aS> wS: ' T /\a4n.ä$ Ä/gMj 7 * A - Lehr - und Lesebuch, ^ der ' zwey deutschen und zwey ersten Realschulen, . des Gymnasiums ^ S e r Stadt und Republik St. Gallen. Erste Abtheilung. Mit Approbation eines Wohledlen Schulraths St. Gallen, gedruckt in Dietbifcher Buchdruckerey, *7 s *. c.' i •i * Vorrede «u Lehrer und AeUern. Nicht ohne inniges Vergnügen , hat ei» W-hlEdlee Schulrath den glücklichen erfolg der neuen Tinrich- tung in den zwey Leseschulen unsers Gymnasiums wahr» genommen. Von diesem glücklichen Erfolg aufgemuntert, hat wohlderftlbe den zwey folgenden Klassen, die nun in der §olge deutsche Schule/» hejffen, ebenfalls eine ganz neue Einrichtung gegeben, und zugleich dafür ge« sorget, daß die Knaben, die dieselben besuchen, Unterhaltungen bekommen, die ihrem Aller angemessen sind, und sie zu ihrer künftigen Bestimmung nützlich vorbereiten. Dieses ist die Ursache der Erscheinung des gegenwärtigen neuen Lehr - und Lesebuchs für die erwchnte» Deutschen, und zwey ersten Realschulen. ES enthält in zwey Abtheilungen, einen, jedem Bürger nöthigen und nützlichen, Auszug auS der Naturlehre und Naturgeschichte, nebst verschiedenen andern nützlichen Sachen mehr, deren Werth zu bestimmen für Verständige unnütz ):( r wäre; IV Vorrede. wäre; ich will dafür mit ein paar Worte» von dem Gebrauch reden,der in erwehnten Schulen, und indem väterlichen Hause von diesem Werke gemacht werden soll. Ersten» soll es überhaupt zu Uebungen im Lesen dienen. Da die Knaben in der zweyten Lescklasse anfan» gen korrekt zu lesen, so haben nun besonders die Lehrer der deutschen Klaffen alle Sorgfalt anzuwenden, dasselbe Mit ihnen fortzusetzen, und sie darin» zu einer gröffern Vollkommenheit zu bringen. Alle Vorschriften, die deSwe- gen dem Lehrer der zweyten Leseklasse gegeben worden sind, gehören darum auch in ihrem ganzen Umfang hicher. Gehet die Vorrede zu dem Lesebüchelchen der zweyten Leseklasse. Und besonders haben nun die Lehrer der deutschen Klassen dabin zu sehen , daß die Knaben nicht nur eine reine Stimme und deutliche Aussprache beybehalten,, sondern daß jedes Wort, das gelesen wird, so schnell »der langsam , so hoch oder tief, mit der mebrera oder wenigem Stärke gelesen werde, wie es der Satz, darum sie stehen, erfordert. Wer weiß nicht, daß beynahe die ganze Kraft der Beredsamkeit hievon, abhängt, und daß oft schon der Ton ,in dem etwas erzählt wird, den ehrlichen und aufrichtigen Menschen, oder den Heuchler und Betrüger bezeichnet. Aber nicht nur zu Unterhaltungen in dem Lesenlernen ^ soll dieses Werk dienen, sondern es soll auch zweitens f» Sachkeniitmß beybringen. Um dieses zu bewerkstelligen, ist es nöthig, daß die Lehrer das, was die Knaben lesen , ihnen erklären, und da es zum Hören und Begrei- ‘ fen einer Sache nicht genug ist, nur ei» gutes Ohr zu haben, sondern dazu erfordert wird> daß der Geist sich gewöhne, das, was vorgetragen wird , sich deutlich vorzustellen , so wird erfordert, die Knaben zu der nöthige» Auf- . / Vorrede. V Aufmerksamkeit auf dar, war sie lesen oder hören, zu welcher der Grund schon in der zweyten Leseklasse gelegt worden, ferner und in stärker», Grad anzuhalten. Mit diesem Unterricht verbindet der Lehrer drittens', nach dem neuen Gchulplan, eine andere höchst wichtige Uebung, nemlich die, die Knaben zu üben, eine Sache, richtig vorzutragen, und zu erzählen. Bey diesen Uebungen muß der Lehrer besonders die genauste Aufmerksamkeit anwenden, daß die Knaben nichts falscher, zwey- deutigcs, weitschweifiger, pöbelhafter, in ihre Erzählungen einmischen. AlleS, war von diesen Fehlern vorkommt, muß er verbessern, und ja dahin sehen, daß die Knaben jede Sache kurz und mir den richtigsten Ausdrücken und Redensarten erzählen. Endlich viertens können die Lehrer der zweyten deutschen Klasse, so wie der ersten Realschulen, das Vermögen aufzumerken, und Sachen richtig zu fassen, noch durch eine andere Uebung verstärken, wenn sie nemlich Stellen aus diesem Buch den Rnabcn in die Feder angeben, und fie hernach durchsehen und berichtigen. Bey welcher Uebung, auf die Rechtschreibung, richtige Punkta- tio», und auf die Richtigkeit des Textes selbst Achtung gegeben wird. Sehr wohl werden die Lehrer dabey thun, wenn sie gleich von Ansang, nicht Wort für Wort, sondern ganze Absätze auf einmal angeben, damit die Knaben lernen, eine Rede richtig ins Ohr zu fassen. ES wird ein Anlaß zur Wetteyferung seyn, die Kinder sonst sehr lieben; sie werden sich Genauigkeit und Fleiß in ihren Geschäften angewöhnen, und ihre Lust zum Lernen, wenn weder ein finsteres < steife«, oder allzuge- bieterisches Betragen de« Lehrer« «S hindert, auf eine angenehme Weise unterhalten. 2 " Vorrede. VI In Ansehung -es zweyten und -ritten oben erwehn« ten Punkten , ist es schwer, bestimmte Regeln zu geben, da bey Behandlung dieses Werks, wegen seiner unauS. »reichlichen Kürze, so vieles auf die eigne Kenntniß und Beurtheilungskraft des Lehrers ankommt; nur will ich erinnern, daß, weil zweckmäßige mündliche Erklärung den Ginn der vorkommenden Sachen den Knaben deutlich machen muß, es nöthig seye, daß die Lehrer sich selbst Hinlängliche Kenntniß davon zu erwerben trachten. Ve» stehen die Knaben den Sinn der Sachen hinlänglich, so werden dann, nach dem eine Stelle oder ein Abschnitt gelesen worden, paffende, dahin gehörende Fra- gen , die der Lehrer sich beantworten laßt, sehr viel beytragen, die Aufmerksamkeit und das Nachdenken zu schärfen, und die Knaben zu Wiederhohlung des gelesenen vorbereite». Es wäre z. B. der Abschnitt von den wässerigen Lufterfcheinungen Pag. 37. mit gehöriger Stimme und Nachdruck gelesen worden, so würden daher zuerst die simpel» Fragen entstehen. Von was habet ihr gelesen 7 .Woher steigen Dünste auf? WaS entsteht aus diesen? Wie entsteht der Regen? WaS macht der Regen? Was ist er daher? WaS heißt man Staubre. gen? Was Platzregen? Was Wolkenbruch? Woher entsteht der Thau? Was ist Nebel? Reif? Hagel? u.s. w. Welch ein Feld Hat der Lehrer dann nicht offen, in der Vcrgleichung zwischen dem Nutzen und Schaden, der von diesen Erscheinungen entsteht, um das Urtheil, das Nachdenken und den Verstand seiner Schüler zu ent» »vickeln, zu üben und zu stärken? Eine Hauptsorge des Lehrers bey den Abschnitten aus der Naturlehre muß e§ seyn, den Schülern zu zeigen, wie alles auf unserm Planeten übereinstimmt , Vollkommenheit, Schönheit und Nutzen zu erzeugen und zu JT Vorrede. vn zu verbreiten- und wie höchst wahrscheinlicher Weise diese bewunderungswürdige Ordnung der Dinge aus jedem andern Weltkörper auch statt habe. War die Naturgeschichte betrifft, so muß er sich alle Mühe gehen, die Knaben sür jede Schönheit und Vollkommenheit^ an denen die Werke der Natur so reich sind, fühlbar zu machen. Hierdurch inS besondere wird dem zukünftigen Menschen, eine unerschöpfliche Quelle von Freuden eröffnet, deren Werth für den unterrichtete» Weltbürger mit jedem vernünftigen Genusse erhöhet wird. Besonders wird dann der Unterricht über den Nutzen der Nalurprodukte, die Knaben auf ein« angenehme Weife beschäftigen, und ihren Fleiß erheben; wie leicht wird cS seyn, den Knaben begreiflich zu machen , daß ohne die hülfleistende Hand des Menschen die Erde eine Wüste verbleiben, ihre Produkte minder zahlreich , dem Menschen viel weniger Freude gewahren, seine Vollkommenheiten weniger erhöhen, und so für dir wohlthätigen Absichten GotteS viel zu wenig genutzt wer- den würden. Wie die Arbeit, die Anwendung der Kräfte des Menschen, ein Vorrecht für ihn scye, daS ihn adelt, und ihm eine höhere Würde giebt» Auf diese Weise werden sie den Knaben die Arbeit verehrungSwürdig, den Müfsiggang verächtlich, und jeden arbeitenden Mensche» in dem Grad schätzbar niachen, in welchem er die Güter vermehrt, und ihre Vollkommenheit erhöhet. So werden sie lernen den Werth jedes Berufs und jedes Menschen richtig beurtheilen. Eben so verfährt der Lehrer, mit den Beyspiele» und Lehren, die in gebundener und ungebundener Rede in diesem Werk vorkommen. Um nicht zu weitläufig zu werden, will ich, anstatt durch Fragen ein Beyspiel zu zergliedern, ihn lieber auf zwey Hauptpunkte, die wesentlich zur Behandlung derselben mit Kindern gehören, auf- i rill Vorrede. aufmerksam machen. Erstlich, daß er dadurch seine Schüler den Menschen von der sittlichen Seiten kennen lehre, ihnen bey vorkommendem Lesen j. B. sage, was Stolz, Dummheit,^Bescheidenheit, Uneigennützigkeit seye. Zeige, wie verschieden die Menschen handeln, je nach dem ein Grundsatz in ihnen herrschend sey. Sie aufmerksam aus die wesentlichen Züge mache, wodurch das Laster oder die Lugend , von welcher die Rede ist, sich auszeichnen. Ihnen sage, worinn sich Aroßmuth , Mäßigung u. s w. zeige. Hat der Lehrer auf diese Weise die sittlichen Begriffe aufgeklärt, und genauer bestimmt, so kann er auch zweitens, das sittliche Gefühl seiner Schüler dadurch selbst prüfen und schärfen, wenn er fragt, was dünket euch von dieser Geschichte? Dieser Handlung? Worauf gründet sich das Schöne? Das Häßliche derselben? Worauf das Wohlgefallen? Das Mißfallen, das ihr daran habet? Jeder vernünftige, überlegende Lehrer wird finden, wie sürtreflich diese Gelegenheiten sind, die wichtigsten Sittenlchren, so wie die höchstwichtigsten praktischen Kenntnisse über den moralischen Menschen, unter die Jugend zu verbreiten , und wie nützlich derselben solche Uebungen seyn müssen. Jeder weiß, wie bey dem Verfall der, häuslichen Erziehung, eine äusserst sorgfältige Aufsicht über das sittliche Betragen der Schüler, eine der wichtigsten Pflichten der Lehrer ausmacht. Hierinn steht nun das wesentlichste des Gebrauchs dieses WerkgenS in den deutschen Schulen. In Ansehung ß des Gebrauchs desselben in den ersten Realschule» muß ich noch folgende Bemerknngen hinzufügen r Obschon die bisher angezeigten Regeln, in Ansehung des Gebrauchs dieses Buchs , auch den Lehrern der ersten Realschulen gelten, so bleibt doch noch eine wichtige Beschäftigung für sie übrig, welche den beträchtlichsten Einfluß IX : Vorrede. -uß auf nützliche Kenntnisse, und den wichtigsten, auf die ganze künftige Lebensart des Schülers haben. Und diese besteht in der Behandlung der Abschnitten von Rünftcn und Handwerkern, Gesellschaften, Haushaltungokunst, u. s. w. Da die Eintheilung und Bemerkung der ersten sehr kurz gefaßt werden mußte, so ist eS sehr nöthig, daß der ^ Lehrer, zur Ausfüllung der Lücken , sich des systematischen Verzeichnisses des Jacobsonschen technologischen Wörterbuchs , oder der Beckmemnische» Tabellen bediene. Zu dem ist die Anwendung der verschiedenen Produkten aus den drey Reichen der Natur, meistens bey den Artikeln in dem Buch selbst bemerkt. Damit die Knaben nun den erwünschten Nutzen davon haben ,ist es nöthig, daß der Lehrer, bey Behandlung dieses Abschnitts,etwan» folgender Massen zuWerke geht, daß er nemlich die Namen von einigen Handwerkern, Künsten oder Fabriken angiebt, und dann auf folgende Fragen Antwort darüber verlangt. Welche beschäftigen sich mit rohem Stoff aus dem Pflanzenreich ? Welche mit rohem Stoff, den sie aus dem Mineral - oder Thierreich nehmen ?. Welche liefern Dinge , die für den Menschen überhaupt, oder für unser Klima nothwendig sind ? Welche befördern bloß die Bequemlichkeit des gesellschaftlichen Lebens r Welche liefern entbehrliche Dinge, und befördern den Luxus 1 Welche erfordern besondere Starke, oder Behen- digkeit? Welche mehr Ueberlegung, Erfindsamkeitn. s. w. Sehr wohl wird der Lehrer thun, wenn er die Knaben die Antworten auf diese und andere ähnliche Fragen, die i sie in dem Buch selbst aufsuchen können, zu Hause machen läßt, und sie zugleich aufmuntert, sich selbst bey den Handwerkern, u. s. w. umzusehen, da dieses sie sehr zum Fleiß aufmuntern, ihren Beobachtungsgeistschärfen , und indem sie mit diesen mannigfaltigen Geschäften bekanntwerden, sie dadurch eher zu einem Geschäft, oder einer Lebensart bestimmen kann, zu der sie Anlagen, Talente haben, oder dazu gebohren zu seyn scheinen. Der einzige Weg , um diese nütz- t X Vorrede. i nützliche Geschäfte zu einer höher» Stuffe von Vollkommenheit zu erheben , als sie bisher bey un« erreicht haben, weil oft bloß sclavisch nachahmende Hände sich damit be- schLstiget, und wenig rechte Köpfe sich ihnen gewidmet haben. In Ansehung der Gesellschaften, muß es eine wich- tige Sorge für den Lehrer seyn, den Schüler» begreiflich zu machen, welch ein Glück es seye f in einer bürgerlichen Gesellschaft zu leben, und zwar in einer, die Verzüge vor andern besitzt. Er muß ihnen zu Gemüthe führen , daß der kein guter Bürger und kein rechtschaffner Mensch ist , der sich nicht bestrebt, die gesellschaftliche Glückseligkeit wie seine eigene zu beförderen, und wie, da viele von ihnen bestimmt sind, dereinst Bürger und Obrigkeiten zugleich zu seyn, sie alle ihre, Kräfte anwenden müssen, sich von den gegenseitigen Pflichten beyder Stände zu belehren , und sich die zu ihrer Erfüllung nöthige Lugen- den und Einsichten zu erwerben. Sie können ihnen zeigen , wie aus guten und fleißigen Menschen glückliche Familien , aus glücklichen Familien blühende Gemeinden , und aus diesen ansehnliche Staaten entstehen. In Ansehung der Haushaltungskunst wird ihnen obliegen, den Schülern zu zeige», daß in Staaten, wo die natürliche Ordnung der Dingen nicht durch willkührliche Verfügungen, und durch ungerechte Verfassungen gestört ist, wie Gottlob bey uns; der Wohlstand der Familien, ^ immer von der Aufführung und von dem Fleisse ihrer Glieder abhängt. Man muß ihnen durch Beyspiele fühlbar machen , und lebhaft vorzustellen suchen, warum dieser oder jener im Bettel herumkreucht, ein anderer dem Spital zur Last fällt, ein anderer hingegen im Ueberfluß lebet, und andern Gutes thun kann. Man muß ihnen zeigen, wie nur der besondere Wohlstand einzelner Familien, den all- Vorrede. XI allgemeinen Wohlstand besonders unsers kleinen Staats aus- macht - zeigen, daß der,leider! sich immcr mehr verbreitende, Länder und Familien zu Grunde richtende LuruS, nichts anders sey, als ein Aufwand, der die besten Kräfte raubt, und uns, wenn er allgemein würde, unfehlbar zu Grunde richtete, und daß einzelne Familien, wie ganze Staaten, nur durch eine weise Anwendung des grossen Naturge. setzes, nemlich: mit dem geringst möglichen Auswand, die größte Menge von Freuden zu erzeugen, im Wohlstand erhalten werden können. Ehrenvolle Bestimmung: wichtiges und würdiges Geschäft eines Lehrers der Jugend, dieselbe zur Erkenntniß nützlicher Wahrheiten zu führen, und dadurch menschliche Glückseligkeit zu verbreiten! Ferne von Euch sey es, würdige Männer! Euch in euerer edeln, mühsamen Laufbahn , durch was es auch wäre, verdrossen, oder muthlos machen zu lassen. Gott hat Euch zu Lehrern und Führern seiner Kinder gesetzt; die Vaterstadt anvertraut euch ihren größten Schatz. DaS zeitliche und ewige Glück der Euch anvertrauten Pfänder zu befördern; den Willen desjenigen kund zu thun, der Euch ihnen vorgesetzt; auf seine Offen- barungen in der heil. Schrift und der Natur sie aufmerksam zu machen, Weisheit und Lugend, Frömmigkeit und gemeinnützige Kenntnisse zu verbreiten, sey Euere angelegenste Hauptsorge. Wohl Euch, wenn ihr nach Kräften und Gewissen das curige gethan habet. Groß ist die Pflicht, den Weg des Herrn zu lehren. Groß und erhaben ist sein Lohn ! Noch bleibt mir übrig, von einem Gebrauch zu reden, zu dem dieses Werkgen Gelegenheit giebt , nemlich zu dem : Ausser der Schule, oder ausser den Lehrstun- de»> Dieses iff eine Sache, die vorzüglich die Aelter» «»geht. Man müßte vielleicht ein Buch schreiben, um allem XII Vorrede. Mein unverständigen Tadel auszuweichen, den man sich mit diesem Werk zuzieht, anstatt aber mit dieser vergeblichen Arbeit mich abzugeben , will ich folgende Fragen allen Ael- tern zu unpartheyischer Prüfung vorlegen» Ist es nicht wahr , daß die meisten Menschen überhaupt alle Begebenheiten und Gegenstände der Natur mit gleichgültigen Augen , mir Vorurthcilen, und nicht selten mit frechem Tadel gegen die göttliche Vorsehung angesehen haben , weil ihnen unbekannt war , wie und warum solche entstehen, oder da sind , und wie groß der Einfluß seye, den sie auf uns haben ? Weil sie das angenehme, lehrreiche, grosse und wichtige dieser Begebenheiten nicht fühlten, und auS ihrer Betrachtung keinen Vortheil ziehen konnten r Kann aber etwas auf dem Erdboden unsers Nachdenkens und unsrer Betrachtung würdiger seyn, als die Natur ? Haben wir nächst Gott, ihr nicht unser Daseyn, und unsre Schaltung zu verdanken ? Wie viele Begebenheiten treffe» wir nicht darin» an, die unsre Aufmerksamkeit auf sich ziehen würden, wenn uns die Ursachen und ihr Nutzen bekannt wäre? Und welcher Nutzen wird nun zu erwarten seyn , wenn man unsre Kinder frühe schon, in die offne Natur blicken, und ihren Schöpfer, und das tausendfache Gute , das sie umgiebt, sehen, fühlen , bewundern läßt, und dadurch zum frohen, dankbaren Genuß, und zur willigen Ausübung der ihnen möglichen Pflichten erwecktr Eben diese Vewandtniß bat es mit allen übrigen Dinge» , welche auf das menschliche, und besonders auf das bürgerliche Leben einen vortheilbaften Einfluß haben, die in diesem Werk vorkommen. Die erste Aufklärung darüber sollen und müssen die Knaben in den Schulen erhalten , und erhalten sie hiedurch ; aber dieses Buch soll auch zugleich für ihr ganzes Leben ein angenehmer Leitfaden seyn, an welchen sie ihre selbst gesammelten Beob- «chtungrn und Erfahrungen anreihen sollen. ' Um diesen wichti- Vorreds, XUl wichtigen Zweck zu erreichen, müssen daher die Aeltern allerdings den Lehrern die Hand bieten. Freylich wird mancher Vater sagen : wozu soll mein Sohn dies ? jenes r ' wozu so viel lernen? ich bin zufrieden, wenn er lesen, schreiben und rechnen kann. Das ist recht gut! Aber um schön und richtig zu schreiben, mit Verstand und Gefühl * zu lesen, und mit Nutzen und vergnügen zu rechnen, gehören viele Borerkenntnisse, die man in der Naturge- schichte und den übrigen in diesem Werkgen vorkommenden Wissenschaften antrifft, dazu. Soll nun diese wichtige Absicht erreicht werden , s» ist nöthig, daß die Aeltcrn ihre Knaben nicht nur allein zu dem Auswendiglernen der Lectioneu, sondern auch zu den so nöthigen Wiederholungen des in der Schule gclefe- »en anhalten Soll dieses Buch recht gebraucht, und der Lehrer Mühe erreicht werden , so müssen die Ackern sehen , daß die Knaben es immer um sich zu habe,; wünschen ; es muß der Gegenstand des Gesprächs mit den ihrigen ; es muß die Belustigung unter ihren Cameraden, und der Führer bey ihren SpaziergLngen werden; die Aeltcrn müssen es als ein Hilfsmittel brauchen, die Geschicklichkeit, die Aufmerksamkeit, und den Fleiß ihrer Knaben zu prüfen, und sie daher über Las , was sie in der Schule oder zu Hause gelesen haben , und was ihnen erklärt worden ist, fragen , oder sich das Begriffene von ihnen erzählen lassen ; Und so die Fort ° oder Rückgänge in dem Fleiß ihrer A Kuaben selbst bemerken; so , und anders nicht, können sie Gegen von der Mühe der Lehrer erwarten. ES ist unmöglich , daß Lehrer allein alles leisten können ; und unbillich, und wider alle göttliche Ordnung, wenn Aeltcrn ihre Kinder sich selbst überlassen, und von den Lehrern alles fordern. Wenn auch die Lehrer alles mögliche für den wissenschaftlichen Unterricht thun, so bleibt für die sittliche Bildung der Knaben den Bettern noch genug zu thun . übrig, XIV Vorrede, übrg, ohne welche auch jene nicht gedeihen kann , ja aller unterricht ist vergeblich, wo die häusliche, sittliche Bildung vernachlässiget wird. Eine Heydin» nannte ihre Söhne Kleinodien , und christliche Aeltern sollten ihre erste und schönste Pflicht, die rcineste Quelle ihrer häuslichen Freuden, die sittliche Erziehung ihrer Kinder, vernachlässigen ? Fordert sie nicht zu dieser Erziehung, Gott, die Religion, die Natur, ihr BeßteS, daSBeßte der Kinder, das Beßte der menschlichen Gesellschaft auf? Sie mögen reich oder arm, hoch oder niedrig seyn, was werden sie, wenn die Stunde, der Augenblick kommt , in dem alles Blendwerck der äusser» Dinge verschwindet, sehnlicher wünschen, als alles angewandt zu haben, daß ihre Kinder verständige, weise, tugendhafte, gute, würdigeMenschen und Christen seyen, und auf dem Pfad der Weisheit und Lugend , auf den sie, sie geleitet haben, bis an ihr Ende beharren mö gen ? Besonders zu Müttern, die den Werth, das Glück und die Würde einer guten, häuslichen Erziehung fühlen, die ihre Freuden nicht in dem Land der Ländeleyen, die nur Lboren gefalle», sondern in dem engen Kreis ihrer Kinder, in dem sichtbaren Wachsen und Reifen ihrer Kräfte suchen sollen, möchte ich hier noch vorzüglich die Worte mächtiger Kraft anö Herz legen,nemlich: von Müttern hat das mensch- liche Geschlecht in Ansehung der Erziehung das meiste zu fordern und zu erwarten, jede trägt den künftigen Staat in ihren Händen, jede hilft den Saamen zu Lugend oder Laster, zu Glückseligkeit oder Elend auf die Nachwelt verbreiten ; sie könne» eben so viel Gute« thun , als verwahr- losen , je nachdem sie selbst wollen. Bast alles hängt von den ersten Eindrücken ab, die das junge Herz, weich wie Wachse, biegsam in alle Gestalten, von Müttern bekommt, von Müttern beyder ersten Erziehung, zuerst bekommt. Don ihnen und von dieser ersten Erziehung hängt es ab, den Vorrede. XV Leu Knaben verwildern, Unwissenheit, Bosheit und Fühl. losigkeit in ihm aufkommen zu lassen, oder diese zu verdrängen , damit bessere Gesinnungen empor kommen; Laß der Sohn, einst der Wohlthäter seines Zeitalters, der Wohlthäter des kleinen Kreise« wird , in den ihn einst GotteS Vorsehung zu würken bestimmt, — die Tochter in dem * Killen häuslichen Leben mehr durch wahre als schimmernde Verdienste sich eine Stelle unter den Edeln erwirbt, deren Schmuck nicht ist auswendig , sondern sanfter und stiller Geist, Liebe, Treu, sorgsame Erfüllung aller ihrer Pflichten. Auch mit euch/Rnaven! für die dieses Buch eigentlich'bestimmt ist, möchte ich noch ein paar Worte reden. Habet ihr auch schon einmal nachgedacht, wie viele Sorgen , wie viele Mühe und Arbeit, vielleicht schon Kummer, ihr eueon Lehrern und Aeltern gemacht r Wie glücklich ihr seyt, daß ihr zur Erkenntniß Gottes, und seines Sohnes, zur Weisheit und Tugend geführt werdet. Brauchet ja dieses Buch so, wie euere Lehrer euch Anleitung dazugeben. Jeder bestrebe sich, dadurch mit jedem Tage weiser und besser zu werden. Schämet euch jeder Widersetzlichkeit und jedes Ungehorsams, der die guten Absichten einer wohledlen Schulraths, cuerer Aeltern und Lehrer vereiteln würde. Kindliche Liebe und Ehrerbietung soll euch in euerm ganzen Verhalten gegen sie beseelen; Dankbcgierde, durch Fleiß, Aufmerksamkeit und Wohl- S verhalten euch regieren. Euere vornehmste Bemühung scye mit einem Wort, alle Mittel des Unterrichts, die sie euch geben, sorgfältig zu brauchen , um Gott immer recht wohlgefällig, und einst der menschlichen Gesellschaft, und besonders unsrer werthen Vaterstadt, recht nützlich zu. werden. Ich Vorrede. m Ich ende mit dem aufrichtigsten Wunsch, daß Gott die Arbeit der Lehrer und Aeltern auch dadurch segne , daß er ihnen Weisheit und Verstand gebe, stets das Beßre zu wählen und zu thun , und in der Erfüllung ihrer Pflichten sie nie verdrossen und muthloS werden lasse; daß beyde Hand in Hand an dem Wohl unsers künftigen Geschlechts arbeiten , und unsre werthe Vaterstadt die beßren Bürger dadurch erhalten möge. ven i. Winminonae 1787* Von der Erde. -^ie Erde, der Geburtsort und Wohnplaß bet Menschen, ist eine Kugel, überall mit Luft umgeben , und hat in ihrem Umfang fünftausend vierhun« Lert teutsche Meilen. Von diesem ganzen Raum ist kaum der dritte Theil trocknes Land, das übrige liegt unter dem Wasser. Alle bekannte Länder des Erdbodens werden in vier Haupttheile getheilt, welche man Europa, Asia, Afrika, und Amerika nennt; nach den neuesten Entdeckungen kann man nun einen fünften hinzufügen , den man Australien, oder Sudindien nennt. Asia ist am reichsten an allerley Früchten der Natur. Das heiffe Afrika ist das Vaterland der Mohren. Amerika ist der größte Welttheil, und an Gold und Silber sehr reich. Europa ist der kleinste Theil, aber seine Einwohner herrschen über viele Läm der der drey übrigen Theile, und haben sich die Küsten von mehr als der halben Erde unterwürfig gemacht. Keine andere, als die Europäischen Völker, reisen in A alle alle vier Theile der Welt, um aus allen Landern, das was ihnen gefällt, zusammen zu hohlen. Von allen Völkern der Erde sind die Europäer die, welche am meisten wissen, und die meisten Künste gelernt haben. Europa ist der einzige Welktheil, welcher überall angebaut , und mit Städten oder Dörfern angefüllt ist, dessen Einwohner Gemeinschaft mit emander haben, und sich, wenige ausgenommen, zu einer allgemeü nen Religion bekennen. Oben auf der Erde, sehen wir entweder trock- nes Land, oder Wasser. Das trockne Land ist bald lief, bald erhaben. Die erhabenen Theile der Erde, heissen Hügel, und die erhabensten werden Berge genannt. Der Boden des trocknen Lands ist sehr verschieden, soll aber nach der Absicht Gottes, durch den Fleiß der Menschen verändert und verbessert werden, damit er viel nützliches und angenehmes für sie hervorbringen möge. Die Menschen können Gärten, Wiesen, Aecker und Wälder anlegen, wo keine sind; Wasser hinschaffen, Wo keines ist; den Lauf der Flüsse verändern, sie schiffbar machen, durch Kanäle mit einander verbinden, dem Meer von seinem Boden entziehen, diesen anbauen, und ihn gegen die Wuth des Meers beschützen. Wenn sie nur Verstand und Mühe gebrauchen wollen, können sie kostbare und nützliche Dinge, die in der Erde tief verborgen sind , aus derselben heraus bringen , und zu ihrem und anderer Menschen Nutzen verwenden. Alle diese Arbeiten starken und erhalten die Gesundheit der Menschen / und verschaffen ihnen vielerley Gewächse, Früchte --------- ■; Früchte, und andere Sachen , die sie zum Nutzen, zur Bequemlichkeit, und zum Vergnügen brauchen können. Ein Land, dessen geringer Boden mit Fleiß und Verstand bearbeitet und verbessert wird, ernähret seine Einwohner; hingegen die Bewohner eines guten Bodens, welche nicht arbeitsam sind, haben Mangel an nöthigen, nützlichen und angenehmen Dingen, und führen ein elendes Leben. Nutzbarkeit der Berge. ^ie Berge zieren den Erdboden , und geben ihm die schönsten Aussichten. Inwendig in denselben fim det man Gold, Silber, Kupfer, Zinn, Bley, Eisen, kostbare, und nützliche Steine, und andere brauchbare Mineralien. Auf denselben ist eine fri- sche und gesunde Lust; sie haben auf ihrer Ober- fläche entweder gutes Gras, heilsame Kräuter, oder nützliche Bäume; wenn sie von geringer Höhe sind, tragen sie Wein; die sehr hohen sind mit ewigem Schnee bedeckt, von denen oft ungeheure Schneelasten, die man in der Schweiz Schneelauinen heißt, Herabrollen. Die Berge geben den Quellen und Flüssen ihren Ursprung; verschaffen den nützlichsten Thieren ihren Aufenthalt, und ernähren sie ohne unsere geringste Sorge. Sie dienen über dieß den Ländern zum Schutz, gegen die kalten Nord - und Östwinde. Einige Berge brennen zu gewissen Zeiten, und stoß ftn alsdann aus den Oeffnungen ihrer Gipfel Rauch A » und 4 - ===== und Dampf, auch wohl helle Feuerflammen, Asche und grosse Steine aus. Die drey bekanntesten Feuere speyenden Berge sind: Vesuv (in Italien,) 'Aetna (in Sicilien,) Hecla (in Island.) Die Berge haben öfters Höhlen , deren manche sehr groß und berühmt sind; Wie z. B. die Baumannshöhle auf dem Harz. In Europa sind die pyrenaifchen und Schweißer - Gebirge oder Alpen, das Karpathische oder Riesen Ge, birge sehr bekannt. Die höchsten Gebirge in der Welt sind die Rordillsras in Südamerika, und darunter befindet sich der Lhimborasso, welcher nennzehntauftnd dreyhundert und zwanzig Schuhe über die Flache des Meers erhoben ist. Das Wasser. ^as Wasser bedeckt den größten Theil der Erdkugel , und dieses ist eine weise Einrichtung Gottes. Denn aus dem Meer steigen die meisten Dünste auf, welche Wolken ausmachen, und nicht alle wieder in das Meer zurückfallen, sondern größtentheils von dem Winde nach dem trocknen Land getrieben werden , und auf daffelbige als Regen oder Schnee niederfallen, die Erde fruchtbar machen, und die Quellen und Flüsse unterhalten. Dünsiere das Meer nicht so stark aus, so würden auf dem trocknen Land, die Gewächse, Thiere und Menschen bald untergehen: käme nicht das Wasser vermittelst der Ströme und des Regens , in das Meer zurück, so würde das Meer austrocknen Nun --------- f Nun aber erhält der unaufhörliche Umlauf des Wass fers, welches aus dem Meer auf das trockne Land und in die Flüsse, und aus den Flüssen wieder in daS Meer kommt, die Erde in dem Zustand, daß fie frucht, t bar seyn, und bewohnt werden kann. Auf dem Meer kann man in schwerbeladenen Schiffen aus einem Theil der Erde nach dem andern schiffen, und dazu ist die Salzigkeit des Meerwassers mit bchülflich ; denn wegen derselben kann es grössere und schwerere Schiffe tragen, als das gemeine Wasser. Die Salzigkeit des Seewassers bewahret es vor der Faulniß, macht, daß es nicht so leicht als das gemeine Wasser gefriert, und in unterschiedenen an» Meer liegenden Landern, wird aus dem Seewasser entweder durch die Sonnenhitze, oder durch das Kochen , ein Küchensalz bereitet. Nimmt man dazu, Laß in dem salzigen Wasser des Meers' unzählbare Arten lebendiger Geschöpfe leben, welche im süssen Wasser nicht lebendig bleiben könnten, so siehet man wohl, daß die Salzigkeit deö Seewassers von gross sem Nutzen ist. Zwar kann es wegen derselben nicht getrunken werden; man hat aber doch gewisse Mit- - tel gefunden, durch welche man das Seewasser von dem Salz reiniget, und es ziemlich trinkbar macht; und die Menschen, welche auf der See reisen, nehmen an dem Ort, wo sie abreisen, und so oft sie Gelegenheit dazu haben, Trinkwasser in grossen Tonnen auf das Schiff, womit sie sich nothdürstig behel, fen. Endlich ist noch von dem Meer zu merken, daß es c s es mehr Thiere und Gewächse habe, als das trockne Land Ps. 104. 25. Das übrige Wasser in Brunnen und Flüssen ist entweder ohne Geschmack, Geruch und Farbe, wie das gute gemeine Wasser der Quellen und Flüsse; »der es ist mineralisch, und alsdann entweder kalt, oder warm und heiß. Zu dem kalten mineralischen Wasser gehören die Salzquellen, aus deren Wasser Rüchensal; gekocht wird, und mancherley Sauer, und Gesundbrunnen, welche dem Menschen grossen Nutzen schaffen. Das warme mineralische Wasser ist auch sehr heilsam, und quillt in einigen Ländern, z. B. in Baden unweit Zürich, so heiß, daß man Eyer darinn hart, und auf der Insel Island, daß man Fleisch darinn gar kochen kann. — Das Wasser ist den Men. schen, Thieren und Gewächsen unentbehrlich. ES a löschet am geschwindesten den Durst, ist auch überhaupt das gesundeste und beßte Getränke, und macht, daß das Blut ungehindert in den Adern lauft. Auch von aussen zum Waschen und Baden gebraucht, leb stet es dem Körper einen weit grösser» Nutzen, als die meisten Menschen wissen und glauben. — Das Quell, oder Brunnenwasser ist das beßte, und unter demselben ist wieder dasjenige besonders gut, welches bey Sandhügeln entspringt. Das 7 Das Meer. ^,'e Oberfläche des Meers, welches das vefle Land überall nmgiebt, beträgt sechs Millionen , ein« mal hundert zwey und neunzig tausend deutsche Quadratmeilen. Seine größte Tiefe ist ungefehr eine deutsche Meile. Man bemerkt, daß das Meer jeden Tag zweymal nach Regeln wächst und abnimnrt. Wenn in einem Hafen das Meer sich in seiner größten Höhe befindet, so wird es bald anfangen abzunehmen. Diese Abnahme dauert sechs Stunden fort, da die Höhe alsdann die kleinste ist. Nach diesen sechs Stunden sängt das Meer wieder an zu wachsen. Dieses Zunehmen dauert abermal sechs Stunden, nach welcher Zeit das Meer wieder feine größte Höhe erreicht hat. Auf diese Weise steigt und fällt das Meer inner vier und zwanzig Stunden zweymal. Diese abwechselnde Vermehrung oder Verminderung des Meerwassers ist es, was man die Ebbe und Lluth nennt. Insbesondere heißt die Lluth die Zeit, in der das Wasser steigt, und Ebbe die Zeit, in der es fällt. Das merkwürdigste ist, daß sich die Fluth nach denk Lauf des Mondes richtet. Im Voll-und Neumond ist die Bewegung stärker, als in den Mondsvierteln. Im Frühling und Herbst ist sie ebenfalls heftiger, als in den andern Jahrszeiten. Am schwächsten äussert sie sich zur Zeit der Sonnenwendungen. Diese Er, scheinung wird vornehinlich in dem Weltmeer wahrge, nommen, wo das Wasser einen sehr grossen Raum ein, nimmt; 8 --- - -- nimmt: hingegen in den eingeschloßnen Meeren, der/ gleichen das mittelländische ist, sind Ebbe und Fluch nicht beträchtlich. Der erste Nutzen, den uns die Fluch verschafft, aussert sich darinnen, daß sie das Wasser in den Flüssen zurücktreibt, wodurch sie tief genug werden , daß sie bis an die Thore grosser Städte die Lasten führen können, welche man ohne diese Hilfe nim, mermehr dahin zu bringen im Stande ist. Die Schiffe warten eine Zeit lang auf diesen Anwuchs des Wassers, und bedienen sich desselben, um ohne Berührung des Grundes an die Rhede zu gelangen, oder in die Flüsse ohne Gefahr einzusegeln. Ein anderer Vortheil, welcher durch diese beständige Bewegung des Wassers erreicht wird, besteht darin» daß es durch den beständigen Stillstand nicht verderbe oder faul werde. Die Winde befördern zwar auch diesen Nutzen. Allein da sehr oft eine grosse Windstille auf der See herrscht, so könnte eine gewisse Fäulniß in die Tiefe des Meers, als in die allgemeine Sammlung aller Ausflüsse der Erden, gebracht werden. Gott hat daher die Ebbe und Fluch veranstaltet, um zu verhindern, daß keine schädliche Feuchtigkeiten sich im Meer anhäufen möchten. Die an - und ablaufende Bewegung des Wassers treibet die faulen Dünste aus einander, und vermittelst der Ebbe und Fluth wird das Salz unter einander gemengt, welches vhne dieses Mittel zu Boden sinken würde. = y Die Tromben oder Wasserhosen , welche man bisweilen auf dem Meere sieht, sind grosse Wassersäcke, die der Wirbelwind aus dem Meer in die Höhe hebt. Sie schweben über der See in der Luft, und werden von dem Wind in einem beständigen Wirbel getrieben. Sie zerplatzen oft mit grossem Krachen und Ungestüm m, und thun grossen Schaden. Denn, wenn sie auf ein Schiff stvssen, so setzen sie sich in die Segel, heben das Schiff in die Höhe, und lassen es wieder fallen, so daß es untergeht, oder sie zerbrechen den Mast und die Segel; oder ergießen ihr Wasser in das Schiff. Um ihren gefährlichen Wirkungen zuentgehen, ziehen die Schiffer, wenn sie Wasserhosen in einiger Entfernung erblicken, so fort alle Segel ein, und thun einige Kanonenschüsse auf diese Wasserhosen, die, wenn sie getroffen werden, ihr Wasser mit grossem Krachen fallen lassen. Um euch einen Begriff von diesen Wasserho, sen zu machen, betrachtet die Figur. Tab. I. Das Feuer. ^as Leuev ist eine leichte, flüssige und höchst bewegliche Materie. Die besten Körper dehnt es aus, erwärmt sie, macht sie flüssig und schmelzt sie; die flüssigen Körper bringt es zum Kochen, und löset sie in Dünste auf. — Alle Körper haben Fester in sich, und ohne dasselbe können Menschen und Thiere nicht leben. Auch das Wachsthum der Pflanzen hängtgröß- tentheils von der Wärme ab, indem dadurch die Säfte IO in den Röhren der Pflanzen ausgedehnt und empor getrieben werben. Die Stralen der Sonne und das na. türliche Feuer leuchten; wenn nun die erleuchteten Dinge ihre Stralen in unsere Augen werfen, ihr Bild darein malen, und unsre Seele es empfindet, so sehen wir. Durch die Ferngläser können wir ent. legene Dinge, besonders die Sterne, durch die Vergrößerungsgläser aber solche kleine Dinge betrachten, die mit blossen Augen gar nicht, ober nicht deutlich genug gesehen werben können, t— Die Schwächung des Lichts macht die Schatten , und die gänzliche Ab- Wesenheit des Lichts ist Finsterniß. Das unterirdische Feuer. §6enn man die Oberfläche der Erde, die von den Sonnensiralen durchdrungen ist, durchgräbt, so trift man einen höhern Grad der Kälte an. Kommt man aber vierzig bis fünfzig Fuß tiefer, so wird es merklich wärmer , und in einer noch grössern Tiefe soll es so warm seyn, daß den Menschen der Athem benommen wird, und kein Licht brennen will. Diese Hitze schreibt * man einem verborgenen unterirdischen Feuer zu. Bisweilen ereignen sich auf dem Erdboden Erscheinungen , welche die erstaunenswürdigen Wirkungen des unterirdischen Feuers offenbaren. Man hört von feurigen Ausbrüchcn, welche unter der Erde hervor kommen. Die Erzählungen welche von den beiden ix Heiden feuerspeyenden Bergen gemacht werden, dem Aetna in Sicilien, und dem Vesuv in dem Königreich Neapolis, sind schrecklich. Zuweilen sieigt blos ein schwarzer Dampf auf. Zuweilen hört man ein ^ ' murmelndes Getöse. Auf einmal erfolgen dann Don- tier und Blitz, mit Erschütterungen des Erdbodens. Dann wird der Dampf hell, und glänzend, die Steine fliegen krachend umher, und fallen endlich in ihre Kluft zurück. Bisweilen haben diese Auswürfe einen solchen Grad der Heftigkeit erreicht, daß ganze Fel- sensiücke so leicht, wie ein Ball, in der Luft gewirbelt worden. Einmal wurde ein Stück Felsen von dreyhundert Pfunden drey Meilen hoch, in die Luft geschleudert. Zu gewissen Zeiten kochen die geschmolzenen, in Glas verwandelten Eingeweide der Erde empor, bis der fürchterliche Schaum überfließt, welcher auf einige Meilen weit sich über die angranzenden Felder ergießt, und alles daselbst überschwemmet. Alsdann dauert der Feuerstrom einige Tage fort, eine Welle rollt über die andere, bis er die See erreicht, und selbst in dem Meer erhalt ihn die innere Macht » seines Feuers brennend, so daß er einige Stunden weit, ohne auszulöschen fortströmk. Wer kann ohne Schaudern an die Verwüstung denken, welche diese Ausbrüche verursachen 1 Meyerhöfe und Dörfer mit all ihren fruchtbaren Plantagen werden verschlungen; reifende Erndten verbrennen; Kornfelder, Oelgärken und Weinberge werden zu Grunde gerichtet. A. 1669. Überschwemmte ein Strom des Aetna, wie unS erzählt 12 erzählt wird, vierzehn Städte und Flecken, und brachte 30,000 Menschen an den Bettelstab; selbst das Getöse hörte man auf zwanzig Meilen, Aber so schädlich uns dieseVerwüstungen scheinen, so nützlich sind sie im ganzen. Da sich unter der Erde häufig Feuer findet, so sind solche Berge unentbehrlich 1 die gleichsam die Zuglöcher sind, wodurch die Macht dieses in den Eingeweiden der Erde wütenden Elements geschwächt und zerbrochen wird; und wer weiß , ob nicht viele noch verborgene Vortheile dem ganzen Erdboden durch diese schreckliche Veränderungen zufließen. Das Erdbeben. Eine Wirkung des unterirdischen Feuers und der Ausbrüchen der feuerspeyenden Berge, sind auch die Erschütterungen der Erde, die man Erdbeben nennt. So bald die Materien, wodurch das unterirdische Feuer hervorgebracht wird, in Gahrung gerathen, und sich entzünden, so sucht das Feuer von allen Seiten » sich Lust zu schaffen. Findet es nirgends einen natürlichen Ausgang , so hebt es die Erde, und bahnt sich selbst einen gewaltsamen Weg zum Ausbruch. Dieses Er dbeben gleicht dem Stoß eines auffliegenden Pulvermagazins, welcher eine Erschütterung verursacht , die man merklich einige Meilen weit spühret. Eine andere Art Erdbeben sind aber die, die unge- mein k -- ---- ---- 13 «rein weit empfunden werden, und einen grossen Strich des Erdbodens schwankend machen, ohne daß dabey ein neuer feuerspeyender Berg zum Vorschein käme, oder ein anderer Ausbruch verspührt wurde. Diese Gattung Erdbeben pflegt sich allemal weit mehr nach der Länge, als nach der Breite auszudehnen. Man hat Beyspiele, daß Engeland, Frankreich und Deutschland zu gleicher Zeit von Erdbeben erschüttert worden sind. Das Schreckliche, welches mit dergleichen Erschütterungen verbunden ist, laßt sich nicht mit Worten aussprechen. Keine Zerrüttung auf dem Erdboden ist so schrecklich, keine von so allger meinem Verderben begleitet, keine vereitelt so sehr die Vorsicht, und den Widerstand der Menschen, als die Erdbeben. Es vernichtet ganze Völker und Königreiche, ohne die geringste Spuhr von ihrer vorigen Gestalt zurück zu lassen. Von der Eintheilung der Zeit. 2)ie Menschen haben von ihrem Ursprung an sich genöthigt gesehen, die Zeit in Tage, Wochen, Monate und Jahre, und die Tage in Stunden und Minuten abzutheilen. Zu jenen grossen Abschnitten der Zeit in Tage, Wochen, Monate und Jahre, gab ihnen der Auf-und Untergang der Sonne, und der Mond mit seinen Veränderungen Anlaß: zu den kleinen Abschnittest in Stunden und Minuten, bediente man sich folgender Hilfsmittel. Man nahm Wasser, goß 24 goß es in ein Gefäß, welches am Boden eine kleine Oefnung hatte, und ließ es in ein anders untergesetztes Gefäß ablaufen. Wenn es abgelaufen war, schüttete man das Wasser wieder in das obere Gefäß. So vielmal daS nun wiederholt wurde, so viel gleiche Abtheilungen der Zeit hatte man. Anstatt des Wassers bediente man sich auch des Sandes auf ähnliche Art. Und so entstanden zuerst Wasser« und hernach Sanduhren. Durch Hülfe derselben bemerkten unsre Vorfahren, wie viel der Schatten eines Stifts, der von der Sonne beschienen wird, in einer gewissen Zeit, die sie durch ihre Wasser - und Sanduhren ab- Massen, fortrückte. Das gab Gelegenheit zur Erfindung der Sonnenuhren. Endlich sind in den spätern Zeiten, unsre gervöhnllchen Uhren erfunden worden, worinn durch ein Gewicht, oder eine stählerne Feder, der Weiser in einer bestimmten Zeit herum getrieben wird, und die Stunden anzeigt. Noch eine spätere Erfindung sind die Taschenuhren. In den meisten Landern zählt man von Mittag bis zu Mitternacht zwölf Stunden, und wieder so viel von Mitternacht bis zu Mittag. In Italien werden die Stunden des Tages und der Nacht in einer Reihe fort bis auf 24 gezahlt. Die Mühe, die Zeit genau einzutheilen, sie zu messen und zu zahlen, haben die Menschen wohl vorzüglich deswegen unternommen, weil sie einsahen, daß ohne Eintheiiung der Zeit, keine Ordnung weder in öffentlichen noch häuslichen Geschäften seyn könne. Lernet da her, Knaben! die Zeit auch auch wohl anwenden und nützen. Jeder Glocken- schlag erinnert euch, daß die Zeit vorbey eilt, und die entflohene Zeit nicht wieder kömmt. Von den Wochentagen und Monaten. !iDie Wochentage sind bekannter Massen O Sonntag, }) Montag, d Dienstag, <£ Mittwoch, ^-Donnerstag , $ FreytagSamstag. Der Kürze wegen schreibt man die Tage öfters mit den hier beygefügten Zeichen; und die Zeichen selbst sind von den Himmelskörpern, die man auch auf die Art schreibt, entlehnt, weil unsre Vorfahren jeden Wochentag der Herrschaft eines besondern Planeten unterordneten. Wir sind hierin» aber eines bessern berichtet; wir wissen, daß unsre Schicksale und unsre Tage nicht von den Planeten, sondern durch die Allmacht eines weisen Gottes regiert werden. Schon seit langer Zeit wird das Jahr in 12 Theile, die Monate heissen, eingetheilt. Der Name kommt von Monden, weil die Zeit von einem Neu- oder Vollmond zum andern ohngefähr so lange dauert, und man anfänglich das Jichr nach der Zahl der Neumonden bestimmt hat. Wir haben die Namen der Monate von den Römern angenommen; sie heissen auf auf deutsch: Ienner, Hornung, März, April, May, Brachmonat, Heumonat, August oder Erndtemonat, Herbsimonat, Weinmonat, Wintermonat, Christ- monar. Von den vier Weltgegenden. Än Sonne, Mond und Sternen wird man eine gewisse Bewegung gewahr. — Die Sonne geht, (wie man im gemeinen Leben zu sprechen pflegt) alle Tage auf und unter. Am Mittag steht sie täglich am höchsten, und neiget sich hernach zum Untergang. Wenn man sich nun am Mittage gerade der Sonne entgegen stellt, so hat man im Rücken den Ort, wo die Sonne in Mitternacht, unter der Erde steht. Zur Linken hat man eine Gegend, die Morgen, zur Rechten eine, die Abend heißt. Da aber die Worte: Morgen, Mittag, Abend, Mitternacht, im gemeinen Leben fast immer nur von der Zeit verstanden werden, so hat man um deutlicher zu reden, die Gegenden lieber mit andern Worten benannt, und zwar den Ort , wo die Sonne am Mittage steht, Süd, und den entgegengesetzten zu Witter, nacht Nord, den Aufgalig st, und den Untergang West. Zwischen i7 Zwischen diesen Hauprgegenden bleiben aber noch grosse Räume übrig, die auch benannt.werden müssen, wenn man genauer einen Ort an unserm Sehe- oder Gesichtskreis ( Horizont) bezeichnen will. Nicht wahr: wenn du in einer Stube bist, so ist dein" Gesichtskreis durch die vier Wände eingeschlossen, bist du auf einem hohen Berg, so hast du einen weit ausgedehnter« Gesichtskreis vor dir? Will man nun das, was man umher sieht, nach seiner Lage beschreiben, so sind die vier Hauptgegenden nicht hin-' länglich, die Lage genau anzugeben. Es kann zwischen Ost und Süd, zwischen Süd und West, zwischen West und Nord, zwischen Nord und Ost noch vieles liegen. Daher hat man sich genvthiget gesehen, die zwischen den Hauptgegenden liegende Gegenden noch weiter einzutheilen, und jedem eine geschickte Penen- nung zu geben. Man hat daher den ganzen Gesichtskreis rings herum in 64. Theile abgetheilt. Aher schon die Hälfte, nemlich 32. Theile, sind hinlänglich, die Lage ziemlich genau zu bestimmen, und in so viel Theile findet ihr den Horizont auf einigen Landkarten und auf den Lompasten eingetheilt. Compasie sind Kästchen, in deren Mitte ritt messingener Stift bevestigt ist, auf welchem sich eine stählerne Nadel, die mit Magnet bestrichen worden', frey herum drehen kann. Eine so bestrichene Nadel erhält die Eigenschaft des Magnets selbst, sich mit ihrer Spitze gegen Norden zu drehen. Um diese Nadel nun ist ein Kreis gezogen, welcher in 64, gewöhnlicher in 32, in einigen auch nur in 16 Theile ge< B theilt theilt ist, in welchem jeder Strich seine Beneitnung hat. Die Gegend , wohin jeder Strich weist, wenn die Spitze der Magnetnadel nach Norden gekehrt ist, wird nach ihm benannt, wie folgende Figur anzeigt. Der Magnet ist ein Stein der Eisen an sich zieht, und wenn er frey an einem Faden aufgehängt wltd, sich so lange am Faden dreht, bis eine seiner Ecken (und die beyden Ecken des Steins werden pole genannt:) nach^. Norden und die gegen über «ach Süden zeigt. Eben ig Eben diese Eigenschaft theilt er auch der mit ihm bestrichenen Nadel mit. An einem Compaß könnet ihr dieses sehr deutlich sehen. Drehet ihn so oft um als ihr wollt; die besirichene und wie ein Pfeil gestaltete Spitze wird stets nach Norden weisen. Durch Liesen Compaß wissen die Schiffer in der See ihren Weg zu finden, und segeln nun einige tausend Meilen nach solchen Landern , wohin zu Lande kein Weg und kein Fuhrwerk gehen kann. Durch die Schifffahrt haben sich die Menschen auf Erden kennen gelernt. Sie handeln , das heißt, sie ver, tauschen ihren Ueberfluß gegen einander, und be, zahlen entweder - mit Waaren oder mit Geld. Die Waare» welche oft schwer sind, werden in Schiffen auch bequemer und wohlfeiler als auf Wagen fort, gebracht. Denn ein grosses Schiff kann mehr fort, schaffen, als tausend Wagen , jeder mit vier Pfer, den bespannt. Wir haben auch durch die Schifffahrt Gottes Herrlichkeit in der Schöpfung noch besser kennen gelernt, als zuvor , da wir fremde Länder nicht besuchen konnten. Sehet Knaben, so und noch auf andere Art nützet der unansehnliche Stein, den man Magnet nennet. B * Die 20 Die Sonne nebst den Planeten. ©ie Sonne hat die Gestall einer Kugel, und scheint aus einer feurigen Materie zu bestehen, die sich nie verzehret. Sie theilet ihr Licht 16 dunkeln Kugeln von verschiedener Grösse mit, welche sich in verschiedenen Entfernungen um sie herum bewegen, und Planeten genannt werden. Schon hieraus er, hellet, daß ihre Grösse erstaunlich seyn müsse. Und schon wegen der sichtbaren Grösse, die wir ohner- achtet ihrer sehr grossen Entfernung von uns wahr, nehmen, muß man auf diesen Gedanken kommen. Beynahe völlig gewiß wird es aber, wenn wir die Ausmessung und Berechnung der Naturkündiger annehmen. Nach der Bestimmung, die sie von der Grösse der Sonne gemacht haben , muß sie wenigstens eine Millionmal grösser als die ganze Erde seyn , deren Umfang vast an sechs tausend Meilen betragt. Wahrscheinlich würde ihre Grösse mit mehr Zuverlässigkeit bestimmt werden können, wenn ihre Entfernung von der Erde nicht so außerordentlich groß wäre. Wenn man nicht den größten , auch nicht den geringsten Abstand der Sonne von der Erde annimmt, so ist sie achtzehn Millionen, neunhundert und zrvanzigtausend deutsche Meilen von uns entfernt. Eine Entfernung welche mit chresn Gebrauch, und mit ihren Wirkungen wunderbar übereinstimmt. Einige Planeten oder dunkle Körper sind ihr näher, als: Mercur, Venus und unsre Erde mit ihrem Nebenplaneten dem Mond. Merkur I 2l Merkur der nächste Planet bey der Sonne ist 17. mal kleiner als hie Erde, und umläuft sie in einer Zeit von 87. Tagen. So lange dauert also im Merkur ein Jahr. Er ist 6. bis 7. Millionen Meilen von der Sonne entfernt. Sein Zeichen ist $» Die Venus ist der schönste Stern am Himmel , und unter dem Namen des Morgen - und Abendsterns bekannt ; denn ungefähr ein halbes Jahr lang, geht sie vor Sonnen Aufgang auf, und heißt der Morgenstern. Fast eben so langes erscheint sie am Abendhimmel, und heißt alsdann der Abendstern. Ihr Licht nimmt ab und zu. Sie ist über 12. Millionen Meilen von der Sonne entfernt, und braucht 224. Tage zu ihrem Umlauf um die Sonne. Sie wird mit dem Zeichen geschrieben ?« Unsere Erde bewegt sich in 365. Tagen, und beynahe 6. Stunden um die Sonne. Sie hat alsdann einen Weg von 119. Millionen Meilen zu laufen, so daß sie in jeder Minute 226. Meilen zurück zu legen hat. Ihr Zeichen ist K. Wäre unsre Erde näher bey der Sonne, so würde sie zu Aschen verbrannt werden. Andere Planeten als: Mars, Jupiter, mit vier , und Saturnus mit fünf Monden oder Nebenplaneten , sind von der Sonne so entfernt , daß , wenn unsre Erde dort wäre, sie beständig in eine schreckliche Finsterniß eingehüllt , gehüllt, und für uns ganz unbewohnbar seyn würde; und doch haben wir Ursache zu glauben, daß Gott diejenigen Wellkörper, welche entweder der Sonne näher , oder von ihr entfernter sind, als unser Erdboden, zur Bewohnung geschickt gemacht habe. Der Mars vollendet seinen Lauf um die Sonne in einem Jahr und 321. Tagen. Er nimmt sich durch seine rothe Farbe vor den andern Sternen aus, ist gegen 30. Millionen Meilen von der Sonne entfernt, und achthalbmal kleiner als unsere -Erde. Man schreibt ihn mit diesem Zeichen c?» Jupiter ist der größte unter den uns bekannten Erdkörpern, welche die Sonne erleuchtet. Er-kommt erst in n. Jahren und 312. Tagen hemm , daö ist : so viel Zeit ist erforderlich, ehe er alle Himmels - Zeichen durchwandert oder seinen Lauf um die Sonne vollendet hat. Wohnten wir im Jupiter, so würden wir erst ein Jahr zählen , wenn die Erdbewohner schon beynahe »2. der ihrigen vollendet hätten. Er ist 10 tausend mal größer als unsre Erde, von der Sonne über y->. Millionen Meilen entfernt, und hat a < Monden oder Trabanten, Er wird so bezeichnet Der Saturnus endet seinen Lauf um die Sonne erst in 2y. Jahren und 157. Tagen , so daß seine Einwohner erst ein Jahr zählen , wenn wir deren schon beynahe 30. zu End? gebracht haben. Durch Ferngläser hat man 5. Monden entdekt, die sich um ihn ------------- 2Z ihn bewegen , das Licht der Sonne auffangen, und seine Rächte erleuchten. Das Sonderbarste , was man an ihm entdekt hat, ist ein glänzender Ring , der ihn umgiebt, ohngefähr also: Saturn wird von den Astronomen ‘ also ber zeichnet H« -Um euch mit einem Blick übersehen zu lassen, was ihr bisher von der Sonne und den Planeten gelesen habet, so betrachtet Tab. s. Dieses grosse Gebiet der Sonne, welches sich. über neunhundert Millionen Meilen im Umkreise erstreckt, und das man Welt oder Sonnensystem nennt, ist doch nichts weiter, als ein Theil des ganzen Weltgebäudes. Denn von allen Fixsternen, die noch ungleich weiter von uns abstehen, als die Planeten, und deren Zahl vielleicht grösser ist , alS die Zahl der Sandkörner am Meere, ist ein jeder als eine Sonne anzusehen, die an Grösse und Glanz unsre, wo nicht übertrift, doch ihr wenigstens gleich kommt, und deren Reiche sich viesieicht noch weiter ausbreiten. Wer 24 Wer täglich auf den Stand der Sonne am Himmel Achtung giebt , wird gewahr, daß sie täglich so wohl beym Auf-und Niedergang als auch zu Mittag, einen andern Punkt am Himmel be. rührt, bis sie in einem Jahr wieder an denselben Ort beym Aufgang, Untergang und am Mittag kommt,, wo sie vor einem Jahr gewesen. Ihr Umlauf macht also ein Jahr aus , und die Bahn die sie in einem Jahr macht, wird die Sonnenbahn oder mit dem griechischen Wort, Ekliptik genannt. Diesen Kreis har man schon vor Altem in 12. Theile getheilt, die den Namen der himmlischen Zeichen, die ihr im Kalender findet, führen. Durch diesen eingebildeten Weg, den die Sonne durchwandert, entstehen die verschiedenen Jahrszeiten , als Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Diese sind aber so wenig als die Tageszeiten zugleich auf der Erde einerley : denn wenn es in Europa Sommer wird, so wird es in den Gegenden unter dem Südpol Winter, und umgekehrt. Uns geht die Sonne auf, wenn sie zwischen Asien und Amerika untergeht; bey uns ist es Mittag , wenn es dort Mitternacht ist. In Sina wird es Abend, wenn es bey uns Mittag ist, und in Amerika wird es zu eben der Zeit Morgen.' So beleuchtet und erwärmet die Sonne andere Gegenden, ob schon sie des Nachts auf uns nicht scheinet. "j Der Mond Aer Mond ist einer von denjenigen Himmels« Körpern, der nebst der Sonne den wohlthätigsten Einfluß auf unsre Erdkugel hat. Er ist ein dunk« ler Körper, weil sein erleuchteter Theil jederzeit der Sonne zugekehrt ist. Die Ab-und Zunahme seines Lichts kann uns überzeugen, daß er eine kugelför« mige Gestalt hat, und ein dunkler Körper ist, der sein Licht von der Sonne erhält. In 27. Tagen und 8. Stunden lauft er einmal um die Erde, und mit der Erde zugleich jährlich um die Sonne her« um, und wir theilen nach dem Mond unser Jahr ein. Jedoch das, was wir mit blossen Augen an dem Mond beobachten können, ist noch bey weitem nicht das Wichtigste von demjenigen , was man durch Hülfe der Fernrohren und genauer Berechnun« gen entdeckt hat. Wie viel Dank sind wir den Männern schuldig , welche unsre Kenntnisse zr?er- wettern, solche Untersuchungen angestellt haben, durch welche wir im Stande sind, uns die erhabensten Vorstellungen von den Himmels « Körpern zu machen. Aus ihren mühsamen Beobachtungen wissen wir, daß der Mond um fünfzig mal kleiner ist als die Erde, und weil er nur fünfzigtausend Meilen von uns entfernt ist, uns so groß vorkommt. Ferner, daß er viele Flecken, dunkle und helle Gegenden habe, jene sind theils niedrige Landschaften , schaffen, theils schattige Thäler und Gruben, theils auch vielleicht Sümpfe oder Seen. Der Mond ist wahrscheinlich ein sehr harter Körper, der gleichsam aus lauter Eisen oder Marmor zusammen gesetzt ist, und wenig Früchte tragen kann. -Wenn der Mond in seiner Laufbahn zwischen der Sonne und der Erde ist, so kehrt er uns die dunkle Seite zu , und X wir haben dann Neumond D. Erblicken wir die Hälfte der erleuchteten Seite zur rechten Hand, so ist es das erste Viertel, und zunehmender Mond )). Erscheint uns die ganze erleuchtete Seite , so ists Vollmond G. Sehen wir aber die linke Seite nur halb erleuchtet, so ists das letste Viertel, und abnehmender Mond <£♦ Unsre Erde vergilt dem Mond seine Dienste, und erleuchtet ihn wieder , erscheint aber ihm 14. mal grösser als er uns. Die Figur Nro. 3. wird euch zeigen, wie der Mond so wohl zur Zeit des Vollmonds als auch zur Zeit des Neumonds durch gute Fernröhren gesehen wird. * E—————————— Von den Sonnen- und Mondfinsternissen. Ä)ir wollen uns von dieser Naturbegebenheit unterrichten , da sie besonders sehr merkwürdig, und eine Veranlassung zur Verherrlichung unsers Schöpfers ist. Steht der Mond , wenn er neu und bey der Sonne ist, gerade vor der Sonne, so können die Bewohner der Erde, die. gegen über sind, die Sonne so weit nicht sehen, als der Mond vorsteht, und das heißt eine Sonnensinstermß. Richtiger würde man es eine Erdsinsterniß nennen. Hänget eine erleuchtete Kugel irgendwo auf, in einiger Entstrnung von ihr hanget eine andere, aber dunkle Kugel oder Scheibe auf. Trettet ihr gerade vor die dunkle und erleuchtete Scheibe, so verhindert die dunkle, daß ihr die erleuchtete nicht.sehet, oder Laß das Licht derselben nicht auf euch fallen kann. Stehet ihr auf der Seite , so wird euch nur ein Theil von der erleuchteten Kugel verdunkelt. So könnt ihr euch die Sonnenfinsternisse vorstellen, und wie sie an verschiedenen Orten gesehen werden. An einem Ort sieht man die Sonne ganz, an einem andern nur zum Theil , an andern Orten gar nicht verfinstert. Zur Zeit des Vollmonds ereignet es sich oft, baß unsere Erde zwischen dem Mond und der Sonne steht. Der Schatten der Erde fallt auf den Mond, folglich wird sein Licht entweder ganz oder zum Theil verdunkelt; das heißt eine Mondfinsterniß, und zwar in jenem Fall eine totale, in diesem eine partrale. Da der Lauf der Himmelskörper sehr vrdentiich nach den vvm Schöpfer vestgesetzten Regeln vor sich geht, so kann man die Sonnen - und Mondfinsternisse lang vorher berechnen^, Darum sind sie im Kalender vorher angezeigt, an welchem Tage, zu 28 zu welcher Stunde und Minute sie sich zutragen, wie lange sie dauren, und wie groß sie seyn werden. Eine Sonnenfinsterniß kann nur im Neumond, und eine Mondfinsterniß nur im Vollmond statt finden. Durch Hülfe dieser Finsternisse lassen sich die wahren Lagen, Abtheilungen und Entfernungen der Städte und Länder bestimmen. Blos durch diese Beobachtungen ist man in den Stand gesetzt worden , Landkarten von den entferntesten Welttheilen zu entwerfen, die auf das richtigste zutreffen; den Seefahrenden dienen sie zu einem sichern Mittel, wodurch sie bemerken können, wie weit sie von Morgen oder Abend entfernt sind. Der Comet. (V ^)hr habt vielleicht schon gehört, daß bisweilen Sterne erscheinen, die entweder um sich herum einen Schein haben , als wären sie mit Haaren umgeben , oder einen langen Schweif hinter sich her führen. Man nennet sie Lometen. 176«) war ein solcher Comer mehrere Monate hindurch zu sehen. Vielleicht werdet ihr deren auch erleben. In den alten Zeiten hat man sich falsche Vorstellungen von ihnen gemacht; man hat sie für göttliche Zornzeichen gehalten , und sie zu Vorbotten von allerley Plagen gemacht. Durch Beobachtungen aber hat man schon mancher Cometen Laufbahn ausgeführt, und kann berechnen, wann sie wieder kommen werden. Wie können sie also Vorbotten von Landplagen seyn? Sie sind ohne Zweifel Planeten ähnliche Körper , haben «ü- 2Y haben aber eine ganz andere Laufbahn als die eigentlichen Planeten. Gemeiniglich haben sie einen neb- lichten Schimmer, und der Sonne gegen über einen durchsichtigen Schweif. Zuweilen kommen sie der Erde nahe, und werden dem blossen Auge sichtbar. Meistens aber, wandern sie in unermeßlichen Entfernungen herum , wo sie zuweilen durch gute Fern- röhren entdeckt werden. Um euch hievon eine Vorstellung zu machen, lasset euch die Tab. 2. bemerkten Cometenbahnen von euerm Lehrer zeigen. Ist wohl dieser Körper von Geschöpfen bewohnt , da er bald die Glut der Sonne in der Nähe empfindet, und alsdann wieder durch eine so grosse Entfernung von derselben, sich in dicker Finsterniß befindet, - wo die Stralen der Sonne nicht mehr wirksam seyn können ? Dies sind Fragen, deren Unbeantwortlichkeit uns überführen kann , daß wir Menschen sind. Von der Luft. Gott dehnet die Himmel aus , wie eine Decke , und spannet sie aus, wie ein seit, das bewohnt werden soll. Jes. xl, 22. Das Wort Himmel bedeutet hier die Luft, welche ASDft um die Erde also ausgedehnet hat, daß sie unsern Augen als ein grosses blaues Gewölbe vorkommt. Diese Luft, die unsere Erde umgiebt, ist ein sehr dünner, flüssiger und durchsichtiger Körper. In der Nahe sieht man sie nicht, weil ihrer da zu wenig ist , allein in weiter Entfernung , da die Menge derselbe» den grösser ist , erblickt man sie in der schönen Farbe , welche Himmelblau genannt wird, die kein Maier vollkommen nachmachen kann. Der Nutzen der Luft ist groß, und sie gehört zu den Wohlthaten Gottes, welche wenig erkannt und bedacht werden. Die lebendigen Geschöpfe können ohne Luft nicht leben , weil sie ohne dieselbe keinen Athem schöpfen können. Auch die Gewächse können ohne Lust nicht wachsen. Ohne Lust ist kein Schall, denn dieser ist die Vewegung der Luft, welche Unser Ohr empfindet. Die Luft nimmt andere zarte Körper anf, welche in derselben in die Höhe steigen , und Dämpfe und Ausdünstungen genannt werden. Dergleichen steigen nicht nur aus dem Wasser auf eine noch nicht genug bekannte Weise, sondern auch aus den Pflanzen, aus den Körpern der Menschen und Thiere, und aus den Metallen und Halbmetallen , wenn sie geschmolzen werden, in die Höhe. A-«ch viele irdische Dinge gehen wie ein Rauch in die Luft, wenn sie 'verbrannt werden. Endlich schweben auch Saamen von Pflanzen , ganze Früchte und unbegreiflich viel Insekten in der Lust. So weit sie mit allen diesen Dingen angefüllt ist , nennt man sie den Dunstkreis oder die Dunstkugel. Die obere Luft drückt die untere. Daher ist die Luft desto dichter, je naher sie bey der Erde ist , und wird desto dünner, ja auch desto kalter, je weiter sie von der Erbt entfernt ist. Nähe« Nähere Erklärung der Eigenschaften dev Luft. ^Die Lust läßt sich zusammendrücken , wie- -ersteht dem Druck, und äusscrt ein BestrebeU, sich wiederum auszudehnen. Ohne diese merk. würdige Eigenschaft der Luft und ihre Gesetze'zu kennen, belustigen sich die Knaben daran bey ihren Spielen mit der Rnallbüchse, die aus einem ausgehöhlten Hollunderstammchen verfertigt wird. DLe ' Knabe treibt vermittelst eines kleinen Stabes zuerst einen Pfropf oder Stöpsel bis an das Ende seiner Knallbüchse, durch den sie also dort verstopft wird; Nun nimmt er einen zweyten Stöpsel und drückt ihn ebenfalls hinein. Die in der Höhlung befindliche Luft wird auf diese Art zwischen den beyden Stöpseln eingeschlossen ; denn er sorgt , vornehmlich durch ein gehöriges Anfeuchten derselben, dafür, daß sie beyde genau und dicht den Umfang der Röhre ausfüllen, und also der Luft allen Ausgang verwehren. Je weiter nun der zweyte Stöpsel vor- gedrückt wird, und sich folglich dem erstern nähert, desto kleiner wird der Raum, der für die Lust übrig bleibt , desto stärker muß aber der Knabe auch drücken , um seinen Stab weiter vorwärts zu schieben. Kann endlich der vordere Stöpsel der Gewalt, mit welcher die eingepreßte Luft gegen ihn drückt, nicht mehr widerstehen , so wird er von derselben aus der Röhre fortgeschnellt, und der Knall,. womit dies geschieht, samt der Geschwindigkeit, Zr - digkeit, mit der er wegfliegt, beweisen die Kraft, mit der die zusammengedrückte Luft sich auszudehnen strebte. — Da auch eine Stahlfeder mit desto grösserer Kraft zurückspringt, je stärker man sie zusammen gedrückt hatte, so hat man wegen dieser Aehnlich-- keit, die eben beschriebene Eigenschaft der Lust ihre Federkraft oder Elasticität genannt. Die zweyte Eigenschaft der Luft ist die Schwere. Vielfältige Versuche beweisen es, daß die Luft wirk« lich schwer ist. Ihr werdet wohl selbst schon wahrgenommen haben, daß der Rauch unserer Kamine oder Schorsteine bisweilen in der freyen Luft auf die Erde nieder sinket, und gehört haben, das man alsdenn Regenwetter prophezeyt, und man hat Recht. Denn ist die Luft so verdünnet, folglich so leicht, daß sie nicht mehr im Stande ist, den Rauch zu tragen/ so kann sie auch die in der obern Gegend der Atmosphäre (Dunstkreis) schwebende Dünste nicht mehr in der Höhe erhalten, weswegen solche niedersinken, oder in Tropfen zusammen fiiessen und herabregnen. Die Flüssigkeit der Luft ist eben so deutlich wahrzunehmen, wenn man auf die Leichtigkeit sieht, womit wir uns immerdar, durch die Luft bewegen, auf die Geschwindigkeit, mit der sie sich so gleich hinter dem Körper, der sie trennt, wiederum zuschließt, und endlich auf ihre Fähigkeit, die Figur eines jeden Gefäßes, worinn sie eingelassen wird, anzunehmen, oder es völlig auszufüllen. Etwas 33 Etwas von der verschiedenen Reinigkeit der Luft und den verschiedenen Luftarten. Äie Lust ist nicht überall gleich rein, das heißt, wir können nicht überall mit gleicher Leichtigkeit in ihr Athem hohlen. Auf hohen Bergen, und auf weiten trockenen Ebenen ist sie am reinsten. Man athmet da freyer und tiefer , man fühlt sich leichter, und man sagt oft, wenn man aus einem dumpfen und engen Zimmer aufs freye Feld, oder in einen grossen Garten kömmt: ich fühle mich wie neuger bohren! das kommt daher, weil man den Unterschied zwischen der gesunden reinen Landluft, und der eingeschloßnen, die Brust nicht genug ausfüllenden Stubenluft, fast augenblicklich fühlt. Manchmal werdet ihr im Sommer bey Sümpfen vorbey gegangen sey», wo es euch ganz anders zu Muthe war. Ihr fühltet euch beklommen, der Gestank hemmte euch den Athem , und ihr sagtet: die Luft ist angesteckt, sie ist unrein. Solche unreine Luft hat schon manchmal die Pest und andere gefährliche Krankheiten verursacht. Ja man hat Beyspiele, daß sie dergestalt verdorben werden kann, daß ein Mensch auf der Stelle in ihr ersticken muß; so ist in Italien eine Höhle, die dort die Hundsgrotte genannt wird. In dieser steigt beständig ein Dunst in die Höhe, der so giftig und erstickend ist, C daß baß Hunde und andere Thiere, die man hineinbringt, augenblicklich davon sterben. Einem Menschen, wenn er hinein käme, würde es nicht" besser gehen. Alte Keller , die lange Zeit nicht besucht worden, Mist- gruben die man lange nicht gereinigt hat, sind in dieser Absicht nicht weniger gefährlich. Die Dünste, welche sich an solchen Orten sammeln, haben schon manchen ums Leben gebracht, der sich unvorsichtiger weise hineinwagte , ohne vorher diese Keller oder Kloaken, eine geraume Zeit lang geöfnet, und durch den Luftzug, die schädlichen Dünste herausgejagt zu haben. Wie viele arme unglückliche Leute sind nicht in kalten Winternächten vom Kohlendampf ersticket, ehe man ihnen zu Hülfe kommen konnte. Man weiß so gar Exempel, das Leute in verschlossenen Zimmern vom starken Blumengeruch in Ohnmacht versunken sind. Dieses kann euch begreiflich machen, wie die Luft verdorben werden kann. In einem Zimmer , wo viel wohlriechende Blumen stehen, riecht es überall darnach. Wo ein Aas fault, ist die Luft weit und breit mit Gestank erfüllt, und in einem Waschhaus sehet ihr die ganze Luft voll Nebel. Es muß also wohl etwas aus den Blumen, aus dem faulen Fleisch, und aus dem kochenden Wasser in die Luft gehen, und sich damit vermischen. Durch solche fremde flüchtige Theile wird die Luft verderbt / und zum Athemhohlen ungeschickt. ------ 35 Man hat aber auch gefunden, daß in Pflanzen, Thieren und Erden, eine Menge Lust von verschiedener Art- enthalten ist, die sich theils von selbst aus ihnen los reißt, theils durch künstliche Mittel, durchS Feuer u. s. w. heraus treiben läßt. — Wenn ihr einmal Wein, Vier oder Most habt gähren sehen, so werdet ihr vielleicht bemerkt haben, daß davon eine Menge Dunst oder Luft aufsteigt, die, wenn man ihr zu nahe kommt, die Nase kützelt, den Athem hemmt, und ein brennendes Licht, das man darüber halt, sogleich auslöscht. Dieses nennt man jetzt fixe Luft. Man hat gefunden, daß diese fixe Lust, die sich auch aus vielen andern Materien ziehen läßt, Dögel und andere kleine Thiere, die man htneinhält; fast im Augenblick ersticket: ja zuweilen ist es auch geschehen, daß Menschen, die sich in Kellern , wo Wein, Bier oder Most gährte, zu lange bey verschlossenen Thüren aufhielten, für ihre Unvorsichtigkeit mit dem Leben büssen mußten. Der Mensch selbst vergiftet die Luft, worinn erlebet, durchsein Athemhohlen, und durch seine Ausdünstung. Gehet nur zur Winterszeit in eine stark geheizte enge Bauernstube, wo sich viele Menschen beysammen aufhalten, euere Nase und Lunge werden die Unreinigkeit der Luft nur allzudeutlich empfinden. Diese Verderbniß der Luft kann sogar tödtlich werden; das beweist das Beyspiel der ioo Engländer, die ein grausamer indianischer Fürst bey grosser Hitze in einem sehr engen niedrigen Zimmer einsperren ließ. In weniger als 24 Stunden ^ wa- C » ren 3 6 ------------- ren die meisten von ihnen erstickt, und das nicht bloß der Hitze wegen, sondern auch, weil ihr eignes Llthemhohlen und Ausdünsten die Luft so verpestet hakte. Ihr werdet vielleicht schon von den Ballons oder Luftschiffen etwas gehört haben, die man neuerlich erfunden hat. Diese werden zum Theil Mit brennbarer Luft gefüllt, die man durch die Kunst aus Eisen und Vitriolöhl zieht, welche, weil fie viel leichter als gemeine Lust ist, macht, daß eine damit angefüllte Blase in die Höhe steigen muß, eben so, wie ein rundes Glas, worinn nichts als Luft ist, seiner grösser» Leichtigkeit wegen, oben auf dem Wasser schwimmt, und wenn man es mit dem Halse unterwärts hinabdrückt, doch gleich wieder in die Höhe steigt, so bald man die Hand wegzieht. Allein auch die Natur zieht solche Luft aus verschiedenen Materien. Wenn ihr eine faule stinkende Pfütze mit dem Stock umrühret, so werden eine Menge Luftblasen in die Höhe steigen. Haltet ihr ein brennendes Licht an diese Luftblasen, so werden fie gleich Feuer fangen, und die ganze Pfütze wird zu brennen scheinen. Hier habt ihr also eine natürliche brennbare Lust. Eben diese ist auch die Ursache, warum wir in Morästen und Sümpfen, in warmen Sommernächten, so häufige Irrwische sehen. Der Abergläubische hält sie für Kobolre, welche die Reisende irre führen, und ins Wasser locken solle»: aber ein vernünftiger Mann hält fie für das, was fie find, für ganz natürliche Erscheinungen. Er weiß, daß in solchen Sümpfen immer viel solche brennbare Luft, von der ich eben ge. gesagt habe, aufsteigt, und daß nur eine von den Blasen, die sie wirft, durch Hitze, oder durch einen Blitz angezündet werden darf, um andere benachbarte Luftblasen nach und nach anzuzünden, welches freylich in der Ferne, wie ranzende Flammen auch sieht. — Weil diese brennbare Lust so leicht ist, so ist es natürlich, daß viel davon hoch in die Lust hinaufsteigt , und da zu allerhand feurigen Lufterschei« nungen Gelegenheit geben muß, von welchen ihr zu seiner Zeit unterrichtet werden sollt. Wässerige Lufterscheinungen. Von der Erde steigen vielerlei) Dünste in die Luft, die sich zuletzt in Wolken zusammen ziehen , zu Tropfen werden, und als Regen herab fallen« Der Regen an sich selbst macht die Erde fruchtbar ; ist also nothwendig, und eine sehr grosse Wohlthat Gottes. Psalm cxlvii. 7 , 8 . Ap. Gesch. xiv. 17. Wenn die Trafen sehr klein sind, heißt er Staub« »egen; wenn nur eine Wolke in Tropfen herab fällt, Strichregen: Landregen, wenn der Himmel ganz überzogen; Platzregen, wenn sehr grosse Tropfen sehr geschwind niederfallen ; wolkenbruch, wenn die ganze Wolke auf einmal herab stürzt. Wenn die Lust an einem warmen Tag viel feuchte Dünste aufgenommen hat, des Nachts aber kalt wird , so laßt sie einen Theil solcher Dünste fallen, und das ist der Thau. Es kommt aber nicht aller Thau 38 ===== Thau aus der Lust , sondern derjenige , welcher des Morgens auf den Pflanzen liegt, schwitzet auch aus ihnen aus. Denn wenn man sie auch sorgfältig mit Glasglocken verdeckt, so find sie doch des Morgens voll Thau. Nebel, sind ebenfalls Dünste, die sich naher an der Erde versammeln. Wenn der Nebel an den Gewächsen frieret, so wird er Reif genannt. Frieren die Dünste in der Luft zusammenso entsteht Schnee, so wie sie zu Hagel werden, wenn ganze Regentropfen zu Eis geworden sind. Der sogenannte Blutregen, welcher sehr selten zu fallen pfleget, hat gar nichts zu bedeuten, er entsteht aus rothem Staube , den der Wind in die Luft geführt hat, und der mit dem Regen wieder zur Erde fällt. Eben so eine Beschaffenheit hat es mit dem Gchwefelregen, der so oft gefallen seyn soll. Die. ser Regen ist eigentlich kein Schwefel, ob es gleich möglich ist, daß, da sich so viele Schwefeltheilchen in der Luft befinden, sich auch dergleichen Theilchen mit dem Regen vermischen können. Welche uner« kannte Wohlthat in der Weil ist es, daß durch die Untersuchungen der Naturkündiger, so viele aber« gläubige Meinungen und Vorurtheile bestritten und ausgerottet worden sind. --------- 39 Die wässerigen Lufterscheinungen werden dann und wann schädlich. Ein lange stehender übelriechender Nebel schadet der Gesundheit und den Pflanzen. Bleiben die Wolken lange Zeit über dem Horizont stehen: so machen sie öfters im Sommer kühles und unfruchtbares Wetter, im Winter grosse Kälte. Der Mehlthau der Pflanzen sockt wegen sei- ner Süssigkeit die Insekten an sich , welche Blätter und Blüthen zerfressen und die Bäume verderben. Lange anhaltende Regen machen unfruchtbare Witterung, plazregen machen Uebcrschwemmungen, und wolkenbrüche, reissen Gebäude ein, führen Menschen und Vieh hinweg, und durchwühlen die Erde. Der Reif verdirbt die zarten Gewächse. Der tiefe Schnee blendet die Augen, verdeckt Wege und Stege , und bringt oft reiffende Thiere aus den Wäldern in Dörfer, Flecken und offne Städte, um Futter zu suchen, wodurch Menschen und Vieh in Gefahr gesetzt werden. Starker Hagel zerschlägt die Feldfrüchte, bringt oft Menschen und Vieh um, und erkältet den Erdboden. Doch ist aller dieser Schade nichts, gegen den grossen Nutzen , den die wässerigen Dünste der Erde verschaffen. ■ Ueberhaupt befeuchten sie das Land, kühlen die Luft ab, erquicken die Pilanzen, versorgen Brunnen und Flüsse mit Wasser, und tränken also Menschen und Thiere. Insonderheit belebt der Thau die matten Gewächse. Der Nebel weist uns die Oerter, wo Quellen sind. Die Wolken sind ein Schutz für grosse Sonnenhitze. Der gelinde Regen lockert lockert das Erdreich auf, der starke macht den im Frühling aufgeschwollenen Boden dichter, reinigt die Luft, in dem er unzählige fremde Materien herab- bringt. Der Schnee bedeckt die Saat vor der strengen Kälte, und macht die Erde fruchtbar; das Schneewasser ist zu ökonomischem Gebrauch sehr gut. Selbst der Hagel ist nicht ohne allen Nutzen, durch ihn wird die schädliche Hitze der untern Luft vermindert, und manche Wolkenbrüche, die noch schädlicher gewesen wären, werden dadurch abgewendet. Der Wind. Eine starke Bewegung der Luft wird wind genannt. Es giebt viele bekannte und unbekannte Ursachen, welche die Luft in Bewegung bringen. Sie kann z. B. entstehen, wenn die Luft in einer Gegend warmer oder schwerer wird , als in der andern , denn alsdann strömet sie aus der wärmern Gegend in die kältere, und dahin, wo die Luft am dünnesten und leichtesten ist. Ein sehr heftiger Wind heißt ein Sturmwind. Die Winde werden nach den Welcgegenden abgetheilt, und sind so, wie die Gegenden, aus welchen sie kommen, entweder warm, oder kalt, oder feucht. Die Veränderung des Wet. tcrs rühret größtentheils von den Winden her, und überhaupt betrachtet, sind sie der Erde sehr nützlich und unentbehrlich: denn sie reinigen die Luft von unreinen Dünsten, sie kühlen die gar zu heisst Lust ab. 4 * ob, und befördern die Schifffarth. Sie trocknen die Erde und machen sie fruchtbar, in dem sie den Thau «nd die Wolken allenthalben verbreiten. Die drey Reiche der Natur. Äste zusammengesetzte natürliche Körper auf dem Erdboden bringet man unter drey grosse Abtheilungen , die man Reiche der Natur nennet. Diese sind das Thierreich, das Mineralreich, und das Pflanzenreich« Das Thierreich. ^ie Menge der lebendigen Geschöpfe Gottes, welche sich über und unter der Oberfläche der Erden, »nd im Wasser aufhalten, ist unbeschreiblich groß, und derer, die wir mit blossen Augen nicht sehen können, sind vermuthlich noch mehrere, als derer, die uns sichtbar sind. Die Naturforscher, welche sich Mühe gegeben haben, die Thiere, welche auf dem Erdboden leben, nur einigermaßen zu überzäh« len, haben gegen viermal hunderttausend Arten Thiere entdeckt. Auf den uns bekannten Theilen des Erdbodens zählet man von Landthieren mehr als vierhundert und fünfzig Arten; von Vögeln sechshundert Arten; von schuppigen Fischen mehr als zwey raufend; von Schaalfischen mehr alS drey« drey tausend; von Insekten, die mit blossen Augen gesehen werden können, mehr als Zwanzig tausend verschiedene Gattungen. Wie muß das unsern Geist in Erstaunen setzen, wenn man uns sagt, es gebe Thiere, die der taufende Millionen Theil eines Sandkorns ausmachen. Die Gattungen Insekten welche jeder Art von Thieren zugehören, belaufen sich auf Hundert tausend; solche die man noch nicht, oder nicht genau genug kennt, gegen zweymal hundert tausend. Und wo bleibt die unermeßliche Anzahl derjenigen Insekten, die sich blos von Pflanzen nähren 1 Man zählt achtzehn tausend Arten Gewächse. Rechnet man nur für jede derselben vier Arten Landinsekten, so sind deren Zwey und sieben- zig tausend Arten. In den Sonnenstralen spielen Heere von Kreaturen, die kein Auge überrechnen kann. — und alle diese so unzählbaren Bewohner unsers kleinen Punkts gegen das ganze Weltgebäude, sind in ihren Bildungen, Werkzeugen, Gliedmassen, Bräften, Theilen und Bewegungen, Lebensart, Nahrung, Dauer und andern Umständen, so sehr von einander unterschieden, daß wir an diese Mannigfaltigkeit nicht anders, als mit Ehrfurcht, Anbetung und Erstaunen, über die Macht und Weisheit Gottes, gedenken können. Diese unbeschreibliche Menge Thiere hat man unter grosse Abtheilungen gebracht, und rechnet nem- lich ein Thier entweder zu den 1 . Vierfüßigen Landthiercn, oder a. Vögeln, oder 3. Am- --------- 43 .-■V z. Amphibien , (die im Wasser und auf dem Land leben,) oder , 4. Fischen, oder 5. Onfe'ftm , oder 6. Würmern. Keine Art der Thiere ist bloß schädlich, ober ganz unnütz : also müssen die Menschen diejenigen, welche ihnen auf gewisse Art schädlich sind, zwar vermindern, aber niemals ganz ausrotten wollen, wenn sie es auch thun könnten. Ich will nur der Sperlinge zur Probe gedenken.. Diese fressen freylich Getreide, Kirschen, und andere dem Menschen nützliche und angenehme Sachen ; aber auch unterschiedene Arten von Insekten, vor welchen man sich in Gegenden, wo die Sperlinge ganz ausgerottet wären, nicht würde retten können; als Mucken, Käfer, Kraut- und Kohlraupen, Ringelraupen, die sehr schädliche einsame Raupe, der fahlgrüne Blattwick-, ler genannt, welche andere Vogel wenig aufsuchen/ und andere Insekten. Eben so sind die Krähen, Maulwürfe und andere Thiere, welche von vielen Menschen irrig für schädlich gehalten werden, zu vertheidigen. Gott hat den Seelen aller Thiere so viel Triebe und Künste anerschaffen, als sie zu ihrer und ihres Geschlechts Erhaltung , Sicherheit, Bewegung und Nahrung nöthig haben. Zu ihrer Bedeckung und Vertheidigung haben sie Haare, Federn, Leder, Schuppen, Schalen, Panzer, Hörner, Zähne, Klauen, Schnabel, Huf, Zangen, Scheereu, Stacheln, 44 ---------- cheln, Rüßel -u. s. w. Um sich auf der Erde, im Wasser, und in der Lust zu bewegen, haben sie 2, 4, 6, ja sehr viele Füße; Flügel, Schwanz, Blase, eine Schwimmhaut zwischen den Zehen der Füße, und andere Hilfsmittel bekommen. Bienen, Fliegen und andere Insekten sind, um sich vom Saft der Blumen nähren zu können, mit einem Säugrüssel; Spechte , Chamäleons, Ameisbären, und andere Thiere, mit einer langen hervvrschiessenden Zunge versehen, um kleine Thiere mit derselben spießen und fangen zu können; Hamster und Affen haben eine Maultasche , um die gesammelten Früchte in derselben fortzutragen ; die Bienen eine Vertieffung in den Hin« terlenden, um die Wachsmaterie fortzubringen. Der Maulwurf und die Maulwurfsgrille haben, um sich in die Erde graben zu können, breite, auswerts stehende Vordertatzen; die Schnecke, um ihr Gehäuse zu flicken und zu erweitern, einen Kalchbeutel; die Spinnen und Raupen zu ihrer Weberey Saftröhren; das Deutelthier unter dem Bauch eine Tasche, um seine Jungen in derselben fortzutragen, und so jedes Thier, die zu seiner Lebensart und Ernährung nothwendige Werkzeuge und Glieder, von der Hand der weisen und allgütigen Vorsehung erhalten. Der Nutzen, welchen die Thiere dem Menschen leisten, ist sehr groß , und eben deswegen müssen sie weder über. trieben, noch gequäler, noch verwahrloset werden. Die Kie Menschen bedienen sich ihrer zum. retten , wie der Pferde; zum tragen und ziehen schwerer Lasten - wie der Pferde, der Maulesel, Esel, Kameele, Ochsen , Rennthiere u. s. w. zur Jagd , zum Fisch s und Vogelfang , und noch auf andere Weise, bald zu Erleichterung ihrer Arbeiten, bald zum Vergnügen, bald zur Sicherheit. Ohne Viehzucht kann kein Ackerbau seyn. Es sind wenig Thiere, welche die Menschen nicht essen könnten und sollten. Wenn auch gleich unterschiedene Thiere von gewissen Völkern nicht geeffen werden, als: Pferde, Bare», Hunde, Eichhörner u. s. w. so werden sie doch von andern geeffen. Auch die Milch verschiedener Thiere, als: der Ruhe, Schafe, Ziegen, Pferde, Rameele u. a. m. ist dem Menschen eine angenehme und nützliche Speise, aus welcher sie auch Butter und Rase bereiten. Verschiedene Völker leben bloß von der Viehzucht. Der Balg, die Haut und das Fell der Thiere - wird entweder als Pelzwerk zur Bedeckung und Erwärmung gebraucht, oder gegerbet, und alsdann zu mancherley Leder bereitet, auch von den Satt, lern, Riemern, Handschumachern, Secklern, Schustern, Buchbindern verarbeitet. Das Fett, der Talg , die Lyer , das Haar, die wolle , die Federn , das Horn, das Geweyhe, die Zähne, Rlauen, Rnochen, Därme und Sehnen , ja selbst der Roth der Thiere sind dem Menschen auf mancherley Weise sehr nützlich. Wir wollen einige Thiere kennen lernen. Der Affe. £Die 2!ffen sind vierfüssige Thiere, von mem fchenahnlicher Gestalt. Ihre Hinter s und Vorder- Füsse gleichen den Armen und Beinen der Menschen. Die Pfoten der «ordern sind der menschlichen Hand ähnlich, und zu ähnlichen Bewegungen geschickt. Die Zehen gleichen Fingern einer Hand; auch ist der mittelste der längste. An beyden Seiten der Kinnbacken haben die Affen zween Sacke, in welchen sie alle Speisen zusammen drücken, die sie nach gestilltem Hunger aufbehalten wollen. Hierin» sind alle Affen einander gleich, unterscheiden sich aber von einander durch ihre Gestalt und Farbe. Einige haben gar keinen , einige einen kurzen, am dere einen sehr langen Schwanz. Es giebt Affen, die vier bis fünf Fuß hoch sind , und breite Schultern wie ein Mensch haben, und andere sind nicht über einen Fuß hoch. Man findet diese Thiere, von denen schon über vierzig Arten bekannt sind, nicht nur in Asia und Afrika, sondern auch in Amerika. Die meisten Arten davon wohnen zu Hunderten und taufenden bey einander, legen gemeinschaftliche Magazine an, stellen Schildwachen aus,,'und bet strafen diejenige, die sich einer Nachlässigkeit schuldig gemacht haben. Ihre Nahrung sind Früchte, vornehmlich Weintrauben , Aepfel, auch Reis, Blumen , u. s. w. Ueberhaupt suchen die Affeu alles nachzumachen, was die Menschen vornehmen; ihre Jungen tragen sie sie eben so auf dem Rücken , wie die Indianer, unter denen sie wohnen. Dieser Neigung zur Nachahmung der menschlichen Handlungen, bedienen sich die Indianer, um sie zu fangen, mit vielem Vortheil. Sie ziehen z. E. unter den Bäumen , auf denen sie Affen bemerken, ihre Stiefeln einigemal aus und an, gehen hierauf fort, und lassen kleine Stiefeln, die besonders hiezu verfertigt, und inwendig mit Leim bestrichen sind, uuter den Daumen stehen. Weil nun die Affen ihnen dieses nachthun , die Stiefeln aber nicht wieder von den Füssen bringen, auch darinn nicht gut fortgehen können, so gerathen sie den Indianern leicht in die Hände. Durch stark Getränke kann man diese Thiere ebenfalls leicht fangen, wenn man einige damit angefüllte Gefässe in die Gegend setzt, wo sie sich aufhalten, und sich stellt , als wenn man selbst davon tränke. Denn so bald die Affen davon trinken, und berauscht werden, schlafen sie ein, und lassen sich alsdann leicht fangen. Wenn ein Affe von einem Menschen oder Thier- angegriffen wird, so komme» ihm die andern, welche dieses sehen, zu Hülfe. Ihre Waffen sind. Steine und abgebrochene Zweige, in deren Ermanglung sie sich auch ihres Kochs bedienen, die sie ihren Feinden an den Kopf werfen. Sie besitzen viele, natürliche Gefchicklichkeit, und können abgerichtet werden , den Bratspieß umzudrehen , das 'Gefässe zu scheuren, Feuer anzuzünden , die Handkarren zu gebrau- , gebrauchen , die Trommel zu schlagen, einem zu trinken zu geben , u. s. w. Eine der größten Affenarten ist der «drang Outang. (S.Tab. 3. Nro. x.) Er hat auch die meiste Aehnlichkeit mit dem Menschen; nemlich in der äußerlichen Bildung : sonst aber ist er so wohl als alle andere Affen himmelweit von unserm Geschlechte verschieden , da ihm Vernunft und Sprache gänzlich fehlt; Vorzüge, die unter allen Thieren ein- jig und allein dem Menschen eigen sind. Der Elephant. 