^7-^' ^,r >. -A 'HlVsL.: > :-< 7 > ^sntonsdibliotksk §t. OsIIsn '6IW1247678' / Helvetische Schulmeister-Bibliothek, allen Schullehrern ->.,»n tz, Freunden des Schulwesens gewidmet V 0 tt Joh. Rudolf Steinmüller, Pfarrer in Gaiß, und Mitglied des ErrichurrgS- Raths vom Kanton Säntis. Erstes Bündchen. St. Gallen, bey Hübe» und Compagnie» r 8 o i. V o r e r i n n e r u n g. Es wäre allerdings eine höchst überflüssige Arbeit/ wenn ich mich weitläufig über die Nothwendigkeit Und Nutzbarkeit eines vernünftigen und guten Unterrichts in unsern schweitzerischen Primärschulen erklären wollte. — Ohne Erziehung und Bildung bliebe der Mensch ganz roh und thierisch, hingegen einzig durch sie werden seine edler» — ohne dieselbe vielleicht immer unfruchtbar und todt in ihm gebliebenen Keime — geweckt und ausgebildet, und der Grund zu seiner häuslichen und Lebenszufriedcnheit, wie auch zu seiner Brauchbarkeit für die bürgerliche Gesellschaft, und folglich für Familien- Vaterlandsund Menschen - Wohl geleget. Giebt es deswegen auf dem Erdboden wohl eine edlere, nützlichere und nothwendigere Beschäftigung, als diejenige, welche dem Unterrichte der Menschen gewiedmet ist?— Und gewiß ist's! nie wurden diese Wahrheiten lebhafter anerkannt, nie wurde mit größerer Warme und Herzlichkeit für dieselben gesprochen und geschrieben, als gerade am Ende unsers gegenwärtigen pädagogischen Jahrhunderts. Eben so ist es eine allgemein anerkannte Wahr- 4 heit, daß sich unsere meisten schweitzerischen untern und Landschulen — einige wenige ausgenommen — bisdahin in einem äußerst elenden Zustand befanden, und daß wir Schwerer, im Ganzen betrachtet — so wenig es vielleicht mancher vermuthen möchte — unsäglich weit hinter den seit einigen Jahren in Deutschland getroffenen Schulverbefferungen, zurücke stehen. Soll es nun in unserm Schulwesen wirklich beßer gehen, als es bisdahin gegangen ist, so muß— nach meinem Erachten — ru allererst auf diejenigen mit Kraft und Nachdruck gewirket werden, denen der Schuluntericht anvertraut ist. — Wer sich auch nur einige Kenntniße von unserm Schulrustand erworben hat, dem muß es wirklich recht unbegreiflich vorkommen, wie es möglich war, daß unsere vorherigen, in vielem so verdienstvollen Obrigkeiten, so gleichgültig zusehen konnten, wann die Gemeinden gerade solche Schullehrer wählten, die alles eher, als die Kunst verstunden, Kinder vernünftig zu unterrichten, oder die nicht selten sich deswegen um einen Schuldienst bewarben, weil sie ru allen andern Geschäften und Handarbeiten weder Geschick noch Kräfte hatten, und sich geradezu deswegen anheischig machten, um einen recht geringen Lohn Schule ru halten. Alles in der Welt — sagt man— will gelernt seyn, aber die schwere Kunst eines Schul- lehrers wähnte man von dieser Regel ausgenommen! — So wie bisdabin also schlecht besoldete und meistens völlig untüchtige Schullehrer eine Hauptursache der Unvollkommenheit unsers schwei- tzerischen Schulwesens wären , so muß also jetzo in unsern gegenwärtigen Schulverbeßerungen vorzüglich bey unsern Schullehrern angefangen werden. Es ist zwar wahr, daß dieses Werk äußerst vielen Hinder- nißen und Schwierigkeiten ausgesetzt ist, die nur nach und nach mit gröster Klugheit und Vereinigung, und oft auch mit Ernst und Kraft gehoben werden können; allein es ist eben so wahr, daß ohne dasselbe durchaus nichts beffers für unsere Schulen erziehlt werden kann. Die Hauptabsicht, die mich rur öffentlichen Herausgabe einer Schulmeister-Bibliothek bewegt, ist daher keine andere, als daß ich zur Ausführung dieses so eben erwähnten wichtigen Werks gerne auf meiner Seite alles, was in meinen schwachen Kräften liegt, beytragen, unsere Schullehrer auf die Wichtigkeit ihres Amts aufmerksam machen, ihnen Lust und Trieb zu immer gewissenhafterer Erfüllung ihrer Pflichten einflösen, und ihnen zugleich gutgemeinte und bewährte Rathschläge ertheilen möchte, 6 Ä7 wie sie ihre Bestimmung am sichersten und besten erreichen können. Ich fühle es zwar wohl: daß es sehr bedenklich ist, die Menge von Erziebungs - Schriften, und vorzüglich das Heer von Bibliotheken, Magazinen, Archiven, Mmanachen re. für Schullehrer noch mit einer ähnlichen Zeitschrift zu vermehren; allein ich muß auch hierin das nämliche bemerken, was ich schon in der Vorrede' zu meinem Schriftliche sagte: jedes Land hat — so wie in andern Sachen — also auch im Unterrichte seine eigenen Bedürfnisse, so wie der