Der riumphierexde hrtst, Oder Die letzten Reden / und aufftt«- ordentliche Bezeigen Eines Englischen Edelmanns, Der Den 5ten Herbstmonat 1725. im 59. Jahr seines Alters in die selige Ewigkeit eingegangen. Aus dem Tagbuch einer Person die Ihm in seiner Krankheit zu Hände gegangen treulich ausgezogen. Nun zur Erbauung und Gottseliger Nachahmung wieder aufgeleget, Von David Felß , Diener Göttlichen Wort-. St. Gallen: / M - 7 6 6 . Gedruckt, bey Leonhard Dieth sel. Wittik -r . > .. -s > ^ D . ? r 4L.' I , ..-.) ^ , H, H -. ' / ' 'O !- « EM ^'».7. - >-^r- . ^ ^ ^ (- ^ ^ r > 4 ^ ' > >7r^ »! ? f> M ' " i ' ' " -i- "7-?-'.-"7- >x».> .' e mr.7/ Ätzj iL.! L! ^ Äjä -FAü'r ^ SÄÜ7-/7. rr,, ^ . . -7,--»'r-'-A rKW^ - . E ru«ÄM.'.-'fZ >1/ ... - ^ .Lrr?M u^r.iMW Wtti2> ^WZ ÄGA : rnUgO .^G s 7 1 EW .-f- ^E s«i5r-?rS'Sr- , WEiA 4^ » » K G K K G K K E§WJe man bey Herausgebung gegenwärtk- ger Erzehlung mehr auf den Nutzen -er EW' Leser, als auf die Erhebung des Verstorbenen oder seiner hinterlassenen Anverwandten siehet; indem keiner von ihnen nöthig hat, sein Ansehen auf solche Art zu vergrösseren: so werden wir den Namen, das Geschlecht, und die Wohnstätte unsers theuren und in dem HErrn entschlaffenen Freundes, dessen letztes Bezeigen der Inhalt dieser Blätter ist, mit Fleiß verschweigen. Jedermann kan sich versichert halten, daß es mit dieser Erzehlung seine völlige Richtigkeit habe, und fast von Wort zu Wort dasjenige aufgezeichnet worden sey, was der verstorbene Herr zuletzt gesprochen hat. Die Ehre GOttes und der Nutzen seines Nächsten waren der zwiefache Endzweck , den er jederzeit vor Augen hatte: und ich würde nicht redlich an ihm handeln, wenn ich bey diesem Werk, welches ihn so nahe angehet, nicht gleichmäßige Absichten führen solle. Und daher» sehe ich lediglich auf die Ehre GOttes, und da- Heil der Seelen. Der HErr gebe, daß in beyden der Zweck erreichet werde! Was von diesem gottseligen Herrn nöthig zu sagen, ist dis r -aß er ein geborner von Adel ae- A» welen. 4 Der trmmphirende Christ. Wesen, und von geehrten und Christlichen Eltern entsprossen sey; ohngeachtet sie sich zur Englischen Kirche, wie er selber bis an sein Ende gethan, nie bekannt haben. Er war ein einiges Kind und Erbe von zwölf hundert Pfunden jährlicher Einkünfte : die er nun mit einigen Zusätzen einem Sohn und zwoen Töchtern, den Erben seines Vermögens und seiner Tugenden , hinterlassen hat. Seine Gemahlin, eine wahrhaftig gottselige Christin, starb einige Jahre vorher. Er hatte in feiner Jugend eine recht gute Erziehung, war einige Zeit auf einer holländischen Universität, wor- nach er ungefehr zwey Jahr reisete, sodann nach Engelland zurück kehrete, sich verheurathete, und auf seinem eigenen Landgut, nahe bey einer gewissen Stadt, vhngefehr fünfzig Meilen von London, häußlich niederließ: allwo er fünfund dreis- stg Jahr nach einander, wenig Tage ausgenommen, seinen Aufenthalt hatte, bis er diese Gegend mit dem stillen Grabe verwechselte. Er war ein Mann von grosser Erkentniß und Erfahrung in göttlichen Dingen, und hatte schöne Naturgaben. Sein Betragen war liebreich und freundlich, seine Person Wohlgestalt, seine Con- versation jederzeit vernünftig, erbaulich und angenehm. Er war demüthig, höütch und leutselig gegen jedermann, sehr mildthätig gegen Arme, insonderheit wenn sie GOtt von Herzen fürchteten. Manche Familie, die sonst zu Trümmern gegangen wäre, hat er durch seine geheime Beyhülfe vom Untergänge errettet. Sein Haus war ein kleines Heiligthum, eine Gegend , wo GOtt wohuete / oder wie es eigentlicher möchte zu nen- D« trmmphirendr Christ. e uen seyn/ eine Gesellschaft, die -er HErr segnete , und von welcher GOtt geliebet, hochgehalten und beständig gepriesen wurde. Es Herrschers unter ihnen Einigkeit, Friede und Wohlgewogenheit. Sie waren alle fromm ohne Aberglauben und rechtschaffen ohne Heucheley, und stunden bey allen , die sie kannten, wenn dieselben auch gleich der Lonfeßion nach von ihnen unterschieden waren, in besonderm Ansehen. Niemand karr bey seinem Absterben von allen seinen Bekannten so beklaget werden, als der verstorbene Herr betrauret wurde. Drey Monate vorhero gieng er in sein s9tes Jahr : nachdem er seine vorhergehende Zeit zu GOttes Ehren und des Nächsten Nutzen in Gottseligkeit und Liebesdiensten zugebracht hatte. Ausser dem, was jetzo gesagt worden, brauchen wir weiter nichts, diese Bekantmachung zu rechtfertigen : bewrab da wir uns versprechen können, selbige werde unter göttlichem Segen vielen rechtschaffenen Seelen beydes im Leben und Sterben sehr nützlich seyn. Jedoch wollen wir unsere Gedanken mit der Genehmhaltung eines grossen und gottseligen Mannes bestätigen, und uns die Freyheit nehmen, dessen Gedanken mit seinen eigenen Worten anzuführen: Es ist wahr, spricht er, nichts ist in der Historie dem Leser so nützlich, als sothane Nachrich, ten von dem Tode hoher Personen, und von ihrem Verhalten bey diesen betrübten Umständen. Ich mag auch hinzufügen , daß nichts in der ganzen Historie A; zu s Der triumphirende Christ. ZU finden, welches den Leser auf eine so empfindliche weise angreiften und in Des wegung bringen könne. Die Ursache ist meinem Bedünken nach diese : weit nicht alle Umstände, so in der Historie einer Person zu finden sind , bey einem jeglichen Leser wieder vorkommen können. Eine Feldschlacht oder ein Triumph sind Thaten, welche von vielen taufenden nicht einer verrichten kan : allein, wenn wir einen Menschen mit dem Tode ringen sehen; so können wir uns nicht einbrechen , auf alles, was er saget und thut, genau zu merken; weil wir gewiß versichert sind, daß wir dermaleins selbst in eben dergleichen ängstlichen Umständen seyn werden. Der General, der Staatsmann, oder der Weltweise sind vielleicht Personen, welche wir niemals vorstellen können: allein der sterbende Mensch ist eine Person, mit welcher wir über lang oder kurz in ähnliche Umstände kommen werden. Der Leser wolle übrigens zu bedenken geruhen, daß hier nur die Reden des sterbenden Herrn zu finden, und fast in eben der Ordnung , als er fie ausgesprochen hat, von Wort zu Wort niedergeschrieben find. br Der trimnphirende Christ. - Er starb an der Schwindsucht, die in drey oder vier Jahren ihn nach und nach auszehret« und endlich überwältigte. Das letzte Jahr war er nicht sonderlich krank: indem unter göttlichem Segen die Artzeneyen zur Verwunderung aller, die ihn sahen, wohl anschlugen; behielte auch, wie in solchen Fällen sonst ungewöhnlich ist, bis an sein Ende ein aufgewecktes Gemüth. Man wei- sich nicht zu entsinnen , daß er seine ordentlichen Berufsgeschäfte eher, bey Seite gesetzet, oder den gewöhnlichen Umgang mit seinen Freunden eher abgebrochen habe, als bis sein Lebenslicht auf einmal, nachdem die natürliche Feuchtigkeit ganz vertrocknet und die Lebensgeister erschöpfet waren, wie die Flamme einer verlöschten Fackel, ausgegangen. An einem Sonnabend zu Mittage, den Tag vor seinem Ende, spührete er bey sich eine grosse Veränderung : welcher Zufall alle seine Angehörigen , aber ihn nicht, in Schrecken setzte. Auf ihr Begehren, aber