tragen, im Falle man ihn auf zwey gegenüberstehende Felsen legt und sich in der Mitte anhängt. Das Ende dieses Alp - Stocks aber wird mit einem zwey Zolle langen spizigen Eisen beschlagen. Die Einwohner des pilatus-Berges, besitzen im Durchschnitte genommen viel Mnttcrwiz, und es scheint, die reine Bcrglnft, welche sie einathmen, sey von wohlthätigem Einflüsse auf ihren Verstand. Mit Stolz blicken sie auf die Thalbcwohner herab, überlisten sie wo es möglich ist, und nur unter einander selbst sind sie ehrlich. Zwar stehen sie unter der Souvränität des Cantons Lucern. Aber dessen ungeachtet disvcnsiren sie sich von dem Gehorsam gegen die Verordnungen desselben, überzeugt, daß man stein ihren Felsenverschanzungen nicht dazu zwingen werde. Zu dem Gedanken an Religion lassen ihnen ihre strengen, ununterbrochenen häusliche» Arbeiten keine Zeit übrig. Kommen sie herunter in's Thal, so gehen sie, maschinenmäßig, dem Hansen nach, in die Meße, und man hört sie nie weder für noch gegen den lieben Gort reden. Hingegen sprechen sie über Gegenstände der Natur mit vieler Einsicht- In ihren Senten leiden sie keine Weiber, aus Furcht, sie mögten zu gewissen Zeiten die Milch gerinnen machen, Da die Sennen aber um des Schnce's willen nicht länger als vier Monden auf den höheren Berggcgenden verweilen können, so haben sie in der Mitte des Berges besondere Hütten, wo sie den Winter, ihre Familien aber daS ganze Jahr zubringen. Milchspeisen sind ausschlicssungsweise ihre Nahrung. Den Knechten giebt man Milch mit Wasser vermischt. Daher sagte einst einer derselben: wenn er König von Frankreich wäre, so würde er dreysig Kühe für sich allein halten und die Milch unvcrmischt trinken- Nichts desto weniger erreichen diese Bergbewohner ein sehr hohes Alter. Sie haben eine eigene Manufaktur von Tuch, das aus groben Zie, genhaarcn gewebt wird. Daher sind sie samt und sonders gleichförmig gekleidet. Ihre Sprache ist von dem Dialekt des festen Landes sehr verschieden und sie haben eigene Worte sich erschaffen, die ganze Phrasen auszudrücken- Noch aus den Zeiten der Römer erbte eine große Vorliebe für Ringkämpfe auf sie sich fort. Diese Spiele geschehen gewöhnlich in Gegenwart'der Geschwornen, welche dem Ueberwinder den Preis zuerkennen. Dieser bleibt so lange im Besitze desselben, bis ein Stärkerer über ihn kömmt, welchem er unterliegt. Blut wird niemals dabei vergossen und selten nur gerathen die Ringer gegen einander in Zorn. Ihr Kampf ist Frcundeskampf. Wagt eS aber ein Thalbcwohncr, mit ihnen zu ringen, dann mischt zürnende Leidenschaft sich in den Kampf, weil sie sich über diese Men- schcngattung weit erhaben dünken. > Matz «8 Man begreift kaum, wie ein Volk einen so schreckcnvol- len Aufenthalt sich wählen und ein so hartes, durch keine Schilderung erreichtes Leben führen kann. Allein welche Gewalt hat nicht Liebe zur Freiheit über das Mcnfchenhcrz? Sie macht Wüsten, Grotten und Felsen reizender, als die lachendsten, fruchtbarsten Ebenen, weil sie oft wirkt: daß man selbst den Tod dem Leben vorzieht. Das Das Pfefferser - Bad -je umliegende Gegend L>«r Verfasser dieser, mit einigen Abkürzungen hier erscheinenden, mahlerischen Schilderung einer der schauerlichsten, romantischesten Gegenden der Schweiz ist der zu frühe verstorbene Herr D. Am Stein, Kloster - und Bad - Arzt zu Pfeffer». Das anziehende Gemälde selbst steht, wo man-eS nicht suchen würde, in dem Vor« berichte zu dem im Auslande beinahe unbekannten Wcrkchen: Die pfefferser-(Quelle, eine Sammlung von ( mittelmäßigen und schoflen) Gedichten und Liedern, größtentheils aus dein Lateinischen überfezt. ZizerS, bei der Vücheranstalt. 1793. .l Das .1 Das Pfeffer ser-Bad u n d die umliegende Gegend. Quelle dcS pfefferser. Bades liegt eine halbe Stunde MittagwärtS hinter der gcfürstctcn Abtcy Benediktiner Ordens Pfeffers/ welcher sie auch eigenthümlich zugehört, in der Tiefe eines sich von Norden noch Süden erstreckenden Bergthals, das von einem Glctschcrbach, die Tamine genannt, durchströmt wird. Die Gegend gehört zur schwei. zerschen Landvogrey Sargans, doch so, daß bestimmte Herr- schcrsrechte dem Kloster ganz zugchörcn. Das Thal wird rechts und links von hohen Bergen bcgränzt, welche sich nach und nach von fruchtbaren Vergwicsen, Acckern, Laub-und Tannenwäldern zu schönen Alpweiden, und weiter einwärts hie und da wohl auch zu nackten Fclsenspitzen erheben. Sehr prächtig stellt sich linker Hand im Hintergründe des Gemäl. des, 32 des, besonders wenn man von Ragaz herkömmt, der majestätische Ralanda dem Auge dar, der nach bisherigen Ausmessungen mit seiner Spitze 6598 Schuhe über die Fläche, und wahrscheinlich noch höher erhaben ist, aber wegen t seines breiten felsigren Fusses und der Pyramidenform kaum für so hoch gcschätzet wird. Er erscheint von dieser seiner nordwestlichen Seite ganz wild und unfruchtbar, auf seinem Scheitel und in den Scitcnvcrtiefungcn meistens mit Schnee bedeckt, die heisscnstcn Sommer ausgenommen. Rechter Hand zeichnet sich zunächst hinter Valenz der MonteLuna aus, der bis zu oberst ergiebige Alpweiden anbietet, upd vor demselben die sogenannten grauen Hörner, rauche Felsen- spitzen, zwischen und hinter welchen sich kleine Gletscher und Seen befinden, wovon ein Theil des Wassers sich, nachdem es erst oben im Berge einige schöne Wasserfalle gebildet hat, hinter der Quelle in die Termine ergießt, llcbcrhaupt ist der Weg von Ragaz her, der nachdem man dem Lauf der Tantme nach aus dem Walde herauf gekommen ist, sich fast eine Stunde Wegs längst dem Gebirge rechter Hand beynahe ganz eben hinzieht, wegen der manigfaltigen Abwechslungen als auch wegen der Aussichten, die das Auge auf beyden Seilen des Thals geniessct, nicht ohne natürlichen Reitz. Ucberraschend ist der Anblick des Klosters pfef-- fers, das sich jenseits, sobald man auf der Höhe etwas vorwärts gerückt ist, dem Auge darstellt; romantisch die stück, weise 3Z weift Aussicht, die sich in da- so eben verlassene schöne und fruchtbare Bündncrische, vom Rhein durchströmte Thal und in die Rhätifthen Gebirge öffnet, von weichen es bcgränzt wird- Diese Aussicht führt auf der östlichen Seite deS Thals, wenn man dem Kloster zugehet, noch weiter, und er» streckt sich bis in die Gargansischen, lvartauer und in noch entferntere Schweizcrgebirge. Die Höhe, in welcher man sich auf diesem ganzen Wege befindet, läjst sich schon aus der Tamiue abnehmen, die sich im tiefen Thalschlunde um so mehr vor den Blicken des Wanderers verbirgt, weif er nun durch dazwischen liegende, mehr und minder abschü. sige, Wiesengründe von ihr entfernt ist. In dem man so dem Inneren deS Thals immer näher kommt, erreicht man das kleine Dorf Valenz kaum ein halbes Stündchen oberhalb des Bades auf einer Bergfläche, das, obschon sich die Einwohner hauptsächlich von der Vieh, zucht, und den ihnen zuständigen Alpen nähren, doch auch etwas Ackerfeld hat. Hier ist der Standpunkt, das pfeffer- strthal, die es umzäunenden Berge und vorzüglich auch die ungeheure Felftnmasse des Ralanda recht ins Auge zu fassen. Von Menschenwohnungen, wenige zerstreute Häuser und Hütten ausgenommen, erblickt man nur noch ein etwas wei» 1er einwärts liegendes Dörfchen Vasüm genannt, das ein» Iilialkirche hat, und zu Valenz gehört. Dat Thal scheint C sich i 34 sich bald völlig zu schließen, ungeachtet es sich noch drey bis vier Stunden weiter Mittagwärts erstreckt, und hinter und am Fuße des hervorstehenden Ralanda »och ein Dorf mit einer Pfarrey Namens Vättis hat- , Von Valenz krümmt sich nun der Weg ins Bad, das beyläufig sechs bis siebenhundert Schuhe tiefer liegt, immer mehr und mehr abwärts, ohne jetoch, weil er sich an der Bcrgscirehin und hergezogen dehnt, irgend sehr steil zu seyn und sicher genug nicht nur für Fußgänger, sondern auch für Saumpfcrdc, und für Reuter sogar, welche der Berge gewohnt sind. Schwache oder zärtliche Personen lassen sich aber gewöhlich in Tragscssel» über den ganzen Berg, das ist von Ragaz her und wieder dahin bringen. Am Ende eines kleinen Buchwaldes vereiniget sich mit dem Weg von Valenz ein anderer Fußsteig, der jenseits von Pfeffers herkömmt. Eine Ruhebank, die hier unter dem Schatten der Buchsbaume sehr wohl angebracht ist, und den Namen Mon Repos bekommen hat, entspricht dieser Bestimmung besonders für diejenigen vollkommen, welche vom Bade bis da hinaufgestiegen sind. Der Weg, welcher von hier rückwärts zum Kloster führt, zieht sich Anfangs ein paar hundert Schritte ganz eben unter dem Buchwalde hin, und dienet selbst Badegästen, die sich bis hichcr bemühet haben, zu einem einsamen nicht reitzlosen Spaziergang. Weiter hin ge. , 3S gelanget man ;u dem so genannten Brücklein, auf welchem man über das Tobel kömmt, um hernach durch die Stiege, einen in die östliche Felscnwand zum Theil stuffenwcisc ein«, gehauenen und im zikzak herumgeführten Fußsteig aufdic andre Seite hinauf zu kommen. Der Anblick der immer engern Kluft, und des bewanderten Felsen, der hin und wie, der mit Buschwerk, und zu obcrst mit starken BuchbäunM und Tannen besetzt ist, hat etwas Außerordentliches, und wird es noch mehr, wenn man sich auf einer Stelle jenseits des Brückleins durch eine sich öffnende Spalte in dunkler schaudernder Tiefe nicht nur den Bach, sondern auch die Gegend, wo die Quelle entspringt, und wo ehemals das Gasthaus gestanden hat, zeigen läßt. Zu seinem Erstaunen bemerkt man es erst jetzt,daß man auf einem verdeckten gräßlichen Abgrunde steht, und die Tamine unter seinen Füssen hat, deren tiefe Lage sich, wenn nicht das Auge sie bereits gemessen hätte, schon daraus abnehmen läßt, daß das Ohr in dieser Höhe keinen Laut von ihrem wilden Rauschen vernimmt. Ungeahndet von einem Fremdling, der plötzlich hicher versetzt wurde, eilet sie in der eine Strecke weit ganz verschlossenen, mit Wasen und Gebüschen bedeckten Fclsenklnft, in welcher sie sich ihr Bett ausgehöhlet hat, als ein unterirdischer Bach fort, bis sie einige hundert Schritte weiter abwärts, an eben dem Orte, wo gegenwärtig die Badgebäude stehen, wieder an das Licht hervortritt. Doch wir kehren zu un- C 2 ftrev 36 serer Ruhebank zurück, um endlich selbst die Tiefe zu gewinnen. Der kicsigte, mit Buchen, Ahornen und anderen Bäumen und Staude» besetzte Weg, welcher dahin leitet, und für Saumpftrde durchgehende« breit genug ist, braucht hie und da wegen der Bergschlipfcn viele Unterhaltung. Man ist nicht weit gekommen, so erblickt man das erstemal von dieser Seite die noch in einer beträchtlichen Tieft an der Tamine liegenden Badgebäudc. Ich sage von dieser Seite, denn wenn man jenseits vom Kloster hcrabkömmt entdeckt man sie früher, einmal vom Rande einer weit höher» Felsenwand, und wiederum zu obcrst von der Stiege. Der Anblick ist überraschend sowohl wegen der Seltenheit der Lage, als der Beschaffenheit und dem guten Aussehen der Gebäude, dergleichen man in einem Abgrunde, wie dieser ist, keine erwartet hätte- Da man übrigens in einer bey-- nahe senkrechten Linie auf sie hinabsieht, so ist es kein Wunder, daß sie sich unter ihren Dächern zu schmiege», und wegen des von dieser Seite hervorstehenden Bcrgfusscs kaum Raum für sich, geschweige denn für ein freyes Nebenplätzgcn zu haben scheinen. Man findet aber, so bald man bis zum ersten mit Bänke» versehenen Ruheplatz ob den Badhäusern,. der von Altem her das Äänzelein genannt wird, gekommen ist, daß nicht nur die zwey Gasthäuser mit der dazwischen liegenden Kapelle inastlv von Steinen aufgebaut und geräu. mig genug sind, sondern noch einiger Raum vor denselben übrig 47 übrig geblieben ist, den man zum Theil in Form einer Terrasse geebnet, zu einem kleinen Shaziergange benutzet hat, und zum Theil noch weiter zu kleinen Anlagen benutzen könn. te- Uebcrhaupt konnten die Gebäude, weil nun einmal die eigensinnige Natur das vortrcfliche Wasser in eine so tiefe Kluft hingesetzt hatte, ohne ausserordcntliche Anstrengung und was noch mehr ist, ohne Gefahr den Endzweck derselben zu vermindern oder ganz zu verlieren, nirgends besser angebracht werden als wo sie wirklich stehen. So fürchter. lieh oder traurig diese Lage auch scheint, so bietet sie doch auch, neben manchen physischen Vortheilen, worunter ich die reine und selbst in der schwülsten Sommerhitze erfrischende Luft, nnd die Abwesenheit von manchen sonst beschwerlichen Insekten zähle, dem Beobachter manche Schönheiten, viele Gegenstände der Bewunderung und Quellen erhabener Empfindungen an, die er anderswo vergebens suchen würde. Ist der schröckcndc Eindruck, der erste, welcher bey dem neu Angekommenen entsteht, aber bald wieder verwischt wird, vorbey, so sucht das Auge, an das Erschütternde besser gewöhnt, und findet endlich in dieser Kluft von Seiten der Natur eben so viele, wo nicht mehr Unterhaltung, als in mancher andern berühmten Gegend. Ich setze voraus, daß sich der Badegast, oder der Fremde, der hieher kommt, nicht zwischen vier Mauren cinschliesse, sondern bey jeder schönen Witterung die kleine Mühe daran wage, um die cm du 1 38 der Seite eines etwas nordwestlich zunächst hinter dem grossen Gasthaus liegenden Hügels, freylich ganz nur im land, lichen Styl angebrachten Svazicrgängc, zu besuchen, um besonders von der höchsten Spitze aus durch manche wahrhaft ! romantische Aussicht belohnt zu werden. Für diejenigen Personen, welche nicht viel steigen, oder sich sonst nicht wei- ^ ter entfernen wollen, finden sich auf diesen kleinen Exkursto» nen an den interessantesten Stellen im Schatten der Bäume geebnete Ruheplätze, die selbst zum Genuß des gesellschaftlichen Vergnügens einladen. Ein solcher Platz ist vorzüglich ! die so benannte Solitüdc, wohin zu gelangen es auch für zärtliche Frauenzimmer nicht zu beschwerlich ist. Doch giebt es dergleichen Stellen noch nähere. Freylich zeiget sich nirgends keine Spur weder von gesuchter Pracht noch von verdeckter Kunst, sondern die blosse liebe Natur. Auf einer Seite abgeschnittene mächtige Fclfenwande, überall mit Bäumen und darüber liegenden Wäldern bekränzt, mit Gruppen von Tannen und Lerchen besetzte Klippen und Absätze, auf welchen oft Ziegen weiden, die der Zuschauer mit Erstaunen langst der Fclfcnwand, wo kein Pfad vermuthet, und eben so wenig einer wahrgenommen wird, spielend hinwandeln sieht, darunter ein rauschender Steinbach mit seinen Krümmungen und Vertiefungen; auf der andern weniger steilen , obschon bis zum Bache abschüisigen, bewaseten und belaubten westlichen Seite des Tobels, besonders auf der Höhe des von >/ 39 von hohem Bergen abgesonderte» Hügels, wo sich die Aussicht auf beyden Seiten des grösser» Thals, und in die es begränzeliden Berge erweitert, auch sanftere Gegenstände, Wiesen und Waiden, und Bäume und Gebüsche, zur Seite ein schatcigtcs cinsidlerischcs Thatcher, mit einem Wäldgen bewachsen. Es bedürfte wirklich nur einiger Nachhilfe der Kunst, um dasjenige einigermassen zu ersetzen, was der Ge. gend an sogenannten lachenden Scenen abgeht, wenn man sie zu einer Art von englischen Garten umbilden wollte, dessen Parthien unnachahmlich wären- r Der Bergkcssel, in welchem die Badgcbände stehen, von da an gerechnet, wo die Tamine aus der Felsenkluft hervorbricht, und sich die beyden Bergketten je länger je mehr voneinander entfernen, bis dahin, wo die östlich Wand sich dem westlich liegenden Hügel nähert, indeni sie sich gegen Norden herumkrümmt, und das Becken wieder so zu schließen scheint, daß es kaum dem Bache den Ausgang gestattet, beträgt dennoch einige hundert Schritte in der Länge und läßt den Zimmern des längen, Gasthauses, die auf seiner schmalen nördlichen Seite liegen, dem Laufe der Tamine nach eine zwar eingeschränkte aber nicht unangenehme Aussicht. Die Die entgegengesetzte südliche Seite des Badhanscs ist in einem Abstände von sechszig bis achtzig, Schritten gegen den engen Schinnd gekehrt, aus welchem der Bach und die Wasserleitung hervortritt. Sie hak etwas melancholisch Erhabenes, das durch den, hervorbrausenden und sich zum Theil stuffcnwcise über Fclscmnassen herabstürzenden Bach, durch die angebrachten Brücken, durch einen ebenen Raum jenseits des Baches, wo das zum Versenden bestimmte Wasser gefastet wird, und der überhangende Fels eine halbe Grotte bildet, endlich durch die über der Kluft schwebenden begrase- ten Plätze und Bäume, die man im Auge hat, und durch die Sonne, welche von dieser Seile länger dauert theils noch mehr erhoben, theils gemildert wird. Die vordem länger» Seiten der Gebäude sind mit den Rckrcatioiisgänqcn weist, wärt» gegen den Berg gekehrt, an dem sich der Weg nach Valenz hinauf schlingt, und der, wenige Stellen auögenom, men, überall mit Gras, Bäumen und Stauden bewachsen ist- Zunächst vor dieser Seite des Gasthauses und des Zu, gebaudes liegt auch die Terrasse, deren ich schon gedacht habe, nebst einem sich darauf lehnenden Gärtchen. Wenn schon das Aushauen der Bäume an diesem Berge der Aussicht und dem Zugang? des Lichtes beförderlich wäre, so verbietet dieses doch die Sicherheit vor Bergschlipfen, die sie mit ihrer ihrer Bewurzlung gewähren- Wie östliche Seite der Häuser, auf welcher die Wohnzimmer, jene im Zugebäude und die Dachzimmcr ausgenommen, durchgchcnds angebracht sind, ist der Tamine zugewandt, über welcher die Gebäude in noch ziemlicher Erhöhung auf einem festen Felfcngrunde stehen, der, besonders hinter dem grossem Hans, noch ei, nen, zwar abschüssigen, doch mit schönen Buchen und Ahorn, bäumen bewachsenen Raum läßt. Ueber dem Bache erhebt sich die feste Fclsenwand in einex Entfernung von den Ge, bänden, welche diesen vor etwa sich, besonders nach ange, haltencm Regen, loSreisscnden Schicferstückcn alle Sicherheit gewähret, aber dennoch einem Theile der Zimmer die Helle des Tages'schmälert. Am schönsten zeiget sich die Felsen, wand dem Brückgcn hinter der Kapelle, welches die behden Häuser mit einander verbindet, gegen über. Sie scheinet dort nicht nur am höchsten sondern ganz senkrecht zu seyn, e obfchon sich ihr Scheitel nach altern Beobacheungen gegen hundert Schuhe zurückzieht. Die senkrechte Höhe vom Bache an beträgt an dieser Stelle, nach wiederhohlten Ausmessungen, über 6sc> Schuhe. Der Raum zwischen beyden Häusern öffnet gleichsam den Schauplatz zu dieser Scene, und der Bach, weniger gefangen, rauscht ruhiger vorbey. Einzig in seiner Art aber ist das Gräßlichschöne, wenn ich es so nennen kann, das die Kluft darbiethet, durch welche das 42 das Wasser von seinem Ursprünge an über 680 Schritte weit bis aufdic Trinklaube und in die Badgcmächcr geleitet wird. Reisende, welche seltene Schaustücke aus diesem Fache gesehn, und auch dieses zu betrachten Muth gehabt haben, gestehen einmülhig, daß ihm nichts Achnlichcs in der ganzen Schweiz beykomme. So gefährlich der Zutritt dazu, zuweilen auch beschrieben wird, so ist er cö doch nur für Furchtsame. Der Steig geht auf der östlichen Seite der Kluft langst dem Kanal hin, durch welchen das Quellwasscr heraussticßt, und ist so wie dieser, wo es nur seyn konnte, in dem ausgesprengten Felsen selbst angebracht. Wo dieses wegen starker Aushöhlung des Felsen nicht angieng, sind feste eiserne Stangen und Träger, hie und da auch nur hölzerne Joche tief in den Felsen eingelassen, auf welchen die Bretter ruhen. k > Da wo man wirklich auf diesen Brücken, und nicht auf dem Felsen selbst geht, liegen überall zwey Bretter neben einander, eine einzige Stelle ausgenommen, wo man auf ein einzelnes treuen muß. glicht nur alle Frühjahre, wenn die Kanäle und die Brücken wieder gelegt und ausgebessert werden, sondern jeden Sommer über wird der Zustand der ganzen Anrichtung untersucht, und es muß den dazu bestimmten Wcrklcuten natürlicher Weise eben sowohl als Hem Kloster daran gelegen seyn, daß diese Untersuchung mit aller Genauigkeit 43 keit geschehe- Lehnen sind freylich keine vorhanden, und können keine angebracht werden, weil sie, dem Zwecke diese Brücke entgegen, den Arbeitern ganz hinderlich wären, die Last vermehren, und sogar dem Neugierigen eine nur sehr zwcydcntige Sicherheit gewähren würden. Am rath- samstcn ist es, daß man nicht furchtsam aber bedächtig, bey schöner trockener Witterung, am hellen Mittage das Aden- theuer bestehe, und sich einen kundigen Führer, dergleichen man im Bade immer haben kann, vorgehen lasse. Kaum ist man durch hie Thüre, welche Unvorsichtigen den Weg verschließt, hcreingctrettcn, so nähern die links mnd rechts emporsteigenden, kahlen, hoch über dem Haupt überhängenden Felsen in Hundert abwechselnden Gestalten und Wendungen'sich je mehr und mehr, bis sie sich stellenweise und endlich ganz schlicssen, um ein kaum dämmerndes Licht durchzutasten, indessen der schäumende Bach tief unter den Füssen des Wanderers im Abgrunde der Fclsenkluft, gegen den Zwang sich sträubend, der Freyheit entgegen brauset, die er, sobald er sie gefunden hat, nicht selten mit Verwü- stungcn beffekct. Die dunkle Halle, die mächtigen Gewölbe, das Urbild eines gotischen Doms, die zwischen der Zusam- menfügung der Felsen gleich Schlußsteinen eingcklemtcn Fei- semnasscn, welche man über sich schweben sieht; daS feyer- lich düstere Tageslicht, dem kein anderer Zutritt als hie und da 44 da durch eine Ocfming gestattet wird, die gleichsam im Gie« bcl einer erhabenen Kuppel angebracht ist, und an deren Rande sich Acstc von Bäumen und Tannen wiegen; daS dumpfe Rauschen des Baches, worinn das Ohr die volle Harmonie eines Chors zu vernehmen wähnt; alles erfüllet den Geist mit Bewunderung und Erstaunen, und stimmet das Gemüth zu einer Fassung, die nahe an die Ehrfurcht gränzt. r Um aber einen völligen Begriff von der Beschaffenheit dieser Kluft zu geben, muß ich noch folgendes anmerken. Das Brückgen neben dem Kanal ist meistens drcysig und mehr Schuhe über den Bach erhaben. In dieser Höhe be. trägt die Weite der Kluft von einer Scitcnwand zur andern dreyflg bis vierzig Schuhe, sie nimmt aber in der Tiefe des Baches über die Halste ab. Die sich hie und da über zwcy- hundcrt Schuhe hoch erhebende Scitcnwände mit ihren ma- nigfaltigcn Krümmungen, Flächen, Gräthen und Feldern scheinen glatt, wie vvn einem grauen Tust inkrustiert, in- desscti der vom Wasser bcspühlte hervorstehende Fuß sich deutlich als ein schwarzer mit wcissen Adern durchzogener Marmor auszeichnet. Neberall glaubt man Spuren des seit Jahrtausenden an diesem Felsen nagenden Baches zu erblicken, besonders an Stellen, wo derselbe kleine ^älle und Wirbel bildet, von welchem her Vertiefungen und Aushö- lungen 45 .> - lungen in der Fclfenwand entstanden sind, die man bis zu einer -ziemlichen Höhe bemerkt. Die größte und mcrkwür, digste ist unstreitig diejenige, welche man antust, nachdem bereits mehr als drey Viertel des Weges zurück gelegt sind- Sie liegr der Brücke gegen über auf der westlichen Seite -er Kluft, und man würde sie vielleicht für ein Werk der Kunst halten, wenn sie j sich an einem andern Orte fände, und das Wasser nicht auffallende Spuren feiner Wirkung an ihr zurück gelassen hatte- Diese Grotte, von vornen gleich einer Nische ganz offen, ist Ey - oder vielmehr Kegelförmig ausgehölt; an ihrer Basis, die sich jetzt drey bis vier Schuhe über die gewöhnliche Bachhöhe erhebt, beträgt die Vcrtic» fung 2g Schuhe, dieBreite die Höhe wird auf-4Schuhe angegeben, aber die Spur vorn Wasser erstreckt sich viel höhte. - Diese merkwürdige Grotte ward bey ihrer Entde. ckung -ü,o von dem damals regierenden Fürstabt JodocuS zu einem Andachtsorte ausersehen, der h.büssenden Nagda. leim gewiedmet, und nach ihr benennt, mit dem Vorschlage eine Brücke hinüber zn legen, den Fußboden zu ebnen, und ^ Alles das anzubringen, was zum Wesen einer Capelle erst». -err wird, die, wenn sie zu Stande gekommen wäre, ihres gleichen schwerlich irgendwo gehabt haben würde. Die Schwierigkeiten des Ortes, der Lage, des Zugangs, nebst der Unsicherheit wegen des im Sommer zuweilen hoch aufbrausenden Baches scheinen die Ausführung verhindert, und sogar 46 sogar den Namen, der kaum schicklicher seyn könnte, in Vergessenheit gebracht zu haben. Die Kluft ist übrigens auch über dieser Hole in beträchtlicher Höhe ganz zugeschlossen und erhält nur von der Seite gegen die Quelle und durch einige Ritzen und Oefnungen im Gewölbe etwas Licht. Etwas mehr Nordwärts befindet sich in eitler Höhe vom Bache von mehr als 290 Schuhen die festeste und vollkommenste Zusammcnfügung der Felsen, welche nicht nur von jeher den Anwohnern einen sichern Uebergang über das fürchterliche Tobet gestattete, sondern ihn sogar Lastwägen gestatten würde. Eben dieser Ort wird darum von Alters her der Beschluß genannt, und an dieser Stelle ist auch das sogenannte Brückgen angebracht, dessen ich oben bei dem Wege auf Pfeffers gedacht habe. Man hat die eben beschriebene Grotte nicht so bald verlassen, so fängt das Felscnwcrk auf beiden Seiten des Baches sich etwas zu öffnen an, und man tritt,'nun bald am Ziele seiner Reise, in den aufgesperrten Schlund, wo das Wasser entspringt, und vor Altem die Bäder und Gasthäuser selbst gestanden hatten. Man würde das Letzte, und nicht weniger die Möglichkeit eines sichern Zuganges für unmöglich halten, wenn nicht beides wirklich da gewesen wäre. Der ganze Auftvand von Erweiterung besteht in einem eyförmigen, freylich sehr hockcrichten Becken, in einer sie- 47 siebenhundert Schuhe tiefen Bcrgkluft, dessen Läng: dem Bache nach von Norden nach Süden man ungefähr auf 42, die Breite auf 16, und in der Höhe der ehemaligen Bäder auf 5» Schritte berechnen kann. In seiner Mitte, wo die Quellen liegen, ist die Oeffnung am weitesten, und läßt uns ein Stück des Himmels sehen; gegen Süden treten die Wände schon wieder näher zusammen, so daß es scheint, als wenn man mit einem Sprung über sie weg setzen könnte. Auf beiden Seiten schweben am Rande abgeschnittener Felsen und gähcr Abstürze, die sich nur hie und da durch sanf, tere Abhänge höher erheben, Tannen, Buchen und mancherley Staudengewächse, welche besonders auf der Westseite in einen Wald sich vereinigen. Gegen Süden fällt in einiger Entfernung und von beträchtlicher Höhe ein Staub- bach herab, der so oft ihn die Sonne bescheint, welches nur um die Mittagszeit Statt hat, einen schönen Regenbö, gen bildet. Linker Hand auf der Morgenseite dieses Schlun« dos liegen die warmen Quellen, deren Abfluß sich durch den aufsteigenden leichten Dunst verräth, so wie der Reichthum der Quellen selbst durch eben diese Abflüsse verrathen wird. Nur die größte und unterste derselben, welche neun bis zehn Fuß über den Bach erhaben ist, und der Rcffel heißt, wird zur Hcrausleitung durch die enge Kluft benutzt; denn diese allein, die mehr als stark genug wäre, ein Mühlenrad zu treiben, versieht gegen Lo Röhren, durch welche in jeder Mi.M 48 Minute nicht weniger als -4°-- gemeine Maaß Wasser in die sämtlichen Bäder fließen, und noch rinnt ein großer Theil des Wassers als überflüßig gleich bei der Quelle in den Bach. Sie wird in einer in den Felsen ausgehauenen vornen gemaurten und mit einer Thüre verwahrten Grotte gesammelt, welche bergeimvärts über 24 Schuhe in der Länge, 4 Schuhe in der'Breite, von dem Balken, auf welchem man hineintretten kann, Manneshöhe, und eben so viel wenigstens unter demselben Tiefe hat. Man geht mit einem Licht versehen hinein, und muß cS sich gefallen lassen, von dem heißen Dampf wie in einer Ecbwizstube ganz durchfeuchtet zu werden. Die Wärme des Wassers ist Reaumürische Grade, wovon bis in die Bäder hoch« ficns ein Grad, bei schöner trockener Witterung nur ein halber verlohren geht. Von aussen ist der Felsen, über den das Wasser abläuft, mit dem schönsten grünen Brunnenmoos bedeckt. Merklich höher an dem abhängigen Felsen quollen, und quellen zum Theil noch izt, obwohl nicht so beständig, mehrere Wasseradern von gleicher Art hervor. Ueberhauvl scheint das Gebirg auf dieser Seite, das ohne das fchieftricht ist, ganz mürbe, nach und nach theils vom Dampfe, theils von dem Bespnhlen des warmen durchdringenden Wassers selbst aufgelöst zu werden, und daher großen Veränderungen unterworfen zu seyn. Mit Verwunderung und einer Art Schauer sieht man noch, ehe man 4 - / man diesen Ort verlaßt/ die Stelle, wo vor Zeiten die Ba» dchäuftr gestanden sind; man bemerke noch die in den Felsen eingehaucnen Löcher, in welchen die von einer Wand zur ander» quer über den Bach gclegtenTragebalkcn eingelassen waren, worauf diese Häuser gegen 4» Schuhe hoch über demselben schwebten, und indem man sich alles Ungemach und alle Gefahren einer so traurigen Wohnung vergegenwärtiget, stimmet man gerne in das Lob und in den Dank ein, welche seine Zeitgenossen dem menschenfreundlichen und kühnen Abte der die Herausleitunq der Quelle und die Versetzung der Häuser an einen sicherern und bequemern Ort beschloß und vollführte, gezollet haben. Die pfefferstrquelle hat wie schon oben bemerkt worden ist, ihren Namen von der eine halbe Stunde weiter vor. wärts auf einer angenehmen Höhe liegenden Benediktiner» Abtey Pfeffers, welcher sie auch eigenthümlich zugehört. Im Anfange des achten Jahrhunderts war das Kloster von einem Beschösse Namens Pirminlus, der nachher unter die Zahl der Heiligen versetzt worden ist', gestiftet. Die Gegend, welche bis dahin ganz wild und öde gewesen sey» mußte, wurde nun theils durch diese Eremiten selbst, theils durch Ansiedlung anderer herbeygelockter Colonisten urbar gemacht; es wurden Wälder ausgerottet, und der Boden so weit kultivieret, als es die Lage zuließ; eine Gutthat, wo- D durch durch sich dieser religiöse Orden fast überall ausgezeichnet hat. Dreyhundert Jahre nachher, nämlich im Jahr io;z ' ward einigen Nachrichten zufolge die Quelle gefunden, ob» schon andere diese Entdeckung lieber in das Jahr 1-40. se, tzen. Gewiß ist es, daß vom Jahr i;oo an ununterbrochene Spuren von diesem Bade in den pfefferstr Archiven angetroffen werden. Der Entdecker toll ein fürstlicher Jäger, NamcnS Carl aus dem Geschlechte der von Hohenbalken gewesen seyn. Wer wird nicht glauben, daß die Anstalten dieses Wasser an dem ungeheuren Orte zu gebrauchen, anfangs sehr geringfügig gewesen seyen; aus dem, was Mal, leolus erzählt, der um das Jahr »424 schrieb, scheint zu erhellen, daß damals zwar eine Gelegenheit zum Baden, aber in der Kluft selbst noch kein Haus zur Bewirthung vorhan- ? den war. Nachdem er nämlich denjenigen, welche die Cnr gebrauchen wollen, erzählt hat, wie man sechs bis siebe» Tage lang ununterbrochen im Bade sitzen zu bleiben, darinn zu essen und zu schlafen psicge, eine einzige Nacht da, zwischen ausgenommen, wo ausserhalb einmal der völligen Ruhe gepflegt werde, fügt er sogleich hinzu, dieses geschehe darum, weil das Hinaufsteigen aus der Kluft so wie das Heruntersteigen wegen des steilen Weges und der hängenden Leiter so äusserst schauderhaft und gefährlich sey. Noch später hin wo schon ein Gasthaus in der Kluft selbst angebracht war, mußte man, wie die Tradition sagt, sich zun« Theil §1 net rs >b- ft- ine zc- -r, e>» ^en in« al- er- >cr m- che >is :n, >a- cn hr aS cn >ch rein Theil an Stricken hinablassen, und durch eine Oefnung des Daches in das Haus kommen. Und wenn auch in den folgenden Zeiten der Zugang durch Sprengung des Felsen und durch eingchauenc Treppen etwas verbessert worden ist, so blieb er dessen ungeachtet noch immer scheuslich genug, und für furchtsame oder mit Schwindel behaftete Leute ganz unbrauchbar, indessen sich andere mit verbundenen Augen und an einen Sessel geheftet mußten ins Bad tragen lassen. Diesem Uebel, so gut es die Umstände gestatten konnten, ab. zuhclfen, das Hcrabstekgcn an einem gelegene» Orte, und durch unmerklichcre Senkung zu erleichtern, ließ der Fürst Abt Johann Jacob Rufflnger von Rapperschwiel, im Jahr 154z. mit grossen Unkosten eine über ;o Schritte lange hölzerne Brücke von der Südseite her längst dem Bache hin, und in einer Höhe von 90 Klaftern über demselben, anlegen, von der die Tragebalkcn in den lebendigen Felsen eingelassen und befestiget waren; von der Valenzer. Seite konnte man sich ihr bis auf 60 Schuhe, von der entgegengesetzten aber nicht näher als auf hundert Klafter mit Pferden nähern, und die Brücke selbst war auch für lgrosse Lasten fest genug. Dadurch ward nun freylich der Zutritt sicherer, aber dennoch wegen des Abgrundes, über dem man schwebte, und hie und da wegen des Schwankens der Brücke für die meisten Mcn, schen abfchröckend genug. Doch alle Schrecken übertraf noch die gefährliche Lage des Bades und der Gasthäuser selbst, D s dir 52 die mehr als einmal von plötzlich hcrabrollcnden Felsen und andern Massen beschädiget, und endlich ganz zerschmettert wurden. Wirklich ist es zu bewundern, daß man, ungeachtet der langen Zeit, wahrend welcher die Umstände die nämlichen blieben, von keinem Beyspiel weiß, daß Menschen bey solchen Unglücküfällen stark beschädiget worden wären, oder gar ihr Leben eingcbüssct hätten. Könnte cS aber auch einen überführender» Beweis von der beobachteten vorzüglichen Heilkraft dieser Quelle geben, alä daß sie, ungeachtet aller dieser abschröekcndcn Hindernissen, dennoch alljährlich von einer Menge naher und entfernter Gäste, und das zwar nicht selten aus den Hähern Ständen besucht wurde. Dieses Zeugniß bewog auch die Besitzer des Bades nicht nur die mühsame Unterhaltung und öftere Wiederherstellung der wegen der Lage sehr hinfälligen Gebäude fortzusetzen, sondern mir Ernst daran zu denken, ob und wie es, die grossen Unkosten nicht gerechnet, möglich wäre, das Wasser ohne Abgang seiner heilsamen Eigenschaften, besonders der Wärme, an einen sichern Ort zu versetzen. Mit diesem Vorschlag beschäftigte sich im vorigen Jahrhunderte besonders der Fürst Abt Iodocus Höolcin von Glarus. Das Wasser vermittelst eines Pompwcrkcs in die Höhe zu treiben, fand man wegen des nnstäten wilden Baches, der in Anfällen von Wuth oft mächtige Steine rollt, und ganze Holzigsten her- beyschwemmt, nicht für anwendbar; es blieb daher nichts übrig üb, der kör wo die les 3c Na vv sti d, g' h b Z L g Z t l l L3 lind tert ich- im- bey »der ei« glittet lich dache. icht rng M, cos- hne tär- lag der ,er- ran )0N ier- hts übrig, alS einen Weg zu suchen, durch den man es längst der Tamrne weiter abwärts an einen ofnern Ort bringen könnte Man hatte den Ort auögcfunden, und das Werk ward iüzo im May glücklich vollführt. Zur Beschleunigung dieses zum Theil gewagten kostbaren Unternehmens trug vic, les bey, daß das untere Gasthaus mitten im Winter des Jahres 162» durch einen entstandenen Brand verzehrt wurde, Nachdem das obere fünf Jahre vorher ebenfalls im Winter von einem herabstürzenden Fclftublock in den Abgrund gestürzt worden war. , ,:: Der Platz, eben derjenige auf welchem heut'zu Tage die Badgcbäudc stehen, ward nun durch Sprengen, Abtragen und Vcrcbncn möglichst erweitert, und das erste Gasthaus über den Bäder» selbst errichtet, das aber seitdem beträchtlich verändert, und erst nach Erbauung des grösser» Gasthauses ganz massiv von Steinen aufgeführt worden ist. Zu Anlegung eines neuen grösser» Gasthauses ward daS Kloster durch die seit der Versetzung der Quelle und dem gemeiner gewordenen eben so heilsamen Trinkgebrauch deS Wassers immer zunehmende Menge von Curgästcn aufgemuntert. Sie konnten nicht mehr alle in dem einzelnen Haufe beherberget werden, und mußten sich mit einem Quartiert» Valenz behelfen, welche- für die meisten, besonders aber für solche, welche die Badccur gebrauchten, höchst unbequem war. 54 war. Dieß geschah besonders zu Ende des vorigen Jahr. Hunderts. Damals regierte Bonifacius der erste diese- Namens, Tschupp von Geschlecht, aus dem Kanton Lucern. In den neunziger Jahren hatte dieser Fürst den Bau deS Hofes und der Kirche vollendet, die 1665 durchs Feuer ver. zehrt worden waren, als er 1704 das grosse Gasthaus, wie es gegenwärtig ist, zu gründen und zu bauen anfieng. Der Tod überraschte ihn, ehe er sein Werk zu Stande gebracht sah, im Jahr 1707. Sein Nachfolger Bonifacius der zweyte zur Gilqe von Lucern, führte den Bau fort, und vollendete solchen 17,1, in welchem Jahre auch das kleine Hans samt der Kapelle angefangen, und 1716 vollendet wurde. Eine Hauptverbcsscrung hieben wandle neue Abtheilung der Badgewölbe, deren nun, start zwey allgemeiner für die beyderley Geschlechter, wie sie vormals waren, sechs abgeson» dcrte zur Bequemlichkeit für verschiedene Classen von Gästen angelegt wurden. Ohne grosse in die Augen fallende Ver. änderungen vorzunehmen, ward in der Folge bis auf gegen, wärtige Zeit nicht nur die niste Anlage in gutem Stande erhalten, sondern hauptsächlich auch für die innere Einrichtung gcsorget, und manches zum Nutzen und zur Bequemlichkeit der Badgäste von Zeit zu Zeit angeordnet, eine Aufmerksamkeit die noch immer ununterbrochen fortgesetzt wird. So ist im Jahr 17^8 von dem Fürsten Bonifacius dem dritten, Psister von Duggen aus der March, das oberste Gr, Geschoß in dem Zugebäudc aufgeführt, und ausser dem, daß es die Bequemlichkeiten eines schönen und geräumigen Wohn» ^ zimmers hat, den Protestanten zu einem anständigen Ver« ^ sammlungsort für ihren Gottesdienst bestimmt worden. Un» ter der Regierung dcS gegenwärtigen Fürsten Dcnedictur. hat das Bad besonders auch an der innern Oekonomie, an besserer Bedienung und Bcwirthung der Gäste, und man. i chcn nützlichen Veranstaltungen vieles gewonnen, und wird ^ wahrscheinlich noch ferner gewinnen; auch läßt es der jetzige ' Baddircctor, Bvxlcr, weder an Aufmerksamkeit noch an Fleiß fehlen, so viel in seinem Vermögen steht, zur Bcfrie, ! digung und zum Vergnügen der zu bewirthenden Perforier» Mitzuwirken. Durch ihn sind die Anlagen zu einigen Sva. ziergängen und Ruheplätzen veranstaltet worden, weiche, so gering sie auch sind, dennoch schon vieles zur angenehmen Abwechslung und zur Erquikung der Curgäste beygetragen haben. Die Bedürfnisse der Zeiten ändern sich, wre die Zeiten selbst, und manches was vor einem Jahrhundert gut genug war, ist es heut zu Tage nicht mehr. Dieser Man» gel wird besonders der geringen Meublirung der Zimmere vorgeworfen; es sind aber auch schon Anstalten getroffen» demselben nach und nach abzuhelfen. ' Zusatz. Von der innern Einrichtung dieses Bades fügen wir poch folgende Nachrichten bey: *) , Das. BadhauS hat Raum für drcyhundcrt im höchsten Nothfalle selbst für vierhundert Menschen- Da die Cur eine genaue Diät erfordert/ so ist die Äirthstafel mäsig, des Mittags mit sechs, des Nachts mit vier Speisen besetzt. Dir Person bezahlt dafür ;ü kr. Der Preis für die Person an der Bedienten-Tafel aber ist 26 kr. Die besseren Gal* tungen inländischen Weins kosten 13-40 kr. Doch hat man. atich geringere Gattungen, der Preis der Zimmer ist sehr verschieden. Für die Gemeinen zahlt man wöchentlich,fl. irkr. in den Eckzimmern aber 2 fl. ,2 kr- fär bte Person. Es giebt Zimmer um z fl. und gegen Ragaz hin von ,o fl. mit Einschluß des Bettes. Die gemeinen Zimmer haben drey ^ Better, die Eckzimmer auf den drey Boden gegenRagaz im , grossen Haus vier Betten und vier Nebenzimmer- In de» ^ Eckzimmern mit vier Betten zahlt man 9 fl. in den drey ^ nächst darauf folgenden äussersten Zimmern gegen Ragaz hin mit'drcy Betten ^ fl/ in den zwey langen und den drey Für- stenzimmern für fünf Personen n fl. in den Eckzimmern im kleinen Haus mit drey Betten 8 fl. in den Nebenzimmern mit drey Betten 7 fl- in den Eckzimmern der obersten Gänge beyder Häuser mit 2 Betten 4 fl- in den übrigen Zimmern mit 2 Betten; fl. 12 kr- Eine Person muß nie mehr als die bestimmte Taxe bezahlen; wollen mehrere beysammen wohne», so müssen die überzähligen auch die gleiche Taxe zahlen- Es sind mehrere Mägde zur Bedienung der Gäste in den Zimmern da. Jede erhält von dem Gaste, welchen sie bedient, des Tages vier Kreutzcr- ' S. Neue Beyträge zur näheren Kenntniß des Schweizer-L»»- ' des von H. von Srell. 1. Heft. 17s,. Line Fortsetzung der berüh'M > ten Schinzischen Beyträge. _ durch dir A l p'e a7 und das " 7.» »r 7 Walliser - L a.n d. Im Mr >77>.. X Der Verfasser der folgenden, hier abgekürzt erscheinenden Briefe ist Herr Jacob. Samuel wyttenbach, Pfarrer an der Kirche zum h. Geist in Bern. Sie stehen in dem Bernerschen Magazin der Natur, Runft und Wissenschaften, einer vorzüglich für die Naturgeschichte sehr interessanten, im Auslande aber beynahe unbekannten Zeitschrift/die mit dem ersten Stücke des dritten Bandes (177?) aufhörte. Ueberhaupt scheinen alle helvetischen Zeitschriften ernsteren Inhalts zu einer kurzen Dauer prädestinier zu seyn. Line Erscheinung, die mit dem Enthusiasmus der Schweizer für alles Daterlän- dische schwer zu vereinigen ist. Reise durch die Alpen und das Walliser-Land. i. Hospital auf der Grimfrl. » 4 ' 2 ul. 1771- ^(llcs was ich hier um mich her sehe, die traurige Wohnung in welcher ich mich nun aufhalte, die unendlichen Lasten von Eis und Schnee, über die ich gestern kroch, nakte Felsen, die mich von allen Seiten umgeben, die todte Verwüstung, welche hier ihren Sitz aufgeschlagen zu haben scheint; alle- erneuert in mir jene fürchterlichen Bilder, die mir die Reise- beschreibet von Nova Aembla, Island und Spitzbergen gemacht haben. Keine Bäume, nicht einmal niedrige Ge, sträuche, nur kleine Pßänzchen bedeckten hin und wieder den beg» 6o beynahe immer geftornen Boden; alles übrige liegt unter einer Decke von Schnee verborgen. Und hier ist nun ihr Freund, der noch gestern mit ih. nen die fruchtbaren und blumenreichen Ebenen von Mcy. ringen durchirret, und sie.in dem warmen Haßleland noch umarmt hat. Ich habe mich gegen ein kleines Fensterchen unsrer dunklen Wohnung hingesetzt, um ihnen nun von unsern Schicksalen Nachricht zu geben. Kaumchatten Sre sich unsern Armen entrissen, als wir auch unser Gepäcke auf Lastpferde laden liessen, und vonun, serm gütigen Wirthe Abschied nahmen. Der Weg von Meyringen nach Gnmd ist an einigen Orten angenehm, und wird oft durch die prächtigsten Nuß. und Ahorn- Bäume beschattet- Wenn man auf eine kleide Anhöhe gekommen ist; so öfnct sich hinter derselben ein Feines Thal, dessen Ebene durch die öfteren Überschwemmungen der Aar stark verwüstet werden. Nichts desto weniger sahen wir hin und wieder schöne Gerste und Pflanzungen von Erdäpfeln, weiche den Bewohnern dieser einsamen Gegend, wegen des hohen Preises des Brodtes, -sürtrefliche Dienste leisten, und hier von vorzüglicher Güte ftyn sollen. Das Dörfchen Grund selbst besteht nur aus wenigen Häuser». Von Von hier bis nach Guttamien sind die Wege meistens rauh/ und oft ganz mit hcruntcrgefallenen Feldstücken bedeckt; ein Uebel, welches hier oft.große Viehweiden verwüstet, und ganze Strecken Landes unbrauchbar macht. Man findet auf dieser Reife fast keine Spuren von Menschen, ausser einem Baucrhofc und einigen kleinen Hütten, die aber oft entweder durch herabfallende Schneelauinen oder Steine zerschmettert werden. Nichts unterbricht die tödtlichc Stille, als die hin und wieder über kahle Felswände fließende Bäche, welche sich mit der fast.immer tobenden und rauschenden Aare vereinigen. > Guttannen liegt in einem sehr engen und wilden Thale, I mit kahlen und abgebrochenen Felswänden umgeben. Hier werden meistens die Waaren abgelegt, welche aus dem Maß, liferlande und Italien gebracht werden. Die Einwohner ! des Haßlclandes liefern jährlich ein grosse Menge von Käsen nach Italien, und kaufen dagegen Wein aus dem Eschenthal ^ der zwar als Kontrebandc angesehen wird, und ReiS. Da, j her wirb diese Strasse den Sommer durch oft gebraucht, und Guttannm häufig besucht. Diese Waaren werden immer auf Lastpferde, zuweilen auch auf Ätaulesel geladen. Hier zeigten sich schon die traurigen Vorbotten des ewigen Winters, der weiter hinauf alle Berge und Thäler be- herr- herrschet, und den SchooS der Erde verschlossen hält. Denn wir sahen aus dem Wirthshausc, wo wir zu Mittag speise, ^ trn, ungeheure Lasten von Schnee, welche von der mitter» nächtlichen Seile der Wallisbcrgc bis ins Thal hinabgefallen waren, und grosse Strecken desselben bedeckt hatten. Hart an denselben sammelte der Landmann unter lautem Gesänge sein dürres Heu, und führte diese Geschenke der Natur »er, gnügt seiner niedrigen Hütte zu. Zwischen Guttannen und Handeck ist ein ganzer Wald von Arven oder Zirbeln (Linus Lembra,) dessen Früchte ! vom Landmann Arvennüsse gencnnt, zur Speise gebraucht, ^ und auch als ein Arzneymiltel wider Brustbeschwerden, Schwindsucht rc- weit herumgetragen werden. Aus dem Harze dieses Baumes wird eine Art von Balsam gemacht, welcher insonderheit in Ungar» im grossen Ansehen ist. Sollte es nicht der Mühe werth sein, einen bessecnGcbrauch von diesem Baume zu machen, welcher iu unserm Lande nur zu sehr vernachlässiget wird? ^ ! Ich sage Ihnen nichts von jenem fürchterlichen Wege, der in dem festen Granit, aus dem alle diese Berge bestehen, über einem abscheulichen Abgrunde eingehauen ist, und die Helleblatte genennt wird- Als wir über dieselbe giengen, , begegnete uns eine große Menge vonLastpferden und Mauleseln, die die mit ihrem Gepäcke die ganze Breite der Straße so einnahmen, daß es unmöglich gewesen wäre, neben denselben wcittr zu gehen» und wir also sehr lange in einer hohlen Ecke stehen mußten, bi alle vorbcygegangen waren. So abgemattet ich auch war, so hätte ich es doch nicht wagen dürfen, mich auf eines unsrer Pferde zu setzen, weil diese Pfade so eng waren, daß wir auf einer Seite die steile Felswand, auf der andern aber einen fast unabsehlichen Abgrund, in dessen dunkeler Tieft die Aare mit fürchterlichem Geräusche und wütenden Wellen durchstoße, vor uns sahen. ! Dennoch versicherten mich unsere Führer, daß die Pferde auf ' dergleichen gefährlichen Pfaden sicher gehen, und mit der größten Vorsicht ihre Füße so gut zu setzen wissen, daß sie auf dem gegen den Abgrund abhängenden Weg niemals glitschen. Bald darauf giengen wir über zwo steinerne Brücken, deren die eine sehr hoch über die mit dem entsetzlichsten Getöse sich zwischen den Felsen durchschlagende Aare gc» sprengt ist, wo die schäumenden Wellen deö FlusseS dem Wanderer ein majestätisches, aber zugleich schreckenvolles Schauspiel darstellen, und ein so ungestümmeS Geräusche verursachen, daß es nicht möglich wäre, sich, selbst durch das stärkste Schreyen, einem andern verständlich zu machen. Weiter hinauf wird das Thal immer wüster und wilder. ES 64 Es wachsen daselbst nur noch niedrige Gesträuche von Birken und Bergrosin, die endlich auch aufhören, und fast nichts als nackte Felsen und ungeheure Lasten von Schnee übrig lassen. Noch weiter gegen den Spitthal hinauf mußten wir über große Strecken von noch tiefem Schnee gehen, unter welchem sich die rauschende Aaare, die unter unsern Füßen dahin stoß, verdeckte Gcwöibcr ausgeholt hartes Als wir nun ins obere Thal kamen, fanden wir, daß sich dasselbe in zween Arme theile, deren der eine gegen Abend sich ge, gen den Lauteraargletschcr hineinzog, der andere aber den Spitthal und die zween hinter demselben gelegene Seen enthielte. Durch die Hofnung, bald das Ende unsrer Heu, tigen Reise erreicht zu haben, aufs neue belebt, verdoppelten wir unsre Schritte, und langten endlich halb gelähmt, und bis zum Umsinken müde bey unserem Nachtlager an. Es ist zwar eine gemeine Sage bey dem hiesigen Land. wann: der Weg von Grund nach Guttannen sey zwo, von daher aber bis zum Spitthal vier Stunden lang. Indest sen ist niemand im Stande, diese abscheuliche Reise in so wenig Stunden zurückzulegen. Sie errimnrn sich, daß wir, ungeachtet alles Nachforschen^ im Lauterbrunn und Grindelwald nur hin und wieder seltene Bruchstücke von Graniten angetroffen hatten, auf 65 auf den Bergen dieser Thäler aber keine derselben ausfindig machen konnten. Eben dieses bemerkte ich auch im Haßle- land, welches bis weit über Grund hinauf nur Kalksteine und hin und wieder Schiefer zeigt- Ungefähr in der Mitte zwischen Grund und Guttanncn aber hört der Kalkstein fast plötzlich auf, und räumt den glasartigen Steinen seine Stelle ein, so daß weiter hinauf, so viel ich erfahren konnte alle Schocke dieser hohen Gebürgt aus Granit bestehen, und durch die hin und wieder sich in den Felsen zeigenden meisten Quarzbänder den gewinnsüchtigen Cristallgräber verleiten, auf ungewisse Hofnung hin, den harten Stein mit grossen Unkosten zu durchbohren, um noch mehrere Cristallen zu finden, dergleichen vor schon vielen Jahren in diesen Gegenden in dem Zinkenberg gewonnen wurden. *) So groß unser Vergnügen war, daß wir endlich an dem Ort unsrer Bestimmung angelangt waren, um der uns E so *) Nickt nur auf dem Zmkenberg, sondern auch auf dem, Jochli» berg in eben dieser Gegend giebt es Cristallen, so daß daselbst schon etliche Gruben getrieben worden. DaS Bohren in den harten Quarz und Granit geht sehr langsam zu, und ist deswegen auch sehr kostbar. Ma» bezahlt für ein herausgesprengtes Cubikklafter 45 Gulden. ES werden hin und wieder aus dem grossen Gletscher in diesem Thale abgebrochene Cristalle in Menge gefunden, und versprächen sürtrefliche Entdeckungen, wenn man ohne Lebensgefahr sich den Geburtsörtern derselben nahen dürfte. so nöthigen Ruhe bald gemessen zu können; so unangenehm war es für uns, eine schlechte und traurige Behausung, ein dunkles und melancholisches Zimmer, und eine Gesellschaft von irrendem Gesinde! anzutreffen. Wie dursten wir" aber etwas besseres in einer solchen Wiidniß erwarten? Nur der erste Anblick war unangenehm: bald schäzten wir uns glücklich, unter einem iDache und zwischen dicken Mauern zu seyn, die uns wider die heftigenStösse deS nun stürmenden Abcndwindes schützten. Ziegenmilch, Ziegenkäse und Ziegenfleisch machten unsre Abendmahlzeit aus. ! l Als wir gestern Abends aus unserm Speisezimmer nach > dem Nachtlager giengcn, fanden wir den ganzen Himmel so ungemein helle, daß uns die Sterne, selbst die kleinsten der- ^ selben so glänzend vorkamen, als ich sie auf der Ebene nie- i mals gesehen habe. Die Milchstrasse zeigte sich unsern Augen mit vorzüglicher Pracht und einem außerordentlichen Glänze, welches ich keiner andern Ursache, als der feinern Luft dieser hohen Gegend, die mit weniger Dünsten, als in der Tiefe des Landes, angefüllt ist, zuschreiben kann- *) H Ober- *) Diese Erscheinung zeigt sich -auf allen hohen Bergen, und muß auö den gleichen Ursachen hergeleitet werden. Herr de Luc beobachtete dieses auf dem Gipfel des Glacier de Buet in Savoy, der zwar um ein beträchtliches höher als der Spitthal auf dein Grimselberge ist. 6 ? II. Dbcrgestellen tu wallis - 4 . 2 »li 1771. Nachdem ich meinen ersteren Brief grcndiget hatte, zogen wir mit einander aus, die Gegend zu beschauen, welche wir den Abend vorher zu untersuchen keine Lust mehr hatten. Der Himmel war helle, und schenkte uns das prächtigste Wetter- Der größte Theil des Thales war noch mit Schnee bedeckt, und zeigte uns fast bey jedem Schritte jene merkwürdige Erscheinung, welche ehemals Mariens auch auf Spitzbergen gesehen hatte. Kaum fieng nämlich der Schnee an einigen Orten an zu schmelzen, als die Erde schon junge Sprossen von Pflanzen Hervortrieb, welche in kurzer Zeit in lange Stengel aufschössen, und lachende Blumen trugen. So sahen wir hart bey dem Schnee erst noch hervorsprvssende Blätter der rveissen Nießwurz (Verarmn, album) zween Schritte davon hatte diese Pflanze schon grosse Stengel getrieben, in einer noch grösser,, Entfernung waren sie schon mit Blumen und Früchten geziert, und so erblickten wir auf einmal ein anziehendes Bild des Frühlings, Sommers und Herbstes *- ja oft konnten wir den einen Fuß in tiefen Schnee stellen, während der andere mit den niedlichsten Aurikeln, E 2 Violen Das gleiche sieht man auf allen hohen Alpen, selbst in den niedrigen Gegenden der nördlichen Erdstriche, in Grönland, Läpp- land, Island«. i 68 Violen und anderen Pflänzchen umringt war. Welch ein kurzer Uebergang vom starrenden Winter zum blühenden Frühling! Wir stiegen auf einen kleinen Felsen nahe bey dem Spitthal, um den Garten unsers WirthS zu besehen, welchen er auf dieser Höhe gepflanzt hatte. WaS glauben Sie . wohl, was wir daselbst mögen angetroffen haben? Gewiß nicht Melonen, nicht Pomeranzen, nicht Spargel. Ein Grönländer würde in demselben sein Löffelkraut, ein Läpp- i länder vielleicht seinen Rennthicrmoos gesucht haben. Wie > aber fanden, was wie suchten, einige Stauden von Lattich, Rüben und Mangold; noch mehr hiemit, als man auf dem Gotthard zu pflanzen vermag. Von dieser Anhöhe sahen wir die bcedcn Seen, welche hinter dem Spitthal liegen, und durch einen engen Hals miteinander verbunden sind- Ihr Wasser scheint schwarz, und die dasselbe umgebenden nakten Felsen machen die Aussicht melancholisch. Nur ein kleiner Bach fließt aus demselben ab, läuft unter dem Gebäude des Spilthals hindurch, und ergießt sich in die Aare. Sie werden mir wohl auf mein Wort glauben, wenn ich ihnen sage, daß keine Fische in diesen Seen gefunden werden, weil ihnen allem Ansehen uach, das Schneewasser derselben zu rauh und kalt wäre. Doch §9 Doch errinnere ich mich, in Andreäs Briefen gelesen zn haben, daß der See auf dem Gotthard Fische enthalte, welche aber wahrscheinlicher Weife alle Frühling dahin gebracht werden. Hingegen soll auf Oberalp, einem Berge des Ursernthals, ein mit Fischen angefüllter See seyn, der gar nicht nöthig hak, alle Jahre mit neuen Colonien ver» sehen zu werden- Als wir in dem Thale Wanzen zu sammeln herumrrr, ten, sahen wir zu unsrer grossen Verwunderung allerorten eine Menge kleiner Frösche in dem Grase herumhüpfen, und ' der wenigen angenehmen Sommer - oder vielmehr Frühlings- ! tage, welche ihnen die hier sparsame Natur schenkt, genies. scn. Es ist bekannt, daß diese Thiere den kalten Winter gleich den Murmclthieren zubringen, aller Speise, die sie ohnedem nicht finden würden, sich enthalten, und in einer fühllosen Erstarrung die rauhen Tage dieser Jahrszeit hin, durch schlafen. So liegen die Bewohner der Grimsel den größten Theil des Jahrs als unbewegliche Eisklumpen auf dem Boden, und hüpfen im Sommer freudig durch das Gras hin. Endlich vcrreiseten wir nach einem sparsamen Mittag, essen vom Spttthal, um noch über die höchste Ebene des Berges ins wallis hinüber zu reisen. Wir mußten lange über. 70 über geftornen Schnee und steile Wege hinaufsteigen, da die Gegend immer rauher und wilder wurde. Allerorten Klagen erstaunliche Lasten von Schnee, nur hin und wieder zeigten sich entblößte Oertcr, wo eine Menge von Aucikcln und LinAuiculs alxlNL in schönstem Flor standen. Kaum hätte ich geglaubt, an einem solchen Orte noch Insekten !;u fin» den, wenn nicht hin und wieder Phaläncn von Spannen. Messern und kiHpencluI-r, in verschiedenen Abarten herumgeflogen wären. Hark an dem Schnee fand ich auch die niedliche Lk^omsla cerealis an dem zarten Stengel eines magern Gräschcns hinaufkricchen- Wir sahen von Zeit zu Zeit Stangen auögestcckt, welche dem Reisenden den oft ganz mit Schnee bedeckten Weg Zuweisen sollte»: ein Ge, brauch, den auch die Lappländer in ihren bcschncytcn Ge- bürgcn nachzuahmen genöthigt sind, und welcher uns, obgleich schon viel Schnee weggeschmolzcn war', an einigen Orten gute Dienste leistete. Als wir auf die höchste ziemlich weite Ebene des Berges gekommen waren, sahen wir zu beyden Seite» des We- gcs die Gränzstcinc zwischen Bern und Wallis. Hier ist das Land am wildesten, und scheint ein so wahres Eben' bild von Spitzbergen zu seyn, daß es mich immer dünkttt ich sollte weise Bären, Wölfe und Rcnnthiere sehen. Zur Linken zeigte sich in einer gewissen Entfernung der Todten- see, 7 ! ste, welcher noch fast gänzlich überfroren , und an einige» Orte» mit Schnee bedeckt war. Aber welch eine weite Aussicht, mein Freund! zwar er. blickten wir nichts, als erhabene Gipfel von ewigem Eis und Schnee, erstaunliche Schöke von Bergen, deren unendliche Lasten über einander gethürmt, und selbst dem Himmel gleichsam zu drohen schienen. Tausend Berge lagen vor unsern Augen. Das Tclescov leistete uns fürtrcfliche Dienste. Hier zeigten sich jene unerschöpflichen Behälter der Flüsse. Hclveticns, jene fast unzähligen Lasten von Cis^ die noch zwanzig anderen selbst reichen Flüssen viele Jahre hindurch ^ genügsames Wasser zum Abflusse hergeben könnten. Man sieht eine lange Strecke von Umer-Bündtev. lvalliftr - und Mayländerbergcn, die wegen ihrer be, trächtlichen Höhe nnt einander gleichsam um den Vorzug zu streiten scheinen. Hier erhebt die Fucka ihr mit den prächtigsten Eiskastcn bekränztes Haupt, und sieht mit Verachtung auf die anderen Berge hinab. Dort zeigte sich in der größten Entfernung entweder der Gipfel des Gotthards selbst, oder aufs wenigste die höchsten Spitzen seiner Nach, bar». Gerade vor uns sahen wir gegen Mittag hin den Griesberg und etwas von feinen ungeheuren Eisschründen, bey welchen die Strasse nach dem Eschenthal s 6omo ä'Os- Solls) 72 rolls) durchgeht. Weiter hiu gegen Südwcst streckt der Simplon den erhabenen Scheitel über ferne kahlen Bruder in die Wolken empor. / Ehe wir auf diesen so interessanten Standpunkt kamen, mußten wir oft über grosse Ebenen von Schnee gehen, deren durch die Strecken der Sonne verdoppelter Glanz für unsere Augen so schmerzlich war, daß wir gcnöthiget wur, den, dieselben mit schwarzem Flor zu verbinden. Ost wünschten wir, jene sogenannten Schneeaugen der Nordamerikaner zu haben, welche uns von Ellts beschrieben werden. Bald aber erhoben sich dünne Nebel, flogen durch den Wind getrieben, mit größter Geschwindigkeit über uns hin, und bedeckten die Sonne mit einem Schleyer, in dessen Schatten wir viele Linderung fanden- Ueberhaupt sind diese so erhabene Gegenden fast beständig in Nebel verhüllt, welche durch die grosse Menge des allerorten liegenden Eises und der deswegen hier herrschenden Kühle der Luft gezeugt und angezogen werben. Wenn die Oberfläche des Eises zu schmelzen anfängt, so verdünnet die äussere und auch dir in dem Eis enthaltene Luft durch ihre Bewegung die wasscrichten Theile, zieht dieselben in die Höhe, und verursachet jenen zarten Rauch, den man beym aufschmelzenden Eise beobachtet, und welcher auch wirk. 7? :r :r r, e- ,r r, st ! A- N H s > s- ! e- >e c- n -t h ^ n >1 wirklich den Nebeln ihren ersten Urstwung zu geben scheint. Daher kommen auch meistens jene diken Nebel nördlicher Gegenden, welche gleich grossen und schweren Decke» die schwimmenden Eisberge gegen die Pole hin fast beständig umhüllen, und die Schiffart daselbst so betrüglich und unsicher machen. In diesen Wüsteneyen fand ich den prächtigen 6 mcu§ !i,ilw 8 lS 8 imu 8 wieder, welchen ich auch schon obenhcr Guttannen in grosser Menge gesehen hatte- Nach und nach kamen wir wieder in den Bezirk der Bcrgrosen, und hier erblickten wir nun von der Höbe herab die ersten Dörfer des obern WallislandcS, Oberwald und Nnterwastn, die zu beyden Seiten des Thales liegen. Weiter hinab ficn- gen die Tannwäldcr an, die mit einer Menge von Lerchcn- bäumcn ermischt sind, und bis in das Thal hinabgehen. Endlich langten wir zu Obergcstelen an, wo eine starke Niederlage von Käsen ist, die aus Haßte über das Grieß nach Eschenthal geführt werden. m. Münster Juli 177'- Die Häuser zu Obergcstelen und den andern Dörfern, die ich bisher gesehen habe, sind alle von Lerchen- holz 74 holz gebaut, welches zwar hart ist, aber gerne Ritzen und Spalten wirft, und an der Luft mit der Zeit ganz schwarz wird. Dieses giebt den Dörfern ein so melancholisches Ansehen, daß man dieselben fast für Köhlcrhütten halten würbe. Das Holz des Lcrchenbaums wird hier auch zur Feuerung ge. braucht, obschon man ehemals dasselbe für unverbrennlich gehalten. Die Häuser sind in den Dör fern sehr nahe bey einander gebaut, mit Holz bedeckt, und meistens von drey Stockwerken. Wenn man diese Dörfer in einer gewissen Entfernung siehet, so würde man sie für grosse und bevölkerte Flecken halten; reifet man aber durch dieselben, so zcigr es sich, daß der größte Theil der Häuser nicht zu Wohnungen, sondern zu Scheuern und Kascbchältern bestimmt ist. Diese sind sehr begucm gebaut, und verdienten allerorten nachgeahmt zu werden. Das ganze Gebäude ruhet auf hölzernen Säulen auf jede derselben eil, grosser, runder, einem kleinen Mühlsteine ähnlicher Stein gelegt, über dessen hervorstehende Fläche die Mäuse nicht hinübcrkricchcn un.d also dem Gctreid und den Käsen keinen Schaden verursachen können. In England soll diese Bauart sehr bekannt seyn. Wir vcrreiseten heute Morgens so frühe als möglich aus unserm elenden Wirthshausc, und kamen über ziemlich vernachlässigte, mit Grünwurz und Nattenwur; bewachsene Wie- 75 1 Wiesen nach Ulrichen, wo auf einer angenehmen Ebene, die auf beyden Seiten mit Bergen eingeschlossen ist, im Jahr lsn der Herzog Berchtold von Zähringen, und im Jahr -419. die Bcrner von den.Wallisern geschlagen worden. Schon um neun Uhr-es Morgens erreichten wir Mün- ster, ein artiges, mitten in den fruchtbarsten Wiesen gelegenes Dorf, und mußten wegen der grossen Sonnenhitze, welche hier von allen Felswänden gegen die Tiefe des Thals zurückprallt, stillehalten. Weil im ganzen Dorfe niemand als Kinder und alte Unvermögende zu finden waren, und sich alles auf die uaygclegene Berge, das Heu einzusammeln, begeben hatte, so waren wir gezwungen, unsre Zuflucht zum Priester des Dorfes z» nehmen, welcher uns aufs ' freundschaftlichste cmpfieng, und mir gütigst erlaubte, in I seinem Zimmer an Sie zu schreiben. Bisher hatten wir im ganzen Thale noch keine Spuren von Obstbänmcn gesehen: denn es zeigten sich überall nichts ! als traurige Tannen-und Lcrchcnwäldcr, durch welche die ^ steilen Seiten der bccdcn Wände des Thals bedeckt wurden. ^ Hier hat der Pfarrer einige Birnbäume in seinen Garten i gepflanzet, die aber keine sonderlich kostbare Früchte tragen sollen. Der Ort ist noch zu wild, und der Schnee bleibt mei« ?6 meistens bis zu Anfang des Maymonats, zuweilen gab bis gegen das Ende desselben. IV. Lllckerbad r?. 2 uli 1771» Wir verreistten auf den Abend von Münster, und kamen nach und nach in fruchtbarere Gegenden; denn hin und wieder zeigten sich nun Kirschen, Birn und Apfelbaume. Zu Münster und obenher hatte die Heuerndtc erst angefangen, weiter hinab aber war sie schon zu Ende gebracht, und der Landmann rüstete sich zur Getrciderndte- Das Thal ward immer enger, und becdc Bergwände schienen fast zu, sammcn zu stossen. Die Rohnc hat daselbst nur ein enges Bette, durch welches sie mit reissender Geschwindigkeit und wildem Geräusche sich durchschlägt. Von hier bis Lenk wächst eine erstaunliche Menge von Vcrberizcn, die mit ihrer nun bald reifen Frucht allen Hecke» ein angenehmes Ansehen gab. Als wir uns den folgenden Morgen wieder früh auf den Weg begaben, sahen wir auf der Höhe den Ausgang des Vtescherthals, welches mit erstaunlichen Glctschcrlasten, die mit denen von Grindelwald in einiger Verbindung stehen, angefüllt ist. Ehe dieses Thal mit Eis und Gletschern bedeckt 77 » deckt worden/ soll durch dasselbe ein Weg nach Grindelwald offen gewesen seyn, worinn die Sage der Walliscr und Grin- delwalder übereinstimmt; ja unsre Führer versicherten uns man finde auf der Wallisscite noch hin und wieder deutliche Spuren von demselben. Bey dem Dorfe Lax/ hinter welchem das Thal sich wieder öffnet/ sind die beyden Ufer des Rhodams durch eine erstaunlich hohe Brücke/ welche nicht ohne Grund mit der Teufelsbrücke verglichen wird/ mit einander verbunden. Wir giengen aber nicht über dieselbe, sondern schlugen uns dem ziemlich steilen Ufer des trüben FlusseS nach, und kamen durch niedrige Gebüsche von Wachholdcr, Erlen, und meisten Pappeln nach Mörtll, wo schöne Kastanielibaume wachsen, und viele Häuser mit Reben geziert sind. Das Thal wurde nun wieder enger, die Strasse rauher und beschwerlicher. Wir fanden aber hin und wieder deutliche Beweisthümer des wärmcrn'Climas/ indem an einigen Orten der Weihen und die Gerste schon eingesammelt waren. Gegen Brig zu öfnet sich das Thal in eine angenehme mit den schönsten Wiesen bedeckte Ebene, in welcher der ziemlich grosse Flecken liegt, dessen Häuser meisten- aus Steinen gebaut, mit schwarzem Schiefer gedeckt, und hon gutem Ansehen sind, so daß man Brig mit Recht unter dir > die schönsten Flecken des, Landes zählen kann. Wir zogen in dasjenige Wirthshaus, welches uns das beste schien; wurden aber daselbst, wie beynahe überall in Wallis, so erbärmlich, so unsauber bewirthet, daß ich versichert bin, wir mir, den es mitten unter den sonst unreinlicheren Mingrelicr» und Kamtschadalcn besser.angetroffen haben. Kaum hatte also die Hitze des Tages ein wenig nachge, lassen, so begaben wir uns wieder auf den Weg, und sahen zu Garns den ersten Mays, den man daselbst um die Häuser herum pflanzet. Pflaumen und Nußbäume, mit Eschcnbäu- men begleitet, zeigen sich hier allerorten. Kröpft aber haben wir noch sehr selten gesehen; gegen Lenk hinab.scheint diese Krankheit schon häufiger zu seyn. Da wir nicht Gelegenheit hatten, die bekannten Bäder in der Nachbarschaft von Brig zu besuchen, so kann ich ihnen keine Nachricht davon geben. ^ Als wir bey einbrechender Nacht gegen Vrspach hin, kamen, so sahen wir von ferne eine der schönsten Erscheinungen, die ich jemals gesehen habe. Eine grosse Strecke von Waldung auf dem Rücken eines Hügels stand in hellen Flammen welche in die finstere Luft empor stiegen, und einen so wunderbaren Schein verursachten, daß wir anfangs 79 fangscin Helles Nordlicht zu sehen glaubten, bald aber durch das Sturmläuten in den benachbarten Dörfern von unserm Irrthum überzeugt wurden. Wir vernahmen nachher zu ViSpach, daß dieser Wald durch jugendlichen Leichtsinn der Hirten in Brand gerathen. Dem unerträglichen im ganzen Wirthöhause zu Vis- pach herrschenden Gestank zu entfliehen, verließen wir heute früh unser elendes Lager, und eilten mit gemietheten Pferden nach Leuk, da wir unterwegs Rewon gegenüber, an einem Hügel, die ersten Weinberge sahen, welche hier schon einen ziemlich guten Wein geben. Wir langte» schon um siebe» Uhr zu Leuk an, und stiegen, ohne uns daselbst aufzuhalten, gleich gegen das Thal hinauf, in welchem sich die berühmten Bader befinden. In einer gewissen Erhöhung über Leuk öfncl sich eine der prächtigsten Aussichten in's untere walliserland über Sit, ren hinab. Wir hatten die Häuser und Thürme von Leuk gleichsam unter unsern Füßen, und vor uns die heißen Hügel dieser Gegend, welche aller Orten mit Weinberge» geziert sind. Mitten durch das offene Thal fließt der durch seine Uebcrschwcmmungcn schädliche Rhodan, und aus seinem unfruchtbarem und steinigten Bette steigen sanft sich erhebende fruchtbare Wiesen bis an die Seiten der Berge, deren 8 Das Thal selbst ist ziemlich breit, hat viele fruchtbare Weiden/ und würde angenehm genug seyn/ wenn ihm die abscheulichen Wände der kahlen Gemmi nicht ein so wil- ^ des Ansehen gäben. Die Lust ist daselbst fast immer ge- mäilsigt und gesund; so daß einige der reichern Bewohner des grossen Hauptthals/ der in demselben fast unerträglichen Hitze des Sommers zu entfliehen/ sich hieher begeben, und erst gegen den Herbst wieder in ihre Winterwohnungen zurückkehren. Andere haben ihre Sommerhäuser auf den Bergen, und bringen daselbst den größten Theil des Sommers in einer 8Z ner angenehmen, frischen und gesunden Luft zu, da unter, dessen die untern Ebenen des Thals durch die Strahlen der Sonne fast versengt werden. Wir sahen unter dem Dache eines Hauses eine Menge ausgestopfter Bären und Wölsshäute hangen: denn diese Thiere zeigen sich in den langen und rauhen Wintern oft in diesen Gegenden, und sie würden sehr grossen Schaden verursachen, wenn sie nicht mit aller möglicher Sorgfalt verfolgt würden. Als wir gestern in den verschiedenen Gegenden desThals, Kräuter und Insekten zu sammeln, herumirrtcn, und durch die fürchterlichen Abgründe dcrDala krochen, entdekten wir daselbst die prächtigsten Wasserfälle, wo der Fluß mit Ungestümm sich wider die Felsen schlagt, von beträchtlichen Höhen sich in die tiefe Schalen mit grossem Geräusche herabstürzt, und durch seinen Fall so heftige Winde verursacht, daß sie mir einige Mal den Hut ins Wasser trieben- Die verschie, denen Pflanzen, welche der hiesige Boden nährt, zeugen meistens von der Höhe und subalpinischen Luft der Gegend. Sie müssen nicht glauben, mein Bester, daß ich ihnen eine weitläufige und kunstmäsfige Erklärung der Bestandtheile der treflichcn Mineralwasser des Leukerbades mittheile werde; sie wissen, daß ich kein grosser Chymist bin, undüber- F r dem i S4 dem haben wir auch keine Reagentia, gar nichts/ mit unS auf die Reift genommen, womit wir eine gute Untersuchung hätten anstellen können. Gleichwohl versuchten wir die Hitze des Wassers mit einem kleinen fahrenheitischenThermometer zu prüfen, und fan. den daß das Qucckstlb er in der Hauptquclle welche gleich vor unserm Wirthshauft ist, nachdem das Thermometer eine Zeitlang in diesem Wasser gelegen, bis auf n; gestiegen war, und dennoch trank ich vermittelst eines Glases von diesem Wasser, ohne daß es mir einige Schmerzen im Mund verursachte. In einer Quelle bey dem Hcilbade aber, welche nahe bey der Brücke daselbst über die Dala ist, stieg das Quecksilber bis auf iso, da es an der Luft bey bedecktem Himmel gegen den Abend auf 6 g, und in dem kalten Wasser der Dala auf 46 hinabsiel. Wir vernahmen hier von einigen edlen Wallisern, daß der größte Theil ihrer Landlcute aus Trägheit nicht nur keinem andern um den Lohn dienen, sondern ihre eigenen Angelegenheiten nicht einmal besorgen. Wirklich ziehen auch sowohl aus Laterbrmm als Gründelwald jährlich viel Landleute hinüber, bearbeiten ihnen um den Lohn ihr Land, und helfen Heu und Getreide, wie auch Früchte einsammeln. Die. SS Diese Trägheit steigt bey ihnen oft zu einem solchen Grade, daß sie lieber das trübe, und oft mit Schlamm angefüllte Wasser der Rhone trinken, als sich lauteres, gesundes und frisches Qucllwasscr aus einer Entfernung von einer Vier« telstunde hcrhohlcn. Die Weinberge, die wir um Lenk sahen, zeugen ebenfalls von wenigem Fleissc. Sie sind fast durchgehcnds ohne Stecken angepflanzt, so daß die Ranken oft in der größten Verwirrung über den Boden hinkriechcn, und man bey der Weinlese einen grossen Theil derselben ent. weder mit Füssen zcrrcissen, oder zcrtrctken muß. Und der größte Theil ihrer Wirthshäuser, und die darin herrschende Unsaubcrkcit? doch davon hab ich ihnen schon genug gesprochen ! Was mich hier vorzüglich ergötzt ist die Menge von ^ Menschen aus fast allen Theilen der Schweitz und ihrer Nachbarschaft, welche in ihrer Kleidung, Dcnkungsart, Sprache und in ihren Sitten so verschieden sind, als wenn sie aus den entferntesten Himmelsstrichen zusammen gebracht Korden wären. Ich sehe eine lange Reihe von Charakter«, die durch alle Schattirungcn vom feinen Staatsmanne bis auf den unwissendsten und gröbsten Baur geht, und in wel- 1 Her ein jeder nach der. ihm eigenen Art sich mit andern be» trägr, redet und handelt, welches dann oft Collisionen verursacht, die sehr lächerlich find, dabey aber so vieles in der Kennt» Kenntniß der Seele aufklären, baß ich mich an diesem sich ! r> immer verändernden Schauspiele nicht satt sehen kann. r v '- h s VI. Sitten den zi 2«l- -77'- Wir verliessen gestern Frühe in Gesellschaft eines Fran- d zösischcn Offiziers aus dem Wallis, die Bäder von Leuk, und k stiegen durch den gleichen Weg, auf dem wir hinaufgekom- t mcn waren, nach Leuk. l < Auf Anrathe» unsers Offiziers zogen wir in ein WirthS- j Haus ausser der Stadt, wo man einen Theil des hölzernen ^ z Daches, um Feuer zu machen, abreisten, und die Hüncc ^ , mit langen Stangen von den Bäumen herunterschlagen ^ mußte, ehe wir etwas zum Mittagessen erhalten konnten- , Die Gegend um Leuk herum schien durch die hcisscn Sonnenstrahlen fast versengt. Die Ufer des Rhodans aber sind hier weit und breit mit einem gelben Mergclartigen Grunde überführt, der vielleicht wohl etwas zum daseyn der schon hier ziemlich häufigen Kröpfe beytragen dürfte. Wir verliessen auf den Abend, als die Hitze ein wenig nachgelassen hatte, unser Wirthshaus, um nach Siders i" rci- s «7 reisen. Sehr lange mußten wir durch nichts als übrrschwcmle und verwüstete Ocrtcr, welche niit niedrigen Strauchwerke von Pappeln, Wachholdcr, Bcrbcrizcn und Erlen, aus denen hin und wieder höhere wilde Bäume hervorragten, bewach» sen sind. Fast alles ist übrigens hier wild, nur hin und wieder zeigten sich einige wenige Flachen mit grünen Rasen bedecke. Wenn man aber auS dem untersten Boden des Hauptthals in die Höhe schaut, so erblickt man da fruchtbare Alpweidcck und angenehme Thäler, in denen man daS wahre Tempe des Walliserlandes, den gesunden Aufenthalt der reicheren Bewohner im Sommer finden kann, wo eine gcmässtgte und reine . Luft herrschet, wo artigere und freundschaftlichere Leute, grosse und reiche Dörfer, fette Wie, sen und Hccrben angetroffen werden; dort sind die wahren Quellen der Reichthümer dieses Volkes, dort die Werk» städte ihrer fürtresiichcn Käse, dort vielleicht die Urbilder zu dem schönen Gemählde, welches Rousseau von der ungekünstelten, einfältigen, unschuldsvollcn, und Licbcnswürdi, gen Lebensart der Walliscr gemacht hat. Einmal in dem untersten Thale darf man dieselbe nicht suchen. Je mehr wir uns den schönen Gebäuden von Gider» nahten, desto mehr verlohr das Land von seiner Unfruchtbarkeit. Wir sahen nun statt jener überschwcmten Gründe, grüne Wiesen, und statt jener dunklen Gesträuche und Wälder «im» 88 «inen reichen und schönen Obstwachs. Gieders selbst kann wegen seiner schönen steinernen, mit schwarzen Schiefcrplat- ten gedeckten Häuser, ,mit Recht unter die schönsten Oertcr des Walliscrlandes gerechnet werden, Sein Wasser aber ist so ungesund, daß es blos und kalt getrunken, immer Heis- serkeit verursachet. Auch das Wasser von Sitten soll, wie uns hier alle versichern, die gleichen Wirkungen, aber nicht in einem so hohen Grade, hervorbringen. Wenn wir also trinken wollten, mußten wir entweder durch Thee oder Citronen die Schädlichkeit desselben vermindern. Hier wird aus dem schönen Kobalt, der in wallts gefunden wird, Smalte verarbeitet. Man sagt mir aber, daß die Arbeiter damit nicht recht umzugehen wissen. Ich verlangte die Fabricke zu sehen, vernahm aber, baß sie gegenwärtig verschlossen, und ohne Arbeiter wäre. Wir begaben uns also- nach einem ruhigen und bequemen i Nachtlager, wieder auf unsere Reise nach Sitten- Die erstere Hälfte des Weges geht durch fruchtbare Gegenden, wo die Hügel mit Weinstöckcn bepflanzt sind, die nur sehr schlecht, eben so wie zu Leuk besorgt werden. Weil auf der letztem Hälfte unserer Reise hin und wieder Bäche sich von den Bergen in das Thal ergiesscn, so verursachen dieselben, gemeinschaftlich mit dem Rhodan, dessen Wasser durch sie vermehrt wird, starke Verwüstungen Um «9 Um Sitten herum ist das Thal am breitesten, und wird auf beeden Seiten durch hohe fruchtbare mit Häusern und schönen Dörfern gezierte Berge eingeschlossen. Der Boden des Thals ist hier ziemlich eben, ausser daß sich aus dcmsel. bcn hin und wieder kleinere und grössere Hügel, deren einige eine Kegelförmige Gestalt haben, erheben. Zwischen Srders und Sitten haben wir verschiedene merkwürdige Pflanzen gefunden. Die in der Schweiz sonst seltene I^Äuca 8-üiZna, wuchs sehr häufig an den trokencn Wegen. Ich weiß mich nicht z» errinnern, daß ich in meinem Lchen eine grössere Hitze ausgestanden habe, als die war die wir heute bis nach fünf Uhr des Abends empfinden mußten. Der Himmel war ohne Wolken, und es würde einer der schönsten Tage gewesen seyn, wenn nicht die Athmosphäre mit einer Menge von weissen Dünsten angefüllt gewesen wäre, durch welche wir die Sonne, nicht änderst, .als ^wie durch einen Nebel sehen konnten; kaum mochten wir noch den Athem ziehen. Wir hatten uns fast bis aufs Hemde ausgezogen, und dennoch erregte die allergeringste Bewegung einen solchen Schweiß, der uns über den Körper hinabström- te. Wir waren zu allem untüchtig, und. unsre Fibern.schie- nen 90 neu vollkommen alle Elasticität verlohrcn zn haben. Ich dachte und kaum konnte ich dieses noch denken, an die brcn- u-irdc Hitze des Sirocco indem mittäglichen Italien, und beklagte jene Bewohner dieser sonst so angenehmen Gegenden die eine solche fast erstickende Hitze so oft empfinden müssen. Lüstern warft» wir unsere Blicke auf die uns gegenüber stehende Berge, auf deren fruchtbaren Abhänge wir eine Menge Sommerhäuser sahcn,l deren glückliche Bewohner nun eine kühle Luft einathmcn konnten, da wir unterdessen in unserm Feuer ofen fast verschmachten mußten. Aber alles half nichts, wir mußten die harte Probe aushalten, bis wir e idlich den entfernten Donner durch die erhabenen Thäler rolln, hörten, die Luft sich ein wenig aufheiterte, und wir aus der Entfernung dicke und schwarze Wolken auf uns zukommen sahen. Nach einer halben Stunde hatten wir wirklich das fürchterlichste Ungcwitter über uns, welches mit erstaunlich starken Regengüssen begleitet war, die aber die schwülste Luft nur so abkühlten, daß das Thermometer am Abend um lo-Uhr noch auf 67 Gradcn stand, da es um drey Uhr noch am Schatten auf 8). gewesen. Die Stadt Sitten selbst, welche wir Vormittags besahen, ist nicht gar reinlich, hat enge Gassen, in denen man oft sehr unangenehme Gerüche einathmcn muß. Die Häuser 9 ' ser sind steinern, meistens mit Schiefer gedeckt, nnd die Fenster und Thürpfosten größtcnthcils aus einem sehr harten Toffstein gemacht. Was mir aber' sehr bequem scheint ist, daß ein jedes HauS mit seiner eignen Nummer der Ordnung nach bezeichnet ist. 1 Als wir bey unsrer Ankunft zu Sitten auf den Wiesen und Feldern hcrumsvazicrten, fanden wir allerorten eine Menge von Spargel, der hier wild wächst, aber nur dünne und kleine Sprossen treibt, welche dem Vieh eine sehr gute Nahrung verschaffen sollen. ES soll nach Gmeltns Bericht eine grosse Menge desselben auch in verschiedenen Gegenden SibiricnS wild wachsen. Es giebt auch Hum Sitten herum Safranpflanzungcn. Ja, Hallcr sagt, man finde an! den heisscn Hügeln von Sitte»: wilde Granat- Apfel. VII. Vex r August >77l. Endlich sind wir wieder in unserm Vatcrlande angekommen, mit ihnen aber, »nein Freund, muß ich noch die Reise von Sitte« bis hichcr machen, wo wir diesen Vormittag frühe angelangt sind. Erwarten sie aber nicht grosse Dinge 92 Dinge/ indem wir allerorten ;u schnell durchführen, und beynahe niemals die Hauptstrasse verliessen. Gleich vor Sitten bedauerte ich die schlechte Oekono- mie des Landmanns, die sich der Strasse nach an den Zäu, neu zeigt, welche nur schlechthin aus ziemlich liederlich ein- gestochrcncm dürrem Gesträuche bestanden, von keiner Dauer waren, und dem hier ohne dem oft hungrigen Vieh aufs leichteste den Durchgang auf die Wiesen verstatteten. Hin und wieder waren zwar lebendige Hecken, aber so vernachlässigt, so sehr ihren, eignen Triebe überlassen, daß sie sich weit und breit ausdehnten, viel Landes unuöthig bedeckten und nichts als unfruchtbare feuchte Moose zeugten. Der größte Theil der Aeckcr ist mit einer so grossen Menge von Kalksteinen, und so dichte besäet, daß man dieselbe bey dem ersten Anblicke für ««gesegnetes und unfrucht, bares Land ansehen würde- Die Bauern versicherten uns aber einstimmig, daß diese Aeckcr sehr einträglich seyen, und unter die besten gezählt zu werden verdienen, denn dieser Stein der oft mcrgclartig zu sey» scheint, wird durch die Witterung nach und nach aufgclößc, und giebt bey seiner Verwitterung dem Erdreich neue Theile, die dasselbe locker machen, und zum Wachsthum des Getreides vieles beytragen. Ich errinnere mich, dergleichen Ackerland am Iurassus, in son» 93 sonderheit an einigen Orten der Vogtey Bipp gesehen zu haben. Wir hielten unsre Mittagsmahlzeit zu Martinach, wurden ziemlich gut bewirthet, mußten aber von unsrer Kammer herab das erbärmlichste und elendeste Schauspiel von der Welt sehen. Zehen bis zwölf der bedaurungswür- digstcn Krüppel lagen, standen und krochen bey dem Wirthshaus«: herum; die einen mit den erschröcklichsten Kröpfen, die ich jemals gesehen, mit drey bis vieren auf einmal, wcl. che ihnen oft bis auf die Brust hccunterhiengen. Andere waren stumm, andere lahm, und noch andere schienen ohne Verstand, ja fast ohne Empfindung an der fcucrheissen Sonne zu liegen. Bald werde ich ihnen mehr davon sprechen. Martinach ist ein ziemlich guter Flecken, der aber insonderheit seiner fürtrcflichen und starken Weine wegen, die in einigen Absichten den spanischen Weinen selbst gleichen Und Vis äe I» MrZuL und Loguemlle gcnennt werden, bekannt ist. Wir verliessen diesen Ort auf den Abend, und kamen über dicDranse, welche von den Höhen des St. Bernhards herabfließt, hier zwischen zween gleichsam von einander gerissenen Felsen in einem sehr engen Bette durchläuft, und untenher dem Rhodan zueilt. Ein wenig weiter hin reizten sich ganze Felsen von schwarzem Schiefer, der gegen dir 1 die hier angränzenden Savoycrbergc hinauf zu streichen scheint von den Walliscrn gebrochen, und zu Dächern rc. gebraucht wird- Er ist hart, aber etwas grobkörnige, und nicht so fein als der Glarnerschicftr, rhcilt sich aber doch in dünne, oft ziemlich grosse Tafeln. Von ferne glänzte schon das weisse Wasser der pissevache bey welcher man hier vorbeyrcifen muß. Dieser Wasscrfall ist zwar bey weitem nicht so hoch als der Staubbach im Lauterbrunn, sdcr auch so viel ich weiß für den höchsten in der Schweiz muß gehalten werden) Aber die Menge Wassers die hier in! wiederholten Fällen über die naktc, uncbc- -nc und schräg stehende Felswand schäumend berabrauscht, ^ und die Luft weit herum mit schwebenden Dünsten anfüllt, ^ macht ein reizendes Schauspiel. Wir standen lange da, ohne ! zu bemerken, daß die Nacht heranrücke, und wir nach und ^ nach ganz naß würden, bis unser Führer uns gleichsam voll , dannen wegriß, und wir endlich bey Nacht zu St. Morij ^ anlangten' ! St. Moriz der lezte Ort in Wallis liegt zwischen dem Rhodan und einer hohen, fast ganz aus festem Marmor bestehenden Felswand, wo die beyden Seiten des Thals sich beynahe zusammenschliessen, und dem Rhodan kaum den Ausfluß gestatten. Mit Recht kann also dieser Flecken der Schluss sel zum Walliserlande genennt werden; auch ist gegen der Bcrnerscite i ein starkes Schloß, welches an einer schönen, hohen, mit einem einzigen Bogen gesprengten, bey i;o Fuß langen Brücke gebauet ist. Wir verliessen diestn Morgen sehr frühe unser Lager, um den kleinen Ort, und die dabey gelegene Einsicdlcy äs dlotre vsms clu Lex zu besehen. Diese ist ausser dem Flecken mitten an einer hohen fast' senkrechten Felswand gleichsam angeklebt. Man steigt durch enge in den Felsen gehauene Wege hinauf, und Hai dann eine schöne Aussicht über St' Moriz, und das kleine Thal, welches hin und wieder vor- trcfliche Wiesen zeigt, und mit Kastanicnbäumen bepflanzt ist, vor sich. Die Kapelle ist nur so groß als der Platz, auf dem sie steht, gestattet. Gleich dabey ist eine Art von Terrasse, nur schmal, aber ziemlich lang. auf welcher ehemals der Garten des Einsiedlers gewesen. Nun ist dieser Ort verlassen, und wird nur zuweileü noch von 'guten Leuten besucht, die dahin eine Art von Wallfahrt machen. Sobald man über die Brücke kömmt, ist man auf Bernerschem Boden, und geht durch ein fruchtbares und angenehmes Land nach Bex, wo mau in drey viertel Stunden anlangt. Ehe ich aber das Walliserland verlasse, werden sie mir erlauben, Nach.einige allgemeine Beobachtungen darüber zu machen. Wenn Wenn je ein Theil Helvettens wegen der Verschieden. Heit seiner Himmelsstriche, der wunderbaren Lage, der verschiedenen Natur der Berge und seiner merkwürdigen Produkte die Aufmerksamkeit eines Reisenden verdient, so ist' es ^ gewiß das Walliscrland. Nur schade baß ich mich in dem, selben nicht länger aufhalten, und mit mehrerer Geschicklich, keil Beobachtungen anstellen konnte. Welch eine grosse Ver» schiedenheit von Hitze und Kälte in diesem wunderbaren Lande sey, haben sie schon einigermassen aus dem sehen können, was ich ihnen während meiner Reise zu schreiben das Vergnügen hatte. Sie treffen hier oft in einem kleinen Bezirke ewige Lasten von Eis und Schnee, und dann weiter in die Tiefe hinab, schon die brennende Hitze Italiens, und Man, zen an, welche oft aus den entferntesten Himmelsstrichen hie- her gebracht zu seyn scheinen; bald Bewohner des kalte» LapplandS und Grönlands, bald aber Bürger der heissen Hügel von Spanien und Italien. So fanden wir auf der Grimsel den kauunLulus glscializ und die LaifraZa oxpollti- koliL die auch auf dem Simplon, St. Bernhard, und letztere auch auf der Gemmi zu finden sind. Verläßt man die vor Kälte fast immer starrenden Gegenden, so kömmt man nach und nach aufmildcn Boden, und endlich in eingeschlos. sene Thäler, wo die gefangenen Strahlen der Sonne eine oft fast unausstehliche Hitze verursachen. Hier wachsen dann ' die Feigen, die Granatapfel, und die Opuntia, welche letztere letztere sonst nur in den Gegenden von Rom, Neapel, List sabon, Cadix rc- zu Hause ist. Lesen sie über diesen Gegenstand unsern grossen Haller nach. Er zeigt ihnen, wie sie in wenigen Stunden aus dem heissen Clima von Sitten über den Sanetsch, zu den kleinen Pflänzchen des kalten Nor. dens reisen können. Eben so wachsen auch am Fusse des Aetna reife Datteln; Aloe und Opuntia bedecken die Lava, und gegen der Spitze des Berges zu, kann man bey acht italiänische Meilen über den geftornen Schnee steigen. Roust seau konnte also von dem walliscrlande mit Recht sagen: daß eS scheine, als wenn die Natur daselbst ein Vergnügen daran fände, beständige Widersprüche hervorzubringen; Hitze und Kälte, Sommer und Winter gleichsam zu verbrüdern, Und die entgegengesetztesten Würkungen mit einander zu verbinden. Von den Mineralien dieses Landes kann ich Ihnen dicht viel sagen, indem wir uns eine allzukurze Zeit daselbst aufhielten als daß ich genug Gelegenheit sollte gehabt haben, diesen so wichtigen Gegenstand der Naturgeschichte gehörig iu untersuchen. Ueberdem hätten wir in die vielen Neben» ihälcr und auf die Berge von lVallis steigen müssen, wenn ü>ir dergleichen Untersuchungen hätten anstellen wollen. Unterdessen wäre es allerdings der Mühe werth, daß ein erfahrner Mincrakoge diese Berge bestiege, sowohl die Theo- G rie 98 rie der Erde als die Mineralgeschichte würden gewiß sehr viel dabey gewinnen- Nicht weit von Sitten bricht ein Alabaster, welcher den Bernerschen und Solothurnischen an Weisse und Schönheit übertritt, und oft zu Gebäuden gebraucht wird. Auch an andern Orten des walliserlandcs ist dergleichen zu finden. Zwischen Sitten und Giders streicht ein ganzes Gipsgebürgc, welches mehr oder minder sich dem Alabaster naht, und an der Hauplstrasse nach Sidcrs geht ein schöner Alabaster mit rothen Adern zu Tage aus. Von den Rri- stallen, die zu Vispach sollen gefunden werden, wollte Niemand etwas wissen. Wohl aber wohnet daselbst eine Frau Sommermatter, welche vor einigen Jahren mehr als fünftausend Pfund Rriftallen besaß die aus dem Berge Heg- dron, obenhcr Naters gegraben worden seyn sollen. Auch sollen sich prächtige Kabincrstücke, Zinken von sieben ja gar bis vierzehn Centner und andre mit fremden Theilen angefüllte Rriftallen in dieser Sammlung befinden. Wir konnten aber das Vergnügen nicht haben, dieselben zu besehen. Auf dem Berge Visper - Tcrminee sechs Stuüden von Vtspach, wird eine Art von Lavczzi oder Topfstcin ansge- graben, und gleich auf dem Orte zu Oefen verarbeitet, welche, wenn sie nur gut geheizt werden, die Hitze sehr lang behalten 99 halten- Dieser Stein wird von den Einwohnern Gildstein j »der Güldstein genennl. Er ist ein wahrer Tovfstein, der I Mit dem von Clären ziemlich gut übereinkömmt, ausser daß er gröber und etwas unreiner ist. Im größten Theile des lvalliserlandes trift man keine andere Oeftn an. Dieftrrr- ^ gen, welche in dem obern wallis gewöhnlich sind, und oft I nach dem Haßlelaiid verführt werden, sind aus der erstge» ! meldten Steinart gemacht; die von Sitten aber und auS ^ ^ dem untern wallis brauchen dazu einen andern Stein, der 1i!k mit Quarz und Glimmer vermischt ist. Der Giltstein von ^ ! Lex und Aehlcn soll wieder von einer andern Art seyn, wel. ^ chc ich aber hier nicht untersuchen kann, indem ich aller orten "" nur ganze nun glatte und schwarze Oeftn sah, deren Stein» art also in ihrem Bruche nicht kann untersucht werden- g- ^ Das Bleybergwerk, das sich im Letschthal befindet, ^ wird noch immer, aber ziemlich nachlässig betrieben. Die Familie Bürgener hat ein Goldbergwerk, neun Stunden ^ von Brig auf Zwischbergen, hinter dem Dorfe Simpelen Segen die Gränzen von Italien, in der Nachbarschaft deS Gylvius, der auch die Rose und der Augsteler-Berg ge, ^ kennt wird. Die Gangart des Goldes ist spatig quarzig, >e- Mit Kieß emgesvrengt und zeigt von aussen gar keine Spm» ^ ven von dem Golde, welches durch Amalgamirung zu neun» tehen bis zwanzig Karathcn herausgebracht wird. Ucber» G » Haupt > loo Haupt find die Bergwerke der Wallistr, die in grosser Zahl mit überwiegendem Nutzen eröfnct werden könnten, vor zwey Jahrhunderten mit grösserem Flcisse betrieben worden, als jetzt, wo nur drey derselben im Gange sind, nemlich die ebenangeführten und die Eiscngrubeim Gomser »Zehenden. vm. Bern den 7. Aug. 177 '- 2ch hohle noch einige Bemerkungen über wallt» nach: Da das ganze Land auf der mittäglichen und mitter» nächtliche» Seite durch sehr hohe Berge eingeschlossen ist, so sind die vorzüglichsten Winde daselbst der Westwind und Ostwind, zuweilen blaßt auch der Südwind oder Fön, und weil dieser aus den mittäglichen Gegenden Italiens kömmt, so ist er meistens warm, aber auch sehr oft ungcstümm. Wen» aber die hohen Wände der Furka die östlichen kühlen Winde abhalten; so entsteht jene erstaunliche Hitze, welche wir zu Sitten empfinden mußten, und die wahrscheinlicher Weise einen so starken Einfluß auf das Gehirn und die Lebensgeister der Menschen hat, daß die derselben oft und lang ausgesetzte walltser dadurch fast ihres Verstands beraubt, und höch-- stens VI0l stens elend gemacht werden. Sie errinnern sich, daß ich ihnen von dergleichen erbarmungswürdigen Geschöpfen gesprochen, als ich von Nartinach redte. Man hat mich seither versichert, daß die Krankheit bey drcstn Elenden oft zu einem so hohen Grad komme, daß sie fast alle Fühlbarkeit verlieren. Man nennt sie Lretins. Sie machen aber kein besonderes Geschlecht von Menschen aus, wie einige geglaubt haben. Auch würden sie sich wegen ihrer schwächlichen und elenden Körper kaum fortpflanzen können. Sie wissen, daß man gemeiniglich den guten Wallisern vorwirft, als wenn sie diesen Cretiiis eine sonderbare Ehre erwiesen, sie gleichsam für die Schutzgöttcr ihrer Familien ansähen, und den Himmel auf eine sonderbare Weise beleidiget zu haben glaubten, wenn er ihnen keinen Crctin in 'Heer Verwandtschaft geschenkt habe. Ader daß die wallt» 1er dieses Aberglaubens mit Unrecht beschuldiget werden, hat schon Gimmler bewiesen, indem er sagt: der erste Glück- l Wunsch, den die Hebammen den Müttern bey der Geburt Ihrer Kinder zum Trost und Erqnickung sagen, sey, daß sie He versichern, das Kind sey gesund gebohrcn, und habe nichts don der Natur der Cretins an sich. Wir selbst haben aller, ^rten, wo wir Cretins antrafen, beobachtet, daß ihre Lands» , leute mit grosser Geduld und Sorgfalt mit ihnen umgehen, "bd daß eö allein christliche Barmherzigkeit sey, die sie bewege» wege, ihren elenden und 'unbehülflichen Verwandten beyzu» stehen. Was die Kröpfe anbelangt/ so ist gewiß/ daß der größte Theil der Walliser, einmal die in den untern Thälern, welche uns zu Gesicht kamen/ mir diesem Uebel behaftet sind. Das wallistrland ist aber nicht das einzige/ indem wir so viele Beyspiele haben, daß ganze Thäler und Dörfer damit heimgesucht sind. Man sagt von den Bewohnern des Mont- Lems und der Nachbarschaft desselben das gleiche, was matt von den Wallisern sagt; daß sie nämlich noch im Zweifel stehen ob der Kröpf ein Mangel oder eine Zierde des Menschen sey? auch die Indianer am Fuße des hohen Lordil- leras tragen eine solche Bürde am Halse nach, und glauben dieselben den kaleen Wassern ihrer Berge zuschreiben jN müssen. Nun genug für diesmal von dem wallis. — komme also auf unsere Reise'zurück, welche von Gt. MorÜ nach Bex durch angenehmes, fruchtbares und ebenes Land gieng, auf welchem eine Menge Nußbäume gepflanzt sind- Oberhalb Bex ist ein grosser Kastanienwald. Sie werden nicht von mir begehren, daß ich Ihnen die merkwürdigen Salzwcrke allhier beschreibe; Sie kennen das Werk des He^ ren von Haller über diesen Gegenstand; Sie wissen, was Scheuch' Scheuchzer, Andreä und andere davon geschrieben haben, und dieß wird ihnen genügen. Neben dem sehr grossen und schönen Dorfe Bex befln» den sich mitten auf den Wiesen neun Schwefelquellen nahe bey einander, welche erst vor vier odsr fünf Jahren entdeckt worden. Mitten unter denselben ist eine füssc Quelle, die gar nichts Schwefclartigcs enthält: das Wasser der andern aber riecht nach Schwcfellcbcr und soll nachher Untersuchung eines meiner Freunde, eine talkartige Erde, etwas glaube» rifchcn und gemeinen Salzes, sehr fein ausgelöste Eisen, Iheilchen, und eine sehr flüchtige Schwefelsäure enthalten. Man sagte mir hier, dieses Wasser sey schon von verschiede, ! ncn Personen in chronischen Krankheiten, Verstopfungen der Eingeweide re- mit gutem Nutzen gebraucht worden. Nicht weit von Röche ist eine Marmorschleife, wo, rinnen der prächtige Marmor, der hier ganze jGebürge aus, macht, verarbeitet wird, und von welchem man auch kleine Täfelchen für Kabinette haben kann. Von Vtvts nahm ich, nachdem meine übrige Reist, Kscllschaft nach Lausanne verreist war, meinen Weg durch ro4 ' durch den Kanton Freyburg, in welchem ich meistens Sandsteine, sehr oft aber auch grosse Massen von Nagelsiuch hin und wieder angetroffen habe. Und so kam ich endlich den vierten August wieder nach Bern zurück. Bruchstücke einer Reise durch das Bißthum Basel und die Gebürge von Neufchatel. Im August 178z. V I Der Verfasser dieser Reise-Fragmente ist Herr Rar! Victor vsn Donstetten, tandvogt zu Nyon, dem wir auch die interessanten Briefe über ein Schweizersches Hirtcnland danken. Diese Reise selbst erschien zuerst im Helvetischen Calender 1786 und dann in den Schriften deS Verfassers, die Matthison herausgab. c e d si c g >1 0 l! >1 h Bruchstücke einer Reise durch das Bißthum Basel und die Gebürge von Neufchatel. -^Vcnn man die Gcbürge des Jura von der Ebene zwischen Genf und Bafel betrachtet, so scheint er einer blauen oder schwarzen Mauer ähnlich; bestehet man ihn aber von der französischen Seite, so glaubt man bloß eine Reihe von Hügeln zu erblicken, die fast alle mit Waldungen bedeckt sind: Dagegen liegt denn, das flache Land jenseits des Jura erhöhter als das von der Schweizerseite. Auch würde ein Reisender, der denselben nur von der Ebene ansieht, sich gewiß nicht vorstellen können, daß solcher verschiedene Nationen, in viele Thälern zerstreut, in sich fasse, und ordentlich eine kleine Welt ausmache. Dieses mächtige Gebürgt wird eine Basis von zwey bis vier Stunden, im Umkreise haben. Seine grossen Thäler ziehen sich, gleich ihm, von Süden lo8 Süden nach Norden. Seine Seitcugcbürge sind sehr niedrig. Das Münstcrthal ausgenommen, sieht man wenig Felsen an der ganzen Kette desselben; fast überall ist er mit Triften bedeckt, auf welche» im Sommer zahlreiche Hecrbcn weiden- Seine Gipfel sind abgerundet und bis auf die oberste Höhe fruchtbar; die von den Alpen hingegen spitzig, steil und kahl. Hingegen ist er weniger wasserreich, als diese letztem, welche in ihren Gletschern, und in den Kewölken, die sie theils zurückhalten, theils anziehen, für unsern ganzen Wcltthcil di< unerschöpflichen Schätze dieses höchst kostbaren Elements aufbewahren. Von BielZ führt ein sehr schöner Weg durch mancherley Krümmungen aufwärts, zwischen seiner Kette von ziem- lich breiten Bergen hindurch. Die Absätze derselben sind mit Waldungen bedeckt- Die Thäler find ungemem frucht- , bar an Korn, Gerste und Haber; das dortige Gras hingegen ist nicht so zart und dicht, wie das auf den Alpen. Rüchenet, pris und Hütte sind drey kleine Dörfgen, wo man schon mehr Wohlstand bemerkt als in der Ebene. Zu Sonceboz gelangt man an kas nördliche Ende des St. Immevthals- Die benachbarten Nenenburgcr - Gebürge sind, wenn ich mich so ausdrücken darf, so viele Brennpunkte von Fleiß und Arbeitsamkeit, deren fruchtbare Wärme sehr weit verspürt wird. Es ist überaus merkwürdig, wie man von von der Armuth des Dellsperger, Thals stuffenweise bis zu oem Reichthum von la Lhaup de Fonds und Locle hinaufsteigt. In einer Weile von vierzehn bis fünfzehn Stunden durchläuft man alle Grade die es zwischen einer Armuth ohne Elend und derjenigen Art von Wohlstände giebt, wo der Reichthum noch das Glück der Menschen ausmachen kann. Ueberfchrcitet man diese zwo Gränzen, so findet man entweder ein unerträgliches Elend, oder Reich, thun, ohne Glück. Hicrinncn giebt es keine andere Ausnahme, als in der Gegend von Bellelai, wo 46 Mönche, mitten in einem sehr dürftigen Lande, wie Fürsten leben. Nahe bey Soncebo; endet sich, wie gesagt, das lange Gt. Immerthal, daselbst wandelt man über einen kleinen Ncbcnbcrg. Nach einer Viertelstunde Stcigends gehl es etliche Minuten abwärts, wo ein ;o bis 40 Schuhe hoher, Und ungefähr -o Schuhe dicker Fels den Weg versperrt. Durch denselben nun ist der berühmte Paß von Pierre,pertuis gebrochen, an welchem man lernen kann, wie schwer es sey, einen grossen Ruf in die Länge zu erhalten. Nichts mehr als das? war alles, was wir bey dessen Anblick ausriefen. Wirklich habe ich Beschreibungen dieser Gegenden gesehen, worinn die Nachricht von unserm Felstnthor neunzehn zwaiu. iigtheile des ganzen einnimmt. Da indessen die Bauart desselben nichts weniger als regelmä,stg ist, so glaube ich mit Grund no Grund, daß die Natur selber dieses freylich sonderbare Werk entworfen, die Römer hingegen es nur vollendet haben. Durch dasselbe erblickt man, wie durch ein Seherohr, das Münsterthal; und bis dahin geht es nur eine Viertelstunde abwärts, wo man denn unweit der Strasse, nächst bey einer Mühle, die Sirs in Gestalt eines Bächgens aus der Spalte eines Felsen entspringen siehi. Diese ist eine der schönsten Quellen in der Schweiz; sie hat einige Aehnlichkeit mit der von Vaüorbc. Bey dem ersten Anblicke des Münsterthals glaubt man wieder das von St. Immer zu sehen, welches man so eben verlassen hatte. Man erblickt nämlich in den niedern Gegenden viele Waitzenfelder; und, so wie man höher steigt, auch Korn, Gerste und Hafer. Die meisten Thäler des Jura liegen horizontal, und ziehen sich nicht, wie die in den Alpen, indem sie sich erheben, nach gemeinsamen Mittelpunkten. Sobald man von Pierre-pertuis herunterkömmt, tritt man in das Dorf Tavannes. Die Einwohner sind wie überhaupt in diesen Thälern gut und höflich, und ihre Häuser reinlich, obgleich von zehn derselben neune keine Schornsteine haben. Die Küche ist nämlich gewölbt, und der Feuerherd in der Mitte angebracht. Der Ofen wird ebenfalls dort eingeheitzt, wo sich also der Rauch von dem ganzen Hause vereinigt, und sich von dadurch die Scheune herauszieht, l , > rir lieht, an welche die Küche angebaut ist. Nächst an deiftr letz. tcren verwahrt man gewöhnlich diejenige Frucht, welche zum Säen bestimmt ist, um sie recht tüchtig durchzuräuchern. Mit allem dem hat man noch kein Beyspiel, daß durch eine so seltsame Bauart die Einwohner in Feuersgefahr gerathen waren; und selbst von dem Rauch hat man nur wenig Un- ^ bequcmlichkcit. Beym Eintritt in jede Wohnung ist ein , durchgehender Hausgang, der aber zugleich mit der Scheune welche allzeit den Vordertheil einnimmt, dann in dem Hinter» theil mit den Wohngemachern auf der einen und mit den Ställen auf der andern Seite, Gemeinschaft hat. Dieser Hansgang dienet zugleich zum Sprachzimmer und ist der Ort im Hause, welcher am meisten bewohnt, aber nicht sei» ten auch von dem Viehe besucht wird- Man steht sogleich, daß der protestantische Theil des Bisthnms wohlhabender ist als der katolische, dieses kömmt vielleicht nur von seiner grösser» Entfernung von la Chaux de Fond her. Von Pierre - pertuts an ist man aufReichS- boden, und zum größten Nachtheile dcS Landes werden die Rechtshändel nicht selten nach Wctzlar gezogen- Des folgenden Tags reisten wir weiters nach Lellelay. Auf dem ganzen Wege trift man das einzelne elende Dörfgen Rüstete an. Zu bemerken ist, daß in dem ganzen Bißthum hie / I 12 die Häuser nicht so zerstreut find, wie in deu Alpen, oder indem deutschen Theile der Schweitz. Die in ein Dorf zusammengebaute Wohnungen sind dem Ackerbau hinderlich, hingegen dem Knnstflcisse desto angemessener. Dieser zu allen Zeiten bemerkte Unterschied zwischen den französischen und deutschen Dörfern, läßt er nicht schließen: daß die Einwohner der letzter» Abkömmlinge eines Hirtenvolks seyen, welches sich haushaltungswcise hie und da niedergelassen; die französischen Schweitzcr hingegen von einem Volk abstammen, das sich schon in ältern Tagen in Dörfern zusinn- mengethan, dem Feldbau gewiedmct, und also auch frühere Fortschritte gemacht hat? Von Tavannes nach Bellelay geht es fast immer aufwärts; Man sieht da nur wenig Gersten und Hafer; einige Waiden mit Gesträuche übersäet, und hie und da ein Tannenholz. Das Kloster Bellelay, welches fast auf der Spitze des Jura liegt, ist von grossen Matten und einigen mit Tannen bedeckten Hügeln umgeben. Dieses Ländchen macht, so zu sagen das fünfte Stockwerk des Jura aus. Denn schon von Viel steigt man bis in das erste Bergthal hinauf; von ba immer höher bis nach Sonceboz ; von Sonceboz weiter we un Be ein licl ein keil die sin> th, ! zin ! de der che - »er wa Hr der D?