Charakter, der Grad der Aufklärung, und die Staatsverfaffung der Bewohner verschiedener Lander von einander abweichen; und dieß glaube ich finde vorzüglich bey uns Schwerern, und namentlich in unserer jetzigen Lage statt, worinn unser Schul-> und Erziehungswesen eine ganz andere Form erhalten soll. — Die ausser» Verhältnisse unserer meisten Landschullehrer sind überdteß so beschaffen, daß eine allrumanntgfaltige Sammlung von Schulschriften sie gewiß in keine Verlegenheit bringt, indem die vorzüglichsten Werke aus vielen Banden bestehen, die nach dem Ladenpreiß sehr theuer zu stehen kommen, und die der arme Schulmann sich oft unmöglich anschaffen kann, weil er aus seiner bisdahirrigen erbärmlich geringen Besoldung nicht einmal hinreichenden Unterhalt und Nahrung für sich und die Semen erhält. Ich suchte daher nicht nur eine möglichst wohlfeile Ausgabe meiner Schrift zu bewerkstelligen , sondern werde mich auch, so viel in meinen Kräften ist, dafür verwenden, daß selbige den Schublehren: Ge- meindswegen — und also unentgeldlich eingehändiget werden möchte. Die Gemeinden können jetzt so viele 100 fl. an Einquarticrungskösten rc. verwenden, weil sie müssen; sollten sie also nicht auch alljährlich z bis 6 fl. an ihre Schullehrer zu Anschaffung nützlicher Schulschriften bezahlen können, die ihnen durch zweckmäßigere Unterweisung ihrer Kinder mit ivoofa- chem Gewinn wieder zurückkamen? Doch ich beschranke meinen Plan nicht nur allein auf schweitzerische Schulmeister, sondern wünschte, daß die darin» enthaltenen Bemerkungen, Vorschläge und Erfahrungen auch von allen.denjenigen, denen die Leitung und Aufsicht über unsere Schulen anvertraut ist, also von Rcligionslehrern, Erziehungsra- then und Schulinspektoren geprüft und dazu benutzt würden, daß Sie an der Ausführung des Anwendbaren mit den Schullehrem gemeinschaftliche Hände anlegen möchten. Vorzüglich Ihr, liebe jüngere Amtsbrüderl laßt mich Euch dazu mit den Worten des edeln Villaume's ermuntern: »Besuchet fleissig die Schulen; lehret selbst darin und zeiget dem Leh- rer den Weg und feuert ihn rur Nacheiferung an. Dadurch erwerbt ihr Euch die Liebe und Dankbarkeit der Gemeinden. Wenn nur erst euer Schullehrer gebildet ist, habt ihr weniger Mühe. Lasset Euch aber die Arbeit im Anfange nicht verdrießen; ihr werdet viel haben. Bedenket aber, daß Euer Predigtamt bey Erwachsenen wenig fruchten kann, und daß ihr nur durch Bildung der lenksamern Jugend wirklich nützlich ru werden und euch um die Menschheit und den Staat verdient machen könnt. Hierzu habt ihr einen bestimmten Beruf; Ihr seyd Lehrer des Volks; Ihr seyd dazu im Namen Gottes vom Staate berufen! Erwerbet Euch durch solche Bemühungen den Seegen Gottes und Enerer Gemeinden !" Mit dieser Bitte vereinige ich noch eine Zweyte. — Ich thue sie zwar nicht ru Euch, die ihr zu kalt oder zu leichtsinnig seyd auf Menschenwohl zu achten; nicht zu solchen Neligionslehrern, deren Hm nur da schlägt, wo eigenes Interesse in Anschlag kommt, und die um die Gunst des grossen Haufens ru erhalten, seinen Vorurtheilen schmeicheln; nicht zu solchen Staatsmännern endlich, welche die Sprache der Despoten führen: je dümmer das Volk sey, desto besser sey es auch zu regieren; nein! ihr alle lachet entweder höhnisch oder flätschet die Zähne, wenn man von Schulverbesserungen redet, und prophereyet allen Ver- suchen der Art den elendesten Erfolg! — Aber Euch, edle Menschenfreunde — wes Standes und Berufs, wes politischen und religiösen Glaubensbekenntnisses Ihr immer seyn möget — Euch gute und gefühlvolle Menschen, die Ihr zum Wohl Euerer Mitmenschen, zum Wohl des Vaterlands gerne alles Mögliche beytraget, und in diesem Stücke nur Einen Willen kennet, Euch Erzjebungs-Räthe, praktische Pädagogen und Freunde des Schweitzerischen Schulwesens! Euch alle bitte ich dringend: unterstützet mein Unternehmen nicht nur dardurch, daß Ihr meine Schrift in recht viele Hände bringet; sondern vorzüglich auch dardurch: daß ihr mir euere Gedanken, Pläne, Vorschläge und Nachrichten, das Schulwesen betreffend, aus Eueren Gegenden, unter meiner Addresse oder an meinen Verleger gütigst zusendet, und mich so in den Stand setzet, meine Bibliothek immer reichhaltiger, vollständiger und lehrreicher machen zu können; wobey denn zugleich dieser wichtige Vortheil erreicht würde, daß meine Schrift die Freunde des Helvetischen Schulwesens einander bekannt machte, und man auf diese Weise erfahren