wider seinen Willen, wurden alsobald Aerzte herbey geruffen : welche blos die Meynung, worinn er samt allen seinen Freunden -und, bestätigten, nemlich, daß ihm unmöglich zu helfen stünde, die Natur ganz entkräftet und das Ende nahe wäre; welches auch wenig Stunden darauferfolgete. Hierauf ließ er drey Freunde nebst seinen Kindern in sein Zimmer kommen; wo er unter allen ihren Thränen und Klagen mit rocht gelassenem Gemüthe sie auf folgende bewegliche Weise anredete: „ Meine theuren Kinder und Freunde. Ich »habe euch holen lassen, um von euch Abschied A 4 »r« z Der triumphirende Christ. « zu nehmen/ und euch samt der ganzen Welt gu- „ te Nacht zu geben. Ich gehe dahin / wo wir «uns hoffentlich in Freude wieder sehen werden, ,, und komme nicht wieder zu euch. Die Gegenden und Menschen- welche mich gekannt - wer- « den mich weiterhin nicht sehen. Kommet nun, «meine lieben Kinder, und küsset euren sterben- ,, den Vater. Ihr habt zu dieser letzten Liebes- „ bezeugung wenig Zeit mehr übrig. Mein Ende «ist nahe. Betrübet euch nicht so sehr: nichts, « als eure Thränen , können mich beunruhigen. »Ich sterbe. O ein wichtiges Werk! Um sol- «ches recht zu verrichten, sind alle meine indische « Angelegenheiten in Ordnung gebracht. Ich wer- « de daran weiterhin nicht gedenken : ich werde «keinen Augenblick denselben ferner widmen. Nur «wenig, sehr wenig Stunden sind, wie ich gewißlich weiß, noch übrig : GOtt gebe, daß ich sie « wohl anwenden möge. Ihr werdet in meinem « Testament finden , wie ihr mir alle gleich lieb «seyd, und wie ich den Gehorsam und Liebs, so »mir ein jeder von euch in seiner ganzen Lebenszeit erwiesen hat, dankbarlich erkannt habe. » GOtt vergelte euch dieselbe mit herrlichern Gü- »tern, als ich euch zu hinterlassen fähig bin. Ich « habe nicht nöthig, neue Instruktionen denenje- «nigen hinzuzufügen, welche ich bereits in unserm »Umgang gegeben , und die ihr auch angenom- » men und practieiret habt. Sie sind zu eurem «Betragen gegen GOtt und dem Nächsten hin- «länglich. Fahret fort, wie ihrs bisher gethan « habt, und erinnert euch der Worte eures sowohl «lebenden als sterbenden Vaters. Der GOtt « des Der triumphireude Christ. - „des Friedens sey mit euch. Der allmächtige „ GOtt Jacobs segne und bewahre euch. Euer „Vatersgott und euer Buudesgott sey euer ge- „ genwärtiges Erbe und euer ewiges Theil. Der- „selbe erhalte euch in dem seligen Zustand, wo- „rinn ihr euch gegenwärtig befindet, und versichere „euch immermehr der zukünftigen Herrlichkeit. „Lasset die Ehre GOttes zu allen Zeiten euren «Hauptzweck seyn. Was ihr redet, gedenket „ oder thut , lasset schnurstracks dahin gehen. «GOtt gebe, daß ihr nützliche Glieder der menschlichen Gesellschaft überhaupt, und gesegnete «Werkzeuge vieles Guten bey dem Volke JE- „su Christi, unsers theuren HErrn und Meisters, „seyn möget. » Meine theuren Freunde, worunter ich auch „euch, meine geliebten Kinder, mit begreiffe, die „ihr so viele Jahre meine besten Freunde und „Compagnons gewesen seyd. Ihr sehet meine „innigliche Liebe gegen euch: alle Zärtlichkeit mei- „ ner Seele reget sich. Nichts in der Welt erre- « get in mir die mindeste Begierde, länger hier zu „ verbleiben. Ihr allein verursachet, daß ich nicht „so leicht von hinnen gehen kan. Meine Zuneigung gegen euch ist recht herzlich: und wäre ich „ nicht vollkommen verfichert, daß wir wieder zu- „ sammen kämen; so würde mir das Sterben sehr „schwer eingehen. Mein, laßt mich dieser „ Schwachheit nicht länger nachhängen. Ich ge- «he zu unserm theuersten HErrn und Meister, «dem segensreichen JEsu, und mit demselben laß „ ich euch zurücke. Er wird mir den Verlurst mei- « ner Kinder und alles dessen, was mir in diesem A 5 »Leben I» Der triumphirenbe Christ. » Lebe« lieb und angenehm ist, und euch den Verdurst eures Vaters vollkommen ersetzen. Da er sich nun hier so heftig bemühete, seine Thränen/ die zuweilen stark hervor brachen, aufzuhalten, und die Bewegungen seines Gemüths, welche durch die Thränen und Betrübniß seiner Kinder und Freunde waren erreget worden, zu dämpfen , sank er in seinem Bette nieder, und ward ganz ohnmächtig. Jedermann vermeine- te, er wäre todt: allein in einigen Minuten kam er wieder zu sich, nahm auf der Freunde Zureden etwas von einer Herzstärkung, begab sich zur Ruhe, und schlief oder schlummerte vielmehr ohngefehr zwo Stunden. Nachdem er hierdurch in etwas erquicket worden war ; so hub er von neuem also an: „ Lieben Freunde, wir wollen mit einander be- „ten: dem Vermuthen nach wird dis das letztenmal seyn. Kurz zuvor vermeinete nicht, daß „darzu noch einmal Gelegenheit haben würde. „Ich stehe an den Pforten der Ewigkeit, und „werde, wie ich gewiß versichert bin , in wenig „ Minuten dahin fahren. Ich muß auf meinem „Bette, in der Positur, darum ich bin, liegen blei- „ben, und kan nicht mederknyen.,, Worauf er mit der grösteu Ruhe des Gemüths und nach feiner gewöhnlichen Fertigkeit also betete: » Herrlicher und heiliger GOtt und HErr! „du bist unendlich, ewig und unveränderlich, der „allein lebendige und wahre GOtt, mit allen er- „ sinnlichen Vortreflichkeiten und Vollkommenhei- „ ten begäbet. Du wohnest in einem unzugänglichen Licht, wozu sich weder Engel noch Men- scheu Der triumphirende Christ. n „ fchen nahen können. Du, o HErr! bist noth- „ wendig von dir selbst, das höchste Wesen, von „welchem wir Leben, Odem und alle Dinge ha- „ ben. Du bist der hohe und majestätische GOtt, „ der die Ewigkeit bewohnet. Ehe denn die Ber- „ ge worden, und die Erde und die Welt geschaf- „ sen worden, bist du, GOtt, von Ewigkeit zu „ Ewigkeit. Bev dir, o GOtt, sind keine Ver- „ änderungen und Abwechslungen oder der nun- ,, deste Schatten von denselben. Abnehmen und »Tod sind das Loos und der Verdienst der fterb- „ lichen und fündlichen Creaturen. Du bist der »Oberherr der Welt. Du bist der GOtt der »Natur , der GOtt der Gnaden, der grosse »Schöpfer und Besitzer des Himmels und der „Erden, und aller Dinge, die darinnen sind. » Diese, o HErr! offenbaren deine Herrlichkeit »und find unleugbare Zeugnisse deiner unendli- »chen Weisheit und Macht. Wahrhaftig glück- „ selig und glückselig allein sind diejenigen, die Theil „ an deiner Gnade haben. Darinn ist Leben, und „ deine Liebe ist besser denn Leben. Du bist die ,, einzige Quelle wahrer Glückseligkeit. Trübsalen bey deiner Gnade sind unendlich besser als »Befreyungen von der grössesten Noth ohne die- »selbe. GOtt zu unserm Theil haben, und aller „ Nothwendigkeiten dieses Lebens ermangeln, ist „unvergleichlich anmuthiger, als Reichthum, „Macht und Ehre, als Vergnügen und Herrlich- „ keit der Welt ohne GOtt. Deine Vorsehung, »so alles regieret, hat auch ihre Hand bey allen „ Zufällen der Menschen. Wir nahen uns zu »dir, o GOtt! in tiefster Ehrerbietung und Demuth, » Der triumphirende Christ. „Demuth, und erkennen deine Majestät und „Vollkommenheiten/ und den unendlichen Unterscheid , der sich findet zwischen dir, der du die „Reinigkeit und Vollkommenheit selbst bist / und „zwischen so unreinen und sündlichen Creaturen, „ als wir find. Du