> S« , Dl lvü t»rk HZ weiter nach Tavannes; von Tavannes nach Rüffelte; und endlich von dort herauf bis zu der «grossen Wiese zu Lellelay. Das Kloster ist an den Fuß eines waldigten Hügels, in eine kleine Vertiefung, die sich am Ende einer ausserordent» lich grossen Matte befindet, gebaut. Nachdem man lange rinöde Gegenden durchgewandert, und von einer Einsamkeit in die andre gekommen ist, erblickt man auf einmal die Thürme. Alle Güter auf einige Stunden fm Umkreise sind Domaincn der Abtey. So zu reden das ganze Bis. thum ist ihr theils zehndbar (wie das Münstcrthal) theils zinsbar für dargeliehenes Geld. Wir assen mit dem Abt de Luce zu Mittag. Er hat nicht nur Geist, sondern or. deutlich auch den Witz eines Weltmannes. Um seinen Mönchen genugsam Beschäftigung zu verschaffen, hat er in seinem Kloster ein nützliches Scminarium errichtet. Ehemals war kein lesbares Buch im ganzen Stifte; unter ihm kamen Hume und Büffon in diese Einöde, und gesellten sich zu den Legenden; und schon widmen sich verschiedene seiner Mönche den Wissenschaften. Er sagte mir: er hoffe, daS Seminarium werde den letzkern so nützlich werden als ihren Dchülern, weil sie selbst dadurch zum Studieren angehalten würden. Fünfzig Knaben von ; bisJahren lernen da debst deutsch und französisch, auch latein, die Anfangs-. H Gründe Gründe der Mathematik, etwas Philosophie, Historie und Geographie. Besonders erhalten >'ste sehr vernünftige Grundsätze ihrer Religion. Ueberdicß haben sie Meister im Fechten, Zeichnen und der Musik. Dessen ungeachtet ist die Pension sehr mäsiig, und kömmt monatlich nicht über ;o Franken. Uebcrhaupt haben die öffentlichen Erziehungsanstalten den gedoppelten Vortheil über die häusliche Erziehung: Man lernt da ungeachtet der Zerstreuung, welche stete Gesellschaft verursacht, dennoch wenigst arbeiten, und es wird mehr nacheifernde Lcrnbegierde eingeflößt, als in den Häusern. So haben z. V> unsre jungen Seminaristen zu Lellelay 'unter sich eine eigne Akademie errichtet- Auf das Jahr V8; wurden drey Preise ausgegeben: Für die Ausarbeitung der besten Fabel; für die Lobschrift auf einen alten Wcltweiscn, und für eine Rede über den Frieden zu Versailles. Dieses wissenschaftliche Kinderspiel ermangelte nicht die Anstrengung aller ihrer Scelenkräftc zu bewirken. Neben dem scheint es, trägt man die größte Sorgfalt, ihnen gute Sitten beyzubringen. Sie sind in drey 'grosse Säle, sechszrhn in einen, vertheilt. Jeder hat seine eigene Zelle oder hölzernes Zimmerchen, in welchem sein Bett, ein Stuhl und ein Tisch stehen. Es ist ihnen verboten, einander in den Zellen zu besuchen, und der Oberaufseher jedes Sals hört alle Gespräche, die sie durch ihre Bretterwände führen können- Sie tragen ihre Uniform , und der Tanzmeister nimmt H5 nimmt mit ihnen zugleich militärische Uebungen vor. Bey ihrem Unterrichte bedient man sich der besten Autoren, Die Tafel ist gut, einfach und hauptfächlich ungemcin reinlich bestellt. Zwey Schüler sind wechselweise bestellt/ gegen die Fremden und den Abt die Honneurs zumachen; und dieser Vorzug trägt vieles dazu bey/ sie höflich und aufmcrk. sam zu erhalten. Man sieht darauf / daß allezeit ein Deutscher neben einen Franzosen zu sitzen komme / damit sie sich Wechselweise zu Sprachmeistern dienen. Wenn ich nachdenke wie vieles man jungen Leute durch eine vereinfachte Methode beybringen könncc/ wenn man sie insonderheit mit den Sachen früher als mit den Worten bekannt machte, so finde ich, daß wir, im achtzehnten Jahrhunderts noch halbe Barbaren sind; dennoch zweifle ich keineswegs, daß nicht eine Zeit kömmt, wo man die Kinder nach einer Weise unterrichtet, die sie, in Absicht auf wahrhaft brauchbare Kennt Nisse, schon im Jünglingsalter den Gelehrten unsrer Zeiten gleich machen wird. Alsdann wird ihr Genie von dem schon so hohen Punkte weiter hervordringen, und Wahrheiten entdecken, die heut zu Tage noch den menschlichen Verstand iu übersteigen scheinen. Die Kirche zu Bellelay ist vom Jahr 17 >4 und so wie das Kloster recht gut gebaut- Die Einkünfte der Herren zu Bellelay betreffend, versicherte "lan mich, dieselben belaufen sich jährlich auf roo,000 LivreS. dluch ist das Gotteshaus, nach Klosterart, sehr mildreich, H s > und I und theilt manchmal monatlich über Sooo. kleine Brode un, ; > ter die Armen aus. Allein diese Art von Almosen, anstatt ! die Leute zu Fleiß und Arbeitsamkeit aufzumuntern, und ihrer Dürftigkeit abzuhelfen, unterhält sie vielmehr in Armuth und Müfsigang- Bellelay in der gleichen Lage und überhaupt unter den nämlichen physischen Umständen wie la Chaux dc Fond und Locle, ist mit einer weiten Wildniß umgeben, und von Bettlern bewohnt; da hingegen in letztgenannten Gegenden sich Bevölkerung, Reichthum, Freyheit und Glück in einem Grade vereinigen, welcher vielleicht auf dem ganzen Erdboden sonst nirgends gefunden wird. Ich bin überzeugt, daß diese grosse Wahrheiten dem Abt de Luce nicht entgehen, und daß er mit der Zeit die Anwendung der Almosen seines Klosters eben so wohl zu verbessern suchen werde, wie er bereits den Müsiiggang seiner Mönche in nützliche Thätigkeit zu verwandeln gewußt hat. Von Bellelay nach pruntrut führt eine ziemlich gute Strasse von 6 bis 7 Stunden. Nach einer kleinen halben Stunde steigcndS gelangt man auf die Spitze des Jura. Hier sieht man nichts als Waiden ohne Wasser, und Tannen- gehölze- Im herunterwandern kömmt man durch die Dörfer Socay, Glovillier undBecour; hernach zieht sich der We- Weg durch eine Bergkette, wo da- Aug öfter- das grosse und fruchtbare Dellspergerthal in der Tiefe zu sehen be. kömmt. Nach und nach erhebt man sich auf eine zweyte Höhe, von welcher man auf der französischen Seite gegen Pruntrut heruntersteigt, und der Weg wieder durch ver, fchiedene Bergbusen führt. In einem derselben sieht man die Rudera des alten Schlosses Azüel, nächst welchem ebenfalls ein Dörfchen liegt. Auf einmal und ganz unversehens befindet man sich aussert dem Jura in einer weiten Ebene, die an das Elsaß gränzt. Einige Stunden weiter von da, am Fuß eines nicht gar hohen Schlosses, zeige sich die Stadt pruntrut in einem sehr vortheilhaften Gesichtspunkt. DaS ganze Land, obgleich es in einer unermeßlichen Ebene liegt, ist dennoch sehr hoch. Man sieht hier ungeheure Hafer, und Roggenfelder; hingegen wenig Wiesen. Das Erdreich scheint fruchtbar zu seyn, und ist nicht so steinigt wie jenseits des Jura auf der Alpcnseite. Pruntrut ist wirklich ein recht wohl gebauter und gut bcpflastetcr Ort; die Häuser sind von einer Art grauen Kalk, steins gebaut; dessen ungeachtet hat die Stadt in der Nahe sehr ödes Ansehn. Auch zählt man darin» nicht über tos Einwohner. Die umliegende Gegend scheint sehr vernachlässigt. In der Nähe befindet sich ein grosser mit Bäu, *ren umgebener Teich, welcher, anstatt der Residenz zur Zierde r»t I nZ' zu gereichen, nur eine stinkende Lache ist; und um die ganze Stadt herum ist keine Schenke noch andrer Lustplatz für das Volk. Es ist zwar ein Buchhändler hier, dcr aber nichts als Ordonanzen und Gebetbücher verkauft- pruntrul hat sechs grosse Jahrmärkte, welche aber alle viel weniger besucht werden, als da ihrer nur zwey waren. Der Viehhandel ist beträchtlich, und von hier zieht Genf seine meiste Fleischprovision. Von Manufakturen weiß man so wenig als von Kunstarbeit; hingegen findet man drey Klöster, das der Jesuiten, lobscligcr Gedächtniß, nicht mitgezählt. Der Fürst hat 48 Mann in Besatzung, die nebst der Bürgerwache zusammen ein Regiment von 80 Mann ausmacht. Die Soldaten sind gut gekleidet, fühlen aber auch ganz ihre glückliche Entbehrlichkeit. Wir fanden die Schildwache am Schloß der Länge nach auf eine Bank ausgestreckt. Das Schloß ist sehr schön gelegen, und die Aussicht davon ungcmcin angenehm. Man sieht da über das Dorf Cordedon und eine grosse Ebene, die das Aug bis zum Jura leitet. Derselbe scheint von dieser Seite nur einer langen Reihe von mit Tannengehölze bedeckten Hügeln ähnlich. Hinter diesem sieht man noch zwey gleichlaufende, aber weit erhabnere und ebenfalls ganz mit Tannen bewachsene Berge. Gegenwärtig ist man gcsinnct, das alte Schloß herunter zu reissen, weil es dem Hof ein übles Ansehen giebt. Hinter dem Schlosse welches der Fürst bewohnt, ist ein trauriger Ga» Kit hat Ha Au zen M Un in Ad be» M z»> M im un 1-n Ti sei by ft de ten ten, der keine andere Aussicht als auf Hayden und Gesträuche hat. Übrigens sollten, meines Trachtens, alle Fürsten die Hayden, welche in ihren Ländern sind, eben so zur einzigen Aussicht vor ihren Augen liegen haben. ! ! Zu pruntrut, das nur zwey Stunden von den Grän. zen der Franche- Comtä, des Elsasses und der Grafschaft Nömpelgard entfernt ist, zeigt sich schon etwas von der Unsaiiberlichkeil der französischen Gasthöft. Die Gesellschaft in dcv Residenz ist nichts minder alS munter. Der wenige Adel, der sich da befindet, lebt, um recht Langeweile zu ha« ben, ganz abgesondert von den übrige« Einwohnern. Von pruntrut nach Gellsperg sind sechs Stunden. Man kehrt wieder bis auf den halben Weg nach Bellelax zurück. Die Strasse ist schön und angenehm, aber einsam. Man sieht weder Hütten noch Häuser. Vor 1752 konnte Man kaum zu Pferde durch die dort befindlichen Wälder und Abgründe kommen. Jtzt schlangelt sich der Weg über lauter Anhöben fort- Um indessen über einige von jenen Tiefen zu gelangen, mußten wir oft eine schöne Strecke un. ftrs Wegs zurückweisen. Wenn man endlich aus diesem Labyrinth von Bergen herauskömmt, sieht man das grosse und fruchtbare Dellspergerthal- Am Fuß des Gcbürges liegt bas DorfDivillier (Tctrvyl) und bald daraufkömmt man «ach nach Dellsperg, einem wohlgebauten Flecken von 200 bis r;o Einwohnern. Das Schloß ist wohl gebaut, und schöner als das zu pruntrut; aber die Gärrcn find ebenfalls in schlechtem Stande und ganz vernachlässigt- Ich habe schon viele hübsch gelegene Klostrrgebäude gesehen, aber noch niemals bey den Geistlichen den Geschmack für die schöne Natur gefunden, der die Werke der Thcocrite, Gcßncr, und einige englische Garten hervorgebracht hat. *) VonDellsperg nach Lorrandelin (Rennendorf) geht es durch die Ebene. Lorrandelin ist das erste Dorf im Münsterthal, und liegt am Eingänge dieses sonderbaren Passes, der durch Felsen fort längs dem Fluß in das einsame Thal Moutiers führet, aus welchem man ebenfalls nicht änderst als über eine ähnliche zwischen Felsen fortgehende Strasse wieder herauskommen kann. Hiebey ist sonderbar, daß dieser Weg der sich durch die gedachten Abgründe fort- schlängelt, eben ist, und mit der ganzen Fläche, des grossen Thals nämlich, einerley Höhe hat. Nicht *) Der Schöpfer von ArleSbeim, Freyherr von Ligeriz verdient dock wohl in dieser Rücksicht unter den Geistlichen eine Ausnahme! Nicht weit von Corrandeltn trift man Mühlen, und einige kleine sehr mahlerische Wasserfalle an, welche die Birse macht. Dieser Weg der in die Tiefe von Moutiers füh, ret, wäre eine vortrcfliche ,Schule für einen Landschaftmahler. Man sieht daselbst ungeheure mit Tannen bewachsene Felsenmasscn, die in den Wolken zu schweben scheinen. Die Strasse und der Fluß nehmen den ganzen Raum dieses engen Passes ein- Man zeigte uns eine unerstcigliche Grotte, wo wir noch die Uebcrbleibscl einer Hütte gewahr wurden. Die Reiscbeschreibcr zerbrechen sich über diese Rudera schon lange den Kopf. Einige sagen, es sey an dem Hintern Theile des Berges eine enge Ocfnung wodurch man in die, i se Grotte gelangen könne; die Einwohner hingegen behaup- ! ten, es habe ehedem eine Emsiedeley da gestanden. Nach ei- ^ ner oder zwo Stunden herumirrens durch diese ungeheuren j und bis auf den Grund gespaltenen Felsen gelangt man in ^ das Thal Moutiers, das zwischen denselben eingeschlossen : liegt. Dieses Landchen, das abgesondertste und einsamste, ^ das man sich denken kann, hat kaum eine halbe Stunde im l ^ Durchmesser, und man kann, wie gesagt, durch keinen andern Weg wieder aus demselben gelangen, als durch einen, der dem ganz ähnlich, durch welchen man hereingekommen ist. Man erblickt hier abgesondert stehende verticale Felsenlagen, welche kaum zwey bis drey Schuhe dick, von einer erstaunlichen Höhe sind, und an nichts zu halten scheinen. Die Die Revolution, welche diese Felsen getrennt, oder vielmehr zerrissen hat, ist wahrscheinlich vor nicht sehr alter Zeit erfolgt. Man siehet da wenig heruntergcrollte Stücke, und gar keinen Abhang. Da eine grosse Menge dieser Felsen ausser dem Gleichgewicht zu hängen scheinen, und alle Augenblicke den Einsturz drohen, so ist es nicht wahrscheinlich, daß seit dieser Epoche schon viele Jahrhunderte verflossen seyn. Sobald man aus unsrer zweyten Bergenge kömmt, gelangt man wieder in die Ebene, d. h. in das grosse Thal; solches scheint von dieser Seite gegen den Felsen stärker bevölkert zu seyn, als gegen Corrandeltn. In einer kleinen Entfernung von einander kömmt man in die Dörfer Sor- vielliers, Bevillard und Mallerat. Dieses sind grosse Dörfer, deren steinerne Häuser ziemliche Bequemlichkeit und Wohlstand verrathen. Zu Mallerat zeigte man uns auf dem Platz, wo sich die Berner und Solorhurner mit den bischöflichen Truppen schlugen, noch viele Bogenpfeile. Auf unsrer ganzen Reise fanden wir keine reinlichere Herberge als hier; ich glaubte in einen der schönsten englischen Gast- Höfe versetzt zu seyn. Wir giengen nun den Weg nach dem St. Immerthal zurück. Da wir wieder zu Pierre-pertuis kamen, wurden wir völlig überzeugt, daß dieser Paß nichts weniger als ein Werk des Gewässers seyn könne, indem es in der Nähe he. rum weder Strom noch Bäche giebt. Sie kennen einen Theil des St- Immerthals, tvclchcs an seinen beyden Enden durch qucrliegende, nicht gar hohe Gebürge, von dem Nünsterthal und Lasirgne getrennt wird. Sonderbar ist, daß man in einer Strecke von vier bis fünf Stunden eine Menge Dörfer antrift die, je näher man den Thälern von Neufchatel kömmt, begüterter sind und in geringerer Entfernung von einander liegen. Diese Thäler sind der Sitz der Industrie die ihren Wirkungskreis je länger je weiter ausdehnt. Schon ausser Pierre-pertuis fängt man an Uhren und Spitze zu fabrizieren. Renan ist eines der schönsten Dörfer in der ganzen Schweiz. Hier verläßt man das St. Immerthal durch einen Weg, der sich einen ziemlich hohen Berg htnankrümmt. Es ist keine angenehmere Aussicht zu gedenken, als die man auf diesem Wege entdeckt. Zur rechten und linken Hand sieht man das ofterwähnte fruchtbare St. Immer, that mit seinen zahlreichen Dörfern. Bald ist man auf dem Gipfel des Berges. Hier trift man auf eine große Ebene, wo kleine Tannenwälder schöne und weitläufige Wiesen unterbrechen. Ueberall findet man geräumige steinerne «er«« Häuser, in welchen verschiedene Haushaltungen wohnen. Je weiter man vorrückt, je mehr gewinnt der Berg und seine Bewohner ein städtisches Aussehen; man glaubt ^ beynahe zu Genf in 6t. Gervais zu seyn. Nach Vcrfluß einer kleinen Stunde sieht man das Thal la Chaux de Fond ^ zu seinen Füßen. Dieses Ländchcn ist vielleicht das höchst- l gelegene unter allen bevölkerten Gegenden Europens. Wenn , man schon auf einem Gipfel des Jura steht, so steigt man ! doch nur wenig abwärts, um nach la Chaux de Fond zu i kommen. Dieses Thal besteht aus einer Wiese von einigen Stunden im Umfange, welche rings herum von Hügeln, mit Tannen bewachsen, umgeben ist. Diese Wiese, in der beynahe keine Fruchtbäume stehen, ist nichts anders als ein , langes Dorf, dessen Häuser immer näher und näher «nein, ander stossen, bis sie sich endlich zu einer ordentlichen Stadt, die la Chaux de Fond heißt, vereinigen. Die gar kalten und die sehr heißen Climatc scheinen von der Natur bestimmt zu seyn, Künste undZJndustrie zu befördern. In den letzter« verringert nemlich die ausscrordentliche Fruchtbarkeit des Erdbodens die Anzahl der Ackerslente, welche daher im Verhältniß mit derjenigen der Handwerker dort sehr klein ist; und wenn ein Schweizer zwey andere mit seiner Arbeit ernähren kann, so ist die gleiche Arbeit in Italien hinreichend, ihrer Zehne zu, erhalten. Hier werde» nur wenige Hände erfordert, die nöthigsten Lebens, Mittel Mittel, in Menge zu verschaffen und eine grosse Anzahl Kunsthände zu ernähren. In den warmen Gegenden wird die Industrie durch die Hitze erstickt; und wenn die Gesetze dort nicht eine wunderbare Stärke haben, so setzt sich der Despotismus sogleich fest. In den nördlichen Himmelsstri» chen verschaft ein sieben bis acht monatlicher Winter eine für , die Künste sehr vortheilhaftc Muffe; und dieses ist der Fall ? in den Gebürgen von Neufchatel. Zu la Chaux deFond, ^ Locle, und la Sagne sind kaum drey Monate ohne Schnee. Leichte Arbeit im Sommer, und ein acht bis neun Monate dauernder Winter, verschaffen eine Muffe, welche die Bewohner der flachen Länder niemals haben. Allein die Erfindung der Künste setzt einen gewissen Wohlstand zum voraus, welchen die nördlichern Climate sonst selten verschaffen. Um seine Zeit dem Nachdenken widmen zu können, muß man sich schon nicht mehr um die Erwerbung der unentbehrlichsten Bedürfnisse zu bemühen haben. Die Freyheit, die grosse Fruchtbarkeit dieser Thäler, und eben die lange dauernde Müsse, welche ihnen ihr Clima gewähret, sehte die Einwohner nach und nach in den Stand, sich der Industrie zu widmen, durch die sie sich so ungcmein bereichert haben. Ein anderer Grund zur Beförderung dieser Industrie ist, daß dieses kleine Land das einzige in der Schweiz ist, wo alle Fremde gegen Erstattung eines Jnsasscnrechts von sechs L>'v. aufgenommen werden. Ein Bürger zu la Chaux de Fond l»e- ir6 bemerkte mein Erstaune», glaubte, ich mißbilligte diese Freyheit und sagte deswegen zu mir: »Zahlen denn die Fremden nicht genug wenn sie das Land bereichern helfen«? »Allerdings« erwiederte ich. »Aber nur die Einwohner eines solchen Landes sind fähig, diese grosse Wahrheit in ihrer ganzen Stärke zu fühlen Und endlich ist diese Gegend ebenfalls die einzige in der Schweitz, wo man alle Religionen duldet. Religiöse und bürgerliche Intoleranz zernichtet an verschiedenen andern i-Orten unaufhörlich wieder das, waö eine sanfte, billige und wohlthätige Regierung sonst Gutes wirkt. Das alles nun macht uns die Ursache dieses vielleicht in der Welt einzigen Phänomens begreiflich: Wie man Reichthümer und Künste in dem abgesondertsten Ländchen des Erdbodens vereinigt lantrist, welches nur die stärksten Bemühungen des menschlichen Fleisses zugänglich gemacht, und das sonst ein kaltes Clima zu einer ewigen Einsamkeit »»urtheilt zu haben scheint. Die Anzahl der Häuser in diesen Thälern wächst täglich an. Man baut sie drey bis^vicr Stockwerke hoch. Die große Miethe, die man davon bezahlen muß, ist ein Beweis, wie sehr sich die dortige außerordentliche Industrie vergrös- sere; und ich zweifle nicht, daß in fünfzig Jahren dieses ganze Land zu einem einzigen weitläufigen Flecken werde angewachsen seyn. Wir besuchten auch den berühmten Iac- Iacques Droz- An der großen Deutlichkeit/ womit er stricht/ und der Einfalt seiner Manieren, erkennt man den Mann von Genie. Er findet alles, was er gemacht, st einfältig, daß er uns behauptete, man müsse ein blos mittcl- mäffger Kopf seyn, um es st weit zu bringen. Zu feiner Arbeit bedient er sich einer Analyst, welche alle zusammengesetzte Bewegungen in einfache auflöst- Z. B. um seinen Schrcibmeistcr zu machen, löst er die Figur der Buchstaben in ihre Elemente auf. Seine irregulären Bewegungen sind ellyptisch, und werden durch die Veränderung der Axerr hervorgebracht. Ein großer Geist findet alles sehr. einfach, weil in der That die zusammengeknüpften Ideen ganz ein» ^ fach sind, wenn man sie bloß in ihrem Ursprünge betrach» tet. Diese Art, die Sachen einzusehen, hat etwas von der Gottheit. Droz ist sr Jahr alt. Seine Mutter wollte ihn der Theologie widmen; allein er empfand sogleich, dass, wenn er sich auf diejenigen Studien legen müßte, die man ihm vorschreiben wollte, er, nach seinem Ausdrucke, nichts als ein Dummköpfen verschiedenen Sprachen werden- könnte. Wie unwiderstrcchlich zeigt nicht dieses natürliche Gefühl des Genie's, welches unaufhörlich nach Aufklärung > strebt, die Abgeschmacktheit und Pedanterie unsrer gewöhnlichen Schulen und Akademien? Glücklicherweise war sei» Widerwille unüberwindlich. Er sah einige mathematische Bücher; und schon flog sein Geist zu derjenigen Stuffe des Ruhms 128 Ruhms empor, wozu ihn die Natur bestimmt hatte. Sein Sohn war in seinem ein und zwanzigsten Jahre schon so groß wie Er, und halte bereits seinen „Deßinateur" verfertigt. An diesem Beyspiele kann man mir Bewunderung die Wirkung der Erziehung und der Methode wahrnehmen, welche, zumal die mathematischen Kenntnisse, in einem ganzen Geschlechte fortpflanzt. Er erzählte uns von seiner Reise durch Spanien. Es war ein Glück für ihn, daß der verstorbene König wirklich Talente für die Mechanik besaß, und seine Arbeit sogleich begriff; sonst wäre Droz als ein Zau. derer verbrannt worden. Auf der Uhr, die er dem Könige gegeben, befand sich die Vorstellung einer Schäfcrcy. Wenn die Uhr schlagt, so nimmt der Schäfer seine Flöte, und fängt an eines seiner sechs Stücke zu blasen; und sein Hund geht zu ihm, ihm zu schmeicheln- Der König war ganz be- zaubert. Droz sagte zu ihm; „Sire, diese Artigkeit des «Hundes ist eines seiner kleinsten Verdienste! Euer Majestät »wagen es nur, einen Apfel aus dem Korbe zu nehmen, »der neben dem Schäfer steht, und Sie werden auch die »Treue des Thiers bewundern müssen/' Der Hund sprang nach seiner Hand, und bellte so stark, daß des Königs Hund anficng mit zu bellen, und der ganze Hof das Kreuz zu schla, gen, als wenn -er Teufel in diesem Uhrwerk verborgen läge. Der Minister des Seewesens hatte allein das Herz, nicht davon r» laufen. Der König befahl ihm, den kleinen Neger i-?9 ger zu fragen: Wie viel Uhr es sey? Der Minister fragte ihn; aber der Neger gab keine Antwort. Hierauf sagte Droz: Es komme daher, weil der Neger die spanische Spra, che noch nicht verstehe. Der Minister redete ihn französisch an; und der Neger antwortete. Nun hielt es jener auch nicht länger aus, lief aus dem Zimmer, und schrie: „ES ist der Teufel«! Nach diesem ist es sich nicht zu verwundern, wenn die Engländer zuweilen die spanische Flotte schlagen. Iaqueo Droz war im Begriffe, sein und seines Landes Glück zu machen, als der König starb. Er hatte bereits das Privilegium erhalten, Uhren in Spanien zu verkaufen; dadurch wären die Thäler von Neufchatel zu einer einzigen Stadt geworden. DaS Thal Locle ist nur eine kleine Strecke von la Chaux de Fond entfernt, und liegt ungefähr in gleicher Höhe. Das Dorf Locle sieht einer Stadt ähnlich, und wenig Städte haben das Aussehen eines so allgemeinen Wohlstandes. Das berühmte Mühlwerk daselbst ist in der ganzen Welt bekannt, und entspricht seinem Ruhme besser, als Pierre - pertuis. Es liegt an den Gränzen Frankreichs, von welchem es nur durch einen Felsen abgesondert ist, der 662 Fuß im Durchjlchnitte hat. Allein jenseits dieses Felsens liegen ungeheure Abgründe bis an das stäche Land, und an die Ufer des Doux: verschiedene Par- 3 tiku. likularen aus dem Locle haben es unternommen, den Fels zu durchbohren; und dieser vielleicht romantische Einfall ist eines so reichen und arbeitsamen Völkgcns würdig. Der Chevalier d'Arcon, der Erfinder der schwimmenden Batterien hat ihnen den Plan zu diesem Werke gegeben. Man glaubt, der Name Locle rühre von Tacv8 oder I-sculus her. Dieses Thal ist ein ganz mit kaltartigen Felsen eingeschlossenes Becken, aus welchem das Gewässer keinen andern Ansgang als durch das unterirrdische Mahlwerk hat- Ehedem hatte es noch andere Auswege, die steh aber heut zu Tage anfangen zu verstopfen, und die schönen Wiesen dieses Landes in Mrräste umzuschaffcn. Die Oefnung des Mühlwerks kann auch »ach und nach leicht beschlossen werden; alsdann würde dieses ganze Land zu einem See- Auch find wir auf den Felsen, der über dem Mühlwcrke ruhet, hinaufgeklettert; er ist von dieser Seite nicht viel höher als ein Kirchthurn; hingegen »ach Frankreich zu ist sein hoher Gipfel uuerstciglich. Eben diese» Felsen nun wollten einige Einwohner unternehmen zu durchbohren; hiedurch würden- fie die Existenz ihres Landes sicher stellen, die Luft gesünder machen, und allernächst an das Franche-Comte stosscn, von dem sie nun aus Mangel eines Weges in gerader Linie, so weit entfernt sind. Zu gewissen Zeiten liegt in Locle der Schnee bis dreysig Fuß hoch; dennoch lebt man* in diesem Lan- lZl sis ist er teer ekelet er ie-> ag rr- ch et, ts er ge m- er >n so er m Lande sehr aufgeräumt, und macht oft grosse Schlittenpartheyen. Eine Spitzmachcrinn verdient täglich von 6 bis o<-Sols, je nach ihrer Gcschicklichkcit; ein Taglöhner 14 Batzen- Bey Bern nur 9 bis höchstens n. Im ganzen Lande sieht man keinen Fruchtbaum. Ein Mannwerk Wie. scn gilt bis ;o Louisvor, welches nicht viel ist. Ein Prozeß dauert nicht länger als ein Jahr, wie in Preussen» Auch giebt es hier einige wohlversehcne Buchhändler. ' i Nach Ucbersteigung eines kleinen Berges kömmt man in das Thal la Sagne, welches von dem St. Immerthal durch einen qucrliegcnden Berg abgcsöndert ist. La Sagne ist ein wenig sumpfichter und minder bevölkert als Locle. Von hier nahmen wir unsern Rückweg über den Berg, der diese Thäler von dem Ncuburgersee scheidet. Die Hö, hen dieses Thals des Jura haben keine Waiden. Dieses kömmt daher, weil man in der Ebene selbst zu viel Futter und Düngung für die Weinberge braucht. Man muß; bis 6 Jaucharten mähen, um ein Klafter Heu zu bekommen. 3 » Als Als wir gegen Neufchatel herunterstiegen, war eine so unerträgliche Hitze, daß wir die reine und frische Lust der beglückten Thäler, die wir so eben verlassen, nur wieder etliche Minuten einiuathmen, theuer bezahlt hätten. Bemerkungen auf einer Reise durch die Kantone ^ .l Glarus und Appenzell. IM I. 178 r. Aus dem Tagebuch einer Gesellschaft junger Reisender/ welches im helvetischen Aalender (178Z) eingerückt ist, mit Hinweglas- sung bekannterer Dinge ausgezogen. Bemerkungen auf einer Reise durch die Kantone Glarus und Appenzeü. ^apperschweil zeichnet sich vorzüglich durch seine vor« tresiichc Lage und mancherley Schicksale, und das fürstliche Stift zu Schännis als das einzige seiner Art in der Schweltz aus- Dieses gefiel uns unter den vielen Anstalten der rcligi. ösen Alten vorzüglich. Sechs Damen des Stifts bringen nebst ein paar Exspeclantinnen unter der Aufsicht der fürsk lichen Vorsteherinn, ihre Jugend, und wenn es ihnen ge, fällt auch die alten Tage unter abwechselnden religiösen Ue, bungcn, in klösterlicher Einsamkeit, und mit allen den kleinen Freyheiten zu, welche nur immer mit jenen bestehen können- So find mehrere Liebenswürdige Personen im Schoosse der unverdorbenen kunstlosen Natur sicher aufge. hoben, bis ein glücklicher Hymen sie vom Chorgcsange zur häuslichen Gesellschaft zurückführt; eS wäre dcnni daß sie die IZ6 die fromme Anstalt liebegcwännen, und ihr ganzes Leben hier zuzubringen wünschten. Beydes ist gewöhnlich. Die ^ Regeln des Stifts erlauben mancherley Freyheiten in Be- ^ schästtgungen und Ergözungcn, vornehmlich aber den unschätzbaren Vortheil/ sich von Stund an vcrheurathcn zu dürfen- Wenige Morgenstunden sind der Andacht stn der bescheidenen, frohen Kirche geheiligt: da bilden die Damen unter Anführung des Caplans einen Chor: im harten Win, ter halten sie im Zimmer Gottesdienst. Ihren kirchlichen Ornat tragen sie selten; vielmehr schien uns die verschiedene Kleioertracht nach den Stnffen des Alters, eine kurze Geschichte der weiblichen Mode seit einem halben Jahrhundert zu seyn, und jede der Damen den Charakter des Zeitalters beybehalten zu haben, in welchem sie die Welt verließ. Die z ungezwungene Gefälligkeit, und die angenehme Plaudcrhaf- tigkeit, die an der Tafel herrschten, zeugten von der guten Lebensart, die sie in ihrer Jugend genossen: und ihre Bekanntschaft mit Neuigkeiten aller Art von dem Interesse, das sie auch in den klösterlichen Mauren an dem Schicksal der Menschheit nahmen. Schade, daß die strenge Fode, rung von r6 Ahnen, es auch den beste» adelichcn Familien der Schweitz unmöglich macht, den geweihten Ort zu be« wohnen. Denn wir wünschten jeder Klasse der weiblichen Menschheit eine solche. Zuflucht, wohin, sey es aus Neigung oder Nothwendigkeit, ein unschuldiges Mädchen, kürzere rere oder längere Zeit, den Streichen des blinden Glücks entrinnen könnte- G l a r u s. Weder die frappante Aussteht in das grosse Thal deS Glarnerlandes aus der Gegend von Schännis, noch der wirkliche Eintritt in dies Land der Freyheit, läßt die grosse Zahl der Einwohner und den wirklichen Wohlstand vermuthen, in dem ein grosser Theil derselben lebt. Der entferntere Anblick läßt nur die kahlen Wände des zwey Stunden langen WiggiS, und den mit Eis bedeckten Glärnifch, einige andere mit Holz bewachsene Wände von Bergen, und weiterhin eine^ Reihe mit Firn und Schnee bedeckter Gebirge sehen. Beym Eintritt selbst, bey der Zicgclbrücke gcräth man auf eine weite Ebene, von welcher grosse Stücke mit Unrath bedeckt, andere mit Lisch (einer Art Schilf oder Wassergras) weit und breit bewachsen sind. Die Höhe des Wallenstadtersec, die diese Gegend von Wesen herab unter Wasser setzt, und die häufig austrettende Lint, die hier Stücke Lands mit sich fortreißt, dort die nahen Matten mit unfruchtbarem Kicß überladen, machen es fast unmöglich, ein Land anzubauen, das ohne dieß das größte und schönste Thal des ganzen Cantons seyn würde. — Von dem unternehmenden Geiste der Glarner ist indessen zu hoffen, daß eine Zeit Zeit kommen werde, wo sie entweder dem Strohm eine unschädliche Richtung geben, oder die gewaltigen Dämme zu Glarus und Näfels, bis an die Gränzen des Landes fortsetzen, und auch dem See Ausfluß und Gränzen bestimmen werden. Es sind wirklich schon Plane gemacht, aber wieder verworfen worden. Kein Monument zu RäfclS, als einige Reste der Land- wehre, und die Krcuzsteinc an allen Plätzen, wo i;88 die Angriffe geschahen, welche die Freyheit der Glarncr befestigten, und ihren Ruhm verewigten! Auch werden diese Steine gewissenhaft erneuert, wo etwa einer abgehet, daher tragen sie zwo Zahlen; jene des Jahrs der berühmten Schlacht, und die andere des Jahrs, in welchem das Monument errichtet i worden; die Capeüe, die ehemals ebenfalls zum Andenken ^ erbaut worden, ist zu verschiedenen malen erweitert, und nun ganz abgebrochen worden, um an den Platz derselben eine ^ neue frohe Kirche im neuesten Geschmack zu erbauen, die beynahe geendiget ist. Jeder Warner, den wir antraffcn, wußte von der Schlacht, und allen den dabey 'geschehenen Angriffen, und der Tapferkeit seiner Vätcr zu erzählen. Denn dir katholischen Glarncr hören die Geschichte alljährlich wieder, in der auf der Wallstadt zu haltenden (Fartpre- dtgt: die Evangelischen in ihren Kirchen. Die Dankbarkeit und Frömmigkeit der Alten hat diese Fcyerlichkeit gestiftet. Die Die Menge der Einwohner soll sich seit wenigen Jahrhunderten um zwey Drittel und mehr durch ganz GlaruS vervielfältigt haben, und zwar nicht durch Annahme vieler neuen Bürger und Ansäßen. Man rechnet der Lctztcrn nicht mehr, als etwa 5°o. Fremde können zwar leicht Tagwen, d.i. Gemcindrcchte untcrgewisscn Einschränkungen erhalten; aber selten, mit grossen Kosten, und nach gewissen bestimmten Gesetzen, daö Bürger oder Landrccht- Daher ist die Nation noch die alte, die Geschlechter sind die alten, ein unvcrmisch. ter, wohlgewachsener arbeitsamer Volksstamm, 'den gegenseitige Verwandtschaften, und das Andenken an ihre gemeinschaftlichen Vater eben so wohl als der gegenwärtige gemeine Nutzen verbindet- Oft ist aus gleicher Familie der eine Stamm Evangelisch, der andere Catholisch; überall^ muß ihnen das gemeinschaftliche Interesse angelegner seyn, als wo ein Staat in alte und neue, regierungsfähige und unfähige, herrschende und unterthänigc, adclichc und bürgerliche Familien getheilt ist- Glück, Verstand und Fleiß, und der Ruhm der Väter können einer Familie Vorzüge geben, aber nur solche^ zu denen auch der Arme unter günstigern Umständen gelangen kann. Glarus, der Hauptsteckcn steht am Fuße des hohen Glärnisch. Einem Reisenden, heraus der frohen» ofnen, von allen Seiten freyen Aussicht, und dem weiten Horizont der 140 der nördlichen Schweitz, in die Tiefe desselben Hineintritt, muß freylich an einem Ort das Herz ein wenig beklemmt fcyn, wo man von keiner Seite das Fenster öfnet, ohne von den hohen Firsten, der bis in den Himmel aufgcthücm- ten Berge Glärnifch oder Schilt eingeschränkt zu seyn, allein die Reinlichkeit, Breite und Lange der Hauptgasse, die Menge und Gleichförmigkeit der. gemauerten Häuser, worunter keine Paläste aber auch keine elenden Hütten sind, der mit der Hanptgaß, parallellaufmde helle Bach, die vor dem Rathshaus stehende Linden, der angenehme Spaziergang von Glarus bis Encda mit fruchtbaren Bäumen besitzt, die Menge und Güte der Brunnen und Quellen sind ihm eine ziemliche Entschädigung, für die Einheimischen aber mächtige Reitze, die kein Bedürfniß eines wettern Horizonts fühlen. Der Ueberfluß von reinem Qucllwasser ist so groß, daß nicht nur hier, sondern auch bcy Näfcls und Mollis Ströhme davon ungebraucht fortfließen, und Mühlen und Fabrickcn treiben. Glarus ist der Sitz der Regierung, und daher so vieler der angesehensten Familien, eine Menge Handwerker, Krämer, und verdienender Bürger, Haushaltungen. Ungeachtet die dcmocratische Regierung derjenigen entspricht, die in den Wald-Cantons herrscht, so hat sie doch ihre Eigenheiten. Auf der Landgemeine spricht der gemeine Bürger mehr als sonst nirgends, und mehrere Angelegenheiten werden mit dem Volk berathschlagt, als selbst in Appenzcll. Die Die wichtigsten Stellen im Staat und die Landvogteven werden durchs btmdc Loos ausgetheilt. Ein unverdächtiges Kind giebt mit einer goldenen Kugel in einer kleinen Boite dem Günstling des Glücks so gar die Landammcnstcllc: neben der goldenen theilt es silberne Kugeln in gleiche Boi, ren den übrigen in den Vorschlag gegebenen aus. Dies und der scharfe Patricicreid, halten den ehrgeizigen Geist der reichen Glarner in Schranken, die sonst für Titel grosse Summen zu verschwenden, das Vermögen hätten. Noch herrscht der alte Brauch, alle Ehrcnstcllen und wichtige Bc- j förderungen selbst in fremden Kriegsdiensten mit gewissen ! Geldsummen zu belegen, die denn nicht in die Beutel der Privaten, sondern in die gemeinen Scckcl fliesten. Dergleichen gemeine Fonds sind seit mehreren Jahren viele errichtet worden, und dazu bestimmt,^ die Glarner in den vollkommensten Genuß der Freyheit zu setzen, und die öffentlichen Ausgaben, die bis jetzt aus Beytragen der Privaten bestrittcn worden, ohne ihre künftige Beschwerde abzutragen. Sodann wird der Glarner alle mögliche Vorzüge eines freyen Volks ohne seine Beschwerden fühlen. Zchendcn, herrschaftliche Abgaben und dergleichen, sind ohne. dies im ganzen Land unbekannt. 142 Die mannigfaltigen Verdienste der Glarner und die große Fruchtbarkeit der Berge machte diese Anstalten möglich. Denn der Boden selbst mit seinen selten ausbleibenden Nutzungen macht nur einen Theil des NahrungSstandcs der Glarner aus. Handlung und verschiedene Kunstwerke und Fabrikarbeitcn, sind andere Quellen ihres Ucberflusses. Der Anbau und Nutzen des Bodens scheint durchs ganze Land derselbe zu seyn. Sommcrfrüchte und Winterfutter sam, mein sie in den Thäler», d'ie Alpen aber unterhalten die Heerden des Landes im Sommer. Beyde beschäftigen mei, stcntheils nur das männliche Geschlecht, und sowohl die hcrabrollenden Felsstücke von nahen Berge», als die Wuth austrettender Ströhmc, verursachen auch dem Hirten saure Mühe. Noch werden lange Jahre von Fleiß und Arbeit nicht hinreichen, die Zerstöhrungen und Verheerungen zu er, setzen, mit denen die Scrnft und andere Ströhme die be- nachbartenGüter zu Grunde gerichtet haben. Die Matten der Privaten stehen um die Dörfer herum in sehr hohem Preis ; sie sind mit Obst bepflanzt, mit feine, ren Grasgärten versehen, und werden so viel möglich gewässert und gedüngt. Die sehr verschärfte, und auf alle die, welche Anzeige geben könnten, ausgedehnte Strafe der Obstdiebe, hat den Anbau der Fruchtbäume seit einigen Jahren sehr befördert. Der Werth dieser Matten ist so hoch gestiegen ^ gen, daß die tägliche Nahrung und Wartung eines Rinds in ^ dem Flecken, auf n- (Lutzcr) Schilling geschätzt wird ' da der Nutzen der besten Kuh kaum i- Schilling werth ist. Die immer steigenden Preise der Lcbcnsmittel und der lie, genden Güter beweisen sowohl den Reichthum an Geld, als die sorgfältige Benutzung des Bodens. Wirklich bringen die in neuern Jahren gekauften Alpen, lange nicht daS Interesse des für sie ausgelegten Geldes ein. Allein die Glarner legen ihre Gelder am sichersten für gutes Land an, und scheint es mit zum Staat eines reichen Mannes zu gehören, in einem Land, wo wenig fruchtbarer Boden ist, nebst einem geräumigen Haus, einen ansehnlichen Garten und viele Matten z» besitzen. - < Auf den Bergen trägt jede der Alpen, wie bekannt, ihren eignen Namen, welche die Glarner so gut, als wir die ; Namen der Dörfer unsers Landes wissen, und jede wird nach Stössen berechnet. Das Wort Stoß ist dem Land eigen, aber die Sach ist in allen Alpländern ebendieselbe- Aller Orten wird die Weide oder Alp nach der Menge der Stücke Vieh geschätzt, die sie ernähren kann. Man bezahlte neulich für einen Stoß roo und mehr Gulden, so. daß eine Alp zu i°o Stößen auf roooo g. kömmt- Indessen sollen zu den ioooo Stößen, welche die Geographie dem ganzen Land zuschreibt, sich nicht mehr als 4000 bis ;oo» gute i44 gute Kühe finden, nicht mir darum, weit die Thäler nicht ^ genug Wintcrfütterung für mehrere liefern, sondern, weil auf eine Alp, z. E. von 100 Stößen, nicht mehr als 70 oder 8u Kühe getrieben werden dürfen. Diese sind immer mit Schaareif von Ziegen und Schaaftn begleitet, welche die steilen Anhöhen, die dornichten Gebüsche, und die gefährlichen Abhänge abätzen, wohin das schwerbelcibte Rind seinen breiten Fuß nicht mit Sicherheit fetzen darf. Die meisten Alpen sind Eigenthum reicher Privaten und Familien. Ein Aelplcr oder Senn geht und miethet für den kommenden Sommer von dem Besitzer eine gewisse Summe von Stössen auf seiner Alp, nebst einer Hütte, deren auf jeder Alp nach der Grösse derselben, mehrere sind , giebt für jeden Stoß 2 bis ; fl. Bodenzins, sucht sich dann in benachbarten Orten von einem Stall zu dem andern Kühe, und bezahlt nach ihrer Güte 4. vder s fl. für die einten, und iobis i;fl. für die anderen, fährt mit seiner zusammengelesenen Hecrde auf die Alp, verfertigt nach feinem Gutbefinden Butter, Käs, ryagern Zieger u- s. w. 'und nur der Ueberschuß ist der Lohn seines Fleisses, und die Frucht seiner Speculation. Indessen ermangeln die beeidigten Männer nicht, jede Alp zu besehen, und der Zahl der Stösse, nebst den darauf ge, nährten Stücken genau nachzufragen. Die Lange des Som, mcrs, und ioo zufällige Umstände, tragen bey, den Senn glück» »45 1 glücklich oder unglücklich zu machen, denn bey unerwartetem Frost hat man schon aus den Dorfschaften Heu auf die Berge getragen, den Hunger des harrenden Viehes zu stillen. Dieß ist kürzlich die Oekonomie der Glarner. Viehzucht. Sie hat das besondere, daß man viele ivoo Ccntner grü, neu Käs, oder Glarner ° Schabziegrr in diesem Land verfertigt, und bis nach London und Petersburg in alle Provinzeo Europens versendet. Die Arbeit ist mehr mühsam und genau, als künstlich. Der Stoff ist der magerste Zieger, den wir häufig in rohen Sacken, frisch und triefend auf Saum- Pferden von den Alpen in die Dorfschaften führen sahen, und die Blatter von Steinklee, den die Glarner in Gärten und Feldern säen. Dieses Zicgcrkraut äussert seinen Geruch und Geschmack erst dürre; in langen Sommern läßt es sich zweimal pflanzen; auch die Anwohner des See bey Lachen pflanzen dergleichen- Den Zieger lassen sie in grossen Hau, fen trocknen, indessen das Kraut zu Pulver gerieben und sorgfältig geliebt wird. Eigne Maschinen, die von Strömen durch Räder getrieben werden, und Ziegerreiber heissen, sind eingerichtet, die beyden Stoffe auf das innigste zu vermischen und zu vereinigen; die vermischten Materialien werden in Formen geschüttet, in denselben fest gestossen, und an luftigen Orten getrocknet. Es soll nicht geringe Erfahrung und Tenauheit brauchen, die Steinkleeblätter zu sieben, den ge» S hö- hörigen Grad der Wärme und Trockenheit, die bestimmte ! Proportion der Theile, den Grad der Festigkeit des Ziegers u. 5 w. genau zu treffen. In denjenigen Senken, wo dieser hagere Zieger gemacht wird, wird die größte Menge Butter verfertigt. Allein so viel nicht, daß nicht Glarus für ^ manche taufend Gulden jährlich sich kaufen müßte. Auch der Arme, der keine Güter- besitzt, ist in GlaruS besser berathen. Man muß gestehen, daß er besser als die Armen vieler andrer Länder gehalten ist, weil der Unterhalt mit Arbeit und Fleiß in genauem Verhältniß stehet. Er bekommt Boden, diesen kann er zu Sommcrfrüchtcn bearbeiten; Holz, das er freylich nicht ohne Mühe und Gefahr fällen und heimführen kann: Antheil an Gcmeinweide und Alp, und Butter im Winter: für Winterfutter darf ihm nicht bange seyn, da in allen Gemeinen Wildhäuc sind, wo er es sammeln kann. Der Kaufmann verschaft ihm Ge-! spinnst, und ein reicher Spital versorgt die Elenden; da- ^ her sind auch die Taglöhne groß, und Arbeitsamkeit herrscht ^ im' ganzen Land. Mehr als rooo. Wildhäuer sind durchs i ganze Glarus zerstreut. i47 Der Blattenberg. Ein gebahnter, aber wegen abwechselnder Höhen und Tiefen beschwerlicher Weg, führt von Glarus zum Schiefer- oder Tafelberg. Die mannigfaltige Aussichten, die man un, terwcgs genießt, ersetzen die Mühescligkeit mit Vergnügen. Rückwärts erblickt man die Felfenmasse des Glärnisch nun erst in ihrer ganzen Grösse. Auf seinem Rücken und in den Zwischenräumen seiner Gipfel ruht ein glänzendes Eisfeld das sein nacktes Haupt wie mit Silberhaaren ziert. Vom Gletscher rinnen v on allen Seiten Bäche herab. Die breiten Seite» des Bergs, die sich ins Linthal und Clönthal erstrecken, sind mit Alpen, Dörfern, Hütten und Hcerden bedeckt- Auch die Firn war ehemals eine fruchtbare Alp, aber, sagt die Tradition, » ein junger Hirt waidcte ehemals eine mächtige »Heerde hier, der seine dürftigen Aeltern bey Hause darbe» »ließ, da kam plötzlich in einer Nacht ein tiefer Schnee, der »ihn mit seiner ganzen Heerde auf immer bedeckte, und nie- »mals wegfchmolz, sondern durch Länge der Jahren zu hartem Firn geworden." Auf einer andern Stelle ist die Aussicht über Schwanden, die zusammenfließende Lint und Sernft, und das grosse ebne Linthal sehr ergözend. Die Menge der Dörfer und zerstreuten Höfe, und das liebliche Grün der angebauten Matten, im SchooS hoher, wilder Gebürge, rührt das Aug. Weiterhin öffnete sich das kleine K 2 Sernftthal !4S ^ / Sernftthal, durch dessen engen Eingang sich kümmerlich der Waldstrohm durchdrängt: bald gewinnt es einige Breite bey Engt und Matt, und schließt sich dann wieder. Die Berge, von welchen es eingeschlossen ist, sind alle fruchtbar, mit Waiden und Holz bewachsen, bis in die Höhe von Eines; durch die kleinen Zwischenräume dieser Berge siehet man die grossen unbewohnten Alpgcgenden, wo Rinder und Schaafe bey Hunderten laufen, die der natürliche Reichthum des Landes sind. In den verschiedenen Thälern, durch wcl, che wir reißken, waren einige Versuche von Gerste und Hafer gemacht; allein der Aelpler, des Feldbaues unkundig, mit Geräthen nicht versehen, ermüdet bald über der Arbeit, und kehrt zu seinem Melkst»! zurück- Aus der Tiefe des Thals erblickten wir nach etwa zwey und einer halben Stunde Wegs, wie es schien, in der Mitte eines Berge-, einen tiefern Einschnitt und verschie. den« Holen. Es waren die Bergwerke der Tafclarbeiter. Ihre Arbeitstätte befindet sich nicht in dunkeln künstlichen Gängen der Unterwelt, sind nicht vom Schein der Lampen erhellet ; sondern sie schweben mitten an der Bergwand, am hellen Glanz der Sonne in einer freien Anhöhe. Man steigt einen gähen, in Zickzack durch fruchtbare Matten «ingeschnittenen Fußpfad hinan, von einer Hole zur andern deren verschiedene über und neben einander find- Wo die Mat. »4) cb Matten aufhören, ist der Boden mit unzähligen Schiefer, ite stücken bedeckt, die das Auf «und Abgehen beschwerlich, >ie und besonders des Winters gefährlich machen, wenn der w, F»fi leicht über den geftornen Schnee wegglitscht. Da- s; Oberste der Gewölbe ist das schörHe und größte. Da eine an unzählige Menge von Tafeln in demselben weggeschnitten nd worden, so ist ein hohes Gewölb entstanden, das wie die ,m Decke eines Tempels, hoch und lveit über dem Hauvt deck, Zuschauers hängt, in die freie Luft hinaussieht, und einen >a- baldigen Einsturz droht, weil die Tafelgräber immer von ig, seinen Wänden wegschneiden, die sie itzt einigermassen it, gegen Sturm und Regen schützen. Der oberste Theil de- Felsen ist von härterm Stein andrer Art, und von schwär, zem Schiefer gemischt, ohne Haltung und regelmäßige >ey Grösse und Dicke; nur das Innere des Bergs enthält die !>er eigentlichen Tafelschichken, die der Arbeiter erst in beliebt. >ie, gcr Grösse von dem Berg rings herum abschneidet. Her. er. nach sondert er eine Tafel »ach der andern mir kleinen eiser. an- uen und hölzernen Keilen von den darunter liegenden ab: er- schneidet dieselben noch völlig in beliebige Form, und trägt >d, sie endlich, wenn jede kleine Unebenheit abgeschoben ist» !an heim. So liefern etwa 4«> — «o Arbeiter aus den benach, ten barten Dörfern, Matt und Engt, drei Sorten von Schreib, ern tafeln, ferner, grössere Stücke zu Tischen und Wänden, die «och andere zum Pflaster in Küchen, Säle u. s. w., und » end» i ' endlich ins Cabinet der Liebhaber seltsame Figuren von Ftichcn , Muscheln, Pflanzen, Thieren kleiner Art, die zwischen zwocn Lagen von Tafeln sich gefunden haben, ehe sie ihre Härte und Consisienz bekommen. Dccisig oder mehrere Tafelschreiner, vornemlich Schwanden, fassen die Tafeln in Rahmen; noch andere kaufen sie im Frühjahr Duzend» weise auf, beladen damit einige hundert Kisten, die sie selbst in neuen großen sogenannten Tafclschiffcn, nebst ei» nigen andern Produkten des Lands, von der Ziegelhütte bis in Holland wegführen. Die ganze Arbeit soll dem Land einen mäßigen Gewinn von etwa roooo ff. jährlich verschaffen- Das Bergwerk selbst scheint unerschöpflich, allein die glänzendern und schönern Vertäfclungcn der Zimmer, die Tische und andere Geräthc von Stnkkaturarbeit, Maser und fremden Holzarten, lassen die Glarner wenig Aufnahm des Bergwerks hosscn. Ein Heller Tag nach trüber Witterung ließ uns auch in Schwand, Glarus, Nettstal, Mollis u s. w., einige andere Szenen der Arbeitsamkeit sehen, durch welche die Glarner dem Unvermögen des Bodenö steuern, und die außerordentliche Bevölkerung zum Glück des Lands machen- Zahlreiche Familien, alte Mütterchen, und Schaaren munterer Kinder, ganze Nachbarschaften im Schatten eines großen Baums, oder eines unangebautcn Win- r§r Winkels vor der Thürschwclle versammelt! Ein Cirkel von bis 15. oder mehr Baumwollenspinnerinnen treibt mit Eifer die schwirrenden Haspel, und bestrebt sich in die Wetic, das Verdienst der Woche zu erhöhen. Wir sahen oft sechsjährige Knaben und Mädchen darunter: denn die Kunst mit Baumwolle umzugehen f wird den Kindern mit dem Catechismus eingeprägt. Indessen hütet der Mann die Unmündigen bey Hause, hackt Holz, oder besorgt den Stall. Nur vor etwa 8 » Jahren hat ein Mann seine Magd mit diesem Gcspinnst zuerst beschäftigt, und auch einigen Armen der Gemeinde damit ein Verdienst vcrschaft, das andere beneideten, und auch für sich genießen wollten, bis endlich alle Dorfschastcn wetteiferten, und so einen Vortheil von einigen tausend Gulden wöchentlich dem Land vcrschaftcn. Seit wenigen Jahren hat man dem Gcspinnst die Webcrcy beigefügt, die nun Zürich und Appenzell zum Theil entzogen worden. Indessen scheinen die Tafelgräber das Glück von Gla- rus gegründet zu haben. Vor noch nicht 200 Jahren ficn» gen sie an die Werke ihrer Hände nah und fern abzusetzen. Ungeachtet der rohen schivrren Waare, machten sie Reisen bis an verschiedene Meere, sie loszuwerden. Die Tafeln veranlaßten den -Handel mit gedörrtem Obst, Maser und Nußbaumholz, daö Fabrizieren von Gärnli und Seiden» wat» watten rc. Man führte rie grünen Käse weit und breit herum- Die Mäzen kamen zu Schwand auf. Ein Halb, tuch von Reisten und Müllen, worein sich vor n>a Jahren Glarus kleidete, und wovon es beträchtliche Vortheile ^ auch von ferne zog. Eine Fabrikart zog die andere, ein ! Artikel den andern nach sich. Eine allgemeine Betriebsamkeit belebte die unternehmenden Glarner. Nun sind auch Jndienedruckereien, eine Bandfabrike u. s. w. angelegt. Andere machen sich zu Sveditoren der Nachbarschaft, und vc.seh.'u sich mit Waaren aller benachbarten Handclsorte. D e » > viele Voitüren aufgekommen. Man baut häufig grosse und bequeme Häuser. Auch die Freyschicssen sind ein Zweig deS LuxuS geworden. Sie sind nebst dem Jagen, Spazierfahrten, Gastcreyen, eine der VolkSfrcnden, die unter die unschuldigen gehören. Die benachbarten Gemeinden von Gla, rus und Enneda, laden sich bisweilen gegenseitig ein- Die Reichen steuren Goldstücke zu Prämien zusammen, und die Schicsser wetteifern, welche von beyden Gemeinen die besten und meisten Schüsse auszuweisen habe. Der beste Schuß soll nicht selten 20 fl. ziehen. Die Knaben unter 16 Jahren haben eben so viele Schicßtagc, mit gleich entferntem Ziel und guten Preisen. Der Magistrat bedielst sich der Gelegenheit, das Land zu bcwafncn. Wer nicht mit eigner Flinte schießt, kann keine Gabe aus dem Gemeinseckel gewinnen. Wer ohne eignen Degen kommt, wird fortgejagt. Die Glarner Miliz trägt übrigens keine Uniform. Man hälts für außerordentlich schwer, eine einzuführen, wie in den übrigen Demokratien. Sie überlassen es den Königen von Frankreich, Sardinien und Neapel Soldaten zu erzie. hen. Die Wissenschaften gewinnen ebenfalls mit dem zu. nehmenden Lnxe. Herr Präceptor Steinmüller in Glarur sammelt Münzen aus allen Zeiten und Völkern. Es zeich, nen sich eine beträchtliche Reihe schweizerischer Ducaten, viele alte Schweizrrthaler, verschiedene mogolische und asiatische Münzen, und zusammenhängende Ausgaben alter ita, IS4 italienischer, spanischer und französischer Thaler aus. In dein gleichen-Schulhaus stehet die Bibliothek des evangelischen Standes, die freilich zur Zeit noch mehr wegen der edcln, in Democratien seltenen Absicht derselben, als wegen der Wichtigkeit und Seltenheit der darin« sich befindenden Werke Lob verdient- Sie ist auf Unkosten der Liebhaber der Literatur angelegt, und bisher seit etwa 20. Jahren immer vermehrt worden. Der evangelische Magistrat bürgt die Fortdauer derselben. — Was Steinmüller in Münzen leistet, hat Dccan Tschudi in Naturftlteuheiten seit vielen Jahren gethan. Bey ihm versammeln sich die einzelnen Natur-Erscheinungen, diesichimCabinct aufbehalten lassen. Seine Sammlung ist reich an allen Arten von Versteinerungen. — Eben so wenig fehlt es in. Glarus an geschickten Aerzten, flcisigen Geschichtsforschern und beliebten und gelehrten Predigern- Der C a m 0 r. 'Das weitläusige Gebürg des Camor ist in mehr als einer Absicht bctrachtcnswürdig.- Seine Grundfläche deckt einen beträchtlichen Theil von Appenzell, den Herrschaften Rheinthal, Gaxm. s. w.seyn Rücken ist während des Sommers von vielen Heiden bevölkert; die eine seiner Seiten stellt in Verbindung mit seinen Nachbarn eine ununterbrochene r55 chene Mauer vor, welche die Natur hoch und steil zur Be- ^ fcstigung Helvcliens aufgeführt hat- An seinem breiten Fuß liegen verschiedene!Scltenheitcn der Natur zerstreut, und von seinem obersten Gipfel öfnet sich eine der erhabendstcn Aussichten, die Hclveticns Berge darbieten können. Auf dem Kirchthurm im Scnnwald, am östlichen Fuß des Lamor, in einem schwarzen Sarg, liegt der Leichnam Philipps Freyhcrrn von Sap, der feit bald 200 Jahren, ohne einige künstliche oder balsamische Unterhaltung unvcr- wcscn geblieben. Die rundevolle Form des Haupts, und die ununterbrochene Reyhe schöner Zähne verrathen, nebst der ansehnlichen Länge des Knochcngebäudcs, den grossen robusten Mann, der in der Stärke des männlichen Alters sein Leben verlohren, und die zween Hiebe in seiner Hirnschale erzählen die übrige Geschichte seines Todes. Weder der Ort, wo er sich dermalen befindet, noch die Gruft- in der der Leichnam vor dem lag, können die Geschichte seiner Unvmvcslichkeit zur Zufriedenheit aufklären. Daher hat nicht umsonst die wunderbare Erhaltung des Cörpers, und der Ruhm seines ehrenvollen Lebens, und die traurige Ge. schichte seiner Ermordung r;y 6 . den Eindruck eines göttlichen Gerichts anf das Volk gemacht- Seitdem der Leichnam aus seiner Gruft genommen worden, verlor er allmählich seine Farbe und Festigkeit, fieng an zu modern, und die die unwiderstehliche Gewalt, welche das feste Gewebe der Eichen zertrümmert, und die felsigren Gipfel des luftigen Carnors zu Staub zerreibt, löst izt auch den Leichnam auf. Ohne allen Gestank, obnc Spuren von Insekten, scheint der dürre Körper sich in kleine Stücke zu zcrblattern, die an den Wangen, an den Lenden ic. leicht weggenommen werden können. Die Knöchel der Gebeine find wirklich fast ganz von fieischigten Theilen erttblößt, die den übrigen Körper bekleiden. ! Unfern davon läßt ein fclsichter Hügel die Landstraße in einer Tiefe von zo oder mehr Schuh durch seine Mitte sich fortziehen, die oberste Theile des Felsen find mit Gebüsch bewachsen, und neigen sich nahe genug gegen einander, um der alten Sage einige Wahrscheinlichkeit zu geben, daß ein verfolgter Hirsch den gefährlichen Sprung über diese Kluft gethan, und der Passage den Namen (Hirzrnspruug) gege. bcn habe. ^ Am nördlichen Fuß des Camor liegt das Robelrvies, bad, das dem Rhcinthaler das kalte Fieber stillet, welches der austretende Rheinstrohm häufig verursachen soll. Wir besuchten die Grotte der^Nympfe, die die heilsame Quelle auS ihrer Urne gießt, welche hier aufgefaßt, in mächtigen Kesseln gewärmt, und in etwa 40 Badkasten gegossen, die schlaffe« schlaffen Nerven der Gäste stärkt. Diese sind wirthschastlich genug, die Cur während der Nacht zu machen, um am frühen Morgen wieder an der Arbeit zu seyn. In einer kleinen Erhöhung lag die Crystallhöhe, die wir besuchen wollten, unfern vom Bade. Im geräumigen Vor, Hof derselben, zudem man indessen nicht ohne Gefahr gelangt, schickten wir uns an zur Reise in die Unterwelt. Man legt das Gepäck beyseite, zog die schlechtesten Kleider an, zündete die Wachskerzen an, und der Neugierigste und Muthigste war der Erste, dem Crystallgräber in die dunkle Gruft zu folgen. Tue Procession begann langsam auf dem Bauch; dir Kerze in der Hand, durch ein Loch, das ziemlich einem umgestürzten Schornstein gleicht; wir krochen kümmerlich durch, und gelangten endlich unter vielem Aechzen bis zum spielenden Licht, der von unsern Kerzen erleuchteten Crystaümine. Nach einem so glücklichen Anfang unsrer Expedition kamen wir alle wieder auf die Füsse zu stehen, ES war eine Grotte von der Größe eines mäßigen Zimmer-, ein Bach rauschte unter unsren Füssen, der Boden, die Wände, die rohe Decke schimmerten angenehm von Quarz und einigen Crystall, und würde noch mehr geglänzt haben, wenn nicht die beständige Feuchtigkeit und das herabtrir- fende Wasser den Quarz mit einer unreinen Rinde bekleidet hätte. Einige abgeschlagene Stücke hatten die durchsichtige Lau- 158 Lauterkeit, aber nicht die Consilien; und Glan; des ächten Crystalls. In eine zweite Hole führt ein geräumiger und kurzer Gang, und wir fanden schöne Stücke von Quarz und Cry- stall. Wir hätten gewünscht, auch die übrigen Crystallencn Zimmer zu sehen, allein die folgende Oeffnung führte so dunkel hinab, und hinan, über feuchte Felsen, in unbekannte Tiefen, daß wir den Versuch aufgaben. Weiterhin, sagte unser Führer, kommt kein Mann, wir schicken unsre Jungen dahin, die aber auch niemals an das End des Lochs hineingekommen. Der Rückzug geschah in gleicher Ordnung. Froher waren wir über den sanften Rücken deS Ge- bürgs ohne Gefahr und große Anstrengung bis zu seinem Gipfel zu steigen. Man geht von einer Alp zur andern, die gewöhnlich durch ein dürres Gchäge getrennt sind, oder durch ein dazwischen liegendes Holz; auf denselben stehen die Sennhütten zerstreut, einzeln auf kleinen Alpen, mehrere beisammen auf grösseren, alle auf gleiche Art gebaut. Der Theil der Sennhütte, wo Käse verfertiget werden, enthält gewöhnlich zugleich in einem Winkel daS dürftige Bett des zufriedenen Hirten. Wir fanden diese meisten« theils jungen wohlgewachfcncn Männer mit verschiedenen ' Ar. »59 n !r 1 - n o 1s l, ce rs er e-> m ", > er ^ en h. ge n- e» Arbeiten ihres Berufs beschäftigt, und tranken von der fetten süßen Milch ihrer Hecrdcn. Obcnhcr ist der Berg in Hügel abgetheilt, die von beträchtlichen Ebnen getrennt sind: der obere, der untere Camor, der hohe Rasten rc- sind die Namen von einigen- Diese Staffeln erfahren ungleiche Witterung, und sind ungleich fruchtbar. Die untersten find zuerst im Frühling mit gutem GraS bewach, sen; und die Heerden werden zuerst dahin geführt; auf den obersten Höhen wächst erstffpäc im Hcnmonat oder August kleines, kaum Fingcrhohcs Gras, wobey das Vieh, wie man sagte, hungert, und wohin es spät im tiefen Sommer getrieben wird: desto kräftiger sind diese niedrigen Pflanzen. Auf den hohem Abhängen des Gebürgs sahen wir ganze Reihen tief neben einander gezogener Furchen, es waren die bey feuchtem Boden bis auf einen Schuh tief eingedrückten Fußsiapfen der Kühe, die mit genauer Folgsamkeit immer die einmal gemachten Spuren betreten, und so eine lange Strecke Land zu einer Hccrsirasse zertreten haben, die sie von einer Alp zur andern führt. Es war um den Mittag, als wir keuchend und müde auf der obersten Spitze des hohen Kasten anlangten, die indessen einen ebnen Raum von der Größe eines mittelmäs- flgen viereckten HauscS enthalt. Von der einen Seiten senken sich steile Felswände gegen Appenzell hinab, von den aus andern ist der Abhang zwar steil aber nach gangbar. Izt standen wir auf einer der obersten fruchtbaren Spitzen un, fers Vaterlands, und sahen, wie anf der Landcharte, aber unendlich getreuer, dem silbernen Laufe der Flüsse und Ströhme zu, bemerkten den Zusammenhang und die ver. schiedcne Höhe der Gcbürge, die mannigfaltige Fruchtbar, keir des Bodens, den Umfang und das Ansehen einiger Städte und Flecken, im Gegensatz mit der dürftigen Armuth oder bescheidenen Mittelmäßigkeit zerstreuter Hirten - Woh. nungen und Sennten, und tausend Gegenstände, die man nur von dem hohen Standpunkt einer wohlgclegenen Bergspitze sehen kann, und die keine Kunst vollkommen nachahmt, ! mit aller der Mannigfaltigkeit von Licht und Farben, mit l der proportionierten Höhe und Größe der Gegenstände, und dem sanften halbdurchsichtigen Schleycr, den die schwüle Mittagszeit darüber geworfen. Wir sahen in beträchtli. eher Lange die Thäler, durch welche sich der Rhein fort, ' wälzt, und jenes, durch welches die Ist aus Bündten daher ^ schleicht, um sich vor unfern Augen in den Rhein zu ergief, ! sen, mit allen daran liegenden Städten, Schlössern, Dör- j fern und Hütten. Das Rheinthal lag in seiner ganzen - Ausdehnung vor uns, mit dem Reichthum von Feldern, ! Matten, und deu vielen Dorfschaftcn, die es bewohnen. Einige Landgüter nahmen sich vorzüglich aus. Wir konnten ^ die Gränze unsers Vaterlands leicht vom Lodenste bis > X . r6t Merdenberg beobachten. Hinter diesen Thälern eine unzählige Menge von Bergspitzen von der verschiedensten Figur, die, in der Entfernung gesehen, wie ein militärisches Lager, die Ebenen von Tyrol und Bündten bedecken, und eine Fortsetzung der Schweizer - Alpen sind. Gegen Mitternacht war zuerst der sonderbare Blick über das ganze Appenzeller-Land; die innern Rhoden zunächst unter unsern Füssen längst der Gitter, die hier aus zween Bergsccn entsteht. Das ganze Land, so weit das Aug reicht, gleicht einem einzigen Dorfe von tausend und tausend Hütten, die durch dasselbe zerstreut sind, davon jede auf ihre Grundstücke gebaut ist. Appenzell in der Mitte mit vielen Gebäuden und mit der großen alten Kirche. So durchaus angebaut, wie die äusser« Rhoden, ist kein Land in der Schweiz. Die Berge sind um den Camor her die größten, ihre Höhe verschwindet allmählich gegen den Bodensee und Schwaben. Dann der große blaue Con- stanzersee mit seinen herrlichen Gestaden von einem Ende zu dem andern. Die Städte Bregenz, Lindau, Buchhorn, Mörspurg, die große Kornfelder und Wälder in Schwaben lagen ein wenig in Lüsternheit verhüllt, und ließen sich kaum vom Grau des Himmels unterscheiden. Unmittelbar an unsrer Seite lag gegen Abend ein enges aber hohes Thal mit dem Gantisersee, umringt von hohen, kahlen oder mit Schnee beladenen Bergen. Nahe L daran i6r daran standen einige Hütten in starkem Graswuchs. Der Schnee, der tiefer als wir standen, in den Zwischenräu- mcn der kahlen Felswänden lag, auf Bergen, die eine Fortsetzung unsers Lamors sind, beweist, daß nicht die Höhe allein es ist, und die Feinheit der Luft, welche den Schnee der Alpen erzeugt und erhält. Denn in gleicher Höhe und Lage ist der sanftere Lamor mit vielen Scnnten beladen. Fußwege gehen am Grat dieser Felsen und an diesen Schnecfeldern hin, deren bloßer Anblick für die verwegenen Jäger und Hirten bange macht, die sie gebrauchen. Weiterhin gegen Abend andre Glariier - Sarganser- Toggenburger, Berge : die kleinern des Thurgäus und ^ Zürcher-Gebiets, ließ uns der Himmel nicht unterscheiden, j Der Camor selbst scheint ein mächtiger Fels zu seyn, über welchen da, wo die Abhänge sanfter sind, die Länge der Zeit ein Kleid von fruchtbarem Erdreich geworfen hat. Die Heerden gerathen an den steilen Wänden desselben häufig in Gefahr, in die unabsehlichcn Abgründe hinabznstür- ! zen, die oft ganz unerwartet fruchtbare Alpen unterbrechen, ! und durch kein Gehäge angezeiget sind; auch an den fruchtbaren Seiten sahen wir bey Heraufsteigen hie und . da ein Stück seiner fclfernen Consistcnz- Auf der obersten > Spitze, wo wir waren, am Bord der Abgründe, scherzte ! eine. Zahl kleiner junger Ziegen, ohne einige .Gefahr zu I ahn» i6z ahnden: so sehr scheint dieses Thier geschaffen, die unzugänglichen Felswände zu benagen, wohin sie durch alle Alpgegendcn getrieben werden- Andere Merkwürdigkeiten des Bergs sind die sogenannten Windlöcher. Wir sahen verschiedene; eins mit einer runden beträchtlichen Oeffnung nahe an der Spitze des hohen Rasten, mochte etwa ;o Fuß tief seyn- Ein anders, das nur einer Spalte ähnlich sah, bewegte nur wenig einige darüber wachsende Blumen. Uebrigens trafen wir sie nicht so häufig an, als wir ver, mutheten- i A p p e n z e l l. Von der Höhe des Camor stiegen wir in das Thal von Appenzell herab, das viel höher liegt als das Rhein, thal- Wir erfuhren bald, daß gute Landstrassen in Appen, zell nicht sehr gewöhnlich sind; man hat dergleichen voii einem Flecken zum andern gebaut, allein nicht immer zu besten unterhalten, und zu den hundert und tausend Höfen und Häusern, die über Hügel und Thäler zerstreut sind, führen kleine Fußpfade, die allenfalls auch von einem Saum, Pferd gebraucht werden können. L» Der 164 Der Flecken Appenzellan der Gitter, mitten in einem fruchtbaren Thal, eine Stunde vom Fuß des hohen Kasten entfernt, hat ganz das Aussehen eines Orts, dessen Bewohner die alte Lebensart und Sitten ihrer Väter über alles lieben. Wenige Spuren der Ueppigkeit, des Reichthums und Geschmacks, welche Herissiu, Trogen, Mdorf, Schweig und alle andern Flecken der übrigen Cantoncn den Städten näher bringen. Nichts von fremder Sitte oder Pracht. Die Häuser mchrentheils von Hol; von verschiedener Bauart und Einrichtung, vielleicht wie es in jedem Jahrhundert Mode war, denn der Flecken ist alt- Der Luxus äußert sich aussenhcr in bunten Fensterladen, Ecken, und vorschiessenden Theilen der Dächer der Häuser. Keine schönen oder ansehnlichen Gärten, vielmehr wird aus dem benachbarten Rhcinthal viel Gcmüsse hereingebracht- Auch einige der neusten Häuser sind von Holz. Auf öffentliche Gebäude, Brunnen, Plätze ist keine Pracht verwendet. Nur die Kirche, und die Strasse gen Gais mit der Brücke über die Sittcr Meinen grosse gemeinnützige Werke des Standes zu seyn, für die er sich angriff. In der Kirche sind die an der hohen Oberdecke aufgehangenen Fahnen merkwürdig. Auch ist der Flecken seit ei» paar Jahrhunberten an Einwohnern nicht stärker geworden, als er vor der Kirchenverbcsse- rnng war, die wirklich einen Theil der Einwohner weglockte. Der r6Z Der größte Reichthum der Einwohner des Landes fließt aus den Alpen, auf den Bergen, und den Matten um die Häuser; die Kriegsdienste, denen dieser sehr kleine Canton fast zu viel Volk opfert, Pensionen und einiges Gesvinnst für die äusscrn Rhodcn, bringen dem Land Geld ein, doch so viel nicht, daß man viel Baarfchaft im Land finden könn. te. Ein Capitalbrief von -oofi. könnte z. E. hier nur mit Mühe um 80 fl. verkauft werden, da hingegen 2 Stund entfernter in Trogen oder Herisiru gerne no fl. und mehr dafür bezahlt werden. Daher wird der Reichthum änderst in den äusser» und änderst in den innern Rhode-i geschätzt; die Grundstücke haben ganz ungleiche Preise in beyden: die Lebensart, die Sitten, der Aufwand ist verschieden. Hier ! können weniger Leute leben, und das Land nur langsam bevölkern, dort sind frühe Ehen, wie in Glarus gewöhnlich. In dem ansscrn Rhoden ist mehr Arbeitsamkeit, reicherer und schnellerer Gewinn, mehr Ueppigkeit, Unmäsflgkeit, ! Pracht, schneller Wechsel des Glücks; in den innern glcich- ! förmige Sitten, einfältigere Lebensart, eine sittsame j Landtracht, mehr Bequemlichkeit, Ruhe und Müisiggang bei Armuth, und immerwährende Mtttclmäß'gkcic. In den theuren Zeiten äußerte sich die Vcrschiedcnhctt sichtbar. Da Armuth , Hunger und Elend unaufhaltbar mit allen ihren schrecklichen Folgen dir äusser« Rhoden, besonders in den Flecken, drückten, weil die Gewerbe stockten, f- fühl» i66 fühlten die innern hingegen freilich auch den Brodmangel, aber bei ihrer simplem Lebensart, und dem fortdaurenden Genuß ihrer Hirtcnspeifcn, ihrer Alpen und Matten konnten sie sich durchgingen, und erfuhren taufend Uebel der Hun, gersnoth nicht; auch der Acrmsic, der nur einige Ziegen zu halten vermochte, fand Sommer und Winter auf freien und gemeinen Waiden und Plätzen, Nahrung für dieselbe und dadurch für sich. Am fausten Abhang des niedrigen GebürgS, welches Appcnzell vom Rheinthal trennt, liegt der Flecken Gats, wo man mit Vergnügen die Schotten trinkt. Die erha, bene Lage des Ons, im Schooß der Alpen, in der Nachbarschaft verschiedener Städte und Flecken, Trogen, St. Gallen, Herisau, Altstätten, Appcnzell macht ihn gesund und angenehm; und die vermischte Gesellschaft, gute Bedienung, und zwanglose Freiheit, mit der man hier lebt, vermehren die Anmuth desselben. Je näher man gegen St. Gallen und Rheinthal hinkömmt, mit desto mannigfaltigern Früchten, selbst Weinreben , ist das Land der äustern RhoVen bepflanzt. Hier sind keine hohen Gebürgt, aber überall Flecken, Dörfer, Höfe und Hütten, über Hügel und Thal zerstreut. Weil das Land in kleinen Besitzungen unter die Privaten getheilt ist, ist, so ist es durchaus angebaut und bewohnt- Die Reichen halten hier nicht ;o bis 100 Kühe, und einige ioa Stücke klein Vieh, und der Mittelmann nicht io oder 20, wie in den innern Rhoden, sondern bei weniger» Stü, ckcn, die dem täglichen Bedürfniß dienen, sind sie mehr Arbeiter, Künstler, Fabrikanten und Kaufleute. Der Haus. vatcr bringt einen Theil seiner Zeit im Wcbkeller, seine Töchtern an der Brodiermaschine zu. Wir verwunderten uns, daß die Gcwerbtrcibcnden Ap. penzeller nicht an bessere Strassen denken. Tief, schmal, ausgewaschen, schienen sie zugleich zum Canal bestimmt, das häufige Wasser der benachbarten Güter wegzulciten. Allein so sind 24 Schuh breite Heerstrassen einem Land auch nicht zuzumuthen, wo jeder Quadratschuh Boden in Ehren gehalten wird, und bei der Kleinheit des Lands, ^ und der Menge der Bewohner angebaut werden muß, ws Gemeinwcrke so drückend sind, und wo kein Ackerbau, wenig Fuhrwerk für den Feldbau ist, und die Befrachtn»- l mir Saumpfcrden zu geschehen pflegt, weil der Boden so selten eben und so wasserreich ist. Von verschiedenen Anhöhen bey Speicher, am Stoß rc. hat man vortrcfliche Aussichten über den Bodensee, unk die daran gränzenden fruchtbaren Länder. Es war aus so!» r68 solchen, wo die Appmzeller den blutigen Kampf mit dem Abt von St. Gallen und seinen Bundsgenosscn vor etwa 400. Jahren wagten, sich frey zu machen. - Trogen ist erst durch Verträge, hernach durch das Glück des Handels, und HerisauKurch Fabriken emporgekommen. Die öffentlichen Gebäude, das Rathhaus, Archiv, Zeughaus stehen tief unter der Grösse und Schönheit einiger Privat- häuftr. Nur die Kirche, ein Werk Grubcmanns, nimmt sich durch verschiedene kostbare Zierathen heraus. Alle Gebäude des Fleckens stehen getrennt, und die meisten zerstreut. Desto mehr fühlten wir, wie die Aussicht über die bey ihrer Einförmigkeit so anmuthige Gegend bis an die Gränzen des Camor und der Toggenburgerberge über ein durchaus angebautes, hie und da mit mannigfaltigen Früchten geschmücktes Land und tausend Wohnungen, meistentheils im Wohlstand lebender Landlcutc, die Herren ihrer selbst sind, und auch den Namen von Zehcndcu, Grundzinsen, Frondiensten und herrschaftlichen Rechten nicht kennen, Aug und Herz erfreut- Dcr Appenzeller, der gewöhnlich seine ; — 4 Kühe hält, theilt seinen Boden in zween Theile, den einen bestimmt er dem Winrerfutter, der andre wird den Sommer über vom Vieh genossen, das ihm seine Tafel mit Milchspeisen und Fleisch besetzt. Der Webkeller verschaff ihm Geld für die übrigen Bedürfnisse, die er aus den benachbarten Pro, 169 Provinzen des Rheinthals, St- Gallen, Thurgäu, oder fernerher aus Schwaben ziehet- Der chmalige Ruhm der Frugalität der Appenzeller, durfte sich wohl nach dem Urtheil von Kennern, auf die cinsammen zerstreuten Wohnungen in gebürgigern Gegenden einschränken. Gebrannte Wasser, Kasse und Ehoco- ladc treten häufig an die Stelle der berüchtigten Haber-Grüze die ehemals ihr Morgenbrod ausmachte. Die Eitelkeit erhöhet die simple Kleidung eines rohen Hemds, langer Beinkleider, über die am Sonntag die Strümpfe gewickelt werden, und der rothen Wetzte, mit einem Diamantring oder silbernen Schnallen, koder einem Kleinod von Gold, und trägt ein Gemisch alter Tracht, und neumodischer Kostbarkeiten in der Kirche zur Schau. Der Tanz ist streng verhörten ; und wer um Geld spielt, giebt Busse. Allein bald jeder kann tanzen und hat Hang dazu. Die Natur selbst scheint dem Volk die Geschmeidigkeit der Glieder, die Lebhaftigkeit des Gemüths und das musicalischc Ohr geschenkt zu haben, welche zum Tanz geschickt machen; auch hält es schwer in Democratien herrschende Neigungen, durch den Arm der Magistraten zurückhalten, die selbst von dem Volk abhängen, dessen Liebhaberey sie Schranken setzen sollten: Und kann gleich die Kaufmannschaft und Fabrikwesen ohne einen Grad von Cultur, einige Kenntnisse, Ordnung, Reinlich- 17 « lichkeit und Gewandtheit des Geistes nicht bestehen, so scheint dennoch der Geist derselben bey den einen und die Nothwendigkeit des Feldbaues bey andern Lcctur und ander wcitige Anbauung des Verstands und Herzens verschlungen zu haben- Die Geistlichen und einige Liebhaber unter den Particularcn bleiben noch immer die Depositeurs der gesummten Gelehrsamkeit. Immer scheint sich ein falscher Begriff von Volks- Ehre und Freyheit einzumischen, der es nöthig macht, jeden Schritt zu prüfen, eh man eine Verbesserung oder Aenderung anrathct, die vielleicht damit in Widerspruch gesczt werde/, könnte. - Das Gefühl der Unabhängigkeit macht sie zur glücklichen Nation. Die Regierung selbst ist so eingerichtet, daß die Last der Geschäften sowohl als der Ausgaben, auf die Reichen und Ehrgeizigen fällt, die nichtsdestoweniger von der LandSgcmeine abhängen. Der Landcsseckel wächst von längst angelegten Capitalien, Bußen, Pensionen u. d. gl. ohne alle Beschwerde des Landmanns. Die Besoldungen der Aemter sind so viel als nichts. Ehre und Beifall sind die Belohnungen der Großen- Das erste Standcshaupt hat etwa 100 'fl. Einkünfte. Diese geringen Vortheile, die lange nicht die weit grösser» Ausgaben vergüten, sind eine mächtige Schutzwehr gegen Practiken, und halten den bescheidnen Landmann von dem Bestreben zurück, aus dem glück- g! k, d a d s> zi n r t h r » 5 l ! t s lt 1- n. m r« s- :n >c- :zt i - glückseeligen Mittelstand zu trcttcn , den er leicht behaupten kann- Ungeachtet die Appenzeller Landsgemeinde unter allen die stärkste ist, so gehet sie dennoch ruhiger als die meisten andern vorbei. Die Ursachen scheinen in den vielen subordinierten Gesellschaften, die einen Theil der Geschäfte besorgen, und -er Vorbereitung der Geschäfte auf dieselbe zu liegen. Auch darf niemand von freien Stücken etwas neues anbringen, es werde dann gefraget- li- aß H e r i s a rr. )ie ^ Grubemann ist nicht das einzige Kunstgenie der Ap- on I penzeller, die sich herausnehmen, ohne Handwerksform und on ^ Rechte, den vieljährigen Unterricht der Handwerke zu über- gl. I treffen. Sein Geburtsort Teufen hat auch Uhrenmacher >en > hervorgebracht, die sich durch ihre Kunstwerke im Land be- ind ' kannt gemacht haben. Aus den Grubcmannischen B-ücken, ept Kirchen rc. und andern Arbeite» der Appenzeller zu urtheile , len, ist es nicht so fast die Schönheit und Mannigfaltigkeit lnd der Form und Ausarbeitung, was sie berühmt gemacht, den sondern ein sehr einfacher Grundsatz, ein Handgriff, eine »ein simple Erfindung in irgend einer Kunst welche sie dann auf aller- allerlei Massen, Stoffen und Grössen angewendet. Uns gefiel, was wir hie »nd da den Anlaß hatten, zu sehen, daß troz der Reichthümer, die sich viele Künstler erworben, die simple alte Lebensart «nd Tracht dennoch unter ihnen herrschte. Häufig ist man betroffen, Männer, deren Titel, Kunst und Vermögen sehr glänzend find, in schwarzen Lederkappen, mit kunstlos über die Schultern hängenden Locken, rothen Wambs und rothen Kitteln anzutreffen- Wie weit entfernt von der Windbeutelei, die in Städten, in goldenen Tressen herumhüpft! Die fremden Moden find also noch'sehr selten, besonders in der Tracht der Frauenzimmer; und es ist zu zweifeln, ob außer Herisau auch nur die Namen Frisur, Peruester, Zuckerbccker u. d-gl., im Appenzellerland verstanden werden. > ! r i Herisim selbst, der schönste und größte Flecken des! ! Landes, blühet von gutem Fortgang der Fabrikarbeitcn und ^ ! der Handelschaft- Die Kunst der Brodcrie soll hier mehr ! als nirgendswo getrieben werden- Töchter und Kinder von ^ 8 — 20. Jahren brodiercn- Der Verdienst war anfangs groß; ein Mädchen konnte wöchentlich bis auf eine» Duca- ten gewinnen; da nun die Kunst allgemeiner geworden, ist der Arbeitslohn bis auf einen Drittheil gefallen. Wir sahen verschiedene Stücke, die gewöhnlich die Grösse eines Klei- ^ des haben; sie waren schwer von Seide und Gold, und einig« l7S einige mit Geschmack dessiniert- Die Reinlichkeit, mit der die rohe Hände der Appenzellerinncn ihre Arbeiten vollenden, macht ihnen Ehre. Der Verkauf derselben ist in der Schweiz sehr gering, und das Tragen weit und breit verholten. Die Feinheit des baumwollenen Gcwcbs, nebst der Pracht und Kostbarkeit der Farben, macht diese Stoffe zu einem Zweig des grossem Luxe an Höfen: man glänzt in den Kunstwerken der Appcnzcller, Mädchen an den Höfen zu Wien und Petersburg, wo der bloße Stoff zur Robe, mir 50 — roo. und mehr Louisd'or bezahlt wird. Der Leinwandbandel ist indessen die Hauptquclle des Reichthums und Vcrdicnsts der ausser« Rhoden. Policey Und der Wetteifer der Appcnzcller-Landleute vereinigen sich, diese, für den Europäer so nöthige Waare in Credit zu erhalten, und sich des Debits zu versichern. Es sind mehrere und dringendere Gesetze für die Leinwand, als für das Baumwollengcspinnst und die Vroderie, als worinn Arbeiter und Kaufmann freiere Hände haben- Das Thür- ! 8 au liefert den bcßten Flachs dazu, schlechtrer kommt auS Schwaben, auch in Appenzell und Rheinthal wird gepflanzt. Die Spinnerei ist auf einen hohen Grad getrie- > den, man spinnt bisweilen einenFaden, von dem looao. Schuh j Mn ein Loth wägen- Nach dem Grad der Feinheit wird die Arbeit bezahlt. Ueberhaupt sind Zweidritthcile der Ap- 174 penzellcrfamtlien mit Fabrikarbcit beschäftigt. Die ältern und stärker» Mitglieder der Haushaltung geben sich im Wcbkellcr mit Webe» ab. Die feinsten Stücke dieser Gewebe sind die sogenannten Battistcn. Jedes Stück Leinwand ist »ach Länge und Breite obrigkeitlich bestimmt: andere Ordonnanzen hindern jede Art von Betrugs befehlen dem Kaufmann baare Bezahlung der Arbeiter, und schränken seinen Gewinn auf gewisse Procente- Das Stück hält etwa 120 — Ellen, und wiegt 50 — 60 Pfund. Die gemeine Leinwand wird unter den Appenzellern selbst 5 — io Louisd'or nach Verschiedenheit der Güte geschätzt. Auf Saumpferden, deren jedem 4 Stücke auf, geladen sind, werden sie herumgeführt. Die Kaufleute versenden sie in alle Provinzen Europens, und auch in entferntere Welttheile. Eine artige Sitte tragt mit bei, den Ehrgeitz der l Lemwandwcber zu spornen, und sie zu immer grösser» Verfeinerung ihrer Kunst zu vermögen. Das feinste I Stück Leinwand, , welches bis auf eine gewisse Zeit im! Jahr fertig wird, heißt der König. Aus allen den fein, sten Geweben, die während dem Lauf des Jahres den Kaufleuten eingebracht werden, wird er von den Kauffeu, len als das vortrcflichste Gewebe anerkennt, und wenigstens rn im Sein« in- len ück rd. rn üte uf. ate in stenS um ? fl. theurer als alle andere angeschlagen; die- Stück soll den besten Geweben aus Holland nichts nachgeben- Sein Preis ist schon auf 200 — zoo fl. gestie, gen, und der Werth einzelner Ellen auf einige Gulden. Diese Arbeit ist der Preis der Kunst: sie nüzt dem Besitzer wenig, weil sie wegen Feinheit nur zu seltenem Gebrauche taugt, und ist wegen außerordentlich vielen, Abgang /und der langwierigen uncrmüdetcn Geduld dem Künstler lästig, der wenig Vortheil davon hat, auch bei den theuersten Preisen. Indessen trägt der Künstler seine Arbeit im Triumph im Hauptfleckcn herum, seine Kunst- verwandten folgen ihm mit Blumensträusscn in Procession von Haus zu Haus, und die Ehre ists, die über alle Schwierigkeit und Eiubüssung siegt, und andre aufs folgende Jahr ermuntert. ^ Unter den Erfindungen der Appenzeller Leinwandwe» M der zeichnete sich vor einigen Jahren ein alter Mann ,ste > durch das künstliche Gewebe eines Hemds aus, das, ohne im I E Nach oder Gebrauch der Nadel, auf dem Stuhl in« vom Künstler seine völlige Form bekommen: die Faden >en; vcrlohren sich so in einander, daß schlechterdings keine eu«! Spur von Nähcrarbeit daran zu erblicken war. Der ng- ^ Künstler, aus einem den Appenzeller» nicht ungewohnten r Ei- r/S ^ Eigensinn, zeigte auch seinen Kindern selbst die Kunst nicht, sondern nahm sie mit ins Grab, nachdem er die Maschine verbrannt hatte. Rei- B ie Reisen durch einzelne Gegenden v p n Graubündten. V Seiner der Staaten Hclvetiens ist in geographischer und statistischer, natürlicher und sittlicher Hinsicht dem Auslande minder j bekannt, als Graubündten. Jeder Deitrag zur näheren Kunde dieses intereßanten, man dürfte beinahe sagen originellen Landet muß also willkommen seyn. Ich hebe daher diefolgenden Reisen durch einige Landstrecken-Bnn-tens aus dem: Sammler, einer für die individuellen Bedürfnisse dieses Staates unter der Aufsicht des verdienstvollen D. Amstcin's in den Jahren 1779-1784 erschienenen, nicht in den Buchhandel gekommenen Wochenschrift, aus. Dem ^ Lrdbesch^iber können die kleinen Details nicht unwichtig seyn, und jene Leser, die nur durch Darstellungen schöner Natlirszerien re. angezogen werden können, mögen diese wenigen Blatter überschlagen. Der Verfasser ist der, durch sein Philantropi», seine Staatsschristcn und seine Schicksale in der neuesten Bündtner'schen Revolution sdie übrigens ein Muster ist, wie man Gebrechen des Staates heilen soll) bekannte, ehemalige Königl. französische Minister Ulyßcs von Sali» zu Macschlins. 1 Reise von Lugnetz bis in das St. Pctersthal. ^en 17. Herbstmonat vrr beym Anbruche des Tag- verreiste ich von Ilanz in das Lugneyer Thal- Der Ein. gang liegt geraden Wegs gegen Mittag von Ilanz. Vor der Mündung des Thals steht auf einem Grashügel das Schloß Rastelberg, jetzt ein alter Thuen ohne Dach. Der Weg geht in einer ziemlichen Entfernung ob dem Schloß einem Tannenwald zu, bey dessen Eintritt ein hoher beträchtlicher Marchstein, die Gränzen zwischen den Hochgerichten Grub und Lugnetz zu bezeichnen, steht; Ends des nicht grossen Walds zieht sich die Landstrasse durch eine ob und unter dem Weg sehr steile, zum Theil fclsichte Halden, und Seht an dem engsten Orte unter einem uralten Thor durch, das vor einigen hundert Jahren erbaut worden, die Stelle tiner Landwehre zu vertreten. M s Als Als Anno r;;- Rudolf Graf von Montfort mit seinem Kriegsherr durch die ob diesem engen Passe gelegenen Alpen in das Lugnetzer Thal eindringen wollte, und Ulrich Walthcr Freyherr von Bellmont mit seinen Lugnetzer» an einem Orte, Montana genannt, ihm begegnet war, und ihn mit grossem Verlust zurückgeschlagen hatte, sollen unterdessen die Lugnetzer Weiber ein starkes Dctaschemcnt, so durch den obgcdachtcn engen Paß eindringen wollte, durch «inen Hagel von grossen Steinen, die sie von» Berg herab, wälzten, abgetrieben, dadurch ihren Männern den Rücken gesichert, und zum Andenken das Vorrecht erhalten haben, in der Hauptkirche zu pleif bei will« auf der rechten Seite zu sitzen. Unsere Geschichtschreiber meiden von dieser Heldenthat der Lugnetzer Weiber nichts, im Lugnetz aber ist es eine allgemeine Sage, und in der Kirche zu pleif,sitzen sie wirklich auf der rechten Seite. Gleich außer dieser Landwchre sieht man ob der Strasse ein dem heiligen Mauritius gcwicdmetes Küchlein. Jenseits des tiefen Thals, worinn der Glenner rinnt, sieht man hoch oben im Berg das Dörfgen Riein mitten in einer fruchtbaren Halden, die sich gegen Mittag wendet. Ein weiter Bcrgkessel, der bis an den Fuß der hohen fel- sigten Bergfirsten hineinbringt, deren entgegengesezte Seite man in Savieu ob der neuen Kirche sieht, trennt das Ge- ^ biet l r l l t h r ? s i! g g >i § o ti ri r, L b st I ei. en ll. en nd er. so ch. en en, ^cn »er etz i» j der in. cht in )ct. fel- eitt Ne- t t8r biet dc§ DörfgenS pitasch, so tiefer auf einem etwas ebenen Grunde gelegen ist, und weiter oben im Berg sehr schöne Mayensäßen hat. Zwischen diesen becden Dörfern liegt noch ein Hof, wignina genannt; becde find reformir- tcr Religion, und gehören in das Hochgericht Grub. Ein Bergstrom, der aus den 'abgedachten Bergfirsten herabstürzt, und sich ein tiefes Tobcl auSgegraben hat, trennt gleich jenseits pitasch auf dieser Seite Grub und Lugneiz Jenseits dieses Tobels ist ebenfalls hoch im Berg oben das Dörfgcn Duwing, welches zum Lugnctz gehört, aber dennoch reformirtcr Religion ist. Nächst dabei ist Camonz, so am nämlichen Berge liegt, und in zwei große Höfe eingetheilt ist. Weiter, gleich wo dieses Gcbür« ge sich gegen das walstrthal ostwärts umwendt, ist Tersch. Naus, und unten in der Tiefe Furt oder Fuort. Diese Dörfgcn machen eine der acht Nachbarschaften des Thals Lugnetz aus, und nehmen die ganze Morgenscite dieses Thals bis an den walserbach ein. Nicht weit von der vbgedachten St. Nkrurizt Rirche theilt sich die Landstrasse in zwei Wege; der eine führt Südwest nach Lombels, ei» nem großen Dorfe, das man gleich vor sich ficht, der andere Nach peiden, einem kleinen Dörfgcn, das gleich unter Com. bels liegt, und mit diesem Dorfe eine andere der acht Nachbarschaften dieses Hochgerichts ausmacht. Von Petde» -eht der Weg zwar fahrbar aber sehr steil hinab, bis in das. Thal. Thal/ wo der Glenner fließt. An dem Ufer diese» Flusses steht eine alte/ dem heiligen Lucius nachgenannte Kirche, mitten in einer Wiese, wo im Herbst ein grosser Vichmarkt gehalten wird. Gleich darob geht eine hölzerne Brücke über den Glenner und )o Schritte darob quillt aus einem Schutt- berg , hart ack dem Flußbett des Glenners, ein Sauer« Wasser hervor, das einen starken Tintcngcschmack hat, den Grund, worauf es fließt, mit einem rostfarbigen Ansatz überzieht, und der dem von dem St. Mauriyt Wasser ganz ähnlich ist. Die Quelle ist arm, kömmt an wenigen Orten aber nur Gicßfaß stark hervor, und ist dem Ucberwasser des Glenners sehr ausgesetzt. Jenseits der Brücke ist ein Haus wo dann und wann dieses Wasser zum Baden gebraucht wird; man muß es aber in Gelten hinüber tragen, in Kesseln wärmen, und in Zübern baden, so sehr fthlts an allen Anstalten. Ich gieng über die Brücke auf Furt zu. Dieses Dörfgen liegt auf einer kleinen Ebne zwischen dem Glenner, der sie gegen Abend, und dem Valstrbach, der sie gegen Mittag begränzt. Becde Flüsse laufen in seinem mehr als vierzig Schuh tiefen Fclsciibette. Gleich jenseits des valserbachs, über welchen allda eine gewölbte steinerne Brücke geht, steht auf einer flelsichten Erdzunge, zwischen dem gedachten Bach und dem Glenner das Schloß Oberkastels und die Pfarrkirche der aui dieser Seite des Glenners liegenden Gemeinden. Ob dem dem Schloße ist das Dorf gleichen Namens. Auf einer An« Höhe ob Furt kann man das ganze Lugneyer T^a: über» t sehen. Dieses Thal theilt sich bey Rastels in zwey A-ste, r der eine wendet sich Südostwärts gegen Vals, der andere - ^ laust mit dem ganzen Thal in einer Linie gegen Süd. « West, senkt sich aber hinten noch ein wenig Südsüdwest; l urch a diesen strömt der Glenner, der zuhindcrst im Lugneyer Thale entspringt, bis auf Rastels, wo er von dem valser >i Landwasser wenigstens verdoppelt wird- Der vereinigte, nun n ziemlich ansehnliche Fluß durchstießt die Tiefe des vor-em s ^ Lugnetzer Thals, und fält nach einem fünf Stunden lan- >s ! gen Laufe nächst unter dem Städtgen Ilanz in den vordem !,t > Rhein. Von dem angemerkten Standpunkte sah ich den ss- Lauf dieses Flusses so weit er das Thal Lugnetz durch- m strömt. Das gegenseitige Ufer ist eine etlich hundert Schuh ie- hohe Felscnbank. Auf der schönen, aus Wiesen und etwas > m Acckern bestehenden Terrasse, die er bildet, stehen die Dörfer l), und Dörfgcn des Lugnetzes nach einander in einer geringelt in Entfernung, jene allein ausgenommen, deren wir schon er» ich wähnt haben, weil sie auf der andern Seile des Glermert lb- sieben, edier Das äusserste gegen Ilanz ist Lombels, ein grosse» auf Dorf, welches eben da liegt, wo die oben bcnEre Tcrrasse Ob Ech gegen den Hintern hohen Berg zustutzt« und sich darrm» ,84 verliehet. Eine kleine Viertelstunde gerade unter Combels ^ ist das Dörfgen pelda auf einem untern Absätze der Tcr- ^ raffe- Es macht, wie ich schon bemerkte, mit Combels eine der acht Nachbarschaften aus. Nach Combels sieht ^an das Dorf Maurizen, welches aber nicht aufdcrTer- raffe, sondern höher im Berg, wo sich dieser sehr sanft senkt und ein sehr schönes Bcrggclände bildet, steht; mit dem weiter oben liegenden Hof Narciaga macht es auch eine ^ Nachbarschaft aus. Jenseits Combels und auch ctwaS jen- seits Maurizen erhebt sich die Terrasse gegen dem Glenner zu wie ein Bollwerk. Auf diesem steht die Haupt-und Pfarrkirche des ganzen Lugnetz diesseits des Glenners, die deswegen pleif heißt. Gleich darneben in einem angenehmen Thälgen, das dieser einem Bollwerke ähnliche Hügel und der Hintere höbe Berg bilden, liegt der Flecken Villa der das Hauptort des ganzen Thals, und allein eine ganze Nachbarschaft ist. Nun folgen auf der Terrasse, die ziem- lich eben fortläuft, vier sehr kleine Dörfgen, Igels, Dajett Rumain, und Felix, die zusammen eine Nachbarschaft ausmachen, dann folgt Figens, Fienz, ober Viana, Rasteis gegen über, mit den es eine Nachbarschaft bildet. Eine kleine Halbestunde weiter ist Lombremo, ein beträchtliches Dorf, und folglich eine ganze Nachbarschaft, und endlich in gleicher Entfernung liegt Frain, hinter welchem Dorfe sich das Thal in der Tiefe schließt, in der Höhe aber sich in zwey «n. '85 enge Bergthäler theilt, wovon das eine, puzasch, sich ge« radenwegs gegen Westen bis an den Bergkamm, der ob Mädels ist, erstreckt, das andere, vaneza, gegen Südwest fortläuft, und zu hinterst, wie wir weiter unten weitläufiger erzählen werden, mit Vals zusammenhängt. Der hohe Berg hinter diesen Dörfern ist nicht sehr steil, und besteht aus fast ununterbrochenen Wiesen, die oben mit schönen Alpen bekränzt, und mit Ställen und Sommerwohnungen dicht übersäet sind. Waldung sieht man keine, ausser einigen Tannenbüschcn, die an solchen Orten stehen, wo sie die Dörfer vor der Gefahr der Lauinncn schützen, und daher nicht dürfen umgehauen werden. Die Einwohner der eben erwähnte» Dörfer müssen sich daher aus dem Walde, der gleich beym Eingänge des Thals ist, und mit dem beträchtlichen Wald, der hinten über Rastels ist, behelfen. Die Zufuhr aus dem letztem ist sehr weit und beschwerlich. Vielleicht könnte man diesem grossen immer zunehmenden Holzmangel durch Torfgrabcn abhelfen. Die Dörfer diesseits des Glcnuers sind in Ansehung des Holzes glücklicher, da sie wenigstens Tannenholz genug haben. Lerchen sieht man in diesem ganzen Thale sehr wenig, und Laubholz, ausser einigen Kirschenbäumen in den Dörfern, wenigen ziemlich grossen Eschcnbänmen zu Furt, und etwas Erlen am Ufer des Glenners, gar keines. Nun tK6 Nun setzte ich meine Reise nach vals fort, kam sehr nahe unter dem oberwähnten Dörfgen Terschnaus durch, und trat allda in das enge Thal, worinncn dcrValserbach strömt. Der Weg zieht sich durch einen auf den steilen Rippen des fel- sichten Bergs stehenden Wald hinein. Gegen über ist der Berg ' mit einem noch dichtem Walde bekleidet- Vccdc bestehen aus nicht sehr grossen Tannen und wenigen Lerchcnbäumen; doch ficht man langst der Strasse auch Birken, Eschen, Ehr» lcn, Aspen, Buchen, Ahornbäume und Guretschbäume, Vo- gclbeer-auch Holundcrstauden mit schwarzen und weiter gc, gen Vals mit rothen Beeren- Eine halbe Stunde von ^ Terschnaus erweitert sich das Thal ein wenig vermittelst ei, ^ ner Vertiefung des Bergs gegen Norden, in welcher einige s haldigte Wiesen und darauf einige Häuser und ein Kirchlcin i liegen, das dem h. Martin gcwicdmet ist, und der ganzen ! Gegend den Namen giebt: Nahe dabey geht der zum Theil , in den Felsen cingchancne Weg am Rande eines fürchterlichen Abgrundes, und ist beydes gefährlich und unbequem. Man nennt ihn daher die Hundsschupfen; doch gehen viele Pferde und viel hundert Stücke Rindvieh da vorbey. Nachdem er aber eine ziemliche Strecke so fort gedauret hat, erweitert fich daS Thal wieder, und läßt einigen Häuser» diesseits des Bachs, die Longenatsch hcisen, und einigen andern gegen über jenseits des BachS, wovon man die drey äusser« Fetßten Berg, die inneren Mattasch nennt, einen schma. schmalen Raum. Oben im Berge ob Longenatsch ist noch ein Hof, Mons genannt; alle diese Wohnungen gehören zu der St. Martins-Rieche und auf Terschnaus, folglich zu Lugnetz. Man redt aber allda nicht Romanisch, wie sonst im ganzen Lugnetzcrthal, sondern die deutsche Spra. che, die in Vals üblich ist. Bis hicher hatte ich nur einerley Gcsteinart bemerkt, nämlich einen Kalchschiefer mit dichten Adern von einem sehr weisen und sehr reinen Quarz, hier aber fand ich in einem reisenden Waldstrohme, der sich nahe bey Longenatsch vom nördlichen Berg herabstürzt, grosse Fclscnstücke von einem grünlichten apirischcn Steine, der glatte Adern hat, und vortrefliche Blatten zu Tüchern und Fcuerhccrden abgeben würde. In der Strasse selbst, bemerkte ich Felsenlagen von weisem Marmor. Nicht weit hinter den eben beschriebenen Bewohnungcn ist hart unter der Strasse eine kleine, der h- Anna gewidmete Kapelle, die dir Gränzscheidung zwischen Luguetz und Vals bezeichnet, nächst dabey ein HofBukritona, der schon zu Vals gehört- Nun erweitert sich das Thal allgemach, der Weg wird bequemer, und geht naher beym Flusse vorbey. Endlich kommt man vermittelst einer hölzernen Brücke darüber, und tritt bey der St. Nicolat Rapelle in das Valser« thal, dessen Eintritt aber sehr beschwerlich ist, da man zwischen den Bruchstücken eines eingestürzten Berges durchkömmt. Eines von diesen Bruchstücken ist sehr merkwürdig, da eS ,rr «inen anf allen vier Seiten unnbersteiglichen vierzig Schuh hohen Thurm vorstellt, und zugleich einen Beweis giebt, daß Vals zu den Zeiten des Faust-und Kolbcnrechts noch nicht bewohnt gewesen ist, sonst hätte man gewiß einen Thurm da hinaufgebaut. So bald ich diesen beschwerlichen Weg überstiegen hatte, erblickte ich die erste Nachbarschaft in vals, Camps, die ich auch bald erreichte. Sie be. steht aus einer der h. Jungfrau gewicdmcten Kirche und einigen Häusern- Einen Büchsenschuß weiter oben am Berg ist noch eine ältere Kirche und ein kleines Dörfgen Sa- ladura genannt- Ausser Camp geht die Landstraße, vermittelst einer guten Brücke, über den) Bach, und dann mittendurch eine schöne fruchtbare Ebne, die allem Anscheine nach den Ue, bcrschwcmmungcn des Bachs ausgesetzt ist; Daß aber die Ue« bcrschwemmungen dietem Gelände nicht geschadet, sondern ihm vielmehr den größten Nutzen gebracht haben, ersah ich klärlich an einem Orte, wo man einen Graben aufgeworfen hatte. Da bemerkte ich, daß die untere Lage reiner Torf, die obere aber eine Vermischung von Torf, Letten und Sand war, welche so wohl gerathen, daß darauf das schön ste Korn und ein vortrcfliches dichtes Ochmd stand. Jen« /eits des Flusses wicß man mir den Ort, wo ein warmes Badwasser entspringt- Mitten in dieser Ebne, doch an- er- einem erhöhte» Ort, liegt der Hauptort des Thals, bey von der allda st.henden Hauptkirche St pcrcr, und von ^ einem davor liegenden mit guten Häusern umgcbnen sehr geräumigen Platz, wo Landsgcmeine gehalten wird, Platz, genennt wird- Die Ebne daurt noch eben so weit fort, als von Lamps bis St. Peter. Am Ende derselben liegt noch ein Dörfgen, Falle genannt. Zwischen diesem und St. Peter hinauf geht ein Weg in die Flimstr, Alp, und > von dort über den Berg in Savien zu der hintersten , Kirche. Zu Falle theilt sich das Thal in zwey hohe Zu- thäler. DaS eine läuft in gleicher Richtung mit dem ganzen walserthal gegen Südsüdost fort, und nennt sich pfetl. Durch dieses Thal kommt man in 4 Stunden von > St. Peter nach Hinter-Rhein zu hinterst im Rhcinwald; 1 das andere wendet sich gegen Westsüdwest, und heißt Za- > frcila. Gleich beim Eingänge dieses Thals steht auf einer > Höhe, die man ersteigen muß, wen» man in dieses Thal kommen will, hart an den Alpen das Dörfgen Fleiß oder- Leiß, das ein Kirchlein bat, dem h. Jakob gewidmet- Dieses Tbal zieht sich von da noch 2 Stunden weit hinein bis hinter Frtatn zu hinterst im Lugnetz, wo es sich mit dem Thale waneza vereint. Beede stossen allda an ein sehr hohes, mit einem ungeheuren Gletscher bedecktes Ge- bürge, das ein Thcrl des Lutmayer- oder lMarienberg» ist, zwischen welchen ein Fe.'sensteig durchgeht, wodurch man man in ei» ticfts Thal kommt, das zu dem palenser- Thal gehört, und an dessen Mündung das Dorf Camps steht. Dieses Thal dringt zwischen Diesentis und Calanka ein paar Stunden weit in das Bündtnerland hinein, gränzt, wie schon gesagt, mit vals und Lugnetz, und ist noch nie in keiner Büiidtner - oder Gchrveizerkarte bemerkt, und von keinem Erdbeschreiber beschrieben worden. Ucbcrhaupt sind alle Landkarten von unserm Lande, besonders in der Beschreibung dieser Gegend, sehr unrichtig, und decken ihre groben Schnitzer mit ganzen Gruppen von Ge- bürgen, die nirgends als in der Einbildung vorhanden sind. Der Hauptfehler kommt daher, weil sie den Lauf des Lug- netzerthals zu sehr nach Süden und Dleseutis zu sehr nach Westen setzen. Daher entfernen sie sich am Ende zu weit von einander, und drängen alle übrige daran stossenden Thäler auS ihrem Orte. Die bccdcn Zuthälcr des St- petcrthals sind so reich an schönen Alpen, die eine vortrcfliche, an den besten Alp, kräutern, besonders an Mutternen reiche Weide geben, daß ihnen schwerlich eine Gegend in Bündten hierinnen gleich kommt. Deßwegen werden viele hundert Stück Rindvieh aus den benachbarten Gemeinden Lugnetz und Flims, und rtlich tausend fremde Schaafe theils aus dem Lugnetz, theils von Bergamasker Schäffern allda gesommert, dem ungeachtet haben die Einwohner noch mehr Vieh als sie wintern können, berathen daher ihre zähmcren Wiesen so gut, und samm- sammle» das Gras von den Klippen so sorgfältig zufinn, men daß'man eher Wirthschaft bey ihnen lernen, als sie lehren kann. Dennoch wünschte ich, daß sie daran dächten, die sumvfichten Wiesen die zwischen Falle und Fleiß auf einer sehr steilen Halden häufig vorhanden sind, durch wohl- angrbrachte Haupt, und Quergräbcn zu trocknen, alsdann die Oberfläche die aus lauter Torf besteht, auszugraben, an Haufen zusammenzutragen, ihn auf der Stelle, sobald er trocken ist, zu verbrennen, und mit der Asche, die von Wasen entblödten Stellen zu übcrdüngcn. Mit wenig Klcesaamen könnte alsdann diese Gegend in die schönsten Klccäcker verwandelt werden. Das Korn geräkh in Yaks sehr gut, besonders der Sommerwcitzen, und eine Art Korn, so allda Tritik gcnennt wird, und ebenfalls eine Art Sommerwcitzen mit kurzen vollen Aehren nnd einem sehr langen Bart ist. Sie haben allda keine Rornhißen, sondern hangen das Korn umgekehrt an Latten auf, die an der Mittagsseite derHäuscr befestiget sind, und lassen es so dürren. Die Häuser in Vals sind, wie im ganzen Lugnetzerthal halb von Mauerwerk und halb von Holz gestrickt, oder gü> tvctten; die in Vals haben aber den Vortheil, daß sie statt der tänncnen Schindeln, mit steinernen Blatten gedeckt sind- Diese Blatten brechen gleich anfangs des Thals, sind aber ziemlich plump und uneben; unter Fleiß fand ich abe^ tinen weißgclben Stein, der 'vortrefliche Blatten gebe» würde, » 9 » würde. Man pflanzt in pale auch Hanf, Flachs und Erd- äpfcl, die klein und ganz rund sind. Erdbirnen wären ergiebiger. Vals ist sehr stark bevölkert, und zählt 20-, Stimmen. Die munteren Einwohner gleichen an der Bildung und Kleidung den Rhcinwäldern und reden deutsch, wie sie; sie scheinen also, wie Samen, ein Zweig dieser schwäbischen Kolonie zu seyn. Die Lugnetzer sind äugen, scheinlich ein anderes Volk, vermuthlich alte Rhätter oder ^ Lepontier. Dieses erhellt nicht nur aus ihrer Sprache ^ und den alten Schlössern (denn Sprecher zählt deren fünf) sondern auch die fast gänzliche Ausrottung der Wälder be- ! weist, daß das Land schon lange bewohnt ist, UebrigenS ist auch das Lugnetz stark bevölkert, und soll raoo Stimmen zählen. Beyde diese Thäler beweisen, daß auch katholische Gemeinden stark bevölkert seyn können. > Ich speiste zu St. Peter bey Herrn podestat vieli i s zu Mittag. Wahre Gastfreyheit wohnt Gottlob in unsern , rauhesten Thälern, aber kein Wunder! fle war immer mit x der Einfalt der Sitten gepaart. Gleich nach dem Essen / giengen wir zu dem Herrn Johann Evangelist« Lertsch, r Kaplan in der St. Peterskirche, von dem ich gehört hatte, k daß es ihm dieses Jahr gelungen wäre, eine grosse Anzahl s Hüner durch die Ofenwärme auszubrüten. Er empficng g mich in der Stube, worinn, er diesen glücklichen Versuch ge- ^ b macht 19z macht hatte. Ich sah auf einem gemeinen, viereckichten Baurenvfcn auf einer vier bis fünf Zoll dicken steinernen Blatte, womit er bedeckt ist, ei» viereckichtes von Brettern eingeschlagenes Gehäuft, baS bis a» die Decke des Zimmers reich», und durch zwey dazwischen angebrachte wohlgeschlof. ftnc Zwischcndiehlcii in drey Etagen abgesondert war. Jede Etage war tm Licht ohngcsähr fünfzehn Zoll hoch, und harte ' i wenigstens zwey Ocfnungcn, doch nicht so groß wie sie von r j Nraumur angegeben werben, und nicht mit Fallthüren > sondern mit Schiebern versehen, die doppelt so groß als - die Ocsttung, und halb mit einer Glasscheibe, halb mit en» ! gen Sprossen versehen waren. Ob er sich beym Einsetzen r der Eier der Schubladen bedicnr, weiß ich nicht, aber kaum e ist es bey der so engen Thüre möglich. Er gebraucht aber sorgfältig Thermometer, die er selbst mit wohl präpariertem Weingeist verfertiget, und in Röhren von Holunder hincin- i steckt, damit sie nicht gebrochen werden. Er hat, wie er " Wich versichert, in sieben oder acht malen zwölfhundert Eyer ^ eingefttzt n,,d daraus achthundert Hünlein erhalten. Er " setzt aber zuerst die Eyer nur zwey oder drey Tag ein, dann witcrfucht ^ vermittelst eines Souncnstrals, der durch ein k kleines Loch in ein finsteres Zimmer fällt, ob sie befruchtet ^ seyen oder nicht, und wählt zu seinen Proben dann nur die ^ Tuten. Dieses trägt vieles zu seinem glücklichen Erfolge ^ bty, has meiste aber ist der unaussprechlichen Sorgfalt und N l Auf. 194 Aufmcrkiamkcit, womit er Tag und Nacht für seine kleine ^ Hcerde wacht, zuzuschreiben. Die neu ausgeschlüpften Küchlein hält er Anfangs in einer sehr warmen Stube, und gewöhnt sie erst nach und nach an kältere Lust; essen lehrt sie die Natur selbst. Er nutzt hicbcy Reaumurs und Anderer ^ gedruckte Anweisungen, und es fehlt ihm nichts als die Börse eines Pharao, um egyptische Brutofen zu Stande zu brin- j gen. Nun trat ich meine Rückreise an, und wurde von dem obgcdachten Herrn podestat pleli noch bis zu dem Bade begleitet, von welchem ich oben Meldung gethan habe- ^ Ich war sehr erstaunt, als ich allda in einer sehr anmnthi- l gen Gegend, wo man einerseits St. Peter und FaUee, an- » derseits Camps und Saladura sieht, mitten in einer gra* . sichten Halden eine reiche Quelle hervorsprudeln sah, die der größten Aufmerksamkeit würdig ist, weil ihr Wasser dem berühmten Pfcffcrser Wasser sehr ähnlich ist. Denn das Wasser der Quelle ist eben so warm, als das Pfefferserwas-1 ser auf der Trinklanbe, der Schlamm aber, der auf dem > Boden sitzt, ist viel wärmer. Es ist eben so hell, öhlicht i anzufüllen, und ohne irgend einen Geschmack, wie das Pftst i ferserwasscr. Nur unterscheidet es sich von ihm in zwe» I Stücken: erstens, daß ein sehr feines Ocl oben aufschwimmt: ' zwcytcns, daß es einen sehr häufigen rostfarbigen Ansatz 1 macht, der eine Eifcnochcr zu seyn scheint, womit es des ^ , Boden, die Steine, ja sogar die Pflanzen, über die es weg« fließt, ne fließt, färbt oder überdeckt. Ich nahm von diesem Ocher- H, etwas mit, prüfte ihn mit dem Magnet, der aber nichs an- it- log. Vielleicht sollte es zuerst geröstet werden. Ehemals sie war ein BadhauS neben der Quelle, und man gebrauchte >er dieses Bad, wie Sprecher sagt, für das Fieber. Jetzt cse liegts im Schutt, und die herrliche Quelle fließt ungebraucht vorüber, und fallt etwa achtzig Schritte von ihrem Ursprung on in das Landwasser, das an dem Ort wo sie darinn fällt, >n, ^ niemals Eis macht. Wenn die Entlegenheit und der bebe- ^ schwerliche Zugang dieses Thals eine Hinderniß sind, daß hi- man nicht viel darauf wenden, und diese reiche Gabe der ,n- » Natur nicht zum besten des Menschengeschlechts nutzen kann, ca- so sollte man doch wenigstens zwanzig Schuh unter der tie Quelle einen Raum, der achtzig oder hundert Schaafe cnt- :n, halten könnte, mit einer Maur umschliessen, und einer Thür >as verwahren, und alsdann das Badwasser durch einen Kanal as- so dahin leiten, daß eS von einer ziemlichen Höhe auf die cw Schaafe herabstürzte. Dieses Mittel die Schaafe gleich vor cht der Schaafschnur zu waschen, ist von einem viel grösser» Nutest ien, als man es sich vorstellen kann, und wird im Worm- serbade mit dem größten Vortheil gebraucht. Es macht die it: Bolle viel reiner und besser, als wenn sie erst nach der Schaaf- satz schür mühsam gewaschen wird, und ,st den Schaaftn sehr )e" gesund. In vals, wo man so viele Schaafe hat, n ü de es« N s es l§6 « sich gewiß der Mühe lohnen, wenigstens eine Probe da- ! mit zu machen. Im Vorbeigehen zu Camps vor der Kirche bemerkte ich einen weisscn Ahornbanm, :uävp1atkmu8^ desto i merkwürdiger, weil ausser Ehrlenstcuden, die unstreitig das wildeste Laubholz sind, sonst kein Lanbholz allda zu sehen ist. Von dem gegenüberstehenden Berg stürzt sich ein Bergstrom durch ein Felsenbett herab, stößt sich unten an den vorstehenden Felsen, und prellt wieder zwölf ober fünfzehn Schuh in die Höhe; gewiß eine der prächtigsten Wasserkünste, die i man je gesehen hat. Auch im Lugnetz sah ich ein paar > Bäche, die sich von der vorhin beschriebenen Felsendank > in den Glcnner stürzen- Der Valserbach bildet nicht ' minder einige Wasserfalle. Bei der vorhin beschriebenen ! Brücke über den Glcnner bei der St. Luzi. Kirche sah ! ich den Weg, der in das Dörfgen Dmving hinaufgeht, > der sogar mir selbst schrecklich vorkam- Ich langte Abends > um neun Uhr zu Ilanz wieder an, nachdem ich von Gt,! > Peter bis zu der St. Anna-Rapelle an den Gränze", > von Lugnetz eine Stund, von da bis Furt eine und eint,> > halbe, von Furt bis peiden eine, und von da bis IlaG - eine und eine halbe, in Allem fünf Stunden zurückgelegt ' hatte. Von St> Peter bis nach Fleiß rechne ich eine gutt < halbe Stunde. 