2 )er Elephant ( S. Tab. 3. Nro. 2 ) ist das größte unter den Landthieren. Er erreicht oft eine Höhe von sechs und eine Lange von fünf Ellen. Er hält sich in den heissen Gegenden von Asien und Afrika auf. Er hat einen grossen Kopf, lange und dicke Ohren, einen hängenden Bauch, gekrümmten Rücken, und dicke unförmliche Füsse, welche über einen Fuß dicke sind. Das sonderbarste an ihm ist seine Nase, und seine Zähne. Seine Nase ist so dick und lang , daß sie die Erde berühret, und wird der Rüssel genannt. Er ist hohl wie eine Röhre, lässet sich biegen und bewegen, ausstrecken und wieder einziehen, und besitzt eine solche Stärke, daß der Elephant mit demselben Bäume ausreissen , und grosse Lasten von der Erde aufheben kann. Unter --------- 49 Unter dem Rüssel, nicht weit von der Brust, sitzt das Maul, und über demselben , in der Kinnlade hat er zwey lange, grosse Zähne, welche oft drey Ellen lang sind, und ihm zu seiner Vertheidigung dienen. Er ist schnell, wenn er will, daß ihn kein Pferd einholen kann, ob er sich gleich selten so stark angreift, vermuthlich, weil ihm bey seinem grossen Körper , Las Laufen zu beschwerlich fallt. Es ist eine besondere Wohlthat der Vorsehung, daß dieses ungeheure Geschöpf, zu seiner Nahrung kein Fleisch, sondern blos Gras und Blatter braucht. Hätte er Fleisch nöthig , wie viele Thiere würden nicht erfordert, seinen Wanst täglich zu füllen , zumal, da die Elephanten in Asien und Afrika in grossen Herden, die oft einige tausend stark sind, herum ziehen. Im Fall der Noth kann der Elephant auch 8 bis io. Tage hungern. I Ein Glück für die Nachbarn der Elephanten ist es, daß sie nicht wild oder grausam sind» Die Mohren gehen daher ohne Furcht durch ganze Heerden von Elephanten hindurch , ohne von ihnen beschädigt zu werden. Der Elephant erreicht ge-r meiniglich ein Alter von hundert und fünfzig Jahren , und mit dem Alter nimmt seine Schön« heit zu. Die oben gedachten Zähne des Elephanten liefern uns das schönste Elfenbein. Der Elephant ist von, Natur siill und vertraglich. Er beleidigt niemand, er laßt sich aber auch nicht beleidigen. Bringt man ihn in Wuth, so 50 ist er sehr furchtbar. Er ist das gelehrigste unter alle» Thieren. Die Beyspiele die man von seiner Geschicklichkeit erzählt, würden unglaublich scheinen, wenn sie nicht so viele glaubwürdige Zeugen für sich hatten. In Ostindien braucht man sie, wie bey unS die Pferde und Ochsen; und grosse Herren halten sie zum Staat. Der Löwe. ^er Löwe ( S. Tab.z. Nro.Z.)wird, wegen seiner Stärke und seines Muthes, der König der Thiere genannt. Er hat einen dicken Katzenkopf, einen weiten Rachen , eine starke und weite Brust , und scharfe Klauen , die er, wie eine Katze, einzig hen kann. Sein Brüllen ist allen lebendigen Geschöpfen schrecklich. Er lebet vom Raube, was er aber nrcht so gleich erhäschet, das läßt er laufen, schleicht sich ins Gebüsch, und schämet sich gleichsam seiner Ungeschicklichkeit. Menschen fallt er nie »»gereizt, oder nur im äussersten Hunger an. Man hat Bey. spiele, wo Löwen wirklich Großmukh und Dankbarkeit verrathen haben *). So muthig und grausam dieses Thier ist, so sehr fürchtet es sich vor dem Feuer. Man fängt die Löwen in Gruben, und ernährt sie in grossen Thierkasien, mit etlichen Pfunden Fleisch, *) Dergleichen findet wo» in SulzerS Vorübungen. Fleisch, welches eine Zeit lang im Wasser gelegen hat. Einen Ochsen tobtet der Löwe mit einem Schlag, und die Pferde, die er besonders verfolgt, müssen alle Kräfte anwenden, wenn sie seinen Klauen entt gehen wollen. Der Luchs. Zu den reissenden Thieren gehört auch der Luchs. und sumpfige Gegenden lieben. Dahin gehören der Strauß, der größte unter den Vögeln, der aber nicht fliegen kann, ob er gleich sehr geschwinde lauft. €* legt bis 50 Eyer, die er im heissen Sand ausbrüten laßt. Er ist in Arabien und Afrika zu Hause» Der Storch ist weiß, hat aber eine blutrothe Haut. Er nistet auf Häusern, Thürmen und Bäumen, und frißt Schlangen und Frösche. Der Rranich ist aschgrau, und hat schwarze Beine. Der Reyher hat auf dem Kopfe einige lange schwanke Federn, und lebt von Fischen und Fröschen. Die Trappe ist groß und schwerfällig. Die Rohrdommel steckt den Schnabel in den Schlamm, und macht alsdann ein lautes dumpfiges Gebrülle. Die Schnepfen wer« den geessen, und nähren sich von Negenwürmern. Zu den Hühnerartigen Vögeln gehören der Pfau, dessen schöne Federn durch den Anblick seines häßlichen Ganges Und durch seine unangenehme Stimme sehr verdunkelt werden. Der welsche -Hahn ist in Afrika zu Hause. Der zahmen Hühner giebt es verschiedene Arten. Der Fasan ist aus den warmen Ländern zu uns gekommen, und ein Leckerbissen auf vornehmen Tafeln. Der Auerhahn ist groß, und hält sich in bergigten Waldungen auf. Das Hasel, Huhn ist eine Art wilder Hühner. Das Rebhuhn Htt', —'B 6y lebt auf ungebauten Feldern, laust geschwind , fliegt aber langsam. Die Wachtel ist grau und schwarz, und hat einen sehr kurzen Schwanz. Die Sangvögel erkennet man an ihrem spitzi« gen, kegelförmigen Schnabel. Die meisten Arten sind wegen ihres Gesangs bekannt, als: die Nachtu galle, welche schlecht von Farbe, aber desto schö^ ner von Gesänge ist. Die Lerche, der Staar , die Amsel, nebst der Drossel, der Rrammetsvogel, der Fink, der Stiegst;, der Hänfling, der Kanarienvogel. Der Emmcri;, wozu der Goldam- mcr und Grünfink gehören. Die Bachstelze, der Zaunkönig , welcher in Europa der kleinste Vogel ist. Die Meisen mit ihren verschiedenen Arten. Die Schwalben, deren einige den Winter über wie todt in dem Wasser liegen, und gern in den Häuser» nisten, aber den Dienen sehr schädlich sind. Der Sperling, der berüchtigte Korndieb« und der Zeisig, der Affe unter den Vögeln. Die Laube, mit ihre» Unterarten wovon sonderlich die Turteltaube be- kannt ist. Die gemeine Taube gehört zu den frucht barsten Vögeln. Wanderungen der Vögel. Ein wichtiger Umstand in der Naturgeschichte der Vögel sind ihre Reisen. Käste und Mangel der Nah- 70 Nahrung treibt sie beym Anfang des WinterS aus einen, Land in das andere. Die Lerchen, Rram- metsvögel, wilde Enten, Schneegänse, und am dere streichen nur aus einer Gegend in die andere. Die Wachteln, die Rrantche, die Störche, die Trappen, reisen aus einem weltlhetl in den andern , und richten sich darin» nach dem Wehen der Winde. Gewisse Winde geben ihnen das Zeichen zum Aufbruch, sie versammeln sich, rufen sich mit Geschrey zusammen , halten eine gewisse Ordnung in ihrem Zuge, tretten die Reise meistentheils in der Nacht an, der stärkste Vogel fliegt voran, andere lösen ihn von Zeit zu Zeit ab, so ziehen sie über Land und Meere, und lassen sich da nieder, wo sie Nahrung finden. In Siberien, in Nordamerika, in Schottland, in Egypten, und überhaupt auf den Inseln und Klippen am Meer, kommen öfter solche Schwärme von Zugvögeln qn, daß die Bäume brechen und ganze Felder damit bedeckt werden. Ganze Völker leben davon, können mit Gewißheit ihre Ankunft berechnen, sehen die Anstalt der Natur eben so an, wie der Landmann seine Aernte, und beten, wenn die Zeit kommt, in den Kirchen zu Gott um dies Geschenke, und um einen reichen Segen von Eyern und Vögeln für ihr sonst dürftiges Land. Die weise Natur vertheilt auf diese Art ihre nütz« liche Thiere unter mehrere Nationen, und reinigt zugleich durch selbige manches Land, z. B. Egyptm von einem schädlichen Ueberfluß an Fröschen, Krö- yn, Schlangen und Insekten. Wenn vierfüßige Thie, Thiere z. B. Mäuse, oder wenn Insekten z. B. Heuschrecken, aus einem Land in das andere reisen, so sind das öfters schreckliche Züge; aber wenn Fische und Böget wandern , so geschieht dadurch viel Gutes für die Menschenwelt. Oft konmien auch im Winter wasservögel bey uns an , die man sonst auf unsern Teichen und Flüssen nicht steht, weil öfters in käl. lern Ländern, alle Bäche und Seen mit Eis bedeckt stnd, wenn unsre Gewässer noch offen stehen, und den Vögeln ihre Fische anbieten. Unter den Schwalben ziehen einige von uns, andere fallen in den Winterschlaf , und versenken sich klumpweise im Schilf am Wasser, oder begraben sich freywillig in den Löchern und Ritzen der Berge, und erwarten daselbst den Frühling , der auch für sie wieder Nahrung mitbringt. Daher fallen auch diesen Schwalben, die im Winter schlaffen, vor dem Anfang der Kälte die Federn nicht aus, die sonst alle Böget um dieselbige Zeit verliehren. Amphibien. ^ie Amphibien sind Thiere, die im Wasser und auf dem Land zugleich leben. Sie haben kaltes Blut, aber keine Floßfedern. Einige legen ihre Haut jährlich ab, andere aber nicht. Die meisten legen Eyer, sehr wenige gebühren lebendige Junge. Man theilet sie ein in diejenigen, welche Füße haben, und diejenigen, welche keine haben. Zu der ersten Art ge'r gehören -r --- - --- - hören die Schildkröten, die Eidexen, der Salamander, der Rrokodill, der Lhameleon, der Frosch, und die Rröte; zu der andern aber die Schlangen, Nattern, und Blindschleichen. Fische. linker den Wasserthieren giebt es eine grosse Mannigfaltigkeit. Einige sind in den Flüssen, andere in den Seen und Meeren. Sie holen Athem durch Fischohren, oder sogenannte Kiemen. Sie legen vast alle Eyer, und sind größtentheils mit Schup, pen bedeckt. Viele von ihnen snri> mit Schwimm- dlasen versehen, die mit Luft angefüllt sind, um diese Thiere leicht genug zum Schwimmen zu machen. Die Fioßfedern dienen ihnen, um den Leib horizontal zu halten/ Alle Wasserthiere sind stumm, und lassen keine Stimme von sich hören. In der freyen Luft können sie nicht leben. Wenn sieden Mund öfnen, tritt Wasser herein, welches nach Ver- schliessung des Mundes wieder zu den Kiemen heraus gehet. Die Fische welche vom Raube leben , haben Zähne. Die Weibchen laichen, das ist: sie schütten den Rogen oder eine Menge kleiner Eyerchen aus. Die Anzahl der Eyerchen ist sehr groß. Man hat in einem grossen Hecht 272162, und in einem Karpfen eine Million und 36802 gezählet. Die Fische dienen sehr zum Unterhalt der Menschen, verursachen auch einen wichtigen Handel. Sie werden entweder frisch stisch gekockk und gebraten, und alsdann sind sie am gesündesten, oder eingesalzen, wie der Hering, Rabliau, Dorsch und die Sardellen; oder in der Luft getrocknet, wie die Stockfische und Schollen; oder geräuchert, wie der Bückling, Aal und Lachs; oder in Oel gebraten und hierauf in Essig gelegt, welches man mariniren heißt, wie der Aal, die Aalraupe , Forellen und andere. Ausser dein Fleisch der Fische, isset man auch den Rogen, braucht auch von einigen Arten den Speck, oder den daraus geschmolzenen Thran. Der Hering. Eines der nützlichsten Fischgeschlechte ist das Geschlecht der Heringe. Unter dem Nordpol vermehrt 'sich dieser Fisch so, daß für ihn nicht hinlängliche Nahrung daselbst sich findet. Daher er in Zügen von unzählbarer Menge nach den nahrungsreichen Ufern von Grönland, Island, Norwegen und Schottland ziehet. Dort passen ihm aber die Walisische , Nordkaper, und Hayen auf, und Millionen werden verschlungen; auch den grossen Wasservögeln, davon die nördlichen Gewässer voll sind, ist dieser Fisch ein willkommner Raub. Die Heringe, von diesen Feinden geangstiget, drängen sich so in die Enge, daß man ihre Ankunft an einigen Orten durch die gekräuselte See leicht merken kann. Sind sie weiter nach Süden gezogen, s» 74 ---------- so finden sie da ihre ärgsten Feinde, eine Menge Europäer von Ollen Nationen, Nie in viel tausend gros. sen und kleinen Schiffen auf sie lauren, sie fangen, Hernach einsalzen, und in ganz Europa versenden» Man rechnet, daß jährlich 400,000 Menschen sich von dem Fang und der Versendung der Heringe ernähren. Dem ohngeachtet spührt man keinen Mangel an diesen Fischen, weil ihre Fruchtbarkeit so groß ist, daß ein einziger Hering mehr als iooo andere in seinem Rogen bey sich führet. Die geräucherten Heringe nennt man Bücklinge. Der Stockfisch. Aast eben so beträchtlich ist der Stockfischfang bey der Insel Neuland , auf der viele Meilen langen Dank gleiches Namens. Dieser Fisch würde der Grösse nach schon zu den grossen Fischen der süffen Wasser gehören. Er findet sich dort in so erstaunlich grosser Menge, daß ein grosser Theil der Nordamerikaner von demselben lebet, und in den Antil- lischen, auch andern westindische» Inseln dies die vornehmste Speise der Neger ist. Gegen , 000 Menschen soll diese Fischcrey beschäftigen. Denn dieser Fisch wird nicht nur krisch oder eingesalzen verkauft, sondern die meisten werden gedörrt, und so versendet; auch zieht mgn ein Oel von ihm, welches in Loh- gerbereyen verkauft und gebraucht wird. 75 Insekten. 3 « den Insekten gehören die lebendigen Ge< schöpfe, -welche am Kopf zwey bewegliche Fühlhörner haben, und an den Seiten mit Luftlöchern versehen sind, als: die Raser, Schmetterlinge, Mücken, Fliegen, Ameisen, Bienen, Wespen, Hummeln, Heuschrecken u. s. w. Sie haben zum Theil sehr viele Augen. Man hat an Käfern 3181, an Fliegen über 8000, an Schmetterlingen 17325,Pünktchen oder Augen auf jeder Seite gezählet. Also sehen die Infekten die Bilder der Dinge von allen Seiten, und dennoch in so viel tausend Bildern nur ein einziges Ding, so wie wir Manschen ein Ding mit zwey Augen nur einfach sehen. Sie werden alle aus Eyern ausgebrütet, entstehen also nie aus der Fäulnis;, wie man sonst glaubte. Die Verwandlung der Insekten ist sehr bewunderungswürdig. Sie sind im Anfang entweder Maden , oder Raupen, und nachdem sie in diesem Zustande, in welchem man sie Larven nennt, genug gefressen haben, werden sie unter der Bedeckung entweder eines Gewebes, oder eines Gehäuses, in Puppen verwandelt, und wenn sie in diesem Zustande eine Zeitlang ohne merkliche Bewegung und ohne Nahrung gewesen sind, erscheinen sie in der geflügelten Gestalt, vermehren sich, und sterben. Die Insekten haben ein kurzes Leben, daher hat es Gott so eingerichtet, daß sie sich erstaunlich vermehren. Die Die Insekten sind nicht ganz unnütz und schad, lich, wiewohl sie den Menschen viel Plage und Schar den verursachen. Die meisten können durch den Kampfer getödket werden. Der Vermehrung der meisten Raupen kann man dadurch Gränzen setzen, daß man die Zweige, an denen die Eyerchen angeklebt sind, abschneidet und beydes verbrennt. Das Zerr tretten tödtet nicht allemal die harten Eyer. Sind die Eyer aber schon in Raupen verwandelt, so thut man wohl, daß man des Morgens und Abends die Nester aufsucht, und sie todter, denn wenn die Sonne schon warm scheint, und sie schon ausgekrochen sind, alsdann ist man nicht im Stande sie zu tilgen. Man bedienet sich hiezu einer Baumscheere , vermittelst welcher man die Spitzen der Zweige, wo dergleichen Raupennester sind, abschneidet, und sie durch das Feuer gänzlich zersiöhrt. Die Bienen. Zu den nützlichsten Insekten gehören die Bienen, denen wir den Honig und das Wachs zu verdanken haben. In jedem Bienenstock giebt es hreyerley Ar, ten von Bienen, i) Eine Rönigin oder weiser, welche in die Wachszellen an die 4020 Eyer legt, woraus kleine Maden entstehen, welche sich hierauf einspinnen und zu Bienen werden, die alsdann mit einer jungen Königin ausziehen, oder schwärmen. 2 ) Die rt 2) Die Drohnen, welche männlichen Geschlechts sind, und deren sich in einem Stock auf 1600 befinden. 3) Die gemeinen oder Arbeitsbienen, l eren Anzahl sich bis auf 22,000 erstreckt, und welche das Wachs aus den Blumen holen , Zellen bauen, und Honig einsammeln. Sie haben einen Stachel, so wie die Königin ; die Drohnen aber haben keinen. Die Biene saugt aus allen Blumen Honig. Der Seidemvurm. £Der Seidenwurm ist eine Raupe von wunderbaren Eigenschaften. Er kriecht, sobald dieLustwarnr wird, aus einem kleinen runden Ey, das kaum die Grösse eines Mvhnkorns hat, von selbst und ohne alle Beyhülfe aus. Anfänglich hat er eine dunkel- graue Farbe und einen schwarzen Kopf. Je grösser 5 sich selbst sein bisheriges , seidenes Grab, und kommt aus demselben in Gestalt eines Schmetterlings heraus. Nun legen die Weibchen den ss genannten Seidenwürmer > Saamen, und wenn solches geschehen, sterben sie. Die Seidenwürmer sind sehr zärtlich. Sie können weder Gestanck, noch ein grosses Geräusch, keinen Donner oder Blitz, keine Nässe und Feuchtigkeit, keinen Tobacks-oder andern Rauch, ja nicht einmal den gar zu starken Arhem derjenigen Personen, die sie warten, vertragen, sondern werden davon krank, und oft so krank, daß sie sterben. Sie müssen aber nicht allein eine reine, sondern auch eine gemässigte warme Luft haben. Die Scidenwürmerhäuschen nimmt man ab, ehe der aus dem Püppchen entstehende Schmetterling durch- ==* 79 durchbricht und heraus kriecht, weil sonst die Seide zerrissen ist, und nichts tanzt. Aus dem ersten Gewebe oder Gespinst, womit der Seidenwurm sein rechtes Häuschen unterstützet, wird die Floretseide gemacht; die beste Seide ist von den eigentlichen Cocons. Würmer. ^ie Würmer machen eine sehr grosse und noch sehr unbekannte Welt aus. Sie haben kein Blut, sondern statt dessen einen klebrigen Saft. Es fehlen ihnen viele von den Sinnen, welche di« übrigen Thiere haben, allein das Gefühl ist bey ihnen durchgängig sehr fein. — Zu den nackten Gewürmern ohne Glieder gehören , der Regenwurm , Band, Spuhl ! und Madenwurm, welche 3 letzte Arten man in dem Menschen findet. Zu den nackten Würmern mit Gliedern, gehören die Erdschnecken , und der Block - oder Dinten. fisch. — Es giebt auch sehr weiche Würmer, welche mit einer sehr dünnen Haut bedeckt sind, und zur Sicherheit in Schalen wohnen, als die Schnecken und Muscheln. Der Nutzen der Schnecken ist mannigfaltig. Ihre Schalen geben Kalch, und eine» guten Düngör. Es werden auch aus Muschelschalen schöne Gefasst und Futterale verfertigt. In unterschiedlichen Muscheln werden perlen gefunden, welche man gö man für einen kostbaren Schmuck achtet. Von den» Regenwurm und einem andern, der sich in süssem Wasser aufhält, der kleine Tausendfuß (Polyp) genannt, ist noch zu merken, daß, wenn sie mit eü nem scharfen Instrument, durch einen schnellen Schnitt, in die Quere, ohne alle Quetschung getrennt werden, aus jeder Hälfte eben wieder so viel Volk ständige Thieke entstehen. Polypen. Eine wunderbare Erscheinung sind die Würmer, die so wie Thiere leben und sich bewegen, aber da, bey nach Art der Pflanzen, Wurzeln, Zweige, Knospen und Blumen, obgleich keine Blätter haben: und das sind die Polypen. Sie wachsen mit den Aesten fort, und ziehen durch gewisse Oefnungen ihre Nahrung an sich. Jeder von diesen Aesten kann, wenn er abgeschnitten wird oder abfällt, z» einem neuen für sich lebenden Polypen werden» Das Mineralreich. 3» den Mineralien gehören solche natürliche leblose Körper, die dadurch entstehen und wachsen, daß sich von aussen ein Theil an dem andern am setzt, dazu das Wasser , die Lust und das Feuer behülflich sind. Deswegen haben sie auch keinen regelmässigen und bestimmten Bau, und ihr könnet von einem Stückgen Bley oder Kiesel immer noch sagen, das ist Bley, das ist Kiesel, da ihr hingegen von einem abgeschnittenen Theil einer Pflanze, oder eines Thiers, z. B. von einem Kirschblatt, oder einem Kalbsfuß, nicht sagen könnt , das ist ein Kirschbaum, oder das ist ein Kalb. Die Mineralien findet man über und in der Erde, und am bequemsten theilt man sie ,citt, in brennbare Körper , Salze, Erden und Steine, Metalle und Halbmetalle. Brennbare Mineralien sind diejenigen, welche im Feuer brennen, und zum Theil ganz verbrennen , dahin gehören alle Erdharze, ingleichem die mit Erdharzen durchdrungene Steine und Pflanzen, woraus die Steinkohlen und der Torf entstehen, der Schwefel und der Bernstein. Die Steinkohlen sind meistens hart , von schwarzer Farbe, und oft glänzend, wie Pech. Sie brenne» mit schwacher Flamme und langsam, geben aber viele Hitze. Ihr Rauch hat einen harzigen F und und zuweilen schweflichten Geruch. Man findet sie nicht gar tief in der Erde, wo sie meistenrheils in horizontal fortlaufenden Schichten, (die der Bergmann Flöhe nennt,) liegen. Man braucht sie zur Feuerung, und sie können überall, so wohl zum Heizen der Zimmer, als in Schmieden, Salzsiedereyen, Glas- - Hütten , u. s. w. statt des Brennholzes gebraucht werden. Deswegen sind sie in Ländern , wo es nicht viel Holz giebt, ein sehr wichtiger Artikel. In Engeland brennt man vast nichts als Steinkohlen. Auch in der Schweiz und Deutschland werden sie an vielen Orten gefunden. Pechkohlen nenne man eine sehr harte und glänzend schwarze Art Steinkohlen, woraus an einigen Orten Knöpfe, Dosen, u. s. w. gedrechselt werden. Der Torf ist meistentheils schwarzbraun und sehr bröcklich. Man findet ihn in sumpfigen Gegen» den, und alten ausgetrockneten Morästen, wo er ausgegraben,oder ausgestochen, in viereckigte Stücke zerschnitten, und dann getrocknet wird. Man nennet solche Orte, wo Torf gegraben wird, Torfdrüche. Es giebt dergleichen an vielen Orten, auch in unserer Nachbarschaft. Man braucht den Torf eben» j» falls zur Feuerung, doch brennt er schneller ab, und giebt nicht so viele Hitze als Steinkohlen. Der Schwefel ist, wenn man ihn genug gereinigt hat, blaßgelb, und ziemlich weich. Wenn man ihn anzündet , so verbrennt er mit einer blauen ! Flamme, und einem stinkenden, den Athem hemmenden » Rauche, Rauche, ohne eine Kohle zurück zu lassen. Er wird an sehr vielen Orten gefunden, und vorzüglich aus dem Kies, welcher ein Gemisch von Eisen und Schwefel ist, gezogen. Man braucht ihn zur Verfertigung des Schießpulvers, in der Feuerwerkkunst, zum Weißbleichen (oder Schwefeln) der Wolle, der Seide, u. s. w. zum häuslichen Gebrauch , auch endlich als Arzneymittel. Der Bernstein oder Agtstein ist meistentheils halb durchsichtig und dunkelgelb, zuweilen auch blaßgelb oder schwarzbraun. Wenn man ihn auf glühende Kohlen wirft , so verbrennt er mit einem angenehmen harzigen Geruch. Zuweilen wird er unter der Erde gefunden, meistentheils aber zieht man ihn aus der See. Die vornehmsten Dernstein- sischereyen sind an der Küste des Königreichs Preussen. Aus den grossen Stücken Bernstein werdest dort von den Bernsteindrechslern Dosen, kleine Käfigen, und andere zierliche Arbeiten verfertigt; die kleinen Stücke aber braucht man zum Räuchern und in der Medicin. Salze sind solche mineralische Körper, die auf der Zunge einen Geschmack geben , und sich im Wasser auflösen lassen. Die bekanntesten Arten sind: Der Vitriol, der Alaun, der Salpeter, das Bittersalz, der Arsenik, und das Bochsalz- dessen grosser Nutzen für Menschen and Thiere allgemein bekannt ist; es würzet alle Speisen, und wird entweder schon zubereitet in grossen würflichrtt F z Stücken 84 --------- Stücken unter der Erde gefunden, oder erst aus salzigen Wassern durchs Kochen erhalte». Erden sind veste Körper , die sich leicht zerreiben , und schabe», im Wasser aber doch nicht auflösen lassen. Die Erdarten sind sehr verschieden. Man hat thonartige Erden, woraus irrdene Geschirre und Glas gemacht werden. Dahin gehört auch Porcellanerde. — Die Walkererde, die man zum Zubereiten des Tuchs braucht, ist ebenfalls thonartig. Der gemeine Lehm wird zum Bauen gebraucht; die Ralcherde, als Rreide — Mergel — und endlich die gemeine Erde, welche wir auch Gtauberde und Gartenerde nennen. Diese letzter« dienen zum Düngen der Aecker, und zur Bestellung der Gürten. — Es giebt auch verschiedene Farbenerden , welche zum Färben und Malen gebraucht werden. Steine nennt man veste und harte Mineralien, die sich im Wasser nicht auflösen lassen. Aus dem Kalchstein brennt man Kalch, der mit Sand und Wasser eingerührt, den gemeinen Mörtel zum bauen giebt. Auch wird der Kalchstein , eben so , wie der Sandstein, der Granit t und der Gypsstein, bebauen und zum Bauen, gebraucht. Der Marmor, (ein Name, den man allen sehr vesten, harten und schon gefärbten Kalchsteinen giebt,) wird zur Verzierung grosser Gebäude angewendet, und von den Bildhauern bearbeitet. Aus den Granit- und harten Sandsteinen werden Mühlsteine verfertiget. Der Amianth oder ---------- 85 oder Bergflachs ist ein sehr weicher, fasriger Stein, den man in Fäden zertheilen, und aus selbigen eine unverbrennliche Leinwand und Papier bereiten kann. Den gemeinen Quarz, den Kiesel, und den Feldspat braucht man zu verschiedenen Glasflüssen, und zum Porcellan. Endlich haben wir auch Edelsteine, welche zwar an sich selbst keinen beträchtlichen Nutzen haben, aber ihres Glanzes und ihrer Seltenheit wegen, als Schmuck getragen,nnd theuer bezahlt werden; als: der Diamant, welcher meistens ganz helle, vollkom- wen durchsichtig , und unter allen Steinen der härteste ist: ferner der Rubin, der eine hohe Karminfarbe hat, der blaue Sapphir, der grüne Smaragd, der gelbe Topas und Chrysolith, der bunrspielende Opal u. s> w. Metalle sind veste, schwere, glänzende mineralische Körper, die sich unter dem Hammer strecken und ausdehnen, und im Feuer ohne zu verfliegen, schmelzen lassen. Ein Theil derselben bleibt auch im strengsten Feuer unverändert, und diese nennt man edle Metalle. Die übrigen verwandeln sich, wenn sie lang genug dem Feuer ausgesetzt werden, in ein erdiges Pulver, oder Metallkalch, und schmelzen am Ende zu Glase. Diese letztere heissen unedle Metalle. Man kennt bis jetzt 7 Metalle: Platina, Gold, Silber, Kupfer, Zinn, Bley und Eisen. Die drey erster» sind edle, die übrigen unedle Metalle. Die Platina ist das seltenste, schwerste, und sirengflüstigste Metall. Man findet es blos in den ameri- 86 -- amerikanischen Goldbergwerken , wo es aber von den Spaniern so gleich ins Meer geworfen, und vast gar nichts davon nach Europa geschickt wird, weil man fürchtet, es möchte das Gold damit verfälscht wer« den, und dadurch seinen Werth verliehren. Nächst der Platina ist das Gold das schwerste Metall. Es ist aber nicht so spröde wie jene, sondern vielmehr ausserordentlich geschmeidig und dehnbar, 2 Loth können so dünn geschlagen werden, daß sie *600. Blätter geben, wovon jedes drey Zoll inS Gevierte hat, und aus so viel Gold als ein Dukaten schwer ist, können 300 solcher Blätter geschlagen werden. Ganz reines Gold klingt nicht, wenn man dar, an schlägt. Man nennet es Gold von 24Karath, denn in so viel Theile wird eine Mark Gold eingetheilt. Das meiste Gold kommt aus Amerika; doch giebt es auch in Europa verschiedene reiche Goldberg, werke, besonders in Ungarn und Siebenbürgen. Das Silber ist hettweiß, glänzend, härter als das Gold, aber nicht so schwer und geschmeidig als dieses, ob es sich gleich auch sehr ausdehnen läßt. Es wird in den Bergwerken theils gediegen, theils in Erzen gefunden. Reiche Silberbergwerke giebt es in Amerika, (Potosi) Spanien, Schweden, Sachsen und am Harze. — Silber und Gold dienen uns als Münzen, um den Werth der Bedürfnisse und Be, quemlichkeiten des Lebens zu bestimmen, und selbige mit leichterer Mühe dagegen einzukaufen. In den ältesten Zeiten hatte man kein Geld, man tauschte die ------------ 87 die Waaren blos gegen einander um, und wer B. Brod haben wollte, der gab dem andern Vieh oder Kleidungsstücke, oder irgend eine andere Waare dafür. Man lernte aber nach und nach die Unbequemlichkeit dieser Art des Handels einsehen, und weil Gold und Silber in Vergleichnng der meisten andern Dinge selten, der Zerstörung wenig unterworfen, und dabey leichter, als grosse Quantitäten verschiedener Waaren, fort zu bringen sind, so verfiel man auf Len Gedanken, diese Metalle als Zeichen des Wer, thes aller körperlichen Bedürfnisse zu gebrauchen, und anstatt des Tausches der Waaren um Waaren, den Tausch der Waaren um Geld einzuführen. Ue- berdies werden auch aus Gold und Silber allerley kostbare Geschirre und künstliche Arbeiten verfertiget. Wenn andere unedlere Metalle mit einer dünnen Schicht von Gold oder Silber überzogen werden, so nennt man das Vergolden oder Versilbern. Aus Gold und Silber wird auch Drath verfertigt. Das Rupfer hat eine rothe Farbe, es ist ziemlich geschmeidig, aber doch lange nicht so sehr, wie Gold und Silber. Man findet es theils gediegen , theils in verschiedenen Erzen in Thüringen,Schweden, am Harz, in Ungarn und Siberien. In Schweden werden kleinere und gröbere Geldsorten daraus ver, fertiget ; in Deutschland nur kleine. Man yerfer, tiget vielerley Geschirre daraus, welche aber, wenn sie zum Kochen der Speisen dienen sotten , mit Zinn überzogen, oder verzinnt seyn müssen, weil sonst das Kupfer von salzigen, und sauren Dingen auf- 88 ---------- aufgelöst, leicht der Gesundheit nachtheilig seyn würde. Mit Zink oder Gallmey versetzt, giebt das Kupfer Messing." Das Zinn hat eine weisse Farbe, ist unter allen Metallen das sprödeste, und giebt, wenn man es biegt, einen besondern knisternden Ton von sich Um es geschmeidiger zu machen, wird es mit Bley vcr, mischt, und so zu allerley KLchengeschirren verarbeitet. Die vornehmsten Zinnbergwerke find in Sachsen , Böhmen, und in der englischen Grafschaft Cornwallis, wo es aber nie anders, als in Erzen gefunden wird. Das Bley ist bläulich weiß, wird aber an der Luft sehr bald schwarzgrau und unscheinbar. Es ist sehr weich , gerath über dem Feuer sehr geschwind in Fluß, und wird davon auch ziemlich bald in Glas verwandelt. Eben deswegen, und weil es, in. dem es zu Glas wird, auch andere unedle Metalle an sich zieht, und wie die Hüttenarbeiter sagen, verschlackt, braucht man es zur Reinigung des Goldes und des Silbers, welche, wie ihr vorhin gehört habet, in dem Feuer unverändert bleiben. Das Bley wird auch zu allerhand Geräthschaften verarbeitet, und zum Löthrn gebraucht. Im Feuer brennt es sich zu einem gelben, und endlich zu einem rothen Kalche. Der gelbe heißt Bleygelb, der rothe Menning. Beyde werden zum Malen gebraucht. Uebrigens ist das Bley ein sehr schädliches , obgleich langsames und schleichendes Gift. Da. her 89 her ist es nicht gut, Essen oder Sachen , die leicht sauer werden, oder sauer sind, zu geniessen, die in bleyernen, oder mit Bley vermischten zinnernen Geschirren gestanden haben. Bleybergwerke giebt es in Engeland , Kärnthen, Sachsen, am Harz, u. s. w. Das Eisen hat eine schwarzgraue Farbe, ist sehr hart und strengflüssig, und wird allein unter allen Metallen vom Magnet angezogen. Man weiß noch nicht gewiß, ob es in der Natur gediegen vorkomme. Sonst aber ist es das gemeinste, aber auch das nützlichste unter allen Metallen , und wird überall auf der ganzen Erde, ja selbst in der Asche der Thiere und Pflanzen gefunden. Das beßte ist das Schwedische, Steyermarkische, und Nassau-Siegen- sehe. — Ohne Eisen würden wir tausenderley Ge- ralhschaften entbehren müssen, die uns den Ackerbau, die Erbauung unserer Wohnungen, und viele andere nothwendige, und ohnehin schon sehr mühsame Arbei, ten erleichtern. Wir würden uns in einerley Falle mit den Wilden befinden, die mit spitzigen, scharfen Steinen die Erde aufreissen, und Holz spalten, und mit Fischgräten ihre Kleider zusammen nähen müssen. Ein trauriger Vortheil, den das Eisen dem Mensche» gewährt, ist dieser, daß es ihm auch zu Verfertigung der Waffen dienet, womit er sich,, nicht etwa blos gegen die wilde Thiere, sondern auch gegen andere Menschen, vertheidigt, und, wie nun einmal die Welt eingerichtet ist — vertheidigen muß. Wen» 90 Wenn das Eisen mit gewissen Zusätzen auf eine besondere 2lrt geglüht, und dann glühend im Wasser abgelöscht wird, so erhalt man den Stahl, welcher sich blos durch seine grössere Härte, Elasticität und Sprödigkeit, von dem Eisen, woraus er bereitet worden ist, unterscheidet. Aus dem Stahl verfertigt man Messer, Degenklingen, Nähnadeln, und tausend andere nützliche Dinge. Halbmetalle haben das ganze Ansehen und den Glanz der Metalle; sie gehören, wie diese, zu den schwersten Körpern des Mineralreichs, und schmelzen im »Feuer ebenfalls. Man unterscheidet sie aber deswegen von den Metallen, weil sie sich nicht so wie diese, ohne zu zerbrechen, hämmern lassen, und weil sich verschiedene von ihnen im Feuer, nach dem sie geschmolzen sind, in Staub verwandeln, und verstiegen. Die vornehmsten Halbmetalle sind: das Spiesglas, der Zink, der wißmuth, der Arsenik und der Robalt. Das Spiesglas wird zur Reinigung des Goldes von den ihm beygemischten unedlen Metallen gebraucht. Es dienet auch zur Bereitung verschiedener Arzncymittel, und kommt mit zu der Eompo- sition, woraus die Schriftgießer die Buchdrucker- lettern verfertigen. Der Zink und der Gallmey, welcher ein Zinkerz ist, werden, wie ihr vorhin gehört habet, zum Kupfer gesetzet, und auf diese Art Meßing, Prinz- metall u. s. w. verfertiget. Der ---------- YI Der wißmuth kann so, wie das Bley, zum Ausschmelzen des Goldes und Silbers gebraucht werden. Es wird auch eine weiße Schminke daraus verfertiget, die aber eben so, wie jede andere Schminke, ein sehr unnatürliches Mittel schön zu werden, und der Gesundheit sehr nachtheilig ist. i Der Arsenik ist für die Menschen und für die »reisten Thiere ein höchst schädliches und tödtliches Gift. Das sage ich euch, damit ihr nicht etwa höchstunvor- sichtiger Weise von dem sogenannten Rattenpnlver (Mausgift) kostet, wozu man Fliegenstein, eine Art Arsenik nimmt. Dem ohngeachtet aber kann der Arsenik zu verschiedenen Dingen, und besonders in der Färbekunst, mit grossem Vortheil gebraucht werden. Aus dem Robalt erhalt man vermittelst des Feuers ein schwarzblaues Glas, welches gepulvert, und mit weissem, seinem Sand vermischt, die zur Porcellanmalerey sehr brauchbare Smalte, so wie auch die sogenannte blaue Farbe, und den Eschel (Bläue) giebt. Diese letztere braucht man, um der Wasche eine schönere perlweisse, oder blaulich- weisse Farbe zu gebe«. Zu den Halbmetallen kann man auch noch den Braunstein rechnen, der in den Glashütten, und zur Glasur derbraunen Töpferwaare gebraucht wird; und das Wasserbley, woraus die Bleystiste verfertiget werden. Das 92 Das D-uecksilber ist ein flüssiger metallischer Körper, den man vast eben so gut zu den Metallen, als zu den Halbmetallen rechnen kann. Mit den Halbmetallen hat es dieses gemein, daß es im Feuer verfliegt. Es gefriert nur in einer sehr grossen Kälte, und läßt sich alsdann hämmern; deswegen kann man es also auch zu den Metallen zählen. Nächst dem Golde ist es unter allen Metallen das schwerste. Es besitzt die Eigenschaft, Gold und Silber anzuziehen und aufzulösen; .und deswegen brauchen es auch die Spanier in Amerika, um diese Metalle aus den Erzen zu scheiden. Eben deswegen bedient man sich auch des Quecksilbers zum Vergolden und Versilbern. Mit geschlagnem Zinn oder Staniol vermischt, giebt es eine Masse, womit man die hintere Seite polirter Glastafeln überzieht, und auf diese Art Spiegel verfertiget. Das Quecksilber, das man gediegen in der Erde findet, wird Jungftrguecksilber genannt; das übrige und meiste aber scheidet man aus dem Zinnober , einer rothen Masse, welche zur Malerey, zum Färben und zum rothen Druck gebraucht wird. Der Mensch. ^Der menschliche Körper ist offenbar bestimmt, Nicht wie die Thiere auf vieren zu gehen, sondern von dem Doden aufgerichtet, in gerader, erhabner Stellung zu stehen. Ihm ist also auch der Anblick der Dinge, die über ihm sind, und am Himmel sich zeigen. —- 93 gen, höchst bequem gemacht. Die Sinne sollen ihm alles, was ihn umgiebt, bekannt machen, durch dieselbe soll er mit der übrigen Welt in genauern Zusammenhang kommen. Deswegen sind die Werkzeuge der Sinne im Kopf, als ihrem beßten Standort angebracht , und zu ihrem Dienst bewunderungswürdig eingerichtet. Die Augen als Wächter stehen am erhabensten Theil, um ihrer Bestimmung gemäß, so viel als möglich zu übersehen. Das ganze Aug ist schlüpfrig, um ausweichen zu können, wenn etwas schädliches auf dasselbe trift: es ist beweglich, um nach Gefallen den Blick hieher oder dorthin richten zu können. Die Augenlieder, als die Decken der Augen, sind so weich als möglich, damit sie dem Gesicht nicht nachtheilig seyen, sie sind auf das bequemste eingerichtet ^ um das Aug ganz zu verhüllen, und zwar will die Vorsicht, daß dies unzähligemal mit der größten Geschwindigkeit geschehe. Die Augen sind durch Augenwimpern, als durch eine Schutzwehr gesichert. Das Aug liegt in einer Höhlung, und von allen Theilen, umgeben es, zu seiner Sicherheit erhabene Theile. Da die Ohren den Schall empfangen sollen, der durch die natürliche Bewegung der Luft aufwärts geht, so ist ihnen weislich ihr Platz in der Höhe angewiesen. Der Zugang zu diesem Sinn ist immer offen. Denn wir bedürfen dieses Sinns auch im Schlaf, wir müssen durch denselben aus dem Schlaf können erweckt werden. Der äussere Gang ist gewunden, damit nicht alles gerade hinein bringen könne. Auch 94 ==s= Auch hat Gott in diesem Gange ein Kett/ als eine Art VogclleSm angebracht, in welchem die kleinsten Insekten, die ins Ohr gerathen, hängen bleiben Müssen. Der äussere Rand, Las, was wir Ohr nen, nen, steht hervor, theils zum Schutz des sinnlichen Werkzeugs, theils damit der Schall nicht überhin ^ streife und abgleite, ehe er dem Gehör zugeführt ist. Der Gang ist knochicht, und geht sehr gekrümmt, denn beyde Eigenschaften verstärken den Schall. Der Geruch hat seinen Sitz in der Nase. 'Die Nase steht am Haupte, und weil aller Duft nach oben steigt, und weil sie zugleich Speise und Trank beurtheilen sollte, so hat sie weislich in der Nachbar, schaft des Mundes ihre Stelle bekommen. Die Nase mußte zwar imnier geöfnet seyn, weil ihr Dienst immer gefordert wird, aber ihr Eingang ist darum enger, damit das Schädliche nicht hoch hinaufkomme. Sollte Staub und andere nachtheilige Dinge abgeführt werden, so mußte sie eine beständige Feuchtigkeit haben. Der Geschmack, der die Dinge, die wirgenieft sen, unterscheiden sollte, hat da seinen Sitz, wo dem $ Essen und Trinken der Eingang bestimmt war. Auch dieser Sinn ist vortreflich verwahrt, der Mund umschließt ihn, theils zum Gebrauch sehr bequem, theils um ihn unverdorben zu bewahren. Das Gefühl ist aber gleichmässig über den ganzen Körper verbreitet, damit wir jeden Druck und jeden i *”= 95 jeden heftigen Anfall der Kälte und der Hitze spühren möchten. Um die mannigfaltigen Töne hervorzubringen, welche zur Sprache gehören, nnd durch welche des Menschen Seele ihre Vorstellungen bezeichnen will, hat die Natur unglaublich künstliche Werkzeuge angebracht, die Luftröhre führt die Luft, welche Schall oder Menschenstimme wird, in den Mund, die Zunge lenkt, verstärkt oder massigt nach Gefallen den Schall, die Zähne und andere Theile des Mundes thun dazu auch zuletzt das ihrige. Sollten die Arme und Hände frey auf allen Seiten, und für alle Theile des Körpers mannigfaltige Verrichtungen vornehmen, so mußten sie den nnd keinen andern Platz am Leibe erhalten. Wie geschickt machen nicht die mannigfaltigen Gelenke, die an der Hand immer feiner und beweglicher werden, diese Glieder zu allen möglichen Bewegungen? dadurch allein konnte der Mensch zur Geschicklichkeit der Malerey, Bildhauerkunst, Tonkunst, gelangen. Durch Armen und Hände allein, konnte er es so weit bringen, daß er den Acker bauete, Häuser errichtete, Kleider und tausend Gerathschaften sich verschaffte, Schifffahrt betrieb, die wilden und ihm überlegnen Thiere bändigte, ja die Nacur und die Elemente auf mannigfaltige Weise nach seinem Willen brauchte. So ist der Mensch durch die Gliedmassen, die ihm zugetheilt sind, durch seine veste, aber auch sehr gelen- Y6 — gelenkige und aller Bewegung fähige Zusammensetzung in den Stand gesetzt, das auszuführen, was die Seele zur Erhaltung, zur Veschützung, zum Vergnügen des Menschen, seiner Natur gemäß, so man» nigfaltig beschlicsset und will. Wohnorte der Menschen. Ein Vorzug des Menschen ist es, daß er unter allen Himmelsstrichen ausdauren kann, welches die wenigsten Thiere im Stande sind. Pferde, Hunde, Ochsen, Schafe, Ziegen, pflanzen sich zwar im Norden und Süden fort; allein Löwen, Tieger, Elephanten , können so wenig eine kalte Himmelsgegend ertragen , als die Bären, Nennthiere, Wölfe eine warme. Doch sind die Menschen, welche die gemäßigte» Zonen bewohnen, den übrigen vorzuziehen. Die Einwohner der kalten Zonen, sind vom Leibe sehr klein , und am Geiste dumm; die in der heissen Zone sind von schwächer!» Temperament, von geringen Leibes - und Gemüthskrästen , und von heftigern Leidenschaften, als die Bewohner der gemäßigten Zonen. Wilde 97 Wilde Völker, Sitten und Gebräuche derselben. In jedem Theile der Welt giebt es Völker,die keine vestgesetzte Wohnplätze haben, und wie die Thiere des Feldes, auf ihre tägliche Nahrung ausgehen, ohne sichere Veranstaltungen für ihren Unterhalt zu machen. Diese werden wilde genannt. Die Grön- lander ziehen an den Seeküsten ihres Landes herum, um Seehunde zu fangen, von deren Fett und Fleisch sie sich nähren ; verstehen aber die Kunst nicht, durch Einsalzen und Rauchern, das Fleisch im Vorrath aufzubehalten. Sie leben von dem, was sie gefangen haben, so lange es dauert, und hungern hernach s» lange, bis sie wieder eine glückliche Jagd machen. Viele wilde Völker in Nordamerika nähren sich blos von den Thieren, welche sie in den grossen Wäldern ihres Landes todt schiessen, und nach denen sie oft viele Meilen weit umher laufen müssen. Andere an den Seeküsten wohnende Völker leben blos von Fischen , die sie täglich fangen. Es giebt auch einige Völker, die sich begnügen, Wurzeln, Erd. und Baumfrüchte, welche ihr Land ohne Bearbeitung hervorbringet, eich zusammeln, und davon zu leben. Dieses können sie thun, weil in ihren warmen Landern die Erde daS ganze Jahr hindurch solche Früchte hervorbringet. Alle diese Völker haben weder Künste noch Handwerke; jede Haushaltung verschaffet sich alles, was sie zu ihrer Wohnung, Kleidung , und ihrem Unterhalt nöthig hat, selbst. Keiner hat nöthig, G weder Y8 .. der was zu kaufen , noch zu verkaufen, weder für andere zu arbeiten , um etwas zu verdienen, noch sie für sich arbeiten zu lassen. Ihre Wohnungen sind entweder Hütten von umgehauenen Daumen und Sträuchen , oder Zelten von Fellen der Thiere, und jeder er- richtet da, wo er eine Zeit lang bleiben will, seine Hütte. Die Sitten dieser Völker sind eben so einfach, als ihre Lebensart; ihr Verstand ist sehr eingeschränkt, und sie leben in einer vast gänzlichen Unwissenheit alles dessen , was in der Welt vorgeht, oder ehedem vorgegangen ist. Ueberhaupt sind die Wilden nur gegen ihre Familie, oder höchstens gegen ihre Nachbarn , geselliger Empfindungen fähig. Alles waS nicht zu ihrer Familie oder ihrem Volck gehört, sehen sie gar nicht, oder als Feind an. Geiz ist ihnen unbekannt, weil sie nichts eigenes haben. Hingegen wird der Afrikaner rasend, wenn er den Kopf seines Fürsten, oder seines Verwandten in den Händen seiner Feinde sieht; und der Amerikaner setzt sich unausweichlichen Gefahren aus, seinen Freund zu rächen. Gegen ihre Feinde halten sie sich alles für erlaubt , und es ist keine Grausamkeit, die sie nicht an ihnen ausüben. Sie beweisen aber auf ihrer Seite eben so viel Standhaftigkeit, ähnliche Quaalen auszustehen. Denn man findet überall, daß die wilden Völker alle andere Menschen, nicht allein an Stärke des Leibes, sondern auch an Unempfindlichkeit in Erdul- dung von Schmerzen übertreffen. Vierzehn Tage Hunger auszuhalten, ist den Wilden nicht sehr beschwerlich. Eine Hand voll Mais in Wasser gekocht, ersetzt -------- 99 ersetzt den Abgang ihrer Kräfte» Kälte und Verän, derung des Wetters thun ihrer Gesundheit keinen Schaden. Sie sehen mit blossen Augen beynahe eben so weit, als wir mit unsern Fernröhren. Im Laufen sind sie unermüdet. Ein Reuter würde eher mit seinem Pferde stürzen, als daß er einen Hottentotten oder andern Wilden einholen sollte. Ueber Flüsse ohne Vote oder Fahrzeuge zu setzen, auch mit ansehnlichen Lasten beschwert, daraus machen sie sich wenig; denn ihre Fertigkeit im Schwimmen ist unbeschreiblich. Dis amerikanischen Wilden zerkratzen, von Jugend auf, ihre Haut am ganzen Leibe, mit einer Art von Kamme, und machen sie dadurch so hart und unempfindlich, daß sie ohne Verletzung durch das dickste Gebüsche dringen, und das Ritzen der stärksten Dornen nicht fühlen. Ohngeachtet ihrer Behendigkeit, ihrer Leibesstärke, und ihrer unermüdeten Gedult in Verrichtung der härtesten Arbeit, lieben sie doch die Ruhe, und ergeben sich ihr, so lange sie nicht die Noth ihrer Faulheit entreißt. Ihre Zeitvertreib sind Glücksspiele, deren sie verschiedene haben; Erzählen ihrer Fabeln, Absingen ihrer Lieder, und vornemlich der Tanz, der im Verdrehen der Glieder, und im Springen mit bewundernswürdiger Behendigkeit besteht ; ihre Lieder enthalten die Thaten ihrer Vorführer. Sie berauschen sich sehr gerne. Der Mangel an Erkenntniß und die Trägheit zu denken, macht den wilden Menschen natürlicher Weise leichtgläubig, und fähig, durch mannigfaltigen Betrug hinkergan« gen zu werden. Seine Religion ist voll Aberglauben, und er halt auf Hexerep und Zauberey. Um euch G r eine IOO eine Vorstellung von wilden Völkern , ihrer Kleidung t u. s. w. zu machen, sehet Tab. 6. Gesittete Völker. @o nennet man diejenigen Völker,welche Ackerbau und Künste treiben, und aus eben dieser Ursache sich in eine wohleingerichtete Gesellschaft mit einander begeben, die nach weisen Gesetzen regiert wird. Nicht allein durch ihre Geschäfte, die sie vorzüglich treiben, sondern auch durch ihre gesellschaftlichen Verbindungen, setzen sie sichln den Stand, ihre Kenntnisse zu erweitern, und ihre Empfindungen zu verfeinern. Gegen auswärtige Feinde setzen sie sich durch wohl bevestigte Städte, durch die Kriegskunst, und die Staatskunst in Sicherheit. Da aber bey Vervielfältigung des Eigenthums, sich die streitigen Fälle vermehren müssen; so müssen auch ihre Gesetze anwachsen, so daß sie endlich nicht mehr durch Ueberlieferung der Gewohnheit können erhalten werden; sie müssen also geschrieben seyn. Wenn die Menschen in einem solchen Staate sich über das blos Natürliche Nothwendige erheben, dann finden sie allmählig an den Reizen eines angenehmen Umganges einen Gefallen. Dieses verfeinert ihren Witz, macht sie gefällig, und liebreich zuvorkommend, gütig, oder wenigstens höflich. Glücklich, wenn sie alle diese Vortheile , die ihnen ein gesitteter Staat anbietet, nicht zur Ueppigkeit mißbrauchen, noch auf Kosten wesentlicher Vortheile sich der Weichlichkeit ergeben, oder nichtswürdigen Kleinigkeiten nachjagen. Beyspiele und Lehren. was hast du gelernt? Ein Lacedämonier, der die Aufsicht über einen jungen Menschen übernommen hatte, wurde gefragt, was er ihm beybringen wollte? Ich will ihn, sagte er, dahin zu bringen suchen, daß er ein Vergnügen an wohlanständigen Dingen, und einen Abscheu für schädliche Dinge habe. Agesilaus wurde gefraget: wodurch ein junger Mensch sich Hochachtung erwerben und empor kom. men könnte? Dadurch, antwortete er: daß er lernt gut reden, und noch besser handeln. Ausnehmender Trieb zum Fleiffe. £Der Philosoph Euklides, der in Megara wohnte, kam in seiner Jugend oft von seiner Vater, stadt nach Athen, um den Sokrates zu hören. Als die Athenienser, aus Erbitterung gegen Megara, die Verordnung gemacht hatten, daß bey Lebensstrafe kein Megarenser sich unterstehen sollte, nach Athen zu kommen, wagte es Euklides sehr oft, in Frauens- kleidern gegen Abend sich da einzuschleichen, um den Unser- 303 Unterricht des Sokrates zu gemessen, er brachte dann einige Stunden der Nacht bey ihm zu, und ehe der Tag anbrach, marschirte er wieder ab. So wagte dieser edle Jüngling alle Tage sein Leben, und ließ sich einen tägliche» Gang von vier Meilen nicht verdrießen, um von Sokrates zu lernen, weise uud gut zu werden. Hattest du, junger Leser! auch den Muth, es ihm nachzuthun? Mleantfy, ein junger Athenienser, hatte von Jugend auf einen langsamen Kopf gehabt, und da. bey war er blutarm. Dennoch hatte er eine uner« sättliche Begierde nach Kenntnissen; so sauer ihm auch die Erwerbung derselben werden mochte. Da« mals lebte zu Athen ein weiser Man» , Namens Zeno, der sich ein Geschäft daraus machte, junge Leute zur Weisheit und zur Tugend anzuführen. Gar zu gerne hätte nun Rleanth dieses Zeno's Unterricht genossen: aber wovon sollte er leben, wenn er sich nicht durch Arbeit seinen Unterhalt erwarb, und wenn er, wie ein Taglöhner arbeiten mußte, wie konnt' er bann in Zeno's Schule gehen? Rleanth wußte sich zu helfen. Bey Tage hört' er den Zeno, und des Nachts trug er für einen Gärtner Wasser, oder mahlte für eine Frau Getreyde auf einer Handmühle. Dadurch erwarb er sich in jeder Nacht so viel, alö er am folgenden Tag zu seinem Unterhalt brauchte; und dahry war er gesund und stark. Das --------7 los Das .nahm nun die Leute nicht wenig Wunder. ,, Wovon, sagten sie, mag der junge Mensch sich nähren, da er gar nicht arbeitet?" Einer gieng gar so weit, ihn bey den Richtern ordentlich zu verklagen , daß er so gut bey Leibe wäre, und man doch nicht sahe, daß er etwas erwürbe. Die Richter liessen ihn vor sich kommen. Da nun Kleanth hörte, worauf es ankäme, holte er den Gärtner, und die Frau, für die er bisher gemahlen halte, herbey, damit sie bezeugeten, daß er sich seinen Unterhalt bey Nachtzeit erwerbe. Da wurden dann die Richter nicht wenig gerührt, über die edle Lernbegierde des jungen Menschen, und beschlossen einmüthig, ihn durch ein Geschenk von 1000 Thaler zu belohnen. Aber sein Lehrer Zeno verbot ihm, dieses Geschenk anzunehmen: und warum mochte er das wohl thun ? Denke darüber nach', junger Leser, und wenn du den Grund gefunden zu haben glaubst, so zeige ihn deinem Lehrer an, der wird dir sagen, vb du es getroffen habest. Ein solcher Lehrer der Weisheit, wie Sokrates in Griechenland war, war auch Antisthenes. Dieser hatte aber das Unglück, vast lauter träge Schüler zu haben, mit denen er beynahe nichts ausrichten konnte. Vergebens ermähnte er sie, doch recht Achtung zu geben auf das, was er sie lehrte, damit sie einst weise und geschickte Männer würden : aber er predig- 104 1 predigte tauben Ohren. Endlich wurde er der vergeblichen Ermahnungen müde, und schickte alle faule Schüler fort zu ihren Eitern. Es war aber unter ihnen einer, Namens Diogenes; der war ganz anders gesinnt, als die übrigen. Er hatte nemlrch eine grosse Begierde, etwas tüchtiges zu lernen, und hörte daher für sein Leben gern den Unterricht dcs Antist- henes. Der wollte also auch durchaus nicht von ihm wbg, da die andern fortgeschickt wurden, man mochte ihm auch sagen, was man wollte. Antisthenes drohte ihm: wenn er nicht gienge, so wollte er ihn mir dem Stocke, den er in der Hand hatte, prügeln; und wirklich that er es auch, vermuthlich , um zu sehen, wie treu der junge Mensch seinenr Vorsätze bleiben würde, denn sonst wäre das, was er gethan hatte, eines weisen und guten Mannes nicht würdig gewesen. Indessen ließ sich Diogenes gedultig prügeln, und sagte, ,, schlag nur zu, so viel es dir gefällt; aber gewiß sollst du keinen so harten Stock finden, womit du mich von dir und deinen Unterweisungen fortjagen könntest/' Von diesem Augenblick an gewann ihn Antisthenes auch vorzüglich lieb, und dachte nicht weiter daran, ihn von sich zu lassen. Äer junge Xenophon begegnete dem Sokras kes in einem engen Gaßchen. Da der Weltweise dieses Jünglings viel versprechende und bescheidne Gesichtsbildung wahrnahm; so hielt er ihm den Stock vor, damit er nicht vvrbeygienge; und als jener hier- auf los auf still stund, so fragte er ihn: wo dies und jenes zu kaufen wäre? Xenophon beantwortete ihm diese Fragen mit der größten Fertigkeit. Darauf fragte Sokrates ferner: wo denn hier in der Stadt gute und rechtschafne Menschen gebildet würden? „ Das wisse er nicht!” antwortete der Jüngling. „ So folge mir denn,” erwiederte Sokrates „ und du sollst es sehen! ” von der Zeit an war Lenophon des Sokrates bleibender Schüler. A/rotagoras war von so arnien Aeltern gebor ren, daß er sich, als Jüngling, seinen Lebensunterhalt durch Lasttragen erwerben mußte. Einst kam er vom Lande nach der Stadt Adder« zurück, aus der er gebürtig war, und trug eine Menge Holz- strunke, die er mir einem kurzen Bindfaden künstlich zusammen geschnürt hatte. Von ungefehr begegnete ihm der Philosoph Demokritus, der die Art, wie er den Holzstoß zusammen gebunden, und sich aufgelegt hatte, bewundernswürdig fand. Er bat ihn daher, ein wenig auszuruhen, und trat hinzu, um die Art des Zusammenlegens, und des Bindcns, worinn er etwas geometrisches bemerkte, genauer zu beobachten. Dann fragte er ihn, wer das Holz so zusammen gelegt habe? und da jener antwortete , daß er es selbst gethan habe: so bat ihn der Philosoph, das Bündel aufzulösen, und in seiner Gegenwart ein neues zu binden. Der junge protag oras erfüllte diese Bitte, und wußte das Holz wieder gerade eben- so W IOÖ zusammen zu legen und zu binden, als es vorher gewesen war. Da bewunderte Demokrirus d e sinnreiche Geschicklichkeit dieses nicht gelehrten Jünglings, und sprach zu ihm: „ Junger Freund, da du die Gabe hast, das, was du thust, gut zu thun, so giebt es grössere und edlere Beschäftigungen, die ich dir bey mir machen kann." Er nahm ihn hierauf zu sich, hielt ihn in allem frey, lehrte ihn die Philosophie, und machte aus ihm den grossen Mann, der er nach» her geworden ist. So gewiß ist es, daß derjenige, der bey kleinen Geschäften Ordnung und Nachdenken anwendet, auch in grössern glücklich fortkommen wird. Das Schwerste und Leichteste. Einer von den sieben klugen Männern in Griechenland, welche die sieden Weisen genannt wurden, hieß Thales. Dieser ward einmal gefragt: was das Schwerste, und was das Leichteste wäre? Das Schwerste, antwortete Thales , ist, sich selbst und seine Fehler recht zu kennen; das Leichteste ist, an andern Leuten Fehler wahrzunehmen. Eben dieser Thales grüßte einmal einen Mann, der ihm begegnete, sehr höflich. Der Mann aber gieng stolz vorüber, und dankte ihm nicht einmal. Die Freunde des Thales meinten, das müsse er übel nehmen, weil es für ihn, als einen so berühmten Mann, ein Schimpf wäre, wäre, für feinet, Gruß keinen Dank zu erhalten. Aber Thales fragte sie: ist es mir schimpflich, daß ich höflicher, als jener bin? Anlage zu grossen Tugenden und Fehlern. Äls der König von Schweden, Rarl XII. noch. ein Kind war, und den Curtius las, fragte man ihn, was er von Alexander den. Grossen dachte? „Ich denke, antwortete er, daß ich ihm ähnlich seyn möchte." — „ Aber er hat nur 32 Jahre gelebt," sagte man weiter. — „Nun,ist dieses nicht genug," erwiederte der Prinz, „ wenn man Königreiche erobert hat?" Stolz, Dummheit und Bosheit. Ein Edelknabe am Hofe Ludwigs XII. hatte einen Bauer geschlagen; als nun der König davon benachrichtiget wurde, befahl er, daß man diesem Edelknaben kein Brod geben, sondern nur Wein und Fleisch vorsetzen sollte. Der junge Adeliche beklagte sich deswegen beym Könige. Dieser aber fragte ihn, ob er mit Wein und Fleisch nicht zufrieden seyn könnte; da nun jener zur Antwort gab, daß dabey das Brod als ic8 als das Wesentlichste fehle, gab ihm der König einen Verweis und sagte: „ Ihr müßt demnach nicht so unvernünftig seyn, und denen übel begegnen, die euch dasselbe verschaffen." Ein berühmter Gottesgelehrter hatte einen Sohn, den man mehr aus Achtung für seinen Vater, als seiner eigenen Verdienste wegen, zum Doktor machte. Er kam mit einer stolzen Einbildung seiner Grösse von der hohen Schule zurück. Als er hierauf einst mit seinem verdienstvollen Vater spazieren gieng, war er so unverschämt, die Oberstelle zu verlangen. „ Der Rang gebührt mir, sagte er zum Vater, weil ich nun Doktor bin , und Sie nur Prediger." „ Du hast Recht, sagte der Alte, in seinem väterlichen Eifer; der Esel geht immer vor seinem Treiber her. ” Als Bion bemerkte, daß einer seiner Schüler, der sich in Stein hauen ließ, sich alle Mühe gab, wohl getroffen zu werden, so sagte der Philosoph zu ihm: „ Darum bekümmerst du dich, daß dieser Stein „ dir ähnlich werden möge: aber ob du nicht dem „ Stein ähnlich seyn möchtest, darum bekümmerst „ du dich nicht." Bescheidenheit. Älepander Severus ward in seinem i6. Jahr Kayscr. Allein der junge Prinz war si> wenig übermüthig =*==-'-. ' IOY müthig dadurch geworden, daß , da matt ihm den Titel des Grossen ertheilen wollte, er zur Antwort gab: „ Jetzt ist noch nicht die Zeit da; mein reiferes „ Alter und meine Thaten müssen mich erst dieses Nar „ mens würdig machen." I a ch z o r n. Johannes war ein so guter Junge, daß vast kein Tag hingieng, da er nicht so wohl an Kenntnissen zunahm, als Fehler einsah und abschaffte. Nur ein Fehler klebte ihm lange an , und es hatte nicht viel gefehlt, so hatte er ihn mit einer fortwährenden Neue abgekauft. Er war nemlich äusserst auffahrend, so bald ihm von seinen Kameraden jemand aus Versehen etwas zuwider that. Er pflegte alsdann sogleich um sich zu siossen, feuerroth zu werden, sich mit stammelnder Zunge über das Unrecht zu beschweren , und kurz, alle Zeichen eines aufgebrachten. Und seiner Vernunft nicht mächtigen Menschen, von sich blicken zu lassen, was auch seine Lehrer sich für Mühe gaben, ihm diesen Fehler auf das nachdrücklichste zu erleiden. Einmal traf es sich , das Gott- lieb ihn beym Kleid zupfte, und ihn aufforderte, mit ihnr in den Garten zu gehen. Er ward böse, stieß ihn von sich, und zwar so stark, daß der arme Gottlieb, der nicht vest auf den Füssen stehen konnte, zurück, und niit dem Kopf an einen Stein flog. Da lag er ohne Besinnen, und weil er eben eben gegen eine scharfe Ecke des Steins geflogen war, so floß das Blut sirvmweis die Schläfe herunter. Gott, welch ein Anblick für den armen Johannes, der nichts weniger gewollt, als Göttlich etwas zu Leid zu thun. Gottlieb wurde aufgenom« men, und durch einen Wundarzt besorgt, und endlich geheilt. Johannes war über die glückliche Heilung nicht nur ungemein erfreut, sondern wandte hernach alle Mühe an, seinen Jachzorn zu besiegen. Und ihr, Knaben, die ihr auch etwa von dem Fehler des Jach« zorns übereilet werdet, wollt ihr ihn nicht etwa lieber bey Zeiten zu bezwingen suchen, ehe irgend jemand, oder ihr selbst dadurch in Todesangst und Gefahr gerathet? Der gestäupte Thierquäler. Eine wahre Geschichte. 3 « Abo in Finnland war vor einigen Jahren ein Hund übergefahren , und kroch sterbend an die Thür eines Lederhandlers. Der 12. jährige Sohn dieses Mannes, ein unbarmherziger Bube, hatte die Grausarnkeit, dieses winselnde Mitgeschöpf zuerst mit Steinen zu werfen, und es dann mit einem vollen Topfe siedenden Wassers zu begiessen. Glücklicher Weift sah diese entsetzliche Unmenschlichkeit ein gegenüber wohnender Raths - Herr. Dieser trug am nächsten Tag die Sache im Rathe vor; seine AmtS« Brü- Bruder schauderten bey der Erzählung , und es ward einmüthig beschlossen , den Unmenschen vorzm fordern und gefangen zu setzen. Es geschah; und nach reifer Ueberlegung des Verbrechens, ward an einem Markttage vor vieler Menschen Augen zu folgender Strafe geschritten. Ein Büttel entkleidete den Oberleib des Unmenschen, schloß ihn hierauf an den Schandpfah!, und las ihm folgendes Urtheil vor. „ Weil du, junger Unmensch! einem der Geschöpfe deines Schöpfers , da es in seiner Todes- „ stunde winselnd dich um Hülfe anflehte, nicht nur „keinen Beystand geleistet, sondern so gar mit fre- „velnder Hand die Schmerzen des sterbenden Thiers „vervielfältiget , und es mit vermehrter Quaal ge< „ tobtet hast; so soll dir nun dein verdienter Name „an die Brust geheftet, und du sollst dann mit 50. „Geissclhieben gestraft werden." Er hieng ihn» hierauf ein schwarzes Blech an die Brust , worauf in grossen weissen Buchstaben die Worte standen: Blutdürstiger Unmensch ! ' Ein zweyter Büttel zahlte ihm hierauf 25. Hiebe zu , worauf der erste ihm wieder folgendes vorlas : „ Hier, junger Unmensch! fühle nur „etwas von den.Schmerzen, womit du dein Mit. „ Geschöpf in seiner Sterbestunde quältest; und wenn „du einst, in deiner eignen Todesstunde, Barmher- „zigkeit von denk Herrn aller Geschöpfe erstehen „ willst, so werde menschlicher. " Hierauf erhielt er die nach übrigen 05. Hiebe, alles Win'elns ungeachtet. Diese Strafe der Unmenschlichkeit, gegen den den treusten Gesellschafter der Menschen, den dank- baren Hund, hatte den beßten Erfolg , indem sie ähnlichen Versündigungen gegen Mitgeschöpfe ein Ende machte. Denn im Sommer pflegten die finnr- scheu Buben lebende junge Sperlinge anzunageln, und mit Armbrüsten oder Blaseröhren darnach zu schieffen. Andere spießten Frösche auf, und hatten ihre unmenschliche Freude an dem Zappeln der armen Thiere. Dies alles unterblieb nun. Denn jetzt fiengen sie an die grosse Wahrheit zu erken- neu. „ Wer Mitleid fühlt, dem wird Erbarmung „wiederfahren, von dem, der sich aller erbarmet!" Möchtet auch ihr , die ihr dieses jetzt höret oder leset, zu eben dieser Erkenntniß gelangen. Die Macht der kindlichen Liebe. Krösus König von Lidicn, hatte einen einzigen Sohn, weicher stumm war. Dieser begleitete seinen Vater in den Krieg, den er mit dem persischen König Liruo führte. Einst, da er bemerkte, daß ein feindlicher Soldat schon das Schwerdt aufgehoben hatte, um seinem Vater einen tödtlichen Hieb zu versetzen, lehrte die erschreckte kindliche Liebe ihn plötzlich folgendeWorre aussprechen : „ Soldat, willst „ du den Krösus erschlagen? " Der Soldat erschrack, und des Königs Leben war gerettet. I I H3 Der Uebergang vom Guten zum Bösen. schnell und leicht ist der Uebergang vom Guten zum Bösen ; und schwer ist gemeiniglich die Wiederkehr. Auf der Reise durch dies Leben geht die Bahn der Tugend oft über rauhe und steile Hügel hin; neben euch seht ihr ein blumiges Thal, das euch reizt, von dem beschwerlichen Weg der Tugend abzuweichen. Laßt ihr euch nun dadurch verführen , so gleitet ihr schnell von dem Abhänge des rauhen Hügels in das Thal hinunter; aber schwer, schwer wird es euch werden, ihn wieder hinauf zu klimmen. Zehnmal werdet ihr dann wieder ausgleiten, ehe ihr einmal wieder vesien Fuß fassen könnet. Darum vermeidet ja den ersten Schritt zum Bösen, sonst wird es euch gehen, als ob ihr von einer steilen Anhöhe hinunter liefet; mit jedem Schritt, den ihr thut, verdoppelt sich euere Schnelligkeit , und das Gewicht eueres eigenen Körpers zieht euch zuletzt unaufhaltsam hinab, bis ihr endlich nicht mehr sie» hen bleiben könnet, wenn ihr auch wolltet. So gieng es dem jungen Albert. Seine Aeltern wohnten auf einem Hügel, an dessen Fuß ein tiefer Sumpf war. Sie nahmen ihn sehr in Acht, und warnten ihn beständig, daß er doch ja den Hügel nicht herunter laufen sollte, weil er sonst gewiß zu Schaden kommen würde. End» lieh aber fügte es fich einmal, daß er allein war, s» daß ihn niemand sahe; da fiel ihm der Gedanke ein, H seinen t 114 " seinen Aeltern ungehorsam zu seyn, und sich das Vergnügen zu machen, den Hügel nur ein paar Schritt hinunter zu laufen. Diesem Gedanken hätte er uun sogleich widerstehen sollen; das that er aber nicht, sondern lief wirklich ab. Als er ohngefchr in der Mitte des Abhangs war, wollte er stehen bleiben, konnte aber nicht mehr, sondern mußte nun einmal auch wider Willen ganz hinunter laufen, so daß er mit der größten Gewalt in den Sumpf stürzte, und ertrank. — Denkt an den unglücklichen Albert, so oft ihr den ersten Schritt zum Bösen thun wollt, und dann zieht schnell eueren Fuß, wie von glüenden Kohlen zurück, ehe es noch zu spät ist. Man kann sich wieder bessern. Einige unter euch, ihr Knaben, haben vermuthlich schon das Unglück gehabt, einen oder den andern schlimmen Fehler zu begehen; und da wißt ihr nun vielleicht nicht, was ihr dabey zu thun habt. ' Das Sicherste und Deßte ist freylich, daß man sich vor dem ersten Schritt zum Bösen hüte, weil, wenn dieser einmal gethan ist, der zweyte selten auszubleiben pflegt. Aber wie? Wenn nun unglücklicher Weise dieser erste Schritt einmal gethan ist, sollen wir da rnuthlos werden i da sey Gott vor! Nein, da sollen wir vielmehr , so bald wir unsern Fehltritt erkennen, ihn sogleich bereuen; aber auch sogleich den muthigen Vorsatz fassen, ihn nie, nie wieder zu begehen. Dann ist —’ ll 5 ist es uns, mit Gottes Hülfe, noch immer möglich, wieder umzukehren auf den Weg des Guten, und dann verzieht uns unser himmlischer Vater gern durch Christum den Fehler, den wir einmal begangen haben , aber den wir nun nie wieder begehen wollen. Wollten wir aber zaghaft werden, und uns in den Kopf setzen, es seye uns nicht mehr möglich, die einmal angenommene Untugend wieder abzulegen; dann würde es uns gerade so gehen, wie es jenem Thurm- decker gieng. Und wie gieng es dem? Er sollte das schadhafte Dach eines hohen Kirchturms ausbessern. Er saß daher, wie die Thurm- Lecker pflegen, in einem kleinen Kästchen, welches durch Hülfe eines Stricks, an einem Hacken , oben an des Thurmes Spitze hieng. Ihr werdet wohl einmal in euerm Leben einen solchen Thurmdecker schon gesehen haben, und dabey bemerkt, daß er sich an dem Strick, woran sein Sitz hangt, auf und nieder lassen kann. Nun der Mann, von dem ich rede, wollte sich auch etwas höher hinauf ziehn; aber indem er damit beschäftiget war, glitschte ihm unglücklicher Weise der Strick aus den Handen, und alsbald fieng er an zu sinken. Indes war der Strick so lang, daß er sich noch füglich hätte helfen können, wenn er , so bald er seinen Fehler merkte, nur augenblicklich zugegriffen, und das weitere Ablaufen des Stricks verhindert hätte. Aber der Unglückliche verlohr auf einmal allen Muth, und dachte: es ist umsonst, du bist einmal ohne alle Rettung verlohren. Ueber diesem kleinmüthigen Gedanken, entschlüpfte ihm noch voll H 2 lendö Ii6 ="".- lends der Strick, durch den er sich hätte retten können ; er stürzte herab , und brach den Hals. Denket an diesen Thnrmdecker, Knaben, die ihr das Unglück habet, einen Fehler angenommen zu haben, und verzaget nicht an euerer Besserung, habet vielmehr ernstlichen Willen, wieder gut zu werde», bittet Gott,der uns so gern zum Guten hilft, um seinen väterlichen Beystand, dann wird es euch gewiß gelingen, die angenommene Untugend abzulegen, und so zu werden, wie man seyn muß, wenn man hier in dieser Welt, und auch im künftigen Leben glücklich werden will. Brüderliche Liebe. Ein Schiff, das nach Indien fahren wollte, litte Schiffbruch. Ein Theil der Leute rettete sich bey den Kaffern aus Land, der andere begab sich auf einem Fahrzeug ins Meer, das sie aus den Trümmern des Schiffs zusammengebaut hatten. Der Steuermann, der das kleine Schiff zu schwer beladen sahe, meldete dem Kapitain, daß es untersinken würde, wenn man nicht ein Duzend Menschen in das Wasser würfe. Das Loos traf unter andern einen Soldaten. Sein jüngerer Bruder fiel dem Kapilain zu Füssen, und bat, daß man ihn anstatt seines Bruders tns Meer werfen möchte! ,, Mein Bruder, sagte er, ist eher int Stande, meinen Vater, meine Mutter und meine Schwestern zu ernähren, als ich: sie werden alle im äussersten Elend seyn, wenn sie ihn verliehren. Erhaltet ---------- ii7 haltet sein Leben, und werfet mich ins Meer, da ich ihnen nichts helfen kann." Der Kapitain erfüllte seine Bitte, und ließ ihn ins Meer werfen. Der junge Mensch schwamm 6 ganzer Stunden hinter dem Fahrzeug her, bis er sie endlich einholte. Jedermann wurde von seiner Standhaftigkeit gerührt, und auf diese Weise rettete er sich und seinem Bruder das Leben. Ein ganz untriegliches Mittel, sein Leben zu verlängern. 2br alle, meine lieben Knaben, wünscht vermuthlich, lange, recht lange zu leben, und es muß euch daher angenehm seyn, ein sicheres Mittel zu lernen , wodurch ihr euer Leben wohl um 20 Jahre höher bringen könnet, als andere Menschen, welche dieses Mittel entweder nicht kennen, oder nicht gebrauchen mögen. Hier isi es: Darinn werdet ihr zuvorderst wohl mit asten vernünftigen Leuten eins sey», daß nicht diejenige Zeit, in welcher wir schlafen oder müssig gehen, sondern nur diejenige, in welcher wir etwas Gutes verrichten, unser Leben ausmacht. Wenn nun jemand, der biis her gewohnt war, um 8 Uhr aufzustehen, künftig im Sommer um Z, im Winter um 6 Uhr aufstünde, und die dadurch gewonnenen Stunden dazu anwendete, entweder'etwas nützliches zulernen, oder zu thun: so ix8 --------- so würde er in 40 Jahren gerade 29200, Stunden mehr gelebt haben. Rechnet man nun 8 nützlich angewandte Stunden auf einen Tag: so beträgt jene gewonnene Summe von Stunden gerade 3650 Tage oder 10 Jahr. Um so viel hätte er also in 40 Jahren mehr gelebt als andere, welche täglich 2 Stunden länger schliefen; als er. Wollt ihr noch ein anders Mittel hören, wordurch ihr in eben dieser Zeit abermals *o Jahre gewinnen könnet? Leset nur weiter. Gesetzt, ihr hättet bisher 5 Stunden in der Schule zugebracht, um etwas zu lernen, und eine Stunde um das Gelernte zu wiederholen, und ihr wäret die ganze übrige Zeit des Tages müßig herum gelaufen: so könntet ihr abermals täglich 2 Stunden, und also in 40 Jahren 3650 Tage oder io Jahre erübrigen, wenn ihr von nun an,'alle Tage eine Stunde zur Vorbereitung auf euere Lektionen, eine zur Wiederholung , und noch eine entweder zum Lesen guter Bücher, oder zu allerley Ausarbeittmgen / oder zu Erlernung irgend einer nützlichen Handarbeit, von eitern müßigen Stunden abkürzet. Versuchts nur, Knaben, und ihr werdet finden, daß beyde Mittel ganz untrüglich sind; und ihr werdet mir einst herzlich danken , daß ich sie euch bekannt gemacht habe. Das Das Gericht über Kinder. Ach will euch einen löblichen Gebrauch von einem alten Volk erzählen ; aber den Namen des Volks habe ich vergessen. Nur so viel weiß ich, daß es ein edies gutes Volk war. Könige hatte es nicht, sondern es lebte so in einer Republik, wie wir hier. Nun, dies brave Volk hielt auch besonders viel auf gute Kinder. Die ältesten, weisesten Leute, die denn so die Aufsicht auf alles hatten, (und die man hier nicht Obrigkeit und Richter, sondern liebe Väter nannte,) meinten, es gehöre mit zu ihrer väterlichen Sorge für ihre Mitbürger, daß sie die Erziehung der Kinder derselben zu ihrer eignen Sache machten. Alle Vorschläge , Anweisungen und Verordnungen, die sie deswegen gaben, zielten darauf ab, daß die Kinder immer ein gutes Gewissen haben, immer unserm lieben Gott und allen guten Menschen wohlgefällig , und stets heiter und froh seyn sollten. Jung gewohnt, alt gethan, dachten die lieben Väter; sind sie als K-nder so glücklich, so werden sie sich gekviß auch in Acht nehmen ,als Erwachsene, dies Glück nicht zu verlichren, und so wird unser Volk immer ein glück« liches Volk bleiben. Man kannte hier das Gericht, welches die alten Egypter über ihre Todte zu halten pflegten. Die Sache verhielt sich kurz so: Wenn zu Memphis der Hauptstadt des Landes , eine Leiche beygesetzt werden sollte, so versammelten sich 40. Richter an dem See, über den sie gefahren werden mußte. Nun warS 120 » wars jedem erlaubt, den Verstorbenen anzuklagen. Konnte man beweisen, daß er lasterhaft gewesen war, so wurde er nicht begraben , und das hielten die Egypter für eine grosse 'Schande, und für ein grosses Unglück. Ein so ähnliches Gericht wollten die Vater des Volks, von dem ich euch. erzähle, einführen, und ^ dazu hatten sie verschiedene Gründe. Einmal woll, ten sie die edelsten und beßken unter ihrer Jugend kennen lernen, damit sie ihnen einst ihre wichtigsten Aemter anvertrauen konnten. Sie wollten aber auch die Bösen und Lasterhaften wissen, damit sie durch Strafe und Beschämung noch zum rechten Weg zurückgebracht werden möchten. Endlich wollten sie anch den Aeltern und Lehrern Anweisung bey dieser Gelegenheit geben , wie sie auf die beßte Weise ihre Kinder gut und glücklich machen könnten. Es wurden also Richter bestellt. Jeder kleine Mensch sollte vom sechsten Jahr seiner Kindheit an , bis zum achtzehnten Jahr seiner Jugend, diesem Gericht unterworfen seyn. Vater und Mütter wurden bey der zärtlichen Liebe, die GOtt für Kinder in sie eingepflanzt, Lehrer und Aufseher, bey der schweren Rechenschaft , die sie dem Allwissenden geben müssen, die Bediente des Hauses bey ihrem künftigen Glück, & und jeder, der ein Kind kannte, bey den heiligen Rechten der Menschheit beschworen . durch keine Leidenschaft, oder durch sonst etwas sich abhalten zu lassen , etwas zu entdecken , was schädliche Folgen für eine junge Seele haben könnte. Doch wollten die Richter vorzüglich auch alle gute Thaten der Kinder wissen, und ausser dem grossen Lohn, der stets t stets innerlich mit ihnen verknüpft ist, sollte noch ein Kranz eine äußerliche Belohnung für die Guten und ein Sporn zur Nacheiferung für die Trägen werden. Das Gericht daurte z Monate hinter einander. Der erste war für die Kinder von 6. bis 12. der andere für die Jugend von 12 . bis 17. Jahr bestimmt. Und nun will ich euch so einen Gerichtstag beschreiben. Am 10. Tag des ersten Gerichtsmvndes, als die ehrwürdigen Männer schon einige Stunden lang ihre edle Beschäftigung fortgesetzt hatten , traten 2. Männer auf, und ein lieber achtjähriger Knabe an der Hand des einen , der sein Dater war. Freude funkelte dem Manne aus den Augen, und eine Schamröthe verschönerte das Gesicht des Kleinen. Weise Richter, sprach der Vater: dies ist mein Sohn! Aber wenn er auch der Sohn eines der Feinde unsers Vaterlandes wäre, so müßt ich doch sagen , er sey werth von euch, von allen guten Menschen, von allen tugendhaften Kindern geliebt zu werden. Er ist mir, seiner Mutter, seinen Lehrern, stets aufs Wort gehorsam gewesen ; und jeder, der ihn kennt, hat ihn bis jetzt geliebt. Aber neulich — 0 erlaubet, daß ich euch die Geschichte erzähle , durch die er dem väterlichen und mütterlichen Herzen sich so theuer gemacht hat. — Doch nein ! laßt meinen ehemaligen Nachbar Hier reden , er ist Zeuge gewesen; und erlaubet, daß ich mich mit ihm so lange entferne. irr Die Erlaubniß wurde ertheilt, und der Nachbar sollte reden. Ich sah, fieng der an , den Knaben vom 4. bis 7. Jahr aufwachsen. So lange wohnte ich nahe bey seinem Vater. Erst vor einem Jahr zog ich in eine andere Gegend. Seit der Zeit sprach ich wegen der Entfernung seine» Vater nur Augenblicke, sah aber den Knaben nicht. — Ich liebte ihn, denn alles, was der Vater vorher sagte, ist wahr; aber ich konnte mich der Sorge nicht ent- schiagen, ob vielleicht nur die beständige Aufsicht die Tugend des Knaben bestimme, und ich wollte wissen, ob sie auch bann Stand hielte, wenn sie von niemanden gesehn, bemerkt und gelobt würde? Ich wählte einen Mittag, da ich wußte, daß seine Aeltern nicht zu Hause waren. Ich lockte durch einen Fremden, den Sclaven, dem die Aussicht des Hauses anvertraut war, fort, und nun kain ich in der Kleidung des ärmsten Bettlers, und pochte an die Thür. Der Knab öffnete ein Fenster. — Lieber Mann, sagte er, ich habe kein Geld , das ich dir geben darf; hier liegt zwar etwas , aber das gehört der Mutter — komm Morgen wieder, ich will sie gewiß bitten, daß sie dir etwas geben soll. „ Ach „ich bin so hungrig ! " sagte ich. Hungrig? ich will dir die Thür aufmachen, wenn ich kann. — Er konnt's nicht. — Sogleich reichte er mir seine ganze Mittagsmahlzeit, die ihm eben aufgesetzt war , zum Fenster heraus. — „ Aber nun leidest du selbst Hun- „ger!" —-- Schadet nichts ; ich esse mich alle Mittage und Abend satt, — und kann's gewiß bis heut Abend aushalten. » Du wirst es nun wohl „deinen „deinen Aeltem sagen, wenn fie heim kommen, dm „ mit du doppelt empfängst. —- " Nein lieber Mann! das thu ich nicht. Sonst — „ Was sonst? „ sie würden mit dir zürnen? " Das weist ich besser, loben würden sie mich. Aber mein Vater sagt: wenn man meint , was Gutes gethan zu haben, so muß man nicht einmal Mehr daran denken, viel weniger es erzählen. ,, So will ich warten, „ bis sie kommen , und — " Ja , wenn du das thust, so bitte ich Vater und Mutter, daß sie dir ganz böse werden. — Aber gehe geschwind —■ ich sehe den Sclaven kommen. Ich gieng , und wirklich hielt der Knab Wort. Seine Aeltern erfuhren nichts, und er schrankte mit dem beßten Muth auch sein Abendessen auf das Gewöhnliche ein. Nun erzählte ich es dem Vater ; er schwieg , denn er wollte noch eine Probe machen. Ihr wißt das herrliche Schauspiel, welches ihr alle Jahre für unsere Kinder aufführen lasset, macht so tiefen Eindruck auf sie, daß sie sich das ganze Jahr darauf freuen. Mit unaussprechlicher Sehnsucht hatte auch dieser Knabe den Tag erwartet. Er kam. Der Vater ließ das Kind die wenigen Schritte allein gehen« — Freude beflügelte ihn. Plötzlich fiel sein Blick auf ein kleines Mädchen, welches erbärmlich weinte, und ihn anflehte, ihr etwas für Mntter und Schwester, die vor Hunger entkräftet lägen , zu schenken. Da, sprach er — und gab ihr die Hälfte des Geldes, welches zu seinem Vergnügen bestimmt war, — und kehrte ruhig zu Hause. Der Vater 124 ========= Vater hatte ihm dieß wirklich arme Mädchen in den Weg gestellt ; denn er wollte- erfahren , ob sein Sohn auch wohl seinen liebsten Wunsch aufopfern, und das Vergnügen zu helfen , einer sinnlichen Freude vorziehen könnte. Er konnte es.— Denn seine Aeltern waren ausgegangen, und er durfte, indem er gab, auf keinen Ersatz hoffen. Abends lieferte er die behaitene Hälfte zurück , und die Bedienten des Hauses erzählten , er habe ruhig und heiter, ohne ein Wort sich merken zu lassen, sein kleines Gartgen umgegraben. Die Richter wurden gerührt durch den Edel- muth dieses Knaben. Man erkannte ihm den Kranz zu. Er wurde gerufen — der Kranz ihm entgegen getragen — Nein, Vater! sprach er—Nein! dann würde es ja noch lauter; mir ist es genug, wenn >hr mir gut seyn wollt. Ihr könnet glauben, ich hab es nicht des Kranzes wegen gethan. — Freudenthränen stürzten dem Vater und seinem Freund aus den Augen. Eine heimliche Thräne zitterte auf den Wangen der Greise, und der Knab stund da — hochroth — als wenn die Sonne aufgeht, und der Thau fällt. kabeln I2Z fabeln und Erzählungen. Der arme Schiffer , Ein armer Schiffer stack in Schulden , Und klagte dem Philet sein Leid. Herr! sprach er, leiht mir hundert Gulden ; Allein zu eurer Sicherheit Hab ich kein ander Pfand, als meine Redlichkeit , Indessen leiht mir aus Erbarmen Die hundert Gulden auf ein fahr. Philet,ein Retter in Gefahr, Ein Vater vieler hundert Armen, Zahlt ihm das Geld mit Freuden dar. Hier, spricht er, nimm es hin, und brauch es ohne Sorgen; Ich freue mich , dass ich dir dienen kann: Du bist ein ordentlicher Mann, Dem muss man ohne Handschrift borgen. Ein lahr, und noch ein fahr verstreicht, & Kein Schiffer lässt sich wieder sehen. "Wie ? sollt er auch Phileten hintergehen, Und ein Betrüger seyn? — Vielleicht. Doch nein! hier kömmt der Schiffer gleich, Herr 1 fängt er an, erfreuet euch! Ich bin aus allen meinen Schulden ; Und seht, hier sind zweyhundert Gulden, Die ich durch euer Geld gewann, Ich I2Ö Ich bitt euch herzlich, nehmt sie all; Ihr seyd ein gar zu wackrer Mann» O , spricht Philet, ich kann mich nicht besinnen, Dass ich dir jemals Geld geliehn» Hier ist mein Rechnungsbuch, ich wills zu ® Rathe ziehn : Allein, ich weiss es schon, du stehest nicht darinnen* Der Schiffer sieht ihn an, und schweigt betroffen still» Und kränkt sich, dass Philet das Geld nicht nehmen will. Er läuft, und kömmt mit voller Hand zurücke* Hier, spricht er, ist der Rest von meinem ganzen Glücke, Noch hundert Gulden, nehmt sie hin, Und lasst mir nur das Lob, dass ich erkenntlich bin. Ich bin vergnügt, ich habe keine Schulden; Diess Glücke dank ich euch allein; Und wollt ihr ja recht gütig seyn: So leiht mir wieder fünfzig Gulden. Hier, spricht Philet, hier ist dein Geld, z Behalte deinen ganzen Segen : Ein Mann , der Treu und Glauben hält, Verdient ihn seiner Treue wegen. Sey du mein Freund, das Geld ist dein, Es sind nicht mehr als hundert Gulden mein, Die sollen deinen Kindern seyn. Amynt. 127 I A m 3 1 n U A 4 " fJmynt, der sich in grosser Noth befand, Und, wenn er nicht die Hütte meiden wollte, 1 Die hart verpfändet war, zehn Thaler schaffen sollte, Bat einen reichen Mann, in dessen Dienst er stand, Doch diesesmal fein Herz vor ihm nicht zu verschliessen, Und ihm zehn Thaler vorzuschieben. Der Reiche gieng des Armen Bitten ein. Doch gleich aufs erste Wort? Ach nein! Er liess ihm Zeit, erst Thränen zu vergießen; Er liess ihn lange trostlos stehen , Und zweymal nach der Thüre gehen., Er warf ihm erst mit manchem harten Fluche Die Armuth vor, und schlug hierauf Ihm in dem dicken' Rechnungsbuche Die Menge böser Schuldner auf, Und fuhr ihn, (denn dafür war er ein reicher Mann-) i Bey jeder Post gebietrisch schnaubend an. Dann fieng er an , sich zu entschließen, Dem redlichen Amynt. der ihm die Handschrift gab , Auf sechs Procent, zehn Thaler vorzu- »- schießen. Und dies Procent zog er gleich ab. Indem, 123 Indem» dass noch der Reiche zählte. So trat fein Handwerksmann herein, Und bat, weils ihm am Gelde fehlte. Er lohte doch so gütig seyn, Und ihm den kleinen Rest bezahlen, Ihr kriegt jetzt nichts, fuhr ihn der Schuld- herr an : Allein der arme Handwerksmann Bat ihn zu wiederholten malen, Ihm die paar Thaler auszuzahlen. Der Reiche,dem der Mann zu lange stehen blieb, Fuhr endlich auf: geht fort, ihr Schelm; ihr Dieb ! „ Ein Schelm, dies wäre mir nicht lieb, „ Ich werde gehn, und Sie verklagen; „ Amynt dort hats gehört — und eilend gieng der Mann, Amynt! fieng drauf der Wuchrer an: Wenn sie euch vor Gerichte fragen; So könnt ihr mir ja zu Gefallen sagen, Ihr hattet nichts gehört. Ich will auch dankbar seyn » Und euch, statt zehn, gleich zwanzig Thaler leihn; » Denn diesen Schimpf, den er von mir erlitten, Ihm auf dem Rathhaus abzubitten, Dies würde mir ein ew’ger Vorwurf seyn. Kürz , wollt ihr mich nicht als ein Zeuge kränken: So will ich euch die zwanzig Thaler schenken; So kommt ihr gleich aus aller eurer Noth. Herr' ' .»'..'..tva - 129 Herr! sprach Amynt , ich habe seit zween Tagen, Fllr meine Kinder nicht satt Brodt , Sie werden über Hunger klagen , So bald sie mich nur wieder sehn. Es wird mir an die Seele gehn. Die Schuldner werden mich aus meiner Hütte jagen: Allein ich wills mit Gott ertragen. Streicht euer Geld, das' ihr mir bietet, ein, Und lernt von mir die Pflicht, gewissenhaft zu seyn. Der Dachs und das Eichhorn , Der Dachs , ohin so eisig, kleines Thier ? Komm doch einmal herein! Das Eichhorn ♦ '"Was willst du denn von mir ? Der Dachs. Ich seh dir oft aus meiner Wohnung zu, Und wundre mich , wie unermüdet du Von einem Zweig zum andern hüpfest , Und durch die Nussgesträuche schlüpfest* I Und Und wie du keine Ruh noch Rast Vorn Morgen bis zum Abend hast. "Wie kannst du das in aller Welt ertragen? Und noch so munter seyn, und so geschwind, Als keine andre Thiere sind ? Und ich muss mich mit meiner Trägheit plagen! Das Eichhorn. Mein lieber Dachs! das ist nicht schwer zu sagen. "Wenn ihr so stets in euern Löchern lauert , Als wäret ihr lebendig eingemauert ; Und nur von euerm Fette zehrt, Da ist es wohl nicht Fragens werth, Warum so gar das Gehen euch beschwert- Denn bey der übertriebnen Ruh Nimmt unsre Trägheit täglich zu ; ^ Wer aber Fleiss und Arbeit liebt, Wird täglich mehr darinn geübt. Zwey Hamster . Ein Hamster war vorn frühen Morgen Bis in die späte Nacht bemüht, Sich auf den Winter zu verlorgen; Weil jeder kluge Wirth awt künftige Zeiten, sieht. Sein rzr Sein Nachbar hielt nicht viel von Fleiss und Sparsamkeit t Er war noch jung, und liess die edle Zei, Leichtsinnig unter Spiel und Zeitvertreib vergehen. Denn weil jetzt noch das ganze Land Bedeckt mit reichen Saaten stand , Hielt ers für albern , sich mit Vorrath zu versehen , Und glaubt’, er würde allemal Die vollen A ehren ohne Zahl, 'Wie jetzt auf allen Feldern sehen. Als nun die Zeit der Erndte kam , Und seinen Irrthum ihm benahm ; Da sah er, doch zu spät, sein künftig Elend ein, Und liess sich feine Thorheit reun. Denn er' auch konnte reich , so weit sein Nachbar, seyn; Statt, dass er , weil er jetzt nichts mehr zu finden wusste , Erst betteln , dann verhungern musste. i Lieder Lieder und Verse. Freude über GOtt. * §reu dich sehr , geliebte Jugend! So du gehst den Weg der Tugend, Fehlt es dir an Freuden hie, Wahren, edeln Freuden nie. Das ist unsers Gottes Wille, Froh zu seyn ! Er ist die Fülle Unsrer Frölichkeit; er giebt Frölichkeit dem, der ihn liebt. Das ist Frölichkeit, ihn kennen, Ihn den HErrn , den Vater nennen, Auf ihn warten , auf ihn sehn , Und auf seinen Wegen gehn. Einst, sie war noch nicht, die Erde ; Gottes Hauch rief ihr das werde ! ® Und sie ward; wir wurden auch, ! Unter unsers Gottes Hauch. Und wir fanden Trank und Speise, Fanden , so nach unstet Weise Zu genesen, zu gedeih» , Und des Lebens uns zu freun. i Und *33 Und wir fanden uns umgeben Mit unendlich vielem Leben; Thiere , groß und klein , gedieh'«. Fanden Speis und Trank durch ihn.' Aber wir allein, wir kannten Ihn, den Vater! ach, und nannten Vater ihn! Er rief uns zu: Mensch! mein Ebenbild bist du! Herrsche, wirke, denke, wisse. Und empfinde , und genieße ; Dieses geb ich nicht dem Thier, , Diesen Vorzug geb ich dir! Brauch ihn ja zu meiner Ehre! Sieh ! dein Glück ist meine Ehre ; Und dein Glück ist : gut zu seyn. Deines Gottes dich zu freun. — Welche Freude , dies empfinden! Dies anbettungsvoll ergründen, Daß uns je und je geliebt Gott, der uns das Wesen giebt ! Daß in ihm , in ihm die Fülle Unsrer Freuden ist; sein Wille, Daß der ist, uns froh zu sehn, Tugendhaft uns froh zu sehn! Welch -34 Welch Entrücken , daß wir leben, Neben GOtt und in ihm leben ! Und unendlich sind, wie er, Ach, unendlich! — Wonnemeer! —< Die ihr Gottes Namen nennet, Jauchzet, preiset, dankt, entbrennet! Freuden Gottes, ewigs Heil, Sind der guten Menschen Theil! Lieben Kinder, liebe Jugend! O verliert doch nie die Tugend! Wo ihr sie, ach sie verliert, Seyd ihr aller Freud entführt. Preis des Schöpfers. Ä)enn ich, o Schöpfer, deine Macht, Die Weisheit deiner Wege, Die Liebe, die für alle wacht. Anbetend überlege: So weiß ich, von Bewundrung voll , Nicht , wie ich dich erheben soll, Mein GOtt, mein HErr und Vater! a Mein Auge sieht, wohin es blickt. Die Wunder deiner Werke. Der Himmel, prächtig ausgeschmückt, Preist dich, du Gott der Starke! Wer hat die Sonn an ihm erhöht ? Wer kleidet sie mit Majestät? , Wer ruft dem Heer der Sterne? Wer Wer mißt dem Winde feinen Lauf? Wer heißt die Himmel regnen 7 Wer schließt den Schooß der Erde auf, Mit Verrath uns zu segnen? O Gott der Macht und Herrlichkeit! Gott, deine Güte reicht so weit. So weit die Wolken gehen. Dich predigt Sonnenschein und Sturm/ Dich preist der Sand am Meere. Dringt , ruft auch der geringste Wurm, Bringt meinem Schöpfer Ehre! Mich, ruft der Baum in seiner Pracht, Mich, ruft die Saat, hat Gott gemacht; Bringt unserm Schöpfer Ehre l Der Mensch, eist Leib, den deine Hand So wunderbar bereitet; Der Mensch , ein Geist, den sein Perstand Dich zu erkennen leitet; Der Mensch , der Schöpfung Ruhm und PreiS Ist sich ein täglicher Beweis Von deiner Güt' und Grösse. Erheb' ihn ewig, o mein Geist! Erhebe seinen Namen! Gott, unser Vater , sey gepreiSt, Und alle Welt sag Amen! Und alle Welt fürcht ihren Herrn, Und hoff auf ihn, und dien ihm gern! Wer wollte Gott nicht dienen 1 Tugend m 136 Tugend und Freude sind ewig verwandt. fOte Tugend ist die reinste Quelle Der Freude und Zufriedenheit. Wie sanft, wie unumwölkt, wie helle Glarrzt ihres Auges Heiterkeit. Selbst in die harmerfüllte Brust Gießt sie uns Trost und süssen Frieden r Das ist dem Laster nicht beschieden. Ihm fehlt die wahre Ruh und Lust! Schon in dem Frühling seines Lebens Erheitert sie des Knaben Sinn! Sie lohnt die Mühe seines Strebens Mit überschwenglichem Gewinn! Wenn ihn ein edler Trieb zum Fleiß Und jur Geschäftigkeit belebet. Wenn er nach Werth und Kenntniß strebet, Wie schön , wie herrlich ist sein Preis! Er fühlt mit jedem neuen Tage Zum Fleiße neue Kraft und Lust, Kennt nie der langen Weile Plage, Nie preßt der Unmuth seine Brust. Er theilt der Jugend edle Zeit Stets unter Arbeit und Vergnügen, Und trinkt beglückt in vollen Zügen Aus beyden gleiche Heiterkeit! 