bist, o HErr! weit über al- „les Lob erhüben, und die Verehrungen der höch- „sten Creaturen sind zu schlecht für dich. Du „lässest dich so weit herab, daß du an der vollkommenen Anbetung und dem Gehorsam der Aus- „ erwehlten im Himmel ein gnädiges Gefallen träfest: aber wie wunderbar ist deine Güte, o HErr! „daß du auf diejenigen stehest, welche in leimer- „nen Hütten wohnen, und aus Staub gemacht „ sind? Unser Trost ist, daß wir einen vermö- „gmden Fürsprecher bey dir haben , Christum « IEsum, der gerecht ist, unsern vollkommenen „Mittler, den HErrn, der unsere Gerechtigkeit „und Stärke ist, durch welchen unwürdige und „ohne ihn Verlorne Creaturen einen Zugang ha- „ ben, und ihrem grossen Schöpfer wohl gefallen „mögen. Die Genugthuung Christi, welche „der göttlichen Gerechtigkeit geschehen, ist voll- „ kommen : er ist gestorben, der Gerechte für die „Ungerechte, um uns wieder zu GOtt zu bringen. Der ehedessen unser erniedrigter, leidender und gecreutzigter Heiland war, ist nun zwar -.unser erhöheter HErr und König : aber der «gleichwol noch jetzo als unser Fürsprecher sein ei- ,,gen Verdienst zum Besten feiner Kinder vor den «Thron GOttes bringet, und durch seine Für- „ bitte alles Gute, so den Seinigen in Zeit und „Ewigkeit nöthig ist, zuwege bringet. Durch Der triumvhirrnde Christ. »; »ihn allein wollen wir, HErr, zu dir kommen. „Laß diese Handlung ein Werk seyn , wodurch »wir mit dir genau zusammen fiiessen mögen. »Was wir dir, o GOtt darbringen, laß von dir herab kommen, und wieder zu dir hinauf stet- »gen. Erfülle unsere Herzen mit deinem heili- » gen Geist. Laß unser Beten um Christi Fürbit- »te willen dir Wohlgefallen : so können wir der » Erhörung versichert seyn. Ich liege jetzt, o GOtt, » auf deinem Fußschemel, und soll mich bald vor »deinem Nichterstuhl stellen. O sey mit mir in „meiner letzten Todesstunde! Das Ende ist na- ,.he: ich weiß, daß ich gewiß zu dir kommen »werde. Mache mir den Durchgang, wenn es »dein Wille ist, leicht. HErr, vollführe in mir »dein Werk, deine Liebe gegen mich. Laß mich „diese letzte Pflicht, so du mir anbefohlen hast, „im Segen verrichten. Laß dis die seligste Zeit „ seyn, so ich jemals gehabt habe. Laß mich sterben zu deiner Ehre, in deiner Liebe, zum Nutz »derer, die mich kennen oder von mir hören. O » daß sich alle mögen bewegen lassen , den GOtt »zu ihrem Theil zu erwehlen, welcher, wenn sein »Volk in Nöthen ist, alsobald bereit stehet, dem- »selben zu helfen. Um JEsu Christi willen ver- » gib mir alle meine Sünde: siehe nicht an mein „ mangelhaftes Leben. Erlaß mir aus Gnaden, „was deinem heiligen Gesetz und deiner Natur zu- »wider gewesen ist ; was ich Gutes unterlassen oder Böses gethan, was ich aus Unwissenheit »oder mit Wissen verübet habe, Summa, wef- »sen mich deine göttliche Gerechtigkeit beschuldigen kau. Wasche mich in dem Blute Christi von »aller »4 Der triumphirende Christ. „aller Uneinigkeit, sowol der Erbsünde als würk- „ liehen Uebertrettung. Erffrlle nun, HErr, ver- „ möge des Bundes , den du mit deiner armen „Creatur gemacht hast, deine Zusage. Olkomm „du herrlicher Geist, heilige mich an meinem Lei- „be und Geiste ganz und gar, und schenke mir „zu meiner Erqutckung den Frieden, welchen du, „oHErr ! allein geben karrst: bewahre denselben „bis aus Ende, bis der Streit vorüber, und der „Tod in den Sieg verschlungen ist. Gib, daß „mich weder falsche Furcht beunruhige, noch fal- „sche Hoffnung bekriege. Laß mich, o HErr: dei- ,,nen Zorn nicht erschrecken. Gestatte dem grossen Feind der Seelen nicht, daß er mich mit „Fäusten schlage. Laß das Andenken meiner „vorigen Sünden mich nicht niederschlagen. Gib „ mir zu erkennen, daß ich wegen meines theure» „Erlösers begnadiget, ja vollkommen begnadiget „ sey. Gib mir, o HErr! eine Versicherung dei- „ner Liebe: und laß den besten Grund derselben „seyn, daß dein Geist innerlich Zeugniß gebe nrei- „nem Geist, daß ich GOttes Kind sey Antworte mir jetzv irr Gnaden auf meine Gebete, „die ich bey gesunden Tagen um Zubereitung auf „ weinen Tod zu dir abgeschicket habe. Ist es, o „HErr, dein Wille: so erhalte den Gebrauch „meiner Seelenkräfte bis ans Ende: damit ich „bis an den letzten Odem und mit demselben dich, „meinen GOtt, möge loben und preisen. Zei- „ge mir die ersten Proben deiner Treue, Macht „und Liebe, und gib mir ein unleugbares Zeug- „niß, daß Religion mehr als Speeulation, und „ein wurcklicher fester Grund in -er Seele sey. Der triumphirende Christ- „Laß sodann meinen Tod einen sanften und feli- „gen Uebergang seyn, aus einer sündigen, ver- wirrten und unruhigen Welt zur Unsterblichkeit, „zum Frieden , zur Seligkeit und Herrlichkeit „GOttes und Christi. Ich übergebe meine „Freunde und Familie, welche ich nun verlas- „ftn muß, deiner göttlichen Gnade. Dein Se- „gen, o allmächtiger GOtt, sey beständig über „ihnen. Was Christus erworben hat, und weilen dein Bund uns versichert, daß sey ihr Theil „ nun und in Ewigkeit. Führe sie hier durch dei- „nen Rath, und nimm sie endlich zu dir. Erhöre „uns, HErr! antworte in Gnaden in dieser „Stunde: denn die folgende möchte die letzte seyn, ,.um JEsu Christi willen , in welchem wir alle „Gnade von dir hoffen. Gib einem jeden von „uns, was uns jetzt und in Zukunft mag nöthig „ seyn ; und weshalb wir die gröste Ursach haben z, mögen , dich in der Zeit und in die Ewigkeiten ,, der Ewigkeiten zu preisen. GOtt dem Vater, „Sohn und heiligem Geist, der allein Unsterblichkeit hat, dem unsichtbaren und allein weisen „GOtt, sey Ehre, Herrlichkeit, Anbetung, Lob „und Preis von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen. Die Länge seines Gebets und die ungemeine Heftigkeit, und der Ernst, womit er selbiges aus- sprach, und der sich schwerlich vorstellen lässet, hatten seine Kräfte dergestalt erschöpfet, daß er dey nahe eine Stunde ohne Bewegung und sprachlos lag: da inzwischen der Prediger von der Gemeine , zu welcher er gehöret-, nachdem derselbe von dessen Unpäßlichkeit benachrichtiget worden war, ankam, ihn zu besuchen. Dieser Mann «6 Der triumphirrnde Christ. i- ein rechtschaffener Christ , von grossem Nachsinnen, Gelehrsamkeit und Meriten, und hat ohn- gefehr zwey und dreyßig Jahr im Amte gelebet. So bald nuu unser theuerster Freund desselben ansichtig ward, hieß er ihn willkommen, und sagte mit einer wunderbaren Munterkeit: «Wehrte- „ster Herr! Ich freue mich , sie zu sehen, und „ zwar bey dieser Gelegenheit. Sie kommen zu „rechter Zeit, um ihrem sterbenden Freund die „ letzte Liebe zu beweisen. Setzen sie sich: ich hof- „ fe, sie sowohl als fch werden über mein Ende sich „zu freuen Ursach finden. Ich habe einen Frie- ,,den in mir, der nicht zu beschreiben ist : ich füh- „ le, ich empfinde ihn; allein keine Worte find ver- ,, mögend, ihn vorzustellen. Sie werden finden, „meinwerthester Herr, daß ihre Arbeit nicht ver- „geblich gewesen, ich kan das Gegentheil beweisen : gelobet sey GOtt! Ich danke ihnen für „ die nachdrückliche Predigten, die ich so viele Jahr „gehöret habe. O der gesegneten Diseourse! O ,,der kräftigen Gebete! Ich danke ihnen, mein „Herr Prediger, für den gottseligen und erbauli- „chen Umgang, dessen sie mich und meine Familie „ so oft gewürdiget haben. Fahren sie bey ihnen, „bitte ich, damit fort: sie achten selbigen so hoch, ,, als ich, und werden ihnen dermaleins auf dem „Todbette, wie ich, dafür danken. Was mich „anbelanget: so werde nun bald in dem Zustand seyn, wo man nicht mehr die ordentlichen Heils- „ Mittel gebrauchet; ich werde seyn in dem seligen „und vollkommenen Besitz alles dessen, so sie hiev „ vorstellen und wohin sie führen. »Ist es nicht wunderbar / mein Herr, daß »em Der triumphirende Christ, «7 «ein so armer Sünder, als ich bin, auf seinem „ Todtenbette so ruhig ist, und zwar eben, da er „vor dem grossen Richter der Welt erscheinen soll? „daß eine so abgezehrte verfallene Creatur, wel- « che ausser einer verwelkten Haut, so an den dürfen Beinen klebet, kaum einige Reliquien vott «der menschlichen Natur an sich hat, vermögend' « ist, zu den Umstehenden also zu sprechen ? GOtt «ist mir jederzeit gnädig gewesen : ich habe es in >> tausend Fällen erfahren , und bin versichert, es «werde auch so bis ans Ende verbleiben. Er ist der GOtt, der mich die Zeit meines Lebens ge- «speiset/ gekleidet und erquicket hat. Nacht und «Tag hat er über mich zu meinem Besten gewa- «chet: unter der Arbeit und zur Zeit der Ruhe «hat er für mich gesvrget» An dem Tage/ itt «der Stunde/ ja beynahe indem Augenblick/ da «ich geschrien / hat GOtt mir geantwortet und « mich errettet. Wenn niemand als er durch sei- « nen Arm mir helfen können: so hat ers vollkvm- « men gethan. Ich habe ihn nimmer vergeblich «angelassen. Wir mögen demnach leben oder «sterben: so sotten wir die Güte des HErrn verkündigen. Hier siel ihm der Prediger in die Rede/ und hub, damit der Kranke sich mit Sprechen nicht so viel angreiffen möchte / einen vortreßichen Di- scours an von der seligen Vereinigung der Gläubigen mit Christo. Allein er merkte seine Absicht, und wolte ihm nicht gestatten, weiter fort zu reden ; sondern sprach : „Ich danke ihnen »herzlich für ihre redliche Intention , sie B »Wollen, iS Der triumphirende Christ. „wollen , wie ich merke, meiner schonen ; allem „ich muß selber das Werk, so mir oblieget, ver- „ richten, niemand kan es an meiner Stelle thun. „ Erlauben sie mir demnach, daß ich, so lange ich „kan, fortfahre, meinen GOtt zu preisen und „ mein letztes Zeugniß von dem abzulegen, was „ich, wie bereits vor ihrer Ankunft berühret, in „ seiner Treue, Macht und Liebe gefunden habe. „Warum lässet GOtt mir anders so viel Kräfte „der Seelen und des Leibes , als daß ich sie zu „seiner Ehre brauchen soll ? Meine Sprache „ wird vielleicht bald vergehen und meine Zunge „ an meinem Gaume kleben. O alsdenn bitten „sie GOtt für mich und meine abscheidende Seele. „Vielleicht werde ich zuletzt noch im Stande seyn, „sie zu hören und zu verstehen, welches ich ihnen, wenn mir GOtt die Gnade thut, durch Aufle- „gung meiner Hand aufs Herz will zu erkennen ,, geben. Ist es nicht viel, meine Freunde, daß der „grosse GOtt sich so weit herab lässet, und sol- „chem Wurm, als ich bin, gestattet, ihnzuprei- „ fen , oder dessen hohen heiligen Namen auf seine „besteckte Lippen zu 'nehmen ? O der HErr ist „unendlich gut und voller Barmherzigkeit! Ge- „ lobet ! ja ewig gelobet sey GOtt für alle seine „Führungen, die sich bey mir in dem ganzen Lauf „des Lebens geäußert haben ! Ich betrachte sie „nun zusammen, und finde, daß sie alle zu mei- „nem Besten und zur Ehre GOttes gerichtet seyn, s,O gepriesen sey der HErr auch für die widrige »Begebenheiten, so jemals meine Begierden ge- »creütziget und meine Anschläge zunichte gemachet „haben! Der triumphirende Christ. »» „haben Ich erkenne nun, daß alles weislich „und in Gnaden zu meinem ewigen Wohlergehen „geordnet sey. GOtt ist gewiß mein aufrichtig- ,, ster und bester Freund , mein liebreichester und „gütigster Wohlthäter gewesen. Er hat nie sei- „ ne Zrlsagen gebrochen. Er hat jederzeit an seinen „ Bund gedacht. Ich habe auf ihn getrauet, und „bin nie zu schänden worden, werde auch nie zu „schänden werden. GOtt in Christo ist mein „Fels, das Erbe meiner Seelen. Er ist mein „gegenwärtiges Gut, und wird auch meine ewi- „ge Glückseligkeit seyn. O was wolle ich nun „anfangen, wenn ich an Christo kein Antheil hütete ? O des kostbaren Blutes Christi ! Es ist „vonunendliche,n Werth. Ich habe es immer „ gesagt und gedacht : aber wie hoch meinet ihr ,, wohl, daß ich es vor jetzo achte? Ich bin eine „sterbende, aber nicht verderbende Creacur. Denn >,jch weiß, an welchen ich geqlaubet habe, an ,, IEsunr Christum , meinen HErrn und GOtt. >, Er kan und will, was ich ihm anvertrauet babe, „ bewahren. Er wird meine Seele sicher m sein „himmlisches Königreich führen. Durch ihn ha- „be ich die Welt überwunden, die Versuchungen „besieget, und durch ihn werde ich bald über den „Tod und alle Kräfte der Finsterniß triumphiren. „ O meine theure, meine unsterbliche Seele! du bist sicher. Dein Erlöser ist der HErr, der dich >, gemacht hat. Er ist ein allgenugsamer Heiland „und der ewige GOtt. Keinem andern als GOtt kan ich dich ohne Unruhe und Furcht an- -- vertrauen. Ihm empfehle ich dich mit der grö- »-ften Freude. Du bist ein Object und Vor- B» „wmf s» Der triumphirende Christ. „wurf seiner Liebe und Sorgfalt. Er wird das „gute Werk , daß er in dir angefangen hat / auch ,, vollführen : widrigenfals die Ehre deines Er-ö- „fers würde verdunkelt werden. Wirf demnach, „Seeie, deine Fesseln ab, und freue dich in JE- „fti Christo, deinem HErrn. Setze deinen Lauf „fort , bewahre deinen Grund und deine Hoff- „ nung nur noch einige Minuten : so wird deine „Arbeit gethan und dein Lauf Vollender seyn; und „darauf solt du deine himmlische Erbschaft antret- «ten. Da wirft du immer bey dem HErrn, und „deine Sehnsucht und Verlangen nach GOtt „wird gestillet seyn. Da wird die geheime Vereinigung mit GOtt und die innige Gemeinschafft „mit ihm deine Glückseligkeit vollkommen machen. „Da wirst du seyn ein ewiger Zeuge der Aufrichtigkeit seiner göttlichen Verheißungen, seiner Fähigkeit selig zu machen , und der reichen und „fteyen Gnade GOttes in Christo. Da wird „ kein Elend , und , was noch besser ist keine „ Sünde seyn. Da wirst du deinen GOtt auf „ eine Weise, deren du hier nicht fähig bist, er- „ kennen, lieben und ehren. Deine Liebe wird sich -,m ihm concentriren. Du wirst GOtt dem ,, HErrn vollkommen angenehm und gefällig seyn» „ Du wirst alsdenn unter keiner Furcht stehen ihn ,, zu beleidigen. Es werden sich keine Reitzungen ,,zur Sünde und Undankbarkeit gegen deinen be- sten Freund finden. Es wird keine Gefahr vorhanden seyn dir selbst mehr zu schaden, oder deinen Frieden und Glückseligkeit zu stören : son- „ dern in die unendliche Ewigkeiten der Ewigkeiten wirst du unanSgesetzet -einem GOtt und «Heilande Der triumphirende Christ. »r " Heilande Hallelujah singen - und die Schuld der „Dankbarkeit, die du nimmermehr vollkommen „abtragen kaust, einiger Massen bezahlen: weil ,, derjenige, der die Kraft giebet, deine Verbindlichkeit auf eine so selige Art