könnte, was da und dort für unsere niedern und Volks - Schulen Gutes erkennt, unternommen und ausgeführt worden ist. Von geschickten Schullehrern würden mir Beyträge aller Art um so willkommener seyn, indem am dere dardurch noch neben dem Nutzen, den sie daraus riehen, zugleich ru einem edeln Wetteifer erweckt werden könnten. — Ich werde nicht nur von allen eingesandten und zweckmäßig erfundenen Aufsätzen dankbaren Gebrauch machen, sondern thätig erkenntlich zu seyn mich verpflichten. Um meine Leser zur Erfüllung meines Wunsches noch um so mehr in Stand zu setzen, so will ich meinen zwar in der Ankündigung auszugsweise schon enthaltenen ( obwohl seither — besonders was das Aeussere desselben anbelangt — in etwas abgeänder» ten) Plan noch etwas umständlicher hier einrücken. Es soll nämlich von meiner Schulmeisterbibliothek regelmäßig alle Halbjahre ein Bündchen von 18 - 20 Bogen in vorliegendem Format und in einem so viel möglich wohlfeilen Preise bey dem Verleger derselben herausgegeben werden. Diese einzelnen Bände sollen nach und nach Folgendes enthalten: 1. Aufsätze über alle Gegenstände des untern Schulunterrichts in der Schweitz, sowohl was die ersten Anfangsgründe, r. E. Buchstabieren, Lesen, Schreiben, Rechnen, als aber auch diejenigen Theile desselben betreffen, die in jeder gut eingerichteten untern oder Land-Schule gelehrt werden sollen, r. E. die Schön- und Recht-Schreibekunst, Geographie, Welt - und besonders vaterländische Geschichte, Naturgeschichte u. s. w. Da überhaupt alle Schulanstalten und Verordnungen, welche die Regierung bisdahin getroffen hat, nur provisorisch sind, und nach und nach die verschiedensten Veränderungen und Modifikationen erhalten werden, so soll diese erste Nummer bisweilen auch Aufsätze und Materialien über die ersten Anfangsgründe der religiösen und sittlichen Bildung der Jugend , über die Art: wie der Schullehrer den eingeführten Catechismus, die biblische Geschichte ( es versteht sich dabey wohl von selbst, alles unter der Mitwirkung und Aufsicht seines Ortspfarrers) gebrauchen oder den Catechumenen Sonntagsfchulenzur Vorbereitung auf die Catechismusäbung in der Kirche halten könnte, u. dgl. enthalten, indem es sich gewiß alle Erziehungs- und. Kirchen-Räthe zur unnachläß- lichsten Pflicht machen werden: auf Mittel zu denken, daß der eben so sehr vernachläßigte Religionsunterricht der Jugend bey beyden Religionsparrheyen, so wie der Schulunterricht derselben immer mehr verbessert und vervollkommnet werde. — Wenn wir einmal wieder in den, die Schulverbefferungen vorzüglich begünstigenden Friedenszustand zurückkehren können, und in der Realisierung neuerer Schulplane Versuche gemacht haben, so wird sich jedem Wahrheitsliebenden und Sachkundigen Patrioten diese Wahrheit von allen Seiten zur Prüfung darbieten: daß Volkskultur von ihrer ersten Stuffe an, je nach Maaßgabe der Empfänglichkeit der Subjekte religiöse Kultur seyn müsse; daß unsere Alten wohl in manchem Fache der Pädagogik noch sehr zurück seyn mogten, aber daß sie doch hierum den rechten Fleck getroffen hatten, den Grundsatz unverrückt zu befolgen: Gottesfurcht sey der Weisheit A und O! und daß namentlich unser Schweitzerisches Volk und jede andere Nation unmöglich einzig durch Geistesknltur, sondern nothwendig zugleich durch christlich religiöse und sittliche Bildung, die schon in ihrer frühesten Jugend den Anfang nehmen muß, der wahren Freyheit und Glückseligkeit fähig und empfänglich gemacht werden könne und müsse. Meine Schullehrer Bibliothek soll 2. enthalten: Aufsätze über Schulmethode oder Lehrart, über zweckmäßige Eintheilung der Lehrstun- ben und Lehrgegenstande, über vernünftige Schulzucht, über besondere wichtige Erfahrungen im Lehramte, Briefe von Schulmeistern oder Schulfreunden u. dgl. z. Materialien zum Diktieren; Anleitung und Muster zu Briefen und andern schriftlichen Aufsätzen; Werstandesübungen; faßliche und anwendbare mora- — 13 — lischt Erzählungen; Gedichte und Lieder für die Jugend u. dgl. 4. Ganze Aufsähe oder Auszüge aus denselben/ die verschiedenen Verbesserungen der Schweitzerischen Primär - und Land-Schulen/ unter unserer veränderten Staatsverfassung betreffend; Ausrüge aus den Verhandlungen der Erzichungsräthe verschiedener helvetischer Kantone; Abriß vom Zustand der Schulen und Lehrmethoden in vorigen Zeiten; Relationen über den Zustand einzelner nachahmungswürdiger und guter oder äusserst schlechter und fehlerhafter Schulen von Schullehrer,: und Schulinspektoren. — Z. lieber Schulmeister - Seminarien / oder vielmehr was wir Schwerer in unserer gegenwärtigen Lage zu zweckmäßigerer Bildung und Unterweisung der Schullehrer aufs Wenigste thun könnten und sollten? Ueber Schulmeister-Conferemen, d. h. über Zusammenkünfte verschiedener Schullehrer aus verschiedenen Gegenden/ die unter dem Vorsitz und der Leitung eines sachkundigeil Schulmanns sich brüderlich über nützliche Gegenstände/ welche das Schulwesen betreffen/ berathen — Ueber Schulmeister- Bibliotheken/ und wie sie am Besten zu veranstalten waren? 