137 Wie selig, wenn dabey die Liebe Des Guten seine Seele schmückt! Wenn das Bewußtseyn reiner Triebe Sein jugendliches Herz beglückt! Wenn Unschuld und Aufrichtigkeit Gleich Engeln Gottes ihn begleiten! Wenn ihn Vernunft und Einsicht leiten Zur Ordnung und Vollkommenheit! O sey schon in der frühsten Jugend Mein höchstes Gut , mein schönstes Glück, Geschenk des Himmels , holde Tugend! Erheitre du stets meinen Blick! Laß immer deiner Anmuth Kraft Mein Herz zu deinem Dienste stärken, Zum edeln Fleiß in guten Werken, Der wahre Lust und Freude schafft! Der Seidenwurm. Wo bist du, kleinerWurm? Verschwunden? Du Liebling meiner Rebenzeit! Ich sah dich noch vor wenig Stunden , Jetzt seh ich nur dein goldnes Kleid. > In deinem eignen Fleiß begraben Bist du, und schlummerst stolze Rast. Ich kann kein schöner Beyspiel haben, AIS du mir da gegeben hast. *38 Willkommen nützliche Geschäfte ! Umgebt mich, hüllet mich ganz ein: Ich habe ja die jungen Kräfte; Ich will ein Sohn der Arbeit seyn. Und wenn ich viel genützet hab«, Und werde nun nicht mehr gesehn, Und lieg in meinem stillen Grabe, So ist dann noch mein Beyspiel schön. Die aufgehende Sonne. (§chön ist die Morgensonne, schön I Weg Trägheit, weg ! Ich will sie sehn, Kommt sie in ihrem Heldenlauf Durch Nebel dort am Berg herauf! Sie kommt, und alles wird erhellt! Der Berg, der Wald, das weite Feld! O wie, wie der die Menschen liebt, Der dieses Licht der Sonne giebt! Sie straft uns Wärme, Tag und Licht; Strömt Freud ins Herz und Angesicht ; O betet, Menschen, betet an Den, der der Sonne weist die Bahn! Wen sie erleuchtet weit und breit. Der preise Gottes Herrlichkeit; Der ruf, und freue sich mit mir: Gott, für die Sonne dank ich dir! 339 .Loblied für den Lebensunterhalt. Ä)enn ich durch die Strassen gehe, Und den Armen weinen sehe. Dann denk ich an mich zurück, Und erkenne, Gott! mein Glück. Gütiger als gegen diesen, Hast du dich an mir erwiesen, Bettelnd geht von Thür zu Thür Hungrig dieser — wohl ist mir. Kinder seh ich halb bekleidet, Frieren. Aber mir bescheidet Gottes Güte, Kleid und Dach, And ein warmes Schlafgemach. Da du mich vor andern liebest, \ Und mir Brod und Kleidung giebest, Gott! so gieb, daß ich dabey Treuer dir als andre sey. 140 Der Gesang der Vogel. Ein Rnab. §8ie schön ertönt's im nahen Wald! Mein Vater! rund umher erschallt Gesang; und freudiges, Getümmel Steigt lieblich auf zum frohen Himmel. Der Vater. Ja, Kind! zum Himmel tönts empor. Der muntern Vögel steudigS Chor, Die mit Gesang den Schöpfer droben An jedem Morgen dankbar loben. Und wie dem Vater aller Welt Der Vögel Lobgesang gefällt; So läßt er gütig auch dein Lallen, Wenn du ihm dankst, sich Wohlgefallen. Der Wechsel der Iahrszeiten. Ä)>'e schön ist der Wechsel der Zeiten / O Freunde! im wandelnden Jahr; Wie herrliche Freuden bereiten, Und bringen dem Menschen sie dar! Der ^-=-— I 4 I Der Frühling schenkt Wonne und Leben Der wieder erwachten Natur. Hier grünen die Bäume, bore Neben, Dort Saaten auf lachender Flur. Der Sommer, mitck-eisseren Tagen, Reift , was ihm der Frühling gebar; Zu mindern der Svnnengluth Plagen , Bringt kühlende Früchte er dar! DeS Jahres gewonnenen Segen Geniesset die herbstliche Zeit; Dann reift uns die Traube entgegen. Das Herz zu erquicken bereit. Und schüttelt vom kalten Gefieder Der Winter uns Schnee auf die Flur; So schlägt uns sein Stürmen nicht nieder; Sein Eislauf ergötzet uns nur. Drum lieb ich den Wechsel der Zeiten, O Freunde ! im wandelnden Jahr ; Wie herrliche Freuden bereiten, Und bringen dem Menschen sie dar. 143 Das Gewitter.' ^ Ä)er donnert? — O getrost, getrost k Es donnert unser Gott! Sey immerhin du Sturm erbost! Wir fürchten keine Noth. Wir Wissens ja , wir fühlens auch. Was er verhängt, wird gut. Sein Arm ist Macht, Fried ist sein Hauch, Der so viel Wunder thut. Der wachsen läßt, und läßt gedeihn, Und macht das Land so reich! Zu dem die jungen Naben schrey». Und er erhört sie gleich. Er thut die hellen Wolken auf. Dann regnets mild herab; Die Erde schauert, bebet auf, Und trinkt den Saft hinab. * Und muthig steigt empor im Thal Die junge frische Saat. Sein Donner rollt mit starkem Schall, Und preiset seine That. Richt ferne kann er von mir seyn; Der Blitz verkündigt ihn; Auf Wolken fährt der schnelle Schein, Die Rächt sinkt «nterhin» Gebt Gebt mir ein Tuch, daß ich Mich hüll' Und schweige vor dem HErrn! Er kömmt; die Lüfte werden still. Wo Gott ist, bin ich gern. Ich leg an meine Stirn die Hand, Denn dunkel wird es mir. Ich falle nieder in den Sand; - ■ Der HErr, der HErr ist hier. Trompeten reden nicht so laut, Wie diese Stille spricht; Wenn sich der HErr ein Denkmaal baut, Das keine Zeit zerbricht. Gewitter gehen vor ihm her. Und nach ihm Himmelblau, Er wirft den Sturm hinab ins Meer, Und bricht den Blitz entzwey. Er haucht die Sonne wieder an, Sie leuchtet, wie zuvor, Und fahret fort auf ihrer Bahn, Bis an das Abendthor. Er thut uns allenthalben wohl. Obgleich wir Süuder sind. Sey / Erde, seines Ruhmes voll, Und preis ihn, Menschenkind. 144 An Knaben. ivtisl&e ! lerne dich ersten'« , Weil du lebst auf Erden; Aber ohne Weise seyn, Kann dir das nicht werden. Hüb ein Herz in deiner Brust Das für Tugend glühet; Hab ein Auge, das nur Lust An dem Guten siehet. Strebe früh nach vesiem Sinn, Und nach Geistes Stärke; Flattre nicht so her und hin, Adle deine Werke. Weihe dich dem Vaterland, Werde seine Ehre, Daß dein Herz und dein Verstand Seine Männer mehre. Schätzen wird dich dann der Mann, Und das ist nicht wenig; Wer sein Lob erstreben kann, Ist ein kleiner König. Ruhm und Ehre wirst du sehn , Der Verdienste Schwestern; Zwar der Neid wird drüber krähn, Doch, den laß nur lästern! Nur fein Weise mußt du seyn. Guter Knabe , Weise! Alles ist in Hofnung dein. —— Jetzt — viel Glück zur Reise! Inhalt. 145 X Inhalt. Seite. ?Oon der Erde - « . . I Nutzbarkeit der Berge » • . ; Das Wasser » » * » * 4 Das Meer * * • * • 7 Das Feuer • • » - « 9 Das unterirdische Feuer - • » 10 Das Erdbeben . » » • 12 Von der Tinthcilung der Zeit » » »3 Won den Wochentagen und Monaten * r; Von den vier Weltgegenden * -> 16 Die Könne nebst den Planeten * * 20 Der Mond . . * • 2 ? Don den Sonnen »und Mondfinsternissen • 2 6 Der Komet • . - • 28 Don der Luft - « * » 29 Nähere Erklärung der Eigenschaften der Lust - 3* Etwas von der veischiedenen Reinigkeit der Lust/ und den verschiedenen Lustarten. • - 33 Wässerige Lusterscheinunge» » • • - 37 Der Wind . » ' * 40 Die drey Reiche der Natur. Das Thierreich » > • ■0 41 Der Nutzen der Thiere « » . » 0 44 Der Bff» » • 0 46 K Der *4« Inhalt. Seite» Der klcphant » - O B 48 Der Löwe » - - o? SO Der Luchs - » * SI Der Bär - - » - ;r Der Biber » » - 53 Das Kameel - ^ ■* 54 Das Pferdegeschlecht - - * SS Rindvieh - » # 57 Das Schaaf- und Ziegengeschlccht SS Das Hirschgeschlecht - - 59 DaS Geschlecht der Schweine 6o DaS Hundegeschlecht - « 6 o Das Frett - oder Wieselgeschlecht 0 61 Das Katzengeschlecht - • 61 Die Nagethiere - * (z Das Geekub- und Geehundgeschlecht 63 Die Walisische . » * . 64 Wöge! • * « » 0 65 Raubvogel * » . 66 Spechtartige Vögel » . 66 Wasservögel « » • 67 Sumpfvogel » » * 68 Hünerartige Vogel » 68 Sangvögcl « - • 69 Wanderungen der Dögel » 69 Amphibien - - « - 0 7l Fische » « • 0 7* Der Hering - * • 73 Der Stockfisch • - » O 74 Insekten » * 75 Die Bienen « <- * 7« Der Seidenwurm » • 77 Würmer • • • - 79 Polypen - < • * * 8.0 Das Inhalt. Das Mineralreich. 147 Seith. Brennbare Aineraliry 0 . - 8l Steinkohlen • • f »' - 81 Der Torf » * 0 » 84 Der Schwefel » - 0 » 0 8r Der Bernstein » * - - - 8Z Salze . . » r> » - Sl Erden • » » - « 0 - 84 Steine « » * 0 . 0 84 Metalle » » * 0 . 0 r; Platina » • « - 7 - 8S Das Golh • • 0 • 0 86 Das Silber » - 0 0 0 86 Das Kupfer » - - • 0 87 Das Zinn » - - 7 - 88 D«§ Bley -- » ♦ f 88 Das Eisen » » • . - 89 Der Stahl . • .7 0 « - 90 Haibmetalle « » P * ' 0 - 90 Das Gpi?ßgla§ » » 0 • 0 90 Der Zink •. * 0 • 0 9«! Der Wißmuth « - 0 • 0 91 Der Arsenik » * 0 * • 0 0 9* Kobalt • • * 0 f 0 0 9i Braunstein, Wasserbley 0 • 0 91 Quecksilber - « - # 0 9? Der Mensch . . 0 • 0 9* Wohnorte der Menschen 0 . 0 96 Wilde Völker, Sitten und Gebräuche derselben 97 Gesittete Völker . Beyspiele und Lehre». * 0 * 0 > ICO Was hast du gelernt ? « 0 0 0 101 Ausnehmender Lrieb jum Fleiffe, «uklide« 0 IOt Kleanth » . ■* 0 0 102 «ntist. i+8 Inlett. Seite. Autisthencs . . » - - » JOj Lenophon » - - - » 104 ProtagvraS - • ' • - - - 10; Das Schwerste und Leichteste • » 10$ Anlage zu grossen Tugenden und Fehlern • 107 Stolz, Dummheit und Bosheit • « • 107 Bescheidenheit * • • • 10S Iachzorn » . - - Der gestäupte Thierquäler - • ' - » HO Die Macht der kindlichen Liebe » * « iir Der Uebergang vom Guten zum Dösen 11? Man kann sich wieder bessern * * H 4 Brüderliche Liebe . » - - » 11S Ein ganz unlriegliches Mittel sein Leben zu ver- längern -> » » *» • . nr Das Gericht über Kinder Fabeln und Erzählungen. * * • HA Der arme Schiffer - - * « rr; Amynt * * » - - - 117 Der Dachs und das Eichhorn - * * ' irs Zwey Hamster » » * # * IZO Lieder und Verse. Freude über Gott » » - * • I?r P«is des Schöpfers • • * 134 Tugend und Freude sind ewig verwandt • 13s Der Seidcnwurm - ' » - • • *37 Die aufgehende Sonne * m * 138 Loblied für den Lebensunterhalt - 139 Der Gesang der Vögcl » * » 140 Der Wechsel der JahrSzeiten • 140 Das Gewitter - * - * • 14» An Knaben. * * * 0 • 144 i WMSL mlnW’rA mm Wmm MAiNH') TTTf'ipTsi ;Ä.\ 's!' ' • ' *.' ■ v vU V i ¥//M rnm WM8 siSI MWHWW » 711 NW 'MEW ipfe sSfaSä mmm ■Mi. J^lexiccuttr j\& 2 71 cuji^. Cdsid.tr Anhang zu der ersten Abtheilung des Lesebuchs der deutschen und ersten Realschulen« Das Pflanzenreich« ^^flanzen oder Gewächse sind natürliche Körper, welche wachsen, leben, aus Saamen hervorgehen, und wiederum Saamen tragen; und aus diesem, wenn er in die Erde gesäet wird, können neue Pflanzen hervorgehen. Sie sind aus lauter kleinen Röhren zusam, mengesetzt, in welchen die Flüssigkeit enthalten ist, von der sich die Pflanzen nähren. Diese kleinen Röhren kann man an einem unbeschlagenen spanischen Rohre, oder an dem Weinrcbenholze sehr deutlich sehen. Die Pflanze» haben ein Leben in sich, und geben dieses durch viele Umstände zu erkennen. Denn ob sie gleich nicht so, wie ein Mensch, oder wie ein Thier, aus dem Garten ins Feld, und von da wieder anderwärts hinlaufen können, so bewegen sich doch ihre Säfte in ihnen, und sie treiben ihre Blätter und Blumen von innen heraus. Sie gleichen, so zu sagen, einem Menschen, der von Kindheit an feine Füße nicht gebrauchen, und also nicht von der Stelle gehen kann, aber dem ohngeachtet fortlebt und groß wird, so lange sich sein A Herz t Herz bewegt, und das Blut durch den Körper um. herkreibk. ES giebt aber auch Pflanzen, deren einzelne Theile sich deutlich bewegen. Bey einigen wickeln sich die Blätter des Nachts zusammen, bey andern schließen sich Abends die Blumen, und öffnen sich am Morgen wieder. Die Sonnenblumen drehen sich allemal nach der Sonne hin. Einige Pflanzen scheinen sogar eine Art von Gefühl zu haben/ Dahin gehört das sogenannte Ginnkraut, (Mimose sensitive) dessen Blätter sich, wenn man sie anrührt, zusammenfalten, und zu Boden sinken. In Amerika wächst eine Pflanze, die man die Fliegenklappe (Di- oneea musdpola nennt. Sie hat an den Spitzen der Blätter zwo kleine Klappen, die, sobald sich ein In. sekt darauf setzt, zusammen fallen, und das Thier- chen erdrücken. Die vornehmsten Theile, die man fast bey allen Pflanzen findet, sind: Die Wurzel, der Stamm oder Stengel, die Blätter und die Blume. Die Wurzel ist der Theil der Pflanze, der sich unter der Erde befindet, und in selbiger bis in eine gewisse Tiefe hinabdringt. Sie ist im Grunde eben so beschaffen, wie der Theil der Pflanze, der sich über der Erde befindet; denn wenn man einen Baum um. kehrt, und seine Krone in die Erde vergräbt, die Wurzeln aber aufwärts kehret, so wird die Krone t«r Wurzel, und die vorige Wurzel treibt Blätter und und Zweige. Die Bestimmung der Wurzel ist, die Feuchtigkeit, wovon sich die Pflanze nährt, aus der Erde anzuziehen, und zum Stamme zu führen. Der Stamm oder Stengel »st der Theil der Pflanze, der sich über der Erde befindet, und Blät, tcr und Blumen trägk. Die Ziveige sind Theile des Stammes, so wie die Wurzelfasern Theile der ganzen Wurzel, und ihr ähnlich sind. Der Stamm giebt der ganzen Pflanze ihre Vestigkcit, und empfängt die Säfte aus der Wurzel, um sie den Blättern und Blumen zuzuführen. Die Blatter haben einen mannigfaltigen Nutzen. Sie sind für die Pflanzen eben das, was die Eingeweide den Thieren sind, denn in ihnen werden die Säfte, wovon sich die Pflanzen nähren, ausgear, beitct. Das überflüssige und unbrauchbar gewordene dünstet durch kleine Oeffnungen auf ihrer Oberfläche aus, sie saugen aber auch durch diese Oeffnungen, Feuchtigkeit und andere Theile aus der Luft ein. Auch zur Zierde dienen die Blätter den Pflanzen, und geben ihnen das herrliche erquickende Grün, das uns in Wäldern und auf Wiesen entzückt. Die Blumen sind bestimmt, Saamen und Früchte zu tragen, und zur Reife zu bringen. Es ist keine Pflanze, die nicht Saamen trägt, wenn »vir auch die Blumen nicht immer deutlich sehen können. Aus welchen Ländern einige Arten der Pflanzen ihren Ursprung haben. ^^bgleich die meisten Getreidcarten, das bcßte Nahrungsmittel für Menschen und Vieh, jetzt auf allen Feldern gebauet werden, so sind sie doch bey uns fremd, und aus andern Ländern zu uns gebracht worden. Der Roggen (Korn) und waizen find in der kleinen Tartarey und in Syberien zu Hause, wo sie jczt noch wild, wie bey uns das Unkraut, wachsen. Die europäischen Völker, welche mehrentheils aus der kleinen Tartarey herstammen, haben diese Früchte, ohne Zweifel sehr frühe, aus ihrem Vaterlande gebracht. Gerste und Haber weiß man eigentlich nicht aus welchem Lande sie herstammen; so viel ist aber gewiß, daß sie bey uns nicht zu Hause sind, sonst würde man sie bey uns nicht bauen dürfen. Der Reis ist eine äthiopische Frucht, welche von dort nach dem Orient, aus demselben aber nach Italien gebracht worden. Seit 169s baut man denselben in Amerika, und bringt von daher ganze Schiffsladungen nach Europa. Der Buchwatzen ist ein asiatisches Gewächs, woher er nach Italien und hernach zu uns kam. Der Hirse ist in Ostindien einheimisch; der türkische Warzen (Mais) aber im Orient. Die Kräuter in unsern Küchcngärten haben meistens einen ähnlichen Ursprung. Die Rresse stammt «us a k ; aus Creta, der Blumenkohl aus Cipern, der Spargel aus Asien, Petersilie aus Egypten. Der Rnoblauch ist eine morgcnländische Frucht. Der Rettig stammt aus China; der Hanf auS Ostin, dien; bic Gaubohnen von dem caspischen Meer; die Rürbisse aus Astrakan, die Artischocken aus Italien. Der Spinat und derGalat sind lappländische Gewächse. Die Erdapfel sind aus Brasilien zu uns gebracht worden. Den Taback fanden die Spanier in der Provinz Tabago in dem amerika«-- nischcn Königreich Iukatau. Auch unsere meisten Vbstbaume sind zuerst aus dem Orient nach Griechenland, von da nach Jla. licn, und aus Italien in die übrigen europäischen Länder gebracht worden. Die bcßten Aepfel und Birnen stammen aus Egypten, Syrien, Numidien und Griechenland her. Die Apricofen aus Arme, nien und der griechischen Insel Epirus. Die Pflaumen kamen aus Syrien nach Italien, und von da zu unö; der Rirfchbaum aus einer Stadt des Königreiches Paulus, die damals Cerasum hieß, daher die Frucht noch ihren Namen hat; aus eben diesem Königreiche kamen auch die Haselnüsse. Die welschen Nüsse sind eine persische Frucht. Allgemeiner Nutzen der Pflanzen. allgemeine Nutzen der Pflanzen ist weit ausgebreitet. Abgerechnet, daß ihr frisches Grün, und ihre schöne Gestalt unsre Augen ergötzt, und uns den öden Anblick der schwarzen Oberflache der Erde verbirgt; daß der Schatten der grösser» Arten derselben uns Kühlung und Schutz vor den Sonnen- stralen gewährt; daß die Farben und Düfte der Blumen uns vergnügen, verschaffen sie uns noch weit wesentlichere Vortheile. Man hat beobachtet, daß sie den Tag über, und wenn sie von der Sonne beschienen werden, viele schädliche Dünste aus der Luft in sich ziehen, und durch ihre eignen Ausdünstungen die Luft verbessern; ob sie gleich zur Nachtzeit gerade das Gegentheil thun. Sie ernähren bey Millionen von Menschen und Thieren mit ihren Wurzeln, Blättern, Saamen und Früchten. Viele derselben geben uns Brennmaterialien, Fäden und Garn, woraus wir Kleidungsstücke verfertigen; Farben und heilsame Arzneymittel. Selbst die giftigen Pflanzen haben ihren grossen Nutzen; sie ernähren wenigstens zahlreiche Insekten, und können von dem Menschen, wenn gleich nicht zur Speise, doch zu vielen andern Absichten, und oft sogar zu Arzncymitteln gebraucht werden. Man theilt die Pflanzen überhaupt in fünf grosse Klassen oder Familien ein. Diese sind: Moose, Schwäm- Schwämme, Kräuter / Stauden und Bäume. ;* » Die Moose de wachsen vornehmlich auf der Erde, an Bäumen und :r- auf Steinen. Sie sind zwar die geringsten unter n- allen Gewächsen, aber doch nicht unnütz. DieMoost lu- verwandeln tiefe Moräste in trocknes Land, und breit schützen die jungen Pflanzen vor Hitze und Kälte, sie InLappland leben die so nützlichen Rennthiere größten, cn theils vom Moose, welches sie im Winter unter dem ich Schnee selbst aufsuchen. Das weisse und krause Moos, ist welches an Bäumen wächst, brauchet man beym )e- Einpacken leicht zerbrechlicher Sachen, zur Versto» on pfung der Ritzen und Fugen in Schiffen und Booten, it, und auf andere Weise. Sogar wird aus einer Art :n des Steinmooses, Orseille genannt, eine schöne, aber uS nicht dauerhafte, purpurartige Farbe bereitet, ue . f * Die Schwämme “S)t | nn wachsen in feuchter Erde und an Bäumen. Einige ch- Arten der Erdschwämme sind eßbar, insonderheit die >n. Champignons, doch müssen sie mit Vorsicht aus, sse gesucht werden, damit man nicht giftige bekomme, se, v dergleichen die Fliegenschwämme sind. Die Morcheln, > ' in- s ------ insonderheit die Spitzmorcheln, welche auf fetten Wiesen/ Aeckern, aud) unter Steinen wachse»/ werden häufig frisch oder getrocknet an Speisen gebraucht. Der Banmfchwamm, der an alten Stöcken und Stämmen verschiedener Bäume wächst/ wird in einer scharfen Salpeterlauge gekocht/ hierauf in einem Backofen getrocknet/ alsdann geschlagen/ und solchergestalt zubereitet, um Feuer-undZunderschwamm abzugeben; ist in die Oberfläche Mchlpulver gerieben / so heißt er Pulverschwamm. Die Kräuter sind von unzählbarer Art. Die wilden wachsen ohne Wartung von selbst/ die zahmen werden in Gärten und Feldern durch Fleiß erzogen. Sie dienen dem Vieh zum Futter/ wie z. B, die bekannten Arten des Grases und des Klees. Den Menschen dienen sie r.) Zur Speist/ als die Erdapfel/ türkischer Wai- zen, Reis/ Waizen, Roggen/ (Korn) Spelt oder Dinkel, Gerste, Haber, Erbsen, Bohnen, Kichern, Linsen, Hirse und Buchwaizen. 2.) Zum Getränke, als Waizen, Gerste, u. f. w. ;.) Zum Gewürze, als Ingwer, Kalmus, Sal- hey, Thymian, Majoran, Safran, Anis, Koriander, Fenchel, Kümmel, Pfeffer und Senf. 4 .) 4 .) Zu Arzneyen. Hieher gehören unzählige Pflanzen, die in Feldern und Wäldern, in Thälern und auf Bergen wachsen. ?.) Zu Manufakturen, als Flachs, Hanf, die grosse Nessel. Aus Flachs wird ein Garn gesponnen, daraus entweder Leinwand verfertiget, oder Zwirn gedrehet wird. Von den abgenutzten Stücken der Leinwand (Lumpen ) werden manigfallige Gattungen von Schreib'Drnck-Back- und Löfchpapier verfertiget. Aus dem hänfnen Flachs werden Leinen, Schnüre, Bindfaden, Stränge, Stricke, Schiff-und Anker- thau gemacht- Die Spinner drehen es zu einem Garne, daraus die Weber Packtücher, Segeltüchcr; die Schuhmacher ihre Schuhdrate; andere allerley Netze und Garne zum Jagen, Vogelfängen und Fischen verfertigen. Die grosse Art der Nessel giebt, wenn sie wie Flachs und Hanf zubereitet worden, ein feines und zartes Garn, woraus Ncsseltüchcr (Mousseline) zu Manschetten, Schürzen, Tüchern u. s. w. gemacht werden Sie werden sonderlich aus Bengala geholt, und bekommen ihre verschiedene Namen von denOst- indischen Oertern, die das stärkste Gewerb damit treiben. Zum Färben wird z. B. gebraucht: Die Färber« rothe oder Grap zum Rothfärben; die Curcume oder Gelbsuchtwurzel zu den wollenen, leinenen und seide- nen Waaren, wie auch von Rothgiessern, dem Metall eine gelbe oder Goldfarbe zu geben; die kleinen Wur, zeln des Nußbaums zur Nußfarbe; Vahats, um Seide und Wolle schön roth zu färben, und zur Potasche. 6.) Zum Vergnügen für das Gefühl und den Geruch. Dazu dienen die unzähligen Arten der Blu, wen, welche uns zu vielen heilsamen Betrachtungen Gelegenheit geben. Math. VI. -g-zo. r. Pet. I. 24. Der Zucker. ^^er Zucker ist ein ausgepreßter und eingekochter Saft einer Pflanze, die in Brafllien und den umliegen, den Inseln, auf einigen africanifchen Inseln, und in Ostindien, als ein sehr dickes Schilf oder Rohr, 6 bis i» Fuß hoch aufschiesset. Doch erhalt man den Zucker auch sehr häufig aus den Ahvrnbäumen, die in Nordamerika wachsen; selbst aus rothen und andern Rüben kann man Zucker bereiten. ^e Der T a b a ck. ^er Taback ist ein Kraut, welches man in Europa nur erst seit der Entdeckung von Amerika kennt. Die Spanier haben ihm zuerst den Namen beygelegt, und solchen von der Insel Tabago, die zu den kleinen Antillen tillen gehört, entlchnet, wo fie dieses Kraut zuerst gefunden, und es nach dem Exempel der Indianer zu gebrauchen angefangen haben. Ob es nun gleich eigentlich nur eine Art der Tabackspflanzc giebt, so ist solche doch nach Beschaffenheit des Clima sehr an Güte unterschieden. Am besten und kräftigsten geräth er in den warmen Ländern. Der Zimmt. ^^er Zimmt ist die Rinde eines gewissen Lorbeerbaums, der jetzt fast allein aufder Insel Ceylon wächst. Wenn der Baum gewisse Jahre erlangt hat, wird er gefchälet, und die Rinde, nachdem man die äussere unnütze Haut weggeschälet hat, wird an der Sonne getrocknet. Dadurch rollt sich die Rinde röhrenförmig zusammen. Der Kanel oder weissc Zimmt ist von einem andern Baume, der vornehmlich aufJamaika wächst. Diese Rinde ist sehr scharf und beissend, und wird in der Küche nicht gebraucht. Die Stauden und Baume dienen ebenfalls t) zur Nahrung für Menschen und Thiere. Hat man Baumfrüchke im Ueberfluß, und kann sie nicht alle verkaufen, so giebt man sie auch dem Vieh zum Futter. Sonst sind die Früchte der Eichen Elchen und Buchen (Eicheln und Nuchekern) sehr gut zur Mästung der Schweine. 2.) Zum Gewürz, als Zimmet, Rosmarin und Lorbeerblätter, Musca- tennüsse, Gewürznelken, Pfeffer u. s. w. ;.) Zur Arzney, als die Fieberrinde, Kampf«, Manna und Sennetblatter u. a. m. 4.)Zum Gebrauch für Hand, werkerund Manufakturrsten, als Gallapfel, Harze und Gummi u. d gl. Der Rinden von Eichen, Tannen und Afpen, bedienen sich die Lob - und Rothgerber; der Rinden von Erlen, Nuß-und anderen Bäumen die Färber u. s. w. ;.) Zum Brenn-und Bauholze. Das Holz nimmt in vielen Ländern je länger je mehr ab, weil man bisher sehr verschwenderisch mit demselben umgegangen ist, auch in vielen Gegen, dennoch so damit umgehet, und es nicht fleissig und sorgfältig genug wieder anpflanzet. Daher wachset jährlich lange nicht wieder so viel zu, als verbraucht wird; es wird also immer theurer, und viele Länder haben jetzt schon einen grossen Mangel an demselben, so daß sie anstatt des Brennholzes, entweder Torf, oder Steinkohlen, oder Stroh, Stoppeln, hochstäm, mige und starke Pflanzen , sogar getrockneten Mist von Thieren brennen müssen, um sich zu erwärme» und Speisen zubereiten. Man darf nur «wegen, wie erstaunlich groß die Menge Holzes sey, welches alle Jahr für die Haushaltungen, Schmelzöfen, Salz- kothen, Glashütten, Zigrl- und Kalköftn verbraucht, auch i5 auch zum Bau der Häuser, Festungen/ Schiffe, Wind und Wassermühlen, Schleusen, Brücken, Dämme, Wehre, Zäune und Planken, und zu Palisaden angewendet, und von den Tischlern, Wagnern, Küffern, Drechslern, Sattlern, Lcistenschncidern, Schindel, Machern, Schachtel-und Sicbmachern, auch andern Handwerksleuten verarbeitet wird, um die wichtig, keit und Nothwendigkeit des Holzes einzusehen. Das bcßtc Brennholz geben die rothen, wcissen und Steinbuchen. Das vornehmste Bauholz besteht i» Eichen und Nadelholz. Ebenholz. tlnttc den seltenen ausländischen Hölzern, welcher sogar pfundweise verkauft wird, ist das Ebenholz eines der merkwürdigsten, weil es zu vielerlcy künstlichen Arbeiten, von den Orgelbauern, Mechanikern, Tischlern, Drechslern, und andern Handwerkern qe, braucht werden kann. Es wird sowohl aus Afrika, als auch aus Indien zu uns gebracht. Die erstere Sorte ist ganz schwarz, die andere aber hat Striemen. Es ist wie Elfenbein anzufühlen, und fast so hart wie ein Stein, daher es auch den Namen Ebenholz erhalten, indem das hebräische Wort Eben einen Stein bedeutet. Im Feuer giebt es einen angenehmen Geruch von sich, aus welchem Umstand man das wahre von dem nachgemachten leicht unterscheiden kann. Der »4 Der Baumwollenbaum. ^Dcr Baumwollenbaum ist klein, verlangt einen trocknen und steinigten Boden, und eine sehr sorgfältige Wartung. Im Merz und April liefert er seine Aerndte. Am Ende seiner Zweige wächst eine Blume, deren Fruchtknoten sich in eine Schaale, so dick als ein Taubeney, verwandelt. Diese platzt in drey Theile, wenn die Wolle, welche sie enthält, reif ist. Nach geschehener Aerndte wird der Saame von der Wolle geschieden. Dieses geschiehet durch eine Baumwollen» mühle. Das ist eine Maschiene, welche aus 2 höl, zernen Stäben besteht, wovon jeder >8 Fuß lang, anderthalb Zoll im Umfange hält und 2 Striche tiefer Riefen hat. Man bevestigt die Stäbe an beiden Enden, und es bleibt nur soviel Raum zwischen beyden, als nöthig, daß die Saamenkörner durchfallen können. An dem einen Ende ist eine Art von kleinem Mühlsteine, der mit dem Fuß in Bewegung gesetzt wird, und sodann die beyden Stäbe nach entgegen, gesetzten Richtungen herumdreht. Sie fassen die vorgehaltene Baumwolle, und treiben durch die empfangene Bewegung die Körner aus derselben heraus. Die Wolle vom Baumwollenbaum und vom Ca- pokbanm wird zur Verfertigung des Manfchester- fammts, der Kartune, Zizze, der schweizerfthen Mousseline, Barchent, des weissen und gebleichten Kan, --------- J? Kannesaß, und verschiedener halbseidenen Zeugen ge». braucht. Der Kaffeebaum. !Der Kaffeebaum wird 6 bis 8 Schuhe hoch. Seine Frucht hängt an den Zweigen in den Winkeln der Blätter, welche den Lorbeerblättern ähnlich, aber etwas länger sind. Die gesammelten Beeren werden, wann sie dunkclroth sind, in eine Mühle gebracht. Diese besteht aus - hölzernen mit Eisenblech beschlagenen walzen, welche 18 Zolle in der Länge und r-» bis »2 im Durchmesser haben. Sie sind beweglich, und nähern sich durch die erhaltene Bewegung einem dritten Stücke Holz, das man die Kinnlade nennt. Ueber den walzen liegt ein Stumpf, in welchen man die Beeren thut; durch den Druck der Walzen und der Kinnlade wird das Fleisch der Beeren abgesondert, und die in ihnen enthaltene Körner oder Bohnen, deren in jeder Beere z find, entblößt. Die Bohnen werden dann eine Nacht in Wasser geweicht, hernach in der Mühle von den übrigen Häuten gereinigt, und endlich getrocknet, eingepackt, und nach Europa geschickt. Der beßte Kaffee kommt aus dem glücklichen Arabien, wovon aber auf der Stelle das Pfund zu ü bis 7 Batzen verkauft wird. Die arabischen Bohnen, die über die Türkey zu uns kommen, heissen levan. levantischer Kaffee. Es ist unglaublich, welche Gelb. summe die Europäer jährlich in dem davon bereiteten Getränke, das doch im Grunde mehr schädlich als nützlich ist, vertrinken. Nach einer sehr mäjsigen An. gäbe wird denselben jährlich 45,2?*,i°° Pfund gelte, fert, und fle bezahlen davor, wenn man im Durchschnitt ein Pfund zu s Batzen rechnet, eine Geldsumme von beynahe y Millionen Rrichsrhaler, das ste doch sowohl behalten, und für nützlichere Dinge anwenden könnten. Baumöl. ^as Baumöl ist der ausgepreßte Saft aus del» Oliven, die in Frankreich, Spanien, Portugal und Italien so häufig wachsen, daß die Olivenbäume ganze Wälder ausmachen. Die Cultur dieser Bäume, und die Ausprcssung des OelS aus ihren Früchten, verschafft vielen tausend Einwohnern Nahrung. DaS weisse Baumöl ist besser und theurer, als das grüne. ES dienet in den Provinzen, darin» der Oelbaum wächst, den Einwohnern statt der Butter, weil fie der Viehweiden, wegen des brennenden Erdreichs be« raubt find. I? Der Thee. Äer Thee kommt von den Blättern eines Strauchs, der in Japan, China, Tunquin und Siam gezogen wird. Man sammelt diese Blätter im Frühjahr 2 bis ; mal, und nach der Güte giebt man ihnen verschiedene Namen. Die von der ersten Einsammlung sind die feinsten und zartesten, kommen aber gar nicht aus dem Lande, und werden unter dem Namen Kai- scrthee für den Hof aufbewahrt. Derjenige, den wir unter bey, Namen Kaiserthee oder Thecblumen aus Holland bekommen, ist ein guter Thee von der zweyten Sammlung. ! * Vom Wachsthum der Pflanzen. id ;e Alles, was wächst oder größer wird, muß Nahrung haben. Die Erde hat solche Nahrung oder nährende w- Theile in sich, wodurch die Pflanzen wachsen. Aber as diese Theile würden bald durch die Pflanzen aufgezehrt >e. werden, wenn nicht Luft, Thau und Regen sie wie- m 1 der ersetzten. Am meisten wird die Erde fruchtbar geilt macht durch geschickte Bearbeitung mit Graben, Pflüge« gen und Eggen, wenn es zu rechter Zeit geschiehet. Der Dünger oder Mist trägt auch das seine dazu bey. Er ist öhlig und salzig, davon entsteht sein Geruch, und von der Fäulniß seine Wärme. Auf recht fette» B und !8 --------- und kurzen Dünger, der klein gebrochen und gut un- j, tergeackert wird, kömmt viel an, wenn etwas wach- sen soll; auch sehr viel auf guten, reifen, am Keim p unbeschädigten und vom vermengten Unkraut gerei- ( nigten Saamcn; inglcichcm darauf, daß nicht zu oft t § einerley Getreide aufdcnselben Acker gefäct, sondern „ mit den Gctreidearten soviel möglich abgewechselt ^ werde. ei Das Unkraut pflanzt sich ohne des Menschen $ ( Zuthun und wider seinen Willen fort, indem die Saa- u men desselben, theils mit dem Winde umhcrgetragcn werden, theils von dem Miste der Thiere auf das ch angebaute Land fallen. Zum Unkraut gehören z.B. w wilder Haber, Disteln u. a. m. Manches Unkraut vermehrt sich durch die Wurzeln, davon einjcdes abge- t>< rissenes Stückchen fortwächst, wie z.B. Quecken und Brombecrstauden. Es ist allen guten Pflanzen schäd- ^ lich, denn es wächst schneller, raubt ihnen die Nah- tc rung, und erstickt sie. Man muß daher seinen Gar- ct tcn oder Acker davon zu reinigen suchen, und alle m hier angewandte Mühe nicht scheuen, weil sie reich- gl lich vergolten wird. . hc - so Bonden glänzenden Lufterscheinungen- w Lc Die glänzenden Lufterscheinungen werden durch tci die Brechung und Zurückwerfung der Sonnenstralen im *9 im Luftkreise erzeugt. Die prächtigste unter diesen ist der Regenbogen mit seinen stehen Farben, violet, purpur, blau, grün, gelb, orange und roth. Er entsteht durch die Brechung der Sonnenstralen in noch fallenden Regentropfen. Der Regenbogen erscheint, wenn man den Regen vor fich, und die Sonne hinter stch hat. MehrentheilS ist der Regenbogen in einiger Entfernung noch mit einem andern umgeben, den man die Wassergalle nennt, dessen Farben in umgekehrter Ordnung auf einander folgen, und weniger Lebhaftigkeit haben. Durch eine gleiche Brechung der Stralen, nicht in Tropfen, sondern in wässerigen Dünsten, entstehen die Höfe um die Sonne und den Mond, welche auch bisweilen farbigte Bogen darstellen. Eine ebenfalls prächtige Erscheinung giebt daS Nordlicht, das wir zuweilen, vornehmlich im Winter, gegen Norden zu, bey sonst heiterer Luft, in einer röthlichen, bisweilen mehr gelblichen Farbe, mit langen lodernden Stralen erblicken. Ob man gleich die Ursache dieser, erst in diesem Jahrhunderte häufiger beobachtetenErscheinung, nicht angeben kann, so ist doch so viel gewiß, daß sie nichts Böses bcdeu, tet; um so viel weniger, da sie in gewissen nördlichen Ländern zu den ordentlichen Erscheinungen des Winters gehöret, und für sie eine Wohlthat ist. Wenn sich bey dem Scheine der Sonne oder B a des 20 des Mondes verschiedene helle Streifen nach der Gestalt der Kreisbogen am Himmel zeigen, sich durchkreuzen, und da, wo dieses geschieht, ein Bild eines dieser Körper vorstellen, so nennt man dieses Nebensonnen und Nebenmonde. Die Morgen - und Abendröthe, so wie das sogenannte Wasserztehen der Sonne, läßt sich leicht aus dem Brechen der Licht- stralen erklären. Diese glänzenden Lufterscheinungen fallen angenehm in die Augen. Der Regenbogen redet von der fortdaurenden Güte Gottes gegen uns. Die Morgen - und Abenddämmerung macht, baß man Nicht auf einmahl aus der Finsterniß ins Licht, und aus demLicht in dieFinsterniß versetzt werde, da sie uns zum blitzenden Lichte und zur schwarzen, grauenvollen Finsterniß nach und nach vorbereitet. Sie verlängert die Tage, verkürzet die Nächte, und erhellet gegen die Pole die lange Winternacht. Von den feurigen Lufterscheinungen. Von der Eleetrieität. Um euch einen Begriff von den feurigen Lufterscheinungen zu geben, muß ich euch zuerst etwas von der Electricität sagen. *) Wenn man ein Stück S>e- *■) Um alle hier vorkommende Beyspiele den Schülern deut' lich zu machen, wird der Lehrer sie ihnen selbst vormachen. Siegellack mit der Hand oder mit einem wollenem Tuche reibet, und es dann in einiger Entfernung über ganz kleine Stückchen Papier oder Stroh hält, so richten sich diese auf, stiegen in die Höhe und blei, ben am Siegellacke hängen. Einige fallen auch wohl, wenn sie eine Weile so daran gehangen haben, wie, der ab, und scheinen gleichsam von dem Siegellacke weggeflossen zu werden. Dieses Anziehen und Ab. flössen dauert manchmal eine ziemliche Weile nach einander fort Statt des Siegellacks kann man auch Glas dazu nehmen. Reibt man eine Glasröhre im Dunkeln langeZcit nach einander, so werden nicht nur kleine Paplerchcn und Goldplättchcn davon an, gezogen, sondern die Glasröhre sängt auch wohl an zu leuchten, wenn sie und die Luft trocken genug sind. Man hat das aber nicht nur beym Siegellacke und Glase, sondern auch beym Harze, beym Schwefel und beymAgtstcine oder Bernsteine gemerkt. Beym Bernsteine hat man es zu allererst gesehen, daß er, wenn man ihn stark reibt, leichte Körper anzieht und zurückstößt; und weil nun der Bernstein im Lateinischen Electrum- heißt, so hat man deswegen alle Körper, welche das nämliche thun, electrische genannt. Aber nicht alle Körper besitzen die Eigenschaft, durch blosses Reiben clcctrifch zu werden. Ihr möget einen messingenen oder eisernen Stab so lange reiben- SS reiben als ihr wollt, er wird nimals kleine Papier, stückchcn anziehen, oder leuchten, oder Funken geben. Legt man ihn aber auf Siegellack, und läßt ihn mit dem einen Ende die geriebene gläserne Kugel oder Röhre berühren, so bekommt er dadurch ebenfalls die Eigenschaft, leichte Körper anzuziehen; und wenn man ihm den Finger nähert, so fährt ein Funke heraus, der aufder Haut, wie eine kleine Nadel, sticht« Das nemliche bemerkt man bey allen Metallen, bey feuchtem Holze, und bey einigen andern Materien. Nun merkt wohl! Von den Körpern, die nicht durch Reiben, sondern durch Berührung eines andern Körpers clectrisch werden, wie Metalle, sagt man: Sie sind durch Mittheilung electrisch; so wie man hingegen von denen, die es durch das Reiben werden, wie Glas, Harz, Schwefel, u. s. w. sagt: Sie sind eigenthümlich electrisch — Die Eigenschaft solcher Körper, vermög welcher sie eigenthümlich, oder durch Mittheilung electrisch sind , wird überhaupt dieElec- iricität genannt; und da man sahe, daß die Elektricität des geriebenen Glases, einem metallenenStabe u. s. w. mitgetheilt werden konnte, so verfiel man natürlicher Weise auf den Gedanken, daß wohl in solchen Körpern eine besondere Materie seyn möchte, die das alles zuwege bringen, und aus einem Körper in den andern übergehen müßte, und diese nannte man die elektrische Materie. Umdie Versuche, suche / die ich euch hier erzählt habe/ ins Grosse zu bringen / erfand man die Electrisirmaschinen. *) Das Gewitter. 26as die Kunst durch die Electrisirmaschinen im Kleinen thut / das geschieht in der Natur im Grossen. In der Luft ist überall electrische Materie. Sie sammelt sich aber hier und da in grösserer Menge an, besonders in den Wolken. Ich habe euch schon gesagt /(sehet den ersten Abschnitt des Lesebuchs p. 37 .), daß sehr viele brennbare Dünste aus der Erde in die Luft steigen / die oben in der kältern Luft sich dichter zusammen häufen/ undsv/ wie die wässerigen Dünste/ Wolken bilden. Geschieht es nun, daß sich in einer Wolke viel electrische Materie anhäuft/ so zieht diese die nächsten Wolken an sich, und wenn darunter eine ist / die keine oder wenig electrische Materie/ aber viel brennbare Dünste enthält/ so fährt die electrische Materie/ wie ein Fcucrklumpe/ aus der electrischen Wolke heraus/ und entzündet die brennbaren Dünste. Dieses Ausströme» der electrischen Materie/ und die Entzündung der brennbaren Dünste ist das/ was wir den Blitz nennen/ und der *) Hier ist nun allerdings nöthig / daß der Lehrer seinen Schülern eine solche Maschine, und einige Beispiele ihrer Wirkungen zeige, oder zeigen lasse. der Knall, der dabey entsteht, ist der Donner. Wenn wir es abwechselnd oft hinter einander blitzen sehen und donnern hören, so nennen wir das ein Gewitter. Der Knall geschieht eigentlich in demselben Augenblicke, in welchem die electrischc Materie ausströmt, aber wir hören ihn später, als wir den Blitz sehen, weil überhaupt das Licht eher zu unserm Auge, als der Schall zu unserm Ohre kommt. Wenn daher alles, was ich hier gesagt habe, in einer solchen Höhe über uns geschieht, daß der Schall nicht zu unserm Ohre kommen kann, so sehen wir es blos leuchten, oder blitzen, ohne den Donner zu hören, und das nennen wir das wetterleuchten. Oft geschieht es auch, daß eine Wolke, die viel electrischc Materie enthält, an eine andere nicht clcc- Irischc stößt, welche aus wässerigen Dünsten gebildet, oder eine Regenwolke ist. Diese letztere wied dann von jener elcctrischen so erschüttert, daß ihre wässerigen Dünste verdichtet werden, und als Regen herab, sollen. Darum pßegt es bey den Gewittern so oft zu regnen. Der Regen zertheilt aber auch die angehäufte electrischc Materie, und nimmt sie mit sich herab, und darum sind die Gewitter weniger gefährlich, sobald es nur zu regnen anfängt. — Wenn es bald wittern will, und viel clectrische Materie und brennbare Dünste in der Lust angehäuft sind, so brennt die Sonne heisser als sonst, weil ihre Strafn tt. tt 7 - ie * n itt n U )t )& ti / el c- t, m i- b, st c- f ch ir- in ie so a- ,en durch eine dicke Luft zu uns kommen. Wir fühlen es alsdann auch beym Athcmholen, daß die Luft unreiner und schwerer ist, und sagen: Es ist schw ü- les Wetter, wir werden wohl bald Gewitter haben. Die Gewitter setzen die Bewohner des Erdbodens oft in Schrecken. Der Blitz dringt oft durch die dicksten Mauern, tödtct Menschen und Vieh, setzet Häuser in Brand, und schmelzet die Metalle. Es ist eine nöthige Vorsicht, bey Gewittern sich nicht ängstlich zu fürchten, oder zu erhitzen; ferner, Zimmer, die mit vielen Leuten angefüllt sind, Zugluft, Betten, Feuerherde , Bäume, Thiere, zu meiden, und alles metaüifche zu entfernen. Das Gewitter reiniget übrigens die Luft, und kühlt sie ab; und insbesondere macht es den Erdboden locker, und das Gras und die Pflanzen, durch die mit dem Regen herabfasicn- den Dünste, ungcmein fruchtbar, und ist daher eine grosse Wohlthat Gottes. Die Gewitterableiter. 3 l>r habt oben gelesen, daß sich die Elektricität den Metallen mittheile, und von ihnen angezogen werde. Dieses hat zu der sehr wichtigen Erfindung dcr w e t- terabletter Gelegenheit gegeben, eine so nützliche Sache, wodurch vieler.Menschen Leben 11^^, mögen mögen gerettet werden kann, verdient doch wohl, daß ich euch eine kurze Nachricht davon gebe. Auf dem Giebel eines Hauses, das man vor dem Einschlagen sichern will, richtet man eine sehr spitzige eiserne Stange auf, und hängt unten dran eine metallene Kette, die äusserlich mit einem Verschlag von Brettern wohl verwahrt, durch hölzerne Haften, längst den Wänden des Hauses herab, und in eine tiefe Grube voll Wassers geführt wird. Geht nun eine Gewitterwolke über dem Hause weg, so strömt die elektrische Materie, die sonst leicht plötzlich hervorbrechen und einschlagen könnte, langsam und nur nach und nach in die spitzige Stange, und wird von da durch die metallene Kette in die Grube herabgeführt, wo sie sich in der Erde zerstreut und niemanden Schaden thut. Wie nützlich ist diese Erfindung! und wie sehr verdient sie, daß man sie überall benutze! Glaubt es ja nicht, wenn man euch sagt, daß man dadurch dem lieben Gott vorgreife, und sich an ihm versündige. Das thut man hier eben so wenig, als wenn man krank ist, und dagegen Arzneyen einnimmt, oder sich gegen wilde Thiere, die uns anfallen, vertheidigt. Wir sind in der Welt manchen Gefahren ausgesetzt, das konnte nach Gottes weisen Absichten nicht anders seyn; aber er gab uns auch Ver, stand und Mittel, uns gegen diese Gefahren zu sichern. 2 7 sichern. Wenn wir nun von den Wohlthaten und den Mitteln, die uns Gott gegeben, vernünftigen Gebrauch machen, können wir ihn nicht erzürnen. Aber undankbar und strafbar handeln wir, wenn wir seine Wohlthaten verschmähen, und von uns weisen. Von dem sogenannten Donnerkeil. vielleicht habt ihr auch schon etwas von den sogenannten Donnerkeilen gehört, von welchen abergläubische Leute glauben, Gott donnere damit, und dann fallen diese zur Zeit eines Gewitters aus der Luft. Nach ben Begriffen die ihr nun oben von der Entstehung der Gewitter erhalten habet, werdet ihr begreifen, daß der Donnerkeil nichts mit dem Donner und Blitz zu thun hat, und nicht zur Zeit eines Gewitters aus der Luft fällt. Die Steine, welche man bisweilen in der Erde findet, und die diesen unschicklichen Namen bekommen, sind theils Keile, Hämmer, Achte und Werkzeuge, welche die alten Völker aus Kiesel und Feuersteinen gemacht, und gebraucht haben; theils sind es auch Versteinerungen von allerhand Seethiercn, besonders von einer gewissen Art, die man auch Belemniten nennt. 28 Andere Entzündungen in der Luft. der Luft erblicken wir, ausser den Gewittern, noch andere Entzündungen. Von den Irrwischen ^Irrlichtern) habe ich in der ersten Abtheilung des Lesebuchs schon geredt, sehet daselbst p. ;ü. Die Feuerkugeln, die fliegenden Drachen, und die Sternschnuppen, sind ebenfalls gesammelte Dünste, die sich in der Lust entzünden, langsam brennen, und nachdem sie ausgebrannt sind, auf die Erde fallen. Den beiden letzteren hat der Aberglaube jene unschicklichen Namen gegeben. Weisheit Gottes in dem ganzen Zusammenhange der Natur, zur gemeinschaftlichen Erhaltung aller Geschöpfe. Gleichwie alle Glieder unsers Leibes zusammen genommen ein einziges sehr weise eingerichtetes Ganzes ausmachen, so sind die verschiedenen Arten natürlicher Dinge einzelne Glieder, woraus Gott einvoü- kommnes Ganzes zusammengesetzt hat. Daß in der Natur alles verknüpft sey, und sie also nur ein Ganzes ausmache, wird dem aufmerksamen Verstände sehr einleuchtend werden. Die verschiedenen Arten der Erde, und das Wasser erhalten und ernähren offenbar das Pflanzenreich; ohne .. Sy ohne dieses könnten die Thiere nicht leben. Feuer , Wasser und Luft sind unumgänglich nöthige Stücke zur Erhaltung dieser ganzen silbischen Natur. Also ist ein unauflösliches Band zwischen den Dingen dieser Erde sowohl/ als der ganzen Natur. Dieß wirb noch deutlicher, wenn wir auf den wechselseitigen Einfluß sehen , den sie auf einander haben. Die Gewächse, Bäume, Pflanzen, Gräser, Moose, bekommen aus der Erde ihren Unterhalt: die Thiere den ihrigen wieder aus den Gewächsen. Alle diese Dinge werden endlich wieder in ihren ersten Grundstoffverwandelt. Die Erde wird der Pflanze, die Pflanze dem Wurm, der Wurm dem Vogel, der Vogel dem wilden Thiere zur Nahrung, und so nährt sich umgekehrt von dem wilden Thiere der Habicht, von dem Habicht der Wurm, von dem Wurme die Pflanze, und von der Pflanze die Erde. Selbst der Mensch, der dieses alles zu seinem Gebrauch anzuwenden pflegt, fällt oft dem wilden Thiere, allemal aber der Erde zum Raube anheim. So geht alles in einem Kreisläufe herum. Gott hat also eines um des andern willen, aber kein Geschöpf blos für sich allein gemacht. Die Ticger, die Luchse, die Bären, die Hermeline, die Füchse und noch andere Thiere geben ihre Felle zum Gebrauche anderer her- Die Hunde durchstreichen die Wälder, jagen für unsere Tische das Reh und den Haftn 3 o *=== Haftn auf, und gewinnen ftlbst wenig bey dieser Ar« beit. Der Dachs treibt das Kaninchen zum Nutzen des Menschen aus seinen tiefen Behältnissen. Das Pferd, der Elephant, das Kamee! sind zum Ziehen und Lasttraqen; der Ochse zum Pfluge gewöhnt. Die Kühe giebt Milch, dasSchaafWolle, das Rennthier zieht den Schlitten. DasSchwein und der Igel graben indieErdc, und der Maulwurf durchwühlt sie, und dadurch tragen sie etwas dazu bey, daß sich die Pflanzen und Gräser desto leichter durch ihren Saa« mcn fortpflanzen können. Der Falke dient zur Jagd, und die Henne legt Eyer. Der Hahn weckt uns frühe auf, und bey Tage vergnügen uns die Böget mit ihrem Gesänge. Die Augen werden durch tausend Abwechslungen der lebendigen Natur gerührt. Die Fische müssen sich, um ihre Nahrung zu finden aus den Abgründen des Weltmeers an die Ufer wagen , und die Flüsse hinaufschwimmen, und dieses alles in gewissen Tagen und Monaten , damit sie von den Menschen, den Vögeln und den wilden Thieren haufenweise können gefangen werden. Der Sei- denwurm spinnet seinen Faden sich zum Schutze in der Verwandlung, und für uns zur Kleidung. Die Bienen sammeln mit grosser Sorgfalt das Honig, das unserm Geschmacke so angenehm ist. Das Meer wirft täglich Schnecken und allerley Muscheln aus, damit sich Menschen und Thiere derselben bedienen können. Die -------- JJ Die grosse Fliege in Snrinam (der Laternenträger) leuchtet zur Nachtzeit so, daß die Einwohner gut dabey sehen können. Laßt uns die menschlichen Handlungen betrachten, wir werden überall eine der Natur ähnliche Absicht antreffen. Der Schiffer vertraut sein kostbares Leben dem Sturme und den Wellen des Meers, damit er die Waaren eines anderen zur Stelle bringen könne. Der Soldat opfert sein Blut dem Vaterlande und dem Wohl der Bürger auf. Die die Gerechtigkeit Hand, haben, sind gänzlich mit den Geschäften anderer be» laden. Die Regenten widmen Zeit und Kräfte dem Staate. Die Aeltern sorgen und sammeln für ihre Kinder. Der Landmann säet und crndtet Landfrüchte, wovon doch nur der geringste Theil von ihm selbst genossen wird. So leben wir nicht uns allein. Denn ei» jegliches Ding ist dem andern zum Nutzen von dem weisesten Urheber der Natur eingerichtet worden. Es zeigt sich daher, wozu wir gegen einander verbnnden sind. Wer stark ist, soll andern Beystand leisten. Wer viel Verstand besitzt, soll andern Rath geben. Wer Gelehrsamkeit hat, soll andere lehren. Wir sollen den Nächsten wie uns selbst lieben. So erfüllen wir die Absicht des Schöpfers. Diese gegenseitigen Pflichten.', die. wir einander schuldig sind, machten, daß, des ;L st=sss des gemeinen Nutzens wegen, anfänglich Gesellschaften errichtet wurden. Was getheilte Kräfte niemals zuwege bringen können, wird durch vereinigte Kräfte gar leicht erhalten. Es würde niemand ein prächti. ges Gebäude aufführen können, wenn er ganz allein den Grund legen, die Keller graben, die Ziegel streichen und brennen, Mauern aufrichten, das Dach darüber ziehen, die Zimmer ausschmücken, Fenster zurechte machen, und auch für das übrige sorgen sollte. Aber alles dieses richten viele mit vereinigten Kräften sehr leicht aus. So ist es in der ganzen Natur, in allen Künsten und Misscnschaften, daß, wenn etwas Vorircsiiches und Herrliches zu Stande gebracht werden soll, ihrer viele daran arbeiten müssen. Wie weife und vortreilich hat Gott alles ringe, dichtet! Welche unwidcrsprechliche Beweise von feiner Liebe und Güte finden wir in dem Zusammenhange aller Dinge! Sollte uns das nicht erwecken, ihn auch zu lieben? Ps. CIV. 24. r. Ioh. IV. 19. Die Natur als eine Schule für das Herz. l-lnfer Herz gewinnt in aller Absicht durch die Betrachtung der Natur. Man kann die Natur mit Recht eine Schule für das Herz nennen, weil sie uns ------- ;r uns, auf eine sehr einleuchtende Art, die Pflichte»» lehrt, welche wir gegen Gott, gegen uns selbst, ge, gen unsere Ncbenmenschen und andere Geschöpfe auszuüben schuldig find. Kann man wohl stärker zur Empfindung der tiefsten Ehrfurcht gegen Gott ermuntert werden, alS wenn man bedenkt, daß es Gott »st, der den ungeheuren Körper der Erde nicht nur hervorgebracht, sondern ihn auch mit allen Kreaturen, die daranfwoh- nen, in der freyen Luft schweben geheisscn hat ? Dessen starke Hand die Sonne in ihrer Bahn, und das Meer in seinen Ufern hält? Kann ich demüthig genug gegen ein Wesen seyn, das alle die unzähligen Welten geschaffen hat, die in dem unermeßlichen Raume über meinem Haupre schweben? Was bin ich für eine geringe Kreatur, wenn ich mich gegen diese Körper halte! Wie klein, »vie verächtlich wird alle Herrlichkeit der Erde, wenn ich sie aus diesem Gesichtspunkte betrachte. Und wie sollte ich mich nicht scheuen, den Absichten eines Gottes entgegen zu handeln, dessen allmächtige Kraft mir von allen Seiten in die Augen fällt, der durch einen einzigen Wink mich verderben und zu der elendesten Kreatur machen kann? Jedoch, ich erhalte zugleich durch die Betrachtung der Natur die stärkste Neigung zur Liebe und Dankbarkeit gegen ihn. Die ganze Natur predigt mir mit lauter Stimme die Wahrheit: Gott ist die Liebe! Er schuf darum eine Welt, und brachte eine unermeßliche Anzahl Geschöpfe hervor, daß von dem Engel bis zum Wurme, ein jedes nach seiner Art und Fähigkeit, seine Güte schmecken und empfinden sollte. Und wo ist auch wohl eine Kreatur, welche nicht einen Beweis von der Güte des Schöpfers ab. geben könnte? Und welchen vorzüglichen Beweis von der Güte Gottes habe ich nicht an mir selbst? Mir C hat 34 ------ hat er Vernunft verliehen, um nicht nur seine Wohlthaten, sondern auch in denselben seine Güte und Freundlichkeit zu schmecken, und mich also seiner Gaben doppelt zu erfreuen. Mich hat er zum Herrn der Thiere gemacht, um sie zu meinem Nutzen und zu meiner Bequemlichkeit zu gebrauchen; aber martern und quälen darf ich sie nicht. Auch um meinetwillen muß die Erde so viele Früchte hervorbringen. Wie könnte ich nun so gefühllos seyn, daß mich so viele Wohlthaten nicht zu dankbaren Empfindungen gegen ihn reizen sollten? Endlich wird auch mein Vertrauen auf Gott, durch die Betrachtung der Welt, und der Vollkommenheiten Gottes, die daraus sichtbar werden, gestärkt. Mein Schicksal ist in sichern, weisen Händen. Es wird von dem Gott regiert, von dessen Allmacht, Weisheit und Güte ich eben so viele Proben habe, als Geschöpfe vor meinen Augen sind! Kann ich mir wohl zu meiner Glückseligkeit etwas wünschen, welches mir der Gott nicht geben sollte, dessen Macht so viele tausend Welten hat hervorbringen können ? In welche Verlegenheit könnte ich gerathen, aus welcher mir diejenige Weisheit keinen Ausgang sollte verschaffen können, die den Himmel bereitet, und alle Kreaturen so vortrcflich gebildet hat? Oder was solltemich wohl abhalten, in meinen Nöthen und Verlegenheiten meine Zuflucht zu ihm zu nehmen, und die Erhörung meiner Gebete vou ihm zu hoffen? Und sollte mir nicht diese allumfassende Wohlthätigkeit des Ewigen ein Beyspiel seyn, das ich, so viel meine Unvoükommenhcit es zulaßt, nachzuahmen trachten sollte? Gott läßt seine Sonne scheinen über Böse und Gute, regnen über Gerechte und Ungerechte, sollte ich ihm darinn nicht ähnlich zu werden suchen? Für alle, auch für die unvernünftigen Geschöpfe sorgt Gott, und hält sie seiner Beschützung nicht un- werth. 35 werth. Sind wir daher nicht schuldig, auch das ge, ringste Geschöpf als Gottes Werk, als Beweis seiner Welsheil und Macht zu schätzen? Nicht schuldig für der Thiere Bedürfnisse zu sorgen, und nicht unbarm, herzig gegen sie zu seyn? Und zu welchen Gesinnungen muß mich die Betrachtung der überall herrschenden Ordnung in der Natur bringen! wenn ich sehe und überzeugt werbe, daß Gott nichts alö Ordnung ge, falle» kann, so muß nothwendig in mir die Neigung entstehen, eine mit dem Ganzen übereinstimmende Ordnung auch in mir selbst zu erhalten. Wie abscheulich würde ich mir selbst vorkommen, wenn ich mir bewußt wäre, daß ich durch meine Schuld U», ordnung in den vollkommenen Plan der Welt ge, bracht hätte? Wie nöthig ist es daher, daß ich die Absichten Gottes zu erreichen suche, und alle Mittel, die sich mir dazu anbieten, besonders sein heiliges Wort, die Befehle und Lehren seines Sohnes, meines Heilandes in demselben, dazu anwende! Ja dies soll meine Hauptbeschäftigung seyn. Ich will nicht ruhen, an mir selbst zu arbeiten, und der Bearbeitung des Geistes Gottes in mir Raum zu geben, so lange ich mir noch innerlicher Unvollkommenheiten bewußt bin. So eine herrliche Schule ist die Natur für das Herz! Wohlan ich will ein Lehrling in dieser Schule werden, und ein lernbegieriges Her; zu ihrem Unterrichte darbringen. Hier werde ich Weisheit lernen, die einzige Weisheit, die nicht mit Eckel verbunden ist. Hier werde ich Gott kennen lernen, und in seiner Erkenntniß einen Vorschmack des Himmels finden. Und unter diesen Beschäftigungen werden meine irr- dischen Tage sanft dahin flicffen, bis ich in jene Welt aufgenommen werde, wo ich nicht mehr ein Schüler, sondern ein Kenner der Weisheit seyn werde. C 2 Die I Die FarHeit. Dunkeln sehen wir keine Farben. Sie werden uns nur alsdann sichtbar, wenn Licht auf die Körper fällt. Das Licht muß also wohl sehr viel zur Hervorbringung der Farben beytragen. Wenn man * ein Zimmer ganz verfinstert, und nur ein kleines Loch j übrig laßt, durch welches die Sonnenstralen einfal, len , so kann man die Entstehung der Farben durchs Licht noch deutlicher erkennen. Denn wenn man ! vor das kleine Loch ein dreyeckig geschlifnes Glas (ein gläsernes Prisma) hält, so wird jeder einfallende Sonnenstral, dessen Licht an sich, wenn es blos durch die kleine Oefnung eindränge, weiß seyn würde, in sieben gefärbte Stralen zertheilt, welche sich auf der entgegenstehenden weissen Wand, in sieben gefärbten Flecken abbilden. Die Ordnung, in welcher diese gefärbten Stralen aufeinanderfolgen, ist diese: Der oberste ist hochroth, der zweyte orange- gelb, der dritte hellgelb, der vierte grün, der fünfte himmelblau, der sechste indigblau, der siebende und unterste violett. Bringt man diese zertheilten gefärbten Stralen (deren Farben eben so wie bey dem Regenbogen geordnet sind) durch ein geschlifnes Glas wieder zusammen, so einsteht daraus wieder ein einziger weisser Slral. Man hat aus diesem Versuch geschlossen, daß die Farben durch Zertheilung und Zurückwerfung der Lichkstraleu auf der Oberfläche der « Körper entstehen, so daß also ;. B. alle rothen Kör. per, blos die rothen, alle gelbe Körper, blos die gelben Lichtstralen zurückwerfen und uns sichtbar machen, und hingegen alle übrige Stralen, die nicht roth oder gelb sind, verschlucken, oder durch ihre Oberfläche durchgehen lassen. Weil wir sehen , daß ein weisser Lichtstral sich in sieben farbige Stralen zertheilt, und durch die Vereinigung derselben wieder hervorgebracht wird, so kann Weiß keine einfache Farbe Farbe seyn, und ein weisscr Körper muß also derjenige seyn, der alle gefärbte Stralcn ohne Ausnahme, die rothen, gelben, grünen u. s. w. zurückwirft. Schwarz kann eigentlich keine Farbe seyn, denn im Dunkeln ist alles schwarz, und ohne Licht giebt es keine Farben. Wenn also ein Körper alle gefärbte Stralen ohne Unterschied verschluckt, und keinen einzigen von seiner Oberstäche zurückwirft, so muß er schwarz seyn. Physikalische Erfindungen. Das Barometer. ÄasBarometer, d. r. der Schweremesser, welches eine mit Quecksilber gefüllte Glasröhre ist, hat seinen Ursprung von einem Italiener Namens Tarri- cclli, der in der Mitte des vorigen Jahrhunderts lebte. Der Erfinder dieses Instruments nahm reines Quecksilber , füllte damit eine mehr als 28 (Pariser) Zoll lange gläserne Röhre, die an dem einen Ende zuge- schmolzen war, hielt das offene Ende der Röhre zu, kehrte diese um, und hieng sie dergestalt auf, daß sie mit eben diesem Ende in ein mit Quecksilber gefülltes Gefäß getaucht war. So bald nun die Röhre nicht mehr unten zugehalten wurde, sank das Quecksilber in derselben etliche Zolle tiefhinab, und blieb endlich nach einigem Auf- und Niederschwankcn, sieben bis acht und zwanzig Zoll hoch, über der Oberfläche des im Gefäß sich befindenden Quecksilbers stehen ;die darüber befindliche Höhlung der Röhre aber blieb leer. Nun zähe man aufs deutlichste ein, daß der Druck und die Elasticität der Luft die einzige Ursache wäre, wodurch das Quecksilber in der Röhre in die Höhe gehakten würde; und man schloß nun weiter, daß der Druck der Atmosphäre aufjeglichenjRaum nicht grösser seyn könne könne als das Gewicht der Quecksilbersäule, die von ihr in der Höhe erhalten würde. Da man auch bemerkte, daß das Quecksilber im Barometer nicht allenthalben gleich hoch stand, so fiel man darauf, an der Tafel, woran man die Röhre befestiget hatte, eine Abtheilung von Zollen und Linien zu machen, um daran die Vermehrung oder Verminderung des Drucks der Luft bemerken zu können, und sich dieses Instruments statt eines Wetterpropheten zu bedienen. Denn die Witterung hängt aufs genaueste mit dem Druck und der Elasticität der Luft zusammen, und man kann deswegen, wenn man in dieser eine Abänderung wahrnimmt, auch eine Abwechslung in jener erwarten. Daß das Barometer auch in unfern verschloßnen Zimmern alle die Veränderungen anzeigt, die sich draussen in der Atmosphäre ereignen, wird uns nicht befremden können, wenn wir erwägen, daß wohl nie ein Gemach genau genug verwahrt und verschlossen werden kann, um alle Gemeinschaft zwischen der innern und äussern Luft gänzlich abzuschneiden. Erhält daher die äussere Luft eine größere Spannung, so drängt sie sich auch durch die kleinsten Ritzen in das Zimmer; die darinn befindliche Luft wird dadurch mehr zusammengepreßt, wirket mit verstärkter Elasti, cität auf das Barometer, und treibt das Quecksilber höher. Vermindert sich dagegen der Druck der äusser» Luft, so fällt das Barometer gerade aus den entgegengesetzten Gründen. Wenn also das Barometer steigt, so zeigt es an, daß die Luft ihre gehörige Schwere hat, um die in derselben befindliche Dünste zu tragen; fällt er, so ist die Luft leicht, und es erfolgt Regen. Das Thermometer. 5C[le uns bekannte Körper werden von der Wärme ausgedehnt; manche mehr/ manche weniger/ je nachdem die Materie ist/ woraus sie zusammengesetzt sind; die flüssigen am meisten. Jedermann weiß/ daß in einem Gcfässe, welches mit kaltem Wasser bey weitem nicht gänzlich anaefüllt war/ dieses Wasser bis an die Ränder des Gefässcs aufschwillt/ und endlich überläuft/ wenn es zu sieden anfängt.-Eben so ausgemacht ist es/ daß die untere Luft/ worinn wir leben, zuweilen kalt/ und ein andermal wieder kälter ist. Aber/ wenn man fragt/ um wie viel die Kälte deS heutigen Tages die Kälte des gestrigen übersteige: so läßt sich dieses aus dem blossen Gefühl keineswegs bestimmen/ ob es gleich oftmgls zu wissen höchst nöthig ist, wenn man gewisse ökonomische Arbeiten unternehmen/ und allerhand Beobachtungen über die Narur anstellen will. Man mußte also ein besonderes Werkzeug ausfindig zu machen suchen/ um diese Absicht zu erreichen, welches denn auch wirklich erfunden, nach und nach aber erst zu seiner gehörigen Vollkommenheit gebracht worden ist. Ein solches Instrument hat den griechischen Namen des Thermometers oder Wärmemessers- Gemeine Leute nennen dergleichen Gläser Wettergläser. Der Erfinder dieses Instruments war zu Anfang des vorigen Jahrhunderts ein holländischer Bauer, NamensDrebbel. Nach ihm ist es von Reaumur, Farenheit, de Lisle u. a. verbessert worden. Es besteht aus einer Glasröhre, die an dem untersten Ende mit einer hohlen Kugel zusammen geschmolzen, und mit irgend einer Flüssigkeit, am gewöhnlichsten mit Quecksilber, etwa bis zur Hälfte angefüllt ist. Wird dies Instrument von aussen erwärmt, so theilt sich die äussere Wärme der innwendigen Flüssigkeit 4o --------- mit, und diese steigt in der Röhre aufwärts, wogegen sie niedersinkt, wenn man sie kalt werden läßt; ein deutlicher Beweis, daß die Flüssigkeit in der Warme einen grössern, in der Kalte aber einen klei. ncrn Raum einnimmt. Auf der an der Rohre be, festigten Tafel findet man die nöthigen Abtheilungen der Grade. z Deutsche Sprachlehre für die zweyte deutsche und die zwey ersten Realschulen, des Gymnasiums der Stadt und Republik St. Gallen, von I. M. F. Mit Approbation des Schulraths. (Zweite Auflage. ) St. Gallen, gedruckt in der FMkofersehcn Dnchdruckerey 1799. §. l. Begriff einer Sprachlehre -^sie Sprache ist eine von einem Volke einstimmig angenommene Weise, seine Gedanken mündlich oder schriftlich durch Wörter also zu bezeichnen, daß man sich durch den Gebrauch der dabey beobachteten Regeln versichere, von andern Kennern einer solchen Sprache verstanden zu werden. Eine deutliche, zuverlässige und richtige Darstellung solcher Regeln einer Sprache aber, heißt Sprachlehre. (Grammatik.) §. 2 . Von dem Nntzen einer Sprachlehre. t Wenn man also nicht nur die Bedeutungen der Wörter, sondern auch die Regeln, wie sie gebrauchet, und unter verschiedenem Zusammenhange veränderet werden müssen, kennt, dann ist man erst fähig, nützliche Bücher mit Verstand zu lesen, und sich mündlich oder schriftlich richtig auszudrücken, sich also als - einen richtig denkenden und wvhlgebildeten Menschen - zu zeigen; da man sonst leicht durch unrichtigen Gebrauch der Wörter kann mißverstanden oder lächerlich werden. Ja, da die Erlernung und Ausübung der Regeln einer Sprache eine grosse Aufmerksamkeit und vieles Nachdenken erfordert, die Beurtheilungskrast und das Gedächtniß übt, und uns also zu andern Beschäftigungen desto tüchtiger niacht, so muß also die Svrachlehre auch besonders für iunge Leute sehr nützlich, und ihres ernsten Fleisses sehr würdig seyn. An §,3. I §. 3 - Ursprung des Unterschiedes der Wörter. Wörter sind les - oder hörbare Ausdrücke unserer Gedanken; weil nun diese sehr mannichfaltig sind , so werden auch die Wörter, welche die Gedanken ausdrücken sollen,von verschiedener Beschaffenheit seyn müssen. Bald geben wir nemlich einer Sache einen Namen; (z. B. Vater, Buch,Vogel, Haus, Kleid,) bald legen wir dieser Sache eine Eigenschaft bey; (z. B. zärtlicher Vater, lehrreiches Buch, lieblich singender Vogel, schönes Haus, neues Kleid,) bald sagen wir, daß etwas sey, oder gewesen sey, oder seyn werde; (z. B. der Lehrer ist treu; gestern war es schönes Wetter; ich werde vorsichtig seyn,) oder daß Jemand etwas thue, gethan habe, oder thun werde; (z. B. meine Eltern lieben mich, weil ich gern lerne; man schätzt mich, weil ich fleis- sig gelernt habe; und ich werde glücklich werden, wenn ich noch fleißiger lernen werde; so auch, ich lehre, du lasest, er hak geschrieben, wir hatten genossen, ihr werdet wünschen, daß sie lieben würden, oder geltebet hätten,) bald setzen wir noch einen Nebenumfland der Zeit, des Ortes und der Art hinzu. (r. B. Wer im Sommer nicht will arbeiten, der muß im Winter hungrig seyn. Die Einwohner von Leipzig sind aufgeklarter, als die von Constaminope! ) §. 4 » Fortsetzung. Diese Verschiedenheit der Wörter, laßt sich aus jedem Satze einsehen. Z. B. Rede niemals wider die Wahrheit, sondern vertheidige sie bis in den Tod, und Gott wird mit dir seyn. Was einmal == s geschehen ist, das kann man selten wieder gut machen. In die Luft muß man keine Schlösser bauen. Europa ist der kleinste, aber volkreichste Welttheil, in welchem die christliche Religion, Künste und Wissenschaften am meisten blühen. Asia ist sehr groß und fruchtbar, und war einst ein Schauplatz wichtiger und merkwürdiger Thaten und Auftritten. Bey der nähern Betrachtung dieser Satze, entdeckt man Wörter, die etwas für sich astein ausdrucken; in dem Beyspiele: Europa ist rc. sind solche Wörter: Europa, Welttheil, Religion, Künste, Wissenschaften. Andere bezeichnen eine Handlung oder Beschaffenheit; in unserm vorigen Beyspiele: Europa ist klein, aber volkreich, und Künste blühen da. §. 5 - Jeder durch Worte ausgedrückte Gedanke enthalt also: Wörter von verschiedener Beschaffenheit. Sie lassen sich in 10 Classen eintheilen. Nemlich in das: 3. Hauptwort, (Substantiv.) 2. Beywort, (Adjectiv.) Z. Geschlechtswort, (Artikel.) 4. Zahlwort, (Numcrale.) Z. Fürwort, (Pronomen.) 6. Zeitwort, (Verbum.) 7. Nebenwort, (Adverbium.) 8. Vorwort, (Präposition.) 9. Verbindungswort, (Conjunction.) 10. Zwifchenworl, (Interjektion.), Erster 6 Erster Hbftynitt §. 6 . i. Hauptwörter sind, welche ein Ding, das für sich selbst besteht, oder welches doch als ein solches gedacht werden kann, bedeuten. Von der erster» -Art sind die Wörter Stern, Mutter, Sohn, Buch, Schrift, Diese, Baum, Fluß, Nelke, Rose u. s. f. Andere Wörter bezeichnen solche Dinge, die zwar nicht wirklich in der Welt vorhanden sind, als für sich bestehend, die aber als solche gedacht werden können, z. B. Weisheit, Tugend, Gehorsam, Enthaltsamkeit, Grösse, Zelt, Entfernung. Freyheit ist das Kleinod unsers lieben Vaterlandes. Fleiß macht den Knaben geschickt. Sittlichkeit macht ihn beliebt. In den Jahren der Jugend ist die Seele offen für Jüffe Freudengefühle. Treu sich den Künsten weyh'n, macht unsere Sitten mild, und lehrt uns menschlich seyn. In diesen Beyspielen nun, welche sind Hauptwörter der erstern, und welche der andern Art? §. 7. 2. Beywörter beschreiben, erklären und bestimmen die Hauptwörter, indem sie die Beschaffenheit derselben ausdrücken. Z. B- wenn ich zu den oben angeführten Hauptwörtern setze: funkelnder Stern, liebreiche Mutter, gehorsamer Sohn, zierliche Schrift, grünende Wiese, blühender Baum, rauschender Fluß, rveisse Rose, schöne Nelke. Bey diesen und allen andern Beywörtern, kann man sich allein nichts bestimmtes gedenken. Schön, reich, ganz, klein, jung, fleissig, geben noch keinen Gedanken, == ? feit, bis man sich auch ein Ding vorstellt, das schön, reich, ganz, klein u. s. f. sey. Der volle Mond ist ein schönes Schauspiel in einsamer Nacht. Die zahllosen strahlenden Sterne des Himmels, sind alle brennende Sonnen. Wobleingerrchtete Schulen sind fruchtbare Pflanzgarten nützlicher Bürger, frommer und glücklicher Menschen. §. 8 . Z. Geschlechtswörter, sind gewisse Wörter, die dem Hauptworte voranstehen, und anzeigen, ob es zum männlichen oder weiblichen Geschlechte, oder zu keinem von diesen beyden gehöre. In der deutschen Sprache wird dieses angezeigt durch die Wörter der, die, das, ein, eine, ein. Der, ein, zeiget an das männliche; (Masculinum) die, eine, das weibliche (Fömininum) und das, ein, das dritte Geschlecht (Neutrum), r. B. Ein Gelehrter, der Künstler, ein Herr, der Sohn, die Gattin, eine Frau, die Sängerin, eine Haushälterin. Das Schaaf, ein Buch, das Muster. Noia. Man kann iedoch das Geschlecht eines Hauptwortes, durch diese Geschlechtswörter nur dann gewiß wissen, wenn das Hauptwort, ausser aller Verbindung mit andern, ganz allein für sich gedacht, dieses oder jenes Geschlechtswort bey sich bat, z. B. das Betragen der Magd, da zeigt das Geschlechtswort der nicht an, daß Magd zum männlichen Geschlecht gehöre, denn sobald ich das Wort Magd allein denke, so gehört dazu die, und nicht der Magd; es gehört also zum weiblichen Geschlechte, r. B. der Tochter Clavier ist mißtönia , die Vätcr sind wohldenkend, Reue ist der Laster Gefär- thin. Hier muß man jedes Wort allem nehmen, um das wahre Geschlecht zu finden; dann heißt es nicht der, sondern die Tochter, nicht die Vater, sondern der Vater, nicht der, sondern das Laster. §. 9 . 8 -- §. y. 4. Zahlwörter sind, wodurch die Mehr - und Vielheit der Dinge, die das Hauptwort andeutet/ bestimmt wird/ B. ein/ drey/ vierzig/ hundert Gulden. Das Zahlwort ein, wodurch nämlich bestimmt wird / daß das Hauptwort nur ein einfaches ö Ding der Zahl nach bedeute, muß also von demGe- schlechtsworte ein §. 8. unterschieden werden. §. >o. 5. Fürwörter werden statt der Hauptwörter gesetzet, die in der gleichen Rede schon vorkamen, und deren Wiederholung weitläufig und unangenehm wäre. Wie unangenehm wäre z. B. ru sagen? Ich lese gern in den Büchern, weil schon viele Menschen aus den Büchern Weisheit gelcrnct haben, und auch ich hoffe aus den Büchern nützliche Dinge zu erlernen; oder: Renntnisse haben schon vieler Menschen Wohl beförderet, darum sammle ich auch Renntnisse ein, damit Renntnisse auch mein Glück gründen mögen; oder: 'Jacob hat Jacobs Vater bisher gern gefolgt, weil Jacobs Vater es stets gut mit Jacob meint , und Jacobs Vater wird dem Jacob ferner Gutes thun. Wer fühlt hiebey nicht, wie unangenehm diese Wiederholung sey? Daher hat man Fürwörter. Dergleichen sind: ich, du, er, sie, es, welcher, dieser, mw, dir, ihm, ihr, uns, euch, unser, euer, sich u. s. w. Diese ^ wurde man nun in obigen Beyspielen so gebrauchen: Ich-lese gern in den Büchern, weil schon viele aus denselben Weisheit gclernet haben, und auch ich hoffe- daraus nünliche Dmge zu erlernen; oder: diese Kenntnisse haben schon vieler Menschen Wohl beförderet, darum will ich mir sie anch ,w verschaffen suchen, damit sie auch inich glücklich machen; oder: Jacob hat feinem Vater bisher gern gefolgt, weil dieser es stets gut mit ihm meint, ja der- s == = 9 selbe wird ihm ferner Gutes thun. Auch ist noch zu bemerken, daß auch die Fürwörter zuweilen wieder mit andern Wörtern verwechselt werden. Anstatt: auf dieses, heißt es oft: darauf; so auch anstatt: für dieses, dafür; aus diesem, daraus; durch dieses, dadurch, mit diesem, darmit u. s. f. Z. B. Anstatt: auf dieses antwortete er, darauf antwortete er. Für dieses Geld kann man vieles kaufen, rch will für dasselbe, dafür, Bücher kaufen, um mir mit denselben Kenntnisse zu erwerben, und durch diese, und dadurch werde ich grossen Nutzen stiften können. Nota. Hier kann zur Uebung gefragt werden, welche Wörter in diesen Beyspielen Fürwörter seyen, und anstatt welcher Hauptwörter sie stehen? Und solche Uebungen müssen bey diesen und andern Haupt- regeln so lange, durch eine Menge von Beyspielen, angestellet werden, bis daß die Knaben eine Fertigkeit besitzen, die Wörter, ihrer grammatikalischen Beschaff fenheit nach, schnell zu kennen, und sie von einander zu unterscheiden. §. ii. 6. Zeitwörter sind, die von dem Hauptworte etwas sagen, nemlich: daß dasselbe etwas sey, gewesen sey, seyn solle, seyn werde ; oder: daß das durch das Hauptwort bezeichnete Ding etwas thue, gethan habe, oder thun werde; oder auch, daß etwas an ihm geschehe, geschehen sey, geschehen müsse, geschehen werde. ?. B. Mein Vater war auch klein, so wie ich jetzt bin, und ich kann so groß werden, wie er ist; oder: ich gehe gern in die Schulen, welche schon so viele Menschen wohl gebildet haben; aber das weiß ich auch , daß ich "da ^aufmerksam hören und lernen müsse; die Schüler, die das nicht thun, werden es lehr bereuen, so wie es schon viele, aber zu spat, bereuet haben. Daraus xo Daraus laßt sich leicht einsehen, daß solche Wörter hauptsächlich durch Zeiten, und durch den Hauptum- stand, ob das Ding, von dem die Rede ist, sich selbst thätig zeige, oder ob von andern Dingen auf dasselbe gewirkt werde, veränderet werden müssen. Solche Zeitwörter setzen stets voraus eine Person oder Sache, die da seye, thue oder thun werde; oder eine Person oder Sache, auf welche gewirkt werde. Stets muß also auch ein Hauptwort, oder ein Fürwort (dieß letzte ist am gewöhnlichsten, r. B. ich liebe, erliest, sie spazieren, welche zuAbend- geessen haben rc.) dabey sieben, und daran das Zeitwort erkannt werden. Z. B. Der Abend ist schön; die Gegend und deren Schönheiten entzücken mich; die Sonne erleuchtet, erwärmt und befruchtet die Erde, und schafft uns viele Freuden. §. 12 . 7. Nebenwörter erklären und bestimmen ein Zeitwort, bey denen sie allein stehen können, also, daß sie bald einen nähern Umstand, bald eine deutlichere Beschaffenheit anzeigen, mit welcher wir ein Ding durch das Zeitwort beschreiben wollen; seye nun jene Beschaffenheit ausser dem Dtnge, oder an dem Dinge selbst befindlich. Beyspiele ersterer Art sind: heute, morgen, weit, oben, vielleicht, sehr, kaum; Beyspiele der andern Art sind: schön, klein, groß, schwarz, gut u. s. w. Welches sind die Neben- wörter in folgenden Benspielen? Ehrlich wahrt am längsten; unser Lebrer liebt uns gar sehr; ich kann mich nicht lange aufhalten; man muß vorsichtig leben, wenn man ruhig sterben will; ernstlich beten, fleißig arbeiten, und sparsam leben, macht, daß man wohl durch die Welt kommt. Nota. ©tt vast immer sicheres Kennzeichen solcher Nebenwörter ist, wenn man bey einem Zeitworte fragen kann, wie? z. B. er ist gefallen, wie? tief; er kann lesen, wie? «ut; man muß leben, wie? vorsichtig; wenn man sterben will/ wie? ruhig. §. 13. 8. Vorwörter reisten an / ein gewisses Verhältniß , in welchem das Dmg, bey dem solche Vorwörter gebrauchet werden, mit dem Hauptworte steht. z. B. In der Stadt ist ein Schloß; mit der Feder kann man schreiben; durch Arbeit kann man sein Brod gewinnen; bey dir bin ich gestanden, als dieses geschahe; wer von der Tugend weicht, der weicht von seinem Glücke. Unter.diesem schattichten Baume können wir ruhen, auf dessen Zweigen die Vogel so lieblich singen. Diese Vorwörter können Ort, Gesellschaft, Werkzeug und andere Verhältnisse ausdrücken, und machen also einen wichtigen Theil der Rede aus. §. 14. y. Verbindungswörter sind, welche den Zusammenhang und das Verhältniß der Sätze, und einzelner Theile derselben anzeigen, z. B. weil mein Freund mir viele Beweise seiner Freundschaft abgelegt hat, und überhaupt ein sehr würdiger Mann ist, so ist er mir auch sehr schätzbar. Da Tugend und Glückseligkeit so genau miteinander verwandt sind, wer wollte dann nicht der Tugend nachstreben? denn glücklich wünscht doch ein jeder zu werden. Solche Wörter zeigen also, bald die Verbindung, bald die Ursache^, bald die Folge, und auch die Bedingung der Satze an. §. ' 5 . to. .Zwischenwörter sind einfache Ausdrücke lebhafter Empsindungen, der Freude, des Schmerzens, der Angst, des Schreckens , des Entzückens, Erstaunens, der Klage u.s. w. z.B. Hol Ey! Ach! Wehe! Zweyter Abschnitt. Q §. i6. Das Hauptwort. Hauptwörter bezeichnen ( §. 6.) Qitigt, weiße entweder wirklich für sich selbst bestehen/ oder die als für sich selbst bestehende gedacht werden können. Man bemerke an ihnen 3 verschiedene Geschlechter/ das männliche/ weibliche und dritte (Neutrum) welche durch die Geschlechtswörter, der, die, das, ein, eine, ein, bezeichnet werden. An diesen kann yran also erkennen, welches Geschlechtes ein Hauptwort sey. Setzt man nämlich zu einem Hauptworte ausser allem Zusammenhange, der oder ein, so gehört es zu dem männlichen, r. B. der Berg, der Salpeter; setzt man dazu, die oder eine, so gehört es zu dem weiblichen, z. B. die Frau, eine Maus; und so zeigt das, ein, das dritte Geschlecht an, z. B. das Haus. In einem Hause wobnen oft viele Menschen beysammen, Herr und Frau, Kinder, Diener , Knechte und Mägde; wie, viele Nahrung, Kleider, Betten, Zimmer, Schüsseln und anders Hausgeräthe hat man nicht für sie alle nöthig? Nota. Hier können die Knaben jedes dieser Hauptwörter allein für sich betrachten, bemerken, was jedem für, ein Geschlechtswort beygefügt werde, und also sich üben, die Geschlechter der Hauptwör- ter aufzusuchen. §. 17 ♦ §. 17 « • ' Ein Hauptwort kann in der einfachen oder mehrfachen Zahl gebraucht werden. In dein ersten Falle wird ein Ding nur einfach, in dem zweyten aber dasselbe Ding mehrfach genommen, z. B. das Pferd, der Reuter, der Sporn; oder in der mehrfachen Zahl, die Pferde, die Reuter, die Sporen. Die mehrfache Zahl wird durch Veränderung des Geschlechtswortes; (z. B. der Reuter, die Reuter, der Becher, die Becher, das Zeichen, die Zeichen) oder durch Umänderung der Selbstlcmter; ( r. B. Vater Däter, Vogel Dögel, Ofen Oefen, Buch Bücher rr. ) oder durch Anhänge am Ende des Wortes bezeichnet. ( z. B. Tag Tage, Bach Bache, Stern Sterne, Fabel Fabeln, Ohr Ohren, Kind Kinder, Tuch Tücher, Brett Bretter.) Nota. Die Ausnahmen werden durch die Uebung erlernet; auch wird alles in den nächstfolgenden §§. noch deutlicher werden. §. i8 . Um die Hauptwörter verschiedenen Verhältnissen desto besser anzupassen, so hat man sie noch mehreren Veränderungen unterworfen; solche sind:-die so genannten Abfalle, (Casus) welche in der einfachen und mehrfachen Zahl vorkommen. Beyspiele solcher verschiedener Verhältnisse eines Hauptwortes, nach dem verschiedenen Zusammenhange mit andern find.: der Säugling bedarf der sorgfältigsten Pflege; des Säuglings Kräfte reichen zu seiner eigenen Pflege mcht hin; dem Säugling ist die Milch seiner gesun^ den Mutter die beste Speise; diefer Stock hat nicht dre Lange deines Stocks, und muß auch meinem Stock an Lange weichen. -,, §. 18. Solche Veränderungen der Hauptwörter durch Abfalle sind in der deutschen Sprache folgende: der Nennfall (Nominativ) zeigt eine Sache so gerade hm u iiKi -r 5rfi> K-FarmnimiM) Meibljche.srz;ä •’ v? ; uj ■j -9 s* 1 Dativs" *■ ■„% m i'r- Der (einer, ) ' Accusativ. ^/..r.-^'-Die.'^KW> ^ -. ’ Vocativ. - - du - Ablativ. - von der (von einer. f (Neutrum) drittes. Nominativ. - - daß (ein.) Genitiv. - - deß (eines.) Dativ. - - dem (einem.) Accusativ. - das (ein.) Vocativ. - - du — - Ablativ. - von dem ( von einem. (Pluralis 17 (Pluralis Numerus) In der mehrfachen Zahl. In allen drey Geschlechtern gleich. Nominativ - - die - - - Genitiv - - der (nicht derer.) Dativ - - den (nicht denen.) Accusativ - - die - - - Vocativ - - ihr - - - Ablativ - - von den (nicht von denen.) , Nota. Der unbestimmte Artikel ein, hat natürlicher Weise keine mehrfache Zahl. Der bestimmte Artikel der, die, "das, bezeichnet einen Gegenstand vorzugsweise vor andern Gegenständen derselben Art und Gattung, z. B. greb mrr das Buch, bezeichnet, was für ein Buch ich aus meh- rern andern verlange, und ist so viel, als: gieb mir das Buch, von welchem wir reden. Der unbestimmte Artikel ein, eine, ein, z. B. ein Buch, heißt so viel, als: gieb mir ein Buch, welches es sey, was für eines du geben kannst, n. s. f. % $■ 2 % 18 I §. 2l. Exempel der Biegungen -er Hauptwörter. Erste Art -er Biegungen. Einfache Zahl. Mehrfache Zahl. Nominativ, der Engel. N. . die Engel. Genitiv , s, des Engels. &. t , der Engel. Dativ, dem Engel. D. n, den Engeln. Accusativ, den Engel. >*H. die Engel. Dritte Art der Biegungen: Einfach. f Mehrfach. .'Je -m:,;;. N. . . der Mensch. ^ N,;, en>, die Menschen. G. en/des Menschen^ G. ensder Menschen. D. ' en, dem Menschen. D^' en, den Menschen. A. en'j den Menschen. A." ttt , die Menschen. f » Anmerkungen. Die Hauptwörter, die sich auf el, er und en, endigen, gehören zu der ersten DiegungSart. I. B. der- Mantel- der Lehrer , der Degen, u. f. f. Die auf en aber, bekommen im Dativ der mehrfachen Zahl kein n, weit sie schon ein« haben; andere hingegen giebt«, die in allen Abfüllen der mehrfachen Zahl ein n am nehmen, 4 Zwyte Arr der Biegungen Einfach. Mehrfach. der Saft. f des' Saftes ( des Safts. deck Saftes G. es, s D. e, N. e, die Safte. G. e , der Safte. Di'rn? :>>i tien ©dfteti? A. den Saft.'d m dtk Saft^ . ci: ,b$R3 and ,.r»SRZ ir: ■ 1 '>i *""' •"'/#«§ -.i)C -.RwirrrrR Vierte Art der Biegungen: Einfache Mchrfeich. N- das Gemüth. N. er, die Gemüther. ^£SS' dtt Ge^the^ D. e, dem Gemüthe. D. ern,den Gemüthern. A. , / das Gemüth. A. er X die Gemüther<^ nehmen, : j.. B. die l^cder, Ader, Muer , Nadil,'Schussel. Zu der zweiten Bieguiigsart tzehören Die Wörter, welche in der mehrfache» Zahl ein e annehmen ,''und oft auch den Selbstlaut verändern, z. B. der Kopf , Lag, Wind, Bauch, das Beyspiel. Die dritte Dicgungsnrk begreift dir Wörter-,'die in-der'mehrfachen IM- die - Sylbe ry bekommen, z. D. derFunke, NM Knabe, und mehrere Wörter ^weiblichen Geschlechts, dir zwar in -er einfachen Zahl mcmals verändcttt wirrheN/'z.'T. dir Sonne, Schrift, Flur,^Ä)eD, Uhr^Äue. Die Wörter endlich, welche in der mehrfachen Zahl die Sylbe er be« kommen, gehören zu det vierten'Biegungsart, z. B. der Wald,'Wurm^ Geist, Mann,.dar Dorf,. Geschlecht. Dir Wörter weiblichen- Geschlechts, sind im der einfachen'Iahl stet» unveränderlich. In Rücksicht auf mancherley Aus« nahmen müssest wir die Jugend auf die Uebung verweisen. ' r -?«/»<:■• z* §^3TX,t?; •I Dritter Äbschriitt. Die Beywörter haben in der einfachen und mehrfachen'Beveutuna ihre verschiedene Endungen, und nehmen, weil sie-sich ru den Hauptwörtern schicken müssen , auch die Veränderungen dreyer Geschlechter fll> -!. B. ein grosser Mann, eine grosse Frau, ein grosses Kind. Beywörter können entweder den bestimmten, oder den unbestimmten, oder anch gar.keinen Artikel, bcy sich. haben; nach Be- schaffenheit' dieser Umstanden werbess sie auch ver- schieden seänderet.',' Siehe folgende Seite,;,-. ■' K .i Exempel Exempel ^Veränderungen der Beywörter- , Beywörter mit dem beftimmten Artikel. '■>z\TsZ* . 4 Einfache Zahl. - männliches. 7'.der, schöne/ gute (Mann.) ©en v " ' des' schönen, guten - - Dat?'" - ’’‘ E dem schönen) . guten * Mmf. L-'r-s-Äde» -schönen) , guten -, ..*■ Doc. du schöuer, guter r weibliches. Nom. die schöne, ' "(Frau.) Gen. der schönen, guten Dat. der schönen/ guten Accus. die schöne, gute Doc. , du schöne, gute - ’ ' 1 ; <-!>;- ' ^ } * - - ''.? Drittes. Llom.-,'' das ^schöne) gute (Kind.) Gen/'--"'' '-.deS.- schonen, ' -guten - dem schönen^ guten - Accus.-'- ^?e.daz. schöne,, gute-. - *5-? , -"dir/ schönes, gutes . * hat ist allen ^Geschlechtern "gleich; nämlich: SVt f hv f & guten. Gen. der /chönen, guten. Dat. den schonen, guten. Meus. die schönen, guten. Voc. ihr schöne, gute. der /chönen I 2 L Seywörtcr mit dem^ unbestimmten Artikel. . \ : - ' h r. > * Einfache Zahl. Nom. Gen. Dat.» Attiis. .„VÄ; 'j Nom. Gen. Dat. Accus. Nom. Gen. Dat. Slccus. ^Männliches,- ^ ein^- schmier, Hüter ( Mann) eines- schönen, guten einem«,Honen, '. guten * j* einen ! schönen, ' ” guten - * * .. V' «^..-rpeiblicheSd eine ^'schöne, -*>j r $ufc einer . schönen, ^chnguten eitier^ schönen, cine-m schöne, 'sn. gute -n«-' (Frau) , Drittes. HMß eiiriZjr:schönes , nDZ gutes emrs sch önen, guten einem- schönen, gneguten ein :schönes, gutes (Kind) J n » 7 . - 'S 7 *■'$* fX 1 hat in allen ^ Geschlechtern gleich; nämlich:. •ischone,.'