1 Reise 197 1- re to ^ i§ ^ m j j n- ah >ie ar nk cht en ah ht, ^ >V§ > ?t. ze» ^ i»e >o eg> ^ ulk L. Reise von Worms (Bornico) bis auf Scans in Enggadin durch das Livinerthal. ^cn 20 . Heiimonal i?8!. Morgens um 8. Uhr italieni. >chcn Zeigers, reifere ich von worms ab. Von diesem Orte und der anmuthigcn Gegend, worinn er liegt, sag ich nichts, da er eine eigene Beschreibung verdient. Ich Nahm meinen Weg gerade gegen Mitternacht bei einer, dem h. Gallus gewidmeten Kirche vorbei, welches die Pfarrkirche des gegen dcmWormscrbadc zu gelegenen fast ganz verstörten Dörf- genS Molina und der Dörfgcn premaglio und Torripia- no ist. Nicht ferne von dieser Kirche kam ich über die Adda, die hier noch sehr klein ist, da der Fredolfo erst eine halbe Viertelstunde weiter unten darein fallt, und sie mehr ais um die Hälfte verstärkt. Gleich dabei steht auf dem sehr hohen rechten Ufer der Adda das eben genannte Dörfgen premaglio, das erste des Thals, durch welchcs ich den Weg nahm. Zu premaglio sind Hammerschmid- ie», in welchen das Eisen geschmiedet wird, das man nicht ferne von da in dem Freelerthal gräbt und schmelzet. DaL 198 DaS Thal, in dessen Mündung ich mich izt befand, ^ drängt sich gegen Mitternacht zwischen dem Freelerthal, von welchem es gegen Morgen, und dem Großiner-nnd i puschlaverthal, von welchen es gegen Abend begränzt wird, sehr weit hinein, und heißt das innere Thal, oder Valw äi krssnc>8 von seinem Hauptorte. Es ist eines der ! drcv Hauvtthäler, aus denen, nebst dem Hauptflccken Worms, die ganz« Grafschaft besteht. Das Dörfgen Molina und die im Berge darüber gelegenen berühmten warm n Bäder gehören zu diesem Theile der Grafschaft, o^chon sie ausser der Mündung jenes Thales gelegen sind- Durch das Tval, in welches ich gctrcttcn war, strömt ein Flüßgen, das die Einwohner von der Alp, aus welcher cS hersseßt, Valbiola nennen,, das aber in den Landkarten, vermuthlich aus Mißverstand, Iiolaccia gencnnt wird, und sich unter premaglio in die Adda ergießt. Von premaglio bis zu einer Kirche, Madonna dclla pteta, geht die Landstraße zwischen Gütern durch, worinn Roggen, Gersten und Weitzen gepflanzt war. Dieses Korn hatte nur kurzes Stroh, stand aber desto dichter, und war nicht so vollkommen, als es meinem Bedünken nach hätte ftnn rönnen, da das Gebürg hier aus einem grauen harren Marmor besteht, welcher fettes fruchtbares Gcländ zeugen sollte. Hier ichndet sich die Strasse, die gcradenwegs auf Ist». ! !99 Isolaccia geht/ von der Strasse, die über pedenos dahin führt, weiches zu gleicher Zeit die Landstrasse ist, die über Frcel in das Münsterthal geht- Ich wählte die leztere, und kam über dem Dörfgen Torripiaiio vorbei, welches das elendeste im ganzen Thale ist, weil sein ganzes Gebier asts Felsen und dazwischen gelegenen Kiesgründen bestehr. Die Frucht gedeihet deswegen hier schlecht; sie würde aber doch besser gerathen, wenn die Einwohner, die zu Mazzo und Grösste» im obern Veltlin übliche Weise, die Frucht auf die Brachfelder hinzusäen, und dann mit dem Pflug untcrzubaucn, einführen wollten. Eine Bestellungsart, die allen Kicsländern anzurathrn ist. Unter Torripiano in der Ebene des Thals liegen ei, nige zerstreute Häuser zwischen schönen ebenen Wicsengrün, den, die man Val cie! fcno nennt. Die Landstrassc, der ich folgte, schwang sich viel höher dem untern Rande eines großen Fichtenwaldes nach, der sich bis auf den obersten Gipfel des Bergs erstreckt, bald aber theilte sie sich. Die eine führte allgemach den Gipfel des an diesem Orte sehe tief eingesenkten Berges hinein, und verwandelte sich da in einen sehr rauhen Felsenweg, den man Is scalettc äi krees nennt, und der sich zwischen zwei alten Thürmen durch eine Felsciiwaiid, und endlich über eine hölzerne Brücke in eu» lehr hohes enges Thal hinauf windet, welches von da biL St- Gia». sco St. Giacomo gegen Norden sich schlangelt, dort aber in zwey Arme sich theilt. Der rechte Ann führt gegen Osten' auf Cierf und Gt. Maria im M'mfterthal, der linke westwärts über den AlpiftU, upd das Thalgcn valpetin vereint sich mit einem andern Bergthal, worinn die auf pedenos gehörigen Alpen plator und Vezole gelegen find, die ein vortrcfliches Gras hervorbringen, und das seine Mündung gegen über von Trcpall hat, wo es das, in diesen Thälern sich sammelnde Wasser durch schreckliche Felsen- klüfte in den Liotnerbach ausgicßt, an dem Orte, wo der unterste Theil dieses Thals mit dem obersten vom V2II2 clsl komo zusammen stößt. Kaum wäre cö der Mühe werth diese Fclscnklüfte so genau zu beschreiben, wenn die großen Kriegsverrichtungen, die der Herzog von Rohan den ; >. Weinmonat isz,. dorr ausgeführt hat, nicht jede Wendung derselben der genauesten Aufmerksamkeit des Geschichtschreibers und des Erdbeschreibcrs würdig machten. Ich ließ diesen nach Freel hinaufsteigenden Weg znr Rechten, und wandte mich lincks nach Pedenos, dem Hauvtort diefes Thals, der aus vielen, auf der ziemlich steilen Halden des Bergs und den verschiedenen Hügeln, die er bildet, zerstreuten Häusern besteht, und eine ansthnliche Pfarrkirche hat- Ungeachtet der sthr unebenen, öfters zähen Lage des Geländes sind die Accker hier sehr fruchtbar, und bringen portresitchen Weizen, Roggen und Gersten hervor; auch > stehen r«l stehen hie und da schöne Birken, Espen und Erlen im Thal. Die Stirne der Berge aber prangt mit Tannenwäldern. Hier lieht man keine andere Sreinart, als einen rauhen krausen Sistus, und seilen etwas Quarz. Von pedenss geht die Landstrassc gcradenwcgS in das Thal hinab, wo das DorfIiolaccia in einer kleine» Ebene «icht, die aber seit zehn Jahren von dem Landwasser schrecklich verwüstet worden ist. Von Isslaccia steigt die Landstrasse wieder die Seite des rechts gelegenen Berges hinan, bis nach Samovs, ei- , > nein Oorsgcn, das vortrcfliche» Wies-vachs hat, und von einem flechsigen, starken und gefunden Volke bewohnt wird. Der Weg von diesem Dorfe bis »ach St. Carls, der lochen dazu gehörenden Kirche und Nachbarschaft, steigt durch einen nicht sehr steilen Berg, der das Hanpktl al gegen Mittcr, nacht begränzt' lind daher über das ganze Thal gegen Mittag zu eine freye Aussicht hat, nordwestwärts hinauf. Die besten Wiesen überdecken ihn wie ein grüner Teppich mit Purpur durchwirkt, denn diese Farbe scheint die herrschende unter den Blumen dieses Thals zu seyn. — Die Wiesen zeuge» von der Arbeitsamkeit und der Einsicht ihrer Besitzer da alles Wasser, das von dem Berg herunter rieselt, auf die verständigste Weift zum wässern benutzet wird. Gleich hinter St- Carls theilt sich die Strasse, die nach pssciavs führt, 202 führt, von derjenigen, die nach Livino geht. Die erste folgt einem sehr engen Arme des eben beschriebenen Hauptthals, welcher noch eine Strecke gegen Norden fortläuft, dann sich gegen Nordwest, und endlich ganz gegen Westen wendet, wo er sich mit einem eben so hohen Bergthal vereint, das hinter pisciadell gegen Osten sich öffnet. Dieses ganze Thal nennt sich Valbiola, und hat gute Schaafalpcn ^ wovon die diesseits gelegene der Gemeinde lvsrms gehört. DaS obgcmcldle Flüßgcn, welches das Pedmsserthal durchströmt, stießt meistens daher, und führt seinen Namen- Längs diesem Thal bringt die Landstrasse, durch welche man reiten, und mit Saumpfcrdcn kommen kann, die Reisenden in drey Stunden über pisciadell nach postiavo. Sie ! wird eine starke Stunde hinter St. Carle» von einem Fuß- l wcge durchkreuzt, der durch ein sehr hohes Alpenthälgen, falle äelle mins genannt, von Norden gegen Süden aus .dem Liotnerthal, in das Großincrthal, und durch dieses nach Großio oder Grossotto in das Veltlin geht. Von Gt. Carls aus sieht man gegen Westen eine» ungeheuren ^ Gletscher, der zu hinterst dem gedachten Großinerthal, ! wo es an Valbiola stößt, sich aufthürmt. Ich wandte die- ' sem und der valbiola den Rücken, und nahm meinen Weg ^ nordostwärts den nämlichen Berg hinauf, von welchem ich , eine Strecke bis St. Carls in der gegenseitigen Richtung erstiegen hatte. Ich genoß also noch einmal die Aussicht über soz über das ganze Thal, und hätte worms selbst sehen können, wenn der dieses Jahr herrschende ausscrordentliche Nebel sich nicht bis in diese Berggegenden gedrängt hätte. Meine Strasse, die zwar steinigt, aber doch gut zu reiten war, drehcte sich im Steigen längs einem Tannenwald um den Berg gegen eine Nordost sich öffnende Vertiefung des Berggiebels, welche man il mome äi lHagno nennt. l Als ich dessen Höhe durch die gäbe Halden alli Valsi erstiegen hatte, fand ich da in einer mit vielen Hügeln besezten unbeträchtlichen Fläche einen fast ausgetrockneten, kleinen ^ See, und dabei einen grösseren, worinnen noch Wasser genug war, welches seinen Ausfluß gegen Mittag hatte, folglich sich zwischen Samovo und St. Carls in die valbiola ergoß, nachdem es vorher von den fleißigen Einwohnern des lcztern Dorfes zum Wässern ihrer Wiesen bcnnzt worden. Die ganze Höhe des Berges dienet zu ei- ! »er Schafalp, die der Gemeinde Wsrms zugehört. Zwischen dieser, dem valbiola und Livinerthal liegt eine Gruppe von Bergen, welche eine andere beträchtliche Schaaf- alo, Vallaccia und Gpondaccia genannt, in sich schließt, die ebenfalls ein Eigenthum der wormser ist. Von dem Berge Foscagno (in den Landkarten unrichtig Fustani) steigt man eine ziemliche Strecke durch die ihm nachgenannte, l und eine andere Schaafalp hinab, bis man Trepall erreicht, ! ein kleineres Dörfgen, daS nach Samovo gehört, mitten in 204 in guten, fetten Wiesen steht, und ein eigenes, der h. Anna gewidmetes Kirchlein hat. Ehe man dieses erreicht, geht man über einen Nach, der sich von der Alpe Vallaccia herabstürzt; dieser vereint in der Tiefe des Thals mit dem, aus dem Thalc piator und aus dem Thäte petin herkommenden Wasser, und drängte sich dann, wie ich schon bemerkte, durch Felseuklüftc bis in Val!e äs korno. Auf dem ganzen Wege von Gamovo bis Treppall sah ich keine andere Bäume, als Tannen und einige wilde Stauden. Die Stcinart war immer die nämliche, ein rauher, wilder Sistus mit wellenförmigen Gängen. Von Granit oder ^ von Kalkstein war da keine Spur. Von Treppall sizte ich ! meinen Weg Norduvrdwcst fort, und erreichte bald die j Höhe eines kleinen Berges, der Erra heißt. Von der Höhe dieses Berges sah ich nun das ganze Livmerthal vor ? mir liegen, und erstaunte beim ersten Anblick über die Unrichtigkeit, womit die Lage dieses Thals von unsern Erdbe- fchrcibcrn angegeben wird; denn allen unfern Landkarten zufolge liegt es fast ganz von Süden »ach Norden, anstatt daß ich nunmehr bei Hellem Sonnenschein deutlich sah, und mich selbst auf das kräftigste überführen konnte, daß es von West. Südwest, wo es an den Bernina gränzt, sich in gerader Linie nach Ost-Nordost, wo es sich mit^rL vereint, erstrecket, folglich sich seiner Länge nach an das Lngaddtii schmieget, und von Lernina bis aufZernetz i so so zu reden ein Seitenzmimtr des obern Engaddins ausmacht. Nachdem ich eine beträchtliche Strecke durch einen nicht sehr lichten Lcrchenwald den Berg, der die Südseite dieses Thals einschließt, herunter gestiegen, und etliche hundert Schritte quer durch die Ebene fortgeritten war, kam ich auf einer hölzernen Brücke über das'Landwasscr, das dieses Thal wässert und tränkt. Lwin ist sicher eine der schönsten Bcrggegcndcn des Bündtnerlandes. Seine Ebene ist ganz flach, mehr als zwei starke Stunden lang, und wenigstens tausend bis zwölfhnndcrt Schritte breit, und bildet von einem Ende bis zum andern, wie sich der Herzog von Rohan in seinen Memoiren ausdrückt, eine einzige, in einem fortlaufende, große, herrliche Wiese, die so dicht mit Häusern übersäet ist, daß man deren bei 400 zahlet. Der schon erwähnte, wasserreiche Bach durchschneidet sie von oben bis unten, und rollt seine stillen Fluthcn, , die von sehr niedlichen kleinen Forellen bewohnt sind, zwi- ! sehe» blumichtcn Ufern so sanft vorbei, daß er diese nicht im I geringsten beschädiget. Man nennt ihn im Livin /'azua Er entsteht aus den Bächen, welche aus den zwei ' Armen stießen, in die sich der oberste Theil des Livinerthals vertheilt, und von welchen der nördliche 5 ^- „ur durch eine Anhöhe von dem Thal, das sich den Wirthsbäu. scrn auf Bernina gegen über öffnet, getrennt wird, der ^ südlichere aber durch ein Berglein, so man l» korcslia heißt. mit 2v6 mit dem Thal zusammenhängt, das beila Kosa auf Ber- nina seinen Ausgang hat. Hierdurch geht der kürzeste Weg von Livin auf posciavo, der zum Reiten und für Saumpferde brauchbar ist- Ungefähr drei Viertelstunden von dem Orte, wo sich diese beiden Thäler vereinigen, und das Hauptthal bilden, steht die oberste Kirche des Thals, die dem h. Rochus gewidmet ist. Gegen über liegt das oben angeführte Zuthal-ieL-m/»«, durch welches man nach Grossio geht; von da an, bis an den schon angeführten kleinen Berg Eira, den ich eben überstiegen hatte, wird die südliche Seite des Livinerthals von einem schönen, nicht sehr steilen Berge begränzt, der gar nicht felsicht ist, weder Rufen *) noch Erdschlipfe hat, sondern bis weit hinauf aus schönen Wäldern von Lerchen und Arben oder Ziernüßlcin« bäumen, und abwechslenden guten Weidgängcn für Horn- und Schmalvieh besteht; der ihnen entgegengesetzte Berg oder die nördliche Wand des Thals ist nicht minder reich ^ an schönen Waldungen und Weiden, und besteht aus einer ^ Gruppe von Bergen, die Livin von dem dazu gehörenden, ^ zwischen diesem Hauptthal und dem obern Engaddin sich ^ herein drängenden, großen Zuthal Valle keäen» absondern- j Diese Bergkette ist hinten sehr breit, spitzt sich aber vor- ' wärtS > '- - n- — ») Rufe nennt man in -er Schweiz jede, durch die Natur bewirkte LoSreismrg der Erde oder des Gesteins von einem Berqe- A> ^ Schnyder» Beschreibung etlicher Berge des Entlibuchs. er, -ste ^ für )kN ind ^ ls, ! sas ach ten die icht der aus einen, >erg ^ ! eich incr )en, sich j ern- ? vor,! " > irkte S. ^ > )«. wärtö zu, und endigt sich ungefähr eine halbe Stunde über dem untersten Ende des Livinerthals, wo folglich das Thal Federia sich mit dem gedachten Ltvinerthal vereint, und auch seinen Bach in den Livinerbach ausgießt- In dieser Gegend ist das Thal am breitesten, und hier durchkreuzen sich bei einer gemauerten Kapelle die Strassen, deren eine von Treppall kömmt, und quer durch das Thal geradenwegs der Oeffnung des Fe-criathals zugeht, die andere aber von posciavo, längst dem Thal nach dem Fornothal führt- Nicht weit oberhalb der Brücke, welche der ersteren von den eben gedachten Strassen dient, um über das Landwasser zu kommen, steht die Hauptkirche des ganzen Thals, die der h. Iungfcau gewidmet ist, und eine halbe Stunde weiter hinauf eine dem h- Antonius errichtete Kapelle. Unter der gedachten Brücke zieht sich das Thal wieder enger zusammen, die Berge, auf beiden Seiten werden höher und steiler, und endlich verwandelt es sich in eine Fclscnklufr, in welcher die Landstrasse neben dem dadurch strömenden Livinerbach kaum Raum hat- Beide drängen sich bis in ein nicht viel geräumigeres Thal, >üs äc-Ti^ vmo, Das sechs und neunzigste Statut führt einen Rathschluß vom i?. November an, welcher sowohl das Alterthum dieses Namens, als der Bevölkerung dieses Thals beweist- Unser sonst so genaue Forcunat Sprecher irrt sich also, wenn er dieses Thal bald V.-Nis ste Taviao, bald 6« Tui-io nennt, uud hat neuere Schriftsteller zu demselben orthographische» Fehler verleitet- Da die Heucrndtc in diesem Thale noch nicht angefangen war, so stand in der ununterbrochenen Wiese desselben ein sehr dichtes, ziemlich hohes aus den, besten Kräutern bestehendes, vortrefl-chcs Gras; die Nattcrwurz, (Kilkmrs,) war hier sehr häusig. Dieser reiche Hcuwuchs, der mit den häufigen Weiden und Alpen in einem richtigen Verhältnisse steht, dient einer sehr wohl gedeihenden Viehzucht zum Grunde, die das einzige Einkommen des Landes ist. Denn die wenigen schlechten Gerstenäcker, die man am Fuße des Berges, rechter Hand der Mündung des Thals Federia, siehet, verdienen kaum erwähnt zu werden. d ; t ll f r I! 1 < t r i r r « k » r « l Die rr«9 Die Einwohner dieses Thals halten nach Verhältniß mehr Kühe als Gallvieh, und machen wider die Gewohnheit der Veltlmer und der angränzendenEngadiner, wenige feite Käse, sondern trachten vielmehr darnach, recht viel Butter in erhalten. Der Grund hievon liegt theils in dem vortref. lichen Gefükter der Wiesen und Weiden, das viele und sehr fette Milch zeuget, theils in der grossen Bequemlichkeit der Einwohner, ihre Butter gegen die nothwendigsten Lebensbedürfnisse vertauschen zu können; denn die Einwohner des nächst gelegenen vingstgäu und übrigen Tyrols bringen ihnen auf Saumpfcrden, und auf den Schultern, durch das Fornothal über St. Maria und quer über dir Berge so diel Salz und Mehl als ste bedürfen, und tauschen Butter dagegen ein. Der Wohlstand dieses Ländgens beruhet auf diesem so vortheilhaften, ihm unentbehrlichen Handel, und doch wird nicht die geringste Sorgfalt darauf verwendet, denselben zu unterstützen und zu begünstigen: im Gegentheil geschieht es oft, daß redliche Tyrollcr, die auf guten Glauben hin mit ihrem Mehl oder Salz nach Ltvtn kommen, dcsselbigen nicht anders loS werden können, als wenn sie cö Unter seinem Werth erlassen, oder Butter in ernem höher» Anschwg, als billig ist, dafür annehmen. Zu häusige Beyspiele dieser Art könnten die Einwohner de^ Vingstgäues ^dlich zu dem Entschluß bringen, ihre nöthige Butter anderswo herzunehmen, und ihren Produkten einen andern 210 Ausweg zu suchen, welches die Entvölkerung dieses Ländgens^ ! nach sich ziehen, und die Güter desselben vielleicht auf die , Hälfte des jetzigen PreiscS heruntersetzen würde. Den nö- > thigcn Wein erhält daö Livinerthal theils über worms , durch das beschriebene Thal von pedenos, theils vo» l puschlafübcr die Forcella. Die Häuser in Livin sind i von Holz, ausser zwey oder drey, die meistens von Mauer, < werk sind. Das Gebälk ist von Lerchenholz, das Getäfel e von Zirbclnußbaum, die Tächer von lcrchenen Schindle» 2 oder dergleichen Brettern. Die Einwohner sind ein munte, d res starkes, wohlgcwachsencs Volk, und sprechen italic- rl nisch. o t, Nachdem ich in Livin in einem ziemlich guten Wi'rths, Hause zu Mittage gespeist hatte, trat ich meine Reise wie- n der an, um mich über den Casanna Berg in das obctt st Engadin zu begeben. Kaum hatte ich kao Schritte zu, g, rückgelegt, so kam ich durch einen sehr guten, an der Seite A des oben beschriebenen zwischen Livin und Vsl keäerm lic- ic genden Nittcnbergs, sich hinziehenden Weg in die Mül» g, düng dieses letztem, Thals. Dieses Thal drängt sich wie wir oben schon gemeldet haben, zwischen Livin und dei» je obern Engadin fast eine Stunde weit hinein. Es ist aber Hz weder so breit noch so eben, sondern hinten zu sehr viel hö- n, her als Livin, gelegen, deßwegen rollt der dadurch fließende » Fluß Fluß sein Wasser viel schneller nnd öfters sehr ungestümm fort. Die Berge zu beyden Seiten sind viel steiler, besonnt ders der zur rechten Hand, der sehr hoch ist, und von wel, chem oft verwüstende Rüfenen herabstürzen; der gegenüber voi> liegende Mittcnberg ist auf dieser Seite ebenfalls viel stei, si»d ler, als auf der andern gegen Livin, und aus verschiedenen uer- Crbbrüchcn und Erdschlipfen kann man deutlich sehen, daß äftl er größtcntheils aus zusammen gehäuften Kies entstanden ist. die» Die Gestalt dieses Bergs giebt dem Thal Federia eine an- ntt- dere Lage, als Livin hat; Es schmiegt sich genauer an das üie- Engadin an, und liegt folglich von Südwest gegen Nordost. Mit Livin verglichen ist dieses dazu gehörende Neben- thal nur sehr wenig angebaut und bewohnt. Als ich dessen thö Vlitce erreicht hatte, führte mich mein Weg, der sich in ei- viö nen Fußweg verwandelt hatte, rechter Hand den ungemein ^ steilen Casimna Berg hinauf. Ein, fast eine Stunde lan- gcs Steigen brachte mich auf einen kleinen minder steilen Raum, den man kisno äs Norti heißt. Von da an setzte ich meine Reise durch ein Steinband fort, das aus einem ^ Tranen wilden Marmor besteht, den der Frost die Kreuz w'k und die Quere zerspalten, und zum Theil in kleine Stückgen ^bröckelt harre. DKseS ist die einzige Strecke dieses WegS, >bcs die man gefährlich nennen kann, da der ganze übrige Theil hö- Nur beschwerlich ist. Die Strasse wurde hierauf etwas ge- ndt sächlicher, und bald hatte ich den Gipfel dieses sehr hohen ß Or Ber- SIS Berges erstiegen. Von hier sah ich noch einmal zurück ^ und betrachtete mir innigem Vergnügen das ganze Schlacht« , selb der KriegSverrichtungcn, welche der Herzog von Rohatt ^ Anno »6;; den 27. Juni hier ausgeführt hat, als er alldem obern Engadin, durch eben denselben Weg, den ich jetzt betrat, mir seiner ganzen Armee in das Livinerthal gedrungen, und eine um. die Hälfte stärkere kaiserliche Armee * daraus vertrieben bat. Mit einem Blick übersah ich den ^ schon oft erwähnten mittcnl zwischen dem Federia und Li- ^ vlnerthal gelegenen Berg, auf welchem der Marquis dk * la Frezeliere in der Nacht vor der Schlacht mit 700 Mann/ ' Posto gefastet hatte, welches wohl ausgedachte und eben so ' wohl ausgeführte Manöeuvre dem ganzen Unternehmen den ^ Ausschlag gegeben; Nahe dabey sah' ich den Ort, wo die, das ganze Thal Federia durchschneidende Schanze war, welche die Kaiserlichen zu besetzen vergessen hatten; weiter hinaus die Gegend nahe bey der Liviner Hauptkirche, wo der wackere Hauptmann Zeuch mit dem Vortrab ein Korps > kaiserlicher Soldaten angegriffen, dasselbe zerstreut, und fich nachher des Kirchhofs der Hauptkirche bemächtiget hatte, und endlich die Stelle, wo die Cavallerie und einigt Infanterie des siegenden Heeres über das Landwassrr, deM Brücken abgebrochen waren, gesetzt, und die flüchtiges Feinde theils nach worms verfolgt, theils ihnen den Rück« zug abgeschnitten, und sie das Gewehr zu strecken genöthi« get rrr gtt hat- Es ist gewiß nichts Angenehmere-, als wen» man sich eine wichtige Begebenheit so auf der Stelle selbst vergegenwärtigen kann. , Der Berg Casanna besteht untenhcr aus einem rauhe« Sistus, oben auf ist eine starke Lage von dem oben ermeld, ten Marmor. Den gegenüber stehenden Mittenberg hab ich nicht untersucht; man sagte mir aber/ man habe in ei, »em Erdschlipfe unlängst ein beträchtliches Stück Bleyerzt gefunden, welches mich um so viel mehr befremdete, als ich auf der ganzen Reise bis hieher keine Spur von Erzmi. nen angetroffen hatte. Nun stieg ich den Berg hinab in das Thal, welches die senkrecht darunter gelegene Cafann«, alp bildet, durch einen Fußsteig, der noch viel steiler war, als derjenige, auf welchem ich diese Höhe erstiegen hatte. Die Alp Castmna und die linker Hand daran stossende Alp Lasanella gehören der Gemeint, Scans im obern En- gadtn. Hier änderte sich die Steinaxt , und zum erstenmal auf dieser Reise kam mir Granit zu Gesichte, wen« Man anders diesen Namen der sonderbaren Steinart, woraus der Berg, der mir zur Rechten lag, meistens bestand, geben kann; denn im Grunde war es ein blutrother SistuS, der aber mit Quarztörnern dicht übersäet war, die theil» lkvß, wie Erbsen, theils nur wie Hirskörner waren. Ma» könnte könnte ihn also Granit oder Porphir, oder auch nur 8istus nennen. Der Weg durch die benannte Alp das Thal hinaus ist sehr bequem; wenn man eine Strecke darauf fortgcwandert ist, öffnet sich zur linken ein gegen Abend in das Gebirge hinein dringendes Thal, so die Alpen V-mgll» äs 8ura und VsngllL äs 8utt enthält, wovon die letztere auf Scanfund die erstere auf Zutz gehört. In dem Zuthal, das auf der entgegen gesetzten rechten Seite sich gegen Morgen öffnet, liegen die Alpen purkehr und Tropion; zuhinterst in Tropion theilet sich das Thal in zwey Acste, von welchen der eine sich MorgenwärtS gegen die Zerneyer Alpen, Verändere Mittagwärts gegen Livin wendet; diesen begränzt einen»- j geheure felsichte Bergspitze, die gleich über dem untersten ! Theil des Ltvinerthals hervorragt, und von Eira aus be- ^ sonders sichtbar ist; sie stellet sine ziemlich regelmässig gebildete Piramide vor, die aber gewiß das Größte von den Denkmälern des egyptischen Königstolzcs an Grösse und an Dauerhaftigkeit unendlich weit übcrtrift. Von hier setzte ich > meinen Weg nach Scans durch einen der schönsten Lerchcn- wälder fort, und traf daselbst noch vor Nacht ein. In der Alp Tropion findet man Eiscnerzt, und in Rembrtnta über der Alp purkehr soll gar Goldrrzt a»;u- ^ .. tref- treffen seyn-, gewiß ist es, daß ich zwischen Casanna und Scans erzhaltige Steine gesehen habe. Ich Messe noch die Berechnung der Entfernungen nach Meiner Uhr hier an. Stunden Wegs. Von worms auf Premaglio-; vom letzter« Ort bis Isi>laccia-— 2 — von da bis St- Carls-— — — 1 —- von da bis Trepall-— 2 — von da bis Livin-; von worms bis Livin- 6 — von Livin bis auf den Casannaberg-r — von da bis in die Ebene der Casannaalp-; von da bis Scans-2 — von Livin auf Scans-4'; von worms auf Scans-—-ioj In geraden Linien. Von worms bis Livin-—-4; von Livin bis Scans--4 L zusammen Stunden 9 - - Der z rr6 Der Bernina - Gletscher. ^er Bernin-r Gletscher ist ohne Zweifel der größte/ der m Bündten, und vielleicht in der ganzen Schweitz anzutreffen ist. Bey der Ueberreift über den Muretto, der einen Haupttheil dieses Gletschers neben sich liegen hat/ habt ich einen bessern Begriff von der Beschaffenheit desselben erlangt/ als ich vorder gehabt habe. Dieser Gletscher besteht eigentlich aus drey Hauptkörpern von ungeheuren Eismaßcn, die zwischen dem Gelittn, Vergäll, und Engadin liegen. Der erste, von der Westseite her hängt über die hohen G>V fcl, welche das Csdera Thal von der Morgenseite begrän- zen, herunter, fülle ein anderes Thal, das sich von dieses Gipfeln, gegen Val del Masino herabscnkt, und ein zweytes welches sich gegen Norden Wenderund la Bondasca genannt wird, mit einem ungeheuren Eismeer aus, hangt daiin wtp / ter 1 417 1er gegen Morgen mit einem EiSthal, das sich bis nach Vico Soprans im Vergäll hinter ungeheuren Fclscnfir. sten heraufzieht, und mit der daran stosscnden von der AI- bigna durchflossenen Alpe zusammen. An dieses stößt von der Südostseite ein EiSthal, welches man zu Albosco im Malencherthal im Gesicht hat, aus welchem der Maller hervorquillt. An diesem hangt wieder wie eine Halbinsel eine kleinere Gruppe von Eisbergen, die sich weiter in das Veltlin hineinbiegen, und das Malencherthal gegen Mor. gen, zum Theil gegen Mitternacht, daS Massinerthal gegen Abend, und Lastione, postalesto und Verben»» ge. gen Mittag haben. Mit dem dritten Knoten von EiSthä- lern hangt der erste durch den Gletscher, worüber die Strasse des Muretto geht, vermittelst zweyer Thäler, die sich gegen Westen in die erste Berggruppe hineinsenkcn, zusammen. Dieser dritte Haufe von Gletschern bildet ein Thal daS sich zwischen den hohen Firsten gegen Isola am Gilsersee zeiget. Ferner dringt er nächst daran fast eine Stunde weit in das Thal Fart gegen Norden, und in ein gegenüber liegendes Thal das man von la Torre und Chiesa im Malencher» thale thale vor sich hat, und gegen Süden sieht, auch füllt er die jwey Zuthäler, die zwischen Celerina nnd pontresina West, wärts in die Gruppe von Bergen hinein dringen, fast zur Hälfte, und noch ein anderes Thal zwischen pontresina und den Häusern von Bernina ganz aus, senkt .sich über die hohen Firsten, die der Bernina gegen Abend hat, bis weit auf diesen Berg hinab, und bringt dann hinter dem Bernina See gegen Süden durch mehrere Thäler in die pusklaveralpcn hervor. Diese Gletscher sind in manchem von den Thalern, die sie ausgefüllt haben, von einer uner. mißlichen Dicke. Durchgchcnds werden sie auswärts von schrecklichen Obelisken und Piramidensörmigen Firsten umgeben, auch öfters von solche» durchschnitten; diejenigen, welche sich in der Mitte befinden, sind ganz mit Eis über, zogen, und bilden prächtige Eiskegcl, die man aber eher von fernen Gebirgen, als in der Nähe entdeckt. Die Eisgrup» pen selbst im ganzen genommen sind auf allen Seiten sich herabscnkende, und in der Mitte wie in einen Knoten von hohe» Firsten zusammenlaufende Thäler; sie würden daher demjenigen, der sie von ihrer Spitze betrachten könnte, Stern, förmig Sly förmig vorkommen. Der I"n, die Adda, und die Maira erhalten starken Zuwachs von Wasser aus diesen EiSmasi sen. Ungeachtet dieser entsetzlichen Eisgegend geht dennoch ein Fußsteig, nur Gcmftnjägcrn bekannt, von dal Masino hinüber aufBondo imBergällerthal, und eine Art Land. straffe, die im Sommer auch mit Pferden befahren wird, geht aus dem Malengerthal nach Maloggta über den Muretto. Der Weg über Bernina von Tirano nach Sa- »nada in, Engadin wird aber mehr gebraucht, und ist minder gefährlich, weil auf dieser Seite der Eisberg ein Ende hat. Die Bergfirsten, zwischen und auf welchen dieser Gletscher liegt, sind, wie ich schon bemerkte, samt und sonders von außerordentlicher Höhe und unübersteiglich. Sowohl auf der Bergäller, als auf der Veltliner Seite werden sie von fürchterlichen Felsenpiramiden gebildet; der Monte bei Oro zu hinterst im Nalengerthal zeichnet sich besonders »ro ders aus. Nirgends neiget sich diese ungeheure Bergmauer ausser auf Bernina, wo sie ein zwar sehr hohes Bergthal bildet; sonsten gehört solche billig zu den höchsten Bergen in Bündten. ^ > Der Der Rheinfall bey Schafhause > l « » « AuS dem helvetische» Kalender abgedruckt, und unstreitig das vollständigste, Neueste Gemälde der berühmten Kararackte. / Der Rheinfall. »^Vaum eine Stunde von Schafhausen liegt das Schloß Taufen (i) im Zürchergebiete. Der Weg dahin aus gedachter Stadt geht über die bekannte Grubemannifche Rhcinbrücke, und zieht sich dann an Weinbügeln allmählig in die Höhe- AuS einem an der glücklichsten Lage ange, brachten Gartenhause des Obervogts überschaut man die reizende Gegend. Schafhausen zeigt sich auf seiner vortheil- haftesten Seite, am Fuß einer Reihe fruchtbarer Berge, zwischen welchen und den gegenüberstehenden ein länglichtes Thal gefaßt ist. Dieses durchwandelt der größte der Ströme Helveticas, eine ansehnliche Strecke lqpg, stät und ruhig in stiller Grösse. So fließt er der Stadt zu, und bringt ziemlich beträchtliche Barken bis zur Gegend der Brücke. Hier längt sein Lauf schon an nistend und unsicher Izulwerden, si» Haß 1 daß man dort alle Schift ausladen muß. Bald darauf wen« det er sich zur Linken; und immer reicher an theils verbor- gencn theils hervorragenden Klippen, wälzt er sich nun in mächtigen Strudeln und wildgckräuSten Wellen heran, deren blendendes Weiß mit dem hellen Wasscrgrün vieler noch immer glatt und still fortgleitenden Stellen aufs lieblichste absticht. Etliche kleine Fälle über breite aber niedrige Slcin- bänke herab machen gleichsam das Vorspiel des erhabenen Auftritts, da jetzt der ganze Strom seinen Sturz beginnt, und durch die fortschreitende Verengung seines Bettes immer höher angeschwellt, endlich von einer steilen, fünf und sicbenzig Schuh hohen (2) Felswand plötzlich abgeschnitten, sowohl neben als zwischen zwey hoch aufgethürmtcn Klippen, und über die Trümmer von hundert andern, wüthend und mit einem Gebraust herunterschießt, welches man in einer windstillen Nacht Stunden weit hören kann. Dieser grossen Scene st viel möglich nahe zu kommen, steigt man über den Fels, auf welchem das Schloß steht, zu einem hölzernen Gerüste herab, welches so nahe an den Ka- tarackt — fast dürfte man sagen, in denselben hinein — gebauet ist, daß in der That kein Standort gelegener, aber auch keiner furchtbarer gewählt werden rönnte, von dieser anschauernden Erscheinung den vollen Eindruck zu empfangen (;). Hier hat der Zuschauer den Rand des obern Flußbettes S25 betteS nicht hoch über seinem Haupte, zu seinen Füssen den Abgrund dem der Strom entgegen stürzt, und blos das beständig unter ihm bebende Gerüste bis an die Brust zur Scheidewand. Kaum betritt er dasselbe, so wird er über und über von einem feinen Staubregen bedeckt. Nur wenig vor sich gelehnt, kann er die herabwogenbe Fluth mit der Hand erreichen- Er vermag seinen Gefährten sein Erstaunen nur durch Blicke und Gebehrden zu verstehen zu geben, weit Worte vor dem Donnern des Falls nicht zu hören sind. Auch läßt sich wohl mit Worten so wenig als Mit Farben und Griffel von taufenden der Dinge nicht eins ausdrücken, wovon sonst das Ange nichts Aehnliches je gest, hen, das Ohr niemals vernommen hat, und welche dir stärkste Phantasie sich unmöglich einbilden kann; jene auf den ersten Anblick auch den kaltblütigsten Beobachter erschütternde Schnelligkeit, und die unermeßliche Kraft, wo- Mit, bald in unendlicher Mannigfaltigkeit von ganz neuen Tönen und Gestalten bald in füchterlich regelmässigen Wöl, Zungen Wogen über Wogen sich wälzen, mit einem Eifer "ad Treiben der nachdrückenden Wasserhügel, daß alle vor 6ch, seitwärts und rückwärts sich flössen, gegen die aus ihrem, schon Jahrtausende geschlagenen Bett, hervorragende Welsen anprellen, einen derselben wirklich durchlöchert haben, "üb beyde vollends einzusprengen, oder sich selbst vernichten iu wollen scheinen, jener entsetzliche Kampf des immer wie- P der 226 > , ^ der von unten aufkochenden Abgrunds mit der abwärts drükendcn Last des ganzen Rheinstroms, der sich, sobald ald! nen ^ ber,! and! mt, lest >ald die 'am Ne- >ach >ms cses die er, De- All, ,'rgl lkN- r Wenn man nach dem ersten betäubenden Erstaunen über dieses wunderbare Schauspiel — das, je länger man sich dabey verweilt, in seinem Maaß und Umfange sowohl als in seinen erhabenen Wirkungen immer grösser erscheint es nun versuch!, die Zusammensetzung desselben einigermassen zu zergliedern; so fallen allererst, zwischen dem Schloßberg und dem gegenüber stehenden Hügel, auf welchem das Dorf Neuhauscn ruht, die beyden mitten aus dem Fall emporragende Felsen, gerade an der Stelle in'S Gesicht, wo die her. abstürzenden Flulhen sich wieder mit dem Flusse zu vereinigen streben; und von jenem Gerüste aus, wo man sie ganz von der Seite erblickt, scheinen solche einem nicht sehr auf« Merkiamen Auge nur eine Masse zu seyn- (;.) Sie zerstücken das furchtbare Ganze, die zahlreichen Nebengasse ungercch, net, in fünf Haupt-Kaskaden, deren man aber von jenem Gerüste aus nur die drey nähern im Gesicht hat. Der südliche erste und stärkste Arm ist unstreitig der zwischen dem Schloßbcrg und dem von ihm nach dem Au- scnmaaße nicht mehr als hundert Fuß weit abstehenden nähern Felsen- Auch ist da der Fall am höchsten. Denn eben die erwähnte Gebirgswand sezt hier dem Strome die Meiste Gewalt entgegen; desto heftiger arbeitet dieser wider !>e, und wirklich ist sie, so hoch und weit das Wasser sie ^reichen konnte, von demselben benagt und abgeschliffen. P r Die- ss8 Dieser überlegene Widerstand / welcher die Ausdehnung der Fluth in die Breite vornehmlich hemmt/ treibt sie um so so viel mehr in die Höhe. Eine ungeheure wild aufschäumende Woge dringt unmittelbar an dem Bcdge mit ausge- ^ zeichncter Heftigkeit wie aus den Wolken hervor/ und droht/ sich über den Zuschauer zu wälzen/ der nicht weiß / wie ihm geschiehet/ weil er auf dem niedrigen Standpunkte seines Gelüstes das obere Bett des Flusses/ von wannen sie kömmt/ nicht erblicken kann/ und schon von diesem allerersten Sturze steigt ein mächtiges Dunstgewölk auf/ das/ wie durch künst, liches Triebwerk in die Höhe gehoben/ immer wieder in sich selbst zurückfällt. Nun folgt ein, in Vcrgleichung mit diesem niedrig scheinender/ Nebenguß. Nächst diesem baucht sich wieder eine stäubende Woge wahrscheinlich über den Wurzeln einer der Klippen / welche ehemals in weit grösserer Anzahl den Abschuß besetzten. Dann zeigt sich noch ein ziemlich flacher Guß, von dem jedoch eine Welle dicht «n dem ersten kleinern der zwey hervorragenden Felsen aufkocht. Dieses ist derjenige, an welchem der Strom durch sein anhaltender Anprellen, wahrscheinlich schon vor Jahrhunderten, mitten durch sich ein länglich! rundes Loch gegraben hat. Er hat eine ganz sonderbare Gestalt, da sein Hals (wenn man so reden darf) dünner, als das meist kahle, nur hie und da mit niedrigem Gesträuche bewachst»? Haupt (ü), und durch die vereinte Gewalt von Lust »>»d Fluth > 22 - Fluch (?) größtentheiks so verzehrt worden, daß es scheint» als wenn eine jede von neuem angreifende Welle ihn umstürzen könnte; da hingegen die, unter dem Wasser stehende, und bisweilen auf eine Sekunde sich entblößende Grundveste desselben deutlich wieder dicker ist. Die an ihm, hier wild aufsprudelnde, dort muthwillig und krauö hcran- klimmende Fluth,hauptsächlich aber der, durch jene Ocffnung mit unbeschreiblicher Wuth und einem dumpfen Gebrülle sich durchdrängende Wogenguß, vermehrt das Mahlersche, aber zugleich das Grausende dieses wunderbaren Schaustücks. Der Abstand desselben von dem andern Felsen, der mit seiner gekrümmten Spitze sich wehr kegelförmig darstellt, beträgt kaum dreysig Fuß. Durch diesen Zwischcnraum fällt wieder eine Haupt-Kaskade herunter. Jener zweyte Fels aber entzieht nun dem Gesichte jeden entfernten Austritt des Rheinfalls; Von allem jenseits desselben herabstürzenden Wasser entdeckt man nur hie und da, wo das untere Flußbett es wieder aufnimmt, etwas weniges. > Die Grösse des Schauspiels in seiner ganzen Macht aufzufassen, bleibt indcjstn immer der Standpunkt auf dem oft erwähnten Gerüste vor jedem andern vorzüglich, obgleich wie man so eben gesehen, der Anblick von dieser Seite einige, Stellen dem Aug entrückt. Ilm aber das Ganze gerade im Gesicht zu haben kann man sich sogleich von Laufen au- hinübersctzcn lassen. Diese Fahrt in einem kleinen Kahn, der auf den Wellen des Flusses tanzt, welcher von -cht aller dieser begeisternden Auftritte schändete. (9.) Noch ein kleiner Guß endlich wird, zwischen mchrgedachtem zwcy- ien Fels und den Mühlen am Fuße des Hügels, auf welchem Neuhausen liegt, von einem der dortigen Eisenschmelze wegen angebrachtem Damm erzeugt, der einen geringen Theil des stürzenden Stroms in eine Hölung drängt, und dadurch einen schönen Silberbach bildet, der den nackte» Stein herabgleitet, und von der übrigen grossen Handlung so viel als völlig getrennt ist. Auch nimmt überhaupt die Höhe des ganzen Rheinfalls, von Laufen bis zu diesen Mühlen hinüber stuffenweise so merklich ab, daß die schon auf dem Lzr Gerüste «m Schloßbcrge sichtbaren Stellen desselben auch hier noch immer den Vorzug behaupten. Um jedoch von dem erschütternden Anblick der Haupt- scene allmälig auszuruhn, gefällt es nun dem ermüdeten Auge nicht minder sich auf den abwechselnden Schönheiten der ringsum liegenden Gegend zu verweilen. Jtzt steigen an dem jenseitigen Ufer, von dem man hinübergeschiffct, vor dem bezauberren Blicke, die auf den Rand des steilen Kalk- felsen gegründete Thürme des Schlosses Laufen feierlich . aus der übrigen Gruppe hervor> (10). Diesseits macht das gedachte, auf die Spitze einer kleinen Halbinsel hinausge- ssellte Gchlößli, welches der Zollcinnehmcr bewohnt, der mit Tonnen übcrsäete Platz vor demselben, das Wiederein« laden der weiter gehenden, das Ausladen der unten heraufkommenden Schiffe, u. s. f. einen angenehm belebten Vor, > gründ anö- Dann erheben sich terrassdnweise über den schon erwähnten Mühlen, der Eiscnschmidte (n), und andern Werkstätten des Kunstfleisscs, die sich den Rhein bis an sei, nen Fall hin zu nutze machen, zuerst eine Reihe von Gärten, dann Neuhausen im Kreis seiner Bäume gelagert; über demselben Steinbrüche, und noch höher Weinberge, welche zuletzt der waldigte Rücken des Gcbirgs überschattet. Von der Stelle jener Weinberge nun kann das Schauspiel noch aus einem neuen Gesichtspunkt erblickt werden / 2ZZ den, womit es aber eben schicklicher zu endm als anzufangen ist. Hier hat man ein grösseres Feld vor sich. Die Entfernung verkleinert zwar die Gegenstände, und der hö. hcre Standort wirkt mit, das Kolossalische im'Ausdruck Per Scene zu schwächen; aber der sanftes Schleier, den der wet. tcre Umfang der Aussieht über das ganze Bild verbreitet, giebt ihm eine eigene rührende Anmuth von desto lebhafterer Wirkung, je mehr die zuvor erhaltenen Eindrücke diesen Contrast erhöhen. Den ganzen Weg des Stroms, von fei. nem obern Bette, über den Absturz, in das untere, hat Man hier am vollständigsten vor Augen- Gerade unter dem Laufen ist zur Herbstzeit ein starker Lachsfang. Diese Fische, die ihres Laiches wegen aus dem Meere in's süße Wasser hinaufsteigen, müssen hier Halte machen, und unser Rheinfall ist so sehr ihr non plus ultr», daß man sich vergebens Mühe gegeben hat, sie über denscl. den zu verpflanzen, wo sie durchaus nicht gedeihen wollen. Indessen sollen bisweilen doch einige derselben aus sich selbst es versuchen, gegen den Rheinfall hinanzuspringen; und nehmlich an den hervorstehenden Klippen Ruhepunkte neh, mcn, also erst nach mehrcrn Absätzen das obere Bett erreichen, freilich aber weit öfterer zurückgetrieben und verwundet, oder gar zerschmettert werden. ' An. X Anmerkungen. »Z4 (') Laufen muß das alte deutsche Wort für den Sturz eines aanzen beträchtlichen'Wassers (cstLracle) sey«, so wie hingegen Giessen, Hanggiesscn, Urkunden zukolgc, das be, zeichnete, was wir jetzt Wassc>!all, Wasscrfadcn (cbure ä'esu, CLscLöe, kil ä'-Lu) nennen; wie der Rcichenbach, Staub, bach, Pisse - Bache u- s- f sind. Schloß und Dorf Laufen bekamen also ihren Namen von unserm obern Rheinlaufen, so wie weiter unten am Strom, die Wald, stadt Laufenburg den ihrigen von dem untern- Eben so liegt sechs Stunden unter Basel noch ei» anderes kleines Städtchen Laufen an einem andern ansehnlichen Falle, den dort die Birs macht. Wenn die um den Schafhauser» Rheinfall wohnenden Landlcute, in der Nähe desselben einem Fremden begegnen, fragen sie: „Will der Herr gehen, den Laufen'zu besehen?« Rüttner. Füßli. (r) Nach der wahrscheinlichsten Schätzung. Allein (nach Storrs sehr richtiger Bemerkung) kocht das untere und obere Wasser so heftig unter einander, daß die Gränzen von beyden nicht wohl zu bestimmen sind, und also auch die Höhe des Falls sich niemals mit völliger Gewißheit messen läßt. Einige Schriftsteller haben solche bis auf hundert Schuhe 2ZS Schuhe berechne!, und behauptet, der Strom stürze in Ei» nem Falle herab. Beyde diese Angaben waren wahrscheinlich vor Alters nicht unrichtig, und üämlich zwischen den beyden Ufern nur eine schroffe Felswand, aber ungleich höher als itzt. Diese hätten theils der Fluß selber »„merklich abgetragen, theils die durch das Wasser mitgefühlten Steine nach und nach untergraben und eingestürzt, so daß'zulczt nur die zwey noch vorhandenen Klippen stehen geblieben. In Schafhausen errinnerr man sich sehr wohl, daß kaum vor dreysig Jahren ein ansehnlicher Fels weggerissen worden, und diese Lücke eine namhafte Veränderung in dem Anblick dieser Scene verursacht habe. Auch siehet man an den Wanden des Schloßbcrges in beträchtlicher Höhe durchs Wasser ausgewaschene Rinnen und Aushöhlungen, welche deutlich beweisen, daß der Rhein einmal ein viel erhabeneres Bett als sein gegenwärtiges müsse gehabt haben. Und in der That ist die Stcinart aller umliegenden Anhöhen so blos talkartig, daß sie der heftigen Wirkung so (mächtiger Ursachen in die Länge nicht gänzlich widerstehen konnte- Coxe. wittenbach- — Wenn man nach den verschiedenen Stürzen des Wassers von seinem gegenwärtigen fclsigten Grundgerüsie urtheilen soll, so muß es aus unordentlichen Terrassen bestehen, deren unterste die höchste ist. Die Grund, fläche des untern Flußbettes hiernächst ist ohne Zweifel ein bauchigt ausgehöhltes Bassin, dessen äusserster Rand den ho. rz6 hohenRückwurf der einstürzenden Wasser begünstigt, plouc, siuet. j (;) Wer also den Rheinfall zu beiden Seiten des Stroms besichtigen will, der fange doch aufder Zürcherscite und zwar swelchcs eben so wichtig ist) auf derselben un, mittelbar mit dem Heruntersteigen zu dem Gerüste oder den sogenannten Fischenzen an fda dann, bis man ganz unten anlangt, das grosse Schauspiel dem Auge völlig verborgen bleibt, und nur durch das Ohr vernommen wird) also ja nicht in dem Balkon am Schloßberg, welcher zwar, zumal das obere Flußbett und die höhern Stuffcn des Falles selber vortrcflich beherrscht, wo aber der Anblick bey weitem nicht den einen mächtigen Haupteindruck macht, wie solchen hin» gegen der Standpunkt auf dem Gerüste gewähret; wenn nämlich, wie gesagt, die beyden Sinnen noch nicht von den schwächer« und partiellen Eindrücken zu jenem unendlich stärker» Totalcindruck zubereitet-oder vielmehr dafür verdorben ist. Vollends aber weiche man es, wo immer möglich, aus, von Eglifau änderst als über Rheinau swelche Strasse nebendem sehr schöne Parthirn darbietet, und gerade auf den Zürcher-Laufen führt) nach Schaffhaufen zugehe; damit man nicht auf der andern hohen Strasse, wo man den Rheinfall von ferne tief unter sich ansichtig wird, mit der Nsäsme pioucquet ein ärgerliches: »Ist's nur « 3 ? , nur das?« ausrufen müsse. Füßli. Zu Anfange oder in der Mitte des Junius ist gewöhnlich der Rhein am wasserreichsten und schönsten- Früher schmilzt der Schnee noch nicht recht auf den hohen Gebirgen, und einige Wochen später ist das meiste schon weggcschmolzcn. Meiners. Indessen hat der Anblick dieses Schauspiels auch bei niedrigem Wasser, und zumal im Winter, seine besondre Schönheiten, da man alsdann seine Zusammensetzung um so vielbesser zergliedern kann. Isblesux ropoZruxhiguLs. (4) Ob man aber diese Regenbogen (wie der Herr von la Borde seiner Dame erzählt) bis ;o Fuß unter dem Wasser sehen könne, darf freilich bezweifelt werden. (;) Diese bemerkt neben andern auch ploucquet; aber dabei unrichtig: daß das Loch in dem einen Felsen nicht existiere, sondern seine Erscheinung nur eine Folge eines optischen Betruges sey. (6) Reyßler i. I. 172- sah die Felsen im Rheinfall noch mit Fichten und andern Bäumen bewachsen. 3 m I. r/ü; fand sie Andrea nicht mehr. (7) So erklärt es ploucquet. (8- ES mag sogar der Wahrheit nicht ungemäß seyn, was der sonst in mancher Rücksicht so seltsam über die Schweiz fabelnde Herr von Mayer sagt: „Daß« (versteht sich wohl an einzelnen Stellen) »der Strom zwölf Schritte »von seinem Fall weg schön alle seine Starke verloren »habe,** 4 „habe". Daher auch bey niedrigem Wasser schon mehrere deutsche und brittische Kraftmänner ssolche, denk' ich, die ihren Murh nicht besser zu gebrauchen wissen- in kleinen Nachen nicht nur bis an die Felsen sich hingcwagt, sondern dieselben wirklich erstiegen, und Zeichen ihres treffichen Wagestücks hinaufgcpflanzt haben. Füßli. Der Kahn, den ein Engeüänder vor etlichen Jahren über den Rheinfall herab, schießen ließ, gelangte zwar einstweilen unbeschädigt hinab, kam dann aber, nachdem er wenige Augenblicke unsichtbar geworden, in so viele Trümmer zersplittert wieder in die Höhe, daß man an ihm kaum mehr die Uebcrbleibscl eines Schiffes erkennen konnte. Coxe und Meiners. (v) Andrea sah es noch im Jahr 176; und vermuthet, ' daß es von Schifleuten oder Fischern zum Andenken eines besonders niedrigen Gewässers dahin gesetzt worden. (10- WaS verschiedene Nachrichten erzählen: daß die. ses Schloß, wenigstens in einigen Zimmeren desselben von 1 der Heftigkeit des anliegenden Rheinfalls beständig zittere und die Erschütterung so stark sey, daß die Weine in den dortigen Kellern, die rothen zumal, immer trübe bleiben — verhält sich, so viel mir bekannt ist, wirklich so; doch folgt nicht daraus was dic lableaux wxoxrsxlugueg meinen, daß darum nothwendig auch der Berg zittern müsse, auf dem das Schloß gebauct ist. Füßli- sind ihre Betten, und die, welche über das sich'noch einer , groben Decke bedienen, sind schon als Weichlinge taxiert- i Brod nnd Wein kennen sie nicht, während dem sie hier > wohnen, sie nähren sich bloß von süsser oder geronnener l Milch, nebst Mölke, in die einige Stücke Zieger eingebrockt werden. Manche sind in Ziegenhäute gekleidet, wel. ches ihnen ein ganz besonderes Ansehen giebt; in der Hand tragen sie einen langen Stock, an einem Ende mit einem Ring beschlagen, an welchem eiserne Schellen hangen. Wenn eine Kuh jich einem gefährlichen Orte nähert, so laufen sie ihr zu, schütteln ihren Stock vor ihrem Kopfe, und hindern so, daß sie'nicht über die Felswände hinab, stürze- Nirgend sah' ich Menschen, die in Rücksicht auf Phisiognomie, Kleidung, und die vollkommenste Umrissen, heit über alles was nicht zu ihrem Kühebcrufc gehört, so ganz von allen Städtern verschieden, und so nahe der Na, tur sind, als diese Waüiscr-Hirten. Ich will eben nicht sagen, SS5 sagen, daß sie bloß auf Jnstinct eingeschränkt seyen, — sondern ihre Vernunft, nur noch in einer kleinen Zahl von Vorfallen und Umständen geübt, gleicht einem Kinde, daL eben zu gehen anfacht, und dem noch viele Entwickelung mangelt, um Mensch zu seyn. Gleich ihrer ganzen Nation sind sie sehr gastftcy; bewillkommen die seltenen Neugierigen und Reisenden, die sie besuchen, herzlich, und reichen ihnen alles waS sie haben, und was freylich in sehr wenigem besteht, emsig dar: bezeugen aber auch kein Leid, daß sie nicht mehr anzubiethen haben, denn sie kennen nicht mehr; und es däucht sie wohl, das, was für den einen Menschen hinreicht, möge auch dem andern genug seyn. Wenn man aus der Tiefe dieses Thals, welches Che- ville heißt, das Aug empor hebt, so sieht man sich von einer Kette von Felsen beherrscht, die man Diablerets nennt. Dieser durch tiefe Ausschnitte von einander getrennter und von der andern Seite durch die Last unermeßlicher Gletscher gedrückten Maßen, sind dermalen nur noch drey. Zu Anfange dieses Jahrhunderts waren es vier, und in ältern Zeiten ohne Zweifel noch mehrere; denn rund um sie her verkündigt alles öfters wiederholte Zerstöhrungen. Schon bey Mannsgedenkcn zählt man deren zwey fürchterliche. Die erste trug sich im Jahre >714 zu. Mehrere Tage vor der Catastrophe ließ sich ein von der innern Gährung des Gc- Gebürgs veranlaßtes untcrirrdischcS Getöse hören. Hirten und Heerden hatten Zeit sich zu entferne»: die meisten tha- ^ ten's auch; jene hingegen, welche zurückblicbcn, wurden da< Opfer ihrer Saumseligkeit. In dem Augenblicke, wo ! einer der vier Zähne, grösser als ein ordentlicher Berg, ins ^ Thal stürzte, zitterten alle umliegenden Orte; ein dichter ^ Rauch stieg empor, der im Grunde anders nichts war,^ als der Staub, den das Reiben 'der losgewordenen Fels» blocke verursachte, von welchen manche erst in einer Entfernung von mehr als zwey Stunden von ihrem ersten La» gcr liegen blieben- Sah man, wie man sagt, Fcucrfunkcn dabey, so ist dieß nicht die Erscheinung eines Vulkans gewesen, sondern nur das Anprcllen der Pyriten. Der bloße Druck, der aus ihrem Gleichgewichte gerückten Lust bog und warf sogar Bäume zu Boden, die in der Nähe, doch ausser dem Wege standen, welchen der Bergfall nahm- Die l Einwohner einiger Dörfer im Thale, zogen von diesem Vorfalle den sonderbaren Gewinn, daß sie nun in einer ge. wissen Jahreszeit die Sonne einige Minuten früher aufgehen sehen, da jtzt eine Wand der vierfachen Diablcrets- Pyramide verschwunden ist. Man sprach über diese Begebenheit sowohl in der Schweiz als im Auslande sehr vcr» schieden. Es ist merkwürdig genug die Urtheile davon zu hören, welche damals am meisten Beyfall fanden. In der Geschichte der Akademie der Wissenschaften zu Paris > «57 vorn Jahr r?»;. S. 4« liefet man darüber folgendes: ,, Im JuniuS 1714. fiel mit einem Mahle/ zwischen zwey- „ nnd drey dcS Nachmittags bey heiterm Himmel / ein- ,, Theil des Gcbürgcs der Diablerets in Ivallis herab. „ Derselbe war von comifcher Gestalt; er stürzte Bau, » crhürtc» um/ erschlug Menschen, und über ioo' ,, Ochsen und Kühe, nebst vielem kleinen Vieh, und be, „ deckte mit seinen Trümmern eine gute Quadratstunde. » Der Staub erregte eine große Verfinsterung. Di« „ Steinhaufen in der Ebne find mehr als dreyßig Ruthen ,, hoch. Diese Haufen dämmen Gewässer ein, welche neun » sehr tiefe Seen bilden. Bei alle dem war aber keine „ Spur weder von Bcrgharz, noch von Schwefel, noch „ siedendem Kalch, also nichts von unterirrdiichem Feuer ,, zu entdecken. Wahrscheinlich hatte sich die Grundlage ,, des grossen Felsen von selbst durchgefäult und in Staub „ aufgelöst- « Diesem wollen wir einen Brief an die Seite setzen, der das Ercigniß ganz verschieden von jener Erzählung darstellt. Er ward zur Zeit der Catastrophe selbst von Herrn Constant, Pfarrer zu Lcx, an Herrn Frtsching, damaligen Landvogt zu Morges, geschrieben- Ungeachtet es scheint, daß der Verfasser den Schauplatz dieser Begebenheit nicht genau gekannt habe, so verdient der Brief R den. 25 » dennoch aufbehalten zu werden, da der Verfasser ein ver, ständiger und glaubwürdiger Mann war. Bex, den rztcn September 1714. ,, Die Erscheinung, welche sich unlängst in unster » Nachbarschaft zutrug, ist würdig, Ihnen mitgetheilt ,, zu werden. Die Vachc ist folgende: ,, Zween hohe Berge, der eine in wallis, NamenS „ Cheville, der andre im Cankon Bern, Anzemde ge- „ nannt, berühren einander. Zwischen ihnen liegt eine » Quelle, die sich in zween Flüsse theilt, wovon der eine „ der Avencon, der andre die Lyserne heißt. Noch „ muß ich gcmerken, daß der Gipfel des Berges Cheville » ein sehr hoher Fels ist. Nach dieser kleinen nothwendi, „ gen Beschreibung melde ich Ihnen also: daß man letzten „ Sonntag den 2;. ein dumpfes tiefes Getöse auf dem ,, Berg Cheville horte, welches am 24. um Mitternacht „ noch heftiger war, und nun mit der Gewalt eines un- » unterbrochenen Canoncndonncrs 24 Stunden lang an- » hielt; worauf man aus de.r Spize des Berges einen » dichten Rauch emporsteigen sah, und mitten darinnen „ eine Isehr helle, lichte Flamme erblickte- Endlich zcr, » sprang der Berg, und der Staub davon trieb sich bi- »'nach Freniere, einem Zehndcn meiner Pfarre. Vier, 2 r: 2 2 rz u S) » st ge ur al> Ze sei na he> nii he. 1 » zehrn - 5 - ,, zchcn Menschen, alle Gebäude, und alles auf diesem ,, Berge befindliche zahlreiche Vieh, wurde unter dem » Schütte begraben, und das Bette der Lyzerne ganz » ausgefüllt, so daß man nicht einen Tropfen mehr von ,, derselben ficht. Unsre Bergleute sagten uns gestern: ,, das Getöse daure noch immer fort; wahrscheinlich ist „ eS eine in Flamme gerathene Schwefelmine. Sollte „ fich die, welche oberhalb Bevieux liegt, entzünden, „ (dieß ist bekanntlich der reichhaltigste Ort unserer Salz- » quellen,) so waren wir auch hier in Gefahr, dafür uns ,, Gott bewahre! " Diese beiden Erzählungen der Akademie der wisi senschaftcn sowohl als des Predigers von Sex find man, gelhaft,,nnd widersprechen sich sogar in manchen Punkten, und die eine wie die andere beruhet mehr auf Hörensagen, als auf authentischen, am Orte selbst aufgenommenen Zeugnissen. Auch sollten sie gesagt haben, daß sich schon seit langem kleine Bergstücke abgelöst hätten, welche den nahen Sturz zu verkündigen schienen. Denn noch auf den heutigen Tag gehen wenige Stunden vorbey, daß man nicht ein Getöse hört, ober kleinere oder grössere Steine herabrollcn sieht. R» Nn, Unter der Zahl der verschwundenen walliser wär > auch ein Man» aus dem Dorfe Aven. Mau hielt ihn j i für ein Todlcnvpfcr, erklärte schon seine Kinder für Wai. ! sen, und sein Weib für eine Wittwe. Drey Monathe nachher, am Vorabende vor Weihnachten erscheint er blaß, hager, abgezehrt, mit einigen Luinpcnbcdcckt, ganz in der Gestalt und im Au szngc eines Gespenstes. Man verschließt die Thüre seines eigenen Hauses vor ihm. Das ganze Dorf gcrath in Schrecken; man läuft zum Pfarrer, der ihn ex, ^ orcisiren soll. Endlich gelingt es ihm, die Leute zu über. l zeugen, daß er lebe; und nun vernimmt man von ihm: Er sey in dem Augenblicke der schrecklichen Catastrophe i in seiner Engen Hütte im Gebete begriffen gewesen, als eins der losgewordenen Fclsstückc sich gegen das, an dessen Fuße seine Wohnung stand, gclchnct, und mit demselben einen Winkel gemacht habe.' Bald darauf sey ein schröck- liches Getöse über seinem Haupte entstanden, und Erde und Steine hatten sich auf seinem Obdach, und rund um die schützenden Felsen emporgehäuft. „ Iezt, " ssgtc er, « fürchtete ich mich nicht mehr, verlor den Muth nicht, » und arbeitete unabläßig, mir einen Ausgang zu ver- ,, schaffen- Einige Käse, die noch in meiner Hütte wa. „ ren, nährten mich; ein Wasserfaden, der aus der Höhe „ Herabfloß, löschte mir den Durst; und erst nach vielen ,, Tagen, die ich in der langen Nacht dieses unterirrdi. » schen ! ,, schen Kerkers nicht zählen konnte , fand ich durch Krie. ! „ chen in den Trümmern umher eine Ocssnung^ Ich sah „ das Licht wieder, das ich noch nicht ertragen konnte; ! „ und Gott, der mir nie die Hofnnng geraubt hatte und I » dem ich auch immer vertraute, sendet mich unter die ,, Meinen zurücke, ein Zeuge und Beweis seiner Macht „ und Güte zu seyn- « ' Wir gehen zu dem zweyten Sturze über, der im Jahre 1749- erfolgte. Dieser häufte neue Ruinen über den erstem auf, breitete seine Verheerungen über Weiden aus, die bis jetzt fruchtbar tzewcscn waren, nun aber zu ewiger Unfruchtbarkeit verdammt'sind, und zerstörte gegen vierzig Alpengcbäude. Das gleiche untcrirrdische Grbrülle ließ sich hören; die wallifer erkannten diese Vorbedeutung und zogen sich mit ihren Hecrdcn weislich zurücke, nachdem sie vorher zur Vorsicht den Berg beschwören ließen. Fünf Bernersche Bauern aber, welche zwey Stunden weiter unten sich in einer Sägemühle befanden, zahlten ihr eigensinniges .Verweilen an diesem Orte mit idem Leben. Ungeachtet die waUiser in sie drangen, daß sie sich flüchten sollten, und! ungeachtet die Drohungen des obern Berges bekannt waren, verachteten sie die Warnungen alle, und glaubten, sie hätten in dieser Entfernung nichts zu befürchten- Allein der Strom von Steinen und Erde, un. r6r tcrmischt mit grossen Felsstücken, die von den Diablerets * herunterstürzten, bedeckte sie auf immer. Man geht jetzt - ander Stätte, wo jenes Gebäude stand, vielleicht fünf- 1 hundert Fuß hoch über feiner ersten Stelle weg. Jemand * von meiner Bckanntfchaft figtc mir, er fey am Abend 1 bor dem Tod dieser Leute schon von Haufe gegangen, um ^ ^ sich zu denselben zu begeben, um ihnen bey ihren Arbeiten i > Hand zu bieten, als ein unvorgcfchcncr Zufall ihn gehin- < dert habe den Weg dahin zu machen, und folglich das > sechste Opfer dieser schreckhaften Naturcrifc zu werden. ' Ich durchwanderte die Ebene von beinahe zwo Stun, i den, welche die Ruinen decken, und untersuchte sie genau l in der Nähe. Hier, sagte mein Führer, wo Sie jetzt auf, > gethürmte Fclsstücke sehen, stand ein Fichtenwald. Dort > «in kleines Thal, nun ein Hügel von zerbröckelten Sm- l nen. Da vor Ihnen lag eine Menge Sennhütten auf ! einer weiten Waide umher zerstreut, an ihre Stelle ist j l «in See gctretten. Die Lyserne, welche den Schauplatz - i dieser Zerstörung durchschnitt, verschwand acht Tage lang i für die niedrigern Thäler, welche sie sonst bespülte. Wäh, 1 rend dieser Zeit schuf sie zween Seen, deren der eine von ^ ! dem andern eine halbe Stunde entfernt ist. Der kleinere, l den man den See von Derborenze heißt, hat ungefähr die Grösse des Lreter-Secs zwischen N-udon und ve- veye / veye. Er datirt sich also vom Jahre '74-. und ist ohne Widerspruch der jüngste See in der Schweiz; keine Carte bezeichnete noch seyn Daseyn; kein Geographc kennt ihy vielleicht; denn keine Ocrtcr werden weniger besucht, als die, welche ich gegenwärtig beschreibe- Einige Hirten von den nahen Bergen, einige Gemsjäger, einige Contreban- dicrs zur Zeit der verbotenen Ausfuhr der Früchte auS einem Staate in den andern, sind die einigen Menschen, welche an diese unglücklichen Orte hinkommen. Keiner der Reisenden, die unser Vaterland eben so Süchtig beschreiben als durchwandern; keiner der Mahler, die unaufhörlich Schweizcrprospekte verfertigen, keiner der Naturforscher, mit Ausnahme eines Einzigen, welche ganze Systeme über die Bildung unsrer Berge auS, Hecken, und nach der Mode des Jahrzehenbs allenthalben Vulkane suchen und finden, war je noch an dem Gestade des Derborenzersees- Die Lange des Weges, den man zu Fuß nur machen kann, hält den bequemen Reisenden zurück; die Möglichkeit neuer Bcrgfälle schreckt den Furchtsamen ab; und wenige Kunde von Schönheiten, welche diese Gegend ausschlicßungsweisc enthält, macht, daß auch der nicht hinkömmt, der sonst noch gehen würde. _— Ich ') Diese Ausnahme ist Herr Wild, Oberauffeher über die Berg- werke des Eant-ns Bern- 264 Ich befragte sowohl Vernersche als Wallisssche Banern über die Ursachen dieser Stürze und es ist interessant genug, ihre Antworten als Maaßstab des Verstandes gegen ein. ander zu halten- Die ersten sagten mir: ,, Diese Ovaille, » (so nennen sie es in der Pakoissprachc 1 komme daher, „ weil die Diablerets aus verschiedenen abwechselnden „ Fels-und Erdschichten bestehen, und über das noch ei, ,» nen Theil der Last von einem an sie hinreichenden Glet, „ scher tragen. Das Wasser, welches zwischen die ver, „ schicdenen Fclslager hineindränge, führe die dazwischen „ liegende Erde weg und so verliere die Maße ihre Haltung und müße nothwendig überstürzen. Und da die Gletscher „ immer zunehmen, so trage auch ihr Druck zu der Ver, ,, rückung bey. Zudem bestehen die Felsen aus einem wei, ,, chern Sande, das sich leicht auflöse und theils vom Win, » terfroste, theils von dem daran schlagenden Sommer-Re- „ gen zermalmt, und in der Tiefe zernagt werde." Fragt man hingegen den Walliser Bauern um seine Erklärungen darüber, so ist nach der Unwissenheit, die es immer bequemer findet, ihre Zuflucht zu übernatürlichen als zu na, tätlichen Ursachen zu nehmen, und weil der Mensch, je näher er der Natur ist, desto mehr an das Wunderbare glaubt, seine Antwort: Die Diablerets seyen, wie schon ihr Name anzeigt, eine Verstatt der Hölle, wo sich eine tzolonie von Teufel, oder wenigstens >on Verdammten auf» hakte; r6§ halte; Sie haben sich von einem Jesuiten von Sitten sa, gen lassen: diese Feinde des menschlichen Geschlechts wären hier schon sehr lange im Gefängniße und theilten sich in zwo Partheyen, deren die eine den Berg auf das Wal- User Land, die andere auf den Canton Bern überwerfen wollte. Endlich wären die ersten Meister geworden und hätten einen Theil ihres Kerkers ins wallte niedergestürzt. Der Jesuit, wie sie beyfügen, that noch mehr: er nannte ihnen verschiedene dieser Dämonen mit Namen, sagte den Tag des grossen Bcrgfalls vorher, und verhieß ihnen, es sollte kein Walliser dabey umkommen." Ich führe dieses bloß an, um zwey verschiedene Classen benachbarter Bau, ern zu charakterisiern, und es anschaulich zu machen, wie wichtig cS sey, das Volk aufzuklären, wär' eS auch nur um dasselbe von dem beschwerlichen Joche des blinden Aberglaubens zu befrcyen. ES ist zu befürchten, daß die drey übrigen Spitzen, von ähnlicher Bildung mit den gesunkenen, früher oder später, in denselben Paroxismus gerathen, und gleiches Unglück verursachen werden. Ich weiß wohl, daß man jedesmahl, wenn man auf der walliser Seite Gefahr fürchtet, einen Mönch kommen läßt, Beschwörungen anzustellen; allein diesem Vorbauungsmittel würd' ich doch nicht alles zutrauen. Und ich weiß keine andere Auskunft', um in dieser Nach bar- r66 barschaft ruhig schlafen zu können, als den festen Glauben an die Vorherbcstimmllng (Prädestination) und finde auch in der Ueberzeugung von dieser Lehre eine von den Quellen -er Ruhe dieses Bergvolks, das weit mehrern Gefahren ausgesetzt ist, als der Thalbewohner. Hat man sich von den Hütten des Berges Chcville entfernt, so betritt man gleichsam die Werkstätte eines Zerstö. rungsgristes. Beynahe zwey Stunden lang wandert man im Schoose fürchterlicher Trümmer dahin. — Nicht Rui, nen einer Beste find es, noch die einer, auch noch so mäch. tigen Stadt; es sind die Trümmer zweyer Gebürgc; O, wie klein ist der Mensch mitten unter dieser Szene! Von allen Seiten erheben sich kleinere und größere Felsblöcke, in tausenderlei verschiedener Gestakt; die einen so hoch als Pyramiden, wie Amphitheater geräumig die andern, bald isoliert, bald in Haufen gcthürmt; hier in Säulen empor, stehend, dort an einander gelehnt wie Kartcnschlösscr; aber alle von ferne ein majestätisch furchtbarer Anblick. Es ist unmöglich, die Mannigfaltigkeit der Gruppen, Lagen und Szenen zu beschreiben, welche man jeden Augenblick auf dem geschlängelten Fußsteige genießt, der, wenn ich so sagen darf, zwischen den verschiedenen Theilen des Skelcts einer hier begrabenen Alpe fortläuft. In den ersten Jahren gleich nach diesem Vorfalle muß dieses Schauspiel ohne an. derS derS nochkgräßlichrr gewesen seyn, ehe die Natur ihre Rechte über die zrrworftnen Theile ihrer Schöpfung wieder nahm. Nun sind die gefallenen Bäume verfault; die triebvolle Erde hat einen Theil des nackten Bodens wieder bekleidet, und Flora eine neue Provinz für ihr glänzendes Reich ge, Wonnen; sie säete rundum die zahlreichen Familien der Genztanen, Ranunkeln und des Heideflachses, die hohe Feldlilie schmückt ihre Seiten; aus ihren Spalten erheben sich ! Gteinbrcchen, Anemonen unv Immortellen von man, , cherlei Farben. Die gcruchreiche Muterine, die schwärz, lichte Orchis, die Dergprimulaveris wachsen da mit Lusi; eine grosse Menge Steine sind mit einer bunten Tapete be« > kleidet, wo sich die Driade mit acht Petalcn, die Gilene ohne Stengel, daS braune Frauenhaar, auszeichnen. Das Rhododendron mit der Flammcnfarbigten Blühte, die Citise, deren Blühtcnbüschcl in Trauben niederhängen, eine Menge Zwergweiden haben hier Wurzeln geschlagen: Durchaus, wo Wasser läuft, erhebt die Eriophore den Flaum ihres wolligtcn Haupts; die parnassia, die Sol, danelle, die Messen rc, sprossen neben dem Schnee her, vor, und wilde Rosen, junge Tannen und Lerchen krö, nen die Stirne und beleben die Vorspränge der nun wie, der unter die Herrschaft der Vegetation gebrachten Felsen- So stellt die Natur den Denkmalen der Zerstörung die lachendsten r68 chendsten Bilder gegenüber/ umhüllt mit Schwämmen und Moos die zerstreuten Gebeine eines grossen Bergleichnams, und verbirg! unter minder traurigen Gestalten die Beweise des Alterthums der Welt und der Verheerungen der Zeit. Jedoch rührte mich keine Landschaft so, wie der Derborenzer See- Er ist, um eine englische Redensart zu entlehnen, eine im Schosse des Grausens schlafende Schönheit- Dieser See mag in seiner unregelmäßigen Gestalt der Länge nach tausend Schritte gegen eine sehr ungleich, förmige Breite messen. Von der einen Seite umgibt ihn ein Gürtel über einander geworfener Felsen, von der andern bietet er geebnete Gestade dar- Zur Rechten schwärzt ihn der wiederprellende Schatten der Tannen und die Lyftrne, die von einem höher» Gletscher herabfällt, stürzt sich brausend, nachdem sie noch vorher einen Wasserfall bildet, hinein. Noch wohnt kein Fisch darinn; einige Bergvögel nur streichen pfeifend über ihn hin. Nie befürchte noch ein Schiff das schäumende Gewässer; nur ein von Waldwassern hcrbeygeführtcr Baum siuthct, dem Winde gehorsam darauf umher. Nachdem die Lizerne dem See sein Daseyn giebt, ziehet sie sich unter Felsen hin, aus welchen sie wie neu aufquellend wieder hervorgeht; verbindet sich dann mit dem Ausfluß des zweyten Sees, der eigentlich um ein Sumpf in in ein unfruchtbares sandigtes Becken gefaßt bildet. Man geht da und dort auf Brücken von leichtem Flcchtwerk vrr, fertigt, darüber, deren Elasticicät man mit jedem Fußtritte fpührt. Die Unsicherheit ihres Laufes und ihr ungleiches Gewässer läßt nur solche wohlfeile Brücken zu- Von der letzten derselben, die noch von gigantischen Maßen de« Bergfalls eingeschlossen ist, sieht man den Strom sich am Fuße der durch die Lauinen kahl geschürften Berge hinabstürzen, ihre gedrängten Flanken gleichem nöthigen, ihm einen krummgcwundenen Ausgang zu gestatten, und sich endlich in einen Schlund unter einer Brücke werfen, dir, wie ich glaube, ihres gleichen nicht hat, als da, wo man vom Gotthard herab ins Livinerthal steigt. Hier ist ein Gewölbe von ewigen Schnee und Eise- Beinahe alle Jahre fällt eine Lauinen an diese Stätte, und die zurückgehaltene Li- zerne gräbt sich einen Weg unter derselben hin. Der An, blick dieses OrtS ist in der That grauenvoll. Die kühnsten Jäger gehen nicht ohne Furcht über diese gefährliche Arcade, unter welcher man den Waldstrom brüllen hört. Und dieses heißt doch viel gesagt. Denn übrigens kenne ich kein un» rrschrockneres Wesen als den Alpjäger. Schnee und FelS- rüfencn gering achten; sich von einem Abhang zum andern schwingen; sich auf einer zwey Daumen breiten Stelle über unergründlichen Tiefen hangend erhalten; kriechend die Rasenplätze zwischen zwo kahlen Felswänden erreichen, wo die 27 » diej Gemsen auf Atzung gehen; sich der Gefahr aussetzen in Eisspalten hinab zu fallen, aus deren Tiefe keine Wieder, kehr statt hat, oder von dem bis in sein äusserstes Asyl ge- , jagten Thiere umgeworfen werden; zuweilen gcnöthigct sey», sich Hände und Füße aufzuritzen um den schlüpfrigen Fel« ! sen mit seinem Blute zn befeuchten; oft mehrere Nächte zubringen ohne irgend ein ander Bette als die Erde oder ^ Schnee, und ohne eine andere Decke als den Himmel. — ^ Dieß ist die Weife, mit welcher der Alpenbewohner die ge, fährliche Jagd, treibt, welche jährlich Mehreren das Leben kostet. Je weiter man auf dieser verwüstungSvollen Fläche fortgeht, desto grössere Felsblöcke trift man an. Ihre außerordentliche Grösse gab ihnen auch eine Verhältniß» mäßige Schnelligkeit des Falls; in einer Minute müssen sie eine Stunde Weges geflogen seyn- Die kleinsten der, selben sind von der Grösse eines Doms- Beinahe am äussersten Ende des Bergschuttes lagerten wir uns an dem Ufer einer reichern Quelle, und nahmen ein bescheidenes ^ Mahl zu uns, das uns der Hunger zum Gastmahle erhob- Unmöglich konnte man in einem romantischeren, mit erhabner» Dekorationen geschmückten Saale speisen. Unsre Tafel schien uns von der Natur auf dem Schlachtfeld« der Elemente bereitet zu seyn; unter den Denkmalen des Sie- Sieges, welchen die Zerstörung lüber die Ordnung der Vorzeit davon trug. Man findet in diesen Gegenden eine Menge von Wirkungen, die kein Ausdruck erreicht; unter andern erinnere ich mich eines Hügels, auf welchem ein dünnes Wäldchen von Tannen steht, die nur auf einer Seite mit Aesten bekleidet, und ganz gegen den Abhang, der sie trägt, niedergebogen sind. Man sagte mir, es seye die Folge der außerordentlich heftigen Nordwinde, die auf der Seite, an welche sie Hinwehen , daS Wachsthum der Acste hindern. Von Ferne sind diese Bäume einer Nymphe mit fliegenden Haaren ähnlich, die gegen den Wind läuft. Von da kamen wir auf den sogenannten neuen weg. Allein welch' ein Weg! ein schmaler Saum nur ist es, auf welchem kaum ein Maulthier Raum hat, und der sich schlangenförmig über eine Stunde lang an der Seite eines unermeßlichen Felsen hmwindct. Hier ersetzen über einander gelegte Bäume den Mangel des Erdreichs, dort muß man unumgänglich unter einem Wassrrfall hingehen, und sich von diesem bcgicßen lassen. Zu den Füssen hört man das Gebrülle der Eiserne, ohne sie zu sehen. Rund umhängt gleichsam der Tod über dem engen Raume, der uns trägt. Dieser Weg führet nach dem Dorfe Aven, und von da nach Sitten; Er dienet den Einwohnern der nahen 27 » nahen Dörfer sich auf die entfernter» Weidplätze zu bege- i bcn, zu deren einigen man nur auf Leitern kommen kann, ! und wo man die Schaaft und Ziegen, welche einige Wo« ! chen hier zubringen, hintragen muß- Ein Bauer, der in diesen verlernen Winkeln Grundstücke besaß, war der erste, der den kühnen Fußsteig bahnte; Er ließ ihn auf seine Kosten brauchbar machen, gieng aber darüber zu Grunde, und Andre, die in denselben Gegenden Besitzungen hatten, nahmen es gemeinschaftlich auf sich, feine Familie auf ihre Unkosten aus dem Elend zu ziehen. Unmöglich kann man sich des Grauens besonders an dem Orte enthalten, wcl« > cher der Hundesprung heißt, am Rande einer Mauer, von wo man den Abgrund, an welchen man hinwandcrt, in seiner ganzen Tiefe entdeckt- Am Ende dieses Weges, der in seiner Art ein Met« sterstück ist, steht eine kleine, dem heiligen Bernhard geweihte Kapelle. Eine der belebtesten Aussichten dehnt sich hier mit Einemmal vor dem, durch den immerwährenden Anblick von Tannen, Abgründen und Wüstcneycn ermüdeten Augen aus. Der Blick senkt sich in das schöne Thal, welches die Rhone benetzt, und zuweilen verheert. Vsm Ufer seines gelben reißenden Gewässers bis an den Gipfel der ersten Berge entdeckt man 2; Dörfer, und die Stadt Sitten Mit ihren drey Schlössern. Ucberall zeigen sich dis emsi- emsigen Arbeiten deS Feldbaus. Der Weinstock entwindet ^ sich Felsen; Säume goldenen Gctraides breiten sich zwi. ! schen Tannenwäldern auS; grüne Weiden krönen den Gipfel der Hügel, welche auf ihrer Oberfläche alle Arten von Anbauung enthalten. So anziehend aber dieft.Landfchafc ! ist, deren Einfassung und Gränzen von allen Seiten verschiedene Alpcnkcllcn ausmachen, so erregt sie doch eher traurige als frohe Empfindungen. Alle diese Wohnungen, all diese bearbeiteten Felder sind so vielen Eroberungen ähnlich, die man in einem langen und mühsamen Kriege gegen die Natur und die zürnenden Elemente gemacht hat- Sehr grosse Plätze mir Steinen besäet, oder von Sande bedeckt, sind in ihrer Oede eben so viele Zeugniß? der Verheerungen der Rohm, der Marge, der Lizerne. Die beiden lcztcrn Ströme haben, so wie sie einmal aus den sie dämmenden Gebirgen her- i vorgetretten sind, kein bestimmtes Bette mehr, und schaffen sich beynahe jedes Jahr ein anderes- In einem Königreiche, selbst in einem Frcystaatc, hätte man sie durch Dämme gezwungen, in einem bestimmten Kanal zu bleiben; in einer Demokratie aber, wie wallis ist, muß der Mensch alles von sich, nichts vom Staate erwarten. Er scheint seine gänzliche Freyheit mit all den Vortheilen zu bezahlen, die ihm eine thätigere Regierung verfchast hätte. S Er 274 Er hat von Niemand, weder Entschädigung für ein Un, glück, das ihn trift, noch Vorbeugung gegen ein Unglück, ^ das ihn bedrohet, zu hoffen; und die Regierung, unter welcher er lebt, und welche sich auf die Aufrcchthaltung der allgemeinen Unabhänglichkeit einschränkt, thut nichts für ^ den Nutzen der Einzelnen. ' > i > Wirklich bezahlt der freye walliser dem Staate nichts, ! und kann also auch keine Hofnung haben, mehr von dem, ! > selben zu ziehen, als er ihm giebt. Alle Länder, welche ei- ! nen öffentlichen Schatz haben, woraus der Unglückliche eini- ! gc Unterstützung schöpfen kann, haben diesen bloß den Bey. trägen, die der Bürger auf diese oder jene 'Weise dazu giebt, zu danken. — So aber verhält es sich weder in wallis , noch in Bündten, noch in den kleinern Schweizer,Kantonen, wo der Staat kaum die unausweichlichsten öffentlichen Ausgaben bestreiken kann. Ein gemeines Sprüchwort, welches durch die allgemeine Meinung unterstüzt wird, sagt, die Licerne und der ^ Avencon entspringen aus demselben Hause. Jedoch schei, ^ nen mir die Quellen derselben sehr weit von einander ent- i fernt, so ähnlich die Ströme sich in ihrem Charakter sind: > Beide drängen ihr Gewässer durch scheußliche Thäler hin- i durch; beide schwellen beym Schneeschlmelzen oder nach < lan« 27S langem Regen fürchterlich an; beide beherbergen keine Fische, ausser an ihrer Mündung gegen die Rhone; selbst die Forelle, welche sonst die meisten Alpbäche bevölkert, kann ihren Strom nicht Hinansteigen. Das erstewallisische Dorf, welches man aufdemWe, ge, den wir nun gemacht haben, antrist, ist Aven; und was ich von den Einwohnern desselben zu sagen habe,> kömmt, bis auf weniges, mit den übrigen zwischen derLi, zerne und der Stadt Sitten liegenden Dörfern übcrein. Im ganzen steht sich der Bauer da sehr gut; denn er hat Acckcr, Felder, Weinberge und Weiden, und sein für sich schon ziemlich fruchtbares Erdreich erfordert eben nicht die vollkommenste Bearbeitung; sein Wein wäre genießbar, wenn er nur besser gepflegt würde; fein Roggenbrod ist von gutem Geschmacke; der Ucberfluß an Früchten, Butterund Käse groß. Kein Gegenstand des Luxus neuerer Zeit hat sich noch eingedrungen; selbst der Caffee nicht, der sich sonst aller Orten rinschleicht- Hingegen mangelt es ihnen an der Erdapfelpflanzung; und es scheint mir unverzeihlich, daß fie die Einführung derselben vernachläßigen, und das nüz» lichste aller Geschenke, das uns Amerika gemacht hat, verachten. Pferde sind hier beynahe unbekannt; die mühsame» Wege machen, daß man sich bloß der Maulthiere bedient; auch der ärmste Bauer hat wenigstens Eins, der Reichst« S » sechs 276 ' , sechs und sieben' demselben. Diese Maulthiere tragen die k Garben in die Scheunen, die Trauben unter die Kelter, r den Dünger auf das Feld; sie holen die Käse aus den t Bergen herab, das Brennholz aus den Wäldern^ man sattelt r und besteigt sie, «nb wo der Bauer immerhin will, ist er auf 1 seinem Thiere. — Nichts kömmt der Gastfreygebigkeit dieser a Dvrslcutc bey; so bald sie einen Fremden Vorbeygehen sehen, s rufen sie ihn mit dem Namen; ! (*> (Diße ist ihre Eh- si ren.Benennung, blonlieur kennen sie kaum.) Sie führen s ihn in ihren Keller, der das schönste iZimmer ihre« Hause« ist. h Man sezt sich auf grossen Brettern; eine umgekehrte Tonne macht den Tisch auS; hier stellt der Bauer Gläser hin, und, wenn er reich ist, silberne Becher; er tischt Brod, d alte Käse, Eyer auf, und je länger man bey ihm bleibt, S sollte man die halbe Nacht durch essen, trinken, schwären k wollen, desto zufriedner ist er mit dem Besuche: Um Be-> si Zahlung ist es hier nicht zu thun, das wäre Beleidigung d für ihn, und er würde sich äussern: Ob man ihn denn für 0 einen Wirth halte? Selbst sein eigen Bette mißt er gerne, si um es dem Gaste anzubieten. Allein, besser schläft man i. doch auf dem Heu oder Stroh in der Scheune. Denn ne- ^ den den Lobsprüchen, die man der helvetischen Gastfrcyheit K dieser guten Leute ertheilen muß, kann man doch nicht um- V hin, d< . » > — , ri C) Ihr Weisheit: -77 die hin, die entsetzliche Unreinlichkeit ihrer Kleider und Woher, nungen zu tadle». Selbst ihre Speisen machen selten lüS, >en lern; sie greifen ihre Butter und ihr cingesälznes Fleisch olt nicht eher an, als wenn es Zeit ist, es den Würmern strei- mf tig zu machen; und der Reisende thut wohl, wenn er sich ser an Brod, Käse, Eyern, und Milch genügen laßt, und en, selbst die Mühe nimmt, die Gefäße zu reinigen, deren er kh- sich bedienen will. Allerdings ist diese ttiireinlichkeit der Ge» cen sundheit schädlich, so wie die Unordnung, den sie in der ist. häuslichen Oekonomic verursacht. i ine !N, Ihre Sprache ist ein an sich ziemlich sanftes patoi-, ,d, das aber durch die Guttural-Pronunciation, deren sie sich bt, gewohnt sind, rauh klingt. Obgleich ich die verschiedenen zen patois der französischen Schweiz ziemlich gut kenne, so ver- 8e- stand ich doch anfänglich von dem dortigen nichts, weil sie >ng die meisten ihrer Wörter mit einem in die Länge gezogenem für o oder a endigen; nach und nach aber merkt' ich, daß sie ne, sich einer Menge lateinijchcr Worte bedienen. So heißt ,an 1« B. Mino von minor, bey ihnen ein kleiner Knabe. Leine, lay von Lells ein Keller; Labe von lcsbeilnm, ein Stuhl; >eit Frayi von tr-nZers, brechen, u-f.f. Von manchen ihrer >m» Wörter mußte man, wie ich glaube, die Abstammung aus , dem Lettischen schöpfen. Matta, eine Tochter; Matts,i, . ein Knabe; Fimmalle, eine Schuhschnalle; Bre'zi, su. chen, 278 , chen, u- s. w. Man muthmaßt also, daß schon seit den ^ Zeiten, wo die Proskriptionen zu Rom i» Uebung kamen, ^ und besonders in den Jahrhunderten, wo die nordischen ^ Völker das abendländische Reich überschwemmten, römi- ^ sche Familien in diesen Gcbürgcn einen Schuzvrt gesucht, ^ und sich nach und nach mit den Landes-Einwohnern vcr, ^ mischt haben. Eine genauere Bekanntschaft' mit ihrer ^ Sprache und ihren Gebräuchen würde ohne Zweifel diese ^ Sage bestätigen. > Von Aven kömmt man in drey Stunden nach Git. ^ ten über sehr fruchtbare Felder und Wcingelände, ob« ^ gleich dieselben überhaupt besser gebaut seyn könnten. Man ^ steht von da die Ruinen zweyer berühmten Schlösser auS ^ den stürmischen Zeiten, wo die Freyheit mit dem Joche der Feudal-Regierung im Kampfe lag; zu verschiedenen ^ Malen erobert, abgebrannt, und vom Volke, den Bischö- ^ fen und dem Adel wieder aufgebaut, sind sie jezt bloß noch ^ verfallene Mauren und Denkmale. Diese Festungen hiessen ^ Montorge und Seon. Von der Höhe des leztern stürzte ^ der Freyherr Anton de la Tour im Jahr i;?;. seinen Oheim , Gui.'card de Tavel, Bischof von Sitten, nach- ^ dem er ihn nebst feinem Capelan hier überfallen und durch- ^ ^ stochcn hatte. ES war um einige Herrschaften zu thun, die der Bischof seinem Neffen abforderte. Doch bezahlte «79 ^ der Mörder seine Treulosigkeit wenige Monathe nachher sehr theuer. Nachdem er sich gegen das Volk, das seine ^ Grenclthat rächen wollte, ein Herr geworben hatte, wur« de er in einer blutigen Schlacht nahe bey St. Leonhard, ^ . zwey Stunden von Sitten, überwunden und niederge« macht; seine Schlösser giengcn in Feuer auf, seine Spieß» ** gesellen wurden aus dem Lande gejagt, und der Bischof er. ^ hielt eine Stelle unter den Märtyrern. Nicht ohne eine Regung von Ehrfurcht betrat ich die alte Hauptstadt von wallis — das Sitten, die so oft in b* der Vorzeit von den Stürmen der Feudal-Revolutionen umher geworfen wurde; so oft das Opfer eines langwie» ^ rigen Kampfes zwischen dem Volke und den Grossen war, ^ und so ganz seltsam zwischen drey Felsen gelegen ist, über welchen drey alte Schlösser empor gebaut sind, die nun aber ^ niemand mehr in Furcht erhalten- Ich forschte sogleich ^ nach den schönen römischen Innschriftcn, die uns den Na- wen der alten Seduner aufbehielten. Ach, da war die eine , ^ ausgelöscht, um an deren Statt das Wappen des Bischofs hinzusetzen : die andre hat man zwar zu ihrer bessern Ver, Wahrung in die Mauer des Rathhauscs gesetzt; sie kann aber nicht gelesen werden, man kehrte denn den Marmor ' nm, weil die interessanteste Seite desselben innerhalb der ^ Mauer Mbst liegt. Man muß sich also begnügen sie bei unser« unsern Alterthums, Forschern zu lesen, und den Einwohnern von Sitten ihre Nachlässigkeit in Aufbewahrung die- ^ scr ehrenvoller Monumente um ihres Muthes, ihrer Vaterlandsliebe, und Freigebigkeit willen verzeihen, welche die auffallendsten Züge ihres Charakters ausmachen. Gerne hätt' ich das berühmte Schloß Tonrbillon besehen, das ehedem der Schauplatz so vielen Streiters und blutiger Scenen war, nun aber blos der friedlichen Versammlung der Stände gcwiedmct ist. Allein der Bischof war abwesend, und ich konnte keine Schlüssel bc. kommen. Dennoch klimmt' ich einen engen in die Fel. fen gehauenen Fußsteig, den einigen Weg dazu, hinan; und als ich rund um das Schloß gierig, sah' ich eine Lücke in der Mauer, versuchte dieselbe zu besteigen, und sprang in den innern Hof. Meister vom Schloße, denn alle Zimmer waren offen, durchsuchte ich dasselbe nach Behagen. Weite, mobilicnlose, öde, stumme Sääle, meistens ohne Fenster, so daß der Wind freyen Durchgang ' hatte, und die Baumblätter, die er mit hinein führte, im Kreise trieb ; geheime Ausgängc für die unglücklichen Zeiten, wo Flucht nöthig war, und ein Gemach mit den Bildnisstn der Bischöfe geziert, das ist alles, was ich sah. ^ Ich denke, die Gemählde dieser Sstrnmluyg, welche bis ; an Mheiligen tzheoh-rus, Bischof Yyn iyctodurum (nun-, > mehr s8r mehr Martigny) gegen das Jahr ;8°. hinaufsteigt/ bis ins dreizehnte Jahrhundert / seyen wohl bloß aus der Ein, bilduna gemacht. Seit Wilhelm von Saillon aber/ der im Jahr i-o). erwählt wurde/ ist ein Geist der Wahrheit und des Lebens darinnen / der mich an ihre Originalität glauben macht; immer Wallisische Physiognomien/ von denen cS leicht ist die kleine Zahl der Fremden abzusondern/ welche den bischöflichen Stuhl von Sitten mit den Naturjohnen des Landes theilte». Überhaupt schöne Köpft/ welche mehr Kraft als Geist/ mehr Muth als Staatskunst verrathen. Durch seine sehr sprechenden Züge / ein in die Länge gezogenes Gesicht/ stolze Minen und kriegerischen Anstand zeichnet sich unter der Menge der berührn, te Cardinal Schmer aus / der Feucrkolf seines Landes und der ganzen SchweiZ/ der Welschlands Ebenen mit dem Blute unserer Nation überschwemmte. Die Aussicht von der obersten Höhe dieses Schlosses gegen dem obern Wal, listr Lande hin ist in ihrer Art einzig/ und die drey zer, störten Schlösser von Gradez auf einer Insel der Rho, ne machen einen sehr mahlerischen Theil derselben aus. Ueberhaupt findet sich in den Wallistr Landschaften ein erhabenes Gemische von Cultur und Verwüstung, lachen, den Lagen und furchtbaren Gestalten, Denkmalen der Ver- hörung / sowohl der Zeit als der Menschen; von Zeugnissen der Abgelebtheit der Erde, die ihrem Ende zueilt, und von / I i r8r von der Standhastigkeit der Menschen, welche den Eis, bergen, den Stürmen, Maidströmrn und Erdcrschütte- rungen den Boden streitig machen, der sie trägt und nährt. Kein Theil der Schweiz hat so viele Phänomenen der Natur und der Politik auszuweisen, im physischen so wohl als moralischen Sinn; und ich glaube die Verwüstung welche Yen Einwohnern von Sitten in jedem Sinne > seit Jahrhunderten — nur droht, ist die Ursache, warum sie jene Stelle des Psalms, welche zum Wahlspruch ihrer Stadt geworden ist, von sich deuten: vommuü äilexk Lion luxer tsbernsculs ^scob. Ps. LXXXII. 1 / Reise / Reise ' über den Rigider g. und -ie vier Waldstädte. / l Der Verfasser dieser kleinen Reise , die zuerst ini schweizerischen Museum abgedruckt war, ist Herr. Professor I. H.voir Orelj, in Zürich, der Fortsetzer der vortreflichen Schüiz'schen Beyträge zur nähern Kenntniß des SchweizerlandeS. e . ' - - -.—. -«-> - Reise über den Rigiberg und die vier Waldstädte. <^en 8. August l?86. trat ich meine Reise am frühen Morgen mit einem Freund an; wir kamen an einem der hellsten Morgen über den Albisberg nach Zug. Die Ge« gend ist so gut bekannt, daß ich darüber nur dieß einige bemerken will: Man bedenke doch, wie viele Morgen Lan, des hier noch unangcbaute Haiden, sumpfichte Nieder, und Gemeinwiesen find! Sollt es denn nicht möglich seyn, daß diese Güter unter einzclenBewohnern, so wieder Aufbruch im Hard bey Zürich, ausgetheilt würden? Man könnte bessere Futerartcn säen; auf die Wiesen Bäume "pflanzen; des Tags das Vieh in den Ställen füttern, und eben dadurch Dünger für die Hanöäcker und andre Güter gewinnen. DcS Nachts würde man es auf diesen entlegenen Matten , wei, s86 weiden. Und kurz, man könnte da Gras, Getreide, Obst und Holz zichn. Welcher Gewinn für unser Land! — Diese Gegenden erstreckten sich von Riffersweil bis auf Baar; da sie sonst, wie das ganze übrige Rnonauer, amt, für die fruchtbarsten könnten gehalten werden, so er, tragen sie hingegen auf bisherigen Fuß sehr wenig. Wir kamen gegen Mittag auf Zug, welches bekannt, lich die angenehmste Lage an dem See hat, der seinen Namen von dieser Stadt empfängt. Der sogenannte Ba, rerboden der sich von Daar beynahe bis an die Stadt selbst zieht, ist insonderheit wegen seiner Fruchtbarkeit, seinen mit den schönsten Bäumen besetzten Wiesen, und von dem mächtigsten Hornvieh dicht bedeckten Waide», all, gemein berühmt- Mitten in den Matten war das Land aufgebrochen, und darinn Gartengcmüse gepflanzt. Dieses beweißt theils die ungcmcine Fruchtbarkeit des Bodens; theils mögen diese Aufbräche vielleicht auch dienlich seyn, die giftigen Erdtheile, welche sonst so gerne Unkraut und Moos zeugen, auszulaugen; das Land zu düngen und die Erdarten zu verbessern. Nahe an Zug befinden sich Bleichen für leinen und baumwollen Zeug. Die Stadt selbst zeich, net sich eben durch keine außerordentlich schöne Gebäude aus, und ist auf einem unebenen Platz erbaut. Allein ihr Pflaster ist weit reinlicher als das unsrigc; die Gassen sind «87 find breiter, die Häuser stehen in geradcrn Linien, und mir schien rS, aus etliche» neuern Wohnungen zu schließen, man arbeite s.