6. Schulanftagen und Schulanekdoten; kurze Lt- bensbeschreivungen merkwürdiger und verdienstvoller Schweitzmscher Schulmeister oder Schnlrathe. — 7. Rezensionen aller neuern Schulschriften, die auf das untere Schweitzerische Schulwesen einigen Bezug haben. So reichhaltig zwar dieser mein Plan ist, und so begründetes Zutrauen ich in die Unterstützung und Beyträge derjenigen würdigen Männer, die mir selbige schon zum Voraus versprachen, und deren Zahl, wie ich hoffe, sich mit der Zeit ebender vermehren als verringern wird; so möchte ich dennoch gleich in der Vorrede des ersten Bandes dem Vsrwurf entgegen kommen, der meiner Schrift gemacht werden könnte, nämlich: daß sie in so vielen Rücksichten allgemein bekannte, schon hundertmal gesagte Wahrheit eines Büels, Jerrenners, Rochow's, Schlezens, Villau- me's rc. enthalte, wobey der Herausgeber dieses äusserst kleine Verdienst habe, selbige mit gerrngen Modifikationen auf unsern Schweitzerischen Schulzustand angewandt m haben. Allein ich bitte jeden, bey dieser Bemerkung zu bedenken, daß sii sehr relativ sey. Sind viele Wahrheiten auch schon bekannt, so müssen sie doch öfters in Erinnerung gebracht werden, weil man sie häufig vergißt und nicht so beherzigt, wie sie es verdienen. Reden wir überdieß subickti- visch davon, so verliert sie ihre völlige Kraft, mdeiK dasjenige, was vielleicht manchem meiner gebildetem Leser lauter bekannte Dinge sind, gerade den meisten Schullehrern, denen meine Schrift eigentlich bestimmt ist, im entgegengesetzten Fall bisdahin höchst unbekannt geblieben war. — Ich werde daher nicht nur die besten Schriften der besten Pädagogen Deutschlands und der Schweitz benutzen, sondern um etwas Vollständiges zu liefern, alle nützlichen Nachrichten, die in mein Fach einschlagen, aus andern Schweitzerischen Zeitschriften herausheben, damit sie zur Kenntniß unserer Schullehrer kommen, denen sie, da sie jene unmöglich alle lesen oder anschaffen können, sonst unbekannt geblieben wären. Auf diese Art werde ich suche», den Innhalt meiner Zeitschrift ihrem Tittel anzupassen , und dardurch nach und nach Schweitzerischen Schullehrern ein Werk einzuhändigen, das ein Repertorium alles in diesem Fache Wiffenswürdigen ausmachen und sie auf diese Weise in den Stand setzen soll, alle übrigen Schul- schriften entbehren zu können. — Ueberdieß bemerke ich noch einmal offenherzig, daß ich meine Schulmeister-Bibliothek durchaus nicht mit einer Menge schön geschriebener Pläne und Aufsätze anfüllen will, die nur schön gesagt, aber — in der Hauptsache unanwendbar und unausführbar sind. Ich werde daher nichts anders zur Ausführung am Preisen/ als wozu ich hinreichende Mittel und Kräfte in unserer Nation und Lage kenne/ und welches sich sehr füglich an das schon Vorhandene anknüpfen läßt; ich werde mich also immer von dem Grundsätze leiten lassen/ daß plötzliches Licht die Augen blende/ und daß bey großen Verbesserungen aller Art das kelllna lenes (eile mit Weile) nie zu vergessen sey. So viele verächtliche Seitenblicke sich dardurch vermuthlich meine Zeitschrift von manchem gelehrten Marktschreyer zuzieht/ desto mehr Werth hoffe ich werde sie in den Augen derjenigen erhalten § die nicht nur schöne Pläne entworfen / sondern in Schulverbessc- rungen selbst würkltche Versuche wagte»/ und den Charakter unsers Volks und unsere übrigen Umstände kennen. — Ich bitte mich endlich wegen den vielleicht nur allzuhäufig vorkommenden Sprachfehlern gefälligst damit zu entschuldigen/ daß ein Schweitzer bey allem möglichen Bestreben nach Reinheit und Richtigkeit der Sprache die Schwierigkeiten nie völlig überwinden kann, die in seiner vaterländischen Mundart liegen. — Und so mag nun dieses erste Bündchen seine Laufbahn ruhig antretten; über den Nutzen, den es selbst und seine künftigen Geschwister stiften wird, möge eins