.«..! gute. x Gett.zs»^ schöner, ,guter. ■ Hönen, guten. , - Attgs.' schone, , gute. «50» pt'ttMiut ?>y di : :; ij0?.-Miveiffes,.ssnächSute^jz • » r- ( Speise > M e h r fa ch e Z a b l. hat in allen 3 Geschlechtern gleich; nämlich; Nom. Gen. Dat. Accus. Voe. neue, neuer, ., neuen neue, " neue, _ ric. snsser, tc. ,£• suffen,E rc. Isüffe,^K rc. • '.4I luffe<,-rc. Nota. Dak Geschlechtswort wird als unnöthig weggelassen, wenn das Hauptwort eine sehr unbestimmte Bedeutung Hai, r, B. Bücher lesen, Athem 24 t Athem holen,Luft schöpfen,Wein trinken,u. s. f. Da heißt es mit dem Beyworte ohne Artikel: - steife Bücher lesen; leichten Athem holen; fri- f schHuft schöpfen ; allen, guten Wein ttinken. (,#E) §. 23. Da das Beywort die Beschaffenheit der Sache, welche durch das Hauvtwort ausgedrückt wird, andeutet,-ulrd natürlicher Weise eine Sacke mehr von einer gewissen Beschaffenheit ist, als dw andere, so muß. also,,auch das Beywort einer Sache in einem vorzüglichern Grade beygelegt werden können, als einer andern; das-Haus r.-B. kann groß seyn, aber eine Stadt ist doch noch größer; es giebt weise Menscht»^ aber gewiß giebt es andere Geister, die noch weiser sind , und Gott ist gewiß der Allermeisteste . Hieraufgründet sich diejenige Steigerung der Beywörter , da sie 3 Stuffen des Gedankens geben, wo die. zweyte-die erste, und die dritte die zweyte übersteigt... Wenn nämlich das Beyworr ohne alle Ver- g!etch.un.g und Bestimiüüng des Grades einem Haupt- wM beygelegt wird, so ist dieses der gesetzte (positive ) Grad, r. B. ein großes, kleines, schönes Haus. Wird hingegen der Gegenstand mit einem andern verglichen, und ihm das Beywort in einem Hökern Grade beygelegt., so wird es der verglei- chüngs - ( comparative ) Grad genannt: z. B. ein größeres, kleineres, schöneres Haus. Wird aber k das Beywort dem Gegenstände in einem solchen vorzüglichen Grade beygelegt, als keinem andern von dieser Art, so nennt man dieses den obersten ( su- perlativen ) Grad; z. B. das größte / kleinste, schönste Haus. Der Comparativ wird gewöhnlich durch Anhangung der Sylbe er, und der Superlativ durch die Sylbe fte gemacht, so daß. dabey öfters der Vocal a, o, u in den Diphthong a, ö, u verwandelt wird. positiv i 23 positiv. Männliches; der grosse!', ( Mann.) Weibliches; die schöne, (Braut.) Drittes; das bittere, (Wasser.) . C 07M'W« p-q-tst ttz- Der VölTere,]?' . (Maün.) , ' Die schönere, ' 3i^ - ^(Braute). / Das^ bitterere^. r: & u p e r l a t i v. ~ Der größte, ^ (Mann:) Die^ schönste, - i: ' (Braut.) ' t v. Das bitterste., Wasser.) ' vrokä. Cimge weichen pon dieser Regel' ab, r. B. gut, besser, bette; viel, mehr, meiste; und noch andere können" ihrer eigenen Natur nach nicht comva- - riret werden , r.B. todt, schriftlich, da man offenbar nicht sagen kann : er in todter.alsder andere; oder das ist die schriftlichste Nachncht.. Slnch Merke man , daß diese Steigerung ( Comparativst MMi- len geschehe, durch die Wörtcheir rneht, wenigst- fthr,s. f. ■, ,■ - §. '24. ..... t - ^P.r Vierter WbfchniM' , 4. Die Zahlwörter sind entweder Grundzahlwörter, welche die Dinge in einer Reyhel aufzählen, und von der dritten an, nicht veränderet werden: die ersten drey werden so dekliniret: Mann- ħ i Männliches, weibliches. Drittes. Nom. Einer, zweene. Eine, zwo. Eins, zwey. -Gen. -Eines, zweener. Einer,zwoer. Eines,zweyer. Dat. Einem,zweenen Einer,zween. Einem,zweyen. Attus.Emen,, zweene. Eine, zwo. Eines, zwey. I» allen Geschlechtern: ^drom. Gen. Dat. Arms. Dreye. Dreyer. Dreyen. Dreye. Es giebt aber auch noch andere, nemlich: rahl- »rdnende Zahlwörter; z. B. der erste, der zweyte, der dritte, der vierte, und allgemeine Zahlwörter, jeder, keiner, alle, viel, wenige w.elche wie oben die Beywörter dekkmiret werden; §. 21. §, 25. 5. Die Fürwörter theilen wir ein, in persön. liche, rückfallende, sich beziehende, anzeigende und zueignende Fürwörter. Exempel der persönlichen Fürwörter. Ich. Du. Er. Sie. Es. *■' Ei »fache Zahl. Rom. Ich. Du. Er. Sie. ' M. tu*» (meiner. ® ett * ( mem.i deiner. seiner. ihrer. seiner.' dein. hin. ihr. sein. Dat. ttur.n, dir. «hin. ihr. ihm. Accus. mich. ü D ocat. - (ti!- dich. du. ■ chn. sie. es. Mehr« m »7 Nom. Wir. Ihr. ' Sir. - ^ Gen. : unser. euer. ihrer, w) So sind sie m Dar. uns. euch. 'ihnen. > allendrey M- Accus. uns.' euch. ••••.• siknrsi«) ) <&■ Vocat. i Exempel des rückfattmdenFürwortes/SiH Einfache Zahl. .Mehrfache Zahl. Nom. ( Gen. Seiner, ihrer, sseiner. Gen. Ihrer. Dar. sich. , • we Dar. sich.) Oiccus. sich. - v -' Attus. sich. '' beziehende Fürwörter. ? I - i Wer Was. Der. Welcher. Männliches. weibliches. Drittes. m Etnfache^Fahl.-' IL-8 - ^N.ö t'r; - ,3fsll Nom. Wer. Gen. wessen Dat. '»s wem. Accus. wen. rf- »tlltr - ~ Wer^isM 6rm wessen. wessen. Einfache Zahl.^ der. r vier- ^ dar. welcher. welche. , welcher, '(dessen, deß. derer, der- dessen, deßMK: (welches. --ichelchMwelches) «.«* (dem)- ^ deren, M. dnmm) (welchem, chelcher .^-6 welchm. ' den. • M. daSM m»V welchen, welche. ' welches. /E .'M dachm m»V welches. -' ;oD Mehr, m . m.'W MehvftrMe^shl. welche. ^rrrch welcher, mr?''-' D at denen. E.-H In allen Eeschlechtern.^ welche». ) Ottos. Anzeigende Fürwörter. - >r eser. ^7 ^ener. ^ z Äelbrr» . , " ^ n r Einfache Fah^M M Nom. dieser. diese. dieses. fitaL—_dieses. . dieser^, dieses. Dar. diesem. dieser. diesem. " Zlccus. diesen. diese. dieses. Auch der, die, das/wird öfters für anzeigend gebraucht. '.n 7> -? ^ Zutignende Wcwöttek. Einfach e ZahLf Vtzx .- ' -^'MLMichesM^rs Suu rch. . ZME <$m Mein. 3 ■;.dein. unser. s ^»'smeittel^ ■•'•:-.. deines» unsers. :Dae. meinem.? n deinem, unserm. Staust-■? meinen, •: deinem s . unserm^ y /Weibliches./ m MÄN»/ ' -Meine. - >/seme^,.'.." euete. iGen. Weiner. ; 'Mer.-^ Datz./ V 1 -ötcjtjter. ff ;- 1 Oiner. > News. meine. seine.' euerer. euerer. eucre. Dritte. & 99 Nom. Gen. Dat. Ylccus. Mein, meines, meinem, Weiss,-rite DrrM--k'v»E /ihrige, ,^iwU 'ihriges, .Tstvs.m& ?ihrigem^E-Ä *hreaü?^ hörige, . »J.'L ,^Lidr.E Nom. Gen. Dat. Arcus. Mehrfa^>e Zahj ^ hat in allen zGeschlechttttr: Meine, betn?, , c epere, . -irrige. - deiner > ruerer, chrer^ ihriger. . deinen, .eueren« — -- meiner^ meine, deine, euere/ ihrige. 1 * v „Jj'W'Ci - >■/*> ’r--.} <Ä vjS'? J'>' W * jrcahM •:i JC *nr't3"4 .)sw li C» ; ; §» ;)ä<‘ J äwK? rvSÄ» «frt'o .4* Fünfter Abitt. 6. Das Zeitwort wird aufvielerley Weise gebraucht und verändert, wir bemerken: ». DrruFormen, diese sind Skittv und Passiv; Jenes teigk ein Thun- dieses ein! Gethan werdet», an. Ich kehre, mgt eine Handlung, ein Thun; ich werde gelehrt pjetgt ein keiderm Gethan werden, an. Ich bin gehört,.worden; lies du; ich ermähne dich, daß du fleißig lernest,.damit du dann auch geschaht werdest^und ich liebe dich, damit M auch von Sir geliebt werde, und ich werde dich stets lieben. Wo ist hiek'M Aktiv dMHaS Passiv?;- ' " V?Die' 39 n.JTmms tst(d.-DieErtett j-:.( Modi) wie • das-Thun oder Gethan werde»/ dem Handelnden oder Leidende» m, geschrieben wird; nämlich entweder geradehin; z. B. er schreibt/ er wird gelesen/ und dann heißt es der Indicativ; ( die- schlechthin anzeigende oder fragende Art-)-oder ungewiß/ unter einem Bedinge/ als etwas mögliches / z. B- er würde schreiben/ wenn seine Schriften auch Beyfall finden würden , welches der Conjunctiv (die, mit einem Bedinge , verbundene Art) heißt; oder befehlend) z. B. schreibe/ lerne, bete und arbeite/ ist der Imperativ; oder unbestimmt in Absicht auf die Personen / blos das Thun oder Ge^ than werden/ z. B. liebe»/ gelehret haben/ gelesen worden seyn, und dieses heißt der Infinitiv. (Die unbestimmteWeise. ) Er hört mich gerne , und wenn du so lernbegierig wärest/ wie er es ist / so würde ich dich,nicht nur gerne lehren/ und lieben, sondern du wurdest auch von allen Guten- geliebt werden ; darum höre gerne guten Unterricht und freue dich, von weisen Lehrern gelehret zu werden, und ihre Liebe erlangen zu können. Welche Modi, und wo, sind sie hier zu finden ' ' Äfich giebt es bey den Zeitwörtern particft pra, welche einige Eigenschaften der Zeitwörter und auch einige der Haupt - und Beywörter an sich (haben; 3. B. Ein liebender, ein, geliebter, einer/ der lieben wird ; Hier find Veränderungen diM Zeiten , wie bey den Zeitwörtern. Aber man sägt auch: Ein liebender, eme liebende, ein liebendes , der liebende, des liebenden, dem liebenden/ trie geliebten, der geliebten u. s. f. und: eine, die Neben wird-, eins, das lieben wird u. s. f. Hier, sind Veränderungen durch Abfalle und Geschlechter wie bey den Haupt- und Beywörtern. /' ------ . 3 *- Da das Wort Participium sich deutsch Nicht gut ausdrücken laßt, so behalten wir es in der Folge, so wie andere vorher erklärte lateinische Ausdrücke, bey. ^ c. Die Zeiten , (Tempora ) deren nie mehr-' als fünfe sind; die gegenwärtige , t (Präsens) jungst vergangene, (Imperfectum) völlig vergangene, ( Perfektum ) langst vergangene, ( Plusqnamperfec- tum) und die zukünftige Zeit. (Futurum.) Ich rede, du hörtest, er hat geschrieben, wir motte: lesen, was aufgegeben worden war. 6. Die Zahlen, (Numeri) sind wie bey den. Hauptwörtern einfach undmehrfach; r.B. Ich liebe, wir lieben. e. Die Personen / deren giebt es, in der ein- fachen und mehrfachen Zahi, drey. Ich und wie sind die erste, du und ihr die zweyte, er, sie, es, sie die dritte Person. Diese Fürwörter werden, wenn man die Zeitwörter durch alle diese Veränderungen führt, (welches conjugtren heißt,) dem Zeitworte anstatt eines Hauptwortes, von dem die Rede ist, vorgesetzet. Nota. Nicht nur in der hebräischm, grieM schen, lateinischen und andern abgestorbenen Sprachen, bediente man sich,der zweyten Person der tW fachen Zahl auch gegen die vornehmsten Leute, sott-, dern das ist auch jetzo noch bey der englischen Sprache Regel, die französische aber, und so auch die deutsche, wcichenshier ganz ab, da sie nicht mrk- keyde gern in der mehrfachen Zahl reden,' und die-, selbe allemal gebrauchen gegen Personen, Venen man einige Achtung schuldig ist, sondern auch die deutsche alsdann so gar die dritte Personcher mehrfachen Zahl er- 32 ---Einfordert; r. B. Anstatt: . Vater! sage (du) mir, Herr Vetter: du liebest mich doch; oder: Frau Baase! höret ihr? Mein Herr! wollet ihr ? kann ich Euch aufwarten ? muß es dem Sprachgebrauche nach Heistern Vater saget, (oder gar sagen Sie) mir, Herr Vetter ! ihr liebet (Sie lieben) mich doch? Frau Baase hören Sie? Mein Herr wollen Sie? kann ich Ihnen aufwarten? Gegen solche, die nach dem Range- Alter u. s. f. weit unter uns stehen, «nd gegen die man gewöhnlich das du in unsern Gegenden gebraucht , sage' man lieber mit den höflichen Sachsen, Er, Sie , in der dritten Person der einfachen Zal>l;r.B. komm Er her, sag Er mir, was macht Er, will Sie auch? gebe Sie her, komm Sie mit. m • ' •• .11 ' fJ kk- m-l . §. 27. Das Conjugiren kann im Deutschen nicht anders, als vermittelst der Hülfszeitwörter, haben, seyn und werden geschehen. Die ersten zwey helfen die vergangene Zeit bilden; z. B. ich habe geschrieben; ich bin gegangen; ich hatte gelesen; ich bin geliebt worden; werden macht theils die zukünftige Zeit, r. B. ich werde gehen; theils verändert es die Handlung in ein Leiden/ (das Activ in ein Passiv) z. B. ich werde gestossen; tch werde geliebt werden. Wie sie conjugim werden, siehe auf folgender Seite. Exempel -=-=== 33 Exempel der Ausbildung M z HülfsMWürM WlerpE?*Wrrd'ßü'-luLR ; I Ä^'ik'Ä t-i-O. - ?-"'C /- rpräft»«.' i)S Präsens^- rMfache ^ahl.l^ ^ pMMM' ^o'^'.DeW'aMM 2. ''-'—j DubistHast, Mst.'E.— 3 . —Mist, ^M,.MbA.^»W hkMjichM, . . ■ ..:„* v ^ya srL» L« \*?~ : , »KM^vs , <«ff Mehrfache Zahl. Mchr-Kchk-HGl.'-- 1. -Wir sind / haben, i>—— lasst uns) seyn,ha- werden. " daß wir )ben,werden. 2. —— Ihr seyd, habet,.^.—- daß ihr siyd,habct, WerM. ..ß - r ÄÄ" s«, " —.^je M,chabeMD^;W WU, ^peipc 9 .*d .c tot • * '»z • X. } -rsiNBe MchtMc-chHxjbM. ImperftetuM. ^ ^Jinp'erMytziM 1 . Ich' war/^atte, E^MKuG-kO^WR, und wurde:' ß Jr*' £ 2. Du wärest, hättest) ^ tz.,MßVu.'MU,Ki.»»«, ' wurdest.' ' ' 3. Er war, hatte, ward und wurde. t. Wir waren, hatten, wurden. 2. Ihr wäret, hattet, wurdet. z. Sie waren, hatten, wurden. 3. daß "er 'id'ar?," hätte, würde. r. daß wir wären, hätten, würden. 2. daß ihr wäret, hättet, würdet. 3. daß sie wären, hatten, würden. Per- C 34 Perfectum. perfectum. i. Ich bin gewesen/ habe i. daß ich gewesen sey,ge- gehabt, bingeworden. habt habe, geworben u. P f. u i«rnsuö?-'*ji 3' . Ich kann. Du kannst. ii .ch Er ^ kann. uj jj rjt \ uiw / J' . Ich konnte,.du konntest, er konnte, wir konnten, u, f. w. Ich habe können, du hast können, u. s. w. Ich werde, können, du wirst können, u. s. w» Daß ich könne, daß du könnest, n. s. w. Daß ich konnte, daß v« könntest, li. s. w. .»< Ji aösj ? " '^MSgeD'. 35 ; Ich'imag.' Mjx mögen. Du magst. • fihr möget. Er mag. ; ftr Sie mögen. Ich mochte,chu mochtest, er mochte, wir mochten- u.s.N. Ich habe möaen, du hast mögen, u. f.. u/; Ich werde mögen, du wirst mögen, u. s. w. Daß ich möge,, daß du mögest, u. g. w. Daß ich möchte, daß du möchtest, w. Sollen. Ich soll. Wir sollen. Du sollst. Ihr sollet. Er soll. Sie sollen. Ich 36 ===== Ich sollte, du solltest, er sollte, wir sollten, u. s. w. Ich habe sollen, du hast sollen, u. s. w. Ich werde sollen, du wirst sollen, u. s. w. Daß ich solle, daß du sollest, u. s. w. Daß ich sollte, daß du solltest, u. s. w. » wollen. Ich will. Wir wollen. Du willst. Ihr wollet. Er will. Sie wollen. Ich wollte, du wolltest, er wollte, wir wollten, u. s. w. Ich habe wollen, du hasswvllen, u. s. w. Ich werde wollen, du wirst wollen, u. s. w. Daß ich wolle, daß du wollest, u. s.,w. Daß ich wollte, daß du wolltest, u. s. w. Müssen. Ich muß. Wir müssen. Du mußt. Ihr müsset. Er muß. Sie müssen. Ich mußte, du mußtest, er mußte, u. s. w. Ich habe müssen, du hast müssen, u. s. w. Ich werde muffen, du wirst muffen, u. s. w. Daß ich müsse, daß du müssest, u. s. w. v Daß ich müßte, daß du mußtest, u. s. w. Dürfen. Ich darf. Wir dürfen. Du darfst. . Ihr dürfet. Er darf. Sie dorten. Ich 37 Ich durfte, du durftest, er durfte, u. s. w. Ich habe dörfen, du hast dorfen, u. s> w. Ich werde dörfen, du wirst dörfen, u. s. w. Daß ich dörfe, daß du dörfest, u. s. w. Daß ich dürfte/ daß du dürftest, u. s. w. ^ wissen. c Ich weiß. Du,.weißt. Er weiß. Wir wissen. Ihr wisset. Sie wissen. M wußte, du wußtest,, er wußte, wir wußten, u. s. w. ,ch habe gewußt, du hastrgewnßt, u. s. w. M werde wissen, du wirst wissen , u. s. w. Jt- .« ,ftslloai- + Wisse, rmuom Wisset. . , Daß ich wisse, daß du wissest, u. s. w. Daß ich wüßte, daß du wüßtest, u. s. w. ^stsum AM .t-istiii- idf? Jijijr« vf .mstunr ÄD 4«m •«’) . .] .« rrssilm in . hAßum N-st >u >. nss!!!^! v" 1 "" i* K ch» « st .11 vmstüm ÜAM « ■»1 For>n ■ >n - Form der Conjugation regularsrZeitwörter. Activ. p nb ic a t i v. Präsens. Eins. Zahl. 1. Ich lobe, grabe. 2. Du lobest,lohst,gräbst. Z. Er loht, grgbl. ■»' Mehrf. Zahl" ü 1. Wir loben, graben."' 2. Ihr lobet, grabet. Z. Sle loben, graben. Conjunctiv. Präsens. E-nf Zahl. 1. Daß ich lobe, grabe. 2. Daß du lobest, grabest. 3. Daß er lobe, grabe. Mehrf. Zahl. , T Laßt uns ( loben, gra- • Daß wir ( ( den. 2. Daß ihr lobet, grabet, z. Daß sie loben, graben- Imperfectum. Imperfectum. 1. Ich lobete, grub. r. Daß ich lobete, grübe. 2. Du lobctest, grubst. 2. Daß du lobetest, grübest. Z. Er lobete, grub. z. Daß er lobete, grübe. 1. ' Wirstvbeteu, gruben, i. Daß wir lobeten,grüben. 2. Ihr lobetet, grübet. 2. Daß ihr lobctet,grübet, 3? Sie lobeten- gruben. 3. Daß sie lobeten,grüben. „ ;;J3I McfectUm. perfectum. 1. Ich habe -gelobet, ge- 1. Daß ich gelobet, gegra- grgben, il, s. w. den habe, u. s. w. Plusquampepf. plusquampcrf. 1. Ich hatte gelobet , ge- 1. Daß ich gelobet,gegra- uig graben, u. s. w. ben hatte, u. s. w. Futurum. Futuruin. 1. Ich chrrlbe (will) loben, 1. Daß ich loben, graben graben, u.s-w. werde, (wolle.) jnu co 39 Impera t i v. p a r t i c i p i a. Eins. Zahl. Präs Ein lobender, gra- 2. Lobe, grabe du. bender. z. Lobe, grabe er. Eine lobende, gra- Mchrf. Zahl. . bende. . Lobet, grabet ihr. » Ein lobendes, gra- . Loben, graben sie. bendes. Infinitiv. Futur. Einer der loben, Präs. Loden, graben. graben wird. prät. Gelobet, gegraben Eine, die loben, gra- haben. ben wird. Futur. Loben,graben wer- Eins,das loben, gra- ' ’ t>fn * ben wird. P 6fs.it>. Indicativ. Conjunctiv. 'n Präsens. Präsens. Eins. Zahl. Eins. Zahl. r. Ich werde gelobet, ge- r« Daß ich gelobet, gegraben. riß graben werde. 2. Du wirst gelobet, ge-- 2», Daß du gelobet,gegra- graben. ben werdest, z. Er wlrd gelobet , ge- 3. Daß er gelobet,gegra- graben. &(£ • 3 * ben werde. Mehrf. Zahl. Mehrf. Zahl. 1. Wir werden gelobet, Läßt uns '( gelobei, ge- qegraben. ± 1 ■< Daß wir (graben wer- 'ir «1 den. 2. Ihr werdet gelobet, gc- 2. DassihrMlotet, gegraben. graben werdet. 3. Sie werden gelobet,ge- z.Daß sie gelobet.gegra- graben ' ben werden. Im- 49 — Imperfectum. Imperfectum. i* Ich ward, wurde ge- r. Daß ich gelobet, gegra- lobet,gegraben,». s. w. be» würde, u. s. w. perfectum. perfectum. i.. Ich bin gelobet,gegra- «t. Daß ich gelobet, gegraben worden, u. s. wf,, ^ ben worden sey,», s. w. plusquamperfi „sb Pluoquamperf. 1. Jchwar gelobet, gegra- i. Daß ich gelobet, gegraben worden, u. f. w. ben worden wäre, u.s.w. Futurum. Futurum. Ich werde ( will)gelo- f. Daß ich werde, (wollet bet, gegraben werden, gelobet, gegraben wer-' Znr-'u. f w. - • . : den, ii. s. ro.,^ 1 S 7 ■vJ-itj. : Infinitivs mftr? xam Präs. Gelobet, gegraben werden. : ji* 2. Werde du gelobet, ge- Präl. Gelobet, gegraben >g: graben. worden seyn. z. Werde er gelobet/ ge- Futur. Werden gelobet, graben. gegraben werden. Mehrf. Zahl. Participium. 2. Werdet ikr gelobet, ge- prat. Ein gelobter, ge- of,j graben. grabener. 3^ Werden sie gelobet,ge- Eine gelobte,gegrabene. . graben. Ein gelobtes, gegra- „ benes. ^ . r-. m ■ . slora. Das Präsens des Infinitivs im Activ wird oft in ein Hauptwort verwandelt, mit den Vorwörtern zum, im, vorn, tt. f. f. und auch sonst; doch ist eS dann stets im bristen Geschlechte, und muß durch einen grossen An- 'fangsbuchstabcn von dem Präs. des Infinitivs unterschieden O wer- werden. (Das sind die sonst »blicken Supina und Gerun» dia.) A. B. Das Lesen hatte er bald erlernet, im Schrei^ bei» geht cS nicht so geschwind, und noch langsamer mit dem Rechnen. ' s Not». ES giebt auch eine Menge unrichtiger/( irre» gulärcr) Zeitwörter, deren Abwcichungeit hier nicht können angezriqet werden. Bey diesen verweisen wir aük aufmerksames Leftn guter Schriften, und aufdie Uebung.^. . .! i rnsttE r ' rmnu>? §. 28 • Ein reciproques . Zeitwort, (Verbum recistrocum ) ist) welches das,Substantiv zugleich ru dem leidenden Gegenstände, öder dem Gegenstände des Nutzens und Schadens macht. Der Hanptgegenstand. wird dann zweymiik 'genannt; einmal als handelndes Wesen selbst., und das anderemal als der ^Gegenstand dieser Handlung; r. B. ich begebe mich; er stramt sich; du bildest dir ein, wir getrauen uns/ithp schamet euch, sie besinnen sich. Die meisten Zeitwörter lassen sich also gebrauchen. •’>' ; . ■ Wenn der Hanptgegenstand eines Zeitwortes ganz unbestimmt ausgedrückt wird, so daß es ungewiß bleibt, oh es eine Person oder-Sache sey): so' ttb''wlstdu^' Sechs- 1 42 m.' Sechster Abschnitt. §. zo. tz 7. Nebenwörter (§. 12.) sind/ wie die Beywörter , der Steigerung in Vergleichungsgraden fähig/ r. B. zierlich, zierlicher, am zierlichsten; frühe, früher, am frühesten; M, besser, am beßten; viel, mehr, am meisten; sanft, sanfter, am sanftesten; toll, toller, am tollesten. So wie aber das, der Bedeutung nach, nicht bey allen Beywörtern angehet , so hak es auch nicht bey allen Nebenwörtern statt; z. B. gleichsam, allemal, vorwärts, dorthin, allerdings, leiden der Bedeutung nach keine Stci-' gerung. Noch ist die Ordnung wohl ru bemerken, «n welcher diese Wörter gebrauchet werden;' z. B. Richt dorthin will ich zu dir kommen; oder: zu dir, nicht dorthin will ich kommen; oder.: nicht zu dir, dorthin will ich kommen. Hier sieht man, wie durch die Versetzung der Nebenwörter oft sehr verschiedene Vorstellungen erwecket werden. H."■■■ - §. 31. u 8. Vorwörter ( %. 13.) haben allemal gewisse Abfälle bey sich, welchen sie bald . vor - bald nachstehen. Einige erfordern allemal das dabey stehende Hauptwort im Genitiv, diese sind: anstatt, in Beyseyn, in Gegenwart, diesseits, jenseits, kraft, laut, halben, willen , wegen, während, vermittelst, innerhalb u. s. w. Den Dativ haben bey sich: bey, zuwider, entgegen, nach, neben, zu, zwischen, u. s. f. Der Accus. folget auf: durch, für, gegen, ohne , wider, um.. Einige Vorwörter können mit dem Genitiv und Dativ verbunden werden, r. B. Ausser Lan- 43 Landes/ und/ ausser dem Lande, untechM 1 >es Berges, und, dem Berge; andere nehmen den Dativ und Accns. an. z. B. es liegt an mir, es, kömmt an mich; es beruht auf dir, die Schuld fasst auf dich; er ist in dem Garten, er geht in den Garten; er stund über, neben, vor, hinter mir, und, er stellte sich über, neben, vor, hinter mich; er gieng zwischen mir und meinem Bruder, und, er setzte sich zwischen mich und meinen Bruder. Nota. Das Vorwort für darf nicht mit vor, verwechselt werden, vor bericht sich auf eine Gegenwart, oder .Zeit; oder Drt r. B. vor allen Menschen, in Gegenwart asser Menschen; so: vor den Eltern; vor Gott. Ich bin vor dir da gewesen, heißt, ich bin früher als du da gewesen; il)t. seyd vor uns da, heißt , früher als wir. Vor der, Kirche standen viele Menschen; der Freund steht noch vor der Thür. Für bezieht sich auf den Nutzen eines andern: ich habe für dich gebetet, wir müssen auch für Feinde beten, für,sich behalten; für jemanden sorgen; und heißt gewöhnlich so viel als anstatt , z. B. Er hat für mich geredt , für Geld kaufen, ich habe ihn für mich dahin geschickt; es bedeutet auch etwann so viel als gegen. z. B. Arzney für das Fieber, für die lange Weile; oder es drückt endlich auch noch andere Verhältnisse aus. r. B. für, schön halten, was für ein Mensch, für: heute, für das erste, Mann für Mann.: §. 32. ■ 1 Verbindungswörter (Z. 14.) werden gebrauchet/; um die Gedanken und Satze einer Rede! mit einander zu verbinden, oder sie zu trennen; Einige derselben, verbinden schlechtweg, als: und, auch, wie auch, ungleichen, nicht weniger, theils, theils, u.f.f. Einige trennen etwas von einander , als: entweder, oder oder, sondern, u. s. f. Oder sie zählen, als: er. stens, zweytens, drttteNs, ferner, überdies , übrigens, endlich, schließlich; oder sie machen einen ausdrücklichen Gegensatz, als: wenn gleich, obschon, wiewohl, ungeachtet; welchen sodann folgen: doch, jedoch , dennoch, nichts desto weniger, gleichwohl. Einige geben eine Ursache an, als: denn , weil, also, demnach, daher, deßwegen, darum u. s. f. Einige enthalten eine Bedingung, als: wenn, wenn anders , wofern, dafern, wo nicht. Einige lassen eine Absicht oder einen Endzweck vermerken, als: daß, auf daß, so daß, damit. §» 33 » Viele Conjunctione» beziehen sich auf einander, da man sich dann hüten muß, daß man den Sprachgebrauch nicht verletze. So beziehen sich auf einander r entweder — oder; weder — noch; weil, da — so; wennso; wie, gleichwie — so; je — desto; je — je; Zwar — aber, allein, doch, u. s f. nicht — sondern; nicht allein, nicht nur — sondern auch ; sowohl —als, als auch. Z. B. das ist entweder wahr, oder falsch; dirs ist weder schön, noch nützlich; weil da zu diele waren, so fanden sie nicht aste einen Platz, wenn er kömmt, so will ich es ihm sagen, wieder Baum , so die Früchte; je fleißiger man ist, desto geschickter kann man werden; je mehr, je schlimmer; zwar giebt es viele, die sich Freunde nennen, aber nicht alle- sind es wirklich; ich meine nicht euch, sondern andere , und nicht nur andere, sondern auch euch- sowohl sie und euch, als auch mich selbst. Erster Abs ch n i t t, S Von der deutschen Rechtschreibung. (Orthographie.) : ,u „ §. -1. ,!'>> pi«i: Wer nun obige Grundsätze der deutschen Sprachlehre wohl inne hat, dem wird es auch viel leichter, regelmäßig zu schreiben, und die Sylben und Buchstaben eines geglichen deutschen Wortes so zu setzen, wie es, theils dessen besondere Bedeutung, theils die übereinstimmende Gewohnheit guter deutscher Schriftsteller erfordert; doch sind noch -einige Bemerkungen und Regeln nöthig. . ; Wenn man ein Wort schreiben soll, so denke man sich entweder, wie es in irgend einem muDK haften Buch geschrieben sey, oder wie es von andern gut redenden Personen ausgesprochen- werde; und wenn man auch dann noch bey diesem oder jenem Worte Zweifel hatte , mit welchen Buchstaben eS mußte geschrieben werden, fft. ist eine Hauptcegel-- daß man auf dessen Ursprung sehenachdenke, was für einem Worte es abstamme, und rvie dieM sein Stammwort geschrieben werde,. kommt her von Name , muß also mitZä nicht mit» geschrieben werden, wissenschaftkömmt von wisien, muß also das t nicht ü und ein doppeltes, nicht ein einfaches s haben; kömmt von kommen, muß von müssen, kann von können, sollst, sollte von sollen, 46 ===== sollen, willst, wollte von wollen, bekannte von kennen, müssen also mit doppelten Buchstaben geschrieben werden; listig wird von List; lustig von Lust hergeleitet, erfordert also jenes ein t, dieses ein ü; offenherzig kömmt von offen, mchr von dem Ofen, hat also ff nicht f; und hat herzig, nicht harzig, weil es von Herz und nicht von Harz abzuleiten ist. §- 3 . Man muß sich auch- mehrere Wörter, die aus fremden Sprachen in die deutsche sind aufgenommen worden, wohl merken, weil man ihnen die eigenthümlichen Buchstaben gelassen hat, und sie also nicht nach dem Laute ,wie man sie ausspricht, auch geschrieben werden,j. B. Compagnie, Courage, Genie, Page, Agio, (Aufgeld), Bagage, Bakaille, Bouteille, chamariren, (verbrämen) Chef, (Oberbefehlshaber) Compagnon, Courier, Debanche; debauchiren, De- gou, Dcssein, (Plan) Detail, Diarrhee, Discours- echappiren, Eloge, Entree, Equipage, Estandarre, Etage, Etat, (Abriß) Exterieur, Gout, Harlequin, Harard, Humeur, Idee, Ingenieur, Journal/ Laquey, Lavement, Livree, Loge, lvgiren, Logis, Marque, Masgue, Memvire, (Staatsschrift, Eingabe) Metier, (Gewerbe) Mignatüre, Patrouille, Pension, Portefeuille, Paqnet, Reproche, Roquelaure, Salvavenia, Sergent, ( Feldwebel) Souverän?, (Oberherr) Stellage, Suite, Surtout, (Ueberrvck) Taille, Tambour, Terrain, tvuchiren, rrenchrren, viv, (lebhaft). Das sind lauter Wörter, die anders ausgesprochen werden, als sie hier geschrieben stehen. §. 4 . Man hüte sich, besonders bey ursprünglich deutschen Wörtern, Buchstaben einzuflicken, die weder -------- 47 der beym Stammworte sich finden, noch in der Aus- sprache ru hören sind, r. B. das b, d, t, darumb, frembde, Ambt, Mundt, Stand!; ob bey einem Worte b oder p, Beter oder Peter, Knabe oder Knape, müsse gesetzt werden, kann kaum eine andere, Regel angegeben werden, als daß man. auf dni gewöhnliche Aussprache, insonderheit gut redender Personen merke, ob sie einen sanften oder harten, starken Ton gebrauchen. Das ck ist für kk eingeführt, und wird unmittelbar nach einem scharfen Selbstlauter gesetzt, alswacker, Hecken, blicken, trocken, stracks. §. 5 - Das dt, nicht d , setze man, wenn eine Sylbe scharf ausgesprochen wird, wie in Stadt, Schwerdt, Erndte, und bey Wörtern, die durch eine Zusammemie- hung verkürzet worden, z. B. beredt für beredet, veA wandt für verwandet, todt für getödet, u. s. f» Das ff setze man nicht vor t, r. B. Saft , Gift^ Schrift, Kraft, erläuft, ruft, schlaft; ausser wenn das Stammwort ein sfhat, z. B. schaffen, Geschaffte, hoffen, unverhofft. Die Endsilben lig oder lich wrrr den unterschieden je nach dem Schlüsse des Wortes, an welches sie angehänget werden sollen; endigt es sich mit l, so wird fast immer Ug(z. B. vollvölliF, Gefalle gefällig, Gesell gesellig) sonst aber lich gebraucht, z. B. Freund freundlich, neu neulich. Das h wird in den Wörtern gesetzt, wo bet Selbstlauter langsam gezogen, ausgesprochen wird,' Zahl, Iahn, Lahm, Sohn, Uhr, lehren, führen, mehr, sehr, froh, u. a. m. Vor dem f und nach dem sdarf nie ein b, sondern jederzeit mnß da ein p stehen, z. B. Pfanne, Pfeffer, Spieß , Sperber, Sporn. §. 6 . 48 §. 6 . Das s ist meist im Anfange, das ss oder ß in der Mitte, und s oder ß am Ende eines Wortes. Das ss wird gesetzt, wo der Ton durch seine Stärke auf ein doppeltes s weiset, das ß wird dann an dessen Stelle gesetzt, wenn ein Wort zusammengezogen wird, und auf das ss ein Mitlauter folgt, z. B. aus küsset wird küßt, aus er lässet wird er läßt, anstatt isset wird tßr, von müssen kömmt mußte. Am Ende des Wortes wird ß dann gebraucht, wann die letzte Sylbe scharf auszusprechen ist, (r. B. groß, Gruß) und in allewege, wenn man bey Verlängerung des Wortes bemerkt, daß nicht ein einfaches s seyn dürfe, r. B. gröser, Grüse, Flüse darf offenbar nicht geschrieben werden, sondern grösser, Grüsse; also muß am Ende stehen groß, Gruß, Fluß, so auch Kenntniß, Gleichniß. Zwischen d und t ist wieder ein grosser Unterschied, man merke, daß vor dem sch und ;; desgleichen nach dem f, ch, ck, p, s und z allezeit ein t zu setzen sey, r. B. Peitsche, nicht Peidsche, Katze, Kraft, Macht, Markt, Haupt, List, beherzt; ferner, väß die Wörter, welche zuvor weder d noch t in ihrer letzten Sylbe gehabt, wenn sie nun noch die Sylbe lich zu sich nehmen, ein t erfordern, alsgeflissentlich 1 öffentlich, u. a. m. §. 7 . Das v und nicht das f wird gebraucht in den Wörtern Vater, Vetter, Vogel, Vogt, Volk, von, viel, vier, voll, vor, ver, welche letztere vielen andern Wörtern vorgesetzet werden. Das y wird am Ende eines Wortes, und in allen von solchen abstammenden Wörtern, gebraucht, r. B. bey, sey, drey, frey und freymüthig, dreyerley, Beystand. ' .. Das 49 Daß tz gilt im Aussprechen für ein 33, und wird nur dann gebraucht, wann dem'3 ein einfacher Do- cal vorangeht, z. B. Schatz, Witz, Trotz, Ratz, Schutz und bey den Wörtern, welche von diesen herkommen , i. B. schätzen, witzig, trotzig, schützen. Wo die Selbstlaute a, e, und 0, in an, ee und 00 veränderet werden, das lerne man durch die Uebung, als welche die emsige Regel dieser Verdoppelung ist. Die Zeitwörter die auf iren ausgehen, besonders aber die fremden, werden mit einem i ohne e geschrieben, B. buchstabiren, inhaftiren, musicr- ren, distilliren. §. 8 . Grosse Anfangsbuchstaben gebrauchen die Deutschen im Anfange einer Rede; bey einem neuen Satze, der auf einen Punct folgt; in Versen , beym Anfange jeder neuen Zeile; bey allen Hauptwörtern; ferner bey Zeitwörtern, welche gleichsam zu Hauptwörtern geworden sind, als: das Wissen, das Harren, Hoffen, Plaudern; bey den Wörtern, welche als Titelwortcr stehen, als: Wvhlgebohrner, Wohl- ehrwürdiger, Hochzuehrender; auch sogar ausHöf-, lrchkeit bey den Fürwörtern, als: Sie, Dieselben, Ihnen, Euer. Wenn vielfylbige Wörter am Ende der Zeile wegen Mangel des Raumes nicht können ausgeschrieben werden, so werden sie abgebrochen, Und zwar so, datz die noch fehlende Sylben auf die nachstfoh gende Lune zu stehen kommen, r. B. ver — dienen , oder verdie n gen. Dann macht man'aber hinter D dem 50 ssrrang* dem ersten Theile des also getrennten Wortes ein oder zween kleine Striche, (- oder -) welche also anzeigen, daß die letzte Sylbe dieser Linie, und die ersten Sylben,der nächstfolgenden Linie als ein Wort zusammengehören. Ehemals bediente man sich dieser Strichen auch bey zusammengesetzten Wörtern, die nur einen Begriff ausdrücken. Z. B. Sohns - Frau, Thor- Wachter, Hans-Herr; jetzo läßt man sie als unnütz und vergeblich weg, und schreibt Sohnsfrau, Thorwächter, Hausherr, Brennglas, Federmesser. Das und daß werden oft falsch gebraucht; man setze das, wenn man sich dafür denken kann dieses oder welches, z. B. ich habe ein Kind gesehen, das (welches) sehr artig war; das (dieses) Bild ist natürlich; das ( dieses) Fenster, das (welches) ich habe neu machen lassen; in allen andern Fällen kann man daß schreiben. §. 9. Um sich diese Hanptregeln noch von einer andern, kürzern und leichtern Seite vorzustellen, s» kann man sich folgende Regeln einprägen. Sehr oft zeigt mir der Genitiv, wie ich ein Wort m schreiben habe. Z. B. Ich wäre ungewiß, ob ich Pferd öder Pfert schreiben müsse, so darf ich blos denken, daß es im Genitiv des Pferdes, also im Rom. das Pferd habe. So, Feld, Fäld, Fält, Felth, oder Fälth, vder Felt? Der Genitiv des Feldes, weiset es aus. Läßt sich dieses nicht thun, so nehme man das Wort in der mehrfachen Zahl; r. B. ich zweifle, ob ich Weld oder Welt, oder Weltt oder Welth, oder ob ich Hand, Hant, Hantt schreiben müsse, so denke ich mir nur diese Wörter in der mehrfachen Zahl; die Welten, die Hände, so sehe ich, daß die Welt, dir Hand in der einfachen Zahl müsse geschrieben werden; werden; so krumme in der mehrfachen Zahl, also in der einfachen Zahl krumm, so Ställe also Stall, nicht Stal, die Betten, also das Bett. Zweyter Abschnitt. Von den Unterscheidungszeichen. §. IO. Das einfachste Zeichen des Abstandes ist der Punct (.). Er wird gesetzt, wenn ein Redesatz, oder eine Folge von solchen, eine Verbindung von etlichen Sätzen, so ganz und vollendet ist, daß man keinen wettern Gedanken nöthig stndet, die Periode vollkommen zu machen. Der Punkt wird auch gebraucht bey Abkürzungen, z. B. anstatt nun Beyspiel, Abs. statt Abfall, u. statt und. Ein anderes Abstandszeichen ist ein schiefes Stäbchen, (,) bey den Lateinern ein knunmes (,) man nennt es Comma und Biraula. Es dient, die geringsten Abstände in der Rede zu bezeichnen, und selbst die kleinsten Glieder derselben abzusetzen. Wenn in einem Redesatz etliche Sachen ausgesetzet werden, die zu einem Gliede der Rede gehören, so mag wohl jede durch das Comma unterschieden werden, z. B. Maria, unwissend der eigenen würde, reines Herzens, von Stolz nicht entehrt. Die Bruder sehen die Schwester schlummern, und schweigen. Da wird das Comma nothwendig, die ZweydeutigKit ru heben. Man möchte sonst denken , sie hatten sie beydes, schlummern und schweigen , gesehen, anstatt, daß die Bruder, als sie die Schwester schlummern gesehen, eben darum geschwiegen Haben. A2 Das Gemicolon ist ein Punkt über dem schiefen SrÄchen (;y. Es dient nach Sätzen, die zusammengesetzet werden, obgleich jeder seinen besondern Sinn hat; wenn einer der Satze gegen den zweyten etwas absticht, jedoch beyde zusammen einen g mzen Gedanken ausmachen. Z. B. Er hat ihm nicht allein seinen Schutz versagt; sondern er hat sich auch für seinen Feind erklärt. Ferner, wenn m einer Periode mehrere Spitze, vorkommen, und hinter jedem ein Punkt stehen könnte, wenn nicht noch mehrere Satze folgten, die alle mit zu der angefangenen Perrode gehören. Z. B. Die Liebe ist eine eigensinnige Leidenschaft; sie legt der geliebten Person grosse Verdienste zu; doch sind es mcht diese, die man liebt; Gewalt vermag nichts auf sie; alles ist bey ihr Geschmack, Wrllkühr, Laune. ©u. stärkeres Abstandszeichen ist das Colon, welchen Namen man rweenen zusammengesetzten Punkten (:) giebt. Dieses Cvlon dient allemal, wenn man die Worte eines andern, oder auch etwas aus einer Schrift anführt, B. der Lehrer hat uns gebeten: kommet frühe ri. s. f. oder die he«l. Schrift sggt: Jesus ist der Messias, Weltbeglücker. Ein schlanker Strich über dem Punkt (?) ist das Zeichen, mit welchem die Frage bezeichnet wird. Z. B. ?IIö du erschaffen wurdest, Sonne, wie war dir bey deinem Hervorgehn? Ueber dem Punkt ein gerader Strich (!) ist das Zeichen des Ausrufes, in der Bestürzung oder be» einer Leidenschaft. 3. B. wie er so schön ist! Glück dem Sieger! Heil dem Erretter! parcn- parenthesis heißt die Klammer, zwischen welche ein beyläufiger Gedanke eingeschoben wird, bevor der erste ausgeführt ist. Z. B- Tugend und Freude (o merkt es euch ihr Lieben!) sind ewig verwandt; es knüpfet sie beyde (wie jener Dichter sagt, ) ein himmlisches Band; doch muß man solche Parenthesen bestmöglich vermeiden, weil sie den Zusammenhang auf eine unangenehme Art unterbrechen, wie auch bey obigem Beyspiele zu sehen ist. fc. ||! ''ÜH I Zwey gebogene Strichgen bey einander („), werden gesetzet, die Zeilen zu bezeichnen, die man aus andern Schriften genommen hat, und einigen Gebrauch davon-macht. Eine kleine fortlaufende Linie (Gedankenstrich ) wirb seit kurzer Zeit gebraucht, wenn man dem Leser mehr als man sagt, zu denken giebt. 3. B. Leute von Gefühl, von Einsicht, von Geschmack zu bilden —dieses ist der Endzweck des Rritikers. Er hat unter deü Deutschen die Rritik der schönen Wissenschaften ausgebreitet, die Baum. garten in Absicht der lateinischen Schriftsteller so vorzüglich bewies, und — Diese Lineole thut Verfassern, die Mangel an Gedanken haben, gute Dienste. Das, was im Drucke durch Schwabacherschrift ausgezeichnet wird , um des Nachdrucks willen, das bekömmt im Schreiben einen Strich unter der Linie. Z. B. Gott liebt ^lle Menschen; und so sollen auch wir jeden mit Liebe umfassen; und Nebe wird dann auch uns selbst beseligen. Um 54 Um sich noch genauer und weitläufiger über alle Regeln der deutschen Sprache zu belehren, und besonders vieles, das hier nur kurz abgebrochen da sieht, weitläufiger zu lesen, empfehle ich der Jugend folgende Bücher: Loren; Lesebuch für die Jugend, des ersten Bandes zweyte Abtheilung, Leipzig 1786. Handbuch zur Bildung und Unterweisung der Jugend, von Miller, Ulm 1773. Und dem, welcher noch weiter gehen wollte, Adelungs Werke über die deutsche Sprachlehre. 1 t •8343t» ri3Ättch 33.M ' '« 33OUk>'3i3M 31«? tfwhht .IMS" i33(Jmö? s^nseJot ÄN3K i<>3 > DnU-;3d^lC 31Y3W 83öf!si^ H3ÜS3 836n3yE + it2 b:m&-At °Mü«r md3g '73133", ch<3N 33V 'r-.--l-!r.^.'.^ *> 3 M 812 ' 'mm 0 'f; r ; ilfak.’TäfeäSi ■vJjfCuÄtr-. wmW. k>Uw WksNM MAM ^Ifelflti MMMß «M WMSsl KÄMH »L WM » ? 1 h ’ 1 ^ ^ ■ LWW^W UMM MMZW MZUML #ÄI iss ;,-V: rf&SM h 'X ffMWD PKSf üHi wmm jS'Wri: /fsz -. 2cJ^ [Kdiflfc; Lehr - und Lesebuch , ' d e r zwey deutschen und zwey ersten Realschulen d e s Gymnasiums der Stadt « nd Republik St. Gallen. Zweyte Abtheilung, bJBllUTH 4 « Mtt Approbation eines wohledeln Schulrarhs T ^r=rrr =-—-.-Ü ^gj&a ^ 1 . 11 -i . S t. ©allen? Gedruckt in Diethischer Druckerey »78?. '•/.*£ VH*i i* -'t ' V 4 !! li 1 i j <) 1 si Die Gesellschaften der Menschen Mensch ist durch einen weisen Trieb, den Gott ihm eingeflößt, zuforderst auf die Erhärtung seines Lebens bedacht, wozu er Speise und Trank, Kleidung und Wohnung nöthig hat. Dieses alles erhält er durch die Pflegung und Anwendung der Geschöpfe aus den drey Reichen der Natur. Der Mensch könnte sich aber unmöglich das alles verschaffen , was seine Nothdurft erfordert, wenn er ganz allein, von andern abgesondert, geblieben wäre, und nicht in Gesellschaft , wozu er vom Schöpfer bestimmt war, gelebt hatte. Denke einmal nach, Knabe, der du dieses liesest, wo wärest du, wenn man dich nach deiner Geburt allein gelassen hätte? und was würde noch aus dir werden, wenn nicht andere Menschen um dich wären ? Die erste Gesellschaft war natürlich die zwischen Mann und Frau, oder der Ehestand. Auf diese gründet sich die zwischen Aeltern und Kindern, welche zu - sammen man eine Familie nennt. Daher sagt man auch von solchen: Sie leben in häuslicher Gesell« schüft beysammen. Und die erste Herrschaft oder Gewalt war daher die älterliche. A D« Da sich nach und nach die Familien vermehrten, so konnte es nicht fehlen , daß nichr öfter, aus aller, Hand Ursachen , Feindschaften und Gewaltthätigkeiten unter ihnen hätten entstehen sollen; die Stärker« beleidigten die Schwächer«, und raubten ihnen Sicher, heil, Ruhe und Glück. Daher kam es, daß endlich viele Familien zusammen rraten, und sich verabredeten, daß sie das Ihrige gemeinschaftlich gegen die Feinde vertheidigen, einander beystehm, und solche Arbeiten verrichten wollten , die allen nützlich waren. So entstanden Völker, Nationen, Staaten; so nennt man viele Familien, die unter einer und eben derselben Regierung zur allgemeinen Sicherheit und Wohlfahrt verbunden sind» Erfindung. mehr nun Menschen so beysammen wohnen, oder, was das gleiche sagen will, in bürgerlicher Gesellschaft beysammen leben, und mit einander umgehen, desto mehr werden sie einander zur Hand gehen, und von einander lernen. Aber nicht alle Menschen sind gleich geschickt, einer ist oft klüger als der andere. Das wirst du wohl schon bemerkt haben , so neu du noch in der Wett bist. Die meisten Menschen gehen nun so ihren Gang fort, und thun nichts , als was sie sehen andere thun. Aber bisweilen zeiget sich einmal ein aufferordcnclicherMensch, der etwas neues, nützliches entdeckt hat, und noch entdecken kann. Das sind sichr nützliche Menschen in der Welt und Menschengeschichte; nian nennt sie Erftn» der. Und wenn sie das, was sie erfunden haben, nicht neidisch für sich behalten, sondern ihren Mitmenschen mittheilen und bekannt machen , heissen sie Lehrer des menschlichen Geschlechts. Nicht Gelehrte, das ist ganz was anders. Es war z. B. eine Zeit, da alle Menschen baar- fuß giengen ; nun war das unbequem, auf nassem Boden, heissem Sand, spitzigen Steinen. Ein Mensch erfand Leder zu gerben, es in eine bequeme Form zu schneiden , und wieder zusammen zu nahen, d. i. er erfand Schuhe. Das war ein Erfinder. Er zeigte seine Kunst auch andern Menschen , die sie ihm nachmachten. Das war ein Menschenlehrer. So entdeckte ein anderer Feuer anzumachen ; ein anderer Brodt zu backen , Briefe zu schreiben u. s. w. Ost zieht eine Erfindung hundert andere nach » sich, wo keine ohne die andere hätte gemacht werden können. Erst nachdem man Feuer hatte, konnte man Eisen schmelzen, und erst da man das Eisenschmelzen erfunden hatte, konnte man Messer machen. Ehe man Teleskope verfertigte, mußte man Brillen zu machen verstehen; ehe die Drillen in die Welt kamen , mußte Glas da seyn : Glas aber zu machen , hätte Niemand erfunden, hätte man nicht vorher Feuer gehabt. Die unentbehrlichsten Erfindungen sind schon in der alten Welt gemacht worden: als Feuer, Brod, Weben, Metallschmelzen, Schreiben, Glas, u. s. w. Die sinnreichsten sind erst in den letzten 500 Jahren in die Welt gekommen, als: Compaß, Pulver, Papier, Druckerey, Strumpfweben, das Posiwesen, Uhren. Die meisten außerordentlichen Menschen, die diese herrlichen Erfindungen machten, waren Deutsche oder Italiener. Es giebt eine Art Menschenlehrer, die nicht Erfinder, und doch auch wichtige , unsterbliche Leute sind; das sind die, die das von einem andern erfundene, und in einem Lande bereits bekannte, einem andern Volke bekannt machen. So lehrte Radmus aus Süden, ein verlaufner Koch, die Griechen das 31 . B. C. Erfunden hatte es der Koch nicht. So brachte Raleigh die Kunst, Erdäpfel zu pflanzen,.nach Europa» Erfunden hatten solches die Wilden in Amerika. Er- A s funden 4 funden hast du jetzt noch nichts, Knabe, der du dieses liesest, aber wie viel kannst du einst andere lehren, wenn du deine Zeit jetzt wohl anwendest und lernbegierig bist. Von den Gesetzen. i ^vllteffnun aber die Menschen , die in bürgerlichen ' Gesellschaften bey einander leben, das Beßte derselben befördern; sollte Einigkeit, Ruhe, Sicherheit, und überhaupt der Wohlstand der bürgerlichen Gesellschaft erhalten werden, so mußte vorgeschrieben werden, was ein jeder für seine Person dazu beytragen müsse, und wornach man beurtheilen könne , was Recht oder Unrecht ist. Hiezu aber wurden vornehmlich gute Gesetze erfordert. Ein Gesetz ist der ausdrücklich erklärte Wille des Oberherrn , von demjenigen, was die Bürger oder Unterthanen thun und lassen sollen. Unser allerhöchster Oberherr ist Gott. Alle Menschen sind seine Unterthanen. Diesen hat er ein Gesetz gegeben , zu welchem alle Menschen verpflichtet werden. Wir erkennen es theils aus dem Zusammenhange, und dem Endzwecke aller geschaffenen Dinge, und das ist das natürliche, ungeschriebene göttliche Gesetz. Gott hat uns aber seinen heil. Willen auch ausdrücklich gevffenbaret; er hat ihn vornehmlich den Juden bekannt gemacht; und die Christen haben sich verbindlich geachtet, manche ^ dieser Gesetze, nebst denjenigen, die Jesus Christus, unser Heiland und Herr, durch seine Lehre und Beyspiel , und seine Apostel bestätiget und eingeschärft haben, beyzubehalten, da sie sich auf die menschliche Natur, und das Beßte der Gesellschaft überhaupt- gründen, und für den Willen Gottes durch ihre allgemeine Brauchbarkeit erkannt werden. Ursprung 5 Ursprung der Fürsten, Könige, Obrigkeiten. * ^Die menschlichen Gesetze kommen von Menschen her, welche das Recht haben, dergleichen vorzuschreiben, L. i. von Regenten und Obrigkeiten, die in einem Staate die höchste Gewalt haben. Denn, damit steh ein jeder in der Gesellschaft den Ausspruch der Gesetze gefallen liesse , so wurden diese Gesellschaften eins ) es sollten gewisse Leute unter ihnen seyn, die nach dem Gesetze urtheilen, und einem jeden bey feinen Streitigkeiten Recht sprechen oder richten sollten. Diesen wollten sie alle gehorchen, sich von ihnen regte» ren lassen, ihnen gewisse Abgaben entrichten, und alte diejenigen als Feinde des Staats ansehen, die ihnen nicht gehorchen würden. So entstanden Richter, Obrigkeiten, Fürsten, Röntge. Ein jedes Volk hat seine eigenen und besonderen Gesetze, die sich nach der Beschaffenheit des Erdstrichs, in welchem es wohnet, der Religion , der Sitten und Regierungsartverändern. Siebetreffen: i.) Die Rechte der Obrigkeiten und Unterthanen gegen einander, und eines Staats gegen den andern, diese heissen Graatsgesetze ; oder r.) - Eines jeden Bürgers und Unterthanen Rechte und Verbindlichkeiten in ^Ansehung seines Vermögens , seiner Ehre, Geschäfte, u.s.w. und heissen bürgerliche Gesetze, privatrechke; oder 3.) Die Bestrafung der Laster und Verbrechen, welche den göttlichen und natürlichen Gesetzen, und der gemeinen Sicherheit und Wohlfahrt entgegen sind; diese sind peinliche Geseye ; oder endlich 4.) Den äußerlichen Gottesdienst , die Sicherheit, Gesundheit, das Vergnügen der Bürger und Einwohner, uud werden Rirchengesetze, policeygeseye, u. s.w. genennet. Die 6 Die Regierungsformen der Staaten sind verschieden. Hauptsächlich giebt es dreyerlei ), nämlich die Monarchie, Aristokratie und Democrarie; bisweilen sind beide letztere vermischt, wie z. P. bey uns, und zu Zürich. Eine Monarchie ist ein Staat, der nur einem Herrn unterworfen ist , den entweder Gesetze einschränken oder nicht; eine Aristokratie ist ^ ein Staat, in welchem sich die höchste Gewalt in den Händen der vornehmsten Personen oder Familien befindet , wie z. B. zu Bern; und eine Dcmocratie , wo das ganze Volk dabey zu sprechen hat, wie in dem Canton Appenzell. Despotismus , Tyranney, Oligarchie und Anarchie sind Ausartungen und Mis- brauche der Regierungen. Die Staaten, die die Regenten regieren, beste, hen aus Dörfern, wo viele Bauren oder Ackerleute beysammen wohnen ; aus Marktflecken, die einen Theil der bürgerlichen Nahrung treiben, und das Recht haben , einen Jahr - und Wochenmarkt zu halten ; und aus kleinen und grossen Städten, in denen alle Arten der bürgerlichen Nahrung, Handwerker und Handlung getrieben werden, denen meistens ein eigner Magistrat oder Rath vorsteht. Weil ehemals ein solcher mit Mauern und Thoren versehener Ort eine Burg hieß, so wurden daher seine Einwohner Bürger genannt. Arbeiten der Menschen, die rohen Materialien zu gewinnen. Querst bemerken wir hier den Ackerbau, der in der Kunst besteht, die Erde zu bauen und fruchtbar zu machen, das heißt: sie zu pflügen , zu düngen , zu eggen, zu besäen, zu bepflanzen, zu begiessen, zu rechter Zeit die Früchte davon einzusammeln, und überhaupt das Land dergestalt einzurichten, und also zu bestellen, daß es in Vergleichung mit dem anvertrauten Saamen, und der angewandten Mühe und Kosten reiche Früchte trage. Um uns herum bauet man Roggen, Waizen, . Gersten, Haber, Erbsen, Rüben, Erdapfel, Flachs, a Hanf. Wenn der Acker zwey bis dreymal mit dem Pfluge umgeackert und gedüngct worden ist, so wird der Saame ausgesäet und untergeegget. Sind die Aehren reif, so werden sie mit der Sichel abgeschnitten, in die Scheune gebracht, mit Dreschflegeln aus« gedroschen, und das Getreide, wenn es gereinigt ist, auf schicklichen Kornböden aufbewahret. Der Saame muß gut seyn, und er ist gut, wenn er reif, vollker, nigt, schwer, vom Unkraut gereiniget, nicht über zwey Jahre alt ist, und im Wasser untersinkt. Zum Düngen kann. man ausser dem Miste der Thiere alles brauchen, was viele salzigte und öligte Theile in sich faßt, z. D. Asche, Ruß, Gyps, Kalk, Horn- späne , Gassenkehrigr, u. s. w. Ein geschickter Landwirth, der die Grade der Wirksamkeit einer jeden Erdart zu unterscheiden weiß, richtet die Anzahl, die Tiefe, die Art und die Zeit des' Pflügens, und überhaupt die Zubereitung und Behandlung des Bodens, die zum Säen und Pflanzen schicklichste Zeit, die Menge des auszustreuenden Saamens, die Dicke oder Höhe des Erdreichs, womit ( derselbe bedeckt werden muß,, und die Art des Ge- * wächses, welches in jedem Erdreiche am besten fortkömmt, darnach ein. Er läßt kein einziges Stück Land unbenutzt, macht anfangs im Kleinen Versuche, und sammelt die Beobachtungen, welche die Ausübung in jedem Lande liefert. Der Gartenbau besteht in der Erziehung und Verpflegung fruchtbarer Baume, der Stauden, Küchengewächse und Blumen. Die Gärten werden daher in Baum - Braut - und Blumen - oder Lustgärten 8 gärten eingetheilt. An den Küchengewächsen schätzt man entweder die Frucht, wie bey den Melonen, oder die Blätter, wie bey Salaten, oder die Wurzel, wie bey den Sellcry, Pasternak u. s. w. Sollen die Bäume gute Früchte tragen, so müssen ste gepfropft werden. Das Obst theilt man in Kern - und Steinobst, Nüsse und Beere ein. Die Verrichtungen eines Gärtners bestehen im Umgraben/ Bedungen, Pflanzen, Begies. seit, Jäten, Beschneiden, u. s. w. Aus den Trauben, die an Weinstöcken auf Weissbergen wachsen, wird durch Gahrung Wein gemacht, der an Farbe, Geschmacke , Güte und Dauer sehr verschieden ist. Die Arbeiten des Winzers sind, das Beschneiden, Behacken, Anbinden, u. s. w. Hieher kann man auch die Forstwirthschaft rechnen, welche in der Vermehrung,' Unterhaltung, Gewinnung und Nutzung aller Erzeugnisse der Wälder, besonders des Holzes bestehet. Das Haupwrvdukt aller Waldungen ist das Hol;, von Bäumen, Sträm chern und Stauden, welches nie ganz unnütz ist. Ausser den Bäumen finden sich in den Waldungen noch andere Gewächse, welche den Waldungen entweder Nutzen bringen, und wirklich genutzt haben, oder bey der Forstwirkhschaft allerhand Hindernisse und Schaden verursacht haben. Auch Thiere befinden sich in den Wäldern, deren Vermehrung oder Verminderung einen grossen Einfluß in die Fvrstwirthschaft hat. Von dem Holze und seinem ausgebreiteten Nutzen haben wir oben schon, im Anhang der ersten Abtheilung pag. i i. geredet. Hier können wir auch noch des Bergbaues gedenken, durch welchen Salze, Steine und alle Arten von Lrzten und Metallen aus der Erde gebracht, und brauchbar gemacht werden. Diese werden aus den Schachten zuweilen gediegen, größtentheils aber vererzt zu Tage gefördert, an den Hütten geröstet oder glühend gemacht, alsdann gepocht ober entzwey gestoft H seu, hernach gewaschen oder geschlemmt, in den Schmelzofen gebracht, damit das Metall schmelze, und geschmolzen zu einem Loche herausstiesse. Darauf wird es in Stangen, Klumpen ober Darren gegossen, wie sie den Künstlern und Handwerkern zur Verarbeitung dienen. Mit dem Feldbau steht die Viehzucht in der genauesten Verbindung. Sie besteht aber in der Zie« hung und Verpflegung allerley zahme» Viehes, als der Pferde, des Rind - oder Hornviehes, der Sckaafe, siegen, und Schweine; des Geflügels; der Bienen und Seidenraupen. Das Vieh muß genug Futter haben, reinlich gehalten, und zu rechter Zeit und Stunde gewartet werden; die Erfahrung zeiget, daß es ein grosser Vortheil ist, es im Stalle, dem man öfters frische Luft verschaffen muß, zu füttern. Die Fütterung wird sehr vermehrt, durch das Ansäen kräftiger Futterkräuter, als Esparcrtte, Lu< cerner und spanischen Klees, Burgunder Rüben u. s. w. Ihr wißt nun schon, daß die Viehzucht dem Menschen vielfachen Nutzen schafft, und daß inan von dem Viche, das Fleisch, die Milch, das Fett, die Knochen, die Haute, die Federn, und den Mist braucht. Die wilden Thiere, die in der Freyheit und in Wäldern leben, werden durch die Jagd,'die Fische aber in Flüssen, Seen und Meeren durch die Fis-bc- rey gefangen. Die Jagd ist meistens eine Gerechte same des Landesherrn , und wird in die hohe uno ttiedece eingetheilt. Znr hohen gehören, Hirsche, Rehe, wilde Schweine, Trappen, Auerhahnen u. s.w. Zur niedern, Füchse, Dachse, Hasen, Marder, wilde Gänse, Enten, und alle kleine Vögel. Die Jagd ist nützlich, wenn man ihr nicht ausschweifend und zum Schaden anderer nachhangt. Der gewcrd- same Bürger muß sich ihr nie ergeben. Hand- « I® Handwerker, Künste. -^ie auS den drey Naturreichen gewonnenen Naturalien, können selten so roh, wie sie von der Natur kommen, gebraucht werden, sondern die Menschen müssen sie erst veredeln, d. i. durch mancherley Mittel verarbeiten. l» Diese Veredlung oder Verarbeitung ist ein Gegen.' stand der Handwerker, welche Fertigkeiten sind/aus gewissen Naturalien, vermittelst bequemer Werkzeuge, eine Art von Waaren hervorzubringen. In der allerengsten Bedeutung versieht man durch ein Handwerk nur ein zünftiges Gewerbe. Ehemals nemlich lernte und trieb ein jeder eine Fertigkeit dieser Art, welche er wollte. Unter dem Kayser Heinrich I. bekamen die Sachen ein ganz anders Ansehen, so wie ihm unsere ganze bürgerliche Verfassung ihren Ursprung zu verdanken hat. Der Gewinnung der Naturalien wies er das Land an; in die Städte hingegen verlegte er die übrigen Gewerbe. Und damit überall Ordnung und Einversiändniß herrschen mogle, so bekamen fast alle Städte ein zünftiges Ansehen. Besonders wurden die damals üblichen Handwerker durch obrigkeitliche Verordnungen bestätigt, mit gewissen Freyheiten versehen, und die Handwerker einer Art in geschlossene Zünfte, Innungen, u. s. w. mit einander verbunden. Weil ein Handwerk, als eine Fertigkeit, Erfahrung und Zeit erfordert, so kommen alle Handwerker darinnen übereilt, daß derjenige, der sich demselben wiedmet, eine bestimmte Anzahl Jahre in der Lehre seyn müsse, in welcher Zeit er ein Lehrjunge genannt wird. Seine Annahme geschieht durch das Aufdingen oder Einschreiben. Nach vollendeten Lehrjahren wird er durch den Lehrbrief losgesprochen, und heißt nun Geselle. II Die Gesellen müssen, um sich mehrere Kenntnisse zu erwerben, wandern, und um ihnen das zu erleichtern , ist bey den meisten Handwerkern ein Geschenk eingeführt worden, die davon geschenkte Handwerker genannt werden. Ein so gewanderter Geselle kann nun Meister werden, d. i. er kann nunmehr sein Handwerk auf eigne Rechnung treiben, Gesellen und Lehrlinge annehmen; zuvor aber muß er seine Ge- schicklichkeit durch ein Meisterstück beweisen. Hne Anstalt, wo ein Handwerk blos durch Hände und Weberstühle im grossen geübt wird, heißt eine Manufaktur; wenn aber ausser den Handen dabey Hammer und Feuer nöthig ist, eine Fabrik. Ein jeder Mensch hat mancherley Bedürfnisse zu seiner Nahrung, Kleidung und Wohnung. Er muß Nachtlager, Warme und Licht haben. Er braucht Hausgerathe, Behältnisse und Werkzeuge. Alle diese Dinge können die Menschen nicht haben, wenn sich nicht viele fleissige Hände beschäftigen , das , was die Erde zum Nutzen der Menschen hervorbringt, aufzusuchen , zu bewahren, an den rechten Ort zu bringen, und zum Gebrauche zn verarbeiten. Ja die Erde würde nicht den zehnten Theil so viel hervorbringen, was die Menschen jetzt wirklich bedürfen und gebrauchen , wenn sie nicht bearbeitet würde. Wollen aber die Menschen glücklich beysammen leben, so muß der Fleiß aller so angewendet werden, daß ohne vielen Schaden und Zeirverlurst ein jeder sehr viel nützliches machen könne. Wenn nun ein Mensch bald dieß, bald da§ thun, bald nähen, bald backen , bald brauen, n. s w. wollte, so würde er keiner dieser Arbeiten recht gewohnt, und in keiner jemals ein Meister werden. Daher »nuß sich ein jeder einige wenige, oder nur eine einzige nützliche Beschäftigung wählen, in welcher er sich vorzüglich üben, in welcher er ein Meister werken, und dnrch welche er 12 d vielen andern dienen kann. Der eine muß den Feld« bau, der andere die Viehzucht, Jagd, oder Fischerey wählen; noch andere müssen das Zimmern und Mam ren vorzüglich verstehen. In solchen Umstanden und Verbindungen unter einander sind die Menschen in unsern Gegenden. Ein jeder beschäftigt sich mit Dingen , die er vorzüglich versteht, und überläßt die Früchte seiner Beniühungen andern, die ihn dafür entweder durch andere Dienste, oder mit Gelde bezahlen. Die grosse Menge Handwerker macht eine Ein< theilung nöthig, die wir von dem Gebrauche ihrer Waaren hernehmen wollen. Einige beschäftigen sich ich mit der Nahrung, als die Müller, Becken, Metzger, Köche, Brauer; andere 2 ) mit der Kleidung, wozu den Stof der Leinweber, Tuch 1 und Zeugmacher, Walker, Tuchscheerer, Seidenwirker, Färber, Loh - und Weißgerber; die Kleidung selbst aber, und zwar für den Kopf, der Hutmacher, der Mützenmacher , Perückenmacher; für den Leib, der Schneider, Passamentierer, Knopfmacher, Kürschner; für die Hände der Handschuhmacher; für die Füsse der Strumpfwirker, und Schuster verfertigen ; andere ;,) mit der Wohnung, welche der Maurer, Zim- mermami, Ziegel - und Dachdecker aufführen; und noch andere 4.) mit dem Hausrathe, welchen aus natürlichen Körper», und zwar aus Thon, der Töpfer; aus Metall, die Goldschmiede, Goldschlager, Goldzieher, Labnzieher, Zinngiesfer, Eisenschmiede, wozu die Grobschmiede, Nagelschmiede, Schlosser, Messerschmiede, Waffenschmiede, Sporer, und Sägeschmiede gehören, Blechschlager, Klempner, Drathzieher, Nadlet> Gürtler, Giesser ; aus Holze, der Tischmacher, Drechsler, Wagner, Küffer, Stuhl- macher , Korbmacher; aus künstlichen Materialien aber, der Glaser und Spiegelmacher; aus Leder, der Niemer und Sattler; aus Hanf und Flachs, der Seiler; aus Papier vvm Papierer, der Buchbinder ; buider; aus Talg und Fett, der Seifensieder und Lichtzieher, verfertigen. Die Rünfte, welche das Vergnügen, verbunden mit dem Nützlichen zum Gegenstände haben, lassen sich in zwo Klassen eintheilen. In die erste gehören diejenigen, welche durch die Bedürfnisse der Menschen hervorgebracht worden sind, und werden die mechanischen genannt. Sie gebrauchen die Namr,so wie sie ist, blos zum Nutzen. Dahin gehören alle Handwerker. Allein der Mensch sieht nicht allein auf den Nutzen, sondern wenn er diesen erreicht hat, auch auf die Ergötzung. Man entlehnte von der Natnr nur, was schön war, um zugleich den Geschmack zu befriedigen. So entstunden diejenigen, schönen Rumsten, welche die zweyte Klasse ausmachen. Ruhe und Ueber.- stuß erzeugten sie. Man rechnet zu denselben die Malerey, Musik, Kupferstecherkunst, Baukunst, Bild- hanerknnsi, Gartenkunst u. s. w. Die Handlung. Diejenigen , welche verschiedene rohe und verarbeitete Waaren ausführen, oder dergleichen aus fremden Ländern kommen lassen, heissen Bans- oder Handelsleute. Handelsbedientcr, Raufmannsdrener ist derjenige, der die Handlung geiernet hat, dem Kaufmann« zur Hülfe dienet, seine Geschäfte tm erforderlichen Falle besorget, auch wohl desselben Hand- lnngsbücher führet. Derjenige, der die Kunst versteht, das Hauptbuch zu halten, und dem Ganzen vorzustehen, heißt Buchhalter; die unerfahrensten, die nichts verstehen, als Waaren im Kleinen zu verkaufen, und allenfalls den Absatz im Tagebuch einzutragen, heissen Ladendiener. Die 14 t Die Handlung selbst besteht in Geschäften , wodurch Gücer und Waaren, entweder gegen Geld , oder gegen andere Waaren vertauscht und verkehrt werden. Waaren sind bearbeitete Naturalien, die zur NothdUrft und Bequemlichkeit des menschlichen Lebens, oder zur Pracht dienen, und diese sind von un- . zählicher Art. Geld tst ein Stück Metall, d. i. Gold, * Silber, Kupfer von bestimmter Schwere , welchem die Obrigkeit durch darauf geprägte Zeichen, z. B. Bildliche, Wappen, Schriften, Sinnbilder, einen gewissen Werth beygelegt hak. Tausch war die älteste Art der Handlung , wobey man Waare gegen Waare gab , die aber darum nickt allgemein blieb, weil sie beschwerlich und ungewiß war. Dagegen nahm man die edeln Metalle für den Maasstab des Werthes der Dinge an, und bezahlte damit die Waaren nach dem Gewichte. Aber auch diese Art Handlung hatte ihre Unbequemlichkeiten, und darauf erfand man das Geld, dessen wir uns heul zu Tage noch bedienen. Man kann die Handlung eintheilen, in die Handlung rm Grossen, wozu vornehmlich der Seehandel mit der Schifffarch, der sich in alle Welttheile ausbreitet, gehöret , und in die Handlung im kleinen, wohin auch die Krämerey zu zählen ist, sodann in die innere und äussere, in die Wechsel- und waarenr Handlung. Der Seehandel wird meistens nach andern Welt- » theilen oder weit entlegenen Ländern gesühret, wohin man Waaren bringt, oder daraus holet; dazu gebraucht man Nauffartheyschiffe; zum Wegweiser auf dem Meere dienen die Sterne und der Compaß, oder die Magnetnadel. Auf Landseen und Flüssen fahrt man gleichfalls mit Schiffen , auf kleinern aber mit Flössen , b. i., zusammengebundenen geraden Baumstämmen. Wenn in einem Orte gewisse Arten von Waaren , j. B. Nesseltuch , Tuch , Leinwand , Cattun, 15 Catturi, Gewehre, Tressen , Tabak, u. d. gl. in Menge verfertiget werden , so sagt man, daß in demselben Manufakturen oder Fabriken sind. Wenn die Einwohner eines Staates untereinander handeln , so heißt man das den innern Handel; » geschieht das aber mit auswärtigen Ländern, so nennt man es den äusser»». Nach dem Gegenstände, womit gehandelt wird, giebt es eine waarenhandiung, welche wiederum viele Unterarten hat, als : Wcchsclhandlung, Spedi- tionshandlnng, Commissionshandlung, u. d. gl. Durch die Freyheit, durch den Schutz des Landesherrn , insbesondere durch die Schifffarlh , durch das postwcseu, durch wechsclbanke, durch Messen , Jahrmärkte und Handelsgerichte , wird die Handlung sehr befördert. Unter der Post versteht riran eine Einrichtung der Landesobrigkeit, durch welche Personen Sachen und Briefe von einem Orte zum andern gebracht werden. Wechselbänke sind öffentliche Kassen, in welchen von grossen Kaufleuten das Geld zu ihrer Bequemlichkeit und Sicherheit niedergelegt, und nach ihrem Handel und Wandel ab-und zugeschrieben wirb , z. B. dein Vater wäre in London, wo eine solche Bank ist , und hakte daselbst 5000 Gulden in die Bank gebracht, so wäre es in ein Buch eingeschrieben worden, daß er da so viel Geld stehen habe. Träfe er nun einen Handel mit einem andern * Kaufmanne und wäre diesen» 1000 Gulden schuldig, so giebt er ihm die nicht baar, sondern geht mit ihm nach der Bank, und läßt diesem 1000 Gulden zu - sich aber solche abschreiben. Das ist in sehr kurzer Zeit geschehen, und sie haben nicht nöthig sich mit Geld - zählen aufzuhalten. Ein wechftlbrief ist eine schriftliche Anweisung und Versicherung, daß mir seniand gegen die Aus. händigung des Wechsels eine gewisse Summe Geldes aus. auszahlen wird, B. ich wäre in Paris und wollte hier an meinen Vater 1000 Gulden schicken, so würde das, wenn ich es mit der Post schicken würde viel koste», oder könnte unterwegs gar verlohren gehen. Anstatt dessen gierige ich zu einem Kaufmanne in Paris, gäbe ihm die 1000 Gui-dcn, er gäbe mir dafür einen Wrch- seibrief, darinn er dem hiesigen Kaufmanne Ordre gäbe, demjenigen, der ihm diesen Wechselbricf brachte, 1000 Gulden auszuzahlen. Diesen Wechselbrief schickte ich dann hieher durch dre Post; mein Barer zeigte ihn dem hiesigen Kaufmanne, und erhielte sein Geld, und der hiesige Kaufmann würde es z. E- durch Waaren, die er von dem andern in Paris kaufte, wiedererhalten. Eine Messe ist eigentlich ein Jahrmarkt im Grossen. Kaufleute, die im Grossen handeln, dringen ihre Waaren dahin, die sie entweder von andern Orten verschreiben , oder in ihren Fabriken machen lassen, oder sonst aufkaufen. Andere, die im Kleinen , be» Pfunden und Ellen handeln , kaufen sie ihnen hier ab, führen sie an ihre Oerter , und verkaufen sie wieder. Man findet daher auf solchen Messen alles, was die Menschen brauchen. Viele Kaufleute bezahlen hier ihre Schulden für erhaltene Waaren, einander ausgestellte Wechsel; man hält Abrechnungen ; man kauft Wechsel ; man laßt sich Wechsel bezahlen ; man rveckselt Geld um, so daß ein grosses Gewerbe alsdann mit Geld ist; man bestellt Waaren, schließt Handel; fremde Kaufleute, die mit einander handeln, sehen sich hier. Die Handlung hat einen grossen Nutzen. Sie ist nicht nur denen vortheilhaft, die sie treiben ; sondern sie macht auch die Stärke eines Staats aus. Sie befördert die Bevölkerung , bringt Künste und Wissenschaften in Flor, und bereichert ein Land , das ohne Handei arm seyn würde. Die Die Wissenschaft eines Kaufmanns besteht in der Kenntniß der Waaren und deren Abgang, der Cvr« responden; in verschiedenen Sprachen , in der Kennt« niß der Münzen und des Wechselcourses, des Buchhaltens und des Handlungsrechrs. — Ehrliche keit, Treue im Wort halten , Genauigkeit und Ordnung, Genügsarnkeit an mässigem Gewinn, und von Verschwendung und Kargheit gleich weit entferntes Haushalten, sind ganz unentbehrliche Tugenden für einen Kaufmann , der sich in seinem Handel empor schwingen , und Credit, Achtung und Wohlfahrt bey seinem Hause erhalten will. Von den Sprachen. §)as allgemeinste Bedürfniß der Menschen ist die Sprache ; auch ist sie keinem unter allen Geschöpfen Gottes, als dem Menschen gegeben. Nebst der Religion und den Gesetzen, hilft sie die menschliche Gesellschaft zusammen halten. Sie ist das allgemeine Werkzeug, wodurch der Unterricht in Künsten und Wissenschaften mitgetheilet wird. Derowegen hängt ein grosser Theil der Vollkommenheit der Wissenschaft ten von der Vollkommenheit der Sprachen ab ; und es läßt sich beweisen, daß die Vernunft und Erkenntniß einer Nation, in einer sehr genauen Verbindung mit ihrer Sprache stehen. -— Eine Menge Wörter, die von einem Volke wilk- kührlich angenommen worden sind, um dadurch einander seine Gedanken mitzutheilen, nennet man eine Sprache. Vast ein jedes Volk hat seine eigne Sprache, und in jeder giebt es verschiedene Mundarten. Diejenige Sprache, die wir von Kindheit an im Umgänge lernen, heißt die Muttersprache. B Die i.8 Die Sprachen werden auf verschiedene Art ein« Hetbeilet, nämlich: u in todte, welche jetzt von keinem Volke Mehr, als Landessprache, geredet werden, wie z. B. die hebräische, griechische und lateinische; und in lebendige, welche von ganzen Völkern gesprochen werden, wie die deutsche, französische, italienische rc.; in Stamm - oder Muttersprachen, aus denen die andern nach und nach entstanden sind, und Tochtersprachen, die von jenen abstammen. Stamm i oder Muttersprachen in Europa sind: 1. Die lateinische , von welcher die italienische, französische, spanische, und portugiesische her. kommen., 2. Die alte celtische, die von den Celten, den ältesten Einwohnern Europens geredet wurde, und zu Tochtersprachen die deutsche, englische, holländische , dänische und schwedische hat. z. Die sclavonische, die Stammsprache der russischen, polnischen, ungarischen u- a. m. Die sogenannten Grundsprachen der Bibel sind die hebräische und griechische, in welchen das alte und neue Testament oder die Bibel geschrie. den, und aus welchen sie in das Deutsche übersetzt worden ist. Die Sprachen und Wissenschaften kernt man in den Schulen. Diejenigen Schulen, in denen Man die Anfänge der Religion, Lesen , Schreiben und Rechnen lernt, heissen niedrige, gemeine Schulen. Schulen aber, die ihre Klaffen und Ordnungen haben, von einem Rectvr regiert werden, der mit seinen Collegen, neben der Religion, auch die Sprachen und die Anfangsgründe höherer Wissenschaften lehrt, nennt man mittlere Schulen, Gymnasien, auch Lycäen. Die höher» Wissenschaften werden auf hohen Schulen (Universitäten, Akademien) von Professoren gelehrt. Etwas 19 (£tm§ von der Gelehrsamkeit. ^Dec Mensch war mit der Erwerbung dessen, waS er ju seiner Erhaltung bedarf, nicht zufrieden, sondern er wollte auch seine Seeienkräfte verbessern, und seine Kenntnisse erweitern, oder sich der Einsichten anderer bedienen, die sich bey grossen Fähigkeiten durch Nachdenken - Fleiß und Unterricht viele erworben haben. Diejenigen Menschen nun , die eine Erkenntniß vieier nützlicher- nicht gemeiner-und zusammenhängender Wahrheiten besitzen, heiffen Gelehrte - ihre Kenntnisse selbst Gelehrsamkeit; und die Erkenntniß verschiedener allgemeiner Wahrheiten , die aus der Natur der Dinge, von denen sie handeln , durch die Nachforschung der Vernunft, auf tine unumstößliche Art hergeleitet werden , bekömmt den Narrten einer Wissenschaft. §er Innbcgtiff aller Wissenschaften und Theile der Gelehrsamkeit, welche zu richtiger und gründlicher Erkenntniß der in der heil. Schrift, alten und neuen Testaments - enthaltenen Lehren der geoffenbarten Religion unmittelbar dienen, heißt Theologie oder Gotteogelehrsamkeit. . Diejenigen , welche diese Wissenschaft besitzen, und sie andern nach ihren Fähigkeiten durch Lehre» und Predigen beyzubringen suchen, trennt matt Theologen' oder Gotteegelehrre. Die Äusiegüng der ljeil. Schrift, die Glaubenslehre lind Sittenlehre sind die theologischen Hauptwissenschaften , worinn es aber ein jeder Christ so weit zu bringen suchen muß, als nur immer möglich ist. Diejenigen Schriften, worinn die Glaubenslehren einer ReligivnSparthey oder Kirche gesammelt, und von ihr, als auf die heil. Schrift gegründete Lehren, angenommen worden sind, heiffen symbolische Bücher - wie die helvetische Confesflvn. D 2 Die Die Wissenschaft der Gesetze eines Staats, nebst -er Fertigkeit solche auszulegen, und auf die 'vorkonr- menden Falle anzuwenden, ist die Jurisprudenz oder Rechtsgelehrsamkeit. Ein Rechtsgeiehrter, welcher diese Wissenschaft braucht, dir streitige Sache einer Parthey zu vertheidigen , heißt Advocat oder Sachwalter. Von den Gesetzen selbst ist oben pag. 5. geredet worden. In der Kenntniß des menschlichen Körpers, seiner Krankheiten und Gebrechen, und der Mittel ihnen vorzukommen, oder ihnen abzuhelfen, besteht vornehmlich dieArvreywissenschafr , und derjenige, der sie besitzt , heißt Medicus oder Arzt- Der eigentliche Medtcus heilet die innerlichen Krankheiten ; der Lhirurgus oder Wundarzt aber äussere Schäden , z. B. Wunden, Geschwüre, Verrenkungen , Beinbrüche, u. s. w. Die Arzneyen bereitet der Apotheker. Diejenige Wissenschaft , welche die Menschen anweiset, durch genaue Beurtheilung oder gcw-ffe Erfahrung zur Wahrheit und Weisheit zu gelangen, heißt Philosophie oder weltweisheit. Diese Wissenschaft ist von einem grossen Umsange, und faßt viele einzelne Wissenschaften in sich. Sie unterrichtet uns von den Kräften und Fähigkeiten unserer Seele, von Gott, der Welt, der Unsterblichkeit der Seele , von unserer wahren Bestimmung, von unsern Pstichten. Ausser denl hat sie vor andern den Stutzen, daß sie den Verstand aufkläret, und alle Seelenkräste stärket. Ein Philosoph wird nicht bloß wegen seiner Erkenntniß, sondern auch wegen seiner Fähigkeiten zu allen den Arbeiten und Geschäften tüchtig, welche vieles Nachdenken und Forschen er« frcdern. 51 ... Anweisung zum Briefschreibm- deicht nur muß mau mit gegenwärtigen, sondern auch mir abwesenden Personen artig und bescheiden umzugehen wissen. Diesen machen wir unsere Gedanken schriftlich bekannt. Und diese schriftliche Eröffnung seiner Gedanken gegen Abwesende nennt man einen Brief. Es ist überaus viel an der Geschickllchkeit im Briesschreiben gelegen. Richte dich daher sorgfältig nach folgenden Vorschriften: 1. Schreibe natürlich, und hüte dich vor einer sclavischen Nachahmung irgend eines Briefstellers. Lies nur die besten,;. B- Gellerts, Rabeners, Briefe; lies sie oft und mit Aufmerksamkeit , und mache dich mit ihren guten Eigenschaften bekannt. 2. Wenn du hernach selbst schreibst, so folge deiner eignen Art zu denken und dich auszudrücken. Z. Mache dir vorher einen Entwurf; bringe die Sachen in diejenige Ordnung , in welcher sie bey der Ausfertigung des Briefes am bequemsten auf einander folgen. 4.. Jage nicht nach einer künstlichen Ordnung , sondern überlasse dich der freywilligen Folge deiner Gedanken, und setze sie nach einander hin, wie sie in dir entstehen. 5. Vermeide mühsam gesuchte Gedanken, denen »Nan die Kunst ansieht; ahme die Sprache des feinen «nd gesitteten Umgangs nach, das heißt, entlehne Wörter und Redensarten aus den gesellschaftlichen Gesprächen , verbinde sie aber geschickt, um ihnen, das Gemeine zu benehmest, und das Ansehen der Neuheit zu geben. Pöbelhaftt Ausdrücke müssen sorgfältig vermieden wer dem 6- Drücke 6. Drücke dich richtig und klar aus , und so, daß die Gedanken aus einander hcrzustiessen scheinen, nichts zum Verstände gehöriges fehle, nichts über« flüssig da stehe, und das Gesagte am feinsten , kür- zesten und lebhaftesten ausgedrückt werde. Ein jeder Brief besteht aus dreyen Stücken : Der Anrede , dem Briefe selbst , und der Unterschrift. « Die Anrede oder Titulatur, die im Deutschen manche Schwierigkeit hat, muß von der Benennung , die man im Briefe selbst gegen Jemand gebraucht, unterschieden werden. Man theilet die Titulaturen in die weltlichen und geistlichen ein, j» B; weltliche Titulaturen sind: In der Anrede. Im Briefe selbst. Hochwohlgebohrner. Euer Hochwohlgebvhren« Hochedelgebohrner. Euer Hochedelgebvhren. Wohlgebohrner. Euer Wohlgebohren. Hochedler. Euer Hochedel. Hvchwvhledler. Euer Hochwohledel, Wohledler. Euer Wohiedel. Geistliche Titulaturen sind; In der Anrede. Im Briefe selbst, .-vchwohlehrwürdiger. Euer Hockwohlehrwürden« Wohlehrwürdiger. Euer Wohlehrwürden. Ehrwürdiger. Euer Ehrwnrden. Der Brief selbst wird entweder hinter einander fort, oder, wenn mehrere Materien darin« vorkommen, in verschiedenen 'Absätzen geschrieben. Zu Ende des Briefs setzt man eine Schlußver- ficherung, und zur Unterschrift den Namen zur Rech« ten, den Ort und den Tag desSchreibens aber zur linken Hand. Man muß sich sehr hüten, Wörter aus einer fremden Sprache, besonders wenn man deren Bedeutung und Schreibart nicht recht Miß, i» Briefen zu gebrauchen. V. 8. d. i. P ostscriptum , oder lieber deutsch , N. S. das heißt Nachschrift, setzt man, wenn man sich, nach dem der Brief schon geendigt ist, noch an etwas erinnert, und es dem Briefe beyfügen will. An Personen , die höher» Standes sind als wir, muß man sich solcher Nachschriften nicht bedienen. Fr„ oder franco heißt frey oder poftfrey, und wird auf den Brief geschrieben, wenn der, welcher den Brief abschickt, das Postgeld bezahlen will. p, Ccniv, oder par Couvert heißt so viel als unter Einschluß, p. Expr, oder par Expres heißt durch einen eigne« Boten. Lltc, heißt geschwinde; aber es ist unnütz, solches auf einen Brief zu setzen, indem die Post eines solchen Worts wegen, weder geschwinder reitst noch fährt. Beyspie le von Briefen. Erster Brief. Ein Sohn schreibt aus der Fremde an seine Aelter». Beßre Aeltern! Ä^ir geht's, Gottlob! recht wohl, und ich bin so vergnügt, als Sie es nur wünschen können. Freylich würde ich das nicht seyn, wenn Sie mich nicht öfters durch Ihre gütige Unterstützung aus so mancher Verlegenheit gezogen, und mir dadurch gezeigt Hütten, daß Sie mich, auch in der Entfernung, herzlich lieben. Dieses habe ich sehr häufig erfahren. Und diese vielen Proben Ihrer Sorge für mein Wohl lassen mich hoffen, daß Sie mir meine gegenwärtige Bitte nicht abschlagen werden. Sie wissen, daß ich meine kleine Sammlung von Büchern zurückgelassen, die ich ehedem in der Schule gebraucht habe. Unter diesen befindet 6ch besonders das Tagebuch , welches ich so gern hier zu haben wünsche, - um in den Freystunden darinn lesen zu können. Wollten- Sie mir wohl die Gefälligkeit erweisen, und es mir nächstens schicken? Es ist doch gar ein herrliches Buch; eS stehen so viele vortreffliche Sachen darinnen, welche uns unser gute Lehrer ehedem gesagt hat, und die ich doch gerne behalten inöchte. Und ich glaube ,die Wiederholung dessen , was man in der Schule gelernt hat, ist immer die beßte Beschäftigung in den Feyerabendstunden. Ich bitte nochmals, es nicht zu vergessen. Gott erhalte Sie und unsere liebe Familie, die ich herzlich grüsse, gesund! Ich verharre mit aufrichtiger und kindlicher Liebe Ihr gehorsamer Sohn. Augspurg den 24. May - 787 . Zweyter 25 Zweyter Brief. Ein Bruder meidet dem andern den Todesfall des dritten Bruders. Bester, einziger Bruder! Ä?it tausend Thränen begleite ich diesen Brief, liebster Bruder! Erschrick nicht zu sehr, wenn ich dir sage, daß unser guter Bruder Karl nicht mehr ist. — Du kannst dir's vorstellen, was wir leiden. — So groß unsre Freude war, da wir ihn gesund aus der Fremde zurück erhielten, so groß — ach ! und noch dreymal grösser ist der Schmerz, ihn so bald — und auf immer verlohren zu haben. Er starb an einem hitzigen Fieber, nach dem er nur acht Tage krank gele, gen hatte. Von unserer Seite ist nichts versäumet worden, was seine Gesundheit wieder hätte herstellen können. Wir haben hier den geschickten Doctor K.. gebraucht; aber nichts wollte helfen; sein Ende war da. — Ich kann dir's gar nicht beschreiben, wie traurig es bey uns ist — Unsere liebe Leitern können sich gar nicht trösten— Wir sollten ihnen zureden, und bedürfen doch selber Trost. Schreib doch bald an uns , und lindre unsern Schmerz durch deinen brüderlichen Antheil. Du hattest ja den sei. Karl auch so lieb, und ich kann mir es denken, wie du ihn beweinen wirst — Weine nur, liebster Bruder ! er verdient unsere Thränen — So gar unser Hr. Pfarrer sagt uns, daß wir mit Recht über einen solchen Verlnrst weinen dürfen, da es wider unsere Natur seyn würde, den Schmerz zu unterdrücken; aber er fügt auch hinzu, daß man sich alsdann, wenn man ausgeweinet hat, auch als Christ wieder beruhigen, und mit der Hofnung, ihn künftig wieder z« sehen, trösten müsse. Gott 26 , Gott erhalte dich gesund! Unsere l. Aelter» grüssen dich mir mir, der ich zeitlebens bin dein dich aufrichtig liebender Bruder. St. Gallen d. r. Herbstm. 1787* Dritter Brief. Ein Solm au seinen Vater, der von einer schweren Krankheit wieder genesen ist. Würdiger Vater! &o hat denn doch endlich Gott mein kindliches Gebet erhört, und Ihnen Ihre verlohrne Gesundheit wieder geschenkt, und mit derselben mir zugleich meine Ruhe! Vorher, da ich Sie in einer so traurigen vage denken mußte, waren alle, waren auch die schönsten Freuden dieses Lebens todt für mich; nun aber lebt auch alles aufs neue um mich, und ich freue mich wieder von neuem meines Daseyns, die Worte in Ihrem letzten Briefe: „ Ich bin nun „ Gottlob! wieder gesund ", erpreßten mir Freuden, chcancn, und den herzlichen Wunsch, daß Sie noch lange, zum Trost und zur Stütze unsrer Familie, ununterbrochen gesund leben möchten! Ja, beßter Vater! gemessen Sie nun nach überstandenen Leiden noch viele — viele Freuden ! Mit diesen gefühlvolle» Wünschen vereinige ich die Versicherung von meiner kindlichen Hochachtung , und verharre mit tausend Empfehlungen an die liebe Mutter Ihr gehorsamer Sohn. Straßburg den 12 December 1787. _ Vierter *7 Vierter Brief. In welchem man einen Vormund einer Sache wegen um Rath frägt. Hochedelsebohrncr, Hochgeehrtester Herr ! ^ch frage Sie, theurer Gönner! doch gar zu gery um Räch , weil ich aus Erfahrung weiß , daß das , Was Sie wollen, auch immer das Beßte für mich ist; und wenn es auch nicht meine Pflicht wäre, mich in wichtigen Fallen an Sie zu wenden , so würde ich es doch thun, da mein Zutrauen zu Ihnen so groß ist. Aus xben diesem Grunde melde ich Ihnen auch folgendes , und bitte mir darüber Ihre Meinung aus : Mir ist nämlich vorgeschlagen worden, mit einem Grafen nach Frankreich, Italien und andern Landern als Friseur zu reisen. Könnte ich hier nicht mein Glück machen 1 Man sagt ja immer, daß junge Leute von unserm Metier viel reisen müssen , um die Moden recht kennen zu lernen ; und ich dachte , dazu wäre dieß die beßte Gelegenheit. Mir fehlt zwar ln der jetzigen Condicivn nichts ; ich habe mein Auskommen, und die Kundschaft ist auch so beschaffen , daß ich in meiner Profession etwas verdienen kann ; aber die Lust mich einmal in der Welt umzusehen, und die Hoffnung, durch diese Bekanntschaft mit dem Herrn Grafen, den Grund zu meinem künftigen Glücke legen zu können , läßt mir den Gedanken mitzureisen, gar nicht aus dem Sinne. So groß aber auch meine Lust hiezu ist, und so sehr viel ich Mir bey dieser Veränderung verspreche, so kann und werde ich doch dieß gnädige Anerbieten des Herrn Grafen nicht annehmen, bis ich Ihren wohlmeinenden Rath »nd Einwilligung hiezu erhai. len habe. Ich sehe derselben sehr begierig entgegen, und habe die Ehre, mich zu nennen Euer Hochedelgebohren ergebensten Diener. Berlin den 20. April! * 7 * 7 . Fünfter Brief. Ein Freund tragt dem andern eine Commission auf. Liebster Freund ! 3 Dst ich Ihre Bereitwilligkeitzu dienen kenne, so nehme ich mir die Freyheit, Ihnen eine kleine Com- mission aufzutragen, zu deren Ausrichtung Sie unter allen meinen Freunden die beste Gelegenheit haben. In Ihrer Nachbarschaft soll ein gewisser Ganrhand- ler, Namens Iakobi, wohnen, der gerade die Sorten von Garn verkauft, und zwar um einen so billi- gen Preis, als ich sie zur Verfertigung meiner Waa- ren brauchen kann. Sie würden mir daher einen überaus grossen Gefallen erzeigen, wenn Sie mir nicht nur Gewißheit von diesem Handel geben , sondern auch zu gleicher Zeit, wenn sich die Sache wirklich so verhalten sollte , innligenden Brief an Herrn Iakobi überbringen, und mir das darin» ausgebctene Quantum Garn , durch die Ihnen schon bekannten Fuhrleute, hieher transportiren lassen wollten. —- 1 Meine Umstände sind Ihnen bekannt. Sie wissen, daß ich jederzeit prompt und richtig bezahle. Sie können also,wenn's erforderlich wäre, so lange Bürge kür mich seyn , bis Herr Iakobi mich selbst naher kennen lernt. Mit Freuden will ich jede Gelegenheit ergreifen, Ihnen und den lieben Ihrigen, denen ich mich beßtens empfehle, zu dienen. Ich verharre rc. Praß- •asr==*P Praktische Anfarrgsgründe zum rtchtl-en Denken. Einleitung. 8 . man sich von einer Sache etwas vorstellt, das nicht ist, so irrt man. Und die Vorstellung die man sich von derselben macht, wenn sie unrichtig ist, nennt man einen Irrthum. 8 - 2 . Die Menschen irren sehr oft, und der Irrthum schadet allemal, vorzüglich dadurch,daß er uns das Schädliche als etwas Gutes vorstellt. Wer z. B. einen Menschen, der nicht sein Freund ist, für seinen Freund hält, der wird betrogen ,uud leidet Schaden, weil er sich irrt. L 3- Es giebt jedoch, auch viele unschädliche Jrrthü, mer, die unser Thun und Lassen nichts angehen, und auf unsere Ruhe und Zufriedenheit keinen Einfluß haben. Z. V. Es ist nichts daran gelegen, ob ich Alexander den Großen für einen tugendhaften Helden, oder für einen unsinnigen Störer der Ruhe der Welt, mit Recht oder Unrecht halte; aber daran ist viel gelegen, vd ich meinen Freund, Nachbar, Hausgenossen kenne, oder mich in ihrem Charactrr irre. §. 4 . Der Gegensatz des Irrthums, wenn wir uns nämlich die Sachen so vorstellen, wie sie wirklich sind — heißt Wahrheit. Z. ^ Da die Menschen so oft und so leicht irren , oder' sich falsche Vorstellungen von den Sachen machen, so ist es wohl von der größten Wichtigkeit, die Kunst zu lernen, die man anwenden muß- um die Wahr« heil zu finden, und den Irrthum zu vermeiden; und diese Kunst nennet man die Logik. §. 6 . Die Vorstellungen von den verschiedenen Dingen oder Sachen erlangen wir i. Durch die Sinne wozu die Erfahrung gehört. 2 . Durch das Nach« denken über die schon erlangten Vorstellungen, und Durch den Unterricht, den wir von andern erhalten. Von den Sinnen überhaupt. §8ir können wissen was um uns her vorgeht wir werden das Licht, die Menschen, die Thiere, Gewächse, den Geruch der Nlnmen, u. s. w. gewahr ; wir empfinden den Wohlgeschmack der Speisen. Auch erfahren wir, was in uns vorgeht, ob wir hungrig oder satt- gesund oder krank, vergnügt oder betrübt find. Wir unterscheiden, was gut oder schlecht, schön oder häßlich , recht oder Unrecht ist. Und die Mittel, wodurch wir uns alles dieses vorstellest können, nennen wir die Sinne. §. 8 - Das Licht, die Menschen, der Schall, der Dust' her Blumen u. s. w. sind nicht in uns, sondern ausser uns. Und die Sinne, wodurch wir diese Dinge wahrnehmen, sind an der Oberfläche unsers Körpers, daher Laher nennt man sie die äusser» Sinne. Sie heiffen: das Gesicht, das Gehör, der Geruch- der Geschmack und das Gefühl. §. y. Hunger und Durst, Gesundheit and Krankheit- Stärke, Schwäche, Schmerz, Betrübniß, Frölich« keil , sind nicht , wie der Geruch der Blume , die Menschen, Thiere, der Schall der Glocken, u.s.w. ausser uns, sondern in uns, Und die Sinne , wodurch wir das, was in uns vorgeht, wahrnehmen - heiffen die innern Sinne. ® §'. IO. Eben so können wir daS Schöne und Gute- don dem, was schlecht und unangenehm ist, unterscheid den. Schon das kleinste Kind wird lieber eine Rose, als ein trocknes Dlat haben; es findet also die Rose schöner; und dieses geschiehet durch eine innere Kraft der Seele, die man Gefühl heißt; denn das Kind kann -a nicht sagen, warum die Rose ihm gefällt. Nach der Verschiedenheit der Dinge, die dieses Gefühl wahrnimmt, wird es verschiedentlich genannt. §. 