zu erkennen, sie im- „merdar vergrössern wird. „Meine Freunde! es wird bald mit mir ge- „ schehen seyn. Meine Kräfte vergehen: inzwischen hoffe ich diese Nacht, die dem Vermuthen „ nach wohl meine letzte bey euch seyn wird, so viel „Kraft bey Herannahung des Sabbaths zu erlangen , als die würdige Begehung dieses letzten »Sabbaths auf Erden erfordert. O seliger "Wechsel, wenn ich statt der Sabbathsfeyer mit «GOttes Volk auf Erden, einen ewigen Sab- "bath dermaleinst mit GOtt selbst im Himmel „ halten werde! Nachdem er nun hierauf zwo Stunden stille gelegen hatte, brach er plötzlich in diese Worte " aus : Bin ich nicht, meine Freunde, ein , Denkmahl der reichen und fteyen Gnade GOt- „tes, seiner unendlichen Liebe und Erbarmung „in Christo ? Es sind wohl viele in der Welt, „die, wenn sie mich sehen würden , meinen Zu- „ stand beklagen , ja vielleicht, mich genau zu be- trachten, Bedenken tragen, und froh ieyn folgen, daß sie nicht an meiner Stelle wären: al- „lein dis würden sie thun, weil sie meinen innern ,, Trost und die Freude meiner Seelen nicht er- ,> kennen. Ich habe in derselben vollkommenen Frieden ; den Frieden, welchen gewiß die Welt „nicht geben kan. O ich wolle mit dem Weise- „ sten, Reichsten, Grössesten und Glückseligsten B r „auf rr Der triumphirende Christ. „ auf Erden nicht tauschen. Ware es möglich - „daß ich tausend Welten erlangen tönte / was «würden sie mir nützen in dieser Todesstunde? --was in dem herbeynahenden Gerichte? Was solle ich anfangen? wohin sötte ich mich wenden? „ wie würde eS mir ergehen , wenn ich nicht Theil " an JEtu Christo hätte? O nichts, als Chri- «stns , nichts, als Christus, kein Erlöser ausser --.Ihm! O wie weit, meine Brüder, erstreckt «sich nicht die Kraft seines theuren Blutes! denn „sie reichet auch bis zu mir , einem der schnöde- sten Sünder. O hier ist unendliche Güte! un- „ergründliche Liebe ! Dis Blut hat-meine See- le, der; Sitz der Unreinigkeit, der so schwarz „ wie die Hölle ist - gewaschen ; mein Gewissen, „welches finsterer als das Grab war, geremiget, „und es Heller als das Licht gemacht. Mit ei- nem Wort: Dis Blut wird mich, der ich ein „abscheuliches!Ktnd der Hollen und des Zorns „war, vor GOtt heilig und geschickt machen, „mit GOtt und Christo , mit den Engeln und „ Geistern der vollkommenen Gerechten in alle „ Ewigkeit zu leben. In wenig Minuten wird ,, meine Seele auch so vollkommen seyn. O gelo- „bet, ewig gelobet sey der HErr, mein Heiland, „ewiger Kreiß sey dir gesaget! Deine Heiligen „und Engel preisen dich jederzeit, und meine See- „Se soll dich auch ewig erheben. Hier brach er ab, und verlangete, daß der Prediger den HauSgottesdienst an seine statt bestellen möchte: welches er ohngefehr eine Stunde lanq in seinem Zimmer verrichtete, auf eine Art, die sich zu den Umständen der Familie schickte. Alle Der triumphirerivk Cheiff. sr Alle waren wie in Thränen gebadet: er aber voller Freude und fast ganz entzückt ohne der An- waudelung der geringsten Unruhe, ausgenommen was dle Zärtlichkeit der Seinigen verursachte. Er dankte dem Prediger herzlich, umarmete und küssete seine Kinder , und nahm von ihnen und seinen Freunden auf eine so liebreiche und bewegliche Art Abscheid , Laß es unmöglich mit Worten auszudrücken ist. Er begehrete sie alle wiederum zu sehen : wofern er die Nacht überleben würde. Hierauf verliessen sie ihn, ausgenommen die Person, welche bestellet war, in seiner Kammer zu bleiben: doch gieng niemand im Hause zu Bette. Er lag von eilfUhr Abends bis fünf Uhr M orgens ganz ruhig , hatte aber keinen Schlaf. Seine Augen waren nicht eher verschlossen bis im Tode. Um zwölf Uhr in der Nacht vermeinten seine Angehörigen, er würde sterben, und kamen voller Unruhe in sein Zimmer: allein ohngefehr eine Stunde darauf ward er besser, worauf sie sich wieder ahsentirteri. Dis war der letzte Vorbote des Todes, und ohngefehr um zwölf Uhr in der folgenden Nacht verschied er. Sie liessen ihn bis acht Uhr Morgens allein, in Hoffnung, er möchte schlafen , aber umsonst: ob er gleich durch Stillliegen sich in etwas erhöhte, und die Natur auf einmal ihre Kräfte wieder den letzten Angriff zu sammle» schien. Die den Tag zuvor mit einigen von seiner Freundschaft bey ihm waren, kamen um acht Uhr wieder: und weil er begierig war, sie zu sehen, stelleten sie sich samt seiner Familie um ihn herum. Er schien ungemein ihrer Gegenwart halber vergnügt zu B 4 ftM, -4 Dek triumphirende Christ. seyn / «nd dankte ihnen desfahls freundlich. Sie fragten ihn, wie er sich befinde , und wie er die Nacht geschlafen hätte? „Meist, „antwortete er, „niemahls besser gewesen alsjetzo: ich bin auf »dem Wege nach meinem Vaterlands. Meine » Freunde, wachet und betet mit mir eine Stun- ?, de: vielleicht ist nur noch eine Stunde, da ich „meiner Freunde und ihres Gebets benöthiget ,, bin. Ich habe die Nacht Ruhe, aber keinen „Schlaf gehabt. Ich habe meine Zeit viel besser ,, zugebracht, und bin mit meinem Heiland auf »dem Berge gewesen. Meine Seele ist überstüs- »sig erquicket und ermuntert : mein Leib stirbst „schon, aber meine Seele ist «roch munter und le- - bendig. Ich fühle die kalte Todeshand, die »schon würklich auf mir lieget : und ihr möget »selbige gleichfahls fühlen, wenn ihr meine Füsse »und Schenkel berühren wolletich beginne schon wieder zur Erden zu werden. Gelobet sey '-GOtt ! Der Tod ist mir nicht ein König des --Schreckens, sondern ein angenehmer Böthe, den „ mir mein himmlischer Vater gesandt hat. Ich „ warte auf dein Heil; und bin bereit, auf deckte „Einladung zu erscheinen : dein Wille geschehe l »Gelobet sey GOtt, daß der Angriff so schwach »ist; Mein, Verstand ist noch helle und unver- »rückt, und ehe mein Herz bricht, werde mich »noch hoffentlich mit den Verrichtungen beschäftigen können, die einem Sterbebette gemäß find. »Es ist für mich kein Bette der Krankheit und ?- des Verderbens. Diese elende Reliquien eines »Leibes können kaum mehr abnehmen, bis sie im „Grabe verwesen, und da mögen sie vermessn: Der triumphirende Christ. 