-t einigen Jahren stark an der Verschöne, rung der Stadt- Jezt fuhren wir über den See nach Art, einem wohlgebauten Flecken im Canton Schweiz. Der See ist ungefähr eine halbe Stunde breit und drey Stunden lang. Seine Ufer sind Anfangs mit schönen Wiesen, vielen Holzungen, und ein wenig Reben besetzt. Auch sieht man in dieser kurzen Strecke mehrere wohlgebaute Landhäuser. Sehr angenehm ist es wahrzunehmen, wie der Malus und der Rigj, je mehr man sich dem Flecken Art nähert, i» größerer Gestalt und immer abändernder Form erscheinen- Welch herrliche Abwechselung von Gegenständen, welche Mannigfaltigkeit von Farben kommen da zum Vorschein! die hcllbläulicht glänzende, und von dem Gcwölke des Horizonts gefärbte Fläche dieses Sees, die grünen Waiden am Ufer, und die bis zu dem Gipfel des Rigj sich in die Höhe und Breite ziehenden Fichten und Tannenwälder. Gerade über dem Gipfel des Berges hatte sich ein dichtes Gewitter. Gewölke gesammelt. Aber das Ge, rassel deö Donners machte in die Tiefe des Thals hinunter für das Gehör einen so angenehmen Eindruck; diese Ge, geud war von Zeit zu Zeit so schön von dem Blitze erleuchtet, 1 » «88 tct, daß sich jeder Gedanke von Gefahr in nur verirr und ich, statt fürchterliches zu hören oder zu sehen, vielmehr die lieblichste Ruhe empfand, und alle meine Sinnen nur den angenehmsten Eindrücken offen stunden. Dieses mochte nun freilich zum Theil auch daher rühren, weil so mcle neue Gegenstände in einer mir bisher unbekannten Gegend meine ganze Aufmerksamkeit beschäftigten- Und dann machte mich die Versicherung beherzt: der Strahl schlage in dieser Revier niemals oder doch nur sehr selten ein; der Wind treibe die Wolken von diesen hohen Bergen meist über das Thal hinwieder auf andre Gebürge. Wirklich traf es so ein; da« uns bedrohende schwarze Gewölle ent. fernle sich bald. ^ Zu Art hatte rch Gelegenheit, Bekanntschaft mit Herrn Doktor Zay zu machen, den man aus verschiedenen Aufsätzen im Schweizernmseo kennt; ein Mann von ungcmein munterm, geselligem und dienstfertigem Charakter, der nicht allein in seiner Kunst, sondern auch in den vaterländischen Rechten und Geschichten und in den schö- uen Wissenschaften «»gemein bewandert ist. Aus der .Praktik der Arzneykm.de scheint er indessen wirklich nicht seine Hauptbeschäftigung zu machen; und dieß läßt sich begreifen, wenn man von ihm selbst hört, wie das gesunde , Blut der Einwohner dieser Gegend selten des Arztes be- " darf, L8A darf, und ein solcher wirklich verderben müßte, wenn er nur von seiner Kunst zu leben bemüßigt wäre.: Die Leute Haltens da nicht an der Zeit krank zu seyn; besonders wisse man hier nichts von hypochondrischen Grillen, ungeachtet Luxus, Ausgelassenheit der Sitten, und der Gebrauch warmer Getränke sich (wie ich bald bemerken konnte) auch m diese schönen Tristen eingcschlichen haben: und endlich würde der Arzt meist sehr dürftig bezahlt. Die mit vieler Klugheit verbundene Naivität dieses Mannes und sein niun, tcrcs Wesen machten mir etliche sehr angenehme Stunden. Von ihm erfuhr ich, daß der Bauer in diesen und den benachbarten Gegenden immer mehr Vieh nach Italien verkaufe, weil er immer mehr baares Geld bedürfe; daher werde bald kein Vieh mehr nachgezogen, und wären Fleisch und Butter so theuer. Zum Beweise, wir leicht man übri. gens sonst in diesen Revieren reich werden könnte, erzählte er uns von einem Wirthe, der in seinen jünger» Jahren keinen andern Verdienst hatte, als Fremde auf den Rigj zu führen; sich daraus ein Stück Geld sammelte, dann Güter kaufte, und mit diesen so viel gewann, daß er sich zuletzt ein Wirthshaus anschaffen konnte, und nun durch Wirthschaft, Handel, und einige Erbschaften sich ein Vermögen von Ivo,ooo Gulden erwarb. Schon zu Art findet man keine Spur mehr von Ackerbau, sondern trist da nur Wiesen und Viehzucht an- Korn T and 290 und andere Frldfrüchte würden in dieser kühlen Gegend nicht mehr gediehen. Eine Iuchert Landes wird hier nach dem berechnet und verkauft, was eine Kuh ätzen mag. , Des folgenden Morgens bestiegen wir den Rigj. Es wächst an diesem Berg ungemein viel Farrenkraut, dessen Stengel wohl zwey bis drey Fuß hoch sind, und ungefehr' ^ einen halben Zoll im Durchschnitt, die Blätter aber wohl ! einen halben Fuß in der Ausdehnung haben. Dieses Kraut ! brauchen die Bewohner dieser Gegenden statt des Strohes , für das Bich. ! * Ueberhaupt genommen ist das weibliche Geschlecht unter diesem Bergvolke unansehnlich. Dre Männer hingegen find stark, gesund und wohlgewachsen; die meisten Sennhirten. Ein Theil der Weiber beschäftigt und ernährt fich mit Seidenspinnen. Mitten an dem Berge von der Arter , Seite liegt ein Wirthshaus zum Dächletn genannt, wo man gu. ten fetten Käß aus den umliegenden Hütten findet. Von da kamen wir zu dem Rlösterlein. Hier steht das sogenannte HoMium, ein kleines Gebäude mit einem Garten, von vier Capuziner-Vätern bewohnt, welche ehemals Gäste beherbergten, jetzt aber solches den Wirthshäusern überlassen, deren drey gleich nebenan liegen. Aufdem nämlichen Platze steht eine artige, obgleich ganz einfach gebaute Kapelle zu U L. »9l U. L. Frauen zum Schnee genannt, zu welcher aus den kleinen Kantonen, und sogar aus entfernten Orten häufig -ewallfahrtet wird; und wo darum auch Vota die Menge aufgehängt sind- Die Zeche in den bemeldten Wirthshäusern ist noch mäßig genug, wenn man bedenkt, wie müh, sam, und mit wie viel Kosten begleitet das Herbeyschaffen von Wein, Früchten, und andern Lebensmitteln, welche alle von Menschen da hinauf getragen werden, seyn muß. Die Anstrengung beym Hinanstcigen auf den Berg, und die reine zehrende Luft schärften unsre Eßlust nicht wenig; indessen versahen wir uns am Morgen an dem Dächlein mit Nahrung, daß wir Kräfte genug behielten, um vor der Mittag. Mahlzeit den Berg ganz zu besteigen. Auf dem Wege von dem Rlösterletn bis auf den Stafel sahen wir auf verschiedene hohe, aber nur dünne Wasserfaden; fanden Holz, Versteinerungen, schwarzen Schiefer mit weißbesprengten Adern und weisst» Alabaster. Auf dem Grasboden wachst nebst dem blauen Eisenhut, auch wcisscr und gelber. Auf dem Stafel bedeckte ein so dichter Nebel den Horizont, daß wir uns keine Hofnung machen durften der unermeßlichen Aussicht in die Ferne zu gemessen; wir mußten uns darum an den Gegenständen in der Nahe genügen lassen. Nur einige Augenblicke früher, (denn da kömmt es wirklich nicht selten auf Minuten und Augenblicke an) so hätten wir das ganze Thal beleuchtet gesehn. Von dem Stafel kehrten wir links T r hin. 2Y2 Hinunter nach dem Rlösterlein zurück, und kamen auf diesem Wege zu dem kalten Bad, wo eine kleine aber wohlgebaute Kapelle, mit artigen Deckengcmählden, und ei» Wirthshaus steht- Das Bad selber befindet sich zwischen senkrecht stehenden Felswänden von Nagelfluhe, aus welcher durch eine Spalte klares, eiskaltes Wasser rinnt. Auf der Fortsetzung unsers Ganges fanden wir geräumige Haiden, auf denen eine Menge wildes Kraut wächst. DaS Erdreich ! ist wellcnweift aufgeworfen, und könnte wohl besser benutzt ! werden. Es soll dort auch Vulkanen gehabt haben. Von ^ dem kalten Bad bis zu dem Rlösterlein findet man nur ! seltene, mit einen» Zaun eingefaßte Vtchhütten. j Um indessen unsre Reift auf den Rrgi nicht vergebens unternommeii zu haben, übernachteten wir beym Rköstcr- lein, in der Hofnung, des folgenden Tags die Spitze des Bergs zu besteigen, und bey Sonnenaufgang des herrlichsten Schauspiels in seiner ganzen Grösse und Schönheit geniesscn zu können. Dieses gelang uns nach Wunsche. So trübe ! das Gewölle noch bey unserm Bettgchen war, so sehr erheiterte sich der Himmel gegen Morgen ; und da wir so viel Glück kaum hoffen dursten, waren wir gedoppelt empfänglich für den Anblick, den wir erwarteten- Wir hatten ein hartes Lager auf rohem, eben nicht gav reinlichem Dettzcuge; die Bettstätten waren voll Ungeziefer. Un- 2YZ Unangenehm genug für den Augenblick; aber mit dem Vor, theile begleitet, daß wir uns desto früher marschfertig mach. teu. Schon um drey Uhr bestiegen wir also die Rulm, des Bcrgcö höchsten Gipfel, auf den man von dem schon oben erwähnten Stafel gelangt, die eine Strecke flachen Waidlandcs ausmacht, das sich in einem sehr tiefen Abgrund vevlichrt, wo man von der einen Seite die offene Aussicht auf den waldstätter - See, von der andern in die wilden Schnee-und Eisgebirge von Urj und Unterwalden hat. Von dem Stafel bis auf die Rulm fanden wir schönes Hornvieh. Bey Donner, Hagel und Platzregen geschieht es nicht selten, daß solches mit geschlossenen Augen überHalS lind Kopf davon rennt, und wenn's von ungefähr an den Rand des Abgrundes geräth, der nicht umzäumt ist, sich über die Felsen hinunter stürzt. Auf der Rulm selbst wai, den auch Ziegen und sehr grosse Schaafe, die eine äusserst feine Wolle haben. Jene und diese sind so heimlich, daß die letztcrn uns Heerdenwcise umgaben, beleckten, Speise for. derten; das Hornvieh stund nicht einmal auf, wenn man sich ihm näherte. Und doch hätte man bey diesen Thieren Mehr wilde Natur gesucht, als bey dem Vieh im Thale. Aber der gute Hirte geht auch mit ihm in seiner Einsamkeit so traulich und so milde um! Ich hatte diesen Gipfel des Bergs in der kühlen Mor, grndämmerung, zum Theil noch vor derselben, mit einer ein 294 ein Papierblatt gewickelten Wachskerze (so still war die Luft, bestiegen. Unmöglich ist es, wenigstens mir, die ganze Pracht des Schauspiels, das sich jetzt allmähltg vor mir aufthat, mit Farben und Empfindungen zu mahlen, welche des grossen Werkmeisters würdig wären, der diese Herrlichkeiten alle zur Verschönerung unsers Erdballs und zur Wonne seiner Geschöpfe schuf- Ich athmete schon auf der Spitze die reinste aromatische Luft ein, und überließ mich den seligsten Gefühlen, als auf einem, der Rulm, in weiter Ferne gegenüberliegenden Appenzeller - GebirgS ein langer Streife von in einander sich verlierenden falben Gelb und Roscnroth erschien, der sich bald der ganzen Länge dieses Bergs nach hinzog, und ein kleines aufsteigendes Gewölke immer höher färbte, hinter welchem die Sonne noch verborgen lag. Da jetzt diese nach wenigen Minute» mit ihren Stralen anfieng hervorzubrechen, schien es zuerst, alö wenn der heftigste Brand eines entlegenen Dorfs in lich. le Flammen ausschlagcn würbe, der sich für einige Augen, blicke wieder verlor, als jetzt das grosse Aug des Tags mit ^ Eins in dicht konzentriertem Feuer, und in der Gestalt ei. 1 ner aus der obersten Dachung eines Hauses unwiderstehlich ! «usbrcchenden Flamme zum Vorschein kam, die sich nach und nach in ein, zwey und drey brennende hohe Leuchter zu vertheilen schien. Endlich war es, als .flösse alles wieder in eine Masse zusammen, die sich in eine grosse blasgelbe Echet. «95 v >e ir l/ se ls m r» en n. eS ne en st, ch. en. > nit j ei. ich ach !» in lbk Scheibe verwandelte/ deren Kreis mit einem röthlichen Bande besäumt war. Endlich brachen alle Stralen durch, und es ward voller Tag. Uud jezt, welch ein Anblick! Einehal. be Welt lag gleichsam zu meinen Füssen, grauS und schön; ungefähr des ganzen Pfciferschen Modells grosses Vorbild. Die vier waldstätte, mit den höhern Bergketten umgränztl; das halbe Argau, beyde Freyen.Aemter; ein Theil des Zürch - Gebiets; der Vierwaldstädter-Zuger. Sarner Aegerj-Lowerzer-Gempacher- Heiddegger, Hallwet- ler-See; der sich durch jene Ebenen schlängelnde Silberfa. den der Ruß, u. s- f. Die neu aufgegangene Sonne kam mir und meinen Reisegefährden vortreffich zu statten, weil der Morgen sehr kalt, und der Boden von Thau so benezt war, daß das Wasser uns durch die Schuhe dran. Als wir von der Rulm wieder hinunter stiegen, sahen wir nahe an dcm Stafel noch das bekannte Restes-Bodenloch. Die Höhe cher Rigi täuscht auf seiner obersten Spitze ungemein; denn wenn man von da in den an sei. ner Wurzel liegende» Flecken Art Hinuntersicht, lsollte man glauben, man wäre in einem Sprunge dabey. l Aeusserst vergnügt kehrten wir jetzt nach unserm Gast- hofe zurück. Freylich hatte uns ein nach und nach aufsteigender Nebel noch die einte und andre schöne Aussicht verhüllt. Man müßte diese» Berg, um ihn ganz zu kennet und 296 und zu geniessttl, von Rigt , Kloster aus mehrere Tage hintereinander und zu allen Stunden des Tags besuchen. Nachdem wir gefrühstückt hatten, traten wir den Weg auf Schweig an. Den ganzen Berg hinunter ist derselbe sehr mühcsam, schmal, und geht 'zwischen grossen Felsen und dichten Waldungen durch- Hie und da trift man schöne Wasserfalle an. Von dem Fusse des Bergs an kömmt man wieder in ein sehr fruchtbares Thal, da- mit den herrlichsten Wiesen und Grundstücken bedeckt ist, wo man wieder verschiedene Gewächse und Früchte zur Nahrung der Men. fchen findet, die yian hingegen, Mangold, Erdapfel und sehr wenig Gemüse ausgenommen, aufdem Berge gänzlich man, gcln muß Von Fruchtbaumcn zumal ist dort keine Rede. Aufdem Wege nach Schweig liegt der Lowerzer-See, zwischen zwey sehr angenehmen Uftrn. Mitten in bemsel, den befinden sich die zwo bekannten kleinen romantischen In, sein. Der erste Schiffer konnte seinen Kahn gewiß nicht ungeschickter lenken als der unftige; denn er führte uns im, mer im Kreis herum- Doch endlich gelang es. Je mehr man sich dem Flecken Schweiz nähert, desto mehr wird man für diese Gegend eingenommen, obgleich dieselbe fast ganz von hohen Gebirgen und fchrofen Felse« eingeschlossen ist. Schweig ist sehr wohl gebaut, hat breite gelästerte Gaffen, und schöne Häuser eigentlich in Menge. Die -97 ge n. uf hr nd ne an ch» >er rn» hr rn» de. ee, sel. Z"n. cht m- st° ich st» ite ge. e Die Hanptkirche, welche ungefähr zwölfIahre steht, ist in einem einfachen aber grossen Geschmack aufgeführt. Ihre Decke ruht auf ionischen und korintischcn Säulen ; die Altäre sind von schönem rothem Marmor mit wcisscn Adern. Die Deckengemälde zeichnen sich durch ein starkes trefliches ssolorit aus- Zur Erbauung dieser Kirche schenkte ein einzelner Herr von Reding 40,000. Münzguldcn. Die Bewohner dieses Fleckens pflanzen neben andern» eine Art holländischer Bohnen, die sie theils für Gemüse, theils als Suppe essen. Von Schweiz auf Brunnen führt ein reinlicher Weg zwischen viele Wiesen und Hanflandc durch- Auf den Wie. sen war man eben mit dem Späthheu beschäftigt. Die Leute bedienten sich dabey statt hölzerner, eiserner Gabeln, übrigens wie die erster» geformt. Auch riß man schon Hanf aus, der bey uns noch nicht reif war. Derselbe war ausser» ordentlich hoch; und zwischen«»» waren Bohnen gefäet. Brunnen ist ein kleiner, aber ganz artig gebauter Fle. cken, an dem vier waldstätter- See- Die Schiffahrt geht hier unter allen Bewohnern um, und hat eine von der Obrigkeit gesetzte Taxe; über welche sie jedoch ein Trinkgeld fordern, und zwar bisweilen mit Ungestümm, das man aber nicht zu achten braucht. Um Unglück auf diesem gr- fähr. -95 fährlichen Wasser zu verhüten, dürfen sie sich eines Schiffes nur drey Jahre bedienen. Auf der entgegengesetzten Seite des See-, doch etwas unter Brunnen, liegt bekanntlich die berühmte Matte (das Grütltn) auf der die drey ersten Eydsgcnossen ihre Verbindung geschlossen haben. Von Brunnen auf Flüelen fährt man immer zwischen hohen Felswänden. Mehr als eine Stunde findet man keinen Ort zur Landung. Der See, wo er am tiefsten, ist mit Klafter kaum zu er, gründen. Die Schiffe bauchten mir breiter als die mistigen, Mast und Segel hingegen nicht so hoch. Hinter den Wanden am Ufer erheben über dieselben hinaus, noch die Urnerund Unterwaldner-Gebürge ihrelSchnee- und Eisspitzen. Zwischen Brunnen und Flüelen trift man hart am Ufer aufBrunnec-Seite auf die bekannte Tellens-Kapelle, zst der man alle Jahre einmal zu wallfahrten, und eine Messe darin» zu halten pflegt. Ihre innern weissen Wände sind mit Fresko , Mahlereyen geziert, welche verschiedene Auftritte aus der Geschichte der ersten Stifter und Vertheidiger unsrer Freyheit vorstellen. Von Flüelen auf Altdorf, geht ein mit breiten steinernen, ins Viereck'gehauenen Blatten beseztcr Fußweg, der mir gerade den Gedanken der alten gepflasterten Rö- mi- «99 mischen Wege erweckte. In dieser Gegend sahen wir viele schöne blühende Gesichtsbildungen. In Altdorf nähert sich der Baugeschmack schon dem Italienischen. Die Kirche steht auf einem Hügel, und man steigt zu derselben einige Treppen hinauf. Vor den Thüren sind Säulengänge angebracht, welche diesem Tempel wirklich ein majestätisches und höchst ftykrliches Ansehen geben. Auch inwendig zeichnet sich das Gebäude durch einfache aber schöne Stuckkatur, Arbeit aus, und ist mit hübschen Schildereycn, und einer 'guten Orgel versehen. Ausserhalb steht allernächst eine kleine Kapelle, in welcher mir ein kleines, übrigens sehr mittelmässigcsGemählde aufgefallen ist. Eine fromme Seele bettet knieend zu einem Heiligen an dem Fest Aller Seelen, für die Errettung von solchen aus dem Fegfeurr; und plötzlich fahren ihre viele Hundert in Gestalt feuriger Flämmichen zum Himmel kauf. Das Schiff dieser Kirche ist schön gewölbt, und ruhet auf kleinen Pfeilern. Die Häuser zu Altdorfsind meist sehr gut gebaut, die Zimmer ausserordentlich geräumig und hoch. In den Wirthshäusern sind Nahrung und Betten ganz nach welschem Geschmacke- Mitten in dem Flecken befindet sich 'ein zu EhrenIkdeS wackern Tell rrbaueter Thurm, auf dem Platze, wo er lsei- nem zov nem Kinde den Apfel von dem Haupt schoß. Unweit davon stcheiffdrcy hohe, alte, in einander verwachsene Linden, als das schönste Bild der drey ersten Eydsgcnosscn. Wie erwärmte es unser Blut, und qab uns die würdigsten Begriffe von dem Werth unsers Glücks, und von den Verdiensten unsrer Vätcr, die uns solches erworben haben; wenn wir mehrmals zu bemerken den Anlaß hatten, mit welchem Feuer und Stärke, mit welchem Stolze, und zugleich mit welch edler Einfalt, auch der geringere Mann unter unsern Mitcydsgenossen in den kleinen Kantonen von dem Ursprünge seiner Freyheit und den glorreichen Thaten seiner Vorältcrn sprach, und uns die Plätze wies, auf denen jene Wunder verrichtet worden ! Viele von ihnen schienen uns in solche» Augenblicken so belebt, daß wir von ihnen glauben durften, die Nachfolge der Tugenden ihrer Ahnen würde ihnen wenig Mühe kosten. Wem übrigens, der diese Gegenden bereiset, wird der wichtige Einfluß der natürlichen Lage cinesLandcS, des physischen Zustands, und der Lebensart ftiner Bewohner, auf Verfassung, Denkart und Sitten, nicht alle Augenblicke auffallend seyn! Von Aktors kehrten wir wieder auf Fküelen zurücke, um von da über den See nach Stanzstad, einem eine kleine halbe Stunde noch von Stanz entlegenen Dorfe zu fahren. Wir, kamen an einem, ganz in das Wasser hinausragen. zvl / ragenden, Felsen vorbey, der ungefähr rgo Fuß hoch seyn mag, und gleich einer ungeheuern Mauer vonQnatcrsteinen ganz regelmäßig aufgeführt scheint. Man sieht hier, wie die Natur die Kunst übersteiget; aber nicht minder giebt eS Anlaß des Menschen Geist zu bewundern, der in den Werken der Kunst seine ersten Gedanken ohne Zweifel eben von der, gleichcnMustern genommen hat, und aber hernach dieselben auf einen so hohen Grad von Vollkommenheit zu bringen wußte. Nahe bey Gersau fährt man bey einem, ungefähr ;o->Fuß hohen Felsen vorbey, der aber nicht, wie jener, in Schichten getheilt ist, sondern wie eine Masse erscheint. Mitten auf dem Wege von Flüelen auf Stanzstad liegt aufdcr entgegengesetzten Seite des Sees die bekannte kleine Republik Gersau, in einer sehr angenehmen Gegend- Die Einwohner zeichnen sich besonders seit einigen Jahren durch ihre Arbeitsamkeit und K'' ^fleiß auS- Daher befindet sich der Ort nicht nur überhaupt im Wohlstände, sondern es giebt wirklich ein Paar sehr reiche Handelshäuser da- Treue Arbeiter, eine besondere Emsigkeit der Patronen, einfache Lebensart, (die man freylich in den stolzen Wohnungen, welche einige dcrftlben aus dem Gewinnst ihres Fleisses erbaut haben, auf den ersten Anblick nicht vermu, then sollte) Befreyung von allen Auflagen, und die Nachbarschaft von Italien mögen so viele Gründe dieses kleinen aber blühenden Commerzes seyn. Un, Ungefähr Gersau gegenüber anf der mittägigen Seite des Sees, zu Lurchs, liegt eine Schiffwcrfte; und nicht weit davon sicher man von einem Felsen einen sehr schönen Wasscrfaden, obgleich nur von mittelmäßiger Höhe, herunter fallen. ^ Zu Lurchs betraten wir also wieder das feste Land, ^ Unterwaiden nid dem Wald In diesen Revieren fan, den wir sehr wohlgcwachscne Lenke von bcydenGeschlcchtern, 1 vorzüglich aber zeichnen sich die Weibspersonen durch starke > und hübsche Bildung und eine gesunde Gesichtsfarbe aus. ! Sie sind ungcmein lcuthselig, munter und offen, in ihren Erzählungen höchst natürlich, und lieben den Scherz mehr als ernsthafte Gespräche- Auch hier fanden wir auf den meisten Wiesen alles iu dem Embd-Hen. Es that uns herrlich wohl, die Emsigkeit, Behendigkeit und das Geschicke zu sehn, mit der Junges und Altes froh und zufrieden seine Arbeit verrichtete. Schon zwölf und vierzehnjährige Knaben werden angehalten, ihrem Alter und ihren Kräften an, ! gemessene Bürden zu tragen; denn hier führt man das F». ter) nicht auf Wagen in die Scheunen. Ein schöner Anlaß für junge Leulhe, ihre Leidesstärkc zu üben und zu erhöhen. Auch nehmen sie es so geschickt zu Handen um sich; die ge, bundenen Bürden aufzuladen, daß man erstaunen muß. - ' i Der, welcher eine solche tragen soll, legt sich hinter sich hin- unter, packt sie mit beyden Fäusten an, giebt ihr damit «inen Schwung, fällt anss Knie, und steht wieder auf. Von Stanzstad (wo die Einwohner Käse um einen sehr geringen Prciß machen» scchse in ein Fäßchen packen, und sie so in grosser Menge nach Italien versenden) ist der Weg auf Stanz sehr gut, die Gegend unzemein fruchtbar, und voll der herrlichsten Baumgärten. Hier, so wie in den übrigen innern kleinen Kantonen, trift man, wegen den hohen Gebirgen, die sie von allen Seiten einschliessen, und einen freyen, ungebundenen Durchpaß und schnelles Hin. überspringen in fremde Gebiete erschweren, zur größten Seltenheit Bcrtelgesind an, und kann daher meist vollkommen sicher über Berg und Thal, durch Wälder und ganz unbewohnte Gegenden reisen. Kaum weißt man ein Beyspiel, daß da ein Durchreisender angegriffen und beraubt worden sey. Zu Stanz besahen wir zuerst den Platz, wo die Lan- desgcmeinde gehalten wird; ein mit einer Mauer umgebe, nes, geräumiges, mit steinernen Bänken besetztes Viereck- Eigene Plätze für die Häupter des Landes find in Gestalt von Lehnstühlen angebracht. Das Rath. und Zeughaus haben ebenfalls ein sehr gutes Ansetzn. Die Unterwald, ner, bey denen man ganz besonders Inoch vielen alten achten Gchweit. ,1 Z04 Schweitzersinn «»trift, übe» sich ßeissig in den Waffen, br, sonders im Schiesscn »ach dem Ziel. Sie stellen auch von Zeit zu Zeit kleine Campemcnl an, 200 Mann stark, welche aber so wenig mit Kosten als mit Ungelcgcnheit begleitet sind, da jeder bloß in seiner gewohnten Kleidung erscheint, und diese Exerzicien in die Jahreszeit einfallen, wo der Land, mann am meisten Muse dazu hat. Es wäre vielleicht gut, diesem Beyspiel auch an andern Orten nachzufolgen. Die Hauptkirehc zu Stanz ist sehr einfach gebaut: Sie steht auf einer Anhöhe, und man gelangt dazu auf Treppe» von schwarz gesprengtem Marmor. Vor den Laupt« thürcn sind Säulengänge angebracht: die Decke des Schis« fcS ist ganz stach: Kanzel, Säulen, Altäre und Chor treppen find von schwarzgrauem Marmor mit meisten Adern, der in dem Lande selber gebrochen worden. Zu hintcrst in dem Chor stehen die Starncn des h. Niclaus von der Flüe und seines Sohnssohns, beyde von Marmor und in marmornen Nischen- Ueber denselben ließt man die Innschrift: Stehe! Also wird gesegnet, wer den Herren förchtet. Die Gipsarbeit in dieser Kirche ist einfach und schön; auch sieht man da verschiedene nicht unfeine Gemählde. Nahe daran befindet sich eine untcrirrdische Kapelle. Die Pfarrherren an diesem Ort gleichen noch ehrlichen alten Schwcitzcrhirtcn; statt in Gesellschaften gehen sie Nachmittags in ein Wirthshaus. Von Von Stanz kehrten wir wieder nach Stanzstad zu. rücke, und fuhren von da über den See bis auf Winkel, einem kleinen Dorfe blos noch eine halbe Stunde von Lu. zern entlegen- Die Schiffen« bedienen sich hier sehr gros. scr Ruder; und doch führen meistens blos Weibspersonen. Auch uns führte eine Frau, die uns einen sonderbaren Beweis von der den Einwohnern? dieser Länder so eigenen Offenheit, Munterkeit und Jngenuität gab, da sie uns nämlich erzählte : Als der Abbe Raynal das bekannte Denkmal errichten wollte, und man solches gerne auf Urner, Boden gestellt, und dem Eigenthümer des Grundstücks, wo es hät« te zu stehen kommen sollen, eine Summe von ; — 400 fl. aber vergebens, anerboten, und es demnach an seinen jetzigen Platz gebracht, so hätte unsre Schifferinn gerne den Jnnhalt der Aufschrift wissen mögen, und sey zu dem En, de hingefahren. Da sie nun weder schreiben noch Geschrie. benes lesen konnte, habe sie Strich für Strich genau abge. zeichnet, als eben zwey Herren, sie glaube von Sem, an, gelangt; auf Erkundigung, was sie da gemacht, sie um das Papier gebeten, und ihr dafür ein Stück Geld in die Hand gedrükt, welches ihr grosses Vergnügen gemacht, weil sie daraus geschlossen, sie habe die Abschrift richtig getroffen, es stehe aber vielleicht etwas darinne, das sie nicht wissen sollte. zo6 Endlich kamen wir zu Luzern an, das, da die Stadt in der Mitte von der aus dem See laufenden Rüß durchschnitten ist, viele Aehnlichkcit mir Zürich hat, aber von weit höhern Bergen, von dem pilatus, der Rigi, u. s. f. umzingelt ist. Daher ist die Aussicht;war schön, aber nicht so heitch und offen, wie die unsrige, sondern beschränkter und wilder. Die beyden'Theile der Stadt sind durch vier über die Rüß gebaute Brücken mit einander verbunden. Dreye davon sind gedeckt. Die sogenannte Hofbrücke ist eine der längsten in der Schweiß. Auf allen dreyen sind an der Dachung gemahlte Tafeln angebracht, von denen aber viele zu erlöschen anfangen- Die interessante historische Erklärung der Gemählde auf der Capell , Brücke vom Herrn von Balthafar kennt jeder Freund der einheimischen i Geschichte. Die Stadt ist überhaupt wohl gebaut, und hat viele sehr schöne pallastmgssigc Häuser. Die prächtige Jcsuiter- kirche und Kloster, von masiven Quäkern aufgeführt, sind bekannt genug. Zufälliger Weise lernte ich, als ich auf der Klosterlaube spatzierte, und die dortigen Bildnisse berührn, ter Männer aus der ehemaligen Gesellschaft Jesu betrachtete, den in unsrer Schweitz, und auch im Auslande überall be« rühmten und geschätzten Erjesuiten, Pater Zimmermanrr kennen, der theils durch verschiedene vaterländische Schau. spie. » sviele, noch mehr aber durch seine junge Haushälterinn, als Schriftsteller, theils durch die in Luzern errichtete Töchterschule, und überhaupt durch seine Bemühungen zur Ver- bcsscrung des dortigen Iugcndunterrichts zeigt, wie sehr ihm alles Gute und Gemeinnützige am Herzen liege. Die, scr Mann hat eine mit der größten Lenthftligkeit, Bescheidenheit und edcln Einfalt verbundene ungemeine Würde schon in seiner Miene, Gebehrden und ganzem äussern Betragen; dem sein sanfter, angenehmer, und zugleich höchst unterhaltender Umgang vollkommen entspricht. In meinem Leben hat mein Ohr noch nie eine einnehmendere und doch nichts minder als weibliche Stimme aus einer Männer« kehle vernommen- Auf der besagten Klostcrlaube findet man an der Seite gegen dem Klostcrgarten die Abbildung eines »8 Fuß hohen Skelets, der wirklich hervorgegraben worden seyn soll- Wie viel indessen die Einbildungskraft des Mahlers zu seiner natürlichen Grösse hinzugethan hat, ist mir unbekannt. In dem Kloster selbst wohnt ein, ich glaube aus den Stift St- Gallischen Landen gebürtiger Künstler, der die eng. lischcn Piano Fortc trcflich nachahmt. Das nämliche soll ein angesehener Luzernescher Cavalier aus blosser Liebha- bercy thun- Die Hof-oder Stifts-Kirche, und die Barfüßer. ode Franziskaner - Kirche find alte, gothische Gebäude. 3» U r erst, erstrcr steht eine der größten Orgeln in Europa. UebrizenS haben diese beyden Kirchen nichts merkwürdiges, so wenig als die der Ursulinerinncn. Die Frauen aus diesem letzrbe- nannten Orden genießen sehr viele Freyheit und haben keine Clausur. Wirklich waren wir in mchrern Zellen, die sehr geräumig und niedlich mcublirt sind- Auch sieht man den guten Frauen ihr besseres Schicksal, zu ihrem Vortheil, an ihrer Munterkeit und offenem Wesen an. Seit einigen Jahren besonders geben sie sich mit einem Institut zu besserer Töchtcrerziehung ab, welches vertrcstich gelingen soll. Redendem arbeiten sie fleißig, und verstehen sich nach Klosterweise wohl auf gestickte Arbeit- Ehedem sollen sie eine Art Gobelins im Kleinen sehr gut nachgeahmt haben. Auch die schöne Lage ihres Klosters mag nicht wenig zu ihrer Fröhlichkeit und gesundem Aussetzn beytragen. Es steht auf einer ziemlichen Anhöhe, und hat die herrlichste Aussicht über den See, Der Spithal ist ein ausgezeichnet schönes, ganz neues Gebäude, an einem offenem gesunden Platz, an der Straße, die nach Winkel führt, nahe an der sehr angenehmen öffentlichen Promenade. Derselbe ist ins Gevierte gebaut, und hat in der Mitte einen geräumigen, mit einem schönen Brunnen versehenen Hof Ich wünschte, daß ich mich lange genug in Luzern hätte aufhalten können, um mich auch nach Zv9 nach der innern Einrichtung desselben zu erkundigen, welche viel Gutes haben soll. Besonders gefiel mir eine für den Gottesdienst, zwischen zwey Zimmern angebrachte, und blos durch dünne mit Fensteröffnungen versehene Scheidewände davon abgesonderte Hauskapelle. In dem sehr wohl versehenen und eben sowohl geordneten Zcughause zeigt man, nebst vielen alten Waffenrüstun- gen, unter den Merkwürdigkeiten eine Art Uhrwerk, welches drey Männer in Helm und Harnisch vorstellt, die an einem Tische vor einer Landkarte sitzen. Wenn man das Wer! aufzieht, so bewegen die Figuren Kopf und Hände, mit denen sie theils auf die Karte weisen, theils die drey Finger, ich denke zum Bundsschwur, in die Höhe halten- Auch das auswendig durch sein graues Alter und inwendig durch verschiedene darinn angebrachte Verschönerungen sich auszeichnende Rathhaus verdient wirklich gesehen zu werden. In der ganz neuen Rathstube hängen etliche recht gute ältere und neuere Gemählde; unter andern eins, daß die Gesetzgebung Moses vorstellt, von Wirsch, einem Unter- waldncr, der eine geraume Zeit Professor der Zcichnungs, kunst zu Besangori war, und jetzt einem ähnlichen Institut in Luzern vorsteht. Und ZlQ Und nun, dürft' ich wohl, das von allen Reisenden- Kennern und N'chtkcunern, mit so viel Recht bewunderte psetftrfche Werk ganz übergehen? Nein, übergehen will ich es nicht; aber einer Meisterhand überlassen, eine würdige Beschreibung davon zu macy.eu. Dasselbe ist nun so weit zu seinem Ziele gelangt, daß der vortrcfllchc, kunstreiche Gene. ral, bey seinem heranrückenden Alter, es kaum mehr weiter zu bringen gedenkt Möchte er nur seine einzigen Talente zu einer solchen Arbeit, und mit denselben seinen Eifer und Fleiß irgend einem seiner Mitbürger oder Miteydgenossen beyzubringen wissen! Mich wenigstens ergreift jedesmal eine Art von drückender patriotischer Wchmuth, daß dieses Kunst» werk ohne feines Gleichen wahrscheinlich niemals eigentlich zu Ende gebracht wird, und wohl gar der wunderbare Genius, der dasselbe erzeugt hat, mit dem unsterblichen Kunst« ler zur Grube fahren soll. Ta- Taveyannaz Ler Verfasser dieser reizenden Schilderung ist Herr Prediger Tridel. Da§ Original sieht in den lilelanz«, lielvetigu«. Taveyannaz t>)n der Vogtey Atgle-, drey Stunden von Gryon liegt der Berg Taveyannaz. Nachdem man durch Wie. sen, Gehölze und Viehe-Triften gekommen, entdeckt man von der Höhe eines Hügels plötzlich eine weite Ebene, die mit verschiedentlich abgestutzten Felswänden umgeben ist, welche sich unvermerkt gegen das Bett der Gryonne neigen, die in der Tiefe dahin fließt. In der Mitte dieser Ebene befinden sich 6; Hüttchcn, in sieben Reihen, welche sechs Gassen ausmachen. Man sollte sagen, eine Trupp Tartaren hätte in dieser weiten Einöde, sein Lager aufge. schlagen. Eine halbe Stunde weiter gegen die Alpen hin fällt, die Gryonne von einem hohlen, unzugänglichen Fel. sen, wo sie entspringt, hinunter, von wannen sie von Fall zu Fall, und aus einem Thal ins andre, ihr fortrollendes Wasser der Rhone bringt. Von weitem gleicht es genau der 314 der bey den Dichtern so beschrieben Flussurne. Nachdem wir lange Zeit dieses Geländ von oben bewundert hatten, stiegen wir ;u den Wohnungen hinab. Der Pfarrer deS Orts hatte die Gefälligkeit unS zum Geleitsmann zu dienen. Gleich bey unsrer Ankunft wurden wir von einem Haufen Hirten umgeben, welche sich um das Vergnügen stritten, wer uns zu Gästen haben sollte, und die uns um so viel mehr Achtung erwiesen, da sie uns in der Gesellschaft ihres besten Freundes sahen. Wir gicngen in eines der Hüttchcn hinein, wo wir Butter, Rahm und Käse im Ucberfluß fan» den, das alles uns mit einer rührenden Gutherzigkeit vor» gesetzt ward: diese einfache und niedliche Gerichte machen den Tisch der Hirten einem unvctwöhnten Geschmacke gewiß eben so willkommen, und weit gesunder, als cS die Tafeln der Könige seyn könnten- Die Ermüdung von der Reise,' die ungemein feine Luft, und das Vergnügen über , alles das ungewohnte, verdoppelten unsre Eßlust; und uns, ^ re freygebigen Wirthe munterten uns unaufhörlich auf, ^ es uns recht wohl schmeken zu lassen. In einem leincrnen ^ Kittel stuhnd nahe beym Kessel, aus dem er jetzt eben einen KäS herauszunehmen in Bereitschaft war, ein Jüngling von der liebenswürdigsten GestchtSbildung- Seine Acltern hatten ihn für einen etwas höhern Stand bestimmt: Er zog'aber das Hirtenleben den Studien vor, weil ihn diese von seinen geliebten Bergen entfernten. Er ließ also Stadt und Schu- ^ 1e 3iS lc zurück, und brachte zu seinem Glück nichts mit sich nach Hause, als — seinen virgil, dessen Hirlcnlicdcr und Ge, dicht über den Feldbau er nun bey seiner Hccrdc ließt. — Nach gehaltener Alpen. Mahlzeit gicngcn wir weiterö. Der gute Pfarrer führte uns von Hütte zu Hütte, grüßte alle seine Pfarrkinder, und reichte seine Hand brüderlich den Greisen, die seine Herkunft als einen Segen ansahn; und so kamen wir ein wenig über das Dorf hinauf. Hier fan» den wir durch feine Veranstaltung, junge Mädchen an einem Hügel im Grase sitzen. Bald liessen sie von ihrer süsscn, harmoniercichcn Stimme die benachbarten Echos ertönen- Wir horchten — und wie erstaunten wir nicht! — Kaum konnten wir unsern Sinnen trauen — sie fangen Rousseau« geistliche Oden. Zärtliche Thränen entflossen meinen Augen; ein mir unbekanntes, tiefes, unwicderstehlichcs Gefühl bemächtigte sich meines Herzens. Welch einen prächtigern Tempel kann man sich denken, um darin das Lob des Ewigen zu sin.gen, als dieses einsame Ländgen, in welchem unS nichts die Pracht und Verdorbenheit der Städte zu Sinne bringt, und wo keine Kunst die Wunder der Schöpfung weder versteckt, noch verstellt. Und, was für ein Mund könnte würdiger seyn, diese hohen Hymnen zu singen, alS der Mund der Einfalt und Unschuld! Bald lief das ganze Dorf herbey; die Männer setzten sich neben ihren Pfarrer; die Kinder spielten auf dem weichen Moos mit den muthwilli. gen gen Ziegen, und die Jünglinge näherten sich allmählig den artigen Sängerinnen. Einer fand darunter feine kleine Schwester, ein andrer die Freundin seiner Knabenjahrc. Jetzt kam die Zeit, die Kühe aufzutrcibcn. Flugs war die Menge zerstreut- Jedes führt seine Hccrde aus den Ställen. Die Mädchen gehen singend, ihre Kruge mit Wasser am nahen Brunnen zu füllen; man pflückt Erd-und Heidelbcc. ren- Alles, auch die Gestchtsformcn und Züge, erinnerte uns an die Zeiten der Patriarchen, und an ihre Sitten und Tugenden. Dieser Berg gehört dem Kirchspiel Gryon als Gc-> mcindtzut- Jede Haushaltung hat ihr eigen Hüitchcn. Dieses besieht aus einem Stalle, einer Küche und einer Milchkammcr- Hier kömmt ein Theil der Familie zween Sommermonate über zu wohnen, der übrige Theil bleibt im Dorfe zurück, die Feldarbeiten zu versehen. Aber die, jenigen achten sich für die Glücklichsten, welche >n/in wählt, auf Taveyannaz mit der Hccrde zu gehen- In Einer Hütte findet man Mutter und Sohn; in einer andern Mann und Weib, welche ihre Kinder, die stärker als sie sind, bey der mühcftligern Arbeit zurückgelassennoch in einer andern zwo fünfzehn bis achtzehnjährige Schwestern, um gute Ordnung während dem Aufenthalt auf dem Berge zu erhalten, wählt die ganze Gemeinde ein Oberhaupt- Dieser ord- i t ZI7 ordnet, wie ein römischer Dictator, die ganze Polizey. Man sollte sagen, es wäre nur eine einzige Haushaltung; die lieb, lichstc Einkracht herrscht unter allen Mitgliedern; man erweist sich wechselseitige Dienste, ohne dafür angesprochen zu werden; man nimmt sie an, und Niemand fürchtet Undank. Und dieses macht wohl das kräftigste Band einer solchen Gesellschaft aus- Bey anrückender Nacht verliessen wir, noch immer un, gerne, dieses unbekannte ruhige Völkgcn, diesen Aufenthalt des Friedens, der Gastfteygcbigkcit und der guten alten Sit» len. Jtzt drängten sich in meiner Brust Segenswünsche für dic>r Hirten. Gerne hätt'ich ihnen zugerufen: » O schickt eure Kin, »der, wollt ihr anders euer Glück behalten, niemals in die »Städte, wo ungekünsteltes Wesen meist zum Gelächter, »offene Fröhlichkeiten verzerrte Städterinnen verwandelt »wird, und die ichönsten gesellschaftlichen Tugenden dem „Eigennutz zur Maske dienen müssen- — Laßt sie auf im, „mcr in sihren Alpen unbekannt bleiben, und glücklich »seyn!« Auf dem Gipfel des Hügels, als wir jetzt dieses Dorf und Gelände beynahe-aus dem Gesicht verloren, kehrte der Dfar- Zi8 Pfarrer sich um; und ein liebevoller, friedlicher Blick gab seinen Pfarrkindcrn den lcztcn zärtlichen Scegrn: — Hier giebt es keine hübsche Herren! sagte er/ und drückte mir die Hand. Mit Gewalt riß ich mich von dieser Gegend weg; aber eine unwillkührliche Traurigkeit befiel mich. — Nur der Freund des Landlebens/ der die Städte als Kerker anschaut, die Bauersleuthe als seine Bruder / und die Gleichheit als daS wahre Glück; der allein wird begreifen/ was für Gefühle sich in mir drängten; nur der könnte mit dem Völkgen, das wir so eben verliessen/ leben, ohne dasselbe zu verderben/ und ohne einer solchen Lebensart überdrüs. fig zu werden. Spa- t c azlerga auf den Nigiberg. z r. Der Verfasser dieser kleinen, anziehend geschriebenen Reise ist'' ^ . i' der berühmte Herr Professor Meifier in Zürich. ! r Kleine Vergreise auf dem Rigi ^ange ist es, daß ich des Vergnügens, Ihnen zu schreiben, beraubt war. Würklich mangelte mir alles, Papier, Dinte und Feder. Eben nicht, daß ich in einen Kerker ringe, schlössen gewesen; vielmehr athmete ich die reinste Lust der Freyheit. Bezaubernde Gegend! Ganz sonderbare Bewoh, ner! Wie sehr nicht die Lebensart, ;. B- von der französi, schen verschieden? In Paris sehen Sie eine einzige Dame von zwanzig Aufwärtern umgeben; gerade umgekehrt lebt hier im Kreise von zwanzig Damen, der einzige Liebling. Und was für Damen? So naiv, so wahr, so simpel, beynahe kein Schmuck, als die angeschaffeneSchönheit- Weder Gold, noch Seide, weder Geburt, noch Titel geben hier Vorrang oder reizen die Mißgunst der Nachbarin. Ihr ge« hörnter Hauptschmuck gleicht so ziemlich dem Hauptschmuck einiger von unsern Frauenspersonen; von hinten ein sehr langer Haarzopf, jetzt galanter Weise in die Höhe gerollet, jetzt mit reitzender Nachlässigkeit schwebend bis auf die Hüf. T ten zrr ten hinunter- Mit welcher Anmuth tanzen nicht diese Schönen? Wie lebhaft drücken sie nrcht im Gesang ihr Gefühl aus! Ob sie sich auf die Wirthschaft und auf Besorgung der Küche verstehen? Um Verzeihung, eben so, wie mehrere von unsern Frauen und Töchtern, finden sie im Zeitvertreibe ihre erste und letzte Bestimmung; eben so phi- V / losophisch wie unsere singende Poeten leben sie sorglos in den Tag hinein, wenig umS Futter für Morgen bekümmert: Und gleichwohl sind sie es, welche die Haushaltung bcrei, ehern; sie sinds, aus deren Schooße der Scgcu des Landes hervorströmt! Bey allem dem bin ich nichts weniger als eifersüchtig auf den Sultan eines solchen reizenden Serails: während daß feine Weiber spatziercn gehe», sieht der arme Mann sich den größten Theil des Jahres in enger Zelle verschlossen. Wenn er nemlich loskömmt, so ist er zu ungezogen in Damengcftllschaft, er weiß gar nichts von der Lebensart eines französischen Stutzers. Ob man unter diesem Volke auch schöne Geister antreffen werde? Wie kann ich das wissen, da mir die Sprache ganz fremd war? So viel ich bemerkte, so sind diese Geschöpfe in den Controverscn eben so hrtzlg als unsere Gelehrte; gleichwohl weit eher wieder versöhnet. In ihrem Genie habe ich mehr von der Energie unsrer Kraflmänner, als von dem Studium und von der Grazie unsrer Geßner und Wieland beobachtet. Gleich den neuern Barden, haben sie alles der Natur, nichts der Kunst zu verdanken- —Ucberall nichts beherrscht sie als Sturm und Drang ; zu jener Sccte zähl' ich sie, die alles aus blinden Instinct und Mechanismus einschränkt/ die nichts weiß weder von göttlicher Vorsicht/ noch unsterblicher Seele; dabey aber scheinen sie das convenlomer vivere wcnfzer nach dem Sinne der libcrtiuischcn Freygeister/ als vielmehr nach stoischem Begriff zu erklären. Doch wozu so viel Worte/ blos um Ihnen zu sagen/ daß ich seit etwas Zeit nicht mehr unter den Menschen/ sondern unter Viehheerdcn auf den Alpen gelebt habe? Und wozu denn die beschwerliche Wallfahrt/ werden Sie fragen / wenn ich auf der Höhe/ ausser einigen Hirten/keine vernünftigen Wesen gefunden? — Doch nein/ dieß fragen Sie nicht l Sie wissen aus eigener Empfindung/ daß auch die leblose Natur eine begeisternde Gesellschaft seyn kann. Die göttliche Zauberin! allgewaltig und unter tausend Gestalten/ bald stürmend/ bald sanft« fiiesscnd/ wird sie sich der Seele bcmeistcrn/ so wie sie selbst ist/ so schaft sie auch unü um zum Svbariten im Roscnge. büsche/ zum uncrschülterten Heroen beym donnernden Wald, ström. » * » ^ Mit der Abenddämmerung kam ich auf dem Zngerlee nach dem Flecken Artb. Schon hatten sich südwärts,, wie Gebürg auf Gcbürgcn / schwere Gewitterwolken gelagert. Die Leute verkündigten nahen Platzregen und Hagel- Mein X r Br- 224 Begleiter aber /brach mir Muth ein. Von kühlen Abend, lüften umsiossen, wagt' ichs und klomm' in die Höhe. Mit Ehrfurcht erhob ich mein Auge nach dem steilen Gebürgt ; in fcyerlichcm Dunkel stand es fcnkclrccht vor mir. Rechter Hand leuchteten mir von ferne dir letzten Strahlen der Sonne; linker Hand hatte schwarzes Gewölk die furchtbare Waldung bedeckt; vonZeit zu Zeit der ehrwürdige Schleycr durchschlängelnde Blitze zerrissen; rollende Donner im nahen Heiligthum Gottes. Schon pochts mir schneller und lauter im Busen: Doch einmal so weit vom Thale entfernt, entschloß ich mich höher zu steigen. Gleich einem zahllosen Kriegesheer schienen die vielar- migtcn Fichten und Tannen von Gipfel herab mir entgegen zu kommen, und den Weg zu versperren. Durch mäandrische Fußsteige rückte ich vorwärts über unsichere, lockere Steine oder beschwerliche Felsen; angenehm wurden diese Unbequemlichkeiten vergolten, wenn ich hie und da bald von einem Ruhepunkte, bald vor einer Brunn, quelle oder von einem Wasserfalle überrascht ward. Unvermerkt hatte sich das Gewitter vertheilet. Nunmehr eilt ich weniger nach dem Ziele der Wall. fahrt. Bey sorgloserem Schritte genoß ich jede romantische Scene; gegenüber auf dem benachbarten Gebürge glaubte Z2§ ich im Wettkampfe OfsianS Geister zu sehen, oder am Fuße der Fichren, wo ich ruhte, den Gesang des verklärten Barden zu hören. — Ungefehr den dritten Theil von derGcbürgS. höhe hatt' ich erstiegen, als ich zu einer Hütte kam; zwar nirgends kein Schimmer der Lampe — Thüre und Fensterladen vcrrigelt — weit umher nächtliches Schweigen wie am Thron der Verwesung. Ich pochte; nach kleiner Weile kam mir der Wirth entgegen, und führte mich freundlich inS Zimmer. Er und sein Weib bewirtheten mich und meinen Begleiter wie Philemön und Baucis die Götter. Freylich besser spielten sie ihre Rolle als wir die Rolle der leztern. Und wie denn? Selbst im Besitze der Wundermacht hätte nichts mich zur Wandlung dieser Scene verleitet. Vom Fenster herein sanfter Abhang, mit hohen Tannen umkränzt; weiter hinab am Fuße des Berges der Odsthain im offenen Thalc; seitwärts dse Diamantfluth der Lowerz, fernher mit hnnmel- thürmendcn Pyramiden,mit dem Amphitheater ungeheurer Ge- bürgcn bcgränzet; hoch vom Himmel her der ganze Schauplatz vom Silbcrlichte des Mondes feyrlich beleuchtet. O wie da mein Herz gepreßt, wie es gleichsam unter der Last der zahllosen Gcbürge niedergedrückt war, — doch schnell sich loSwand und empor flog über die Gestirne um sich ganz * zu ergießen über dem unermeßcncn Luftraum, um auszuruhen und freyer zu athmen im Schoossr des ^Allvaters, des Urhebers dieses ganzen, erhabenen Schauspiels! Beym Beym Grmürmcl der schläfrigen Bache sank ich in göl. dene Träumr, unk ich erwachte, bevor noch der Morgenstern hinter dem waldigten Gebürge hinwegfchwand- Mit froher Eile setzt' ich nunmehr noch vor Anbruch dcS Tages, von Hügel zu Hügel, bald über schroffe Felsen, bald über bc, blümte Wayden, den Weg fort- Schon wehen fernher die Purpurschwingcn des Morgens; tief unten vomLowcr- zcrsce her erheben sich wvlligtc Nebel; auf und nieder wal. lcn sie an der Brust der Gebürge, von dem ersten Lichtstrahl in mancherley Farben gemahlt, und in tausendfach wech- feinde Gestalten von den ncngebohrnen Zephirs verwandelt. Als Opferdampf schwebt das leichte Gewölke zum Himmel; neu erwacht und verjüngt, entfaltet in woniglichcr Sehn, sucht die Erde jede erst noch verschtcyerte Schönheit von ihrem Bräutigam, den kommenden Gott« des Tages; Opftrduft hauchen ihm die bclhautcn Fluren entgegen; bey seiner Ankunft glüht die beschneyie Stirne der Berge; in glänzenden Wolken besingt ihn die Lerche; auf der Flur und im Haync hüpfen und jauchzen ihm Hirt und Heerde entgegen. Indem rund um mich her Leben und Freude sich über die ganze Schöpfung verbreitet, so vergaß ich meine Müdigkeit und die Unbequemlichkeiten des Weges; gestärkt und neugespannt fühlte ich jede Nerve des Leibes, jede Saite der Seele Seele; je länger^ je weiter, und offener wurde die Aussicht, von meinem Blicke sah ich mit jedem Schritte neue Wälder und Thäler, neue Flüsse und Gebücge, eine neue Schö, pfung entstchn. Den Brüsten der alles ernährenden Cybele glich das Gebürg, dessen Gipfel ich nahte; Hügel wuchsen aus Hügeln, Gebürg' aus Gcbürgcn. Schon hatte ich eine Höhe erreicht auf welcher kein Baum, kein Gesträuch mehr gedeiht, eine Höhe, wo kein befiederter Sänger sein Nest baut; wo selbst am schwülsten Sommermittage kühlende Lüfte den Scheitel des Bergs umflattern. Aber nunmehr auf diesem Scheitel des Bergs, wie ward mir? Hoch begeistert erhob ich zur nahen Sonne dicCtirne, gierig verschlang mein Geist den grossen, unermeßenci. Luftraum ; plötzlich warf mich tiefe« Erstaunen zu Boden; vom heiligen Schauer ergriffen, fiel ich anfS Knie, faltete die Hände, betete Gott an, und mich selber fühlt' ich nicht mehr bis ein Thräncnstrom aus meinem Auge hervorbrach. Jtzt fieng ich an, ruhiger zu werden, unvermerkt gclangs "mir, den tief erschütternden Eindruck des ganzen aufzulösen in einzelne Theile. Allein wie werd ichs, auch nur stückweise zu beschreiben im Stande seyn? So unauslöschlich das Gemälde vor meinem Geist schwebt, woher nehm ich zu treuer Kopirung die Worte, woher ihre manigfache Abstufung und vielseitige Verbindung ? Wenn der Mahler die Figur und dir die Farbe der Natur selbst, wenn er sie im eigentlichen Hell, dunkel ieichnct, so kann stch der Schriftsteller hingegen nur allgemeiner, nur willkührlicher Zeichen bedienen, solcher Zeichen, die wegen ihrer Unbestimmtheit jeder Leser änderst ver- dollmetscht. Gegen die Natur verhält stch eine solche buchstäbliche Beschreibung wie B. eine Landcharte gegen der würklichen Gegend, welche fie darstellt. Und wenn ich auch den Berg und das Thal, den See und den-Fluß nicht bloß wie ein Stümper ohne Pcrspectipe hinwerfe, wenn ich sie durch Beywörter individualistrc und durch Bcrbindungszei- chen ins gehörige Ebenmaas setzen, wie gedehnt, wie schleppend, wie gezerrt wird nicht dadurch meine Beschreibung? Nur Theile zeigt fie, die Natur das Ganze; nur nach und nach oder Stuffenwcis würkt ste; auf einmal, schnell und ganz würkt die Natur. Wozu denn eine ausführliche Zeichnung der Ausficht? Der Buchstabe tödet! —Leere Worte — vielleicht ein Leitfaden zur Wicdcrcrrinnerung für den ehma- ligen Zuschauer: Wie wenig fest/sicher und bedeutsam hingegen für denjenigen, der niemals mit mir in demselben Standpunkte gestanden? Aensserst unbestimmt, äusserst ver, worren ist die Vorstellung des lctztcrn, wenn ich ihm gleich von allen Seiten die Scene entwerfe- Südwärts die Ur- ner - Engelberger - und Unterwaldnergebürgc. Allein wie stell' ich anschaulich ihren Umfang, ihre Höhe und Gestalt dar? Der eine über, der andere hinter; dem Andern', itzt grös- grösser, itzt kleiner, dort mit ewigem Schnee, hiermit Grase und Blumen geschmückt; bald in Form einer Rotunda, bald pyramidalisch; gegen Ost scnkelrecht unter dem Fuße der lachende Arthersiccken, vom Zugerscc freundlich bewäsert; zwischen diesem See und dem Lowcczersee das fruchtbarste Wie- senthal, mit Lustgängen von Obstbäumen durchkreuzt, sowie sie das bezauberndeste Mosaick bilden; weiterhin der breite Roßberg und seitwärts hinter gewölbten Hügeln die zackig- ten Berge der Schwytzcr; in der Ferne der Angcrisee und noch ferner der Zürchersee am Fuße lachender Wcinhügel und glänzender Thürme- — Wende ich gegen Westen die Blicke, so seh ich das Gebürg, auf welchem ich stehe, ringe, faßt von einem Kranze anderer Gcbürgc; zwischen denscl, den glänzt mir der Luzcrnersee in seinen wunderbaren Krüm. münzen, weiterhin mehr nordwärts der See von Sempach und andere entgegen. Der furchtbare Pilatus - Berg schreckt meinen Blick weg; gegen Norden öffnet sich die herrlichste Aussicht, beyder ich am liebsten verweile. Ganz abgeschnitten, von oben bis unten, beynahe nur eine glatte Felswand, wag ichs kaum ohne Schwindel, tief in den Abgrund zu schauen, in die grundlosen Fluten des Zugcrsccs- Kein Saintpreux, keine Sappho wage sich an den Rand dieses Leucadischen Felsens, oder sie werden zum Hinstürze hofnungsloscr Liebe verleitet l — Doch so gräßlich der nahe Anblick dieser! un- tcrirrdischen Höhle seyn mag, so entzückend ist die entferntere lere AuSsicht; der offene See, rechter Hand mit dem schönen Flecken Arth und weiterhin mit den Thürmen von Zug, linker Hand mit dem Dorfe Jmmiste, mit lieblichen Buchten und kleinen Halbinseln geschmückt. Nur ein kleines Thal zwischen Jmmiste und Küßnach verhindert den Zusammenfluß der beyden Sem von Zuq und Luzcrn; aus jedem derselben sehen wir über die Anhöhen und durch das gränzlose Thal sich schimmernde Ströme verbreiten, in weiter Entfernung fliesten sie erst bey Codlcnz zusammen, um verschwisterl mir dem Meine sich in die Nordsee zu gicffen. Ungcrne nß ich mich los von dieser bezaubernden Scene; von West und Ost umschrieb mein Auge jeden Punkt, wo hie und da dieser oder jener von meinen Geliebten zu Hause war; von meiner Himmclshöhe ertheile' ich allen den Segen, und mit Gesang hüpft' ich von der andern Seite des Berges hinunter. Unter meinem Fuße ein unermesscner Teppich; beynahe alles grün, aber durch Licht und Schat. tcn vielfach erhöht und vertieft; reichlich gestickt mir bunten Blu gen von glühender Farbe; schwellende Hügel, waldiger Streifen, bläuliche, entferntere Berge; auf den Gcbür. gen der blumigte Lcnz im Zauberkampfe mit dem stlbcrlockig« ten Winter; so wunderbar und mannigfach nackte Felsen und fruchtbare Alpen, einsame Gletscher und belebte Fluren, überall Hügel auf Hügel, Gcbürg auf Gcbürge, alles durcheinander geworfen, als wärens Trümmer von der Niederlage jener Giganten, die mit ausgcwurzelten Felsen den Himmel bestürmten. Bey einer sehr hohen und langen ' Flüewand kam ich zu einer Stelle, wo diese Srcinwand von oben bis unten geborsten, in ihrem Eingeweide eine Felsensäule von ungeheurer Höhe umfaßte; ich wand mich in die Höhlung hinein ; eiskaltes Wasser tropfte von der Höhe.'hinunter; lange hielt ichs in der Kälte nicht aus; 3Zl önen aus; eben so wenig lang verweilte ich unter dem schwe« Zng, rm Fclsdach, welches gleichsam in der Luft über mein >uch- Haupte empor hieng. Frcitich seil Jahrhunderten vielleicht incs sct; webt in solcher Lage die Steinlast; vielleicht Jahrhunderte Zu- noch wird sie so schweben Ni ms desto weniger war meine sje- optische Täuschung so groß, baß ich nicht ohne Entsetzen das dem vermeinten nahen Sturz auswich. Mzufremd ist für wei- uns diese Art Gleichgewichtes; die Imagination erschrickt um und traut auch den gründlichsten Beweisen nicht mehr. — ssen. Hin und wieder liegen auf den grasigten Waiden solche nie; Steine und Fclskmmpen, vermuthlich durch Ueberschwem- >vo nmng hinunter gewalzt; auch findet man neben hohen, be. zu laubtcn Bäumen andre, die als Skelett, ohne Blätter, llen ohne Rinde da stehen, überall bey jedem Fußtritte Spuren cite des Tods und des Lebens, der Verwesung und der Entste- ner hung; mit einem Worte, hier ist die gchcimnißvoüe Werk? rat. statte der Natur, die mit jedem Augenblicke tausend Wesen un- verschlingt, Mit jedem Augenblicke tausend Wesen erzeugt«—. Idi- Und was soll ich Ihnen sagen von den Bewohnern der Al- ür. pcn; ich wiederhole nicht, was schon hundertmal gesagt wor. lig« den; glücklicher sind hier die Hecrden als die Hirten ; — sorg« ,nd los irren die Küche im fetten Grase; lieblich klingt an ihrem c„, Halse die Schelle und von Hüael zu Hügel scheinen sie ein- >ch« ander Antwort zu geben; Morgens und Abends geht jede jie, selbst zu der Hütte, zu der sie gehört, um fich melken zu las« )en stn; bey schlechter Witterung versammeln sie sich unter dem ,e,i ' Obdach und unter dem Wipfel der Bäumen; über sicbenzig ^nd solcher Sennhütten sind auf dem Rig>,. zu jeder werden zwi« ine ichen zwanzig und dreißig Küche gezählt; ihr jährlicher md Ertrag an Butter, Zigcr und Käse mag auf 1000» on neue Touisä'or steigen. — Die Hirten sind weder Gcßners cht noch Hallers, doch gleichen sie eher dem ktzlern; meistens starke hoch- 3Z2 hochstämmige Männer, auch bedürfe» sie kraftvoller Muskeln und Nerven; die Bearbeitung des Vuctcrs und Käste, da« hinauf-und hinabtragcn desselben gehört nicht für arkadische Schäfer, auch nicht für die Weiber, diese bleiben bey der Wirthschaft unten im Thale; eben weil der Hirt ohne wcibli- che Gesellschaft, und überhaupt meistens einsam lebt, so bleibt er rauh und trotzig; viele unter ihnen haben die jüngern Jahre in der weircn Welt, besonders auch in Kriegsdienste zugebracht, mit Selbstzufriedenheit erzählen sie dieses, und gerne hören sie vom König in Preussen, vorn Kaiser und von dem amerikanischen Kriege. — So weichlich, so empfindsam und abergläubisch sind sie nicht, wie z- B. in andern Gegenden, wo man bey weniger Beschäftigung immer noch zur Grilleufän, gcrey Müsse genug findt. — Unterwegs sah ich von der Anhöhe auf das Klöstcrgen hinunter, ganz «n M.gnrlture, und eben so in verjüngtem Maaäsiabc rund um dasselbe drey kleine Herbergen; einen sonderbaren Kontrast macht dieses Klöstcrgen in dem erhabenen Tempel der Schöpfung, dasselbe ernährt nicht mehr als fünf Kapuziner, ein, zig und allein mit Andachtsübungcn und Bcichthörcn beschäftigt; alljährlich nemlich wallen von allen Seiten über 14000 Pilgrims zu dicfcr heiligen Stätte; ob nicht zuweilen Galanterie sich unter dem Schieyer der Andacht verberge? Wenigstens habe ich schön geputzte, blühende Mädchen an der Seite flinker Inngens hinauf wandern sehn, die abwechselnd bald schacherten, bald ein Ave anstimmten. Nach einiger Erfrischung, die ich im Klöstcrgen cmpficng, setzte ich den Weg fort an der Neige des BergeS; rechter Hand eine mit Bäumen und Gesträuchen bewachsene Tiefe; unter den Bäumen fand ich solche, deren Acste so dicht und groß wa, rcn, als anderstwo der Hauptstamme von einem nicht mit- telmäßigen Baume; — so sehr die Sonne zu stechen anfieng, so erfrischte uns hie und da wirthschaftliches Laubwerk; ungemein bezaubernd war der Anblick so vieler kleiner und grösserer Wasserfalle, die gleichsam bey jedem fünften oder zehnten Schritte an der nahen Felswand, bald donnernd, bald leise murmelnd, sich in das Bcrglobel ergossen. Durch diese herrliche Gallerte abwechselnder Landstücke gelangten wir endlich gegen Abend nach dem Flecken Art und stiege» zu Schiffe. I L f 7 k Archiv kleiner zerstreuter Relsebeschreibungen durch merkwürdige Gegenden Schweiz. Zweyter Band. St. Gallen! in der Huberischen Buchhandlung r 8 c> r. Vorberrcht -^em ersten Bande dieses Archivs kleiner Reisebeschreibungen re. haben die wenigen gelehrten Zeitschriften, in de. ncn es angezeigt wurde, ihren Beyfall geschenkt, und wir würden mit der Fortsetzung desselben nicht so lange zugewartet habe», wenn nicht bald nach seiner Erscheinung sich auch in Helverien eine Staatsrevvlution vorderen« hätte, deren schneller Ausbruch und Folgen unsere Connerion mit Deutsch» land eine geraume Zeit unterbrochen hat. Freylich hat sich nun, in einem Zeitraum von fünf Jahren, vieles in unserm Vatcrlande geändert; aber noch nicht alles sich zu einer andern Dauer entwickelt. — Und da ( was vielleicht noch unser einziger Stolz seyn kann) auch Ausländer nicht auf. hören an unserm Schicksale Antheil zu nehmen, so muß es sowohl diesen als den Schweizern selbst, nicht uninteressant seyn, eine Sammlung von Bemerkungen verschie. dencr Reisender über den ehevorigen Zustand unsers Vaterlandes jzt noch fortgesetzt zu sehen. Bey allen Lobeserhebungen über unsere vorige Glückseligkeit findet man auch Winke, daß unsere verschiedenartigen Staatsverfassungen nicht überall und immer-gleich vortreflich befunden worden find; und diese jzt noch zu beherzigen, ist wenigstens für den Ein. gcbornen nicht überflüssig. Uebrigens sind politische Ansichten selten der einzige Zweck eines Reisenden, und in physikalischen und andern Rücksichten hat Helvetica seine vorigen Eigenheiten, die es wahrscheinlich auch lange noch behalten wird. Der Herausgeber dieses zweiten Bandes hat, nach der begründeten Bemerkung des Recensenten in der allgem. deut. Bibl. den Titel, Archiv kleiner Reisen, in Reisebeschrei. düngen umgeändert; daher ist nun auch für die Besizer deS ersten Bandes ein neuer Titel, mit dem dort mangelnden Jnnhaltsverzeichniß, gedruckt worden. Ein dritter Band soll diesem Zweiten ohne weitem Anstand nachfolgen. St. Gallen den rz. MerzG. L. 4- Jnn- I n » h a l t des zweyten Bandes. Settt. Bridel, Versuch über die Art und Weise wie Cchwcizerjüngtinge ihr Vaterland bereisen sollen . . . . . . . r, 2. Bemerkungen auf einer Reise durch Thür, göw, «2t. Gallen, Appenzell und Sargans. , 8». G- W. Beckers, Alpenreise über den Pila, tusberg und Rigikulm. . . . 8e» r;o» 4. Briefe auf einer Reise durch das Wenthal und Aergäu.. . e;i « l;s. Bemerkungen und Fragen eines reisenden Be, obachters in dem Kanton Schweij. . »Zr . »64. «. Graf von Moltke Fragmente aus den Tagebüchern einer Reise nach der Schweij. (Pierre Pertuis u. die Via Mala.) . 16;, igo. 7. Reisen durch einzelne Gegenden von Grau, bündten. . . . . . .181» »rr. Sie enthalten : i) Reise durch das Oberen, gadin, 2) das Thal Ferera, ;) Reise über den Splügen. 8. Briefe auf einer Reise an den Genfersee. sr; » s;L. 9. Spazierreisen in die innern Rhoden des Kant. Appenzell.. 2)7 . 274. i) Eine Alpenreise vvm Herausgeber dieses Bandes. 2) Eine Reise nach der Kristall, hohle am Kamor, und die Wanderung über diesen Berg, von I. G. Roller. AA durch den Schwrijerschen Theil des Blsthums Basel. . . . . 275 - I. :itc. 8 ». i;r. »64. r8o. rir. 2 ^ 4 . Versuch übe» die Art und Weif« wie Schwelzerjünglitige ihr Vaterland Vereisen sollen. rr-. r. A , Dieser interessante Aufsa; , welcher von Herrn Pfarrer Dridel, der helvetischen Gesellschaft in Arau vorgelesen wurde, befindet sich in den Ltremiez helvetiguer und in -en Melanxer Uel veti^ueL der LnneLr 1794- 96. l-sussnae »797, Eine deutsche Uebersezung ward i7?6.in Winterthur besonders abgedruktr hier erscheint Pe von betn Herausgeber verbessert. Hochzuverehrender Herr Präsident, Hochzuehrende Väter, Theurste Freunde, Brüder und Eidsgenossen; Unterricht dringt eben sowohl durch die Augen als durch die Ohren ein. Dies ist eine unumstößliche Wahrheit und ich habe die Absicht heute diesen Grundsatz zur Erlangung einer unentbehrlichen Kenntnis — der Kennt, nis unsers gemeinschaftlichen Vaterlandes — anzuwenden. Eine Kenntnis, die so vielen Schweizer,» fehlt , welche fremde Länder durchreisen, ohne nur den kleinsten Theil desjeni. gen gesehen zu haben, was in ihrem Vaterlande merkwürdig ist. — Und doch, wenn irgend ein Land ist, welches die würdigsten Gegenstände vereiniget, um die Aufmerksamkeit seiner Einwohner an sich zu ziehen, sey es im- Fache der Physik, Moral oder Politik, wo die Natur, die Regierungs. formen, die Manschen und Sitten einen auffallenden un- eigenthümlichcn Charakter darbieten, so ist es gewiß, unser vaterländischer Boden vor allen andern aus. A - Ich 4 Ich wünschte daher diejenigen von unsern jungen Leu« trn, welche eine bessere Erziehung genossen haben, dahin zu vermögen, vaterländische Reisen zu unternehmen; aber auf eine Art, daß sie auch Frucht und Nuzen daraus zögen. Geruhen Sie demnach, wertheste Freunde und Bruder, mit mir in einige Umständlichkeiten einzutreten : über die Art solche Reisen ztt mache,:; über die Vortheile, die daraus entspringen; und über die Mittel sowohl unsern jungen Leuten, Gelegenheit zu solchen Reisen zu verschaffen, als auch ihnen die Ausführung der, selben zu erleichtern. Da man, um des glüklichen Einflusses, welchen derglei» chen Wanderungen verschaffen, empfänglich zu werden, zuerst die Geographie, die Geschichte und die politische Lage unsers Vaterlandes studieren muß; so glaube ich nicht, daß ein junger Mensch vor dem izten bis löten Jahre fähig sey, den Zwek einer solchen Reise zu erfüllen. Die Schweiz mag nun noch so klein seyn, so ist sie doch zu weitläusig, um > einem einigen Durchfluge recht gesehen und beurtheilt zu werden. Ohne Zweifel sollte man nach der Methode des berühmten Lonrad Geßners, *) alle Jahre einen Monat anwen. *) Man sehe den Anfang seines BriefeS an seinen Freund Jacob -ivicnus Doeror über die Bewunderung der Berge- Dieses -interessante Stück findet sich am Anfanq des kleinen lateinischen Werkchens, welches Geßner i;4Z. unterm Litul: i-ckt,- l.a<2t Ls.o/em«, taüan» herausgegeben. Da bjese erste 5 anwenden kinncn, um einen Theil des Gchrveizerbsdens zu betrachten; aber, nicht ein jeder hat die Zeit / die Mit» tel und die Leichtigkeit, diesen besten Weg einzuschlagen. Ich beschränke mich also bey meinem Plane dahin, nur 6 . bis r. Wochen i» der schönsten Jahreszeit zu begehren. Sie werden sich, liebste Freunde und Drüber, durch die Uebersichten, welche ich Ihrem Urtheil vorlegen will, über» zeugen, daß eS meine Absicht gar nicht sey, ausschließlich Physiker, Botaniker, Mineralogen, *) Landwirthe oder Mahler aus ihnen zu machen; meine Vorschläge zielen nur dahin, aus meinen jungen Reisenden, durch das, was sie auf ihren Reisen gefühlt, beobachtet, gesammelt und gelernet haben, desto nüzlichere Männer für das liebe, gemein» schaftliche Vaterland zu bilden. Ich glaube, daß sie sich vor allem aus bemühen sollten, jene grosse Natur - Erscheinungen zu betrachten, welche die Fremden von so weitem herkommen, bey uns zu bewun« dern — jene berühmten Eisberge, woraus der Rhein, die Rhone, die Aare, und der Lcsin entspringen; jene tosen» de und mahlerische Wasscrfälle unserer Flüsse und unserer _ Berg. Ausgabe etwas rar geworden, so ist »777 in Leipzig eine zwote davon erschienen. *) Diejenige, die ihre Reise auf die Natur - Geschichte einschränken wollten, werden fürtrestiche Anleitungen in jenen z Abhandlungen finden, welche Herr Pros. Schinz in Zürich unterm Titul.' ^e //merr-«/ per sse/r>et!«» ür,.- »78i. »782. »78z. herausgegeben. 6 Bergströme, *) jene Seen, wovon die einen mit den la. chendsten Landschaften umgeben, die andern von den schau» derhaftesten Lagen eingefaßt find; jene dort einen grossen Raum einnehmend, diese hier in einen engen Kreis einge. schlössen; alle an Grösse, Gestalt, Aussichten — fast könnte man sagen, an Alter von einander verschieden; denn, wir kennen wirklich einen in dem walliserland, der nur seit einem halben Jahrhundert sein Daseyn hat. **) Um unermeßliche Landschaften zu übersehen, werden sie sich auf den Gipfel einiger unserer Berge begeben, entweder in den eigentlichen Alpen, oder auf den Jura, z. B. auf den hohen Rasten am Ramor, die Edenalp , den pilatus, den Rigi, den Aldis, den Moleson, die Dole, den kAa^ak, den weissenstein. ***) Hier werden sie *) Der Rheinfall bey Schafhausen, der Staubbach in dem Thal Lauterbrunnen, der Roßloch im Canton Unlerwalden, kike- vacke jm Walliserland, mehrere Wasserfälle in dem Haßli- Lhal, der Sturz des Voiib 8 an den Grenzen des Fürstenthums Aeukcluitcl» **) Der See von vorderen!- entstand 174?. durch das Einstürzen der sogenannten Di-blerer? im Walliserland , welches den Laus der Li-erne gehemmt. Der Ursprung des Sees U'LmUeres bey verviae geht auch nicht weiter als in das rate Iahrhun. dert. »**) Der hohe Kasten am Kamor, und die Ebenalp in dem Canton Ap- penzell, der Pilatusberg in dem Canton Luzern, der Rigi im Canton Schweiz, der Aldis im Canton Zürich, der Moleson jn Lru^ers, die Dole im Canton Bern, der Ldrkersl an den Grenzen der Landschaften dleukclistei und Hiesse, -er Weissen- siein im Canton Solvthurn; diese z.leztern sind an der Kette »om Jura. 7 la. au, sstn >ge. >nte wir stit sie we« B. >en die den r Hal l»e- ßli- lM« :zen lauf ^res UN- Ap- im so» den sen- ette fie trachten Zeugen der reizendsten aller Natur. Scenen zu seyn, beym Aufgang der Sonne und des bewundcrcnswür, digsten Schauspiels eines Ungewitters, wenn dieses sich zu ehren Füssen ausbreitet, die tiefliegenden Ebenen einhüllet, Blize schleudert und den Donner weit unter dem ruhigen und heitern Gipfel, auf welchem sie sich befinden , brüllen läßt. Gewiß werden sie mit Vergnügen eines von jenen ro« mantischen und einsamen Thälern besuchen, wo, von der übrigen Welt durch Schranken getrennt, über welche das Sittenverderbniß noch nichts vermocht hat, ein Hirtenvolk wohnt, chas uns ;o Jahrhunderte zurük in die Sitten und Zeiten der Patriarchen vcrfezt. Wenn die Oberfläche der Erde ihnen Gegenstände zur Bewunderung darbietet, so werden sie nicht versäumen , in ihr inneres zu dringen; sie werden sich bemühen, jene zer» störenden Ströme, welche den Alpen tiefe Furchen ringe« graben haben, bis zu ihrem Ursprung zu betrachten, um mit eigenen Augen die Verwüstungen der Zeit und der Gewässer auf unserm Erdbälle zu sehen; besuchen werden sie jene so schönen und häufigen Höhlen auf dem Jura, *) wo die Na» tur alle ihre Pracht, in Säulen von Tropfsteinen in kristal. lisirtcn *) Der Tempel der Feen in der Meyerey Verriete i» dem Für- stenthum Neuenburg ist unstreitig die schönste unserer Schweizer-Höhlen; eine der schaudervollsten aber ist die c.'i!--»vel. chen die Vorsehung gleichsam die Gesundheit fliesten läßt, **) trinken und sich baden könne? Dort, Seen in fruchtbare Wiesen verwandelt, Erdreich, das bald einsinken wollte, durch feste Erhöhungen zum Akcrbau tüchtig gemacht; un. dändige Ströme, um ihre Wuth zu hemmen,'in gewaltige Dämme *) Sonderheitlich die Teufel«. Drücke und das Itrner - Loch, welche« man auf dem Weg von Altdorf auf den Sotthard anttift. **) Die Salinen des Amt« Lixle, die Mühlinen zu Locle, ck-ux 6e k»il> und beym See titrl^res; die Bäder zu Pfeffers in Sar-ans, zu Leu! im MMrrland, zu Miffmdurg »m Lanton Bern. rr Damme eingeschlossen r mitten auf den beschneyten Wüste, neyen der Alpen, wo die Menschenliebe über alle Hindernisse der Natur und der Elemente siegt, *) aus Religiosität er. richtete und unterhaltene Herbergen. Beym Anblik aller die. ser für das Vaterland so wichtigen Werke sollte der junge Schweizer nicht von Liebe zum Nützlichen entflammt wer, den? Gewiß, er wird sich durch einen kräftigen Instinkt für alles, was zum Wohlseyn seiner Mitbürger dienen kann, ergriffen fühlen und bey sich selbst denken : »Nein, ich wer» de nicht ausarten, auch ich will, wenn es seyn soll, grosse Thaten verrichten und meine Belohnung wird in meinem Herzen und in dem allgemeinen Besten zu finden scyn.^ Endlich solle er auch auf seiner Wanderung, jene grob sen Männer besuchen, deren Fähigkeiten, Genie und Nacht, wachen unsere Nation berühmt gemacht und ihr grosse Dien, ste geleistet haben. Es ist, ich darf es wohl sagen, keiner unserer Rantone, keine unserer Städte, dir nicht eine oder mehrere Personen auszuweisen hätte, deren blosser Anblik schon ein mächtiger Sporn zur Nacheiferung war. Ich will sie aber hier nicht nennen, diese Edlen Das Verzeichnis würde *) Der See zu Gysweil im Canton llnterivalden, den man seit r?6i. ausgetrokntthat; die Rebberge von l.»vsux zwischen l-ru- sanne und Vcvry, sonderheitlich zu veröle? , welche durch unzählbare, Terrassen auf Terrassen bildende, Mauern unter- siüzt sind. Das Kloster St. Bernhard im Malliserland; das Hospital der Sapuciner auf dem St. Gotthard im Kanton Uri. *4 würde zu weitläufig und ihre Bescheidenheit müßte dardurch to deleidiget werden. Nur sagen will ich Ihnen. „O, meine bj, „Verchrungswürdige Mitbürger, die Ihr zum Glüke und de> „zum Ruhme unsers Vaterlandes so vieles beygetragen, die eu „Ihr durch die öffentliche Achtung genugsam bekannt ge. sie „worden, die Ihr durch nüzliche Arbeiten, durch weise ve „Schriften, durch wichtige Entdeckungen, durch einen klu. all „gen Gebrauch des Ansehens, das Ihr genicsset, Euch ei. te, „nen bleibenden Ruhm.erworben; nehmet unsere junge Rei. du „sende mit Güte auf; ermuntert fie zum Edlen und Gu- R „ten, öffnet ihre Herzen der Liebe für alles Nüzliche und zu „Schöne, gebrauchet den Einfluß, welchen Euere Mürbe D „Euch giebt, dazu, den Reih bey ihnen zu erweken, sich sei „einst, wenn die Reihe an sie kömmt, auch auszuzeichnen. bc „Möchten sie sich ihr ganzes Leben durch daran erinnern, jw „Euch gesehen und gehört zu haben: — Möchten Eure da „Unterhaltungen mit ihnen, tief in ihrem Gedächtnisse ein. vo „gcprägct bleiben und sie Euere Bekanntschaft in den Rang N» „ihrer reinsten Freuden, und Euere Gespräche unter die löst. er „lichsten Vergnügungen zählen! « de de Wenn nun der Jüngling, den ich meyne, genug gebil. §et ist, um nachzudenken und zu vergleichen, so wird er -um wichtigsten Punkt seiner Reise machen, den Zustand ^ des Landbaurö sorgfältig zu beobachten, der in einigen Ran. tonen rrch eine und die gereist klu. > ei. Kri. Au- und irde sich ,en. m, -ure ein. ang !öst. bil. » er and an. i -5 tonen so sehr blühet, wo alles von dem tiefsten Thalgrund bis zur Spi;e der Berge angebaut ist; die Beschaffenheit der Handlung und der Manufacturen, welche den Wohlstand einiger unserer Städte ausmachen, zu erforschen und dann sich auch nach dem Zustand der Wissenschaften in unseren verschiedenen Collegien und Akademien zu erkundigen. Mit aller Aufmerksamkeit wird er ferner die öffentlichen Anstal- ten der Wohlthätigkeit besuchen wie z. D. die Hospithäler, die Frcyfchulcn, die Arbeitshäuser; jene Gebäude, wo der Ruzen grösser ist, als die Pracht, wie bey den Kornmaga. zinen und Zeughäusern; die Naturalicnkabinete, die grossen Bibliotheken, jene schenswürdige Sammlungen, deren un. ser Vaterland, in Verhältniß seiner Grösse, immer so viele bksijt, als jedes andere Land. Er soll nicht unterlassen und zwar gleich im Anfange seiner Reise, wenn er Gelegenheit dazu hat, jene schöne in erhabener Arbeit verfertigte Pläne von der Schweiz in Augenschein ,u nehmen, welche, «) sowohl zu Luzern als zu Aarau, das Lob der Genies, die sie erfunden und vervollkomnet haben, und die Bewunderung derjenigen, welche sie betrachten,sind, indem sieden Trinmpf der topographischen Kunst ausmachen. Dort kann er mit dem Finger den Weg verfolgen, welchen er nehmen will, das *) Jener Plan in Luzern ist das Werk des Herrn General Pfeiffers. Herr Rachcherr Meyer in Arau bat hingegen den Seinigeir durch verschiedene Künstler, untern andern durch Herrn Weist „ verfertigen lassen. das Ganze und die verschiedenen Theile der ungeheuren Masse unserer Alpen übersehen und mit einem Blike, ja so zu sa- gen, im Fluge, die zahlreichen Thäler umfassen, welche die verschiedene Zweige der Central. Kette bilden. Es soll ihm vorzüglich wichtig seyn, die einfachen Sitten der Bergbe. wohncr in der Nähe zu untersuchen, um zu lernen, wie wenige Bedürfnisse, der, in dem Schoose der Natur erzo, gene Mensch habe, um daraus einen ttifftigen Beweis gegen die immer zunehmende städtische Prachtliebe zu ziehen. Jene Prachtliebe, Sie wissen eS, theureste Freunde und Brü, der, welche, von den fremden Moden und der thörichten Verschwendung gegängelt, unsre Nation eben so sehr zu verderben, als zu verarmen drohet. Wenn endlich sein Geist reif genug ist, sich mit Politik abzugeben, so wird unser junge Reisende, unsre verschiedene Regierungsformen studieren; nicht, um sie zu tadeln, son. dcrn um zu lernen, was jede für Gutes an sich habe, nicht um das Werk unserer Väter zu zerstören, sondern, um es zu befestigen und zu vervollkommn, nicht um über die Mög. lichkeit der Verbesserung abzusprechen, sondern um sich zu überzeugen, daß die gesellschaftliche Ordnung das Werk der Zeiten, der Umstände und der Oertlichen Eigenheiten sey; daß die Meinungen der Philosophen und die Systeme der Neuerungssüchtisrn mehr für die Bücher, als für die Völker gemacht gemacht geführte» nung der wo jene die best, es gcwif Ich senden c einem d *) Wem ZZesc nmg, wem cr d, kom der . ist, reite es il aufn wem seyn terw anzn Pol, Vat das ten alle« wen » uns, -7 Mass« gemacht sey-', deren bürgerliches Glük von der bereits ein. i» sa. geführten und nicht von der erst noch einzuführenden Ord. >e die nung der Dinge abhängt und daß, wenn es je ein Land giebt, l ihm wo jene alte Maxime genau angewendet werden könnte: rgbe» die beste Regierung seye die bereits angeordnete, so ist wie es gewiß unser liebes Vaterland *). erzo, gegen Jene örü, chten ver. olitik ebene son. nicht in es Nög. h r» kdrr sey; i der ölktr ht Ich werde auch nicht vergessen, meinem jungen Rei« senden anzurathen , Zeuge einer Lands » Gemeind in irgend einem der kleinen Kantone und einer städtischen Regimentsere Neuerung B *) Wenn der Verfasser seinem jungen Reisenden nur alle mögliche 5>eschcidenhert in den Urtheilen über die bestehenden Regie- rungSforme» annethe, so wäre dies äusserst zwekmäßig; allein wenn der Geist reif genug ist sich mit Politik abzugeben, und er das Werk unserer Väter nicht zerstören, sondern vervollkommnen soll ; wenn die gesellschaftliche Ordnung das Werk der Zeiten, der Umstände und der örtlichen Eigenheiten ist , so leidet der alte Sa;: die beste Regierung sey die bereits angeordnete, doch auch seine Einschränkungen. Und es ist besonders in den jtzigcu Zeiten wichtig, den Jüngling aufmerksam zu machen , daß der blinde Anhänger des Alten , s» wenig als der sinnlose Nachbetter alles Neuern die Männer seyn können deren Einsichten er die seinigen unbedingt zu un« terwcrffen habe. Das beste was hierüber unsern Jünglingen anzurathen wäre, ist: Sich nicht zu frühe reif zu glauben über Politik richtig urtheilen zu können, und in Zeiten wo daS Vaterland in Partheyen getheilt ist, sich frühe zu gewöhnett, das Gute aufzusuchen, aus dem eine Grgenparthie ihre Ansichten nimmt, und nicht, wie es leider geschieht, bey ihr nur alles Schlimme vorauszusezcn ; dieser Rath ist für jeden anwendbar, und seine Befolgung akeine, würde wieder Heil auf . unser zerrüttetes Vaterland bringen. Anmerk. des Herausgeber». i8 Neuerung in einem der grossen Kantone zu seyn, *) und da, wo. das Militair wohl besorgt ist, einer Musterung beyzuwohnen , auch sich in einer Versammlung dieser helvetischen Gesellschaft einzusinken, damit ihn der darinn herrschende wahre Eydgenössische Geist völlig dnrchdringe. Dieses, liebe Freunde und Bruder, ist zwar nur ein schwacher Umriß desjenigen, was unsre jungen Freunde auf ihren Schweizerrtisen beobachten und sammeln sollten, es folgen nun die Vortheile, welche sie aus einer in dem an. geführten Sinn und Geiste unternommenen Wanderung ziehen werden. Erstens werden sie auf diese Weise geographische Kent. Nisse unsers Vaterlandes erlangen, wie sie ihnen, weder unsre unvollkomne Landkarten, noch die fehlerhaften Reise, bcschreibungen jemalcn geben könnten; wohl mit Recht, sagt ein berühmter Dichter in einer tresiichcn Epistel über die Ztcisei,: „Wahr ists, die Bücher sind gut, aber weit un. „ter der Natur; denn diese wird darin selten unverfälscht abge. *) Die mehr oder mindere Verschiedenheit der künftigen Kantons» Verfassungen ist zwar noch niebt völlig bestimmt, und wie sie such herauskommen mag, so wird es den reisenden Jüngling nie gereuen könne», ein Augenzeuge ihrer Eigenheiten , ihrer Vorzüge oder Nachtheile zu seyn. Dabey wird er aber auch ja nicht versäumen, an dem Hauptorte der Republik das zu beob» achten, was ihm der Zutritt bey der Lentralregievung erlaubt. Anmerk. des Herausgebers. »abgeb „ben k »gen h »Bild »das I „so su< »Gcgc »Schi ..als ' Di neu D stimm lich n Localv Handl feindli und a Gcsuy aber > land von d denph che e> welch! > da/ wo. yzuwvh- »etischen rschenbe !»r ein nde auf en / es em an. derung c Kent. ^ weder Reift, t, sagt >er die cit un. cfälscht >bge. antonü- wie sie ängling , ihrer auch ja e beob- ing er» »abgebildet. Warum sollte ich fle denn nach falschen Far. ,,ben beurtheilen? Warum meinen Fehlern noch die ihri- ,,gen hinzufügen; und wenn sie mir noch ein ganz getreues „Bild darboten ? Was nüzt mir das Gemälde, wenn ich „das Urbild bcsize. Kann ich die Schönheit selbst sehen, „so suche ich sie nicht lange in »«beseelten Abbildungen; der „Gegenstand selbst rührt mich weit mehr, als eine kalte „Schilderung, ja ein einziger Blik ist mir oft mehr werth »»als Jahre lange Lccture. « Die topographischen Studien sind aber vornemlich je. nen Männern nöthig, welche zu obrigkeitlichen Aemtern be» stimmt sind, und in den Fall kommen können, sich vorzüg. lich mit dem gemeinen Besten zu beschäftigen; sie sollen die Localvcrhälkniffe gründlich kennen lernen, sowohl um die Handlungsverbindungen zu erleichtern, als im Falle eines feindlichen Angriffs, das Land besser vertheidigen zu können und auch nüzliche Anstalten für das grössere Glük und den Gesundheitszustand der Einwohner zu treffen. Man darf aber überhaupt annehmen, daß jeder Schweizer sein Vater« land geographisch kennen und sich einen richtigen Begriff von dem Ganzen desselben verschaffen sollte, so wie auch von denphysischen und politischen Gränzen, den Bergketten, wel» ehe es umgeben oder abschneiden, den Flüssen und Seen, welche es bewässern, den grossen Thälern, welche es ab. B - theilen; 20 theilen; ohne dies könnte er weder seine Vertheidigung-«», stalten/ noch seine Bevölkerung / noch seine Empfänglichkeit zur Vervollkomnung des Landbaus, der Handlung und der Fabriken beurtheilen. Zudem, ist nicht mit der Betrachtung dcs glüklichcn Landes, das uns Gott gegönnet hat, ein un, aussprechliches Vergnügen verbunden? Jeder gute Bürger, ficht zwar dasselbe aus einem etwas verschiedenen Gesichtspunkte an, aber er findet es doch immer schön; er mahlt es nach seiner Art aus, aber immer mit dem Pinsel der Zuneigung und den Farben der Gefühle, welche er für das liebe gute Vaterland nährt. Mehr noch als die zierlichsten Reden wird zweitens, eine solche Reise dem jungen Schweizer, den Trieb cinflös. sen, sein Vaterland, durch den Eindruk seiner eigenen Erfahrung, lieben zu lernen, wenn er da bemerkt: wie groß das Ansehen der Geseze, die Achtung für den einzelnen Men. schen, die Sicherheit der Personen und des Eigenthums sey; was für ausserordentlichc tlnterstüzungen dem Dürftigen ge. leistet werden; und welch benctdenswürdige Ucberciustim, niung und Eintracht unter den verschiedenen Gliedern des helvetischen Staatskörpers herrscht. Auf diese Weise wird er nicht nur sein Vaterland lieben lernen, sondern auch, nach dem eigentlichen Charakter eines guten Schweizers, sol» ches jedem andern Lande vorziehen, indem er sich mit sei- nen 21 an, keit der mig > un. ,er, I)ls. rhlt der das »s, ^ lös. Er, roß !en» cy; ge. im, l des lird ch, sol- sei. l nen eigenen Augen übe« zeugen kann, daß, unparteyisch be» trachtet, die Summe des Nationalglüks in der Schweiz weit grösser sey, als in irgend einem andern Lande, und dies sowohl im physischen durch ein gesundes und gemäs» sigtes Clima, als im Moralischen durch Sitten, welch- an verschiedenen Orten die Stelle der Geseze vcrtretten und gleichsam besser sind, als sie, und im politischen durch Regieruugssormcn, welche den allgemeinen Reizen derer, die regiert werden, mehr befördern, als den Privatvorthcil der Regierenden. Er wird dieses Glük durch die Erfahrung einsehen lernen und dessen Werth, nicht nach dem Ge» wicht der neueren Meinungen, sondern auf der Waagschale der Vernunft bestimmen. — Er wird es vergleichen, nicht aber mit einem theoretisch-möglich bessern Zustand, sondern mit einem weniger guten, den man an so vielen Orten an, trifft, und dann sich gewiß jener eben so ungereimten als ge« jährlichen Deklamationen enthalten, wodurch so manche junge Leute, mit weitläufigen Systemen und beschränkten Ein, sichten, sich zu Censoren, Gefezgebcrn und Reformatoren ih, res Landes auswerfen, ohne einen andern Beruf darzu zu haben, als einen überspannten Kopf, einen absprechenden Ton, einen philosophischen Galimatias, abgerissene Säze au§ der ersten besten Schmähschrift; und ohne daß sie sich ihr Misvergnügen mit der eingeführten Ordnung der Dinge an, ders erklären können, als mit ihrer aussrrordcntkichen Un, wissen, 22 wissenheit und ihrem übertriebenen Ehrgeize. Mit einem ""1 Wort, er wird sich überzeugen, daß das Vaterland, vor ^ dem Richtcrstuhl der Erfahrung mehrerer Jahrhunderte, " ! der durch Alter und Nachdenken kluggewordcnen, nnpartheyii Re schen Männer und der sehr grossen Mehrheit unserer Nation üe seinen Proces allemal gewinnen wird, da es den Himmel "is um nichts so sehr anfleht, als ihm den politischen Wohlstand, Re den es jezt genießt, zu erhalten und nicht, ihn zu vermehren. Fr der Ein dritter Vortheil einer solchen Reise wird für diejenige, welche sie gemacht haben bannn bestehen, die Mit. tel gemeinnützig zu seyn, zu vervielfältigen, da sie ihnen ^ neue Aussichten, neue Gedanken, neue auf das allgemeine / di, Beste anwendbare Methoden darbieten. Und so wird der eine die Landwirthschaft seines Kantons durch einfachere und s" weniger kostspielige Behandlung, die er in einem andern ge. S- lingen sah, bereichern; der andere wird an seinem Gcburts, pl Ort irgend eine Nahrungsquclle, oder einen Zweig der In- Se dustrie, der ihm in einer benachbarten Gegend aufgefallen ^ ist, einführen. Jeder wird also zum Mittelpunkte des all. ^ ^ gemeinen Besten diejenige Entdekungcn mitbringen, welche ^ er sich erworben, die Vergleichungen, die er zu machen An. laß hatte, die Bemerkungen, mit denen er sich beschäftiget hat, aber nur dann, nachdem sie solche durch Zeit und Nach. denken genugsam überlegt und zur Reife gebracht haben; ^ «rid j und alle werden daraus schlicsscn, daß der Schweizer, über« Haupt genommen, eher trachten solle das zu behalten, was er hat, als neue Eroberungen zu machen; daß sein wahrer Reichthum jederzeit die Landwirtbschaft sey, daß seine sicherste Erhaltungs < Quelle in der kleinen Anzahl von Bcdürf. Nissen besiehe, und daß er, wie feine Vater weniger nach Reichthum, als nach einem ehrbaren Mittelstände, der Frucht seiner Arbeit, und einer weisen Sparsamkeit streben solle. Unter die verschiedene Vortheile dieser Reise, von welcher ich Sie, theure Freunde, unterhalte, setze ich noch: die Leichtigkeit sich gute Bekanntschaften und nüzlü che Verbindungen, in den verschiedenen Gegenden unsers gemeinschaftlichen Vaterlandes zu verschaffen; die Sphäre seiner Zuneigungen auf eine größere Anzahl Personen auszudehnen und die Verhältnisse einer gegenseitigen Gastfreundschaft zu gründen, welche das angenehme hat, daß wir an keinem rr in der Schweiz fremde sind und daß diejenigen, die sie mit uns unterhalten , es eben so wenig sind, wenn sie gegenseitig, uns in unseren Wohnungen zu besuchen kommen. Ich könte noch hier den physischen Nnzcn solcher Wandcri ngen in Anschlag bringen, da man sich offenbar dardurch abhäx. tet, und an Stärke, Geschmeidigkeit und Leichtigkeit unschl. bar 24 bar gewinnt, sich übt Felsen zu erklimmen, ohne Mühe über Fluchen zu sczen, mit Munterkeit lange und mühsame Wege zu wandeln; mit einem Wort, sich an grosse Märsche, an Ermüdung, an die Unbeständigkeit der Iahrszeiten, an Ent. bchrung und selbst an das Uebelbefinden zu gewöhnen, wel. ches wahrhaftig keine von den schlechtesten Lectioncn ist. Aber da mir die Zeit kaum erlaubte, nur im kurzen die Vortheile solcher Reisen darzustellen, so mag diese Uebersicht , wie ich denke, hinreichen, durch die Kenntnis ihres NuzenS, Geschmak dafür einzustössen. Es ist ausser allem Zweifel, daß, wie jeder Bewohner einer grossen Stadt sein Quartier am besten kennt, so ist der Schweizer verbunden , seinen eigenen Kanton , besser, als die andern zu kennen, und ihn in allen seinen Theilen, seinen verschiedene» Ver. hältnissen und seinen nüzlichen Seiten zu studieren; daher sollen diejenige unserer jungen Mitlandlcute, denen es die Umstände nicht erlauben, grosse Reisen zu machen, wenig, stens trachten, die Gegend, die sie bewohnen, und mit der sie in der engsten Verbindung stehen, genau zu besehen und zu erforschen. Es bleibt mir nun nichts weiter übrig, theuerste Freunde und Brüder, um Ihre geneigte Aufmerksamkeit nicht länger ju misbrauchen, als nur noch, mit wenigem, die Mittel tel anzuzeigen, unsern jungen Leuten, solche Reisen zu er, leichtern. Zu diesem Ende sollte sich allervorderst jedes Jahr in ver. schicdenen Gegenden der Schweiz, ein wohlunterrichteter Mann, von reifem Alter, und der das Land durch vorher, gemachte Reisen genugsam kennet, sich gefallen lassen, oder 6. jungen Leuten, auf einer solchen Reise als Führer zu dienen; es müßten eben nicht alle aus der gleichen Stadt seyn, und vielleicht wäre es nur noch besser, wenn sie aus verschiedenen Kantonen kämen, und unter ihnen dauerhafte Verbindungen entstünden, die allezeit für das allgemeine Beste sehr zu wünschen sind. Die Ausgaben einer solchen, ohne grossen Aufwand und Bequemlichkeit in der einfachsten Kleidung unternommenen Reise zu Fuß, würden, zu gleichen Theilen vertheilt, nicht beträchtlich werden und sollten niemand abschrecken. Dann wäre es auch gut, daß unsere junge Leute an je. dem, etwas merkwürdigen Orte, einen Mann anträfen, welcher ihnen alles sehenswürdige und Aufmerksamkeit ver, dienende, zeigte, der ihnen den Zutrik erleichterte, und der ihnen alles, was diese oder jene Stadt oder Gegend, in de, nen verschiedenen Gesichtspunkten, der alten und neuen Ge, schichte, der Geographie und der Landwirthschaft merkwürdiges 26 digeS hat, erklärte, und niemand wäre meines Trachtens tauglicher, diese Dienste i» leisten, als die Herren Gcistli. chen, deren Stand sie ohnehin zum Unterricht der Jugend bestimmt, und von denen man eine genaue Kenntnis des Orts, den ste bewohnen, erwarten darf; ja wir glauben sogar, ihnen ein Vergnügen zu machen, wenn wir ihnen dieses neüe Mittel, dem gemeinen Wesen zu dienen, anzeigen. Es sollte auch ferner durchaus ein Handbuch verfertiget werden, nicht aber eine Reise» Beschreibung deren wir schon genug haben, und die in allweg demjenigen, der von Zürich, Basel oder Freyburg oder einem andern entgegengesetzten Ort, ausgeht, nicht dienen tönten; besser wäre es, wenn man eine Beschreibung von Gegenden, Städten und Dör» fern, in alphabetischer Ordnung machte; eine Schilderung, welche alles das anzeigen würde, was es an jedem Ort an Alterthümern, historischen Denkmälcn, öffentlichen Gebau. den, nüzlichcn Instituten, Merkwürdigkeiten der Natur, seltenen Sammlungen, schönen Auslichten, Männern wel. che sich in den Wissenschaften, den Künsten oder der Land» Wirthschaft auszeichnen , wichtiges hat. *) Wir bcstzen wohl einige *) Ost reißt man durch einen Ort, wo ein Mann wohnt , de» würdig wäre, gekannt zu seyn, ohne, daß man nur sein Daseyn weißt. Wie viele Reisende kommen z. E. durch den schönen Fleken Langenthal, ohne den Physiker Mummenthaler zu besuchen, der Microscopia und Telescopia verfertiget, die einige Werke dieser Art, allein die einen sind mangelhaft und haben in Hauptartikeln Luken ; andere, zu sehr mit un, nüzen Umständlichkeiten oder gelehrten Untersuchungen ange. füllt, sind nur gut für das Cabinet — und im Vorbeygang gesagt, zu einem guten Handbuch des Reisenden in der Schweiz bedarf- nicht eines einzigen Schriftstellers, son. dern es wird das Zusammentreten einer Gesellschaft von einem oder mehrern Mitarbeitern aus jedem Schweizer- Kanton erfordert, indem alsdann jedes Glied einer sol, chen Gesellschaft, mit weniger Arbeit beladen, desto mehr Kräfte, Anstrengung und Genauigkeit auf den, ihm angewiesenen Theil, verwenden könnte. Noch würde es von grossem Nuzen seyn, wenn jeder unserer jungen Freunde ein Tagebuch führte, in welches er alle Abend eintrüge, was ihm den Tag über am meisten aufgefallen— nicht zwar, um cö druken zu lassen, sondern, um es als ein Denkmal dieser Reise aufzubehalten, das einst seinen Kindern , wenn sie eine ähnliche Reise unternehmen wollten, zum Unterricht dienen könte. Dieses Tage« buch würde ein köstliches Behältniß alles dessen seyn, was sein Gedächtnis nicht behalten kann, ohne daß es ihn ver- hin. artigsten Experimente in der Elektricität und Optik macht, und neben seiner Frau und Tochter, als Bäurinnen gekleidet, in seinem Cabiuet das interessanteste Gemälde von Einfachheit der Sitten, Fleiß und Wissenschaft darbietet. -> 28 hinderte, diejenige Gegenstände, welche ihm besonders wich, tig geschienen, sich mit aller Lebhaftigkeit vorzustellen. „Dem tönenden Erze gleich, welches auch dann, wann „der Schlag schon vorbey ist, noch einen Klang von sich , „giebt, wird er, zurät in seinem väterlichen Hause, in »der Ruhe des einsamen Studierzimmers sich im Geiste „vorstellen, was er mit leiblichen Augen sah und in seinen „Gedanken, an hundert verschiedenen Orten gegenwärtig, „sein Vergnügen noch fortseien, wann die Mühe längst „vorüber ist." Ich zweifle gar nicht, und würde vielmehr besorgen, meine theure Mitpatriotcn zu beleidigen, wenn ich diesen ! Punkt erst noch einschärfte, daß nemlich jeder gut unterrichtete und wohlgesinnte Schweizer sich ein süsscs Vergnügen daraus machen werde, unsern Schweizerjünglingen nt'izlich zu seyn, wenn sie durch seinen Wohnort reisen, ihre rühmliche Neugierde zn begünstigen und zu den Belehrungen ^ und Rückermnerungcn, welche sie sich zu erwerben suchen' das seinige beyzutragen. Verschiedene von Ihnen , theuerste Freunde und Brüder , wissen so gut als ich, daß es in einigen unserer Kant»nen, viele dieser verehrungswürdigen Männer giebt, die allezeit bereit sind, einen Tag und oft noch mehr auf- zuo. zuopfern, um mitten durch die Felsen und Abgründe unse« rcr Gcbürge, jeder wißbegierigen Person als Wegweiser zu dienen, und diesen Dienst der Gastfreiheit auf die allerun. eigcnnüzigste Weise leisten. Möchten doch die guten Hansväter ihren Kindern Mit. tcl und Wege verschaffen , einen solchen nüzlichen Spazier» gang zu machen! — Möchten sie ihnen denselben von ferne, als Belohnung ihrer moralischen und litterarischen Fort. schritte, hoffen lassen , und sie vorläufig, sowohl in den öffentlichen als Privat. Schulen, mit jenen Vorkcnntnissen bereichern, welche zu einer solchen Unternehmung durchaus erforderlich sind ! Möchte man in unsern Akademien und Gymnasien, Talentvollen, aber armen jungen Leuten , zur Aufmunterung eine Beysteuer zu solch nüzlichen Ausgaben bewilligen, mit dem einzigen Beding, daß sie von ihren Reisen ein bestimmtes Tagebuch zurükbrächten. Möchte man es zu einem Zweig unserer National. Erziehung ma« chcn, unsere Kinder zu solchen Reisen vorzubereiten, ihnen Gcschmak dafür einzuslössen und ihnen zu helfen, gute Früchte davon einzuerndten! Und Ihr, meine liebe junge Landsleute, entfernt euch nicht aus euerm Vaterland , ohne dasselbe vorher bereist und studiert zu haben. *) Welche Schande ist es Engellän. ^__ der, *) Gcßner (in dem gleichen Brief an seinen Freunds. Lviem») drüket sich über jene träge Menschen ganz unwillig aus, der, Deutsche, sogar Russen nach euerm Vaterland eilen zu sehen, um dasselbe zu bewundern, indessen ihr in einer weichlichen Sorglosigkeit, oder vielmehr in einer stumpfen Unempfindlichkeit in euerer Heimath ein Pflanzenlcben führt, ohne nur einmal auf die Berge, welche euere Thäler be» gränzen, gestiegen zu seyn, ohne den See, der euere Mauren bespült, umgangen, ohne die Schlachtfelder, welche euere Vorfahren, um euer Glück und den Frieden, den ihr genicssct, zu befestigen, mit ihrem edlen Blut färbten, jrmalcn besucht zu haben. — Während, daß ihr vielleicht für Moden, oder Fantasiefachen, für eine Mahlzeit , die euch vielleicht eine Unverdaulichkeit zuzieht, für eine Lustparthey, die sich mit Langerweile endiget, in einem Tage mehr hingebet, als euch eine solche Reife in einem ganzen Monat daß sie gleich den, in den Winter schlaffenden Murmel- tl'ierc» , sich in ihre Winkel versteken und so in ihren Häusern leben, ohne sich vor den Menschen sehen zu lassen, ohne etwas zu bewundern, ohne daran zu den- ken , daß sie deßwegen auf die Welt gesetzt worden » um so durch die Nelrkchtuirg ihrer Wunder sich zu Gott zu erheben. — und l.innLUü macht den jungen Schweden in seiner schönen lateinischen Rede, die er zu Upsal, über die Nothwendigkeit das innere ihres Vaterlandes zu bereisen , gehalten , die nehmliche Vorwürfe, die hier den jungen Schweizern gelten. Wie viel Leute gibt es, sagt er, welche, unwis- send in den wichtigsten Dingen unser« Vaterlandes, fremde Länder bereisen, um dabey mit Mühe zu suchen und diejenige Merkwürdigkeiten daselbst zu bewundern, deren größter Theil weit unter der Wichtigkeit derjenigen ist, welche in unserem Vaterland ihnen auffallend wären , wenn sie nur Aufmerksamkeit darauf verwenden wollten. Monat gekostet haben würde. —- Ich weiß, ihr werdet sagen, ihr behaltet euer Geld und eucre Zeit, fremde Länder zu bereisen, aber ohne zu gedenken, daß es offen« bar widersinnig und unvernünftig ist, fremde Länder zu studieren, ohne erst einmal sein Vaterland zu kennen, so werde ich euch antworten: die Reisen ausser dem Vaterland, vorzüglich, wenn man sie in dem Alter der Leidenschaften macht, verderben mehr, als daß sie nüzen; sie verfälschen den Charakter mehr, als daß sie ihn entwiklen; sie schleifen das äussere mehr ab, als sie das innere bilden; sie flössen oft Reize und Neigungen ein, welche denjenigen, die man in dem Batcrlandc haben sollte, ganz entgegen ge« sezt sind; sie verursachen, daß der junge Mensch, uns zu oft, eher mit dem Bösen als Guten, eher mit dem Lächerlichen , als mit den vorzüglichen Eigenschaften der verschiedenen Völker, die er gesehen hat, nach HauS kommt; sie geben ihm einen absprechenden Ton, eine Eilfertigkeit, über alles zu entscheiden, eine prahlende Eitelkeit; welches um so weniger erträglich ist, da, in verschiedenen Ländern gewesen tu seyn, nicht sie kennen heißt, und Italien oder Deutsch, land mit der Post- Chaise durchjagen, nicht das Mittel ist, gründlich von diesen Ländern urtheilen zu können; denn Philosophisch gesprochen, mißt man den Werth einer Reise picht nach der Anzahl von Meilen , die man äuf den Land, strasse» znrükgelegt hat, sondern nach der Menge nüzlicher Beobachtungen, die man zurükbringt. Die Reisen in dem Innern unsers Vaterlands führen bey weitem nicht solche Nachtheile nach sich, und ich nehme für gewiß an, ich wiederhole es, daß jeder junge Schweizer von gutem Charakter und guter Erziehung sich durch dieses Mittel, nicht anders, als moralisch und geistig vervollkomnv Z2 ncn kann , und daß Augen, Verstand und Herz zugleich Nahrung dabey finden. So sehr also, theuerste Freunde und Bruder, so sehr ich die zli frühen Reisen in fremde Länder für unsere jungen Leu« gefährlich haltt/ so sehr scheinen mir diese in dem Vaterlande denselben nüzlich zu seyn. Ich kann nicht besser endigen / als mit Anführung einer Stelle aus dem gleichen Dichter / den ich schon zweimal angezogen habe, eine Stelle / die vollkommen meine Ge» danken ausdrükt/ da aus ihr erhellet/ daß der übbe 6s Lilie, welcher den Franzosen die Reisen ausser ihrem Vaterland empfiehlt, fie den Schweizern durchaus abrathet. Nachdem er das arme, gemeine, unabhängige und sehr gcschäzte Sparta gelobt hat, fügt er hinzu: „O! ihr, die „ihr es nachahmet. Helvetische Völker! Redet—Warum „ist man für Euere alten Tugenden besorgt ? Muß man „dies noch fragen ? Eucrs Glüks müde, verlaßt ihr Euere „Fluren, um unsere gefahrvolle Städte: Kommt ihr, in „Verachtung der unschäzbarsten Güter, Euere Tugend, „für unsre Laster zu vertauschen ? Vor den Thüren un» „serer Grossen Schildwache stehend, könnt ihr wohl von „ihnen die nagenden Sorgen verscheuchen? Fliehet deswe» „gen diese Palläste, kehret nach Euern Bergen zurük, um „Euere einfache Wohnungen und Euere keuschen Gattin, „ncn wieder zu sehen : dort findet Ihr zwar nicht unsern „glänzenden Wir, unsere langwierigen Vergnügungen, un- „sere glänzenden Schauspiele — hingegen aber liebende „Gatten, getreue Gattinnen, ihrer würdige Söhne und „Töchter , kraftvolle Männer — Frauen, deren Wangen „noch erröthen. Ach! weit entfernt, ein ausgelassenes Leben „bey uns zu holen , ist es vielmehr an uns, bey Euch die „Unschuld zu suchen - OK »- II. Bemerkungen »uf einer kleinen Schweizerreise: Aus -em helvetischen Kalender vom Jahr 1791 hergenommen; die richtigen Bemerkungen über die durchreiften Gegenden, und ihre damaligen Verfassungen find des neuen AbdrukS in einer Sammlung von schweizerischen Reisebeschreibungen vollkommen werth. ^us der Hauptstadt des deutschen HelvetienS gieng unsere erste Wanderung, über Andelfingen, nach Schaffhausen. Dir erhoben uns über sanfte Höhen, von welchen südwcst. lieh eine Reihe in blauen Duft gehüllter Schucegebrrge, uns den schönsten Anblik gewährte. Das Land um uns war weniger cultivirt, als wir es im Züricher. Gebiet bisher zu sehen gewohnt gewesen waren. Dicßmal schien der Boden einige Schuld zu tragen; obgleich sonst das meiste auf die Richtung des Geistes seiner Bewohner, in diesem Punkte ankommt. Thaleinwärts sahen wir schon mehrere Spuren der ländlichen Thätigkeit und des Fleisses , welche die fruchttragende Erde, in vollerm Maasse erwiederte. Beym Ersteigen neuer Hügel erzählte man uns die Geschichte der sieben Schlösser, welche m jener Gegend zerstört wor, den find. Die Ruinen von Teufen lagen ganz dicht am Dege zur Linken; sie waren aber zu unbeträchtlich , als daß man sich dabei hätte verweilen sollen. Der letzte Be. wohnn dieser Burg, wurde daS Opfer seiner Feinde, die ihn umbrachten; weswegen nach der Idee der dortigen Landleuthe sein Geist seit Jahrhunderten noch immer im stnstern herumschleicht. Ein Windzug , welcher zwischen zwey Höhen bey der geringsten Bewegung der Luft dort C - rnt entsteht, mag mit seinem begleitenden Brausen, den ersten Anlaß zu dieser Volkssage gegeben haben. Nach mehreren Wendungen durch die Stiege des waldigten Jrchcls, von dessen Gipfeln verschiedene Einschnitte der Thäler uns er« götzten, gelangten wir am Abhang zu einer fernen Aussicht. Unsere Blike irrten weit in Schwaben; besonders mahle, risch zeigte sich von dieser Seite, Hohenstaufcn, man vcr. gaß darüber alle übrigen Erhöhungen, welche seitwärts, und im Hintergründe sich noch gewahr werden liessen. Unter uns sahen wir die Ergiessung der Lhur in den Rhein. Die Kießbäuke welche der erste dieser Flüsse, weit und breit ausser seinen Ufern ansetzt, haben schon manches frucht« l « bare Stück Land, zur öden Wüste gemacht; seine Anfchwcl. langen sind, da er ein Gebürgs. Strom ist, periodisch, und bringen oft die schrckltchstcn Verheerungen hervor. Einst, wenn durch mehrere Bevölkerung der Boden in den Gegenden, wo er sich mit mancherley Krümmungen durch« wälzt, kostbarer wird, dürfte man vielleicht darauf denken, hie und da seinem Wegreisten und Verwüstungen Grenzen zu setzen; jezt aber scheint man höheren Orts den Auf« ^ wand, welchen dergleichen Eindämmungen verursachen wür« den, noch nicht mit dem Gewinst des Landes , der nach allen Berechnungen groß seyn müßte, in Parallele zu sczen. In der Gegend um Berg, welche ganz das Gepräge der Thätigkeit seiner Bewohner trägt, bewunderten wir befon« ders ders t vorma nußrci Auf c zur N nur h nige 2 man bald l wieder dichter kleiner Dasey Gleich um d überrc da dil tigen welch, . wen > dcnlar legt f auf d durch dern i i ersten ehreren s, von ins er« ussicht. mahle« an vcr. värts, n. Um sshein. d breit frucht« schwel, »disch, >ervor. in den durch« »cnken, jrenzen i Auf« l i wür« !r nach , fezen. lge der beson« Vers 37 ders die Umschaffung eines wild verwachsenen Thals, wo vormahls kaum Menschen hingctrcttcn waren, zu einer ge, nußrcichen Anlage für den Freund der romantischen Natur. Auf einem schmalen Wege, dessen Rand ein kleiner Bach zur Rechten benczt, geht man in diese dunkle Oede ein; nur hie und da stehlen sich durch die dichten Schatten ei« nige Blike der Sonne; selbst am schwülsten Tage athmet man hier eine frisch crquikende Luft. Der Weg kömmt bald dem unten laufenden Wasser näher, bald erhebt er sich wieder, und man sucht die Spuren desselben, wegen des dichten Gesträuchs umsonst; nur das Rauschen irgend eines kleinen Wasserfalls hallt von unten herauf, und giebt das Daseyn, des, die Stille belebenden Bachs zu erkennen. Gleichsam mit Sorgfalt scheint alles dieses verdekt zu seyn, um durch die weiter hinten kommende Cascade desto mehr überrascht zu werden; der Effekt davon ist um so grösser , da die Natur allein, hier Werkmeisterin war. Am jensei» tigen Hang zur Tiefe, sieht man eine bereitete Pläne, von welcher dieses Schauspiel in aller feiner Pracht cingenom, . Ulen werden kann. Der Zauber davon hielt uns hier Stun« denlang zurück. Wir erkannten in allem, was wir angelegt fanden, eine Vertraulichkeit mit der Natur, welche auf die einfachste Weife, mehr ihre Effekte zu erhöhn; alS durch viele Kunstwerke sie zu verschönern sucht. Einen an, dern kleinen Wasserfall sahen wir, als wir aus jenem schat, tenrei- tenreichen Thale wieder herausgetreten waren; das vom Sturz selbst, ausgehölte Becken im FelS, lud uns zum Baden ein, und wir mußten gestehen, lange nichts natür, licheres, und zugleich zwekmäßigeres, von der Art gesehen zu haben. An der linken Seite der Thür, über welche wir bey Antclstngen gicngen, sezten wir unsere Reise nach Laufen, zu dem bekannten Falle des Rheins fort. Nach allen den verschiedenen Beschreibungen, *) welche bereits von diesem Absturz des größten der helvetischen Flüsse, geliefert worden sind, wer könnte sich da noch in eine umständliche Zergliederung desselben einlassen wollen ? Wir hatten bereits einige Zeit zuvor, den im Verhältniß nach seiner Länge, fiächcrn Fall des Rheins, bey Lausten« bürg, bewundert; hier giengen aber unsere Empfindungen inS Staunen über, ob wir gleich nicht läugnen können, daß wir grössere Ideen mit dorthin brachten, als der würkliche Anblik uns Anfangs gewährte. Vielleicht thaten wir unrecht, daß wir ihn zuerst von oben herab sahen, wo ' ) Die vorzüglichste von allen siehe im ersten Band diese« Archis, S. r» -rzz. S. Wo ga ten, u täusch! als w uns i die m lcn g« bildet Gcsta liefen verscl zeichn ' den i Abfä Das mäßi ständ trieb nur > die § des es bl dem stieg dem i ! V0M zum intür, eschen r bey ufen, vclche ischcn >ch in , llen ? ältniß ivffcn- angen rnen, ! der t tha. ^ sahen, wo dieses 39 wo ganz natürlich die Effekte davon minder groß seyn muß, ten, und unser erstes Erwarten daher um ein merkliches getäuscht wurde. Die wahre Vorstellung davon erlangten wir, als wir abwärts, den Hauptsturz über, neben und unter uns sahen. Jeden Augenblik änderte sich hier die Scene; die ungeheuren Wassermasscn stürmten in ungleichen Theilen gegen einander, wogten sich gleichsam in sich selbst, und bildeten bey der neuen Entwiklung oft die sonderbarsten Gestalten. Die Blike senkten sich dann bald mit in den tiefen Abgrund hinab, und schwer würde es seyn, alle die verschiedenen, oft schaudervollcn Empfindungen hier hinzu» zeichnen, die sich dann in der Seele erzeugten; bald erhoben sie sich aufwärts, sahen nach dem äußern Rand der Abfälle; oder schwanden mir dem luftigen Dunst davon. Das Brausen hat uns übrigens » bey mehr, als Mittel, mäßigem Wasser, hier nicht gehindert, mit einander verständlich spreche» zu können ; es scheint daher in etwas übertrieben zu seyn, wenn man behauptet, daß durchgehcnds nur Plikc sich hier wechselseitig verstehen können, und daß bie Sprache hier verstummen müsse. Von der linken Seile des Flusses fuhren wir herüber zur Rechten. Uns schien es begreiflich, wie, der Sage nach, ein deutscher Fürst sich dem mittlern hohen Felsen so nähern konnte, daß er ihn bestieg ; da die Bewegungen des herabstürzenden Wassers bey demselben, zwischen beyden Seiten doch immer so vielen wogen- i 4» wogenlosen Raum lassen, daß man aÜenfallS bis an seine Wände, freylich nicht ganz ohne Gefahr, hin;uji,dringcn vermag. Immer war bis jezt der Himmel überzogen; ein Strahl der Sonne erleuchtete endlich das grosse Schauspiel ; wir wurden nun gewahr, daß wis bisher dasselbe, nur in seiner geringsten Feyerlichkeit gesehen hatten. Die vorigen Effekte kamen mit den jetzigen fast in gar keine Vergleichung, alles schien uns näher, alles war uns deut. licher. Blaugrünlichte breite Wasscrstreifen zeigten sich jezt hin und wieder unter dem milchwcissen Schaum und bildeten den herrlichsten Abstich gegen das Graue der Felsen, über und zwischen welchen sie sich herabstürzten. In virl- färbigtem Gewölk erhob sich der Dunst, und formirte überall Kreise von regenbogigtem Schimmer; kein Pinsel ver, mögte das Prachtvolle dieser grossen Natursccnr zu mahlen, selbst die Hand des geschiktcsten Künstlers müßte über dem Ausdruk einer solchen Beleuchtung erlahmen. Auch schwer, lich hat Lauterburg, da er sein Meisterstük von dem Rheinfall verfertigte, ihn in dem abendlichen Sonnenblik, so wie wir ihn jezt sahen, genommen. Erst nach der wie« der eintretenden Verdunklung, verliessen wir den Laufen und eilten über die stark befahrene Strasse, auf welcher die bey der Stadt ausgeladene Waaren zum wettern Wasser- Transport hiehergebracht werden, nach Schaffhausen. Dieser 4l seine Dieser beträchtliche Ort hat ganz das Ansehen einer ingen alten Reichsstadt; nur in seiner Polizey , und in seiner )gcn; äußern Reinlichkeit mag er sich vor jenen vielleicht auszeich. chau« nen, wiewohl wir wegen der eben geendigten Messe deren elbe, Spuren wir durch die öffentlichen Stände noch hie und Die da gewahr wurden, nicht ganz davon urtheilen konnten, keine Wir spürten keine vorzügliche Neugierde , uns auf das, deut. den Fremden meist sehenswürdige in diesev Stadt, besom jezt ders einzulassen; da einerseits das Vcrzeichniß davon, uns bil« das nicht hoffen ließ, was wir suchten, und anderseits uns lscn, auch die Zeit für die weitere Reise zu theuer und zu kostbar viel, war. — Der sogenannte Münnot oder wie man ihn auch über- öfters zu nennen pilegt, Unnotb zog im Aensscrn wegen ver, seines alten festen Baues, unsere Aufmerksamkeit am mei, len, > stcn an sich; es ist zwar freylich wahr, daß derselbe zum dem ^ Schutz gegen Feinde des Auslands , eine überflüßige und »wer, ' unnöthlge Beste zu seyn scheint, allein derselbe giebt doch dem der Stadt ein gutes Ansehen, und obgleich der Fast fast blik, nie zu denken ist, daß solcher im Inneren gebraucht werden wie, ' dürfte, so ist er doch in jeder Rüksicht eine beträchtliche ufen Schuzwehr , die Gcsezmäßige Ordnung in der äussersten die Noth zu vertheidigen. Von der Brücke über den Rhein, 'er- welche gewiß zu den solidesten und künstlich gebautesten ge, hört, fallen nicht wie zu Basel, die Reihen fester und hoher Gebäude, längst dem Fluß in die Augen, im Gegentheile c wird 4» wird der Anblik derselben oft unangenehm *). Nur das einzige Salzhaus verdient einige Betrachtung. Uns schien eS anfangs ein Wiedersprnch an den Ufern eines Flusses ein Gebäude zu finden, welches dem Aufbe. wahren des Salzes gewiedmet seyn sollte; allein man hat unö erklärt, daß dieses in jener Sprache zugleich ein Kauf. und Waarenhaus bedeute, wo das bequeme Aus»und Einladen ganz natürlich, jenen nahen Anbau ans Wasser er. heischte. Die Brücke selbst ruht nur auf einem mittleren Pfeiler, und es ist unbegreiflich, wie weit und flach zu. gleich die beiden Sprengbogen derselben sind. Die Zahl der Stadtbewohner verhält sich zu denen des ebnen Landes ohngefähr wie r. zu ; i/r. In Rüksichl der Population sowohl als der Landfläche gehört dieser Ranton mit unter die kleineren der Schweiz, denn die erstere beträgt im Ban. jen etwa nur ;o bis zrooo. Menschen. Eine Volkszahl, welche ohngefehr mit der einiger einzelnen deutschen Städte wie z. B. Augsburg, Frankfurt und Lübeck in Vergleich kommt. Unter den Nachrichten welche wir über die Konsti» tution *) Diese Drücke die in dem Kriege zwischen Frankreich und Oest. reich Ao. r??y. abgebrannt wurde, ward von Ietzeler und Vogel am besten beschrieben und abgebildet. S. (Andrä) Briefe aus der Schweiz noch Hanvver geschrieben. S. Xl.xxi. und Lbels Schilderung der Gebir-svölker der Schweiz, i. Band. S. Z88 «z-z. 4 tution dieses" StaatS einzogen, ist unS besonders aufgefal. len, daß Söhne und jüngere Bruder ihre Stellen dann wieder verlassen müssen, im Fall ihre Väter, oder ältere Bruder etwa nach ihnen durch die Wahl in den Rath be, rufen würden. Was auch der Politiker gegen diese Saz. zung vielleicht einzuwenden für gut finden möchte/ so sehen wir doch nichts weiter darin, als eine geringe Aufopferung, welche der bürgerliche Verein, dem Bande der Familie hierunter bringt, welches dem Menschen gewiß immer zu. erst heilig seyn sollte. Jedermann ist bekannt, in welchem unangenehmen Ver. hältniß der dortige Vorstand sich erst vor kurzem noch be« fand, in dem derselbe zwischen zwey Partheyen mitten inne war, welche ganz widersprechende Forderungen gegen ein« ander fonnirten; es verdient gewiß alle Achtung, mit wel< chcr Klugheit sich derselbe dabey benommen, und die öffentliche Ruhr wieder hergestellt hat. Indem wir es übrigens nicht wagen, hier ein Urtheil über den Grund jener ganzen Sache zu fällen; so werfen wir nur bloß die politisch,ökonomische Frage auf: ob aus dem Bau natürlicher Produkte , für den Erzeuger nicht ein grösseres Recht zum eig« «en Verkauf entspringe, als der ländliche Verfertige« von Industrie - Produkten für sich forderen könne? WaS das leztcre betrift, so sind gewiß nach allen ächten Grund- säzcn 44 sazen einer guten Staatsverwaltung die größten Einschrän, ent kungen hierunter nöthig, da sonsten Landes - Kultur und ub Städtische Gewerbe wechselseitig sich untergraben und beyde darunter leiden würden. In Rüksicht des ersten aber mag es hier indessen ein Problem blechen, was man sonst in ^ jeder ökonomischen Staalsschrist beantwortet findet. re» Eine besondere Bemerkung verdient noch, die sehr gute erl Militairverfassung des Schaffhauser Kantons. Es hat über« S Haupt einen grossem Einfluß auf die Konstitutionsmäßige N< Organisation einer Republik, wenn alle ihre Glieder gut die geübte Soldaten sind, als man es dem ersten Anschein nach vo vielleicht glaubt ; denn von jeher wird dabey nicht allein ur die Idee der Subordination fester eingeprägt, die im Ver. ni hältniß der Freyheit der einzelnen Individuen, zur Erhal, di> tung der noch weit erhabnern Freiheit des Ganzen, sich in V allen Vorkommenheiten immer auf die vortheilhafteste Weise N thätig erzeigt; sondern der Staat lauft auch selbst nicht so w leicht Gefahr, von inneren Partheien, die sich wegen der , ih gleich getheilten Stärke wechselseitig vor einander fürchten ^ müssen, beunruhigt zu werden. Von Schaffhausen hatten wir 2. Wege vor uns um nach dem Kanton Appenzell zu kommen, den ersten längst dem Rhein hinauf, über Stein bis Konstanz, und von dort längst dem Bodensee nach Rorschach, welches nur wenig Stunden von St. Gallen ent. 