11° Bemerkt es die Schönheit in den Dingen , Z. B. in einem Gebäude, in einer Schrift, in einem Gesichte ; ödet die Schicklichkeit einer Handlung, ob sie anständig ist oder nicht — dann heißt dieses Gefühl Geschmack. Wenn es das Gute von dem Schädlichen , das Recht von dem Unrecht, in den Handlungen des Menschen , unterscheidet, dann heißt es moralischen Sinn oder moralisches Gefühl. Z. B. Ich ßche-daß ein Mensch den andern schlägt, ohne Recht' und I« und Ursache dazu zu haben ; daS ist mir unangenehm: ich fühle, daß diese Thal unrecht ist. — Aber wenn ich sehe, daß ein Vater seinen unartigen Sohn straft ?— Angenehm ist mir die Sache nicht, aber ich fühle doch, daß sie gut ist. Ich fühle auch von meinen Handlungen, die ich thun will , oder gethan habe, daß sie gut oder schlecht, recht oder unrecht sind. Dieses unterscheidende Gefühl des Rechts und Unrechts heißt das Gewissen. Wenn das Gewissen zukünftige Handlungen unterscheidet, mit Lust für gure HandlunKen und mit Widerwillen gegen böse erfüllet ist, so daß es zum Gutes thun erinuncert und vom Bösen abhält, nennt man es auch ein gutes Herz. Das sind nun die Mittel wodurch wir Vorstellungen der einzelnen Dinge in und ausser uus erhalten. Mann kann sie alle Gefühl nennen. %■ 12 . Wenn wir etwas oft oder stark genug fühlen, um die Vorstellung davon nicht zu'vergessen, so nennen wir unsre Vorstellung von dem Dinge — Erfahrung. Und dieses ist eigne Erfahrung. Wir sehen aber auch was andere empfinden; wir bemerken oft ihre Angst oder Freude; und das ist fremde Erfahrung, Glücklich, der durch den Schaden anderer klug wird. m 8 . 13* Von den äusser» Sinnen insbesonder. A)mch die äusser» Sinne erhalten wir Vorstellungen von den Dingen ausser uns. §* g. Wir sehen, hören , fühlen, schmecken und riechen, was ausser uns vorgeht. Aber unsere Sinne sind nicht immer gleich, unsere Augen find z. B. ein Mal schärfer und Heller, als ein anders Mal. Wenn das Blut in heftiger Wallung ist, dann scheinet auch die kühleste Luft heiß. Wer weiche, zarte Hände hat, fühlet die Dinge ganz anders als der Hufschtnid. Geruch, Geschmack und Gehör, find bey Kranken ganz anders als bey Gesunden. Wir müssen uns daher merken, daß uns die Dinge immer so scheinen/ wie unsre Sinne sind- §. * 4 . Weiln viele Dinge zugleich auf unsre SinNe wirken, dann können wir nichts recht zuverlässig und genau wahrnehmen. .Wenn du in einem Zimmer wärest, und du würdest deine Augen auf einmal mit dem Hauögerärhe, den Tapeten, der Uhr, dem Canapce beschäftigen, wie wäre es möglich alles rich, tig wahrzunehmen? Daher entstehen viele Irrungen. 8 - * 5 * Wenn Man also einen Gegenstand recht genau sthen will, so muß man sich von allem Uebrigen abwenden, und ihn allein betrachten. Die Bemühung, die man dabey anwendet, heißt Aufmerksamkeit. Das Gegentheil, wenn man nichts betrachtet, beißt Leichtsinn; und wenn man zu geschwind von einem Gegenstände auf den andern geht, Flatterhaftigkeit. §- rü. 34 §. i6. Von Erhaltung und Verbesserung der äußern Sinne. Ä)enn wir richtig wahrnehmen wollen, müssen i unsere äusser» Sinne gesund seyn. Ihre Gesundheit und Krankheit aber hangt größtentheils von uns ab. Deßwegen müssen wir für sie Sorge tragen. Wir können unsere Sinne auf mancherley Arten verderben, i. Ueberhaupt durch alles , was unsere Gesundheit zerrüttet, als Unmässigkeit im Essen und Trinken, im Genusse deSVergnügens,und durchllnbeson- nenheiten. 2 . Durch Verwöhnung, welche sehr vielfach ist. Z. B. Wenn mandie Dingezu nahe an die Augen halt; dadurch werden die Augen kurzsichtig; durch den Gebrauch der Ferngläser, u. s. w. Durch Uebung verfeinern und schärfen wir hingegen unsre Sinne; man kann daher sehen, hören, fühlen lernen, wenn man eine Sache oft, genau sieht, hört und fühlt. L. 17. Von den Begriffen. 2)ie Sinne und Gefühle lassen in uns Spuren von ihren Eindrücken zurück, welche Spuren Vorstellungen von den gehabten Eindrücken sind, k die die Sinne und Gefühle in unsrer Seele verursacht haben. Diese Vorstellungen der Dinge und ihrer Eindrücke in unsrer Seele, heissen Begriffe. L. 18. Wir halten einen Begriff für wahr, wenn er uns den Gegenstand vorstellt, wie wir ihn wahr- «ehnren. Vermuthen wir, unser Begriff könne < irrig irrig seyn, weil alle unsere Sinne und Gefühle irren können, so heißt Liese Vermuthung Zweifel. §. 'y. Unsere Begriffe sind nicht alle gleich hell. Es geht in unserm Kopfe vhngefehr wie in der Körper- welt. Wenn wir von einem Berge hinunter und in die Ferne sehen, können wir nicht alle Gegenstände gleich gut wahrnehmen. Diejenigen, die uns nahe sind, und Lvn dem vollen Achte der Sonne erleuchtet werden, sehen wir ganz und helle; wir können sie erkennen und von jedem andern Dinge unterscheiden. Wir sehen , daß dieses ein Baum / und zwar eine Linde; daß jenes ein Mensch, und zwar ein Mann und unser Freund ; daß das ein Thier, und zwar ein Pferd ist. Fernerhin, oder in einem mindern Lichte, erkennen wir zwar > was ein Baum, ein Mensch, oder ein Thier ist, aber wir unterscheiden Nicht, welcher Baum, welcher Mensch, welches Thier. Je weiter hin, oder je dunkler der Schatte , desto weniger können wir erkennen, bis die Gegenstände zuletzt so dunkel werden, daß wir wohl etwas sehen, aber ohne zu wissen, was es ist. Eben so haben wir Vorstellungen, die recht hell sind, z.B. die Vorstellung von einer Rose, von einem Menschen ,u. s. w. Nicht alle Vorstellungen aber sind so hell. Oftmals sind unsere Begriffe nur wie Schatten , oder wie Gegenstände in der Ferne; manchmal wissen wir gar nicht, was sie vorstellen. Jene erste Vorstellungen nennet man klare Begriffe; die andern aber dunkle. §. 20 . Ein Begriff, dessen Gegenstand sichtbar aus Theilen zusammengesetzt ist, heißt ein zusammengesetzter Begriff. Wenn unsere Sinne in einem Gegenstände keine Theile wahrnehmen, und 4 n ,6 ---------- wir uns keine vorstellen können, dann nennen wir den Begriff davon, einen einfachen Begriff. Von dieser letzter» Art sind die Begriffe von den Farben. 8 ' 21 . Jeder Begriff hat Theile; wenn man diese von einander unterscheidet, so heißt der Begriff deutlich; wo nicht, so nennt man ihn undeutlich oder verworren. Z. B. ich sehe ein schönes Haus; ich erkenne es für schön, «eil es mir gefällt, ohne zu wissen, warum es mir gefällt, und worinn seine Schönheit besteht ; so habe ich von der Schönheit eine» verworrenen Begriff. Wenn ich aber weiß, was und warum die Einrichtung des Hauses zur Schönheit beyträgt; dann habe ich von der Schönheit eine deutliche Vorstellung. V 22. Von der Vorstellungskraft. Äie Kraft des Menschen, vermög welcher er Begriffe faßt und behält, heißt Vorstellungskraft. Das Vermögen, Begriffe zu fassen, erklärt sich von selbst. Das Vermögen, Begriffe zu behalten und wieder vorzustellen, ist dreyerley : i. Erinnerung. 2. Gedächtniß. 3. Einbildungskraft. §. 23. Die Erinnerung ist das Vermögen sich einen Gegenstand, mit den Umständen, unter welchen wir ihn gesehen haben, wieder vorzustellen. Sie ist das Gedächtniß der Umstände. 8 - 24 . Das Gedächtniß ist das Vermögen unsrer Seele, sich die verschiedenen Gegenstände, die wir wahr, ?? wahrgenommen haben, so und in der Ordnung vorzustellen/ wie sie uns vorgekommen sind. So behalten wir eine Sprache im Gedächtniß. §. 25. Die Einbildungskraft besteht in dem Vermögen , sich Begriffe wieder vorzustellen, ohne Zusammenhang, oder ausser dem Zusammenhange der Eindrücke in der Natur. Man versteht aber auch ferner darunter die .Kraft, die wir haben, Bilder aus verschiedenen Stücken zusammenzusetzen. Wenn z. B. ein Maler einen Mann im Zorne, den er nicht gesehen hat, malen lcli, so denkt er sich das Bild eines Menschen; hierzu setzt er die Züge und Gcberden des Zornö, die er vielen angesehen hat. Wenn diese Art Einbildungskraft grosse, schöne, angenehme Gedanken leicht zusammensetzt, dann heißt sie Genie. Darum sagt man von Malern, Dichtern, Bildhauern, Rednern, welche grosse, schöne und die Natur nachahmende Kunstwerke machen, daß sie Genie haben. §. 26. Von der Erfahrung. hinter der Erfahrung versteht man den Begriff von den Wirkungen der Dinge. Sie besteht in einem starken, ober in mehrern gemässigten Eindrücken , wodurch die Vorstellung von dem Dinge recht klar und lebhaft wird. Man braucht aber dieses Wort nur von solchen Eindrücken und Gefühlen , welche auf unser Wohl oder Weh einen Einfluß haben, und sagt daher nicht: ich habe die Erfahrung von dem Geschmacke des Wildprets; aber wohl, ich habe es erfahren wie unangenehm es ist, krank zu seyn. §.27, 58 i §♦ 27. Wenn man auf die blossen Sinneseindrücke aufmerksam ist, die Sache von allen Seiten betrachtet, um einen klaren und zuverlässigen Begriff davon zuhaben, so heißt dieses beobachten, oder Beobachtungen anstellen. §. 28 . Wenn wir selbst die Gegenstände in eine gewisse Lage bringen, um ihre Wirkung zu beobachten, dann heißt das Experimente oder Versuche machen, oder, experimentiren. §. *<> Es ist sehr schwer, richtige Beobachtungen an.' zustellen und wahre Erfahrungen zu sammeln. Man muß i. sorgfältig darauf sehen, ob zwischen den Ursachen und Wirkungen eine Verbindung statt findet. Es saß einst eine Eule auf einem Dache, und schrie ganz erbärmlich; etwas Zeit hernach starb jemand in diesem Hause, und nun schrieb man der Eule die Kraft zu, diesen Tod vorher durch ihr Geschrey verkündet zu haben. Ist da wohl eine Verbindung zwischen demGeschreye dieser Eule und dem Tode deö Menschen? konnte die Eule wohl den Tod vorher wissen? 2. Muß man meistens mehrere Fälle erwarten und beobachten, ehe man die Erfahrung bestimmt. §. 5 °. Von abstrakten Begriffen. Älle Begriffe, die wir durch die Sinne erlangen, haben ein Urbild in den Dingen, z. B. Der Begriff von einem Baume, Menschen, von Licht und Finsterniß, ist nur der Abdruck von Dingen, die auf uns einen Eindruck machen. Ein solcher Begriff heißt ein concreter Begriff, §. 3*t §. ;r. Aber ttichr alle unsere Vorstellungen sind so beschaffen. Manche haben kein Urbild ausser uns und in den Dingen, sondern sie sind blosse Vorstellungen des Verstandes. Man nennt sie abstrakte Begriffe. Es giebt derselben verschiedone. 1. Die Regriffe von Arten und 'Geschlechtern , z. B. Das Wort Mensch , oder der Mensch bedeutet nicht nur einen einzelnen Menschen , sondern den Begriff von allen einzelnen Menschen, in so ferne sie alle eine gewisse Achnlichkcit mit einander haben. Ein einziges Ding heißt ein Individuum; alle Jndividua, die eine gewisse Aehnlichkeit haben, eine Art; und die verschiedenen Arten, die gewisse Aehnlichkeiten haben, Geschlechter. 2. Die Begriffe von Dingen, die nicht in die Sinne fallen, als Zeit, Seele, Geist, Leben. Und diese Begriffe, die wir uns nicht eigentlich vorstellen, sondern nur durch Worte fassen können, heiffen symbolische Begriffe. Diejenigen aber, die in wirklichen Bildern in unsrer Vorstellungskraft bestehen , als der Begriff von einem Hause, heissen anschauliche Begriffe, d.i. solche, wo wir die Sache in unsrer Vorstellung sehen. Die erster» aber erkennen wir durch Zeichen. 3. Die Begriffe von den Eigenschaften der Dinge. z.B. Grösse, Schönheit, Güte, Starke, u. s. w. Von dem Urtheile. Ä6enn wir uns einen Gegenstand mit einer oder mehrern Eigenschaften desselben zusammen denken, so heißt man diese Vorstellungen zusammengesetzte Begriffe, z. B. ein grosses Haus besteht aus zwey Begriffen, nämlich Groß und Haus. 8 . §. 33 - Die Verbindung zweener Begriffe, die wir zuerst, jeden für sich, betrachtet haben, heißt ein Urtheil, Z. B. Der Mann ist rechtschaffen. Da denken wir uns erst den Mann, als ohne seine Eigenschaft , und dann die Rechtschaffcnheit, als etwas besonders , und für sich bestehendes, dessen Begriff wir von andern hergenommen haben. Wir sehen an dem Manne der jetzt vor unsern Augen ist, Merkmale der Eigenschaft, die wir Nechtschassenheit nennen; und wir finden, daß der Begriff, den wir von dieser Tugend haben, zu dem Begriffe paßt, den wir uns von dem Manne machen; und so schreiben wir ihm diese Eigenschaft zu. Der Begriff des Dinges oder Gegenstandes, dem wir eine Eigenschaft zuschreiben, heißt das Subjekt. Und der Begriff der Eigenschaft wird das pradicak genannt; und die Rede, wodurch ich solches Urtheil ausdrücke, heißt eine Proposition, oder ein Satz. Das Wort, womit ich die Verbindung beider Begriffe ausdrücke, heißt die Verbindung, Gemeiniglich bestehet diese in dem Worte: Ist. Das Haus ist groß; der Mann ist rechtschaffen; der Garten ist schön, u. s. w. §- 34 . Man hat oftmals Gelegenheit, ein Subjekt und ein Pradicat, oder ein Ding mit einer Eigenschaft, die unserm Bedünken nach nicht zusammen passen, mit einander zu vergleichen. Alsdann urtheilen wir, daß sie nicht zusammen gehören, und es entsteht ein verneinendes Urtheil und ein verneinender Satz, z. B. Das Haus ist nicht groß. Jene Urtheile und Sätze §. waren bejahende. §- 35 . , Wenn Urtheil und Satz mehrere Subjekte und Pradicate haben, nennt man sie zusammengesetzte Urtheile, 41 Urtheile, z. B. Das Haus und der Garten sind schön. Dt«y Strasse ist lang und breit. Ersterer Sah hak zwey Subjekte, letzterer aber zwey Pradicate. » Von den Schlüssen. Ä)^an kann es nicht immer, wie in jenen Urtheilen, dem Dinge oder dem Begriffe desselben ansehen, ob es die Eigenschaft, welche man mit-ihm vergleicht , hat, oder nicht.. Alsdann nimmt man einen andern Weg , vergleicht das gegenwärtige Ding mit einem andern bekannten, und schließt qus der Aehnlichkeit oder Verschiedenheit der beiden, auf die Eigenschaft oder Nichteigenschaft des Unbekannten. Z. B. ich will wissen, ob ein Zeug, den ich kaufen will, vorzüglich gut sey. Um dieses vorzügliche nun zu erkennen, muß ich das gegenwärtige Zeug mit andern von eben der Art vergleichen. Zur Entscheidung der Frage habe ich nun folgende drey Sähe nöthig. Was besser ( danrhafter, brauchbarer) ist, als etwas anders, ist gut; Dieses Zeug ist besser ( danrhafter , brauche barer) als andere Zeuge: Dieses Zeug ist also gut. Ein solches Urtheil, welches aus dreyen Begriffen und dreyen Sätzen besteht, heißt ein Syllogismus i oder eine Schlußrede. Der Satz, in welchem man das Pradicat mir dem Mittelbegriffe zusammen hält, heißt der bcrsntz; der aber, wo das Subject mit dem Mittelbegriffe verglichen wird, der Untersag. Beide heiffeu die Vordersätze; und das Urtheil selbst, licmiich die Vergleichung des Subjects mit denk Pradicat, der Schluß. ,, 8 - 37 - Man braucht solche Schlußreden, um sich der Wahrheit zn versichern. Ihre Schlußkraft beruhet auf 42 auf der Aehnlichkeit und Beständigkeit der einzelnen Dinge, die zu einer und derselben Gattung gehören. Z. B. Alle Menschen haben ihre Fehler. Ich bin ein Mensch; Also habe ich meine Fehler. §. 38 » Die Schlußreden beruhen auch auf den Zeichen der Dinge, z. B. den Wirkungen, woraus auf die Ursachen, oder den Ursachen, woraus auf die Wir.' kungen geschlossen wird; allein sie find sehr unzu. verlassig. Alle Krankheiten z. B. entstehen aus verschiedenen Ursachen. Der Schluß: Mein Nachbar hat die Kolik von Verkalkung bekommen; Ich habe die Kolik; Also habe ich mich verkalket; ist sehr unzuverlässig, weil die Kolik auch aus andern Ursachen entstehen kann. Noch unzuverlässiger ist folgender Schluß: Mein Nachbar nahm Tropfen ein, und seine Kolik horte auf; Also wird weine Kolik auch durch Tropfen gehoben werden. §. 39 . Noch ein Grund der Schlußkraft der Syllogis- lnen ist die Anschauung, oder was sich sogleich aus der Vorstellung eines Begriffs herleiten läßt, ohne daß man es zu beweisen nöthig hat. Z. B- Wenn ein Ding rund ist, kann es nicht viereckig! seyn. Dieses faßt ein jeder sogleich ( und ist davon überzeugt. §. 40. Noch sind zwey Wege zu bemerken, auf welchen man zu der Wahrheit und Gewißheit allgemeiner Satze gelangen kann, wie z. D. alle Menschen har den 4i ken ihre Fehler, nemlich: i. Der Weg der Induktion,-). b. der Betrachtung der Individuen, um auf die Eigenschaft der ganzen Gattung zu kommen. 2 . Die Analogie, wo der Grund zu Schlüssen aus bloßen anschaulichen Aehnlichkeiten genommen wird. Z. B. Man schließt aus der Aehnlichkeit der Sterne mit unsrer Sonne, daß die Sterne Sonnen sind, deren jede viele Planeten beleuchtet. §. 4>. Von der Bestimmung der Begriffe. Es ist sehr nothwendig, die Begriffe so viel als Möglich zu bestimmen, ehe man Urtheile darauf gründet, oder sich in einen Streit darüber einläßt. Diese Bestimmung der Begriffe geschieht durch Erklärungen oder Definitionen; diese sind zweyer!«). §. ' 42 . Erstlich , solche Erklärungen, die den Begriff nur durch ein oder mehrere Zeichen characterisiren, so daß Der Zuhörer den Begriff des Redenden mit keinem andern verwechseln kann. So z. B. wenn ich sage: Gott ist der Urheber des Weltalls; so habe ich gar nicht erklärt, was Gott ist, noch wie ich mir ihn vorstelle; sondern ich habe nur mit einem Charakter das Wesen, welches ich meine, bezeichnet. Eine solche Erklärung heißt eine Worterklärung oder eine Nominal Definition. §> 4J. Die andere Art von Erklärungen lehrt die Beschaffenheit eines Dinges , oder wenigstens die Beschaffenheiten und die Eigenschaften, die wir uns von dem Dinge denken. Diese sind Sacherklärun- gen. So z. B. sagen wir : Gott ist das vollkommenste Wesen. §. 44 . 44 §' 44? Solcher Erklärung bedarf man immer, wenn von abstrakten Begriffen die Rede ist. Wenn man Dinge, die in die Sinne fallen, oder sinnliche Ge- - genstände Jemandem, der sie nicht kennt, erkläre» muß, so braucht man nicht Erklärungen, sondern Beschreibungen. Diese bestehen in der Auseinandersetzung der Theile und Charakter des Gegenstandes. So sind z. B. solche Beschreibungen in allen Schriften, die von der Naturgeschichte handeln. Z. 4;- Niemals muß in einer Erklärung das zuerkla- rende Wort gebraucht werden. Wenn man z. B. fragt: was heißt stehlen? und die Antwort wäre: wenn man Jemandem was stidh-t; so ist die Antwort unrichtig; denn wenn ich nicht weiß, was stehlen heißt, so weiß ich auch nicht, was das heisse, man stiehlt. Z- 46. In einer Erklärung muß man ferner keine andere Worte und keine andere Begriffe brauchen, als die an sich deutlich und bestimmt sind. Wenn ich z. B. in der Beschreibung des Tigers sagen würde: Der Tiger ist ein grosses Thier; so hatte ich gerade nichts gesagt, denn immer bleibt die Frage: wie groß? Wie ein Elephant? Wie das Pferd? 2. Muß man suchen hur solche Begriffe und Worte in seiner Erklärung zu brauchen, die derjenige schon hat und versteht, dem man die Sache erklären will. Wenn z. B. ein Missionar den Indianern die Gerechtigkeit Gottes erklären wollte, und er redete von den Vor, würfen des Gewissens und von der Ruhe desselben, so würde er seinen Zweck verfehlen, weil sie von allen den Dingen, die ihnen andere deutlich machen sollten, feineg Begriff haben. 8? 47. l 4 ? §. 47. Von den Kennzeichen der Wahrheit. §)as Rennzeiche» der Wahrheit, ist die Am schauung der Dinge, wenn diese nämlich in die Sinne fallen, und die Anschauung des Begriffs, wenn die Gegenstände abstrakt find, und nicht zum Gebiete der Sinne gehören, z. B. jedes Mal, wenn ich die Sonne sehe, werde ich an ihr einen blendenden ^ Glanz gewahr, und so urtheile ich mit einem unwie« derstehlichen Gefühle der Wahrheit, daß die Ssnne glänzend ist. Wenn ich mir Gott denke, alS ein mächtiges weises, bedürfnißloses Wesen, so kann ich mir nichts anders vorstellen, als daß er vollkommen gütig seyn muß, weil Güte in der Anschauung der Macht, Weisheit und Bedürfnißlosigkeit begriffen ist. §. 43. Ein jedes Urtheil, es mag wahr oder falsch seyn, wenn es vor der gehörigen Prüfung 'gefallt wird, heißt ein Vorurthcil. Das will sage», Las Urtheil sey vor der rechten Zeit, ehe man die Wahrheit gehörig untersucht hat, gefäUt worden. §. 4y. Die Vorurtheile sind das größte Hinderniß an der Erkenntniß der Wahrheit, und entstehen i. Aus der Gewohnheit, r. Aus dem Ansehen anderer. 2- Aus den Leidenschaften. §. 5 °. Wer nicht gewöhnt worden ist, selbst zu denken, hält alles dasjenige für wahr, was er von Kindesbeinen an gehört oder denken gelernet hat; und' ver- 4 <> -=™~=~ verwirft alles als falsch, was dem widerspricht. Daher kömmt es, daß die irrigsten Religionspar- theyen ihre eifrigen und unerschütterlichen Anhänger haben, daß der Türke mit eben dem Eifer und eben der Ueberzeugung ein Verehrer Mnhameds ist, als der Christ ein Verehrer Jesu; daß die lächerlichsten Gebräuche sich behaupten , trotz dem Tadel der Vernünftigen. §- 51. Das Ansehest Anderer, als der Aeltern , Lehrer- st. s. w. bestimmt eben so ««merklich und unausbleiblich die Urtheile vieler Menschen. Sie verwerfen alles , was sie nicht von diesen gehört haben. Andere haben ein Vorurtheil für das Neue; Sie verwerfen alles Alte , und die Neuheit einer Lehre ist ihnen ein Beweis für die Wahrheit derselben. Das Beßre ist, man prüfe immer die Sache selbst. §. 52. Die reichhaltigste Quelle dar Irrthümer stutz die Leidenschaften. Sie stellen uns die Dinge unter einer einzigen Bestimmung und Beziehung vor die Äugen, und heften unsre Aufmerksamkeit so stark darauf, daß wir die andern Bestimmungen und Beziehungen nicht sehen. Nichts lassen sie, wie es ist. Eist fttrchtsamer Abergläubischer, z. B. hört einiges Gepolter, gleich hält er es für einen ungÄ zweifelten Beweis eines gegenwärtigen Gespenstes. Ein Mensch im Zorne findet alles höchst beleidigend; ganz anders urtheilt er davon, wenn sich sein Zorn gekühlt hat. Furchl, Hoffnung, Begierde thun die nämliche»; Wirkungen. §. 2 1* Von Hypothesen. ^8on den mehresien Begebenheiten in der Natttr sehen wir weder die Ursachen, noch die Art, wie sie geschehen. Wir wissen nicht, wie die Steine und Metalle im Schoosse der Erde gebildet werden; wie viele Jahre zur Bildung eines Diamanten gehören ; wie lange Gold und das bessere Eisen bearbeitet werden müssen, ehe sie reif werden; welche Kraft die Erde und alle Himmelskörper wälzt und in ihrem gleichförmigen Laufe erhält-und sehr vieles ist, das wir nicht wissen. Wir wollen aber wissen; wir forschen, beobachten, prüfen, versuchen , denken nach, ob nicht etwas heraus zu bringen ist. Aus diesem Forschen, Beobachten zieht man Vermuthungen , wie die Sachen zugehen mögen , und diese Vermuthungen nennt man Hypothesen. Das Wort heißt Voraussetzung. Der Grund davon ist — Es mag wohl so und so zugehen. §. 54 . Solcher Hypothesen giebt es sehr viele, und man behilft sich so lange damit, als man nicht die reine Wahrheit herausbringen kann, z. B. zur Erklärung des Wechsels in unsern Tagen und Nächten, und der scheinbaren Bewegung der Himmels- Körper hat man drey Hypothesen, diePtvlomäische, Tycho Braheische und Cvpernicanische. Z. Die Wahrscheinlichkeit jeder Hypothese beruht auf folgenden Sätzen : -.Auf dem Grunde, aufweichen sie gebaut wird. 2 . Auf der richtigen Beobachtung der Phänomene. Wenn 48 i====a=. Wenn man die Dinge falsch sieht, kann man sie um möglich recht erklären. Wer z. N. jeden Fehler eines Andern für absichtliches Vergehen halt, wird Bosheit sehen, rvs keine ist, und die Quellen eines Undings suchen. 3. Muß die Hypothese alle Phänomene in dem Gegenstand erklären, z. B. man will erklären, wie es zugeht, daß die Sonne uns Licht und Wärme giebt. Man sagt: weil sie Feuer ist. Das ist eine Hypothese, und sie erklärt Licht und Wärme. Aber 1. Die hellgelbe Farbe der Sonne. 2. Ihre Reinheit von Rauch. 3. Ihre beständig gleiche Grösse, erklärt sie nicht. Ist diese Hypothese nun richtig? §• 5 & Von dem Unterrichte. Ä)?an nennet Unterricht jede Mittheilung dek Kenntnissen, welche uns von Andern gewährt wird. Also ist Unterricht nicht allein die Lehre, welche bestellte Lehrer uns geben, sondern auch jeder Rath, jede Erzählung, jede Warnung, jede Unterhaltung mit Andern. Will der Schüler mit Nutzen der Lehre beywohnen, so muß er es mit größter Aufmerksamkeit thun, sonst ist nicht nur die Lehre vergeblich, sondern er kann, wenn er zerstreut ist, vieles falsch hören, und dadurch in Irrthümer gerathen : Irrthum aber ist schlimmer als Unwissenheit. §. 57 . Von der Wahrheit. ^lus allem, was bisher gesagt worden , ist es klar, daß die Wahrheit nicht leicht zu finden ist, und daß sie uns in manche» Fällen ganz und gar verborgen bleibt. . $• 59 . Daraus fließen drey wichtige Lehren: i. Daß wir uns wohl vorsehen, ehe wir etwas für wahr und ausgemacht annehmen, und daher: Uns bemühen, alles recht zu prüfen und genau zu beobachten. Nicht so leicht alles , waS wir für wahr glauben , durchaus behaupten. Und nicht denken, daß alle diejenigen, die anders denken, als wir, Irrende, Verbleit, dete, oder gar Feinde der Wahrheit seyn. 2» Daß wir «m der Wahrheit willen Niemanden hassen, Niemanden verachten, Niemanden verfolgen müssen. Es wäre die höchste Ungerechtigkeit. Jeder denkt, wie er kann. Daß, wenn wir etwas zu wissen vermeinen, wir nicht stolz darauf seyn sollen. §. 60, Es giebt nothwendige, nützliche und mindev- nützliche Wahrheiten. Da wir nicht alle wissen können, müssen wir wählen, und bey dieser Wahl diejenigen vorzüglich ausheben, die uns zu unserm Wohle und unserer Ruhe unentbehrlich sind, und die machen, daß wir unter unsern Nebenmenschen nützlich, ruhig und zufrieden leben können. §. 6t. Die Verstandeskräfte sind unter den Menschen sehr ungleich vertheilt. Der Eine kann viel, der Andere nur sehr wenig lernen. Der Eine ist zu dieser Art beö Wissens, der Andere zu einer andern D Art ;v .— Art ausgelegt. Daraus folgt, daß jeder das Maaß und die Art seiner Fähigkeiten kennen lernen muß, wenn er einst durch seine Kenntnisse etwas leisten will; und daß besonders die Knaben , und Iünge lingsjahre wohl angewandt werden müssen, weil in ihnen der Grund gelegt wird zu dem Gebäude, das einst aufgeführt werden soll. 8. 62. Von dem Nachdenken. Älles, was bisher gesagt worden, waren Mittel zur Erkenntniß der Wahrheit. Wir wollen das hauptsächlichste wiederholen. Nachdenken ist in jedem Falle nöthig, wenn man erwaS lernen, und sich der Wahrheit seiner Erkenntniß versichern will. Nachdenken erfordert deutliche und bestimmte Begriffe. Man muß also vor allen Dingen für die Bestimmtheit und Deutlichkeit der Begriffe sorgen. Dieses geschiehet durch aufmerksame Betrachtung des Gegenstandes, durch genaue Bemerkung seiner Theile und Kennzeichen, durch Vergleichung mit andern gleichartigen Dingen, um die Aehnlichkeit und Verschiedenheit herauszubringen. Da nun Deut- » lichkeit und Bestimmtheit der Begriffe, nebst der Vergleichung derselben , daS erste Erforderniß zum Nachdenken ist, so ist diese Vergleichung auch der Grund alles richtigen Denkens, und man muß sich sehr besteissen, durch Uebung Fertigkeit darinn zu erlangen. L 64. Ferner betrachte man einen Begriff nach alle» z seinen Beziehungen und Verbindungen, damit man ihn 5 * ihn ganz fasse, Z. B. Man kann fich in einem Menschen sehr irren, wenn man bloß auf eine Eigenschaft desselben siehet, als etwa auf seine Gutherzigkeit, und nicht auch auf seine Klugheit. §. 65. Endlich sehe man, ob,der Schluß, den man aus einem Grundsätze gezogen hat, nicht etwa der Erfahrung oder einem andern Schlüsse wiederspreche. Z. B. Die Welt kann nicht ewig seyn, denn sie muß einen Anfang genommen haben. Hätte sie keinen Anfang, so hätte Gott solche nicht geschaffen ; die Welt wäre selbstsiändig; wir hätten keinen Gott. §. 66 . Von der Lesung der Bücher. Äas Lesen der Bücher kann sehr nützlich seyn. Es erfordert aber, daß der Leser Vorsicht dabey beobachte, da es gute und schlechte Bücher giebt. Besonders müssen junge Leute sich merken, daß sie wohl thun, wenn sie über die Wahl derselben den Rath sachverständiger Männer annehmen. §- 67. Es kommt bey Lesung eines Buchs Nicht darauf an, daß man es nur lese, sondern daß man es gut lese. Wer bloß liefet, um nur gelesen zu hüben, der lernt gar nichts. Wer mit Nachdenken liefet, so daß er alles wohl begreift, was der Verfasser hat sagen wollen, der hat den Vortheil von seinem Lesen, daß er sich im Nachdenken übt, sei. nen Verstand bildet, manche Begriffe bekommt, und die Begriffe, die er von der Sache schon hatte, beleuchtet. D s §• 68 . § 68 . Wer aber daraus lernen will, der mußwenn er liefet, «. keinen Schritt weiter gehen, ohne das Vorhergehende wohl begriffen und ins Gedächt. niß gefaßt zu haben; und um diesem zu Hilft zu kommen, ist es sehr gut, wenn man die vornehmsten Stellen, Satze oder Erklärungen sich ausschreibt, wer schreibt, liefet zwrymal; sagt das Spruch« Wort. 2. Um das Ganze zu behalten, muß man mehr- mal dasselbe überlesen , und den Plan zu fassen suchen. Die Ordnung und der Zusammenhang der Begriffe , heißt der Plan. Dieß ist eine andere Art von Auszügen. Z. B. Wenn ich einen Auszug aus diesen praktischen Anfangsgründen machen wollte, würde ich es ohngefthr so anfangen. 1. Die Wahrheit ist zu unserm Wohle nothwen« dig; der Irrthum ist schädlich. Folglich muß man erstere suchen, und letsiern aufs möglichste vermeiden. 2. Man muß also wissen, wie man Wahrheit erlangen und Irrthum vermeiden kann ; folglich muß man die Quellen beider kennen. z. Die Quellen der Wahrheit sind: a. Die Sinne, sowohl die äusser« als die innern. Die dadurch erlangte nachdrückliche Erkenntniß heißt Erfahrung. b. Das Nachdenken, welches Beobachtung, Urtheil und Schluß begreift. c. Die Mittheilung, welche uns Andere von ihren Kenntnissen gewähren; wozu Unterricht, l'ehre. Nach, Bücher, «. s. w. gehören. Nach I Räch einem solchen Auszuge kann man das Ganze leichter übersehen. Sehr gut ist es, von dem Erlernten mit einem Freunde zu sprechen , seine Einwürfe anzuhören, und zusehen, ob man sie nicht beantworten könne. i Eine solche Bearbeitung einer Wissenschaft ist, was man Studjren nennt. Die Geographie oder Erdbeschreibung. ©ic Geographie ist eine Beschreibung der Erde, die wir bewohnen. Ein sehr wichtiges und nothwendiges Hilfsmittel hiezu find die Landcharten, welche Grundrisse sind, entweder von der ganzen Oberstäche der Erde, oder einem und dem andern Theile derselben. Die Geographie wird eingetheilt i. In die mathematische, welche die Gestalt und Grösse der Erde, und die daher rührenden Erscheinungen lehret. 2. In die physikalische, welche von den natürli- t chen Merkwürdigkeiten unsers Erdbodens handelt. Z. In die politische, welche uns die Verfassung per bekannten Länder und Staaten und ihrer Einwohner bekannt macht. Die Gestalt der Erde ist beynahe rund; sie wäre es ganz, wenn sie nicht in Norden und Süden etwas eingedrückt und in der Mitte etwas erhaben wäre. Allerwegen hat sie in ihrem Umkreise 54»». « deutsche Meilen. Die 54 Die Cirkel, von weichen jedem, der die Geographie erlernen will, nothwendig etwas gesagt werden muß, sind: i. Der Aequator, oder die Linie, die die Erde in zwey gleich grosse Theile, nämlich in den nördlichen und südlichen, eintheilet. 2. Der Wendezirkel des Krebses, und der wcndezirkel des Steinbocks. ;. Der polarzirkes gegen Mitternacht, und der Polarztrkel gegen Mittag. 4. Der Nordpol und der Südpol. Steht die Sonne über der Linie, so macht sie uns Tag und Nacht gleich. Kömmt sie zu dem Wendezirkel des Krebses, so bringt sie uns den längsten Tag; in dem des Steinbocks dagegen den kürzesten. Leuten, die in den Gegenden des Polarzir, zirkels gegen Mitternacht wohnen , geht die Sonne am längsten Tage nicht unter ; am kürzesten dagegen nicht auf. Den Leuten, die in den Gegenden des Polarzirkelö gegen Mittag wohnen, geht die Sonne an unserm kürzesten Tage nicht unter ; aber an unserm längsten auch nicht auf. Ganz in Norden und in Süden ist es ein halbes Jahr in einem fort Tag, und ein halbes Jahr in einem fort Nacht. Hieran fehlt es niemals, denn so hat es die göttliche Weisheit veranstaltet. Will Jemand durch Hilfe der Landcharten den Erdboden kennen lernen, so muß er sie so vor sich hinlegen, daß er zur Rechten auf der Charte Morgen, und zur Linken Abend hat. Ist es möglich, so muß die Charte so liegen , daß man auch am Himmel zur Rechten Morgen, zur Linken Abend, am Rücken Mittag, und vor sich Mitternacht hat. Der Erdboden, den wir bewohnen, wird in Land und Wasser eingetheilt. Was auf den Landcharten weiß ist , bedeutet Wasser, was dagegen illuminirr oder bemahlt ist, bedeutet Land, Die 55 Die Haupttheile des Erdbodens sind, wie ihr schon wisset: i. Europa. 2. 2 lsia. 3. Afrika. 4.. Amerika. 5. Australien oder Südindien. Dievornehmftcn Meere sind: i. Das atlan. tische. 2. Das äthiopische. Das indianische. 4. Das EiSmeer, und 5. Das stille Meer. Zwischen Europa, Asia und Afrika liegt das, für die europäische Handlung so wichtige, mittelländische Meer. Eigentlich ist nur ein Meer, aber es bekömmt verschiedene Namen, nachdem es an Länder stößt. Die besondern Meere will ich euch bekannt machen, wenn wir von den Ländern handeln werden, die sie berühren. Nun muß ich euch auch noch einige Wörter erklären , die in der Geographie oft vorkommen. Es sind folgende: 1. Jirsul, ein Land, das ganz mit Wasser umgeben ist. 2. Halbinsul, stößt nur aufeiner Seite an Land. 3. Vestes Land, gränzt an mehrern Seiten an Land, oder ist überall von andern Ländern umgeben. 4. Meerbusen, ein Arm des Meers, der tief in das Land hinein geht. 5. Bay , eine Krümmung, die das Meer in ein Land macht. 6. Meerenge, ein schmaler Strich Wassers, zwischen zweyen Ländern. ^ 7 - Isthmus oder Landenge, ein schmaler Strich Landes, zwischen zweyen Wassern. 8. Rlippen, gefährliche Oerter im Meere, an denen die Schiffe scheitern können. 9. Sand- 66 39 .4 y. Sandbänke, auf denen die Schiffe sitzen bleiben können. 10. Archipelagus, eine MeereSgegend, inder «ine Menge Jnfuln liegen. 11. Hafen , ein Ort, wo die Schiffe einlaufen« vnd vor dem Sturme sicher seyn können. 12. Vorgebürg, eine schmale Strecke Landes, die immer spitziger zuläuft, und weit in das Meer hinein geht. So viele Menschen auf dem Erdboden leben, so könnten doch noch weit mehrere darauf leben, allein vielerley Ursachen verhindern das. Der Farbe, Gestalt und Grösse nach sind die Menschen eben so sehe verschieden, als in ihrer Religion, Sitten und Lebensart. Die mehresten Europäer sind weiß. Die Mohren und Neger schwarz. Die Ostindier / Perser (südliche nämlich ) olivcnfarbig. Die Tartaren undSineser braungelb. Die in den Polar« tändern gelbbraun , und gewöhnlich ungestaltet. Die Amerikaner rvthbraun. Das bewohnte Land wird in verschiedene Reiche, Staaten und Herrschaften eingetheilt, die alle ihrr eigen« Benennung haben. Von Europa. 2 )ieser Weltthcil, in dem wir wohnen, gränzt gegen Mitternacht an das Eis - vdxr Nordmeer, gegen Morgen an Asia, gegen Mittag an das mittelländische, «nd gr-en Abend an das atlantische Meer. ZU In Europa sind Kayserthümer, Kön'greiche, Erzherzogthümer, Großherzogthümer, Herzogthümer, Markgrafschaften, Landgrafschaften, Fürstenthümer, fteye Republiken, Grafschaften, Herrschaften. Rayserrhümer sind drey. i. DaS römische oder deutsche. 2. Ein Theil des russischen 3. Ein Theil des türkischen Kayscrthums. Rönigreiche sind: 1. Portugall. 2. Spanien, z. Frankreich. 4. England , Schott t und Jrrland, oder Großbrittannien und Jrrland. 5. Neapvlis und Sicilien; ihr König wird der König beider Sicilien genennet. 6. Sardinien. 7. Preussen. 8. Pohlen. 9. Ungarn oder Hungarn. i«. Böhmen, n. Dänemark und Norwegen, und 12 Schweden. Der römische König ist die-enige wichtige Person , die das Recht zur Kayserwürde hat. Die Herren, die das Recht haben, einen römischen Kayftr zu erwählen , sind die Chur - oder Wahlfürsten. Diese sind der Churfürst von Maynz, der von Trier, der von Cölln. Diese sind geistliche Fürsten. Dann die Churfürsten von Bayern, von Sachsen , von Brandenburg , von Pfalz , von Braunschweig- Hanover. Zu diesen Herren gehört besonders der römische König, wenn einer erwählt ist, der dann gewöhnlich Kayser wird. Ein Erzherzogthum ist Oesterreich. EinGroß- herzogthum Florenz oder Toscana in Italien. Eine Landgrafschaft ist Hessen. Markgrafschaften Brandenburg rc. Der Kirchenstaat in Italien ist deS PabsteS Gebiet. Fürstenthümer und Herzogthümer giebt es viele. Grafschaften und Baronien oder freye Herrschaften eine Meng«. Die berühmtesten Republiken sind: Die Schweiz. 2. Holland, oder die vereinigten Niederlande. z. Venedig. 4. Genua. 5. Lukka. 6. S«. Marino. 7. Raznsa unter türkischem Schutze. Ein 58 Ein sehr herrliches Land, das auch zu Europa gerechnet wird, ist die Crimur. Künste und Wissenschaften, die von den Europäern sehr geliebet und getrieben werden, haben diesen kleinsten Welttheil, der in Ansehung der andern ge- gen Mitternacht liegt, so sehr erhoben, daß er sich die andern Welttheiie grossentheils unterwürfig gemacht hat; und was in den andern Gutes, Herrliches und Köstliches ist , holen sich die Europäer durch die Handlung oder die Schissfahrt herbey. Weil die Europäer viel aus dem mittelländischen in das atlantische Meer, und umgekehrt, schiffen, so wird die Meerenge von Gibraltar, die sie Ai passiren haben, schlechtweg die Strasse genannt. Von Helverien oder der Schweiz. Aclvetien oder die Schweiz , eine freye Republik, gränzt gegen Mittag au Italien, gegen Abend an Frankreich, gegen Morgen und Mitternacht an Deutschland. Sie hat in der Länge, oder von Osteft nach Westen 36, in der Breite 22 1 23 deutsche Meilen. Die merkwürdigsten Seee sind : r. Der Bodensee, heißt oben auch der Bregenzer-und unten der Unter - oder Zeliersee. 2. Der Genfersee. Diese beiden Seee sind beinahe gleich groß, und haben viele Fische. 3. Der vier Waldstadrer - 4. Der Zürcher - 5. Der Neuchateller - 6. Der Murter- 7. Der Dielersee, in welchem eine angenehme und sehr fruchtbare Jnsul ist. Es giebt in diesem Lande, das sehr hoch liegt, noch viele kleine Seee, selbst auch auf den hohen Bergen solche, die sehr tief sind, klares Wasser und gute Fische haben. 59 Die vornehmste» Flüsse sind: i. Der Rhein; er entspringt im Bündtnertand, undhacdrey Quellen, der vordere, mittlere und Hintere Rhein genannt; bald fließt er gegen Osten, bald gegen Norden. 2. Die Rhone, entspringt oben im Wallisertand, und fließt gegen Westen. Minder beträchtliche sind 3. die Aar und 4. die Reuß. Zur Sckweiz gehören: I. Die 1? Cantone. Diese sind: 1. Zürich, 2. Dem, Lucern, 4. Uri, 5. Schweiz, 6. Unterwalden, 7. Zug, 8. Glarus, y. Basel, 10, Freyburg, ir. Solothurn, 12. Schaf- hausen, und i z. Appenzell. Von denen sind 4 Can- tone reformirter Religion, nämlich: Zürich, Bern, Basel und Schafhausen. 7 Cantone katholischer Religion, als: Lucern, Uri, Schweiz, Untermal» den, Zug, Freyburg und Solothurn. 2 Cantone vermischter Religion, als: Glarus und Appenzell. Im Canron Appenzell wohnen die Katholischen in Jnn - und die Reformirten in Ausser - Roden; erstere haben 6 , leztere 19 Gemeinen. II. Die Bundsgenossen sind: r. Der Abt von St. Gallen. 2. Die Stadt St. Gallen. Diese beide haben Sitz und Stimme auf der Tagfatzung. z. Das Bündtnerland; eS wird eingetheilt in den oberen oder grauen Bund, in den Bund des Hauses Gottes und in den 10 Gerichtenbund. 4. Das Walliserland. 5. Die Stadt Müllhausen. 6. Die Stadt Viel. 7. Die Stadt Genf. 8. Das Für- flenthum Neuburg oder Neuchatel. Die merkwürdigsten Orte in der Cydgnvßfchaft sind: r. In dem Cankon Zürich: Fürich, an dem Zürcherseee, ein grosser Orr, und des Alterthums wegen berühmt; Handlung und Manufakturen stehen hier in grossem Flore. Lyburg, eine ehemals berühmte Grafschaft, in der Höhe liegend. Lglisau, Grüningen, Aegensperg, kleine aber nahrhafte Städtlein. 6o Städtlein. Der Canton Zürich wird daS Vorort genannt; er führt auf den Tagsatzungen das Diree- tovium oder den Vorsitz. Er ist auch der ausschrei- bende Canton. 2. In dem Canton Bern : Bern, eine schöne Stadt, in der man vast allenthalben unter Schwibbögen gehen kann, hat größkentheils sehr reiche Einwohner, und wird von der sie umfiiessenden Aar zur Halbinsul gemacht. Habspurg,das Stammhaus der Erzherzoge von Oesterreich. Burgdorf, Arburg, Arberg, Thun am Thunersee, VAdau am Bielerseee, Laupen. Die 4 freyen Städte in dem deutschen Gebiete sind: Aarau, Zoffingen, Lenzburg und Brugg. In dem welschen Gebiete sind: Lausanne, auf Hügeln gebaut, wo sich viele Gelehrte und Fremde aufhalten. Das sehr angenehme Vevay, Morgeo,Roll, Neuß am Genferseee, Aubonne, Moüdon, payerne, wiflispurg oder Avanche, dem man an den Ruderibus ansehen kann, was es in den alten Zeiten für ein sehr grosser und bedeutender Ort gewesen, hieß zu der Römer Zeiten Aventicum. Zverdun, unten a»y Neuchatellerseee. Dieser Canton ist der größte. z. In dem Canton kucern: Lucern, am vier Waldstadterseee, wo die Reuß ausfließr, hat schöne Genialde auf ihren dreyen bedeckten Brücken über die Reuß. Hier residirt der pabstliche Nuntius. Der Strich Landes Lutlibuch wird von tapfern Leuten bewohnt. Sempach, ein Städtlein, merkwürdig, weil hier die Schweizer einen herrlichen Sieg über die Oesterreicher r;86. erfochten haben. Hier haben sich Arnold von Winkelried und Anton von Port unsterblich gemacht. 4 ■ Im Canton Uri ist Altdorf, ein grosser Flecken. Hier hatte der harte Geßler gewohnt, und Hier ist der Ort zü sehen/ wo Wiühelm Tell seinem Sohne Gohne den Apfel vom Haupte schiesseN mußte. In diesem Canton ist die Teuselsbrücke und der Gott- hardsberg. Z. Im Canton Schweiz ist der schöne und ansehnliche Flecken Schweiz; T^üsnach, ein Flecken, wo der tapfere Willhelm Teil hat sollen gefangen gesetzt werden. Brunnen , ein merkwürdiges Dorf, denn hier ist der erste Schweizer-Bund i;iz. geschworen worden. Einsiedeln, ein Kloster Dene- diktinerordens, das von Pilgrimen häufig besucht wird. 6. In dem Canton Unterwalden sind: Stanz und Sarnen , beide schöne und ansehnliche Flecken. Saxelen, ein Dorf, wo das Grad des ehrwürdige» Niklaus von der Flüe zu sehen ist; noch blühet sein Geschlecht im Segen, wovon in unsern Tagen die Rhein- thaler Zeugen seyn können. Uri, Schweiz und Unterwalden waren die drey ersten Cantone die sich mit einander schon i;rZ. öffentlich verbündet haben. 7. In dem Canton Zug ist: Zug,amZuger- s»ee; Morgarten, merkwürdig, weil hier die Schweizer i;iZ. die Oesterreicher geschlagen, und einen herrlichen Sieg davon getragen haben. 8. Im Canton Giarus ist: Glarus,der Haup flecken; Näfels, wo die Glarner nach sehr hartem Widerstände über die Oesterreicher r;88. mit unglaub- licher Tapferkeit gesieget haben. Diese 8. Cantone werden von den Schweizern die 8. alten Orte genennet. 9. Im Canton Basel ist: Basel, eine grosse Stadt, durch welche der Rhein fließt, hat eine Universität ; auch ist hier eine Kirchenversammlung gehalten 6i -M halten worden. Zunächst an Basel, bey St. Jacob, haben die Franzosen in einer sehr ernsthaften Schlacht der Schweizer Tapferkeit schätzen gelernet, bey welcher Gelegenheit der damalige Dauphin keine dergleichen Siege mehr gewünschec hat. Augusts Rauraco- rum , heut zu Tage Äugst, war zu der Römek Zeiten berühmt. 10. Im Canton Freyburg ist: Frcyburg, an dem Sanenflusse, eine schone Stadt; Montenach, eine kleine Stadt mit einem noch jetzt bewohnten Schlosse. i r. In dem Canton Solothurn ist: Solothurn, eine der ältesten Städte, besestiget und sehenöwürdig. Ölten, ein Slädtlein mit einer wichtigen Brücke über die Aar. 12. In dem Canton Schafhausen ist : Schafhausen, eine schöne Stadt am Rheine, die viel Hand. lung treibt. In der Stadt ist die auf einem Hügel «iltväterisch gebaute VestunZ der Munoth genannt, von den Schafhausern gemeiniglich der Nnnoth ge- heissett. Nicht weit von dieser Stadt ist der merkwürdige Rheinfall, der gewiß jedermanns Bewunderung und Betrachtung verdient. Neukirch, «in Städtlein. 13. In dem Canton Appenzell ist: Appenzell, der Haupcort in Jnnrvden ; Herifau, der Hauptflecken in Ausserroden hinter der Gitter, und Trogen, der Hauptort vor der Gitter. Die Landsgemeind wird zu Hundwcil und Trogen Wechselsweise gehalten. Die Bundsgenossen der Eydgnvßfchaft find: t. Dch Fürstliche Abtey St. Gallen. Sie hat ein schönes Kloster, Beneöiktinerordens, innert den Mauern der Stadt St. Gallen gelegen, welches die Residenz des gefürsteten Abtes ist. In seinem Gebiete ti.. T 6z Gebiete liegen Wyl; Rorschach, ein schöner Marktflecken , am Bodenseee gelegen. Deur Abte gehöret auch die erkaufte Grafschaft Toggenburg, die aber ihre eigenen Rechte und Freyheiten hat, darinn ist der wichtigste Ort das Städtlein Licch- tensteig. Die Schirmorte der gefürsteken Abtey sind: Zürich, Lucern, Schweiz und Glarus. Die herrschende Religion ist die rvmischcatholische. 2. Die Stadt St. Gallen. Sie ist ein ziemlich beträchtlicher Ort, in dem sehr viel Handlung getrieben wird , welche die Hauptquelle der Nahrung der Bürger und Bewohner dieses Ortes ist, da es ohne Land ist. Sie ist ganz frey und unabhängig, und ernährt sich wohl. Sehr gutthätig sind viele vermögliche Bürger gegen Arme und Kranke und Waysen; und mit vielen nützlichen Stiftungen ist diese Stadt durch die klugen Anstalten ihrer wackern Vorfahren versehen, für die sich die ganze Stadt lebhaft interessirt. Sie ist der reformircen Religion zugethan , und hat zu Schirmorten die löblichen Cantvne: Zürich, Bern, Lucern, Schweiz, Zug und Glarus. 3. Das Bündtnerland, darin« ist in dem grauen Bunde, Jlan;, an dem Rheine, der wichtigste Ort. In dem Gvltshausbunde die Stadt Lhur. In dem Zehengerichtenbunde: Davos, ein schöner Flecken. Die Schirmcantone des obern, und Gottshausbundes sind: Zürich , Lucern , Uri, Schweiz, Unterwalden, Zug und Glarus. 4. Das walliserland, ein wohl bevölkertes That, durch welches die Rhone fliestet, hat Sitten, eine ordentliche Stadt, die die Residenz des Bischofs ist. 8 t. Mauritz, eine kleine Stadt an der Rhone. Das berühmte Leukerbad. Dieses Land ist seiner Religion nach mit den sieben katholischen löblichen 'Canivnen verbündet. 5. Die 64 5- Die Stadt Müllhausen, in dem Sundgau an dem Illfluß gelegen, ist ein Ort, wo viel Handlung getrieben wird, und der viele Fabriken hat ; sie steht mit der ganzen Eydgnoßschaft in einem ewigen Bunde, und ist der reformirlen Religion zugethan. 6. Die Stadt Viel, eine schöne Stadt , die beträchtlichen Lederhandel treibt, ist reformirt , und steht im Bündniß mit Bern , Freyburg und Solo- thurn. Sie hat Sitz auf der Tagsatzung aber keine Stimme. 7. Die Stadt Genf, reformirt, und mit Zürich und Bern verbündet. 8. Das schöne Fürstenthum Neuchatel, darinnen ist Neuchatel, an dem Seee gleichen Namens gelegen , ist eine nahrhafte Stadt. Valangin, eine Grafschaft nahe dabey. Dieses Land gehört dem Könige in Preussen; indessen steht es mit Bern in einem ewigen Bürgerrechte, welcher löbl. Cantou es auch bey seinen Rechten schützet und schirmet. Es ist reformirt. > y. Gersau, ein Flecken am vier Waldstädter» seee, calholisch, ist verbündet mit Lucern, Urt, Schweiz und Unterwalden. 70. Winterthur, eine Stadt im Canton Zürich gelegen, geniesset dieses löbl. Cantons Beschirmung, und wird von demselben bey seinen habenden eigenen Rechten geschähet. Dieser Ort ist sehr industriös, und führt in Kriegszeiten fein eigenes Panner. III. Der Eydsgenosien Unterthanen sind: i. Die Grafschaft Baden, darinnen ist Baden, seines warmen Bades wegen sehr berühmt, und bekannt, weil hier die Tagsatzungen gehalten werde», wenn «=*==*» 65 »tun stenide Gesandte Vortrüge zu machen haben. Zurzach, ein Flecken, in dem alle Jahre zweymal Messen gehalten werden. Rayserstuhl, ein kleines Städtlein. Die Beherrscher dieser Grafschaft sind Zürich und Bern, diese haben sieben Theile an der Regierung, und Glarus, dem gehört der 8te Theil daran. Sie ist katholisch. 2. Die freyen Aemter; darin» sind: Brenn garten, ein kleines Städtlein, des Sieges wegen aber wichtig, welchen sich 1712. der Canton Bern hier erfochten hat. Dilmergen; auch hier erlitten die 5 alten katholischen Orte von dem Canton Bern eine blutige Niederlage 1-712. Mellingen, ein starr krr Paß. Die freyen Aemter wetDen eingetheilt in die obern, diese werden von den 8 alten Orten beherrschet, und in die untern, diese werden, wie die Grafschaft Baden regiert. Sie sind katholisch. Die Landgrafschaft Thurgäü, Unterthan den 8 alten Orten, und vermischter Religion, hat Frauenfeld, eine Stadt an der Murk, in der diL ordentlichen Tagsatzungen gehalten werden ; diese Stadt hat schöne Freyheiten. Bischofszell, an der Sitter. Arbon, am Bodenseee, war zu der Römer Zeiten groß. Beide gehören dem Bischöfe von Mör- spurg. Gtekboren, am Zeller - oder Unterseee. Diessenhofen, ein Städtlein, das eigene Freyheiten hat. 4. Das Rheinthal, ein schmaler aber schöner Strich meistens guten WeinlaNdeS, darinn die Rett. gion untermengt ist. ES wird von den 8 alten Orten und dem Canton Appenzell beherrschet; hat in dem obern Theile das Städtlein Altstädten, in dem untern aber ist das schöne Städtlein Rheineck, welches der Sitz des jeweiligen Lanbvvgteö ist. E 5. Die Die Grafschaft Sargans, hat die Stadk- iein: Hargans und wattenftadt, a» d?m Geer gleichen Namens. Aagay, ein Flecken, und pfäfcrs, ein weitberühmtes Bad. Diese katholische Grafschaft steht unter der Regierung der 8 allen Orte. 6. In Gaster oder Gastal, welches katholisch ist, und von den löbl. Canronc» Schweiz nnd Glarns beherrschet wird, sind die beiden nahrhaften Stadt- lein Uznach und Wesen. 7. Die Grafschaft Werdenberg, steht unter den reformirten Glarnern. 8. Die Herrschaft Sax, ist dem 1561 . Cankv» Zürich Unterthan. 9. Gams, steht unter der Regierung des löbl. Eantons Schweiz. 10. Murlen, an dein Seee gleichen Namens, ein sehr wichtiges Stadtlein, weil, wie ein Beinhaus ausser demselben zeuget, in den dasigen Gegenden der berühmte Herzog von Burgund , Karl der Kühne, von den Schweizern gänzlich ist geschlagen worden. Diese Landvogtey, mit den folgenden dreyen steht unter der Regierung der löbl. Cantone, Bern und Freyburg. Alle vier sind re- formirr. 11. Gransee, Stadt und Schloß, liefert ein grauenvolles Andenken von einer schrecklichen Untreue, die obiger burgündische Herzog an 500. Schweizern, die sich ihm ergaben, verübet hatte. Nicht ferne von hier haben die Schweizer das erstemal übe» ihn ge« sieget, und in dem von ihm schnell verlassenen Lager «ine grössere Beute erlanget, als ihnen bajd für di« selbige Zeit gut war. rs, Hand-> |W J 6, 6. Handlung wird in diesem Lande Siel getrieben, mit Seide, z. D. in Zürich; bei uns in St. Gallen mit Leinwand, Barchent, Mousselines, Flor; mit Butter, KäS, Kräutern, Hornvieh. — Die handelnden Städte und Gegenden sind: Zürich, Basel, Schafhausen , Appenzell, St. Gallen, Genf, Neuchatel. — Eingeführt wird: Getrende, Wolle, Baumwolle, Seide, u. s. w. zu den nöthigen Ma- pllfacturen, wie auch Mcmrialwaaren. 7. Die Regierungöart ist verschieden. In einigen wenigen Orten ist sie monarchisch, in einigen aristokratisch, in andern aristecratischbemocratisch, in andern democratisch. 8. Die herrschende Religion ist in einigen Gegenden die reformirte, in andern die römischkathvli- sthe, hie und da ist sie vermischt. y. Die Schweiz ist in denl westphälischen Friedensschlüsse 1648. für eine, von dem Kayser und den» Reiche ganz unabhängige, freye Republik tu kläret worden, 10. Der Rriegsetat hat seine eigene Einrichtung. Alle müssen für daS Ganze, und jeder Ort auch für sich selbst sorgen. Im Nothfalle ist jeder Schweizer schuldig, Leib und Leben für sein Vaterland aufzuopfern. Italien. G-g.n Mittag reisen wir von der Schweiz aus über die Alpen nach Italien. Durch die Alpen wirb es von der Schweiz und Deutschland, durch das adria- tische Meer von Dalmatien und Griechenland, und durch da< mittelländische vo« Afrika abgesondert. Et bestehe 7 » !ss.r-, * besteht aus vestem Lande und Insuln. Die Breite des Landes steigt von unten an von 5 bis auf 90, die Länge aber ist gegen 20a deutsche Meilen. Es wird in den obern, mittlern und untern Theil abgetheilt- I. Der obere Theil oder die sogenannte Lonu- bardie enthalt: x. Die Staaten des Königs von Sardinien, dazu gehört: a) Das Herzogthum Gavoycu: Chambery, der Berg Cenis und Montblanc, b) Das Fürsten- thum piemont: Turin, Nizza, Alessandria, die Thäler der Waldcnser. e ) Das Herzogthum WionU ferrat: Casal; ein Theil des Herzogthums Mayland: Navarra. 2.) Die Staaten des Hauses Oesterreich, begreifen: a) Einen Theil des Herzogthums Mayland: Mayland, Mvnza, Cvmo, Pavia, Cremona. b) Das Herzogthum Manrua: Mantua. z.DieHerzogthümer Parma, piacenza, Guaftalla: Parma. 4. Die Herzogthümer Modena , LIArandola, Tlavarella, Larrara und Masta, die unter dem Herzoge von Moden« stehen: Modena, Reggio. 5. Die Fürsten/ thümer Monaco, Masserauo, Caftiglione und Salverino, deren jedes einen eignen Herrn hat. 6. Die Republik Venedig: Venedig, Padua, Verona , Brescia/ Bergamo, Viceuza; der größte Theil vou Friaulund Histerreich; ausser Italien der größte Theil Dalmatiens; einige Stücke in Albanien; die Jnsnl Corfu, und Ccfalonia. 7. Die Republik Genua$ Genua, St. Remo. » II. Das mittlere Italien enthält r x. Das Großherzogthum Toscana: Florenz , Sien«, Pisa, Livorno. 2. Den Kirchenstaat: Rom, Loretto , Ravenna, Bologna, Ferrara, Sinigaglia. z. Die Republik Lucca: Lucca. 4. Die Republik St. Marino. III. Der untere Theil von Italien enthält: 1. Das 1 i.Das Königreich Neapel r Neapoli«, Herculanum, den Berg Vesuv, Capua, daS Bisium Benevenko, fo dem Pabste gehört. 2 . Die Infuln: a. BiciUcn, eine sehr fruchtbare Jnsul an der Meerenge Faro di Meft sina, bey welcher Scylla und Charybdiö zu merken, fleht unter dem Könige von Neapel, und hak Palermo, Nessiua , den Berg Aetna. b. Sardinien: Cagliarl. (savoysch) c. Lorsica: Bastia. (ftanzöfisch) L rSTaita , gehört den Johanniterriktern : La Valetta. Von Flüssen sind zu beinerken: Varo, zwischen Picmont und Frankreich; poundLtsch oder Adige , in der Lombardie; 2lrno, im toskanischen; Tiber, im Kirchenstaate. Die Fruchtbarkeit ist, einige Striche ausger nommen, ungemein groß. Die meisten Lander der Lombardie haben einen Ucberfluß an Getreyde. Nebst der Weide, Viehzucht, Fischfang und ansehnlichem Seidenbaue, haben die Länder Italiens herrliche Weine, daS schönste Obst, Orangen fruchte, Rosinen, Feigen, Oel, Seife, Reis, Safran. Neapel zeugt schöne Pferde, und Wolle; Florenz und Kalabrien gebe« Manna; Piemont die schönste Seide; Genua die besten Zitronen; St. Remo das beste Baumöl. Der Fleiß der Einwohner zeigt sich in trefiichen Seidenmanufac- ruren,als : Sammet, Plüsch, Damast, Taffent und andern Seidenarbeiten. Die vornehmsten Handels- siädte sind : Venedig , Genua, Livorno, Turin, May- land, Lucca,Neapolis, Bologna, Ancona, Palermo^ In der Music, Malerei), Bildhauer - und Baukunst, finden sich unter ihnen die größten Meister. Die Sprache ist eineTochter der lateinischen. Die Religion ist die römischcatholische. Die Peterskirche in Rom ist die größte in der Weit, und ein Wunder der neuen Baukunst. Die monarchische und erbliche Regierungsform ist im Königreiche beider Sicilien und in Sardinien,und in denLandrrir die ihre btsondernHerzoge nutz I und Fürsten haben. Auch regiert der Pabst unnm« schränkt. Das Oberhaupt von Venedig ist ein Doge «der Herzog; eben so zu Genua. Dir Lriegesmacht der sämtlichen Fürsten und Staaten Italiens , beläuft sich r« Friedenszeiten nicht viel über 100,000 Mann. «» Frankreich. Frankreich gränzet gegen Osten an Deutschland, Schweiz und Savoyen; gegen Abend an das Aqui« tanische Meer; gegen Mitternacht a» den Kanal la Manche, und die Niederlande; und gegen Süden an das pyreneische Gebirge und mittelländische Meer. Die Gröffe ist von Süden nach Norden über 120, und von Tyesten nach Osten 140 deutsche Meilen. Es wird in 40 Gouvernements eingetheilt, wovon die merkwürdigsten folgende sind: 1. Isls de France: Paris, Versailles, Seift fons. 2, Bretagne: Rennes, Nantes, St. Malv, Brest. 3. Normendie: Carn, Rouen, Havre de Grace. 4. piccardie: Amiens, Boulogne, Ärras, St. Quintin. 5. Champagne: Reims, Troyes, Meaux. 6. Bourgogne: Dijon, Chalon, Auxerre, 7. Lorrame: ( Lotbringen ), Nancy, Barr le Duc. 8. Franche Compte: Besan^o», Dole. y. Dauphine: Grenoble. 10. Provence: » Aix, Arles, Marseille, Toulon. 11. Langucdoc: Toulese - Narbonne, Montpellier, Nismes, Beam eaire. ,2. Guienner Bourdeaux. 1;. Lion; Lion, Clermont. 14. Grleans: Orleans, Tours, Bour« tze«,Rochelle, Angers, Poitiers. 15. Flandern: Alle, oder Ryffel, Chambray, Dünkerken, Valen- cienne. 16. Elsas r Skkaöburg , Dreyfach, Lan, da«, Cvlmük. Dir ?s Die vornehmsten Flüsse sind: i. Die Seine, c. Die Loire. z. Die Garronne, und 4. die Rohne. Mit Getrcyde, Viehzucht, Zischen, Holze, Steinkohlen , Eisen, Kupfer, Marmor, ist das Land hinlänglich versehen. Einen Ueberfluß hat es an Wein, See--und Quelisalz, Obst, Flachs, Hanf, Seide, Kapern, Baumöl, Feigen, Honig, Safran. Kaum ist eine Art der Materialien, welche der Franzvs nicht, zum einträglichsten Nutzen, auf da§ schönste verarl-eiker; daher blühen in diesem Lande Tapeten t Gold t Silberarbeiten , Seiden. Leinen, und Woll« rnanufacturen. Besonders zeichnet sich in den letz- tern die Normandie und Paris aus; in Seiden Lion; in Tuch Louviers und Elbeuf; in Leinenfadri- quen St. Qnintin, Valencienne; in Leinwand Cler. mont, Rouen; Anvergne und Anjoumais liefern Las beste Papier in Europa. Bey zwey Millionen Menschen beschäftigen sich nur mit Seidenarbeit, j. B. Stoffen, Bändern, Strümpfen. Mit den natürlichen Produkten und Manufacturwaaren, als : Wein, gebrannten Wassern, wie auch den Waaren so es aus seinen Colonien erhalt, als: Zu^er, Kaffee, Gold, Elfenbein, Indigo, treibt Frankreich einen grossen Handel. Paris, Lion, Bourdeaux, Mar. feiste, Rouen, Havre de Grace, Montpelier, Bay, vnne sind die größten Handlungoörtcr. DicSprache ist aus der Sprache der alten Gastier, Römer und Franken entstanden. Die Gelehrsamkeit wird durch »8 Universitäten, und noch mehr Akademieen befördert; Paris ist die älteste. In den sschönen Wissenschaften und Künsten, in der Wundarzpeykunst, und und anders Färbeholz. Dagegen Zhaben-sie Mangel an Getreyde und Pferden. Der Ackerbau, Manufakturen, Fabriken und Wissenschaften , wer? den, wie i» SpaMen, verabscheuet; daher der Handel ihnen nicht zum Vortheile gereicht. Die größten Handelsstädte sind: Lissabon , Porto und Setuval. Die Sprache ist von der spanischen wenig verschieben. Die Religion ist die römischkatholische, doch find auch viele heimliche Jnden darin«. Die Regle« rung ist monarchisch. Die Rriegsniacht beläuft sich über 39,000 Mann, und 24 - 30 Linienschiffe. Großbrittannien und Irrland. ü)ieses Reich besteht aus zwey grossen Insuln, davon die grössere die beiden Königreiche England und Schottland, die kleinere das Königreich Irrland enthält. Gegen Osten gränzt England an die Nordsee, gegen Süden ün den sogenannten Kanal - gegen 7? Argen Norden an Schottland, und gegen Westen an das inländische Meer. Die größte Länge von Süden gegen Norden beträgt 7; , die größte Breite eben so viel deutsche Meilen. Großbrittannien begreift in sich A. das König« teich England: 1. England, welches in 40 Shi- ren oder Grafschaften eingetheilt wird, an sich: Lon, von, Plimuih, Bath, Bristol, Portsmuth, Oxford, Hüll, Norwich, Dover, Canterburi, Cambridge , Newcastle; 2. das Fürstenthum waUis, Pembrpk; die Jnsuln, Man,Jersey und Gner« sey. L. DaS Königreich Schottland, Süd < Mittel - und Nordlchottland: Tdimbourgh, Glasgow. Das Königreich Irrland, dessen Unabhängigkeit vom englischen Parlamente seit 1732. j» Stande gekommen ist, wird in 4 Provinzen eingetheilt, und hat zur Hauptstadt Dublin. Um Schottland herum liegest Mehr als *00 Jnsuln; die merkwürdigsten sind die orkadifchen und shettländischen, wo die Holländer in der ersten Nacht nach dem Johannistag» den Hrrittgsfansi anfangen. Die vornehmstett Flüsse sind in England: die Themse, Severne, Trente , oder Humber und Eden. > In Schottland: die Twerde, die Tay, die Farth» In Irrland: Schannan, Narrow, Boyne. England hat einen ungemeinen Ueberfluß an Ge- trrydeartrn, Gartengewächsen, Baumfrüchten, Hopfen, Schaafen, Rindern, Pferden, Mergel > Walker- erde, Steinkohlen, Zinn, Bley, Salz. Der Vortheil der Wolle ist besonders beträchtlich, aus dieser und der spanischen werden die feinsten Tücher, Hüte und Strümpfe verarbeitet. Eben so sind ihre seidenen Zeuge und Uhren wegen ihrer Schönheit, Stärk« und Rrgelmässigkeit bekannt. Die wichtigsten Stahl, fabrike« -8 - 7 ------- fabrikcn in der Welt sind in England. Dagegen hat es an Bau - und Brennholz, Flachs und Hanf Mangel. Die natürlichen Gaben Schottlands sind: Getrcyde, Flachs, Hanf, Steinkohlen, Silber, Gold, Marmor, Kupfer. Der Reichthum Irrlands besteht in verschiedene» starken Fabriken, der Viehzucht, Fleisch, Butter, Haute, Talg, Leinen, Steinkohlen. Ans seinen Rolomen zieht England; Schiffözimmerholz, Tobak, Reis, Zucker, Kaffee, Indigo, Färbeholz, Goldstaub, Nesseltuch, Catchn: Thee, Seide. Den größten Reichthum erhalt es durch die Handlung, welche durch die ganze Welk verbreitet ist. Nach London ist Bristol die vornehmste und reichste Handelsstadt. Die Sprache der Engländer ist aus der alten brittifchen, lateinischen, sächsischen, dänischen, norwegischen, französischen und welschen zusammengeseht. Die herrschende Religion ist die reformirte. Nirgends hat die Gelehrsamkeit mehr Vorschub und grössere Belohnungen als in England. Besonders wird mit vielem Fleisch die Mathematik , Astronomie, Arznei-kunst, Natur- wissenschaft, Dichtkunst und Beredsamkeit getrieben. In der Schisssbanknnst und Gartenkunst haben sie den größten Ruhm. Die Regierung ist demokratischmonarchisch. Die Landmacht ist ansehnlich, und die Seemacht die ansehnlichste in der Welt. Holland oder die Republik der * vereinigten Niederlande. ^ie vereinigten Niederlande heissen so von dem Bunde, in welchen 7 Provinzen getreuen sind, um sich der harten spanischen Herrschaft zu entziehen. Gegen Norden gränzen sie an das Nord - oder deutsche Meer. In der Lange haben sie «her 42 , k i» der Breite gegen »Z drntsche Meilen. Die ---------- 72 Die sieben Provinzen find : r. Selderland: Minrwegen , Zürphen, Arnhem. 2. Holland ; Südholland: Dordrecht, Delft, Leydeu, Amsterdam , Rotterdam, Haag, Niswick; Nordholiand oder Westfrieeland: Harlem, Sardam. - z. Seeland , besteht aus lauter Jnsuln: Middeldurg. 4. Utrecht: Utrecht. 5. Frresland : Leuwarden, Franeker. 6 . Oberysselr Deventer. 7. Gröniw gerland: Gröningen. Unter ihrer BolhmäMkeit stehen die Genera» litätslande. 1. Ein Stuck von Brabant: Herzo» genbusch, Breda , Bergenopzoom ( pfalzbayrisch) Mar stricht. 2. Die Lande über der Maas : Volkenborg. 3. Ein Stück des Oderquartiers Geldern: Veujo. 4- Ein Stück von Flandern. Unter dem Schutze der Republik sieht die Grafschaft Drenthe: Coevarden. Die vornehmsten Flüsse sind der Rhein, die Scheide, die MaaS. Die Süderfee, das harle- mer Meer , der Meerbusen P, woran Amsterdam liegt, und die Fahrwasser Texel und Vlielandt sind als grosse Gewässer merkwürdig. Die natürlichen Produkte des Landes sind: Torf zum Brennen, Wolle, Butter und Käse, weiche letztere in grosser Menge ausgeführt werden. In Seeland wird viel Färberröthe oder Grapp gebauet. Die Wechselbank und viele Fabriken in Amsterdam, als der vornehmsten europäischen Handelsstadt, die Wol'.' und Tuchfabriken in Leiden, die Seidenfabriken und Bleichen bey Harlem, die feinen Leinewebereyen in .Friesland, Dordrecht, Oberyffel, Gröningen, die holländischen Papiere , TobakSpfeiffenfabriken siehe» in dem größten Ruhme und Ansehen. - Der Mangel an Getreyde, Holz, Steinkohlen und andern Nothwendigkeiten, wird durch den reichen Absaß ihrer vorzüglichen Produkte und Manufaktmwaaren ersetzt, so wie sie durch d>s Herings. go 'HiLUC JJ-J» HeringSfischrrey, den Wallfischfang, den eigenthümlichen Handel mit Gewürzen, Kaffee, Zucker, Tobak, Indigo, Reis, aus ihren auswärtigen Kolonien > Schiffahrt und Wechsel, die wichtigsten Reichthümer ins Land bringen. Die Sprache ist eine Mundart der plattdeutschen. Die Wissenschaften werden auf fünf Universitäten gelehrt, unter welchen Leyden die ansehnlichste ist. Von fünften blühen vornehmlich die Maletey, die Küpfersiecherkunst, und die Buch« druckerkunst. Alle christliche Religionen werden, nebst der jüdischen, in Holland geduldet, doch ist die reformierte die herrschende. Die Regierungs- form dieses StaatS ist aristokratisch. Jede der Provinzen macht eine Regierung für sich aus. Ihre gemeinschaftlichen Angelegenheiten werden im Haag durch Deputirte, die matt Generalftaaten nennt, besorgt. Der vornehmste ist der Erbsiatthalter. Die Landmacht belauft sich in Friedenszeiten gegen 40,000 Mann; Die Seemacht auf 40 Linienschiff« und drüber. Dänemark. 3 )ie Gränzen dieses Reichs sind gegen Osten die Ostsee, gegen Süden der Eydersirom, gegen Westen und Norden die Nordsee. Es besteht: i. aus dem Sriftoamte Seeland: Kopenhagen , Helsingör , Eronenburg/Friederichsburg; 2. betn Stifte Lünen, Odensee, und einigen Jnsuln; ?. derHalbinsul Iüt- land. a. Nordjütland: Aalburg, Wiborg, AarhuS und Riepeu. b. Südjütland oder dem Herzogthum Schleswig: Glncksburg, Flensburg, Husum, Gott rorp, Schleswig. Ferner gehören dem Könige von Dänemark: i. Das Königreich Norwegen: Christiania, Friederichshall , Bergen und Drontheim. 2. Einige Jnsuln: Island (Hella). 3. Grönland, über Island. Der -------- ist Der dänische Boden ist größtentheils fruchtbar. Die Ausfuhr besteht in: Getreyde, Pferden, Ochsen, Speck, Butter, Käsen, Heringen, Wachs, Honig, Federn, grober Leinwand und Tüchern. Die Manufakturen sind zahlreich; Handlung und Schiff, fahrt ist ansehnlich. Seit verschiedenen Jahren ist in Kopenhagen ein starker jährlicher Verkauf von vstindischen Waaren f Mousseline u. s. w. wie in London, Amsterdam, LDrient. Metalle hat Dänemark keine; den Holzmangel erseht der Torf. Nor, wegen bekam wider die grosse Kalte, Holz, Schaaf- wolle, Pelzwerk und Wildfedern. Das Land ist größtentheils uneben - steinigt, voller Berge, Moräste und Einöden. Fische, Vieh, Wildpret, Eisen, Kupfer, hat es inr Ueberfluß. Island ist eine ungeheure Kette von Bergen, und beständigen Erd, beben ausgesetzt. In den kürzesten Wintertagen, scheint die Sonne auf der Nordseite kaum eine Stunde. In Grönland ist vom Jnnius bis zum August gar keine Nacht; im Winter aber vast immer Nacht. Der Schnee, die Eisgebirge, das Nordlicht erieuch, tcn diese langen Nächte. Die gewöhnlichen P:-duckte sind: Walisische, Seehunde, Hirsche, weihe Bären, Nennthiere. Die herrschende Religion in Dänemark ist die evangelischlukherische. Die Regierung ist monarchisch. Die Landmacht besteht gegen &«,ooo Mann; die Seemacht aus 40 Linienschiffen. Schweden- Königreich Schweden krümmt sich zwischen Danemark, Norwegen und Rußland, um die Ost, ste, den botanischen und finnischen Meerbusen herum. Länge beträgt 240 und die größte Breite 160 deutsche Meilen. Es besieht aus ; Theilen, nämlich: 1. Dem gothischen Reiche: Gothenburg, F Lund / 82 Lund, Carlscrona. 2. Schweden an sich: Stock« Holm, Drvtningholm, Upsala. z. Nordland. 4. Läpp land. 5. Finnland: Abo , die Insel Aland, In Deutschland besitzt Schweden ein Stück von Vor« pommern, mit der.Insel Rügen, und der Stadt Wismar. Die vornehmsten Landssprodukte sind: Hol;, Flachs, Hans, Toback; von Metallen, etwas wem« ges Silber, besonders aber Eisen und Kupfer. Es hat Seiden, Leinen, Woll« und Segeltuchmanufac« turen, Gewehr - Anker, Glasfabriken. Finnland und Lappland haben die schönsten Perlensischereyen. Die Ausfuhr von diesen Produkten ist ansehnlich, Stockholm und Gothenburg treiben den größten Handel. Die Sprache ist von der dänischen wenig verschieden. Die Religion ist die evangelischluthe? rische. Die Wissenschaften werden auf den Universitäten , Upsal, Abo, Greifswalde rühmlich befördert. Die Regierung ist demokratischmvnarchisch. Die Landmacht besteht in 50,002 Mann; die Seemacht hat über jo Kriegsschiffe. Das Kayserthum Rußland. Äie Gränzen dieses weitläufigen Reichs sind: Gegen Norden das Eismeer; gegen Osten Asien; gegen Süden die kleine Tartarey , und das asowsche Meer, gegen Westen Preussen, Polen, Schweden, die Ostsee. Die vornehmsten Flüsse sind: die Dwina s der Oby, die Lena, .die Wolga, der Don', der Dnicper und die Newa. Der Ladoga ist einer der vornehmsten Seeen. Die Grösse beträgt 300,00° Quadratmeilen; es ist daher eines der größten Reiche in der Welt. Der - - - 83 Der europäische Theil begreift: A. die der Rrone Schweden abgenommenen Provinzen: i. das Herzogthum Liefland und Esthland: Riga, Reval, Rarva. 2. Jngermanland: Kronstadt, Oranienbaum, Petersburg. 3. Das russische ginn. land, welches sonst das wibmgische Gouvernement genannt wurde: Wiburg.. B. Diejenigen Länder, welche von alten Zeiten her zu Rußland gehört haben, als: Großruß- land: Moskau. 2. Aleinrußland: Kiow. Neu- rußland, oder Neuservien. C. Auswärrige Besitzungen: 1. Ein Stück der grossen Tartarey im westlichen und südlichen Theile: Astrakan, Casan; im nördlichen oder in Siberien: Tobolsk; die Jnsul Novazembla im Eismeere, und die Halbinsel Kamtschaka im östlichrn Meere. 2. Weißrußland in Polen, langst dem Diüeper: Smor lenök. Die Fruchtbarkeit ist nach den Provinzen ver« schieden. Die älwsten Manufacturwaaren sind die rothen und schwarzen Zuchten, die nirgends so gut als in Rußland, besonders zu Iaroslaw, Castram sind Pleskow, zubereitet werden. Die Wollen, und Leivenmanufactnren verfertigen nur grobe Tücher und Leinwand. Eine schöne Tapekenmanttfactur hat es zu Petersburg. Sammet-Seiden-Eisen-Stahl« Kupfer - Messing - Gewehrfabriken sind in gutem Stande. In dem grossen Dorfe Pawlaw giebt es sehr geschickte Schlösser. Waaren, die Rußland Ausländern überlasset, sind: Juchten, Flachs, Hanft Leinsaamen, Leinöhl, Seilerarbeit, Segeltuch, Eisen , Wachs, Honig, Pottasche, Salpeter, Theer u> s. w. Dagegen muß es sich feine Tücher und Leinwand, Zitze, Cattune, Wein, Baumöhl, Reis, n. st w. zuführen lassen. --sNe vornehmsten ^an- F 2 delostädte u delsftädte find : Petersburg, Archangel, Riga, Re- val, Narwa, Wiburg, Moskau, Mohilow, Kivw, Cherson. Die Sprache ist eine Tochter der sklavo. Nischen. Die herrschende Religion ist die griechische. Die Wissenschaften und Rünste steigen immer mehr empor. Die Regierung ist monarchisch. Die gesamte Landmacht, regulaire und irregulaire, belauft sich auf 600,000 Mann. Die Seemacht fängt au beträchtlich zu werden. Die europäische Türkey. ^ie Gränzen sind': Gegen Norden das hungarische Kroatien, Hungarn, Siebenbürgen, Polen, Rußland; gegen Osten der Archipelagus; gegen Süden daS mittelländische Meer; und gegen Westen das Adriatische. Die Grösse von Süden gegen Norden wird gegen 210, und die größte Breite gegen 160 deutsche Meilen gerechnet. A. Die eigentlichen Länder der ottomanischen Pforte in Europa sind: 1. Romamen: Constantinopel, Adrianopel. 2. Bulgarien: Silistria, Widdin. 3. Servier»: Semen- Lrien, Belgrad, Passarowiz.' 4. Bosnien. Z. Croa- tien. 6. Dalmatien. 7. Griechenland oder Nu- mili, Mit Salonichi. 8. Die Infuln im Archipelagus, im mittelländischen und ionischen Meere: Creta, Candia. B. Die Länder, die nur unter türkischem Schutze stehen , sind : i. Die Moldau, mit Choczim und Iaffy am Pruth. 2. Die wallachey, mit Bucha- rest. 3. Die Tarkarischen Provinzen: 3.) Bud- ziak, mit Bender. b.) cvczakow. 4. DaS Gebiet des krimmischen ChanS oder Fürsten. 1774. hat sich die Republik Ragufa unter russischen' Schutz begeben. Nach dem ne»»esten Vertrage zwischen der russischen Kaiserin und dem Sultane 1784. bleibt die Ve- sinng fiung Oczakorv mit dem ehemaligen Gebiete unter osmannischer Herrschaft. Der Fluß Luban wird zur Gränze angenommen. Die vornehmsten Flüsse sind: die Donau, Sau,, pruth, Dmcster und Dnieper. Der Boden dieses Reichs ist an Getreyde, Baume undGartenftüchten, Viehzucht und Wein sehr fruchtbar. Die Moldau und wallachey liefert vortreflich gee schwind laufende Pferde, auch eine grosse Art Och« fen; Servien zieht besonders viele Schwein?. Die Waaren, die ausgeführt werden, sind: Schlacht. Vieh, Pferde, Seide, Wolle, Baumwolle, Wachs, Honig, Weine, Zitronen, Pomeranzen u. f. w. Dagegen werden Uhren, Münzen, besonders silberne Thaler, Eisen, Bley, Zinn, Tücher, Stoffe, eingeführt. Tuchfabricken fehlen ganz in der Türkey; dagegen werden desto mehr. seidene, baumwollene und ziegenhaarne Zeuge verarbeitet. Der Handel wird größtentheils von Juden, Armeniern und Griechen getrieben. Die herrschende Religion ist die muha« medanische. Die Regierung ist unumschränkt monarchisch. Die Gelehrsamkeit steht in dem höchst« kläglichsten Zustande. Die ganze Landmacht besteht in 300,000 Mann. Die Seemacht fängt erst au bedeutend zu werden. Ungarn mir den einverleibten Ländern. VÜ?«it 1526. besitzt das Haus Oesterreich dieses Reich. Gegen Westen gräntzt es an Steyermark, Oesterreich, Mähren; gegen Norden an Schlesien, und das Carpathische Gebirge; gegen Osten an Siebenbürgen ; gegen Süden ati Servien und Skla» 86 Sklavoniett. Dir Grösse beträgt von Offen gegen Westen 60 und von Süden gegen Norden 65 deutsche Meilen. Die vornehmsten Flüsse sind : Die Donau, Dran, Theio, Morawa.. A. Das eigentliche Königreich Ungarn enthält: i. Oberungarn, mit der Hauptstadt Preßburg, Kremnitz, Comorra. 2. Niederungarn: Ofen, Tokay. L. Die einverleibten Lander sind: 1. Das ungarische Dalmatien: Zengh. 2. Das ungarische Lroatien: Carlsiadt. Z, Das Königreich Gklavonien und Girmicn: Sirmium, Petcrwar- dein, Carlvwitz, Semlin. 4. Das Grosfürsten- thum Siebenbürgen: Hermansiadt. 5. Die Bukowina, seit 1777, österreichisch: Czernowitz. Dieses Land ist ungemein reich an Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Quecksilber, Getreyde, Taback, Ochsen, vortreflichm Weinen Der Seidenbau hat treflichen Fortgang. . ' Polen. Ein grosses und mächtiges Reich, ungeachtet Rußland, Preussen, und Oesterreich 1772. ganze Fürstenthümer davon abgerissen haben. Gegen Norden gränzt es an Preussen, Liefland und Rußland; gegen Osten an Rußland und die kleine Tartarey; gegen Süden an die Moldau und Ungarn; gegen Westen, an Schlesien, Brandenburg, Pommern. Die größte Ausdehnung von Süden gegen Norden ist 150, von Westen gegen Osten verschieden von 5 bis 140 Meilen. Die vornehmsten Flüsse find: Die Weichsel , die Düna, die Memel, die warta, der Dntester, der Dnieper. ■ 1 1 87 Es wird eingetheilt in Groß - und Rleinpolen. A. Großpolen, welches jetzt kleiner ist, als Klein« polen, wird in 6 . Woiwodschaften eingetheilt, die von den vornehmsten Städten ihre Benennung haden: Hosen, Gnesen, Ralisz, Sirad ;, Lenczyy, Rawa. b. rNasuren, enthalt die Woiwodschaften , Lzersk ynd plock. c. Lujavien, mit den Woiwodschaften Inowroclaw, Brzesc;, Dobrzyn. Hie- her gehören auch die beyden freyen Handelsstädte: Danzig und Thorir. B. Rleinpolen, enthält drey Woiwodschaften: Rrakau , Sandomirs, Lublin. Podlachien oder die Woiwodschaft Bielsk; Roth« ruß land , oder Rothreuffe»: Chelm; podolien: Kaininiek; Braklaw, Volhynieir: Luck. Das Großherzogthum Lithauen besteht : i. Aus dem eigentlichen Lithauen: Wilno, Grodne. 2. Aus dein Herzogthum Schamaiten. Aus dem Lithauischen Rußland, a) Weißrußland, b ) Schwarzrußland , Nowogrodek. c) Podlesien. Rurland und Gemgalen sind polnische Lehen, haben aber ihren eignen Herzog: Goldnigen, Likau , Mietau. Die Fruchtbarkeit des Landes ist sehr groß. Die starke Ausfuhr besteht in Getreyde, Flachs, Hanf 1 Leinsamen, Pferde, Ochsen, Schaafe, Schweine, Wolle, Juchten, Schiff « Bau«Brenn, hol; , Honig, Wachs. Die noch weit stärkere Einfuhr aber in Tüchern, feiner Leinwand, seidenen Zeugen, Eisen, Kupfer und andern Manufaktur, waaren. Die vornehmsten Handelsstädte sind: Danzig , Posen, Warschau und Wilna. Die Sprache ist eine Art der sclavonischen. Die herrschende Religion ist die römischkatholische. Die Regierung ist monarchisch aristokratisch , und wird von einem Könige , ^Senat und dem Adel geführt. 88 Gallizien und Lodomirien. Dieses neue Königreich gehört seit 1772. dem Hause Oesterreich , und hat einen Ueberfluß an Getreyde und Salz ; es besteht aus einem Theile der Woiwodschaften : Krakow, Sandomirz, Lublin; einem Stücke des Landes Chelm; den Woiwod- schasten: Del; und Rothreussen; dem Lande Gallisch, und einigen Stücken der Woiwodschaften Volhpnien und Podolien: Lemberg , Wieliczka, Preussen. 2 )ie Grantzen von Preussen find: Gegen Norden und Osten Schamotten und daS Großherzogthum Lithauen; gegen Süden Polen; gegen Westen, die Ostsee und Pommern. Die größte Länge von Osten nach Westen enthalt 62, und die größte Breite 4? Meilen. Hauptflüsse darin» sind : Die weiche sei, pregel, Memel; das frische und cürische Haf, 2 Meerbusen der Ostsee. Seit i?8r. wird dieses Königreich eingetheilt: 1. In Ostpreusscn: Königsberg, Memel. 2. In Westpreussen: Marienwerder, Oliva. Das Netzland , von der durchlaufenden Netze so genannt: Bromberg. Die Fruchtbarkeit ist ansehnlich ; Es hat Ueberfluß an: Getreyde, Hanf, Honig, Wachs. Die Schäferryrn , Hornvieh-und Pferdezucht find vortrestich. Ausgeführt wird: Getreyde, Flachs, Hanf, Lein--und Hanfsaamen , Wach», Honig, Fichten und Mastbäume, Diehlen , Bretter, Theer, Bernstein. Eingeführt wird: Salz, Wein, Kupfer, Bley, Zinn, seidene Zeuge. Die größten Handels- Handelsstädte sind: Königsberg, Memel/ Elbing, Bromberg , die Danziger Vorstädte. Die Wissenschaften sind in dem blühendesten Zustande. Die Religion ist größtentheils lutherisch; die Regie, rung monarchisch. Die gesammte Macht des Königs belauft sich über 200,000. Mann. Das deutsche Reich, ^)as deutsche Reich, oder auch, das römische Kayser- thum, gränyt an die Ostsee, an Polen ,Ungarn, die Schweitz, Holland und Frankreich, ist 144- Meilen breit und i;2 Meilen lang. Es'bestelMus einigen 100 gemeinen Wesen von verschiedener Grösse, Wichtig, kcit und Würde, welche mit einander in Verbindung stehen, Reichsstände heissen, und ein gemein, fchaftlicheö Oberhaupt haben , welches von den Churfürsten gewählt wird. Diese gemeine Wesen werden in 10. Kreise eingetheilt. Äusser dem sind nach mit Deutschland verbunden. 1. Das Königreich Böhmen. 2. Die Markgrafschaft Mähren. 3. Der südliche Theil von Schlesien und die Grafschaft Glatz, 4. Die Grafschaft Lausitz. 5. Verschiedene Neichsabteyen, Herrschaften und die italienischenNeichs, lehrn. Der Kayser ist das Oberhaupt und regiert das Reich nach gewissen Neichssatzungen und Constitutionen. Zur Besorgung der allgemeinen Angelegenheiten drS deutschen Reichs wird ein Reichstag gehalten. Die Churfürsten, die das Recht haben, den Kayser zu wählen , find drey Geistliche: Main;, Trier und Böln, und fünf Weltliche: der König von Böhmen , der Herzog von Pfalzbayern , der Herzog zu Sachsen , der Markgraf zu Brandenburg, der Herzog von Braunschweig -Lüneburg. Die Landessprache ist die Deutsche. Die vornehmsten Produkte sind: Getreyde, Hülsenfrüchte, Flachs, Hopfen , Toback, Baumfrüchte und Wein. Die römischkatholische, lutherische rmd refvrmirte Religion 9o gion haben in diesem Reiche gleiche Rechte. Deutschlands Manufakturen und Fabriken werden täglich verbessert. Das deutsche Meer , die Ostsee, der venedigcr Düsen, und die schiffbaren Flüsse : die Donau, der Rhein, die Elbe , die Weser, der Mayn , die Oder, und noch viele kleinere, geben ihm unumschränkte Aussichten zu grossen Vortheilen. Die zchen Kreise des deutschen Reichs. A. Der bmgundische Kreis. Ehemals bestund er aus den gesammten Niederlanden , wovon aber Frankreich uud die Nepublick der vereinigten Niederlande den größten Theil abgerissen haben. Den Nest besitzt das Hans Oesterreich. Dazu gehören : r. Der größte Theil des Herzogthums Drabant: Löwen , Brüssel, Antwer- en / Wechsln. 2. Ein Theil des Herzogthums Lim- burg. z. Ein Theil des Herzogthums Luxemburg. 4. Das Herzogthum Gelderland. 5. Die Grafschaft Flandern. 6 . Die Grafschaft Hennegau: Mans. 7. Die Grafschaft Namur. 8. Der westphalische Kreis. 1. ^Die Hvchstister : Münster, (Cölnisch) paderborn, Lüttich, Osnabrück. Die Stifter: Corvey, Stablo und Malmedy, werden, Lor- nelis - Münster , Essen , Thorn und Herford. 2. Churbrandenburg hat das Herzogthum Lleven: Eleven, Wesel, Duisburg, die Grafschaft Mark: die Grafschaft Ravensberg; das Fürstenthum Minden , das Fürstenth. Ostfriesland: Emden, das Fürstenth. Mörs ; die Grafsch. Tccklenburg und Lingcn. Cyur- 3- Chnrpfaltz gehören die Herzogthümer Iülich und Bergen: Düsseldorf. 4. Churbraunschweig hat das Fürstenthum Werden; die Grafschaft Bcntheim; die Grafsch. Spiclberg; die Grafsch. Hallermund. Z. Die fürstlich nassauischen Lande, die in Nassau-Dicy, Nassau-Siegen, Nassau-Dillen- burg und Nassau - Hadamar getheilt sind. 6. Die Grafschaften sind: Die Grafschaft wird , hat 2. Linien: Runckel und Neuwied. Die Grafsch. Sayn; Altenkirch, (Anspach.) Hachcn- burg; die Grafsch. Schauenburg, «Oldenburg und Delmenhorft , Bistcrveld , Alverdlffen, Steinfurrh , Benrheim ; und drey Reichsstädte r Löln, Aachen, Deutmund. e. Der niedersächsische Kreis. $DctjU gehören: 1. Dem Churhause Brandenburg; Das Herzogthum N 7 agdeburg: Magdeburg, Halle, Glancha, Zinna. 2. Dem Churhaufe Vraunschweig - Lüneburg: Das Herzogthum Bremen: Stade ; das Fürsten« thum Lüneburg : Zelle ; das Fürstenth. Gruben- hagen: der Harz, Clausthal; das Fürstenthum Lalenberg: Hannover, Herrenhansen, GLttingen; das Fürstenthum Sachsen«Lauenburg; das Land Haveln. 3. Die Länder des fürstlichen Hauses Braunschweig , darinn sind: Braunschweig, wolfen- vüttel, Helmftädt, Ganderoheim, Bevern. 4. Die Lander der Herzoge von Mecklenburg; Schwerin, Güstrow, Rostock, Strelitz, wis- Y2 mar. 5 * Das Herzogthum Holstein, gehört jetzt Dänemark: Glückstadt, Alton«, Kiel. 6. Das Bisthum Hildesheim. 7. Das Hochstift Lübeck: Cutin. ». Die Reichsstädte dieses Kreises sind: Lübeck, Goßlar, Müh!hausen, Nordhausen, Hamburg und Bremen. D. Der obersächsische Kreis. In diesem findet man die Länder der Churhäuse» Sachsen und Brandenburg; die der Fürsten von Anhalt und Schrvarzburg , der Grafen von Srolberg und Schönburg. I. Lhursachsen besitzt den Lhmkreis: Witte», herg. Das Markgrafthum Meissen : Dresden, Meissen, Pirna, Königstein , Torgau; den Leipzu ger Kreis: Leipzig, Würzen; den lLrzgebirgischen Kreis: Freyberg, Annaberg; den Vogtländischen: Planen; den Neuftädt. Kreis: Neustadt an der Orla, Merseburg, Naumburg und Zeiz. In Thüringen : Gchulpforte, Weissenfels. Das Fürstenth. fürt. Einen Theil der Grafisch. Mannsfeld: Eisleben ; die Grafisch. Barby. II. Die Länder des sürstl. Hauses Sachsen : Das Fürstenth. Sachsen- Weimar; das Fürstenth. Liscnach (Weimar.); das Fürstenth. Loburg, Sachr sen -Hildburghausen: Sachsen-Gotha besitzt die fürstenth. Gotha und Altenburg, an welchem letz» lern noch verschiedene Theil haben. III. Churbrandenburg besitzt: A. Die Lhur» niark: Berlin , Frankfurt an der Oder , Potsdam, Stendal, Prignitz, Perleberg, Havelberg, Prenz- lau , u. s. w. Die Grafisch, wcrnigerode, die Herrschaft Derenburg; der Grosburger Hall in Schlesien. 8. Die Neumark: Küstrin, Zorn- dorf , Züllichau. ---------- 93 IV. Das Herzogthum Pommern, weiches in Bor - und Hinterpommern eingetheilt wird. In jenem sind: Stralsund , die Jnsul und das Fürsten, thum Rügen, die Halbinsel wittau und die kleinen Jnsuin. (schwedisch.) In diesem Stettin, das nebst ganz Hinterpommern dem Könige von Preussen g« hört: Storgen, Kvlberg. V. Das Haus Anhalt besitzt: das Fürstenth. Llnhalr, ( welches 4. Linien hat ), Dessau , Bern, bürg, Zcrbst , Köchen. VI. Die Fürsten von Schwarzburg: Arnstadt, Sandershausen; Rudolstadt, Frankenhausen. VII. Die Grafen von Arusscn haben einen Theil des Vogtlandes : Greiz, Gera, Schlei;, Ebersdorf, Lobenstein (Linien). VIII. Die Grafen von Stolberg und werni- gerode. IX. Die Güter der Grafen von Schönburg. L. Der oberrheinifche Kreis. ^a;u gehören: 1. die Hochstifter worms, Spcycr: Bruchfal, Philippsburg; Fulda. - 2. Die Hochstifter Straßburg und Basel. 3. Das Iohanniter-Metz sterchum Heidersheim im Breisgau; die Abtey Brün (Churtrier.); die Reichsabtey Odenheim zu Bruchfal. 4. Die Churpfalzisch. Fürstenth. Sim- mern Läutern, Beiden;; das Fürstenth. Zwey- brücken. Die Landgrafsch. Hessen: Cassel, Weist senstein, Rothenburg; das Fürstenth. Hersfeld: Philipsthal; die Niedergrafsch. Batzenellenbogen. Der heffendarmstadtsch. Antheil: Giessen, Hamburg; die obere Gr. Ratzenellenbogen: Darmstadt, nebst verschiedenen andern Grafschaften mehr. 5. Die Reichsstädte dieses Kreises sind: worms, Spcycr/ Frankfurt am Mayn, Friedberg und wcnlar. - r. Des 94 F. Der nieder - oder churrheinische Kreis. . . Dieser enthält: i. Das Churfürstcnthum Nayn; r May »;, Aschaffenburg ; die Stadt Erfurt ; das Eichofeld.: Heiligenstadr. 