2; „wer wolte selbigen nicht gern fahren lassen ? Er „ ist mir jetzo eine Last und eine Hinderniß an der Seligkeit, an der lebendigen und geistlichen Ge- ,,meinschast mit meinem GOtt: allein er ist/ mei- „ne Freunde, mit Christo vereiniget, und wird „dermaleins ein herrlicher Leib werden. Dis „Verwesliche wird anziehen eine Unverweslich- „ keit, und allezeit bey dem HErrn seyn. Hier forderte er etwas von einer Herzstärkung ; um, wie er sprach, sein Herz zu erquicken und warm zu halten : damit er, wenn es möglich wäre, das noch vollführen möchte, was er sich zu reden vorgenommen hatte. Seine jüngste Tochter brachte ihm selbiges. Die Thränen stoßen ihr unaufhörlich ihre Wangen herab, welches sie vor ihin verheelen wolte: allein er merkte ihre Bekümmermß, und fragte nach ihrem Bruder und ihrer Schwester , welche mit ihr in gleichem Zustande waren , und an solchem Ort des Zimmers fassen, wo er sie vor dem Vorhänge nicht sehen konte. Er reckte seine kalte Arme zu ihnen aus, küssete Und umfiettg einen jeden mit der Zärtlichkeit eines sterbenden Vaters. „ Mei- , ne geliebten Kinder, . sprach er, „ich finde, es „mangelt euch an Trost , aber wie kau euer fter- „bender Vater euch denselben letzt geben ? Wenn „ich einen Versuch hierin thue , wird euer -> schmerz vermehret, und meine Worte pressen -> euch Thränensiathen aus. Ihr seyd mir jederzeit liebe Kinder gewesen, und seyd es noch. „ Seit dem eure wertheste Mutter, zu welcher ich „kommen werde , verstorben ist, weiß ich von „keinem grösser« Segen im Zeitlichen, als von B 5 »euch» -L Der triumphirende Christ. euch. Ihr seyd mir jederzeit recht gehorsam und ,, mit Liebe zugethan gewesen. GOtt belohne euer „Verhalten gegen euren Vater, und ersetze eu- „ren Verlurst. Aber meine Kinder, eure Traurigkeit über euren Verlurst soll billig nicht so groß ,, seyn, als die Freude über meinen Gewinn. Ich » gehe zu GOtt, nun auf immer bey meinem hoch- gelobten JEsu zu seyn : und kan, da ich sol- »chen Wechsel der Gesellschaft treffe - in Ruhe «von euch scheiden. Setzet euren' Lauf fort: so --werdet ihr dermaleins so glückselig seyn, als ich vor jetzo bin. Ihr werdet hoffentlich Ursach ha- ben, GOtt zu preisen , daß ihr euren Vater «sterben gesehen habet. Ich will euch zeigen, «was das heisse, wohl sterben. O lasset den « Zweck aller eurer Handlungen die Ehre GOt- „tes, und euer ganzes Leben eine beständige „Vorbereitung zum Tode seyn : so dürst ihr euch « niemals vor dem Todbette fürchten. Ihr wer- -,det Freude an eurem letzten Ende haben : und „euch in der Stunde des Todes und am Tage «des Gerichts ja in alle Ewigkeit freuen können. Der Prediger , welcher gern ein Zeuge von dem außerordentlichen Verhalten dieses Mannes, so viel möglich war , seyn wolte, kam um diese Zeit, da die Uhr bey nahe neune war, wieder. So bald er ans Bette kam, reichte ihm derselbe mit frölichem Angesicht seine Hand , und sprach: «Mein theurer Freund , ich freue mich, Sie «noch einmal zu sehen. Der glückselige Tag ist «endlich kommen, der mein letzter und hoffentlich ,»mein bester seyn wird. Das ist der Tag aller »Tage, der Lag GOttes: wir werden uns an „demsel- Der triumphirmde Christ. 27 „demselben noch freuen und schlich -eyn, und viel- „leicht mehr als vorhin. Dnestr Tag meines „HErrn ist jederzeit mein Vergnügen, und die Freude meiner Seelen gewesen. O was für ei- „ ne felige Gemeinschaft habe ich an diesem Tage „in Ansehung seiner Gnadenmittels mit euch, mei- „ne Freunde, und andern von GOttes Volk in „ feinem Haufe gehabt! Einige von meinen Mit- „ genossen bey seiner Tafel sind mir zuvor qegan- „ gen. Sie sind in ihrem Vaterlands wohl auf- „ gehob n , und trinken nun den Wein in ihres „Vat-rs Reich. Allein, er ist so wohl mein als ,, ihr Vater. Ich werde bald bey ihnen seyn : „ und wie wir mit einander auf seinem Fußschemel „ Gemeinschaft gehabt haben : so werden wir ihn „zusammen imm r und ewig preisen. Ich habe , es jederzeit für eine der grösten Wohlthaten, die „ mit meinen gesegneten Umständen, worinn mich „ GOtt im Leben setzen wollen , verknüpfet gewesen ist, geachtet, daß ich und meine Familie oh- „ne Hinderung den öffentlichen Gottesdienst ha- „ ben abwarten, und den Sabbath auf gebühren- „ de Weise begehen können , ohne daß ich mich in „weltliche Geschäfte und Lustbarkeiten verwickeln dörfen. „O meine Freunde! ich habe, wie ichs bey „mir befinde, nur noch diesen Tag zu leben, und -> hoffentlich nur heute noch zu würken. Ich sterbe ,,nun, und bereite mich, GOtt sey gelobet! nicht „ jetzo erst zum Tode. Meine Rechnungen von je- „dmr Tage find auch an jedem Tage zur Richtigkeit gebracht, und meine grosse Schuld ist mir Vergeben worden. Ich warte nun auf die Of- '.fenba- »8 D« trimrrphirende Christ. „fenbarungen einer unsichtbaren Welt/ und Dank ,'sey.GOtt, meinem Erlöser / daß ich mich nicht „ fürchte / in dieselbe hinein zu gehen. Hierauf fuhr er unmittelbar fort / wie folget: „Heilig/ heilig / heilig ist GOtt/ derHErr des Sabbaths. Du bist der GOtt der Geister „und alles Fleisches / du bist das Theil meiner ,, Seelen, und soll es auch ewig seyn. Durch „deine allmächtige Kraft bin ich noch einmal so „ weit gekommen / daß ich deinen eigenen Tag an- „gefangen / den letzten , dessen ich wahrscheinlich „auf Erden gemessen werde. Macke mir selbi- „gen/ o HErr! um meines hochgelobten Heilan- „des Wille»/ zu einem glückseligen Tag / zumbe- «sten Sabbath / den ick jemals gefeyret habe. „ Gib / o GOtt, daß ich Ursach haben möge, --dich um dieses Tages willen in alle Ewigkeit zu „preisen. Vollführe dein Gnadenwerk in mei- „nem Herzen. Bereite mich vollkommen zum ,, immerwährenden Genuß deiner selbst. Vollen- „de meine Busse. Laß mich keine «»vergebene „ Sünde haben. Mache mir Christum JEium / „meinen HErr»/ zur vollkommensten Weisheit/ „Gerechtigkeit, Heiligkeit und Erlösung. Laß „mich dich und deinen theuren Sohn erkennen: „damit ich das ewige Leben erlangen möge. Gib, »o GOtt! daß ich dich liebe von ganzem Herzen, „von ganzer Seele, von allen Kräften, mit der „Liebe, welche der Vortreflichkeit der göttlichen „Natur gemäß ist. Laß mich dem Ebenbilde „ Christi und deiner Heiligkeit, o GOtt, so weit --theilhaftig werden, als eine armselige Creatur derlei- Der triumphirende Christ. ry „derselben fähig ist. Laß meinen Glauben und „meine Liebe diesen Tag in der stärksten Uebung „seyn. Laß die Herannahung des Todes meinen „Glauben nicht wankend machen, und meine „ Liebe nicht vermindern. Gib, o GOtt, daß ich „alle Kräfte meiner Seelen bis aufs äusserste an- „ strenge, dich zu loben und zu preisen: damit ich „ meine Hoffnung auf dich, mein Verlangen nach „dir, und was du bisher an meiner Seelen ge- >, than hast, freudig au den Tag legen könne. „O laß diesen Sabbath nicht allein uns, die wir „hie gegenwärtig sind, sondern deinem ganzen „Volk auf Erden, eine gesegnete, ernstliche und „ völlige Vorbereitung seyn zu einem ewigen Sab- „ bath der Ruhe mit dir drobm. Höre um JE- „su Christi willen : und wenn du, o HErr, hö- „ rest; so vergib alle unsere Sünden, und handele „um JEsu willen mit uns und allen den Demi- „ gen, nach deiner unendlichen und unumschränk- „ teil Liebe, in einem theuren Erlöser, in Ansehung „dessen, was Christus mit seinem kostbaren Blut „ uns verdienet hat, und wir zum Hell unserer „Seelen nöthig haben , wie wir jetzt und in dem „ ganzen Lauf unsers Lebens in seinem Namen „ dich gebeten haben, und in so fern es deiner Eh- « re und unsern Umständen gemäß ist. Dir, dem „herrlichen Schöpfer Himmels und der Erden, „ sey Ehre, Herrlichkeit, Macht Gewalt und „ Majestät jetzt und immerdar. Amen. So bald dis geschehen , ersuchte er den Prediger , mit ihm zu beten , und das r 5^ Cap. der niken Epistel an die Corinther zu lesen , welches derfek- ;o Der triumphirende Christ- derselbe auch that. Sein einziges Algebren war, für ihn ernstlich zu beten, daß GL)tl in ihm rmd durch thu verherrlichet werben, sein inwendiger Friede cominuiren, seine geistliche Freude wachsen, und er einen herrlichen und triumpyiren- den Eingang in die Freude fernes HErrn halten möchte. Unrer wahrendem Gebet, welches vollkommen nach dem