glückliche Zukunft entscheiden! Die Morgenröthe ist da — sagt ein vortreflicher Schulmann in Ansehung der Schulverbefferungen — der Tag wird auch kommen; und ob er noch zögerte, wir wollen ihm geschäftig entgegenharren! — Freylich könnnen wir, wie kein Vernünftiger erwarten wird, die Erndte nicht schon vor der Saat ausweisen ; lasset uns erst säen, und den Saamen des Guten, Wahren und Gemeinnützigen unermüdet ausstreuen, gönnet ihm Zeit zu reifen, und wehret jedem Feinde, der uns sein Unkraut dazwischen streuen will — Gewiß wird die künftige Generation erndten! Nur laßt uns Gott, den Höchstgütigen, als den Herrn dieser Saat und dieser zu hoffenden Erndte, innbrünstig bitten, daß er, da die Arbeit nicht klein ist, auch treue Arbeiter dazu sende; daß alle, denen Menschenwohl am Herzen liegt, sich vereinigen mögen, Bemühungen, die auf Gottes Verherrlichung und der Menschenveredlung abzwecken, durch Niederschlagung aller schwächlichen Vorurtheile, so wie durch mögliche Begünstigung und Theilnahme zu fördern. — Der weise, edle Menschenfreund klagt und wimmert da nicht, wo das nicht hilft, und wo Handel» besser wäre; er wandelt — das ferne Ziel im Auge — den Weg seiner Berufs — sey er auch mit Dorne» verwachsen — muthig und raschen SchritttS fort; B -8 läßt sich, wenn es ihm an äusserer Aufmunterung gebricht, an dem süssen Beyfall und Lohne seines Herrens genügen; blickt, wenn ihm denn doch in trüben Stunden Muth und Kraft entsinken will, hinauf zu dem, vor dem nicht äusserer Schimmer, sondern nur Thatenwcrth gilt; und stärkt sich so mit der labenden Hoffnung, daß die Zeit einer allgemeinem Volksveredlung doch endlich — wenn gleich auch spät — gewiß kommen, und daß diese Periode vielleicht auch die des tteberganges der Menschen r« einer hohem Geschäftigkeit seyn werde. Gaiß, den z. Merz 1800. Joh. Rud. Steinmüller / Pfarrer. Ueber den bisherigen mangelhaften Zustand der untern und Landschulen in der östlichen Schweiz überhaupt. Vorn Herausgeber.*) -vorder, der auf die Verbesserung des Schulwesens denkt, und wörtlich aus allen seinen Kräften daran arbeiten will, muß sich natürlicher Weise zuallererst eine richtige Kenntniß von dem eigentlichen Zustand desselben zu verschaffen suchen/ und erst dann wird ihn diese Kenntniß lehren / wohin er sein Augenmerk bey seinen Bestrebungen vorzüglich zu richten/ was für Hindernisse und Schwierigkeiten er zu bekämpfen und zu heben habe, und worauf er im Anfange losarbeiten müsse, um seinen Endzweck am schnellcsten und besten zu erreichen. — Aus eben dieser Ursache will ich es daher versuchen, eine kurze Schilderung des bisherr- *) Diese Bemerkungen wurden von mir dem ErziehungsRath unsers Kantons vorgelesen, und scheinen mir sehr dienlich , um gleich in dieses erste Bündchen meiner Bibliothek eingerückt zu werden. — Wer, der sie liest und unsere meisten Schulen kennt, muß nicht von -er Wahrheit derselben überzeugt werden? — Und wer, der in diesem Falle ist, muß daher nicht die Nothwendigkeit der Schulverbesserungen einsehen? — B L — so — gen mangelhaften Zustands der meisten untern oder Land-Schulen der östlichen Schweitz zu entwerfen, und hoffe dadurch die Nothwendigkeit der Schulver- besserungen und zugleich die Art, wie diese am leichtesten zu erzielen wären, ins helleste Licht zu setzen; der meisten niedern Schulen — sage ich — womit ich also Nachstehendes durchaus nicht auf alle, aber doch auf die größere Zahl derselben angewandt wisse» möchte. I. Wem war bey unserer vorigen Regierung die Aufsicht über alle Schulanstalten anver» traut? Und — wie wurde dieses wichtige Amt verwaltet? ! r. Zuallererst und vorzüglich der Landes. ! Obrigkeit, dem ganzen großen Rath. — Diesem wäre es zugekommen,Schulanstalten zu gründen, immer i mehr zu verbessern und zu vervollkommnen, und vorzüglich dafür zu sorgen, daß die ganze Volksmaffe immer verständiger und besser, und also- auch immer glücklicher und zufriedener geworden wäre. ^ Geschah dieses wohl? — OIhr ehmaligen, meist ! verehrungswürdigen Volks-Regenten der ehmaligen Kantone GlaruS, Apprmell rr. warum müssen Euere — sr übrigen nicht geringen Verdienste vor dieser Frage erröthen! — Und Ihr von Ury, Schweitz, Unter- walden re. — wie benähmet Ihr Euch hierin»? Ihr alle wäret — ich weiß nicht aus was für einer ^ Politik; einmal aus einer höchst verdorbenen! — ' völlig und durchaus gleichgültig und unempfindlich für Schulen und Schulveröefferungen; hattet würklich