2. Das Erzstift Trier: Trier, Coblenz, Ehrenbreitffein. Z. Das Erzstift e§ Ehurhaufes Bayern, nemlich: Oberbayern: München , Nymphenburg, Schleisheim; Mieder- bayern : Landshur, Straubingen; die Oberpfal;: Amderg; die Zürsienthümer ifteuburg und Sulz: dach; einige Graf- üud Herrschaften, und die Reichst stadt Regensburg. K. Der schwäbische Kreis« Au diesem gehören: I. Die geistlichen Fürsten und Stifter: 2 lugsburg, Dillingen, Ellwangcn, Conftan; , Mörsbueg, Rempten. II. Die weltlichen Fürsteu und Stifter: das Herzvgth. Würtem« berg: Stutgard, Lndwigsburg, Tübingen. Die Mar-k- grafschaft Baden: Carlsruhe, Duriack, Pforzheim , Rastadk, Baden, Kehl. Die fürstl. HohenzollerischeU Lande: Hechingen, Sigmaringen; d-e gcfurlietenAbtey; enLindau, Oettingen, Spielberg. III. Verschiedene unmittelbare Reichsprälateu, z. B. Weingarten j Petershausen. IV. Reichsstädte: Augsburg, Ulm , Eslingen, Reutlingrn, iftördlingen, Cchrväbisch- hatt, Ueberlingen, RothweLI, Heilbronn, Mem- mrngen, Lindau, Dunkelsbühl, Biberach > Ravensburg, Rempten, Bopfingen, Buchau, Offenburg, Gengenbach , Fell am Hammcrobach. Noch müssen wir diejenigen Länder bemerken, die Nicht mit unter der Kreisverfassnng des deutsche» Reichs mitbegriffen sind, als: r. Das Königreich Bohmen, gehört dem Erzhause Oesterreich, und wird ausser der Haumstadt Prag iu 16 Kreise getheilt. 2. Die Markgr. Mahren: Oimütz, Brunn (öfter,-.). H* Die y6 = v .'-™ Die Markgr. Gber- und Niederlausitz: Laupen, Görlitz,Zittau, Luckan , Guben. (vastganzchursächs.) 4. Das Herzogthum Schlesien gehört größtentheils dem Churhause Brandenburg: Breslau, Vrieg, Ohlau, Schweidnitz, Zauer, Hirschberg, Schmiede- berg, Lignitz, Wohlau, Slogan, Neiße, Oels, Sagan, Münsterberg, Drachenberg, Carolath; In Oderschlesien: Oppeln »nd Ratibor, Loßlau nnd Ader, derg. Oesterreich besitzt nach einen Theil des Fürstemh. Neiße mit der Stadt Zückmantel, Troppau, Jägern- dorf, Teschen, Diiitz, u. s. Die Gr. Glay. (brandend.) Und hiemit haben wir die Reise dürch Europa gerndiget. A si a. Aus dem mittelländischen Meere kommt man zii Schiffe in diesen zweyten grossen Theil der Erde, welcher gegen Mitternacht an das Nordmeer ; gegen Morgen an das östliche; gegen Mittag an das indi- sche^Meer; »nd gegen Abend an Europa, an das Mittelländische Meer, und durch ein schmales Stück Landes, (welches man eine Erdenge nennt,) an Africa stößt. Dieser ganz« Welttheil hat ungefehr roo. Millionen Einwohner. Die beträchtlichsten Flüsse in Asten sind: Der Oby, Iennisey, Lena, Amur/ Hoang, Ganges, Indus, Tigris und Phrat. Wir bemerken I. Die asiatische Türkey. Dazu gehören: i. Natolien: Smyrna, die Insuln, Rhoduö und Lypern. Diese Provinz hieß ehe< mals klein Asien, worinn die Länder: pontus, Bithynien, phrygien, Lappodscien, Paphla- gonien, Lydien, Ionien, Pamphilien nnd Lilicien lagen. 2. Syrien: Aleppo, Tripoli, Damaskus. Zu dieser Provinz gehört auch das ehema« V7 ehemahlige gelobte Land, (Palästina.) dariou Ieru. salem liegt. 3. Arabien: Mcdina, Mecca; dir Berge Sinai und Horeb. Dieses Land besteht aus 3 Theilen: i. Das wüste, 2. das steinigte Arabien: Die Erdenge Sich, und das glückliche Arcu die». <1. Turkornannicn, (Armenien): Erzerum, das Gebirge Ararat. 5 Diarbekcc: Bagdad, gehörte ehemals zu Mesopotamien, theNs zu Babylon, theils zu Assyrien (Ninive). ü. Georgien. . II. persien begreift nicht nur das alte Persien, sondern auch das ehemalige Medien, ( Ecbatana) Hirkanien und Parlhien in sich. Die wichtigsten Städte sind: Hispahan, Derbenc, Ardebil, (Arbela) Schiras, Candahor. ^ III: Ostindien, worunter man oft ganz Südasien versteht, so weit sich dasselbe von Perfiens Gränzen, und den Ufern des Hindus an bis nach Sina ausdehnt. Nebst den Insuln im südlichen Oceane , von Ceylon an biS zu den Philippinen. Gewöhnlich aber verstehen wir -unter Ostindien das Land zwischen dem Hindus und Buremputer, welcher Bengalen gewissermaßen von Asien scheidet; die bey den Flüssen südwärts liegende Halbinsul diesseits des Ganges bis zum Vorgebirge Camorin. Die Haupttheile find: 1. Hmdostan, oder das alte Reich deS Großmogols, welches 8 Staaten in sich begreift: Dehli, Agra. 2. Bengalen: Cal- tutta, (eine englische Hauptbesitznng). z. Decan, nebst den übrigen Staaten auf der Halbinsul diesseits des Ganges, deren westliche Küste bisweilen die malabarische Küste genannt wird; so wie der östliche Theil, zwischen Madura und Golconda dft Küste Coromandel heißt. Auf dieser Halbinsul gehören a.) Den Engländern : Madras, Masulipatnam, Cuddalore", G Nega- V8 ------- Negapalnam, Bombay , Sürate u. s. w. b. ) Den Franzose» : pondichery , Larical, Mähe; c.) Den Holländern: pallicate, Lochim; 6.) Den Portugiesen: Goa, Daman, Diu; c:.) Den Dänen: Danobur^ und die Stadt ^ranq^cdar; 4. DieHalbinsul jenseits deS Ganges : Asham , 2 lva, Siam; die Halbmsul MaH-cca, Tunguin, Lochinchina; 5* Die Jnsuln: die maldivischen: Ceylon; die Nicobarischen : Lomorte, wo eine öfter, reichische Niederlassung ist; die sundischen Jni'nln: Borneo , Java, mit der Hanvtstadl Batav^a , Sumatra; die Jnsul Lelebes: Macassar, (Holland.) Die molukischen oder Gewürzinsuin: 'Ämbcina, Banda, (Holland.); die Philippinischen oder Ma< nilischen Jnsuln, (span.) ; die Karvlinrfchen oder Neuphilippinischen Jnsuln; die Marieninsuln. Die vornehmsten Produkte sind, ausser verschiedenen merkwürdigen Thieren: Seide, Reis, Baumwolle, Zucker, Pfeffer, Jalappe, Indigo, Dodn, Kardamomen, Kokosbäume, Kassia, Ananas, Sän, delholz, Kampher, Weihrauch, Gummilak, Gold, Salpeter, Borax, Diamanten, Perlen. Dabey werden eine Menge seidener und baumwollener Mauu- fakturwaaren ausgeführt. IV. Die grosse Tartarey. Dieses grosse aber wenig bewohnte Land, theilet man ein : In die freye Tartarey, darin» die Kalnrucken; Bucharey, die Königreiche Tangut und Tibet; die rußische und chinesische Tartarey oder die Mongoley. Hier war das Vaterland der Skythen, Hunnen, Sarmaten, der Vorfahren der Türken. V. China. In Mordchina ist die Hauptstadt Peking, Nanking, Canton, Maccao, (portug.). VI. Das Japanische Reich enthält 3. Haupt, insuln: a.) Nipon, Iedda, Miaco oder Ria. b.) J LS d.) Ximo. e.) Xicoeo, welche mit viele» ander» stuchtbaren und unfruchtbaren Insuln, Klippen und Sandbänken umgeben sind. Ein Theil von Arabien, die beiden Halbiusuln unter Jndostan, und die meiste» Insuln liegen im heissen Erdstriche, ein Theil der russischen Tartarey im kalten, dtiö übrige alles im gemässigten. Das Land ist zwar mehrentheils sehr fruchtbar, aber auch an vielen Orten, zumal in den Mitternächtigen Ländern , schlecht angebauet, und hin und wieder giebt es auch grosse Wüsteneyen, die man Steppen nennt. Die vornehmsten Sprachen sind : Die türkische, arabische, persische, russische, tamulische, ma- ley-sche und chinesische. Die vornehmsten Produkte sind: Edelsteine, Gewürze, Apvthekerwaare», Farbenmacerialien , edle Holzarten, Thee, Kaffee, Sago, Baumwolle, Seide, Pelzwerk, Leder».s.w. Etwa der dritte Theil von Einwohnern ist der mm hame-anischen, Millionen det christlichen, und ein kleiner Theil der jüdischen Religion zugethan. Die übrigen sind Heiden, welche aber in Ansehung ihrer Religion gar sehr verschieden sind. Beynahe zwey Drittel von Asien ist den Europäern unterworfen. Persien , Jndostan, wo die Holländer in Disna eine beträchtliche Niederlage haben, China und Japan, sind die einzigen erheblichen Reiche; die übrigen bedeuten alle nicht viel. Afrika. bwischen Asien und Afrika liegt das rothe Meer, an welches dieser Welttheil gegen Morgen stößt. Der Nil in Egypten, der Senegal und Niger in Nigritien sind die größten Flüsse. Die Theile Von Aftika sind: 300 “5S38 I Die 7 Larbatty. Jpieratttet faßttift .mit ^ ß, Mitternächtigen Theil von Afrika, vvm atlantischen § Meere an bis zn Egypten. Die Einwohner sind Mm P hamedaner. Es gehört dazu: a.) die Mitternächte gen Republiken oder Königreiche: Algier, Lunis/ Tripolis , die unter dem Schutze des türkischen Kay- M fers stehen, ihre eignen unumschränkten Dey's ha-' » S> den, und Seeränberey treiben. In Algier ist der Dey auch jedesmal Pascha; in Tripolis und Tunis sc> aber ist dem Dey noch ein Pascha an die Seite ge- £] setzt.' Die Landschaft Bilidulgerid ( Dattelland) wird gewöhnlich zu Tunis gerechnet, b.) Das . Kayscrthum Fe; und Marokko, welches aus dreyen * c Haupttheilen besteht: i. Fe;; 2. Marokko: Stt Croix; Guo. Die Vestung Lema, vele;, de ^ Gomera, Oran u. s. w. sind spanisch, c.) Das » ! Königreich Barka ist nur wenig fruchtbar, und schlecht bewohnt. Es gehört dem türkischen Sultan/ h der es durch einen Sandschak regieren laßt. §r II. Sarah oder die Wüste, ein weitläufiges, größtentheils ebenes, sandiges und sehr heißes Land, ei wird meistentheils von Bereberen und Mauren v! bewohnt. A III. Nigritien, dahin gehören die Reiche Tom.' Hut, Gumbola, Ghama, Bournau, Gaoga, S u. f. w. IV. Senegambia. Die bekanntesten Landschaft 1 ® ten sind: Füllen, Hoval , Siratik, Cajor, Tin, * Sin, Bursali, Galan: u. s. w. 178 s. wurde der Fluß Senegal, nebst allen dazu gehörigen Etablisse- n ments, von England wieder an Frankreich abgetreb tcn. Die Forts Lou'is, James, Rojal, 2llfreda gehören den Franzosen. jj V. Guinea: a.) Die Küste Malaguette;. b-) & die Zon - oder Elftnbeinküste; a.) die Goldküste; st.) SOS 5e« )CK iU/ E>ttV tef 3t)- ha- der nis setz) >as )en Ar- de as intz an. s, Nd, reu w .) d.) die Gklavenküste. Att den Küsten haben die Engländer, Holländer, Franzosen, Dänen, und Portugiesen verschiedene Besitzungen- VI. Die Küste von Rongs oder Niederguinca, enthält verschiedene Staaten, in welchen die Portugiesen und Holländer einige Besitzungen haben: Lo- tmgs, AggyiM , Rongs, mit der Portugiesischen Stadt St. Saiystzyx, MAola, Benguela, MMiMba. VII. Das Rafferland. 2.) Die Landschaft So- fala; b.) hgs Land der Hottentotten, und daselbst, an der äussersten Spitze Hon Afrika, das Vorgebirge der guten Hoffnung, (holiänd.) nebst der Capstadt, gleich am Tüfelverge. VIII. Die Küste von Mosambique, Fangue- bar, Ajan und Abex: Mosambique , Mombaza, Melinde (porkug.). IX. Egppten, welches der Großsultan durch einen Pascha regieren läßt, wird in Oberegypten oder Sayd, in Mittel-und Unteregypten eingetheilt: Alexandria, Kairo am Nil,.Girge u. s. w. X. Nubien, ein ganz unbekanntes Land, wird gewöhnlich in Sennarderkin und Darabra eingetheilt. XI. Abyssinien, auch Aethiopien, wo der grosse Negus oder Kayser unumschränkt regiert: Amara, Gondar. XII. Monomotapa und Monömugi sind vast unbekannt: Gornhe, Meffapa, St. Martin, (portug.). XIII. Ostaftikanifche Jnsuln: a.) Die Admiran- ten und Sechellesinsuln ; b.) die komorischen Jnsuln; L. ) die Jnsul Madagascar, Dauphin ; ä.) die Mascarenischen Jnsuln: Bourbon, mit dem Hauptorte Sk. Denis. (ftanz.). XIV. * IC2 XIV. Westafrikanische Insult»: a.) Helena; b.) St. Ascension; (portug.) c.) Guineainsuln, Prinzeninsul und Fernando de Po; (span.) die In- sul 4 t. Thomas; (porr.) ä.)die Insuln des grünen Vorgebirgs ( port.): St. Iago, del Fuego, St. Luciq u. s. w. e.) Madera und Porto Sanro ; (port.) Funchal; k.) die cananschen Insuln; (span.) Canaria, Ferro, palma, Teneriffa; g. ) die azorischen Insuln: (porr.) Terceira, St. Miguel. Auf der Nordseite von Afrika liegt die Jnsul pan- talaria, ( span.). Lampadosa und Linosa gehö- ren den Maltheserrittern. Der größte Theil des Landes liegt im heissen Erdgürtel. Die Luft ist past durchgchends sehr heiß. ES hat erstaunlich grosse Wüsteneyrn, doch auch viele sehr fruchtbare und volkreiche Lander. Gold, Kupfer , Elfenbein, Baumwolle, Mandeln, Zucker, Wein, und in dem nördlichen Theile viel Korn, sind die wichtigsten Laudesprodukre Ausser der türkischen, äthiopischen und arabischen Sprache giebt es noch viele andere. Im nördlichen Theile sind die «eisten Einwohner Muhamedaner. Sonst giebt es viele europäische und andere Christen, und einen grossen Theil Heiden in diesem Welttheile. Amerika. Amerika ist seit dem Ende des iZten Jahrhunderts den Europäern vornehmlich bekannt, und liegt zwir schen dem stillen und atlantischen Meere. Loren;, Misitsirpi, Amazonenfluß und Paraguay sind die größten Flüsse. Man theilt es in Nord-Mittel« und Südamerika ein. A. Nordamerika: i. Die Hudsonsbuseulän« der: a. ) Labrador; b.) Neuwales, (engt.). r. Neufondland: Piacentia, (engl.). Seit 176;. dürft» dürfen die Franzosen vom Cap St. John um Norden herum bis zum Cap Race Fischerey treiben. Z. Kanada: Quebec (engt.-. 4. NeusLottland: Hallisax, ( engt.). 5. Der Ncrdamcrikanische demokratische Kreystaat, der aus 13 besondern, von einander unabhängigen Republiken besteht, die durch den Generalkongreß mir einander verbunden find; diese sind: a.) Neuhampshire: Porrsmouth; b.) Masiaschr:setsdirv: Kosten; c.) Rhsdisland: Rewporc; ä.) Connecticut: Neuhaven; e.) Neu« jork; 5 .) Neujersey- Port-Ambvy; g.) Penfil« vanicn: Philadelphia; h.) Delawar: Newcastle; i.) Marykand: Annapoiis; k.) Qirginien: Williamsburg ; I., Nordcarolina: Newborn; m.) Güdcarolma: CharleStown; n.) Georgien: Bai vannah, Ebenezer. Bis 177;. klaren diese Provinzen dem Könige von England unterwürfig; 1776. aber fiengen sie an, sich von seiner Oberherrschaft ftey zu machen; und * 783 . wurde ihre Unabhängigreit anerkannt. 6. Florida: St. Augustin, Pensacola, (span.). 7. Louisiana: Nenorleans, theils den Spaniern, theils den Eingcdvhrnen. 8. Neumcxiko, neb.st der Halbinsul Kalifornien , St. Fe , ( theils span. ). 9. Altmexiko oder Ncuspanien: Mexiko, Vera, crux, Aquapulto, (span.). B. westindicn oder die Mittelamerikanischen Im suln, wodurch man alle Insuln von Florida an bis Lerrasirma versteht. 1. Die grossen Antillen: ».) Kuba: Havanna, ( span.); k>.) Iamark« : Kingston, Portrojal, (engl.); e.) Hispaniola oder St. Domingo, (theils span. theils franz.) ; 6.) Poctorico, (span.). 2. Die kleinen Antillen oder karaibischen Insuln: a,) Die Jungfern Insuln : 104- . •= . ftiln: St. Thomas , (dän.); Eustache, (holt.); St. Christoph , Antigoa, St. Vincent, (engl. j ; Guadeloupe, Martinique, Tabaco, (stanz.). C. Südamerika: Lerkafirma, wozu man , auch die Landenge Darien und Guiana rechnet. : Spanische Gouvernements sind hier: St. Fe, Char- \ tagena, Portodello, Panama. 2. Guiana wird eingetheilt: a.) In das spanische, an beiden Seiten des Orinoko; b.) das niederländische Guiana zwischen dem spanischen und französischen: Essequebo, Surinam; c.) das französische Guiana: Cajenne; 6.) das portugiesische Guiana, und e.) das freye oder innländische, welches von Caraiben oder Ottomachen bewohnt wird. 3. Das Amazonen- land ist sehr wenig bekannt. ' Die Spanier und Portugiesen haben hier einige Colonien. 4. Peru: Lima, Quito, Potosi; ein an Gold und Silber sehr reiches Land. Hier befinden sich die Lordilleras, die höchsten .Gebirge auf dem Erdboden, (span.). 5. Brasilien: Rio Janeiro, St. Salvador, ( port.). 6. Paraguay , gehört größtenteils Spanien, theils Portugal, theils freyen Indianern: Buenos Ayros, Assumption; (span .% 7. Chili: St. Iago, Conception, (span.). 8. Magellanienland, (Patagvnien,) ein rauhes und unfruchtbares Land. y. Feuerland, besteht aus ei, ner grossen und mehrern kleinern Insuln, wird von . den pescherä's bewohnt. io. Die Falklands, oder i die Malouinifcheir Insuln: Port Soledad, (span.); Port Egmont, (engl.). u. Neugeorgien und Sandrvichland. 12. Die Gallapagischen Insuln. Amerika erstreckt sich beynahe von einem Pole bis zum andern, die Lust muß also nothwendig sehr verschieden seyn. Im Ganzen genommen ist das Land schlecht angebaut; es giebt aber doch auch < fthr ... 105 sehr fruchtbare und vortrcflich angebaute Gegenden. Edelsteine, Perlen, Gold, Silber, Kaffee, Zucker, Baumwolle, Tobak u. s. w. sind die vornehmsten Landesprodukte. Der größte Theil der Einwvh, ner sind Christen , doch giebt es auch viele heidni« sche Völker. Australien oder Südindien. dieser Theil, der vom Cap. Cook noch mehr entdeckt worden ist, liegt zwischen dem Aequator und dem 48. Grad südlicher Breite, und dem 90. bis 254. Grad westlicher Lange. Man kann ihn eintheilen , 1. in West - 2. in Ostaustralien. Westaustralien. I. Aeuholland. Küstenländer sind: Karpenr taria, Arnhemsland, Diemensland, Wittsland, Edelsland, Löewinland, Nuytsland; die Ostküste heißt : NeusüdrvallislBotannbay). Die schmutzigen Einwohner dieses nicht sehr fruchtbaren grossen Landes, sind roher als alle Einwohner der Südländer, und der Farbe und den krausen Haaren nach den Negern ähnlich. II. Neuguinea, nach Neuholland die größte Insul im Südmeer : Stcvbans - Dürers - Mat- tysinsuln, Louisiade; die Einwohner sind stark, glänzendschwarz, kraus, kriegerisch. III. Ncubrittannien oder Neuhanover, ehe, mals die Salomonsinsuln. Die Einwohner sind gelblicht, sehr groß, lebhaft, frey, und wissen sehr gut mit den Waffen unizugehen. IV. Admiralitätoinsuln, ein Archipelagus von 2o< zo. Jnsuln. io6 V. Neucaledonien. Die Südspihe der Infni heißt Prinzen von wallrs Vorgebirge. Nördlich die Obchrvatormful; südlich die Aichteninsul. Die Einwohner, von schwarzen, krausen Haaren und Bärren, sind gutherzig. VI. Neuseeland besteht aus den zwoen Insuln Eabeino.^a-'wc und Tavai poena-nmor, die durch die Cookszirasse getrennt werden. Die braunen, schmutzigen , stakten und kriegerischen Einwohner verfertigen manche Kunstardetcen. Ostaustralien. I. ^ feuhebrrdische Insuln : Tierra del Espi» rito samo m>t dem Ankerplätze Vera- Crux; Pfingst- und Aurorentnsul»: MaUtcolo, Dort Sandwich, Ambryin, St. Barcholomäüs, Auffayinftrl «. s. w.' Bast alle Einwohner haben schwarze, wolligte und gekräuselte Haare. II. Lharlstkeninsul : Egmontsinsul , Neugernsey , O..erisinsul oder Ncualderney, Swalowsinsul, Carteretsinsul , Keppel - und Vul- kaninsul. Die Einwohner sind^schwarz- haben wol- ligre Haare, sind kriegerisch. III. Die freundschaftlichen Insuln : Die wilde Insul, Tellefagcs, Rotterdam, Amsterdam, M-ddelburg, Pilstarteninsul, Tofuainsul, u. s. w. Die Einwohner find sehr fleissig und geschickt. IV. Die Harveymsuln bestehen aus zwoen abgesonderten Insuln. Die Einwohner find schmutzig, schwarzbraun. V. Die Gesellschaftsinsuln : Taiti, Hua- Heine, Tethuroa, Topvamao, Eimeo, Osnabrück, Prinz- SJÄS.ÄI5BK5 1^7 PrinzwastiSlnful, Tubai, Barabora, Maurua, Lordhowesinsul, Otaha, Ulierca, Sir Carl Saum dersinsnl. Die Eiuwobner find wohlgebildet, von starken schwarzen Haaren, und verfertigen verschiedene Kunstarbeiken. VI. R. Georgs und paUtsersinsuln' Trauka. Fischerey macht die vornehmste Beschäftigung der Einwohner auS. VII. Die Markesasinsuln: Chivaroa, oder Dominica, Wailabu , oder Christina , Onateyrv, oder St. Pedro, Hoodsimul, u. s. w. Die Einwohner kommen mit den Geseklfchaftsinsulanern sehr überein. VIII. Die «Öfter - oder waihuinsuln nebst den Pfingstinsuln. Die Einwohner sind klein und nicht ohne Kunstarbeiken. IX. Die Gandrvichinsuln : O Nihau, O Waihi, u. s. w. Die Einwohner übertreffen diembri- gen Insulaner der Südsee. Die vornehmsten Naturprodukte dieser rnehr oder weniger fruchtbaren Jnsuln sind: Känguruhs, Schweine, Hunde, wilde Katzen, verschiedene Fledermäuse, Ratten, Schaafe; allerhand Gefiügel; Schlangen, Skorpionen, Muskitvs, Schildkröten, Seekälber, Seelöwen, Walisische; viel Bauholz, Palmenbäume , Mangelbäume, Cocos - Brodt, frucht, Platanen - und andere Bäume , die so nützliche Hanfpflanze; Eisensand, nephritische Steine. Von der politischen Verfassung eines Freystaats, !. Von dem gemeinen Wesen überhaupt. Ein Staat, oder gemeines Wesen, ist eine aus vielen Haushaltungen zusammengesetzte Gesellschaft, die sich unter einander verbunden haben, die allge, meine Glückseligkeit mit vereinigten Kräften zu befördern , und sie gegen alle äussere Anfälle zu behaupten. Der Zweck und die Absicht einer solchen Vereinigung, oder einer bürgerlichen Gesellschaft, ist also die Beförderung der gemeinschsiftlichen Glückseligkeit des gegenwärtigen Lebens; und die Behauptung derselben gegen alle auswärtige Feinde. Die gemeine Glückseligkeit eines StaatS oder des gemeinen Wesens bestehet; 1. In einem frommen und tugendhaften Leben aller und jeder Mitglieder; denn die Laster hindern auch die Ruhe und Wohlfahrt des gegenwärtigen Lebens. 2. In dem Ueberflusse desjenigen , was zu des Lebens Norhdurst, Bequemlichkeit und Vergnügen erforderlich ist. In dem ruhigen und ungestöhrten Besitze und Genusse seines Eigenthums. 4. In dem, daß ein jeder leicht zu dem gelangen kann, was ihm andere zu thun und zu leisten schuldig sind. 5. In — ! .^_j 109 5. In dem, daß man sich im Stande befindet- die gemeine Ruhe und Wohlfahrt gegen alle äussere Feinde, die solche stöhren wollen, zu beschützen. Diese gesellschaftliche Vereinigung verbindet ei« jedes Mitglied, das seines Anspruchs an die Rechte und Vortheile der Gesellschaft nicht verlurstig werr den will, an die allgemeine Pfiichtforderung: Unterlaß alles, was der gemeinen Wohlfahrt und Sicherheit zuwider ist. Thue alles, wodurch du die gemeine Wohlfahrt und Sicherheit befördern kannst. Es ist daher nicht erlaubt- daß einer seinen eigenen Vortheil zum Nachtheile des gemeinen Beß. ten suche, weil dieses geradezu wider den Zweck der bürgerlichen Gesellschaft läuft, und weil dadurch die Gelellschaft gänzlich aufhören würde, wenn ein jeder anstatt des gemeinen Beßten, nur seinen eignen Vortheil, zum Nachtheile des andern, suchen würde. Wenn sich auch einige eigennützige Mitglieder so etwas erlauben, so handeln sie ungerecht gegen alle übrigen Mitglieder, und verdienen nicht weiter Glieder des Staats zu seym 11. Von der Regierung des Staats. ^amit nun in dem Staate alles zur Beförderung der gemeinen Wohlfahrt wohl angeordnet, und jedermann angehalten werden könne, zu diesem gemeinen Zwecke sein Möglichstes beyzutragen, sv wird eine Regierung erfordert, welcher die höchste Macht und Gewalt anvertrauet ist, alles so anzuordnen, wie es zu Erzielung des gemeinen Beßten am dienlichsten erachtet wird. Diejenigen, welchen diese höchste Macht und Gewalt zu regieren anvertrauet »st , werden Obrigkeiten genennet. Um 310 Unter 6er Regierung versteht man: Weyrt die Obrigkeit die ihr verliehene Gewalt und Macht nur zu dem Endzwecke braucht, wozu, und i» so fern ihr dieselbe verliehen worden ist. Regieren ist also nichts anders, als: die anvertraute Macht und Gewalt nach Gesetzen, zum Schutze und Beförderung der gemeinen Wohlfahrt ausüben. Dre obrigkeitliche Gewalt ist nichts anders, als das höchste Recht und Ansehen, nach Gesetze» zu befehlen, was ein jeder m allen Fällen, zur Beförderung der gememen Wohlfahrt, zu thun und zu, lassen schuldig sey. ' Durch die obrigkeitliche Macht versteht man: Genügsame Kräfte, die Gewalt mit Nachdruck auszuführen/ oder das Vermögen, einen jeden, wo es nöthig ist, zu zwingen, dasjenige zu thun oder zu lassen, was ihm befohlen ist; oder auch im Fall der Widerspanstigkeit das verletzte Ansehen der obrigkeitlichen Befehle durch thätige Ahndung und Straf« zu retten. Der heil. Apostel Paulus nennt Röm. XIII. i - 4. den obrigkeitlichen Stand, eine Verordnung Gottes; eine Dienerin Gottes; emen Schutz der Tugend; eine Furcht der Laster; ohne Zwei» fel darum, weil Gott will, daß die Ordnung, welche sich auf die Gerechtigkeit, und die Wohlfahrt, welche sich auf die Tugend gründet, in der bürgerlichen Gesellschaft Schutz und Rettung finde. Zu diesem c. Ende ist der obrigkeitliche Stand verordnet, und so nach der göttlichen Absicht das bequemste Mittel, feinen Willen auszuführen. Sagen: Gott wolle nicht, daß eine Obrigkeit sey, ist eben so viel, als: Gott wolle nicht, daß Ordnung, Ruhe und Sicher, heit in der bürgerlichen Gesellschaft sey; er wolle das allgemeine Beßte und die zeitliche Wohlfahrt der Menschen nicht. ^ M. in. Von dem Amte der Obrigkeit überhaupt. ^as Amt der Obrigkeit bestehet in der Ausübung der empfangenen Gewalt, dasjenige mit Mache zu befehlen, was zur Beförderung der gemeinM « Wvhljahrt dienel. Wenn sie nun ihrem Amte ein Genügen thun will , so besieht ihre Hauptpsiicht darinn: Daß sie auf der einen Seitx durch ihr Ansehen und ihre Befehle nur Macht hindere und abwende, was die gemeine Ruhe uno Sicherheit / stöhren kann; auf der andern Gerte aber alles ane ordne ur>d veranstalte, was der al-gemeinen Wohlfahrt beförderlich fern kann. Die innerliche Rübe und Glückseligkeit eines Staacs kann auf zMeycriey Weise gesiöhrc werden : entweder durch Gewaltthätigkeit und Frrvrl, oder unter dem Scheine des Rechten. Unter Gewaltthätigkeit und Frevel, welche die Ruhe und Glückseligkeit des gemeinen Wesens stZhren, werden alle österlichen Ausbrüche der Sünden und Verbrechen gezählt , die wider die gött-- lichenGesetze, und besonders wider die zweyte Tafel der heil. zehen Gebrme begangen werden. So stiftet der Ungehorsam: gegen Aeltern und Vorgesetzte, und vornehmlich die Empörung gegen die obrigkeitliche Gewalt, Unruhe und Verwirrung in den ü Familien und dem Staate; sie stöhren alle göttliche und menschliche Ordnung, und Heden die Absicht der menschlichen Gesellschaft gänzlich auf. Mord, Diel stahl und Ungerechtigkeit verletzen die ge, meine Sicherheit des Lebens und des Eigenthums. -Hurercy und Ehebruch, stöhren die Ordnung in der Fortpflanzung des menschlichen Geschlechts. Schmähungen und Verleumdungen kränken i den guten Namen und Credit des Nächsten. 112 Gegen dergleichen gewaltthätige Stöhrer der. gemeinen Ruhe und Wohlfahrt, findel man bey der Obrigkeit Schutz und Rettung/ welche Macht und Gewair, und deßwegen auch die Obliegenheit hat, die bürgerliche Ehre, das Leben und Eigenthum, den ruhigen Besitz und Genuß des gebührenden Rangs und Ansehens, u. s. w. in allen Standen vor ftevelhaften Anfällen möglichst zu verwahren x die Beleidigten, so viel es immer seyn kann, zu entschädigen, und sie durch exemplarische Strafe« an den Gewaltthatigen vor dergleichen Beleidigungen, in Zukunft sicher zu stellen. Unter dem Scheine des Neckten wird die Ruhe und Glückseligkeit des gemeinen Wesens gestöhret , durch gerichtliche Processe und Rechtshändel, wodurch der ruhige Besitz und Genuß des Eigenthums gekränkt wird. In dergleichen Fäüen findet man ebenfalls Schutz Und Sicherheit bey der Obrigkeit, die das Recht handhaben soll, damit ein-jeder bey demSeinigenuuge- kränkt beschützt werde. Zu dem Ende hin hat die Obrig« keil, bey dergleichen gerichtlichen Händeln, folgende Wichten zu beobachten: i. Daß sie die Partheyen/ die gegen einander gerichtliche Anforderungen zu haben vermeinen, geduldig anhöre. 2. Wenn alle Versuche einer gütlichen Vermittlung fehlgeschlagen, die Streitsache wohl untersuche, um auf den Grund der Wahrheit zu kommen, 3. Ohne Ansehen der Person schleunig, nach Gesetz und Gewissen richte, und die streitenden Partheyen auseinander setze. 3. V. Mose XIX. 15. 5. B. Mose I. 16. 17. XVI; 19. Sprüchw. XVII. 15. Jes. V. 20.23. Amos V. 15. Ferner hat die Obrigkeit dahin zu sehen, daß sie, wie ein kluger Hausvater, alles anordne und veranstalte, wodurch in allen Umständen die Ruhe und Wohlfahrt des gemeinen Wesens kann erhalten und und befördert werden; und daß sie zu dem Ende hin alles Nöthige und Erforderliche in Bereitschaft habe. In dieser Rücksicht hat sie folgende besondere Pflichten: Sie soll, auf der einen Seite, mit möglichstem Ernste aus dem Staare verbannen: Allen Müssig- gang, Wohllust, Verschwendung, Ueppigkeit, Geiz, Eigennutz, Ehrgeiz, langwierige Processe, Um» trieb am Rechte, Veräusserung des Geldes um Sachen , die entweder nur zur Pracht und Wohllust dienen , oder die man im Lande selbst, und eben so gut haben kann: und mit einem Worte alles, was die Glieder eines Staats in Armuth, Elend und Verachtung stürzen kann. Sie soll, auf der andern Seite, ernstlich dafür besorget sey», daß Jedermann zum Fleiße und zur Arbeitsamkeit in einem ehrlichen Berufe aufgemuntert werde; daß eö Niemandem an Mitteln und Gelegenheit fehlt, fein ehrliches Auskommen durch seine Handarbeit zu gewinnen, und zu dem Ende hin die Künste und Wissenschaften, die Lanbwirthschaft und den Feldbau, Gewinn und Gewerb, Manufakturen und Handwerker auf alle möglich« Weise begünstigen; die arbeitenden Kräfte nach Erfordernis der mancherley Arbeiten und Geschäfte, si) eintheilen, daß keine der andern hinderlich sey, und keine ungebraucht verlohren gehe. Sie soll Tugend und Verdienste durch ihr eigenes Beyspiel und durch Belohnungen reizen. Vornehmlich aber soll sie darauf bedacht seyn , daß, durch eine vernünftige Einrichtung der össentlichen Schulen, und also durch eine gute Erziehung und geschickte Unterweisung, Gottesfurcht, Tugend und gute Sitten den jungen Gemüthern beyzeiten eingepflanzt werden ; denn. dadurch allein können sie erhalten, daß ihre Angehörige, nicht nur um der Strafe, sondern auch um des Gewissens willen gerne Unterthan sind. Röm. XIII, i Petri II. 19. 114 Soll nun aber die grosse Haushaltung des Staats durch die Obrigkeit, auf die beschriebene Weise, wohl besorget und verwaltet werden, so wird ein gemeines Gut erfordert, um: 1. Diejenigen zu belohnen, die ihre Zeit und Mühe aufwenden, für das gemeine Wesen zu ar- a Veiten , und dadurch gehindert werden, ihre Nahrung selbst zu gewinneu. 2. Allerley Vorrath anzuschassen , damit die Glieder des Staats nicht in Mangel der Nothwendigkeiten des Lebens gerathen. Denjenigen, die wegen Alter oder Krankheiten ihre Nahrung nicht selbst erwerben können, beyzuspringen. 4. Allgemeine Gebäude, Vorrathshäuser, Magazine, Kirchen, Schulen , Arbeils - und Waisenhäuser , Spitäler , Zeughäuser, u. s. w. zu errichten , und in Ehren zn halten. Dasjenige anzuschaffen, was zur Beschü- ßung gegen äussere Feinde nöthig ist. Zu diesem Ende muß die Obrigkeit auch sorgen , daß das gemeine Gut gewissenhaft verwaltet, so viel möglich ohne Beschwerde der Gesellschaft, durch allerley kluge Anstalten , geäufnet, »ind vor, . züglich zu vvrangezeigtem Nutzen, und zur Ehre des Staats wohl angewendet werde. iv. Von denr Amte der Obrigkeit in Absicht auf den Gottesdienst und die Religion. 2 " Ansehung des öffentlichen Gottesdienstes lieget der Obrigkeit vb, z» bestimmen: * i. Die 1. Die Zeit und den Ort, wann und wo der öffentliche Gottesdienst soll gehalten werden. 2. Die Gebräuche und Ordnungen, wie der, selbe gebührend soll gehalten werden. a 2. Die Personen, durch welche das öffentliche Lehramt soll verrichtet werden. 4. Auch stehet der Obrigkeit die Untersuchung zu: ob der öffentliche Gotrcsdienst aller Orten durch die bestellten Kirchendiener gebührend dem Worte Gottes und der obrigkeitUchen Vorschrift ge, maß, geführt werde. Ihre größte Sorge und vornehmste Hauptab, ficht hiebey soll diese seyn: Daß die Religion, d. i. Die wahre Erkenntniß und der Dienst Gottes auf alle Weise befördert, und zu den» Ende hm das öffentliche Lehramt in Kirchen und Schulen wohl bestellt , und in seinem Ansehe« erhalten werde. Alles in der Absicht, damit Jedermann genügsame Gelegenheit habe, sich durch die stärksten Gründe der Religion von der nothwendigen Verbindlichkeit zu denen Pflichten, die er, als Bürger und als Christ gegen Gott und den Nächsten zu beobachten hat, wohl unterrichten und überzeugen zu lassen. Damit ist aber nicht gemeint, daß die vbrig, 4 keitliche Macht und Gewalt für sieb selbst Kraft und Wirkung auf den Glauben, das Herz und das Gewissen der Menschen habe. Keineswegs — Ge» danken, Herz und Gewissen sind keinem weltlichen Richtcrstuhle unterworfen. Zwangsmittel, Mandate, leibliche Strafen, und gerichtliche Wege können das Herz weder gläubig machen, noch bessern. Dieses geschiehet allein durch die Kraft der über dett Unglauben und die Bosheit des Herzens siegenden * Beweggründe der Religion und Vernunft. H % Nichts ixö . * Nichts destoweniger fordert aber die gemeine Ruhe und Wohlfahrt des Staats, daß die Obrigkeit nicht gestatte , daß solche Satze öffentlich gelehrt werden , welche den Bürgern und Unterthanen gefährliche Neigungen wider die gemeine Ruhe und Sicherheit eiuflössen; durch welche offenbare Feinde der Religion die Vernunft und Tugend verunglimpr «4 fen ; welche die Belohnungen nach diesem Leben verdächtig machen; den schändlichsten Lastern das Wort reden, und den Verfolgungsgeist , unter dem fal. schen Vorwande eines reinen Eifers für die Ehre Gottes i waffnen. Der Hauptgrund also, warum der Obrigkeit alles daran liegen soll, daß Religion , Gottseligkeit und Tugend in dem gemeinen Wesen ausgebreitet und erhalten werde, ist, weil so wohl die grossen« harte, als natürliche Religion die meiste Kraft hat, Gottseligkeit, Tugend und gute Sitten den Wen« schen zu empfehlen und beliebt zu machen ; denn gute Christen und gewissenhafte Leute , die Gott fürchten, die Wahrheit, Ordnung und Tugend lieben , sind allein gute und getreue Bürger und Unterthanen, auf die man sich verlasse» kann; hingegen wo Gott, Eyd und Gewissen verbannet sind, da ist alle obrigkeitliche Macht und Gewalt kraftlos und ohne Wirkung. v. Von den Gesetzen und derselben ‘ Vollziehung. ' Äamit die gemeine Ruhe und Wohlfarth des Staats erhalten werden könne, wird vor allem aus erfordert, daß ein jedes Glied des Staats wisse, wie es in allen Fällen seine Handlungen zu diesem Endzwecke einrichten müsse; dieses wird durch Vorschriften , die allen Gliedern bekannt gemacht wer, den ' I den sollen, erhalten ; und diese Vorschriften heißt man Gcseye. Da die Sorge für das gemeine Wohl der Obrigkeit von der Gesellschaft aufgecra- gen und anvertrauet worden ist, so hat sie allerdings das Recht, solche Gesetze vorzuschreiben. Sie werden in policcy , und Lwilgcfttze eingetheilt. Livilgesetze heissen solche Vorschriften , nach welchen die Rechts - und Streitsachen vor den Gerich. ten müssen entschieden werden, policeygesetze heissen solche Einrichtungen und Vorschriften, welche die übrige Wohlfahrt des Staats betreffen. Da die Gesetze an sich' ein todter Buchstabe sind , so erhalten sie, durch die thätige Handhabung und Vollziehung, die Macht, die Widerspän- stigen durch Strafen zur Unterwerfung an die Gesetze anzuhalten. DachRecht Strafen zu vollziehen, ist der Obrigkeit wiederum von der bürgerlichen Gesellschaft aufgetragen und anvertrauet worden. Die« ses Recht haben auch diejenigen, denen es von der Obrigkeit weiters aufgetragen und anvertrauet wird, die man Umerobrigkeiten nennt. Die Macht zu strafen hat die Obrigkeit darum erhalten, weil ohne dieselbe das obrigkeitliche Recht, zu befehlen, vergeblich wäre, und so das Ansehen der Gesetze dem Muthwillen der Bosheit Preis gegeben würde. Die Absicht und Wirkung der Strafen soll seyn: 1. Das verletzte Ansehen der Gesetze zu retten. 2. Jedermann ein Exempel zu geben, waS es auf sich habe, die Gesetze muthwillig zu verletzen. 3- Den Uebertretter solches empfinden zu lassen, und ihn dadurch von fernerer Ucberlrettung abzuschrecken ; oder ihn gar ausser Stand zu setzen. Jemanden! durch fernere Mißhandlung zu schaden. g. Dem i- irg 4. Dem Beleidigten selbst die möglichste Genugthuung zu verschaffen, oder wenigstens das Unrecht zu rächen. Diejenigen Verbrechen, durch welche die Ruhe und Sicherheit des gemeinen Wesens gänzlich stöhrt wird, verdienen die härtesten Strafen. Wenn a der Zweck der Strafen ohne derselbe» wirkliche Vollziehung kann erhalten werden, so kann in einem solchen Falle das Recht der Begnadigung statt haben. Todesstrafen sind zu gebrauchen, wenn alle andere Strafen unzulänglich sind, die Rnhe und Wohlfahrt des gemeinen Wesens sicher zu stellen. Aber verliert der Mensch nicht seine Freyheit, wenn er auf solche Weise gezwungen wird, nach den Gesetzen zu leben? Im geringsten nicht. Er verliert nur die Freyheit, sich selbst und andern zu schaden, und erwirbt hingegen die wahre Freyheit, die darin» besteht: Daß er unter dem Schutze und nach der Vorschrift der Gesetze seine eigene und des gemeinen Wesens Glückseligkeit ungehindert befördern kann. vi. Vor: den Untergebenen und derselben Pflichten überhaupt. Ä6enn das obrigkeitliche Amt und die Verwaltung der Regierung ihres heilsamen Zweckes nicht ver- * fehlen soll, so wird nothwendig voraus gesetzt, daß die übrigen Glieder des Staats einer rechtmäsfigen Obrigkeit Macht und Gewalt über sich erkennen. Sie werden deßwegen Untergebene oder Unterthanen genannt, welche, indem sie den Befehlen und Gesetzen der Obrigkeit sich willig unterwerfen, und denselben gehorsam nachkommen, an den Tag legen, baß sie die vbrigkeitliche Macht und Gewalt über sich erkennen. ' Dieser Dieser Gehorsam muß aber nicht aus Furcht und Zwang entsprungen: sondern aus Hochachtung, Liebe und Dankbarkeit, und aus kindlichem Vertrauen. Aus -Hochachtung entspringt der Gehorsam gegen die Obrigkeit, wenn die Untergebenen das höchste Recht und Ansehen, womit die Obrigkeit ihr Amt verwaltet, verehren , und bey sich selbst erwägen, wie viel Verstand und Weisheit dazu erfordert werde; dieses macht sie willig zum Gehorsam. Aus Liebe und Dankbarkeit entspringt der freudige Gehorsam gegen die Obrigkeit, wenn die Untergebenen betrachten, daß die Obrigkeit alle ihre Zeit und Arbeit, mit Hindansetzung ihres besondern Gewinns, größtentheils zur Beförderung der gemeinen Wohlfahrt anwendet ; und daß ein jeder der obrigkeitlichen Wachsamkeit und Fürsorge, die Sicherheit seines Eigenthums , seines Gewinns und Erwerbs, ja sei nes eigenen Lebens zu danken hat; so müssen sie die Obrigkeit als ihren größten Wohlthäter ansehen, und dieses wird sie zu einem dankbaren und freudigen Gehorsam auffordern. Aus kindlichem Vertrauen endlich entspringt der Gehorsam gegen die Obrigkeit, wenn die Untergebenen erkennen, daß es der Obrigkeit weder an Weisheit, noch am Willen und Vermögen fehle, alles zur Beförderung des gemeinen Beßten anzuordnen und auszuführen, und dadurch bewogen werden , sich derselben mir einem zuversichtlichen Gehorsam gänzlich zu übergeben. Der Gehorsam gegen die Gesetze ist also nichts anders, als : Der wirkliche Gebrauch und die rechte Anwendung der zur Erzielung der gemeinen Wohlfahrt im Gesetze vorgeschriebenen Mittel, wodurch die 120 die Untergebenen die hohe Vorsorge und Bemühung der Obrigkeit zu diesem «dein Zwecke nach allen ihren Kräften befördern helfen. Diesen Gehorsam beweisen die Untergebenen besonders dadurch, daß sie: t. Auf Erfordern sich bereit finden lassen, sich durch den Eyd zu dem strengsten Gehorsam, und den schwersten Pflichten gegen die Obrigkeit und das gemeine Wesen verbindlich zu machen. 2. Daß sie, bey Verwaltung und Abstattung der schuldigen Abgaben und obrigkeitlichen Gefalle, aufrichtig und redlich handeln, und dabey weder Arglist noch Gefehrde brauchen , wenn sie es gleich ungestraft thun könnte». h Daß sie die zum Schutze und zur Sicherheit der gemeinen Wohlfahrt erforderten Dienste und Stcureu willig leisten. 4. Daß sie vor aller Gefahr und Schaden, so dem gemeinen Wesen Drohen , zu rechter Zeit warnen, und sie, so viel sie immer mögen, abwenden. 5. Daß sie im Nothfalle bereit und willig seyn, ihr Gut und Bluc für das Vaterland hinzugeben. 6 . Endlich fordert noch die christliche Treue von den Untergebenen die besondere Pflicht, oaß sie in Allem und bey allen Gelegenheiten , die Ehre und den Nutzen der Obrigkeit suchen, und für ihre Personen und Regierung eifrig zu Gott beten. Jerem. XXIX. 7. i. Timoth. II. i. Zur Beobachtung dieser Pflichten verbindet die Untergebenen: ♦ i. Die 1. Die Natur der Sache selbst. 2. Der Vertrag, kraft dessen man zwar von der Obrigkeit Schutz, Schirm und Sicherheit, von den Untergebenen aber eben so wohl Gehorsam und Treue fordern kann. Die gegenseitige cydliche Verbindung. 4. Der grosse Nutzen , den man von genauer Beobachtung dieser Pflichten , und der grosse Schaden , den man von der Unterlassung derselbe» zu gcwarten hat. 5. Der göttliche Befehl. Ierem. XXIX. 7. Matlh. XXII. 2i. Röm. XIII. 1-5.7. 1.Petr.II. 1;. 14. 17. Tit. III. 1. r.Timoth-II. 1.2. vn. Von den Pflichten der Untergebenen unter und gegen einander. § 3 eil ein jedes Glied des Staats mit allen andern zu einem gleichen Zwecke in einer Verbindung stehet, so ist auch ein jedes schuldig , sich so zu erweisen, daß alle übrige diejenige Hilfe und Nutzen von ihm haben, den sie nach eines jeden Umständen und Vermögen von ihm erwarten können. Diese gesellschaftlichen Pflichten unter und gegen einander gründen sich auf die P,lichten, welche das Gesetz und der Zweck der gesellschaftlichen Verbindung von mir fordert, und die auch aller und jeder Pflichten sind, und Mir so wohl ei» Recht auf alle andere geben, als sie dasselbe Recht allen andern auf mich geben. Schön drückt der heil. Apostel Paulus r. Cor. XII. 12 - 27. sich aus, wo er die gegenseitige Pflicht also beschreibt: Daß die Glieder schuldig seyen, für einander gleiche Sorge zu tragen. Diese 122 Diese Pflicht schliesset nun besonders in fich: 1. Daß jedes Glied des Staats besorgt sey, feine Leibes - und Geisteskräfte sieissig anzuwenden und zu gebrauchen, auf daß es dereinst tüchtig werde, den» gemeinen Wesen in einem gewissen Stande und Berufe recht nützlich zu werden. a 2. Daß jedes mit seinem Stande zufrieden, seine Begierden mässtge, und nie so handle, als wäre es nur um seiner selbst willen in der Welt. 3. Daß! ein jedes gegen das andere sich freundschaftlich , friedfertig, verträglich und dienstbar bezeige. 4. Daß ein jedes sich höchstens verbunden achte, dem Armen und Nothleidenden mit möglichster Hilfe, Rath und Troste beyzustehen. 5. Den wichtigsten Dienst aber leisten dem ge. meinen Wesen , diejenigen, die durch eine geschickte Auferziehung der Jugend demselben andere nützliche Mitglieder zubereiten. vm. Von dem Verhältnisse ganzer Staaten gegen einander. glänze Staaten, als so viele Theile der allgemeinen menschlichen Gesellschaft, verhalten sich gegen a einander, wie einzelne Personen, mir welchen man 1 in einer natürlichen Verbindlichkeit stehet, gegen die man auch, kraft des Natur-und Völkerrechts , zu denselben Pflichten verbunden ist. Das Natur--und Völkerrecht beruhet, wie das Recht einzelner Personen gegen einander, auf der natürlichen Billigkeit, auf Verträgen und angenommenen Gewohnheiten. , Ganze Ganze Staaten haben daher folgende Pflichten gegen einander zu beobachten: 1. Einander alles zu leisten, was eine jede einzeln ne Person gegen andere, und gegen einen jeden ins besondere zu thun verbunden ist. Z. B. Alle Freundschaft, Gerechtigkeit, Billigkeit, Dienstfertigkeit, Treu in Haltung der Zusagen, Friedfertigkeit, Vertragsamkeit, willige Hülstet- stnng in der Noth und allen rechtmassigen Angelegenheiten. 2. Wenn besondere Verträge zwischen besondern Staaten vorhanden sind, dieselben eben so heilig zu halten, als einzelne Personen zu thun schuldig find. Sollen die stärker» Staaten ihre Obermacht nicht zur Unterdrückung der Schwacher» miß, brauchen. Wenn ein Staat den andern, wider Pflicht und Zusage, an seinen Rechten und Freyheiten krankt, oder mit Gewalt der Waffen zu unterdrücken suchet, so ist dem beleidigten Staate, weil er nicht, wie einzelne Personen aus der bürgerlichen Gesellschaft, einen höhern Richter auf Erden über sich erkennt, erlaubt, sich selbst Recht zu schaffen; da er eben das Recht hat, wie eine einzelne Person, wenn sie unversehens angegriffen und feindüch überfallen wird, ohne daß sie Zeit hat, den Schutz des Rich- ters anzuflehen; welches Recht, das Recht dep Nothwehr genannt wird, und darin» besteht, daß «s mir erlaubt ist, Gewalt mit Gewalt abzutreiben. Das Recht der Nothwehr, welches beleidigten Staaten zukommt, nennet man den Rrieg, und zwar den Vertheidigunnokrioa, welcher daher nicht anders als für eine Nothwehr, oder die abgenölhigte, gewalt- 124 ' - gewaltsame Vertheidigung deS an seinen Rechten gekränkten Staats anzusehen ist. Indessen wird kein beleidigter Staat eher zu dieser ungewissen und gefährlichen Kriegsoperation schreiten, als in dem äussersten Nothfalle, wo die Selbsterhaltung die Nothwehr zu einer Pflicht macht, und eine Genugthuung oder der Friede nicht anders kann erhallen werden; er wird daher, ehe er zu den Waffen greift, alle gütliche Mittel und Wege versuchen , ob er den Beleidiger nicht zu einer billigen SchadloshaUung und Genugthuung bringen, und .seine Sicherheit gegen einen solchen Feind fürs künft kige ausser Furcht uud Gefahr sehen kann. Kommt es zu dem Kriege, so wird derselbe so lange fortgesetzt, bis man von seinem Feinde diejenige Genugthuung und Schadloshalcung erhält, die man durch gütliche Wege nicht hat erhalten können ; und man ihn in den Stand gesetzt hat, daß er uns fürs künftige weder schaden kann noch will. Endlich wird durch den Frieden dem Kriege ein Ende gemacht. Anleitung zu den gesellschaftlichen Pflichten. ^as beständige Bestreben eines jeden Menschen geht nach Glückseligkeit. - Glückseligkeit ist der Zustand eines Menschen, in welchem er ohne Hinderniß und mit Zuftiedenheit, die Kräfte seines Leibs und Geistes üben und zu seiner Erhaltung und grössern Vervollkommnung anwenden kann. Der Zustand des Leibes, in welchem der Mensch alle Leibeskräfte, so wie eben gesagt worden, gebrauchen kann, heißt dir Gesundheit. Diese wird erhalten: i♦ Durch 1. Durch einen massigen Gebrauch der Speise» uud des Getränks, und durch die Erquickung des Schlafs. 2. Durch die Verwahrung gegen Verletzungen von andern Körpern. 3. Durch fieissige Uebung, besonders durch Arbeit, werben die Kräfte des Leibes vermehrt. 4. Durch den Gebrauch der Arzneymittel, wird die gestöhrte Gesundheit wieder hergestellet. Derjenige Zustand der Seele, in welchem der Mensch die Kräfte seiner Seele ohne Hinderniß und mit Zufriedenheit gebrauchen kann, um sich selbst und die Dinge, die ausser ihm sind, zu erkennen, wird Weisheit genannt; kann er, auf eben solche Weise, das Gute annehme» und thun, das Böse hingegen verwerfen und unterlassen, so heißt das: Tugend. Weisheit und Tugend werden erlangt; 1. Durch die Unterweisung von andern. 2. Durch daS Beyspiel und den Umgang mit weisen und tugendhaften Menschen, und die Entfernung von der Gesellschaft der Unwissenden und Lasterhaften. 3. Durch die Zurechtweisung und Bestrafung der Fehler. Wie die Kräfte des Leibes so werden auch die Kräfte der Seele, durch fieissige Uebung und Anwendung vermehrt ; und diese Uebung nennet mgn Geschäftigkeit des Geistes. Dieser Geschäftigkeit ist ganz entgegengesetzt der Müssiggang, da man die Kräfte des Leibs und des Geistes nngebraucht liegen laßt. Er hat die traurigen Folgen, daß die Kräfte des Leibs und des Geistes gestöhrt werden; der Leib verfällt in Schwachheit und Krankheit ; die Seele wird unwissend und lasterhaft. Mit einem Worte: Der Müssiggang ist eine Wurzel alles Bösen. Der Der Mensch erlangt die Kräfte des Leibs und der Seele nicht auf einmal, sondern nach und nach, und die Zeiten, in welcher sie wachsen , wird Kindheit und Jugend genannt. In der Kindheit erlangt der Mensch seine Erhaltung und Vervollkommnung durch die Hilfe anderer Menschen, die, neben der Sorge für ihre eigne Erhaltung, auch die Sorge für Kinder auf sicy nehmen. Der Schöpfer hat nämlich bestimmt, daß der Mensch durch die Verbindung eines Mam- nes mit dem Weibe erzeugt und gebohren werde; und zugleich hat er in diese den Trieb gelegt, für die Kinder, die sie erzeugt und gebohren haben, zu sorgen. Hiezu kommt noch das Andenken der nöthigen Hilfe , die sie tn ihrer Kindheit von ihren Ülelrern genossen haben. Daher werden auch sie Aettern, oder Vater und Mutter genannt. Und die Vereinigung eines Mannes und eines Weibes zur Erzeugung und Besorgung der Kinder heißt der Ehestand, die häusliche Gesellschaft, oder ein Haus, eine Familie. Der Mann und Vater hat von dem Schöpfer mehrere Kräfte als das Weib erhalten, und seine häuslichen Verrichtungen bestehen darin« : Daß er das Nöthige zur Nahrung, Kleidung und Bewehr nung erwerbe; daß er die Geschäfte des Hauses an« ordne, einem jeden Glied desselben seine Pflichten vorschreibe, und die Fehler bestrafe. Das Amt eines Weibes, und einer Mutter, in den häuslichen Verrichtungen , bestehet darin» : Dem Manne und Vater nach ihren geringern Kräften zu helfen; dasjenige, was der Mann erworben hat, zum Nutzen des Hauses anzuwenden; dem Manne zu helfen, das Beßre deS Hauses zu berathen und auszuführen; den Kindern nach der Aniei- ‘ ' ..-^g 137 Anleitung des Mannes, die erste nöthige Unters Weisung zu geben. Da die Aeltern so viele Mühe und Sorgen für die Erhaltung der Kinder anwenden , so haben sie von den Kindern dagegen zu erwarten, daß sie: * i. Das Gute, so sie von ihren Aeltern haben, erkennen, ihnen dafür alles Gute wünschen, und sich nach dem Anwachs ihrer Kräfte beständig bestreben, ihnen in ihren Arbeiten und Beschäftigungen Hilfe zu leisten, solche zu erleichtern , und ihnen also ihre Liebe, Mühe und Fürsorge zu vergelten, d. i. daß sie ihre Aeltern herzlich lieben. 2. Daß sie die Vorzüge ihrer Aeltern erkennen, und solches durch eine beständige Aufmerksam, keit auf ihre Mienen, Reden und Handlungen zu verstehen geben, d. i. sie ehren. Daß sie alles dasjenige, ohne Widerrede und unverweilt thun , was sie ihnen befehlen, und dasjenige unterlassen, was sie ihnen verbieten, d. i. ihnen gehorsam seyn. 4. Daß sie die Bestrafungen ihrer Fehler mit Dank und Liebe annehmen, und erkennen , daß dieses eben so wohl zu ihrem Beßren i diene, als das übrige Gute , so sie von ihnen geniessen. Nicht allemal haben indessen die Aeltern genügsame Kräfte zur Besorgung des Hauswesens; bald fehlt es an den Kräften des Leides, bald an denen der Seele. Soll nun das Haus vor dem Verderben verwahret werden, so haben sie die Benhilft ande- . rer erwachsner Menschen nöthig, die sich unter ge« * wissen Bedingnissen verbinden , den Aeirern in ihren Arbei- 12l Arbeiren beyzustehen. Man unterscheidet sie nach der Verschiedenheit des Geschlechts und der Verrichtungen. In Absicht auf das Geschlecht, giebt es männliche , welche dem .Hausvater in seinen Verrichtungen helfen, und weibliche, welche den Hausmüttern helfen. In ihren Verrichtungen unterscheiden sie sich so, daß die einen dem Hansvater und der Hausmutter in ihren Verrichtungen, helfen zur Erhaltung des Leibesin Anschaffung und Bereitung der Mchrung, Kleidung und Wohnung, als: Knechte, Mägde, Handwerksgesellen. Die andern helfen den Aeltern bey der Erziehung und Unterweisung der Kinder, als: Hauslehrer, Kinder, mägde, Gouvernanten. Dasjenige, was die Hausgenossen noch vorher gemachten Bedingnissen von dem Hausvater und der Hausmutter für ihre Behilft empfangen, wird der Lohn genannt, und die Hausvater und Mütter in Absicht auf die Dienstboten, Herr und Frau, Herrschaft. Die Pflichten der Hausgenossen gegen ihre Herren , bestehen darin» , daß sie alles dasjenige getreu erfüllen, wozu sie sich verbünde» haben, solches mit anhaltendem Fleiße zu thun, und mit willigem Gehorsam, nach den Befehlen ihres Herren , den Nutzen des Hauses zu befördern, und den Schaden abzuwenden, und sich mit dem bedingten Lohne zu begnügen. Hingegen haben die Hausgenossen von ihren Herrschaften zu erwarten. i. Daß dieselben eben die Sorge für ihre Erhaltung und ihren Wachsthum an Weisheit und Tugend anwenden, wie sie gegen einander und gegen ihre Kinder schuldig sind. s. Daß sie ihnen den Lohn richtig bezahlen. Z. Daß .. I2y ;. Daß fle in ihrem Becragen liebreich und freund, sich seyn, wie es sich gegen Micgehülfen in der Erfüllung ihrer eignen Pflichten gebührt. 4. Daß sie sich mit der Arbeit begnügen, zu welcher sich die Dienstboten freywillig verbunden haben. Die Pflichten der Hausgenossen gegen die Kinder bestehen davinn: Daß sie die von den Aeltern ihnen aufgetragene Sorge für dieselben getreu er, statten, sie lieben, mit ihren Schwachheiten Geduld haben , ihnen kein böses Beyspiel geben, und sie nicht anders, als auf Befehl der Aeltern , für ihre Fehler strafen, hingegen die bemerkten Fehler den Aeltern getreu anzeigen. Dw Pflicht der Kinder gegen ihre Hausgenossen, die für ihre Erhaltung arbeiten, bestehet darinn: Daß sie daö Gute, welches sie ihnen thun, erkennen, sie deßwegen herzlich lieben, und ihnen nach ihren Kräften Gutes dafür thun; ihre Vorzüge an Leibs, oder Geisteskräften erkennen, und sie in dieser Ab, sicht ehren; auch ihnen in allem dem gehorsam seyn, was sie ihnen, nach dem Willen ihrer Aeltern, verbieten , oder befehlen; hingegen fle, wegen bemerkten Fehlern, niemals selbst strafen, sondern solche den Aeltern anzeigen, bey solchen Anlässen aber lieber zum Beßren reden, als den Eifer der Aeltern reizen. Die Pflicht der Kinder gegen Hausgenossen, welche an ihrer Erziehung und Unterweisung arbei» ten, bestehet darinn: Daß sie solche , wie die Aeltern ehren, lieben und ihnen gehorsam seyn, da sie eben das gegen sie sind, was Vater und Mutter. Die Pflichten der Geschwister gegen einander sind: daß fie einander herzlich lieben, einander alles Gute gön, 3 nen. t;s nen, und darin« dasjenige nachahmen, was sie die Aeltern gegen sie selbst thu» sehen; daß sie einander ein gutes Beyspiel geben; in allen Arbeiten und Beschaffligungen des Geistes einander aufmuntern, bemerkte Vorzüge verehren, und sich dadurch zur Nacheiferung ermuntern lassen, keineswegs aber dieselben zu vermindern oder zu verringern suchen; Fehler und Beleidigungen , die sie gegen einander verüben, verzeihen und verschweigen; hingegen solche Fehler, die sie die Geschwister gegen die Aeltern , oder zu ihrem eignen Schaden begehen sehen , den Aeltern anzeigen. deicht immer ist es indessen möglich , daß eine Haushaltung für sich selbst bestehen kann; die Am zahl der Kinder kann zu groß seyn, als daß die Aeltern alles Nöthige zur Erhaltung anschaffen könnten ; sie können durch Krankheit und Zufälle, zur Arbeit untüchtig werden, oder wohl gar sterben, ehe die Kinder Kräfte genug erhalten haben, für sich selbst zu sorgen. Eine solche Haushaltung hat also den freywilligen Beystand der Glieder einer andern Haushaltung nöthig. Gott hat den Menschen einen Trieb eingepflanzt, gegen andere eben das zu thun, was sie in gleichem Falle wünschten, daß andere gegen sie thäten; den Trieb der Menschcn- liebe. Gar oft könnte es aber geschehen , daß solche Haushaltungen keine Menschenliebe bey Andern anträfen, und dann durch die Noth verführt würden , Andern ihren Ueberfluß mit Gewalt oder List wegzunehmen, woraus grosse Verwirrungen und Feindseligkeiten entstünden, und je eine Haushaltung die andere zerstöhrte. Um dieser Verwirrung vorzubauen , ist es daher nöthig, daß viele Haushaltungen sich unter einander .-E der' verbinden, mit vereinigten Kräften die allgemeine Glückseligkeit zu befördern, zu erhalten, und also einer Haushaltung den Mangel zu. ersetzen , um die andern vor Raub und Gewaltthätig« ketten zu beschützen; und eine solche Vereinigung vieler Haushaltungen nennet mau einen Staat, oder ein gemeines Wesen; in welchem diejenigen Personen, denen die Besorgung desselben arwer- traul ist, ( Obrigkeit) als Väter, und die Bürger und Untergebene als Minder und Hausgenossen anzusehen sind. Ueber den Zweck des gemeinen Wesens siehe oben pag. rog. Damit nun diese grosse Haushaltung glücklich geführt werde, ist es nöthig, daß die Obrigkeit Macht und Gewalt zn handeln habe; (Siehe oben pag. roy.) daß allen Gliedern Vorschriften ( Gesetze ) gegeben werden , nach welchen sie ihre Handlungen zum Endzwecke des Ganzen einrichten; (Siehe oben pag. 116.) und daß jede der kleinern Haushaltungen , aus weichen die grosse Haushaltung besteht , von ihrem Vermögen etwas zum Nutzen des gemeinen Wesens beytrage, welcher Beytrag das gemeine Gut ger nennet wird. In Verwaltung des gemeinen Guts hat die Obrigkeit folgende Pflichten zu beobachten: i. Die Anstalt zu machen, daß beständig zu den Bedürfnissen des Staats ein nöthiger Vvrralh vorhanden sey. ». Daß ein jedes Glied des Staats zu einem verhältnißmäsfigen Beytrage angehalten werde. Zu sorgen, daß das gemeine Gut mit möglichster Treue und Sorgfalt verwaltet werde; daß also die Quellen der Einkünfte nicht austrocknen , solche zu nichts Andrrm als den Be- I r dürft 133 dürfnissen des Stahls angewendet, und dabey alle mögliche Sparsamkeit beobachtet werde. Die Pflichten der Bürger und Untergebenen, in Absicht auf das gemeine Gut, sind folgende: Den geforderten Beytrag willig und gewissenhaft zu leisten , und nach ihrem Vermögen alles zu dessen Aufnehmen beyzutragen; voraus aber sich wohl zn befleißen, daß sie in den Fällen, wo sie von dem gemeinen Gute etwas zu beziehen haben, es sey an Lobn für Waaren, oder Arbeit, oder bey Verkauf der Waaren, u.s.w. gewissenhaft handeln. Zu Beobachtung dieser Pflichten sollen die Untergebenen durch folgende Betrachtungen sich ermun« tern: r. Daß das gemeine Gut nicht weniger, -a noch mehr ihr Eigenthum sey, als ihr eigen Gut , da sie in Mangel und Unglück an demselbigen einen Verrath zu ihrer Beyhilfe vor sich sehen ; daß also, wer das gemeine Gut beraubt, sich selbst beraube. 2. Daß die Erfahrung täglich lehre, daß einzelne Haushaltungen zerstöhrt werden , der Staat aber immer aufrecht erhalten werde, und unter dessen Schutze verarmte Haushaltungen wieder zu einem blühenden Wohlstände steigen können. Wir haben nun bisher gesehen, daß der Staat nichts anders ist, als eine aus vielen kleinen Haushaltungen zusammengesetzte grosse Haushaltung , in welcher die Obrigkeit das Amt der Däter auf sich hat. Welches ist nun die erste und vornehmste Hauptpflicht der Obrigkeit? Aller, Allerdings die: Daß Weisheit und Tugend allgemein werden; und dieses besorgt die Obrigkeit: i. Durch die Anstalten zur öffentlichen Unterweisung. r. Durch Veranstaltung ermunternder Beyspiele, in Anordnung des öffentlichen Gottesdiensts. Durch die Aufsicht auf die Sitten der Unter» gebenen. I. In Absicht auf die öffentliche Unterweisung wird erfordert : Daß ein jedes Glied des Staats seine Kinder entweder unentgeltlich, oder in geringen Kosten, in alle» nöthigen Kenntnissen , nach den Fähigkeiten ihrer Seelen- kräste, könne unterweisen lassen. Welche Anstalten öffentliche Schulen genannt werden. In Absicht auf die öffentlichen Schulen hat'die Obrigkeit folgende Pflichten : 1. Zu sorgen, daß alles zu wissen Nothwendige für jede Art der Berufe, darin» nach einer guten Ordnung gelehrt werde. 2. Lehrer auszuwählen, welche alle nöthige Fähig» keit zutz Unterweisung besitzen. z. Einen Theil des gemeinen Guts zu bestim» men, welcher zu Unterhaltung der Schulge» bäude, zu Belohnung der Lehrenden , zu Anschaffung nöthiger Bücher und Instrumente, u. s. s. angewendet werden soll; und solchen gewissenhaften Verwaltern anzuvertrauen. 4- Auf die Ausübung der gegenseitigen Pflichten der Lehrenden und Lernenden eine väterliche Aufsicht zu haben. Die 13 + Die Pflichten der Lehrer sind : Die Unterweisung nach der vorgeschriebenen Lehrart, und in den gesetzten Stunden mit aller Treue und Fleisse zu ver- richten; die Schüler wie eigene Kinder zu lieben; denselben mit dem Beyspiele eines tugendhaften Wandels vorzuleuchten; sich mit der bestimmten Belohnung zu begnügen , und nicht durch Geschenke { der Reichen sich zur Partheylichkeit verleiten zu lassen, sondern den Kindern ihre Liebe und Achtung allein nach den Vorzügen der Fähigkeit, besonders des Fleisses und der guten Aufführung zu erzeigen; endlich die Schüler zu belehren, daß sie das Glück ihrer Unterweisung der Obrigkeit und dem Staate zu danken haben, um sie beyzeiten zur Ehrfurcht gegen die Obrigkeit , und zur Liebe des Vaterlands zu gewöhnen. Die Pflichten der Schüler sind : - Sich die Unterweisung durch unverdrossenen Fleiß und Auf« merksamkeit wohl zu Nutze zu machen ; ihre Lehrer wie ihre eigenen Vater zu lieben, zu ehren, und ihnen zu gehorchen ; die Mitschüler wie Geschwister zu lieben , und einander zur Ehrfurcht gegen die Obrigkeit, und zur Liebe des Vaterlands , dem sie ihre Unterweisung zu danken haben, zu ermuntern. II. Die Obrigkeit befördert ferner Weisheit und Tugend durch die Anordnung des öffentlichen Gottesdiensts , indem sie: t 1. Zeit, Ort und Ordnung für den öffentlichen Gottesdienst bestimmt, und zu den nöthigen Ausgaben zu Unterhaltung der Gebäude , zu Pflegung und - Belohnung der Kirchendiener, u. s. f. einen Theil des gemeinen Guts verwendet. 2. Indem sie tüchtige Prediger zu Besorgung des Gottesdienstes auswählt. ‘ 3-I» ------- IBS z. Indem sie über die Ausübung ihrer Anordnungen eine genaue Aufsicht hält, und die öffentlichen Aergernisse bestrafet. Ueber den Endzweck des öffentliches Gotteödiensts siehe oben pag. 14.115. Die Pflichten der Lehrer und Prediger sind: Die Religion nach dem Jnnhalte des göttlichen Worts, und nach den Begriffen einer gereinigten Vernunft, und den angenommenen Vorschriften deutlich und begreiflich zu lehren; auf die Ausübung der Reli< gionspflichten ihrer Pfarrkinder sorgfältig Acht zu geben; ihnen bey dem öffentlichen Gottesdienste, und wo sie Anlaß haben , alle mögliche Ermunte» rung, Anleitung und Trost zu geben ; voraus aber denselben mit dem guten Beyspiele eines gottseligen Lebens vorzugehen. Die Pflichten der Gemeine , oder der Zuhörer sind: Daß sie sich die für sie so wichtigen Anstalten wohl zu Nutze machen; alle öffentliche Aergernisse sorgfältig vermeiden; den Lehrern alle Liebe, Ehre und Gehorsam erweisen; das Glück der Neli. gionsfreyheit erkennen, und der Obrigkeit allen möglichen Beystand zu Beschützung derselben leisten. III. Weisheit und Tugend befördert die Obrig, keit durch die Aufsicht über die Sitten, indem sie durch gute Sittengesetze lasterhafte und schädliche Sitten verbietet, und die Handhabung guter Sitten gewissenhaften Männern anvertraut , d»e durch ein gutes Beyspiel eines ehrbaren und tugendhaften Wandels ihren Befehlen den beßten Nachdruck geben. Schädliche Sitten, auf welche die Obrigkeit vorzüglich ihr Augenmerk zu richten hat, sind: Müsfig- I$6 -J-iJ-Ji.-i.aB. Müssiggang und der daher entstehende Gasseubettel; Verabsäumung der Erziehung der Kinder; Unmäs- sigkeit im Essen und Trinken; Verschwendung durch allzugrosse Pracht, durch Spiele, wodurch man sein eigenes Vermögen durchbringt - und andere zu gleü chem Fehler verleitet; Aergerniß beym öffentlichen Gottesdienste ; Aergerniß in Gesellschaften durch Fluchen, schändliche Reden, m f. f. Ein sehr gutes Mittel, gute Sitten zu pflanzen , ist , wenn diejenigen , die durch Ehrenstrllen , vornehmes Herkommen, oder Reichthum ein besonders Ansehen haben, in guten Sitten den andern vorleuchten, und wenn Tellern und Lehrer frühzeitig der Jugend beybringen, daß schlimme Sitten «inen Menschen verächtlich und unglücklich machen. Äie zweyte Hauptpflicht der Obrigkeit, als der Väter des Staats ist : Für den nöthigen Lcibeounterhalt der Glieder des Staats ;u sorgen, oder zu veranstalten, daß alles Nöthige zur Nahrung, Bekleidung und Wohnung, und zu Besorgung in Krankheiten, im Ueberflusse mit leichter Mühe und in geringen Kösten zu bekommen sey. Dieses geschiehet, indem die Obrigkeit dafür sorget, daß: j. Alle Materialien in dem Lande oder Orte gepflanzt , und hervorgesucht, oder von andern Orten her mit leichter Mühe angeschafft werden. 2. Daß dieselbigcn durch geschickte Hände zum Nutzen und zur Bequemlichkeit zubereitet werden- Die Pflanzung und Hervorsuchung der nöthigen Materialien besorgt die Obrigkeit durch die Aufmunterung des Landmanns in dem Feldbaue, durch welchen *37 Welchen Korn, Wein, Nahrung für das Vieh, Obst, u. s. f. gepflanzt wird; und durch die Errichtung nützlicher Bergwerke, wie z. B. bey uns das Torf- graben , Steinbrechen , u. f. f. Die Anschaffung des fehlenden Nöthigen von andern Orten besorgt die Obrigkeit , indem sie den Anlaß verschafft, den Ueberfluß der eignen Produkte des Landes mit Vortheil in andere Lander zu verkaufen , und hingegen von andern Orten, das Nöthige, das fehlet, anzukaufen. Gegenseitiger Kauf und Verkauf wird die Han- delschaft genannt; und diese ermuntert die Obrigkeit : i. Durch Unterhaltung guter Landstrassen zur Bequemlichkeit der Durchfuhr. s. Durch eine gute Einrichtung des Postwesens. z. Durch Unterhaltung nöthiger Gebäude und anderer Bequemlichkeiten, zur Verwahrung, zum Ein t und Ausladen der Waaren. 4. Durch den Schutz gegen Betrug, Raub und Gewaltthätigkeit. Wenn der Ueberfluß der Früchte des Landes nicht hinreichend ist, aus denselben das nöthige Fehlende anzuschaffen; oder wenn an einem Orte, wie bey uns , gar keine Früchte sich finden, so werden die Untergebenen ermuntert, rohe Materialien aus fremden Ländern zu verarbeiten, und also durch den Arbeitslohn das nöthige Geld zu Ankaufung des Fehlenden zu erwerben. Diese Veränderung der Materialien durch die Arbeit, nennet man Gewerbe. So wird aus der, - 3 « in der Türkey und in Indien erkauften, Baumwolle, Mouffeline, u. s. w. verarbeitet. Den Fleiß in den Gewerben ermuntert die Obrig» kett, indem sie : 1. Dem Müssiggange durch solche Anordnungen wehrt, bey weichen der Müßiggänger in dem Staate keinen Beystand, noch weniger Belohnung oder Ehre findet. Dadurch wird jeder- mann zum Nachdenken gezwungen, wie man sein Brod gewinnen könne. 2. Indem sie die Erfinder »euer Gewerbe mit Ehre, Belohnung, Darleihung von Geld,u.s.w. in ihren Bemühungen unterstützt. z. Indem sie Kunstschulen errichtet, in welchen der Jugend die Kenntnisse beygebracht werden, die die Erlernung der Gewerbe erleichtern können ; dergleichen sind Schreiben, Rechnen, Zeichnen, Geschichte der Künste, Weltbeschrei- bung , in welcher die Gewerbe eines jeden Landes angemerkt und beschrieben werden, u. s. f. Daß die nöthigen Materialien zur Nahrung, Kleidung, Wohnung bequem gemacht und verarbeitet werden, sorgt die Obrigkeit , indem sie die Handwerker, welche aus dieser Arbeit ihren Beruf machen, durch gute Handwerksordnungen ermuntert, welche zum Endzwecke haben sollen : r. Daß junge Leute die Handwerker wohl er, lernen. s. Daß der Fleiß und die Gefchicklichkeit gereizt werden , indem man den Anlaß verschast, daß «in jeder Handwerkömann, nach dem Maasse seines I " ■ 139 seines Fleisses, seiner Geschicklichkeit , und der Bescheidenheit^ in dem Arbeitslöhne seinen Nutzen vermehren möge. Daß den Handwerkern, durch Einführung solcher Waaren aus andern Orten, kein Eintrag i geschehe. 4. Daß hingegen den Mißbrauchen der Frevheiten zum Schaden der Mitbürger gewehret werde. 3 ?» Absicht auf die Krankheiten der Bürger und Untergebenen im Staate sorgt die Obrigkeit: 1. Indem sie veranstaltet , daß der Staat mit tüchtigen Aerzten, Wundärzten, Apothekern und Hebammen versehen sey. 2. Indem sie für die Armen Spitäler errichtet, in welchen dieselben ohne Entgeld nach Noth- durst gepflegt werden. Z. Indem sie alle mögliche Vorsicht und Anffal, ten anwendet, daß aus andern Gegenden keine ansteckende Krankheiten, an Menschen oder am Viehe, in den Staat eindringen. Mit tüchtigen Aerzten, Wundärzten, u. s. w. wird ein Staat versehen i 1 i. Durch Anstalten zur Unterweisung in diesen wichtigen Künsten. 2. Durch Anordnung der Prüfungen der Aerzte, Wundärzte, Hebammen, und durch Besichtigungen der Apotheken, wobey mit der möglichsten Gewissenhaftigkeit zu verfahren ist, da solchen ein so sehr wichtiges Gut, des Menschen » Leben und Gesundheit, anvertrauet wird. 3. Durch 140 Durch Ehre und Belohnung derer, die dem Staate in diesen Berufen dienen. 4- Durch Abhaltung der so schädlichen Quacksalberei) unberufner Aerzte und Marktschreyer. 5. Durch eine genaue Aufsicht auf die Ausübung berufner Aerzte, in Absicht auf Fleiß, Treue, Bescheidenheit. Für die Abwendung ansteckender Seuchen, sorgt die Obrigkeit: j. Durch Unterhaltung eines vertrauten Briefwechsels über die herrschende Krankheit. 2. Durch Veranstaltung genauer Untersuchung durchreisender Menschen, und Waaren, u. s. w. 26 ir haben nun aus dem Vorhergehenden er» sehen, daß in der grossen Haushaltung eines Staates, ein jedes Mitglied einen besondern Theil der Arbeiten, die zur Erhaltung und Vermchrung der Leibsund Seelenkrafle dienen, sich auswählen solle. Wie kann nun aber eine einzelne Haushaltung sich 8as übrige Nöthige erwerben? Durch den Tausch des Ueberffusses, den sich eine Haushaltung durch ihre Arbeit sammelt, gegen die fehlende Bedürfnisse. Indessen wäre dieser Tausch mit vielen Schwierigkeiten und Beschwerden verbunden , wenn ein jeder, was er zu seiner Erhal, tung, Bequemlichkeit und Vergnügen nothwendig hat, gegen seine Arbeit, oder die Früchte davon eintauschen müßte. Wenn z. B- ein Schlosser sein Fleisch, sein Gemüse, sein nöthiges Gerüche von Holz, u. f. w. gegen Schlosserarbeit täglich eintauschen müßte; er müßte seine Zeit damit verderben , und leichter würde er sich jedes Nöthige selbst verschaffen. Damit Damit nun dieser Verwirrung in dem Staate abgeholfen werde , nimmt nian gewisse Bestimmn»« gen an, nach welchen der Werth einer jeden Sache, und der Lohn der Arbeiten geschätzt wird, und zu Zeichen derselbigen nimmt man auch gewisse Dinge an, die bequem mitzutragen sind. Diese Bestimmungen sind: Das Geld, und seine verschiedene Sorten, als: fl. kr. hl. u. s. f. Dazu bedient man sich Stückgen von Metallen, die mit einem aufgedrückten Zeichen von der Obrigkeit bezeichnet sind, wie z. D. bey uns , Kreuzer, Halbebatzen , Sechs« kreuzet - Fünfzehnkreuzerstücke , u. s. w. und diese nennet man Münzen. In Absicht auf das Geld und die Münze , sorgt die Obrigkeit dafür, daß: I. Die Münzen, in Absicht auf die Reinigkeit des Metalls und das Gewicht, mit den Bestimmungen des Geldes und dem Werthe der Sachen, die dadurch bestimmt werden sollen, in einem sichern Verhältnisse stehen. s. Daß der Werth aller Dinge, insonderheit der zum Leben unentbehrlichen Sachen, dergleichen sind: Brod, Fleisch, Gemüse, Wein, Butter, Holz , Torf, u.s.w. in einem billigen Verhältnisse mit dem Gelde angesetzt werde. Dieses wird durch genaue Bestimmungen von Maaß und Gewicht zuwege» gebracht. Es geschiehet öfter, daß mehrerer Fleiß und Sparsamkeit in einer Haushaltung, oder geringerer nöthiger Aufwand, eine Anhäufung des Geldes zur wege bringen. Diese Anhäufung nennet man Reichthum. Reich« Reichthum dienet : 1. Sich selbst zur Bequemlichkeit und zum Vergnügen die Arbeit Anderer anzukaufen, und svl« chen dadurch Anlaß zu geben , durch vermehrte Arbeit sich auch Reichthum zu erwerben. 2. Dem Sraate mit seinem Ueberflusse zu dienen. z. Armen, lurd Nothleidenden beyzusiehen. ^Andern von seinem Gelde anzuleihen, daß sie es gebrauchen 'können, sich nöthige, rohe Materialien und Werkzeuge zu verschaffen, um durch sidlssige Arbeit sich das Nöthige zu ihrer Erhaltung, und Uederstuß an Gelde zu erwerben. . Wenn nun aber ein, Arbeiter mit, dem Gelde Anderer sich selbst einen grossen Nutzen zuwege, brim K-m kann, so ist es billig , daß derjenige,, .welcher das Geld darleihet, einen Theil, des Nutzens für sich beziehe , weil sein Uebersiuß als eine Folge seines eigenen Fleisses und seiner Arbeitsamkeit anzusehen ist. Dieser Nutzen wird der Geldzins genannt. Und demenigm, der das Geld leihet , nennt man den Schuldgläubiger; 'so wie den , der das Geld entlehnt, einen Schuldner. In Absicht auf Anleihungen und Zinse, sorgt die Obrigkeit, daß : i. Keine Anleihungen gemacht werden, die nicht den wahren Nutzen der Haushaltungen zur Absicht haben, sondern nur aus Leichtsinn, und zum Schaden Anderer geschehen. r. Daß die Zinse mit dem angeliehenen Gelde , nach dem daraus zu ziehenden Nutzen, ein sicheres Verhältniß haben. ;.Daß f - HS Daß die Zinse und das angeliehene Geld, nach der Verkommuiß des Anleihers und des Schulde ners, richtig bezahlt werden. Für arme Haushaltungen sorgt die Obrigkeit, indem sie Anstalten macht , daß würdige Arme das Nothwendige aus dem gemeinen Gute bekommen, und Unwürdige zur Arbeit angehalten werden. Unter würdigen Armen versieht man solche, welche an Kräften des Leibs oder Gemüths Mangel haben, um durch eine redliche Arbeit ihr Brod zu gewinnen ; oder durch Unglück in Mangel und Armuth gerathen, solche sind: Arme Waisen , die der Hilfe ihrer Aeltern beraubt sind; Kranke, die durch Krankheiten zur Arbeit unvermögend worden, und alle kraftlose Menschen. Für diese sorgt die Obrigkeit, indem sie die« selben in obrigkeitliche Häuser zur Verpflegung aufnimmt ; dergleichen sind: Waisenhäuser, Lazarethr Häuser, Hospitäler für Arme, Alte, Unvermögende ; oder indem sie ihnen aus öffentlichen. Almo- sengütern zu ihrer Erhaltung einen Beytrag schenkt, und die Verwaltung derselben geschickten Pflegern anvertrauet. Pfleger der Armenhäuser und Almvsengüter, haben dahin zu sehen : r. Daß die Einkünfte wohl besorgt, und durch gottselige Beysteuern vermögender Bürger vermehrt werden. 2. Daß keine als würdige Arme zur Verpflegung und Besorgung angenommen werden. j. Daß dir Unterbeamtete und Bediente ihre Wich. ten getreu erstatten, und den ihnen anvertraut ten <44 ten Armen, nicht ihre Almosen entziehen, sich G selbst dadurch zu bereichern. ke de Bey Feuersbrünsten oder anderm grossem allge» te meinem Unglücke, wo viele in Armuth gerathen, U, sorgt die Obrigkeit durch Einsammlung und gewissen- ct< hafte Besorgung allgemeiner Beysteuern. 1 *< Unwürdige Arme sind diejenigen, welche sich e durch Müsflggang und Verschwendung in Armuth L stürzen. Für diese sorgt die Obrigkeit, indem sie ti aus dre Verschwender Achtung giebt, ihnen die Der je sorzung ihres Vermögens wegnimmt, Und sie ge. •? wistenhaften und klugen Vögten übergiebt; Müssig« st gäuger in Zucht t und Arbeitshäuser einsteckt, und w sie zwingt, ihr Brod dnrch Arbeit zu verdienen. h ii Wie die Obrigkeit sorgt, daß jeder dasjenige, n was er hat, ruhig besitzen und gemessen könne, siehe oben pag. irr. m, Morinn besieht auch die Pflicht desjenigen, und Geisteskräften zu ver-- « 'S gleichen. Allen Fleiß anzuwenden, sich die nöthigen r Fähigkeiten zu erwerben, und insonderheit über s seine Leidenschaften zu herrschen, damit sie ihn dereinst nicht stohren , mit unerschütterlicher Redlichkeit und Treue seine Pflichten auszuüben. Vor allem aber soll er sich gewöhnen, selbst das beßte Beyspiel eines redlichen, friedfertigen, und getreuen Bürgers zu geben, indem nichts mehr hilft, das Ansehen der Obrigkeit zu erhalten, und allen Gesetzen Gesetzen den Nachdruck zu geben , als wenn vbrig. keitliche Personen in dem«Gehorsame kec Gesetze, >a der Weisheit und Tugend den Uutergeb-neu vorleuch- ten; so wie nichts der gemeinen Wohlfahrt nachthei- liger ist, als wenn solche Personen von der Der, achtung der Gesetze, von Unverstand und Laster ein Beyspiel geben. Äste Bürger und Untergebene, unter und gegen einander, sollen flch alS Bruder lieben, einem jeden, nach dem Maaße seiner Einsicht und Tugend, Hochachtung und Ebre beweisen , in der Zusammen, siimmung der einzelnen Beschäffcigmigen zum allgemeinen Beßren ihre einzige Wohlfahrt und Sicher» he>t suchen, und flch bestreben, durch redliche Arbeit in ihrem Berufe, zu dem Beßren der Nedenmensch.cn nach ihrem Vermögen bevzutraqen , und dadurch daS Gute, was man von dem Staate geniesset, vergelten. Der beßte Staat ist daher derjenige, in welchem ein jeder Bürger' nach dem Stande und Berufe, in welchen ihn die Fürsehung gesetzt bar den Vor» schriften der Gesetze folgt, und in der Wohlfahrt des Staats sein eigenes Glück sucht. Und dcr beßte Bür» ger ist derjenige, welcher das thut, was in dem deß» ten Staate alle Bürger thun sollen. Der Zusammen» stuß aller bürgerlichen Pflichten wird die politische Lugend ; und der, welcher die politische Tugend mit der möglichsten Vollkommenheit auszuüben sich be. strebet, ein wahrer Patriot genannt. K Die »46 Die Haushalrungskunst. ^ie Haushaltungskunst, oder die Klugheit beym Haushalten, besieht in der Geschicklichkeit, sich auf eine rechtmässige Weise ein Vermögen zu erwerben , zu erhalten, zu verwalten, und zu vermehren. Unter dem Vermögen versieht man alles , was jemand eigenthümlich besitzt, oder von eines andern Vermögen zu nützen berechtigt ist, als: Häuser, Güter, Aecker, u. s. w. Ein 'Vermögen erlangt man entweder ohne , oder durch Mühe und Geschicklichkeit. Ohne Mühe und Geschicklichkeit erlangt man ein Vermögen durch Erbschaft, Schenkung und Vermächtnis Ein Vernünftiger verläßt sich nie auf Erbschaften, denn viele Fälle können seine Hoffnung vereiteln. Kein rechtschaffener Mensch wird sich durch Lotterien bereichern wollen; da der Verlurst weit ge< meiner und gewisser ist, alS der Gewinn; und besonders sollte Niemand Theil daran nehmen , den der Verlurst des eingesetzten Geldes in Verlegenheit setzen könnte. Die Erlangung der Güter durch Mühe und Geschicklichkeit ist also diejenige, auf die man sich vorzüglich verlassen kann. Sie gewährt auch einem rechtschaffenen Menschen das meiste innere Vergnügen , vornehmlich wenn weder Geitz noch Ungerechtigkeit zu dieser Erwerbung beygetragen haben. Folgende Regeln sind hiebey sehr nöthig zu deobachten : . r. Suche eine möglichst vollkommene Kenntniß derjenigen Beschäftigung zu erlangen, durch welche d» ein Vermögen erwerben willst. s. Bit a, Besteye dich von thörichtem Aberglauben, oder von der Anhänglichkeit an alte thörichte Gebrauche , weil du dich dadurch hindern würdest, zu einer vokkommencn Kenntniß deiner'Kunst oder Wissenschaft zu gelangen. z. Sey arbeitsam , aber nicht so unmässig, daß du deine Kräfte und Gesundheit schwächest. 4. Setze dabey ein vernünftiges Vertrauen auf Gott; das wird dich von ängstlichen Sorgen be« freyen, deinen Muth starken, und dich zu einem klugen Verhalten in widrigen Fällen geschickt machen. Vom Buch - und Rechnungführen. besonders ist es jedem Bürger und Handwerks« manne , wenn er sein Gewerbe mit gutem Erfolge betreiben will, nöthig , sich einige Bücher zu halten, worinn er solche Geschäffte aufschreibt, welche er nicht aus dem Gedächtnisse verliehren darf, und woraus er zuweilen den Ueberschlag machen kann, ob er in Absicht seiner Vermögensumstände vor -oder rückwärts gekommen sey. Die nothwendigsten dieser Bücher sind folgende: I. Ein Ausgab - und Einnahmbuch. hierein schreibt man Tag für Tag auf , waS man an baarem Gelde auögiebt oder einnimmt. Man gewöhne sich dabey, daß man kein Geld eher aus den Händen gebe, und kein eingenommenes Geld eher weglege, bis man solches aufgeschrieben hat. Auf die Seitö des Buchs zur linken Hand, pflegt man die Einnahme, und auf die zur rechten, K a die >4H We Ausgabe ju schreiben. Doch ist dieses gleichviel, wenn man nur nicht beides untereinander schreibt, sondern jedes auf eine besondere Seite. Es ist sehr gut, wenn die Frau des Hauses ei» besonders Buch hält, worein sie alle ihre Ausgaben für die Wirthschaft aufschreibt. Der Mann braucht alsdann nur beum Schlüsse des Monaths die Summe des für die Wirthschaft ausgegebenen Geldes aufzuschreiben. So ist es auch gut, wenn »ich der Mann nach Maaßgabe seines Verdienstes etwas Gewisses monathlich zu seinem Vergnügen, und eben so auch etwas Gewisses für die Armen bestimmt, alsdann braucht er dieses Gtld nur mir einer Zeile monathlich oder wöchentlich einzuschrei- hen. Dabey muß er aber wohl überlegen , wie viel ihm Sehet hier ein Beyspiel von dem jetzt gesagten: * 787 « Jenner Tag. Einnahme. fl. kr. hl. -7 Transport von voriger Seite - t 54 20 7 27 Für 1 paar Stiefel 11 28 Für i paar Schuhe 2 24 — 29 Zahlte Hr. Engler für seine Rechnung 36 8 L 3 ° Zahlte Hr. Wild für seine Rechnung 28 54 4 30 Für ein paar Pantoffel» I 48 M Für 3 paar Schuhe 7 12 Für r paar Stiefel vor- j 3 ‘ zuftbuhen - 4 48 3 i Zahlte Hr. Wetter für Rechnung - 28 54 4 Summa st. U76I 27 Transport 42 18 27 Für i Klafter Holz 4 15 -- >27 6 . Felle Leder t 9 48 — 28 Für hänfnes Garn - 2 54 2«) Für Zweck - » i 12 — 30 Für Pech t t I 30 Für Svhlleder - 18 20 — 31 1 Laut Buch für die Wirthschaft in diesem Monathe 23 12 31 3 1 An Gesellen Lohn - An die Armen 1 4 28 3 l Für Vergnügungen » 54 3 * Für Kleider für meine Kinder - - 6 18 Summa fl. Ui2 l 47 l Ausser * 5 ° Ausser diesem Buche ist noch unumgänglich nothwendig: II. Ein Gedenkbuch oder Manuale. hierein schreibt man täglich alles auf, was man sonst im Gedächtniß behalten müßte, vorzüglich: i. Alles, was man verborgt. Man schreibt den Tag, an welchem solches geschieht, den vollständigen Rainen, und wenn es ein Fremder ist , den Ort des Aufenthalts des Mannes , welcher borgt, mit dem Worte: Soll oder Debet, das heißt: er ist schuldig-, hernach den Betrag des Geborgten , und auch die Umstände, welche etwa dabey zu merken nöthig sind. 2. Alles Form des Manuals. Ln. 1787. Monath Jemier. Soll fl. kr. I Herr Peter Zürcher allhier Soll 1 paar Stiefel von engt. Leder 11 — L Herr Conrad Pfau in Arbon Soll 1 paar Damen Schuhe von schwarzem Leder * - 2 Den 8ten dieses bezahlt. Ä Herr David Sinner allhier Soll 1 paar Schuhe für ihn selbst 2 24 i « dito für Mad. Sinner 2 —- 1 i dito für den Hrn.Sohn I 4 Herr Georg Ivach. Springer in Herisan < - Soll 1 paar Stiefel s > » 9 Für Vorschützen 1 paar alte Stiefel ! 1 pnab Schuhe für ihn selbst 2 3 ° 2 24 was man auf Borg empfangt. Hierbey schreibt man ebenfalls den Tag , wann solches geschiehet , den vollständigen Namen desjenigen, von dem man empfängt, mit den Worten: Soll haben oder Credit, welches bedeutet, daß er zu fordern habe. In Ansehung des erstern , wenn man das Geld empfängt, streicht man die «Lache durch , schreibt darunter „ bezahltund tragt es in dem Einnahmbuche ein. In Ansehung des letztem, wenn man es bezahlt hat, streicht man es durch, schreibt darunter, „bezahlt" und trägt es in dem Ausgabenbuche ein. Form des Manuals. w An. 1787. Monat Hornung. . ’ ss. kr. hk. 6 Herr Adam Sträube in Rorschach 6 Felle engt. Kalbleder Soll haben 8 Schäfte zu Stiefeln - - *5 18 — iS Herr Dondes allhier Soll haben nahm von ihm aufIntereffen gegen 4. procent jährlichen Zins Den 17. Augstmonat bezahlt. 100 — — 21 Mein Gesell Jacob.Brnns aus Wien t t t Soll gab ihm Vorschuß auf zwey Monathe t t * t 8 ^ 5 - Habt nntt alles immer gehörig ansgecha» und durchgestrichen was ihr bezahlt Hader, oder euch bezahlt worden ist, so sehet fieissig euer Buch nach, wer euch schuldig ist, um euerr Forderungen gehörig einzutreiben, und in Absicht euerer eignen Schulden Ordnung hallen zu können , welches denn besonders am Ende des Jahres nöthig ist. Sollten s sich euere Geschäfte sehr ausbreiten , so thut ihr am ' beßten , ihr Halter euch ein so genanntes Conto-Buch, nach dessen Einrichtung ihr euch bey einem Kauf- manne erkundigen nrüsset. Um eine Haushaltung gut zu führen, ist über das noch nöthig, folgende Regeln zu bemerken: 1. Niemand muß Schulden machen, oder Geld entlehnen, der nicht voraus weiß, daß er werde bezahlen können. Durch Schulden wird unser Zustand anfangs nur wenig, nach und nach aber immer mehr zerrüttet, so daß endlich Credit und Ehre, ja wohl gar Sicherheit und reden in Gefahr kommt. 2. Ordnung ist das Nothwendigste in einer Haus- Haltung. Man muß daher alles zu rechter Zeit thun, alles zu rechter Zeit anschaffen, und einer jeden Sache ihren rechten und schicklichen Ort anweisen, um sie vor Beschädigung zu ber wahren , sie gut zu beobachten, und leicht zu , finden. Man muß keine nöthige oder nützliche Arbeit aus Faulheit oder Nachlässigkrik aufschieben. Ist eine Verbesserung in brr Haushaltung nöthig , so muß vor allen Dmgen auf die Der- Minderung der Ausgaben gedacht werden, da man die Vermehrung seiner Einkünfte nicht in ftnrer Gewalt hat. 4. Man 4. Man muß sich sehr hüten, das Geld nicht auf unnütze Kleiderpracht, kostbares Essen oder über- fiüssigen Hausrath zu verwenden ; aber eben so sehr auch vor dem Geize, der Wurzel alles UebelS, und ja nicht denken, daß grosser Reichthum allein glücklich mache. g. Ueber Sachen von Wichtigkeit, die man kauft oder ausieihet, lasse man sich richtige Kaufbriefe, Obligationen, Quittungen einhändigen, und überhaupt das , was mündlich zugesagt worden ist , lasse man sich auch, wen» eS nöthig ist, schriftlich versichern. Geschichte i 5 4 . . ■' . — . ■■ >v -T a ma * g---- ■ - Geschichte unsers Vaterlandes und unserer Vaterstadt. f , Die Historie ist ein Spiegel der Wahrheit, „welcher die vorigen Zeiten darstellt wie sie ,i waren , damit unser Zeitalter sorgfältiger „wache. " Müller. Alte Einwohner. Römische Herrschaft. 