Verlangen unsers theuren Freundes eingerichtet war, schien er , als wäre er ganz entzückt. Sein Himmel hatte sich bereits angefangen, und, rum Ansehen nach, ward von dieser Zeit an sein inneres Vergnügen rmn.er grösser, bis er zuletzt zur vollkommenen Seligkeit ge- langete. Der Prediger nahm nunmehr» seinen Abschied: weil er sein Amt in der Gemeine zu bestellen hatte. Sie schieden von einander, als wenn sie sich hier nicht wieder sehen würden, und waren zu beyden Seiten innigst beweget : ob er gleich noch lebte, wie der Prediger wieder kam, ihn auch kannte, wie aus den Zeichen, die er von sich gab, zu erkennen war ; ohngeachtet er kein Wort mit ihm sprechen konte. Die übrigen von der Gesellschaft, welche bis zuletzt bey ihm blieben, giengen auf sein Begehren ein wenig zu Frühstücken. Er lag inzwischen die ganze Zeit über, welches ohngesehr eine halbe Stunde war, stille; bald darauf aber sprach er also zu ihnen: „Meine wehrtesten Freunde, ich finde meine „Kräfte seit gestern merklich geschwächet: allein „ich bin gewiß ein wundervolles Denkmahl der - «göttli- Der LriumphLrcnde Christ. ; r „göttlichen Gnade; ich bin ein sterbender Mensch, „und habe weher am Leibe noch am Gemüth einlege Schmerzen. O warum sollen nicht die „ Schrecken des Allmächtigen auf mich fallen, „ und meine .Seele beunruhigen? Ich bin eine „sehr sündhafte Creatur gewesen, von Natur bö- „ se, und wörtlicher Uebertrettirngen halber noch „weit abscheulicher. Warum bin ich nicht ein „Object und Vorwarf des göttlichen Zorns , ein „ Schrecken euch und mir ? O warum ist meine „Seele nicht voller Angst ? warum stehe ich nicht „ in Furcht vor dem unerträglichen Zorn GOt- „ tes ? O! meine Geliebten, daß es nicht so mit „mir stehet, habe ich einzig und allein der reichen „und freyen Gnade GOttes in Christo, und „ nicht meinem Verdienst, zuzuschreiben. Hätte „ich jetzo keinen andern Trost, als den meine vor- „ malige Gottseligkeit verdienet, irr was für ei- „nem elenden Zustand würde ich mich befinden! „Es hat mir gewiß viel obgelegen: aber wie „schlecht habe ich meine Pflichten beobachtet? „ Wie oft habe ich GOtt angebetet; ohne daß ich „ meinen Glauben und Hoffnung recht geübet hät- „te; ohne aufrichtige Betrübnis über die Sünde; „ ohne ungeheuchelte Liebe GOttes oder Lust an „seinen Wegen; ohne heiliges Verlangen nach „ ihm. Wie oft habe ich ihn loben und preisen „wollen: wenn mein Herz ohne Bewegung, und „ ich im Dienst meines GOttes träge und unachtsam gewesen bin ! Wie oft habe ich meine „ Schuld vergrößert: wenn ich deinen Zorn, o „GOtt! abwenden, und mir die Verzeihung der „vormaligen Beleidigungen ausbitten wollen: „Und ; r Der triumphirmde Christ. „ Und wie oft find meir?e Gedanken von dir, und „ meine Gebete den Vollkommenheiten deiner gött- „ ltchen Majestät gar nicht gemäß , o wie groß „undunzähUch find meine Sunden und Uebercret- „tungen gewesen I Wie mannigfaltig und grob „ meine Abweichungen von meinem GOtt! Die „ Erwegnttg dessen möchte und würde mich klein- „müthig machen : wenn ich nicht den gerechten „Christum, der alles überwieget, dessen mich ent- „ weder mein eigen Herz oder die Gerechtigkeit „ GOttes beschuldigen kan, zu meinem Versöhner und Vorsprecher hätte. Hierauf allein „ gründet sich meine Hoffnung: in Christo bin ich „sicher, und in ihm allein, auf sein Verdienst ha- „ be ich gebaut in der Zeit, und bin nicht zu „schänden worden; auf sein Verdienst kan ich „ mich verlassen , ohne zu besorgen, daß mirs „ mißlingen werde. Ich entsage nun übermal , „wie vorhin, allem, was ich Gutes gethan: nichts „kan mir vor GOtt nutzen und helfen , als das „ Verdienst meines theuren HErrn und Heilandes „ IEsu Christi. Ich hoffe frey, um Christi wil- „len allein, gerechtfertigt, und meiner Schuld, „ womit ich GOtt dem HErrn verhaftet bin, los „zuwerden; weil Christus JEius sie bezahlet hat. „Hierauf verlaß dich, meine Seele! O GOtt! „ laß mich nur das erlangen, was Christus mir „ erworben hat; ich bin gern damit zu frieden: „ denn dis ists alles. so ich nöthig habe, und def- „ sen meine Seele in alle Ewigkeit gemessen kan. Nach diesem war sein Dsscours mehrentheils abgebrochen : er begunte in seiner Rede zu stammeln, Der rritimphirenve Christ. rr meltt , und hatte keine Kraft mehr, den Eiftr seiner Seele an den Tag zu legen. Er schrie beständig aus allen Kräften zu den Umstehenden: „ O „des Reichthums der freyen Gnade GOttes in „Christo! O der wmrderbaren Güte gegen ei- „nen armen Wurm! O wie kan ich den Ueber- „ fluß deiner Gnade vergelten Meine werthesten „Freunde, preiset GOtt mit mir und für mich. „ Gelobet sey der HErr in Ewigkeit! Gelobet „sey GOtt, mein Heiland! O ich liebe GOtt: „ich fühle, daß ich ihn in der That liebe von gan- „ zem Herzen! O er ist mir lieber, als Leben „und Odem, ja als alle Dinge. Ich habe in „ meiner Seele weiter kein Verlangen, als das zu „ihm gerichtet ist: ick habe Lust, bey GOtt und „ Christo zu seyn. O wenn werde ich dahin kom- „ men , daß ich GOttes Angesicht schaue! Er „ist mein GOtt, das Theil meiner Seelen, mei- „ ne einzige Seligkeit, meine Lust, »nein einziges „Wünschen, mein Alles. O nichts als Ehri- „stus! nichts als Christus! Er hielte fast zwischen jeder von jetzt angezogenen Expreßionen inne, ob wir gleich um der Con- nexion willen dieselben in eins zusammen gefüget. Ohngefehr eine viertel Stunde hierauf sprach er zu ihnen: „Meine Brüder, ist es nicht recht „wunderbar ? Wenn ich die Heiligkeit GOttes „betrachte, muß ich wohl ausruffen: sich schnöde „und arme Creatur. Und wenn ich die Gerechtigkeit GOttes erwege, möchte ich wohl von der »äussersten Furcht des herbey nahenden Gerichts E »und Z4 Der triumphirende Christi „und wohlverdienten Zorns gerühret werden : „ allein, anstatt dessen, habe ich keine Furcht vor „ dem letzter» / und vielmehr ein Verlangen nach „ dem erster». Ich begehre vor diesem herrlichen, „ heiligen und gerechten GOtt zu erscheinen : ich „ habe zu meinem Schutz eine Gerechtigkeit, die „vollkommen ist. Der heilige JEsus ist meine „Zuflucht, und ich kan nicht zu schänden werden. „ In Christo ist die Gerechtigkeit GOttes so wohl „ mein Schutz als seine Gnade. Hier findet sich „ eine Heiligkeit, welche die Reinigkeit des gan- „zen englischen Heeres übersteiget. Nichts ist, „das meinen Erlöser der geringsten Unvsllkom- „menheit beschuldigen könte. O ich weiß, ich „bin um JEsu Christi, meines einigenHErrn und „ Mittlers, willen begnadiget. Ich bin dessen ver- „ sichert, meine Sünden sind mir vollkommen und „ aus lauter Barmherzigkeit vergeben. Ich wer- „ de bald durch und durch geheiliget und zur Herr- „ lichkeit vollkommen geschickt seyn. O es fehlet „ mir an Worten , meine Dankbarkeit auszudru- „ cken, und meine Freude an den Tag zu legen» „ Gelobet sey GOtt, mein HErr und Heiland: „ Dis ist allein GOttes Werk O unergründ- „ liche Liebe ! O wie unendlich tief lässet sich „GOtt herab! O unverdiente und unumschränk- „te Gnade gegen einem schnöden Sünder! Ich „verdiene die Hölle, und geniesse des Himmels. Auf sein Begehren laß man das achte Capitel an die Römer, und fast bey