gegen alle Klagen der Art taube Ohren; schenktet diesem allerwichtigsten Gegenstand der gesellschaftlichen Glückseligkeit so zu sagen keine einzige Stunde zur ^ Berathschlagnng in Euern Rathsversammlungen; sammeltet öffentliche Schätze und Kassen, die, anstatt sie zu nützlichen Anstalten der oder anderer Art zu verwenden, in Gewölbe und Kästen verschlossen, todt da liegen mußten! So unempfindlich wäret Ihr über Euere Mitlandleute bierinn — was war nun erst das Schicksal Euerer sogenannten Angehörigen in diesem Fache! — Oder zeuget nicht die Erfahrung, zeugen nicht Euere hierüber ganz stummen Ratbs- Protokolle wider Euch? — Die Aufsicht über die Schulen hatten nach der Obrigkeit 2. ganze Schulgemeinden und ihre Vorste, ^ her und Vorgesetzte. Und was würkten auch diese — im Ganzen betrachtet — Gutes auf unsere Schulen? Sehr wenig, da man hingegen unzählige Bc- — 22 — weise für's Gegentheil anführen könnte. Anstatt vieler nur ein Paar Beyspiele aus dem letzten 1799k. Jahrgang/ die zugleich als Beweis dafür dienen könnten/ daß die unmittelbare Aufsicht über die Schulen nie den Municipalitäten anvertraut werden sollte. In einer Gemeinde des Kantons Linth war es um die Wahl eines neuen Schulmeisters zu thun. Ein alter unfähiger/ aber sehr armer Mann bewarb sich um die erledigte Schulmeister-Stelle, neben einem andern allgemein für den bessern und fähigern Schulmann gehaltenen. Allein die Gemeindvorsteher waren größtenthetls die Verwandten des Ersten/ und wären in den Fall gekommen, denselben theils selbst, theils Gemeindswegen in seiner Armuth zu unterstüz- zen. Eigennutz und Mitleiden siegten daher über Gewissenhaftigkeit; und — jener ward Schulmeister, dieser aber der weitaus fähigere ward abgewiesen. — Noch ein Beyspiel! In einer Gemeinde des Kantons Säntis mußten ebenfalls zwey Dorfschulmeister erwählt werden, dar öffentlich in der Kirche geschah. Zwey junge hoffnungsvolle Männer, mit den besten Zeugnissen versehen, meldeten sich darum, zeigten aber zugleich an, daß ein jeder nicht für eine geringere Besoldung als wöchentlich für 2 fl. dienen könnte. — Was geschah? 23 Zwey andere weit untauglichere, die schon seit langem den Schuldienst schlecht genug verwaltet hatten, traten hervor, und eröffneten: sie wollen sich um denselben für eine wöchentliche Belohnung von 2Z Batzen dringendlich empfohlen haben? Was war nun die Folge hievvn? Ohne ein einziges Wort über die Verdienste der Erstem vor den Leitern zu sagen, eiferten alle Vorgesetzten vom Agent (der den Ton angab) bis zum lezten Municipalrath über die unverschämte Forderung jener, und diese wurden einmüthig erwählt! — Noch ein Exempel! In einem Dorfe, worinn bis dahin nur des Winters Schule gehalten wurde, machte lezthin der dortige brave Schulmeister seiner Municipalität den Antrag, wenn sie ihm 2 Ld'ors gebe, und jedem Kind wöchentlich nur 2 kr. Schulgeld auflege, so wolle er die Sommerschule auch halten — Was war die Antwort, die sie ihm gaben? „Wir wollen's gad bim Alten bewenden lassen!« — Solche Beyspiele wären bey Dutzenden anzuführen, die wahrlich! keiner weitläufigen Erklärungen bedürfen — wobey ich mich unmöglich der Bemerkung überheben kann, daß ehmalige Rachsherren und jetzige Municipalitäts-Glieder den Schulmeister als ihren Untergeordneten mit dummem Stolze sehr niedrig 24 behandelten und behandeln, und ihn im Range weit unter sich glauben. — Die Aufsicht über die Schulen lag endlich Z. Auf dem Pfarrer jeder Gemeinde. Wer darf es leugnen, daß nicht hie und da einzelne Geistliche aus allen ihren Kräften an der Verbesserung ihrer Gemeindsschulen gearbeitet, und daß an allen Verbesserungen, die sich noch vorfinden, einzig ein oder mehrere Geistliche schuld waren? Aber wer wird es auch läugnen: daß hinwiederum ein großer Theil von Geistlichen, entweder recht saumselig und gleich« gültig in diesem Fache sich benahm, oder eigentlich recht methodisch allen Neuerungen im bessern Sinn d. h. allen Verbesserungen entgegen arbeiteten? Und überdies, wie oft ward auch der thätigste und eifrigste Pfarrer in diesem Stücke muthlos gemacht, da er bey seinen Bemühungen so wenig Hülfe und Unter» siützung an höheren Orten fand, sondern die Obrigkeit und seine Gemeinds - Vorgesetzten in den meisten Fallen zu seinen Gegnern zählen konnte! r II. Und nun, was war dre unausbleibliche Folge von diesem allem? i. Da nirgends keine Schulverordnungen und Leine Handhabung derselben, da entweder