60. Jahr vor Christi Geburt, bis 429» nach Christi Geburt. -Ungewiß ist der Ursprung der Helvetier, wie der meisten Völker. Die ältesten Geschichtschreiber halten sie für Verwandte der Gallier. Sie wohnten in eben den Gränzen, die heut zu Tage noch die Schweiz einschliessen. Das Land war in viele besondere Gauen getheilt; die Einwohner in Stämme und Horden. Beynahe unumschränkt überliessen sie ihren Häuptern dir Regierung. Gesetzgebung und Religion standen in der Hand der Druyden (Priester); ihr Ausspruch war als Ausspruch einer Gottheit verehrt; in ihrer Gewalt war »das Todesbeil und der Bannftral; such Menschen opferten sie. Die Mitten des Volks waren überhaupt die ?ines krie» gorischc» gerischen oder Jagdvolkes. Anfangs hatten sie noch keinen Feldbau, 'also auch wenig Städte; Tapfer« keic war ihr größtes Verdienst. Mangel und Unge« . duld trieben die Einwohner zum Raube an. Schon hatten sie einmal durch einen grossen Sieg ay dem lemauuischen Seee die Herrschaft Roms erschüttert, nachdem dasselbe den Thron Alexanders gestürzt, Asien und Griechenland unterjocht , Cartstago zer- stöhrt hatte, und nun wider die Helvetier stritt. Orgetorip , einer der tapfersten, herrschsüchtigsteu und vermöglichsten Einwohner, -beredte das Volk hierauf zur Verbrennung ihrer Wohnungen, und zur Eroberung eines günstigern Bodens ; 378/000 stark zogen sie aus, wurden aber von Cäsar, an dem Ausßusse der Rhone auSdem Genferseee, geschlagen. Dieß geschah ungefehr 58 Jahre vor Christ' Geburt. Von wo an auch Helvetica , das vorher frey und schon in einiger Eydsgenossenschast gelebt statte/ unter römische Botmassigkeir kam, und die Waffen verlvhr. Eben so 'klug als großmüthig wurde indessen den Helveticrn von dem römischen Weltbezwinger istr Schicksal erleichtert, indem sie aus Sclaven zu Bundsgenotsen der Römer erklärt wurden. Als solche wurden sie zwar durch römische Proconsuls und Statthalter regiert, lebten aber nach eignen Gesetzen—Aber was ist ein Volk ohne Waffen? Es fanden sich um diese Zeit 4 Hauptstämme oder Gauen in Hclvetien, als : der Tigurinifche, in welchem sich das Zürcher t und Thurgau befand: der Tuginische, worinn sich Zug, Uri, Schweiz , Unterwalden, und ein Theil von Lucer« befand; der Ambvomsche, die Gegend um den Fluß Emma bis an die Rhone; der Urbigenische , die Gegend bey Orbe bis Genf "und Burgund. Bald aber, nach der Rückkehr der Helvetier in ihr Vaterland, ward Hckvetien getrennt , weil es Antheil an der gallischen Verschwörung nahm. Wenn rZ6 Wenn Ausbildung ein Glück ist , so hatte es damals Helvetien seiner Unterwerfung zu danken. Theils wurde der Straßenbau befördert, theils wurden neue Städte erbaut. Noch tragen viele Städte und Dörfer, die damals erbaut wurden, römische Namen, als: Augusta, Angst; Arbor felix, Arbon;. Forum Tiderii, Kayserstuhl ; Curia, Chur. Hin und wieder wurde die römische Sprache eingeführt ; und Schulen errichtet. So wie an Kenntniß und Sitten, eben so auch an Wirthschaft , gewann Helvetien 'in diesem Zeitpunkte Vieles, z.B. dadurch: daß der vorher beynahe unbekannte, und ungenützte Landbau eingeführt wurde; man fieng an Sommergerreyde, thrazischen Waizen, Hafer und Gerste zu bauen ; der Pflug, wurde verbessert; das Land blübre auf in langem Frieden, der menschliche Fleiß drang in die Alpen; der Handel und Ertrag der Alpenkübe wuchs; die Alpenkaie wurden berühmt ; zur Beförderung des Handels und Wandels wurden Felsen gesprengr; für die -Arzneykunde und andere Wissenschaften wurden Collegia errichtet. Wie aber zu den glücklichen Zeiten Roms Ausbildung über seine Provinzen, und so über Helvetien sich verbreitete, so breitete sich auch über dasselbe Roms Verfall aus Man lernt aus diesen Zeiten, daß der Verfall der Gesetze und Sitten zum Untergänge einer Nation mehr beyträgt, als verlohrne Schlachten. Je schwächer und entzwevter Rom in seinem Innern war, je leichter war der Ueberfall in den Gränzorten des ReichS. Die Germanen beunruhigten am untern Rheine Gallien, und die Alle- mannen am obern Helvetien. Me- -57 Memannische Herrschaft. Vom Jahr 4<2y. bis Ende des 5"" Jahrhunderts. «5e mehr die Schwäche RomS, wie schon gesagt, «ber-hand nahm, je unvermerkter ward in dem östlichen Theüe Hervetiens der römische Scepter von den Ällemannen zerbrochen , so wie in dem westlichen von den Burgundern, einem wendischen Volke, welche beide Nationen zwar RomS Vasallen, und durch die Gnade des Kaysers Gratian in Helvetien gepflanzt waren, nun aber zu unumschränkten Herren von ganz Helvetien sich auswarfen. Die Bur, gunder unter ihren Königen waren nachgebend und friedliebend; den nlten Einwohnern liessen sie ihre Sitten und Gesetze; zwo Völkerschaften lebten beysammen . die bald in eine erwuchsen. Nicht so menschlich bezeigten sich die 'Allemannen. Die Ein- • wohner, dw nicht durch das Schwerdt umkamen, flüchteten sich tiefer in die Gebirge, durch welchen Anlaß auch das Appenzellerland und die St. Gallische Gegend bevölkert wurde. Die geringste Spur von Roms Gebräuchen und Kunstwerken war ihnen zuwider. Alles sank wieder in die Rvhhcit der ersten Barbar«) zurück; die eingeführte ländliche Wirthschaft, römische Sitten und Sprache, und endlich gar der Helvetische Name gieng verlohren. Die Bewohner der westlichen Gegend Helvetieno wurden Burgunder, und die der östlichen Allemannen genannt. In diesem Zeitraume zeigten sich m^ 4 ’ Helvetien die ersten Spuren der Pocken. Allmälig fiengen indessen die Allemannen an, doch etwas von der römischen Verfassung zu bor. gen. Jeder allemannische Herr besaß einen Meyer- hof (Curris); Leibeigene besorgten ihn. Mehrere Cürtee machten einen Lenk aus. Das Haupt eines solchen hieß Lenmchter (Centenar). Jeder Cent 158 hatte seine eigene Gerichrsftärre (Mallus ); das Urtheil war auf atlemannisÄe Gesche gegründet. Mehrere Cente wurden in Gaue;; (pagüe) verei. nigr: ein Graf war ihr Oberhaupt. Ueber den Grasen war ein Herzog. Die Religion der Allemannen war eben so roh, wie sie selbst. Sie norden als ruchlose, darr -arische Menschen und Götzendiener beschrieben. Fränkische Herrschaft. Vom 6ttn bis Ende des yten Jahrhunderts. Ursprünglich zwischen dem Mayn, dem Rhein und der Weser, iag ein mächtiges Volk , die Lran- 499' keu. Sie giengen über den Rhein, eroberten Gallien , machten dem römischen Reiche ein Ende, und erhielten im gleichen Jahre, unter Anführung ihres Königs Llodowichs, ( aus dem Merovingn schon Stamme) bey Tolbiach am Rheine, einen glorreichen Siez über die Allemannen, wodurch kda die Burgunder bald hernach, durch die Verjagung ihrer Könige, ein ähnliches Schicksal erlitten,) Hel- veiien unter fränkische Herrschaft gerieth., Die überwundenen Burgunder genossen ein milderes Schicksal als die AUemannen. Sie hatten das Reckt, ihre besondern Könige zu bestätigen und Volksversammlungen zuchalten. Nicht so die AUemannen; die Menge der durch die Entweichung herrenlos gewordenen Curtes wurde ein Raub der Krone, deren wenige.sie für sich behielt, die meisten aber an Edle vergab, wodurch die alte Ordnung unter den neuen Beherrschern grossembeils beybehalten wurde, so z. B- daß jede Völkerschaft ihre eigenen Gesetze beybehielt, und nach ihren Rechten gerichtet wurde. Beweise *59 ct g Beweise geschahen durch Zeugen und Lyde; noch , waren schriftliche Urkunden selten. In Lriminal- , ei * Processen hieng oft die Entscheidung von einem ^' oweyknmpfe, von der Berührung eines glühenden 1 Eisens , rc. ab. Diese Rechtsform hieß man das Urtheil Gottes. Die vornehmsten erwähnter Edeln fo i waren in unserer Gegend, die Grafen von Toggen. ar« bürg, Aamschwag , Taito im Thurgäu, u. s. w. . die ihre Untergebenen meistens als Leibeigene der herrschten. Noch war die christliche Religion in unsern Gegenden wenig bekannt. Mitten in diesem Zeiträume kamen auS den entfernter» Gegenden Europa's, z. B. Erin auS dem nördlichen Theile Jrrlandes, Gallus und Columbanus , nebst einigen Andern , in die nd Schweiz, in der Absicht, entfernten Nationen das n- Evangelium zu verkünden , und das Heidenthum al- auszurotten. Dierbert, damals König in dem alle, e, manischen Helvetien, gab ihnen Erlaubniß daselbst ng den christlichen Glauben zuverkünden. .Ersterer er, gi, richtete gegen, das Ende seines Lebens, in der Ge< >en gend, wo die Stadt und das Kloster St. Gallen da steht, eine Zelle ; Graf Talto schenkte ihm 6za. ng einen Theil der Gegend, die er mit Hilfe seiner »el, Bruder bepflanzte , und darauf die kleine Heerde )ie weidete; und 50 bis 60 Jahre nachher, wurde 'es durch Vorschub walkrams, eines Urenkels Talas lv's, das Kloster St. Gallen gestiftet, und von an- ksr dern Königen verschiedentlich mit Land beschenkt. In n; andern Gegenden der Schweiz faßte das Christenge- thun, ebenfalls vestern Fuß. t , an Bald nach den Zeiten König Dagoberts blieb >en seinen Rachkommenen den Merovingen , da sie sich e, einem ausgelassenen Leben ergaben, nur noch die ye königliche Würde ohne Macht übrig; in dem ihre de. cvberhofmerstcr diese-' immer mehr m sich zogen; Hieraus Hieraus entstunden verschiedene Kriege, in welcher einem St. Galli Zell und der dabey anfangende 658. Flecken zwey mal überfallen und geplündert wurde, “oy. Bald hernach erhielten die Drüder derselben uncer 720. dem Regenten Pipin von Herstall , und durch Vorschub Graf Waltrams , die Erlaubniß, einen Abt zu wählen , weiches in der Person Othmars eines Vetters desselben geschahe. Otdmar führte die Benediktinische Regel unter seine Bruder ein ; bauet« erntn Spiral, und errichtete eine Schule. Unter ihm wuchs das Kloster an Gütern sehr. Pipm, der erst dir Monarchie unter dem Titel eines Herzogs beherrschte, beherrschte sie zuletst als König / und hinterließ sie bey feinem Tode sei, 768. nem Sohn Carl, genannt der Grosse. Dieser Karl war ein mächtiger Fürst seiner Zeit; durch die ausser, ordentliche Kraft seines Geistes erstritt er den Thron der schngobarden, das Kayserthum von Rom , die Oderherrschaft in Deutschland. So wie er furcht, bar im Kriege war, so war er auch ein Barer seines Volks , ein Freund der Religion. Zu seinen Zeiten war Volk und Heer einerley. Wer drey oder mehr Höfe hatte, zog in den Krieg, Knechte und Haus- hälter baueten das Land. Er regierte nicht ohne aste Schranken; die Kirche und den Adel hielt er aber unter seiner Oberaufsicht. Bald aber nach seinem Tode verfiel diese Verfassung. ' 814. Unter seinem Sohne Ludwig, den man den Andächtigen nannte, ergab jeder sich und sein Gut einem Schirmherrn ; viele trugen ihr Erbe am liebsten in Klöster, wodurch diese einen grossen Zuwachs erhielten; aber auch durch Reichthum und Macht gereizt, unabhängig zu werden suchten. So entzog sich, unterm Abl Gottsbert, das Kloster 83 * ♦ St. Gallen der Aufsicht, die der Bischof von Konstanz über dasselbe hatte. Die Aebte verhielten flch zu den Bischöfen, wie die Grafen zu den Herzogen. ' l6* Zu diesen Zeiten waren die Sitten noch sehr einfach. Jedes Haus lebte für sich, jeder war sich selbst genug. Keiner war so geschickt , wie wir, in einer Sache; von uns ist keiner in so vielen Sachen geschickr, wie sie. Wir kennen Ost - und Westindien, sie bedachten besser, was die Natur bedarf. Sie waren arm und fmj , wir frey und reich , aber für andere. Ludwig begieng den Staatsfehler, daß er seine Reiche zu frühe unter seine Söhne theilte, daher eut- stunden große Rebellionen und verderblich^ Kriege. Bey einer solchen Theilung kam das östliche Helver tien , und also auch St. Gallen, unter Ludwig den deutschen, und das wcstllchc unter Lotharurm; und das mächtige Reich Karls, von dem seine Nachfolger zwar die Krone, aber nicht den Verstand geerbt hatten, erlosch endlich ganz. Um diese Zeit war das Stift St. Gallen schon sehr reich durch viele Güter und wnnderwirkende Reliquien , doch grösser durch die Würde genauer Zucht und besonderer Liebe der Wissenschaften. Die Bruder lasen die beßten Schriften der größten Kirchenlehrer. Ohne die Aebte Gottobert, waldo und Hartmuth , die Stifter der Bibliothek im Stifte St. Gallen , würde Cicero vergeblich von den Zwecken unserer Handlungen und von den Gesetzen für die Nachwelt geschrieben haben. Allgemeine Jnnbegriffe der Gelehrsamkeit schrieb der edle Abt Hartmuth eigenhändig. Schade, daß diese ar. beitsamen Brüder Weisheit von Wortgepränge nicht besser zu unterscheiden gewußt haben. Abt Srimwald stiftete Schulen, und wird von Rat- pertus als ein Vater der Armen geschildert. Uebri- 07 gens glänzten die Kirchen vvm größten Reichthume. 1ÜL Die deutschen Kayser. Vom ictai bis zum izten Jahrhundert. Nachdem der letzte Kayser aus dem Stamme Karls des Grosse» , Bari der Fette, abgesetzt wurde, bemächtigte sich Arnolph, ein uuächrer Sohn seines Bruders, der Krone. Diesen erkannte das nördliche Helvetien als Landesherrn , und so ward es zu dem neuen allemannischen Herzogthume Schwaben geschlagen. Das südwestliche Helve« rien hmgegen fiel zu dem burgundrschen Reiche, welches Rudolph, ein Sohn des Grafen von Strallingen, jenseits des Jurassus aufrichtete; bey dessen Nachkommen es vom Jahre 888. bis auf das Jahr 1032. blieb, wo Rudolph III. ohne männliche Erden starb, und es an dessen Tocktermann, Loru rad II. aus Franken, fiel, und so hernach ganz Helvetien unter den deutschen Scepter vereiniget wurde. Oben erwähntes schwäbisches Herzogthum verwalteten die königlichen Kammerdolen Erchanger tgu und Berchtold ; und zu eben der Zeit lebte Salomo, Bischof zu Konstanz, in St. Gallen und zehrn andern Klöstern Abt, groß bey den Kaysern, und weit über seine Zeitgenossen, durch Geist, Ge< lehrsamkeit und ein gewisses edels Gefühl der ihm zukommenden Würde erhaben. Jso, der gelehrteste Mann seiner Zeit, ein sanctgallischer Lehrer , hatte ibn zu feinen Sitten erzogen; sein durchdringender Erstand machte ihn den Königen im Rathe und I98. Umgänge unentbehrlich. Er baute bey uns St. Magni Kirche, und stiftete eine Probstey daselbst. Unter ihm entstund auch die Gesellschaft des Nothveststeins. Dieser Mann war die Ursache, daß $i< erwähnten Kammerdolen gestürzt wurden, und i» I i6Z in dem schwäbischen Helvetien ein Herzog aufkam. Aufgebracht hierüber, suchten die erwähnten Kammerboten, ihn gefangen zu nehmen; es gelang; dem mäch, tigen Prälaten kam alles Volk zu Hilfe, ihn zu be- freyen; die Kammerbcken selbst wurden gefangen, , enthauptet, und Graf Burkhard von Schwaben* wurde zum Herzoge ernannt. Da in diesen Zeiten ' keine deutlichen Gesetze über die Verwaltung des gemeinen Wesens vorhanden waren , wurde Recht und Macht oft ein Spiel der Klugheit und Gewalt. Dieser Herzog Burkhard war ein sehr chrgeü ziger Mann. Bald nach seiner Erhebung rebellttte er wider den damaligen Kayser Heinrich; er verjagte die reichenanischen Mönchen, weil sie sich seinen Absichten wiedersctzten. König Rudolph II. von Burgund wollte mit dem deutschen Kayser den Untrrnehinungen Herzog Burkhards Gränzen setzen; Ruüoiph zog ihm entgegen, ln den Gefilden des alten Vitodurum ( Winterlhur ) kam es zuk Schlacht, in welcher er siegte; hier legten die alte* sie» Bewohner St. Gallens die erste probe ihrer Tapferkeit ab. Hierauf wurde Friede gemacht. In einem andern Feldzuge, den Herzog Burkhard bald 9«-. hernach nach Italien unternahm, auf welchem er von dem damalige» Abte des Stifts St. Gallen, Engelbert , die geforderten Steuren mit Gewalt einnahm , wurde er hinterlistig umgebracht; und Kayser tdttc» I. übergab hernach das Herzogthum Schwaben zur Verwaltung dem Landgrafen Hermen von Franken, wodurch dieser, wie der vorige, 94«, Regent über das Kloster und den Flecken St, Gallen wurde. In eben diesem Zeitpunkte kamen dle Säst»« denen, (Hunnen- ein wildes grausames Volk, in das Land; bey uns und überall mordeten und plünderten sie, was sie fanden. Die deutschen Kay- 8 » str ser waren zu schwach, ihnen zu widerstehen; das gab Anlaß, daß aus Befehl Kayser Heinrichs, viele kleinere und grössere Flecken, mit Gräben und , Mauern umgeben, und in Städte verwandelt wurden , um ihrem ersten 'Anfalle auszuweichen. Eben dieses geschahe mit dem Flecken St, Gallen unter 953. Abt Anno, und unter Abt Notker wurde der 980. Bau vollendet. Endlich wurden die Saracenen von Conrad, einem, Sohne des Königs Rudvtph, im westlichen Helvetien geschlagen und zerstreut. Kayser Heinrich vermehrte und errichtete nicht nur die Stadre, sondern errichtete darin» Bürgerschaften. Zuerst befahl er, daß der neunte Theil aller waffemragenden Mannschaft in die Sradte ziehe. Hierauf machte er fie durch viele Freyheiten zu Mittelpunkten des Fleisses und Handels. Es wählte jeder nach seiner Neiaung einerley Arbeit sich zum, lebenslänglichen Geschaffte; so entstunden Handwerker. Die f'andlente blieben dem Acker- baue getreu, für die' Stadtarbeiten rauschten die Bürger die Landesfrüchte ein. Zu diesem Tausche wurden Tage bestimmt, und so entstunden die Märkte in den Städten. Und da der Feldbau und der Handwerkefieiß, durch den Vertrieb ange- frischt, bald mehr hervor brachte als verbraucht wurde, wurden die Menschen zu Ausbreitung des Handels bewogen, und der aufblühende Wohlstand 996. der Bürger nahm fichtbar zu. Kayser Otto verlieh um eben diese Zeit der neuangehenden Stadt St. Gallen die Münzgerechrigkeit. Die damals blühenden Kenntnisse wurden über unsere Gegend aus dem Kloster St. Gallen verbreitet, das zu dieser Zeit wegen der Gelehrsamkeit in dem größten Rufe stund. Aus dieser Schule ist Ekhard am berühmtesten Hedwig, Herzogin in Schwaben, wollte dem Kloster ein Gut verga- I bett, iMiri Ekhard bey ihr wohnen dürfe. Diese grosse Frau liebte die Alten ; sie empfahl ihrem Kavlan den Virgilius, den höchsten Stolz der lateinischen Muster; sie liebte Horaz, den freundlichen Kenner der Menschen, welcher den Genuß des Lebens am weisesten lehrt. Eine edle Art Selbstgefühls zeigte sich durch ganz Helvetica in diesem Zeitpunkte. Manche Stadt und viele Klöster, Eiusicdeln, Murr, u. s. f. hoben an und gediehen in ihrem Wachsthums. Groß und ruhmwürdig waren Zürich, St. Gallen, u. s. f. Nach dem Absterben Kayser Heinrichs erhielt ssonrad , ein Herzog in Franken , das Kayser- 1024,. thum, und mit diesen! wurde Helvetien, zum andern Male nach der ersten Freyheit, unter die Oberherrschaft eines einzigen Herrn gebracht. Allein von dieser Zeit an entstunden viele Unruhen. Die Aebte wurden in eine Reihe verdrüßlicher Vorfalle, nutz in eine Kette von Kriegen verwickelt; die Musen, die die Schaubühne der Zerstöhrung fliehen, wurden verscheucht, und das Land und unsere Gegend in einen Kampfplatz innerlicher Zwietracht verwandelt. Die Pabste setzten drey Kayser ab, woraus viele Verwirrungen entstunden. Endlich behauptete Rudolph, Herzog in Schwaben, gegen Heinrich IV. durch die Unterstützung des Padsts , das Kayserthum , und viele vornehme Grafen und Herren, als das mächtige HauS Montfort, der an Gut und Leuten reiche Graf von Ryburh, die Bürger von Zürich, Burkhard, Jischof von Basel, u. a m. stritten bald mit mehr, bald nritmin- derm Glücke für den Kayser; besonders nahmen sich seiner der mächtige Herzog Berchtold von Zäh- ringen, und weif. Herzog zu Bayern, an. Diesen i66 Diesen Herzoge» und allen Grafen und Prä, !aten des päbstiichen Anhangs widerstand Ulrich von Eppenstein, Sohn des Herzogs von Körn« then, von Kayser Heinrich als Abt in St. Gallen verordnet. Berchtold , Herzog W.lf , die von Kydurg und Montfort legten ihre Hand auf all sein Einkommen , so daß er den Kirchenschnmck nm Drod verpfänden mußte. Ulrich aber, auf seinen- Fürstensinn gestützt, harrte der Hilfe von Kärn» then , mit dieser that er seinem Feinde vielen Schaden; da er über richt stark genug war, mußte er endlich weichen, und entwich, nur mit drey Knechten , in die Stadt Agen an der Garronne. Endlich wurde Rndolph von Heinrich erschlagen. Plötzlich erschien Ulrich wieder in seiner Herrschaft, be, siegte und erschlug Volkcath von Tvggenburg, den Befehlshaber des feindlichen Heers, und verbrannte die Burg des Grafen von Tvggenbstrg. Aufgebracht hierüber, zogen seine Feinde a»s, ihn auf allen Seiten anzugreifen. In dieser grossen Gefahr mahnte er die Bürger von Sr, Gallen und die Appenzeller auf, ihm beyzustehen ; er legte sich mit ihnen an die Sitter; durch seinen Muth überwältigte er den Grafen Diethelm von Toggen- bnrg, und gab ihm den Frieden um «in grosses Geld. Allen übrigen liest er keine Gelegenheit, von ihrer überlegenen Macht einen entscheidenden Ge, brauch zu machen, und vergalt ihnen die Verwüstung seiner Dörfer. Ulrich war ein Mann, der in den alten Zeiten, als das Haupt einer griechischen Republik, hätte blühen können. Nach ^dem Tode Köniq Rudvlphs stritten sein Gehn Berchrold und Lriederrch von Hohenftauf- fen, der Eidam Kayser Heinrichs, um das Herzog- thum Schwaben; ersterer starb, und feine Guter erbte Berchtold von Zähringen , sein Schwager. Das Das Land war müde von langem Unglücke; dieses bedachte Becchrold von Zähringe» , ein weiser und gerechter Mann, »nd beschloß ein zweifelhaftes Glück dem Frieden aufzuopfern. In Maynz übergab er dem Kayser das herzogliche Arm, und der Käufer ihm den Gau , die Scadt und Münster I0 9 “* Zürich, die Kastvogtey und kayserliche Macht. So wurde das Land ruhig. . Von diesem Zeitpunkte an, bereitete sich in Helvetien, durch die wohlthätige Macht der Für« sten von Zahringen L der Uebergang aus der alten Verfassung zu grossen Dingen; besonders da die Kayser aus dem schwäbischen Stamme, in sich schwach, von den Pabsten gedrückt, den Stifter» und Klöstern, so wie den weltlichen Ständen, vieles nachsahen und einräumten, weil sie ihre Hilfe bald gegen die Päbste, bald gegen andere Gegner nöthig hatten. So ertheilte Heinrich V. der Stadt St. Gallen zwey Jahrmärkte. Kayser 1117. Philipp erklärte den Abt von St. Gallen zum Reichofürften. Freylich fehlte es nicht, daß nicht 1204. hie geistlichen Herren , die wahrend diesen Verwirrungen selbst ihren Vortheil ersahen, sich vergrösr serren, und deßwegen in Streitigkeiten verfielen. So brach ein solcher Krieg zwischen dem Bischöfe von Konstanz und Abte Ulrich VI. in St. Gallen aus , wo ersterer von dem letztern auf dem Breitfeld geschlagen wurde. Durch Kanser Friederich von Hohenstauffen wurde die Stadt St. Gallen zu einer mittelbaren Reichsstadt erhoben. m2 ; Jahre darauf verbrannte sie bis an 6 Häuser. Zum Kennzeichen der unmittelbaren Unterwürfigkeit mußte die Stadt dem Kayser jährlich 1:25 Pfund Pfenninge bezahlen; er ertheilte ihr auch eine» schwarzen Bären in weissem Felde zum Wappen. So suchte» schon in diesem Zeitpunkte auch St. Gallen, ifig Gallen / und eben so andere Städte Helvetiens, in der Verwaltung des allgemeinen VesirenS, etwas mehr als bis dahin zu lagen zu haben. Die Bürger fiengen an durch Verbindung und etgenrbäm- liehe Sitten andern Ständen gleich zu werden. Nach und nach wurden die vornehmsten Handwerker in Zünfte eingetheilt, weil sie den Fortgang ihres Wohlstandes dem glücklich?» Fleiffe in solche» Gewerben zu danken hatten. Daher erhielten die Städte auch eigen Gericht und Rath, GewLhn- lich waren zwölf Nathsherren in jeder Stadt; meistens wurden sie aus Edelleuten genommen. Bey uns war der Unterschied, daß die Aebte den Qimmann über das Gericht und die Aatheherren aus der Bürgerschaft selbst erwählten. Zu dem gaben die so genannten Rreuzzüge gegen die Türken unserm Vaterlande eine ganz neue Gestalt. Deßwegen kainen die Adelsbriefe a»f. Eine Menge fremder Begriffe, Kenntnisse, Handlung und Manufakturen wurden aus Italien zu uns verletzt; wie z. B. der wollenen Zeuge, Zwilchweberey, u. s. w. Die Acbte hatten in diesem Zeitpunkte mehr Einkonnuen als der Bischof in Chur ; die Kayser suchten selbst die Kastvogtey des Stifts; an der Spitze von 20 Helmen zogen die Aebte in den Krieg ; aber eben dadurch , daß sie an Rang und Gut viele Grossen übertrafen, bereiteten sie den Verfall ihrer Macht. Keine Reaierung ist stark , wenn sie sich von ihrem ersten Grundsätze entfernt. rrrS- Besonders zeichnete sich Abt Conrad von Bußnang zu Gt. Gallen , in seinem Beystande gegen den Kayser Fricberich aus. Als Gregorius der neunte, zwischen diesem und seinem erstgebohr. neu Sohne, König Heinrich, Argwohn und Hass stiftete , stiftete , indem er diesen bat, jenen zu einer neuen Kreuzfahrt anzuhalten, verhinderte dieses der Abt. In dem Kriege, welchen nachmals der Kayser wi- j der Ludwig von Bayern sühne, trug der Abt das ! meiste zum Frieden bey. Er war vom Adel und den Bürgern zu St. Gallen nicht geliebt, theils weil er ohne ihre Zuziehung gewählt worden, theils wegen seiner sehr wachsamen Regierung.' Durch ernste Vorstellungen brachte er es dahin, daß der Adel und die Bürger die ganze Schuldenlast seiner Vorfahren bezahlen mußten. Diese Strenge voran- 122 - 7 * laßte sie aber auch von da an, durch Bündnisse auf ihre Unabhängigkeit zu denken. Nickt selten suchten die Klöster die aufkeimenden Städte mit gewaltigem Arme in der Erniedrigung zu erhalten. Aber in guten und dösen Sachen stunden die Bürger Alle für Einen. Zu allgemeiner Rokhdurft besteuerten sie sich selbst, und zu ihrem Emporstreben knüpften sie die festesten Bande unter sich und ihren Nachbars». Um eben diese Zeit stifteten zween edle Bürger ,228 * Ulrich von Singenberg, und Ulrich Binarer , den Spital der Stadt. Nach Abt Conrad , wurde walther von I2 39 * Traulburg , ein sanfterer Mann, Abt zu St. Gallen. Auch er blieb dem Kayser mit allen seinen Lehen so getreu, daß er, nach einer unglücklichen ! Schlacht bey Frankfurt, keine Rettung vor seinen Feinden zu finden wußte, als in der Abdankung der 'Abtey. Se,n Nachfolger wurde Berchtold von 1246. Falkenstcin. Dieser hielt die Gegenparthie des Kaysers; allein da er gegen denselben das Kreuz „ auf dem Brül predigen ließ , so blieb die Stadt I24 ®* gleichwohl dem Kayser getreu, und kein Mann gieng hinaus es anzuhören. I?® Um eben diese Zeit, da das mächtige Haus Zähringen erlosch, nedst den Kaviern aus dem 2250. schwäbischen Stamme, kam ein anders eben so mächtiges auf, nämlich das Haus Haboburg, und aus demselben Rudolph. Kein Reichsfürft hatte Klugheit, Kriegswissenschaft und Macht, noch Vertrauen des Volks , um den kayserlichen Thron einzunehmen. Aus Mangel der vormalige» Oberaufsicht herrschte überall Unordnung , Der, wirrung und innerliche Kriege. Rudolphs Jugend war in den Waffen verflossen; sein System war, Bürger und Landleute gegen die Unterdrückungen der Grossen zu schützen; die Bürger gehorchten ohne Widerrede seiner Hanptmannschaft, und er er« warb, durch den Ruhm seines Glücks, mehr Zu« trauen und Liebe, als der Neid ihm nehmen konnte. So half er den Zürcher« gegen Lüthold hon Negensderg. In Abt Berchtvlds Land hatte er verschiedene Leben, die er säumte zu empfangen. Er befand sich in Basel, wo ein grosser Haß der Adelichen ge« gen reiche Bürger ausdrach. Abt Berchtold wollte Rudolphen überfallen , und lagerte sich bey Wyl. Als Rudolph es vernahm, kam er schleunig zum Abte, und sagte: „Ich trage Lehen von euch, „ die Ursache ist euch nickt unbewußt, warum ich „ gesäumt habe, sie zu empfangen. Des Haders „ist nun genug : ich komme, euch zu sagen, daß „zwischen dem Äbte von St. Gallen, uud dem „ Grafen von Habsburg nie Krieg seyn soll." Freudig setzte man sich zur Tafel. Rudolph er« zählte die Lage in Basel. Sämtlich wurde man einig ihm beyzustehen, die Fehde in Basel zn been« digen, welches auch geschah. °?nbem er noch in dieser Fehde begriffen war, wählten ihn die Fürsten des Reichs zu ihrem Könige, Könige, nicht wegen seinem hohen Stande, sondern, wie der Churfürst von Kö!n sagte r „ Weil er ge- „ recht und welke, und von Gott und Menschen „ geliebt war. " Mit ernster Sanstmuth regierte er, als ein Vater des Volks. An der Spitze des Heers bewies er seine gewohnte Verachtung des Todes; im Umgänge dieselbe Verachtung alles Ge< prangs, als z. B. da er einmal m einem Dorfe bey Basel einen wohlhabenden Gerber besuchte, um sich des häuslichen Glücks mit ihm zu freuen. Den Zöllnern schrieb er: „ Das Geschrey ver „ Armuth ist vor meine Ohren gekommen. Die ,, Reisenden zwinget ihr zu Auflagen, die sie nicht „ bezahlen sollen, zn tasten, die sie nicht ertragen. „ Haltet euere Hände zurück von dem ungerechten Gute, und nehmet, was euch zukommt. Ihr 3 , sollet wissen, daß ich alle Macht und Sorgfalt „ anwenden werde, für Frieden und Recht, unter „ allen die köstlichsten Gaben des Himmels." ©r gab den Zürcher» , Solothurnern , Schafhansern, und St. Saliern , das wichtige Recht , vor keinem fremden Richter, oder nach andern , als nach ihren Gesetzen zu antworten. Bern , Luccrn, den waldftätten, und vielen andern, ertheilte er bald diese, bald jene Gnadem bezeugungen. Abt Berchtoid vermehrte zwar das Kloster mit vielen Gütern, und reichem Einkommen. Um seine Ansprache zu behaupten, griff er so gar zu den Waffen , aber er vergaß, die Liebe der Bürger und Landleute zu erwerben. Um seiner beschwerlichen Regierung los zu werden, verbanden sich Bürger * und Landleute; sein Tod kam aber der Ausführung desselben zuvor; sie waren gegen ihn so aufgebracht, daß bey seinem Tode kaum 14 Pfenninge für die Ruhe seiner Seele dargebracht wurden. Nach »72 Nach feinem Tode gerieth das, von so vielen Aebten mit bewunderungswürdigem Geiste und Mulde verwaltete, Stift St. Gallen in einen grossen Verfall, bey weichem auch der König Rudolph «ichr vergaß, wie vvttheilhaft ihm die Erniedri» -ung desselben sey. Eine Parthey weihte nämlich -Heinrich von Wartenberg auf St. (Sollt Altar; eilt« andere Ulrich von Güttingcn auf Othmars Altar Von veiden wurde vieles verpfändet, vieles verwüstet, und lein Gegner gebannt Der König jvg das Amt Grüningrn und Jttingen an sieh, und drang dem Stifte Ulrich von Aamschwag, einen gewaltthätigen Mann, zum Kastenvogre auf. 2276. Endlich starb Ulrich, nie erkannt von der Hälfte seines Volks. Wo jeder furchtbar ist, muß etwas heilig seyn. Rumbold Rum von Aamstein wurde Abt. -Ein Mann ohne eigenen Mach; der seine Vorfahren im Aufwande nachahmte, zu dem er doch zu arm war; der seine Freunde undankbar, seine Fe-.nde trotzig , und sein Volk mürrisch machte, weil er alles gab, und alles geschehen ließ, aus Furcht. Zum ersten Male wagten in seine» Thälern die Appe-rzeller, über alles Volk einen Landamman , in Herman von Gchönebühl, zu wählen ; er schien es zu genehmigen; da Herman aber zu -hm auf sein Bergschloß Elaux kam, setzte er ibn gefangen. bis er starb, und nahm von seinem Gut? zum Lvsegelde 70 Mark; und da der Vogt von Nenntchmag, zu allem kühn, den Bürgern der Sradt St Gallen, welche eine Neichssteuer säumten zu bezahlen , alle Leinwand, welche auf den Bie.chen ausgebreitet lag, wegnahm, und sieben Männer für geringe Sachen um Leib und Gut brachte, schwieg er still. Endlich übergab Num» die Äbtey, die vorher jährlich 1420 Mark Einkommens Wie, baufällig und mit 1600 Mark Schulden den belastet, seinem Nachfolger Wilhelm von Momforr. Wilhelm hatte das Unglück, die Reichslehen in den großen Tagen anzunehmen, da Rudolph ' durch Belehnungen und Verbindungen fein Geschlecht bevesiigec, und mulhiger gemacht hatte; und er fiel in unversöhnliche Ungnade, da das ge< ringe Vermögen seines Hauses und seines Klosters ihm lncht criauble, nach Staunn und Stand an der Hvfpracht theil zu nehmen, und er ohne kluge Entschuldigung zu frühe abreiste. Es fehlte dem Abte Wilhelm weder die Einsicht zum Guten, noch der Muth, n»r die Art, wie er es that, war fehlerhaft. Ersilrch setzte er die Geduld seines Volkes auf eine harte Probe. Auf Anrochen Ramschwags, wollte er in den vier ersten Jahren seiner Regierung für seine Einkünfte nur 600 Mark Silber nehmen; das folgende Jahr brach er aber schon den Vertrag. Hernach lebte er zu Vermeidung einer verderblichen Hofhaltung, einsam auf der Burg bev Martinstobel, und her« nach nur mit zwey Gefährten, bald in Frankreich, bald in Italien. Hernach, da er den Aufwand der Conventherren einschränken wollte, verunwilligte er, sie so, daß sie bey Nudoldh Klage gegen ihn ein« brachten, dieser durch Prälaten aus seinem Lande die Sache untersuchen ließ, und er, vbs 4 o» er unschuldig erfunden wurde, durch Bannfluch doch in die äußerste Noth kam. Nudolph vergaß hier die Billigkeit, die den Gewaltigen gegen Unglückliche geziemt. Ungleich ist Wilhelm grösser in seinem Muthe, mit welchem er sein Unglück kommen sah, als der König in seinem Glücke, das er jetzt an- fieng zu mißbrauchen. Der König gieng so weit, daß er den alten Freunden des Hauses Wilhelms bey Reichspflicht verbot, ihm zu helfen ; hingegen erlaubte 174 erlaubte er der von ihm gegen Wyl erbauten Stadt Schwarzendach, wider den Abt feindlich zu handeln. So ungewiß ist der innere Werth der Handln»» gen vor menschlichen Augen, daß damals viele glaubten, der grosse Eifer des Königs für den > Landöfrieden stamme nicht so wohl aus Liebe zum gemeinen Wohle, als aus eigner Vergrösserungs» sucht her. Da die Schwarzenbacher den Wylern das Dieb wegtrieben, verbrannte Wilhelm ihre Stadt, führte das Volk hinweg, und behauptete Z Wochen lang Wyl gegen manchen Sturm, welcher von den Königlichen' mit List und Muth geführt wurde. Eldiich mußte er der Gewalt weichen. Durch sicheirS Geleit kam er nach Hof. Hart wurde ihm von dem Könige begegnet; er begehrte so gar Jbcrg im Tcggenburg, zum Preise des Friedens. Wilhelm aber weigerte sich , einen unverschuldeten Krieg mit des Klosters unersetzlichem Schaden abzukaufen ; darauf fiel er in die Reichsacht, unv Rudolph kam selbst nach St. Gallen, so wohl zu »288- Weihung seines Nachfolgers, eines Frcyherrn von Grmdelfingen, als um alle seine Freunde von Wilhelm abwendig zu machen. Bey diesem Anlasse ertheilte er der Stadt die wichtige Freyheit: Daß sie von dem Reiche nicht solle versetzt oder veräußert werden, und daß Niemand eitlen Bürger vor fremde Gerichte ziehen möge. Wem nun des Königs Huld lieber war, als das Gefühl ungefalschter Ervßmuth, der verließ Abt Wilhelm. Die Stadt blieb ihm getreu. Wilhelm entflod. Einige Zeit verbarg ihn ein Freund And getreuer Diener in der Line bey Griestnberg; dann selten läßt Gott unS im Unglücke ganz allein; aber auch da mußte er noch welchen. Endlich starb Rudolph. Mit fröhlichem Angesicht? eilten die Bürger der Stadt, es ihm zu verkünden; mit Ungeduld erwartete» sie den Tag, da sie ihren Fürsten nnd Abt einholen konnten ; er machte flch auch eilends auf, und taö in ihren Augen den Lohn unglücklicher Tugend. Er berief zur Dank« barkeir den Convent und den Adel, um den Bür« gern der Stadt ihre Freyheilen, nach den Rechten des alten Konstanz, ihre Leben und Schuldbriefe, ihr Erd und Elgenkhum, ihr vaterländisches Ge« richt, und ihre persönlichen Freyheiten zu bestätigen, und zu versichern. Wvl. wurde wieder erobert; das Appenzeüerland gebrandschaht oder verbrannt. Alt und schwach sah Ramschwag den Rauch des Landes, fühlte das Unglück, welches das Land Wilhelms seit 20 Jahren erlitten, dessen Ursache er war, aus seinem Gewissen, und starb. Noch bey Lebzeiten Nudolphs zeigte sein Sohn, Albrecht von Haboburg, den benachbarten Döl, kern mehr als genug, wie nöthig es ihnen sey, aus den furchtbaren Fortgang der habsduraischen Macht aufmerksam zu sseyn. In der siebenden Woche nach Nudolphs Tode, bestätigten und be« schwuren die Männer von Uri, Schwer; und Unterwalden ihre» alten Bund. Rudolph, Bischof zu Konstanz, schloß einen andern, nur Hellen, bürg , Montssrt , Scheer , Sr. (Sollen , und Zürich; und ungeachtet aller Mühe und Aufwands wurde anstatt Albrechts, Adolph, Gras von Hofi sau , zum Nachfolger König Rudolphs erwählt, welcher die Freyheiten der Stadce, und auch St. Galkens, bestätigte. Um letztem Bund zu trennen, zog Albrecht verwüstend in das Stift Konstanz ein. Bischof Rudolph starb. Nun belagerte Albrecht den Abt Wilhelm in Wyl, und stürzte ihn durch tzine Uebermacht in seine alten Unfälle zurück. Doch da " I?6 J*_ da die Jünglinge von., Namschwag am Tage der ( Einholung des von Wilhelm erwählten neuen Kastenvogrs , des Herrn vvn wartensre, ihm aufpaßten t wurden sie im Riedernholze von den Bürgern zu St. Gallen geschlagen. Die freyen Reichsbürger und Landleute Heiveciens blieben mit e Abt Wilhelm dem Könige Adolph getreu, der Ko-ug > - bez.luie sich besonders gegen die letztem dankbar; d iry 8 . dagegen zogen 20 Helme von St. Gallen nur Wib <* Helm und dem Könige nach Gpeyer/ in eine env * scheidende Schiacht, in welcher die Kunst Albrechts S siegle, und Wilhelm so lange stritt, bis der König e> verzweiflungsvvll bey Albrecht erschlagen wurde. ü Kaum wurde Wilhelm durch seine Verwandtschaft a bey dem siegenden Heere los gebetten; eilends kam er nach Hanfe, wo er Mangel an Allem fand > a und nut ihm kam der Schrecken »der dieses Nn- » glück in das ganze Land. Albrecht bestieg nun », den Thron, und kam in seine vordem Erblande. » Bischof Heinrich von Konstanz wandte alles an, »j da'p Albrecht dem Abte Wilhelm seine Gnade -- schenke ; nicht nur geschah es, sondern der König -- überließ ihm zugleich die Stadt Schwarzenbach. -- Kurz nachher starb Abt Wilhelm, als wenn die » Bestimmung seines Daseyns gewesen wäre , ein Beyspiel grossen Sinnes im Unglücke darzustellen . Und zu vollenden. ® Nach Abt Wilhelm wurde Heinrich von 3: isyh. Ramstein Abt. Seine Regierung wurde, besonders * der Stadt St. Gallen, ünertragiich , endlich da- , durch gemässiget, daß -der König die Kasivogtey , des Klosters und der Stadt Herman von Bon- § stetten übergab. r * ——__;____ r Eid- Eydsgenösfische Verbindung. Gerettete Freyheit. Vierzehntes Jahrhundert. §bie alle fremde Herrschaften, wodurch die Lander des Hauses Albrechts getrennt waren, so hätte er auch gerne die Schweizer in die Schranken der königlichen Gewalt in Deutschland wieder zurück, geführt. In seinen alten Erblanden war er schon einer übergrvssen Habsucht beschuldiget; und unleidlich waren ihm die Freyheiten der Völker, die er als Hindernisse seiner Macht ansähe. Daher sandte 1305,' er die Herren von Ochsenstein und Lichtenberg an die Waldstädte, mit dem Vortrage: „ Sie wür, „den für sich und ihre Nachkommen wohl thun, „wenn sie sich dem ewigen Schirme seines Hauses „unterwerfen wollten; er sey der Enkel ihrer alten „Schirmvögte, ein streitbarer, sieghafter, gewalti- „ger Herr. Nicht Lust zu ihren Heerden, oder „Geld von ihrer Armuth wolle er; sondern wegen „ ihrer Tapferkeit liebe er sie; er möchte sie gerne „zu Sieg anführen, und durch Beute reich machen." Aber die Edeln und Freyen, und alles Volk aus den Waldstädten antworteten: „ Sie wissen wohl, „und werden sich ewig erinnern, wie sein Vater „ihnen ein guter Hauptmann und Vogt gewesen, „ und wollen es nicht vergessen; aber sie lieben den „Zustand ihrer Altvordern , und wollen in demsel» „den verharren. Der König möchte ihn doch be- „ stätigen, wie sein Vater. ” An dessen statt aber gab der König ihnen Vögte , Herman Gcßler, von Bruneck , und Beringer von Landenberg. Diese beschlossen in dem Lande zu wohnen. Geßler zu Altdorf ob Uri; Landenberg zu Unterwalden, bey Sarnen. M Um m Vm jeden Fehler bestraften die Vögte die Leute auf das allcrstrengste. Bald wu.den die Zölle auf die Einfuhr erhöhet , ba,b die Ausfuhr verbvtcen ; aus allen Worten und Geterdett zeigte sich ein unausstehlicher Trotz auf ihre Gewalt , und eine hochmürhige Verachtung des Volks. Da Landenberg einen Mann zu Melchthal um ein paar Ochsen strafte , sagte der Diener : „ Die „ Vanren können den Pflug woh'- selber ziehen." Durch den Vogt , Wolfeirschieß, wurde die Siltr samkeit der Frau Cvnrad Baumganens in Beküm- »icrnisi gesetzt; ihr Mann war abwesend; sie Ächte ihn, und Baumgarren schlug den Wolkenschieß m einem Bade, das seine Frau ibm zubereiten mußte, todt. Da Geßler einmal in Steinen, vor Srauft facbers, eines wohlhabenden Bauers Haus vorbey ritt, und es zu schön fand, sagte er: „ Kantt „ man leiden, daß das Bauernvvlk so schön wohnt." Die alten Sitten gaben den Hausfrauen männlichen Sinn. Da die Staussacherin den Neid des gcwalttbätigen Vogts gegen ihr Hau» wahrnahm. beredete sie ihren Mann , dem dröbem den Unfälle zuvcr zu kommen. Werner Stauffachev fuhr über den See, in das Land Uri, zu walrher Fürst, von Attmcchausm. einem reichen Landmanne. Vey diesem fand er einen jungen Mann * Arnold von Melchthal, voll Muths und Verstandes , der ihm erzählte, wie der Vogt seinem Vater um einer Kleinigkeit willen, habe die Augen ausstecken lassen. Alle klagten nun über die immer mehr überhandnehmende Unbilligkeit, schwuren sich zu rächen, und lieber den Tod als ein ungerechtes Joch zn dulden. Sie beschlossen, jeder soll seine Vertrauten erforschen. Auf einer einsamen Wiest: kamen sie hernach öfter bey Nackt zusammen, um sich über die Befrevung deS Volkes zn berathen. Endlich drachke jeder x» - - - *79 rechtschaffne Männer seines Sandes an diesen Ort. Diese schwuren nur aufgehobner Hand, im Name» Gottes, mannhaft die Freyheit mit einander j« behaupten. Während dem begegnete, daß Wilhelm" Tell, ein junger Mann, ebenfalls der Freyheit Freund, einen Hut, sonst das Sinnbid der Freyheit, den Geß» ler auf eine Stange stecken ließ , knechtisch zu verehren verschmähte. Dafür wurde er von Geßlern verurtheilt, seinem Knaben einen Apfel vvm Kopfe 1307. zu schießen. Der Schuß glückte ihm; da er aber einen zweyten Pfeil gegen Geßler selbst aus Rache brauchen wollte, ließ der Vogt ihn gebunden über den vier Waldstädter See führen. Plötzlich brach auS den Schiünden des Gvttbardbergs der Föh» los; der enge See warf wüthend Hohe und tiefe Wellen. Geßler ließ in der grossen Noth, Teüen als einen gutxn Schiffer losbinden. Da sie anlün« den wollten, rettete sich Tell durch einen Sprung, und entfloh. Auch der Vogt entkam dem Sturme; wurde aber bey Küßnach durch Teils Pfeil erschossen. Endlich an dem Neujahrstage Morgens führ« r;oz ten die obigen Verbündeten ihr Vorhaben aus, in« dem sie die Vögte auf den Schlössern Rotzberg und Sarnen gefangen nahmen, und an die Grenzen führten, wo sie ihnen schwören mußten, ewig nicht wieder zu kommen. Die Schlösser brannten sie ab. Meistens sind die größten und wichtigsten Sachen durch Männer von geringer Macht und grossem Geiste vollbracht worden. Gegen das Frühjahr kam König Albrecht, sehr ausgebracht über das Betragen der Waldstädre, in seine vordren Erblande. Zu Baden wurde ihm Abt Heinrich von St. Gallen vorgestellt, und kaum wollte er sich zufrieden geben, daß der Abt, nach der Zerstöhrung von Schwarzenbach, Wyl wieder g«- M r . baut 1*0 . :"1 ymijg baut hatte, das er ihm auch wieder entzog. Kurz darauf wurde Albrecht ohnweit Königsftlden ermordet. Richt nur war der Tod Albrechts für die Waldstädte glücklich, sondern er gab auch den Anlaß so wohl zu der Umfassung des ganzen Helvetiens in eine ewige Eydsgenoffenschaft, als zu jener bewunderungswürdigen Zusammenfügung unvorgese- hener Umstände, wodurch die unsichtbare Hand der Fürsebung alle Nationen und ihre Gewalthaber zu Zwecken leitet, wovon sie nichts wissen. In dem ersten Augenblicke allgemeiner Furcht einer Volksaufruhr verwahrten sich alle Städte. Zu seiner Bewaffnung forderte Abt Heinrich in einem Jahre 8 Steuren von der Stadt St. Gallen. Die Stadt selbst schloß mit den Städten Zürich, Schafhausen und Äonstan; ein Bündnis;. Indessen wurde Heinrich , Graf von Luxenburg, an Albrechts statt zum Könige erwählt, welcher den Waldstädten und Städten ihre Freyhei'ten bestätigte, »nd dem Abte die Stadt Wyl wieder übergab. Bald nachher aber starb König Heinrich, und die Wahlfürsien theilten sich in Ludwig, Herzog von Bayern, und Friederich, ältesten Herzog zu Oesterreich. Die Wal-städte, und viele andere, der Gefahr, die sie unter Albrecht erlitten, eingedenk , nahmen den König Ludwig an, zum größten Verdruss« des Herzogs Leopold von Oesterreich, Friederichs Bruders. Der Abt zu Emsiedeln und der Bischof zu Konstanz thaten sie deßwegen in den Bann; König Ludwig zernichtete ihn , und Leopold beschloß, in die Waldsiädte einzudringen. Sie zogen die Roth einem nachtheiligen Frieden vor. D:e Er, fahrung lehret, wie verderblich jedem Volke die Muthlvsigkeit ist. Leopold gedachte: „ Diese Bau- i;. „ ern mit seinem Fusse zu zertretten. " Allein bey Morgartcn kam es zwischen ihm und den Wald- siädten 1*1 « städten zu einer Schlacht, in welcher viele Oester, reicher erlegt wurde» , und Herzog Leopold nur mit Noth seine Person in Sicherheit brachte. Nach diesem glorreichen Siege erneuerten die 3 Waldstädte ihren alten, ewigen Bund, nach weichem alle Eyds- genossen eine einige Nation worden. Dieser Bund stützte sich auf Gerechtigkeit, welche die größte Ehre einer Nation , und auf Frieden , welcher das größte Glück der Menschheit ist. Dieser Bund ist aller helvetische» Völker einiges Band, ihr Gesetz und ihr König. Von da an heiße» die Schweizer auch lLydsgenossen. König Ludwig bestätigte den 1316» Waldstädken ihr Bündnis und alle ihre Freyheiten. Obschon aus gleichen Gründen, wie andere Städte, St. Gallen auch die Parthie König Ludwigs annahm , so wurde Abt Hiltpold , Freyherr von Werdenberg, der Nachfolger Abt Heinrichs, izrz. dennoch von dem Herzoge von Oesterreich gezwungen, den Herrn von Eppenstein zum Kastenvogte anzunehmen. Herzog Leopold starb aus Gram , und Kayser 1,30» Ludwig vertrug sich hierauf mit Albrecht und ch>tto von Oesterreich, seinen Brudern. Und da bey diesem Friedensschlüsse Letztere, wegen dem grossen Aus- wande der Kriegskosten, schadlos gehalten werden sollten, verpfändete ihnen der Kayser die Reichs- freyen Städte Rheinfelden, Schafhausen , Zürich und St. Gallen. Allein in der äussersten Gefahr des Verlurstes ihrer schon erworbenen Freyheiten , faßten die Bürger zu St. Gallen Muth und schickten eine Gesandtschaft nach Regensburg an den Kayser ; die Zürcher durch die Waldstädte unterstützt, thaten ein gleiches; der Kayser willfahrte ihnen in ihrem Gesuche, und Breisach und Neuenburg , kamen an ihrer statt, nebst den zwo erster» Städten, unter die österreichische Oberherrschaft. AlS bald darauf, durch die Bannung König Ludwigs, die öffentliche Ordnung nicht ohne Gefahr zu seyn schien , errichteten verschiedene Städte , Bern, Basel, Zürich/ St. Gallen, und 6 andere einen Landsfriedensbund. Ein grosser Theil Helvetiens und Deutschland vernahm den Baunyroeeß des Pabstes wider den Kayser mit grosser Mißbilligung. Die mehresten Bürgerschaften der Städte strebten nicht nur eifrig nach der Freyheit, sondern verfochten sie auch tapfer. Das Ansehen der höher» Klee risey nahm ab. Zu St. Gallen waren lauter von Gegenwahlen bestritteue, verhaßte / drückende,(wie Heinrichs von Ramstein), oder gegen innern Trotz und fremde Feinde schwache Regierungen, (wie Hiltbolds von Werdnestein), zu deren Einschränkung Dienstmannen und Bürger sich mehr Gewalt nahmen , als der Convent ihnen vormals erlaubte. Eben so war es in Zürich, u. s. w. Wozu das Aufblühen des Fleisses und des Reichthums durch die Handlung in den Städten, z. Ex. der Seidenfabri- ken in Zürich, und der Leinwand in St. Gallen, vieles beytrug. Indessen nutzte der Pabst bey uns die Zwiespalt, und setzte in der Fülle seiner Macht Hermann , Freyherr» von Bonnsterren , rzzg. znm Abte zu St. Gallen. So sehr die Bürger der Stadt St. Gallen Ehrfurcht und Liebe unter einigen vorigen äbtischen Regierungen hindan gesetzt und vast vergessen hatten , so willig gehorchten sie nun dem Abte Hermann, wegen seiner Milde. So tapfer Hermann sich teigte / als er in Fehden die Gnade Ludwigs verdiente ; eben so klug suchte er nach dessen Tode, durch frühzeitige Dienste/ diejenige seines Nachfolgers Carls IV. zu erwerben. Eben so billig, so ohne Mißtrauen, so bereitwillig war er zu allem, was den gemeinen Nutzen fördern konnte. So bestätigte er den Bürgern nicht nur ihre alten Freyheiten , -------- Sti heiten, sondern ertheilte ihnen die wichtige, ihre i;z^» Räthe selbst wählen zu dürfen ; ferner ertheilte er ihnen das Uwgeld; auch dem Spital der Stadt verlieh er wichtige Freyheiten. Die Appen- zeller verband er sich durch die Erlaubniß eines Landrecbrs mü Schweiz und Glaris. Bey seinem iz6o, Tode erhielt er die beredteste Lobrede eines Fürsten, die Thränen seines Volks; er blieb iit so gutem Andenken, daß in Streitigkeiten mit seinem Nach- folger die Stadt nur seyn wollte, wie unter Bonne stellen. Denn als Abt Georg von Wildenstem vielmehr die Fürsten ehrte, als den Bürgern und Landleuten geneigt war; als der Herzog von Leck, einer der vornehmsten österreichischen Landvfleger, über ihn das meiste vermochte, erhob sich im Kloster, in der Stadt St. Gallen und dem ganzen Lande mancherley Streit. Ein herrischdenkender Prälat, voll Erinnerung, wie gewaltig seine Vorfahren geherrscht , und eine auf Reichsfreyheit und erworbene Rechte wachsame Bürgerschaft, voll edeln Gefühls, reich genug, um dem Abte in Geldnoth beyzustehen, durch verburgerrechtete Semperleute und andere freye Männer stark, durch gewöhnliche Dienste und Gteuren dem Abte, innert ihren vier Creuzen aber dem Reiche verbunden — Zwey so verschiedene Regierungen und Menschen von ganz verschiedenen Sitten, in den gleiche« Mauer» lebend, konnten nicht anders als die Eifersucht weit treiben. Besonders begehrte der Abt die der Stadt von seinem Borfabrer verliehenen Freyheiten wieder zurück. Die Stadt scheuet« keine Mühe Noch Kosten, ihre Rechte zu behaupten; endlich durch Unglück, da die Stadt eine grosse Feuersbrunst erlitt, genöthiget, machten Bürgermeister, Amman, Rath und Bürger der Stadt den Der, trag mit ihm: »Daß er ferner den Rath ernen- „nrn. : tu a Jictt, und ihnen einen beliebigen , ehrbare» „ Mann zum Amman setzen möge ; daß er über „ Erb und Eigen vor den Gerichten dieses Letztem ,, und um Lehensachen auf des Klosters Pfalz „ nach altem Herkommen das Recht walten soll, » und wie um Dienste und Steuern ihm und „ ihnen die Verwaltung Bonnstettens Regel seyn i; 70. „soll." In diesem Zeitpunkte erhielt die Stadt gegen eine Summe Geldes die Reichsvogtey , von Carl IV. Wider alle unrechtmässige Gewalt sich zu schützen, trat die Stadt darauf in die Verbindung, welche Reichsstädte, und die Fürsien Pfalz, Bayern und Baden errichtet hatten. « 376. Dem Kayscr war dieser Bund sehr zuwider; und es kam deßwegen zwischen ihnen und Graf Eberhard von würtenberg, des Kaysers Freund, zum Kriege; bey Reutlingen zur Schlacht, wo 1*77 die Verbündeten eine grosse Niederlage unter seinen Leuten anrichteten. Endlich starb Kayser Rarl, und sein Sohn *378. wenzeslaus folgte ihm in der Regierung. Bald nach dem Antritte derselben erhielt die Stadt von ihm folgende Freyheit, die sie beynahe von dem Abte unabhängig machte, nämlich: Ein eigen Gericht zu halten , den Amman und die Gerichtspersonen selbst zu setzen, ohne Zuthun des Abts oder anderer fremder Herren; ferner daß sie von den benachbarten Gottshausleuten dürfe Bürger annehmen, und daß Niemand die Bürger der Leibeigenschaft, Lall oder Erb.' gelässen halben beschweren solle. * 379 . Auch starb Abt Georg, und Cuno von Stauf- fen wurde sein Nachfolger. Dieser wollte erst alsdann auf die Freyheiten der Stadt schwören, wenn sie ihm gehnldiget habe. Dabey verbot er die Heyrath einer Appenzellerin mit einem Bürger i8; » von St. Gallen, bey Verlurst ihres Vermögens, r Allein in diesen der Freyheit günstigen Zeiten war n hoher , edler Muth eine allgemeine Tugend, besvn- [j ders in Städten, die derselben entgegen strebten, , daher anstatt zu gehorchen, verschlossen die Bürger d die Thvre vor ihm. Hierauf, vbschon der Abt n s ganz österreichisch war, verbnrgrechteke er sich mit t Lindau, und verklagte die Stadt und Appenzcll , auf dem Bundestage der Städte zu Ulm. Wegen lt der Braut aus Appenzcll verordnete der Bund e nach Billigkeit und des Landes Sitte. Der Stadt St. Gallen befahl.er, sie soll nach Bestätigung der Verfassung dem Abte schwören, wie ein Mann seinem Herren Treu und Schirm, und dagegen mußte Abt Cuno seinem hinterlistigen Bündnisse mit Lindau, und besonders dem Schirme der Herrschaft Oesterreich entsagen. Da aber der Rath der Stadt bald hernach , zum ersten Male rz8r. aus sich selbst verschiedene Gesetze und Satzungen errichtete, verklagte der Abt sie neuerdingen; aber auch dieses Mal urtheilten die Städte zum Vortheile der Stadt. Je mehr indessen die Städte nach Freyheit und Unabhängigkeit trachtete» , desto erbitterter wurde der Adel gegen dieselben, der überhaupt so wohl auf dem Lande als in den Städten, voll Trotz, unmässiger Geldbegierde, und mmhwilliger 4 Verachtung gegen den gemeinen Mann sich da. mals betrüg. Allein die Städte , um ihrem grös- sern Handel freye Regierung zu verschaffen und sichere Strassen zu behaupten, traten in starke Eydsgenossenschaften. So entstünde die Gesellschaft von St. Georg, in Schwaben, zu welcher auch die Stadt St. Gallen trat. Die Trägheit oder Muthlofigkeit des Kaysers ließ alles geschehen. .51 solcher Städte, worunter auch St. Galle« war, warben bey den schweizerischen Eydsgenoffen eben- 186 ebenfalls nm einen Bund, diese aber, die schon zu damals den Grundsatz harten, „ sich in keine Ey! „ fremde Händel zu mischen," schlugen es ab. Ssi Kaum hatten fich aber die Städre Zsirich, 5 Tdi Z8r. Bern, Solothurn, Zug und Lucern, ebenfalls fen nur den Städten verbunden, so kam Herzog Leo, gen pold von Oesterreich nach Zürich. Die Schweb \ Kö zer schickten Boren zu ihm, ihn um die Abschaffung ord neuer Zölle, die ihnen auferlegt worden , zu bitten; len der Herzog, dem die Verbindung letzterer Städte stm mit den schwäbischen Reichsstädten sehr zuwider h», war, wandte alles an, und endlich gelang es ihm, B« sie von letzter» zu trennen. Dieser Vortheil gsi machte ihn gegen die Schweizer stolzer; der Druck der österreichischen Vögte und Amtleute wurde im, mer unerträglicher. Mißtrauen und Unwille wuchs G, hingegen bey den Schweizern und ihren Verbündeten &«i immer mehr; ihre Vorsteher wurden wachsamer; das G, Volk hoffte alleö vom Schwerste. — Bald brach nn der Haß gegen sie von vielen Orten mit vollem Sl Feuer aus; innert wenig Wochen wurden den S> Eydsgenvffen 54 Fehden angesagt; sie hatten fei, nett andern Beystand als Gott und ihren Bund 486. und Muth. Vor Sempach erschien Herzog Leo, foi pold mit tincr Armee von 4000 Mann. Mit 1300 im rückten die Eydsgenvffen ihm entgegen. Sie fielen rei auf ihre Kniee, beteten nach ihrem alten Brauche zu Gott. Hoch war die Sonne; schwühl der Tag. Sie griffen den Feind an. Lange stand der gehar, < ge «sichre Adel, wie eine Mauer, gegen die Eydsge, G voffen ; schon waren ihrer 60 gefallen _ da stellte ch sich ein Mann aus dem Land« Unterwalden, ge Arnold Struthan von winkelrred, Ritter, A an ihre Spitze, rief mit lauter Stintme: „ Svr, ge get für mein Weib und meine Kinder, treue, D liebe Eydsgenvffen ! gedenket meines Geschlechts." öf Und umarmte so viele Sv'esse der Finde, als er be «marinen kvnme, drückte sie mit seinem Oberleibe ge t« zu Boden, und bereitete mit seinem Tode den Eydsgenoffen den Sieg. Leopold selbst fiel auf dem Schlachtfelde, und der Adel — fe groß war die Niederlage der Oesterreicher — legte nah und ferne die Trauer an über die Menge der Erschlagenen. Mercke, Knabe! Heldenstnn und gesunde Körper machten unsere Vorällern tüchtig, so außerordentliche Thaten zu verrichten. Wie ihre Seelen , so waren ihre Kriege, simpel, groß und stark. Durch einen hellen Verstand und eine unbezwingbare Seele werden alle Waffen bemeisiert. Billig ist Winkelried bis auf diesen Tag in hohein Ruhme unter uns. Singend zogen nun die Eydsgenoffen in ihre I? g ? . Städte und Länder zurück. Doch wurde bald darauf eine österreichische Landstadt, Wesen im Gaster, von denselben nebst Glarus eingenommen, und von den verbundenen Reichsstädten, wozu St. Gallen auch gehörte, ein anderthalbjähriger Stillstand geschlossen. Die Zeiten des FriedenS verflossen in Versorgung der Platze, und Anschlägen des Kriegs; immer tiefer wurzelte der Haß gegen die Oester- reichrr und den Adel. Indessen war der Haß, besonders der Wesener, gegen die Eydsgenoffen, und vorzüglich gegen die Glarner nicht minder groß. Um ihre - Stadt unter ihren alten Herren, das Haus Oesterreich zu bringen , faßten sie einen Anschlag, die Besatzung in Wesen z» überfallen , und M ermorden. Wirklich i?8* gelang es ihnen auch. Eine grosse auserlesene Mannschaft versammelte sich aus den vorder» österreichischen Erblanden, die Glarner aufzureiben. Diese versammelten sich ebenfalls; die Eyds« genossen kamen ihnen zu Hilfe. Bev 11:4feie kam eö «s zur Schlacht, in welcher fie übermal eine» glorreichen Sieg erfochten. Noch wird das An, denken dieses Tages jährlich gefeverc, und die Namen der Retter des Vaterlands zum ewigen Angedenken verlesen. Welch eine schone Anstalt, den so edeln vaterländischen Sinn zu erhalten, ohne den alle unsere Staatskunst in Nichts zerfallen würde. Gleich nach diesem Siege nahmen die Zürcher RapperSwyl ein ; Bern und Solothurn aber Buren, Nidau, u. s.w. Vier österreichische Herzoge waren erschlagen; verschiedene Städte und Lehen verloh- ren, die Schatzkammer erschöpft, hierauf schloß Oesterreich mit der schweizerschen Eydsgenvssenschaft einen siebenjährigen Frieden; und so schloß sich der Krieg , den fie mit unsterblichem Ruhme geführt hatten. Die glücklichen Siege der Eydsgenossen machten indessen die verbündeten Reichsstädte auch übermüthig , fie verachteten und vernachlässigten die kayserlichen Befehle ganz, welches ihnen einen für fie unglücklichen Krieg zuzog. Herzog Lricderich von Bayern, und Eberhard von würtcmbcrg, nahmen sich des KayserS an. Ein für die 'damaligen Zeiten furchtbares Heer von 30 Städten zog wider ihn. Bey dem Dorfe Deffingen kanr es zur Schlackt, wo sie eine gänzliche Niederlage er- litten. Zu Eger auf einem Reichstage kam hernach ein Landsfriede zu Stand, der aber bald wieder 1J99- gebrochen wurde. Auf einem andern, zu Nürnberg wurde ein neuer Versuch gemacht, die verbundenen Städte und Dürsten zu trennen, und da die Versuche auch dieses mal vergeblich waren, so firchte der Kayser, durch Bestätigung und Schenkung neuer Freyheiten, sie auf seine Seite zu zie- hin. Endlich wmdr e» des'Reichs entsetzt, un» sein '«B 1*9 fein Sohn Ruprecht an feiner statt gewählt, welcher die Freyheiten der Stadt St. Gallen damit vermehrte, daß sie die Reichsvogtey durch einen eignen Amman verwalten lassen dürfe, wodurch sie einen beträchtlichen Zuwachs ihrer Unabhängig» keil erhielt. Während diesem Zeitpunkte nahm die Freyheit der Eydögenossen auch immer mehr zu; die Könige schenk« ren oder verkauften ihnen immer mehr Freyheiten. Wl'e Mühe, die Leopold, Herzog zu Oesterreich, anwandte , die Schweizer zu trennen, war vergeblich. Eigennutz und Eitelkeit spielten vergeblich ihre Rollen. Die Summe der damaligen und jetzt nach seyn sollenden Politik : „ mit Ehren frey » zu leben und zu sterben," wurde insonderheit in Rücksicht der Kriegsgesetzen durch den Sempa« chcrbrief bevestigel. Bald hätte freylich Herzog Leopold in Zürich seinen Zweck erreicht, zu rechter Zeit wurde aber von ihnen , der so genannte ge- fchwome Brief errichtet, durch welchen sie, gerecht und klug, die Besorgung des allgemeinen Beßren , der Uebermacht weniger. Vorsteher ent» rissen, und nicht allen , sondern den Beßten auf» getragen haben. Je mehr man sahe, daß Oesier» reich im Frieden durch List furchtbarer sey, als im Felde durch Gewalt; um so viel vester wurde der schweizerische Bund. Der siebenjährige Friede wurde auf 20 Jahre verlängert. Und da, ein Jahr nach dem Frieden, das Haus Oesterreich in ziemliche Verwirrung gerielh, und in den vorder» Erblanden desselben seine Herrschaft immer mehr sank, bedienten sich verschiedene Städte der Verarmung Oesterreichs, um ihre Macht auszubrei. ten. So erwarb Zürich .verschiedene Districkte, z. B. Küßnacht, Grüningen, Regensberg; desgleichen thaten Bern, Lucern, Solothurn, Basel, Frey bürg, Schafhausen, u. s. w. und vermehrten li)f> ===■ nicht nur den Kreis ihrer Länder, durch ihre löb« iiche Thätigkeit, unaufhörliche Wachsamkeit, StaacS- grundsatze, Heldenmuth und Kriegskunst sondern sie überlebten auch den Glanz der schwäbischen Lydogenoffenschaft, zu der wir St. Galler gehörten , nebst andern, ganz. Oesterreichische, Zürchersche, Burgun-- dische und Schwabenkrieg. Fünfzehntes Jahrhundert. Um eben diese Zeit regierte indessen Conrad von Watt, Bürgermeister zu St. Gallen, mit einem Rache freyer Bürger (a); nach Ge'etzen die auch ein Bürgermeister nicht ungestraft verletzte (b). Im Volke war Bürgersinn ; keiner durfte dem gemeinen Wesen in Aemtern seinen Dienst versagen (c); keiner in allgemeinen Sachen sich Privat« Nutzens wegen trennen (d); keiner einen Banner auswerfen , um seine Fehde eigenmächtig zu führen (e). Die Stadt war in zwo Hälften, und in Viertheile eingetheilt; war ein Feldzug obham den, so geschah die Reise, nach der grösser« oder mindern Bedürfniß von einem Viertheile oder einer Hälfte, (a) Kein Diener eines Fürgen durfte darein gewählt werden. , von der Stadt weichen. ( e ) Hey fünfjähriger Verbannung , oder »ach be« findenden Sache», bey Strafe an Ehre , Gut und Hälfte, welche jedesmal die Würfel traft», ( f). Dem grossen Städttndunde war s>e durch eine be« sondere Verbindung mit. 6 benachbarten Städten 1401* verwandt (g); als ein Handelsplatz hatte sie mit Rürnberg einen Vertrag wechselweiftr Zollfteyr heik (dft In Allem, an guten Ordnungen (i) und Anstalten (!r), an Wohlstand und Frey« htirsliede nahm sie zu. Land hatte sie nicht, aber die Burgen des benachbarten Adels pflegten ihre offne Häuser zu seyn (l) ; und nur wenig fehlte, so härte sie sich aller Pflichten gegen daS Stift los gemacht (m). Auch fehlte es nicht, daß die Stadt nicht eifrig darnach strebte. Daraus erwuchsen neue Mißhelligkeiten; diese Und das gewaltthätig? Betragen der Amclrnte des Abts im Appenzellerlande, bewogen dieses und die Stadt St. Gallen zu einem Bunde. Auch andere Gottshausleute waren unzufrieden, wie in Wyl, Bernhardszell, dessen Ki, chenschatzzu St. Wangen war, Wittendach, Waidkirch. Mtt diesen verstund sich der Abt bald; aber den Appenzelkern schlug er die Untersuchung ihrer Klagen rund ab. Nicht ohne Grund schloffen sie, der, Abt gewärtige von Oesterreich eine mächtige Hilfe. Diesem vorzukommen , Sehen. (F) SriegSordnnng n79» (?) Constanz , Ueberlinge», Buchborn, Lindau, RavcnSburg und Wangen, (h) Eigne Urkunde darüber, (i) DieteS benmgt, da« untrüglichste Merkmal der Zu - oder Abnahme des Wohlstandes, da« Geletz des EaglobnSr « Psenninge und. Speise , oder 9 wenn der Eaq» lobner sich selbst nährt. (lc> Um nötbiaeS Wasser zu haben, wurde zwischen dem Bück und Berneck ein Cm-al durch die Wasse'fluh gehauen , (I) z. B. Hvbensnr, Wartensee, Roienberg, Anwnl. (m} Die Urkunde vollkommener Freyheit hatte sie sck-on; allein Lucius, der Rath des AdtS Giro, wußte den Kayser WenzcSlaus wieder auf andere Gedenken zu bringen» kommen, griff das Bergvolk schleunig, zu den Waffen, und mahnte die Stadt ebenfalls dazu; diese schrieb an den Abt: „ Wisset, Herr Adr , „ sintemal ihr nicht wollet Recht geben und Recht „ nehmen, und Euch weigert unsere Eydsgenosseu „ sicher zu sagen, so wollen wir, der Bürgermei- „ ster, die Räthe und gemeine Stadt, in unserer ,, Evdsgenoffen Fried und Unfried seyn." Der Abt / der sich nicht mehr sicher glaubte bey der Stadt zu wohnen, zog mit seinem Convent nach wyl , der Chor wurde beschlossen, und nur ei» einiger Mönch blieb bey dem Stifte. Bey den mit dem Stifte besonders verbünde, nen Städten, wurden wegen diesen Begebenheiten Unterhandlungen gepflogen, und endlich zum Etttt 1402, scheid dem Bürger meister Johann Ströhlin zu Ulm übergeben. Der sprach : „ Alle Feindschaft „ zwischen dem Fürst Abt, der Stadt und den » Appenzellern soll abgethan seyn; niemand soll ,, sie an ihren Rechten und Sitten kränken; sie „ leisten dem Abte Pflicht, gemäß 'den Verträgen. „ Der Bund der Stadt mit den 6 Städten soll » bestehen, aber der Bund mit Appenzell ist um 33 gerecht, und soll todt und ab seyn / auf ewige », Zeiten. ” Dieser Spruch gab dem Abte was er wollte. Zu ihrem grossen Nachtheile befolgte die Stadt dieses Urtheil — aber nicht so die Appenzeller. Da sie den Spruch hörten, glaubte alles Volk, voll grossen Zorns, von den hochmüthigen Rathsherrn der schwäbischen Städte betrogen zu seyn; ihr Herz entfremdete sich von den Reichsstädten ; dem Abte liessen sie sagen: „ Sie'werden dem „ Spruche nicht gehorchen. *' Und da sie über- zeugt waren, daß auch von der Stadt St. Gallen nichts ju hoffen war, wandten sie sich an die schweizer- • 1Q3 schweizerfchen Eydsgenoffen. Sck'wei;, welches gern ^ 4 ^) ganz Europa das Glück der Freydeit mitgetheilt hätte, untersuchte nicht lang, und nahm sie in das Landrecht auf. Alle Stifslande, verschiedene Reichsstädte p viele Edle, und auch die Stadt St Gallen brachen bald hernach auf mit auserlesener Mannsichaft, die Appenzeller zum Gehorsame zu bringen. Bey dem Speicher kam es zu einer Schlacht, in welcher die Appenzeller gänzlich siegten , und ihre Feinde schreckensvoll herab nach St. Gallen stürzten. Diele Edle und auch, nebst einigen Bürgern, zwey Bürgermeister der Stadt, Watt und Schürpf wurden jetzt von denjenigen crschla'gen, mit welchen sie gesiegt hätten , wenn sie den Dünd gehalten hätten. Vier Panner gierigen unter, und bey 600 eiserner Panzer wurden erbeutet. Freudig zogen die Sieger in ihr Land und dankten Gorr auf der Wahlsiadt auf den Kitieen für den glorreichen Tag. Um sich gegen einen Ueberfall der Appenzeller gegen die Stadt zu sichern, wurde der Wald auf der Berncck uingehanett. Die Appenzeller verjagten die äbtlschen Vögte aus ihrem Lande, und sireistek» in des Stifts Lande. Sehr lagen die Städte dein Adle an, einen Vertrag mit Appetite» zu machen. Durch Aufsiistung des Adels, und Hoffnung der Hilfe von Herzog Friederick von Oesterreich verstockt, verwarf dieser alle Vermittlung. Die Städte hingegen schloffen Frieden. 1404* In Erwart,rng bald wieder angegriffen, zn werden, bauten die Appenzeller in ihren Passen Schanzen; mit der Stadt St. Gallen erneuerten sie die alte Freundschaft Frühe an dem Fronleich- 140$ namsftst zog Herzog Friederich mit einem Theil« N seines m seines Kriegsvolcks von Arbon, wo sie sich vrr- sammele hatten, nach St. Gallen; der grössere Hausse das Rheimhal hinauf, um beym Stoß gegen Gaiß einzufallen. In einem Tage wollte der Herzog die Stadt und das. Land einnehmen; aber, wie bey dem Speicher, schlugen die Appen. zeller ihren Feind am Stoß gänzlich. Eben so fand der Herzog Friederich d>e Stadt St. Gallen vest, und von tapfern Männern besezr; er wagte nichts zu unternehmen, und zog sich zurück. Eilend machte sich die Besatzung ihm nach , fiel bald da, bald dort, von dem Hauptltsberg an bm zu der Eiche des Siechenhauses bey Ardvn, in die zertheil« ten österreichischen Haussen, erlegte viele, und kam, mit dem Panner der Stadt Schaffhausen in der Hand, siegend wieder zurück. Noch einmal griff bald hernach Herzog Friederich die Appen- zeller und St. Galler bey der Wolfshglden an; wurde aber auch da mit vielem Verlurste wieder zurück geschlagen. Da schwuren nun die Appenzeller und St. Galler einen Bund auf y Jahre, und entschlossen sich die Oesterreicher jenseits des Rheins selbst am *4°o, zugreiffen. In kurzer Zeit wurde von ihnen, das Rheimhal , Erschland und Allgäu .erobert. Noch vor dem Winter faßte» sie den Entschluß, den Abt Cuno zu nöthigen, daß er wieder zu den Reliquien seiner Heiligen zurück kehre und gehörig Gottesdienst halte. Die Bürger von Wyl öffneten ihnen die Thore dazu, und so kam Abt Cuno, vor Alter und Leid grau Und ausgemergelt, in sein Gottsbaus und genoß der Ehren, welche erniedrigter Würde niemals fehlen, von denen welche manigfaltiges Unglück fühlten. Als CNno diese Gesinnungen sahe, schien ihm das Beßre zu seyn, die Sieger durch Zutraue" zu gewinnen, bat und erhielt von dem Bürgermeister, Rath und Ge- meinde ,QS meinde bet Stadt, und so von den Appenzellern, daß er und sein Stift in ihren Schutz genommen wurden. In dem folgenden Jahre zogen 1200 Bppem 1407. zeller und 400 St. Galler aus, alle rasch und hochzemuth, nicht gewohnt eine That vergeblich zu wagen, um die ganze österreichische DienstmanM schaft im Thürgäu zu einem besten Frieden zu nöthigen, oder sie zu verderben. Es ist erstaunungs« würdig , daß der vor chnen her ziehende' Schrecken und ihre innwvhnende Kraft ihnen im Glücke bey 5 Jahre beygestanden, und daß weder die Stärke der Mauern noch die hohen Lagen von 64 Burgen , die sie in diesen und den vorigen Zügen eine genommen, sich vor ihrem Arme retten konntem Sie zogen biS vor Ronstan; , und während schon kalter Jahreszeit bis nach Bregenz. Da fanden sie endlich das Ziel ihrer Unternehmungen. Viele schwäbische Fürsten, Herren und Ritter verbanden sich gegen sie, und schlugen sie durch ihre grosse Uebermacht. In bester' Ordnung und noch im Zurückzug furchtbar zogen sie gegen ihr Land, und ertrugen, zwar unwillig doch standhaft, diesen Unfall. Mitlerweile kam König Ruprecht, Nebst den schwäbischen Rittern , nach Konstanz', wohin die bevollmächtigten Boten der St. Galler und Avpeni jeller auch deschieven wurden. Endlich wurde der Friede und zwar, da die Appenzetler bett Aussptuch *4-o8. des Königs nicht annahmen, und er starb,- durch Vermittlung von Schweiz geschloffen s alle Erobr, rungen fielen wieder zurück, übrigens aber änderte der Friede in der politischen. Lag« wenig; zu dem war das Stift St. Gasten um too, ys« verschuldet Herzog Friederich überzog zwar Noch einmal die Appenzeller in dem Rhein that bey Rheineck und Attstetten. Erstere Stadt aber «erbrannten sie, » 4 »^ N Z und lch W Seen Etv ich H- as - , en u- >, ie / -el !r- er n- er schlägt, Klebt bessern gemeiniglich neuen nnd hö- Hern- Schwung. Alle IahrbiÄer bewundern die Schnelligkeit, mit welcher die Stadt nach diesem unglücklichen Brarrde sich erholt hatte. Immer suchte sie , meistens durch friedliche Wege, ihre bürgerliche Freyheit , und vermittelst glücklicher Gewerbe, ihr gutes Auskommen und Reichthum zu erlangen. Weit gefährlicher waren jetzt dem Fürst Abte, die Appenzeller; sie weigerten sich ihm zu schwv. ren, ihm Landstcuren , Güterzinse , u. s. w. abzutragen. Am liebsten wollte der Abt den Streit für die" schwäbischen Städte und Herren bringen, aber sie weigerten sich von jemand anders eine Vermittlung anzunehmen , als von ihren Eydsi genossen , die Sinn für Freyheit hatten. Der Abt gab nach. Zu St. Gallen , Lucern, Zug nnd Baden wurden beyde gegen einander verhört. Mit vieler Müde geschahe nach äusserster Billigkeit für beyde Theile ein Spruch; allein auch davon hielten die Appenzcller, was ihnen gefiel. Nicht weniger war der Abt misivergnügt, daß die Eydsge« nossen die Appenzeller ihin nicht unterwürfig gemacht hatten. Er verklagte sie neuerdingrn bey dem Könige, dem Papste und den Eydsgenosscn, Der *2!&t entfloh auf den Schwarzwald. Die Evds- genossen waren selbst in einen Krieg verwickelt, der den merkwürdigsten Unfall ihnen zuzog, weichen die Eydsgenossenschast seit ihrem Ursprünge erlitten hatte. Zwey Bruder Freyherr» von Gap, Landmänner zn Uri, waren in letzter» Verhältniß Herren zu Bellen;. Der Herzog zu Mayland suchte seine dunkeln Ansprüche auf dasselbe geltend zu machen, Luzern und Schweiz kamen den Mayländern zuvor, und erhielten durch Vermittlung, nnd einer Summe Geldes > Geldes, Laß Betten; ihnen überlassen wurde. Durch Verrätheren erhielt indessen der Herzog Stadt und Burg. Aufgebracht hierüber, und von der Wichtigkeit der Herrschaft überzeugt, zogen bald alle Eydsgenossen, Der» ausgenommen, hin; St.Gaüen und Appenzell ebenfalls mit auserlesener Mann» schafl; aber Mangel an Eintracht, und Gehorsam bereitete den EydSgenoffen, vbfchon viele mir un- 1423. erhörter Tapferkeit stritten, eine grosse Niederlage, und noch nie, so lange die Eydsgenossenschast stund, geschah ein solcher Rückzug. Der Herzog benuzte den Sieg. Dieses bewöge die Evdgcnossen, mit einem beträchtlichen Heere, wozu auch St. Gallen 300 Mann stellte, «dermal dahin zu ziehen; es ge» 1424. lang aber dem Herzoge, mit Luzern, Uri und Unter- walden einen besondern Frieden zu fchliessen. Das Heer zog zurück, 34x6. Zu Freydnrg im Breisgau starb Abt Heinrich von Maugistorf traurig, und an seiner statt wurde Kgloff von dem alten edeln Hause der Blaarcr von Wartensee, ein Mönch des Klosters Er. Blasten , zum Abte zu St. Gatten erwählt; er über- nabm das Stift, da es seinen Feinden weder ein bereitwilliges Volk, noch herzhafte Bundesfreunde, nach Geld entaegenlezen konnte. Nichts blieb ihm übrig, als jeden günstigen Umstand wachsam, zu- nuzen. So bald Abt Egloff nach Wyl kam r ( nach St. Gallen wagte er anfänglich nicht zu kommen) sHicn er Anschläge zu entwerfen. Die Appenzeller wurden aufmerksam. Der Erfolg war für den Abt * nicht erwünscht. In eben diesen Tagen nahm Frwderick von Toagenburg des Abts Parthie und erhob sich argen die Äprremetter; auf mancherley Weise . -'uckte er ihnen bcpznkommen; einmal bey Gostau stritt er mit Glücke, jedoch nicht ohne grossen Der- Mrst, turff, gegen sie. Endlich wurde zu Konstanz von I4 , a den Boren der Evdsae'nvssen und ihrer Freunde ; von Basel, Schafhausen, St. Gallen und einigen der Häupter des schwäbischen Städtehundes der Friede zwischen dem Kloster und den Appenzellem so gut geschloffen, daß so lange Abt Zgloff lebte, nicht nur Friede sondern Freundschaft zwischen bey- den war. Aus allen Kräften bemühte sich Abt Egloff den Wohlstand des Stifts wieder herzustellen. Mit der Stadt St Gallen lebte er in gutem Vernehmen. Noch mehr aber gewann die Stadt, wie die Lids» genossen überhaupt, durch die günstigen Gesinnungen Kayser Sigmunds gegen dieselbe. Nicht nur erhielt die Stadt, wie schon erwähnt die Befrey- vng von der Reichssieuer, Bestätigung ihrer alten Freyheiten , sondern er übergab nun dem Rathe der Stadt den Blutbann, so daß nicht mehr, wie *43** bisher, die ganze Gemeinde, sondern der Rath über das Blut richten soll. Bey diesem Anlaß , da der Rath der Stadt die oberrichterliche Gewalt erhielt, wurde die Reichsvogteystelle dem jeweilü gen dritten Herrn Bürgermeister aufgetragen, bald hernach wurden vom klein und grossen Rathe die Zunftsatzungen errichtet. Daö Münzwesen war durch die schlechte Beobachtung der Reichsgeseze und die Gewinnsucht in einem sehr verwirrten Zustande; Zürich vermochte die Eydsgenossen, und ihre Freunde , wie St. Gallen, um demselben zusteuren, eine gleichförmige Münze zuschlagen. Wie die Appenzeller gegen den Abt, so betrugen sich die walliftr gegen ihren Bischof. Zu seinen Gunsten zogen die Berner bewafnet nach Wallis. Lucern , Uri und Unterwalden hin gegen «ahmen sich der Walliser an. Nach viele» Verheerungen gelang es den übrigen Kantons , einen Frieden 204 Frieden zu stiften, der die Walliftr grosse Summen kostete. r3Z6. Noch trauriger war der einheimische Krieg, den man den alten Züricher Rrrcg nennt, der um diese Zeit ansbrach/ und durch den Tod des letzten Grafen Friedcrichs von Lvagenburg veranlaßt wurde, indem Zürich und Schweiz an einen Theil seiner Länder gleiche Ansprache machten. Unermüdet arbeiteten die Boten der Eydsgenoffen, beyde Orte im Frieden zu vereinigen. Aber alles ohne Erfolg. , Die Erbitterung der Gemüther nahm vielmehr rägr lich zu. Kaum wurde ein Waffenstillstand auf 2 Jahre vermittelt. Mittlerweile wurde das Toggem bürg an den Abt von St. Gallen verkauft. Am Ende des Waffenstillstandes war Mißtrauen und Groll so groß , daß Zürich uch> Schweiz schon wieder in Waffen gegen einander stunden. Alle übrigen Orte und ihre Freunde, St. Gallen, «, s. w. traten auf der Schweizer Seite. Mit einem Male war das Zürich- gebiet von ihnen überschwemmt. In der Stadt selbst herrschte Zwietracht und Verwirrung. Endlich aber baten sie um Frieden, und erhielten ihn durch Aktrettung eines Stück Landes, oben am Zürichsee, «n Schweiz. , .2, Aber dieses erfüllte ihre Herzen mit Rache. Kayser Siegmund war nun gestorben, und Herzog I4 -, ü Albrecht, und da dieser in 2 Jahren starb, Herzog Lriederich von Oesterreich an seiner statt gewählt. Mit diesem schloffen die Zürcher ein Bündniß. Die Eydsgenoffen hielten das Haus Oesterreich für ihren alten Feind, sahen das Betragen der Zürcher für einen Friedensbruch mit ihnen an, und überzogen neuerdingen ihr Land, und nahmen es ein ; Dörfer ‘ wurden in Menge verbrannt; selbst die Stadt belagert. Zu verschiedenen Malen wandten die Eyds- genvssen und ihre Verbündete alle Macht gegen die Zürcher Zürcher und die österreichischen Trugen an. Der Kayser wandte alles an, die Freunde der Eydöge- nossen von ihnen abwendig zu machen. Auch St. Gallen suchte er |ti überreden, indessen weigerte sich die Stadt, obschon er persönlich gegenwärtig war, und ihr alle Freyheiten bestätigte. Endlich bewegte er so gar den König in Frankreich, seinen Sohn den Dauphin mit einem grossen Heer nach der Schweiz zu senden, um Zürich zu befreyen. Bey Basel versammelten sich 40,000 Franzosen; die Eydsgenoffe» schickten den Baßlern 1622 Mann zu Hilfe; bey Sk. Jacob stritten diese, 12 Stundenlang, bis in ihren Tod gegen dieselben, und erlegten bey 8200 Feinde. Bestürzt zog der Dauphin sein Heer zurück, und die Eydsgenoffen hoben die Belagerung von Zürich auf. Die ganze Nachbarschaft arbeitete am Frieden. Zu Konstanz kam er endlich zu Stande. Kraft dessen wurde der österreichische Bund der Zürcher für ungültig erklärt, und von da an allen Eydsgenoffen der Name Schweizer beygelegt. Dieser einheimische Krieg erweckte herrschende Neigung zu ungebundenem kriegerischem Leben in der Schweiz und der Nachbarschaft. So stöhrte» auch verschiedene Edelleute die Ruhe unsrer und verschiedener benachbarter «Städte, in dem sie ihnen ihre Güter ab der Strasse raubten; bald wurden sie aber durch eine ansehnliche Macht verschiedener Städte, wozu St. Gallen auch gehörte, durch Verbrennung ihrer Schlösser gedehmüthigct. Schon eine geraume Zeit gehörte die Nutzung Und Jnnhabung des Nheinthalö Ulrich und Lon« rad payer von Hagenwyl, groß durch Reich, thum und Würden bey dem Kayser, auch Bürger unserer Stadt. Die Appenzeller, als Verdünn dete der Schweiz, griffen diese im Nheinthal an j und zerstöhrten ihnen Stadt und Schloß Rhein-ek Vm 144 «. * 44 *. 20 6 Vergebens luden diese sie, die keine Ächtung kür Diener der Fürsten hatten, vor das Hosgerichr zu Rolhweil. Da Abt Egloff siarb, wurde Caspar von * Breitenlandenberg sein Nachfoläer in der Abley; er war ein gelehrter., sanftmürhiger Mann. So wie seinem Dvrfahrer lag auch ihm die Aufnahme des Stifts sehr am Herzen; da ex es aber durch innere ökonomische Verbesserungen mehr empor heben woüce, lud er sich den Haß seiner Convem tualen auf, die vielmehr glaubten , der alte Glanz müsse durch Hervevbringung v'erlvhrner Rechte bey der Stadt und Appenzell hergestellt werden. Wirk« lich brachte der Abt 21 Klagepunkten gegen die Stadt auf; aber diese, reif in ihrer Denkungs- art zur Freyheit, reich in sich, beschützt durch die erlangten kayserlichen Freyheiten, mächtig durch die Freundschaft, die sie sich bey den EydSgenosscn erworben, vertheidigte sich nicht nur sehr gut, sondern erhielt während diesen Streitigkeiten, da i4ei sie dem Kayser Lriederich einige Hilfslruppen gee 3 ' gen den Margrafen Albrecht von Brandenburg sandte, ihre Freyheiten dadurch vermehrt: Gewicht, Maaß, Müntz und Lllenftab nach Wiükühr einzuführen; auch daß, wenn jemand wider ihre Reichsvdgtey ein Privilegium erlangt hätte , es unkräftig seyn soll. Zu mehrerer Aenffnung ihrer r4Z2. Leinwandhandlung errichtete sie die Leinwandschau; ihre äusseren Besitzungen vermehrte sie durch Er« kaussung von Oberberg und Anrvyl — Und durch das Ansehen, den Muth, die Macht und die Freundschaft der Eydsgenossen ermuntert , trat sie zur Bcschützung ihrer erworbenen Freyheiten und Gerechtigkeiten in eine» ewigen Bund und Bür« » 454 « gerrecht mit den 6 lödl. Lantoncn : Zürich, Bern, Lucern, Schweiz, Zug und Maris. ObschoN Obschott 3 Jahre vorher Abt Caspar mit 4 der erwähnten löbl. Kantone ebenfalls in Bund ge- treten war, und die Stadt daselbst verklagt hatte , erschrack er doch sehr über diesen Schritt, daß er hwrauf der Cradt die Vvgtey aller seiner Gerichten ausser den 4 Creuzm übergab; da aber das Konvent seine Einwilligung zu diesem Schritte nicht gegeben hatte, wurden die sämmtlichen Slrei, tigkeiren des Klosters und der Stadt dem Rathe zu Bebn zum gänzlichen Entscheide übergeben. Nach langen Untersuchungen entschied endlich Bern: Daß die Stadt St. Gallen, gegen Erlegung I4 J 7 * 7000 Gulden, von dem Rlostrr St. Gallen gänzlich frey, und unabhängig , und auf alle Art und weise, eine freye, unmittelbare Reichsstadt, und ein zugewandtes Ort der Eydsgenossenschaft seyn soll, ohne einige wertere Eingriffe des Abts und seines Ronvents, zu allen und ewigen Zeiten. Eiche, Knabe! so erlangte unsere Vaterstadt durch die wachsame Vaterweikheit unserer Vxreitern, durch ihren männlichen Geist, Entschlossenheit, Arbeitsamkeit , Betriebsamkeit, und Gefühl für daS Glück und die Ehre ihrer Nachkommen, ihre Freyheit und Unabhängigkeit. Du machst dich hier mit ihrer Geschichte bekannt, um ein würdiger Enkel dieser wackern Biedermänner zu werden; ihr Werk zu erhalten ; einst im stillen Bürgerglücke, durch deinen Fleiß, mit Weisheit und Verstand, zufrieden, ger rechr, frey, eydsgenoß in deiner Vaterstadt zu lebe», und deinen Nachkommen sie zu erhalten. Es ist um krmäßiich, wie viel der Mensch vermag, wenn er will, und wie hoch er sich erheben kann, wenn er sich ein freyer Mann fühlt. Noch ehe die Stadt ihre Unäbhängigkeit von dem Kloster erhielt, wurde Abt Caspar von dem Convestk verklagt: die Zä-ikereyen gierigen so wett , daß Papst Lalixtue III dem Cardinal Aeneas Gilvius die Untersuchung derselben auftrug: und dem Abte der Großkellner des Klosters, Ulrich Röstch, als Pfleger, an die Gerte gesetzt wurde. Von da an, und der sonders zu der Zeit, (1463.) da Ulrich zur Avrey gelangte, war die Stadt in beständige Rechtshändel mit ihn; verwickelt. Noch während den Streitigkeiten, die bey uns zwft schen dem Stifte und der Stadt obwalteten , entstund eine wichtige Zwietracht (1448.) zwischen Bern und Freyburg: lecsteres stand noch unter österreichischer Herrschaft. Von beyde» Städten wurde der Krieg mit vielem Blutvergießen geführt. Endlich da Frey« bürg von Oesterreich verlassen, und für frey erklärt wurde, trat es in den Schutz der Grafen von Savoy, und blieb wieder Freundin von Bern. Nebst der Stadt und dem Abte zu Sl. Gallen, trat auch Gchafhausen in die eydsgenösstsche Verbindung. Larl VII. in Frankreich errichtete den ersten Vertrag mit ihnen, und bald hernach der Herzog zuMayland ein Derkommniß ( Capitulat.) Meistens waren es Verheißungen nachbarlichen Friedens und der Hilfe in der Noth. Allein obschon die Eydsgenosse» an innerer Stärke zunahmen, so wurden sie doch eben dadurch in eine Menge Streitigkeiten verwickelt, zu denen theils innere Zwistiglelttn, verlohrne Rechte wieder zu erlangen; theils das Bestreben der österreichischen Herzoge, und ihres Adels Anlaß gaben, deren Lander und Rechte in unserm Vaterlande, durch das allgemeine , gewaltsame Ringen nach Freyheit und Unabhängigkeit, durch welches sich dieses grosse Jahrhundert vorzüglich auszeichnet, sich immer- mehr verminderten So führte Bilgeri von Hern dsrf mit Schafhauftn einen langwirrige» Streit, 309 demselben die erworbenen Freyheiten wieder zu entreißen. Don Heinrich von Stegesheim wurde Mühlhaufen belagert. Der Stadt St. Gallen halfen die Eydsgenossen einen Proceß mit dem Stifte schlichten , da Ulrich Rösch , rasch und kühn in allen Handlungen, einen Bürger der Stadt um einer geringen Ursache willen gefangen nehmen ließ, und die Stadt 2 Gottshausleute ebenfalls gefam 146t. gen setzte. Nicht gewohnt , die geringste Beleidi, gung eines Bundsgenoffen ungerochen zu lassen, verheerten sie, wegen der österreichischen Fehde mit Schafhausen, mit ihren Bundsgenoffen, wozu auch St. Gallen gehörte, das österreichische Gebiet, und entrissen dem Herzoge Sigmund von Oesterreich das Lhurgäu, welches er ihnen nicht nur üben 1468» lassen, sondern noch eine grosse Summe an Kriegs« lösten bezahlen mußte. Das Thurgäu wurde zu einer gemeinsamen Vogtey gemacht. . Zuletzt hatten sie gar-die Kühnheit, den Zorn des furchtbaren Rarls, Herzogs von Burgund, gegen sich zu reizen. Um den Eydsgenossen die Kriegskosten bezahlen zu können, borgte Herzog Sigmund von Karl eine beträchtliche Summe Gelds, und verpfändete ihm dafür die Herrschaften im Elsaß, Sundgäu und Brisgäu. Karl ließ sie durch einen Vogt, Namens Hagenbach, verwalten. Durch 1470. seine hochmüthige Aufführung, Drvhwvrte und ver. schiedene Beleidigungen brachte dieser alle seine Unterthanen und die Eydsgenossen gegen sich auf. vergebens beklagte man sich deßwegen bey Karin. Er verachtete die Boten der Eydsgenossen. Die verpfändeten Herrschaften selbst suchten der be« schwerlichen Regierung Hagenbachs los zu werden. Es reute den Herzog, sein Erbgut Karln überlassen zu haben. König Ludwig XI. in Frankreich gab ihm das Geld zur Wiederlösung desselben ; und durch Schmeicheleyen und Geld suchte er die EydS- £> genossen » flie L.T. -ü- i sa genossen auf seine Seite gegen Karl« zu bringen. Sigmund lvßte die Länder ein ; Hagenbach wurde eingezogen und enthauptet. Drey Eydsgenossen fassen im Blukgerichte. Zornig gab Karl dem Bruder des hingerichteten Erlaubniß zur Verheerung der Länder des Herzogs und der Eydsgenossen. Das war nun die Losung zu einem Kriege, in welchem unsre tapfern Vorältern gegen einen zehnmal mächtigern Fürsten zu Felde zogen, und durch welchen sie den Ruhm der größten Tapferkeit und Krkegserfahrenheit von sich in der Welt ausbreiteten. Bald rückten die Schweizer mit des Herzogs Truppen in Burgund ein, und schlugen den burgundischen Feldherrn von Romont, bey Mümpelgard. Ganz wurde das burgundische Lager erbeutet; Hericourt betn Herzog eingehändiget. Ein Fahnen von 200 St. Gallern hatte so tapfer dabey gefochten, daß Kayser Friederich den Baren in dem Stadtwappen, mit einem Hals» »47Z. bände mit Gold und Edelsteinen, zum Zeichen seiner Zufriedenheit, zierte Der Winter nöthigte ste nach Hause zu kehren. Bald im Frühling aber fielen sie wieder in Burgund ein. Mit unrühmlicher Grausamkeit zersröhrren sie viele Städte und Schlösser in der wqtt, In Granson legten sie eine Besatzung von einigen hundert Mann. In der Ferne führte indessen Karl Krieg; aber nun näherte er sich, zwar langsam und stolz , aber mit einem prächtigen Heere von 50,000 Mann heran. Treulos verliessen der König in Frankreich und der Herzog von Oesterreich die Schweizer, und machten Frieden mit Karin. Vor Granson lagerte er sich; listig erhielt er Stadt Und Schloß, und treulos ließ er die Schweizerbesatzung aufhängen. Run rückte er mit dem Heere weiter fort, und lagerte sich bey dem Schlosse Vaumarcu. Hier wars. wars , wo i8ooc> Schweizer sich versammelten, ihn anzugreifen. Voll Verachtung ließ er sein Heer ihnen entgegen gehen. Die Schweizer griffen es an, und in Zeit einer Stunde schlugen und jagten sie gänzlich in die Flucht. Karl selbst wurde mit fortgerissen, und unschätzbarer Reichthum, womit das Lager angefüllt war , fiel den Siegern in die Hättde. An diesem wichtigen Siege hatten unsre St. Gallischen Bürger nicht geringen Antheil, ihr Fahnen den Ulrich Varnbühler anführte, war unter den Truppen, die am tapfersten mit- svchten. Sieben Tage nach der Schlacht kehrte Karl mit einem Heere von 60,000 Mann, das er in Burgund gesammelt hatte, schon wieder zurück. Macheschnaubend belagerte er mit 7000 Mann die kleine Stadt Murren, wo Adrian von Bubenberg mit 1500 Bernern eingeschlossen war, vergeblich. 