jedem Vers wolle er etwas, dem Inhalt desselben gemäß, erinnern. Es war nun ohlWfchr um ein Uhr. Seine Der tviumphirende Christ. ;; ne Füsse waren schon bis an den Knien ganz kalt: und seine Finger und Hände waren nicht viel besser. Er begehrete noch einmal seine Kinder nahe bey sich zu haben , und das letzterem! von ihnen Abschied zu nehmen: denn er besorgte, es möchte ihm bald seine Sprache vergehen. Er küssete und umarmete sie, wie vorhin ; meldete aber auch, daß dis das letztem«! seyn würde: denn er mey- nete, der Krankengeruch möchte ihnen entgegen seyn. Sie wurden hierüber sehr betrübt, versicherter! ihm das Gegentheil : und damit sie ihn um so viel eher überführen möchten, daß ihnen dergleichen von ihrem sterbenden Vater nicht könne zuwider seyn; so bezeugten sie gegen demselben ihre zarte Liebe, da er nicht mehr sprechen konte, auf mancherley Art. Die letzten Worte, die er zu seinen Kindern allein sprach, waren diese „ Meine allerliebsten -.Kinder , der HErr segne euch im Leben und „ Sterben ! Trauet auf ihn: ihr werdet herrli- „chen Nutzen davon am Leibe und an der Seele „verspühren. Ueberlaßt euch gänzlich und willig „der göttlichen Vorsehung : machet euch den ge- - offenbarten Willen GOttes recht bekannt: und „ bemühet euch jederzeit, denselben zu vollbringen. „Befleißiget euch, den Versprechungen, die ihr ,, GOtt gethan habt, mit Gehorsam nachzukommen. Bleibet beständig mit seiner Kirche in „ Gemeinschaft. Wendet eure Zeit mehrentheils an zum Gebet, zum Lobe GOrtes, zur liebli- chen Betrachtung seiner göttlichen Vollkommen- heilen, seiner Werke her Schöfung, Erlö- C 2 »sung ;6 Der Lriumphircnde Christ. «fungund Vorsehung, zur Selbftprüfung, mrd „zum heiligen Wandel mit seinem Volk. Lasset „ die Ehre GOttes und das Beste seiner Kirchen „beständig das unintereßirte Verlangen eures „Herzens seyn, und alle eure Bemühungen eures Lebens dahin gehen. Bewahret euch vor allen „ Abfällen von dem grossen GOtt. Er pflanze „ alle Gaben seines Geistes in eure Seelen , und „ lasse eine jegliche davon in täglicher und gebührender Uebung seyn. Er verlasse euch nicht; „sondern mache euch von Zeit zu Zeit tüchtiger zu », dem Erbtheil der Heiligen im Licht! Der HErr „stärke euch mit seiner GOtteskraft zu seinem „Lobe und Preise bis auf die Zukunft JEsu Chri- „ftt, in dessen Gerechtigkeit ihr allein angenehm »seyn , und euch ohne Flecken und Sünde vor „GOttes Richterstuhl stellen, und an dem qros- ,.sen Tage eurer Eltern Freudencrone seyn könnet. Das wurde mit lauter Stimme, jedoch so gesprochen, daß er öfters einhalten muste. Man fragte ihn : ob er noch gedächte, wie er früh morgens gesagt, daß dieser Tag sein letzter seyn würde? „O ja, sprach er, ja, ja ! An diesem heiligen und glückseligen Tage ist mein Erlöser vom „Tode erstanden , und hat das grosse Werk der Erlösung vollbracht: und an diesem Tage wird „erauch hoffentlich seine Güte gegen mich vollen- ,'den. Heute werde ich mit ihm im Paradise .. seyn. Ich werde bald von diesen Fesseln , von dem elenden, verwelkten und abgelebten Tod« tenqerippe frey werden, und bey meinem hoch- gelobten HErrn und Meister lauter Leben und "Geist seyn. ,'O Der triumphirenbe Christ. ;? „ O gelobet sey GOtt, mein theuerster Hei- «land, für den Beystand, den er mir geleistet, für «die Gnadenbezeugungen, ja ich mag sagen für «die Glückseligkeit eines Todbethes! Meine «Sprache will mir nach gerade vergehen. O HErr, ich warte auf dein Heil! HErr JEsu, «nimm meinen Geist auf. Dir, meinem GOtt und -.Heilande, empfehle ich meine Seele: sie ist dein, ,,du hast sie erlöset. O meine Freunde, Christus ist mein Führer: «ich gehe nun in den finstern Thal der Schatten «des Todes ; und weiß den Weg nicht, aber ich -.werde doch nicht in die Irre gerathen. Alle «Kräfte der Finsterniß, ob sie gleich jetzt ihr äus- ,, serstes versuchen, können wir nicht schaden. Mei- -.ne Seele wird von den Engeln getragen, und «der allmächtige GOtt ist mein Schild und ».Schutz. «O nennet mich nicht eine elende Creatur, beklaget mich nicht als einen sterbenden Menschen: «ich bin selig, voller Vergnügen, und freue mich, ,, daß ich sterben soll. Ich habe mehr als mein «Herz fassen kan. GOtt ist versöhnet: er ist «lauterLiebe: er ist unveränderlich ewig mein ; «und ich werde in meinem GOtt ewig selig seyn. « O hier ist der Himmel I hier ist unaussprechliche «Freude! O komm, und nimm mich zu dir, HErr «JEsu ! Mich verlanget nach GOtt : meine «Seele sehnet sich nach ihm. O daß ich doch «IEsum bald in seiner Herrlichkeitsehen, und «ihm gleich seyn möchte! O der grossen und ewi- C z „gen ;8 Der triumphirende Christ. „gen Erbarmunq GOttes ! Bittet GOtt für „mich, meine Freunde, und preiset ihn. O daß -»doch die Engel und Geister der vollkommenen »Gerechten den Lobgesang von euren Lippen neh- „men, und ihn vor den Thron GOttes und des „Lammes auf eine höhere und herrlichere Art als ihr zu thun fähig seyd, bringen möchten! „Ich werde bald in ihrer seligen Gesellschaft seyn. »Der HErr segne euch meine lieben Kinder mich „ Freunde. Betet, betet für mich. Meine Spra- „ vergehet: ich kan kaum mehr sprechen. Nach diesem konte ihn niemand mehr verstehen : dahero wir seine gebrochenen Reden, die er vor seinem Ende noch geführet, weglassen müssen. Dem Leser dienet zur Nachricht: daß er über zwo Stunden mit Aussprechung sothaner Expressionen , die nach den Reden, welche er an Hins Kinder gethan hatte, gesetzet sind, zugebracht, und er kaum zwo Zeilen zusammen gesprochen, ob sie gleich der Copift beysammen gesetzet hat» Es war nun fast fünf Uhr, und der Prediger kam , ihn wieder zu besuchen. Er war aber nicht im Stande ein Wort mit ihm zu sprechen: indem er bereits eine Stunde sprachlos gelegen hatte. Inzwischen kante er ihn noch, und hub seine beyden Hände auf: welches man aufnahm als ein Zeichen seines Verlangens, der Prediger möchte beten, welches auch alsobald geschahe. Er hub seine Hände und Augen einigemal^ in die Höhe, zur Anzeige, daß er wohl verstünde, was man sagte. Nach diesem lag er lange Zeit stille, und Der Lriumphirende Christ, g- die Gesellschaft war im Begriff, ihn zu verlassen, in Meynung, er möchte in einen Schlaf verfallen: allein um zehen Uhr fanden sie ihn eben im Sterben» Er öffnete, da sie um sein Bethe gierigen, ferne Augen , und reckte seine Hand zu seinem Sohn aus, der ihm am nächsten stund. Der Sohn griff ihn an , und fühlete, wie der Vater seine Hand druckte. Hierauf that er gleichmässige Bewegung gegen sie alle, woraus sich schlössen. daß er noch verständig wäre. Ohugefehr eine halbe Stunde nach eilf Uhr kam seine letzte Zeit» Er übergab feine Seele in die Hände des himmlischen Vaters ohne Seufzen und Aechtzen, und schlief sanft in JEsu ein. Er starb mit einem Lächeln und einer freundlichen Mine: welche von der Zeit an, da er sprachlos ward, sich im Gesichte sehen ließ. Welches man als einen Beweis seiner inwendigen Ruhe, und als eine Anzeige des Friedens ansähe, dessen nun seine selige Seele vollkommen genießet. O gesegnet, gesegnet ist gewiß der Tod der Gerechten! Kein Ende ist gleich ihrem ENDE.