'l 45 entfernt ist, den aten in gerader Linie durch das Thurgäu, über Frauenfeld und W»l. Privatursachen nöthigten uns den lezteren zu nehmen, ob wir gleich wegen der reicheren Natur auf jener Seite den kleinen Umweg nicht würden geachtet haben. Wir wa, ren kaum einige Stunden von Schaffhausen entfernt, so erblikten wir in Südost schon einige graue Häupter von Schneegebürgen, wir frugen in einem Dorf mit welchen Namen man sie dort benenne, sogleich wurde von diesen dienstfertigen Leuten alles hcrbeygerufen, was nur etwas von den Alpen wissen und erzählen konnte, das Ganze gab uns aber wenig Befriedigung, wir verweilten uns daher nicht lange, sondern zogen unsern Weg weiter. Auch in dieser Gegend erblikt man wieder weite Spuren von der Verwüstung des Flusses der dem ganzen grossen Gäu den Namen giebt, wir wurden dadurch noch mehr überzeugt wie wichtig es seyn würde, feinen Lauf zu regulieren und ihn in ein gewisses Bett einzuengen. Der Boden im Thurgäu ist sehr abwechselnd, hier und da röthlicht und scheint vorzüglich zum Rebenland gcschikt zu seyn. Mit vieler Sorgfalt wird auch wirklich der Wein hier gepflanzt und sein Ergiebniß sogar bis ins schwäbische Deutschland verführt. Durchgehends sind überhaupt die Spuren einer sehr hohen Rultur in diesen Gegenden sichtbar, 4 § bar, alles ist mit Bäumen bepflanzt , und jeder Fkek auf das beste benuzt. I» Fraucnfcld, wo jährlich die helvetische Slaatsversammlung gehalten wird, sahen wir die zum Theil noch unvollendeten Häuser, welche aus der Asche des 1788g« Brandes wieder hervorstiegen; dieselben werden meist sehr gut, grosscntheils durch freygebige Beysteurer aus den Kantonen erbaut. Um sich eine richtige Vorstellung von der, unter der Ober. Herrschaft mehrerer Kantone stehenden Landvogtey Thurgäu zu machen, muß man wissen, daß dieselbe sowohl an Flächen- Innhalt, als an Bevölkerung gerade zweymahl so groß, als der Kanton Schaffhausen sey, und daß sie in ihrer Popu. lation die über 60,000. Menschen beträgt bloß den 4. Kan. tonen Zürich, Bern, Luzern und Freyburg nachstehet. Aus diesem fruchtreichen Land traten wir bey Wyl, in das Gebiet des Abts von St. Gallen über, man sieht es gleich von aussen dieser kleinen Stadt an, daß sie zu Zeiten eine Art von Hofhaltung ausmache, überhaupt giebt sie einen guten Begriff von dem Wohlstand, der in dem klei. nrn Staat, wozu sie gehört, herrscht. Der Abstand zwj, scheu der Kultur dieses Landes und des Thurgäuö ist an, fangS nicht sehr auffallend, aber er wird und muß es im. vier mehr werden, wenn man sich dem gebürgigten Theile desselben nähert. Die Aeker fangen dort an steinigt« zu wer. werden, des Anbaues wird immer weniger, das meiste, Fnd Wiesen und Waldungen, und man steht überhaupt, daß nun schon ein Spinn, und Fabrikengeist unter den Landesbewohnern zu herrschen anfängt. Schade ist eS indefi stn , daß man den jenem Boden vorzüglich eigenen Hanf« und Flachsbau, dessen Material« besonders zu den Fabri. ken so nothwendig ist, nicht immer mehr zu erhöhen und zu vervollkommen sucht. Denn nach den Urtheilen eines Mannes, der vielleicht einige Kenntniß davon haben könnte, ist dieser Bau bey weitem nicht auf dem Punkt, als er es nach dem Bedürfniß, der dortigen arbeitenden Hände seyn sollte und könnte. Schon in der Gegend von Gossau, und selbst weiter herwärts fangen die Gebäude an diejenige Gestalt zu bekommen, welche im Appenzcllerland so sehr auffällt, alles ist von doppeltem Holz, welches innwendig mit Moos aus« gefüttert ist, und den besten Schuz gegen die Kälte des Winters gewahrt, der in jenen Gegenden fast z. Theil des Jahres dauren soll ; auch hier schon findet man in den Wohnungen die grossen Zimmer, wo Fenster an Fenster stößt, und deren Zahl sich zuweilen an den verschiednen Wänden auf 20. erstreikt. Alle Wiesen fangen auch hier »schon an, genau umzäunt zu seyn, und oft findet man auf denselben zugleich die Scheunen wo Heu und Grummet aufbewahrt wird. Jemehr Iemehr man gegen St. Gallen hinaufkommt, desto be. lebter wird die Landstrasse, und wir müssen gestehen, nicht leicht, selbst in der Gegend der grösseren Städte Deutsch, lands so viel Menschen und Fuhren auf einmal angetroffen j» haben. Schon in einiger Entfernung von jener Stadt, erblikt man die grossen Bleichen, auf welchen firr mehrere Millionen Leinwand, Mousseline und andere feine Zeuge ausgebreitet sind. Zu Ende des Augusts werden gewöhnlich die lezten Gewebe dorthin gebracht, und denn feyern die vielen Arbeiter, Bleicher und Fabrikbcdiente ein Fest, wel, ches gerade den -ten Tag nach unserer Ankunft statt fand. Der Absaz dieser, unter die besten Schweizer Fabricate gerechneten Waaren, geschieht meist nach Frankreich, Deutsch« land und Holland; selbst aus Italien kommen häufig Kauf« keilte, welche ansehnliche Parrheyen davon einkaufen. Am vorzüglichsten zeichnen sich die französischen Handelshäuser aus, die oft jedes für sich, durch ihre Commis für ;c>. bis 40000. fl. aufkaufen lassen. Eben wegen diejes grossen ZugS nach Frankreich, erlitt seit der Revolution , das dortige Fabrikwefen einen beträchtlichen Stoß, und man fürchtete die schrrklichsten Folgen; allein die Stokung hat nicht lange gedauert, und jtzl soll man noch kaum den Einfluß jener Katastrophe bey diesem Handel gewahr werden. Dar Gespinst und Gewebt selbst, geschieht theils in dem Lande 4S Lande des Abts von St. Gallen, theils «ber in dem äusseren Boden von Appenzell und Thurgäu, und andern benachbarten Ländern, woher es denn in einzelnen Stücke» oder Parthien nach der Stadt gebracht und dort weiter gc. bleicht und zubereitet wird. Alles ist hier in der Rüksicht in ber größten Thätigkeit, selbst Kinder von 6. bis 8- Iah» ren sind schon im Stande sich einen kleinen Verdienst zu erwerben. Auch im äussern sieht man dieser Stadt ihren Wohlstand an, die Häuser sind zwar meistens im alten Styl, mit Erkern gebaut, allein man hat sie sonst durch« gehcnds durch leichte Farben modernisirt, so daß das Ganze ein sehr freundliches Ansehen hat. Wegen der Nähe der Abtey von St. Gallen, glaubten wir, unter den Einwoh« nern starke Züge von Neligionismus zu finden, sie scheinen aber doch im allgemeinen sehr gemäßigt zu seyn. Nicht sehr erbaulich für uns war es, in einer der bor. tigen Kirchen, durch den Stadtschrciber, von der Kanzel die Burgcrsatzungen vorlesen, und dabey von den Anwesen, den das Gemurmcl und den Lärm einer Jubenschule zu hö. ren. Wir wollen die Achtung , welche man doch immer «wem solchen Orte schuldig ist, gar nicht in Anschlag brin, Sen; aber die Ehrfurcht fürs Gesetz, hätte doch wenigsten- eine grössere Stille und Aufmerksamkeit erfordert; lieber sollte man dergleichen sonst so heilsame Gewohnheiten ganz V weg, so weglassen wenn sie am Ende bloß ins Ceremoniellc übergehen. gros Denn welche Befolgung kann man von Satzungen erwar« ganz ten, welche mit solcher Gleichgültigkeit angehört werden. an > Die Kleiderpracht ist hier eben so, wie in allen helvcti» schen Städten sehr eingeschränkt/ aber die Befolgung der darüber gegebenen Verordnungen/ sollen nach Versicherung eines dortigen Einwohners, blos auf den Kirchengang ihren he„ Bezug haben, und ausser demselben der Luxus in einem sehr Ab, hohen Grad cingerissen seyn. Man hat im Auslande überhaupt Da eine sehr unrichtige Idee, über die sonst so gerühmte schwci. doä zerifche Simplicität der Kleidung, in Rücksicht der Manns, voll pcrsohncn lrifl oirseibe meist durchgchendS ein; aber die Damen sind in ihrem Putz, gewiß zu den geziertesten Deut. hi^ schen, oder wohl gar zu den Französinnen zu rechnen. St. Gallen gehört übrigens mit zu den Städten , welche ^ ohngeachtet ihrer nicht gar zu grossen Bevölkerung (da die Menschenmenge nur etwa >-c>c>o. Seelen ausmacht) doch ^ von jeher eine sehr wichtige Rolle in der Handelswelt ge- ^ spielt haben. Selbst in den politischen Annalen, werden da dir Thäte» der städtische» St. Galler, nicht ganz verkannt. ah Die vielleicht ein Drittheil vom Umfang der Stadt, Ai einnehmende Abtey, von welcher sie übrigens durch Thore und rei Mauren sorgfältig 'getrennt ist, zeigt gleich beym Eintritt ei. un nige ansehnliche Gebäude. Zur Rechten wird man das neue in ' -rosse ehe». war« n. lvcti. der rung hrcn sehr aupt wci« nns< die eut. lche l die >och geben int. dt, lind ei. eue si grosse Münster gewahr. Dichte an demselben steht die, ganz im klösterlichen Geschmack gebaute Abtische Residenz, an welche die Wohnungen der Conventualcn von hinten her unmittelbar anstossen, zur Linken ist die sogenannte Pfalz ein sehr modernes Gebäude, welches der, welcher völlig un. bekannt ist, anfangs vielleicht für den fürstlichen Siz ansehen würde, da zumahl die dermaltge Residenz selbst, eines Abts von St. Gallen nicht ganz würdig zu seyn scheint. Das Münster mit so vieler Pracht es auch ausgezieret ist, hat doch das Erhebende nicht, welches sonst auch ein gefühl. voller Protestant, in grossen katholischen Kirchen gewahr wird. Es ist mehr Ueberfiuß, als Geschmack in allem, was hier angebracht ist. Die ganze Kirche war gedrängt voll, als wir eintraten, und nie sahen wir Menschen von so verschiedenen Trachten, bey einander versammelt, als an diesem Orte, da au» allen Gegenden Landleuthe zusammenströmen, um den Gottes, dienst hier zu feyern. Indem es sich bisweilen ergiebt daß der päbstliche Legat zur Firmung hieher kommt, und alsdenn eine gewisse Anzahl fürstlicher Unterthanen zum Auszug für ihn, in die Abtcy entbothen wird; so sind die reformirten St. Galler auf ihrer Hut, und lassen ebenfalls unter dem Vorwand von Ehrenbezeugung, ihre Mannschaft in der Stadt aufrufen. D 2 Die als b mit r 5r Die Zahl der Tonventualen, wird hier gemeiniglich auf 40. bis 10. gerechnet; sie haben über dieses noch 12. Brü- der, weiche zur Besorgung kleiner Geschäfte, und zur Aufwartung bestimmt sind. Es scheint nicht ausgemacht zu seyn, von welcher Herkunft und Nation die erstern eigentlich seyn müssen, da auch Italiener sich unter denselben befinden, wiewohl bey der Wahl eines Abts , doch vielleicht vorzüglich auf deutsche Schweizer Rücksicht genommen wird. Wir haben übrigens nicht bestimmt erfahren können, wcl. chen nahen oder entfernte» Einsiuß diese Cdnvcntualen auf die Regierung des Landes haben, ob sie den, aus ihrer Mitte gewählten Abt, zuvor durch Capitulationen beschränken, oder nicht. In dem vorigen Schirm und Landrecht, wel. ches >4?r. von den Kantonen Zürich, Luzern, Schweitz und Glarus mit der Abtcy ist errichtet worden, wird wenigstes des Convcnts immer ausdrücklich, als eines besondern Theils der Landschaft mit gedacht. In demselben kommt besonders die merkwürdige Stelle vor, daß: „ Der Abt und das Convcnt, nebst der Stadt Wyl, » der Festung Iberg und Roschach, auch mit der Gerech» „ tigkeit der Burgsässen und allen seinen Leuten, innerhalb „ dem Boden . und Zürichsee, den vier Ständen gehör» „ sarn, gewärtig und bchülsiich seyn wollen ic. - Ein Beweis, daß der Abt, meinem etwas engern Verhältniß, V diesclk ten ve gcradi Bewe es Hai des 3 gleich! gen h 3 n Land, Meile Und , ropa, schenr verein Wird, die § . V auf, wan dir A ch auf Brü, Auf, Ht ru ntlich nden, vor« wird. wcs, auf Ritte ken, wel, veitz we, eson, elbea Syl, rech. halb hör» Ein tniß, sZ als blosser Bundsgenoß, (wie man ihn zuweilen vorstellt) mit den helvetischen Kantonen stehe. Was tue Administration des Landes bctrift, so scheint dieselbe besser zu seyn, als man sie sonst in geistlichen Staa, ten von der Art zu finden gewohnt ist. Es ist indessen nicht geradezu zu behaupten, daß dieses Besserscyn, aus eigner Bewegniß, von oben herab, sey gewürkt worden; sondern es hat allen Anschein, daß hier der Geist der Nachbarn und des Volks, auf die Regierung zurück gewürkt, und sie gleichsam selbst zur genaueren Vorsorge fürs Ganze gezwungen habe. In Rücksicht der Population gehört würklich dieses kleine Land, dessen Grösse nach Vernet nur auf 16. Quadrat- Meilen angegeben wird, das aber ganz gewiß - zwischen 18. und iy. enthält, mit unter die bevölkertstcn von ganz Eu, dopa; denn sogar übersteigt das Verhältniß seiner Mcn, schenmenge zu dem Boden, jenes, welches gemeiniglich in den vereinigten Niederlanden, mit als das Höchste angenommen Wird, da dort nemlich ohngefähr 4020. hier aber 4800. auf die Quadrat. Meile gerechnet werden. Von St. Gallen, steigt man gleich Anfangs sehr steil hin- auf, nach den Höhen des AppenzellerlandeS. Bald erblickt wan diese Stadt in allem ihrem Umfang unter sich, und die Aussicht wird mit jedem Schritt über das Thurgäu, und und den Bodens« erweiterter. Indem wir hinter uns, auf einem etwas ebnern Wege einige Reuter längst dem Ge» bürge mit militärischer Mustek hinreitcn sahen, frugen wir; Wer das sey? mit mehr als einem gleichgültigen Tone ant. wertete man uns. Es sind Fürsten. Ländner "; Gleich, sam als ob auf diesem Namen eine gewisse Verächtlichst ruhe. Wir mußten einen kleinen Steig wieder abwärts, ehe wir zur zweiten Höhe, den sogenannten Vögelis Ge. ohne Im d der ueber ! Ab. gegen >as das erhabene Land herangezogen waren/ lag hinter uns. Wir sahen noch hin und wieder einzelne Parthien von Bäu. men, welche vielleicht Sprößlinge des Waldes waren, hin. tcr den sich dieAppenzcller, Schweizer und Glarner verborgen gehalten hatten. Auf der Höhe standen wir selbst, gegen die das ;c>oo. Mann starke Heer, durch die Höhlung her« auftüken wollte. Achtzig tapfere Bergbewohner griffen es hier zuerst an. Ihr wildes Geschrey war'die Losung zum Anfall der übrigen 2002. die nächst dem Speicher sich hiel. tcn. In dem engen Paß der Höhle mußte sich nothwendig Pferd und Mann drängen. Der Feind wollte zurück, um seine Reihen in der ebnern Gegend auszubreiten. Die Befehle der Oberen wurden aber mißverstanden, statt des Rückzuges erfolgte verworrnc Flucht. Die Minien Schweizer und Glarner brachen aus ihrem wältigten Hinterhalt nun auch hervor, und die Niederlage wurde allgemein. Die Zahl der Erschlagncn war vhngefähr der, der tlcberwinder gleich; mehrere hundert eiserne Rüstungen wurden erbeutet, unter andern ward der starke Blaarer von Constanz in einem dreyfachen Panzer auf dem Schlachtfeld gefunden. Sehr denkwürdig sind überhaupt alle Nachrichten, welche uns von der vertheidigten Freyheit dieses obgleich kleinen, doch über. aus nervichten und starken Volks übrig geblieben sind. Sie setzen uns zum Theil so charackteristische Züge von Helden- mulh, mnth, deren selbst Römer und Griechen in ihren Annalen zu gedenken, nicht würden unterlassen haben. Der Anblick der vor uns liegenden schönen Natur, entriß uns bald jenen Betrachtungen, über die durch Blut errun. gene Freyheit, und brachte andere Stimmungen hervor. Reizender hatte uns eine Aussicht lange nicht geschienen. Auf einer Seite zeigte sich der Spiegel eines grossen Sees, der obgleich Stunden weit entfernt, doch in einer geringen Di, stanz von uns zu seyn schiene; wir erkannte» sogar einige kleine Fahrzeuge auf demselben. Längst den Ufern sahen wir eine Menge grosser und kleiner Orte, von welchen sich vorzüglich jenseits des Sees LNärseburg, und diesseits Romishorn und Arbon auf kleinen Landzungen auszeichneten. Lon, stanz war unS schon im Gemische von andern Gegenständen unbestimmbar, es ist hier ein Standpunkt der ohnmöglich eine genaue Beschreibung zuläßt, und wo man stlbst aufdie- se Höhe hinkommen muß, um sich von der Fülle der angenrhi mcn Empfindungen, die einem da zuströmen, zu überzeugen. Vom Speicher, wo man vielleicht Tage lang, der schönen Aussicht widmen könnte, kamen wir nach Trogen, dem zweiten Versammlungsort der Ausserrhodischen Gemeinde von Appenzeü. Die Pracht der maßivcn steinernen Gebäude, welche wir hier neben Baurenhäuscrn sahe», fetzte uns in nicht wenig Verwunderung, ueberhaupt crblikten wir durchg«. hends hends in diesem Ort einen Wohlstand, den nur die, auf das äusserste getriebene Industrie, und ein sehr einträglicher Handel erzeugen konnten. Der Platz auf welchem alle 2. Jahr die Landgemeinde hier zusammen kommt, scheint für die Menge von mehr als ro, 000. Menschen in etwas zu klein. Auf ihr ist schon manche democratische Scene vor. gefallen, die übrigens doch nicht in allzugrosse Ausgelassen» heil übergegangen ist. In Rücksicht der Verfassung dieses StaalS, muß man eben so, wie bey allen andern, den eigentlichen Geist, und das was nur die äussere Form dessel. den bctrift, unterscheiden. Bey der Constitution einer Re. publick ist dieses besonders nöthig; vorzüglich muß bemerkt werden, ob sie meist aus Ackerbauren, Vieherziehern, Manufacturisten oder Handelsleuten zusammengesetzt ist, jede Verfassung, wo ein oder der andere dieser Stände den grösser» Einfluß genießt, hat ihren eigenthümlichen nicht immer der öffentlichen Einrichtung entsprechenden Charakter, der aber freylich nur meistens für den tiefern Forscher kenntlich ist. In dem reformirten Appenzcll balanciern sich Mehrere Stände und Partheyen gegen einander; so daß nicht leicht auf einer Seite ein, dem ganzen schädliches Ueberge, ivicht, erfolgen kann» Da der Weg von hier nach Gais uns an der Seite des Gäbris wegführte, welches das höchste Gebürg im äus. fern fern Rhoden ist, so stunden wir keinen Augenblick an, den» selben zu besteigen. Die Sonne senkte sich bereits abwärts, und ficng an die grosse Weite, welche das Auge kaum mehr erreichen konnte, mit röthlichem Schimmer zu färben. Wir konnten daher auch auf die Aussicht in die Ferne uns nicht sehr einlassen, sondern mußten uns mit der Betrachtung näherer Gegenstände begnügen. Noch einmal sahen wir hier den Bodensee, welchen die Abcndluft in einige Bewe. gung gebracht zu haben schien. Ueber das Rhcinthal blik, len ww deutlich hinüber bis nach Eins. Unter unsern Füs, sen waren, wie auf einer Landkarte, alle die vielen einzelnen Gebäude, des so stark bewohnten Appenzcller, Landes ver« streut. Wir sahen jtzt erst ganz bestimmt, in welchem ori. ginellen Lande wir waren. Alles ist hier grüner Hügel mit schmalen Thälern durchschnitten. Am Abhang und in der Tiefe, entstehen in minder grossen Entfernungen sehr gut gc. baute Häuser, deren jedes seinen kleinen Springbrunnen, oder seine Quelle in der Nähe hat. Die Wiescnplätze um dieselben sind durchgehends mit Verschränkungen umgeben und öfters dem, auf demselben weidenden Vieh, »och eine Maschine angemacht, daß dasselbe nicht durchschlüpfen kann. Von Acker und Gartenland sieht man kaum einige Spu. rrn, alles ist dem Grasbau gewidmet; häufig erheben sich vom grünenden Boden, schöne Gruppen von Bäumen, auS welchen hie und da ein Kirchthurm herausbricht. Der An. blick 59 den, ärts, mehr Wir nicht tung wir ewe. blik. Füs, lnen ver. ori. mit der t gr. ikn, um den eine >nn. >pu. sich auS An. ck blick des Ganzen ist wirklich eben so anffallend neu als son, dcrbar. Die Erleuchterin des Tages begann indessen sich unter den Horizont hinabzuneigcn, alles lag unter uns im Schatten, nur der Gipfel unsers Gebürgs und die verschie» denen Reihen von Bergketten in Osten und Süden, wurden noch beleuchtet, nun nahmen auch von uns die lezten Strah. len Abschied, wir bliktcn noch einmal nach ihnen, ander Höh'e, der mit Schnee bedeckten Felsen, und senkten uns nach der Tiefe. Wie bcneidenswerth ist nicht der, welcher im Thal, wo Gais liegt, seinen Sommer-Auffenthalt nehmen kann! Ent. fernt vom Geräusch der Welt wird er hier im Kreise froher Menschen leben, und die Natur in ihrer ganzen Fülle ge, messen. Vielleicht treten nirgends so viele besondere Ursa, chen zusammen, welche auf Körper und Geist gleich heil, same Wirkungen hervorbringen, als hier. Man rechnet daher auch oft 2. bis ;oo. Personen, welche sich zu gleicher Zeit, nicht eben des Badens, sondern vielmehr der Schotten oder Molken, so wie der gesunden Luft, und des Wassers menge hier aufhalten. Diese Schotten werden in einer Weite von Stunden, sogar von der Mitte des hohen Mesmers hirhergebracht. Man denke sich den Grad der Industrie, und Betriebsamkeit um etwas zu verdienen ! Des Nachts «m e. Uhr, war der Schotten. Mann, welcher nachmals unser 6 » unser Führer wurde, von jenem Gebürg herabgesteigen, und Morgens zwischen ü. und 7. Uhr war er schon in Kais, blos um einige Portionen Molken Hither zu bringen; er kehrt dann gewöhnlich jene 5. Stunden zurück, und geht die folgende Nacht wieder aus, so baß er jeden Tag i c>. volle Slun. den im Marsch, dieses geringen Geschäfts wegen zubringt. Uns war am Morgen bange, daß wir zu unsrer Vergreise Übels Wetter bekommen würden, da wir die hohen Alpen ganz mit Nebel umlagert, und selbst häufige Dünste von denselben aufsteigen sahen: allein der Senn, welcher uns vorangieng , schüttelte den Kopf und ficherte uns auf den folgenden Tag, einen heitern Himmel zu. Wir traten jetzt über die aussern Roden, in die innern Roden von Appenzell über. Der Abstand ist fast »nglaub. lieh, welcher zwischen den Reformirtcn und Katholischen Distrikten dieses Landes ist. Der verschiedene Glaube hat gewiß hier keinen Theil daran; aber wohl die verschiedene Menschrnbildung und Lebensart, da in Rücksicht des er. stern in dem katholischen Appenzell so wenig geschieht, und in Betreff des zweyten, dort nichts, als Viehzucht; in dem protestantischen hingegen thätiger Fabrickerwerb ist. Der Wohlstand weicht hier auch ganz der nagenden Armuth. Kleider, Häuser, Geschirr, sogar bis auf die Wege und Verschränkungen der Wiesen herab, alles ist hier anders. So. Svk lern stün sich setzei ten gen unte Str unte Mas unte welc vers, Aug fern ru s hieb übe, für lern nrr Sobald man sich einem Ort nähert, wird man von Bett. lern auf allen Seiten umgeben, man darf ihren Unge« stümm nicht geradezu mit rauhen Worten erwiedert», um sich nicht Unannehmlichkeiten von den Landleuthen auszu. setzen. Nach mehreren» Uebcrsteigen von kleinen Hügeln, tra. ten wir in ein breites Thal Mischen hohen Felsen « Gebäre gen, welches unö nach den Alper.See führte. Wir sahen unterwegs mehrere kleine Wasserfalle, die oft in silbernen Streiffen an den Felsen herabriesclten, oft in Staub her. unterfielen, oder sich auch mit Getöß, in stärkere Wasser« Massen, zwischen den Klüften herabstürzten. Besonders unterbrach die Ruhe des Thals, das Rauschen der Sitter, welche aus dem Alper.See sich ergießt. — Indem die verschiedenen mahlerischen Scenen, welche sich hier unsern Augen in der Nähe und Ferne darbothen, einen aus un. serer Gesellschaft, den Crayon ergrei'ffen ließ, um einiges iu skizziren, wußte der Senn nicht, warum wir uns auf. hielten: Er kam also unsern Sitzen näher, lehnte sich oben über, und indem er das Papier erblickte, murmelte er für sich, ha, er schreibt die Berge auf; einen körnig« tern Ausdruck könnte man wohl nicht für den Entwurf ei. uer GebürgSzeichnung finden. Da wo das Thal, näher dem See zu sich verengt, sa« hen 62 her, wir dir ungeheuren Trümmer einer ganzen Felswand, die vielleicht vor nicht gar einem Jahrhundert herabgestürzt war; noch stuhnden oben dergleichen, von der Haupt. Masse abgelößte Wände, die über kurz oder lang ebenfalls «inen solchen Zusammensturz drohen. Nach jedem Winter sind auch die beträchtlichsten Veränderungen von über ein. ander geworfenen grossen Steinmasscn sichtbar. Und ganz frisch erblickten wir kurz darauf von den, über unfern Häup. tern Hangenden Felsen, abgerißene Stücke, die nach der Versicherung unsers FührerS, erst vor wenig Wochen noch herabgefallen waren; so daß also dir Natur dort auf eine sehr merkliche Weise, Zerstörcrinn ihres vormahls geschaffenen Werks wird. Der Älpler. See schien uns nicht ganz die Grösse von i. Stunden länge, die man ihm gewöhnlich beymißt, zu haben; aber seine Tiefe mag un. geheuer seyn: da wir hineingeworfne grosse Steine noch weit im Wasser Hinabfallen sahen. Von hier girng nun endlich der Weg aufwärts nach dem oberen Mesmer zu. Erst am Abend langten wir nach Stunden langem Steigen, wo wegen der Krüm, mungen, wir oft in grader Linie über einander stuhnden, in der Hütte des Senns an. Ohngeachtet er erst v»m Marsch nach Hause kam, auf welchem er über die. stS, ein ziemliches Gepäck getragen hatte, bereitete er doch doch wie ein wahrer Patriarchsogleich unser Abendessen; wahrend daß seine Frau uud Kinder ihm bey diesem Ge- schäfte zusahen. Die Scene hätte verdient gezeichnet zu werden. wie wir zu y. Persohnen , in dieser engen Hütte, meist auf Heu gelagert, um das Feuer herumsassen, und auf verschiedene Weise, unsern Hunger stillten. Beym Schlaffcngehen erhielten wir eine eigene Hütte, auf deren Dach sich einige Ziegen gelagert hatten, die von den oberen Alpen, durch den bekannten Kuhreigen waren herbeyge- lockt worden. Theils die Rückerinnerung an die mancherley neuen Ge, Scnstände, welche uns vorgekommen; theils auch die Begierde von dem, was wir noch vor uns halten, ließ uns wenig schlaffen, und sobald die erste Dämmerung anfieng die Finsternis wcgzuschmelzen, waren wir schon wieder zu neuem Aufwärtssiergen bereit. Dicßmahl kam es mit unter zum Klimmen, indessen gieng noch alles gut, so lange wir vorwärts eilten. Bis, Zeilen standen wir freylich an einer Stelle still, und blick, ten in die ungeheure Tiefe unter uns; aber alles dieses Machte auf unsere schwindellosen Köpfe wenig Eindruck« Endlich, nachdem wir von Felsen zu Felsen aufgestiegen, "uch mehrere Schnee und Eisgefilde überschritten hatten, gelangten wtrl zu der obersten Höhe, wo ein schrecklicher *auher Luftzug uns empfieng. Mit §4 Mit' gleicher Begierde Massen itzt unsere Blicke , die unabsehliche weite, und den Schlund des 21b. gründe», welcher unter uns war: Erst nach dem Ausbruch der allgemeinsten Verwunderung siengen wir an, das Ganze, theilwcis zu betrachten. In der Hälfte des Hort. zonts den wir übersahen, schränkten Tyroler und Schwei. zergcbürge, die weitere Aussicht ein. Schön war der Wie- derglanz der fernern Gletscher und Firnen, von welchen, in Abstuffungen, minder hohe Berge, dem Auge näher la. gen. Der Tag war prächtig Herfür gegangen, doch strit. ten noch Schatten und Licht, zwischen den Tiefen und Hö. hen mächtig gegen einander. Erleuchtet waren alle Gipfel und Abhänge der letztem; aber vergebens bemühten sich unsere Blicke, in daS Dunkel der Thäler einzudringen. Wie Kinder um einen Riesen, sahen wir die tockenburgischen Ge. bürge unter uns; so mancher Felsscheitel lag für uns entblößt , und wir konnten ihn von allen Seiten überschauen. Ganze Züge von Wolken, über welche wir weit erhaben waren, durchstreiften hie und da diese Gegenden, und tru, gen ihre Schatten von Gcbürg zu Gebürg weiter. Gegen Norden suchten wir die Spuren der Gränzen unsers Hori. zonts umsonst, sie mochten sich im Würtembergischen, und andern Theilen von Schwaben verliehren. In Westen waren einige erhabene Linien von Gebürgen, auf welchen der Himmel zu ruhen schien, wovon, wir aber nicht wußten, ob »b wi näher« Theil S- Cai Mittle> die de viellei, Lands Blink unzäh! die unter« rum und < Dtani Seme, öftrer deut« ter, nach kann, Fels« »vrlq die n -e h icke, Ab. Aus, > das Hort. )wei. Wie. Hen, r la. strit. Hö. t'Pfcl sich Wie Ge. ent« lUkN. aben tru, egen >ori» und Wade» ten, sb 65 ob wir sie für die Gränzgebürge der Schweij , oder für nähere Berge halten sollten. Ausser einem beträchtlichen Theil von Deutschland, lagen die Distrikte von mehr als s. Canionen vor uns; in dieser weiten Ferne, erschienen mittlere hohe Berge, als blosse Hügel; und Wälder, tie den Sturm einengen, als niederes Gesträuch; so».f vielleicht nicht unbeträchtliche Flüsse , liessen sich in der Landschaft, nur als zarte silberne Streifen erblicken. Das Blinken der, von der Morgensonne erleuchteten Häuser war unzählich. Wir unterschieden näher bey uns ganz deutlich diegrossen Stuffen des Speichers, Gäbris, und drunter» Mesmers mit allen ihren Intervallen, wo wir bis rum Sentis hinaufgestiegen waren. Der Geyrenspiy nnd alte Mann entblößten für uns ihre Häupter; die Dtanigfaltigkeit dessen, was wir übersahen, war im allgemeinen zu groß, als daß wir mit aller Anstrengung des öfter» Sehens und Wiedersehens, ein nach seinen Theilen deutliches Bild davon hätten abstrahiern können. Ein zar. ier, von der Sonne aufgezogener Duft, erhob sich nun "ach und nach, und verhüllte alles, waS wir bis jetzt er. Eannt hatten, in einen immer dichter» Flor. Längst der Telsenmauer , Mürhli , Oehrlispi; und Nieder», an Eriche wir hinsehen konnten, kamen au- den Klüften, dir man gemeiniglich Wetterhöhlungen nennt, starke Dün< hervor, welche einige Zeit an den erzeugenden Felsen E haw 66 häng«, blieben; bald aber sich in beträchtlichen Massen losrissen, und die Gestalt der Wolke» annahmen. Die G« gend um uns war übrigens öde, auf dem ganzen weiten Gefilde des Berges, über welches wir herabsahen, war ausser einigen unbedeutenden Vögeln keine Spur, von einem lebendigen Geschöpf, alles lag in schaurrvoller Stille: daS Gras wächst hier an den wenigen Orten, wo der Schnee ihm Platz vergönnt, ganz dicht am Boden, und nur sehr selten erheben sich einzelne kleine Blumen über dasselbe; alles übrige besteht in verwitterten Felsen, an denen die Un' gewiltcr geschwelgt, und die oben am Gipfel eine röthlich- te, weiter unten aber, eine weißlichte Farbe hatten. Häufig werden sonst auch auf diesen Höhen, kleine Bergkrystalle gefunden, welche die Hirtenknaben dem Fremden zum Verkauf anbiethen. Ueber die ganze Lage der Ge- bürge, machten wir noch die allgemeine Bemerkung , daß die steilen, oft senkrechten Abschnitte derselben, meist nord< westlich gerichtet waren, daß hingegen bloß gegen Sübe Ost, die vorzüglichste Abdachung derselben ist. Im Herabsteigen waren unsere Tritte unsicher, über den bceiSten Schnee, wir zogen daher lieber die Unbequemlichkeit vor, zwischen den rauhen Felsen herabzuklimmen. Unser Weg gieng nach dem Oehrli, wo wir zu dem Wild. kirchlein hinüber wollten, der Entwurf dieses Vorhabens losch Msch > wir h! uns I hier a Gesas ein n daher che a> Mehrt Alpen ein ei Krais Mahr als m von i 2 Hütte! den d vor t die § »u b> sie bei Merck -kreye- Masse« je Gt> weite« ar aus» einem daS Zchnee .r sehr sseibr; e U«' thlich» »alten. Berg» mden Ge» 67 'osch uns aber weg/ als wir die jähe Tiefe erblickte«/ wo wir hinabsteigen sollten. Ueberhaupt war das Vorwärts / uns besser gegangen , als das Rückwärts / indem uns hier allerley kleine Unfälle begegneten / die das Ideal von Gefahrlosigkeit/ welches wir bisher formirt hatten / um ein merkliches Herabstimmen konnten. Wir neigten uns daher dem Thalez»/ dessen Anblick uns schon zuvor / so man» ehe angenehme Idee erweckt hatte. Unsere Gesellschaft verwehrte sich beym Abwärtsgehen; von mehrern Seiten kamen Alpensöhne zu uns/ welche uns ihre Dienste anboten. Welch rill eignes Gefühl überströmt einen nicht / wenn man im Kraist solcher Natur-Menschen ist! Man bekömmt hier wahrhaftig eine ganz andere Meinung von den Geschaffene«/ als man meist in den grösser» Scenen des Lebens / nicht von ihnen fassen kann. norde Süd, r den nlich- Un» Dild. »den- sch In diesen Thälern / die mit behagten, ruhigen Land. Hütten angefüllt find, wie angenehm und schuldlos schwin» den da die Stunden der Zeit. 2« Frieden ruht man hier vor dem Geräusche und vor den Lastern der Welt; selbst die Stürme der abwechslenden Verhängnisse scheinen sich da tu brechen / wo man der Natur nur daS zugesteht, was ste bedarf, und wo daher der Umsturz von Glücksgütern / weniger möglich ist. Froher Muth, da- eigene Gepräge ^yrr und -zwangloser Menschen herrscht hier auf jedem E » Te. 68 Gesichte; Sprache und Sitten, alle- ist kunstlos. Das trauliche Du mit dem sie Einen begrüßen, flößt daö uneingeschränkteste Vertrauen ein, dessen Mißbrauch bey Ihnen , die größte Sünde seyn würde. Bey einer jener Hüt, tcn , wo Zufriedenheit der größte Reichthum zu seyn schien, kamen uns zwey junge Mädchen entgegen, die nach ihren wilden Zügen es werth waren, Appenzellerinnrn zu seyn; ihr Bruder gieng neben einem unserer Gefährten, sie fragten ihn, wen er brächte, und auf einen freundlichen Zuspruch, umarmten und küßten sie den Fremden mit der Innigkeit, wie nur Töchter der Natur küssen können. Unsere Vorstellungen die wir von diesen guten Menschen gefaßt hatten, wurden indeß in etwas herabgcstimmt, als wir jenseits des Thals im Wißbad, ihren ländlichen Spie, len zusahen. Um r. Vater Unser, sagte Einer, indem er die Kugel aufhob, und sie vor den andern nach dem Ziel hinwarf. Uns waren natürlicher Weise diese Worte unerklärlich. Durch die Verständigung erfuhren wir, daher, welcher am wenigsten wurf, für den andern r. Vater Unser beten sollte. Gott! mit welchen elenden Begrist fen. habendem« vermeyntenDiener, d,e Köpfe eines solche» vorkreflichen Volks angefüllt! Vom Wißbad gicngen wir an der Seite der Alpsigels und des hohen CastcnS nach dem Camor zu. Roch ein« einmal Senns Uns n dem S den da kleinen Und ct Net sie bantor grösser Sktrvff, Seelen für R, Üch im trist, in diese Uer Bc Epinn, stoben Aensch Wirkliq schaftiz sur N1 die yz, 69 Das einmal besuchten wir in dieser Gegend die Hütte eines >aS un, Lenns, und schieden dann über die Grenzen, peS ey Ih« Nns in so vielem Betracht merkwürdigen Landes, nach r Hüt« dem Rheinthal hinüber. Es läßt sich nicht ohne Erstau, schien, Oen daran denken, welche Menschenmenge, sich in diesem ihren kleinen gebirgigten Canton, welcher nur i». Meilen lang, seyn; Und etwas über die Hälfte breit ist, ernährt. Man rech« e frag« Uet sie ohngefähr auf ;r. bis 54000. Seelen. In den en Zu« Kantonen, Uri, Schweiz und Glarus, welche alle weit it der grösser sind, wird kaum die Hälfte dieser Bevölkerung an« r. getroffen; selbst der Canton Solothurn hat beynahe 8,000. Kerlen weniger. Man kan auch hier, zur grossen Lection Regenten, die Bemerkung machen , daß Menschenstoff ^ch immer da geschwind entwickelt, wo er Nahrung an. Erift. Wenn blos Viehzucht der einzige Nahrungszweig '"diesem Lande wäre, so würde vielleicht kaum iZr- je« ! dem Uv» fast alles mehr Senn und Vichhirte ist, wohnen kaum, zwischen io. bis n,oao. Menschen, in dem Reformirten hingegen vielleicht über 4-2,000. Da es den Anschein hat, daß jene Mrnschenvermebrung von Jahr zu Jahr immer fortsteigen werde; so wäre es vielleicht nicht uninteressant, zu untersuchen, auf welcher Seite dereinst wohl die über« häufte starke Menschenmenge sich ausdehnen werde, da sie doch nothwendig genügsame» Boden haben muß, auf wrl- chen sie wohnen kann. Die Leichtigkeit mit welcher im ausscrn Roden Ehen geschlossen, auch in manchen Fällen wieder getrennt werden, mag ebenfalls hier die Bevölkr- rung auf eine ausscrordeneliche Weise begünstigen. Da in diesem Lande selbst, so wenig Frucht gebaut wird / so hängt es in der Rüksicht, ganz von seinen Nachbarn ab ; indessen soll doch, was vielleicht auffallend ist, der Preiß des Getraides in dem Appcnzcller Kantone, fast eben nicht höher, wie in dem fruchtrcichen Schwaben seyn; da hingegen, ohngeachtrt des grossen Ueberffuffcs von Butter, diese hier auch eben so theuer bezahlt'wird, als dort, wo sie Aus dem Appenzellcrland doch in starker Quantität hingebracht wird. Der Ucberschuß welcher indessen an baa- rrm Gelde von Appenzell auö, nach Schwaben, für das LNehr der Früchte nachbezahlt werden muß, mag be» allem allem trächtl scheint derfasi Meind sich al Gerec Staa sezgeb Krieg ches der c zu de rrfol, Erha welct Jndi kenn «mn Den Des. beste der iedei sicir 1 ll, »V» kaum > rmirteu in hat, immer rcffant, e über- da sie uf wel» Her im Fällen zevölkr» gebaut Nach« id ist, e, fast i seyn; i Buk» dort, antitäk n baa» ir das g be, lem allem Gegentaufch der hiesigen Produkte, doch sehr beträchtlich seyn. — Das Gepräge des gebürgigten Bodens, scheint übrigens hier gleichsam, eine demokratische Staats. Verfassung auf demselben ;u erheischen. Die Landes - Ge. Meinde bey welcher die höchste Gewalt ist, versammlet sich alle Jahre zu Ende des Äprill«, und übt hier die hohen Gerechtsame der Selbsibcstcurung, der Ernennung zu den Staarsämtern, der Verleihung des Bürgerrechtes, der Ge. sczgebnng, und selbst im vorkommenden Fall , das Recht, Krieg und Frieden zu fthlicssen auS. Jedes Individuum, wel, cheS über iü. Jahr alt ist, muß dabey erscheinen. Nach der gewöhnlichen Stcüenbesetzung geschehen die Vorträgt iu der Landes. Nothdurft und zu des Landes besten; darauf trfolgt der fcycrlichc Schwur, der ganzen Gemeinde zur Erhaltung und Beförderung des allgemeinen Wohls, bey Kelchen, einer der wesentlichsten Punkte dieser ist: daß jedes Individuum hierunter für sich verspricht, die Rathoev» kenntnisse ZU beobachten , und den Befehlen -es Land. animanns zu gehorchen. Also auch hier, in der reinsten Demokratie, ist ein Repräsentant dcS Souveratns, und Befolgung seiner AuSftrüche, ohne welche das Ganze nicht bestehen könnte. Derselbe wesentliche Punkt der Leitung der grossen Menge von den weniger», kommt daher in ieder Staatsverfassung vor, man mag sie übrigens modi, üctrrn, ober ihr eine» Namen geben, welchen man will. 2n In Rüksicht der Lage des Lande», ist auf keiner Sritt die militärische Gränze der Schweiz fester, al» auf dieser. Man denke sich das vorliegende Rheinthal mit einem an» sehnlichen Fluß, und dahinter die Appenzeüer-Gebürge von Wahren Kraft. Menschen bewohnt, wer könnte sich da schmeicheln, eine solche Linie, mit Erfolg angreiffen zu wollen. *) Eine sehr sonderbare Nebenbemerkung hat man uns, bey Erkundigung über die militärische Stärke, jenes Theils der Schweiz noch gemacht; daß nemlich im ausser» Dienste die Bergbewohner, zwar als sehr gute, aber zugleich, als weniger dauerhafte Soldaten angesehen würden, und daß in der Rüksicht die vom platten Lande einigen Vorzug verdien» ten; man giebt eine sehr vernünftige Ursache darvon an; indem man sagt, daß die Nahrung im Auslande denen hohen Alpenbewohnern, weit weniger analog seye, als den übrigen, und daß daher ihre von Milch erzeugte Säfte, bey andern Speisen und Getränken leichter verdorben wür» den, und zu allerhand Krankheiten Anlaß gäben. Wir können bey dieser Gelegenheit nicht umhin der sehr Verderb» lichtn Gewohnheit zu gedenken, welche selbst in den klein» sten *) Doch drangen die Oestreich» im Jahr 1799. gerade von dieser Seite ohne Widerstand in die Schweiz ein. Ein neuer Beweist unter mehrerer, die wir erfahren haben, daß heut zu Lage an natürlichen Bollwerken weniger als an ihrer geschikten Vertheidigung, gelegen ist. Seite dieser, m an- ze von Ich da sen zu uns, theils )ienste , als >aß in rdien, , an; denen IS den äste, wär. Wir derb« , kleinen dieser Be- Tage Brr- 7Z ßen Kantonen seit einiger Zeit immer mehr einreißt , statt der sonst stärkenden Nahrung nehmlich, entnervende warme Getränke zu sich zu nehmen. Die Consumtion des KoffeeS soll schon in einigen Distrikten so beträchtlich seyn, -aß wegen des dabey verbrauchten vielen Rahms, keine Butter mehr von dort ausgeführt werden kann. Ob nun gleich die ebenfahls sich immermehr verbreitende Industrie des Weben- und Spinnens, zum Theil dasjenige ersezt , was die na, tätlichen Produkte hierunter nicht mehr gewähren; so wird doch im Allgemeinen die ganze Schweizer-Natur dabey so zerstört, daß nach Ablauf einer gewissen Periode, man kaum in den schwächlichen Nachkommen , die so gerühmte Stärke der Vorfahren wird erkennen können. Es scheint sich also hierunter eine Pest einzuschleichen, die für da- ganze Land in der Zukunft die schrrklichstrn Folgen haben könnte. Vom Camor sahen wir das ganze Rheinthal vor uns liegen, die Wendungen des Flusses, welcher ihm den Nah. wen giebt, sind mit unter sehr beträchtlich. UeberauS reizend ist der Anblik der Weinreichen Höhen zur Linken. Man sieht am Abhang und am Fuß derselben eine Menge beträchtlicher Oerter; besonders zeichnet sich das, durch seine Belagerung *) bekannte Altstätte»» aus. *) 2 m Jahr »41». Von 74 Von hier hinauf erblikt man auch die Gegend am Stoß, wo das zweyte grössere Treffen zur Bcliauptung der Freyheit, von den Apvcuzcüern geliefert wurde. Damahls stuhnd ein Graf Werdenberg an ihrer Spift, der aber seinen Harnisch ablegen, und gan; wie sie gekleidet seyn mußte, um mit ihnen zu fechten. Vielleicht noch nie ist, so wie hier, der Sieg meist nur durch Entblößung der Füsse, entschieden worden. Der Graf gieng hierin» den Appcn. zellern mit seinem Beyspiel voran, und lehrte sie dadurch auf dem schlüpfrigen Grase fester» Stand zu halten , von welchem ihre beschuhten Feinde abglitschten, und durch ihr häufiges Fallen einem 4mal schwächer» Heere den Sieg erleichterten. Auf wiesigtcm Grund kamen wir nun immer mehr abwärts, nach einem Fichten «Wald, an dessen Ende die bekannte Erystallhöhle liegt. Wir standen im Vorgrunde derselben , und berathschlagten, auf welche Weift wir wol Feuer b'ekommen könnten, um den dunkeln Schlund zu beleuchten, durch welchen wir hinabwollten. Aus einmal hörten wir von unten herauf ein dumpfes Geräusch, es kam immer näher, und endlich entschlüpfte der Höhlung ein kriechender Mann mit einem kleinen Licht, welcher seit mehreren Stunden unken gewesen , und verschiedene Cr>> stalle zusammengesucht hatte. Kein glüklicherer Zufall hätte unS begegnen können; wir baten ihn den Weg noch einmal anzutreten, über r». Schritte lang krochen wir ihm rük. am g der rahls aber seyn , so üsse, wen» urch von l ihr l er. >mer knde linde wol i» mal , cS ung seit ätte ein. ihm k. 75 rüklingS nach : Wir standen nun in einem nicht gar grossen Gewölbe, neben unsern Füssen rauschte ein kleines Wasser , welches aus einer tiefern Wölbung hervor kam, wir schritten in dieselbe hinein; hie und da blitzte beym Schimmer des Lichts ein kleiner Crystall, *) es war in» dessen nicht ganz das, was unsere Phantasie sich davon vorgebildet hatte. Die Tropfsteine und Mondmilch, welche man weiter hinten findet, reizten unsere Ncugierde eben so wenig, zumahlen, da unser Beleuchter für die Kürze sei» nes Lichtes fürchtete; wir besuchten daher nach kurzem Auf» enthalt, den Tag wieder, ob wir gleich uns überzeugten, daß ein Mineralog vielleicht manches, seiner nähern Untre, suchung würdiges, in dem Hintern Gange, der nach einiger Meinung noch sehr lang seyn soll, finden würde. Von hier über KobelwieS nach dem Hirzensprung , kamen wir zuerst durch Frucht» und GemüSreiche Felder, man geht auf dem Fußsteige von dort, fast durch eine n lünd. lichen Garten, zu dem andern fort, und so sehr was Kuvor die Gebürg. Gegenden angenehm gewesen waren , so sehr ergötzte uns jetzt dieser Gang in der Tiefe. In d-er Gegend des Hirzensprungs, der etwas über 10«. Schritte: lang, und an manchen Orten auch wohl zwischen r». und n. _ Schritte *) Eigentlich kein Trystall, sondern Ralchspalh in Rhomben. G. Lenz Handbuch der Mineralogie vag. i 6 ». Schritte breit ist, sahen wir zuerst einige von den herum, ziehenden Vagabunden Familien, welche unter freyem Hin« mel ihre Kost zubereiteten, und eben nicht daö Gepräge von ehrlichen Leuten hatten. Sie waren in einer Höhlung gelagert, der Dampf ihrer Feuer stieg an mehreren Orten -och empor, ihre Kinder getrauten sich nicht, Wahlschein, lich aus Furcht vor einem grossen Hunde, unS anzubetteln, sondern wichen mit scheuen Blicken zurük. Von den Alten kam nur hie und da «in Kopf über den Rand der Erde hervor, der nach uns hinsaht. Mehr als 6. dergleichen herumstreifende Karavannen, haben wir auf dem Wege, zwischen hier und Sarganü angetroffen. Unbegreiflich hat es uns geschienen, wie man dieses in so kultivirten Län. bern, als jene Herrschaften sind, dulden möge. Es ist freylich wahr, daß die Vielherrschast dergleichen heimathlo» sen Leuten einigen Vorschub leistet; allein da doch so auf. geklärte Kantone hieran mit Theil haben; so sollte man -offen, daß die Sicherheit in jenen Gegenden besser auf. recht erhalten würde; denn wirklich haben wir darüber klagen höre» , daß sogar nach Leuten geschossen worden ist, vnd wir -nd selbst gewarnet worden , uns nicht in jenen Gegenden zu verweilen, oder unser Nachtquartier in densel. ben zu nehmen. . Wir erblikten gleich einen grossen Unterschied, als wir aus 77 aus den gemeinen Herrschaften in die Zürichischr Landvog» tey Sax kamen, Häuser, Kultur, alles zeichneten sich vor jenen aus. Selbst viele Bleichen wurden wir hier gewahr. Wir entliessen in dieser Gegend unsern Führer, der aus dem Wißbad uns hicher begleitet hatte, und der so wie unser erster Wegweiser zugleich ein Glied des grossen Rath- der innern Roden von Appenzell war. Ueber Werdenberg kamen wir, an der sogenannten hohen Mauer vorbey, nach SarganS, und von hier endlich nach Wallestatt. Alle diese Gegenden weichen wieder sehr, von der herrlichen Kultur ab, welche man sonst in der Schweiz findet. Man will besonders im Sargansischen, dessen Boden an sich sehr fruchtbar ist, dem grossen Hang der Einwohner zum Soldatcnleben, die Schuld dieser Ver- nachläßigung beylegen; Allein uns schienen noch andere Ursachen mitzuwirken, die hier anzuführen zu weitläufig seyn würden. Wallestatt ist ein unreinlicher kleiner Ort, der, ob er gleich ehemals dem See näher gelegen, dennoch bis jtzt perivbenweiS sehr viel von seinem Gewässer leidet. Der Hauptgrund hiervon soll in den kießigten Verschlemmungm des Abflusses desselben liegen, da ein herabfliessendrr Berg» ström aus dem Kanton Glarus viele Steine mit herab dringt, welche sich unten vorlegen, und da- Schwellen de- Gees Sees immer grösser machen. Ganze Wiesen und Ländereyen sind auf diese Weise bereits der Raub von ihm geworden, und noch weit mehr ist für die Zukunft zu fürchten, wenn die weisen Vorschläge der Kantone Zürich und Bern nicht von den übrigen Mitherrschaflen angenommen, und auf . Reinigung jenes Ausflusses Rüksicht genommen wird. Man rechnet freylich die Kosten von einem solchen Unternehmen auf mehr als roo, »oo. Gulden; allein sollte nicht, theils das von dem See gleichsam wieder eroberte Land, theils die Verhinderung der jährlichen, so beträchtlichen , und immer sich vergrössernden Schäden, so wie die Rettung von Wallestatt und Wesen hingegen in einigen Anschlag kommen? Die Fahrt auf dem See selbst hat uns übri, gcns nicht so gefährlich geschienen, als sie von Reisebe. schreibern gemeiniglich gemacht wird, denn im äussersten Fall sind doch bey Stürmen , selbst auf der steilsten Seite von halben, ja vielleicht von Viertel zu Viertel Stunden kleine Eylande, wohin man sich retten könnte. Am linken Ufer ist ohne dieß die Anfahrt an mehreren Orten leicht, und überdies garantiert die Vorsicht der Schifleuthe und die vortrefliche Verordnung, daß jede- Fahrzeug nur Jahre lang gebraucht werben soll, die Reisenden für aller Gefahr. Man hört auch sehr wenig, von eigentlichen Versenkungen, oder sonst verunglükten Schiffen. Längst dem vier stündi« gen See her , sind ausser dem so oft beschriebenen Stur» dr« 7 - reyen den , wenn nicht ) auf , Man hmen theils theils und ttung chlag übri, isebe» rsten Seite nden inken icht, d die ahre fahr. gen, lndi. Stur» es des Beyerbachs noch mehrere Herabriefelungen und Wasserfälle , welche mit unter sehr malerische Anblike gewähren. Da der Tag regnicht war, und dichte Nebel sich an den Felsen hingclagert halten, auch der Wind uns entgegen blies; so sahe» wir eigentlich den See, mit in seiner wil» besten und fürchterlichsten Gestalt; aber auch diese hatte Sprache für uns, und wir freuten uns, selbst der schauer- vollen Pracht, einer dem Anblik nach, halb chaotischen Natur. Von Wesen war unsere Absicht, noch einige Excursionen in den Kanton Glarus zu machen, der anhaltende Regen Iwang uns aber dieses Projekt aufzugeben. Wir fuhren nun längst einer Felftnmauer, wo zuweilen das Ausweichen eines andern Lkagcs unmöglich gewesen seyn würde, an der Link herab , bis wir über eine Brücke herüber, nach dem Kanton Schweiz kamen. Die Gegenden, welche wir hier bis nach Lachen hindurch fuhren, schienen uns alle so gut angebaut, daß wir ganz andere Ideen von diesem Kanton bekamen, als wir bisher hatten. Es war freylich nur Nachahmung von der, weiter unten am See sich so sehr auszeichnenden Züricher Kultur, aber man sah doch, daß nun einmahl schon der Hang dazu in den Bewohnten dieser Gegenden war, und daß sie nach und nach auf einen immer hohem Grad steigen wird. Wir hatten auch hier noch den Anblik von einigen Cascade», die durch den Ab- iiurz des vom Regen vergrößerten Waldwasscrs sehr ansetzn, lich waren. Das Bette worin diese Ströme sich nach dem See zu ergossen , war fleißig von Steinen aufgeräumt, welche nachahmenswerthe Sorgfalt wir schon in mehreren Hegenden der Schweiz bemerkt hatten. Mancher Gicßbach wär. würde nicht so viele Verheerungen anrichten können, wenn man mehrern Bedacht auf dergleichen Reinigungen nähme. Lachen an dem oberen See, wo wir gegen Abend hinka. men, schien uns vorzüglich gut gebaut, und überhaupt ein Ort von guter Nahrung zu sevn; wir wollten von hier hinüber nach Rapperschweil, woran uns aber der stürmische Wind verhinderte. Längst dem linken Ufer des Sees setzten wir daher unsere Reise nach Richrenschwyl fort, und kehr. ten am folgenden Tage nach der Stadt zurük, von wo wir ausgerecht waren. Wenn das Hauptaugenmerk eines jeden Reisenden im, mer dahin gehen soll, im größten Detail zu beobachten, wie die Länder beschaffen sind, durch welche er paßirt; um hernach bestimmt sagen zu können, wie sie seyn sollten; so läßt sich dieses von der blossen Durchreise eines Auslän. ders nicht wohl erwarten: Es gehört für den rinhcimi. schen Statistiker , hierüber nähere Untersuchungen und Be. trachtungen anzustellen. Besonders werden seine politischen Calculs erst dann recht wichtig werden, wenn er sie auf die genügende Selbsiständigkeit, und die wegen des ein. reifenden Luxus sich immer mehr vergrößernde Abhängigkeit seines Landes, von andern benachbarten Staaten anwendet, die Resultate davon können nicht anders als höchst aufklärend seyn, und er wird sich hierdurch manches Verdienst um sein Vaterland erwerben. Die Alpenreise. ) V Dies« reizende Schilderung einer Reise über den Pilatusber- und Rigikulm erschien zuerst in N). G. Beckers Taschenbuch zum geselligen Vergnügen, 17,6. und hernach in dessen Dar« stellungcn 179z. zweites Bändchen/ S. r — « 7 . Da in beyde« Werken nicht jedcrman eine Schweizerreise suchen möchte, so glaubten wir eine Luke in unserm Archiv zu lassen, wenn wir sie nicht in dasselbe aufnehmen würden. D, Und ft über s Suren sein r der L in br iicht! Sie, grrsoi tairjs an. irche, die; vollk wvh, hinti Abe, fall« T-l, ltuöber- »enbuch , Dar« beyden > glaub« re nicht i «^reyzeha Seen? (rief ich mit Verwunderung aus) Und sogar den Münsterthurm von Straßburg? — Letztem aber freilich nur an recht hellen Tagen und mit Hülfe eines Luten Teleskops — erwiederte General pfyffcr, der durch sein vortreffliches Unternehmen, einen beträchtlichen Theil der Schweiz nach verjüngtem MaaSstabe in ein Modell ju bringen, allgemein berühmt geworden ist. Diese Aus. stcht möchte ich scheu! versetzte ich wieder. Das können Sie, sagte der General und sogleich bot sich mir sein Schwie» gersohn, Herr von Dürler/ der schon damals das mili. tairjsche Oberhaupt des Cantons war, zum Gefährten an. Der General belehrte uns vermittelst seines vortref. lichen Werks über die ganze Lage des Bergs und über die Wege, dir wir zu nehmen hatten, so, baß wir unS vollkommen darnach richten konnten. Sie werben aber kohl thun , erinnerte der General, wenn Sie nicht die Hintere Fclsenwand hinab klettern, sondern lieber auf der Abendseite wieder hinunter steigen und den Berg umgehen fall» Sw in das Unterwaldner Gebiet wollen; denn jene Trlsenwand ist zu steil und der Versuch zu gefährlich. Archer Herr von Dürler noch ich wollten jedoch von Ge, F 2 fahr 84 fahv etwas höre». General Pfyffcr bestellte uns seinen ^ gewöhnlichen und vorsichtigen Führer, der in der Gegend ^ dieses Bergs wohnte, und wir ritten am folgenden Tage , Nachmittags um vier Uhr von lluzern bis Herrgottswald, und giengen von da vollend zu Fuß bis ins Eigenthal, wo wir in einer Sennhütte über Nacht blieben. Da wir mit kalter Küche versehen waren, so liessen wir uns daS, 2 was wir hatten, recht wohl schmecke», und begaben uns zeitig zur Ruhe, weil wir uns den Morgen drauf sehr früh auf den Weg machen mußten. » Der Führer war befehligt, uns um drey Uhr zu wecken. Er that zwar seine Schuldigkeit , gab uns aber § die äusserst unangenehme Nachricht, daß es regne, und zu g daß wir den Dcrg nicht besteigen könnten. Vielleicht hört Rege eS wieder auf, sagten wir betroffen. Es wird schwer gewa halten, antwortete der Führer, die Fluevögcl schreien ge. thg^j wältig, und ihr Geschrei deutet immer auf böses Wett zuhal ter. Kommt in einer Stunde wieder, sagte» wir miß« ^ svköi muthig, und meldet uns, wie es mit dem Wetter aussieht. ! hen. Da unser Wachen zur Veränderung desselben nichts beitra. § ihn, gen konnte, so legten wir uns wieder aufs Ohr, und uns hosten um vier Uhr bessere Nachricht zu erhalten. Nach. weil richt erfolgte auch würklich zur bestimmten Zeit; aber sie klang wenigstens nicht viel besser. Es regnet zwar nicht > ,j^. mehr > seinen Irgend Tage iwald, nthal, >a wir s das, n uns f fthr hr zu Mehr so stark, sagte der Führer, aber c§ regnet doch, nnd den Berg können wir einmal nicht besteigen. Und warum nicht, wenn eS noch aufhören sollte? fragte ich verwundert. Weil der Weg viel zu schlüpfrig ist, entgegncte der Führer, und man auf Abhängen und auf Schnee leicht ausglitschen kann. Mein Gefährte und ich waren indessen der Meinung, wir müßten unsern Versuch so weit als möglich treiben , und uns dann in unser Schiksal ergeben, wenn sich das Wetter nicht ändern sollte. Wir aßen da. her unsere bestellte Milchsnppe, und machten uns auf den Weg. > ' ^ l aber , und : hört chwer n ge. Wrt, miß. , Geht. ^ eitra. j , und Nach. er sie nicht - Wir hatten noch eine gute Strecke über schöne Wiesen iu gehen, ehe wir eigentlich zum steigen kamen. Der Regen war zwar nicht mehr so stark, aber er näßte doch gewaltig, weil er wie ein starker Nebel fiel. Der Führer that sein Möglichstes, um unS vom Ersteigen des Berges zurück, iuhaltrn. Gesetzt, sprächet, Sie kämen auch glüklich hinauf, so können Sie doch nicht zehen Schritte weit um sich her sehe». Wir kommen so hoch als es gehen will, gaben wir ^M zur Antwort, und nun wagte er es nicht wieder, «ns Vorstellungen zu machen, die doch gewiß sehr gut gr- Meint waren. Hier, meine Herren, müssen wir hinauf, sagte er nach *mrr Weile: folgen Sie mir nur getrost nach, aber ge. 86 btn sie fti» acht, und sehen hübsch vor sich hin. Ick fand bald, daß dieß nöthig war. Der schmale Weg schlang sich ziemlich steil in Zickzack hinauf, und man hatte den Abgrund bald zur Rechten, bald zur Linken, Hie und da waren zwar Lehnen, allein sie waren ziemlich morsch. Auch wurde der Weg so schlüpfrig, daß wir alle Vor» ficht anwenden, und uns mit Nickern Stachelstöckcn fest einhängen mußten, wenn mir nicht Gefahr lauffen wollten hinabzustürzen. Mit Verwunderung erfuhr ich daß das Rind» vieh von dieser Seite keinen andern Weg habe, um auf den Berg zu gelangen , als diesen, und daß cS eine Scl» tcnhcit sey, wenn ja einmal ein Kuh verunglücke. Wir gelangten endlich ziemlich durchnäßt zu einer Senn» Hütte und waren bemüht uns am Feuer zu trocknen, das in einem Winkel der Hütte brannte, und worüber der Kessel stand, in welchen die gemolckene Milch geschüttet Wird, um sie, auf diese Weise in Käse umzuschaffen. Wir liessen uns wieder eine Milchsuppc machen, und über» legten indessen, was zu thun sey. Jedermann widcrricth uns, den Berg voll 'ds zu besteigen; nur ein junger Kerl sprach unS u,*uth zu, und erbot sich, uns zu beglei» ten. Als ich mich , . wenig getrocknet hatte, gieng ich vor die Hütte hinaus , um mich ein wenig umzusehen. Sehr tröstlich war mir sogleich die Entdeckung, daß der Nebel Ich Weg hatte ie unk» ivrsch. Vor» m fest sollten Rind- r auf Scl. Senn« das :r der hüttet »äffen, über» rricth unger »eglei» >g ich ehe», j der bei 87 Nebel etwa« dünner wurde. Ich verfolgte einen Weg zur Linken , und ward durch eine Hecrde von ein paar hundert Ziegen aufgehalten, die mich so eng umgaben, daß ich kaum einen Schritt vorwärts setzen konnte. Die Ziegen sind in den Wildnissen überhaupt sehr gesellig gegen den Menschen , und laufen oft einige Stunden weit mit, dahin» gegen die Kühe, welche auf den Alpen des Anbliks anderer Menschen, als ihrer Hirten, ganz entwöhnen, oft sehr bös sind und in feindlicher Absicht hcrbeplaufen. Je dün. ner der Nebel nach oben zu ward , desto besser konnte ich nun die erstaunlich hohe Felscnwand überschauen, die sich hinter der Sennhütte gerade empor hebt, und oben ein ziemliches Stück überhängt. Etwas über die Mitte hinauf ist eine Oeffnung in dieser Wand, die der Eingang einer Höhle zu seyn scheint, in welchem man eine colossalifche Statue erblickt, die eine kühne Stellung hat, und vor deren linckem Beine ein Felsenstück liegt. Man hat dieser Statue die^auch in Schriften erwähnt wird *) den Namen Dominique gegeben, und sich den Kopf darüber zerbrw Hei,, wie sie i» diese Qcfming habe gebracht werden können. Vielleicht sind diese Träumereien weiter zurück- fangen, bis auf jene Zeit, wo dieser Felsen eine ganz andere Gestalt hatte. Ich nahm däS Teleskop zu Hülfe» wol. S. dieses Archivs erster Band, S. s. 88 welches mir der General Pfyffer mitgegeben hatte, und entdeckte nun, daß die vermeinte Statue , ein blosses Spiel der Natur sey. Der Stein, der vor dem muth, maßlichen linken Beine lag, machte die Täuschung vollkom. men, und ohne ihn würde sie wohl nie Statt gefunden haben. Da der Nebel nicht mehr so stark war, so bc. schloß ich mit meinem Gefährten, den einen Gipfel des Bergs zu besteigen, wenn wir auch auf keine Aussicht Rech. nung machen dürften. Unser Führer schüttelte den Kopf dazu und gieng voran, und der junge Kerl, der sich zur Be. glcitung angeboten hatte, folgte hinter drein. Wir fanden auf diesem Wege eine sonderbar gewachsene Kiefer, die gerade wie ein Cronlcuchter aussah; denn dir Acste liefen alle in gleicher Richtung horizontal aus und waren dann recht Winklicht wieder in die Höhe gewachsen. Nicht weit davon kamen wir auf einen geräumigen Plaz, auf welchem der Blij alle Bäume zersplittert hatte. Vermuthlich hatte daS Gewitter am Berge zwischen den Bäumen selbst gcle. gen, und so diese Verwüstung angerichtet. Je weiter wirkamen, desto steiler wurde der Abhang, und endlich fan. den wir an selbigem eine grosse Strecke weit nichts als Schnee, der von dem Regen und Nebel sehr glatt geworden war. Unsere beiden Führer giengen einige Schritte tiefer unter uns, um uns, wenn wir ja ausglitschten , gleich aufzu. fangen, und wir hiengcn uns gegen den Berg zu mit unsern fern bc, Uhr, als wir denselben erreichten, aber noch immer, hielt des der Nebel die Gegend um uns her verborgen. Doch die Rech. Führer machten uns Hofnung zu heiterem Wetter, weil Kopf der Nebel ausserordentlich geschwind in die Höhe stieg, c Be. Da es uns allen nicht an Appetit fehlte, so ward bcschlos. i auf scn, unser Mittagsmahl zu halten ; denn wir waren mit erade Wein und kalter Küche zur Genüge versehen. Indem wir lc in nun so damit beschäftiget waren, stieg der Nebel noch weit recht schneller in die Höhe, und auf einmal entstand eine Lücke avon in demselben , und auf der andern Seite bald darauf der "och eine, durch welche wir schon den Sonnenschein schim. iatte "lern sahen , der über die Tiefen verbreitet war. In kur- gclc, rem wurden dieser lichten Oeffnungen immer mehrere, und citer nun war es, als wenn eine Menge Schornsteine in die Hö< fan- dr dampften, die aller Well Garküche zu verkündigen nee, icheinen. Endlich sah man auch das Ende dieser Rauch- var. läuten , und — nun schildre sich, wer eS vermag, das ntrr prachtvolle Schauspiel, was vor unsern Augen ausgebrei- fzu. *tl da lag. Es war an sich selbst schon wichtig und rei. un- irnd genug, aber die plözliche Hinwegziehung des ncblich. > n ten * -o ten Vorhangs bewürkte einen unbeschreiblichen Eindruck auf über mich. Lurern lag vor uns da, als wenn man hincinsprin» uns ^ gen könnte, und war doch vier Stunden von uns ent< der A fernt. Man erblickt hier wirklich dreizehn Seen, und über» als b fleht gegen Norden den ganzen Canton Luzcrn und drüber den i hinaus eine erstaunliche Weite bis ins Nieder. Elsaß hin. den l ab. Die Luft war doch nicht ganz so rein, daß ich den vßük« Münsterthurm von Straßburg mittelst des Teleskops mit blaw Zuverläßigkeit hätte entdeken können, ob es mir gleich so bcmc vorkam, als wenn ich ihn in Gestalt eines dünnen Zwirn- fadenS erblikte. Ferner übersah man den größten Theil Nan des Dierwaldstädter» Sees, den gegenüber stehenden Ri. ^ Spr giberz und dahinter die CantoneZugg und Zürich, nebst . Leut den Einsiedler, Gebirgen, und dem Rigi zur Rechten den .. , llUv Canton Schweiz, weiterhin den gebirgigen Canlon Uri, Elg und aus demselben eine fürchterliche Kette von Bergen, ^ von welcher der St. Gotthardt das Haupt zu seyn scheint, ^ und die flch hinter dem Canton Untcrwaldcn hinweg zieht. Wer von einer solche» Aussicht nicht bezaubert wird, dessen Gefühl muß eben so stumpf als seine Augen getrübt seyn. ^ Der Plaz auf diesem einen Gipfel des Bergs ist eben ^ nicht sehr geräumig und hängt etwas gegen Norden zu. Der _ junge Führer, den wir mitgenommen hatten, trat auf eine ') Spize hinaus die flch über den fürchterlichen Abgrund hin« > über über beugt, und jubelte den Kuhreigen her. Es vergieng uns Hören und Sehen bey diesem Anblik, aber es half we. der Bitten noch Drohen: er verließ seinen Plaz nicht eher, als bis sein Gesang zu Ende war. Zulezt legre er sich an den Rand des Abgrunds hin, und bog sich mit dem hal» den Leibe hinab, um uns Aurikeln von der Felsenwand zu vsiüken, von denen ich hier dreyerley Arten, nämlich licht» blaue, braune und gelbe, jedoch ohne alle Schattirungen, bemerkt habe. Der Berg soll von seiner huthartigen *) Gestalt den Namen Alonz pile-uur erhalten haben, woraus durch den Sprachgebrauch pilatusberg geworden ist. Viele gemeine Leute dieser Gegend glauben aber er habe ihn von Pon« tius Pilatus erhalten ,. der sich in den westwärts gegen das Eigenlhal, gelegenen kleinen See gestürzt und darin ersäuft haben soll. Daher ist es auch nach der Meinung, dieser Leute gefährlich, einen Stein hinein zu werfen, weil sonst ein plözlicheS Gewitter darauf erfolge. Die drei Gipfel, aus welchen dieser hohe Berg besteht, der wahrscheinlich schon Unter dir Berge der zweiten Höhe gerechnet werden kan, !wd ganz von einander getrennt, so daß es beinahe einer Tag. ') Nicht von seiner huthartigen Gestalt, sondern weil sein Scheitel fast beständig mit Wolken als wie mit einem Huthe bedekt 'st. S. Archiv l. S.«. -2 Tagrrise bedarf, um von dem einen auf den andern zu kommen, ob man schon den einen Gipfel, das Wiederfrld genannt, welcher ganz aus Versteinerungen besteht, mit einem Flintenschuß erreichen kann. Allcdrey Gipfel stndnakt; tiefer unten aber giebt es auf allen Seiten, wo die Fel- senwände nicht zu steil sind, hohe Tannen und Forenbäm me. Wendet man sich gegen Unterwalden, so 'steht man zur Linken am Berge einen sonderbaren Felsenbau , der ei, nige Aehnlichkeit mit einem veralteten Castell hat. Als ich diesen sonderbaren Bau betrachtete, machte mich unser alter Führer auf einen fthr grossen Raubvogel aufmerksam , der in weiter Entfernung von einem hohen Berge aufgestiegen war und fich gegen die Gebirge der Abtei En« gclberg wendete. Es war ein Lämmergeier, der wegen seiner Wildheit und Schüchternheit nur äusserst selten gesehen wird und deswegen auch in wenig Vogel, Samm, lungen anzutreffen ist. Ich hatte den Auftrag für einen geschossenen sechs Carolins zu bezahlen, aber ich konnte keinen erhalten. Bey der Abtei Engelberg, die doch auch mit zur freien Schweiz gehört, konnte ich meine Verwund/ rung über das sonderbare Gewirre der schweizerischen StaitSverfassungen nicht bergen ; denn was kann auffallender seyn, als mitten in demokratischen Verfassungen einen geistlichen Staat zu finden, dessen Unterthanen Leibeigene sind? Z' errinn gen, Pilatu zurück Aufan terwal es lich uns Mut denn Ruh sich uns lich ja che, ser« auj Zwölf Zwölf Uhr war schon vorüber, und unser alter Führer rrrinncrcc uns, daß es Zeit sey, den Berg wieder hinab zu steigen , zumal wenn wir, wie wir schon geäußert halten, die Pilalnshöhlc besuchen und über Alpnach und Stansstadt zurückkehren wollten. Er machte auch wirklich schon den Anfang, an der Felsenwand, die ziemlich steil nach Un- lerwalden hinunter läuft, hinab zu klettern. Ich hielt es erst für Scherz von ihm; denn es schien mir unmöglich, daß ein Mensch an einer schroffen Wand von so erstaunlicher Höhe hinab zu klimmen vermöchte. Als aber der zweite Führer ebenfalls Anstalt dazu machte, so merkte ich freylich daß es Ernst war. Herr von D. und ich sahen uns einander an , aber keiner von uns wollte weniger Muth verrathen als der andere, und so bequemten wir uns denn auch, uns an dem obern Rande anzuklammern und Ruhepläze für unsere Füsse zu suchen. Die Führer, die steh in gerader Richtung unter uns befanden , empfahlen uns die größte Vorsicht, und commandirten uns gewöhn. I'ch, wo wir den rechten oder linken Fuß hinsetzen sollten; ia zuweilen hatten wir kaum einen Felfenzackcn, auf welkem unsere Ferse ruhen konnten, und dann rutschten un» sere Führer, die wie die Gemse zu klettern verstanden, uns ""f ihren Schultern eine Strecke mit hinab. Ich bin ge- *viß kein Freund von Uebertreibungen ausgestandener Gebühren, und ich habe manche Vergreise in der Schweiz 94 gemacht, die von andern als sehr gefährlich geschildert worden ist, und die ich nicht so gefunden habe: aber die« N^tt se Unternehmung war wirklich zu verwegen, denn sie war der mit augenscheinlicher Gefahr verbunden; und ich kann eben drelchl nicht sagen, daß unsere Mühe dafür belohnt worden wä, *) V re. Bis gegen vier Uhr beengen wir bey grosser Hitze, "ma an diesem steilen Felsrücken, wenn ich ohnqcfähr eine Vier« die 1° telstundc abrechne, die wir in der pilarus. Höhle zubrach. 6e ar teil, deren Eingang ebenfalls mit grosser Gefahr verbunden Kelle war, weil die Ocffnung mitten in der Wand ist und Was. gewel ftr aus derselben heraus lauft, wodurch sie von allen nun 1 Seiten sehr schlüpfrig wird. Da diese« ganze Wagniß kvmr auf Besuchung dieser Höhle abgesehen war , so mußten Hüls wir doch sehen, wie wir hinein kamen. Der junge Füh. der , rer schwang sich zuerst hinein, und reichte uns dann den Arm, fen > daß wir uns ebenfalls besser hineinschwingen konnten. Die Milc Einwohner der Gegend wissen viel von dieser Höhle zu Küh fabeln ; sie bilden sich ein, daß man in derselben wirk» Diei lich trommeln und pfeifen höre. Unser Abentheuer Viel wurde also bloß bestauben , um die Ursache dieses Vor» 4v„l gedeus genauer zu untersuchen, und dazu munterte mich bch die Entthronung drS Dominique in der »ordern Felsen- wand nicht wenig auf. Als unsere Laterne angezündet ^ war, so krochen wir in der Höhle, in welcher von oben ' lauter lockere Frlsenstücke den Einsturz droheten, in dem i Was. jildcrt er die« c war 1 eben » >vä. H'tz-, Vier, !>rach. unden Was. allen agniß ußten Füh. lrm, Die c zu wirk. Heuer Vor. mich 'lsen. inbet oben dem 's. Wasser fort, bis uns endlich der Felsen in den Rücken schnitt. Da vernahmen wir dann, daß ein Wasserfall in dem Innern des Felsens jenes Geräusche hervordringt, welches für Trommel, und Pfeifcnton gehalten wird. *) Weiter ist in der Höhle nichts merkwürdiges, ausser etwa die sogenannte Mondmilch, die darin tropft, und die sogleich zu einer kalkartigrn Erde wird, so bald man sie an die Luft bringt. Da rü sehr kalt darin war, so hielten wir uns auch nicht lange auf. War eS schwer gewesen, in die Höhle hinein zu kommen, so war et nun des Wassers wegen noch schwieriger wieder heraus zu kommen. Unsere beiden Führer leisteten uns jedoch gute Hülfe. Indessen waren wir sehr froh, als wir un< wie» der mit gewöhnlichem klettern behelfen konnten. Wir tra« fen bald auf eine Sennhütte, wo wir vergeblich frische Milch tu erhalten hosten, und wurden mehrere Heerdrn Kühe gewahr, die uns eben nicht freundlich begrüßten. Dieser Berg , der in den untern Gegenden vortreffliche Viehweiden hat, soll während des Sommers allein über 4vsc>. Stük Rindvieh ernähren, ohne die Ziegen und bchaast ju rechnen. Gewöhnlich bleiben die Hirten von der *) Schon Scheuchzer hat diese Höhlen»Musik, die von den Anwohnern Lergkimgein genennt wird, als ein Spiel verbor» gener WasskiMe. natürlich erklärt. S. -essen Sreographia, S, «s. S. -6 der Mitte deS May bis auf den St. Gallustag auf hiesigen ^^ Alpen; da nicht jeder von ihnen einen eigenen Alp hat, der an so bezahlt ein Senn, der etwa 25. Kühe besitzt, dem Ei« stiege« genthümer der Alp 250. Gulden für benannte Zeit. Erst um sieben Uhr des Abends waren wir, ohne uns weiter aufgehalten zu haben, wieder am Fuß des Bergs; und ^ da H. v. D. den andern Vormittag der Versammlung P' des grossen Raths beiwohnen wollte, und ich in Untermal« ^ den schon einige Male gewesen war, so schifften wir unS i »och diesen Abend bey Alpnach ein, liessen uns auf Ln« zcrner Grund und Boden aussetzen, und giengen dann ^gi I vollends zu Fuß nach der Stadt, weil wir zu Wasser viel ki später angekommen wären. General Pfyffer verwunderte sich über unsere Verwegenheit: doch sie war gelungen, ^ und ich wußte mich in der That nicht wenig damit — denn ^"rge ich dachte nicht daran, daß sie um so thörichter genannt W zu werden verdiene, je weniger dabey eine wichtige Ab« ei ficht zu erreichen gewesen war. ^reff < anders Das Klettern auf Bergen war mir freilich sehr ange» andern nehm geworden; und wer einmahl hinein kommt, kann sich sergz^ selten wieder heraus finden, so lange er gesunde Beine hat niß, , und hauptsächlich darauf ausgeht, sich an den erhabenen eigene Schauspielen der Natur zu vergnügen. Es geht ihm wie spiel, dem Ehrgeizigen der sich immer höher zu schwingen trach« Teilen tet, iesigcn hat, n Ei« Erst vciter und ilung rwal, uns L»- dann viel drrtt gen, denn mnt Ab- ngü. sich hat nen wie achte 97 tet, nur mit dem Unterschied, baß dieser nicht selbst wieder ans Hinabsteigen denkt, jener aber gern von dem erstiegenen Berge wieder in ein wirthliches Thal hinunter blickt, das ihm Erholung und Ruhe verspricht. Ich hatte kaum von meiner beschwerlichen Reise über den Pilatusbcrg ein wenig ausgeruhet, als ich beschloß, auch dem Rigiculm einen Besuch zu machen, und bey dieser Gelegenheit noch einige intercßante Gegenden zu be- weisen. Die kleine Republik Gersau, die am Fuß des Rigj liegt, war ebenfalls mit in meinem Plane begriffen, und kostete mir nur einen halben Tag mehr. Mein gefälliger Wirth besorgte mir eine Gondel und einen Führer, ^r aus Gersau war, und so schifften wir uns beyde des Morgens bey guter Zeit ein. Wer noch nie auf dem Meere gewesen ist, weißt sich 'Uit einer langen Wasscrfahrr auf einem Schweizer-See ^>t genug zu machen. Es gieng mir damahls nicht anders, wiewohl ich den Vicrwaldstadter und so manchen andern See schon befahren hatte. Auf einer grossen Was- ürffäche hinzuschweben, bleibt immer ein wichtiges Ereig. ^ und die Gegenden umher in ^voller Ruhe aus ihrem ^Serien Spiegel zu beschauen, ein sehr angenehmes Schau- fp'el. Besonders von Luzern aus , hat man auf allen leiten vortreüiche Ansichten und hier, wo der See sich, G zur 98 zur Rechten nach Untcrwalden, und zur Linken nach der Gegend von Küßnacht erstreckt, ist dieser schöne Wasserspiegel in der That von beträchtlicher Breite» Es war nun das dritte Mahl, daß ich diesen See be< fuhr, und die Gegenstände um mich her, waren mir noch interessanter geworden. Zur Rechten der stolze Pi- latus-Berg mit seinen isolirtcn Spitzen, bey dessen Anblick mir alle Gefahren wieder gegenwärtig waren , denen ich mich ausgesetzt hatte, und an die ich nun mit Vergnügen zurück dachte: Gegenüber zur Linken der minder hohe und freundliche Rigibcrg, dessen Spitze ein noch angenehmeres Schauspiel verspricht, als die Zakcn des Pilatus, Berges, weil seine Lage freier ist, und die hohen Gebirgsketten sich mehr um ihn herum ziehen! Vor sich der geräumige See, der sich zwischen bewachsenen Bergen durchdrängt, und immer schmäler wird, je näher man den Gegenden kömmt, wo die drei Helden aus Schweiz, liri und Unterwalden den ersten Bund beschworen! Und nächst diesen Hauptparthien so manche untergeordnete, die das Auge anziehen, so manche malerische Landschaft, so manches wichtige Plätzchen in dieser Wiege der schweizerischen Frc«p heil! Für Reisende, welche diesen See einige Zeit nach mir befuhren, hat itbbs kaxnsl die Aussicht umher nick einer Merkwürdigkeit vermehrt — mit einem Denkmal . st- -9 >ach der sserspie- Lee be< !N mir lze Pi- Anblick len ich gnügcn he und nehme- i.Bcr- ebirgs- >cr ge- durchs m den z, Uri nächik ie da- ianche- > Fred- t nach er nii^ mkmak für für jene drei Vcrschworne, welches er damals zu errich. ten beschloß, als ich kurz vorher eine Alpenreise mit ihm Machte, und über den ncmlichen See nach Luzcrn, wo wir uns trennten, in seiner Gesellschaft zurückkehrte. Dieses Denkmal war wenigstens gut gemeint; aber wie kleinlich muß es nicht gegen die grossen Massen umher er» scheinen, die alle eben so viele Denkmäler eines und eben desselben Gegenstandes sind. Hätte es für die Schweizer eines solchen Denkmahls der Kunst bedurft, so giebt eS einen Ort, wo es die treffendste Wirkung gethan haben würde, und auf den ich dm Lbbe kaynsl in dieser Hin, sicht damahls aufmerksam machte. Weiter oben wo sich der See, unweit von Wilhelm Teils Capelle, rechts nach Alkdorf, dem Hauptflcken des Cantons Uri, hinum« dreht, ragt an der Bergecke., nicht sehr fern von den drey Brunnen, wo der Bund soll beschworen worden seyn, ein isolirter pyramidenartiger Fels aus dem See empor, hinter welchem das Wasser wegspühlt. Dieser Fels, der gleich, sam gegen alle drey alten Canlone gerichtet ist, würde, wenn er durch die Kunst etwas mehr Form und eine ein« sache Inschrift erhielte, das passendste Denkmahl beS schweizerischen Frcyheitöbundes seyn. Aber wozu bedarf eS ha eines Denkmals, wo selbst das Kind so bald es der ^iege entlaufen ist, alle Umstände jener Sistung mit Na, Wen und Jahrzahl an den Fingern herznerzählen weiß? 2» G 2 jedem IOV jedem Busen klopft dieses Gefühl empor, und es scheint, als ob noch manches Jahrhundert vergehen könne, ehe dieser schwärmerische Geist von den Einwohnern dieser Felsenklüfte weichen werde. Wahr ists, daß die durch die ruhinwürdigste Tapferkeit erworbene und durch die Zeit geheiligte Freiheit für die Bewohner dieser Gegenden in vielem Betracht ein wirkliches Gulh ist: aber ein grosser Theil dieser errungenen Freiheit besteht in der Einbildung, und wie viele Beispiele von demokratischem und aristokratischem Despotismus lassen« sich nicht in allen Kantonen der Schweiz auffinden! Diesen Bergbewohnern scheint jedoch die Freiheit eigenthümlich von der Natur selbst bestimmt zu seyn. Auch der Acrmste fühlt fich dadurch reich; und der Reichste würde beinahe verarmen, wenn er die Lasten eines grossen Staats bei der Armuth seines Bodens in jetzigen Zeiten sollte tragen helfen. Lächeln muß man indessen über den Argwohn, die Eifersucht und den Nationalhaß dieser Leute gegen alles, was Oefter- rcichisch heißt. Es scheint als ob sie täglich Fcindseligkei- ten zu besorgen hätten, so rege ist ihre Wachsamkeit oder vielmehr ihre Schwärmerey, die denn aber doch mit Billigkeit beurtheilt zu werden verdient — O ihr könnt ruhig schlaffen gute Leute r Eure Ländchen können das nicht zollen waö die, nöthigen Einrichtungen, euch zu beherrschen kosten kosten > fürchte daß si Uli und d ten, r Gondl Gegen es dui ten L« Zeital der H über Tell s «tsten öarn wus Tapf Luvn derr, tiger den- ehen eben Bon cheint, che die« Fclstn" -ferkeit ür die klicheS reiheit demo» - nicht Berg« on der )>t sich .mcn, rmuth Lä« rsucht >ester« ligkei« r oder gillig, ruhig »t zol« rschen sten kosten würden, und sind die sichersten Festungen für euren fürchterlichen Nachbar wider einen mächtigen Feind, ohne baß sie ihm einen Batzen kosten. Unter ähnlichen Unterhaltungen mit meinem Begleiter und den beiden Schiffern, die mich sehr angenehm beschäftig, in, waren wir in dieser romantischen Gegend auf unserer Gondel ein gutes Stück vorgerückt. Romantisch ist diese Gegend i» aller Absicht; sie ist es durch ihre Lage, und ist es durch ihre Bedeutung für die Geschichte dieses intercssan, ten Landes. Jede Gegend erinnert hier an das heroische Zeitalter der Schweizer, das, in dieser Rücksicht, neben ber Heldenperiode Griechenlands glänzet, und weiset noch über dasselbe hinaus auf die fabelhafte Zeck, wo Wilhelm Tell sich zuerst der Tirannei widersetzte, und vielleicht den ersten Keim zur FreiheitSliebe in den Gemüthern seiner Nach» barn pflanzte. Erinnerungen wie diese Beispiele von PatriotiS, wus wie der eines Winkelried, Beweise von altgrichischer Tapferkeit wie gegen Karl den Kühnen von Burgund, wie gegen Ludwig XI. als Dauphin, wie bci Eempach und in vielen an- bern Schlachten, durch welche die Schweizer die ungleich mäch. ^gern Feinde in Schrecken versetzten, sie mochten siegen oder ster» — solche Erinnerungen dringen Bewunderung ab, und machen den Schauplatz, von welchem alles das ausging, gewiß *ben ,o merkwürdig, als es die romantischen Spurendes alten R°ms oder Griechenlands sind. In, IVL Indessen näherte sich uns eine Gondel, die wir schon Gelegen lange von weitem gesehen hatten, und die den Weg nach sti, du Luzern nahm. Schon begrüßten sich einander die Schiffer, Endlich und wie angenehm war Uiberraschung auf beyden Seiten, auf vc> als ich von zwei Reisenden meinen Namen nennen hörte, letzte D und zwei Freunde in ihnen erblickte, die ich hier zu finden liebsten nicht vermuthet hätte. Sie sprangen sogleich zu mir über, so lmu und unsere Freude war um so herzlicher, je unerwarteter Begrüi unser Wiedersehen in einem fremden Lande und in einer so de des romantischen Gegend war. Wir harten uns das Wescnt« vhngcf lichste unserer Geschichte, seit wir uns nicht gesehen hatten, sehr Schütz bald mitgetheilt, und besprachen uns nun über die Gegen- > wachst den die wir gesehen hatten. Meine Freunde kamen aus Hüttei Italien und waren von Mailand über den I.axo Maggiors Mals durch das Livinerthal, und über den St. Gotthardt gekommen, uns e eine Reise die ich -r. Jahre vorher in Gesellschaft eines Basler« rurs, Freundes hinwärts ebenfalls gemacht hatte. Wir errinnertcn Gonv uns der herrlichen Aussicht vom Dom in Mailand, der borro- üdock mäischcn Inseln dcs schönen 1.2x0 äl lmgano, einiger Herr- w köi lichen Parthien des Livinerthals beim Latifer und unterhalb Fahr Airolo, und dann der schönen Bergstraße von St. Gotthart Gewi herab mit der Teufelsbrücke und den rauschenden Fällen der lvisse stürzenden Reuß, nebst noch andern Berggcwässern, die Stm letztere in ihr felsiges Bette aufnimmt. Wir besprachen stnd, uns darüber wohl eine Stunde, und ich bemerkte bei dieser anlai Ge- r schon 'g nach r'chiffcr, Zeiten, hörte, ! finden r über, >artcter !iner so Vesent« !n, sehr Gegen- > n aus >88>oro mmcn, Saslcr- inerten borro- herr- tcrhalb Mhart en der , die rächen dieser Ge- Gelegenheit, daß es in aller Absicht noch weit intressanter sei, die nämliche Reise hinwärts als herwärts zu machen. Endlich errinncrtcii uns die Schiffer, daß wir doch nicht auf dem See bleiben könnten; und da wir ganz entgegensetzte Wege zu nehmen hatten, so schieden wir unter den herzlichsten Umarmungen auseinander, und winkten uns noch so lange mit Schnupftüchern zu, bis die Entfernung diese Begrüßungen unkenntlich machte. Nach einer halben Stern, de befand ich mich dem Flcken Gerseru ziemlich nahe, und ohngcfähr in der nämlichen Richtung, von welcher Franz Schütz, jener große verstorbene Zeichner, ihn mit seinem bewachsenen Berge und den auf demselben hie und da zerstreuten Hütten auf Papier brachte. Dieses Unternehmen hätte da, Wals sehr übel ablauffen können, denn vermuthlich hielt Uns ein argwöhnischer Republikaner für kaiserliche Jngeni, rurS, und schoß auf uns. Zum Glück pfiff die Kugel neben der Gondel vorbey, und wir räderten eilig aus Land, ohne jedoch eine Spur unsers geheimen Scharfschützens entdecken °u können. Dießmal lief alles eben so ruhig ab, als die ganze Fahrt, deren Ausgang beim erstenmal durch ein heftiges Gewitter mit Sturm sehr mißlich gewesen war. Denn ge, ^iffe Gegenden auf diesem See sind allerdings bey grossem Sturme um so gefährlicher, da die Fahrzeuge sehr schlecht swd, und mau wegen der steilen Fclstnwände nicht überall anlanden kann. Die ganze Kunst der Schiffer ist dann nur dar- 124 darauf gerichtet, daß die Gondel nicht in Gefahr kömmt, i an eine Felsenwand geschleudert zu werden. Es war mir in mancherlei Hinsicht interessant, mich' rn diesem kleinen Freistaate zu befinden , welcher den See, und den dicht hinter dem Flecken gelegenen Berg, der nur eine Stufe des Rigibergs ist, zu Grenze» hat. Man rechnet die Bevölkerung dieses souvcrainen Staats, der sich bloß um mehrerer Sicherheit willen unter den Schutz des Cantons Schweiz, seines nächsten Nachbars, begeben hat, in allem auf yoo. bis iooo. Personen, wovon aber kaum ! die Hälfte im Flecken selbst wohnt. Die übrigen Einwohner sind in Berghütten vertheilt , haben aber einerlei Rechte mit jenen. Versau hat einige gute Gebäude, worunter hauptsächlich die Kirche und das Gcmeindhaus zu rechnen sind. Auch giebt es wohlhabende Leute da; denn der Speditionshandcl ist wegen der Waaren , die über den St. Gotthardt nach Italien gehen oder aus Italien kommen, nicht unbeträchtlich. In den ältesten Zeiten stand diese kleine Landschaft, wie alle benachbarte, uneerOesterrcichischcr Herrschaft; nachher war die gänzliche Gerichtsbarkeit mit allein Zubehör, entweder durch Verpfändung, oder durch Ucberlassung, an die Edlen von Movö in Lucern gekommen, von welchen sich die Einwohner um 6yc>. Pfund loß und frei gekauft haben. Uri, Schweiz und Unterwal- den h und, in de darac findn Schr und darai bcrci wie Hän anm Laut Anzc lichc der ^ übri fälle drei und ich von den den kömmt,! , mich cn Set >cr nur Man der sich utz des n hat, : kaum ! wohner Rechte wunlcr rechnen in der m St. NIMM, se klei» bischer t mit durch >ekom« Pfund erwal» den den hatten sie aber schon r;rz. mit in ihren Bund gezogen, und als endlich Luccrn dazu trat, so wurde Gcrsau i;;y. in denselben von neuem aufgenommen. Freilich mußte e- darauf in den Kriegen auch Mannschaft stellen, und wir finden die Gersaucr bei einigen Schlachten, wo sich die Schweizer nngcmei» tapfer hielten , i;86. bei Sempach und und i;;r. bei Cappell; sie bilden sich auch nicht wenig darauf ein, und thun, als wenn sie beständig zum Kriege bereit wären. Die Verfassung dieser kleinen Republik ist, wie sich leicht erwarten läßt, ganz demokratisch. Die Häupter, deren es fünf giebt, und welche die Titel: Land« ammann, Statthalter , Scckelmeister, Landweibel und Landschrcibcr führen, imgleichen die Rathsherren , deren Anzahl sich eigentlich auf«-, belauft, werden an dem Mr. lich gehaltenen Gemcindetage gewählt. Bloß das oberste Haupt, der Landammann, bleibt zwei Jahre in seinem Posten; die übrigen werden alle Jahre neu erwählt. Bei wichtigen Vorfällen werden die Rathsglieder verdoppelt und auch wohl ver. dreifacht; letzteres findet hauptsächlich bei Criminalsachen statt. Ich brachte hier den Mittag zu , sah mich ein wenig um, und erkundigte mich nach allem , was mir wichtig war. Da ich aber auch an diesem Tage noch gern die Aussichten vom Nigiberg genießen wollte, so machte ich mich nach dem Essen mit meinem Führer zeitig auf den Weg; denn denn ich hatte noch vier Stunden bis ans kalte Bad , wo ich übernachten sollte. Wir stiegen allmählich in die Höhe, und als ich eben in einer großen schattigen Parthie verweilte, holte unS ein junger Bauer ein, der ohngcfähr zwanzig Jahre haben mochte. Sein offnes natürliches Betragen gefiel mir eben so sehr als seine gute Gestalt und Gcfichtsbildung. Er blieb bei uns stehen, besah mich vom Kopf bis auf den Fuß; und fragte dann meinen Führer ganz laut wer ich wohl sei, und was ich hier wolle. Die Frage war an sich sehr na« türltch, weil dieser Weg gewöhnlich nur von Einheimischen bettelten wird, und man weder auf den Rigibcrg, noch nach dem Flecken Schweiz, seinen Weg über Gersau nimmt. Da er hörte, baß ich den Rigi besteigen wollte, so konnte er seine Verwunderung nicht bergen, warum ich nicht einen nähern Weg genommen und gerade diesen gewählt habe. Es war sichtbar, daß ein republikanischer Argwohn bei ihm aufstieg. Ihr seid gewiß ein Kaiserlicher: sprach er mit einigem Trotze, und wollet sehen, wie den Versauern beiznkommen sei? Nein sprach ich, so nahe Nachbarn find wir eben nicht» ob ichs gleich wünschte um öfters einen Sprung in die Schweiz mch chen zu können. Nun wo seid Ihr denn her, wenn Ihr krin Kaiserlicher seid? fragte er weiter. Aus Sachsen, er. wiederte ich: Ihr werdet doch von Sachsen gehört haben? Nein, davon habe ich noch nichts gehört, war seine Antwort : aber Ihr redet ja deutsch; liegt denn Sachsen auch bei beiDe land, Reichs setzte e schen? die V iu St samkc Kaisei suchte verstä würz, schüt U fortg aber ge, Kric Dar wen wär rein Gej wvl d, wo ! Höhe, rlvcitte, > Jahre fiel mir ! g. Er »Fuß; ohl sei, :hr na« nischcn ^ h nach ^ . Da ! ir feine nähern s war Weg. Lrotze, Nein b ichs j mar 'Ihr i/ er« abcn? Aiit- auch bei bei Deutschland 7 Ja wohl, sagte ich, es liegt auch in Deutsch, land, und ist eine der schönsten -Provinzen des deutsche» Reichs. Nun so müßt Ihr ja ein Kaiserlicher seyn, ver. setzte er dagegen, denn der Kaiser ist ja das Haupt des deut. schcn Reichs — Ich gab mir Mühe ihm das zu erklären und die Vereinigung der Eidgenossen kam mir dabey recht gut iu Statten: er hörte mir auch mit der größten Aufmerk. samkcit zu, nur konnte er nicht begrciffcn, wozu wir einen Kaiser brauchten, und warum wir seiner nicht los zu werden suchten. Auch hierüber suchte ich ihn jo viel als möglich zn verständigen, aber seine Vorurtheile hatten viel zu tief gewurzelt, als daß es mir damit hatte glücken können: er schüttelte den Kopf und blieb bei seinem Satze. Unter diesen Gesprächen waren wir eine ziemliche Strecke fortgestiegen. Der Führer mischte sich nicht viel darein, aber der junge Mann war sehr neugierig. Die erste Frage, die er nun an mich that, war, ob wir itzt keinen Krieg hätten. Nein, sagte ich, wir leben itzt Gott sei Dank! mit unsern Nachbarn in Friede. Er schien an meiner Aeußerung kein sonderliches Behagen zu finden, und wünschte sich Krieg, um seinen Muth gegen die Ocster. sicher zu zeigen. Waö ich ihm auch wieder das traurige Gefolge des Kriegs, das ihm freilich unbekannt war, sage» mochte, schj^ hoch immer nicht viel Eindruk auf ihn zu ma. io8 machen. Ich gab mir daher Mühe, ihm ein recht leb« Nc Haftes Bild davon zu entwerfen, und nun neigte sich hin Bäum kriegerischer Geist zu sanfteren Empfindungen; wenigstens ! schlag, scheinen Heldenmut!) und gutes Her; mit einander in I welche Kampf zu gerathen. Er begriff doch nun mein Nachdruck- städtei liches »Gott fei Dank!» was ich vorhin geäußert hatte, ^ ließ m und ließ es gut seyn. Ja, es schien sogar, als ob er seinen und l erweichten Gefühlen wieder mit Erinnerungen aus der eine ! Heldenzeit seiner Vorfahren zu Hülfe kommen müsse, denn I Führe der gute Mensch war ganz wcichmüthig geworden. Ich legten sprach daher mit einiger Warme von seinen tapfern Vor, fahren, und die Bekanntschaft, die ich mit den Begeben, heitcn jener heroischen Epoche errieth , gewann mir sein ganzes Herz. Es that ihm wohl, daß er sich mir begreiflich machen und über alles, was darauf Beziehung hatte, mit mir sprechen konnte. Als er dann vollends hörte, daß ich fast alle jene berühmte Schlachtfelder mit eignen Augen gesehen, und ihm nun vom Beinhaufe bei Murtcn erzählte, und was ich im Werner Zeughaufe von Helmen und Harnischen aus jener siegreichen Schlacht gefunden; da schlug er mit traulicher Wärme seinen Arm um mich herum, und nahm sich fest vor, eine Wallfart zum Bein, Hause beiMurten zu machen, und hann jene herrliche Ueber, bltibfel im Berner Zeughause zu besehen, wohin r» noch niemals gekommen war. wicde ernst. zwar Begr stand ganz tu H sprai nicht ther< Erst Fuß ich ther dies. Nach- cht lcb- ch siin nigstens idcr in -drück- hatte/ : seinen us der , den» . 