30,000 Mann Eydsgenoffen, Oesterreicher und Lothringer und 4000 Reuter zogen dem burgundir schen Heere entgegen. Hinter einer Wagenburg wollte man sich decken. „ Wir Eydsgenoffen, " sagte der Venner Retter von Zürich, „ sind ge« „ wohnt, dem Feinde unter die Augen zu tretten." Und Hallrvyl von Bern. „ An eben diesem Tage „ haben vor 137 Jahren euere Väter den Staat „ von dem Untergänge gerettet. Knieet nieder!" Als sie beteten, öfnete sich das Negengewvlke, und die Sonne ze/gte sich. „ Wahrlich" fuhr der Feldherr fort , „ der Himmel zeigt sich uns gün- n stig; steht auf und schlagt die Henker, die euere „ Brüder zu Granson erwürgten." Zum ersten Mate stellten sich die Eydsgenoffen in eine künstliche Schlachtordnung'', und schlugen mit schreckli, chem Dlutvergiessen das burgundische Heer. Ganz war der See mit Leichen bedeckt. 10,000 lagen lkbdt auf dem Schlachtfelde. Eine Beute von Miliio» O * neu 213 Millionen fiel den Siegern abermal itt die Hände. Noch modern die Gebeine der erschlagenen Burgunder in einem dazu bestimmten Gebäude, das auf dem Schlachtfelde steht. Die St. Galler kamen zu spät, um an dem wichtigen Siege Theil zu nehmen. In der Watt trieb Bern nun Brandschatzum gen ein. Herzog Rennt von Lothringen eroberte sein Herzogkhum wieder. Vor Gram und Schmerz war Karl ausser sich. Mitten im Wimer-'raffke er ein elendes Heer kranker ungeübter Soldaten zu« sammen, um Herzog Renat anzugreifen. 8000 Schweizer. ( auch St. Galler ) bewaffneten sich für 4*7, diese» Vor den Thoren seiner Hauptstadt Nancy lieferte er Karl» eine Schlackt, in welcher Karl, von seinem Feldherrn Lampobasso verrathen, sümpfend im Gedränge erschlagen ■ wurde. Fußfällig flehten die unglücklichen Burgunder tÄc Schweizer um Schutz oder Frieden. Um >50,002 Gulden wurde er ihnen verkauft, und da fle nicht gleich bezahlen konnten , traten die Schweizer für sie um die gleiche Summe mit dem König in Frankreich in Unterhandlung, der sie hernach unterjochte. Bern und Freyburg vergrösserten nun ihr Ger biet mit einigen Landvogteyen. Der Ruhm der Tapferkeit der Schweizer machte alle Fürsten nach ihren Truppen begierig. Wo sie sich versammelten (in Zürich, Bern, Baden) war ein Gedränge glückwünschender Gesandten Mit dem Hause Oesterreich kam ein Bündniß zu stand, das noch be« steht , und Ekbvereimgung heißt. Durch die grossen Summen, die der König in Frankreich heim« lich und öffentlich unter sie austheilen ließ , und durch die von Kartn erbeuteten Millionen, wurden die, vorher an harte, sparsame Lebensart gewöhnten, armen Schweizer, deren Gesandter einer Karln M Liz Karl» sagte, »ihr ganzes Land trage nicht so viel » ein, als die Sporn und Zügel seiner Pferde an „ Silber werth seyn , " plötzlich reich. Aber diesem Schimmer von Glückseligkeit folgte unübersehbares inneres Elend auf dem Fusse nach. Der plötzliche Reichthum erzeugte Pracht und ein müsstges, wohllüstiges Leben, in welchem, wie von dem Hauche der Pest, die schönste Blüthe helveri» scher Jugend verwelkte. Kein Damm war stark genug gegen die eingerissrnen Ausschweifungen der Laster. Der Bauer verließ den Pstug, der Künstler die Werkstälte, und reiste in fremde Kriegsdienste, wo Geld und Beute zu hoffen war. Man hieß diesen Mißbrauch das Rcißlaufen. Unter dem Namen der thorechten Gesellschaft liefen einige iooo im Lande herum, und trotzten allen Ermahnungen der Obrigkeit. Nur unter der Drohung, das ganze Land gegen sie aufzubieten, zogen sie heim. — Selbst die Obrigkeiten fiengen an, durch fürstliche Pensionen sich bestechen zu lassen. Wegen Austheilung der Beute, bey Granson und Murten, und der Uebermacht der städtischen Kantons gegen die Lander Uri, Schweiz und Unterwalden, durch r48r den von denselben bewilligten Beytritt, der Städte Freyburg und Solothurn zur eydsgenössischen Verbindung, entstunden grosse Uneinigkeiten unter den Obrigkeiten selbst. Eben waren sie zu Stanz in Unterwalden zum letsten Male versammelt, um zu entscheiden, ob sie gegen einander selbst die Waffen ergreifen, oder Frieden schliessen wollten , als der fromme Einsiedler, Niclaus von der Llüe, wie ein Engel Gottes, weinend unter sie trat, und sagte: „ Mit Bedauren vernehme ich, liebe „ Herren, daß ihr, anstatt Gott für euere Siege ,, zu danken, über der Ausbeute streitet. Theilt „ sie doch lieber friedlich. Vereiniget euere biöheri, -» gen, einzelnen Bündnisse, in ein grmeinschaftli, »cheS 214 „ ches Band, der Treue, Ordnung und Liebe ; „ es Werden Zeiten kommen , wo ihr euch der „ Befolgung meines Raths freuen werdet. Nichts „ mehr. Gott sey mit euch." Dank und Beyfall folgte von den erstaunten Gesandten. Freyburg und Solothurn wurden in den Bund genommen, die alren Verordnungen erneuert, und im Gtanr zcrverkommniß zusammen gefaßt, und Friede und Gerechrigkeit im Lande hergestellt. So wohlthätig dieses Verkommniß war, war eS doch nicht hinlänglich, den wilden Sitten und der allgcmemherrschcnde» Unordnung des Volks Einhalt zu tyun. Im Anfange dieses Zeitpunktes (1463.) vermehrte die Stadt ihre Freyheiten von Kayser Friederich damit : Rauf - Gerad > und Niederlaghäuser in ihren Gerichten zu erbauen; nebst der Freyheit die Abzuggelder zu bestimmen. Bald aber waren unsre Bürger mit dem allgemeinen Stronie der Zeit ebenfalls fortgerissen. Ihrer mehrere zogen nach Mayland wider den Willen der Obrigkeit in den Krieg (1478.) Nühlich war zwar die Errichtung der Schießgesellschaften, aber für die Sitten dieser Zeit nicht günstig; und bald hatte die Stadt St. Gallen, die Ausgelassenheit ihrer Bürger und Nachkuren mit dem gänzlichen Verlurste ihrer Freyheit bezahlen müssen. Denn nicht nur hatte die Stadt / wie schon vben pag. 208 erwähnt worden, unaufhörlich gegen die Ansprüche Abt Ulrichs zu kämpfen, sondern auch öfter den Verdruß, zu sehen , daß einige Eydsgenossen dem Abte günstiger als ihr waren. Endlich gefiel es Abt Ulrich gar, und besonders, da die Stadt ihm in seinem Ansuchen, »sein Stift mit einer „ eignen Mauer zu umgeben, ” nicht entsprechen wollte, von dem Stifte und den Reliquien seiner 1488. Heiligen wegzuziehen, und in Rorschach ein neue- Kloster Kloster zu bauen. Mit den Appenzellern und an« dem Gottshausleuten stund der Abt in keinem bessern Vernehmen, als mit der Stadt. t Oft, aber immer vergeblich , wurden gegen erwähnten Bau Vorstellungen gemacht. Zuletzt erreichte der Widerwillen bey dem Volke den höchsten Grad. — Wer lehret die einmal gereizte Erbitterung, Mässigunz und Sanstmuth? — 1200 Appenzeller, 350 St. Gaüer, 550 Gottshausleute, und 600 Rheintha- ler, verbanden sich, ohne Wissen ihrer Obrigkeiten, stürzten auf das neue Kloster bey Rorschach zu, plünderten und rissen es nieder. Kaum hatten sie diese unbesonnene That auS. geführt , so wurde bey den Eydsgenoffen von Abt Ulrich Klage dagegen geführt. Fruchtlos waren die Zusammenkünfte, die erbitterten Gemüther zu, besänftigen. Endlich kamen einige - 000 Eydsgenoffen, den Abt zu rächen. Die Appenzeller und Gotls, Hausleute ergaben sich bald. Nur die Stadt nicht. Sie sollte jetzt belagert werden. Schon rückten einige looo Eydsgenoffen heran. Muthig verbrann» ten die Bürger die Vorstädte, um sich bis auf den letzten Blutstropfen für ihre in Zügen liegende Freyheit zu wehren. Muth für alte Nechte kömmt allen Völkern zu; ihre Maaßregeln dafür zu rieh« men den Verständigen. Daherda die Eydsgenoffen durch Gesandte iü der Stadt Vorschlage thun liessen, die der Freyheit nahe giengen, rief einer der Bürger ihnen zu: „ Machet euch aus der Stadt , so „ lieb euch Gott ist, eher wollen wir mit Weib „ und Kindern sterben , als euere Bedingungen „ eingehen. ” Wachsamen , verständigen und tap« fern Männern hilft Gott. Nicht nur wurden alle Bürger, durch diese edle, patriotische Gesinnungen dieses, uns unbekannten, Bürgers entflammt, alles für die in Zügen liegende Freyheit der Stadt zu wagen, sondern auch von den Eydsgenoffen selbst wurden . * 489 » l4-4. J4-9 1 - » 496 . » 49 -. tvurden sie gerühmt. Wo wären wir jetzt, hätten unsre Väter sich nicht als Männer gezeizet? Die Eydögenossen liessen der Stadt ihre Freyheit, dennoch aber mußte sie von dem mächtigen Sieger, den Frieden mit dem Verlurste von Oberberg, Ober- «nd Nieder » Gteinach und einer Summe Gelds erkaufen, und die Appenzeller mit dem Verlurste des Rhemthale , das jetzt zu einer gemeinsamen Vogrey gemacht wurde. Kaum war die Ruhe von aussen hergestellt, so erregte die Zwietracht innere Unruhen in der Stadt, die nur durch den Tod von 6 Aufwieglern gestillt wurden. Eine solche Aufruhr kostete einige Jahre vorher den tapfern Bürgermeister Waldmann in Zürich das Leben. In Lucern gab es ähnliche Auftritte. Auch in Deutschland waren die unmenschlichen Fehden des Adels, und'.die Ausgelassenheiten des Pöbels nicht minder groß. Diele Grafen, Herren und Städte verbanden sich, denselben Einhalt zu thun. Der Kayser Maximilian war das Haupt des Bundes. Er nannte sich der schwäbische Bund. Auch die Schweizer wurden dazu einge, laden.; aber aus Furcht wieder unter das Haus Oesterreich zu kommen, verbaten sie sich die Ehre. Das verdroß den Kayser , und da zugleich die Bündtner sich in den Schutz einiger Kantons begaben , brach der Krieg zwischen den Schweizern und Schwaben aus, und zeigte die helvetische Tapferkeit in einem neuen Glänze. Bundesmäsflg defand sich auch St. Gallen dabey. In Zeit von einem Jahre fielen 8 Schlachten vor, in welchen die Eydögenossen siegten. Sich in der Schlacht -blindlings fürs Vaterland in den Tod stürzen, und lieber kämpfend sterben, alS ßch ergeben , hieß damals: als ein frommer Eyds, I 217 Eydsgenvß sterben. Fontana , WoUcb vnd walcr thaten Wunder der Tapferkeit. Bey Frästen; hielt sich besonders Hauptmann Lehner von St. Gallen sehr tapfer. Bey 30,000 Menschen verlohren in diesem Kriege ihr Leben. Bey 2000 Dörfer und Schlösser wurden verbrannt. Hunger, Armuth und Krankheit herrschten in dem zerstöhrten Lande. Endlich wurde zu Basel der Friede geschlossen, den Eydsgenvssen ihre alten Eroberungen bekräftigt, und der eydsgenössiscke Bund mit den Städten i;«t. Basel und Schafhausen vermehrt. Kirchenverbesserung , innere einheimische Kriege. Sechszehntes Jahrhundert. Ä)eit gefährlicher als das vorige Jahrhundert sich endete , sieng das neue an. Bisher hatten die Eydsgenvssen ihre Waffen gegen den alten Feind mit Ruhm gebraucht; Jetzt aber gebrauchten sie solche gegen sich selbst. Nicht nur kam dadurch ihre Tugend und Einfalt in Gefahr; sondern mehr als einmal die Eydsgenoßschaft vom höchsten Flore und Ruhme an den äussersten Rand des Untergangs. Am meisten zeigte sich die 4)and Gottes zu unsern Gunsten sichtbar, da im wilden Sturme der Leidenschaften der gesunde Verstand und schweizerscher Brüdersinn die Oberhand behielt. Kaum war der Schwabenkrieg beendiget ( so warben Ludwig XII. und der Herzog zu May- land, Ludwig Sforzia, welche beyde stark am Frieden mit dem Kayser gearbeitet hatten , bey den Schweizern um Volk; nicht weil unser Vaterland ihnen' angelegen war, sondern weil sie Schweizer bedurften, um einander zu bekriegen. Lange war ren die Orte uneinig , wem sie dienen wollten; und / die 218 die Stimme derer, die den weisen Rath gaben: Sich nicht mehr in fremde Händel zumischen, wurde gar unterdrückt. Endlich erlaubte man zuerst Lud. wig XII. einige 1000 Mann. Mit denselben wurds das Herzogthum Mayland, auf welches er Anspruch machte, bald erobert. Der Herzog floh. Kaum aber waren die Eydsgenossen abgezogen, so wußte er heimlich in Bündten und Wallis ein eydsgenössisches Heer von 8000 Mann anzuwerben, mit diesen verjagte er die Franzosen aus seinem ' Herzogchume, und eroberte es wieder für sich. Eilend rückten wieder 10,000 Eydsgenossen ( auch ein Fahnen St. Galler) mit Ludwig gegen Mayland an. Bey Navapra stunden jetzt Eyds. genossen gegen Eydsgenossen ; allein sie wollten nicht gegen einander fechten. Rudolph Türmann, ein Urner, beredte indessen den Herzog zur Flucht, verrieth ihn aber. Der Herzog wurde gefangen , und Ludwig behielt eine Zeitlang das Herzogthum; und da der König den Schweizern sein Versprechen für den Feldzug nicht hielt , machten sie sich selbst ' bezahlt. Zuletzt vertrug sich der König mit ihnen, und trat ihnen Bellen; ab. Bald darauf liefen einige 1000 Schweizer, (auch St. Galler) wider das Verbot ihrer Obrig. keit mit den Franzosen nach Neapel; in 2 Schleich» ten wurden sie geschlagen, und was das Schwerdt Nicht wegrafte, fraß die Pest. Kurz darauf liefen andere mit den Franzosen gegen die Venetianer, urit Geld und Beute beladen kamen diese heim. Aber plötzlich hatte Frankreichs Ansehen in der Schweiz ein Ende; theils wegen unbezahlter Jahrgelder ; theils weil die Beredtsamkeit eines päpstlü !Zlv. chen Gesandten, des Bischofs Sinner zu Sitten, a die geldhungrigen Schweizer, zur Vertreibung der Franzosen aus Italien, auf seine Seite brachte. Dem <2U) Dein französischen Gesandten wurde das sichere Geleit in die Schweiz abgeschlagen, und 20,0a» Eydsgenoffen , (auch St. Galler) eroberten im Namen des Pabsts und Kaysers das Herzogthum Mayland. Die welschen Vvgteyen behielten sie für sich; reiche Städte und Länder brandschatzten sie, und den Sohn des abgesetzten Herzogs Sfsr;i» setzten sie, für eine grosse Zahl Ducaten , in sein Herzogthum ei». Diese schnellen und wichtigen Eroberungen brachten die Eydsgenossen in neues grosses Ansehen. Der Pabst beehrte sie so gar mit dem Titel : Beschützer der Freyheit der Rirche, und verehrte ihnen ein geweyhtes goldenes Schweröl, einen Herzvgenhut ^ ein Hanptpanner mit dem Kir- chenwappcn, und über dieses jedem Orte ein besonderes Panner. Die Stadt Sr. Gallen erhielt ein damastenes mit goldenen Fransen , worinn der Stadt Wappen mit dem Bilde der Barmherzigkeit zu sehen war. Frankreich aber fühlte, wie wohl zu spat, wie wichtig die Freundschaft der Eydsgenossen für dasselbe sey. Vergebens suchte es sich mir denselben auszusöhnen; und da es Mayland durch Hilfe der Venetianer wieder haben wollte , fielen die Schweizer, unbändig wie» Raubrhiere, in Burgund ein. Schon hatten sie ein grosses Stück von Frankreich erobert, als der französische General Tremoville sie betrog, indem er sie mit Versprechung ungeheurer Geldsummen, und schlechten Bürgen unter vornehmen Titeln heimfertigte. Am Ende dieses sonderbaren Feldzngs wurde Appenzell in den ewigen Bund aufgenommen. Konstanz wurde diese Ehre abgeschlagen, hingegen Mühlr Hausen zu einem zugewandten Orte erklärt. Franz!« L2» Franz I. bestieg nun den französischen Thron, ein junger, muthvoller Krieger. Auch er wollte Mayland wieder an sich bringen, sogleich besetzten die schweizerschen Heere alle Zugänge. Allein die Franzosen wußten durch geheime Wege über die Alpen zu kommen , die päbstlichen Volker nahmen sie gefangen, und vor Verdruß, weil sie schlecht bezahlt wurden, liefen die Schweizer weg; nur die Truppen dreyer Orte blieben, und der Bischof von Sitten wußte diese so gegen die Franzosen ' aufzubringen , daß sie dieselben , die noch ein» 151;. mal so stark waren , wüthend angriffen. Die schon Wegreisenden kaiuen wieder in dir Schlacht zurück , ihre Brüder zu retten. Es war Abend. Die Schweizer siegten. Die Nacht schied die ermü» deten Krieger von einander. Wahrend derselben brachte Franz sein Heer wieder in Ordnung, der venetianische Feldherr Alviano fiel den Schweizern in den Rücken, so daß sie am Morgen mit Ver» lursi abziehen mußten. 10,000 Franzosen und 5000 Eydogenvssen (40. St. Galler) blieben in die» ser Schlacht Ihre Tapferkeit bewundernd, und ohne sie zu verfolgen, blieb der junge König stehen. Bald hernach suchte er sie zu ftinen Freunden zu machen. E>n Theil von ihnen gab ihm, ein an» Lerer dem Kayser, die Hand. Schon sollten sich wieder io, 020 französischgesinrrte Eydsgenvssen mit 10,000 kayserlichgestnmen schlagen, und kaum konnten die ängstlichen Drohungen der Obrigkeiten, und der Geldmangel der kavscrlichen die Schwerdter in der Scheide behalten. Für einmal behielt Franz Manland. Bald nachher aber zog Kayser Bark V. es als ein Lehen des Reichs ein. Die Schweizer ,zi6. ^richteten mit Frankreich einen ewigen Frieden. Nichts kann traurigers gedacht werden, als der politische Zustand unsers Vaterlandes, in den »s während dem Flammenwirbrl dieser immerwähren, m den Kriege gestürzt wurde. Ausserordenklich wurde der Landbau verwahrloset, Städte und Dörfer entvölkert , die Handlung gestöhrt, rohe und ungebun« dene Sitten stiegen auf den höchsten Grad. Zu dieser Verdorbenheit der Sitten half, nebst den Kriegen, die äusserste Verdorbenheit des kirchliche«-» Zustandes. Man dachte nicht daran, durch Verbesserung des Herzens und Wandels, Gott zu ge« fallen, sondern durch Beobachtung äußerlicher Ce« remonten. Die abscheulichsten Vergebungen hoffte man durch Processionen, Wallfahrten, Anbetung der Heiligen, der Bilder und Reliquien, Beschen« kung der Kirchen und bezahlte Messen zu tilgen. Weit und breit war keine deutsche Bibel zu finden. Auf dem Lande waren keine Schulen. Messen gab es unzählige; Feyertage eine Menge. Wurde ein Sieg erfochten, so dankte man es nicht Gott, sonr der» einein Heiligen. Mit einfältigem Herzen glaubte das unwissende Volk, was seine unwissende Priester es lehrten, die bey ihrer Unwissenheit sich noch den» ausschweifenden Leben ergeben, und allen rvcltli« wen Gerichten entzogen hatten. Die Ausschweifungen des Lebens sind immer weit auffallender, als die Verirrungen des Geistes ; weit eher dachte man daher an die Nothwendigkeit der Sitten «als an bieder Giaubensverbefferung. End, lich aber, da Papst Leo X. den Mönch Bernhard Samson , mit einer Art religiöser Wechselbillets (Indulgenzen, Ablaßzedel,) nach Helvetien sandte, wo dieser sie verkaufte, und den Leuten aufschwatzte, daß sie damit ihre Schulden gegen Gott bezahlen könnten, erreichte der damalige Religionezustand un< sers Vaterlandes die höchste Dtufe des Verderbens. Da Samson nach Einsiedeln kam, fand er d» Ulrich Zwingli, einen Toggenburger, als Prediger im Kloster. Diesen Mann hatte Gott auserfthen >. in 222 in Helvetien den Anfang zu machen, das Joch des Aberglaubens zu brechen. Schon als Knabe hatte er es in allen Wissenschaften seine« Mitschülern und Lehrern zuvorgethan. Mit unerschöpflicher Lust las er die alten Römer und Griechen, diese beßten Neste der alten Weisheit, welche die kurz vorher erfundene Buchdruckerkunst allgemeiner machte. Tag und Nacht übte er steh, den Sinn der heil. Schrift zu verstehen, und hatte sie größtentheils im Gedächtnisse. Der Ruf seiner Rechtschaffenheit und Weisheit brachte iziy. ihn bald als Prediger nach Zürich, wo er sich zum voraus bedung, nur nach Gottes Wort predigen z« dürfen. Da griff er den Samson mit Muth und Eifer an, und predigte gewaltig gegen seine Ablaß« zedel, und mit eben dem Eifer, wider die herrschende Pracht, Schwelgerey, Wallfahrten, Reißlaufen, Pensionen, als Gottes Wort zuwider. Sein erstes und letztes war , daß man sich allein an die Bibel halten soll. Und so begann die so gesegnete Glaubensverbesserung (Reformation ) in der Schweiz. Was Zwingli in der Eydsgenossenschaft that, das that Martin Luther in Sachsen; und aufgemuntert durch Zwinglins Beyspiel traten jetzt in der Schweiz aller Orten Zeugen der Wahrheit auf, Laster und Aberglauben zu bestreiken. Berchrold Halter zu Bern; Hccolampadiuo ( Hausschein) zu Basel ; wittenbach, Zwinglins Lehrer, zu Biel. Benedict Burgauer, Wolfgang Wetter, Joachim von l 1520. Watt und Johannes Reßler, bey uns zu St. Gallen. Es fehlte freylich nicht, daß die Priester und ihre Anhänger, besonders die Reißläufer, deren Gewinn man zu nahe trat, mit Lästerungen und Verwünschungen gegen die Glaubensverbefferer aus« brachen. In Zürich, St. Gallen , u. s. w. forderten die Obrigkeiten die Geistlichen auf, die Lehren des Pabsts * ■' " 22Z Pabsts gegen die der Glaubensverbefferer aus der heil. Schrift zu behaupten, wenn sie es könnten ; verschiedene Zusammenkünfte wurden gehalten, allein nichrs bewiesen; und nun faßten die Obrigkeiten in Zürich, Basel, Bern, Schafhauftu, St. Gallen, u. s.w. den kühnen Entschluß , die Kirchenver- befferung wirklich einzuführen, und befahlen bey* hoher Strafe, nichts zu lehren, das nicht aus dem Worte Gottes bewiesen werden könne. Nach und nach bequemte das Volk sich immer mehr nach der neuen Lehre, und eben so wurde eine abergläubische Ceremonie nach der andern abgeschafft. Mönche Und Klosterfrauen verliessen die Klöster, und hey- ratheten; die Bilder wurden abgethan, die Messen Untersagt , und da gegen das heil. Abendmahl nach dem Sinne Christi und seiner Apostel eingeführt, die Prozessionen verbotten, die Reliquien vergraben , und die Feyertage erst auf 20 , hernach aber auf die jetzige Zahl eingeschränkt. Die Stifter übergaben den Obrigkeiten ihre Rechte, und so wurden die Blöster in-Schulen , wie bey uns, oder in Spitäler, Armen , und waysenhäuser verwandelt. So gefährlich es indessen einem Staate ist, wen» hie meisten seiner Glieder zu arm an irrdischen Glücks- gütern,und nur wenige;» reich sind , eben so gefährlich ist es ihm, wenn die meisten Glieder desselben zu arm am Geiste, und nur wenige zu reich daran sind. Richt allen leuchtete das angezündete Licht gleich helle, und nicht alle machten den gleichen wohl, thätigen Gebrauch davon. Ein Theil gericth bey dem Lesen der heil. Schrift auf den Gedanken: ein neues Reich Christi zu stiften , worinn keine Sünder wären ; da , meinten sie, bedürfe es keiner Obrigkeit mehr, und Zehenden und Abgaben fielen von selbst weg. Weil sie sich von Gott erleuchtet glaubten, hielten ß« den geistlichen Stand für unnökhig; eben so die Kinder. 324 Kindertaufe. Man hieß daher diese neue Secte 1526. Wiedertäufer. Maus und Grebel, zween Zürcher, waren ihre Häupter. Ganze Schaaren Unzuftiedner vereinigten sich mit ihnen , und in wenig Jahren war die ganze Eydsgenossenschaft von ihnen überschwemmt. Auch bey uns in St. Gallen hatte man viel mit ihnen zu schaffen. Man gab sich viele Mühe, sie eines best fern zu belehren; allein der Geist der Schwärmerey bringt es mit sich, voll Zuversicht auf blinde Einge« düngen, keinen Vernunftgründen Gehör zu geben. Je mehr sie endlich alle, noch so heiligen und wohl« thätigen, Bande bürgerlicher Ordnung von sich war, fen, und zuletzt mit den Verirrungen des GetsteS Ausschweifungen des Lebens verbanden, desto mehr glaubte die Obrigkeit strenge Maaßregeln ge« gen sie brauchen zu müssen, so daß sie zuletzt ver» tilgt wurden. Indessen blieben die übrigen eydsgenöfsifchen Orte nicht nur dem alten Glauben getreu, sondern suchten auch die übrigen in den Schooß der alten Kirche zurück zu bringen. Der Tagsatzungen und der Religionszusammenkünfte war kein Ende. Mit vielem Ruhme wohnte unser gelehrte Doktor und Bürgermeister von Watt vielen derselben bey. Aber weit entfernt, daß die nun reformirten Orte sich von den übrigen wieder zurück bringen liessen, sorgten sie vielmehr dafür, ihren Glauben bey ihren Untergebenen in den gemeinen Herrschaften auszubreiten; daraus erwuchs aber leider ein gewaltiges Miß- ttauen, und brachte sie bey den fünf Orten in Verdacht, als wenn sie Aufruhr und Empörung stiften, und sie von der Regierung dieser Herrschaften verdrängen wollten. Wirklich traten diese mit wallis und dem mächtigen Könige in Spanien in ein Religionsbündmß. Die Reformirten, ( auch Et. Galler, j hingegen in ein so genanntes christ, » liches Bürgerrecht, die refvrmirte Lehre nicht nur .. a»s nur tit ihren Gebieten, sondern auch in den ge- meinest Herrschaften zu verbreiten. Dadurch nahm Erbitterung und Haß immer mehr unter den Ständen überhand. Schrecklich« Lästerungen stieß das Volk der fünf Orte auf ihren Landsgemeinden gegen Zürich und Bern aus, und setzten mit gewaffneter Hand einen Landvoge nach Baden, welches nun auch größtentheitö das Evangelium angenommen hatte; und dadurch war die Losung zum Kriege gegeben. In kurzer Zeit stunden 24002 Mann bey Cappel in den Waffen. 152*, Sckon waren die Schwerdter zum Würgen bereit» Endlich aber brachte ein eifriger Eydsgenoß Johann Aepli, Landamman von Glaris, durch seine eindringende Beredtfamkeil, durch sein Flehen, Ber strafen und Vermahnen bey beiden Theilen einen t riedensverglich zuwege«. Man nannte diesen rieg den ersten Cappelerkrieg, und den Frieden den Landsfrieden , dessen wesentlichster Theil darin» bestand : »Der Bund mit Spanien soll aufgeho« „ ben seyn, und Niemand zur Religion gezwunge» „ werden." Diese innere Zerrüttung hatte alle Gemüthe« so eingenommen, daß man darüber die grosse» Bewegungen an den Gränzen des Landes beynahe vergaß , doch wurden während dieser Zeit, die Bündtner von den reformirten Kantons gegen die Einfälle des mayländischen Edelmanns von Medü cis, der sich des Veltlins bemächtigen wollte, unterstützt. Und da ein unwürdiger Bischof z» Genf siine Rechte über die Stadt dem Herzog« z» Savoy' abtzrat und dieser die noch übrigen Rechte derselben an sich reissen wollte , halfen verschiedene Eydsgenoffrn, (auch St.Gallen,) sie ihnen beschützen , und brachten bey St. Julian , besonders rzzo. durch die Hilfe unsers Bürgermeisters von Watt, P «inen za6 einen Frieden zu Stande, den er bey Derlurst der Watt , zu halten versprechen mußte. Indessen beeiferten sich die reformirten Kantons immer mehr, ihre Lehre zu berichtigen. In Gegen- rAZ 2 . wart .Ulrich Zwinglis wurden Synoden hier in St. Gallen, in Frauenfcld, u. s. w. gehalten, und die neue Lehre selbst wurde seit dem letztern Cappeierkriege ungemein befördert. Denn nunmehr schafften auch die Rheinthaler, die Thurgäuer, und die benachbarten Gottshausleute die Messe, u. f. w. ab. Der Tod des damaligen Abts Franz Geiß, bergers gab so gar diesen Letztern Anlaß, das Kloster St. Gallen der Stadt St. Gallen zu unterwerfen. Zürich unterstützte sie nicht nux, sondern da die aus Furcht nach Einsiedeln gestobenen Con- ventualen, in der Person Rilian Rausiins, einen andern Abt setzten, forderten die Zürcher und Glarner von ihm, daß er sein Recht aus der heil. Schrift beweise. Anstatt zu antworten entfloh der Abt mit allen Schätzen und Schriften ins Schwabenland , rief den Schutz Kayser Larls V. an, und suchte, durch Hilfe des österreichischen Land- vogtö Marx Sittichen, seine Rechte mit den Waffen geltend zu machen. Zu seinem Unglücke ertrank er und die Zürcher verwandelten die Schätze des Klosters in Almosen; den Tvggenbur- gern gaben sie ihre Freyheit, und das Kloster mit aller Zubehörde verkauften sie der Stadt St. Gallen. Kummervoll sahen die fünf Orte, mit welchem Muthe Zürich u. s. w. seine Neuerungen durchsetzte. Viele Zusammenkünfte wurden wieder gehalten, *5)*- und plötzlich schickten die fünf Orte Zürich ihre Fehdebriefe zu, und fielen unvermurhet und ergrimmt in sein Gebier. Voll Schrecken , ohne Ordnung und Gehorsam zogen die Zürcher ihnen entgegen , und wurden in einem blutigen Treffen geschlagen, ehr ehr noch ihre Bundesgenossen, St. Gallen, u.s.w. angelangt waren. Auch Zwingli wurde unerkannt ermordet , und sein Leichnam von den rasende» Soldaten niederträchtig behandelt. Und da die Armee der Reformirren bey der Zugerbrücke, aber/ mal auö Mangel der nöthigen Kriegszucht, eine neue Niederlage erlitt, wurde der Friede geschlos- sen., vermög welches die Evangelischen den fünf Orcen die Kriegskosten bezahlen , und die Stadt St. Gallen anhalten mußten, dem neu erwählten Abte , einem Edeln von Blaarer, das Kloster wieder zu übergeben und i°, ooo Gulden Schad« loshaltung zu bezahlen. Durch diesen zweyten unglücklichen Eappeler- krieg wurde die Ausbreitung der Reformation sehr gehindert; denn da und dort führten die siegenden fünf Orte den alten Glauben wieder ein. Die Obrig« ketten, die ihr ergeben waren , blieben zwar standhaft bey derselben; hie und da hatten sie abet gegen ihre Bürger, auch so bey uns, zu kämpfen. Ueberhaupt wurde ihr dadurch in der deutschen Schweiz Gränzen gesetzt. Desto mächtiger aber breitete sie sich jetzt in dem mittäglichen Theile derselben durch Wilhelm Farell aus. Von Bern aus reißte er von einer Stadt zur andern, sie zn predigen. Da er nach Genf kam, fand er nicht nur bald einen grossen Anhang; sondern bracht« die Reformation nach und nach vollends zu Stande; aber durch die Unruhen, die dadurch im Inner» des Staats erzeugt wurden, und die ihr alter Feind der Herzog von Savoy nutzen wollte, kam Genf in die verzweifelteste Lage , seine Freyheit zu verliehren. Der Muth der Bürger und die Klugheit der Räthe war unerschöpflich; durch diese und französische und bernersche Hilfe wurde es aber« mals befreyt. Bern eroberte die Watt und behielt sie. Freyhurg Romonr und Rue, und selbst P a Gmk I 3*8 • ■■ Genf erweiterte das Gebiet durch einige Dörfer. Während dem bevestigce Calvin, ihr neuer Lehrer, die Glaubensverbefferung immer mehr. Durch den unerbittlichen Ernst der Zucht verbesserte er die im Kriege verwilderten Sitten seiner Mitbürger. Wegen seiner Strenge vertrieben sie ihn einmal; bald holten sie ihn aber wieder ein , und verehrten ihn bis an das Ende seines Lebens wie einen Heiligen. Ueberall arbeiteten die evangelischen Orte, die erkannten Wahrheiten durch allerley gute Anstalten zu bevestigen. Es wurden jährliche Arsammen, künfte der Geistlichen (Synoden) verordnet, um Lehre und Leben der Pfarrer zu prüfen, und über Religionsangelegenheiten sich zu berathen. Den Geistlichen wurden ihre Einkünfte bestimmt; die Schulen mit geschickten Männern versehen; Gebet, Gesang und der ausserliche Gottesdienst eingerichtet; Kinderlehren und Catrchismus eingeführt, und um Trennung und Uneinigkeit in der Lebre zu vermeiden, Glaubensbekenntnisse errichtet. Das war nun die selige Reformation. Keine Veränderung, hatte in den Städten und Landen unsers Vaterlandes so wichtige Folgen gehabt. Wer kann ihrer ohne die innigste Ehrfurcht und den herzlichsten Dank gegen Gott gedenken J Der Verwilderung und Armuth, welche durch die unaufhörlichen Kriege und die Tyranncy der Geistlichen in dem Staate überhand genommen hatten, ward nun mächtig gesteuert. Die verdorbenen Sitten ver, wandelten sich in Vernunft und Tugend. Durch die Abschaffung der Klöster und der Kriegsdienste wurden die Landwirrhschaft, die Bevölkerung, und republikanische Sitten befördert. Man fieng an, stille Rünste zu liehen und zu treiben. Die Wissen, -.—- 229 Wissenschaften, die zur Kenntniß der Religion dienen , waren die Beschäftigung vast aller guten Köpfe. Die Handlung kam wieder in Aufnahm , und zeugte bey uns bald von einem unüberwindlichen Fleiß der Bürger. Der Münzfuß wurde verbessert. Selbst unter den Soldaten ward bessere Zucht und Ordnung eingeführt. Anstalten für Arme und Kranke wurden errichtet. Durch strenge Gesetze wurden die gewöhnlichen Laster eingeschränkt. Was Calvin für Genf, Zwingli für Zürich war, das war unser verdienstvolle Bürgermeister von Watt für St. Gallen, da er vorzüglich der Mann war, den Gott uns schenkte, uns den Gebrauch der Vernunft zu verschaffen, und den Wohlstand unsers Staats zu vermehren; der Licht und Freyheit über Barbarey und Knechtschaft erhob. Freyheit befördert die Aufklärung, und Aufklärung mässigt die Freyheit. Auch über den damaligen Fleiß der Gelehrten , wie Watt, u. s. w. war, muß man erstaunen, die, vbschon sie in den wichtiIsten Berufsgeschäfften stunden, ganze Bande mit unermüdetem Fleisse, besonders in der vaterländischen Geschichte schrieben. So entstund ein sittlichers und arbeitsameres Menschengeschlecht, und solche selige Folgen hatte die Reformation, an allen den Orten, wo sie angenommen wurde. Für die ganze Eydsgenossenschaft hatte sie die gute Wirkung, daß hie Kantons sich sorgfältiger hüteten, sich in fremde Neligionsstreitigkeiten zu mischen. Da indessen zwischen dem Kayser und 15-14 dem Könige in Frankreich deßwegen ein Krieg ausbrach, begaben sich > 2000. Schweizer, ( auch St. Galler, ) in französische Dienste, und trugen das meiste zu dem wichtigen Siege über die kay- serlichen beyCarigan bey. Aber nicht zu bereden waren sie, an dem Kriege Theil zu nehmen, den Japser Karl V. und Pabst Paul III. zur Unterdrückung « 3 » drückung der Protestanten und des von ihnen er. richteten schmalkaldischen Bundes in Deutschland anfiengen. Dagegen errichteten die Eydsgenoffen mit König *553. Heinrich II. von Frankreich die erste regelmässige Kapitulation wegen der Hilfsvölker, imd alle Kam * tonen, Zürich und Bern ausgenommen , einen Bund. Da aber in dem benachbarten Frankreich die Reformation ihre wohlthätigen Fittige ebenfalls verbreitete, die Anhänger derselben bey 1000. sich mehrten, Herzoge und Prinzen dazu traten, dieses aber den fürchterlichsten einheimischen Religionskrieg entzündete, und den Anhängern der Reformation, die man Hugenotten nannte, die heftigsten Verfolgungen zuzog, nahmen letztere KantonS, auch St. Gallen, sich ihrer Glaubensbrüder ernsthaft an ; die Katholischen hingegen der Parthey ihrer Verfolger. Mehr als einmal stunden eydsgenössische Heere gegen einander im Schlachtfelde. Endlich geschahe eö, da Heinrich starb, daß der Kronerb Heinrich von Navarra an ihre Spitze trat; dagegen wider, setzte sich ihm die katholische Parthey, und die Prin. zen, die gerne die Krone getragen hätten, unter dem Namen der heiligen Ligue. Gegen den Grimm dieser Ligue sich zusichern, zogen ganze Haufen Hugenotten nach der Schweiz. Mistrauen und Feindschaft bemächtigten sich der Herzen der Eydsgenoffen durch die Begebenhei, ten in Frankreich, und , wie elecktrisch, zündeten diese Zwiespalt unter ihnen selbst an. Da und dort wechselten mit den noch nicht ganz gestillten innei den Religions - Unruhen, politische ab. Verschiedene derselben entspannen sich z. B. mit der Stadt Sr. Gallen und dem benachbarten Stifte, unter dem Ktbt Gthmar II. da beiden Theilen in ihren wech, fetfeitigen Gerichtsbarkeiten Rechtsame seit dem Svruch ---------- - * 3 * Spruch zu Bern von Anno 1457. übrig geblieben waren. Von den Schirmcamonen wurden sie zu wyl beygelegt. In Bern, Bündren und Genf gab 1Z6L es weit ernsthaftere; immer mehr keimte der Saa- nie der innern Zwietracht. Oft der kleinste Anlaß war ein Zunder der größte» Mißhelligkeit. Bald £ wäre es so weit gekommen, daß die politische Ein. tracht der Eydsgenvffen nicht andetst als durch die Vereinigung in der Glaubenslehre konnte hergestellt werden. Zur Erhaltung und Bevestigung des katholischen Glaubens schloffen die fünf Orte mit dem 15*6. pabste , wallis, und dem Bischöfe zu Basel ein neues Religionsbündniß, das, weil es von dein Kardinal Carl Boromeus, einem Manne, der sonst die Tugenden eines Heiligen mit dem Muthe eines Helden verband , betrieben worden war , der goldene oder boromeische Bund genannt wurde. So thaten die Ratholischen was sie konnten , ihren Glauben zp bevestigen. Die aufrichtige, alte Eintracht der Eydsgenossen war gänzlich dahin; denn auch die reformirten Geistlichen nährten den Religionshaß, und glaubten nicht nur, sich nicht weit genug von den Römischgesinnten entfernen zu können, sondern, da die alten Giaubensverbesserer gestorben waren, glichen verschiedene ihrer Nachfolger der Wache auf Golgatha, die nicht so wohl vuf Christum selbst achtete, sondern sich t begnügte, um seine Rleider zu spielen. Spitzsündig wurden die Untersuchungen ihrer Lehren; voll bitterer Anzüglichkeiten ihre Schriften und Reden gegen die alten Lehren, und diejenigen, welche sich dazu bekannten. Ja nicht blos die Verschiedenheit der Staats, interrssen der Eydsgenossen, nicht blos ihre vet« schiedenen Kirchengebräuche, sondern so gar der Ratender gab Anlaß zu Mtßhelligkeiten. Man ha«e • 9 » "..■" Hatte berechnet, daß der alte Iulianische, den man gebrauchte, und der das Jahr in 365 Tage «nd 6 Stunden eintheilte , darinn irre, daß er 21 Mimttm zu viel zähle, und daher seit 1500 Jahren 10 Tage zu viel gerechnet worden seyen, 1 Pabst Gregor wollte diese unschuldige Berichtigung einführen, und befahl die 10 Tage auszustreichen. Sieden katholische Orte führten den neuen Kalender ein, die Evangelischen schlugen ihn aus, weil > er vom Pabste empfohlen war, und seinen Namen trug ; E Unruhen und Verwirrungen entstunden tvieder überall. Wo einmal die Furien, Zwietracht und Mißtrauen sich vestgesetzt haben , finden sie aller Orten Stoff, ihre Flammen zu verbreiten. Ein eben so nichtswürdiger Handel erregte bald darauf einen neue« Zkrieg , da 3 Bruder * 587 « Fyninger zu Mühlhausen einen Rechtshandel vor dem Rathe verlvhren, und unzufrieden darüber bey den Evdsgenossen Hilfe suchten. In der Stadt entstund darüber Auffuhr, und nicht anders wurde der Friede hergestellt, als da die evangelischen Orte Mühlhausen mit Sturm einnahmen, und die Häupter der Rebellen hinrichteten. » 5 * 9 « Jetzt beschäftigte wieder Genf alle Eydsgenof. sen, und besonders die Berner, da der Herzog von Savoy seine Ansprüche darauf erneuerte. Heldenthaten thaten die Genfer, und ihr Muth übertraf ihre Kräfte. Friedensvorschläge, Waffenstillstände, und treulose Ueberfälle des Herzogs wechselten ab, bis Frankreich mit Bern dem Herzoge einen Frieden abnörhigte. Nun entstund in Appenzell ein weitaussehen- der Handel, da den Einwohnern deS Fleckens Appenzell der Kirchgang nach Gais verbotten wurde, uud viel« vom neuen Elanden abfielen. Richt 2 Z 3 Nicht anders konnten die herbeyeilenden Gesandten der Eydsgenoffrn Frieden schaffen, alS in dem sie ' 597 * das Land, die Regierung, und gemeinen Güter theilten, so, daß die Römrschgesinnkcn die innern, und die Evangelische» die äusser» Rho- den, wie jetzt noch, bewohnten. Gefährlich war der boromeische Bund allerdings den evangelischen Orten; noch weit gefährlicher aber die verdächtige Verbindung, welche die fünf alten katholischen Rantons, nebst Frey- burg, während diesem Zeitpunkte, zur Beschützung ihres Glaubens, mit dem Könige in Spanien eine giengen. Mit eben so übertriebnem Eifer aber neigten sich die Evangelischen auf die Seite des Königs und der Hugenotten in Frankreich, wo die gegenseitige Eifersucht jede Hand mit der Höllem sacket des Fanatismus bewaffnet hatte, und von den Katholicken in der Bartholomäus < Nacht 3572. viele 1000 Hugenotten durch das Schwerdt erwürgt wurden. Einige 1000 Eydsgenoffen zogen nun hin, kamen aber nach ziemlichem Verlurste, da sie von dem Könige Heinrich nicht unterstützt, und durch falsche Versprechungen geblendet wurden, wieder heim. Endlich, da Heinrich zur katholi, schen Religion übertrat, und der Beschützer beider Partheyen wurde, erlosch die Zacket der innerlichen Zwietracht in Frankreich. So war der Zustand unsers Vaterlandes am Ende dieses wichtigen Jahrhunderts beschaffen. Da unsere Vaterstadt während demselben nur selten unmittelbar in die erzählten Zwistigkeiten verflochten war, hatte sie um so mehr Muffe, den innerlichen Wohlstand zu befördern, zu dem ihr die Reformation Anlaß gab. Mit Gerechtigkeit und Milde, mehr haushälterisch als herrisch regierte die Obrigkeit; so vermehrte sie während demselben, ihre äujsirn / 2Z4 äussern Besitzungen durch die beträchtliche. Herr» schuft Bürglen im Thurgäu ( 1579 ) ES wurde ein Garnmarkt angeordnet. Die Stadt war im Flor, und bey Evdsgenossen und Fremden stund sie in An» sehen. Der Reichthum der Bürger vermehrte sich so, daß sie von demselben einen beträchtlichen Theil zu nützlichen Stiftungen verwenden konnten. So stiftete Michael Sailer eine Töchterschule (i? 84) Die Familie Zollikofer kaufte die Herrschaft Altenklingen im Thurgäu (1^!-;; ) und bald hernach , nebst der Rellerschen Familie , stiftete sie einen beträchtlichen Fond zu dem noch existirenden Gymnasio ( 1594.) An den von dem Könige in Frankreich den Eydsgenossen ertheilten Handels - priveligien hatte unsere Stadt gleichen Antheil mit andern; und mit verschiedenen benachbarten Städten errichtete die Stadt nützliche Verträge. So nahm unsere Stadt an innern Verbesserungen und wohlthätigen Einrichtungen , durch die wachsame und kluge Fürsorge der Obrigkeit, den thätigen Handel der Bürger, und der edeln Anwendung ihres Reichthums immer mehr zu; und so thaten unsre Väter in einem hohen Sinne, was rechtschaffnen Republikanern geziemt, und in ihrer Stelle möglich war; sie waren nämlich im Leben niässig, arbeitsam, fieissig, entschlossen und bereit für das gemeine Wesen zu leben und zu sterben. Merke dir', Knab! das schöne Bild, das ich dir aus diesen grauen Zeiten von ' deiner Vaterstadt entworfen habe. Sitbev- Innere eydsgenössifthe Zwistigkeiten. Siebenzehntes Jahrhundert. (Gleich mit dem Anfange dieses Jahrhunderts wurden die Eydsgenoffen wieder, bald von innen, bald von aussen, in eine ununterbrochene Bewegung ge- jfioz, setzt. Jetzt lag dem Könige Heinrich IV. in Frankreich nichts so sehr am Herzen, als die Erneuerung des Bundes mit den sanrmtlichcn Kantons. „ Ich „ weiß, sprach sein gesandter, Biron, daß ich vor „ Männern stehe, die mehr durch tapfere Thaten „ gerührt werden, als durch zierliche Worte. Wie „ sehr wird nicht Euer Selbstgefühl erhöht, und „ Euer Ruhm verbreitet, da der tapferste König, „ die Tapferste unter den Nationen zu seinen Bunds« „ genossen zu erhalten sucht. Er schätzt euern „ Muth; schätzet ihr den Seinigen, so seyt ihr ver- „ einiget. " Alle Kantons (auch St. Gallen) bis an Zürich willigten in die Vereinigung. Während dieser genauern Verbindung der Eyds« l 6ot. genossen mit Frankreich, hatte sich insgeheim der Herzog von Savoy mit dem pabfte zum Untergänge der Genfer verschworen. Schon waren von den Verräthern viele auf schwarzen Leitern über die Mauren gestiegen, als die Genfer erwachten, zu den Waffen griffen und die Stadt retteten. Sie nennen diesen Ueberfall Escalade. Noch versuchte der Herzog in der Folge mchrmal Gens durch Verrätherey zubekommen; es wurde aber von Zürich, und besonders von Bern, wohl bewacht, daß er endlich seine Ansprüche auf diesen kleinen Frey- siaat völlig aufgab. Lichterloh brannte nun die Kriegsflamme zwü schen dem König in Spanien und dem Herzoge von Savoy in dem obern Italien, bey welchem Anlasse letzterer , obfchon er die Kantons schonte, da er sich SZ6 sich durch den Fürstabt von St. Gallen gereizt glaubte , weil dieser einige Truppen an Spanien überließ, unsern Kaufleuten, die stark nach Italien 1616 , handelten, eine beträchtliche Menge Güter in Verhaft nahm, durch Vorstellung der Eydsgenvssen aber sie wieder los gab. In eben diesem Zeitraume brachen die grausamen Kriege in Bündten aus. Die ; Bündle, die bis jetzt nur mit den VII. alten Kantons vereini- Ket waren, traten nun (1601,) mit Bern , und bald hernach (1602.) mit Frankreich in Bündnisse. Daraus entstunden, da es ganz democratisch ist, zwo mächtige Factionen im Volke. Eine, die es mit Spanien und Oesterreich hielt, und der römischen Religion zugethan war; an ihrer Spitze war planta; die anoere, die es mit Frankreich hielt. Beide, die Franzosen und Spanier, suchten einander den Paß nach Bündten zu verschlies- sen. In der Noth rottete sich das Volk zusammen , und ein Theil klagte den andern , als die Arsache dieser Händel, an. Lange behielt die spanische Parthie die Oberhand. In Thür errichtete sie ein Strafgericht, und ließ die Häupter der andern Parchie theils hinrichten, theils verbannen. Mit Schimpf wurden die Gesandten der Evdsge- uossen , die kamen um Frieden zu stiften, zurück geschickt. Schon wollten die Stände sie mit Gewalt (1604.) dazu nöthigen , als plötzlich die französische Parthie die Oberhand gewann. Nach den mayländischen Gränzen wurden nun Truppen geschickt, und ein neues Strafgericht zu Jian; errichtet, das den Spaniscbgesinnlen die Grausamkeiten , die sie verübt hatten, vergalt. Dieses empörte aber Letztere so sehr, daß (1627.) eine allgemeine Aufruhr im Lande entstund. Schon stund alles in den Waffen, da zween Greisen, der Ritte? Sprecher, und der Landgnrman Buohl de» Pöbel Pöbel noch bereden konnte», aus einander ger hen / und durch ein drittes aus allen 3 Dündtea gewähltes, unparkheyisches Gericht, die äusserlich« Ruhe und Ordnung wieder herstellten- Indessen dauerten doch die heimlichen Factione» immer fort; und ein kleiner Zufall entzündete die schrecklichsten Kriege. Die Resormirten in Sondrio : im Veitlm wollten eine Schule, errichten ; «ud die Kirche erweitern; Uuoca, der Prieste» daselbst, widersetzte sich, und zugleich schlug Spanien den Bünden alle Gemeinschaft mit Mayland ab. . Die französische Parchie hingegen mahnte das ganze Land von neuem auf, und setzte ein schreckliches Gericht zu Thusis nieder. Ruoca ward an die Folter geschlagen und starb im Gefängniß, einig« . wurden hingerichtet; andere verwiesen. Aus Verzweiflung griff die spanische Parthie zu den Waffen,: und erhielt bald die Oberhand. Ohne Unterschied ermordeten die katholischen XMtümv die evangelischen. Nun entstund gar eine dritte Parthie, die sich die Neutralen nannten, und die Häup- ter beider Factionen verwiesen. Ein neues Straf, gericht wüthete jetzt zu Davos gegen beide Theile. . Inzwischen suchten die Spanischgesinnten bey 1622, Oesterreich und Mayland Hilfe. Bald unterwarfen sich Letztere den Odern Bund; den Bretegauern nahmen sie die Waffen. Durch Sciaverey und Verfolgung zur Verzweiflung gebracht, schlugen diese die österreichischen Soldaten von einer Gemeine zur andern mit Prügeln todt, und säuberten das Land von feindlichen Truppen. Die 3 Vündt« vereinigten sich wieder mit einander. ' . Aber plötzlich fielen die Oesterreicher und Velk- liner zum zweyten Male ins Land, unterjochten es aufs neue, trennten die Bündte, und verübten Unmensch- o»8 .. menschliche Grausamkeiten. Hunger und Pest ver, heerten das Land zugleich. Da die ohnmächtigen Bündtner im äussersten Elende schmachteten, arbeiteten Frankreich, die evangelischen und endlich auch die übrigen Kantone, an der Vollstreckung des Ver» trags zu Madrid, und beschlossen, da Güte nichts helfen wollte, einen förmlichen Krieg. Franzosen 16 : 4 , und Schweizer zogen in Bündten ein ; die Bündtr ner vereinigten sich mit ihnen, und verjagten die spanischen , österreichischen und pädstlichen Besatzungen. (Letztere hatten sich mit Ersiern kurz vorher vereiniget.) Schon schien nach langen Unterhandlungen , der Streit sich zum Beßtcn des Landes zu endigen ; allein nun trat Frankreich selbst zurück, und kaum hatten seine Truppen das ioa 8 . Land verlassen , als die Oesterreichs sich desselben zum dritten Male bemächtigten. Unbeschreiblich war das Elend, bis französische Völker diese wieder vertrieben hatten. Uugedultig und des Krieges müde, vertrugen die Bündtner zuletzt sich mit Oesterreich und Spanien, und verjagten selbst die Franzosen. Dadurch gelangten sie wieder zu ihren Herrschaften und der Friede wurde hergestellt ; jedoch sollte in demselben nur die katholische Religion geübt «erden. Doch pflanzten sich nachher die evangelischen Gemeinen wieder an. Alle diese Unruhen hatten den traurigsten Einfluß auf uns und die ganze Schweiz. Der Reli« gionshaß erweckte unter den Kantonen selbst. hitzige Gezänke, welche die unermüdete Treue derjenigen, die keinen Theil daran nahmen, kaum dämmen konnten. Der Durchmarsch französischer und anderer Völker verursachte überall, und besonders auch bey uns, viel Widerwillen, Streit und Uneinigkeit. Immer mußten die Bürger in den Waffen und alles in Bereitschaft seyn, einem feindlichen Ueber- faüe zu begegnen.. Zu dem stiegen die Lehensmittel 1 » ' ' — asy zu einem sehr hohen Preise; die Leinwandhandlung stund stille. Durch eine Menge herumlaufender brvdlvser Menschen wurde die allgemeine Ordnung und Sicherheit gestöhrt; endlich machte noch die die Pestseuche, die in der Nachbarschaft und bey uns bey taufenden wegrafte , das Elend dieser Zeit vollends unbeschreibbar. Geist . und Weltliche suchten den eingerissene« Unordnungen so viel möglich zu wehren. Obng, feiten und vermögliche Bürger erschöpften sich beynahe durch milde Deysteuren, die einheimischen und fremden Nothleidenden gereicht wurden. Die Noch vermehrte den Fleiß, und Gott segnete ihn, daß die Handlung bald wieder sehr blühend wurde. Indessen, so sehr auch sämmtliche EydögenosiL» sich bemüheten, alle Anstalten zur Sicherheit und Bewahrung ihrer Grenzen zu trefen, und es sich zu einem Gesetze machten, so viel möglich, sich nicht in die Handel fremder Fürsten zu mischen; so erregte jetzt doch der alte Argwohn und das eingewurzelte Mißtrauen beynahe wieder einen neuen Krieg, da ein berühmter Held, Gustav Adolph, König in Schweden, der sich der äusserst bedrängten Protestanten in Deutschland gegen den Kayser angenommen hatte, immer glücklichere Progressen machte, mit seiner siegenden Armee sich den schwei- zerschen Grenzen näherte, und mit den reformir- teu Eydsgenossen sich verbinden wollte. Man nannte diesen Krieg in Deutschland den zojahrjgen Rrieg. Bern legte eine Besatzung nach Mühl- Hausen, welche Stadt die fünf Orte nicht mehr für ihre Bundsgenossen halten wollten; so gleich l6zz. überfielen sie sölothurnische Landvögte und Bauren, bey einem engen Passe dieses Kantons. Kaum streiften einmal die Schweden über eine Ecke des Thurgauö, und belagerten ungefragt die Stadt 2-i.O Stadt Ronstan; auf evdsgenösflschem Wade« , so eilten nicht nur 30,000 Mann der fünf Orte , sie zu verjagen, sondern da sie die Zürcher im Verdacht hatten, baß sie den Schweden günstig wären, nahmen sie derselben Obristwachtmeister Aesselring gefangen. Unschuldig folterten sie ihn unbarmherzig , und behandelten ihn als einen Laudesverräkher. ö Diele Tagsatzungen wurden gehalten Endlich nach vielem Zureden und Untersuchungen wurde Kessel- ring wieder losgelassen, und die Eydsgenossen vereinigten sich wieder, sich gegen die allgemeine Gefahr von Aussen zu beschützen ; denn auch Franko reich führte mit Spanien Krieg in der Grafschaft Burgund, welcher die Eydsgenossen immer, aber vergeblich, bemüht waren Ruhe zu schaffen. Während dem die Eydsgenossen so beschäftiget waren, breitete sich eine gefährliche Meuterey der Unterthanen durch viele Stande der Schweiz aus. Wegen den grossen Unkösten, die die Obrigkeiten während diesen unruhigen Zeiten hatten , legren sie Auflagen auf ihre Bürger und Landleute. - Zuerst 1641 empörten sich dagegen die Benrcr - hernach die ,64;. Zürcher , Bauern. Durch Gesandte von Zürich , Glarus - Bafel, wurden Erstere mit Güte besänftiget, Letztere mit Gewalt in Ordnung gebracht. Endlich machten die streitenden Partheyen in 1048. Deutschland, zu Osnabrück in weftphalen einen Frieden, in welchem durch die Bemühung des Bürgermeister wettsteins von Bafel sämmtliche s eydsgenössische Kantone und zugewandte Orte, für einen freyen und von dem deutschen Reiche unabhängigen Staat von den teutschen Fürsten erklärt wurde, für den sie sich zwar schon lange betragen hatten. Nicht nur war die Stadt St. Gallen mit in dieser Erklärung der Unabhängigkeit eingeschlossen, Gicht nur unterstützte die Obrigkeit in diesen rrauri, gen gen Zeiten viele Nothleidende durch beträchtliche Summen, nicht nur hatte sie zu Gewöhnung ihrer Gränzen grosse Unkosten, sondern sie erhöhte und vermehrte zugleich ihr Ansehen, durch Ankauffung der Herrschaft Buchweil ( 1640) und des Apfel- bergs im Rheinthal (1645.) Diese Zeiten sind ein Beyspiel, das man sich sorgfältig vor Augen stellen sollte, wenn man die Folgen überdenken will, welche Stillstand der Handlung und die sinkende Nahrung auf uns haben würde; ein Beyspiel, welches unsWget, was eine sorgsame, standhafte, wachsame Obrigkeit; und Geduld und Fleiß der Bürger vermag. Da können wir lernen, daß jemehr man Mittel aufsucht, die einmal erworbenen Kräfte zuschalten , desto mehr Hilfe hat man in der Norh. I Nicht lange nach diesen Begebenheiten zettelten 1653. die Unterthanen von Lucern im Entlibuch einen gewaltigen Aufruhr an , der sich durch das Ber- nergebiet, Basel und Solothurn ausbreitete. Es gab feine Verführer unter ihnen ; die meisten würden verführt. Alle Orte bewaffneten sich und zogen gegen diese Rebellen ins Feld, die zuletzt auf,;0,900. angewachsen waren, und Claus Lauen- berger, einen Bauer aus dem Bernergebiet, zu ihrem Anführer hatten. Sie hatten bereits die vornehmsten Pässe eingenommen, Lucern belagert, und sich vor Bern verschanzt, als die Zürcher mit ihren Hilfstruppen ( zwey Fahnen St. Galler) sie bey Mellingen und die Berner bey Herzogbuchsee schlugen und zu paaren trieben. Mehr als 20. von ihren Häuptern wurden enthauptet; alle mußten helfen die Kriegskosten bezahlen, und ihren Herren auf das neue huldigen. Kaum war diese Unruhe gestillt, so zündete der Religionöhaß unter den Eydsgenoffen selbst einen Krieg an. Einige Familien des Kantons Schweiz r6;Z. Q hatten »42 hatten die reformirte Religion angenommen, und zogen nach Zürich. Weit entfernt, daß nach dem Landsfrieden denselben ihre Güter ausgeliefert wurden , zog die Obrigkeit sie vielmehr ein, lmd ließ einige qnüere, die ebenfalls Miene machten, ihre Religion zu andern, hinrichten. Alle Bemühungen der Gesandten der unpartheyischen Stände, die Zwiste zu vergleichen, waren vergeblich. Bald stunden mitten im Winter 30,020. Schweizer gegen einander im Felde. Die Stadt St. Gallen blieb neutral. 1656 , Nachdem aber die Berner bey Vilmergen geschla, gen wurden, und Zürich Rapperschweil vergeblich belagerte , nahmen beyde Partheven einen Frieden an, den die übrigen Orte gemacht hatten. Man nennt diesen Feldzug den Rapperschweiler Rrieg . Aber weder dieser noch andere Verträge konnten den einmal eingewurzelten Neligionshaß in Schranken behalten. Denn da bald hernach der Vater 1664. einer liederlichen Familie zur römischen Religion übertrat, und die Zürcher ihm seine Kinder nicht abfolgen liessen, veranlaßte dieses schon wieder Kriegs- zurüstungen; und kaum wurde dieses verhütet, da einandermal ein Trupp muthwilliger Soldaten, bey ihren» Durchmarsch durchs Turgan, eine evangelische Gemeinde am Gottesdienst hinderte, und einige todt schlugen. Bald darauf erfolgte ein weikausschender Streik zwischen unsrer Stadt und dem benachbarten fürstlichen Abte Leodigario Burgisser, da einige Priester bey einer Procession daß Kreuz und die Fahnen- 1697. wider die Verträge von Anno 1549 und i6zo, aufgerichtet durch die Stadt trugen, und man sich von Seite der Stadt dieser Neuerung mit Bescheidenheit, jedoch mit Ernst widersetzte, und den Ruck- zug der Kreuz und Fahnen nicht anders als nach den Verträgen erlauben wollte. Beyde Theile wurden f» erhitzt. *43 erhitzt, daß man zu den Waffen griff und beyde Theile sich verschanzten. Durch Gesandte von Zürich, Bern, Basel , und Äppenzell Aüfferroden wurde der Streit dahin vermittelt: daß die Stadt dem Stifte fl. bezahlen; Kreuz und Fahnen hingegen, laut den allen Vertragen in Zukunft durch die Stadt getragen werden sollten; und so endigte sich auch dieser Handel, den auf einer Seite ReligjonShaß entzündete, und auf der andern eine allzustarke An, Häuslichkeit an alte Rechte vermehrte, die eben nicht allemal und zu allen Zeiten mit dem wahren Interesse eines Staates übereinkommen. So viele Sorgen und Unruhen der innerliche Zustand unsers Vaterlandes den Eydsgenossen verursachte , eben so viele Gefahren drohten ihnen die Kriege des benachbarten Königs in Frankreich, Ludwigs XIV. Wegen beträchtlicher Summen unbe. zahlter Dienst, und anderer Gelder, waren sie nur mit Mühe zu bereden, mit chm das Bündniß zu erneuern. Da er Burgund, an den Gränzen der Schweiz eroberte, bewachten sie dieselbe, und waren mit gesamm- ter Macht bereit, ihn zurück zutreiben, si> bald er sie betretten hätte. Zu ihrem grossen Verdruß baute er die Vestung Hüningen neben die Stadt Basel. Hingegen nahmen die evangelischen Orte ganze Schaaren verfolgter Glaubensgenossen auf, die er aus seinem Reiche verjagte , nachdem ihre Für, bitten für sie vergeblich gewesen waren. Mit gleicher Großmuth nahmen sie auch diejenigen auf, welche mit dem Namen der waldenser aus Piemont sich in die Schweiz retteten, und erschöpften sich beynahe durch reiche Beysteuern und Reisegelder. Vollends kamen aber die Eydsgenossen ins Gedränge, da Ludwig mit dem deutschen Kayser und seinen Allirten einen gefährlichen Krieg unstetig, um das Königreich Spanien un sein Haus zu bringen. Beyde. Fürsten Q - waren 1663, 1685. 244 waren ihre Verbündete. Beyder Gesandte wandten alle Künste an, sie zu allerhand gefährlichen Par- theilichkeiten zuverleiten, Verschiedene Jahre wüthete der Krieg um ihre Gränzen her. Tapfer entschlossen sie sich keinen, Theile einigen Vortheil zu geben, und den mit Gewalt abzutreiben, der es versuchte, ihr Land zu berühren 13000 Mann stunden immer in Bereitschaft, undzsgen bald da, bald dorthin, wo die Gefahr am größten war. Doch konnte alle Vorsicht nicht hindern, daß nicht bisweilen einzelne Stände, sich von dem klugen Entschlüsse der andern trennten. An dieser Lage der Eydsgenossen und der Folgen der Umständen, harte unsere Stadt immer gleichen Antheil; nie versäumte aber die Obrigkeit, die Ehre und das Ansehen der Stadt zu vermehren, yür die Dienste, die. sie den Eydsgenossen durch Vermittlung leistete, bewilligten ihr diese, zu den alljährlichen Iahrrechnungs - Tagfgtzungen ihre Gesandte schicken zu dürfen. Die äussern Vesitzun. gen der Stadt wurden (1664.) durch den Scher- denhof;u weinfelden, und <1665) die Gerichtsherrlichkeit Amrifchweil vermehrt. So trat sie dem von den Eydsgenossen < ±668.) errichteten De- fensional oder Schirmrvesen bey; vermöge desselben liefert sie zu dem ersten Auszilge 200. Mann und einen Obristwagenmeister. Ueber 300. vertriebener evangelischer Glaubeysbrüder nahm sie in ihren Schovß auf und verpflegte sie über ein halb Jahr. Während der schröcklichen Hungersnoth (1692, u. f. w. ) nahm die Obrigkeit der,-Armen sich väterlich an; gleichsam mit der Grösse des Elendes stieg die weise Fürsorge der Regenten ; der Brodmangel ftlbst machte den Kopf erfindsamer, und die Hand geschmeidiger. Die Handlung war in, einem sehr guten Flor; das allgemeine Waarenlager - besonders für die Leinwand, die häufig nach Spanien gieng, war Lyon; zu ihrem Behufe wurden mit den Postämtern ■" •••-— 245 ämtern zu Zürich und Lyon Verkommnisse enich- ret. Und so endete dieses Jahrhundert. Neue innere Zwistigkeiten. Aufnahm -er Wissenschaften und Künste des Friedens. Achtzehntes Jahrhundert. Gleich mit dem Anfange dieses Jahrhunderts beschäftigte der neue gregorianische' Kalender, die Eydsgenossen den, wie wir oben p. 22;. gesehen, die Katholischen schon lange angenommen hatten, besom I700 ders da von den evangelischen Reichsftäudeu, 7 die ihn ebenfalls beschlossen halten anzunehmen, ein Schreiben deßwegen an sie gelangte. Zürich, Bern, Basel, Schafhausen, Mühlhausen Genf und Neuxnburg führten ihn auch bald nach dem Beyspiele aller deutschen Fürsten ein. Allein in Glar rus, Appenzell, Bündten und St. Gallen fand diese unschuldige Neuerung grossen Widerstand. Viele hielten den neuen Kalender nur für einen vor« wand, und zitterten für ihre leibliche und geistliche Freyheiten. In den 3. ersten Orten besteht der Alte noch heut zu Tage. 1724. endlich wagte St. Gallen , den kühnen Schritt auch seiner Seits, der Zeitverbesserung eines Pabsts,und eines Reichstag zu folgen. Bald darauf und wahrend dem der obenp. 24z. erwähnte spanische Erbfolgekrieg die Eydsgenossen noch beunruhigte, entstunden wieder innere Zwistigkeiten. Z. B. zwischen dem Fürst Abte zu St. Gallen und dem Kanron Appenzell wegen neu errichteten >702. Zöllen zu Steiirach, Rorschach und wyl. Gegen ihre Schirmvrte lehnte sich die Schür Rapper- schweil 246 * ' ■ -L^=^= 1703. schwell auf. Verschiedene Händel entstunden wegen den Kirchen in dem Thurgäu. Zwischen Bern 170;. und dem Bischöfe von Basel entstund ein Streit wegen dem Münstertha!; und zu Genf zwischen den Bürgern und der Obrigkeit. Mehr aber als alle diese Unruhen, und die, die der benachbarte deutsche Krieg verursachte, waren die um diese Zeit und schon von langem her gedrohten, die sich jetzt dem Ausbruche eines einheimischen Kriegs immer mehr näherten. Seit der Zeit nämlich, da der Fürst Abt zu St. Gallen (1468) die Graffchaft Toggenburg kaufte, rissen die Aebte verschiedene Freyheiten und Rechte der Einwohner an sich, und suchten sich zu unumschränkten Herren derselben zu machen. Unter dem jetzt regierenden Fürst Abte Leodigarlo Bur- gisser erhielt das Mißvergnügen derselben den höchsten Grad, so daß die Toggenburger ihre Schirmorte Schwel; und Glarus um Hilfe anrüsten. Allein der Abt behauptete, daß diese Stande nicht seine Richter seyen, und da sie sich der Unterdrückten mit einigem Ernste annahmen., trat er in ein Schutzbündniß mit dem Kayser , und verklagte die zwey Orte vor einer eydsgenössischen Tagsatzung. Hier nöthigte man den Abt zwar, das Bündniß mit dem Kayser zu zernichte«/ trennte sich aber dagegen im Urtheil über den eigentlichen Streit. Bey den katholischen Orten hatte der Abt jetzt gar eine Religivnssache aus dem Streite zu machen gewußt , und diese bemühten sich nun hinter Zürich und Bern / die Toggenburger wieder der Willkühr des Abts zu überlassen. 1.706. , Don neuem wurden nun die Toggenburger wieder gedrücket, und vergebens schickten Zürich und Bern ihre Gesandten an den Fürsten, ihn mit den Tvggenbnrgem in Güte zu vereinigen. Don 247 en Von allen Seiten bestund man jetzt hartnackig auf m seiner Meynung. Da den katholischen Orten der eit Verdacht hinterbracht wurde, Zürich und Dern en wollen die römische Religion ausrenken, schlugen sie ls sich vollends auf des Fürsten Seite; mit Beystimme mung der zwey Vororte hingegen setzten sich die Togr sse ^ genburger in ihre alte Freyheiten. Dieses aber ch sahen die katholischen Kantons als eine Beschim, n- pfung an, und der Stand Schweiz besonders als einen Eingriff in seine Rechte als Scbirmort, und alle drohten, dem Fürsten mit Gewalt beyzustehen. zu Selbst die Toggcnburger zerfielen unter sich. Miß- rg trauen und Trennung wurde täglich grösser. Der nd Abt besetzte seine Schlösser; durch Ueberrumplung zu bemächtigten sich die Toggenburger derselben wieder. :n i vi ch, Endlich liessen die Zürcher und Berner auf m- der einen und die fünf Lantone^ nebst dem Fürst n. Abte, auf der andern Seite Truppen gegen e«n- ht ander in das Feld rücken. Die erste glückliche ck- Verrichtung der Zürcher, unter ihrem Befehlsha, in der Nabholz, hatte die Folge, das? die Loggende burgischen Gemeinden sich wieder vereinigten und ig. gemeinsame Sache machten , und überhaupt seist wannen die Waffen der beyden Vororte bald die er Oberhand. Das Thurssäu huldigte ihren Völkern, it. Mellingen und Bremgarten ergaben sich , nach ar t dem die Berner ^an ersterm Orte einigen Verlurst ;e- erlitten hatten; ' eben fo die freyen Aemter; bald ch darauf Baden und wyl, beyde nach einer kurzen hr Belagerung; und die ganze Landschaft des Abts, welcher sich nach Schwaben geflüchtet hatte. Unsere Stadt hielt sich neutral. Bey der Abreise des Abts icr wurde das Kloster ihr in Sequester übergeben, her- ch nach aber auf Begchren der beyde« löbl. Stände Zürich und Bern mit Stadtgrenadiren besetzt, n. I?l0. 1712. Giarus 248 Glarus, Bafel und die übrigen unpartheyi- fchen Orte, arbeiteten indessen zu >Arau an dem Frieden; der Kayser protWrte dawider und er. klarte die Grafschaft Toggenburg für eine Reichs« grafschaft; der französische Gesandte hingegen trug den beyden löbl. Standen den Beyliand seines Königs an, wenn die fünf Orte nicht Frieden annehmen wollten. Ersterm antworteten die beyden Vororre mit der Kaltblütigkeit eines freyen Volks, und erklärten das Toggenburg als ein Glied der Eydsgsnoffenschaft; das Anerbieten des letzter» schlugen sie ab. Beynahe war jetzt der Friede so viel als ge» schlössen , als die Truppen der fünf Orte die Ber- ner unvermuthet bey der Seiserbrücke überfielen und besiegten. Aeusserst aufgebracht hierüber zogen sich letztere 8 bis 9000 , Mann stark, bey XHelnimjm zusammen Mit 18000 Mann wurden sie da von erstem angegriffen. Schon wankte ein Flügel der bernerschen Armee, verschiedene Generale waren verwundet, als der 74jährige Seckelmeister Frisching von Bern das Kommando übernahm, und seine Soldaten mit folgenden Worten anredete: „ Gut „ Herz , meine Kinder! Ich bin euer Vater. „ Weicht nicht von mir, von Euch weich ich auch „ nicht. Laßt uns bey einander leben und sterben." Alle Officiere schwuren, ehe sie weichen wollten , lieber zu sterben. Plötzlich wandte sich nun die bernersche Armee um, und that einen so unwiderstehlichen Angriff, daß die Truppen der fünf Orte ganz in die Flucht geschlagen wurden, und einen Verlust von 2002 Mann todten erlitten. Zugleich hatten die Zürcher einen Angriff auf dem Richtenschweiler Berg muthig zurückgeschlagen. Die bernerschen Truppen rückten ins Luzer« ner - die Zürcher in das Zugergebiet ein. So gleich machten 249 machten jetzt diese beyden Orte Frieden , und bald darauf unterschrieben ihn auch die übrigen zu Ära». Die fünf Orte lratten an Zürich und Bern ihre Rechte auf Baden, die untern freyen Aemter und Rapperfchroetl ab. Bern war in die Mit« regierung des Lhurgäus und Rheinthals aufgenommen ; der alte Landsfrieden von izzr herausgegeben und ein neuer errichtet der von bessern Folgen war. Nur der Fürst Mt von St. Gallen , wollte 1714» nichts vvm Frieden hören, und da die Stadt St. Gallen nur einen kleinen Bezirk Landes verlangte, um eine offne und freye Zufuhr zwischen ihr und dem Land Appenzell zu haben , erklärte er sich , eher Alles abzuwarten , ehe er einen Fuß breit Land fahren lasse. Bis an seinen Tod blieben 1718. Zürich und Bern ist dem Besitze seiner Lande. Bald aber nach dem Antritt der Regierung seines Nachfolgers , Josephs von Rudolphi, von Lei- bach aus Barnthen, wurden die Friedenszmker- handlungen geendiget , und er in alle seine Herrschaften wieder eingesetzt. Auch die Toggenburger schwuren ihur wieder den Eid der Treue, nachdem er ihre Freyheiten in geist - und weltlichen Dingen bestätiget, und Zürich und Bern sie dabey zu schützen versprochen hatten. Drm Friedenstractat wurde auch ein besonderer Artikel, der 8z. beygefügt, vermöge dessen der Stand Appenzell, das Stift und die Stadt St. Gallen gütlich mit einander übereingekommen: daß kein Theil den andern, um keiner Ursache willen, wie die wären, vorfallen , oder Namen haben möchten , thätlich oder feindlich angreiffen oder zusetzen wolle, sondern im Falle eines entstehenden Streits und Mißverständnisses zu gut - oder rechtlichem Entscheide derselben , jeder Theil zwey von 2ZV von den eydsgenössischen Orten erbitten möge, Lurch gleiche Sätze aus ihrem Rathsmittel, solche Zwistigkeiten entscheiden zu lassen. Der zu Arau geschlossen« Friede verursachte anfänglich hin und wieder in den fünf Orten Aufruhren. Zu Lucern war die Obrigkeit genöthiget, einige Häupter der Empörung hinrichten zu lassen. Mit Frankreich schloffen die katholischen Orte, 1715. ohne Vorwissen der evangelischen ein Gchutzbünd, ruf?, ehe noch das letztere von 1663, zu Ende gegangen war. So wollte auch der Bischof von Rcmstan; und die Aebte und Klöster im Thurgau sich dem Landsfrieden widersetzen. Diesem Vertrag aber hat man hauptsächlich die glückliche Ruhe zu verdanken, in welcher die göttliche Vorsehung uns gegeuwärtig leben läßt, da durch denselben die vornehmste Quelle der ehemakigen Mißverständnisse unter den Ständen selbst , und in den gemeinen Herrschaften verstopft wurde, in dem beyde Religionen M völlige Gleichheit gesetzt, und Ehren- siellen, Aemter, Gerichte, Rechte, Einkünfte, Kirchen und Kirchhöfe sorgfältig getheilt wurden, und Zürich und Bern in den neu erhaltenen Dog- teyen, ein sehr gutes Beyspiel der größten Ver- tragsamkeit gaben. Auch der Nuntius des Pabstes, der an den bisherigen Unruhen oft eine nicht geringe Ursache gewesen war, verlohr jetzt viel von seinem Ansehen bey den katholischen Orten, und so gar achteten die Lucerncr die Drohungen des Pabstes nicht 1752. viel, da sie einen Landpfarrer verwiesen, der sich ihren Befehlen widersetzt hatte. Entweder durch die Bedrückung obrigkeitlicher Personen, oder durch Mißverstand und Unzufrie, denheit der Bürger und Landleute, entstunden bald wieder 2?I ... i wieder verschiedene Unruhen. So Eugen um geringfügiger Ursachen willen, die weroenberger den Giarnern, ihren Oberherrn , die Huldigung ab. Eben das thaten die Einwohner von wilchlingen 1728. gegen die Stadt Schafhausen. Unter sich zerfielen die evangelischen AppenzeUer über einen Streithandel mit ihren katholischen Landleuten. Die ein- 17Z2. ten wollten ihnen sehr vieles bewilligen und wurden die Linden genannt; die andern viel weniger, und wurden die harten betitelt. Schon wollten sie gegen einander die Waffen ergriffen, als die herbeygeeilten Eydsgenösischen Gesandten sie wieder zu vereinigen suchten. Wegen der Auskheilung der Pensionen entstunden einige Meutereyen zu Fug. 733 * Zu den Waffen griffen die auf ihre Freyheit eifer- I7 - 4 4, süchtigen Genfer, da der Rath eine 'Aufläge gemacht, und einige Bürger wegen aufrührischer Reden verwiesen hatte. Zu Bern entstund eine ge» I7 49 ‘ fährliche Verschwörung vieler der Regierung unfähiger Bürger welche die Verfassung des Staats umkehren, und sich dadurch den Weg zu Ehren -und Aemtern bahnen wollten. Der Anschlag wurde noch zu rechter Zeit entdeckt, und die Rädelsführer hin. gerichtet. Sehr ernsthaft war die Beunruhigung der Stadt 1768. Heuburg, da sie es wagte , bey Vertuest des B«r- gerechts zu verbieten, Lehen oder Pachten anzunehmen , durch welche der König von Preussen, ihr Oberherr, seine Einkünfte im Fürstenthum zu beziehen pflegte. Zornig entsetzte der Gouverneur Gcrudot einige Räthe. Er wurde hierauf im Zim* mer ermordet. Der König und Bern erklärten die Stadt für rebellisch. Ihre Schirmorte Bern, Lu- rern, Freyburg und Solothurn, besetzten sie, und entwaffneten die Bürger. Zehen der vornehmsien Anführer , die entflohen waren, strafte man in Bild- Nissen. Die Stadt mußte eine grosse Geldbusse bezahlen ; 2?2 zahlen ; erhielt aber durch den neuen Gouverneur« General Lenrulus, ihre alten Freyheiten wieder» \ Alle diese Unruhen dauerten indessen entweder nur wenige Wochen, oder wurden durch Vermittlung allemal im Stillen beygelegt. Auch die freinden Kriege/ welche Frankreich oder Preussen mit Oesterreich zu verschiedenen malen wahrend dieser Zeit führten, beunruhigte die Eydsgenossey nicht, weil sie ganz unpartheysch, und nur für ihre Gränze besorget waren. Entstunden auch Streitigkeiten zwischen ihnen und einem benachbarten Fürsten, so wurden sie durch Unterhandlungen beygelegt. Gab es Mißverständnisse unter den Eydsgenoffen selbst so vertrugen sie sich gütlich unter einander, da sie ehemals aus Religionshaß zu den Waffen gegriffen hatten. Seit dieser Zeit wurden die Tagfatzüngen immer seltener, und die Obrigkeiten bekamen Zeit an der innern Verbesserung ihrer Städte, und Länder zu arbeiten, und Ordnung, Ruhe und Anmuth des Lebens herzustellen. Besonders wurde jetzt der Feldbau eifrig betrieben; die nüziichen Erdapfel kamen ins Land. Neue Arten von Gras, Obst und Getreyde wurden zu pflanzen versucht. Aus der Erde fieng man an den Torf zu graben. Rünste und Gewerbe breiteten sich in Städ« ten und Ländern aus, besonders in Zürich, Bern, Basel, Genf, Neubnrg, Glarus, Appenzell und bey uns in St. Gallen; und wenn auch die Han- delschaft einmal sank, erschien sie bald wieder in einem gröffern Glänze, so, daß, da die Leinwandhandlung sich von uns auch in den benachbarten Orten verbreitete, dieses unsere Bürger nur nachdenken» der, und unermüdeter machte in dem Forschen, solchen wieder zu ersetzen. Die Abnahme der Leinwandhandlung 253 Handlung wurde durch die Fabrikation der Mousse- line, der Stikerey, Bauchet, Flor, geblümter Leinwand und baumwollener Tücher, die in den neuern Zeiten nach und nach eingeführt worden , reichlich ersetzt. In den Kantonen Zürich, Bern, Glarus, Basel und Äppenzell ernährt sich ein grosser Theil der Einwohner vom Spinnen und weben. Zum Behuf des Handels und Wandels wurden überall, und auch bey uns, Landstrassen *775* angelegt. Gelehrte machten mühsame und kostbare Reisen in alle Gegenden unsers Vaterlandes, so daß vast keine Art von Pflanzen, oder nüzlichen Metallen und Steinen u. s. si unbekannt blieb. Albrecht von Haller, von Bern, hat es hierin» allen zuvorgethan. Zu Bern entstünde die öconomische, zu Zürich die physikalische Gesellschaft, beyde machen ihre nüzliche Erfindungen dem Volke bekannt, und reizen durch ausgesetzte preise den Bauer zum Fleisse und nüzlichen Versuchen. Auch die Wissenschaften, besonders die der Natur, der Religion, der Sittenlehre und der Geschichte haben sich seit dem neuen Landesfrieden viel weiter verbreitet. Scheuchzer zeigte sich in der Na» turkenntniß groß ; Mit Ruhm habe ich in derselben schon Hallers gedacht; Eben fo groß war er mit Bob- ; mer und Geßner in der Poesie. Edle Einfalt , reinen Geschmack, und praktischen Vortrag verdanken wir in der Religion, den Schriften weren- fels, Pernets , Ofterwalds, Turetins, Zimmermanns , Breitingers, Zollikofers. Mit Erfolg trieben das Lieblingssiüdium des Republik«? ners , die Geschichte: Lauser, Hottinger, wald- kirch, von Zurlauben, Iselin, Abt, Leu, Füßli, Tscharner, von Wattenwil, Müller. ,I» der Philosophie und ihren Zweigen , zeigen sich 2?4 sich groß: Bonner, Rousseau, Iselin, Sutzer, -Hikzel, Wegeiln. In Rupferftecherkunst und Mahlerey: Geßner, Ztngg, Hettlinger, Möri- kofer , Mechel, Graf-, Aberli, Füeßli, Trip- pel. Noch nie haben so viele Gelehrte und Künstler, von geist-und weltlichem Stand, durch ihre Schriften und Werke, sich so vielen Ruhm erworben wie jetzt. Noch nie war auch die Duldung so allgemein; zu Schinznach haben Eydsgenosscn von beyden Religionen, eine vertrauliche Gesellschaft gestiftet; und der Magistrat in Golothurn ließ für die Genesung eines Gesandten von Zürich in der Kirche beten, als er in ihrer Stadt krank geworden. Zu Allem dem hat sich das Volk in Städten und Landen bey 1000 jährlich gemebret, obschvn immer . 50,000 Soldaten bey fremden Fürsten um Sold Kriegsdienste thun, und eine Menge reisender Jünglinge von vornehmen Geschlechtern, Kaufleuten und Handwerkern. in der Fremde sich befinden. Auch die äussere Gestalt von Städten, Flecken und Dörfern hat sich verschönert. Bern gleicht an Pracht der Gebäude einer Königsstadr. Auch für. Arme, Unglückliche und Waysen wurden seit dieser Zeit, neue und oft kostbare Anstalten zu ihrer Versorgung gemacht; auch zum Beyspiel, zu ihrem Unterhalte Arbeitscommissto- nen, wie bey uns errichtet. In der letztern grossen Theurung 1770 - 1772. weteiferten Obrigkeiten und Bürger den Unglücklichen beyzuspringen, und in diesem edeln Bemühen zeichnete sich unsere Vaterstadt sehr edel aus. Auch haben alle Eydsgenossen, ( auch St. Gatten) zu Bevestigung ihres aussern Ansehens und ihrer Unabhängigkeit, anstatt des Bündnisses von -715, einen neuen Schutzvertrag 255 mit Frankreich errichtet. Zu eben diesem Ende 1777. wurde überall das Kriegswesen auf einen bessern Fuß gesetzt, und das Volk mit den neuesten Kriegs- üdungen bekannt gemacht, und fürs Vaterland in Bereitschaft gestellt; und um die alte Genügsamkeit, Arbeitsamkeit und ernsthafte Sitten.beyzubehalten , werden Prachtgesetze und nützliche Verordnungen I77 °* eingeführt ; so ist erst neulich der so schädliche Gaffenbettel, durch weise Verordnungen bey uns abgeschast worden. Besonders aber werden dieSchulen entweder verbessert , oder, wie jetzt bey uns ge- *788. schieht, ganz neu eingerichtet. Urberhaupt ist die ganze Nation der Schweizer geschmeidiger und ihre Sitten sanfter geworden. Noch lebt Frcyheitsliebe in den Ländern; in den einsamen Gegenden ein aufrichtiger, treuherziger Ginn, und noch am meisten die Sitten dör Alten» Leider hat aber der häufige Umgang mit Fremden, und der Reichthum den die Gewerbe einbrachten, die alte Einfalt, Genügsamkeit uüd Arbeitsamkeit besiegt. Besonders fangen die Einwohner der Städte an sich groß'zu dünken. Mit kostbaren Mobilien und Zierarten werden die -Häuser beladen; mit fremden Speisen und Getränken prangen die Tische; täglich ändert sich der Kleiderstaat. Oft werden die mühsamen Geschäfte des Hauswesens , der Rinderzucht, und einer nützlichen Thätigkeit, mit dem Lesen oft der schlechtesten Bücher, mit putz und Gesellschaften vertauscht, und so hat die Verfeinerung der Sitten und Lebensart, der Nation ungläublich geschadet. Die weichlichere Jugend erreicht nicht mehr die Leibesstärke, und den kühnen Muth der Alten. Ost ist aller Gewinn nicht hinreichend das anzuschaffen und zu geniessen, woran man sich dergestalt verwöhnt hat. Verachtung der Religion, der Gesetze, der Eltern, der Zucht und Ehrbarkeit nahm überall überhand. Wir Mir sehen Gottlob! freylich »och mit eignen Augen , den Wachsthum der Geschicklichkeit in um fern Gewerben, nichts desto weniger ist es aber für uns besonders nöthig, daß jeder seinen Eifer firr alles, was gut und nützlich ist, in sich erwecke; und Pracht und Ueppigkeit, und alles, was zur Trägheit verführt, verbanne. Erfindsamkeit sollte das an- erbvhrne Erbtheil jedes Bürgers unserer Stadt, gesünder Verstand, und nützliche Kenntnisse sein Eigenthum seyn, dadurch wird unser Wohlstand und unsere innere Kräfte immer mehr wachsen, und dieses werden auch die Mittel seyn, sie zu bevestigen. Dazu muntere ich Euch, junge Mitbürger noch besonders auf. Bleibet Gott und euerer Vaterstadt getreu. KeMer zweifle an seinem Vermögen nützlich zu seyn. Er kann es in allen Ständen, wenn er nur will. Seinem Vaterlande dienen ist nicht nur das Allgemeine , sondern auch' sein eigen Glück befördert, beyde sind unzertrennlich miteinander verbunden. Nicht nur schärft die Beschäftigung mit nützlichen Wissenschaften den Geist, und verbessert den Geschmack, sondern ist auch dhe beßte Schutzwehre, gegen den überall schädlichen Müssiggang; gewöhnt än eine nützliche Thätigkeit, und lehrt die Welt kennen, che ttian sie sieht. Gesehen habet Ihr jetzt , wie die Eydsge- genossenschast »nd unsere Vaterstadt entstanden ist, Gesehen, wie der glänzende Fortgang der Waffen anfangs den Feinden der Eydsgenvssen , bald aber auch ihrer alten Einfalt sich gefährlich gezeigt hat; Gesehen wie die Verblendung des Partheygeisies sie mehr als einmal vorn höchsten Flor an den Rand des Unterganges gebracht , und wie die Hand Gottes endlich alles zu Ruhe, Wohlstand und Frieden geleitet hat. Euch kommt eS nun zu, die- U-.-JHa--rx SZ? fett Wohlstand Euerer Vaterstadt einst auch Euer» Nachkommen zu erhalten, und das könnet ihr, wenn ihr jetzt schon in Euerer frühen Jugend Euer» Körper abhärtet und geschmeidig machet; in anstrengender Arbeit Euch übet, wenn milita» rische Kurzweil Euch jetzt schon lieber als andere Spiele sind; wenn ihr einen Beruf wählet, der für die Lage unsrer Stadt wahrhaft nützlich ist; wenn ihr einst anstatt die kostbaren Verfeinerungen des Auslandes, die Einfalt schweizerscher Sitten nachahmt; wenn der Glaube an Gott und seine Vorsehung , Euch, wenn ihr Männer seyd, in der Fortdauer der Pflichten gegen die Vaterstadt stärkt; und wenn jeder seine Müsse, Geld , Freundschaft und Ansehen, am liebsten vaterstadtisch und gemeinnützig verwendet. Diesen Geist, o Vaterstadt erhalte dir Gott noch lange Jahrhunderte iy deiner Jugend ! Zeitrechnung der wichtigsten Begebenheiten. TTTTT Alte Einwohner. Römische Herrschaft. 60 Jahre vor Christi Geburt, bis 429 nach Christi Geburt. «ach Christi Geburt. Seite. -Die alten Einwohner - s , 154. —f— Feldzug der Helvetier in Gallien / 155.: Allemanische Herrschaft, öorn Jahr 409. bis Ende des Zten Jahrhundert. —-Erste Bevölkerung der St. Gallischen und umliegenden Gegend * 157. —— Erste Spuren der Pocken * » 157. Fränkische Herrschaft, vorn 6ten bis Ende des yten Jahrhunderts. 499. Einfall der Franken - - - 155. -Sieg der Franken bey Tolbiach - 158- 630. Gallus bekehret die Einwohner unsrer Gegend zum Christenthum und bauet eine Zelle - t 1 159. 730. Die Zeübrüder von St. Gallizell erhalten einen Abt - s - - 160. 768. Karl der Grosse regi«t , t s 160. Die deutschen Kayser. vom loten bis zum iZten Jahrhundert. Nach Christi Geburt. Seit«. 887. Ein Theil der Schweiz wird zu Deutsch- & land der andere zu Italien gerecht net ist t * 162. 953 * Der Flecken St. Gallen wird in eine Stadt verwandelt < > 164. 996. Die Stadt St. Gallen erhält dir Münz- gerechtigkeit - - - 364. 1080. Schlacht an der Sitter - - 166. H17. Die Stadt St. Gallen erhalt zwey Jahrmärkte 1 t * - 167. t2i2. Die Stadt St. Gallen wird zu einer mit» telbaren Reichsstadt erhoben und mit einem Wappen beschenkt 167. --Erste Regierungsform der Stadt - 168. -Kreuzzüge. Einführung der Manufakturen - - - - 5 168. 1288. Kayser Rudolph ertheilt der Stadt die Freyheit, daß sie von dem Reiche nicht sollte veräussert werden. 17^ Eydsgenössische Verbindung. Gerettete Freyheit. ^ Vierzehntes Jahrhundert. 3335. Ursprung des Schweizerbundes - 177. 3315* Schlacht bey Morgarten. Ewiger Bund 180. 3334 - Die Stadt St. Gallen erhält die Freyheit ihre Räthe selbst wählen zu dürfen, und das Umgeld «- , r - 83. 1372. Die Stadt St. Gallen erhält die Reichsvogtey - - ; - r 184. 3386 . Schlacht bey Sempach - - 186. 3388. Schlacht bey Näfels - - - 18?« Oeßer- Oesterreichische, Burgundische und Schwabenkrieg. Fünfzehntes Jahrhundert. Nach Christi H>°burt. Seite. —-Lage in welcher sich die Stadt St. Galle» im Anfang dieses Jahrhunderts befand - - - - 190. 4421. Streit der Stadt und Appenzell mit dem fürstl. Stift St. Gallen 191» 1403. Schlacht beym Speicher t -- 193. - 51 m Hauptlisberg. Wolfhalden - 194. 1406. Feldzug der St. Galler und Appenzeller im Rheinthal, Etschland u. s. w. 194. ,413. Konstanzer Concilium und dessen Folgen für die Stadt und die ganze Eydsgenossenschaft » - 197° i4jo. Der Magistrat der Stadt St. Gasten erhält die Oberstrichterliche Gewalt t 203. 1436. Alter Zürcherkrieg , - « 204. 1441. Schlacht bey St Jacob - - 205° S4$4. Die Stadt St. Gallen wird ein zugewandtes Ort löbl. Eydsgenyssen- schaft - . - - 206. »457. Die Stadt St. Gallen wird von dem ' Kloster St. Gallen gänzlich be- freyt. 1470. Anfang des Burgunderkriegs - 209. J476. Schlacht bey Murten - « * 211. 1477. Schlacht bey Nancy - - - 212. -Erbvereinignng mit dem Haus Oesterreich, - - - - 212. 1481. Stanzer Verkommniß - , - 213« 1-89. Die St. Galler und Appenzeller zerstöh- ren das neue Kloster in Rorschach 215. ,490. Die Stadt St. Gallen wird belagert. Friede ---- - - 215. 1499. Schwabenkrieg , - - - 216« Kirchen- Kirchenverhesserung, innere einheimische Kriege. Sechszehntes Jahrhundert. Mch Christi «-bnrk. i;io. Mayländksche Feldzüge 1 * 217. 55516. Ewiger Frieden mit Frankreich - 220. 1518. Kirchenverbesserung > * * 221» 1529. Erster Kappelerkrieg * « - 229. 15;«. Zweiter Kappelerkrieg - - < 226. ■"—- Folgen der Kirchenverbesserung - 22L. Innere Eydsgenöffische Zwistigkeiten» Siebenzehntes Jahrhundert. s6i6. Bündtnerische Unruhen - - 236. --Folgen dieser Unruhen - t 238. 1648. Die ganze Eydsgenvssenschafk wird für eine freye und von dem Reich unabhängige Republik erklärt 240. >656. Rapperschweiler - Krieg - - 242. 1697. Kreuzkrieg. - t - . * 242. --Lage der Stadt St. Gästen am Ende dieses Jahrhunderts - r 244. Neue innere Zwistigkeiterr. Aufnahm der Wissenschaften und Künste des Friedens. Achtzehntes Jahrhundert. 1712. Zwötferkrieg r -- - - 246- --- Aufnahm der Künste und Gewerbe 252. .—- -—. Wissenschaften t 253. 1770. Grosse Theurung t , t t 254. 1777* Neues Bündniß mit Frankreich s 254. ^— L ~ Aenderung der Lebensart und Sitten 2;;, Inhalt. Inhalt. 5 D«e Gesellschaften der Menschen Gtitk - i 1* Erfindung s s $ t t t 2. Von den Gesehen s s t 1 s 4 . Ursprung der Fürsten, Könige Und Obrigkeiten Arbeiten der Menschen, die rohen Materialien 5 * zu gewinnen s « t ; • i 6. Handwerker, Künste - / z v 10* Die Handlung * - * t t * 3 ,, Von den Sprachen t - - - 17. Etwas von der Gelehrsamkeit 0 f 19. Anweisung zum Briefschreiben f - 2 Ii Beyspiele von Briefen - s V - Praktische Anfangsgründe zum richtigen Dem 24 . k«n - t t t s t S 29, Die Geographie oder Erdbeschreibung , ;z. Von der politischenBerfassung eines Freystaates ic>8. Anleitung zu den gesetlschaftlicheu Pflichten 1247 Die Haushaltungskunst - - s 146, Dom Buch und Rechnungführen - - 1 4?» Geschichte unsers Vaterlands und unßM Vaterstadt - t 1 s s "•> SZ4» ZMK yi® "•fe? Äw; *, aV-^jSs UÄK i'X&Ul &- imtm ä*j*‘ tS*s !ÄX : **•••