schlechte und gleichgültige, ober solche Schulaufseher waren, die höchstens anmahnen, aber nie mir Thatkraft und Unterstützung verbessern durften, so konnten die Eltern die Rinder fleißig oder unfleißig in die Schule schicken, gam wie es ihnen beliebte. Vernünftige und gewissenhafte Eltern hielten ihre Kinder ' an, die Schule so fleißig zu besuchen, als es möglich war, aber — was thaten unkluge rmd schlechte Eltern? Kaum die Hälfte der Unterrichts- fähigen und bedürftigen Kinder kamen in die Schulen, die andere Hälfte blieb brennn völlig verwahrlost, so wie denn über- dieß bey den Erstem gar keine Zeit festgesetzt war, in welchem Alter sie in die Schule aufgenommen und in welchem wieder daraus entlassen werden sollen. Dieses alles blieb der Willkühr der Eltern fteygestellt, welche; dann nicht selten den Unverstand hatten, ihre 4 bis Zjährjgen Kinder in die Schule zu schicken, um sie daselbst wenigstens für einige Stunden gut versorgt zu wissen; so wie weit die meisten Eltern alsdann - ihre Kinder, sobald sie mit Spinnen, Sticken oder Fabrikarbeit etwas verdienen konnten,^ also schon in ihrem 8ten und yten Jahre dem Schulunterricht für - immer entrissen. Ist es sich deßwegen wohl zu verwundern , wenn man in der östlichen Schweitz unter - den Neokommunikanten kaum den dritten Theil im . Durchschnitt findet, die, ich will mcht sagen gut. 26 mir mittelmäßig lesen können? — Gewiß! es ist nichts kränkenders für einen würdigen Schullehrer und Schrilauffeher, (ich rede hierin» aus eigener Erfahrung) als wenn man schlechte Eltern — deren es in allen Gemeinden giebt — die ihre Kinder entweder gar nicht, oder alle Monate nur ein Paar mal in die Schule schicken, ru besserer Beobachtung ihrer Pflicht anhält und ermähnet, aber dann findet, daß es nichts nützt, und daß man deßwegen keine höhere Hülfe findet! — Es ist würklich bey der Betrachtung unserer bis» dahinigen Schulanstalten äußerst krankend, wenn man sehen muß, daß in der ganzen östlichen Schweiz kein einziger Distrikt anzutreffen ist, wo die Eltern durch Gesetze gehalten würden, ihre Kinder gewisse bestimmte Jahre lang ununterbrochen in die Schule schicken zu müssen, so wie etwa in allen protestantischen Gegenden des Herzogthums Würtemberg und bin und wieder rn Deutschland, wo alle Eltern ihre Kinder bis ru ihrer Confirmation, die im 14. Jahr ihres Alters erfolgt —- durch Csnsistorialgesetze gezwungen, in die Schule schicken müssen. Die bey uns hierin» bis dahin beobachtete Gleichgültigkeit unserer Obern zieht vorzüglich in denjenigen Gegenden, wo Fabrikationen aller Art angetroffen werden, und wo die Kinder, sobald sie 5 oder 6 Jahr alt sind, schon täglich 2 bis 3 2 ? Batzen verdienen können, die nachtheiligsten Folgen nach sich. — Es ist zwar freylich wahr, alle Zwanggesetze sind in einem freyen Staate, und vorzüglich über solche Gegenstände der größern Volksmenge — besonders im Anfange, ehe man sich daran gewöhnt ist — verhaßt; aber giebt's zu Verbesserung des bis dahin Versäumten einen andern Weg, wenn vernünftige Vorstellungen, Bitten und Ermahnungen nichts helfen wollen? Und — ist das wohl eines freyen und guten Volks würdig, gleichgültig rmusehen, oder, wanns möglich ist, es nicht zu verhindern, daß das Köstlichste, was der Staat hat, nämlich die heranwachsende Jugend, vernachlässigt, unbrauchbar gemacht, und geistig gelobtet werde? ? — Indessen, so sehr es eine ausgemachte Sache ist: däß viele Gemeinden undleinzelne Landlcnte, die bey ihren Arbeiten ihre Kinder allenfalls entbehren könnten , dieselben blos aus Anhänglichkeit an den alten Schlendrian, aus Sorglosigkeit oder Eigensinn aus der Schule zurückbehalten; ferner: daß einzelne sich dazu vielleicht gar durch die thörichte Furcht verleiten lassen, als ob ihre! Kinder durch einen langen und fleißigen Unterricht zu klug und klüger, als sie selbst werden möchten: denn nicht nur mir! allein, sondern gewiß! schon manchem Pfarrer, der die Eltern^ wegen ihrer X - 28 Saumseligkeit bey der Erziehung ihrer Kinder zurechtweisen wollte, ward diese Antwort zu Theil: »mein »Kind braucht nicht mehr zu lernen, als ich; unser »Vater und Großvater sel., die das nicht konnten, »sind auch Leute gewesen, und zwar bravere und glücklichere, als die her.: zu Tage lebenden und klüger seyn „wpllenden sind; ich lebe immer auch noch; also braucht „mein Kind auch nicht mehr zu lernen!"; — So sehr dieses alles, sage ich, eine ausgemachte Sache ist, so ist