3 » Vor, 'geben, ir sein egrcif- hattc, )örte, llugen cn er, elincn >iden; mich Nein« lebcr, noch Nachdem wir eine Weile zwischen hohen und starken Bäumen fortgegangen waren, und uns etwas links ge, schlagen hatte»/ kamen wir auf einen lichten Platz, von welchem ich eine angenehme Aussicht auf den Vierwald- städter See und die benachbarten Gebirge hatte. Ich überließ mich diesem einladenden Schauspiele einige Zeit lang, und bemerkte erst/ als mein junger Republikaner mir auf eine Frage die Antwort schuldig blieb / daß er nebst dem Führer unter einem benachbarten Baume vor einem gehet, iigtcn Bilde kniete. Es daurete nicht lange/ so stand er wieder neben mir. Ihr seid doch auch katholisch? fragte er mich mit treuherziger Vesorgniß. Nein/ sagte ich; ich bin zwar eben so gut ein Christ wie Ihr seid / aber nach euer» Begriffen bin ich ein Ketzer / denn ich gehöre zu den Prote. stanken. Diese Antwort kam meinem jungen Freunde ganz unerwartet, und man sah ihm an / daß es ihm sehr iu Herzen gieng. Also seid Ihr auch calvinisch gesinnt , sprach er mitleidig, wie die Zürcher und Berner? Auck das dicht / erwiederte ich ihm: Ich bin eigentlich ein Lu. ^eraner. Wie? Was? ein Lutheraner! rief er mit Erstaunen aus, und besah mich vom Kopf bis auf den Fuß? wie? Ihr seid ein Lutheraner! — Nunja, entgegnete ^ ihm, was denkt Ihr euch denn unter einem Lutheraner? — Er blieb mir die Antwort schuldig/ denn diese. Entdeckung beschäftigte ihn zu sehr. Das ist doch, doch, bei Gott, Schade! rief er in feinem schweizerischen derer ^ Diskette aus, stieß mit dem Ellbogen an den Arm meines die Lc Führcrö, und sah ihm inS Gesicht, was er dazu meine. > lvrt, Dci Gott, das ist Schade l wiederholte er noch einige Male, "r P und der gute Mensch schien nicht wenig um mich bekümmert gute zu seyn. Wäre ich eiu Calvinist gewesen, so hätte er es Calvir «och hingehen lassen, denn er wußte wohl, daß es unter letzte den Eidgenossen Calvinisten gab, und daß diese ddch nicht man ' ! ganz schlimm seyn konnten. Von Lutheranern aber mach» sten r te er überhaupt nicht viel, wenigstens nicht viel Gutes ge» Heien hört haben, und daher schien es ihm bedenklich, als ich Sen s> mich für einen Lutheraner erklärte, weil er doch einmal Weisel für mich eingenohmcn war. Es war in der That wahre der a Thcilnehmung, die ich an ihm wahrnahm, und ich hielt ru k> «s für nothwendig, sei» gutes Herz meinetwegen wieder Chris zu beruhigen. Die Lutheraner, sagte ich, sind eben so gu, uns te Christen, als die Katholiken und die Calvinisten; und in der Glicht Hauptsache kommen sie alle überein. Freilich glaubt jede Chri! Parthei, die richtigere Lehre zu haben, und hält daher alle ^ andere für Ketzer; aber das sollte keine von ihnen thun, Füh, denn ein Ketzer ist ja eigentlich nur ein solcher, der sich du? Wider bessere Einsichten und Gewissen zu einem Glauben ^ bekennt , der ihn nicht überzeugt, und den er für irrig ich § hält. Hierauf wußte er nichts zu erwiedern; nur das kam zu i ihm sehr lustig vor, daß die Katholiken in den Augen am x derer jerischen meine- meine. Male, emmert e er es i unter > nicht moch» tes ge» ^ls ich einmal wahre l hielt wieder so gu, in der ^ jede er alle thun, r sich ruben irrig lkani > an» rcr derer Christen ebenfalls als Ketzer erschienen. Wenn wir die Lehrsätze des Christenthums treulich befolgen, fuhr ich fort, und unserm großen Vorbilde durch Ausübung unfe, ler Pflichten ähnlichzu werden suchen, dann sind wir gute Christen, wir mögen Lutheraner, Katholiken oder Calvmisten heißen. Freilich aber sind wir alle verbunden, letzte ich absichtlich hinzu, die Lehrsätze unserer Kirche, die man uns von Jugend an beigebracht hat, für die wahre» sten und sichersten zu halten; denn wir selbst sind Parteien, und können nicht Richter seyn. Aber eben deswe» gen sollen wir uns um so duldsamer gegen einander be. weisen, uns als Brüder lieben, und uns gegenseitig einander aufmuntern, dem Sinn des Christenthums immer näher zu kommen, um die vortreflichen Grundsätze, die uns Christus gelehrt, uns dergestalt eigen zu machen, daß sie uns zu natürlichen Gesinnungen werden, und daß wir gar nicht mehr anders , als christlich , oder den Lehren des Christenthums gemäß, denken und handeln können. Höre nur! sagte der junge feurige Mann zu meinem Führer; ich habe dir noch nie so etwas gehört: was meinst ^ — Er hat doch wohl recht. Alles, was er äußerte, wa» so wahr und herzlich, daß ich seine Neugier über alles, was er von den Lutheranern tu wissen verlangte, gern befriedigte. Erhalte, »gleicht r« zu erachten, manche sonderbare Meinungen eingrsogen, »nd sah sie nun auf einmal durch einen Lutheraner selbst wider, legt. Was ihn mit diesen sogenannten Ketzern noch mehr aussöhnte, war die größere Aehnlichkeit, die er aus meiner Erzählung in den kirchlichen Einrichtungen der Lutheraner mit den katholischen fand, und welche die Reformirten nicht hatten. Dieß war für ihn ein sehr wichtiger Umstand, und er bekannte nun selbst , nach seiner Weise , wie schädlich es sei, wenn man irrige Meinungen habe, weil man da« durch gar leicht zu Lieblosigkeit könne hingerissen werden. Laßt uns gute Christen bleiben, sagte ich, und drückte ihm die Hand, und dann nicht weiter fragen, zu welcher Kirche wir uns bekennen ; aber laßt uns ein jeder das nöthige Vertrauen zn der nnsrigen haben, und ein wahres Bei. spiel von einem tugendhaften Christen in derselben seyn. Bei Gott, das gefällt mir l rief er frölich aus und stieß dazu unsern Gefährten in die Seite, der vielleicht desto mehr dabei dachte, je weniger er redete. Bei Gott, daS ist so recht nach meinem Herzen ! sagte der junge edle Mann voll Wärme. Wißt Ihr was: bleibt heute bey uns auf unserm Alp: meine Eltern werden Euch auftra« gen, was sie nur auftragen können, und meine Schwester soll Euch Schweizerliedti dazu singen. Ich danke Euch herzlich, gab ich ihm zur Antwort, aber ober ich sonst kö sondern will ich Eure A wird E denn so Dieß n jährige res M> Es dessen! von cii folgte die bei holte s, Dade ter he Mein auszus Hand ^ Meine Da- ^ keitv. n, und wider« h mehr ls mci< heraner i nicht >, und , hädlich an da. ! serdcn. ^ tc ihm Kirche löthige Bei. ». ^ und desto , das edle bey iftra« oester ! >ort, >er ober ich muß einmal morgen am Zürcher See eintreffen, sonst könntet Ihr mich gar leicht bereden, nicht nur eine«/ sondern auch wohl mehrere Tage bei Euch zu bleiben; doch kill ich eine halbe Stunde bey Euch einkehren, um auch Eure Aeltern und Eure Schwester kennen zu lernen. O die kird Euch gewiß gefallen, sagte er mit stolzem Lächeln, denn so giebt es weiter kein Mädchen im Gersauer Gebiete. Dieß machte mich aufmerksam, denn von einem zwanzig, lährigen jungen Bauer hätte ich eher erwartet, ein anderes Mädchen so schildern zu hören, als seine Schwester. Es währte nicht lange, so kamen wir an den Alphof, dessen malerische Bauart aus den hohen Bäumen, die ihn d°n einigen Seiten umgaben, noch reizender erschien. Ich folgte der Einladung und ward von Vater und Mutter, die beide zu Hause waren, freundlich empfangen. Leztcre Holle sogleich, als sie hörte, daß ich noch bis zum kalten Bade wollte, fette Nidle oder Milch, und Brod und But- ^r herbey , womit ich mich wieder erquickte, indessen kein junger Freund weggegangen war, seine Schwester Aufzusuchen. Nach einer kleinen Weile brachte er ste an seiner Hand geführt. Seht Ihr, sprach er freundlich, daS ist keine Schwester, und legte ihre Hand in die meinige. Mädchen stand mit einer Unschuld und Freimüthigkeit vor mir da, wie man beide nicht schöner vereiniget H sehen ii4 1 sehen kann. Sie war in der That liebenswürdig / und hatte etwas in ihren Gcsichtszügcn, das man gern zusamt men suchen wollte, um es recht genau zu fassen. Man' hätte zweifeln können , ob wirklich eine Bäuerin unter diesem Gewände verborgen sei; denn so einfach sie auch war, so blickte doch so viel Geist und feines Gefühl aus dieser' Einfachheit hervor, baß man sich durch den Anblick getäuscht glaubte; dann aber bewies wiederum ihr ganzes Reden und Thun, daß diese Außenseite nichts weniger als: ein falscher Schein sei. Zweimal sah sie ihren Bruder > an und nickte lächelnd mit dem Kopfe, und dann sah sie wieder forschend auf mich herab, als wenn sie eine gefmu dcne Achnlichkcit vollends aufs Reine bringen wollte. Ihr Bruder verflocht sie in unser Gespräch, und sie war freimüthig , aber immer unbefangen und sittsam. Ich faßte sie freundlich bei der Hand , und sie ließ es ebenso freundlich geschehen. Ich sah ihr gern in die grossen offnen Augen, und das gute Mädchen sah nicht weg. — Hatte ich eine andere Absicht dabei , als weil mir ihr sanfter und edler Ausdruck wohl that? — Ich war mir wenigstens kei- ner andern bewußt. Indessen hatte der Führer zweimal Recht, daß er mich an die Fortsetzung unserer Vergreise erinnerte. Denn wozu konnte es eigentlich helfen, daß tch ihr so lang in das Blau Blau auch n Ib den 5 junge Handel dern, trenne Strec lassen einen vom Kleid doch mehr Anzu S ren schne war. Beit sollt, wirk g, und zusam- Man ltcr die- ch war, l dieser »lick ge- l l ganzes! ger als! Bruder, sah sie gefulv . Ihr ir frei- faßte nndlich n Au- >tte ich rr und is kei^ r mich in >vo- n da^ llau Blau ihrer sanften Augen sah? Und viele Zeit hatte ich auch nicht mehr übrig, um das kalte Bad noch zu erreichen. Ich wollte einiges Geld für die genossenen Speisen auf den Tisch legen, aber ich kam schön damit an. Der junge Mann hätte mich deswegen beinahe unfreundlich be» handelt. Ich nahm Abschied von den Aeltern und Kin, dcrn, und es ward mir schwer , mich von den letzter» zu trennen. Diese wollten mich aber schlechterdings noch eine Strecke begleiten, und ich konnte es ja wohl geschehe» lassen. Clevele *) (so hieß das liebe Mädchen) pflückte einen Dlumcnstraus, und nahm mir alsdann den Huth von, Kopfe, um ihn drauf zu stecken. Ungeachtet ihre Kleidung durch ihre Reize gehoben wurde, so würde sie doch in dem Anzüge eines Bcrner BauermädchcnS noch mehr geglänzt haben. Aber auch in ihrem gewöhlichen Anzüge war fie schön. Wir unterhielten uns von mancherlei Dingen, und wa» ren ziemlich ernsthaft geworben. Die Zeit »ergicng so schnell, daß ich gar nicht wußte, wo sie hingekommen war. Nun mußten wir uns aber endlich doch trennen. Beide Geschwister baten mich, daß ich ihnen verspreche» sollte, fie ja noch einmal zu besuchen , und ich hatte wirklich Lust dazu: aber ich habe fie nachher nie wieder H» -e. ) Cleopbea. gesehen. Treuherzig und theilnehmend schüttelte mir der Bruder die Hand, als wir von einander schieden. Gern hätte ich dem liebenswürdigen Clevele einen Kuß auf die rosige Wange gedrückt, und sie hätte mich in ihrer Un- schuld vielleicht wieder geküßt: aber alles , was ich über mich gewinnen konnte, war, daß ich sie Du nannte. Lebe wohl, sagte ich, gutes Clevele , und sei ganz glücklich. Du auch, entgegnete sie traulich, und vergiß nicht wiederzukommen. Diese letzten Worte klangen mir noch in den Ohren, als beide Geschwister schon längst aus meinen Augen vcr, schwunden waren. O wie schön, dachte ich, o wie schön müßte sichs hier wohnen, auf diesen blumigen Matten, unter den hohen gewölbten Bäumen, wenn man keine an. dern Bedürfnisse fühlte, als diese guten Menschen! Wie ruhig und heiter müßten die Tage des Lebens an der Seite eines Clevele dahin schwinden! Schon stand der Mond am Horizonte und schien mich zu süßen Schwärmereien einzuladen ; aber mein Führer entriß mich seinem schmeichelnden Einfluß, iubcm er mich auss einmal herumdrehte, daß mir die Gegenden umher, an die ich izt freilich nicht gedacht hatte, schön und überraschend ins Auge fielen. Der Vierwalbstädter See lag gleich einem großen Spiegel in dem sich krümmenden wri- H7 der Gern uf die i e Un. > über annte. ! glück, nicht , I ! hren, > ver- i schön ittcn, e an. Wie Seite mich c ent, aus» an über« r tag weilen teil Bergschlunde wir eingegossen vor mir da. Die kraf, tigcn Bilder, die er von feinen felsigen und beschattenden Einfassungen zurückwarf, zeugten von der Ruhe, in der 'kr sich befand. Oberhalb zur Rechten an demselben sah man Luceru an seinen Ufern liegen, und drüber birians die Fruchtgcfilde dieses Cankons. Zur Linken von Lucerv >r. hob sich der stolze Pilatusberg aus dem nämlichen See, dessen Schattenseite die Unterwaltncr beleuchteten Berge, die hinter ihm lagen, dem Auge gleichsam näher brachten. Weiter rückwärts, dem Pilalusberge zur Linken , sah man die Engelsbcrgcr Gebirge sich an die große Gebirgskette des St. Golthardl anschließen — ein furchtbarer Hintergrund zu einem äußerst romantischen Vorgrunde. Ich stand lange unbeweglich, und nur die Vorstellung, daß ich auf der Höhe des Bergs ein noch weil interessanteres Schauspiel haben würde , konnte mich vermögen, dem Gegen, wältigen nach einer Weile wieder den Rücken zu kchren, und dem Nuhcpunkte meiner dicßmaligcn Wallfarth näher in rücken. Dieser Zweck ward auch endlich erreicht, wo» bei ich mich jedoch mehrmals wieder umgekehrt halle, um der majestätischen Aussicht wiederholt zu genießen. DaS Wirthshaus, welches man beim kalten Bad fin, det, ist für den Ort, wo es steht, immer lobenSwerth. Es dient den Wallfahrenden, welche das Wunderbad besuchen , sirchen, und den Reisenden, welche den Rigiculm von dieser Schau Seite besteigen wollen, zur Aufnahme und Bewirthung. selben Das Bad selbst ist eine Art von hölzernem Kasten, der Es -ch auf einem viereckigen, von drei beinahe senkrechten Fel, weckte senwänden und einer Einstedlerhütte , umgebenen Platze hauen befindet. Dieser Kasten ist beständig mit Wasser angefüllt, Culm was zwischen zweien dieser Felsen hervorstießt. Das nem F Wasser ist sehr kalt und rein, und scheint keinen minera* hohen lischen Gehalt zu haben. Man hält es außerordentlich gut ^ Unten wider Rückenschmerzen, Krämpfe, Mutterwehen und man» loch, cherlei Fieber; vorzüglich aber schreibt man ihm, wie ich konnt von dem Geistlichen der dabey befindlichen Capclle erfuhr, mäuci eine ungemeine Kraft zur Fruchtbarmachung junger Weiber ges^ zu; doch will es bei Frauen von gewissen Jahren itzt frei- fünf, lich nicht mehr recht anschlagen. Die Leute, die sich bei- ger. sen bedienen, setzen sich mit den Kleidern hinein. Der p^ndn Capellan, ein gefälliger junger Mann, wußte mir von dersel mancher vortrcflichen Cur zu erzählen. Die vormals hier heran befindliche Einsiedelei ist eingegangen. Man hat von diesem Fall Platze fast die nämliche Aussicht, die ich vorhin bcschrie- klein, den, nur daß man sich höher befindet, und hie und da lei A noch einen wettern Gesichtskreis hat. Selbst im Monden» nndei schein ist diese Gegend vortreflich. Der Abend war sehr reugi schön und versprach einen heitern Morgen — Das Wün- den! schenswürdigste auf diesem Nerze, wenn man das herrliche muv Schau, '' dieser thung. n, der m Fei, Platzt lefüllt, Das linera» ich gut man» >ie ich -fuhr, Leiber i frei. h def» Der : von l hier nescn» schrie» id da «den» ' sehr Wün» rlichr ,u. Schauspiel des Ausgangs der Sonne von der Spitze des. selben genießen will. Es war noch nicht drey Uhr, als mein Führer mich weckte und mir einen schönen Morgen verkündigte. Wir hatten noch drei Viertelstunden zu steigen , um auf den Culm zu kommen; ich war sehr bald angekleidet, um meinem Führer zu folge». Es war sehr kühl, wie es auf den hohen Bergen gewöhnlich ist , und der Boden war naß. Unterwegs zeigte mir mein Führer ein sonderbares Berg. loch, welches unter dem Namen Ressio Bodenloch bekannt ist. Es bestndet sich dasselbe in dem natürlichen Ge» wäucr, aus welchem dieser Berg größtentheils zusammen 1 gesetzt ist, hat ohngefähr vierzig Schuhe Tieft und oben fünf Schuhe Breite, wird aber nach und nach wieder enger. So weil das Auge reicht, ist dieser Schlund per. pendicular; wirft man aber einen Stein hinein, so fällt derselbe, wie man deutlich hören kann, weit unten wieder heraus, und braucht eine halbe Minute Zeit, bis er seinen Fall vollendet hat. Diese natürliche» Mauern, die aus kleinen durch Wasser abgeschliffenen Steinen von mancher, kei Arten bestehen, welche durch einen Sandmörtcl mit ein. ander verbunden sind, können sich schlechterdings nicht er« Kugt haben, sondern beweisen zur Genüge , daß si« auf den darunter befindlichen Felsen durch eine große Uebcrschwem. enung angeworfen und aufgethürmt worden find. Nach» 120 Nachdem ich dieses Bergloch besehen hatte, bestiege» wir vollends den Culm oder den Gipfel des Bergs. NoÄ verkündigte erst Aurorens voranschwimmende Beleuchtern- den baldigen Aufgang der Sonne. Der Berg , auf web chcm ich mich befand, stand da wie eine Trümmer ii» öden Nichts, und eben so sah man aus der Ferne di^ übrigen hohen Bergspitzcn isolirt empor ragen. Rings um-, her in der Tiefe schien die Erde mit Wasser bedeckt z»! seyn, welches auch die niedrigen Gebirge traf. Alles Hat-I te das Ansehen einer grossen Veränderung in der Natur, und bloß die höheren Berge schienen noch vor der allge- meinen Zerstörung durch Wasser gesichert zu seyn. Uebri- ^ gens hatte alles, waö »och sichtbar war, einen graue» und kalten Ton des allgemeinen Absterbcns. Aber nun ratheten ^ steh allmählig die höchsten Spitzen der gegenüberstehenden Berg< kette. Sie fiengcn gleichsam erst an zu glimmen, bevor fie sich in dem völligen Flammenglanze des höchsten Lichts zeigten. Aber auch dann war die Zinne des Rigiculms, auf welcher ich stand, noch unbeleuchtet, und es dauerte noch eine kleine Weile, ehe die ersten Strahlen der Sonne mir ins Auge fielen. Der Anblick ihrer Erscheinung gewährt allerdings ein prächtiges Schauspiel. Mit einem Male wird die todte Natur zu neuem Leben erwärmt. Die Nebel und Dünste, welche auf den niedern Regionen der Erde schweben, und mit dem Gewässer des Sees nur Ein Ein < l>g ze Basse Gcstal rit. iu rei nun c ken kc nen I L berg, schön Man aufd gc zu Wege Ansic Uebr «Mh Thei und ter, diese wer! bestiege» . Noch uchtun- uf web mcr iiH rne die gs um- eckt z» ! lcs hat- ^ Natur, aifge- Uebri- graue» öthcten i Bcrg< bevor Lichts i, auf e noch e mir währt Male : Reit der l nur An Ein Element auszumachen scheinen, werden allmäh, lig zerstreut, und der nackt Grund von scheinbarem Wasser verwandelt sich nun unvermerkt in seine natürlichen Gestalten, und empfangt wieder sein eigenthümliches Colo- rit. Die ganze Gegend umher, so weit -das Auge nur in reichen vermag, ist sichtbar geworden: man genießt nun eines der herrlichsten Schauspiele, das man sich denken kann, und empfindet bei dem Anstaunen der erhabr, nen Natur die unendliche Größe des Schöpfers. Obgleich der Pilatusbcrg weit höher ist als der Rigi- berg, so ist die Aussicht auf lrtzterm doch beinahe noch schöner als auf jenem, welches bloß von der Lage herrührt. Alan sieht auf dem Rigiculm ebenfalls dreizehn Seen, wie* auf dem Pilatusberg, nur daß man auf jedem dieser Ber, ge zwei verschiedene andere entdeckt, die man, der Lage Wegen, nicht vor den andern wahrnehmen kann. Die Ansicht von den eilf übrigen bleibt beiden gemeinschaftlich. Ucbrigens kann man von ber Höhe dieses Berges freier Umher sehen; denn man übersieht nicht nur den größten Theil der Cantone Lucern, Unterwalden, Schweiz, Zug Und Zürich, sondern auch das Aergau , die freien Aem, , und viele Gebirge von andern Gebieten. Wiewohl dieser Berg nur zu den Bergen ber dritten Höhe gerechnet werden kann, ft hat er doch , ungeachtet er an eini, gen gen Seiten steil genug ist, rehen Stunden im Umfang. Auf drei Seiten, gegen Morgen, Mitternacht und Abend, ist er beinahe ganz mit Wasser umgeben, denn bloß an der Mikternachtfeite trennt ein Strich Landes der etwa eine halbe Stunde breit ist, den Vicrwaldstädtcr See von einander. Aber gegen Mittag stufet er sich durch verschic« ^ dene Hügel ab, und so beinahe bis nach Schweiz hinein. ^ Von der Mittag-und Abendfeite ist er am bequemsten zu besten gen; gegen Morgen und Mitternacht aber am steilsten, doch ist > der Weg auf der Morgenfeite dessen ungeachtet fo gut, als ^ er in solchen Gegenden seyn kann. Das Haupt des Berges ist ganz von Bäumen und Gesträuchen entblößt, und sogar die Pflanzen, welche daselbst noch wachsen, sind sehr klein. Auf der Morgenfeite befinden sich die stärksten Tannenwälder und sehr hohe Wasserfalle, in welchen sich vortrefliche Forellen befinden , die theils schwärzlich, theils pcrlfarbig sind. Auf der Mitternachtscite aber ist er am allerstcilsten und kahlsten, besonders nach der Höhe zu. Im Ganzen ist er jedoch in den niedern Gegenden sehr frucht, bar an Viehweiden , und ernährt eine große Menge Heer- den von Kühen, Schaafen und Ziegen. Erstere allein be, laufen sich auf zooo. Stück. Man kann seine Fruchtbarkeit auch daraus beurtheilen, daß der Capeüan beim kalten Bade bloß von den Sennen , die sich auf dem Berge befinden, und deren Zahl fich auf r;v. belaufen soll, ge« wählt Wählt u hört bei wegen d Errsau. Mac lang g was icl ich mic steigen. Zürich« Weg r Arth. von de erreich über t finden Ruine östcrre bei al Ander Stein Stift, berüh imfang- Abend, bloß a" !r etwa, zee von ^ verschic« ^ hinein. ! u besten doch ist i at, als ! ; Bcr« ' t, und > , sind ^ ärksten icn stch > i theils >r am Im frucht» Heer» in be» htbar» m kcü» Berge l, 'chlt kohlt und erhalten wird. Der größte Theil desselben ge. hört dem Cantvn Schweiz , der kleinere dem Canton Lucrrn wegen der Vogtei Wäggis und das übrige der Rcpnblick Gersau. Nachdem ich mich an dem herrlichen Anblick umher lang genug geweidet, und von meinem Führer über alles, was ich zu wissen wünschte, hatte belehren lassen, mußte ich mich denn doch bequemen, den Berg wieder hinabzu, steigen. Da ich über den Zuger See und den Aldis an den Züricher See zurückkehren wollte, so führte mich mein Weg über das Capuzinerkloster und von da hinunter nach Atth. Ehe ich die Capelle der heiligen Maria zum Schnee, von der man eine Stunde bis auf den Rigiculm rechnet, erreichte, überließ ich mich noch oft der reizenden Aussicht über den Zuger und Lovenzer See. In dem letztern beiden sich zwei Inseln, auf der größer» sieht man noch Ruinen eines alten Schlosses , dessen letzter Besitzer ein österreichischer Landvogt gewesen seyn soll , der noch itzt öei allen hübschen Mädchen als ein garstiger Unhold im ^denken ist. Etwas weiter hin sieht man den Flecken steinen, der durch Stanffachern, einen von den drei Stiftern des Schweizerbundes, und sein trcfliches Weib berühmt geworben ist. Bri dem ziemlich guten Wege , welcher den Berg hin, ab. 124 ab führt, kam ich sehr bald zu dem kleinen Capncinerklo» sicr, zu welchem im Sommer wegen der heiligen M' ria zum Schnee noch mehr gewallfahrtct wird als zun' kalten Bade. Ls liegt sehr angenehm in einem Berg« thale; denn auf beiden Seiten ist es von Bergen eilige», schlössen. Man steht hier vortrefliche hohe Tannen, deren Aeste bis auf die Erde reichen. Es befinden fich bei diesen«' kleinen Kloster oder Hospitium zwei Wirthshäuser und auch noch einige andere Wohnungen, die seit einiger Zeit, selbst im Winter, nicht mehr verlassen werden. Ich be-! schloß mit den Herren Capucinern Bekanntschaft zu »na- chen, um vielleicht durch fle auf Merkwürdigkeiten aufmerksam gemacht zu werden, die mein Führer etwa nicht kennen oder nicht dafür ansehen möchte, wie dieß zumal bei naturhistorischen sehr oft der Fall ist. Kaum hatte ich mich bei ihnen angemeldet , als mir einer von den Mönchen freundlich entgegen kam , der, sobald er mich erblickte, in ein frohes Erstaunen auSbrach und mir die halb erhobenen Arme entgegen streckte. Anfangs glaubte ich , er irre sich in der Person, aber er ließ mich nicht lange in Ungewißheit, sondern nannte mich beim Namen , und pries sich glücklich, daß er mich noch einmal wieder sähe. O ich habe oft für Sie gebetet, sprach er mit rüh' rendem Nachdruck , und danke dem Himmel , daß ich Ihnen nach einigen Jahren noch beweisen kann, mit Mit we! sühlt. NocI Crmner iwar n Platz ni ttienä T 'en seh, Mehr b Srssen l Bei Kn Pa ken au nd auch ! Zeit, Ich bt' i zu ma> n auf- ,a nicht zumal i haitt »ir den nich cr< nir die glaubte h nicht amen, wieder >it rüh' , daß kann / mit r -5 "'il welcher Wärme sich Ihnen mein Herz verpflichtet fühlt. ' Noch immer suchte ich während dieser Reden in meiner Erinnerung das Bild des ehrwürdigen Djönchs, der mir ibrar nicht unbekannt war, dem ich aber den gehörigen Platz nicht anzuweisen wußte. Sollten Sie sich des Na« nienS Theophiluo nicht mehr erinnern? — Doch Sie wüten sehr zu entschuldigen, wenn Sie sich auf diesen nicht wehr besännen, ich aber nie , wenn ich den Ihrigen vcr, SMn könnte. Bei diesen Worten erkannte ich auf einmal in dem gm len Pater einen Reisegefährten, der mir vor ein paar Iah, auf der Diligence von Straßburg nach Basel eine sehr ^genehme Bekanntschaft geworden war. Die Dankbar, Ettt des frommen Mannes rührte von einem Umstände her, den ich nicht erzählen würde, wenn eS nicht um srinetwil» geschähe, und der übrigens von der Art ist, daß ge. Ü>>ß jeder Andere, als ich, eben so gehandelt haben wär, ^» ohne sich dadurch einen besondern Werth beizumessen. ^ er als Capucincr kein Geld bei sich führte, und des, ^egen von dem Postmeister und den Postillionen auf den krsten Stationen mißhandelt wurde, ja vielleicht bei solchen Umständen auf dem ganzen Wege hätte hungern müssen, betrachtete ich ihn ganz als meinen Gesellschafter und be. 126 bezahlte überall für ihn. Je näher ich ihn kennen lernte, desto lieber wurde er mir, denn ich fand in aller Absicht einen vortreflichen Mann in ihm und einen warmen Freund der Natur, die feinem schon lange nicht mehr jugendlichem Herzen noch immer die wärmsten Empfindungen einflößte- Ich bat ihn um Verzeihung, daß ich mich seines Namens nicht sogleich erinnert hätte, und entschuldigte mich mit der Menge von Gesichtern, die ich seitdem gesehen: iis Grunde aber machte mir mein Herz doch selbst Vorwürfe, daß eS daS Bild des Paters Theophilus nicht besser ver- wahrt hatte. Der vortrefliche Mann suchte mich bei mit selbst zu rechtfertigen, und strömte ganz von Dankgefühles über. Ich bat ihn inständig, der kleinen Gefälligkeiten, die ich ihm erwiesen , nicht weiter zu erwähnen. O es sind nicht die Wohlthaten, die ich Ihrem Beutel zu danken habe, erwiederte er, sondern die Wohlthaten, die mir aus Ihrem Herzen zuflössen, welche ich niemals vergessen kann. Sie begegneten mir liebreich , als mich Andere mißhandelten; Sie nahmen mich in Ihres Schutz, und entzogen mich allen den Demüthigungen u»d Unannehmlichkeiten, die ich sonst auf dieser ganzen Re>l? hätte erfahren müssen. Sehen Sie, dieß tstS, warum iäl Sie nie vergessen werde, und warum mein Her; stets an Julien hängen wird, wenn Sie gleich ein Protestant sind. 3^ siel ihm um den Hals, und konnte ihn kaum wieder zss* Schwel- Schwe mir, f trägt v Se »cn N lich. Man b vorlicb Verspr Abend Thcopl Erzähl Haft - Ostens würdij Ausfiel Nicht, Nämli und si öe vvi ist sehr Uchetz khr g AnT ltriltt/ AbM Freund idlicheni .'inflößte. Kamens ich mit en: ini rwürse, ser per- )ei mir gefühlen gkciten, . O es zu dan- thaten, ich nie- h, als Ihren ;en und i Reist mm t. >er zuN» chwet« 127 Schweigen bringen. — O Gott, dachte ich heimlich bei mir, so gedeihet auch die kleinste pflichtgemäße That, und trägt vielfältige Früchte für uns und Andere. Seine Confratres kannten mich, so bald er ihnen meinen Namen nannte, und bewillkommtcn mich sehr freund« lich. Es ward sogleich «in gutes Frühstück bereitet, und Man bat und nöthigte mich, einige Tage in ihrem Kloster vorlicb zu nehmen. Ich entschuldigte mich aber mit dem versprechen, welches ich gethan, noch am nämlichen Abend am Züricher See einzutreffen, und der gute Pater Thcophilus ward fast traurig darüber. Nach einer kurzen Erzählung meiner Reisebegcbenheiten, bis auf die Bekannt- Haft mit Clevele und ihrem Bruder, die ich ihm beide bestens empfahl, bat ich ihn, mich von den Natur-Merk- Würdigkeiten dieser Gegend zu unterrichten. Die herrliche Aussicht, sagte er, ist wohl die größte: die übrigen find Weht von Belang. Hierauf erwähnte er vhngefähr das Nämliche, was ich vvn diesem Berge bereits gesagt habe, ""d führte mich in eine Höhle, die etwa eine Viertelstun- ^ vom Kloster liegt, und das Bruderbalm heißt. Sie ^ sehr geräumig aber niedrig , und man kan hier daS natür« 6che Gemäuer, aus welchem der obere Theil des Bergs besteht, gut wahrnehmen. Sonst ist in der Höhle, außer eini- Tropfsteinen oder Stalactiten nichts Merkwürdiges. Wir gien. -28 aicnacn darauf wieder nach dem Kloster zurück . und es > chem m that mir selbst leid, daß ich den Bitten meines ehrwürdigen Freundes nicht nachgeben konnte. Ich versprach ihm ebenfalls, wenn es irgend möglich wäre, ihn noch einmal I zu besuchen, ehe ich die Schweiz verließe; und in meinem I Herzen hatte ich diesen Vorsatz stets, so bald ich von guten Menschen scheiden mußte. I chen Züi dete mu Ufer dec that mir selbst leid, daß ich den Bitten meines ehrwürdigen Freundes nicht nachgeben konnte. Ich versprach ihm ebenfalls, wenn es irgend möglich wäre, ihn noch einmal zu besuchen, ehe ich die Schweiz verließe; und in meinem I Herzen hatte ich diesen Vorsatz stets, so bald ich von guten ^ Menschen scheiden mußte. ! Da ich meinen Führer bei dem Kloster schon verabschie- j bet hatte, weil ich nun nicht mehr fehlen konnte, so be- ! gleitete mich Pater Theophilus bis an das untere Däch- lein, welches ein Haus ist, das den Pilgrimrn und Fremden ebenfals zur Herberge dienet. Hier schieden wir gerührt von einander, und nach einer kleinen Stunde war ich, da ^ ge. es bcrgunter gieng., am Zuger See in Arth, welcher Fle- ! ken zum Canton Schweiz gehört. Hier nahm ich eine Gon- ! l del bis Zug, und dachte beim Einsteigen in dieselbe, recht unvere lebhaft gerührt, an die drei mir so lieben Personen, die ich auf diesem Berge zurückließ. Diese Stimmung mischte sich in alle Gefühle, welche durch die angenehmen Gegenden aM Zuger See in mir erregt wurden, und ich konnte die Ge- ^ ^ genstände, die ich wahrnahm, nur im Allgemeinem bemer- ken. Auch Zug war nicht der Ort meines Bleibens. Ich eilte durch die schöne Aue von dieser.Stadt bis an den Allst* , Ivllte um noch zeitig genug auf diesen Berg zu kommen, von welche» 12 - und es ehrivur- ach ihm einmal meinem n guten 'abschie« so be- Däch» Frem» gerührt ch, da ^ jer Fle- ^ >c Gon- ! recht dir ich chte sich den aM >ie Ge^ bemer, s. Ich n Albi< on welche» chem man eine ganz vortrefliche Aussicht über den herrli. Hen Zürcher See hat. Hier verweilte ich lange, und weidete mich an den manichfaltigcn reizenden Orten, die seine Ufer decken/ wo mir so manches Plätzchen lieb geworden war. Nit Vergnügen erblickte ich Zürich, das Athen des eidgenössischen Freistaats, zur Linken am See wieder, ungeachtet ich es noch nicht lange verlassen hatte, und freute mich des Wiedersehens mancher mir sehr werthen Bürger desselben. Nach anderthalb Stunden langte ich bei meinen Freunden am See an, die mich wieder in ihre gastfreie Wohnung aufnahmen, und gegen die meine Dankbarkeit eben so wenig erkalten wird, als die dankbaren Empfindungen des guten Tbeophi, U>s gegen mich, der jedoch mir lange nicht so viel schuldig war, als ich diesen und manchen Freunden in der Schweiz bin, die mir meinen Auftnchalt daselbst so angenehm und Unvergeßlich gemacht haben. Ich hatte bereits von meinen Freunden gute Nacht gekommenen, und schweifte noch bei der hellen Beleuchtung des Mondes auf dem See herum, als mir alle Bilder der ätzten Tage noch einmal recht lebhaft vorschwebten. Unter diesen Gedanken fieng ich an mich zu entkleiden und dachte ^icht, daß ich noch eine angenehme Ueberraschung erfahren lallte. Ich fa„d ncmlich in meiner linken Rocktasche das Hone Fernglas des Paters Theophilus, das er mir schon 2 anf izo ! auf unsrer Straßburger Reise hatte aufdringen wollen, und! r.,!> ich nicht angenommen hatte, weil es ihm, da er ein ^ Gesicht hatte, als einem Freunde der schönen Natud u-.cchbchrlich war. Es war in Mailand verfertiget, und mach» mir die Gegenstände außerordentlich hell, ohne sie zu verkleinern. Er hatte es dicßmal weder erwähnt noch blicken lassen, wahrscheinlich um es mir desto sicherer beizubringen. Ich fühlte den Werth seiner Gabe ganz, und legte das Fernglas zu dem welken Blumensträuße, den ich von Clcvele erhalten hatte. Glückliche Nachbarschaft! sagte ich ^ l laut, unv betrachtete noch einmal die liebe Geschenke. O I > gewiß werden sich die guten Menschen, an die ihr mich noch ! lange erinnern werdet, einander finden, und dann wird mein , Andenken desto sicherer unter ihnen erhalten werden. Mit ^ diesen Gedanken schlief ich ein, und am andern Morgen > war mein erster Blick wieder auf die lieben Geschenke vorn Rigibergr gerichtet. IV. Briefe auf einer Reise durch das Wenthalund Aergäu. i 7 9 Z. Diese schöne Schilderung einer noch ivenis durchreisten G«? gend der Schwur , ist au- dem helvetischen Lalendrr »VM 2»^ l/z«. hergenommen. A uf d Abhang Jura a gung fl nehm» lurbcob den Liei Äegen einer e Stand eine hc Hanse isten G«» om Jahr ^uf der Gaststube eines kleinen LandstädchenS am östlichen Abhänge des Lägerberges, der-einen Theil der Kette des § Jura ausmacht, schreibe ich Ihnen! Sie kennen meine Nei- ^ llung für Bergreisen. Die dießmalige war besonders ange, > »ehm, denn der Lägcrberg ist reich an Stoff für den Na, ^ turbevbachtcr, den Geschichtskenner, den Mineralogen, und den Liebhaber schöner Ansichten. Das Städtchen und S chloß Regensperg liegt ungefähr drey Stunden von Zürich auf einer von drey Seiten her freyen Anhöhe. Der eigentliche Standpunkt aber zn einer der unbegränztestcn Aussichten ist eine halbe Stunde vom Städtchen entfernt, bey dem Wacht» Hanfe auf dem Rükcn des Bergs. Dahin eilte ich mit eine, Sen Freunden, die Sonne niedergehn zu sehen. Eine himm. iischfchöne Scene! Alle Gefilde, Thäler und Berge tauchten 6ch in die Stralen des von unserm Horizont abschiednehmcn, den Tageslichts. Die Landschaft übertraf jeden Zauber Menschlicher Kunst. Hehr und groß stieg die Sonne hinter die Scene herab — gleich einer schönen Seele, die nach ei, dem wohlthätigen Leben von Geliebten sich scheidet. — Bey der Dämmerung kehrten wir zurük ins Städtchen, des Vor. ^es, mit dem frühesten Tagesanbruch wieder auf die An» höhe rZ4 höhe zu eilen, das wir denn auch nach cmem kurzen SchluM- mer befolgten. Ehe ich Ihnen die Scene des Morgens mit einige« Zügen schildere, muß ich Sie mit den Gegenden be- > kannt machen/ die man von dem Standpunkte bey dem Wachthaus überschaut. Am Fusse des Berges liegt da» ^ fruchtbare wenthal, grosse Ebenen von Ackern und baumreichen Wiesen besczt / malerische Wälder hin und wieder/ Dörfer von einem gesunden, frohstnnigcn Volke bewohnt/ das sich durch Feldbau in Wohlstand gcsczt hat. Das Re- genstorferthal, an welches sich das Dadcrgebicl anschließt. > Entfernter die lachenden Gebenden des Zürchersces/ des Greiffcnsees; den kleinen Razensce mit dein Schloßhügel ^ von Altregenspurg, aufwelchem noch llcbcrblcibsel von der Burg stehn. Einige Gegenden der Reuß/ derAare, derLim- mat und des Rheins. Die Ketten des Aldis, des Ran- denbergs, des Irchelo und des langen Jura. Die Beste» Ryburg, Lenzburg u. a. m. die Ruinen von Bru- negg, -Habsburg, Rüßenberg. Zahllose Ortschaften iM Zürcher und Bernergebiet, im Schmarzwald und in Schwaben. — Endlich die Krone der Landschaft — dir erhabene Kette des höchsten Gebirge Helveticas, vom Sentio im AP< pcrzcllerland bis zu den Gipfeln der Gemmi in Wallis. *) Würbe S. das ausführlichere hierüber in der Anleitung -je Schwelt zu bereisen von Hrn. D. Ldcl 8. Zürich Bürde den Fu! Vorzüg Auge z' Baden der an ab schuf selben wen k< W> Herz l lveit ü das u> vor d« Es wc le Gel lern ! leucht graut, «nd z tur. die f< rin. dk G Zchlunl- Bürde noch, wie am Rigi, am Aldis und Uetliberg ein See den Fuß des Berges bespülen, dann hätte dieser Standpunkt einiges Vorzüge vor allen andern aus. Die Uebersicht, so weit das den be- Auge zu reichen vermag, ist beinahe Central, einzig gegen ey dem Baden ausgenommen, längst dem Grat des Lägerdcrges, rgt das! der an einigen Stellen so schmal und zu beiden Seiten so m midi abschüssig ist, daß bloß ein kühner Bcrggänger über den, « nd wie- selben bis nach Baden, wo sich der Berg senkt, fortkom, wohnt, wen kann. as Re, schließt. ! Wer sich der Herrlichkeiten der Natur freuen , sein >, des dem reinsten Wonnegefühl überlassen und seinen Geist 'ßhügel ^ ^eit über alles kleinliche und beschränkte erheben will, on der ^ uns so oft inner den Mauern umnebelt, der eile doch ' Lim- ! ^r der Morgenröthe auf diesen erhabenen Standpunkt! Ran, ^ war noch finster, da wir das Städtchen verliessen, al» je Ne» ^ Gegenstände lagen in unbestimmter Verwirrung zu um > Dr«, "t» Füssen. Nur das Heer Myriaden Gestirne allein en im Züchtete in stiller Erhabenheit über unserm Haupte. Da chwa« ^ute nach und nach der Morgen. Einige Vögelchen >abent ^ Käfer summten und sangen das Erwachen der Na» n Ap< ^r. Das Grau im Osten verwandelte sich in Purpur — *) -- ^ fernsten Berge Schwabens färbte ein reiner Ultrama» rbe Das Funkeln der Gestirne erblaßte — eine glänzen, chwett ^ Glorie von leichten Wölkgen verkündigte die Ankunft der Sonne. In unermeßlicher Ferne erschien sie — erst ei« ne purpurne Glut, die das Auge mehr cntzükte, als beleidigte ; die dichtere Atmosphäre, von den Dünsten bet Erde schwanger, milderte ihren Glanz. Aber kaum erreichte sie die reinern Reviere der Luft, so verbreitete sich ihr himmlischer Stral überall — im Glanz der Rubine glühte» die Schncebcrge — prächtiges Grün goß sich über die Wälder und Auen, und im Sonnenlicht vergoldete» sich die leichten Nebel, die über tiefere Thäler und längst den Flüssen hin schwebten. Alle Hayne jubelten um uns her im frohen Gesang drr Vogel. Von den Dörfern herauf scholl sonntägliches Morgcngklautc. Ucbcrall herrschte tausendfältiges Leben, voll Harmonie — Aug und Ohr und Herz überließ sich dem reinsten Entzükcn. 2 . Wir hatten den ganzen Morgen auf der Höhe des Läger« berges, bald mit Beobachten der Gegend, bald mit Aufsuche» von Petrefaktcn, Dendriten und andern Seltenheiten, deren es hier hin und wieder giebt, bald aber auch unter munterm Scherze zugebracht. Izt schied ich vo» meinen Freunden. Einsam führte mich ein Pfad durch den Buchenwald an der Nordseite hinter dem Städtchen Regensperg herab. Unten im Thal ist eine Mühle, die Murzlen heißt, unweit dem grossen Dorfe Niederrve- ningen. »ringen Gipsla Klecäck Mehre> fc Sei men ( noch berg z ne Ei Wald» einem Tann ficht runde gleich keit < auö fen, ter e Geri höh, Gra deß ber des - erst ei« ! als be« ! len dck^ um er« cte sich Rubine ch über wldete» >gst den rs her j herauf ^ e tau« ^ )r und Lager« ! Auf« cnhei« auch » von durch »tchen , die rwe« n. ningen. In der Nähe herum befinden fich beträchtliche Gipslagen; der Gips wird weit umher als Dünger für Kleeäckcr verführt, nachdem er hier gemahlen worden. Mehrere dergleichen Mühlen sind im Thäte. Bey dem Dor. fc Schneislttgen geht der Weg steil zu einer höchst einsa- men Ebene von Waldungen, und Viehweiden: Ich blikte noch einmal zufrieden in das Wenthal und an den Lager» berg zurük. Die lieblichen Erinnerungen beschäftigten mei. ne Einbildungskraft, und machten mir durch die lange Waldung den Mangel der Gesellschaft vergessen. Nach einem beynahe ständigen Spazicrgang durchs Dunkel von Tannen, Buchen und Eichen, öffnete fich endlich die AuS» ficht wieder; ein grosses Korngcfild lag vor mir, beynahe rundum von Wäldern oder von Abhängen umgeben, und gleichsam durch die Natur zu einer besondern Gerichrsbar« keit gemacht. Diese Gegend heißt Baldingen. Sie besteht auS zwei oder drei kleinen Dörfern und einigen Bauernhö, ftn, über die der jezige Gcrichtsherr von O** mehr Va» ter und Wohlthäter als Regent ist. Uebrigens steht diese Terichtshcrrlichkcit nebst noch ein Paar andern unter der höher» Jurisdiktion von den regierenden Ständen der Grafschaft Baden. Diese zwar einsame Gegend hat im deß viel romantisches und anmuthigcs für den L«bha» ber des stillen Landlebens, der Schönheiten der Natur, und des philosophischen Umgangs mit fich selbst. Umgeben von stroh» IZ8 strohbedektm Bauernhütten , in welchen friedliche Menschen von beyden Religionen wohnen, lebt Herr von O** die schönere JahrSzeit durch mit seiner Familie vergnügt. Der Catholische Theil hat eine eigene Kirche in Umerbaldingen, der Reformirte gehört zu der Pfarre Degcrftlden. Reizen» de Ucberblike in die Gegenden deö Rheins oder der Aare, wechseln mit geschlossenen Wiesenthölcrn, mit Saatgcfilden, oder dunkeln Gangen durch Wälder. Ich genoß der lieblichsten Abendbelcuchtung, als ich auö dem Schneisinger Walde heraus trat; die sinkende Sonne goß schmelzende Farben über die Gebirge und sanft in die Ferne zersticsscnde Hügel und fiößte Ruhe und Zufriedenheit in meine Seele. Es waren süsse Vvrcmpfindungen des Empfangs in der Wohnung des Mannes, bey dem ich einige Tage des freundlichen Umgangs, und der Natur zu gemessen, be« schlössen hatte. r- Jenseits des Rheins, in Schwaben , liegt auf wilder Anhöhe das Schloß Lüßenberg. Seine in Ruinen zerfallende Thürme und Mauern sind weit umher sichtbar. Es gehörte den Grafen von Sulz, bis es durch Siegmund den leiten dem Kayser übergeben wurde. Durch feine Be- sazungen wurden die benachbarten Gegenden öfters beunruhigt. Daher lvar rS auch den Eidsgenossen ein Dorn im Au ^ zu Sei Jahrh! genom Schwi Jahr Weg > Tieft einem jenseit irrun eine oben am i rung im 2 i schen ^ Holz Hera Dor kam Wie, Abe sie j wa» im e tischen ** die Der ! ngen, beizen, Aare, ! filden, ! lieb, istnger > lzende ^ sscnde ^ Aeele. r der ! des , be« > ilder jcr- 'bar. «und Be» eun, «orn n im Auge. Iost von Küßenberg wurde im Jahr r;sS iu Sempach erschlagen. In der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts wurde es zwcymal von den Schweizern ein, genommen. Endlich, wurde es durch den Streifzug der Schweden, unter Anführung des Marschalls von Horn, im Jahr i6;;. zerstört. — Von Bedingen führte uns der Weg in ein liebliches Wieftnthälchcn herab, durch dessen Tiefe ein Bach zwischen Buchen und Erlen wegfließt. In einem Kahn schifften wir über den Rhein. Wir verirrten jenseits des Flusses in einem Eichenwalde. Aber diese Ver» irrung bereueten wir keineswegs, denn sie führte uns in eine der prächtigsten Aleen von Buchen, deren Wipfel sich oben in einem dichten Laubgewökbe zusammrnschlosscn und am hellen Tage bey mächtiger Sonncnhize kühle Dämme, rung verbreiteten. Endlich aber verlohren wir uns völlig im Dikicht des Waldes, und zwey tiefe Thäler lagen zwi. scheu uns und dem Ziele unsrer Wanderung. Zween Holzhaker wiesen uns endlich den Pfad aus der Wildnis heraus, und durch manchen Umweg gelangten wir ins Dorf Rüssach, wo wir aber für izt keinen andern Gegen, stand wünschten, als die Nähe eines Wirthshauses. Dies wies uns der auf der Strasse angetroffene Wirth selbst. Aber wenn wir eine Malzeit haben wollten, mußten wir str selbst kochen, weil niemand als der Mann zu Haust war. Dies veranlaßte dann eine sehr komische Scene — Die Dir Wirthin, eine Furie in Gestalt eines der häßlichsten Weibsbilder, überraschte uns, und da sie von dem Zu- ! sammenhang des Ganzen nichts wußte, mochte sie uns gar für Gauner gehalten haben. Sie gcrieth in die absehen, lichstt Extase von Wuth und war im Begriffe die heisse Buttcrpfanne uns übers Gesicht zu giessen , als noch zu rechter Zeit der ncrvigte Arm ihres Manns diesem Unfug ! Einhalt that. Wüthend und mit den Füssen stampfend, entfernte sich die häßliche Megäre, und lustig genossen wir die ftlbstgekochte Mahlzeit. Der Wirth anerbot sich, uns ^ den Weg zu den Schloßruinen zu zeigen. — Anfangs gehts ^ zwischen den Rcbcnhayncn von Rüffach hinauf, die wegen ! ihres delikaten Weins berühmt sind, hernach über einen ! schmalen schlüpfrigen Pfad bi§ zu einem Bauernhof, und endlich bis zum Absturz des Berges wo die Ruine» sich maje. statisch erheben. Wirklich ein gewaltiges Denkmal der Vor- welt! Auf den koloßalen, mit Schußlöchern versehenen, Rotonden wachsen Tannen , und die Zeit, die alles mensch, liche Machwerk wieder der mütterlichen Erde verähulicht, bekleidet die grauen Trümmer mit Gebüsch und Epheu. Vermittelst einer Leiter stiegen wir zum Schloßthor hinan. Indem wir neben Einsturz drohenden Thürmen, neben zer, fallenen Sodbrunnen und fürchterlichen Burgverliessen über Schut Hinstiegen, mischten sich melancholische Empfind»», gen in malen Echikf stolzer unter vom 6 umher das B sein e der H berg l sich ü des T rählig ! aufsi ^ nenlic Schn A gel hj dir Z Aeki «Nst, schau Irchsten 1 Zu- ! 1s gar sscheu» heisse 'ch zu Unfug >ft»d, n wir uns gehrs j -cgen i einen und ",je. Lor- ien, ssch, cht, ! Heu. «an. zer. ,ber un- » gen in unfern Frohsinn. Wer fühlt nicht bey solchen Denk» Walen gewaltsamer Verwüstungen den Wechsel menschlicher Schikfale, das abscheuliche empörter Leidenschaften und stolzer Herrschsucht, die immer unter andern Gestalten unter den Sterblichen wüthen! — Doch — indem wir dom Schauplaz der Zerstörung auf die friedlichen Thaler umher schauelcn, flößte das Bild stillen häuslichen Glükcs, das Bild des Fleisses, der im Schweifte seines Angesichts sein eigenes Brod isset, das Bild der Genügsamkeit, wie. der Heiterkeit in unsre Seele. Die Aussicht von Küßen» berg herab ist sehr ausgedehnt und lachend. Sie erstreikt kch über den Schwarzwaid, das Klettgäu , einen Theil des Badergebiets — die prächtige Kette der Alpen. Unzählige Dörfer, Städtchen, Klöster glänzten rund umher auf sanften Anhöhen und in fruchtbaren Thälern im Sonnenlichte. Der klare Rhein , der hier Schwaben von der Schweiz trennt, verschönert die Landschaft ungemrin. 4. Am stillen Abend giengen wir zufrieden den Schloßhü. Sei hinab ins Dorf Bächterspol. Die Sonne vergoldete die Wälder und Berge um uns her. Der Fährmann bey Aekingen führte unS über den Rhein zurük. Beym hin, «nst -gen durch das Baldingerthälchrn, das izt der Mond schauerlich,schön beleuchtete, wurde mir eine Begebenheit gr. 142 geschildert, die ich um so wahrer wieder erzählen kann, um so tiefer sie beym Anblik der Gegend selbst, wo sie sich ereignete, Eindruk auf mein Gemüth gemacht hat. Es war am Abend des VerenafestS 1792. AlS die Fa» milie des Herrn von O * * von Zurzach nach Baldingen zurükkehren wollte, als auf einmal ein heftiger Sturmwind schwere Gewitterwolken über die Gebürge herwäljte. Nacht und Grauen hüllte die Gegend ein. Blizc stammten in die furchtbare Dunkelheit. Die Wanderer flüchteten in das nächste HauS, des am Fuß der steilen Nurre gelegenen Don fcs. Plazregen mit Hagel stürzte vom Himmel. Die Berg. bäche schwollen an und rollten Steine, auS der Wurzel geris. seile Bäume und Schlamm ins Thal. Immer höher wuch. scn die Waldwasscr und sammelten sich um das Haus, wohin sich dir Familie gerettet hatte. Mit jedem Augenblik wurde die Gefahr drohender. Jammerstimmen ertönten: „ Flicht, sonst seyt Ihr des Todes! « Da ergriff Bestürzen alle Bewohner des Hauses. Sieben Kinder umringten ihre Eltern mit Zcttergeschrey. Alles wollte die unglükliche Wohnung verlassen. Aber wohin in schwarzer Nacht, beym hrrabtosenden Hagel, umrungen von wütenden Bächen? Hr. von O * * wagte sich mit feiner Gemalin und kam glüklich durch und in ein anders HauS. Eben so derjüa- gere Sohn. Aber wo blieb die Gemalin des ältern SohnS, wo wo.Hr. grauenr und w wagten aber da jede an der Bl wensch! de, un ! Dame ! ten sie ! Augen! ! rerGei ^ hallen ' Sanzlic ^ das re alle 2 ' Nächst ! da-F Uch kc dur bis »43 !„, um wo Hr. F*. ein Freund des Hauses — Diese verfehlten in sich er- grauenvoller Finsterniß den Pfad, beyde ergriff die Flut, ^ und wälzte die eine dahin, den andern dorthin. Männer ! wagten sich mit Lebensgefahr, die Vermißten aufzusuchen, )ie Fa» aber das allgewaltige Tosen der empörten Elemente ersiikte lvingen jede andere Stimme. Mit einmal erleuchtete ein flammen, mwinb ! der Bliz die Schrekenscene — die Suchenden erblikten ein Nacht Menschliches Wesen im Strom; sie gaben sich schnell dieHän. in die I de, und so, einer an den andern gehalten, zogen sie die junge in das ^ Dame aus der augenscheinlichsten Todesgefahr, und brach- ' Dor, ! ten sie den bange harrenden Eltern. Sie hatte sich bis zum Berg. ^ Augcnblike der Rettung mitten im wütenden Wasser mit wah, greif- ! ter Geistesgegenwart an einem hergewälzten Felftnstüke ge. ivuch. ^ halten, und war beym beständig herabschmetternden Hagel >aus, gänzlicher Abmattung nahe. Meinen Freund F. hatte indes enblik dgg reissende Gewässer noch weiter fortgewälzt, bis er endlich »ten: ane Besinnung verlohr. AIS er wieder erwachte, lag er kürzen nächst einer Hütte; er rief um Hülfe — ein Mann öffnete ihre das Fenster, trat vor die Thüre, und rettete auch ihn. End« kliche Kch ram einer der ausgeschikten Männer, und führte ihn in beym , wo sich die uebrtgen gerettet hatten. Welche -e« 7 Freude, da sie alle sich wieder sahen! Sie blieben die Nacht kam durch bey guten Landleuten, die sie liebreich verpflegten — i jüa- dis endlich der Morgen kam, und die trübe aufgehende Sonne >hns, den Anbijk der Verwüstung enthüllte, die das schrekliche Ge- a» Witter 144 Witter viele Meile» weit dem Rhein nach angerichtet halte, wo. , Kohncr mit sich aber auch die tröstliche Nachricht verband , daß kein § Gew Mensch sein Leben eingebüßt habe. Karrcnsc Zurzach liegt unweit Baldingen in einer fruchtbaren Ebene. Die Nähe der Rcuß, der Aare, Limat und des Rheins machen diesen Ort sehr vortheilhaft zum Handel und Ver. kehr zwischen dem Auslande und der Schweiz. Jährlich werden da zwo beträchtliche Messen gehalten. Während der Marktzeit sind beynahe alle Häuser in Gasthöfe verwandelt, selbst die Wohnungen der Geistlichkeit nicht ausgenommen- Die Buden glänzen von Gold und Edelstein und Flitter aller Art, und die Gewölbe sind mit jedem Produkte der In. dustrie angefüllt. Dir zwey ersten Tage der Messe sind in, deß die geschäftigsten, denn da wird fast aller en gras Han. -el gemacht. Die Concurrenz und das Gedränge von Mcn. schen ist an diesen Tagen erstaunlich. Jedes Apartement er. klingt von groben Geldsorten. Die Banden herumreisender Musiker beleben die Tafel, oder ein Ebräer stihlt sich mit Ta< schenspielerkünsten herein; lustiges leben ertönt auf den Kos. fehäusern; die Lvttericbude lokt hinzu, das Wohlwollen der Fortuna zu erproben — und eine Trotte wird zum Schau, spielhaus eingeweiht, wo denn Nachts das Bett der Keller ins Theater verwandelt, und bald von Puppen, bald von Luftspringern belebt ist. Indeß der bemittlete Theil der Ei«" woh» Kinn zu durch Fi Kinnst, kacht fi besezen 3ammei tinsamei ^aum < gleich a ^uhe z, ^ung zu reu Gen kirderb Ich > "°ssen. cherwal führt u hinauf, der we, lieb "ach d -45 te, wo» »aß kei» htbarcn Rheins id Ver, Ehrlich end der andelt, Minen- er aller er In, ind im ! Ham i wohner sich von Bcwirthung der Gäste, und vom Dahrlehn ! der Gewölber reichlichen Profit zieht, der ärmere Theil durch Karrcnschieben, Lasttragcn und Nachtdienste einigen Gewinn zu erhäschen. Die umliegenden Dörfer verdienen sich durch Fuhrwerk, auch Meßhelfcrdienste u. s. f. einigen Gewinnst, auch die Judenschaft von Längnau und Endingen wacht fich da aus Schachern ein Fest. Lahme und Blinde desezen die Landstraßen und sczen den Reisenden durch ihr äammergcheul in Contribution. Bisweilen lauern auch auf infamen Wegen Gauner den Kaufleuten auf den Dienst — Kaum aber ist die Messe vorbey, so sinkt der Marktflecken, 8>eich als ob er fich zu sehr angestrengt hätte, in seine vorige ^uhe zurück. Ohne sich ferner um Industrie und Ausbil, düng zu bekümmern, zehrt jeder behaglich von dem erhäsch, ^ w>, Gewinn — denn er weiß ja, daß die Erndezeit periodisch ^ wiederkömmt. Mrn, ent er, isenvek nt Ta< » Kosen der 5chau, Kelter d von r Eis/ wh- 6 . Ich hatte liebliche Tage im Umgang mit Freunden ge. "°lsen. Von Baidingen gieng ich einsam durch den Zurza» Urwald ""ch dem Dorfe Dettingen. Eine Seitenstrasse ^'hrt von der Chaußee nach Degerfelden rechts den Berg hwauf. Am Auögang des Waldes, wo sich der Pfad an westliche Bergncige herabzieht, enthüllt sich dem Auge lieblicher Ueberblik gegen die Aare. In breitem Bett, dem sie die Reuß und Limmat aufgenommen, fließt K sie 146 sie dem Rhein still entgegen, der sich mit ihr unterhalb dein Dorfe Roblen; vereinigt. In der Mitte des Flusses bildet sich eine Insel von Matten und einigen Bäumen bepflanzt. Das Dorf Dettingcn, und etwas entfernter das Städtchen Rlingnau beleben die Landschaft. Jenseits des Flusses liegt die Commenthurcy Lntgecn. Hügel und Berge, mit Korngefilden und Weinreben, zerfließen in sanfte Ferne. Aas Städtchen Rlingnau gehört unter die weltliche Jurisdiktion der drey helvetischen Cantone Zürich, Bern und Glarus, im geistlichen unter den Bischof von Konstanz, der hier sei-! nen Obervogt hat. Ein Prior von St. Blasten wohnt gleich- ! falls in der Nähe. Das Städtchen genießt seiner wohlher- gebrachtcn Gewohnheiten, ohne sich weiter um Cultur und ^ Industrie zu bekümmern. Indeß zog der verstorbene gelehrte > Fürst Martin von St. Blasten einen Künstler des Stadt- ! chens aus seiner Dunkelheit. Dieser, Namens Höchle, bildete sich unter der Patronzinanz seines Mäcens vornehmlich nach der niederländischen Schule. Er mahlt ConvcrsazionSstücke mit ausnehmendem Flcisse und vielem Geschmack, und lebt jczr mit einem churfürstlichcn Gehalt in München. Als eine Seltenheit von Fleiß bewundert man von Höchlc einen Grei- senkopf im Tennerschen Geschmacke. Unweit Rlingnau ist im Kloster Sione ein Seminar für Jünglinge. — Dettingcn lenkte ich in ein kleines romantisches Wiesenthal, das von dem Flüßchen Surb bewässert wird. Einsam tram ern da Burg! aus bei Albrech «er B> lache, Nachhc Wuthu führte Rechte schrän den ii auf de lerwa lind ! über 1 leute hinter und 1 den, Keil«, hinae Thal Urrn lerisc i47 halb dein es bildet repflanzl. Städtchen; ! Flusses! ge, mit >e. Äas sdiktion ZlaruS,! hier sei«! t gleich« ^ oohlher- ur und gelehrte ^ l Stäkt« i bildete ch nach »sstücke nd lebt lls eine , Grei- rau ist Von mthal, , traue rrn ern da auf wild bewachsenen Hügeln die Ruinen der alten Burg Dcgcrfclden. Conrad von Dcgerftldcn war einer aus dem Complolte, die in dem Mordanschlag gegen Kayscr Albrecht im I. i;°8. begriffen waren. Die Zerstörung sei« der Burg war wahrscheinlich eine von den Folgen der Blutrache, die auf diesen Mord erfolgte, aber Conrads eigene Nachhinge Schicksale blieben unbekannt. Längst dem an. Wüthigen Flüßchen, das zwischen Bäumen klar hinrieselt, führte mich der Pfad in das weitläufige Dorf Oegerfeldeir. Rechts und links ist das Wiescmhal von steilen Anhöhen be. schränkt. In dem Judenortr Langnau , standen die Iu, den im Sabbatsklcide umher, die Kinder jagten sich lustig §uf den Strassen herum. Als ich das Wirthshaus zur Bett, derwaide betrat, machte mir der Anblick von allerley Bettel, Und Jqunergesindel eben nicht den besten Muth zur Reise über den Hartcnstein. Bald aber kamen bekannte Kauf» lenke nach, mit denen ich mich vergeseüfchaftete. — Gleich hinter dem Schcnkhause marschirtcn wir den Berg hinan, und nach erstiegener Anhöhe durch den langen Wald. Nach, dem wir aus dem Wald heraus waren, fanden wir uns am steilen Abhang des Hartensteino, der bis über die Hälfte hinauf mühcsam mit Weinreben bepflanzet ist. Tief im Thale rauscht die Limmat über Felsenstüke zwischen den kleinen und grösser» Bädern von Baden vorbey — die ma, ^oisch von Bäumen bedekten Hütten des Siggithals, die K » Ru» »48 Ruinen und Thürme von Baden und die steilen Felsen glänzten im Abendstral der Sonne — und zwischen durch verlor sich eine liebliche Ferne, in welcher das Kloster wcttmgeN liegt. Bey zunehmender Dunkelheit stiegen 'wir die steile Strasse hinunter. Auf einem Schiffgcn gleiteten wir auf dem reißenden Flusse zu den grossen Bädern hinüber, indeß das Mondlicht auf den Wellen hüpfte. > 7 - ^ Ohne Ihnen von Baden, das um seiner warmen ! Quellen willen seit den Zeiten der Römer bis auf izt all- ! zubckannl ist, viel zu erzählen , führe ich Sie in meiner kleine» Reifcbeschreibung weiter. — Am frühen Morgen betrat ich die Strasse in die untern Freyen Aemter. Sie verlichrt sich gleich ausser Baden in eine sehr einsame Gegend, eine Wildnis von Gesträuch und Waldung. Ein einziger Bauernhof, Tätweilerhof genannt, belebt sie einiger Massen. Bey demselben erfrischet sich das Andenken an jene Schlacht , die im Jahr »152. hier zwischen den Oestreichern und Schweizern vorgefallen. Am Ausgans des Thals öffnet sich die Aussicht gegen den Rcußfluß, über den eine, mit Zoll belegte, Brücke in das Städtchen Mellingen führt. Im weiter» Fortrücken wird die Gegend schöner. Hin und wieder erscheinen Bauernhöfe, deren umliegende Güter von kluger Landökonvmie zeugen. H06 «m- enipor s Schloß Habsb Auf sie und di Dianas berners tagessei Ausfiel tigkeit ten ko te da! des 2 Schw Stun D lichste übera T Birr dem Duv Schi nern -49 m gültig ^ ^Pvr steht nordwärts auf verwilderter Anhöhe das zcrfallne h verlor ! Schloß Brunegg, und in einiger Ferne davon die alte ttinge» ic steile wir auf , indeß Habsburg, das ehrwürdige Stammhaus Kaystr Rudolfs. Auf steilen Höhen gegen West glänzen die Festung Lcnzburg »>id die Pfarrkirche von Stauffberg. Neben hübschen Ramifakturgebäudcn vorbey, gelangte ich in das niedliche bernersche Städtchen Lenzburg. Nach einem kuizcn Mit» tagessen im Gasthaus zum Löwen, wobey ich zugleich die oarmen Aussicht auf die Strasse hatte , und mich über die Thä. tigkeit der Einwohner des Städtchens angenehm unterhalizt all- meiner ten konnte, gieng ich nach Seengen hinüber. Ich wollte da dem würdigen Hcn. Pfarrer Schinz, dem Bruder gen be- Sie I des Verfassers der Beyträge zur nähern Kenntnis des Schweizerlands, besuchen. Dieß Pfarrdorf liegt eine kleine ie Ge« ! Stunde seitwärts von Lenzburg. . Ein sie ei» linden- Die Gegend von Seengen ist vielleicht eine der lieb« Ochsten in der Schweiz. Ei» Landfchaflmalcr fände hier >en den Überall Stoff feinen Geist und seine Hand zu beschäftigen. isgang ifluß, idtchei» Zegend deren Hoch Die anmuthigen Ufer des Hallwcilersees, die bey ^irrweil etwas Alpenähnlichcs haben; Die Fahrt auf Kanal, wo kleine geschlossene Parthicn, liebliche ^"rchbiike in kleine Fernen, überhangendes Gebüsch, Schilf, und Wasserpflanzen an Geßners Dichtungen erin- ttern; her Schlatt, ein grosser prächtiger Eichwald, wo em- ma, majestätische Bäume den einsamen Spaziergänger in dir Zeiten der Druiden zurück versczcn , blockende Hccrdcn das Echo hervorrufen und der Abfluß des Sees zwischen schad lichten Usern sanft wegfließt; die mit Wassergraben umge< denen Mauern und Thürme des Schlosses HaUrvcil, bey! welchen besonders ein alter Thurm ganz mit Gebüsch und § Ephcu überwachsen ist. Um die ganze Gegend mit einmal! tu überschauen, bestiegen wir den hinter Seengen sich er' hebenden Eichcnberg. Die Morgenstralcn tauchten in röth< lichten Schimmer das Thal und die ferne Bergkette. Aus Fruchtbäumcn erheben sich in der Mitte der Landschaft die Dächer und der Kirchthurm von Sccngcn , rechts in eini« ger Entfernung von dem Dorfe das Schloß HaUrveil; links der adeliche Sij prcstenberg. Der Hallweilcrsee selbst macht die reizendste Parthie der Landschaft aus. In der Ferne erheben sich die Berge des kleinen Baldcggerseeo, noch entfernter der pilaruodcrg und der Bürgen am Vierwaldstättersee — und endlich begränzt den Horizont die Kette der Schneeberge im Urner, Unterwaldner und Has« liland / über welche alle der cngelbergische Titlio königlich ftj», Haupt erhebt. auf den dem C ländlich des Si keil. sellschaf Und dil Absicht den At haltend hatte, ses hei uissen D> Jahrh aus r in die verwi Sem, bor! Das Schloß Hallrveil ist kaum eine halbe Viertel, Züric stunde von Secngen entfernt. Zu demselben führt eine ge- «er 4 rade Strasse, auf welcher man zur Linken die Aussicht der § auf in d't :dcn das ^ i schat- > iimge» i !il, bey > sch und ^ einmal! sich er« in rölh< ! . Aus >ast die ^ > cini« ! weil; , c selbst ! fti der -sceo / > n am nt die ' HaS« iglich crtel- e ge- lstcht uf auf den See hat. Unter schattichftn Kastanienbäumen vor dem Schloßthor, auf einem Nascnplaze zur Seite des ländlichen Gartens, gekühlt durch den rauschenden Abfluß des Sees , bewirthete uns die verwittwckc Frau von Hall. keil. Dieß Zimmer der schönen offenen Natur, die Ge« sellschaft des Hrn. Pfarrer Schinz und seiner Familie, Und die Gegenwart einer der interessantesten Damen in Absicht aus Geist, Herz, Bildung und Schiksale, machte den Abend zu einem der lieblichsten. Lehrreich und unterhaltend wurde er für mich, da die Dame die Gefälligkeit hatte, uns in den Zimmern des ehrwürdigen Rittcrschlos. sts herum und in einen Saal zu führen , der von Bild« bissen der Edlen von Hallweil geziert ist. Die Geschichte derer von Hallweil geht durch mehrere Jahrhunderte in die Tage der grauen Vvrwelt zurük. Die Bücher der Ritterschaften und Turniere gedenken der Edlen uus diesem Stamme mit Ruhm. Fast immer waren sie *u die Fehden von Deutschland, Oestreich und der Schweiz ^rwjkelt: Bey der Schlacht am Morgarten i;i;. bey ^enipach »;86.im Appenzellerkricg 14c.;. bey der Schlacht Mirgnan isi;. Ao. »444. war Hans von Hallweil der sicher Hauptmann. Am glänzendsten aber erscheint je« ^r He/d , der die EidSgenößsschen Vortruppe» »476. bey Schlacht vor Murten, gegen den burgundrscheu Karl dtn den Kühnen anführte. Mit stiner frommen Kriegsschaak ^ fällt er im Angesichte des zahllosen Heers der Feinde, wäh» i rend der verfinsterte Himmel in Regengüssen herabströmt, auf die Knie, den Schuzgott des Vaterlandes zu flehen. Die Sonne bricht zwischen den zerrissenen Wolken hervor und leuchtet in glänzenden Strahlen auf die betende Schaar. »Gott ist mit uns"! rief entzükt der Held / zog,sein Schwerdt, stürzte mit seinen Kriegern in die Feinde, und siegte. — Später theilte sich die Familie von Hallweil in die Wienerische Branche > und in diejenige , welche daS Stammhaus mit allen seinen weitläufigen Gerichtsbarkeiten bis auf jezt bestzt , und in drey hoffnungsvollen Söhnen der Frau von Hallweil fortlebt. regsschaak ^ dc, wäh- ibströmt/ u flehen, n hervor Schaar. Zog sein >de, und llweil in lche dafl rnrkeiten Söhne» V. Bemerkung und Frage eines reisenden Beobachters i» demKanton Schweiz. Der alt« Kanton Schweiz hat in den neuesten Zeiten wieder angefallen soviel Aufsehen zu erregen , daß auch minder wichtige Beyträge zur Kenntniß desselben nicht unwillkommen seyn werden; wir nehmen daher nachstehendes Gemälde von dem Hauptstecken und seiner umliegenden Gegend, gerade so wie wir es vorqestm-- den haben, in unser Archiv auf. Das Srginal ist ein einzelner Drukbogen, der im Jahr 17-7, ohne Anzeige von wem oder woher , zum Vorschein gekommen ist. Bcrnei Nuzbar ttbrun weit e auch! Man, Diane l'Nhci >arum werden von Schweizern und Teutschen nur die Bäder in Wallis, Bündtcn, Baden und Schinznach be. sacht? Warum wird der Flecken Gaiß in dem hohen Ap, venzellerland allein zur Kur der Gaißmilch erkiesen? Wa» tum werden nur die hohen Alpen Appenzeilerlands und Bcrner Gebicthö zur Schotten »Kur bequem, niedlich und Nuzbar gefunden? Warum bedient man sich nur des Sau« ttbrunnens von Pfeffers im Sarganfcrland, und andere« weit entlegener kostspieliger Knr, Wasser? Warum nicht auch zu Schweiz, in dem edlen herrlichen Schweiz, wo tnan alles leicht und zufrieden haben kann? Vielleicht auS Dlangcl an Kenntnis, aus Unbewußtfeyn, oder aus Vor« Urtheil. — Verzeihet mir's, Bürger Helveticas! Ich finde mich aus Antrieb der Verehrung gegen Euch, biedere festen Bewohner des Kantons, zu nutzender Beleh. *ung der übrigen lieben Schweizer, und zum vergnügenden Vortheile meiner liebe» Mitbürger des Reichsbodens, ei, b'ge ungeschmükte kurze Schilderungen niederzuschreiben und bem Publicum zu widmen. Waget es mit einer Probe, und ihr werdet meine Worte *vahr finden, und zufrieden zurückkehren. Ich 156 « Ich hielte mich lange in Schwei; auf, bemerkte, waS ich ru bemerken wünschte, genoß frohe unzuvergessende Tage , kehrte dankvoll zurück, und segnete dieses von den Einwohnern nicht genug bewußt und einsehend kostbare Land von ferne. Das ganze offene ebne Thalgelände um den Hanptort Schweiz ( welcher nachher ausführlicher beschrieben wird) ist alles von Wiesen und Obstbäumen angefüllt; Palläste, schöne ländliche Holzhäuser, herrlich grosse Schcuren, schöne durch das Thal steh schlängelnde Flüsse, und die schöne Spazicrgänge auf Brunnen, eine Stunde von Schweiz, und auf Scwen, «ine halb: Stunde von da, zieren daS Thalgeländr; die Berge, wie ein Wall gegen dem kalten Nordwinde, umzingeln solches, wo aber zwey Aussichten offen sind, eine rechts über den Lauwerzer See in das Zuge» Gebieth und freye Amt, die andere links über den Vier. Waldstädtersee bis in das Unterwaldner Land. Die Berge sind bis weit hinauf, ja an einigen Orten bis auf die oberste Fläche des Berges von nutzbaren Wiesen theils für die be. rühmte grosse Kühe, theils für Pferde und anderes Vieh. — Besonders ist der sogenannte Hoggenberg am Rücken des Fleckens sehrnswürdig, der bis auf die oberste Fläche mit Wiesen, Bäumen, Häusern bese;t ist, wie im bestimmter» nachgebracht wird. D' die H, zerstm bände berühr der H aus. in R ÄZebe Land« Aiszc: Flecke ist ih und tcn L das Ner Ort- groß Br„ Mac, Len kein Der !, Wade Ta. n Ein-» e Land uiptort wird) llläste, schöne schöne )wei;, i daS kalte«« sichten Zuger. Vier. ^ Serge ! berste ie be« ! !h.- i des ! mit ntern «er Der Flecken ist groß und herrlich, meistens sind aber die Häuser um den Flecken auf den angenehmsten Wiesen icrftreut , wohl drey Theile davon sind staatsmäßige Gebäude , sehr viele kommen in die Gleichheit der Palläste berühmter Städte. Vorzüglich zeichnen sich die Palläsie der Herren von Weber, Neding , Hettlingcn und Iüj aus. Der Eingebau als Aleublemem suchet seines gleichen i» Residenz-Städten; so wie auch eines Herrn Grafen Hebers Haus in der Pracht und Kostbarkeit, und Herrn Landammanns von Rcding Haus in der Niedlichkeit sich auszcichucn. -'Die grosse Kirche pranget fast mitten in dem Flecken, als eine bedeckende Mssa, hell und majestätisch ist ihr InncrcS; auch der anstehende Thurn ist schön, u»d ein prächtig starkes Geläute schallt in den auch entfernten Orten. — Die zwey Klöster mit ihren zierlichen Kirchen, das schöne Gymnasium für die studierende Jugend , in einer anmuthigcn Lage ob dem Flecken, verherrlichen den Ort; und die obrigkeitlichen Gebäude dürfen mit denen aus stressen Städten in die Wette gehen; drey staatsmäßige Brunnen, von den gesündesten Wasser «Quellen gefüllt, Zachen die Plätze in dem Flecken angenehm. Die Gasthöfe sind so gut eingerichtet , daß sowol we- sten der Niedlichkeit, als guter und billiger Bedienung Eriu unbefangener Fremdling sich beklagen wird; ja einige Gast. -58 Gasthöft dürfen in dieser Rücksicht den ersten Gasthöft" HclvctienS zur Seite gcsezt werden/ welches ich bezeuge" kann. Bey dem grossen Hirschen ist eine Gesellschaft errichtet , die jede Woche zweyinal des Nachmittags sich versammelt/ in welcher sich sehr viele Damen/ Herren von« Staat / Officiere und Partikularen einfinden / wo man denn bis Abends entweder mit undrückenben Spielen / oder mit Gesprächen nach Belieben sich unterhalten kann; und zu dieser angenehmen, würdigen und eintrachtSvollen Ge/ srllschaft hat jeder honette Fremdling freyen Zutritt. 2" andern Partikular. Häusern findet man auch die angenehmste Gesellschaften / wo jeder Fremdling mit besonderer Höflichkeit und gröster Achtung behandelt wird. Man hat um Schweiz herum die Alleen gleichende schöne offene Spazier- gänge; man kann aber auch einsame Spaziergängr wählen. Jeder Fremdling wird von Vornehmen so wie von dem Landvolk mit offener Menschenfreundlichkeit und zuvorkommendem Diensteifer behandelt. Er kann in dem offenen wie in dem stillen die reinste gesündeste Luft mit lachend zufriedenem Herzen einschlucken ; er kann in Partikular- Häusern einsam, oder in offenen Gasthöftn sich die aller- reinste Gaiß. oder Küh, Schotte anschaffen lassen; er kann sich in Sewen des BadcS (von welchem gedruckte Büchlein zu haben sind) so wie die Einwohner von Schweiz unbeschwert bedienen. Er kann alle Tage das köstlich bewähk- ie, un 8er W Jahren geben ruhig des ge uufgen chrn. der D N, schöne Ncs L decken nrersitz nannt auf e Herrr Ntann aus, gen» Ntige, baun Kit, und re, lasthöfttt' bezeuge« chast er^ i sich vcr, j en voiN ^ )0 man ^ >/ oder i; und > en Ge> ^ tt. 2« ^ enehm- > r Höf, ^ hat um ^ pazier, ^ rahlen. n dem srkom- offenen achend ikular- aller- kann >chlei* unbe- wähnte, - 5 - le, und von Tag zu Tag neu bewährende sogenannte Jber, ger Wasser (von welchem Herr Doctor Suter vor wenigen Jahren einige Vissertstione8 in zierlichem Latein herauSge» geben hat) gemessen. Alles dessen kann sich der Fremdling ruhig bedienen; er kann sich der Stadt/oder Landluft, des gesellschaftlichen oder des einsamen Lebens, der lustig, aufgewektcn oder der philosophischen Art theilhaftig ma, chrn. Billig ist also meine Frage, und kein unbefangener Mensch wird mir solche verargen. Noch muß ich Jedem mein Lieblings. Ort in diesem schönen Kanton (das mir bis auf den lezten Augenblick meines Lebens in unvergeßlichem Andenken bleiben wird) entdecken und zu besuchen anrühmen. Der so reizende Som, versitz des Herrn Grafen Pannerherrn von Weber, Siti ge, nannt, ist es, eine kleine Viertelstunde ob dem Flecken §Uf einer Anhöhe gelegen, an dessen Fuß die Gebäude des Herrn Landammanns von Rcding und Herrn Majors Bell, ^ann von Kittenbach stehen. Der Zusammensiz bestehet §us sehr vielen Wiesen, Waidgängen, Reben, Waldun, 8en und Gärten. Die Waidgänge sind mit sehr vielen Allgemein grossen Nußbäumen, die Wiesen aber mit Obst» turnen, theils Alleen, theils Obstgärten gleichend, ve- welche dann mit erstaunender Menge von Kirschen- "nd Zwetschgen-Bäumen nutzrnvoll vermengt sind; die Mitte ISO ! Mitte vo» diesen Wiesen ist fast eben , wo dann eine etwa ;oo Schritt lange Allee angelegt ist. Am Ende der Allee, am Rande des Berges, steht ein neu aufgebautes Sommerhaus zwischen geschmackvollen Gärten und besten Re» den, dessen vordere Seite ein altes Schloß, die Hintere Seite aber ein altes Bauren. Gebäude vorstellt, auf dem untern Stock ist ein zweckmäßiger Saal angebracht, mit drey grossen GlaSthüren versehen, durch welche man in die Alleen, Gärten und Reben gehen kann. Das Aug kann sich an dieser abwechselnden Aussicht nicht satt sehen, und das Herz athmet vergnügt die reinste Luft ein. Gegen Morgen etwa ;oo Schritt durch eine nutzvolle gerade Allee von obbenanntem Gebäude erhebt sich ein Wald, worinn ein geistvoll angelegter englischer Garten sich befindet, der mit untermischten kleinen Gärten, Einsiede- leyen, ausländischen Bäumen, Gebüschen, seltenen Stein, arten, mit paffenden Innfchriften in mehreren Sprachen geziert, und mit wohl angebrachten Figuren und Pyramiden ausgeschmückt ist. Oben durch den Wald geht ein offener sehr frequenter Weg zu einer schönen Kapelle und Waldbruderey , welche sich dem Auge angenehm darstellet; hinter diesem Wald in einiger Entfernung steiget der prachtvolle bekannte Felsen» berg, der kleine und grosse Mitta (so von einigen Fremdlingen singen Srüncn Geg« scn unt bestehen« Geg volle ni Ser G schönen Durch angeneh Hegem Wit dci ! auch v dem A i» etw. Ludwi dar ke ( 2 ch l Nach Anpflg G See eine et, knde der es Som- sten Re< Hintere ins dem »t, mit man in >s Aug sehen, utzvolle ch ein ^ darren , insiede« ^ Steinrachen >miden uenter velche ild in ielsene remd- en , 161 ! ^igen unbewußt Haggen genannt wird) wie aus einer grünen Hülle himmelhoch empor. Gegen Mittag beschrankt der schöne mit herrlichen Gan, Scn und Lauben durchschnittene, etwa in zwey Juchart bestehende Rebberg dem Auge die fernere AuSflcht. Gegen Abend rechts sieht man von ferne die getreid, bvllc niedere Gcbürge deS obern freyen Amts und die Zu, 3er Gcbürge; etwas gegen Mittag den sonnenreichcn schönen Steiner, und Roßberg mit der Pfarrey Steinerberg. Durch die Ebene ergießt sich die Aussicht über den kleinen ^genehmen See und den nuzvollen Boden bis gegen Arth. Gegenüber in einer angemessenen Entfernung stellt sich der Hit den schönsten Wiesen, Waidgängen und Obstbäumen, u»ch vielen Bauerhöfen besezte sonnenreiche Berg Urny bem Auge lächelnd entgegen, an dessen Fuß der kostbare, etwa zchen Juchart bestehende, dem Herrn Landammann Ludwig von Weber gehörige Rebberg (dessen Wein unläug- bar keinem Schweizerwein weichen darf) ins Auge fällt. (2ch hoffe, die etwas schwache Industrie werde nach und ^ch stärker werden, und die Besitzer zu dieser nuzbaren ^pstanzung ermuntern.) Gerade neben diesem Berg über den 'Vierwaldstätter« ^ in einer weiten Entfernung sieht man die Untermalt», L mr- 162 ner.und Engelberger-Gebirge, hinter welchen die Urnts kirchcn r rischen EiS. und Schneegebirge glänzend hervorragen. Neben dem See etwas links bey Brunnen fängt eint andere Bergkette niedrig an, welche von ihren wohlgebauten Kapellen der obere und untere Schönenbucherberg genannt wird; dieser niedere Berg ist ganz mit Häusern/ Wiesen, Waidgängen und Obstbäumen besezt. Zwischen diesen Bergen und Seen liegt dann das weite offene event Schweiz, und welch ein entzückendes reizendes Gemessen iß dieses für das begierige nachspürende Aug, ein grosses wei- tes Thal von Wiesen, mit einer Menge der kostbarsten grösten Obst, und Nußbäumen aller Art, theils in Gruppen , theils in Alleen getheilt , besezt, die in mehr als i;o. bestehend ländliche wohlgebaute Häuser, der prächtige, staatmäßige Flecken mit den umliegenden, auf den Landgütern stehenden prächtigen Pallästcn, bey welchen die niedlichste Gärten angebracht sind, in denen man Orangerie/ indianische Gewächse, fremde Bäume, Feigen, Mandel in freyer Luft, und aller Art Steinobst, samt den besten Garten, Früchten, als Melonen rc. antrift. Der von de«n Muttahal bis Brunnen das Thal durchschlängelnde fischreich* Fluß Mutta und die Sewern. Die viele in kleinen und grösser«, Gruppen zusammengefezte Häuser oder Dörfchen / -je viele schöne Kapellen in selben , auch entfernte Pfarrkirchen de befri sen vcrn M diese. Geg etwas c sten Wi (darun Kapelle, hinauf ren, H chen v, nem st Tvbelb mit kl, fchrn, Kapell Brück, Aussic chen I terw< Stoß 2 die Urn^ kirchcn mit ihren Dörfern. Diese abwechselnde Gegenstäw zeo. ^ de befriedigen gewiß das unbefangene Aug jedes auch gros, j sen vernünftigen Fremdlings. Ein Naturliebhaber kann sich "gt ein^^ ^ djxscln Thal nicht satt sehen. hlgcbau»! berg gt» läusern/ Zwischen ic event iesscn iß es wcu stbarste» Grup» chr alS ichtige, Land» ie nied» igerie, idel in besten » den> hreicht i und scheu» Pfarre ' Gegen Mitternacht übersieht man eine mahlerische, weite, etwas abliegende ländliche Gegend, welche mit den kostbar, sten Wiesen, Häusern, Obstbäumen, vielen schönen Höfen, (darunter auch etwa drey Palläste und einige Familien» Kapellen ins Aug fallen ) bereichert ist; gegen dem Berg hinauf stellen sich aber alles Waidgänge mit schönen Bau ren, Häusern, und einigen kleinen Tannen - und Buchwäld, chen vermischt dem Auge vor, welche Wiesen dann mit ei» nem schlängelnden, grosse Steine führenden Bach, der Tobelbach genannt, durchschnitten werden, dessen Ufer Mit kleinen Wäldchen, regelmäßigen Mauren und Gebüschen eingezäunet ist; neben diesem lorrent gerade in der Ansicht liegt das Dörfchen Rickenbach mit seiner schönen Kapelle. Alles dieses, m,t Innbegriff der zwey hölzernen Brücken geben ein sehr romantisches Aussehen, da diese Aussicht mit einem niedrigen, ganz mit Tannen und Bu» Hrn besezten Berg, der Gibel genannt, begrenzt ist, hin» ter welchem sich dann die hohen Alpen»Gebirge des Berg-, Stoß genannt, durch ihre grüne Waidgänge auszeichnen. In diesen weidete sich mein Aug entfernt viele Stunden, Hen L r 154 erkannte die Allmacht des Schöpfers, beneidete unstrafbar! das ruhige Glück der biedern Schweizer, und wünschte ihnen mit dankvollem Gefühl den ungestörten Genuß und Segen. Waget es, liebe Eidgenossen, waget es, theure Mit- brüder des Reichs, machet einmal einen Versuch, und ihr werdet froh genesen, und gewiß mit Erstaunen dankvoll zu« rükkehren, euren Brüdern, Mitbürgern und Bürgerinnen mit Zufriedenheit sagen: der dieses einfach daher schmierte, hat doch die Wahrheit gesagt, und wir gemessen die unvergeßlichen Früchte. — Ach wie wohl wird mir dann auch dieses sichere Urtheil thun, und wie süß für mich Dankbaren, wann ich durch meine wenige aber gut gemeinte Zeilen dem edlen Ort, und dem Besuchenden nützlich seyn könnte. Warum also rückhaltend mit der Besuchung; meine Frage, und eine gegründete Frage. «nstrafbak! wrrnschttj muß un^ l ure Mit-' und ihr kvoll zu» 'gerinnen hmierte, die un^ nn auch Vankba» e Zeilen l könnre. ^ meine! Vl. Fragmente aus den einer Reise nach der Tagebüchern Schweiz. 'X>ie 6 deiner l> Elsaß w Der Herr Verfasser dieser mit Begeisterung dargestellte» Schwele zergegenden, ist: A. G. D. Graf von Msltke. Seine Fragen turnte erschienen zuerst im Deutschen Magazin, Oktober 17s-, ^ aus welchem sie hernach in das neue Schweizerische Museum 17»», S. zr; — sz; übergetragen wurden. daß es ! den, hok ich den ie, rech iasstschei die die lassen r der Sc Na Alüns Züi die sp, bester Tie ii ivie g, 6erli die B< mißt t Himm tarakle Wettst ^ ner C ; diesen reiche' sem i den k Kreis chen kühn mvch sesez che rst, wenn len, wenn wenn in alsdann '^römen, g dahin- und wie endigen >elc mie e ich es meinen äre fest ie Licht ! > arm, mäche? Meine nicht n wel, schöne - mden- ! rehen, Sin, ! cn, 169 nen, sich nicht an den unermeßlichen Kreis des Grossen und Kleinen in der Natur zugleich wagen. Es ist also, wie Sie sehen, keineswegs Undankbarkeit, was mich diese odc^ jene schöne Baum - Lauben - Szene, jenen kleinen Bach- Auftritt, diese duftende Wiese vernachlässigen läßt. — O Nein! es ist vielmehr, daß mit dem Maasse der Berge, Klüfte, Schlünde, unsere Sinne, durchs Anschauen, eines grösseren Maaßstabes gewohnt werden. Der Baum wird dann klein, wie der Laubenbaum eines Christgcschenkcs; die Bäche sind dünngcfponnene Queksilberfadcn. Hingegen mißt das Auge mit aufgethürmten Bergen den Abstand des Himmels von der Erde; das Ohr hört nur posaunende Ka, tarakten; die Einbildungskraft mit ihrem Fluge hält den Wettstreit mit der Allmacht. Ob aber dieser Zustand mei. ner Sinne das Maaß der Vollkommenheit fei, das sie in diesem Lande, wenn sie desselben würdig sind, unbedingt erreichen müssen? O nein! im Gegentheil, sie müssen in die. sem Lande den hohen Bund mit der Natur schlichen; in den kleinsten, scheinbar unbedeutendsten ihrer Werke, den Kreis der Unermeßlichkeit, den sie in dasselbe webte, su. chen und finden; in den Werken aber, die die Natur ihre kühnsten, ihre edelsten nennt, ja in denen, in welchen, fast möchte ich sagen, sie sich selbst eine Fabel, eine Dichtung sesezt hat, einige der unzählbaren Stufen betretten, wel, He mich dem Unbegreistichen »aber bringen. Ja! erst wenn wenn an diesem Grossen und Kleinen meine Gefühle daher- strömen, gleich einem mittelländischen Meer, von dem Grossen und kleinen gleich beschränkt; dann werde ich das erreicht haben, waö ich für meine Sinne und Empfin. düngen hier zu erreichen wünsche und hoffe. Aber Erzählung - Erzählung dessen, was Sie gesehen haben, höre ich Sie rufen. Wohlan ! — Doch Erzählung —. dies meistcntheils lahme Kind des Gedächtnisses? Erzählung von dem was die Natur war, was sie im Münster, thal war? dieses Münsterthal, eine einzige heilige Naturhandlung die ewig und unaufhaltbar zu neuen Auftritte» und Entwicklungen fortströmt ? Nein — ich werfe feiernd den Schleier über dieses in ««ermüdender Schöpfung bcgrif, fene Thal — und nenne Ihnen unter allen seinen Wundern Eins nur: La Pierre pertuie. Die alten Römer wünschten eine Verbindung zwischen den Helvetiern und Rhätiern. *) Ein grosser Bergrücken trennte die beiden von einander. Die Römer, der Stolz der Nationen, faßten den Entschluß einen Rücken der Erde durchzubrechen ; der Entschluß ward That. Die Zeit, die grosse Neiderin aller kühnen Entwürsse, aller grossen Welt umfassenden Thaten, hat auch hier hinterlistig gewirkt, und Pierre pertuis, das Monument einer Nation, die fleh einstens Weltbeherrscherinn nannte, seufzet jzt unter der des. despotisi vorige < heit dos 3 » Galliot der Hi diese ir fenbla der eik Wo ei ganzer Edelst Zeit r werde T Theil nun wo si Grw brin, dar Thai im *) Aaurakern sollte es heiffen. ! daher- r dem erde ich Lmpfin. gesehen ählung Erzäh, ünster, Natur« stritte» feiernd begriff lindern despotischen Vergänglichkeit. Es ist nicht mehr das, was vorige Jahrhunderte es rühmten — aber für unsere Menschheit doch noch immer zu groß! Zu groß? In einem Jahrhundert, wo lombardier. Talliottcn mit ihren ausspeiendcn Schlünden den Schein der Himmelslichter zu verdunkeln streben, und ein Mann diese irrdischen Kugeln des Verderbens zerplatzende Sei- fenblasen nennt? — In einem Zeitraum, wo für und wider eines halben Welttheils Freiheit gefochten wird? — Wo ein elektrischer Stoß die Rechte der Menschheit einem ganzen Reiche wiedergibt, von dem die Mvrgensonne deS Edelsten, der Freiheit, weit um sich leuchtet? In einer Zeit wo Neutralitätsakten geschlossen, Fürstenbünde gefeiert werden! — enden rennte ' Na, >urch- grosse l um, und e fielt der es. Doch wozu bis olles? Es ist ja nicht der tausendste Theil von all' den Gedanken, die mich ergriffen, als ich vu» jm Gewölbe dieses durchbohrten Felsenrükens stand, Wo fürchterlich hängende Massen dem Scheitel drohen. Dies Gewölbe hat über 50. Fuß Breite, 2;. Fuß Tiefe, und ist beinahe -6. Fuß hoch. Kömmt man von Diel her so ist das Gesicht gegen Dachsfelden gekehrt; ein abschüssiges Thal,welchem die wogenden Kornfelder mit den stillern ^ schönsten Grün blühenden Wiesen abwechseln; hie und ^Gruppen von Bäumen, einzelnen Sträuchen und sich ge. scllig 172 ^ scllig nähernden Wäldern, die bald Heller bald dunkler labi« rintisch das Thal durchkreuzen. In der Mitte dieses Natur, gartens ruhen Dörfer mit flachen helvetischen Dächern. Die ^ Birs, ein Strom, der nahe an dieser Ehrenpforte entspringt; folgt den Weg ihrer Phantasie, rieselt hier über Kiesel, braust dort durch Felsen, und schlüpft da wieder sanfter durch grünende Ufer, indem sie verweilender sich an ihren Blumenreichen Auen weidet. Alles dies begränzen ferne blaue Gebirge, einer Nachtwolke ähnlich, die im Abend, stral grau gefärbt majestätisch langsam herannahet; und Wälder, die mit den Jahren der Well zu buhlen scheinen, erklimmen chaotisch den hohen Rücken. Wo aber die Strasse nach Diel zuläuft, sieht man einen hohen Berg Hinansteigen ; auf seiner Fläche stehen alte, ehrwürdige Taimen spitzig gen Himmel wie Lanzen gestrekt, eine Schuzwrhre gegen jede Verwüstung der Wetter. lur und der per, Völker, sie den erten si Sie w zwange verbind Ueberw I der Ne Ick die ich Um iw Leben segnet, len?? Rings um thürmen sich Felsen, die den Sturz dro, hen; aber Jahrhunderte sahen die Drohung, und sie stürz, ten nicht. Der Mensch bebt in entzückendem Verstummen, wenn er anbetend die kühne Arbeit der Natur siehet, wir sie dieser unermeßlichen Felsen Stehen oder Stürzen, manch, mal an ein Haar, ach! an das Umschlingen der Wur>el eines Gesträuches, das im Wachsen sich abzehret, knüpfte- Aber wer ei auch sey, der nach mir, diese grosse Na- Ur war d Bern 7) < tur ler labi« Natur, a. Die rte ent. ^ er über wieder sich an iränzen Abend, ; und einen, Ztrasse >anstei- spitzig gegen tur und den kühnen Entwurf in ihrem Mittelpunkt siehet, der vergesse die Menschheit nicht. Die Römer überwanden Völker, Welttheile, aber sie unterjochten sie nicht; indem sie den Gebrauch aller väterlichen Geseze erlaubten, bereich« erten sie nur die Ucberwundenen mit römischen Gesezen. Sie wollten die ganze Welt solle Noma heisscn. So bc« zwangen sie auch Felsen, um Menschen mit Menschen zu verbinden. Es ist kein Volk, das so der wahre Stolz des Ueberwinders belebt hätte. Rom war der Schrekhom *) der Nationen. Ich endige, Lieber! Die gaukelnden Wellen des Sees, die ich vor meinem Fenster sehe , rufen mich — ich eile, Um im Monden,Glanz auf ihm zum Schwan zu werden. Leben Sie wohl, und seyen Sie dem Feyer-Gefühl ge, segnet, wozu dieser Brief — oder wie nenne ich diese Zei» kn? -- nur schwacher Abdruk ist. l dro, stürz« mrn, , wie auch, urtel ipfte. Na, 2 . Die Via mala in Graubündten. (Ich durchwanderte sie den rs. Sept- 1790.) Unvorbereitet kam ich mitten in ihre Schrecken. Ich ^ar den Splügen, einen Berg hoch wie der grosse St. Bernhard, niedergestiegen; hinter mir lag der Ahein- rvald ') Einer der höchsten Berge in -er Bergreihe der deutschen Tchweij. -74 wald au seinem Fuß. Ich stand jzt am Ende dieses WaldeS; war am Anfange der Via mala. Zwar hatte mir auch der Rhcmwald Erstgeburten von Wundern dck Natur gezeigt. In seinem Dunkel leuchtete der Rhein! in dessen Sprudclschaumc Bäume, Felsen und Gesträuch' in einander verschlungen, emporstrebten. Auch hier war Krieg! Aber seine Schrecken verschwanden mir, als ich in dem ebenen Thal von Schams , das zwischen dein Rheinn>.rld und der Via mala in der Mitte liegt, dir Sonne von Hügel zu Hügel hüpfen sah; sah, wie das weiche Grün, dessen Spitzen hie und da der Herbst schon zu bleichen anfieng, noch immer im kräftigen Bestreben zu wachsen war; wie es besonders, mit einem lebhaften Frühlingsgrün , an den gaukelnden Wellen des Rheins, von dem nicht tobenden aber doch immer reißenden Flusse/ Schonung erbat. Ein solches Thal erfüllt den empfindenden Wanderer inv mer mit einem die feinsten Nerven durchströmenden Frieden, Wie wär' eS auch anders möglich? Gewöhnlich wälzt steh um dasselbe in tausendfachen Uebungen der Krieg der Ele< mente; und das Thal ist ruhig, ein immer fich selbst gehörender Mittelpunkt. So ruhet die Sonne , indem steh die Planeten. Welt in bunten Kreisen, die einander durchschneiden, übt, und hört ihren Krrisstrvm nicht. Ret- Reisend> Kreise, den un! in diesc> anfäche! Ach'. se daß er Rechte in dem Nerven sen sei» ten sie ren N« be ist der all daß er Natur hergeht sen; ,, »te bi Uschor ihren; brschei »Stri "Mrh> e dieses! ar hatte! lern dcc Zlhein t esträuch ier war als ich »en dem gt, die ie das st schon eben zu i Früh- !, von I §lusse, :cr inu rieben, izt sich r Eler bst ge- >n fich durch- Der «ei. 175 Reisende, der nun von dem ein solches Thal umgebenden Kreise, von dem in ihm zu immer neuen Bildungen kochen» den und gährenden Chaos, bis in sein Innerstes gespannt, in dieser Stille herunterkömmt , fühlt den Segen der ihn anfächelt. In dem Wonnegenuß des Friedens ruft er: Ach! selig, daß ich Mensch bin! Heilig empfindet er es, daß er sein Daseyn, sein Verhältniß , den Kranz seiner Rechte und Pflichten wiederbekömmt. Der war ihm dort in dem Wirbel entrückt. Dort verfolgten sein Blut, seine Nerven, seine Muskeln alle die mächtige» tobenden Gehülfen seiner kühnern Entschlüsse und Thaten; dort verfolg« ten sie die übereinander stürzenden Gedanken der furchtbar ren Natur. Hier im Thale spricht wieder das Herz. Liebe ist ihm einzige, aber auch allumfassende Empfindung, der allumfassende Ausdruck. Wonnebebend ergreift es ihn, daß er die Schrecken habe ertragen können, dort, wo die Natur, einsam in sich selbst gekehrt, in ihrem Stolz ein- hergeht, daß er sie habe rühmen dürfen ; stammeln dür. fen: „ Groß und herrlich und furchtbar, die Erste und Letz- »te bist du , Mutter Natur«! Nun von der Furchtbaren geschont, mit Wohlgefallen gehört, aus ihren Schrecken in ihren Frieden wiederkehrend, sagt er, durchdrungen von bescheidener Würde: „ Mehr bist du als die Felsen und "Ströme; mehr als die vvm Berge donnernden Lavinerr, "Mehr als die »vm Felsen schäumende Katarakte. Denn, siehe! 176 „ siehe! Dies Thal war wüste und leer; eine öde und ein, „same traurige Ewigkeit hausete hier. Da kamen deine ,, Brüder, (war es Noth oder Muth, was sie hieher führ- ,,te?) Sie riefen die bunten Wechsel des vernünftigern „und eben deswegen unerschöpflichen Lebens hervor. Dort „blökt daS Lamm, hier schnaubt das Roß, dort brüllet „der Ochse, hier schießet der Halm, da blüht der Baum meistens lauter jubelnde Zeugen der Thätigkeit des „Wesens, mit dem du gleiche Geseze der Gewißheit und „Hofnungen theilest. Er säete diese Maimigfaltig- „keit, und aus ihr sproßten üppig pflichten und „ Rechte; den vorher starren einsamen Raum vermähl- „ te er so mit der fruchtbaren Zeit ; die Rinder hiessen „Wohl und wehe, Irrthum und Wahrheit ! Aber „wennauch seit dem ganzen Zeitraum, da Menschen- „ stimme in diesem Thäte das Echo hervorrieffen, nur ein „Aristides oder Timoleon, nur eine Portia gelebt hätte, „welche Würde erhielte dann dies Thal! Wie erhaben „über sein erstes Daseyn!« — In solchen Gedanken und Empfindungen vertieft, und den edelsten Zwecken mit sanft tem, regem Bestreben nachhängend, möchte der Reisende ewig in solchem Thale verweilen. Thal h wachte i wid dct! den vo> schrecklic Nasser! bildete; Ziehen l sfler ar wage ei Dce ^; fie wite di, Nandci hjx ! ^rpfan u>n Teist h r>Un ar Unter i *iiont bey H Und c>r find Last d. Aber mich rief jezt die Sonne zum Aufbruch. Sie ruhte glühend auf einem der Schneeberge, die weit über das Thal 177 ind ein- n deine er führ- iftigerri Dort brüllet Du um eit dcS t und faltig. und mähl, »esse»» Aber ischen- w ein iätte , haben und fanst ifende ruhte daö »al ^hal hinaussehen. Schon war es Abend und kühl; ich Machte mich auf, nahm meinen Bcrgstab in die Hand — ">id betrat die grausende Mala. Sie fordert drey Stunden vom Wanderer , und jede Minute ist in ihr eine schreckliche Ewigkeit; Felsen, deren ich keine ähnliche sah; Nasser die vielleicht die Natur nur einmal und zwar hier bildete; Dunkel der Chaos. Nacht, das bald sich selbst zu setzen schien, bald starr rührte als die undurchdringlichste aller aus fernen Welten geflohenen Nächte. — Doch ich ll>age eine nähere Beschreibung. Drey Brüten machen auf diesem Wege drey Ruhepunk. dr; sie sind so zu sagen die Losungsknolten der drey Ausäste dieses Natur, Drama. Auf allen dreyen weilet der Nandcrer. Mächtig in sich selbst sucht er alle Kräfte auf, llni die Erschütterungen, die er bis zu jedweder von ihnen *llipfangcn hat, zu seinem Eigenthum zu machen; aber auch den kommenden Auftritten, die sich an sie mit neuem ^eist heran wirbeln, nicht zu unterliegen. Hier stand ich ^n am Eingänge der dunklen Via auf der ersten Brüte, ^ntcr mir wüthete furchtbar d- auM, hl, >hrt' ! 179 kahl, ohne Vcgetazion, in die Unterwelt hinunter stürzt; und leine nackte Höhe von den Wolken bis zur Brücke rechne ich (kriegt mich mein Auge nicht) auf i;oo Fuß, halbmal also böher als der Felsenberg, von dem der Srauhhach in das L.auterbrmmen , Thal herunter perlt. Aber die fürchterliche Tiefe, über der die Brücke wie schwebet, dieser Felsen ihre eine Stürze, und der andere an der Nordscite fürch, terlicher noch wo möglich und dunkeler! Lange stand ich, and sann und wußte nicht was es wäre, das mein inner, stes so durchwühlte? Ob es die schwindelnde Höhe der Fel« lenkolosscn, oder die grausende Tiefe des HöllenabgrundS wäre? Ob die alles bedekende Finsterniß dieses Abgrunds, "der die Kühnheit, die Verwegenheit, der Troz des Men, schen, der diese Brücke gewagt hatte? Aber ich sann, und lann umsonst; es war Welle auf Welle der Wunder, auf die ich getrieben ward. Sie warfen, treiben mich hin — bald hier, bald dort, bis ich endlich wie angefcsselt nur drn Rhein sah, und den Rhein hörte. In dem tiefen Abgrund kocht er Milchschaum zwischen den düstern Felsen, lbie die Milchstrasse wenn sie zwischen grauen Nachtwolken llrömt. Doch nicht dies Kochen war fein Wunder, sondern daß ein wilder gebietender Strom, der kurz vorher eine breite von ungefehr sechs Minuten zur Ucberfahrt hatte, in der Höllentiefe so eingeschlossen ward, daß eine Heuschrecke darüber gesprungen wäre. M » Z«r< i8o Zertheile eines Orlogs Ankerseil in Zwirnfaden, und d» hast noch nur eine schwache Prrpo.-zion dieses wundervolle» Fadens des Flußqvtkes zu seiner verschiedenen Breite. Kci» Rheinfall, * **) ***) ) kein Reiehcnbach, kein 2larfall, stürzt so die Wasser, wie hier der 'Rhein sein Wasser treibt. Die Wasser, die mit dem Strom kommen, scheinen von den schon vorangeschikten wieder zurückgetrieben zu werden —' aber die erstern eilen, stürzen, treiben, jagen — der ganze Strom ichießl/ als wenn er in den Schlund des Mitternacht* lichen Pols hinabstürzte. Und doch 7 - wo bleiben diese Was" ftr? Man tobt — wütbet mir ihnen — mit ihnen sucht man einen Ausgang, und findet ihn, wie sie, zu seiner Linken- Aber wie? Es ist ein Wolkensturz der Wasser — fie find in gährendem Schaum, als wenn die Eingeweide der innersten E"dc wirbelnd in ihnen kochten. Auf einen Augenblick find die tu dieser Thalkluft in einander wühlenden, übereinander ^ stürzenden Fclsrnkörper zurükgewichen. Man sieht wieder ! Nocken d'ö Himmels; an ihnen will man sich in diesem > Strudel von Schrecke» hefte» — aber schon verschwinden sie j — die Felsen weichen einen Augenblick, um desto gewaltsam- ^ mer ineinander zu stürzen. Vor ihrem Zusammensturz sieht der Adem, ein regender Wassrrberg; Welle auf Welle, Woge auf Woge, Strom auf Strom häuft sich auf ihm, bis er endlich in der Wuth feiner eigenen Schwere in den engen Abgrund der Felsen niederstürzt, unter ihren achcrontifchen Wöst bunden donnert, und wie eine fliegende Flamme hie und da aus ihrem Dunkel blitzt. ,*) Bey Schashause». **) Aclchrndach, einer der schönsten Wafferfälle der Schweiz int Vberhasli - Thal, eine Stunde von Mejcingcn. ***) Aarfatl, einer der grausendstcn von den Felsen-es Griwstl. vk. Reisen durch einzelne Gegenden von Graub ü ndte n. Zl, den kleine» Reise« durch einzelne Gegenden von Bündte», die im ersten Bande dieses Archivs S. 177 -- rro. vorkommen, liefern wir hier noch einen Nachtrag; die Reise durch das Ober- engadin ist aus dem helvetischen Volksfteund (einer im Jahr 1797. in Ch»r angefangenen Wochenschrift) hergenommen; die Beschreibung des Thal, Fereea, aus Fäsis Nibliothek der schweizerschen Staatokunde 17-6 ; das Fragment aber einer Reift über den Splügen erscheint hier zum erstenmale, nach einer Handschrift von I. L- Amdühl. derbar. «st gen Heusta »der r iwci 2 Neben Umgeb sen v Ofen l. Kleine Bemerkungen, auf einer Reise durch das Oberengadim (vom Jahr 17?;.) '^^ie Bauart der Häuser in diesem Thale, ist ganz son» dcrbar. Sie sind alle gemauert. Der Eingang ins Haus ist gewöhnlich auch die Einfahrt auf den hinten angebauten Heustall. Gleich beim Eintritt inS Haus, trift man links »der rechts die Wohnstube an, in welche man einen oder iwci Tritte hinauf steiget. Diese ist immer eine Eckstube. Neben der Thüre ist ein gcmaurtcr niedrer Ofen. Diesen Umgeben zwo breite Bänke, davon die eine mit einem Küssen versehen ist und als Ruhebette dienet. Hinter dem Oftn geht eine schmale Treppe hinauf in die sehr niedrige Schlafkammcr. Hat die Stube ihre z. oder 4. Fenster, so hat diese meistens nur eines, und wenn jene 2. bis 4. böhmische Scheiben enthalten, so besteht dieses nur in einer *Mzige„. Vor jedem Fenster sind Vorfenster die in der Mauer hin und her laufen, und das ganze Jahr Dienste Hun. Tafel, Thüren und Fenster bestehen aus gutem zar- ^n Tannenholz oft aus Ziernüßchenholz, und sind dich und ^ohlgeschlossen gearbeitet, und die Schlösser meistens fein von 184 von Eisen oder Messing. Auf der andern Nebenseite der Stnbenihüre befindet sich von Nußbaum oder Tannenholz bcn und und in 'assciige- en viele vorder« in der lannter übe ist n den« ibt seilt alle -prich- N, >st . noch n Er/ ' huge- igene Bannt renpaß dahin von Mailand nach Insbruck ic. zn erlangen, der zwar alt aber schwach ist. Der Scckel des Thals zahlte, lind jede Gemeinde sollte ihn in ihrem Distrikt auf allge- gemeine Unkosten machen. Die ebene Lage des Thals und der Ueberfluß des überall nahen Kieses erleichterte diese Arbeit sehr. Der gute Zustand der Oberengadincr Hochgerichts, kassa, welche,- so wie jene von Bergell und einige wenige andere wohleingerichtete Hochgcrichter, alle ihnen zutreffende Antheile von Standespenstonen, Korntratten und Aemter, gcldern genießet, würde diesen Straßenbau auch ausführbar gemacht haben, wenn solcher schon mehr als die uns angegebne fl. 20,000. gekostet hätte. — So sehr bcgün. stigct eine solche nachahmungswürdige Kasscncinrichtuug, Scmeinnüzige und edle Unternehmungen. Aber leider wer. den die öffentlichen Einkünfte dieser Art in den meisten Gemeinden kopfwcise vertheilt, die Gemeinden bleiben arm. Und der kleine Antheil der jedem zutrifft, ist zu gering, um ihm wesentlichere Unterftüzung als diejenigen im Schcnkhaufe ru verschaffen. *) Diese *) Dennoch soll der Waarciizng sehr klein, und nur im Sommer von einigem Belang seyn, wovon man uns als Gründe, die lange Winter wo mit Fuhre» oft schwer fortzukommen ist — die eben so langen Frühlings - und Herbstzeitcn, wo die Liefe der Straffen dem Paß noch mehr im Wege steht, rinden Umstand angab , daß in der neuen Fuhreiiirichtimg die Roden zu sehr vernachtheiliget und Las Fuhrwesen mir zum Ruzzen weniger Strackfuhrcn erwachsen sey, daher das Publikum nicht so warmen Antheil an mehrerer Förderung dieser Dasscs nehme. »86 Diese Strassen sind überall, wo man den Inn zu passieren hat, mit gesprengten schönen hölzernen Drücken verbunden. Dieses, samt der Schönheit der Dörfer, wo auch bie Ställe sogar gemauert sind, nimmt sehr für das Enga- bin ein. Eine dritte Bemerkung ist, daß wir in jedem Dorf an der Strasse eine öffentliche Waage sahen, wo man vorzüglich das Heu Fuderweise wiegt. ' 4. Bemerkten wir hier lauter kleine einspännige Wa, gen. — Wahrscheinlich eine Folge der vorherigen engen Strassen. Uebrigens sieht man in der Heuerndte auch vornehme Herren den Fuhrmann machen; so wie wir die hiesigen'Meisewägen schon beschrieben haben, welche jedoch seit dem neuen Straßenbau hier und da den Chaisen und Calcssen Plaz machen mußten. 5. Wir verwunderten uns, in einem so wilden Lande so niedrige Berge zu sehen. Wir wurden aber bald aufmerksam auf die hohe Lage des Thals, und fanden die Sache schr begreiflich. «. Eine uns seltne Frucht waren die Ziernüßlein, auf welche wir oberhalb Siloaplana am Julier, von einer Arbe (Linus Lembm.) eine reiche Erndte mit bestem Erfolge machten. Es ist bekannt welche Weisse, Glanz, Feinheit und mahlerische Schönheit der Neste, die aus diesem Holz ge- fer. fertigtet Länder« 7. T >die'. je! Roggen (Maye Meisten wir un daß da dies ei jedes d den m ! dringe, 8- 9 . bracht! dem 8 auf 2i 10. Käse j Manj lachn ollen, hiesige zu pas. 'en »er, w auch Enga, orf an n vor, Wa, engen auch r die icdoch i und de so ncrk, ^ »ache ^ auf rbe rlge -eit ge- »87 kertigtcn Tafel haben. Aber daß diese Bäume in zahmen Ländern nicht fortkommen , hätten wir nicht gedacht. 7. Die Acker bringen meistens nur Gerstenkorn, aber -diel jedermann gesteht, von ausnehmender Güte hervor. Roggen sieht man höchst selten, und Weizcnkcrnen, Türken (Mays) und Heiden gar nirgends. Auch jene sollen nur Meistens alle Jahre gerathen. Die Dohncnfrüchte sahen >vir unterpflügen, und man erklärte uns den Grund dahin, daß dadurch das Land gedüngt werde. Allein uns schien dies ein kostbarer Dung, da nach dieser Weise der Acker jedes dritte Jahr nichts einträgt und dennoch bearbeitet wer, den muß. Würde nicht Esparcette im Acker mehr Nnzen dringen, als Korn nach dieser Weise? 8- Die Gartenfrüchte waren alle ausnehmend schmackhaft. 9. Obst und Trauben fanden wir in Menge. Man drachte sie auf Eseln um billigen Preis von Kiesen und aus dem Veltlin zu Kauf, — auch beßres Obst als daS welsche *chf Wagen aus dem Etschlande. 10. Die hiesigen Produkte sollen Vieh aller Art und fette ^äse seyn, wovon man uns sagte, daß in einigen Alpen ^an sich anstatt des Magens, grosser Goldstücke, z. E. vier, ^cher spanischer Dublonen, bediene, wodurch der Käs vor Magengeschmacke gesichert werde. Auch sollen die ^tsigen Käse, nach Klefen und -Komo verführt, und ei» Jahr 14 . i88 Jahr la»g da gelassen, viel besser werden, gleich als ob ihnen, wie den Menschen, die Luständcrunq wohl bekam» me. Doch giebt man zur Erklärung an, daß das heisst italienische Klima das alljutalgichtc Fett der Käse aufhebe, und sie dadurch verbessere. rr. Den Veltlinerwein fanden wir hier ausnehmend gut- Man versicherte uns, daß in allen Wildnissen auch der Herbeste Wein gut'werde. ir. An allem Aeussern, und besonders an dem bald in allen Dörfern angetroffenen Bau neuer und geschmackvollerer Häuser, erkennt man den wachsenden Wohlstand der Lbercngadiner, wozu ihre Industrie ihnen verpilft, da die meisten in Frankreich, Deutschland, Holland, sogar in Moskau , und bald in ganz Europa zerstreut, in Handlungen oder in Znkker - und Kaffeeläden interefsirt sind, und viel Vermögen sammeln, das sie bald immer in ihrer Heimath an Häuser und Güter anwenden. i;. Das ganze Thal scheint auf der Seite Italiens vorzüglich mit Gletschern bcgränzt. Der Bernina soll sehr weitläuftige Eisberge und Eisfelder enthalten, die sich bei i6. Stunden lang dem hcisscn Veltlin nach hinaufziehen sollen, welches unö sehr unbegreiflich vorkam. Bei Pontre- sina, bei Fält und weiter hinauf sahen wir grosse Arme des Bernina . Gletschers. *) 14. Don Bernina Gletscher, fs Archiv l. S. -K -» --a. H. heit un Hprac che ist bin dei wen sc Mehr Mischt wird. sonst ii werde» gar. v Name Meier Zu dl sert t Heft Mehr« . bei st gen I de, n dere < als ob bckom- >s heisst ufhebe, nd gut- der her- n bald Hmack- ind der da die >Mos- lungcn d viel imath s vorsehe h bet ziehen mtre- e beS c4. ! 189 14. So wie sich dieses Thal von Seiten seiner Schön, heft und seiner Wildniß auszeichnet, so hat es auch in der Sprach und in den Sitten seine Eigenheiten. Die Spra. ehe ist Pas sogenannte Nomansch, welches im Untcrenga» bin der italienischen und lateinischen Sprache naher kommen solh und daher dort Ladin heißt, und im obern Bunde wehr mit altzeltischen und theils ncudeutschcn Worten vcr. Mischt ist, und von vielen »Pompaluscrwclsch« genannt Mich. Alle drei Arten der romanischen Sprache sollen sonst in der Welt nirgends als-in Bünden mehr gesprochen Werden, ungeachtet noch bis weit in Deutschland hinaus gar. viele Gegenden, Güter und Familien noch romansche Namen haben; wie dann, z. E., in der ganzen Herrschaft Asteiei-'^id die Namen Lovcft, ch. 'a-ie, und dergleichen noch romanisch sind. —- Zu den sonderbaren alten Gebrauchen der Engadiner liefert das scbwei-crische Museum im ;ten Jahrgang rrtes Heft im IV. Aufsaz, „ in Bridels Reisen durch Bünden, « Mehre Beispiele, z. E-, daß einem Unschuldigangeklagten bei seiner öffentlichen Lossprechung eine Rose von einem jungen Mädchen, die Unschuldsrose genannt, übergeben wer. de, welche Uebung aber dermalen aufgehört habe, und andere alte Sitten mehr. *5- Auch in Speisen fanden wir Seltenheiten. Wir assen offen 7tavo?rcka^, , rn 6>am„!a, o^ea cka ck' und andere Speisen die schmakhaft unk nahrhaft waren, und die sonst nirgends bekannt seyn sollen- Brod wird meistens in jedem Hause nur alle 6. oder r- Monate gebacken und so hart gehalten, daß man es statt zu schneiden, zerschlagen muß. Das gesalzene Fleisch wird getrocknet, nicht geräuchert. Als Nachsaz zu den Gewohnheiten verdienen doch noch die Trauerweibcr, die auf dem Grabe der Reichern und Vornehmem weinen, hier angemerkt zu werden. is. Wir fanden weder Bettler noch Bettelvögte, und der Sage und dem Anblick nach, muß beim ganzen Volk Wohlstand herrschen. Bald alle Wildnisse haben eben deswegen, weil sie ihre Einwohner mit den eigenen Produkten nicht zu ernähren vermögen, den Vortheil, daß solche die Indm strie ihnen zur Nothwendigkeit und verhäftnißmässig gute Haushaltung zur Empfehlung machen. Dieser Wohlstand und die guten Manieren der Obercngadiner scheinen das italienische Sprichwort veranlaßt zu haben : ,, Larach/ia Menge > jahir w< Nir fa- 18. iczuweil halten, gesandt sich als als Si keilen c >verde, verliere W°n Gefüh für. da Sender sind di tcrra /na, non /onc ka ^rovrna. " r?. Die Abwesenheit der Mannspersonen in ausländischen Kaffeeläden und Handlungen, ist Ursache daß nicht nur die Weiber bald alle Arbeiten allein verrichten, sonder» daß man auch zum Mähen cknd Heuest sich einer grosse» schön Vb«v vrn ( irraßi Men. /ra, 7Ä- haft unv IN solle», oder es statt sch wird bewohn, auf dem r ange- und der Wohl. lwegen, ' nicht Indm 1 gute Wand n daS tttct/na ländr. nicht «der» rosten !en« E 191 Menge von tirolischen Taglöhnern bedient, welche wohl be, Zahlt werden, und täglich — fünfmahl zu essen bekommen. Air fanden diese Mode auch für uns sehr zuträglich. i8- Fast in allen Häusern sind deutsche Mägde, und iczuweilen wird auch hie oder da eine deutsche Predigt gehalten. Auch werden viele Söhne und Töchter nach Chur gesandt, um die deutsche Sprache zu erlernen. Es läßt sich also erwarten, daß das Oberengadin sowohl in Sprache als Sitten je länger je mehr von seinen vielen Sonderbarkeiten abweichen, und sich nach deutscher Weise umbilden werde, wodurch es viel von seinem Werth für Fremde verlieren kann. 2. Das Thal Ferera. Ä)enn die Natur in Graubündcn nicht viel für das Gefühl des Schönen hat, so hat sie um so viel mehr füh das Gefühl des Erhabenen. Gleichwohl sind die Gegenden von Mallans und Mayenfeld auch schön; schön lind dir Wiesrnfeldcr und Weingärten um Chur herum, schön sind Reichen«« , der Hrinzenbrrg , Trons — das Oberengadin im Junius, besonders Silvaplana mit ih. *rn Seen, schön auch das Thalgelände von Puschlaf; die kraßirte Arcker und Wiesrnfeldcr von Schulz, Eins, ^emüs, und sehr viele andere Gegenden in Worms und Veit. > IK 2 Veltlin. Wenn blumenreiche Wiesen, wenn grüne Hügel mit rieselnden Quellen und rauschenden Bächen, bedeckt von weidenden Hcerden, schön sind, so hat die gütige Natur das Bündncrland hierinn gewiß nicht vergessen. Allein das Erhabene der Natur ist's eigentlich was dies Land sehenswürdig macht. Prächtige Schönheiten, Werke be. rühmter Künstler muß man nicht hier suchen; aber wir ha» ben viel schreckhaft Erhabenes; grausende Felsenmaßen; Gebirge, deren beschneyte Gipfel sich über die Wolken rrr heben; Schauer erregende Tiefen» Ich kenne kein Thal in Bünden , wo das Schöne sparsamer und das Schreeklicherhadene häufiger zu sehen wäre, als Fercra, oder Feraila, ein kaum bemerktes 4 Stunden langes Thal, gleichsam Fvrtsezung und Ausgang des Thals Avers. Der Synodus der Bündner Pfarrer in Andrer, ver» anlaßte mich zu einer Excurfion in dieses Thal; davon will ich aus meinen Papieren etwas mittheilen. Von Andrer bis Vordcrferera, oder bis zur Eisenschmelze ist eine Stunde Wegs , von hier bis Hinterferera eine halbe Stunde Wegs, von Hinterferera bis Canancül anderthalb Stunde, also von Andrer bis Canancül ein Weg von drey Stunden. Canancül ist ein Filial von Ferera. Ich fand Nachtquartier in Canancül, wo ein wohlhabender Berg» ^ergwirt Liebhaber les durch strdeley a Die ' M Voll ivegen , Tampdöl lict, da irgend I einen du' scheue a daher je doch das ihrer zer, sehr ent ' düng dci ^ *bie in > skeundlie ^ir üb Frrerer ^hnodu Raubte vhnzcfä > Hügel bedeckt ige Na/ Allein s Land rkc be. vir ha. naßen; ken er/ schöne sehen ktes 4 sgang ver. > will , melze eine an- Weg cera. nde» Aergwirth mich ohne Umstände liebreich' logirte. Er als Liebhaber des Gesangs, weiß mit den Töchtern seines Hauses d„rch Choralmusik sich die Winterabende in dieser Ein. üedelcy angenehm zu verkürzen. Die Ferailer sind ein einfältiges, natürlich gutmüthi. Sks Völkchen. Nur die Männer besuchen ihrer Geschäfte liegen, die benachbarten Thäler Schanis, Rheinwald, Tampdslcin; Weiber und Kindcrvolk hingegen leben so iso, sin, daß manches ein beträchtliches Alter erreicht, ohne legend Jemand als seine eigene Thalleutc, und jezuweilen einen durchreisenden Averser gesehen zu haben. Das Lcut, Heue an den Kindern und Weibern dieses Thals , wird daher jedem Fremden sehr auffallend seyn; dazu kommt Noch das Geschmacklose, Vernachläßigte ihrer Kleidung und ihrer zerzaußten Haare, wodurch eine schöne Gestalt oft sehr entstellt erscheint. Doch auch hier soll nicht die Kleü düng den Werth des Menschen bestimmen. Auch hier, *die in Saßen ist's Sitte, dem Fremden beym Begegnen, sreundlichgrüssend die Hand zu bieten. Ein Umstand hatte ^ir überall eine freundliche Aufnahme vcrschaft. Die ^rerer waren ohne Prediger, und erwarteten vom nahen ^Ynvdus aus , mit einem versehen zu werden. Ich Klaubte in dem Gesichte eines jeden der mir begegnete -7- ^"Scfähr den Gedanken zu lesen; »er rekognoscirt unser N Thal N l94 Thal, um der unftige zu werden:" daher waren sie voll zuvorkommender Güte. Und doch hätte die Vorschub mir hier mein Plätzgen angewiesen, Lehrer dieses einsam men Volks zu seyn, so würde ich Möglichkeiten sehe»« auch da vergnügt zu leben. Doch ich will jetzt meint Leser nicht mit den Bewohnern, sondern mit ihrem Wohl" ort bekannt machen. Sie folgen mir also, und wir gehen von Andrer aus, in einer halben Stunde sind wir in der Rofla. Da stehe» wir nun auf der steinernen Drücke, unter welcher der laut« rauschende Strom aus Fcrera tobend hindurchstürzt, un> sich mit dem Rhein zu vereinigen. Und hier, ja hier lohnt es sich ein Weilchen zu stehen. Der Hintcrrhein seinem Gletscher entflossen, hat bereits vier Stunden lang den Rheinwald bcspühlt, und findet jetzt an diesem Strome seinen ersten und ältesten Freund, der ihm sein Gewässer zum Opfer darbringt — die kleine» - Bäche des RheinwaldS sind viel zu unbedeutend um hier in Rechnung zu kommen. Feyerlich im dunkeln Schatte» hoher Felsrnwände geschieht die Vereinigung. Mit Dor» nrrgetöse, in schäumenden Strudeln, durch ungeheure ' Fclscnstückc hinstürmend eilt der Fluß auS Ferera mit sendcr Eile den Rhein zu erreichen. Lange stehen wird«, halbgedankenlos, vertieft im Anblick dieses grossen Sch»»* stücks. liücks. »oi, der »m Ufer vorwärti über di svrühend diel schc des nah« Kl.'schaft geräusch währet sind in dulkanis An eine ten ang bem, d ieten no wer übi sind vcr »iß uns barkcit »Nen d Allein Worden iUtigen n sie voU Zorsehu»^ scs eins«" !» sehe»/ tzt mei»l a Woh»' ecr aus, a stehe» c>er taub it , lll» r lohnl bereits > findet reund, j kleine» n hier Hatte» Don- eheutt !' iit r»- ^ irda, i Schal-- cks. 195 llücks. Von der Brücke weg lenkt uns ein Fußsteig links »vi, der Landstrasse ab, und ins Thal hinein; wir gehen »m Ufer des Flusses im Schatten überhängender Tannen vorwärts, und bald führt uns eine hölzerne Brücke wieder über denselben. Der wilde, schäumende ^ Nebcldunst svrühende Strom, hat auch von dieser Brücke betrachtet / diel schaucrhaft Grosses. Zwar betäubt uns das Getöse des nahen Wassers so, daß uns jede Unterhaltung in gesellschaftlichen Gesprächen unmöglich wird; das Donner, Seräusch des Stroms gebeut Stillschweigen. Gedulti es währet nur eine viertel Stund, das Thal öffnet sich, wir !>nd in Hintcrfercra und kommen zur Eisenschmelze. Eine dulkanische Werkstatt schickt sich gut in diese finstere Gegend. An einem gähherabstürzcndcn Bache sind die Wasserschmid- ten angebaut. Es sind hier zwey Hämmer, einer zu gro, bern, der andere zu dünnerm Eisen: vier Schmidts arbeitten noch; sonst beschäftigte dies Eiscnbergwcrk den Som, ^er über gewöhnlich roo Arbeiter. Verschiedene Gebäude lind verfallen; der Ofen ist halb ruinirt. Nach dem Zeug. hß unserer Schlosser, übertust das Fereraeisen an Dchn- ^ekcit, Zähigkeit und Geschmeidigkeit alle andere Eisen« "dtei, die vom Auslande her in Bünden eingeführt werden. Allein seit einigen Jahren ist kein Eisen hier geschmolzen worden, auch werden keine Anstalten zu neuen Schwel, tilgen gemacht. Die Erze wurden des Winters, wenn der N 2 Schnee Schnee die Höhlungen der Fclscu ausgefüllt , zwo Stu»' den weit vom Gipfel des Berges herunter geführt; i» Säcken die mit Schweinshäuten belegt waren. Das Aussprengen , Stampfen , Erlefcn , Hcrbeyfchaffcn der Erj« war so kostspielig, daß dieß wahrscheinlich die Urstrche des Verfalls der ganzen Unternehmung ist, denn an Holz z» Kohlen wäre kein Mangel. Es ist indessen doch Schad« für das Land , daß dieß Bergwerk in Stillstand gerathen. Wir folgen aber unserm Weg, er lst zwar rauh, und das cngklüftige Thal, stellt uns nichts anders vor Augen/ als Wälder und Felsen. Wir nähern uns dem Dörfchen Ferera. Ehe wir es aber erreichen, paßicren wir die fri- schen Ruinen eines vor zwey Jahren heruntergestürzten grol- sen Kalksteinfelsen. Drey dieser losgerissenen Fclsstücke sind ansehnlich, einer fiel in den Strom, einer stürzte durch einen gewaltigen Satzfprung in eine Wiese; wie tief er sich in den Boden eingrub, wissen wir nicht , aber der Erdhaufen , den er vor sich hinschob, das zehn Schuh breit« und fünf Schuh tiefe Loch, daß er hinter sich ließ, sei» Cubic-Innhalt von tausend Schuhen, geben uns Anlaß au dir Gewalt zu denken, mit welcher eine solche Stein- rnaaße hieher geschleudert wurde. Das Gerassel der fallenden Felsen, erfüllte die Einwohner von Ferera in jener Nacht mit Furcht und Schrecken- So- Sob öffnet sie Ritte, üenfeldc innrer n eine Hai Nun au Hofe stc Ferera. Predig« vernack Gottes die Fe gleichst Er stur d Aussu den, V uns i und l nimn lang Tege 197 wo St»»' führt; il> Das Aus- der Erz< 'fache des » Holz > Schadt akhen. iuh, und Augen/ OörfcheU die feilten groi- ücke sind e durch ef er sich >cr Erd- tz breite ß, sei" i Anlaß ^ ' Stein- ^ kjnwot? hrecken- So« Sobald wir das Dörflmi Ferera zu Gesichte bekommen, öffnet sich das Thal , und bildet einen Kessel, in dessen Ritte, das Dörfchen umgeben von Wiesen, kleinen Ger« Umfeldern und Hanfgärten niedlich anzusitzen ist. Jnteres« iantcr wird uns die Aussicht wenn wir die Mühe nehmen, eine halbe Stunde Hetzer hinanzusteigcn. Da stehen wir d»n auf dem Hügel Crcsta, eine Capcll mit ihrem Kirch« Hofe steht da, sichtbar auch den andern Bewohnern von Ferera. Hier wird des Sommers monatlich einmahl gepredigt , weil aber das Inwendige der kleinen Kirche sehr vernachläßigct wird, hält man bey schönem Wetter den Gottesdienst unter freyem Himmel. Auf Crcsta wohnen die Ferarer im Frühling, Sommer und Herbst, Ferera ist gleichsam nur ihr Wintcranartier. Erheiternd ist auf diesem Hügel der Anblick der Wiesen« ilur dieser unmuthigen Berggcgend, und ganz eigen die Aussicht in das grüne Plafond dcS untern Dorfs , umgc« den, rings herum mit dunkeln Gebüschen und Felsklippeu. Wir steigen jetzt von Crcsta herunter , und machen Uns fertig nach Canacüt zu kommen; der lachende Hügel Und das Ferera Dörfchen verschwinden; ein Tannenwald nimmt uns ins Kühle. Wir werden eine ganze Stunde ^ng eine schauerlich dunkle, aber gewiß erstaunenswürdige Gegend durchwandern; ein grosser Schauplatz von Trümmern i §8 mcrn eingestürzter Berge liegt vor uns. In bcständige»iriNnder Krümmungen verirrt sich der Weg zwischen diesen Trün>' »ngeheuc znern; denn schnurgerade vorwärts zu gehen, ist hier w» Mr möglich. Hier wird uns kaum ein lebend Geschöpf bcgcg' ncn , auch tönt hier kein Laut irgend eines Waldsangcrsi zu kalt und öde war ihm die Gegend, vor'm Rauschen dei Stroms wär uns seine Stimme auch nicht hörbar. Jw' mcr am Ufer des tobenden Flusses hinein, sehen wir wst er von einem sprudelnden Wasserfalle zwischen herkulische» Eteinmaaßen sich wüthend zum andern fortwälzet. T>ef> sinnig sehen wir einem zu, denkend gehen wir weiter,-end das Getöse eines andern verkündiget unS ein neues Scham stück, zwey solcher Wasscrstürze zeichnen sich unter ander» auö: der Dunst derselben erhebt sich in beständig thauew den Wolken hoch über die Tannen empor. Doch giebt es auch Stellen wo der Strom kleine Strecken , friedlich und sanft daherstreicht, und seine schäumende Fluthenzunt mildgrüne» Spiegel zerfliessen läßt: bequem könnten wir ds in einem Kahn bcrumrudern. Dies geschieht besonders iiö Plan cla ebiLvriä»; eine liebliche kleine Ebne, wo de» besänftige Strom uns ein Ruhepunkt gönnet. Wir haben in Bünden Ruinen zerfallener Berge in Menge; fast überall ist der Fuß unsrer hohen Firnberg< damit bedeckt, allein so furchkbargroß fanden wir sie rii» -ends wie hiev» Da liegen sie eine ganze Stunde breit durch/ ein- halt von b« auf e >st, daß krisch b denen s ^agcnin bequem Alle stein m ^ Rofla ^Lacken Tebirg, 3e«d w ^ra ui gegen l baden ^allste Ni stn, bchne stäche 199 beständiges cn Trüin st hier B'! öpf begegn ldsängcrsi uschen dci >ar. , wir wst crkulischcS !t. Tieft iter, Mk Scha«'! c ander» ! thauet ch giebt friedlich hen zum wir da ! >crs in> vo dck rge in nberge le nie« durch/ ein. einander und auf cineinder gethürmt, die Felstrümmer, ^»geheuer an Größe. Wir messen etwelche, und finden solche die -o Schuh hoch, — ix breit und lang sind, also im Cubic.Jnn« halt von 4 — ?ovo Schuhen. Bey Hunderten liegen sie h» auf einander. Was aber das Ganze noch grotesker macht, ist, daß alle mit uraltem Maas - und Steinsiechten mäh, i"isch bedeckt, und ansehnliche Tannen darauf gewachsen, denen so ein Fels zum Fußgcstell dienet. Die irreguläre Lagerung dieser Felsen bildet Höhlen, wo ganze Familien bequem darum wohnen könnten. Alle diese Fclsstücke sind Granit. Der Granit und Kalk, stein wechseln in Ferera imnier mit einander ab. Von der Rvfla bis zur Eisenschmelzc sieht man kein Kalk, lauter ^Lackcnfclscn. Ehe man das Dorf Fcrera erreicht, ist die Gebirgsart an beiden Seiten des Thals talkartig; die Ge« Send wo Ferera steht, ist Kalkgrund, die Ruinen zwischen Fe- ^ra und Canacül sind wieder Granit, und Canacül hin, Segen hat wiederum Kalkfteinboden. Auch in diesem Thale haben wir also Beweise, wie günstig der Vegetation der Kalkstein ist. Nie sind Kalksteine mit Moos und Steinflechten bewach« , wenn sie im freyen liegen; sie verwittern ««merklich. Schnee und Regen lösen immer etwas von ihrer Ober» bäche auf. Gra, 2O0 / Granit wiedersieht länger der auflösenden Kraft der Last und des Wassers. Einstürzende Kalkfelsen sind erklärlich? Phänomene. Schneclavinen können auch Granitberge ich? angreifen; aber unsere Granittrümmer sind hier viel zu groß, um durch Lavinen von ihrem Mutterberge losgerissen morde» zu sei». Und der Tannenwald der sie beschattet! woLavine»- züge sind , da könne» keine Tannwälder aufkommen. Welches Erdbeben, oder welche Revolution mag wohl diese Stcinmasscn heruntergerissen haben? Langsam, mit säumenden Schritten gicngen wir unser» rauhen und masiven Weg in dämmernde» Schatten hin. Nu» aber entfernt sich unser Weg allmählig vom Geräusche des stürmenden Stroms. Es wird Heller; die Felsstückc kleiner und ftltencr, und jczt sehen wir die Meyercy von Canacül. Sey sie immerhin armselig, man findet sich doch durch ihre» Anblick erheitert, wenn man aus diesem Dunkel heraufkömmt. Hier haben r; Hirtcnfamilien ihre Wohnung aufgeschlagen, und wohnen vergnügt, denn nicht vom Wohnort hängt sie ab, die Zufriedenheit des Herzens. Oft sind sie ver< schneyt, durch Schneewälle von ihren Nachbarn abgesondert, aber sie haben warme Stuben, ihr Vieh wohnt um sie herum in warmen Ställen und versorgt sie mit Milch und süsser Butter. Oft kommt in vielen Wochen kein Prediger !» ru ihn schlösse schichte austra Hö Von l hinein thäler. das H thal z thäleri gew ü verpcn Saiis Jakot Berg, Einw ^ polen ' durch wert > sie he Haus L nrrn ft der Lust erklärlich^ berge >chk !l zu groß, en worden ) Lavincru !n. Wel- >vhl diese ir liusern »in. Nun ische des ke kleiner Tanacül. 'ch ihre» herauft ^ I aufge. ! Zohnort stever< öndert, stehen. H und redigee zu 2OI ru ihnen, ihr kleines Kirchlein, bleibt Monate durch ver. schlössen; allein ste haben ihre Bibel, das Lesen der Ge.^ schichte Jesu in den vier Evangelisten, kann ihnen mehr austragen als manche einschläfernde Predigt. Hier übersieht man das Innere des ganzen Fererathals. Don der Rofla bis Canacül zog es sich eng und »«getheilt hinein ; hier und weiter hinein theilt es sich in fünf Neben- thäler. Das Untere dieser Thäler ist waldig und finster, das Höhere besteht in Wiesen und Bergweiden. Das Haupt, thal zieht sich so bis Avers hinein. Eins von diesen Neben- thälern heist Genien oder deutsch Aemat, liegt Canancül ge. gew über Südwärts , es wird an Bergamasker Schäfer verpachtet; und ist Privamgenthum des Hrn. Minister v. Salis. Durch dieses Thal geht ein Weg ins Thal St. Jakob oder Campolcin, in sechs Stunden kann ein guter Berggänger von Canancül bis Clefen hinab kommen. Die Einwohner kaufen ihr Korn in Clefen, lassen es bis Cam. polcin führen, und tragen es von da weg auf ihren Rücken durchs Thal äsmea. Ostwärts hinein, eine halbe Stund weit haben unsre Hirten ihre Mayensässe, eine Bcrgkolonie, ste heist Sterlera, kleine hölzerne, von Strickwerk gebaute Häuser, auf unmuthige Wiesenhügel. Sie wohnen hier des Frühjahrs und Herbsts. Im Im kern -es Thals findet ihr Vieh reichliche Weide, von bal, sami« 2or sainischen Kräutern. Und wenn an schönen Iuniustagen gelbe cistus unv Habichtöblumen, und glänzende Ranunkel» freudig der Sonne entgegen lächeln; und Zcphyre mit Violen und Alproscndustc spielen; und das vielstimmige Geläute weidender Kühe; und das Gebläcke der Schaaft vom nahen Berge Hertönen; so fühlt sich der Hirt auch hier in diesem Erdwinkcl mit sanftem Wohlbehagen umgeben. Fragment einer Reise durch Vündten. Im May ivho. (§o wie man aus dem Lichtenstcinischcn kömmt schließt sich das Thal, und^die Bündtner»Gebirge fangen mit der St. Luziensteig an. Der Weg geht stark aufwerts zwischen hohen, theils waldigten, theils kahlen, Mauern- ähnlichen Felsen, die sich immer naher zusammenziehen, und den durch verschiedene blutige Auftritte berühmten St. Luzien.paß bilden, der durch eine Schanz und Mauer von einem Berge zum andern gezogen, und mit einer Zugbrücke gesichert ist; wobey ein Wacht. und Zoll. Haus, und weiter hm eine Kirche, nebst einem Wirthshause steht. Die Strasse ist gut; aber die Gegend buschiqt, einsam und etwas unheimlich, diS man hinab auf Meyen- feld, einem kleinen schlechten Städtchen, kömmt. Hier öf- nel sich ein schönes Thal und eine herrliche Aussicht. Zur Rech- Rechtei büsche an sei> über is Zur L hinter zelne ^ lanz l schmal worde - Tanne tropin Thal wer z Holz Bergs ! Weg j Wiese § ein Z rer B als w Sitte dir h> drrte 2o; rStagei» uinkek» :e mit mmige -chaafe ch hier ben. !N. chließt it der ? imitiern- hcn, mten und mit ^ Zoll. anst qt, wn. ! öf- 3ur Rechten strömt der Rhein , stark und kräftig, durch Ge. dusche und Auen, und seine eigenen Verheerungen hin; an seinem jenseitigen Ufer stehen Ragn; und Va; , und über ihnen, auf der waldigten Höhe, das Kloster Pfeffers. Zur Linken erheben sich, Wiesen, Felder und Neben, und hinter ihnen reihen sich, dem Gebirge nach, Dörfer, ein» reine Hütten und Schlösser. Da zeigt sich nahe bey Ma. lan; der Eingang ins Bretigau , eine Dergöfnung so schmal, von unten bis oben, als wäre sie durchschauen worden; weiterhin erscheint, im dunkeln Schatten eines Tannenwaldes, NkarschUns, berühmt durch ftn Philan» lropin, und dessen klägliches Ende. — So zieht sich das Thal fort, bis nach Zizers, und von da nach Lhur, immer zwischen hohen Bcrgreihcn, die bald mit Gras und Hol; bewachsen, chald kahl und wild , von Rufinen und Bergströmen durchkreuzt — sind; unten zehr indessen der Weg einsam den Krümmungen des Rheins nach, durch Wiesen, Felder und Allmende ; selten kömmt man durch ein Dorf, diese stehen schöner zur Seiten, am Fuße ih. der Berge, zur Hälfte von Bäumen und Reben bedekt, als wenn sie da, ferne von der Landstrasse, ihre ländlichen Sitten sichern wollen. Nahe bey Lhur wird das Thal enger, die hohen Bergrüken verwandeln sich in einzelne, abgesvn. derte, kahle Felsenspitzen, die, wenn ich so sagen darf, wie Arti, / ^ 204 Artischokenblatte? hintereinander empor stehen, und der Gc< gend ein finsteres Ansehen geben. Die Stadt Chur, die im Winkel zweyer Berge liegt, erblickt man nicht eher , als bis man vor ihrem Thore steht. Sie ist nicht schön, hat meistens alte, hohe Häuser , und dunkele, enge, unsaubere Gassen. Der bischöfliche Hof, der einen Theil der Stadt ausmacht, liegt erhöht, und hat eine schöne.Ausstcht, das ist aber auch alles was man davon sagen kann. Handlung wird hier wenig getrieben , das meiste schränkt sich auf Speditions. Geschäfte ein. Diese Stadt, obgleich ste der Hauptort von ganz Bündten ist, hat weder 'von aussen noch von innen wenig anziehendes, und zeichnet fich weiter durch nichts aus, als durch gute, frcundliche, gastfrcye Einwohner, und wackere Freyheitslirbende Bürger, besonders im Mit, telstande. Dieses gilt aber auch von dem größten Theil der Bündtner, Nation: Gutherzigkeit, Geradheit, und Freyheitslicbe machen die Hauptzüge ihres Charakters aus, den selbst diejenigen die häufig in den Hauptstädten Italien- ihr Glück, oder Auskommen suchen, wieder unverfälscht in ihre Thäler zurückbringen. Merkwürdig ist dieses Land noch wie unter den Cäsars: Die nemlichen hohen unbesteiglichen Gebirge machen noch rundumher gegen alle anstossende Länder die Märchen dieser Na, Nation Durch aus, Untrrd nie gw grt, p nrn, Haupte nach r eigene! zusam> i lest ir I> Tyrai bis n von > vorra steht stch d Echt ! hren Sen Kett« ! halte l der Gc/ 2Os e liegt, Thore c Hau, bischöf. egt er, H allewenig ei« Ge, cl von innen nicht- hner, Mit, Theil ^ und aus, alienS 'älscht sars: noch dieser !a. Nation , die nemlichen Felsenöfnungen ihre Gränzpässe. Durch diese fielen ihre tapfern Voreltern von allen Seiten aus, um sich an den größten Räubern der Welt, an den Unterdrückern freyer Völcker zu rächen. Oft besiegt, aber nie ganz in ihren hohen unzugänglichen Gebirgen gcbändi, get, pflanzte sich ihr Frcyheitssinn durch alle Generativ, nrn, unter dem größten Druck und Dränge fort, und de, hauptete die angestammten Rechte. Jedes Thal bildete nach und nach, unter dem Titel eines Hochgerichts, einen eigenen freyen Staat für sich, diese vereinigten sich wieder zusammen in drey verschiedene Bünde , und diese drey zu- lezt in einen einzigen grossen Bund. In keinem Lande erblickt man so viele Uebcrblcifel alter Tyranncy als in diesem; das kleine Thal von Nteyenfeld bis nach Lhur und von da bis nach Tusio ist ganz dar von übersäet; an jeder steilen Bergwand, auf jedem hervorragenden Felsenrücken, oder abgesonderten Steinhügel steht ein alter Burgstall oder ein Schloß — so bauetrn stch die kleinen Usurpatoren menschlicher Rechte unter dem Schutze grösserer an, um von da aus, wie Raubvögel aus hren Felsennestern, herab auf Beute zu lauern, oder gellen einander selbst auszufallen, und dann doch wieder eine Kette unter fich zu bilden, um das Land in Schrecken zu ^>tcn. Ihre Burgen sind nun zerstört, aber noch nicht ganz 206 » ganz der Druck der Edlen, denn ihr Geist spuckt noch bisweilen in den Faktioncn ihrer Nachkömmlinge, die, durch alle Thäler zerstreut, durch ihr Ansehen, ihre Reichthum- mer und geheime Künste auf den Landtagen und DundS- tagen oft Verwirrung und Zerrüttung anrichten. Doch auch gegen diese fangt man an sich eines Mittels zu bedienen , das wirksamer ist als Pulver und Stahl — Jeder Landmann hat das Recht seine Meinung laut, frey und öffentlich,zu sagen, da diese aber oft in einem kleinen Zirkel verhallt, so benuzen aufgeklärte Patrioten das Recht der preßfrcyheit. Bey jedem wichtigen Streit oder Geschäfte , fliegen eine Menge kleiner Schriften in diesen Thälern umher, die mit Frcymuth die tvahre Gestalt der Sachen aufdecken, und den Landmann belehren und aufklären. Manche geheime Triebfedern werden da dem Publikum zur Schau an's Tageslicht gebracht; manche Jntriken in der Geburt erstickt, und der Faktionsgeist unwirksam gemacht, der sonst in dem Chaos der Landesverfassung freyes Spiel hätte. Dieses Mittel schüret also die Volksrechte, gegen unbefugte Eingriffe , weit besser als die schon mehrmalen proMirte und gesuchte Aufnahm in den Eidgendßischen Bund, und die wechselseitige Garantie der Hochheit aller dreyzchn Kantone, da wahrscheinlich nicht alle diese PreZfreyheit garantiren würden. Ueberhaupt kann man sagen, kein Volk ist frey, keine VolkSrechte sind ge> sichert, sichert, Recht, Volksd scheitm Dr Unsere! schaftei Mit S dir die Augen Da es heit zr lassen; rohen / sich ba bey kö> treten. Di bie oh, Pronil Wiese, 'Mmer sich zu die fiü t SO? och bis- :, durch chthüm- Bunds- sichert, keine Regierung/ kein Thron steht fest, wo dieses Recht nicht allgemein cxistirt. Nur niedrige, eigcnnüzige Volksdespolcn erschrecken davor, weil da ihre Pläne scheitern. Doch i bedie- Jeder ey und cn Zir/ Recht er Ge« diesen alt der d auf- Publi- itriken irksam assung I Solks- ^ s die » den e der nicht kann » ge* Doch genug hieven — Von Lhur auö mußten wir Unsere Reise zu Pferde fortsezen. Da die umliegenden Dorf» schaften, nebst der Stadt, der Reihe nach, diese Pferde, mit Sattel und Geschirr, liefern müssen, so kannst du dir diesen Auszug vhngefähr vorstellen ; ich machte grosse Augen wie ich diese hagern, ausgedörrten Rostnaten sah! Da es aber hier weniger um das Paradircn als um Sicherheit zu thun ist, so kann man sichs um so eher gefallen lassen; denn so elend diese Pferde aussehen, so sind sie des rohen, oft gefährlichen Weges gewohnt, und man versöhnt sich bald mit ihnen, wenn man an steilen Abgründen oor» bey kömmt, und bemerkt, wie vorsichtig und fest sie auf« treten. Die ganze Strecke von Chur bis nach Reichen«», bie vhngefähr Zwo Stunden beträgt, gleicht einer schönen Promenade. Reben, Baumgarten, fruchtbare Accker und Hirsen, und wohlgebaute Häuser und Dörfer wechseln 'tnwer mit einander, und beschäftigen Aug und Herz, biS sich zulezt diese Gegend mit einer angenehmen Heide schließt, ^ sich zwischen einem schwarzen Tannenwald, und dem Rhein, 2<-8 Rhein, bis an die schöne Brücke, die nach Reichenall führt, hinzieht. Hier vereinigen sich beyde Armen des Rheins, und bilden diesen schönen Wohnsitz zu einer Insel. Von da an krümt sich der Wxg nach Bonadu; und Razüns, an einer starken Dcrghalden, in das Domlesch, ger Thal, das der Hintere» Rhein durchströmt, und weit und breit seine Verheerungen zeigt; dieses und die viele»'alten Schlösser, Thürme und Turgstöke, die überall hinter den Dörfern von Felsenrücken und Steinhügeln her, abnickcn, geben diesem sonst reizenden und fruchtbaren Thal, das man wie ein Gemälde vor sich hat, einen An, strich von Schauer — Aber froh blickt man nach dem schö, neu Hcin;enberg, von dessen Rücken sich fruchtbare Wci, den hinabgehen, dessen Fuß Dörfer, Hütten und Gebüsche umfassen; Sorgenfrey zieht man durch die lachenden Wie, sen unter den schönen hohen Bäumen des lieblichen Thal, geländes von Rezis bis nach Tusis hin. — Es war ein schöner Abend; der Mond blickte an den Felsen der ho, hen Realta; eine Nachtigall schlug zur Seite im Gebü, sche und ich wünschte aller Welt den Frieden meiner Seele. Von Tusis führt eine schlechte Strasse steil den Berg hinauf; so bald man die Höhe erreicht, sieht man nichts vor sich als Felsen an Felsen geschlossen. — Hier fängt die Via mala an: zu beyden Seiten ungeheure Frlsenwände, zwi. Zischen bindet, dcrn du; Absehbar tu Klipp scheu der bvischcn Einander Krücke» k>ner Fei Gliche S durch cir sen über> hen — e bieder h lich in l °hne Bä des Rl i bix. du änlich Ea>n scher un> ^ ^ hat s ! s°«st so ^itbrrch 20I ichenatt icn des r Insel, u; und mlcsch, t, und die vie, überall ln her, »tbaren :n An, n sch ö, Wei, büsche Wie, Thal, s war r ho^ Sebü, Seele. Berg nchts !t die mdk/ Zischen denen sich der Weg in vielen Krümmungen durch, bindet. An einigen Orten in den Felsen gehauen, an an, dcrn durch Brücken von Holz zusammengchängt. In un. Absehbarer Tiefe stürzt uud braust der Rhein von Klippen, in Klippen, so eingezwängt daß an einigen Orten, wie zwi« scheu der zwoten und dritten Brücke, die beyden Felsen, »vischcn denen er dnrchstürzt, kaum drey Schuhe weit von Einander stehen. Man geht da dreymal auf schön gewölbten drücke» über den Rhein, oder vielmehr über die Kluft von *>ner Fclsenwand zur andern; an einem Orte ist der Weg Mche Schuhe weit durch den Felsen gehölt, so daß man wie durch ein Loch geht, am andern Orten oben von dem Fel, Ich überwölbt, ober mit Dächern, gegen die Rufinen, versc, hen So gicngs es wie aus der Schöpfung, hinab und wieder hinauf durch verschiedene Krümmungen, bis man end« Hch i» das Gchamserthal kömmt. Dieses Thal ist öde, Hne Bäume: einige ärmliche Dörfer stehn, rechts und links Rheins, den Berg hinan. In Andre frühstükten 'vir; die Wirthe waren brafe, gute Leute, es war auch sehr änlich jm Hause. Der Pfarrer des Orts Herr Conradi zu uns, und wieß uns einige seiner Gedichte in deut, scher und romanischer Sprache. Der Mann gefiel mir; ^ hat so etwas simples und bescheidenes und nichts von der s°ast so gewöhnlichen plumpen Arroganz seiner geistlichen ^itbrüder in Helvetien; indessen verrieth sich doch der O Schwär, 2lo Schwarze »Rock: er zeigte sein Tagebuch, ich blätterte da« rin und fand auch einige Zeilen von Seniler, und von» Herrn Pfarrer selbst darunter geschrieben, „ daß Senilcl ein gesch-kter Mann, und Verfasser von einigen Theile» dek allgemeinen Welt, Historie, aber nicht sehr orthodox sey. ^ — Der gute Mann ist also noch nicht so weit -gekommen um zu wissen, daß mit diesem Worte, Eigensinn, Rcchtha« habrrey, Eitelkeit, Faulheit, und Dummheit kanonisirt werden. Nicht weit vor dem Dörfchen draussen steht man wieder sd von Felsen eingeschlossen da, daß man, wie der Schwabe, glaubt, die Welt sey wirklich vertäfelt, man könne hier nicht mehr weiter kommen; Dann noch einige Schritte vorwärts erblickt man endlich die Ocfnung einer Kluft, in deren Tiefe der Rhein nicht stießt, nicht läuft, nicht stürzt, sondern immer in schäummendcn Wogen nicderstürmt. — Ueber ihm steigt der Wanderer, an den Krümmungen der Felsenwände, wie auf einer Wendeltreppe, hinan, hört und sieht nichts als Brausen und Tosen, und Wasserfalle auf Wasser» fälle, deren einer viele Klafterhoch herabstürmt, und sich ganz in Staub ausidßt; die Sonne schien von oben hinein, und spiegelte uns einen Regenbogen so schön und vollstän« dig entgegen, wie ich noch keinen gesehen hab. Wn seine Wuth l immer tur wi lcn B Stellen Schne, des B, tS hici bessern den K aber n berltch irre L, Wie ic als B EigeS Wenn Vl rs als iur L 2H terte da« ind voin Semlek cileu der ?x sey.« komme» sicchtha- monisirt wieder Lchwa, ne hier lte vor. in bestürzt , ,t. — er Fel. d steht 3asser< I d sich mein, llstän. ' m» Wenn man sich endlich aus diesem Bergschlund heraus, gewunden hat, so eröfnct sich ein kleines Thal, das zwar einsam und öde, aber durch den ebenen Lauf des Rheins, der zwischen Lerchen und Tannen, und Gras und Kräutern in seinem steinigten Bete durchstießt, doch eine gewisse An, Muth hat; eine kleine Strecke weit hat man da den Rhein immer zur Seite; aber nun gehts wieder Bergauf, die Na» tue wird nackter, sparsamer stehen die Fichten, die kah, lcn Berge hinan; nach und nach ersezen Lerchen ihre Stellen, und von dem Rücken der Berge glänzt ringsherum Schnee, bis man in das Dörfchen Splügen, am Fusse des Berges gleichen Namens kömmt. Sehr ärmlich scheint es hier zu seyn; die Häuser sind meistens schlecht, selbst die bessern haben nur kleine Fcnsieröfnungen, durch die man kaum den Kopf durchstecken kann. Wir speisten da zu Mittag, »der wir waren schlecht, oder vielmehr schmuzig und unsäu, berlich bedient. Doch ein Herr Schorsch verbesserte unsere Lage mit ein paar Krugen vorlreflichem Veltlinerwein, ivie ich noch keinen getrunken habe, er war so schön und klar als Bordcau - Wein, und in dieser Lage für uns ein wichtiges Geschenk. Bom Splügen herab, biß nach Lampo Dolcino, ist ^ als wenn die Natur, müde ihrer grossen Ideen, hier Letz noch alles durcheinander geworfen hätte, Dder alS O r wenn wenn die Titanen ihren Götterkrieg hier geführt hätten; denn man siebt nichts als Felsentrümmer — Endlich gegen Camps Dslcins hebt wieder hier und da ein Baum sein Haupt zwischen den Felsen empor; nach und nach gesellen sich mehrere zusammen, um die Blösse der Natur und die elenden Hütten der Bewohner dieser Gegend zu bedeken, und über den Wanderer freundschaftlich ihre Armen auszubreiten. vm. Briefe auf einer Reise an den Genferset. Im Frühling 1790. Nachstehende Seiest waren bisher einzig im Helvetischen Ratender, voin Jahr »7S4, abgedruckt. desto ft> Slücklich Eintrac! Sang de Änre, chen de «uf zu schnitte« schlängt Nelch der W> deinen den der bergen dessen lind en Theben Brugg, im Aergau. ^nter trüben Bildern war ich eingeschlafen, an die sich die Begebenheiten der heutigen Tage knüpften. Aber um desto froher erwachte ich wieder bey dem Gedanke an das glückliche Land, in welchem ich geschlummert hatte, wo Eintracht und Genügsamkeit herrscht! — Um den Auf, Sang der Sonne zu sehen, bestieg ich den Berg jenseits der Aare, über die eine steinerne Brücke führt, die dem Städtchen den Namen giebt. Ein steiler Pfad führte mich hinauf zu einem Tannenwald, der von Grascplätzen durch« schnitten wird, durch die sich unter Kräutern kleine Bäche schlängeln und zwischen bestrauchtcn Felsen ins Thal fliesten. Äelch ein Standpunkt auf der Stirne des Berges, da wo der Wald sich öffnet. Am Abhang verbreitet sich tief zu deinen Füssen bis in blaue Ferne eine der schönsten Gegenden des Argäu. Eine reihende Fläche von Hügeln und bergen begränzt. Im Silberglanz der aufgehenden Sonne dessen in mannigfaltigen Krümmungen die Aar, die Reuß *chd entfernter die Limmat. In den Armen dieser Flüsse Theben sich entweder fruchtbare Halbinseln, oder Sandbänke. Da ri6 ^ Da wo diese Gewässer zusammen fliesten, bilden sie eine« breiten Strom, der in ernstem Gang sich dem Rhein nä< hert. Zunächst meinem Auge erhoben sich die Gebäude dck reinlichen Städtchens Brugg — in einiger Entfernung ta§ Kloster Rönigsfelden und das lustige Dorf wmdisch —' jenseits der Rcuß Gäbistorf — rechts in weiterer Entfett nung die Uebcrbleibfcl Habsburgs und die Ruinen vo» Brunegg — hin und wieder zerstreut mehrere Dörfer und einzelne Wohnungen — Hügel und Gefilde, bebaut mit banmrcichen Matten, Aeckern und Weinreben. ' Nur mit Mühe riß ich mich von diesem Anblick los. Als ich wieder ins Städtchen herab kam, suchte ich die . Addrcsse hervor, die Sie mir an einen Freund von Ihnen mitgegeben hatten. Dieser cmpficng mich sehr höflich, und ich mußte bey ihm das Frühstück nehmen. Mit ihni gieng ich in daS Kloster Römgofelden. Unterwegs unter« hielten wir uns von seinem Geburtsorte, besonders von dem berühmten Hofrath Zimmermann und seinem unsterblichen Werk über die Einsamkeit, das so tiefe Kenntniß des mensch« ljchcn Herzens verräth und so manches enthält, wofür ihn der Menschenfreund seegnet. — Mitten unter Gesprächen betraten wir das Thor von Rönigsfelden, dieses in der Geschichte der ersten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts so merkwürdigen Stifts. Es wird jetzt von einem vornch« men wen P, Meister die St, derungc einen c gebcnhe uigsfel ftr Alb griffe si besuche ermord Ioham sein vä waren von sei einer ? iu fast gen un Mit d< stand, ! gen gic Nerkze tun gen ! gyh xj, I thqu. r sie einen khcin riö- läude dcö nung da^ isch — ' Entfernen von rfer und mt mit ick loS. ich die Ihnen höflich, it ihni unter« m dem wichen iciisch« ir ihn ^ achen i der cherts rneh« en wen Patrizier von Bern bewohnt, dem unterm Titul Hof. Meister ansehnliche Verwaltungen anvertraut sind. Wenn die Stellen, auf denen für die Menschheit wichtige Vcrän, derungcn vorgefallen, dem spätern Wandrer, der sie betrit, einen gewissen Schauer einflössen, indem er sich die Begebenheiten auf dem Platze selbst erzählen läßt, so ist nigsfelden in dieser Rücksicht ein merkwürdiger Ort. Kay- scr Albrecht I. der Sohn Rudolfs von Habsburg, im Be. griffe seine Gemahlin in Rhcinfclden von Baden aus zu besuchen, ward auf der Stelle, wo jetzt das Kloster steht, ermordet. Diese That geschah aus Rache von seinem Neffen, Johann, Herzog von Schwaben, ( - zog.) weil er ihm sein väterliches Herzoglhum vorenthielt. In das Complot waren vcrschiedne Edelleute verwickelt. Albrecht verschied, von seinen flüchtenden Mördern verlassen, in den Armen einer Metze. Diese That entflammte seine Tochter Agnes iu fast unersättlicher Rache. Sie richtete unter Schuldi. «en und Unschuldigen ein Schreckliches Blutbad an. Wer wit den Mördern Albrechts in irgend einer Verbindung stand, mußte das Opfer dieser Rache werden. Feste BUr, gen giengen im Rauch auf, und aus dem Raube wurden die Werkzeuge dieser Rachgier besoldet, oder andächtige Stif, Zungen angelegt. Agnes watete im Blute der Erschlagenen 'wd rief mit unmenschlicher Wollust : » Ich bade im May. Ihciu. " Nach gesättigtem Blutdurst errichtete Agnes über der der Mordstätte Albrechts das Kloster Rönigofelden. Siezog sich in eine finstere Zelle zurück und erwarb fich durch strengt Klostersitten den Ruf einer Heiligen. — Aus dieser Zelle, die noch ganz so gelassen ist, wie sie zu Zeiten der AgneS war, traten wir in das Chor der Kirche. Seine erstaune liche Höhe, das dämmernde Licht, welches durch die bunten Farben der mit heiligen Geschichten bemahlten Fenster herab fichl, die in einer Reihe gemahlten knienden Figuren Leopolds und seiner Helden, die(r;86.) vor Sempach fielen, die erzählenden Inschriften, *) alles das hatte etwas seyerlichcs und versetzte mich in die Tage dieser Begeben» heilen zurück. Ehe wir uns aus Rönigsfelden entfernten, besahen wir noch das Tvllhaus, in welches ein Theil des vormaligen Mannsklostrrs verwandelt worden. Arme Geschöpfe, deren einige freylich ihren unglücklichen Zustand nicht zu fühlen schienen und bloß vegetiren, andre aber unter Stöhnen und wildem Gcplauder ihre Zeit hinbrachten. Ich hätte dem Menschen, der uns beyden Zellen dieser Verrückten vorbey führte, gerne die Gefälligkeit erlassen, Spiel mit einem die» ser Unglücklichen zu treiben, und ihn durch Fragen bald in den Affekt schmachtender Liebe, oder rasender Wuth zu versetzen. Ist es nicht einerley, ob uns die Einbildung oder die ') S. hierüber ausführlicher: Beschreibung des HabsburgerbaadS von I. Rudolf Maurer, r. Aurick, »787. die Wir die Bch< 8urg eil kkte ver den die Zufällen ist, gier Der trieb sei »ach S ins Cal taune b spräche ferste - tvcrden dem w< ivaren l das ger, hinter 1 dicht T tracht r Müdere klnmel un 219 Sie zog h strengt :r Zelle, r AgncS erstaun« >ie bun, Fenster figuren mpach etwas egcben- en wir aligcn deren Wen > und dem orbey l dir» ld in per« ober sie l«ad< öie Wirklichkeit unglücklich macht? Wie schonend sollte also öie Behandlungsart solcher Leute seyn, die bloß die Auf«. Iu, einer unglücklichen Idee in den höchsten Grad der As. sckte verftjl. — Mit stiller Betrachtung an wie feinen Faden die Rübe und das innere Glück des Menschen mit den Zufällen des Lebens und dem Bau unsers Körpers verwebt ist/ giengen wir von dieser Scene weg. Der wackere Mann/ an den Sie mich empfohlen hatten/ irieb seine Höflichkeit noch weiter. Er veranstaltete eine Fahrt »ach Schmznach und setzte sich gleich nach Tische mit mir i»s Cabriolet. Es war ein schöner Nachmittag und Froh« iaune belebte mich und meinen alten Gefährten. Im Ge« spräche entdeckte er mir eine vorhabende Reise an den Gen« sersee — und mein bisheriger Plan wankte. Kurz / Sie ivcrden vorerst keine Briefe aus Deutschland/ sondern aus dem welschen Berngebiet von mir erhalten. — Unterdeß ivaren wir im Baad Schmznach angelangt. Nachdem wir das geräumige Gasthaus, die etwas entferntern Bäder, den binter den Wohngebäuden angelegten Garten und das lieb» öiche Buchwäldchrn gesehen, wo einst die Lieder der Einmacht und republikanischer Freyheit von der helvetischen Ver« ^üderung erschollen, die nun jährlich in Ollen *) sich per» sammelt - kurz, nachdem ich alles besucht, was diesen Ort — _ merk. und später hin in Arau- LL0 merkwürdig macht, ließ ich meinen Freund bey einigen seiner Bekannten rurück, und bestieg den Hügel, auf welcher« die ehrwürdigen Reste von Habsburg stehn. Lieblicher Schalken schützte mich vor der Sonne, und auf schmalem Fußpfad gieng ich zwischen Buchen zu den Ruinen hinan. Als ich oben anlangte, belohnte mich eine.der schönsten Aussichten in das von der Aare durchschnittene Thal und gegen viele Berge umher, über die sich zur Südöstlichen Seite die Schncegebürge des Alpenlandcs glänzend in den reinen Acthcr erhoben. — Von dieser ausgebreitete« Uebersicht wandte ich mich gegen die modernden Mauern von Habsburg, und meine Phantasie beschäftigte sich wieder mit der Vorzeit. Aber die Geschichte dieser Burg ist zu bekannt, als das ich Sie weitläufig damit unterhalten dürfte. Rudolf gab ihr den Ruhm, der sie vor allen andern Burgen der Ritterzeit heraus hob — und seinetwegen wandern die Deutschen hinan, ihre ehrwürdigen Reste zu besuchen. Er wars, dessen Iugendjahre hier verflossen, bis sein Rittcrmuth ihn zu Ebentheuer und in mancheFehde rief, wo sein grosser Charakter allgemein gefürchtet und geliebt wurde — von da er (rs?;.) den deutschen Kayserthron bestieg und grossen Verwirrungen abhalf. Indeß sein erlauchtes Haust bis auf die grosse Maria Theresia sich fortpflanzte, zrrflel sein Stammort in modernde Trümmer. Niemand wohnt in diese« >vas die deckte § Da wo dumpfe Uhu - führte, und mi rurück. S°, verlasse ierland iu dies Sänge Semem «uslän holftn der N Ich re "Uffall Abreis in ugen sei- welchen^ .'ieblichcr chmalem hinan. r schön- ne Thal Züdöstli- nzend in leiteten Mauern ich wie- g ist zu !n dürf- andern n wan- u besu- bis sein es, wo wurde I eg und ! Hause zerfiel wohne in >u diesen verlassenen Mauern, als ein Hochwächter, und was die Gegend ein wenig belebt, sind ein paar Strolche, deckte Hütten, die sich bescheiden unter Bäumen verbergen. Da wo vormals ritterliche Freuden ertönten, girrt jetzt im dumpfen Gewölbe die wilde Taube oder der melancholische llhu — In Gedanken vertieft, auf die mich dieses Thema führte, stieg ich wieder herab zu meinem alten Freund, und mit ihm fuhr ich bey der Abenddämmerung nach Brugg lurück. s. Bulle, im Canton Freyburg. Eo habe ich also die mir anfangs vorgeschriebene Route verlassen, um noch einen der schönsten Theile des Schwel. Mondes zu besuchen; und wie froh bin ich, daß ich mich in dieser Umänderung meines Plans entschlossen! Im Um» Tange mit meinem Gefährten, eines Mannes, dessen nicht gemeines Geschick, mannichfaltige Reisen und Gefahren in Ausländischen Kriegen, ihm zu wichtigen Erfahrungen ver, bolfen haben, und im Anblick immer wechselnder Scenen der Natur geniesse ich ein tägliches Wohlleben deS Geistes, ^ch reise durch ein Land, wo gesunde Ueppigkeit blüht und Auffallender Wohlstand herrscht! Um so lieber also fahre ich ^t, ihnen meine kleine Reisegeschichte zu erzählen. - Unsre kreise von Brugg geschah früh Morgens. Wir kamen die L2L die Dörfer Holdcrbank, Hunzcnschweil, Entfelde»' I^ölikcn, das Baad Schinznach und die Helln,ühl vor» bey. Am lctztcrn Orte besuchen wir die beträchtlichen Cat« tunfabriken, die seit wenigen Jahren hier gebaut werden, und indem sie vielen Menschen Brod und Beschäftigung ge« den, Industrie und Nacheifer erwecken, so das sich am Fusse des Schlosses Wildegg nach und nach eine der schönsten Oft* schaften, anlegt, wovon bereits einige geschmackliche Gebäude das lockende Beyspiel sind — Schade, das ein dichter Mor- gcnncbek die Gegend umhüllte und unserm Auge die Schloß scr wildegg und Lenzburg und die Stadt Zofingen vere barg. Endlich zog sich der düstre Vorhang auf, und wir befanden uns in einem helvetischen Tempe, dessen kunstlose Natur mich in Entzücken hinriß! Wenn Sie die Blatter von Aberli und Nieter und die ländlichen Scenen von Freu* denberger gesehen haben, so können Sie von den erstem auf die Gegenden schließen, die ich durchreise, von den letzter» auf das Volk, das diese Landschaften belebt. — Jl» Dorfe Rodrisch speisten wir ein gutes Mittagessen. ES liegt unweit dem Städtchen und der Festung Arburg. Nach' mittags kamen wir bisweilen neben Wäldern durch; Sah" das luzernersche Stift St. Urban zur Linken; und im Dorf* Herzogenbuchfte endigte sich unsre erste Tagreiise. Aufgmi delwal dem D Hauers wvnun Svldunj stein d a»S. ! des zui ling in den de dicht r iärtlich >e»kte, ihn, ft u,en tz kung, diache. Horch Nach Dein ^ud ii W Am folgenden Morgen giengs sehr frühe weiter. Bey>" Auf. selben, ihl vor, cn Cad werden / ing ge» n Fusse en Olt, iebäudt ' Mor- Zchlösi n ver» rd wir lustlose Zlätter Freu, m auf etztern IV r liegt Nach« j Sahtt Dorfe Seyn« uf« 22z Äusgang der Sonne sahn wir die Schneeberge des Grin. delwaldes und die Thürme und Mauern von Thun — In dem Dorfe Hmdellxrnk befahn wir das Kunstwerk des Bild» Hauers Nahl. Es ist im Chor der Kirche. Wen das Grab« Monument der Edlen von Erlach sich durch Pracht und Ver. goldung ankündigt — so zeichnet sich hingegen der Grabstein der Frau Langhans durch einen erhabenen Gedanken * aus. Die Darstellung einer aus dem Schlummer des Grabes ;ur Unsterblichkeit erwachenden Mutter, dih ihren Saug» stng im Arme halt, und, Seligkeit im Blick, emporstrebt don den Trümmern des Grabes sich loszuwinden — könnte dicht rührender seyn. Man sieht und empfindet es, daß es lärtliche Freundschaft war, die den Meißel des Künstlers lenkte, die grosse Idee des Wiedersehens auszuführen, die ihm so meisterhaft glückte. Hallers Muse legte dem stum. dien Stein noch Sprache bey und vollendete so die Wir» bung, die dieses Kunstwerk auf jeden empfindenden Zuschauer Zachen muß. Die Mutter redet ihren Säugling so an: Horch, die Trompete schallt, ihr Klang dringt durch das Grab: ^ach auf, mein Schmerzcnssohn, wirf deine Hülsen ab r ^ei„ Heiland ruft uns zu, vor ihm flieht Tod und Zeit in ein ewigS Heil verschwindet alles Leid. Wie schade daß dieß Kunstwerk bloß von gemeinem Stein ist, 224 « ist, und jetzt schon Spurren seiner Zerstörung tragt. In« deß hat die Mcchclsche Kunstindüstrie gesorgt, die Idee selbst in einem schönen Kupferstiche auf die Nachwelt über zu tragen. * Nicht weit vom Dorfe Hindelbank sahn wir das Er- lachische Lustschloß mit seinen Gärten, und dann gelangten wir nach Bern. — Von der Anhöhe Skalden läßt sich die Lage der Hauptstadt leicht überschauen. Sie wird zum Theil von der Aare umgurtet. Die Staldenstrasse selbst ist eins der kühnsten Werke, indem sie über ein vormaliges Fclsenbord spiralförmig berabgebahnt ist — bis sie sich ganz in der Tiefe mit einem Brückenthor der Aare ver- bindet. Hier betraten wir das schöne Bern, von dessen regelmäßigen Gassen, Gebäuden und öffentlichen Plätzen ich Ihnen aber wenig beschreibe, weil Ihnen das alles schon bekannt seyn muß und unser Aufenthalt nur sehr kurz war. Wir stiegen im Falken ab, und speisten da in Gesellschaft von Engländern, Franzosen und Bernern in sehr untcrhal, ttNdem Gespräche zu Mittag. Nach Tische besuchte ich den geschickten Pros. Sonnenschein von Stuttgard, der hier als öffentlicher Lehrer im Zeichnen und Poustlren steht. Dieser wackere fleißige und talentrciche Mann, führte mich zu den Herrn Nieter und Sreudenberger, wo ich einige ihrer Kunstsachen sahe. Nieter ter schei "och zu 8auz ein ländliche allzu bek iufügen Freunde Aünster Ausiksa, die Bib Rcichthi Tuten C Sierung Heilen, alles ak auf die delebt > allen K Landes auf hei, selbst . ^fad r Aussich ^rrn. die du > 2 '" e selbst ber zu as Eräugten ßl sich d zum selbst mrali, !e sich ver« en re« n ich schon war. schuft rhal, nei»" c im und und Nie- er 22s ter scheint den berühmten Aberli im Fache der Landschaft "och zu übertreffen und Lrcudenberger ist in seinem Fache Tanz einzig. Die Leichtigkeit/ Grazie und Natur in seinen ländlichen Scenen sind aus einigen seiner Blättern schon "llzu bekannt/ als daß ich noch etwas zn ihrem Lobe bey. infügen hätte. — Mit diesen drey Künstlern und meinem Freunde besah ich einige Merkwürdigkeiten der Stadt/ das Münster St. Vliizen; mit seiner schönen Promenade, den Atusiksaal, das schöne Hospital ausser dem Christoffelthor/ die Bibliothek und das Zeughaus. Alles zeugt von dem Reichthum, der Achtung für schöne Alterthümer/ und dem Tuten Geschmacke in ncnern Gebäuden der berncrschen Re« Tierung, worunter sich besonders, nach dem Plane zu ur. Heilen, das neue Rathhause auszeichnen wird. Mehr als alles aber entzückte mich ein Spazicrgang, den wir Abends auf die Enge machten. Dieser öffentliche Spazicrplatz, delebt von Damen und Herren und frohen Menschen aus allen Klassen, wcils Sonntag war, ist sehr reizend. Man wandelt im Schatten von Kastanienbäumen, einsam oder "Uf bevölkerter Strasse, oder ruht in dunkeln Lauben, die ldlbst am Mittag Kühlung enthalten. Zuletzt führt ein ^fad aufwärts zu einem Tannenwald, wo sich verschiedene Aussichten eröffnen. Die lebhafteste derselben ist die über ^rrn. Veblumte Wiesen erheben durch ihr sanftes Grün ^ dunkle Gruppe des Waldes: diese verliehren sich in P Korn« S26 Korngefilde. Hin und wieder eine ländliche Hütte. Ws dem Thal erheben fich die Palläste von Bern — hi»^ 1er diesen hohe Felsenufcr, und endlich die Ricsenberge d«s Siementhals und Grindclwaldcs von cwigcin Eiie und Schnee bedeckt. Vor diesem prächtigen Schauplatz setzten wir uns zusammen aufs Moos. Die Tannen verbreiteten ihre schwarzgrünen Arme über uns, indeß die Abendsonnt ihre bezaubernde Beleuchtung auf die majestätische Gebirgskette warf, und unsre Seelen in unbeschreibliche Womit hinriß. Von Bern verreisten wir nach Freyburg ; aber R«- grnwctter verhinderte uns an jeder Art Beobachtung; wir waren froh unS in Mantel einhüllen und im Gasthaus« beym Camin fitzen zu können. D«c Gegend, durch di« wir von Freyburg weg kamen, schienen mir einsam- Nach einigen Stunden kamen wir zum Abhang eines steilen Hügels, und da hinab in ein kleines romantisches Thal, von Felswänden und Wäldern gröstentheilö umschlösse«' I ! rauscht die Sarine; kleine Wasscrfälle plätschern hin und l wieder herunter und vermischen ihr Gemurmel mit den» Brausen des Flusses. In der Mitte dieses malerischen Thals liegt die Abtey Altenryf, von einer Gesellschaft Mönchen, Cisterzicnserordens bewohnt. Die Väter des Klosters führten uns eine Orgrlmusik auf; einige spazierten hernach m't uns Uns an Abtey! Frcybu einen Z Neugie ^Hun den Ni Grosse« der sai Schön die Fr vFrei genuß Beva' ren A de wi luden kein n D ^re a Heber te. Wi - hi« tz setzte» !>rcitett» nvsoniit ebüig^ Won»t er wik isthausi rch die infam, es stci- Thal, blosse» n und t den» Thals nche», ! führ- h m't ms 227 uns an den ein «amen Uftru dcr Sänne. — Von dieser Abtey weg gelangten wir bey Anbruch der Nacht in daS Frcyburgische Städtchen Bulle. — Bald also sollen Sie einen Brief von der Gegend erhalten , nach welcher meine Ncugierde sich sehnt. Lorfier, am Gensersee. ?^un lebe ich in dem reizendsten Lande von der Welt, an den Ufern des Lcmanno, welche die Natur mit allem Grossen, Lieblichen und Sanften ausgeschmückt hat; wo Ksusseau's unsterbliche Heloisc sich entwickelte, und jetzt der fanftempfindende Mathisson singt! Aber nicht bloß die Schönheiten der Natur entzückten hier mein Aug und Herz; dir Freundschaft hat an dieser Wonne eben so viel Theil. O Freund l was ist alles Schöne und Gute ohne diesen Mit- genuß, diesen Einklang in unsre Empfindungen? Unweit Vevay lebe ich auf dem Lande, bey einer Fanlilie, in dr. ren Mitte Freundschaft und Hospitalität in seltenem Grae de wohnen; in deren Umgang Geist und Herz Nahrung laden; wo süsse Unbefangenheit jede Freude würzt, und lein neidischer Blick hinlauscht. Das Dorf Lorsier liegt in einiger Entfernung von, dem ^re auf sanfter Anhöhe, von da herab sich die köstlichen ^benhaine des Ryfrhals ziehen. In der Nähe liegen die P s Oer. 7,28 OcrterVevay, St. Saphorm, Lhardonnc, Luill; die Schlösser Haut-ville, la Tour, Blonay, LhiUou. Z» Lorsier selbst sind viele städtische Landsitze, wo abwechselnd freundschaftliche Zirkel gehalten werden, bey denen selten sieb lange Weile einstellt, und die Unterhaltung lebhaft, ohne steiffe Zwanggesetze und geistreich ist. Man scherzt, lacht, liest eine Stelle aus einem interessanten Buche, oder spaziert in der offenen Natur. Die gewöhnlichen Spaziergänge sind, der Dorfplatz neben der Kirche, wo sich an festlichen Tagen die jungen Dorfleute unter Gesang und körperlichen Spiele» «lustigen, der Garten des Herrn de Tavel, die Ufer des SeeS, oder ein einsamer Wasserfall, laBcrgere, der hinter Corsier über einen Fels hcrabrauscht. * Und so fliessen — ich furchte nur zu schnell! meine Tage in dieser paradiesischen Gegend hin. Immer wechseln wissenschaftliche Beschäftigungen mit frölichem Umgang, häusliche Ruhe mit kleinen Reisen, bald in diese, bald in jene benachbarte Gegend. Vevay besuche ich um seiner Nähe willen sehr oft. Diese kleine Munizipalstadt des pais de Vaud erstreckt sich auf einer Landzunge etwas in den See hinein. Sie hat verschiedne Promenaden längst dem See/ wo man unterm Schatten der Bäume wandelt. Die vorzüglichste aber ist der Begräbnißplatz der St. Martinskirche, die hinter Vevay auf einem Hügel liegt. O wie rüh, rührend Bäume und die tesdienj eine Fc Kamin Die F die St Die L der V Bau < schläcl befesti starke ten c Pvlir Vase> halici Ein von Bäu Wa schli auf 229 lill; k>-< o„. ZU vechfeliit sttcn sich st, ohne Ht, liest azicrt i» lud, der rgcn die Spiele» fer des er hin, e Tage n wisi häus- in jene j Nähe ! ais ve ^ r See See, ie voe> rtiuse V wie rührend,, wenn man da bey klarem Himmel unter den Bäumen die göttliche Aussicht über den Genfcrsce genießt »nd bisweilen das Geläute der Glocken, oder beym Gottesdienste die Orgel erschallt! — Nahe an der Stadt ist eine Fabrike, *) wo Marmor zu Säulen , Altarstücken, Kamingesimscn , Grabmonumenten u. s. w. bearbeitet wird. Die Fabrcke liegt sehr vortheilhaft am See, auf welchem die Steinkasten leicht hin und her geführt werden können. Die Säg - und Schleifmaschinen werden durch einen Kanak der Vevayse in Bewegung gefetzt. Ganz einfach ist der Bau einer solchen Maschine: Sie besteht aus einem ober- schlachtigen Wasserrad, an dessen Wendclbaum eine Kurbel befestigt ist, welche die Säge, ein in Rahmen gefaßtes starkes E'ns, we sei, 'erstes, Dörfer zweck, allemal durch nmclte , Rui« dschas- ihrcr 1/ uin Natur hüm, msich , r das ! e sich ersten in. ^ Sprache der Bewunderung hervor lockt, aber lv ---f, ts>t rfuchung gestattet. Indeß würde diesem T> .. g s liehen, wenn man ihn in die Klasse :n'.ch «- Peo,pettzeichncr herab würdigte , die ohne Kü«hl, ohne Geschmack und Gefühl ganze Schocke illumi« Wirten Quarks >ns Publikum der Dilettanten ausstreuen» Richtige Perspektive, Auswahl des Grossen und aesthetisth, schönen, und kühne Behandluna, machen viele seiner Blät» tcr schätzenswerth. Sie sind meistens in Aquarclla und die größten haben die Form eines englischen Rcgalfotio. — Aber mehr als Brandoins Blatter gefielen mir ein Paar grosse Landschaften von harret einem brittrschcn Künstler. Hier erscheint die Natur in ihrer vollen Frühlingspracht. Grosser Styl mit Wahrheit und Ausdruck der Natur vcr, bunden! die Bäume mit gewaltigen Stämmen und Laub, parthien, unter denen die Acste sich beugen; Felsen mit Ephcu und Gesträuch bewachsen, sind Natur; die Luft jer, fließt, und das Wasser scheint klar zwischen Kräutern und über Steine wegzuricstln. S o muß die Kunst die Natur Nachahmen — wenn ste hinreisten — bezaubern — rnt« iücken soll! 4« Corsier, am Genftrsee. Ä?it meinen Freunden habe ich eine Anhöhe bestiegen, die hinter Corsier liegt, und auf dem pelerin heißt, um den 2Z2 dt» Ucberblick des Genferstes zu gemessen. Ach Freund was war das für ein Tag ! So voll reinen Lebensgenuß' ses, wie noch keiner! Es waren unser mehrere, nebst einem Bedienten, der ein Fernrohr nebst Mundvorrath mittrug. Die Sonne war noch tief hinter den östlichen Bergen , da wir unsre Reise antraten. Wir hatten ein paar Stunden zu steigen — aber Munterkeit des Geistes und der zu erwartende Anblick machten uns die Mühe vergessen- Auch wechselte bald der Fall eines Baches mit Wiesenpläne, geschlossene Waldgegend mit offnen Landfchaftsparthicn — bis wir endlich in ein hohes Bergthälchcn kamen, wo eine von Bäumen umgebene Sennhütte und ein paar Viehställe standen. Kühe wendeten zerstreut um dieselbe, und ihr Ge- biöck untermischt mit dem Geklingel der Schellen, war das einzige, was die Stille dieser einsamen Gegend unterbrach. Nirgends keine Ausstcht, als in den grosse» reinen Aether über uns — aber kaum bestiegen wir noch den nächsten Hügel — und d a lag sie vor unserm Auge ausgebreitet die grosse göttliche Gegend des Gciifcrseeo: Dieß stolz nmthürmte Land, gleich Tempe's Flur, Mit jedem Reitz der Schöpfung übergössen! Dieß Wunderwerk der göttlichen Natur, Von Schönheit, wie vom Glanz die Sonn', umflossen! Wel- W nur F ken be> Auge gebär« Dust Ganze und Fläch« Mit j breite! 'sliessci Seen« süffer, sein ! Punkt Tropi zu vei berge Echo Glcti ben < klar! hohe, Trift freund! nsgenus-' nebst ci- ich unten Berti paar lind der ergesscn- »plane, hicn -- vo eine iehställe ihr Ge- >ar das rbrach. Aether ächsten itet die - en! Zel, > Welcher Llaude; welcher Haller oder Mathisson leiht Mir Farben oder Worte, meine Empfindungen auszudrük. ken bey allen den Schönheiten, die jetzt mein wonnetrnnknes Auge überschaute?,— Von den hohen umwölkten Riesen, gcbürgen des Walliserlandes — bls herab zu den sanft in Duft zerfliessenden Ufern bey Genf, ein grosses göttliches Ganzes, getaucht in die Stralen der aufgehenden Sonne und in den Wiedersehen, der unabsehbaren glänzenden Flache des Lcmanns. Jede Größe und Majestät vereinigt Mit jeder Sanftheit und Anmuth! Paradiesische Ruhe ver, breitet über das Ganze — jede Verschiedenheit in Eins zer« 'fliesscnd! Hier verschwindet alles Kleinliche, jede hämische Scene, womit engherzige Geschöpfe sich und andern jeden süssern Lebensgenuß rauben l Alles was dem Sterblichen sein Daseyn trübt, scheint auf diesem erhabenen Stand, punkte sich in der Harmonie des Ganzen wie ein unreiner Tropfe in dem klaren, den Himmel in sich spiegelnden See zu vermehren! — Da, wo die graulichtblauen Walliser, berge ein grosses Amphitheater bilden, fließt aus ihrem Schoos in manchen Krümmungen der Rhodan, aus dem Gletscher der Furka entsprungen, über flaches Gefild in den See, wo er seine Schlacken verläßt — und bey Genf klar wieder hervorgeht. Jenseits des Sees ketten sich die hohen Berge Savoycns, von, Ufer herauf bis zu nakten Felsen mit Waldung und Gebüsche romantisch bekleidet. Das SZ4 Das liebliche Metllerie an ihrem Fusse verliehrt sich in seiner Kleinheit. Ueber diese grossen mahlerischen Formen ragt in die Wolken cmpe< das beschneite Haupt des Montblanc, und leuchtet in den ersten Strahlen der aufgehenden Sonne, wenn in den Thälern noch Dämmerung herrscht. Unerklimmbar schien die Silberipitze dieses furchtbaren Riesen, wenn nicht ein Saussüre, dessen Forschbe- gicrde jede Gefahr verachtet, kühn den Weg hinauf gebahnt hätte. — In lieblichem Conlvaste liegen tief zu unsern Füssen die Fluren und Hayne des Waatlands mit ihren Dörfern, Landsitzen und Städten; Häufchen kleiner Wohnungen, die sich blendend weiß aus dem mannichfalii, gen Grün von Weinreben, Bäumen und Wiesen heraus heben und nur Punkte in Verhältniß des Ganzen scheinen. Hier Vevay, und daS Dorf, wo ich so glückliche Tage geniesse — duftiger dort das volkreiche Lausanne, und endlich dem Auge nicht mehr bemerkbar die Gegend des unruhigen Genf. Sie zieht sich allmählig in sanftem Bogen gegen Westen herum. Dort lebte einst Rossen», dessen Geist jetzt noch über die Gegenden von Meillerie und Clären- schwebt, die Tage seiner Kindheit. Dort wohnte der weise Bonnet, in dessen Nähe Bonstelren , der als Regent sein Volk beglückt und als Mensch und Weiser sreligt Tage lebt. Dieß §l>mliche> scheint v! ^eqcnstü Und Thl Wir >vei! die k en b. lo >,>ke d? herum, theilten Unser 2 einfache Wäl Unsern Und zic> wir sei, sagte n herstam folgt , und we Ner voi i EntschI j überall , denhcit hier ob i Thal Wi durchir seine g Käsem Dchati Dieß sich in formen pt des er auf- ncrung furcht- »rschbe- uf gc, !» un« )s mit kleiner chfalli, heraus »einen. Tage und id des > Bo^ dessen ^ Llo ,te der r Re- seeligt ieß Dieß , mein Freund ist das Schattenbild des unnach. ^milchen Gemäldes. Zur andern Seite des pelerin er. scheint von eben diesem Standpunkt ein weniger lachendes Gegenstück zu demselben, die zum Theil wilden Gebürge » d Thäler des Cantons Lreyburg. Dir eilten von dieser Höhe zu der Scimhütte herab, die ^nfl ziemlich scharf gieng und die Augen wieder ' n bcÄräliktcrn Gesichtskreis bedurften. Der Senn -e te Mo! n- Wir setzten uns traulich zu ihm ums Feuer herum. Er tischte uns Käse und Milchrahm auf — wir theilten Schinken und Wein mit ihm, und Frohsinn würzte U'.'.ftr Mahl. O wie glücklich, mein Freund, wer an so einfachen Freuden Geschmack findet! Wahrend dem wir bey dem Fcuerhecrd fassen, hatte ich Unfern Senn beobachtet. Eme gewisse Feinheit der Sitten Und ziemliche Wcltkcnntniß machten eine» seltsamen Kontrast Uut seiner Kleidung von Zwillich. Einer meiner Freunde sagte mir nachher, daß derselbe aus einem guten Hause herstammc. Aber Widerwärtigkeiten hatten ihn frühe verfolgt , Cabalen ihm das städtische Leben verhaßt gemacht, Und weder Kriegesdienste, noch weniger Hosieben konnten sei. Uer von Natur stillen Seele genug thun — er faßte den Entschluß eine Scnnerey zu errichten, und fand, was er überall umsonst gesucht hatte — Unabhängigkeit und Zufrie. denhcit in ländlicher Stille. Den Sommer über wartet er hier oben seinen Alpgcschäften, im Winter wohnt er im Thal bey seiner Familie. Wir hatten unsre frugale Mahlzeit abgcspiesen und nun durchirrten wir die Bcrggegcnd. Der Senn zeigte unfeine ganze Oekonomie und machte uns mit dem Butter, und Käsemachen bekannt. Endlich setzten wir uns alle an den schatten einer grosse» Buche, und vor uns lag wieder das gan, ganze göttliche Paradies ausgebreitet. An der Seite der Freundschaft so einen Anblick gemessen, geht über alle Beschreibung ! Wie erweitern sich da die Begriffe von einer Gottheit, die in ihrem ganzen unabsehbaren Plan Liebe zur Basis hat l Unbegreiflich werden einem da die Scenen -er Grausamkeit, an denen der von der Einfalt abgcwi, chene Mensch und seine unersättlichen Begierden Ursache sind! Im Begleite des freundlichen Senns fanden wir eine weniger steile Strasse ins Thal, als die, die uns auf den pclerin geführt hatte. Zwischen den Dörfern Corso und Chardonnc kamen wir durch die Rebenhayne des Ryfthals herab. Ein beträchtlicher Theil derselben gehört dem Freund, bey dem ich lebe. Ueber 20000. Rebstöcke hat er aus Burgund hiehcr verpflanzt. Ziemlich verschieden scheint hier der Weinbau von einigen andern Gegenden der Schweitz. Dort scheint das Augenmerk mehr die Menge, hier mehr die Güte der Trauben. Die Weinreben werden an ganz niedrige Stäbe gebunden und klettern den Felsen nach, so daß die Sonnenhitze mit gedoppelter Kraft auf sie würken kann. So ein Weinberg gleicht oft einer Treppe, weil da, wo der Fels fehlt, niedrige Mauern in die Länge gezogen sind. Kostspielig scheint also die Unterhaltung dieser Weinberge , aber dafür wird der Nektar, der aus denselben ge< keltert wird, desto theurer verkauft und bloß für lekere Gaumen gebraucht. Bey der Abenddämmerung gelangten wir wieder in das liebe Dorf Lorsier — und bey frohen Erzählungen bey Gesang und Clavier lies sich im Hause meines Freundes die Müdigkeit leicht vergessen. Ader mein Freund, nun werde ich bald diese Gegenden verlassen, noch ehe ich sie ganz gesehen habe! Wie balv sind doch die frohen Zeitpunkte des Lebens vorüber! Aber lange werde ich sie in der Nückerinncrung wieder gemessen, und nie wird mir die liebe Schvveiy, dieß Land der Hatt monic, der Einfalt und des Biedersinns aus dem Gedächt* niß schwinden! Der Himmel segne Sie immer mit diese«' beßten Gütern! Leben Sie wohl! Spazier reisen in die innern Rhoden d e s Kantons Appenzell. l Die zwo nachstehenden kleinen Luftreifen in die Inner»' Rhoden der Kantons Appenzell werden vornemlich darum hier eingerückt, weil über diesen Theil von Hclvetien noch so wenig im Drucke erschienen ist. Die erstere habe ich im Jahr 1798. i» dem wochenblatte für den Ranton Säntis abdrucke» lassen, nun aber manche Verbesserungen angebracht. Die zwote erscheint nach Herrn I» G- Rollers Handschrift hier jum erstenmale. D« Jahren als eh lveillät iwcck, lur Ei «er di j theilt ^ will, ! Wals größte gbgesc ^54 » D Besch I. Inner»' lim hier o wenig >798. i» lasse», erscheint aale. Bemerkungen in ein paar Appenzeller alpen. ^^ie Appenzeller, Gebirge sind in den^letzte» r; bis so Jahren von Fremde» und Helveticrn mehr bereist worden, als ehedessen vielleicht in hundert Jahren; aber schöne, ivciiläufiqe Aussichten zu gemessen, war wohl der Haupt- iwcck vieler von diesen Reisenden. Selten sind die, die sie iur Erweiterung der Naturkenntniß besucht, und noch seltner die, welche ihre Entdeckungen dem Publikum mitgetheilt haben ; wer daher etwas über diese Gebirge lesen will, muß sich immer noch an die magere Beschreibung Kaisers (Appenzcllerkronik S.r; —;6.) halten, welche Srößtentheils nach einer ältern vom Capuziner ?. LIemens Abgeschrieben ist, die Scheuchzer seiner Oreo§rgxlüs, S- *54' 259 . einverleibt hat. Die wenige Vorarbeitung, die rch rn der physikalischen Beschreibung des östlichen Helvetiens überhaupt gefunden, und und die Nähe, in welcher diese Gebirge meiner Vaterstadt liegen, bestimmten mich, sie zu verschiedenen Zeiten theils- weise zu besuchen. Eine solche Exkursion von ein paar Tagen, die ich im Frühling 1794. gemacht habe, gebe ich hicmit dem Publikum zur selbstbcliebigen Beurtheilung preis. Ursprung -er Gitter. Samstag Abends den May langte ich au dem Fuß der Alpen, in dem weißbad, an. Es liegt in einer an- muthigcn Gegend, eine Stunde hinter dem Dorfe Appen- zell, wo die drey Quellen der Sitter zusammenfließen, die, wie man überall list, aus den Thälern beym Kron- berg, aus der Schwcndi und von Brülisau herkommen; aber waS bemerkt werden muß, ist, daß nicht eher als da, wo alle drey in einander geflossen sind, der Name Sitter anhebt, und jede Quelle oder Bach zuvor einen eigenen Namen trägt. Diese Namen sind von einigen Schriftstellern, z. E- von Scheuchzer (ll^ärogr. Kelv. S. 86 .) verwechselt, und von andern, wie vom walser (Appenzcller- kronik S. ;.) unbestimmt angegeben worden. Folgendes ist zuverläßig: 7) Von Brülisau her kommt der Bärbach, der aber gemeiniglich nur Brülisauerbach gencnnt wird- 2) Eine andere Quelle (kluss) kömmt aus dem Seealper- scc, fließt durch die Schwendi und heißt drsnahcn Schwen- dibach. z) Das Weißwasser kömmt aus dem Thale beym b°vm Kro A dem F Gerade bei §>er hebt Das; Karte bei seiner Aw kirthung sonst ist d Nyx wer Holkcnkr Sinter de ein paar Nyter Ei> 'den erb, bequem Vlirthsle ' Das ' "'s Qur ^ die A ! ! Caleri aterstadt n theils- in paar gebe ich g preis. :m Fuß ner an- Appen- liessen , Krön, mnen; rls da, Sitter ugencn riftstel. >) ver- nzeüer, gendeS :bach, wird. ealper- >wen- Thale »m 241 beym Kronberg, entspringt aber diesem Berge gegen über, in dem Fuße des Felsens, Oehrli genannt, vereiniget sich gerade beym Weißbaad mit obigen zwey Bächen und erst hier hebt dann der Name Sitter an. Weißbaad. Das weißbaad oder wißbaad ist bisher auf keiner Karte bemerkt. Walser erwähnt dieses Baades zuerst in seiner Appenzellerkronik. Es muß aber wegen schlechter Be» ivirthung viele Jahre hindurch wenig besucht worden seyn; sonst ist die Lage weit anmuthiger als in Gonte,,.*) Nicht Nur wer baaden, sondern auch wer sich der Schotten (einer Holkcnkur) bedienen will, findet hier die beste Gelegenheit. Sinter dem jetzigen Jnnhaber ist die Baadhütte, die zuvor tin paar hundert Schritte entfernt war, mit dem Gasthaufe unter Ein Dach gebracht worden; er hat mehrere Zimmer, 4en erbaut und für die Baad, und Molkengäste alles sehr bequem eingerichtet; durch dies und die Freundlichkeit der Vrirthölcute ist der Ort heutzutage sehr besucht. W e t ß w a s s e r. Das Baad hat keine besondere Quelle, sondern der oben Quelle der Sitter angegebene Bach, Weißwasser, wird die Kessel geleitet und zum Baden gewärmt; wenn nun Q da- .. - - ^ Tonten war bisher das besuchteste der Appenlellerbäder,s.Hkl»»t. Malend. i7i«. S. es — sr,. 242 das Weißwasser noch so vortrefliche Bestandtheile hatte/ so müßte es durch jeden Regenguß in seiner Wirksamkeit sehr geschwächt werden; allein es kömmt viel darauf am wofür es wirksam seyn soll? Wie jedes Baad wird es vob züglich wider Glicdcrkrankheiten angerühmk, auch widck kalte Fieber und vielleicht gegen alle Beschwerden, die der Baadlustige haben mag. Obgleich mir nicht bekannt ist/ daß zum Trinken Gebrauch davon gemacht wird, so scheint dieses Bad dennoch sehr viel Ähnlichkeit mit dem Kcrstelcw bach , der auf den Gletschern im Kanton Uri entspringt, zu haben, von welchem Doktor Salomo Schi»; (Helvct- Calcnd. i78i. S. »r.) sagt: »dieser Bach läuft meistens »milchweiß, welches fast allen Eiswassern gemein ist; »st »Einwohner sollen mit grosser Begierde davon trinken/ »und —welches aber auf unzuveriüßigcn, unbestimmten »Beobachtungen beruht — dadurch von etwa vorhandenen »Fiebern befreyt werdui." Es gelüstete mich den Ort zu sehen, wo das Weißwasser seinen Ursprung hat, ich bt» schloß also Morgens frühe dahin zu wandern. Man geht vo» dem Baadhause weg durch ein angenehmes Thal, daözwi» fchen den hohen Gebirgen und den Voralpen liegt, erstlich auf Lriebern, Aügsten, Lehmen, welches noch bewohnte Güter find, dann in die Bergweiden Rohlhütten, Löwin» nen, pendli, in letzterer befindet sich eine Felsengrotte, gerade an dem Fuß des hohen Felsens evehrli, aus der Wöl. Wölbung fall gena selben qu tiert sich e immer w Nach der es wahrs Nasser ! daß hier »ach ein Mischunc iveißlich Nirkune «ls sich das We Kissen 5 Kern, s voraus Auf ich kein kanigf, an, die lc haltt / irksamkeii lrauf am cd es vor« ch widtt die dtt rnnt ist/ so scheint ?crstelew springt, (Helvct- meistens ist; die trinken, timmte» andcnen Ort i» ich b<^ ieht vo» ^ aszwi» erstlich wohnte I öwi«" irotte e is d>nmer wieder hervor, bis es in einen Bach zusammenfließt. Nach der Lage, die die Appenzeller. Gletscher haben, ist es wahrscheinlich, daß diese Quellen das Schnee» und Eis« Nasser derselbe» find / cs ist steh daher nicht zu wundern, daß hier das Wasser weißlich fließt, aber wohl eher, wie es »ach einem Lauf von zwo Stunden und ungeachtet der Bey« viischung anderer Bäche, beym Weißbaad immer noch etwas weißlich bleibt. Wenn die Glclschcrwasser eine besondere Nirkung haben, so müssen fie so lange wirksam bleiben, als sich ihre besondere Farbe nicht verliert; und dann mag das Weißbaad an dem Ort, wo es wirklich steht, in ge, wissen Zufällen, doch noch, wenigstens in troknen Sommern, seine eigenen Vortheile vor manchen andern Bädern »vrauS haben. Botanik. Auf diesem Spaziergang hatte ich nur zu bedauren, daß ich keine genügsame Kräuterkenntniße besitze; so viele und ^anigfaltige Schätze boten sich aus dem Reiche der Flora die mir unbekannt waren. Eine Art Lauch (iUlium ^rrinvm, I..) die der Appenzeller Renren heißt, wächst Q 2 selbst -44 selbst an Orten, wo fast nichts als Wasser und Sand ist? und das Jahr durch nur wenige Sonnenblicke hinkomme«' mögen, z. B- in obgcnanntcr Zelsengrottc. Ich wünsche, daß Kräulcrkundlgc auf ihren Wanderungen sich auch her- abliessen, die provincialnamon und den anfälligen Lau- desgebrauch der verschiedenen Pflanzen zu erfragen und aufzuzeichnen — neben dem Provinzialname müßte aber auch die Linneische Benennung bemerkt werden — so wücd< dann die nützliche oder schädliche Eigenschaft mancher Pflanzt bald allgemeiner bekannt werden, die ohne dies lange noch, einerseits nur in einer gewissen Gegend, oder anderseits bloß unter den Gelehrten bekannt bleiben dürfte; denn es wird doch jedermann zugeben, daß wie vieles dem blossen Empiriker oft dunkel seyn muß, worüber der Gelehrte nicht mehr zu zweifeln hat, fo wäre auch manches noch von Bauern zu lernen, was kein Doktor und kein Profeßor weißt. *) Die *) Für den ehemaligen Kanton Bern hatte vor langem schon Roch den Versuch einer Sammlung der landesüblichen Name» der Pflanzen, in die Abhandlungen der ökonomische» Gesellschaft zu Bern, 1764. ll. m —12z. eingerückt. Auch Dick'* Derzeichniß derjenigen Pflanzen, welche vorzüglich zu der Nahrung des Mehes dienen, ib. 127 — 160. ist mit landesübliche" Namen versehen. Bey den Appenzellcrn heißt, kvelamlrim" kVlutellins, L. Muttern; I.eonttuion ^ureum , Rowblünilii Verstimm album,!,» Germäder; und 8cnieio Lasaienr, 8»ra- «emur L voromcum, l>. werden alle drey Blasen genannt. Ich k Um heut dem Wer Alpthal, dar, G Merkrvr Undestim sien äel aber an sicn und selbst, v Mit den Die D< liegt, 0 Alpen Berg h u. f. m Gartei teroalz ten, A Werkt, bewvhi sen ist in die ?and ist/ i^vniiiic» VÜllschk, ,uch her- n La>" lud auft )er auch > würde ^ Pflanze ge »och, nts bloß !s wird > Empi- bt mehr Bauer» it. *) Die ^ n schon Name» ^ Gesell' > Dicke er Naß' rbliche» lNilriuiN lünill- -, 8 s"-- ^ iMNk. « 4 ^ Die Lage einiger Berge. Ich kehrte d:n nemlichcn Weg in das Weißbad zurück, Um heute noch in die Seealp zu kommen. Man geht von dem Weißbaar nach der Schwendi und dann durch ein schönes Alpthal, in welchem ich, wie in dem wo ich des Morgens U>ar, Gelegenheit hatte zu bemerken, daß Walscr (Appen, lcllcrkronik» S. 10 und n.) die Lage der Gebirge sehr Unbestimmt angegeben hat. Freylich ziehen steh unsere hoch» stcn Felsensirfte in drey Reihen von Morgen gegen Abend, aber an ihren Abhängen nach den Thälern liegen die meisten und besten Alpweiden, stuss »weise bis in die Thäler selbst, und diese Weiden hat Walscr bey seiner Aufzählung Mit den eigentlichen Gebirgen sehr unter einander gcworffen. Die Bergreihc, die dem bewohnten Lande am nächsten liegt, oder wie Walscr sie nennt, die dritte Reihe der hohen Alpen erhebet sich eigentlich mit Bodmen, über diesen Berg hebt sich Ldcnalp empor, dann folgt der Zöslcr u. f. w. Ader der nördliche Abhang dieser Gebirge ist Garten, Filtern, Hundslanden, Burstbühel, Bo-. tersalp :c. und Leider», Aügften, Lehmen, Rohlhüt, ten, Löwinnen , pendli rc. machen, wie schon oben bemerkt, eigentlich das Thal aus, welches nördlich gegen das bewohnte Land, noch mit einer Reihe Voralpcn eingeschlos« sc>, ist, die mit den hohen Felsen parallele Richtung tzabenz iu dieser Reihe gehört unter andern der Rronberg. An An dem mittägigen Abhang obgenannter Felsenreihe lie- gen Aeschcv, wiesen, Altcnalp, Meßmer und Rkelch- gruben; in dem Thake aber, zwischen diesen und der zwch'I tcn Reihe hoher Gebirge, sind 2luen, Gätteri, Raül- bett, hier erhebt sich das Thal in die Secalp hinaus, und windet sich hernach, gegen Abend, um den Berg Roßmatt herum, nach dem untern, und obern Meßmer, bis es von dem hohen Sämis begräuzt wird. Vielleicht mag es einigen Lesern überflüssig scheinen, daß ich die Lage dieser Berge und Meiden so bestimmt angebe; allein so lange wir keinen stercomctrischen Plan von diesen Gebirgen haben, so kann selbst dieß trockene Here» zählen dem Naturfreunde, der eine Reise vorhat, nicht uninteressant seyn, und müßte auch dem sehr zu statten kommen, der, nach der Manier des General Pfyffcrs, einst diese „Berge abbilden wollte. Die Quelle in Auen. Wenn man aus der Schwendi in die Auen kömmt, so siehet man daselbst eine sehr starke «Quelle, die an de>N Fuße von Bodmen aus dem Felsen quillt, sich kaum »°> Schuh von ihrem Ursprung wieder in die Erde verlieret, nach etwa ioo Schritte nochmals zu Tage kömmt, und sich mit dem Schwendibach vereinigt. In alten Zeiten glaubte mau, dieß Wasser sey der Auslauf des St. Ja" cobS, tvbsbrunv dies auch Wischen tiefer ist daß das Laufes ai Tage kon daß das dern Qw ten, gw Nicht nö Ivrung o bringt, Bodmen nndermh die die l gar zu a berhaube tvicder > Nllerding baß die Krvnber Bodmen 247 ireihe lie- ) Nkclch- der zE , Raül» us, und g Roß- eßmcr, Heincn, mit an« lan von Hercr- , nicht statten i, einst »nmt, in dein mr r° lieret, , und Zeiten ^ . 3-' bs. lvbsbrunnen am Kronberg, ich will aber nicht hoffen, daß dies auch noch heutzutage geglaubt werde: denn erstens liegt irischen hier und dem Kronberg ein Thal, das beträchtlich tiefer ist als der Ort, wo unsere Quelle hervorsprudelt, so daß das Wasser vom Kronberg einen großen Theil seiner Laufes aufwärts nehmen müßte, wenn es hier wieder zu Tage kommen sollte, und zudem ist unsre Quelle so reich, daß das Wasser vom St. Iacobsbrunnen zwischen den an» dern Quellen, die hier mit ihr vereint hervorkommen muß, ten, ganz unmerkbar würde. Zweytens hat man gar dicht nöthig der Quelle in Auen einen so entfernten Ur. sprung anzudichten, da es die Natur der Sache mit sich dringt, daß die Gewässer, die steh von Ebenalp und auf Bodmen in den Felsen sammeln, auch irgendwo, und unter dnderm hier, wieder hervorquillt» »küssen. Die alte Fabel, die die Communikation beyder Quellen beweisen soll, ist Sar zu abgeschmakt: Es heißt nämlich, es scye eine Wei» derhaube auf dem Kronberg versenkt worden, und — hier dricder hervorgekommen! Merkwürdig wäre es indessen allerdings, wenn folgende Bemerkung ihre Richtigkeit hätte r daß die Quelle in Auen so oft trüb laufe, als auf dem Krvnbcrge ein Gewitter sey, da hingegen die Gewitter auf Avbme» und Ebenalp nichts auf sie wirken sollen. Kli- 248 Kuhasthettk. In die Hütte, welche nächst an dieser Quelle liegt, mal der Hirt mit seinem Viche schon eingezogen. Es war die« fts von dem schönsten Vieh, das ich je gesehen hab, alles schwarzbraune, schwerbeleibte Kühe, die sich alle so gliechen, daß kaum eine von der andern zu rmterscheiden war. Appenzeller halten auf der schwarzbrauncn Farbe besonders viel, und rechnen sie zu den wesentlichsten Vorzügen der Schönheit ihrer Kühe. In der Form verlangen sie, daß der Kopf dick, die Hörner kurz und beynahe gerade ausstehend seyen; der Griff (Schlauch) soll am Kinn anhebend und bis zu den Knieen »icdcrhangen; der Bauch muß groß, aber die Füße dürfen nur kurz seyn. — Je mehr dieser Vorzüge an einem Stück Vieh gefunden werden, desto leidenschaftlicher bezahlen es die ächten Küher. Die Farbe allein thut schon so viel, daß unter zwo gleichschön geformten Kühen, für die schwarzbraune eine Louisdor mehr bezahlt würde, und doch glaubt man fast allgemein, daß die Rothen überhaupt die besten Milchkühe seyen. We>u diese Grille der „ermöglichen Aelplcr, dennoch schwarzbraunr Kühe zu halten, gar zu ärgerlich wäre, der bedenke, daß auch die Städter, so gar unter sich selbst, oft reelle« Werth der aussern Schönheit aufopfern —- nicht selten wird ein zarter, schlanker Wuchs dem gesunden Körper voll mehr mehr; rosigtci eine C Au die G sehen, fand c wand gen, Di- L die Z stark verbes ich — thun vorloi See's Ufer. schein Tiefe unser! wa 8 Staub 249 'gt, war mär die« b, alles sticchen, Die esonders gen der ft, daß ausste- ihebcnb ßgroß, ' dieser sto lei- Farbe öii ge- ' mehr , daß Wew »raunt , daß eecilen selten r von chr mehr Festigkeit vorgezogen, und ein weißes Gestchtchen mit rostgtcn Wangen da angebetet, wo von Geist und Herz kaum eine Spur zu finden ist. Wasserfall im Kaülbett — Seealpersee. Aus den Auen gieng ich, durch eine andere Weide, die Gatte«, nach dem Raülbctt: um den Wafferfall zu sehen, den der Ausguß des Seealpcrsce's hier bildet, ich fand aber weder den Fall des Wassers hoch, noch die Felsen- wand besonders schön geformt, darum eilte ich weiter zu stet« gen, und einen Prospekt von dem Seealpersee aufzunehmen. Die Landschaft war just in einem vortrcflichen Tone, als ich die Zeichnung anfieng, und da steh der Nachmittag schon stark gegen Abend neigte, wurde die Beleuchtung auch unverbesserlich schön; ich skizzierte daher nicht so flüchtig, als ich — wie jeder andere Landschaftmaler — bisweilen zu thun pflege; aber über der Ausführlichkeit der Zeichnung , vorlor sich die Zeit, um die natürliche Beschaffenheit des See's in etwas zu untersuchen. Ich sah nur, daß sich die Ufer anfangs ziemlich flach in das Wasser zogen, aber dann scheint sich der See mit einemmale zu vertiefen. Seine Tieft ist von jeher für unergründlich gehalten worden, in unsern Tagen will Dr. Wartmaun wissen, daß er nur rt, wa 8- Klafter tief sey; bis auf bestimmte Untersuchungen glaube ich noch weder das eine noch das andere. Indessen ist ' 2s0 ist gewiß, daß er von den jährlich hineinrollenden Stein, rissen, nach und nach an Tiefe abnehmen muß. Forellen. Bekanntlich ist der Secalperfee seiner Forellen wegen berühmt, die auch im Semliferfee und in mehrern Bä» chcn des Landes zu finden sind. Der Schwendibachl war ehedessen, so Fischreich/ daß man zu sagen pflegte: „ Wenn „er drey Jahre nicht gcfischet würde/ so könnte man „ vor den Fischen kein Wasser mehr schöpfen,« und eS ward zum Sprüchwort: Die Fische sind in der Schrven, di;n Haus. So groß ist heutzutage der Ueberfluß der Fische nicht mehr/ obgleich es immerhin noch viele giebt. Es ist wahr, der Fischotter thut unter den Forellen großen Schaden/ aber er that es ehedessen nicht minder, und den Groppen schmeckte ihr Rogen nicht erst seit einigen Jahren, sondern von jeher. Nur der Mensch war sonst weniger ihr Nachstellet, und wo dieser etwas verfolgt, da kömmt die Austilgung unfehlbarer, als durch kein anderes Raubthier. sucht h meine im S' letzter» traute ten, > tcn ftl von zv landes Rötcll Wasser des La wie s Arisch, und i, eigene Ung, Alps« Die Naturgeschichte der Forelle des Srealpersee's hat bisher einzig Dr. wartmann beschrieben (Siehe Schrif, ten der Berlinischen Gesellschaft NaturforscheiHer Freunde B. IV. S. «9 — ??.) auch fle, für Blochs Naturgeschichte der Fische Deutschlands (lab. LIV.) durch mich abmahlen lassen; und da ich die Forellen aus der Sittrr öfter unter, sucht I im T Morc ganz svglei Stein, wegen n Bühl war Wenn man nd eS wen, ß der giebt, roßen d den hren, niger t die hier. hat hrif. undt chte Zlen ter, t sucht habe, so kann ich zuverläßig sagen, das diese die ge. meine Forelle (8Zlmo ksrio, I..) ist, die zwar von der im Scealperftc wie man aus Wartmanns Beschreibung der letzter» ersehen kann, einigermassen abweichet. Indessen ge, traute ich mir doch zu behaupten, das sie blsßc Spielar, ten, und nicht zwey wirklich von einander verschiedene Ar. tcn seyen. Nur einen Fischer habe ich angetroffen, der von zwcyerlcy Forellen in den Gewässern des Appcnzeller, landcs sprach. Er sagte mir, in dem Schwcndibach und Rötclbach hält sich die GoldforeUe auf, in dem Weiß- wasser, in der Sitter, und fast in allen übrigen Bächen des Landes, die Weißforelle. Allein jeder Ichthyolog weiß, wie sehr die Beschaffenheit des Wassers auf das äussere Ansehen der Fische, und selbst auf ihre Lebensart wirkt, und ich werde an einem andern Orte darthun, daß es keine eigene Art von Alpforellen giebt, sondern bald der Salb, ling, bald die gemeine ForcUe unter dem Namen der Alpforelle verstanden wmden. Schottensepp und sein Unternehmen. Ich blieb im Weißbaad übernacht, und kaum war ich im Bette, so fieng es sehr stark zu regnen an. Als ich Morgens (den 29. May ) erwachte, war der Himmel noch ganz mit Nebel umhängt, daß ich anstund, ob ich nicht sogleich meine Rückreise nach Hause antreten solle? Indes, seu 2s2 sen kamen einige Sennen, die alle sagten- daß, so tüchtig es diese Nacht geregnet habe, gewiß an maiichen Orten gleichwohl noch Wassermangel sey; die Bcrgwasser seyen dies Frühjahr auch gar zu klein, und namentlich habe der Semtiserfte bey Mannsgedenken nur einmal so wenig Was« ser gehabt. „Damals, antwortete der Vadmeister, da» mals wollte mein Vater den See vollends ablassen, und den Grund, wenn er ihm für immer geschenkt worden wäre, zu einer Weide zurichten; denn er hatte eben die Weide am See im Pacht. Aber der Eigenthümer derselben war da, zumal der einzige, der im See fischte, und damit die Fi, schcnz erhalten würde, durfte ein armer Mann, ein Stück Land nicht urbar machen, das ihm dann ein halb Duzend Kühe gesommert hätte. « Der Vater des Badmeisters war der durch PfennigcrS Abbildung bekannt gewor« dene Schottensepp. Ich konnte kaum begreifen, wie ein kcnntnißlsscr Mann im Ernst den Gedanken für ein so großes Unternehmen fassen konnte, dessen Erfolg immerhin zweifelhaft gewesen wäre. Der Naturmensch auf dem Lande ist doch immer entschlossener, was Stärke des Arms und Anwendung der Kräfte seiner Glieder erheischt, da wagt er sich an Dinge, ohne zu denken, daß er etwas Große- thue, über die der Städter erstaunt. Vorzüglich gilt dies dem Bergbewohner — Wie kann es auch anders seyn! Seine Seele hat sich nie, durch Ausbreitung über ganz ganz v tcr de wirkt / der S ner zn mehocl denkt sich de sicher wenig« Folge, könnt« Natm keine Berge wohn« sie es große Folge ^ Geist er ist > erhab I tüchtig Orten r seyen >abe der g Was« r, da- >, und > wäre, ide am ar da- die Fi« Stück > Du« wmei. lewor« e ein in so imer- dem llrms , da twas glich ganz verschiedenartige Gegenstände, ich möchte sagen, unter denselben verloren; er wirkt auf weniges, aber wo er wirkt, da geschieht es mit concentrirter Kraft. —- Wie der Sturm, wenn er in dem Alpthale heult, und der Don« ner zwischen Felsen eingeschlossen gewaltiger knallt! Thür. mehoch hängt der Fels über dem Haupte des Hirten, er denkt nicht, daß er ihn zerdrücke; und eben so tief senkt sich der Abgrund neben seinem schmalen Pfade, aus dem er sicher wandelt. Regengüsse wie es auf dem stachen Lande wenige giebt, sind ihm gewohnt, und ihre schrecklichen Folgen die Rüstn, kennt der Städter gar nicht. Wie könnte die Seele des Aelplers kleinlich seyn, da ihm die Natur nur Größe zeigt und er nichts als Natur sieht, an keine Gefahren denkt und mitten in in Gefahren lebt. Berge Helveticns, zwischen euch müssen noch Männer Wohnen: Wenn in euch sich die Natur empöret, so scheint sie es nur zu thun, um den Mann fühlen zu lassen, wie große Revolutionen er ertragen möge; wie viele schreckliche Folgen derselben sein Geist zu heben weiß — Nein! dieser Geist kann durch keine Naturrevolution vertilget werden; er ist auch über die grauenvollesie, über eine allgemeine erhaben — durch Unsterblichkeit l 254 t Der Semtifersee. Die Tradition sagt, . daß chedessen durch daS Thal Gemtis oder Lmbkis mir ein Bach geloffen, dessen Auö- fluß aber durch einen großen Steinbruch (Rufe) so überschüttet und verengt worden sey, daß sich das Wasser alsbald zu einem See angeschwellt habe- Die Merkmale davon zeigen sich noch unverkennbar, und desto deutlicher je kleiner der See ist. Die gegenwärtige Kleine des Sees war mir nun Aufmunterung hievon den Augenschein ein, zunehmen, und er belehrte mich wirklich, daß dies die wahre Geschichte von der Entstehung des Semtisersee's ist. Des Wassers war diesmal vielleicht kaum der zehende Theil, als das Ufer zeigt, wie es bisweilen anschwillt; denn dir, ser See kann bisweilen die Größe des Secalpersce'S erreichen, und jetzt wirft man mit Leichtigkeit überall einen Stein über das Wasser an das gegenseitige Ufer. Der Grund des Sees ist ganz mergelartig und zeigt beynahe keine Spur von Wasserpflanzen. Gegen Südost, wo die Rüfe ergangen ist, sind eine Menge Klippen und Steine ^ und ich sah bey der Kleinheit des Wassers deutlich, wie es fich in einem untiefen Bächelchen durch die Ritzen in den Berg verliert. Es herrscht ein alter Glaube, daß in dein Berge selbst ein eben so großes Wasserbehältniß sich vorfinde als der See sey, der im Thale sichtbar ist; weil beyder jedes. jcdesrru in den der her Richtig aber so Felsen i Ich ich im tobe!, tobe!, sen Th Miner, mannn schiede« kein s und d< als jer wens 1 Wieder ten sal ändert s G t ls Thal :n Aus, ö über, ser als- ale da, cher je ! Sees in ein, ics die e's ist. Theil, m die, errei, einen Der ynahe w die keine, vie es i den > dem rfinde y der es, ^ 255 jedesmaligen Abnahme des Sees die Forellen sich allemal in den Berg flüchten sollen, und wie er anwachse, wie. der hervorkommen. In wie ferne diese Behauptung ihre Richtigkeit habe, wage ich für einmal nicht zu entscheiden; aber soviel ist gewiß, daß der Außfluß des Sees durch die Felsen gegen Sax geht. Brültsauertobel. Ich wanderte den peinlichen Weg zurück, auf welchem ich im Semtis angekommen war, durch das Brülisauer« tobel, oder wie man es gemeiniglich zu nennen pflegt Brül« tobel. Es ist das engste und rauheste von den drey grossen Thälern in den Appenzellcralpen, und vielleicht für den Mineralogen das interessanteste; man findet Felsen von Mannigfaltigen Formen, Wmdlöcher, Berghöhlen und ver, schieden? Stcinarlen, unter denen zwar ein grauer Kalch, stein so hervorstechend ist, daß man die übrigen nur hier und da aufsuchen muß, aber manche gewiß eher findet, als jenen faustgroßen Carbunkel, den einst, nach k. Lls- msns Bericht, ein Bauer schon in Händen gehabt, aber wieder weggeworfen haben soll, als er ihn bey Nacht keuch, tcn sah; denn er glaubte, es könnte kein Stein'leuchten, anders der leidige Satan habe seine Hand mit im Spiel. *) Man - — - - - — Nach Margrafs Versuchen haben mehrere Schwerspate un- Gipse die Eigenschaft das Tageslicht an sich zu riehen und im I 2s6 Man geht hier nur auf und neben den Trümmern der höher» Alpen, die dies Thal einschließen: Rufe gränzt an Rufe; nur daß hier die kleinern Steine durch die Zeit, wieder mit etwas Erde bedeckt und mit Moos, Gras und einigem Gebüsche bewachsen sind, dort aber,die neuern Losreissungcn noch den Anblick ihrer Verheerung gestatten. Zu Millionen Steinen von verschiedener Größe liegen über einander, spitzwinklicht und scharfkantig; große Wassergüsse schwemmen sie nach und nach weiter, und je weiter sie fortgetrieben werden, desto mehr runden sie sich ab, und verkleinern sich zu Kieß und Sand, für den Straßenbau und den Mörtel. Ich hatte nun Zeit nach Hause'zu eilen, theils weil der Himmel immer mehr mit Regen drohte; theils aber auch, weil ich versprochen hatte, auf diesen Abend wieder zurückzukehren. Nach ein paar so genußvollen Tagen, langte ich auch recht froh bey den Meinigen wieder an. Finstern zu leuchten. Da sich NUN im Brültobel Spat un- GipS findet, so kann die Geschichte des Bauers wahr seyn, »hne daß sein Stein eben «in Carbunkel war. in die Seit r Gedanke ienige: trachten, Ebenen Laues f Schilde Harrhiei stallhöl trugen > einer C den her iten Sp steche v sehen. Vorsatz« Course. Ausflug durch i r. er holzt an Zeit, s und -euer« atken. über Wisse ^ fort, > ver, und il der auch, >rück, e ich ^ un- cyn, S57 r. Reise ^ die I^ristallhöhle und auf den Namoe im August ^eit meiner Ankunft im Appenzellerlande hatte mich kein Gedanke lebhafter und angenehmer beschäftiget, als der, ienige: in der Nähe die Hochgebirge Jnnerrodens zu be. trachten, deren Anblik mich schon, als ich durch die sanften Ebenen des einem fortlaufenden Obsgarten ähnlichen Thun Säues fuhr, von fernher ergözt hatte. Die herrlichen Schilderungen, die man mir zu Trogen von einzelnen ^arihien dieses Gebirgslandcs, besonders von der Rrt. stallhöhle, vom Rumor und vom wildkirchlein machte, trugen nicht wenig dazu bey, meinen Entschluß zu irgend einer Course vollends zu bestärken. Auch hatte ich bereits öen herrlichen Standpunkt der Haseltanne — der hoch, Hen Spitze des Gäbris — genossen, nnd von da aus eine ^kcihe von Hochgebirgen in ihrer ganzen Kraft vor mir ge. Ichen. Dieß alles beschleunigte die Ausführung meines Ersatzes. Ich fand in Trogen drey Gesellschafter zu killet Course. Wir waren lange zweifelhaft, ob wir unsern erstell Ausflug nach der Ebenalp und dem Wildkirchlein, odek das Rheinthal nach der Kristallhöhle und dem Ke den Rhein in der Tiefe einherströmen; jenseits desselben lachten uns Hohen-Ems, Dorrenbieren und andere Ortschaften Vc sich die nige S unter I schnelle laufen! pfadloj dachgä felsicht abzufl! der ar kamen meins schöm kühle Unge> Aden aussei nahe, uer l ten n daß Sch ein < Uns 2s9 das le? Wölkn" ttags Gleich IZir hat- ^ liegen- hier zn vir au^ rechts le, sich Him- , daß in theils ein- is eint athal, litten, jstliche durch- s und 1 wie Alben tschaf" ten ten Vorarlbergs entgegen, und im Hintergründe erhoben sich die Gebirge eben dieses Landes. Wir labten uns ei. nige Augenblicke an dieser pittoresken Aussicht, die ich unter die schönsten diesseits zähle, und zogen dann, um schneller in Altsletten anzukommen, der in einem Umkreiß laufenden Landstrasse, die gerade Abfahrt an dem gähcn, pfadlosen Bergrükken vor. Hier kamen wir einige Male an dachgähe Abhänge, und zweimal war ich genöthiget, auS felsichten, abschüssigen Hohlwegen, wo nur die Gewässer abzusiiesscn scheinen! und wohin ich mich verirrt hatte, wie« der auf den sicherern Grasboden hinaufzuklettern. Doch kamen wir unbeschädigt in Altstctten an, sahen dort die, ge. meinschastlich von beiden Neligionsthcilen neuerdings erbaute schöne Kirche, und gierigen dann in der erfrischenden Abend« kühle durch die Ebene, die mir in der That wieder als etwas Ungewohntes erschien, dem Bade von Robelrvies zu, das wie Abends 8. Uhr erreichten. Wir fanden diesen Badort, der ausser dem Wirthshause kaum einige Hütten zählt, von nahen Hügeln umringt, und zwischen denselben, wie in ei. uer Bucht, geborgen. Die Wirkungen feiner Bäder woll. ten und konnten wir diesmal nicht prüfen; doch hörten wir, daß die mineralischen Bestandtheile des Badwassers Vitriol., Schwefel und Alaun wären. Der Wirth und Badmeister, 1 ' ein gefälliger Mann, erbot sich sogleich, in eigner Person Mis am folgenden Morgen in die nahe Rristallhöhle zn R, füh« 26o führen , und, wenn wir es wünschten, uns sogar auf dc» Kamor zu begleiten, ein Anerbieten, das uns völlig er, wünscht kam. Nachdem wir einige Stunden geschloffen hatten, traten wir morgens ;. Uhr, mit Wachskerzen für die Kristallhöhle und mit einigem Brod auf den Kamor versehen, den abentheuerlichen Marsch an. Schon auf,o. Schritte vom Bade fanden wir uns am Fusse des Kamor, gebirges, nämlich des Ricnbcrgo, der der östlichste Theil seines Piedestals ist, diesen hatten wir, nach einer starken Viertelstunde, etwa zur Hälfte erstiegen; senkten uns dann wieder ungefähr 82. Schritte seitwärts zwischen Waldbäu, men hinab, und erblikten dann auf Einmal den mannshohen und eben so breiten Eingang zu einer Grotte oder einem Stcingewölbe, in welches uns unser Führer mit starker Hand über ein kleines Präcipice hinüberzog. In diesem Gewölbe, fanden wir uns gleichsam im Vorhofc der Rri, stallhöhle, zu der wir, wie wir bald bemerkten, nicht am ders gelangen konnten, als durch ein am Fusse einer Sei, tenwand dieses Gewölbes geöffnetes Loch, das nicht viel grösser als ein Dachsloch aussah. Wir entledigten uns der Hüte, der Stökke, und andrer überflüssigen Sachen, um- wikelten, um besser kriechen zu können, unsre Kniee mit den Schnupftüchern, und zündete dann jeder seine Wachskerze an. Unser Führer kroch hierauf, die Füsse voraus, zuerst in das meist horijontallaufende Loch hinein, wir andern de, stlir» Wirten ch öcrgman lveit übe ückrocher Haches, Schein, stn Höh! dämliche Had vo der Bac Gang n fortgehe gefähr tcn wir sehr vic holdes ser here sten S> Tropfei dig: es Hstamw dbwärt u> Her,. "ngefa 26l >uf den llig er» chlasscir ze» für Kamor lllf 10. !'amor» Theil starken dann ldbau» khohcn einem iarker »icsem Rri, t an< Sei» viel ! > s der llM- : den kerze rerst > de. ftlirten ihm die brennenden Kerzen in der Hand/ auf gut bergmännisch nach. Nachdem wir ungefähr sq. Schuh >veit über ein nasses klebrichtes Erdreich auf dem Bauche gekrochen waren / hörten wir vlözlich das Rauschen eines Baches, und, bald darauf konnten wir aufrechtstehn. Beim Schein unsrer Kerzen, erblickten wir uns jezt in einer grausen Höhle, zu unsren Füssen einen rauschenden Bach, den dämlichen, der am Fusse des Berges seine Fluchen für das Bad von Kobelwies auswirft, und links einen Gang, wo ber Bach über ein feiststes Bett herabsprudelte. Diesen Gang musten wir, bald aufrecht, bald gebückt, bald eben. fortgehend, bald zwischen den Fclsenstcincn klimmend, un» gefähr 20. Schritte weit hinaufgehen. Schon da bemerkten wir an den Wandungen hin und wieder Kristalle, und sehr viel Mondmilch; mehr noch aber reizte uns des Gewölbes träufelnde Decke, von welcher beständig das Wasser herabtrvpftlt, das sich dann allmählig zu den vielartig, sten Steinen verhärtet. Die Art, wie die Natur, diese Tropfen aus der harten Decke ausstößt, ist gar merkwür, big: eS geschieht durch hole, stcinene Zäpfchen; die, wie sammelten aussehen, und gleich Warzen, an der Decke Abwarts gekehrt hangen. Wir brachen deren verschiedene , und bewunderten untereinander diese sinnreichen Röhr. Her,. Endlich standen wir in der Kristallhöhle selbst, die "'Gefahr 8 — ro. Schuh breit, und lang, tmdzgcdoppckl fq, hoch seyn mag. Bey dem Schimmer unsrer fünf Kerzen hatten wir nun das Schauspiel der ganz mit Kristall *) bedeckten Wandungen, die den Glanz von jenen wieder, strahlten. Man kann sich kaum vorstellen, welche Enu pfindungcn dieser seltene Anblick gewährt. Schon der Gedanke , sich hier in einer nie ruhenden Werkstatt der Natur zu befinden, und ihre Arbeit gleichsam im Werden zu belauschen, hat etwas erhebendes für den Zuschauer. Auf dem Boden an einer der Wandungen sah ich einen runden Kristallblok liegen der gcwis sechs Schuh in der Länge und drey im Diameter hat, und welcher, nachdem er lange Zeit von der Decke zu fallen gedroht hatte, endlich mit Fleiß abgelöst worden. Auf viele» Kristallen, die grö- stenthcils entweder eine cubische oder parallelcpipedische Form haben, klebte eine zähe, gelbe Lcimcrde, die sich aus dem Wasser bereitet, und den Urstoff der Kristalle zu bilden scheint, indem sie sich nach und nach durch die stete Arbeit der Natur verhärtet, und zulezt aufhellt. Die Kristalle, (oder wenn man lieber will, das Frauenglas) bestehen überhaupt aus vielen übereinander liegenden, regelmässigen Schichten, die sich oft ohne Mühe von einander ab,o»dern lassen. Die Kristallhöhle selbst hat ganz das Aus, sehen einer Kapelle. Oben an der Decke der vordersten Wandung befindet sich eine Oeffnung, wie ein Schlot ge- _—_ baut, *) Ahomboidalspath, s. oben S. 7;. Anmerkung. H. baut, n kann, d> »nd sog, Wollte ui ste Ocff sich so v fahr ge> gnügten chen N< nige Ze Kristall, gen wir Bach u was bc das lm wir un unsre d weg ge Di um se nen, rumw, in bcfi sein g. Kerzen stall *) wieder, e Erm er Ge, Natur zu be, Auf runden gc und lange ich mit c grö, 'edische ch aus zu bis, ie stete Die «glas) i, re, nander ^ Aus, bersten !ot ge- ut, H- L6Z baut, wodurch man in eine andere Höhle hinaufklettern kann, die noch weit geräumiger, als die untere, seyn, »nd sogar einen See enthalten soll. Unser Führer aber wollte uns nicht da hinaufbringen, weil, sagte er, die oberste Ocffnung, oder der First dieses natürlichen Kamin- sich so verengt habe, daß er vor anderthalb Jahren in Gefahr gewesen sey, dazwischen stecken zu bleiben. Wir begnügten uns also mit Anschauung der unterhalb befindlichen Naturmerkwürdigkeiten. Nachdem wir uns noch einige Zeit diesem Genusse überlassen, «nd unsre Taschen mit Kristallen und Steinen mancherlei Art gefüllt hatten, gicn- gcn wir wieder den nämlichen Gang zurück, passtrtcn den Bach und krochen dann, den Kopf vorwärts, mithin et, was bequemer als vorher, auf dem Bauche wieder durch das langgestreckte Loch hinaus i» das freie Gewölbe, wo wir uns möglichst vom empfangenen Schmutze reinigten, unsre dort abgelegten Sachen zu uns steckten, und den Rück, weg gegen den obern Theil des Kinnbergs antraten. Diesen dürften wir nicht ganz besteigen, sondern nur um seine nördliche Seite zuerst zwischen kühlenden Tannen , hierauf über fette Grasmattew ohne Beschwerde hft ^umwandeln, um uns bald am Fusse des Srräuslesbcrgs iu befinden, an welchem ein Bach vorbeisließt. Vom diesem gelangten wir, das Rheinthal/ etwas von Vorarlberg, ei» ein Segment von obern Bodensee, das harmonische Kirchen« geläutt von Altsteten, und dir brennendscheinende Sonnt hinter uns, die emporragenden Felsenwände des Appenzellcr« scheu Berges Fähnere aber zur Rechten — gegen 8. Uhk auf einen noch steilem Berg, der Schwamm genannt, von welchem aus der Kien < und Sträuslcsberg nur wie mittelmäßige Hügel, erschienen. Alle diese Berge sind ftttö Matten, den benachbarten Rheinthalerl Communen auf dieser Seite zugehörig. Auf dem Schwamm trafen wir zuerst eine Sennhütten an, und nahmen zugleich den Rücken des untern Ramoro gewahr, der völlig südlich von uns lag, und dessen Fuß wir nach einer halben.Viertelstunde erreicht hatten. Nun erblickten wir bereits, westlich von uns, in einer ungefähr s..ständigen Nähe die Riesengestalt des mit Schnee bedeckten Säntis, und eine Reihe seiner Nachbarn, deren Wechsel von silbergrauen Fclscnwändcn und grünen Matten unsern Augen recht wohlthuend begegnete. Seit zwei Stunden hatten wir, um der Svnnrnhitztlwillen, uns der Iakken entledigt, die der Führer vorantrug, jezt aber wehte uns schärfere Luft an , und wir fanden gut, uns einzuhüllen. Der untere Kainor hat etwas oberhalb seiner Mitte zwei Absätze, die hinlänglich flach sind, um einige Sennhütten laufrecht zu tragen. Als wir nach mühsamen Steigen den obersten Absatz erreicht hatten, traten wir in eine ganz lokker gebaute Sennhütte ein, um uns mit frischer Milch zu laben. Das niedere, der hin jedoch wir eil! unS all (Molkl von rü Estrich und K von 6 lugte, ^ die ihr ! Aus u ! thum man r Auf d ausgek gepflai Staut ihn ni Geger des 3 wir v I Ober! südlic Kirchen« Sonnt lenzelter«! 8. Uhr mannt, ur wie nd fette >f dieser j rst eine untern i d dessen ' >. Nun , »gefähr ^ deckten sei von Augen n wir, )ie der st an, kamor rläng. agen. tz erkenn« Das >e- L65 niedere, schmutzige Aussehen der Hütte aber trieb uns wie. der hinaus, um unser Labsal im Freien zu gemessen. Hier jedoch ergrif uns ein so kalter, beissender Ostwind, daß wir eilig wieder der Hütte zusprangen. Wir tranken, um uns allmählig, abzukühlen, zuerst etwas warme Schoten (Molken) und nachher eine vortrefliche Milch, umgeben von rüstigen, gutherzigen Sennen, die auf dem steinernen Estrich in einem grossen Kessel über dem Feuer Schoten und Käse bereiteten, und von einem muntern Smnbuben von 6 — 7. Jahren, der uns lange Zeit aufmerksam an. lugte, und endlich seinen Vater fragte: „Wo han denn die ihre Kneh? « (wo haben denn diese ihre Kühe? ) — Aus unserm Anzug schlos der Junge, daß wir ein Eigen, thum hätten, und er schien nicht anders zu meynen, als man müßte mit Kühen, Milch und Käsen dazu gelangen. Auf diesem Absatz des untern Kamor war die Aussicht schon ausgebreiteter; die Stirnn des Lähncrn, mit seinem auf, gepflanzten fernher sichtbaren Kreutze, war jezt unserm Standpunkte wagrecht geworden; noch aber konnten wir ihn nicht überschauen. Die Thäler von Jnnerroden, die Gegend von Appenzcll hinter der Sitter, und die Ebenen der Thurgäues lagen westlich von uns; nördlich konnten wir über die Berge von Ausserrodcn hinweg auf die ganze Oberfläche des Sees bis nach Schwaben sehen. Aber die südliche und südöstliche Aussicht verbarg unö noch der obere Ra, S66 Ramor, an dessen Fusse wir uns jezt fanden, ohne seine Scheitel zu sehen. Der untere Kamor hat viel Gras; mitten unter demselben wächst das sogenannte Eiserchütlein (nconitum ngpellus, I.MN.) eine für Menschen und Thiere giftige Pflanze, die einen schuhhohen Stengel mit hübschen grünen» zakkichten Blättern, und eine schöne blaue Blume mit vielen Glokken treibt, die grosse Aehnlichkcit mit der Hiazinthe hat. Die Gränzscheide zwischen dem obern und untern Ka, mor, wie sie nach Waidrechten gemarkt isi, besieht in Lattenverzaunung. Von dieser geht es noch eine bcdeutcm de Strecke, sehr steil und über verwittertes Erdreich, wo Gras, Steine und aufgerißener grasloser Boden miteinander abwechseln, hinauf, bis übermal eine artige Fläche kommt , von wo man auf Einmal die Spitze des obern Kamors erblikt. Auf dieser Vergebene wächst das Eisen- hütlein in zahlloser Menge; eS stehen hier einige Sennhütten , bey welchen alles, selbst das Dach, von Stein gebaut ist; bereits öffnet sich auch eine Aussicht nach Ost und Südost; man sieht in schauerlicher Tiefe den Rhein und die schmalen Thäler von Vorarlberg; am merkwürdigsten aber ist eine nach Ost hinablaufendr Schlucht, wo sich das berühmte Wetterloch des Ramors befindet. Dieß ist ein abscheulicher Abgrund, von welchem ehemals die Bauern treuherzig glaubten, daß, wenn man einen Stein hin. hineinwer aber gew man ihn len, und nung, t gen über auf sein Nach ha — fandl pirte w, grrüstr, des Ka ! hängt , I dem S man sic > Länge > birge ii i tem G' drlfreyt ^ te eine Ebener lichrn den 2 Selbst nnfähi I ' 26 ? ne feint s; mit- »ütlein Thiere it hüb- blaue lichkcit n Ka. cht in »eutem wo litem, Fläche obern > Eisen- ! nhüt- n ge. ' Ost ^ rhein irdig« o sich Dieß ! die stein n- hineinwerft, ein Ungcwittcr entstehe. Dieß ist ein Mährchen; aber gewiß ist, daß, wenn man einen Stün hineinwirft, man ihn lange Zeit nachher, wie auf Staffeln, aufpral. len, und endlich ins Wasser fallen hört — eine Erscheinung , deren Erklärung ich den Mineralogen und Geologen überlasse. Von diefem Absätze dcS obern Kamors bis auf seine Scheitel braucht es noch einiger Anstrengung. Nach halb Uhr — mithin nach fünfstündigem Marsche 7— fanden wir uns oben. Der erste Anblik, der uns frap, pirte war — der hohe 'Rasten, ein abscheuliches Stein- gerüste, südlich vom Kamor, das für die höchste Spitze des Kamors gehalten wird, wircklich mit ihm zusammenhängt, eigentlich aber seine besondere Basis hat. Auf dem Standpunkt, den wir jczt hatten, kau man, wenn man sich nordöstlich hält, 20. bis )o. Schritte in der Länge ohne Gefahr machen; aber nordwestlich ist das Gtt birge in senkrechten Felsen abgeschnitten, die oben mit fet. tcm Gras bedeckt sind, aus welchen aber nur ein schwiiie dclfreyer Kopf sich weit hinauswagen darf. Wirklich konnte einer von unsern Gefährten, der kaum zuvor aus den Ebenen Augsburgs angekommen war, den Anblik der gräßlichen Tiefe nicht ertragen. Unser Führer mußte ihn an den Arm nehmen. Die Aussicht hier ist unermeßlich. Selbst das bewaffnete Auge kan sie nicht genießen; weil es Unfähig ist, sie zu umfassen. Die entferntesten Gegen-, stän. 268 stände, die man erblickt , sind nördlich über den Fähnern, Außerroden und den Boden - See hinüber Schwaben, südöstlich die Gebirge von Bündten und Tirol, ja, wie man behauptet, selbst die Felsenhörner von Rärnthen. Mehr aber intercßirte mich, was mir näher gerückt war. Gerade nach Westen konnte ich ziemlich genau die dreifache, nur durch schmale Thäler getrennte Kette der Jnnerrodner Hochgebirge unterscheiden. Die hinterste Reihe fängt am hohen Kasten an, und geht mit Staubcrn, Furglcnsirst, Krayalp fort bis zum alten Mann, der nur r;. Schuh niederer als der Säntis seyn soll, und Schnee hat; der grüste Theil dieser Gebirgsreihe gehört schon zu den Saxer rmd Gambscr Alpen; die zweite Reihe beginnt mit dem breit abgedachten Alpsiegelten, und streicht über Bogarten, MaarwieS und Hundstein ebenfalls nach Westen; die vor, berste Reihe endlich beginnt mit der merckwürdigen Eben, alp, die durch ihre besondere Figur welche einem abge, kürzten Conus gleicht, noch mehr aber durch das s. g. Wildkirchlein berühmt ist, und geht über den Schäfffer, Levinen, Oerli, Mürli, Gyrspitz fort bis zum Sän, tis oder hohen Meonier, der mit seiner ungeheuren Scheitel und seinem blrndendweissen, breiten Gletscher den Hintergrund von allen drei Reihen zu schlicssen scheint. In gräflicher Tiefe sieht man zwischen der dritten und zweiten Bergrecht den Sämtlsser.See, der, ungeachtet er eine eine Die scheint, landcinr penzcll i in dictz chcr Ti die Flü Jllthal Ctellun die Geb der We Gefährt ^ dcre gb komme« steinigte ! . lang ic einer G gelegt I , gähnte auf ein iurückzv Mich al wieder, beide, e strn voll 26s ahuern, n, süd. sie man Mehr Gerade e, nur rrodner gt am cnfirst, Schuh ! ; der Eaxer , l breit arten, e vor. , Eben, i abge, ^ s. g. ssier, ! 3äm euren r den ernt. und et er ^ eine Viertelstunde breit ist, nur als eine schmale Lache erscheint. Wendet man von diesen Hochgebirgen den Blick landeinwärts, so steht man nicht nur die Dörfer von Ap. pcnzcll inner Rhoden vor sich, sondern auch noch sonst tief in die Ebene hinein. Gegen Osten erblickt man in schauerli. cher Tieft einen Theil vvm Rhcinthal, den Rhein selbst, die Flüsse III und Lruz, die sich darein ergreifen, das > i Jllthal und das Schloß von Feldkirch, die ganze berühmte Stellung, wo Hotze den Angriffen Massena's widerstand, j die Gebirge und Thäler vom Montafun. — Jezt war noch der Weg auf den hohen Kasten zu machen. Einer unserer Gefährten entschloß sich sogleich, zurückzubleiben. Wir andere gicngen, da man nicht in gerader Richtung hinauf kommen kau, um die östliche Seite des Gerüstes über ein steinigtes Erdreich herum, und ficngcn an zu steigen. So, lang ich nur vor mir hin sah, gicng ich ohne Ahndung einer Gefahr ; als ich aber zwei Dritthcile des Wegs zurückgelegt halte, und von Ungefähr rückwärts blickte — da gähnte mich die gräßliche Tieft so fürchterlich an, daß ich auf einmahl den Muth verlor, und den Führer bat, mich zurückzubringen. Er wollte durchaus nicht; ich entschloS Hich „dermal, zu. steigen; aber in kurzem kam die Furcht wieder, und der Führer brachte mich zurück. Die andern ö«de, gcbohrne Bergländer, hatten inzwischen den hohen Ka' Kcn völlig erstiegen; Als ich auf den Kamor hinab kam, sah ich ie 270 ^ ich sie schon von der Höhe herab mit den Schnupftücherl> winken. An Aussicht hatten sie warscheinlich nur gegen die südliche Seite gewonnen; und nach einer halben Viertelstunde waren sie wieder unten bei uns auf dem Kamor. Indem wir uns hier noch eine Viertelstunde lang lagerten, hörten wir ein Gcmakkcl von Bergziegcn, die Schlucht herauf, und bald erschien eine Truppe von Gaisen, die recht gastlich auf uns zuhüpften, und freudig unsre Hände lckten. Es war halb rilf Uhr. Statt , wie wir uns vorgesezt hatten, über den untern Kamor, Fähncrn und Stoß zurückzugehen, entschlossen wir uns jezt, den Umweg über Wcisbad, Appcnzell und Gais zu machen, um auch Jnnerroden kennen zu lernen. Um dahin zu gelangen, mußten wir an der nordwestlichen Seite des obern Kamors hinabklimmen. Der Weg däuchte uns steil, doch sahen wir oben die ganze Gefahr davon nicht, und entschlossen uns um so eher zu dieser Abfahrt, als in dem Augenblick eine Karavane von Reisenden von der nämlichen Seite her eintraf, die uns versicherte, daß ein ordentliches Fuß- steigchen da herausführe. Wir befriedigten unsern Führer, der wieder über den untern Kamor nach Kobelwieö zurückzukehren hatte, und giengen jezt unter dem frohen schallen, dem Johlen der Sennbuben, die ihre Kühe zusammenruf- ten, ohne Führer zwischen dem hohen Kasten und Kämet hinab. Anf- Au ter der steig h Vorsicl Köpfet des Kl stirt h aber d fortgie Einmc eine ü völlig gehen wir g > den d ! Wir tcn w ten, , Gefal ttwac niede Hän! dacht s° vi ur 271 ftüchers egcn die rtelstun- r. In- igcrtcn, Zchluchk eii/ die ee Hau- sir uns irn und Umweg m auch angen, kamors - sahen! chlossen genblick Seite ' S Fuß- ! eührer, zurück Hallen, lenrnft Kam»e rlnf- , Anfangs gieng es nicht übel. Wir defilirten einer hinter dem andern zwischen fetten Grasmatten in einem Fußsteig herab/ der hinlänglich steinigt war/ um bei einiger Vorsicht uns vor dem Glitschen zu bewahren. Ueber unsern Köpfen sahen wir fridlich jezt eine senkrechte Felstnwand des Kamors - auf die unser besorgter Badmeistcr sich po. stirt hatte/ um den Erfolg unsrer Abfahrt zu beobachten; aber diese schreckte uns nicht / und wir hosten / wenn es so fortgienge/ wohl noch glücklich hinabzukommen. Aber auf Einmal verlor sich der Fußsteig/ und wir sahen uns auf eine wehr als dachgähe Grasmatte geworfen / die von Thau völlig befeuchtet war. Sie in gerader Richtung hinabzugehen / war unmöglich / ohne in den Schuß zu kommen; wir gierigen sie also seitwärts / in der Hoffnung, den Fa, den des Fußsteigs schon wieder anderwärts zu gewinnen. Wir entdekten ihn bald; aber um dahin zu gelangen mußl ten wir nothwendigerwcise abwärts. Einer unsrer Gefährten, ein schlechter Fußgänger, war schon ein Paarmal m Gefahr gewesen, zu fallen; jezt blieb er rathlos an einer etwas sicherern Stelle sitzen. Wir drei andern ftzten uns nieder, und schoben, mit den Füssen gcftämmt, mit den Händen das Gras faßend, uns möglichst abwärts. Wir dachten, wenn wir auch in den Schuß kämen, nur um so viel schneller am Ziele zu seyn. Aber auf Einmal rannte unser Führer von der Höhe des Felsen herab- » Meine »Her- -72 « Herren, rief er, schieben Sie Sich nicht weiter in die- „scr Stellung, die unsicher ist. Ich habe von oben be- „ merkt , daß Sie Sich über Fclsenwänden befinden. Wenn „ Sie in den Schuß kommen, sind Sie unglücklich. „ Er nahm den Zurückgcblkrbenen mit starker Hand, und führte ihn bis in den Fußsteig herab, wo er ihn stille stehen hieß. Darm holte er mich und noch einen Geführtem Aber der Fußsteig, ob er schon zum Glük nicht senkrecht, son. dcrn horizontal in der Breite des Kamors fortlief, war fürchterlich schmal. Gewöhnlich führte der Badmeistcr zwei von uns zu gleicher Zeit; manchmal konnten wir auch wieder einzeln gehen. In Kurzem waren wir über den tük- kifchen Felsen hinweg; aber nur, um bald wieder über ei, nen zweiten und dritten zu schweben. Während dessen sa, hen wir immer über unsern Köpfen die gegen Norden fortlaufende oberste Felsenwand des Kamors. Endlich nach einer kleinen halben Stunde war der gefährlichste Weg hinter uns, und wir konnten auf einen flächcrn Theil des Berges, den man den Rsßberg nennt, herabstcigen, wo wir uns in einem weitausgebreitcten Schutt großer und kleiner Steine befanden, die Zeit und Sturm von den obern Felsen des Kamors abgerißen haben mochte. Da erst konnten wir die übcrstandene Gefahr aus dem Anblik der Wendungen, über die wir gewandelt, gehörig würdigen. Mir ittm gef Untern § siunde l Scn. S Truppe Bursche chen hin! ihan. !! kni Hir te>, wir, iin rvei kr liegt, Theil ai ^ Die Ap> ^ >» feiner Tie duz Alltags!, dvilchen U>ie ein Und Bc Eeinirt »dem ! te„ alle ' Wir n die, n be- Wenn , Er führte hicff Aber son, war ltistcr auch >tük. !r eü i sa/ fort« h ei« hin« des wo md den erst der en, 27Z Mir trennten uns jczt mit wahrem Dankgcfühl von un« fttin gefälligen Badmcister, der einen andern Weg nach dem Untern Kamor einschlug, indeß wir noch eine gute Viertelstunde hinabzuwandcln hatten, um in die Ebene zu getan, 8cn. Schon an den untersten Hügeln begegnete uns eine Truppe Innerrödler in zwei Reihen — eine Reihe junger Harsche und eine andere von erwachsenen freundlichen Mäd. ^ chen hinter diesen, sämtlich in ihrem Sonntagsstaate angethan. Dieß waren die ersten Gcstchter, die wir von die- ! stm Hirtenvolke erblickten. Nach einer halben Stunde wa« ken wir, näher am Alpstegelten und an der Ebenalp vorüber, >M weisbad, das zwischen der Sitter und dem Weiswas« ! ler liegt, wo wir in zahlreicher froher Gesellschaft, die zum I Theil auch auö den Gebirgen kam, zu Mittag spritzten. ^ Die Appenzeller inner Rhoden sind gewiß, wie Herr Ebel ! feiner trefflichen Schilderung sagt, ein ganz eignes Volk. Sie duzen meist Jedermann; ein 16. jähriger Junge im Rtagshabit, d. h. mit lederner Kappe, einer schmuzigen, Eichenen Iakke, die vorn am Hals einen Schlitz hat, und ^>e ein Hembd angezogen wird, langer, zwilchner Hosen '">d Baarfuß, mit dem wir manchen Spaß trieben, führ« mir ein Mädchen mit den Worten zu: ,, Da tanz mit "dem Menschen.,, Ein Hakbrett und zwei Violinen wa« alle Musik. Auch die von Herrn Ebel so treffend ge. S schil- S schilderten 8ans-culotteg traf ich in Jnnerrooden zu meiner großen Belustigung an. Alte und Junge, denen das Hcmbd über die oberhalb so kurzen Beinkleider hcranshieng, sah ich in grosser Zahl. Von Weisbab gicngen wir auf einem ebenen, angenehmen Wege bis Appenzell; von da nach Sais, und nach kurzem Aufenthalt über den Säbris nach Trogen zurück, wo wir Abends 7. Uhr sehr ermüdet anlangten, nachdem wir von Morgen halb Uhr beinahe unaufhörlich gewandelt wäre». i meiner ! Hcinbd ng, sah f einem >a nach !is nach i > dct am beinahe ! > X. Reise durch den schweizer sehen Theil d e s Bisthums Basel- S - t E> Dieses aus einer weitläufigern französischen Handschrift über- sezte Fragment, ward zuerst abgedrukt im Schweizerischen Museum, im. S. 4Sr -- ;ZZ. ine l sperg) ftn Ke Schwel fängt f that) c ander r steht» als um Merksai sich, I düngen uen S heil u Knecht Merwä thancn welche wan , stkophl Jahrb über- ^ Mu- I E ine Stunde von der niedlichen Stadt Delleniont (Dell« sperg) kömmt man auf Lorrendelm, am Fuste der grossen Kette der ,Iura, welche sich auf der Westseite der ^ Schweitz von Genf bis nach Basel erstreckt; und hier ^ fängt sich dir Probstey Mattiere-grand,Val(Münster- i thal) an. Dieß Ländchen, welches aus mehrern «nein« ander reichenden von der Birs dukchwässcrten Thälern besieht/ zieht eben so sehr um seiner sonderbaren Verfassung als um seiner seltenen physischen Bildung willen die Aufmerksamkeit deö Natur, und Menschen - Beobachters auf sich , der hier auf die reichsten Quellen von neuen Empfindungen und Bemerkungen stößt. Da findet er auf der einen Seite eine beynahe unglaubliche Vermischung von Frey. heil und Rechtsamen, und hinwieder von Dienst und Knechtschaft, welche mehrere Jahrhunderte hindurch immerwährenden Zwist unter dem Fürsten und seinen Unterthanen veranlasst; und auf der andern Seite eine Natur, Melche das Bild einer allgemeinen Zerrüttung darstellt, wo Man mit jedem Schritte Spuhrcn jener zerstörenden Cata- sirophcn entdeckt/ die das Alter und die Nachrichten aller Jahrbücher der Völker übersteigen, den Naturforscher aber darum 278 darum nicht hindern, die Merkmahle der erstauncnswür- digstcn Revolutionen darin zu entdecken. Dieß gedoppelte sehr inte» schmelzen Schauspiel zieht also den Geist und das Aug' jedes Frcm- ein Fcuc den an, dem eS darum zu thun ist, daß er sehe und lerne; und der unser Vaterland nicht wie so viele Alltagsrciscnde durchlauft, bloß um einst nach seiner Rückkehr zu London oder Paris sagen zu können: Auch ich war in der Schwciy. Massen v den denn legt, wel gehärtet, Mit Lust - Die ganze westliche Seite des Jura ist voll von Eiftn- grubcn, von grobem, hartem , glänzendem Korn; ihre Be< arbcitung macht eine der Einkünfte des Bischofs von Basel aus. Daher hat er sehr schöne Gicsscrcycn zu Lorren- deUn an der Birs, in der Nähe seiner eigenen Waldungen , aus welchen die benöthigten Kohle» mit wenigen Unkosten gewonnen werden. Der Contrast des schäumenden Gewässers, welches eine Menge Räderwerke in Bewegung setzt, mit den Fcucrflammen die zu obcrst aus dem ungeheuren Ofen, wie aus dun Crater eines Vulkans emporsteigen — das Gemische von Lerm, Licht und Hitze — die cmstge Betriebsamkeit, und die seltsame Behandlungsart, welche erfodert wird, uns dieß Metall zu verschaffen, dem wir größtentheils unsern Reichthum und unsre Plagen zu danken haben, je nachdem der Ackermann oder der Soldat sich desselben bedient, machen diese Fabrick zu einem sehr alle die e oder als Bombe, cken, da nern diel die Gesa! den erst Aetna, so trcflich Vcrl Noch eii ! und tret ! Hier en ! sonderba > und Wi rin^. g nenswür» edvppcltt s Frcm- >,d lerne; jSrciscnde r Lon» in der' n Eisen» ihreM ^ onBa» ! Lorren» Laldun, ! gen Un» > menden wegnng unge» empor» — v,e gSart, i >, dem ^ gen ;n ! Sol» , l einem sehr i ! » ' 279 sehr interessanten Schauspiel. In einem tiefen Tiegel schmelzen die steinichtcn Körner , ergiessen sich von da wie ein Fcucrsirom und verdicken sich denn in dreycckichten ! Äassen von mchrern tausend Pfunden. Diese Massen wek« ! den denn von den unermüdlichen Hämmern in Stücke zer« ^lcgt, welche noch kleiner gebrochen, in die Länge gezogen, > gehärtet, und auf tausenderlcy Weise verarbeitet werden. Alt Lust verfolgt die Einbildungskraft dieses Metall durch alle die arbeitsamen Hände, bis man es als Pflugschar oder als Mörderdolch, als Uhrfeder oder als glühende Bombe, bestimmt Städte oder Schiffe in Brand zu ste« ckcn, daraus hervorgehen sieht. Bey Nacht gesehn crin» »crn diese Giesscrcyen durch die Gluth der Oefcn und durch die Gefahr der Arbeiter, die sich darein zu stürzen scheinen, den erstaunten Geist an die rasselnden Schmieden des Aetna, und an die berauchten Lyclspcn, welche Virgil so trcflich schildert. Verlaßt man das Dorf Correndelin , so werfe man »och einen Blick auf das lachende DellspergcrThal, "nd trete dann in die Schlündc von Mottiero (Münster.) Hier empfängt man, beynahe zwey Stunden lang, die sonderbarsten Eindrücke auf einem Wege der über Felsen "nd Waldströmc hinführt, mitten unter den Bruchstücken einer geschleiften Welt, wenn ich so reden darf, und beym beym Anblick einer majestätischen Austhürmung des trümmers einer Schöpfung, welche durch irgend eine Ca> tastrophe , die alles, was man sich schreckliches und furchtbares vorstellen kann, übersteigt, zu Haufen geworfen wurde. Hätte Milton diese Gegenden sehen können, hier würde er den Vorhof des Chaos gefunden haben. Besonders thut eine dieser Trümmer, die aus zwey nahen, mit alte» Tannen bewachsenen, und bis zu einer unermeßlichen Höhe emporsteigenden Felsen besteht, die erstau- ncndstc Wirkung. Auf der eine» Seite sieht man, wie einst hier die Natur mit bewundernswürdiger Fülle alles verschwendet, was sie an Gestein, an Gewässer, Waldung und Gestalten nur Reiches und Majestätisches hat; dann aber auf der andern die entsetzende Verwirrung , welche Ucberschwemmnngcn, Erdbeben und besonders der zerstörende Gang der Jahrhunderte unter diesen Schätzen angerichtet, sie aus einandergerissen, zerstört, und untcrüber- sich gekehrt hat. Geht man weiter in der holen Strasse fort, und säumt sich eine Weile bey einer kleinen Schmiede NamenS Martinet, so möchte man sagen: Der Schöpfer habe hier ein Muster der allerfurchrbarstcn Vestung im Grosse« aufstellen wollen. Mauern, Bastionen, Rcmparts, in den lebendigen Felsen gehauen, steigen von zwey Seite« in gleic und gle der mä auf die ein Fei Bürger wachen den ver gen au die Bi des Ca Bette uen F und m mc dei gel jei I fehlt l ' treslich Wohr den ! j Eine irgenl würd Aug doch des eine Catches und » gcwor- > können/ > haben. :y nahen, >er uncr- e erstaunn , wie alle alles Waldung I; dann welche r zerstö, ^ > ange- !tcrüber- , und Hamens j r habe Grosse" ts, i" Seite" in gleicher Gestalt zu einer fürchterlichen Höhe empor; und gleich einer zahlreichen Besatzung stehen die Stamme der mächtigsten Tannen in schwarzen Schlachtreihcn oben auf diesen prächtigen ungeheuern Abhängen. Hier springt ein Felsstück vor, gleich einem Thurm der unsre alten Burgen bestricch, mit zwey oder drey Banmcn, als Schild- wachen besetzt; dort steht eine andre Baumgruppe gleich den Verlornen Soldaten vor der Armee, die auf Entdcckun. gen ausgchn. Ganz zuhinterst im Schlunde verbreitet sich die Birs mehr und weniger reissend in den Krümmungen des Canals, den sie sich ausgeholt hat; mitten aus ihrem Bette erhebt sich eine Menge der von den Höhen losgerisst- uen Felsstücke, als so viele Inseln, mit Moos bedeckt, und mit jungen Tannen bewachsen; die einen im Schaume des lachenden Stroms mit Weiß, die andern im Spie. gel leines ruhigern Gewässers mit Blau eingefaßt. Nichts fehlt dieser melancholisch erhabenen Einsamkeit, sie zum trcflichsten Englischen Parke zu bilden, ausser einigen Wohnungen, um die in Betrachtungen versenkte Seele an den Menschen, und an ländliche Arbeiten zu erinnern. Eine Viehhütte , ein Dach zum Schutze der Hcerden, irgend eine zufällig unter einem Baume stehende Bank, würde für das von all' den grossen Gegenständen . ermüdete Aug die angenehmste Erhohlung seyn. Indeß finden sich doch hie und da an diesem Wege natürliche Grotten, wo die 28 r die Kühe sich über die MittagShitze hin begeben zu wieder, kauen und zu schlafen , und welche während der hcissesien Tageszeit ein sehr kühles ländliches Gemählde darstellen. Ueber Martinet hin, wovon ich eben sprach, erweitert sich der Weg und man betritt eine kleine schön grüne Ebene, welche die launichte Bios in verschiedene Felder zcrschnit, ten hat. Hier am Fusse eines ungeheuern Fellen bey einem alten Werdcnbaum, der in den Strom fiel, erhält die Landschaft durch eine ländliche Fischer.-») ein angench, mes Leben; nervichte Arme,halten ein an einer langen Gabel festgemachtes in die Quere ausgedehntes Netz, berücken die aeflcckte Forelle in dem Augenblicke ihres Eintritts, und werfen sie geschickt auf den Nasen. Mag die Beschreibung dieser Gegenden immerhin ein, förmig scheinen, so sind sie es doch gewiß in der Natur nicht; und wenn das Ganze sich an gewissen Stellen ahn. lieh ist, so sind doch seine besondern Theile immer ver. schieden. Ist der Ausdruck ihres Schildcrcrs immer der- selbe, so ists doch der Eindruck nicht, den sie auf das Au« ge machen. Allein die Armuth der Sprache, und der Mangel an Ausdrücken , für alle verschiedene» Nüancen, die Nothwendigkeit dasselbe Wort in verschiedenem Sinn und dasselbe Bild zur Bezeichnung verschiedener Wirkun gen zu gebrauchen, bringen freylich etwas Trokcnes, Stei, fes, 28 ; fts, und unangenehme Wiederholungen in die Skizze», welche der Mensch zu entwerfen wagt; sr nur ist arm und beschränkt, die Natur ist es nie. Sie scheint diesen ganzen Weg über, dem Dichter eine ordeutliche Theorie von Schäfcrgcdichten, dem Mahler einen Unterricht über Ruinen und Landschaften zu geben, in welchen das Gefällige und das Fürchterliche in einander läuft ohne sich zu verwirren. Aber nur ein Geßner möchte das alles in Idyllen oder Zeichnungen bringen. Gerade da, wo man denkt, die hohle Bergstraße ende sich nun auf einmal, verlängert sie sich plötzlich wieder über den kühnsten Flug der Einbildungskraft hinaus; und gerade auf die Seite, wo die Wehre des Gebirgs am al, lcrundnrchdringlichsten scheint. Jeder, der mir die Ebenen kennt, wird aufs höchste getäuscht; denn unversehens er, vfncii sich vor ihm neue Thäler, an die er nie gedacht,, deren Möglichkeit er nur nie gemuthmaßt hätte. Ein zwey, tcr Durchgang, der mit dem ersten einen Winkel macht, thut sich hier auf; so wie man denselben betritt läßt man das Dörfchen Bellcrat hinter fleh, welches den Berg im Hintergrund gleich einem Gürtel zu durchschneiden scheint, und über die ganze Breite des Abhangs, der sich zu beyden Seiten des Schlunds erhebt, mit einem Kranz von Tan, nen besetzt ist. Hier folgen denn wieder neue Auftritte, eben r84 eben so erstaunend anzufchau'n und eben so schwierig zu be. schreiben als die vorigen. Auf einmal steht man wie auf der Arena eines unermeßlichen Circus von mehrern Stunden im Umkreis, dessen Stuffenbänke sich in den Wolken verlieren. Man stelle sich aber keineswegs etwas in dem falschen Geschmak und der gekünstelten Manier eines Feen, Tempels vor, den der Schlag einer Zauberruthe hingeworfen hätte: Nein! selbst in dieser ausgedehnten Zerrüttung ist noch Ebcnmaaß; und die unregelmäßigen Massen und Gestalten haben noch etwas von ihrer ursprünglichen Ord. nung. Die Zeit und der Birostrom haben mit vereinigten Kräften die Materialien zu diesem Luft, Amphitheater losgemacht und herbeygeführt: die konvulsivischen Erfchüt, terungen des Erdballs entblößten die mannigfaltigen Berg- schichten ; die Revolutionen der Natur gaben vom tiefsten Alterthum her diesem majestätischen Ganzen einen Architek, tur > Charackter, den weder die Griechen noch die Römer gekannt; das Gesträuch, die Wälder, die Rasen. Teppiche, die wechselweise Hellern, dann wieder dunkeln Farben, ver. schwenden da ihre Decorationen von unbegreiflichem Reichthum und Mannigfaltigkeit. Jedes Jahrhundert veränderte die anscheinende Verwirrung des Ganzen, gab den Gruppen bestimmtere Umriße, und zeichnete die Details kühner. O wer jene Feuer. Genies, jene flammende Geister an diese räuberischen Plätze hinbrächte, die solch' erhabene Scenen in in der ihren ihre ss Hie Wässer Ueber« Irisch ft>t, > gleich zogen Berge grosse« trockn i überfl Nisse Felser sich, rab i keit t geben stücke heitei Jahr lieget 28s zu bete auf Stun, Lotten n dem Feen, >ewor- ttung > und Ord, ligten >eater schüt. 8erg. efsten ! )itek. ömer ^ uche, ^ ver. eich. >erte rup. ner. riefe neu n in den einförmigsten Ländern schilderten oder besangen! In ihren Gemählden und Poesteen würde die Natur beynahe ihre Nebenbuhler erkennen. Hier besonders ist die sich immer ähnliche Arbeit der Ger Wässer und der Zeiten sehr merkwürdig; mit vollkommener Uebereinstimmung haben sie an verschiedenen Orten symme. Irisch Säulen gehauen, Spitzen geschärft, Kegel gedrech. seit, breite Tafeln geebnet, ungeheure Felsen, Schiefern gleich, in Blätter zerlegt, der Länge nach Berggräthe gezogen , die zur Rechten und zur Linken von der Höhe des Bergs ununterbrochen bis hinunter laufen, und eine Menge grössere und kleinere Kanäle ausgehölt, die zuweilen vertrocknen , dann aber wieder von Regen und Schneewasscr überfiicssen, welches in den Hölen derselben so viele Behält. Nisse findet. So stark und so fest gesessen inzwischen diese Felsen scheinen, so altern doch manche derselben, neigen sich, hangen über, und sind bereit auf ihre Vorgänger he. rab ins Thal zu stürzen, um der «»ermüdeten Geschäftig, keit des Stroms, der dasselbe durchläuft, neue Arbeit zu geben. Hier sieht man solche, deren Grundlage sich zer< stückelt, deren Ecken sich abrunden, deren äussere Unebenheiten von den Wind-und Wetterstürmen, die sie so viele Jahrhunderte schon peitschen, hin weggenommen sind; dort liegen sie in Hausen übereinander , und führen den Geist auf 286 auf die Vorstellung eines Vegräbnißplatzes für Riesen, wo -so eine Masse, so zu reden nur ihr Epitaphium erwartet. Wie klein und ephemerisch ist der Mensch vor diesem Fels, stück, das auf noch viel ältern Trümmern ruht, auf denen man zu lesen glaubt: ,, Hier liegt sink fünfzehn Jahr» „Hunderten, was die dreyßig vorhcrgehndcn hindurch auf „ der Höhe des Bergs einen Tannenwald trug Allein dieß Alter der Natur ist so grün und munter, und mit dem anscheinenden Absterben und Zerfallen ist eine solche Kraft des Lebens, des Wiederhervorbringens und Neuge« bährcns vermischt, daß sie keineswegs jene Züge der Trauer, jenen weinerlichen Eindruck der Hofnungslosigkeit gewinnt, welche das Alter des Menschen fast jedem darstellt, der das Unglück hat blos Vernichtung vor sich zu erblicken. Um diese grossen Gegenstände zu sehen, wie ich sie gesehen habe, muß man sie aber nicht in schnellem Pferde, lauf, oder nachläßig in einem sanft hängenden Wagen ge« lagert durchreisen, und etwa nur von Zeit zu Zeit einen gleichgültigen Blick auf beyde Seiten des Weges hinwerfen ... Nein, Reisende! Steigt von euerm Wagen her. unter, laßt die Pferde im langsamsten Schritte gehen, schreitet selbst nur gemächlich fort — und stehet öfters still um alles Einzelne besser zu beobachten; wendet euch auf alle Seiten, um daS ganze besser zu fassen; entfernt weder daS Nach. Nachdi Vcrglc blick d unaufg die hef staunci dränge meiner ^ sehen, die Nc hier ai Ve ten p Thal, i jedes ! für sei jen. - det zu ! ! sparsa> ! Raun ^ sobald rntwel ^ derer ; leg«n< >, wo »artet. Fels, denen Zahr. ) auf Allein mit solche enge« auer, innt, - das ^ e ge- erde, » ge- einen ^ wer- ! her. ; hm, , still alle , das j ! 287 Nachdenke«/ dem sich eure Vernunft überläßt/ noch die Vcrglcichungcn / welche eure Einbildungskraft beym An, j blick dieser erhabenen Gemählde wagt / von euch ; laßt euch unaufgchalten hinrcissen vom Strome der Gedanken/ den die heftigen Eindrücke/ von welchen eure Seele in dieser er, ! stauncnswürdigen Kluft erschüttert wird/ über seine Ufer drängen. . . Scyt ihr wenigstens nicht von der allzuge, meinen Zahl der Menschen, welche Augen haben und nicht sehen, für welche alles verloren ist weil sie keinen Sinn für die Natur haben, und die mit ihrer unbeweglichen Kälte hier anders nichts seyn würden, als ein Stein mehr. . . Bald erreicht mech Röche, das erste Dorf der reformierten probftey; es ist klein wie das ganze Gebiet und das Thal, in welchem sie eingeschlossen ist. Ucberhaupt hat jedes Volk, sowohl auf den Alpen als auf dem Iura, für seine Besitzungen von der Natur selbst bestimmte Gran, jen. Obgleich sie an einigen Orten das Erdreich verschwcn. det zu haben scheint, so ist sie doch weit an den meisten sehr sparsam damit. Daher muß die Bevölkerung mit dem Raum welcher der Cultur fähig ist im Ebenmaasse stehen; sobald sie dieses natürliche Verhältniß überschreitet, so wird entweder die Auswanderung nothwendig, um den Boden derer zu entladen, die er nicht nähren kann; oder die Anlegung von Manufackluren und Gewerbschaften erfoderlich, um 288 um so den Mangel durch auswärtiges Verkehr zu ersetzen. Von diesen beyden Hilfsmitteln findet fich das erste in den Al- peil, das andere auf dem Jura gewöhnlich. I» den kleinen katholischen Cantoncn, in Wallis, in Bündten ficht man bey übcrsiüßigcr Bevölkerung nirgend eine Fabrick, da man hingegen in allen Thälern der Abendländischen Schweiz aller Orten Uhrcnmacher, Steinschneider, Baum, wollespinncrinnen, Spitzmacherinnen, Bandweber, Strumpf/ und Mützenwcber, und besonders eine Menge Leuthe anreist, welche beschäftigt sind das Eisen zu schmelzen, und dasselbe zu jedem möglichen Gebrauch zuzubereiten in den unzähligen Schmieden und Werkstätten, welche man aller Orlcn antrift, ohne daß man darum einige Vernachläßigmig deS Feldbaues oder der Viehzucht bemerken sollte. Wer sich indessen verwundert, wie der Mensch in diesen schmähten von hingcstürzten Felsen und drohenden Bergen eingeengten Thälern, wo selbst der Fluß den Arbeiten des Landbauers noch einen Theil streitig macht, friedlich wohnen möge, mitten im Kampf der Elemente und einer Menge von Gefahren, die gegen seine hinfällige Existenz in Schlachtordnung stehen — der müßte sich eben auch wundern, wie der Matrose auf seinem Schiffe ruhig schlaffen kann. Sey es Zuversicht zum schützenden Himmel, oder Ueberzeugung von der Lehre eines unausweichlichen Schicksals — einmal !dcr Bcn lingeheue haben sei ! auf einer wäre fü ! ! Das dern E» durch bi iwar zic selben v< > ren Gip erstaunet büschen bogen, ^ Schreck! Wundern scherzt ; ' Send jed I Prachtvr lurchtba ^ tue-- band ti der, ur Nehmen der 289 setzen, n Al, leinen steht brich, schon au in, impft e an- und den aller gling lesen !rgen des voh, enge icht, wie Sey uns mal ir der Bergmann wohnt eben so sicher in seinem von einem ! Ungeheuern Felsstnck, das sein Gleichgewicht verloren zu Ibaden scheint, bcdrohetcn Hause, als wenn solches mitten auf einer weiten Ebene läge. Abwechselung seines Wohnorts wäre für ihn nur Veränderung der Gefahr. Das enge Thal von Röche schließt sich an feinem an» dern Ende mit einer neuen holen Strasse, welche der, ! durch die man in dasselbe kömmt, in der Beschreibung zwar ziemlich ähnlich, in der That aber doch von der- j selben verschieden ist. Zwey unterminierte Fclsmassen, de, ren Gipfel so nahe zufammcnrcichen, daß die Aeste der j erstaunend hohen Tannen , welche dieselben gleich Feder- ^ büfchen zieren, sich beynahe berühren, bilden den Triumph» ! bogen, unter welchem man durchgeht. Hier hemmt der Schrecken gewisser maasscn die edle Empfindung der Be, Wunderung, wo mau wohl steht, daß die Natur nicht scherzt; stumm, ernst und furchtbar scheint sie stillschwei» Send jeden zu bedrohn, der sie zu betrachten weilt. In I prachtvoller reicher Abwechselung , die sich selbst auf ihre furchtbarsten Schönheiten erstreckt, ist es immer die Natur — allein die erzürnte Natur, die hier all' ihren Auffand in Schrecken, wie anderwerts in Liebreitz verschwen. ölt, und die sich da im Furchtbaren wie sonst im Ange» Zinnen versucht. Alles erinnert an das Wort des Tra» T giker' i gikcrs Scncka: lorvo mojellg 8 veo; vultus elt Uli ^o- v, 8 , reä ^0VI8 fulminsnti 8 . *) Man befindet sich hier wie auf dem Schlachtfeldc dcr Titane gegen die Götter: Massen auf Massen, Lagen auf Lagen, Reihen auf Reihen gcthürmt, alles von Felsen, oft ganz nackt, bisweilen geziert mit Kränzen von Fichten, oder mit Büscheln von Gesträuche, oder mit Gürteln von Rasen, dir sich Wechsel« weise auf dem Gipfel vereinigen, der die ausgespitzte Gestalt der Mauern unserer alten Burgen hat, oder mit finstern Wäldern bekrönt ist, wo manche Bäume, vom Sturm oder vom Alter niedergeworfen, das Haupt zur Tiefe neigen, und nur noch an einigen Wurzeln halten, die fest in die Ritzen eingedrungen stnd. Steht man in der Tiefe am Rande der Birs, wie in dem innern Hofe eines runden Gebäudes, und wendet sich auf alle Seiten, so steht man überall die gleichen Gürtel in der Ründung in einer so regelmäßigen Kreislinie laufen, als wenn dcr Compaß des Geometers den Plan gezeichnet und diese ungeheuern Umrisse gezogen hätte. Nach einem Regen bemerkt man hin und wieder reizende Wasserfälle, welche mit der drohenden Majestät des übrigen Ganzen im schönsten Controlle stehn. Bald sind es *) Schauerlich ist Gottes Majestät ; sein Angesicht ist Jupiters Angesicht, aber Jupiters des Donnerers. es Fad« von S« welchen Art vo Bewege We ster); Kreutze befestig ten Ei> Stelle Camin die Bi täglich Nässe, Hole ^ Augen > thige ! A, über fvtö, auf l de w, ! ters > illi hohler wie Nötter: ^ Reihen ^ ilen ge- ^ 'ln von j Wechsel» ! ite Ge-> ' er mit ! , vom pt zur galten, in der I e eines m, so rng in n der se um r reiz- it des > sind eS »piters ! 29t es Faden von blaulichtem Gewässer, oder weisse Bänder von Schaum, die sich mit Moos, das den Fels, über welchen sie hinsiiessen, bekleidet, vermischen, und so eine Art von Gemählde darstellen, das in seiner unbestimmten Bewegung und in seiner Farbe unnachahmlich ist. Weiterhin siehet man die Brücke von Mottiers (Mü?i. ster-; man erkennet sie bald an dem schweren eisernen Kreutze, welches ein Bischof von Basel tief in der Mauer befestigen ließ, aus Furcht es möchte von den reformierten Einwohnern des Landes hcruntergeworfen werden. Die Stelle - wo die Brücke hinüberführt, ist beynahe einem Camin ähnlich; unten ist kaum Raum für den Weg und die Birs , und die Oefnung von oben läßt die Sonne täglich länger nicht als eine Stunde hineinfallen. Die Nässe, die finstre Kühle und das Getöse, welche in dieser Hole herrschen, erwecken bey jedem, der sich hier einen Augenblick seinen Betrachtungen überlassen will, wehmüthige und unruhige Empfindungen. Auf einem hervorstehuden Felsen, mehr als Fuß über den Weg erhaben, steht eine Akt hölzernen Schaf- fots, welches sich in einer Höle verliert, zu der man nur auf langen Leitern hinankommen kann. Nach der Legen» , de war hier die Einsideley des H. Germanns / des Stifters und Patrons von dem Kloster, das sich nachher jum T - C«. 292 Capitel von Münster erhob. Dieser gute Mönch soll gegen die Mitte des VII. Jahrhunderts, um einen Weg zu cröfnen, die Felsen weggeräumt, die Einwohner dieser wilden Thäler bekehrt, und von der Grausamkeit zweyer Brüder, welche dieses Land tyrannisierten, viel gelitte» haben. Da er sie nämlich bat weniger barbarisch zu seyn, und — wohl auch sein Kloster in Ruhe zu lassen , vcrgal. len sie ihm seine Vorstellungen damit , daß sie ihm und seinem Begleiter Randoald die Ehre von Märtircrn und Heiligen vcrschaften; von da an genossen so wohl der eine als der andre bis zur Reformation sehr grosses Ansetzn in der probstey. Allein die Vernunft, welche mit der Le< gende nicht immer übereinstimmt, sieht jenes Gerüst viel. mehr für eine Art von Wachtthurm aus weit neuerer Zeit an, von welchem aus einige mit Steinen bewaffnete Männer die Vorübergehnden nach Liist zu Tod schmeißen könnten. AlS die Truppen aus dem Franche. Lomtc während dem Schwabenkrieg i. I. 1499. die probstey verwüsteten , weil sie den Bernern Hilfsvölkcr gegen das HauS Oestreich gab ; so auch, da die Schweden im dreyßigjährigen Kriege sich pruntruts und eines Theils von dem Bisthum bemächtigten, nachdem sie den Bischof Heinrich von Höchstem genöthigt hatten, sich im Jahr 16,7. in den Canton Solothorn zurückzuziehen, und sie sich so den Gränzen Helvetiens näherten, ohne daß sie es je- jedoch lich, u tete S der Hi theidig! gebräu gen w< in der Ei! Einme der ;! Raum des ve Wohl! Weite nun d aus d len ui Miller den n des 2 Matt den; und s ! 29Z > ach soll n Weg ? dieser zweyer gelitten i seyn, > vergal. in nnd rn und er eine 'ehn in der Le< l st viel. icuerer öffnete j n rissen ' wäh» ^ y ver- a das n inr Theils j Zischof ! Jahr nd sie sie es j je. jedoch wagten, dieselben zu überschreiten, so ist es glaub» lich, und bestätiget sich selbst durch eine im Lande vcrbrci» tete Sage, daß die tapfern Bewohpcr dieser Thäler von der Höhe dieser Hintcrhut herab den wichtigen Paß vertheidigten ; und daß sie nach der damals in der Schrveiy gebräuchlichen Taktick die Feinde von Ferne mordeten, ge- gen welche sie an Menge zu schwach waren, sich mit ihnen in der Nähe zu messen. Ein wenig ausser der Brücke gehen die Felsen mit Einmal zu Ende; und plötzlich öfnet sich am Ausgange der zwey parallel fortlaufenden Bergketten ein weiter Raum, der sich am Horizont in Gestalt eines halben Mon« des verliert. Im Hintergründe schließt ein mit Waldung Wohl bewachsener Hügel gleich einem Vorhang die sich inS Weite ausdehnende Scene. Hier lustwandelt das Aug, nun des Zwanges los, in welchem es von der engen Kluft, aus der man jtzt hervorgeht, gehalten war, frey zur Rechten und zur Linken in einem lachenden Thale, in das man Mitten hincintritt. Mit Vergnügen irret es auf den grü» den mit Meyerhösen und Viehbecrben b'esäeten Abhängen des Jura, und unterscheidet noch die Luftgipfel von Hase- Matt und Wiesenberg welche sich über Solochurir erheben ; den Lauf der Aare, und überhaupt eine der schönsten und fruchtbarsten Gegenden in der ganzen Schweitz. Von ' 2?4 Von der Natur gehen wir zu ihren Bewohnern über, machen in dem Dorfe Mottjers ( Münster) als dem Hauptorke der probstey Halte, und werfen einen Blick auf den historifche» und politischen Zustand dieser Gegend, welche bisdahin so wenig gekannt war, und es doch so sehr zu seyn verdient, Die Probstey Mottiers. Grand, pal, zu Deutsch Münsterthal, begreift der Länge nach acht, in der Breite vier bis fünf Stunden, Sie besteht aus neun und dreyßig Dörfern und Weilern, welche, in neun Pfarrcyen abgetheilt , acht und zwanzig Gemeinden ausmachen. Die fünf obern, welche unter den beyden Mcyercyen Mop ticrs und Mallevay begriffen sind, heissen die probstey über den Leisen, und sind reformiert; die vier untern aber, welche zu der Meycrey Correndelin gehören, sind eatholisch geblieben, und heissen die probstey unter den Leisen, Ungeachtet des verschiedenen Gottesdienst haben / beyde Theile ein vollkommen gemeinschaftliches Interesse, dieselben Privilegien s und die gleiche bürgerliche Regierung. Dieß Land, dessen Bevölkerung gegenwärtig wohl über gcoo. Seelen seyn mag, war in dem Vil, Jahrhundert nichts als ein grosser wilder Wald, durch welchen die römische Strasse auf Pierre. pertuis führte. Ein Kloster, welches 8r. German im I. ü;o. stiftete, veranlaßte de» An. ^ Anbau demfelb seinen ! j Theils i nem U j oder N ! der Lai einem scnschai nius, des I Motti Tode 1 ! und hinauf lungen Lo die r> Mutte nachhi Mit v 29 s I über, ils dein i Blick Scgend/ so sehe deutsch Breite l dreyßig ^ abge, Die Mot< j obstey ^ untern ! , sind r den ! haben ! ercsse, ^ erung. I ' über imdert ie rö-> lostcr, le de» j üln- Anbau von Feldern und Wohnungen in seiner Nähe; und demselben hat daS Dorf Mottiers seinen Ursprung und ! seinen Namen zu danken. Denn in dem Patois eines ^ Theils der Schweitz bedeutet Motti einen Tempel/nach seinem Ursprünge von dem altfranzösischen Worte iUouttisr ^ oder iVlonltiars (Münster) welches sich von dem NonaNenum ^ der Lateiner herleitet. Dieser St. German stammte aus einem guten Hause zu Trier. Der grosse Ruf seiner Mist scnschaft und seines exemplarischen Lebens bewog Gondo« nius/ Herzogen im Elsaß/ den Herrn von diesem Theile des JE, daß er ihn dahin berufte / ihm das Kloster Mottiers erbaute / und es reichlich beschenkte. Nach dem Tode dieses Fürsten wollten seine beyden Söhne Lachicus Und Cathelnrunduo die Vergabungen wieder zurücknehmen , welche ihr Vater dem Kloster gemacht hatte; sie plagten daher die Mönche, kamen nach Mottiers / der eine durch das Thal Sornetan / der andre der Birs nach hinauf/ und erschlugen St. German / der ihnen Vorfiel» lungen über ihr schlimmes Betragen machen wollte. Carlomaim / Pipins Sohn / bestätigte im I. 770-. die reichen Schenkungen/ welche sein Vater und seine Mutter dem Kloster gemacht hatten. Ein Jahrhundert nachher vermehrte Rarl der Dicke das Gebiet desselben mit verschiedenen Ländereyen, unter anderm mit dem St. Im, 296 Immerrhal. Die fromme Königin Bertha, die sich durch ihre Kirchenstiftungcn in dem westlichen Theile der Schwettz so berühmt gemacht hat , erbaute auch eine zu Mottiers. Rudolf 71/. der letzte Burgundische König, dessen Vater das Kloster Mottiers mit seinen Besitzungen den Grafen von Egieheim, welche dasselbe unrechtmäßig besassen, wieder entriß, schenkte um dasI. ioao. die ganze Gegend mit allen svuverainen Rechten über dieselbe an Adelbert Bischof von Basel, zu einem Ersatz für die Verheerungen, welche der Krieg in den Herrschaften dessel» den angerichtet harte. Beynahe achtzig Jahre nachher zcr» warfen sich die Mönche, welche sonst vom Orden St. Be« ncdicts waren, dadurch, daß sie sich i» den Streitigkeiten des Pabsts mit Heinrich 7^. zur Parthey des erster,! schlugen, mit ihrem Bischöfe Burkard von Hascnberg aus dem Hause Neuenburg, der sich für den König inte« rcßirte, so sehr, daß dieser stolze Prälat sie aus dem Klo» ster und Land verjagte, und ein Chorherren»Capitel unter einem Probst an ihrer Statt einsetzte. Dies Capitel, das den Titel lniigns führt, hatte da» mals den größten Theil der Regierung des Landes in sei» ner Gewalt, und war, so zu sagen, unter der Souverai, nitäl des Bischofs, geistlicher und weltlicher Herr dessel» den. Johann von Vienne, ein beßrer Soldat als Abt, ge- geriet! stey l denn Verb, brann schlug Fried dem i uem wohn schäd- ckens ^ gelte! ! allein I ! selbst i unte, da d derS ^ thun tung hätt! den c ehed 297 l die sich »eile der eine zu König, ltzungen -tmäßig e ganze lbe an 'ür die > desscl» »er zer, t. Be- gleiten ^ ersicrn ! irberg » 1 inte« > Klo, unter ! e da« i sei, oerai, Nessel, ! Abt, re- gerieth mit Bern von wegen Viel in Zwist, und die prob» stey hatte von seinem kriegerschen Geiste viel r» leiden ; denn sie wurde von den Truppen des Cantons und seiner Verbündeten verwüstet und geplündert. Im I. 1)67. verbrannten die Solothurner das Kloster Mottiers, und schlugen den Bischof nahe am Dorfe. Endlich wurde Friede gemacht vermittelst 3000 Gulden, welche die Bernev dem Bischöfe zum Ersatze für allen Schaden, die sie sei- nein Lande zugefügt hatten, bezahlten. Allein wie ge, wöhnlich blieb der Verlust den Unterthanen, und die Entschädigung dem Fürsten. Der Bischof Johann von Lle- ckenstein, der bey den Einwohnern der Probstcy immer in geliebtem Andenken stehen wird, bestäthigte ihnen nicht allein ihre alten Freyheiten, sondern gab ihnen im I. 14,0. selbst noch neue. Mein wahrscheinlich würden sich diest unter seinen Nachfolgern nach und nach verloren haben, da die Souverains überhaupt und geistliche Herren besonders für die Privilegien, welche ihre Vorfahren den Unter, thanen ertheilten , eben nicht immer alle gebührende Ach« tung tragen; wenn sich nicht ein besonderer Zufall ereignet hätte, welcher der Probstey den Schutzherrn verschafte, den sie noch hat, und dem sie grossentheils ihr Glück dankt. Die Stelle eines Probsts am Capitel zu Münster war ehedem sehr gesucht- Als nun Johann von Orfiingen die. r§8 dieselbe 1486. niederlegte, stritten sich zween Prätendenten sehr lebhaft um dieselbe. Johann Mayer Bürger von Bern und Pfarrer zu Buren hatte die Empfehlung des resignieren Abts, und eine Investitur. Bulle Innoccn. tius zu seinen Gunsten. Sein Nebenbuhler Johann Pfeiffer von Lucern hatte für sich die Ernennung des Bischofs Caspar von Rhein, der die Collatur dieser Stelle für sein Eigenthum behauptete, und die Mehrheit der Stiftsherren. Da also das Capitel den Leztern vorzog und die Bulle verwarf, so bat Mayer die Berner um Unter, stützung seiner Rechte ; und sie gaben ihm die Militz von Buren und den umliegenden Orten, welche dann nach Mottiers rückte ihn mit Gewalt zu installieren, und dem. Capitel so wohl als dem Volke den Eyd der Treue abzufordern. Bald darauf kam Mayer von Dellsperg mit ei. rügen Bischöflichen Truppen, den neuen Probst in seinem Schlosse zu belagern. Der Venner Ditlinger aber bemächtigte sich mit einer kleinen Bernerscheu Armee der prob» frey und des Leffenbergs, Dieß veranlaßte einen Vergleich zwischen dem Canton und dem Bischöfe, vermöge dessen die Päbstliche Bulle für gültig erkannt, Mayer als gesetzmäßig erwählter Probst erklärt, und das Münsterthal gegen Be« zahlung der Kriegsunkosien den Bernern abgetretten wurde. Kurze Zeit nachher kam der Bischof in Begleit verschiede, MC Edrlleuche und Magisiratspersonen von Basel, Frey« bürg bürg u die Zur Schwie gung, mit die zen Kr< er an ' zahlte, In Pas Lc zur S> sein P die x Tnipr Oestr Wickel dem übrig' versch die vi diese der l 3 welch 299 bürg und Viel, persönlich nach Bern, und drang auf die Zurückgabe der probstcy ; man gab sie ihm ohn? Schwierigkeit wieder; doch unter der ausdrücklichen Beding gung, daß das enge Bürgerrecht , welches die Rcpublick mit diesem kleinen Lande aufgerichtet hatte, in seiner ganzen Kraft bestehen und unwiderruflich seyn sollte, und daß er an Bern eoov. Livres zu einem Ersähe der Unkosten be» zahlte, welche dieser kleine heilige Krieg verursachet hatte. Indessen war die erste Frucht dieses Bürgerrechts für das Land eben nicht angenehm ; denn da es von nun an zur Schweig gezählt wurde, und in dem Schwabcnkrieg sein Panner zu seinen neuen Schutzherren stieß, so wurde die probstey am Ende des XV. Jahrhunderts von den Truppen des Franche» Lonitc, welches damals dem Hause Oestreich zugehörte, das mit den Cantonen im Krieg ver. wickelt war, entsetzlich verwüstet. Glaublich ist es, daß es dem Bischof von Rhein, der noch lebte, und dessen übrige Ländereyen alle, als zum deutschen Reiche gehörig, verschont blieben, nicht leid that, daß seine Unterthanen, die vielleicht auf ihre neuen Verbindungen zu stolz waren, diese Warnung erhielten, welche sehr geschickt war, sie wieder davon abwendig zu machen, Dreyßig Jahre nachher führte Farel die Reformation, welche schon in verschiedene Cantone gedrungen war, auch in in der probstey ein. Sie fieng bey der Pfarre Ta- vannes (Dachofeldcn) an, und setzte sich im Jahr iz:y. durch die Mehrheit der Stimmen in einem Theile des Lau, des fest. Vergebens widersetzten sich ihr der Bischof und die Chorherren zu Münster; die Berner ganz im Feuer ihres ersten Eifers, unterstützten sie, und erhielten ihr endlich den Sieg in den Thälern d'Orval, Erandval und petival. Sie schickten sogar selbst Geistliche dahin, auf Ansuchen der Bauren, welche sich theils über die Unwissenheit, in der man sie leben ließ, theils über die schweren Büssungen , welche das Capitel ihnen bey den geringsten Fehlern ans. legte, nicht wenig beschwerten. Bey diesem Anlasse bcga. den sich die Chorherr» nach Solothurn , mit welcher Stadt sie in Bürgerrecht stuhnden, und bald darauf nach Dellspcrg, wo sie nun ihren Aufenthalt nahmen. Ver. schiebend Jahre hindurch walteten sehr lebhafte Zwistigkcitcn zwischen dem Capitel und dem Volke, welches von den Chorherrn auf einmal die Stiftskirche zu St. German, «ine Besoldung für seine Geistlichen, und besonders von je. neu, ehrbarere und erbaulichere Sitten verlangte. Endlich im Jahr iz;z. erließ das Kapitel, unter Vermittlung der Stände Solothurn und Bern, jener auf Seite des Kapitels, dieser zu Gunsten des Volks, die Kirche, und trug an die geistlichen Besoldungen bey. Das Volk damit zufrieden verpflichtete sich dagegen alle Zehenden, Zinsen und , und Gr ^ selbst di aufwcis Oh, ^ ligion ' Capitel i Warte ! Gericht sich voi dieses! schieden > wichtig ! Rcforn I tholiker j Lorre, Anfane keinen deutsek ' Als di I den S Herzo.« sperg Schwl W zol und Grundgelder zu entrichten/ welche das Capitel federte; selbst die, für welche man keine rechtmäßige Ansprache mehr ausweisen konnte, oder die man gar nie besessen hatte. Ohne Zweifel der Zänkrreycn, welche die ungleiche Religion zuweilen verursachte, müde, verkaufte endlich das Capitel im I. ieK8. dem Bischof Christoph Binarer von Wartensee alle seine Herrlichkeiten; Polizey und weltliche Gerichtsbarkeit über die probstey. Von da an erhuben sich von Zeit zu Zeit Streitigkeiten über die Nechtfamen dieses Landes, welche zwischen Bern und dem Bischof verschiedene Verträge nöthig machten. Von diesen ward der wichtigste im I. 1711. zu Aarberg geschlossen, der den Rcformirten die probstey über den Felsen und den Ka, tholikcn die probstey unter den Felsen in der Mcyerey Correndelin zu ihren Wohnplätzen anweist. — Sink dem Anfange des fünfzehnten Jahrhunderts hatte die probstey keinen Theil mehr an dem Kriegsunglück, welches der zum deutschen Reiche gehörige Theil des Bisthums erfuhr. AIs dieser letztere während dem dreyßigjährigen Kriege von den Schweden und Franzosen besetzt war, achtete der Herzog von Weimar, der sein Winterquartier in DeU- sperg genommen hatte, das grosse Münstcrthal als ein Schweizerisches Land, und schonte daher desselben. Wir fügen nun dieser historischen Abschilderung derprob- stey Z2L ftc? auch das Gemählde ihres politische» Zustandes bey. Dieß Land gehört dem Bischof von Basel zu als ein Reichs« lchc». Er ist in Criminalfällcn der einige kompetente Richter ; in Civilsachen aber kann von seinem Rathe, nach Belieben der stch beschwerenden Parthey, nach wczlar oder Wien appelliert werde«/ wenn eine streitige Sache die Summe von ;oo Gulden übersteigt. Die geistlichen Angelegen, deiten und EhegcrichtSsachcn der Reformierten gehören ganz. lich nach Bem; und dieser Stand bestätigt ihre fünf Prediger/ welche für zwey Pfarrcyen von dem Bischöfe/ für zwey andere von dem Capitel zu Münster/ und für die fünfte von dem Abt zu Bellelap ernannt werden. Diese Pfarrer werden immer aus den protestantischen Untcrtha. neu des Bisthums gewählt, und sie sind Ehrenmitglieder der Nidauer Classe. Jährlich besucht ein Geistlicher von Bern diese Gemeinen/ besorgt ihre Kirchenzucht/ und theilt auf Kosten des Staats/ der ihn sendet/ Cate- chismen / Psalmen / und andere Bücher zum christlichen Unterricht unter die Jugend aus. So geht auch jedes dritte Jahr ein Rathsglied von Bern persönlich dahin/ um nicht allein auf die geistlichen Freyheiten/ sondern auch auf die weltlichen Rechtsinnen dieser Leute ein wachsames Auge zu richten. Die Militz oder das Panner ist ebenfalls nach Berti ge- gehörn dort Z mcn / Krieg pflichte glied l eines besorgt D« willkül len sie auf je der ne Taglöl ^ aber, > alten schuldi lässcn sehen ^ Mcrmi res b Feuer Andre Guide hälttu >es bey. Reichste Rich. ^ , nach rv oder Sum- iclcgcn, i ganz. ! ifPre- i e, für ür die Diese tertha« ritglie. deistli. I > >i»cht, ^ Cate. lichett dritte , um j h auf Auge vertt gehörig, welcher Stand / so oft er dessen benöthigt ist, dort Truppen werben kann; den einigen Fall ausgenommen , wenn die Republick mit dem Bischöfe von Bafel in Krieg verwickelt seyn sollte: Alsdann ist die probstey verpflichtet die strengste Neutralität zu beobachten. Ein Mitglied des Staatsraths von Bern führt immer den Titte! eines Ober . Commandanten vom Münsterthal, und besorgt im erforderlichen Fall die Geschäfte eines solchen. Der Bischof kann die Unterthanen der probstey nicht willkührlich mit Steuern belegen. Von Alters her bezah. len sie ihm jährlich eine Schätzung von 40. franz. So„s auf jeden Pflug; jede Haushaltung giebt einen Kapaun,. der noch nach alter Taxe mit 6 Sous bezahlt wird; der Taglöhner giebt ,0. die Wittwe r. SouS; jeder Mann aber, dessen Weib im Kindbette (nach dem Ausdruck ihres alten Csutümiers en gestne) liegt, ist den Kapaun nicht schuldig. Ucberdas giebt die probftcy bey gewissen An. lassen den vierzehnten Theil von dem, was der zum teut. seyen Reiche gehörige Theil des Bisthums für den Römermonat bezahlt; und dieß kann sich an die 2000. Liv. res belaufen. Der Schutz von Bcm kostet auf jeden Feuer. Heerd jährlich einen Sous; denn auf jeden St. Andreas. Tag bezahlt die Probstey der Republick 5. Gulden Rh. zu Anerkennung ihres burgrechtlichen Äer. hältnisses. ge. So ZO4 So oft ein Bischof abgeht, leistet die Mannschaft dem neuen Herrn den Eyd der Treue, der aber vorher die Freyheiten und daS Bürgerrecht mit Bern anhören muß, um dieselben feyerlich zu bestätigen. Zu Anfange dieses Jahrhunderts weigerte sich der Bischof I. Conrad von Reinach dieser Bestätigung, und foderte geradehin den Eyd vom Volke ohne von seiner Seite irgend etwas versprechen zu wollen. Seine bischöfliche Würde fand sich durch den besondern Vorbehalt dieser Privilegien zu nahe getreuen; besonders entrüstete er sich über den Ausdruck von Schutz, welchen Bern in der Bürgerrechts. Acte ver, sprach, und erklärte sich: Die probstcy bedürfe dessen nicht, er wolle Ihn auch länger nicht haben. Allein Nenner wisard unterstützte kräftig die Rechte, deren Vertheidigung ihm anvertraut war, widersprach dem Bischof ins Angesicht, und sagte zu ihm mit einer vielleicht allzu lakonischen Energie: Und wir, wir wollen dieses Bürgerrecht mit Bern haben : Alles gerieth in Tumult: es ergieng eine Ordre den Nenner gefangen zu nehmen, der doch nichts that, als was er thun mußte: Er entzog sich aber sehr klüglich dem Fürst . Bischöflichen Zorne und entwich zu den Schutzherrn, um deren willen er in die hohe Ungnade gefallen war. Endlich vermochten doch die mit Drohungen verbundene Vermittelung von Seite Bern, und einige gegen die Gränzen anrückende Truppen, Seine Ho, Hoheit ivg, > einsetzte davon i selben > tung se De> der, w Lnnäier er wur! heilen, Diese n wird, ( nach v Landvv! schofs l bis i6c ten Mc len nm HauSw Benne Lands. Bischof dem die >»uß, iescS von den ver- sich iahe ruck ver, ssen lein 3 er« chof llzu ür- ilt: en, zog end die die rn, une 525 Hoheit, daß er sich der hergebrachten Gewohnheit unter» jog , und den beherzten wisard wieder in seine Stelle einsetzte, der mit einem Abbitlschreiben an den Bischof davon kam, in welchem er in allgemeinen Ausdrücken den» selben um Verzeihung bat, daß er ihn durch die Beobach« tung seiner Pflicht beleidiget habe. Der Bandelier, zu deutsch Veimer, war ursprünglich der, welcher das probstev » pamier ( la Lannisre oder kanäiere ) vortrug. Allmählich vermehrte sich sein Ansehen; er wurde der Tribun des Volks, der Bewacher seiner Freyheiten, und der Mittler zwischen dem Fürsten und jenem. Diese wichtige Stelle dauert lebenslänglich; wenn sie ledig wird, so wählt sich das Volk einen Oberstwachtmeister ( 8ergeant Verwirrung besitze, weil er leicht entweder das Volk von 1 den schuldigen Pflichten gegen den rechtmäßigen Herrn ab- ^ wendig machen, oder den Schutz von Bern, den er sich Nur für wichtige Angelegenheiten aufbehalten sollte, durch Ansuchen in jeder geringen Beschwerde, ermüden, oder endlich die Gemeinden mit lästigem Aufwand beschweren könnte, wenn er zur Unzeit von prontrut nach rveylar appellie, ren würde, wo die Prozesse kein Ende nehmen. Dieses Volk, welches man in mehrern Rücksichten mit dem Tockenburger vergleichen kann, genießt die schönsten Freyheiten. Es besitzt die Jagdbarkeit und Fischerey, und dann eben sein eigenes'Panner. Wenn man die Samm. lung seiner Privilegien und Gewohnheiten, die unter dem Rainen kole cle ls krevütö bekannt ist, liefet, so bemerkt Man mancherley seltsame Dinge, welche sich noch von uralten Sitten, oder von der Feudal, Verfassung Herschreiben. Rur einige Beyspiele: Wer einen Bär tödtet, muß dem Bischof oder seinem Statthalter die rechte Pfote davon ab, liefern. — Der falsche Eyd, welcher in der übrigen Schweif schwer gebüßt wird, kostet hier zwar auch zween Finger U 2 von von der rechten Hand; wovon man aber mit zehn Baßler- Pfunden (' 8 . französische Livrcs) sich loskaufen kann. — Schcltungen eines Mannes gegen Mann sind auf 20. und eines Mannes gegen ein Weib auf Sons geschätzt. — Bey gewissen Anläßen verpflichten sich die streitenden Par- thcyeu mit Eyd, nichts Fremdes ins Recht zu bringen, das nicht zur Hauptsache gehört, und keine übcrflüßige Verzögerungen zu machen; und das ist gut! — Schwangere Frauen und Kranke haben das Recht , fischen zu lassen, wenn es sie nach Fischen gelüstet: Auch nicht übel — Die sogenannten Notableo, in deren Gegenwart die Ausmar. chung der Felder geschieht/ schwören die beyden Steine zu verschweige«/ die man Zeugen nennt. — Die Hebammen verpflichten sich cydlich, jeder Person / die sie um Hilfe anruft/ so gut und so schnell a!s möglich beyznstchcn. Wieder gut. Die Geistlichen geloben in ihrem Eyde / sich aus den Unterricht des Volks in seinen Pflichten einzuschränken; auf keine Weise sich in weltliche Geschäfte zu mischen, und sich nie mn Predigen gegen die katholische Religion zu amü- fieren. *) Nicht alle Bauern gemessen ein uneingeschränktes Eigenthum ihrer Güter. Manche besitzen dieselben als ein unwie- der, " *) Heißt vielleicht in der Urkunde: se „e pamt Dock .s'rinufer steht noch artiger. A d, Uebersi dcrrust in unft ein sol von G er nacl ^ das B mus; i um vo fichlt, ter ist Bischo Siebe: sitzer, diese Ohne verän ^ Ar ! Herren ^ Willkr» Herbst sperg barkei Ncuvi riehen Vaßler- in. — o. und t. " i Par, ^ n, das l Verzö« a tigere lassen, - Die isniar. ine zu innren ! fc an» ^ Lieder as den ; auf d «ich ! amü- ^ figeu- «wieder, Dock i derrußiches Erblehen, mit gewisstn Anlagen, wovon einige in unserm Jahrhundert sehr stltsam «chkinen. So hatB. ein solcher Lehcnmann «'ein Franchczal ( so heißt diese Art von Gütern) unter der Bedingung, dem Bischof, wenn er nach Münster kömmt den pot » esu Gerichte zu Münster. Der Landvogt von Dell, sperg kömmt dahin, hie Tribunale der niedern Gerichtsbarkeiten zu bestätigen, den Eyd der Treue von allen Ncuverhcuratheten aufzunehmen, und die Laidungen cinzu, riehen, zu denen jeder Landmann , der etwas den Gesttzen zu. zuwiderlaufendes bemerkt, mit der Angabe des Delinquenten verpflichtet ist. Eine dem ersten Anschein nach empö, rende Gewohnheit, nach welcher unter den Bürgern selbst ein beständiges Jnquisttions, Gericht existirt ; allein , da dieß eine alte in ihre Verfassung verwebte Uebung ist, zu der sie eydlich verpflichtet sind, so machen ste sich eint Pflicht daraus, und sie zeugt keine» persönlichen Haß, wie man sonst natürlicher Weise denken sollte- hol;) spricht beynah aus c« bildete mit de zwar l Ausdr Die Einwohner der probstcy sind überhaupt ein recht- ! schaffenes sanftes, dienstfertiges Volk, von treuer Zusage, j und von bewährterer Redlichkeit als viele seiner Nachbarn; in jeder Rücksicht verdienen sie die Benennung guter Leute (könne» gens) welche ihnen in den alten Urkunden gegeben wird. Wohl ihnen, wenn sie ihre schönen Freyheiten zu gemessen wissen, ohne mit jenem Geiste der Unruhe, der ihren Frieden schon mehr als einmal störte, auf Ere Weiterung derselben zu denken ; wenn sie in Vergleichung mit den Auflagen, Steuern, Frohndicnstcn , mit den will- kührlichen Entscheidungen eines bewafnetcn Ansehens , die ! so manche Nationen unter ein drückendes Joch beugen, ^ das Glück schätzen lernen, welches sie gemessen, und sich he- ! streben die einfachen Hirtensitten beyzubehalten, die in dem grösser« Theile des Jura sich schon zu verlieren anfangen. ^ Dir ganze probstev, das kleine Dorf Elsa? (See- holz) nehm ern a> lieh; von d Endm und a sonst schaft prob D heil i dcl d Höhei unter Es n barte> linqucn, empö, n selbst in, da "g ist, ch eine iß, wir > recht» Zusage, hbarn; Leute zegebeu len zu e, der f Er, cichung n will, , die ^ engen, Ich he, n dem angen. ! (See, sl;) ZU holz) an den Solothurnischen Gränzen ausgenommen, spricht französisch. Seine eigenthümliche Sprache ist, wie beynahe in der ganzen abendländischen Schweitz, ein aus keltischen, gallischen und lateinischen Wörtern gebildetes patois. Das patois der probstey, welches mit dem von der Lranche-Lomts viel ähnliches Hat, ist zwar sehr nachdrücklich, und hat manche ungemein starke Ausdrücke; überhaupt aber ist es, hart, schleppend, unange. tichm für das Ohr, einem Franzosen, selbst einem Bau. ern aus Unter. Wallis oder von Grüyere her Unverstand, lieh; obgleich auch dieser ein patois spricht, welches sich von denselben Sprachen herleitet, allein ganz verschiedene Endungen hat. Das Frcyburgcr patois, das sanfteste und angenehmste in der Aomanschcn Schweitz, welches sonst mit allen andern Sprachen dieser Art in Verwandt, schaft steht, hat beynahe gar keine mit der Sprache der probstey, die ein besonderes Studium erheischt. Das Land hat gute Waiden; und seine beßte Ertrage», heit ist darum die Benutzung seines Viehes, und der Han, dcl damit. Die Kühe sind den Sommer über auf den Höhen des Jura zerstreut, steigen im Herbst wieder hin. unter, und bleiben den Winter hindurch in den Thälern. Cs wird mit denselben grosse Handelschaft in die benach, barten Orte getrieben. Die Aecker, auch noch so gut be« arbeitet , sind immer von geringerm Ertrag als die Wie, sen; dieß verursacht das rauhere Clima, nach welchem die Jahreszeiten in den Bergländcrn gar unregelmäßig abwech. sein. Die Uhren , Manufaktur, welche sich von dem nahen Locke und la Lhaux de Fond dahin verbreitet, hat sint mehrern Jahren auch in einigen Dörfern der Propstey guten Fortgang gewonnen. Sollte sie aber zu stark begünstigt werden, so wird sie zugleich mit dem Geld auch den Luxus einführen, und entweder dem Feldbau oder der Viehzucht eine tödtliche Wunde beybringen ; zwoen Nah, rungsqucllen, die, obschon weder so glänzend noch so er, gicbig, einen desto sicherern und von allen Revolutionen und Modeveränderungen unabhängigen Ertrag abwerfen. Die Wohnungen der Propftey fast alle hölzern, so wie auch ihr Dach, sind warm und bequem genug; und die meisten bekommen noch mehr Raum durch ein grosses Vordach, unter welchem die Wagen und andre Gcräth. schaft aufbewahrt werden. Die Küchen darinne sind gewölbt und ohne Rauchfang; der Rauch wird durch Oefnun« gen in die Scheune geführt, wo man die Garben vor dem Ausdrefchen trocknen läßt. Das fo geräucherte Korn ist von besserm Geschmack, und hält sich länger. In vielen Häusern bedient man sich im Winter statt des Kerzenlichts -der der Lampen harzichter Tannenfplitter, welche auf ei- ZlZ : Wie, em die >bwech« ^ em na« ^ hat sink opstey >rk be« auch >crder Nah, ^ ^ > so er, > tonen 'cn. , so und rosscs rath. d ge. mini. dem ur ist ielen ichts f ei, m nem klemm Heerd, dessen Rauchfang in die.Küche geht, der Familie und den allenfalls bey ihr versammelten Nach, baren Licht und Wärme geben, dir sich die langen Winterabende mit Arbeit, Gesang, und irgend einer Lektüre oder Erzählung angenehm verkürzen. Die Erziehung der Kin« der, welche alle lesen und schreiben lernen, ehe sie den Christen. Unterricht von ihren Geistlichen empfangen, wird überhaupt, sowohl von den Eltern als von den Schulmeistern , wohl besorgt. Der öffentliche Gottesdienst wird fleißig und ehrerbietig besucht, selbst von denen die sehr entfernt von der Pfarrkirche wohnen; und man bewundert die Würde und Aufmerksamkeit die hier in den Tempeln herrscht. Der Kirchengesang, mit einigen bäurischen In, strumcnten begleitet, hat eine hcrzrührende Einfalt und Ländlichkeit, und stimmt gan; mit der Natur dieser Thä. ler überein. Der ganzen Höhe des Jura nach, in den engen ein, famen Thälern, besonders im Thale Chaluatan den Grän, zen von Solothurn, leben ungefähr hundert wiedertäu, fer, Familien zerstreut, welche vor mehr als einem Jahr, hundert aus dem Canton Bern vertrieben wurden, weil sie sich weigerten die Waffen zu tragen und Eyde zu schwör ren. Diese friedlichen Menschen, den ersten Christen weit ähnlicher als man insgemein glaubt, zogen in die Prob, ftey. Z!4 stey, und nahmen die einsam stehenden Meyerhöfe z» Lehen, welche ihre Nachkommen nun gegenwärtig besitzen. Als fürtrefliche Landwirthe, geschickte Weber, aufrichtig in ihrem Handel, gutthätig gegen jedermann, ohne jemanden zu beleidigen, und besonders ihrem evangelischen Ja und Nein sehr getreu, sind sie von jedem, der sie besucht oder mit ihnen zu verkehren hat, geliebt und geachtet. Selbst die Bauern dieser Gegenden sprechen nur mit ausgezeichneter Verehrung von ihnen. Sie haben die deutsche Sprache beybehalten, und versammeln sich der Reihe nach in ihren Häusern, (ohne weder Aufsehen zu machen, noch geheim damit zu thun,) „m nach ihrer Weise dem erhabenen Wesen zu dienen, welches mehr auf die Gesin. nungen des Herzens als auf die Meynungen des Verstau, des steht. Macht doch das Dogma nur den prsrcstan. ten und Latholicken , die Ausübung hingegen der evangelischen Sittenlehre, und die Nachfolge des Gottmenschen, der uns eine Religion der Liebe und des Friedens gab, den Christen aus! Man erkennt diese Anabaptisten sehr leicht an ihrem Bart, ihrer einfachen Kleidung, und ihrer patriarchalischen Physiognomie. Ihre Töchtern sind sanft, naiv, und von frischer Farbe; die ganze Familie führt eine sitzende und dabey emsige Lebensart, die aber jene un- zerstörbare Fröhlichkeit, welche ein gutes Gewissen giebt, keineswegs ausschließt. Kömmt man in ihre Häuser, und geht geht man mit ihnen um, wie es die Offenheit ihres Betragens erheischt, so müßte man an die Tugend glauben, nnd sie gleich ihnen lieben lernen , wenn man ihr auch sonst nicht vertraute. Die stille Unbekannthcit ihrer Existenz, der Reih ihrer friedlichen Arbeiten, die Einigkeit welche in ihren Familien und in ihrer ganzen Gesellschaft herrscht, die ehrwürdige Einfalt die sich auf ihre Mbekanntschast mit den Lastern der grossen Welt gründet, ihr Vertrauen mit welchem sie sich so ganz dem Schutze des Höchsten überlassen, und so zuversichtlich xinhergehen, ungeachtet sie sich nach ihren Grundsätzen gegen keinen Angriff pertheidü gen dürfen, ziehen das Herz eines jeden an, der zu ihnen kömmt, so daß er sie «»gerne und nur mit dem geheimen Wunsche verläßt: Möcht' ich so denken und leben köm nen, wie dieser einer! Mit grossem Vergnügen sieht man überhaupt in diesem Lande die glücklichsten Folgen kirchlicher Duldung , und mit Dank gegen den Himmel stimmt man der Bemerkung des Herrn Sinners *) bey: „ Wie schön ist es, in der „Schweiy zwey verschiedene Religionen zu sehen, äderen „ Bekenn», ohne sich zu verfolgen, unter denselben Gesetzen ,»leben. Bald einen Fürsten, der unter dem Ansehen des « H. Stuhles steht, und dessen Unterthanen dem Römischen „ Dien- *Vo^L§e ärns 1a vcLiäentsle. Tom. i, xzx, N6» » Dienste entsagt haben; bald protestantische Landesherren, ,, deren Volk zur Messe geht. Ein Beweis für alle Welt, » daß der äusserliche Gottesdienst mit der bürgerlichen und „ politischen Verfassung nichts gemein hat; und daß die „ Menschen aller Orten in Gesellschaft leben könnten, ohne ,, eben in ihren Meynungen über himmlische Dinge einig »zu seyn.» Nach diese» weitläufigen Ausschweifung, die indessen für die Leser, welche gerne etwas ausführlich belehrt find, nicht ohne Interesse seyn wird, ist es nun Zeit, daß wir unsern Weg weiter gegen Biel über den Jura fortsetzen. In einiger Entfernung von Motticrs schließt sich das Thal von neuem, und man kömmt zum andern Mal in eine hohle Strasse, die zwar nicht so lang, aber majcstä« tischer noch und fürchterlicher ist, als die welche wir oben beschrieben haben. Die Felsen, welche fie einschliessen, sind von noch kühnerer Architektur, und sehen von Ferne Mauern ähnlich, die aus einförmigen Lagen von gleichen Steinen erbaut sind; eine zierliche Abwechslung von bald einzelnen bald sich kreuzenden Banden, wiederholt sich wohl siebenmal vom Gestade der Birs bis an die Gipfel, welche so hoch sind, baß die größte Tanne vom Auge des Wanderers in der Tiefe kaum noch erblickt werden kann. Man verwundert sich, an so rauhen, wilden Oertern— mit. mitten in der furchtbares Unordnung entsetzlicher Fclsmas, scn , die entweder vor den Füssen hingestürzt liegen oder über dem Haupte schweben — einen breiten, gebahnten, hie und da von tcrrassenwcise aufgeführten Mauern gegen die Wuth des Strohms beschirmten Weg anzutreffen, der zwischen Münster und Court über zwey benachbarte wohl gebaute Drücken führt, welche um ihrer romantischen Lage willen' schon den Pinsel manchen Künstlers beschäftiget hüben. Wahrscheinlich aber ist dieser Weg sehr alt; und es gebührt wohl die erste Ehre dafür der Birs, die ihn nach und nach gcöfuct , und durch ihren Lauf hier den einigen Durchpaß angewiesen hat, welchen die menschliche Kunst brauchbar machen konnte. Die Römer indessen benutzten diese Öffnung, welche die Natur manches Jahrhundert vor ihnen zu Pierrepertuis gebildet hatte, um da eine Strasse durchzuführen , vermittelst welcher die beyden Hauptstädte der Helvetier und Raurachcr, Avenricum und Äugst, mit einander Gemeinschaft hatten. Der Ver. fall des Reichs zog dann ihre Vernachläßigung nach sich; und die Länge der Zeit verschüttete sie vollends. Vielleicht ließ man auch gerne diesen engen Weg sich schließen, damit die Barbaren einen Eingang weniger hätten. Die Legen, dc, laut welcher St. Germanus die Felsen über Lorren, delin durch ein Wunder getrennt haben soll, ist ein Wink, der uns wenigstens zu vermuthen giebt, daß dieser gute Mönch Zl8 Mönch sich beschäftigte, eine für fein Kloster zu Münstev so nöthige Strasse wieder herzustellen. Die Königin Ber, tha, welche die Kollegial, Kirche daselbst baute, bediente sich, nach der Tradition, ebenfalls um diesen Weg breiter zu machen und auszubessern, eines Schsttländers mit Na, men Mackenbry, von welchem die Edeln von Tavannes herstammen wollen. Allein erst in der Mitte des gegen, wältigen Jahrhunderts wurde diese Strasse auch Ar die schwersten Fuhrwerke sicher und wegfam gemacht: Die probftey legte mit grossen Unkosten und ungeheurer Mühe eine prächtige Chaussee an; sie nahm die Arbeit, den Auf- wand, und den Nutzen davon auf sich; und der Bischof, nach der Gewohnheit aller grossen Herren alter und neuer Zeiten, begnügte sich an der Ehre, welche mit der Aus« führung eines solchen Werks verbunden ist, und verewigte stinen Namen zur Auffoderung des Danks aller Reisenden durch folgende Innschrist, welche in einen sehr grossen Fels am Wege gegraben ist, und das Gegenstück derJnn- schrist zu Picrrcpertuis ausmacht: ^08MM8 6 VH.HIM 8 LX klXLli!I 8 VL KKIDMIE 8/781I.8LX8111M Lk18L0k118 VI/M VLIkkIlM Ll.LV 8 ä!N twk>I 8 v 8 LT Ll./lv 8 'I'KI 8 M 0 XII 1 M kvl'7'18 LVK 8/1 1-0X7-11^8 8 MLIL OkvkL!<0!8MI8 V1M0 lVI-LkwIT » 7 ;,. P Juns welch an d i - herur sich e man halb versts Stell Wäl! nie, ' sich l daß l die f hinat diestl gleicl diese! Witte men halle über schw gern Pro« Professor SchLpfiin von Straßburg verfertigte diese Junfchrift, ganz der majestätischen Felstafel würdig auf welcher stc steht. Unweit von da fiel vor wenigen Jahren an der rechten Seite der Strasse ein Stück vom Berge - herunter, und füllte das Bett der Birs so aus, daß sie sich ein neues neben demselben hin suchte. Noch itzt sieht man die Spuren dieses Unfalls an den Tannen, welche halb in Schutt vergraben und schon dürre sind, oder krank, verstümmelt und sterbend da stehn. Man möchte diese Stelle einen Hospital und Begräbnißplatz der benachbarten Wälder nennen. Solche Felsfälle ereignen sich beynahe nie, als wenn der Schnee schmilzt; daS Wasser seigert sich alSdann überall durch, und dringt allenthalben so ein, daß es den Grund auf welchem die Felsen ruhen unterfrißt', die sich dann ablösen, und mit Getöse ins unterste Thal hinabstürzen. Doch haben auch heftige Gewitter bisweilen dieselbe Wirkung. Kaum giebt es ein erhabneres und zu. gleich überraschenderes Schauspiel , als wenn man in diesen engen Schlündcn wandelt, wo die Winde ein Unge. Witter hecbeyführen, Wolken von Hagel schwanger auftßür, men, und mitten unter kreutzendcn Blitzen die lange hin. hallenden Donner rollen. Der kleine Raum des Himmels über dem Haupte des Wandrers ist dann wechselweise ganz schwarz oder ganz feurig. Die Echo wiederholen, verlän, gern und verdoppeln den lermendcn Tumult der kriegenden Ele-, Z20 Elemente, das Krachen der an einander stosscnden Tannen- bäume, und das Pfeifen der Winde, welche jeden Augenblick in den Krümmungen des Thals gehemmt werden. Auch der Strohm, verstärkt von laufend Wasserfallen, die auf allen Seiten von Stufe zu Stufe herunterstürzen, spielt mit schrecklichem Gebrüll eine grosse Parthie in dieß grause Conzert. Der furchtbare Anblick, die Gestalt und der Ton der ganzen zürnenden Natur, nöthigen alsdann den Reisenden, seine Zuflucht zu den Grotten zu nehmen, welche an diesem Wege ziemlich zahlreich sind. Da erwar, tct er dann die zurückkehrende Stille, beobachtet oder zit. tcrt, denkt nach oder steht von Schrecken starr; sammelt seinen Geist um den Eindruck, den dieses Schauspiel auf denselben macht, ganz zu gemessen, oder sucht aus Furcht einer allzu heftigen Bewegung, sich zu zerstreuen. Ueber der Birs, die sich hier vom Wege entfernt, ungefähr in der Hälfte des Schlundes, befindet sich eine schöne Hölc, deren Zugang aber für einen Bewohner der Ebene sehr mühsam ist. Ihr Eintritt ist dicht mit dürrem Laube belegt, das der Wind jeden Herbst hieher führt. Ihr Bogen, von ziemlich guter Proportion, verenget sich in der Tiefe immer mehr; und zuhinterst entspringt aus dem Boden eine helle frische Quelle, welche sich in zwey Faden über das Moos hinzieht, und dann der Birs zueilt, die un- unten Seiten türlich ziemlic der Hi men, hinund Eingai Art ge ses. auf du gesehen In vl r. In De ten Zü ')Ln St Ra Er, Dr N» unten in einer Tiefe von 24. Fuß vorbeyflicßt. Zu beyden Seiten derselben dicket ein hervorspringender Fels eine na» türliche Banke dar; und über dem Haupt hat man eine ziemlich enge Oefnung, welche in das zweyte Stockwerk der Höle führt. Wer sich nicht fürchtet da hinau zuki m» men, kömmt an ein rundes Fenster, das auf die Strasse hinunter sieht, und man steht gerade über dem untern Eingang; aus diesen Oeil de Boeuf hat man eine in ihrer Art ganz eigene Aussicht auf einen Theil des engen Pas, ses. Ich zweifle nicht, irgend ein Reifender wird einst auf die Vorderseite diese Verse Virgils hinsetzen , der sie gesehen zu haben scheint; so fürtreflich beschreibt er sie: Hinc stgue Kino vssiee rupes, ^eminigue miusntue In coslum lc-vpulj . . . Turn hlvis leens eoruldis Dcluper, korrsntigue streun nemus imminet umbrs, , krönte 5 ub ssiverls leopulis penäcntibus sntrum: Incur sguce äulce8, vivogue sestilis lsxo; I^xmpksrum clomus. *) ( sten. I-. I. v. 162. L ksg.) Der Jura, der sonst beynahe durchaus in milden sanf, ten Zügen sehr angenehm gezeichnet ist, scheint hier von X sei. ') Links dort drohen und rechts unförmliche Klippen und zwiefach Starrende Felsen empor.. .Auch die Ansicht schaudernder Wälder Ragt, und schwarzes Gehölz, Hochher mit grauser Beschattung, Grad' entgegen gewandt ist eine gewölbete FelSkluft, Drin süßquellende Flut, und Bänk' aus lebendem Steine, Nvmfen zur Wohnung geweiht. I- 4. vsß Z22 seiner gewöhnlichen Regel abzuweichen, und nimmt einen so männlichen kraftvollen Ausdruck an, daß man wohl sa, gen kann, die ganze Strecke von Correndelin bis Court sey, eine Abbildung der Alpen vom Jura eingefaßt. So wie es jeder, nach seiner besondern Art zu sehen, anschaut , erweckt dies Gemählde etwas von der romantischen Wehmuth, in welche wir beym Anblick eines jeden Ge. genstandcs gerathen, der uns vermittelst seiner Neuheit und Überraschung unwillkührlich ergreift und zur Bewnndcrun- hinrcißt; oder es stimmt die Seele auf einen Ton, der dieselbe" zu den edelsten Empfindungen erhebt, sie zu crwei» lern, und den grossen Gegenständen ähnlich zu machen scheint, von denen sie gerührt ist. Hier steigt man bald mit still gesammeltem Gemüth hinauf zu den Revolutionen des Erdballs; bald belebt man sich diese wilden Auftritte durch Vergleichung derselben mit den gesellschaftlichen See, nen. In den Hcrbstabenden durchirrt ein zur Melancholie gestimmtes Gemüth diese engen Thäler mit Wollust, wenn der Mond und der Nebel im Wettstreite, wer von ihnen die Oberhand über dieselben gewinnen soll, sie in den Au< gen seiner Einbildungskraft mit fantastischen Gegenständen bevölkern, welche ein sanfter Wind hie und da hintrcibt, sie gleich flüchtigen Schattengestalten in luftigem Gewand von einem Felsen zum andern führt, oder sie in Wirbeln über die Colossen hinträgt, welche wechselweise von einem schwa. ! einen ohl sa» Court So , an- tischen n Ge. it und -crunz i,, der crwei» nachcn > bald >tionen «stritte See. ncholie wenn ihnen in Au< iänden reibt, ewand liebeln einem wa< schwachen Licht erleuchtet, oder halb in einem vorübergehn. den beweglichen Dunste versteckt sind. Ihr starke Seelen, die ihr euch gerne heftigen Bewegungen überläßt, kommt hiehcr, und seht die erhabenen Scenen eines Shakespeare» oder Corneille, von Felsen, Tannen und Waldwassern auf dem Schauplätze der Zerstörung aufgeführt; ihr allein könnt sie verstehn , begreift ihre Rede , und besitzt das Wörterbuch der erhabenen Sprache, die jenen kleinherzigen Wesen unverständlich bleibt, welche beym Anblick eines über. Hangenden Felsen, oder beym Getöse eines gegen seinen ein. rügenden Damm sich empörenden Strohms zittern. Hier ist für die Befriedigung jeden Geschmacks gesorgt; da fin. beider Dichter Bilder, der Mahler Schilderungen, und der Unglückliche Eindrücke, welche mit seinem Mißgeschick übereinstimmen. Der Naturforscher sammelt sich hier sel. tene Pflanzen und Petrifikate von der mannigfaltigsten Verschiedenheit; der Philosoph wagt Schlüsse über die Bildung der Berge, da er ihre Lagen vor seinen Augen aufge. deckt, und sich von beyden Seiten vollkommen entsprechend sieht; der Patriot ergötzt sich an dem Anblick dieser natür, lichen Verjchanzung, wo eine Hand voll Männer eine ganze Armee abzuhalten im Stand ist. der stark Empfindende endlich sammelt sich da eine Menge lebhafter Eindrücke, die in seinem Gehirne nie verloschen werden. Selbst das schö. ne Geschlecht wird hier um so lebhafter gerührt von der X - Er, Erhabenheit, Majestät »nd dem edcln Trotze, in welche schiel sich hier die Natur kleidet. Wie ungern scheidet man von ten ! da ! Mit welchem Bedauern sieht man bey der Rückkehr in sters die Städte den kargen steifen Ausdruck der Kunst; und welche scheu tiefe Erinnerung bleibt nicht mit unauslöschlichen Zügen Men in die Seele dessen gegraben, der diese Gegenden zu durch» fähr wandern und zu sehen gewürdiget war! RinI So wie man die hole Strasse verläßt, so fällt das Au. ge auf die reitzenden Dörfer, welche das Thal beleben, und auf die einzelnen Meyerhöfe, die hie und da den Ab. hang der beyden Hügel, zwischen denen man vorbcygeht, bekleiden. I» der Tiefe schleicht die Biro, langsam, schwankend und unbestimmten Laufes dahin, zeichnet in ^ ihren gebogenen Wendungen tausend angenehme Krümmen, ^ und verfolgt nachläßig ihren Weg, weniger weil das Land Hort sich neigt, als von der eigenen Wassermasse von oben fort. Pfai gewälzt; bald benetzt ihr zierlicher Lauf die grünen Wiesen ^ ^ wie mit einer silbernen Schnur, bald verräth sie sich nur ^ . Ve l an den Wassergesträuchen in deren Schatten sie ihren engen .. vrgr Canal zu verstecken scheint. ^ , Das Dorf Lourr, welches man bald erreicht, leiht jh„ seinen Namen den letzten Felsen, so wie Münster den er- ^ in d sten. Die meisten Reisenden ziehen indessen diese hier vor; die < und wirklich haben sie an colossalischer Grösse, Höhe, Ver. ! für schie. welche m von kehr in welche Zügen durch» as Au» cleben, m Ab. ygeht, igsam, net in nmen, l Land ii fort» Wiesen ch nur engen > leiht >en er- r vor; , Ver. chie. schirdenheit der Bildung, und an befremdenden Seltenhei. ten die keine andre Landschaft besitzt, vieles vor den Mün, sterscheu Felsen zum voraus. Ein einiger Umstand nur scheint diese Strasse etwas unangenehm zu machen; eine Menge verstümmelter Tannen nämlich, denen man unge' fähr zween Fuß hoch von der Wurzel ein grosses Stück Rinde abgezogen hat. Doch was für den Reisenden etwas betrübend ist, das bringt dagegen dem Bauer einen ergiebigen Gewinn, da er das Harz, welches aus diesen Ein, schnitten tröpfelt, sorgfältig sammelt, an Brodte schlägt, und zu verschiedenem Gebrauch verkauft. Dieser kleine Handelszweig trägt, wie man sagt, der probftey jähre lich mehr als , ;ooo. Livres ein. Nachher kommt man in das Dorf Bevillard, und hört mit Vergnügen, daß diese und die damit verbundene Pfarre, die sich damals weit ins Gebirg hinein erstreckte, zu Anfang dieses Jahrhunderts einen Vetter der Madame de Maintenon zum Prediger hatte, der Samuel d'Au, big»« hieß, und ein Enkel des berühmten Theodor Agrip» pa war. Seine Baase versuchte zu wiederholten Malen, ihn durch glänzende Versprechungen nach Frankreich, und in den Schoos der römischen Kirche zurückzulocken; allein die Stimme der Ehre und des Gewissens machte ihn taub für die Stimme des Ehrgeitzes. Seine Enkelin lebt noch in Z26 in der probstey, und ist nun in ihrem Alter der Gegenstand der Wohlthätigkeit der Republick Bern, woher sie ein Jahrgeld empfängt. Den ersten Tag auf dem Wege von Basel nach Viel kömmt man auf das Dorf Mallcray. Reifenden, wel. che für gute Wirthshäuser besorgt sind, dient zu wissen, daß das Wirthshaus dieses Dorfes von sehr braven und geschickten Leuthen unterhalten wird, und eins der beßten und wohlfeilsten in der Schweitz ist. Die umliegenden Gegenden waren i. I. 1)67. der Schauplatz eines für Js. haun von Vienne, Bischof zu Basel, sehr nachtheiligen Krieges. Dieser Prälat, der den Helm der Bischofsmütze, und dem Hirtcnstab die Lanze vorzog, kannte kein besseres Mittel, die Bündnisse zwischen Bern und Viel zu zertrennen , als die letzter Sradt in Brand zu stecken; daher er. griffen Viel, Solothurn, und ihre Bundsgenossen von III. waldftätten, die Waffen gegen ihn. Derselben vereinigte Truppen bekannten dann die Verschanzungen, wel. che der Bischof bey Pierrcpertuis hatte aufführen lassen; schleiften seine Festung, auf die er viel hielt, und liessen ihn den Brand von Viel durch seine Niederlage, und durch Fcuerverheerung mehrerer Dörfer der probstey theuer be. zahlen. Das kleine Dorf Reconvillier, welches auf Mel. leray folgt, ist in den Zeitbüchern des Vaterlandes nicht we- weniger berühmt; denn hier wurde 1486. zwischen dem Bischof von Basel und dem Canton Bern ein für die probstey sehr vortheilhafter Friede geschlossen, welcher der erste Ursprung des Bürgerrechts war, das ihr so lieb und so wichtig ist. Zuhinterst im Thale endlich befindet sich das Dorf La. vannes (DachofeldenDaS hiesige Schloß, welches im I. ,499. abgebrannt, gehörte ziemlich mächtigen Edel- leuthen, deren Namen man schon zu Ende des XIII. Jahr. Hunderts auf dem Verzeichniß der Glieder der Regierung findet, welche der Bischof für die Rleine Stadt Basel angeordnet hatte. Margarecha die letzte vom Hanse von Lavannes heurathete einen Grafen von Soulx, der zu dem seinen auch den Namen seiner Gemahlin annahm; und dieser war der Vater des Mareschals von Tavannes. Jedermann weiß, daß der Mareschal auf seinem Toddette, als man in ihn drang zu gestehen, welchen Antheil er an der St. BartholomLus.Meylung genommen hätte, sagte; Er sehe dieselbe für eine der beßten Handlungen seines Lebens an. Zehn Minuten über dem Dorfe entspringt die schöne Birs.«Quelle aus einem bemoosten Felsen , setzt gleich bey ihrem Entstehen drey Mühlenräder in Bewegung, und vermehrt die Zierde einer ohnehin rechenden Landschaft. Nach, Nachdem man sich an ihrem neugeborenen Gewässer gela« bet, das hier schon von kleinen Forellen bevölkert wird, und, wie Hora;, den Genius deck Orts begrüßt hat, ver. läßt man diesen Fluß nur nngcrne, und scheidet von ihm, wie von einem treuen guten Freunde, der den Reisenden, welcher ihn beynahe immer zur Seite hatte , den ganzen Weg von Basel her, eine Strecke von fünfzehn Stunden hindurch, unaufhörlich ermuntert, erfrischt und belustigt; und man würde seinen Verlust noch mehr empfinden, käme man nicht gleich einige Schritte weiter hinan zu dem so berühmten Durchgang Pierrepertuis, der schon so oft beschrieben und gezeichnet worden, und wirklich so merkwürdig ist. Die Oefnung dieses weitem, unter einem Felsen durchgchndcn Gewölbes ist nicht regelmäßig, mag etwa vierzig Fuß hoch, und etwas weniger breit seyn. Es ist weder eine Arbeit der Kunst noch des Wassers, wie so viele Alterthums-und Naturforscher behauptet haben, wohl aber sonst ein Werk der Natur. Da die Erbauer der römischen Strasse diese Verbindung der einen Seite des BcrgeS mit der andern schon fertig fanden, so liessen sie ihren Weg da hindurchgehen, der nun zu den Sequanern so wohl als zn den Raurackern führte. Selbst die Innschrift, welche über dem Gewölbe ein wenig zur Seite steht, sagt nicht, daß dieser paß eröffnet, sondern zurechtgemacht worden sey. Diese Innschrift, die von den meisten unrichtig angeführt und gelesen, auch von den Antiquariern so sehr verschieden nachgezeichnet wird, ohne Zweifel je nach dem Systeme, welches sie damit erhärten wollten, ist auf der Vorderseite des Felsen eiugehauen, welche gegen Münster, that Hinsicht. Die linke Seite derselben ist offenbar mehr ausgelöscht als die rechte; denn diese wird von einem kleinen Uebcrfchuße gegen das Gewässer, welches bey Regen und Thauwetter von der Höhe herabfließt, beschirmt. Sie ist eben nicht vom schönsten römischen Charackter; es ist aber auch nicht wahrscheinlich, daß man einen Künstler aus Welschland habe kommen lassen, um einige Buchstaben oben auf den I«ra zu graben. In der ersten Linie sind dieselben beynahe um die Hälfte grösser als in der letzten. Hier ist die Aufschrift selbst, so wie sie für gute Augen dießmal noch lesbar ist, und wie sie Herr Frsne, Prcdi. ger zu Lavannes, auf einer hohen Leiter abschrieb ein in den Alterthümern, in der altern und neuern Schwe rer. Geschichte, und besonders in der Geschichte des Bisch»,ns Basel sehr bewanderter Geistlicher. —. VN V!L ciäkLK IV/ VVI VülkLlLK »V/ Iivlk coi. NHVL — ZZo Die Alterthumsforscher haben sich heftig gestritten, wer diese Augusti gewesen seyn möchten; und der P. Dünod wurde auch hier, wie bey so vielen andern Gelegenheiten, tapfer widerlegt. Er wollte nämlich behaupte», es sey hier von den Kaysern Balbinus und Pupianus die Rede; allein die meisten Stimmen vereinigten sich für die Markus Aurelius und Veruo, welche gute Freunde der -Hclvetier gewesen, grosse öffentliche Gebäude errichteten, und die ersten waren, welche ohne Beyfügung eines andern Namens Augusti hiessen; wie das aus mehern Jnn- schriften , und unter, andern aus der marmornen Ge- lübdstafel erhellet, die man in einem Vorzimmer des Rath. Hauses zu Lausaune sehen kann. Ein anderer eben so wichtiger Streit erhub sich darüber, ob das Durvum, das man zu lesen glaubte, der Name eines Bergs oder ei. nes Menschen wäre? Die Puristen behaupteten nämlich, es sey nicht allein der Zierlichkeit der Sprache sondern auch selbst der lateinischen Grammatick zuwider, das Vorfttzwort ^ anstatt a zu gebrauchen," um den Urheber eines Werks anzuzeigen; und fanden noch darüber grosse Ähnlichkeit zwischen Durvuo und -'rval, oder Dürveau, wie das Thal Lavanneo noch jtzt benennet wird. Ihre Gegner be, haupteten dagegen, man schreibe auf ein Werk das an ei« nem Orte bleibt keineswegs den Namen dieses Orts selbst; indem dieß eben so ungereimt wäre, als das in Frankreich so 3Zr so bekannte: Diese Brücke ist hier verfertigt; folglich sey Durons der Name einer Magistratsperson von Aven, cheo, vom Geschlechte paternuo, welches schon auf zwey andern Inscriptionen verewigt ist ; einer zu Villars leMo. ine, der andern zu Solsthurn. Nach einigen soll diese Familie dem alte» patermacum (payerne) seinen Na. men gegeben, nach andern ihn von diesem Orte empfan, gen haben. Zur rechten Seite der Oeffnung klimmt man einem schmahlen Fußsteige nach auf die Höhe der Felsen; wo man grosse Tannen antrift, die hier auf den Gränzen zweyer Völker, welche diese Art von Porte von einander scheidet, gleichsam Schildwache stehn, und einen treflichen Stand, punkt haben, um von beyden Seiten in eine weite Ferne auszukundschaften. Wendet man sich, nachdem man da- Gewölbe paßiert hat, ungefähr in einer Entfernung von fünfzig Schritten um, so hat man einen wahrhaft optischen Anblick. Ein Vorhang von Tannen verschließt alsdann die Oefnung; da sie aber nur dünne stehn, so erblickt man durch ihre Aeste den blauen Himmel, die grünen Wiesen, den Anfang des Birostroms, und die Häuser zu Tavan. nes zwischen hindurch. Von vollends reihender Täuschung ist diese Aussicht, wenn die probste? von der Sonne be» leuchtet wird. Von ZZr Von Va steigt man bald wieder auf einen» guten aber steilen Wege an der andern Seite des Jura gegen Viel hinab. Hier kömmt man an die Marche, die das Erguel vom grossen Münsterthale scheidet, und geht durch Sau» ceboz, das erste Dorf des St. Immerthalo, welches ein froheres, weniger schauerliches Gelände als die probstey, durch seine seltsame politische Verfassung aber eben so merk. würdig ist. Dieß schöne Thälchen durchstießt die Süß, eine zierliche Schwester der Birs. Wechselweise wässert dieser klare Fluß reiche Matten, umschlingt kleine mit Eichen bewachsene Inseln, und zeichnet in seinen Wellen. Falten eine Menge vereinigter Parthien, grüner Lauben und Waiden in dem einsamen Thale, das sich von Son» cebo; nach Reuchcnette erstreckt. An diesem letztem Orte befinden sich Bäder, deren Lage etwas Furchtbares hat. Ehe man dahin kömmt, bildet die Süß einen zierlichen Wasserteich; stürzt stch dann, gleichsam um desto schnei, ler den Vieler. See zu erreichen, mit Brausen den Felsen herunter, und bildet den zierlichen Wasserfall zu Rondchatel. 1 i ^> 7 -^