doch auch so viel gewiß, daß die Eltern sich wegen obigen Versäumnissen ihrer Pflichten mit verschiedenen wichtigern oder unrvichtigernGründenzu entschuldigerfwiffen, die aber dennoch gerade durch zweckmäßigere Einrichtung unserer Schulen, z. E. dadurch, daß die armem Kinder nicht so lange in der Schule bleiben müßten; daß alles Schulgeld, das die Eltern bis dahin wöchentlich bezahlen mußten, nicht mehr erlegt werden müßte, sondern das Schulgeld durch eine Abgabe vom 1000 fl. eines jeglichen Vermögens bezahlt würde; und überhaupt, wenn man den Kindern durch vernünftigere Verfahrungsart das Schulgehm süß und angenehm machte — beynahe alle ihre Kraft verlieren würden. — 2. Viele Eltern sagen, wir sind zu arm, als daß wir unsere Kinder in die Schule schicken könnten; sie müssen ihre Nahrung selbst verdienen; es ist eine — LY — strenge und theure Zeit — oder wir haben eine allzu große Haushaltung u. dgl. b. Andere: wir haben ihnen keine Kleider, und vermögen ihnen keine anzuschaffen. c. Wieder andere können das kleine Schulgeld, das die Eltern an manchen Orten noch von jedem Schulkind bezahlen muffen, nicht aufbringen, und haben doch zu viel Ehrgefühl, als daß sie dasselbe aus der Armenkasse um Gottes willen fordern wollten. 6. Wieder andere opfern das Beste ihrer Kinder und ihre Gewissenspflicht dem augenblicklichen Vortheil auf, und schicken ihre Kinder in verdienstvollen Zeiten anstatt in die Schule in einträgliche Fabriken, oder aufs Feld oder auf die Alpen, das Vieh zu hüten. Ueberhaupt findet jeder haushälterische Vater in seiner Lage Veranlassung genug, seine Kinder, auch in ihrer frühen Jugend schon, als ein Capital m betrachten, das er nicht ungebraucht lassen, sondern vielmehr zu den höchsten Interessen nützen müsse, und hat immer mehrere Gründe in Bereitschaft, mit welchen er einen jeden, der ihn zu größerer Gewissenhaftigkeit anhalten will, abzuweisen pflegt. — Wenn meine Kinder essen wollen — sagt er — so müssen sie mir das Brodt mitverdienen helfen; die Zeiten sind schlecht, der Abgaben viele, die Arbeiten gehäuft und dringend, und treue Dienstboten und Arbeiter selten, oder wenigstens kostbar. Ich kann also bey meinem besten WiSen meine Kinder weder so fleißig noch so lange in die Schule schicken, als ich sollte und als es den Kindern selbst heilsam und gut wäre. — e. Endlich schicken viele Eltern ihre Kinder deswegen unfleißig, weil sie auf Bauernhöfen und an solchen Orten wohnen, die allzuweit von dem Orte, wo Schul gehalten wird, entfernt liegen; das Wetter ist dann manchmal gar zu übel, oder die Kälte zu groß, oder die Gewässer sind angelaufen; die können oder mögen aus Ängstlichkeit ihre Kinder in solchem Wetter keine halbe oder ganze Stunde Wegs gehen lassen, und behalten sie daher lieber zu Hause. 2. Neben dem, daß die Eltern ihre Kinder unfleißig oder gar nicht in die Schule schicken durften, begünstigten die bisherigen schlechten Schulanstaltm noch einen andern höchstwichtigen Fehler, der darum besteht: daß an äußerst vielen Orten entweder keine Winter» oder keine Sommer-Schulen, also in Jahresfrist kaum die halbe Zeit lang Schule gehalten wird. So vergißt denn die Jugend unter den mannigfaltigen Zerstreuungen und Arbeiten desSommers oder des Winters-größtentheils das wieder, was sie in den 4 bis 6 Monaten der verflossenen Jahreshälfte mit saurer Anstrengung erlernt hatte. Der Schullehrer muß mühsam den abgerissenen, oft auch schon Verlornen Faden des Unterrichts wieder aussuchen und anknüpfen; muß, statt fortzuschreiten, erst wieder zu den Lektionen des vorigen Winters oder Sommers zurückkehren, und sehr zufrieden seyn, wenn er nur in der letzten Zeit der Winter- oder Sommer-Schule die Kinder etwas über das Ziel hinausführen kann, bey welchem sie vor Jahr und Lag stehen geblieben waren. Ein so eingeschränkter und lange unterbrochener Unterricht hemmt den Kindern jedes rasche Fortschreiten in nützlichen Kenntnissen und Fertigkeiten, ohnehin, da aus den oben angeführten Gründen so gar viele davon noch äußerst unfleißig die Schule besuchen. Z. Eine dritte nachtheilige Folge für unser unteres Schulwesen, die aus der Nichtachtung, welche die Landes- und Gemeinds-Vorgesetzten gegen dasselbe , äußerten, entstand, ist diese: daß man an keine Verbesserung der Gehalte der Schullehrer im ! Allgemeinen je dachte, hingegen sogar an ihrer Verringerung hie und da arbeitete. 40, 60 bis ^ yo si. das war, das ist der ganze Jahrlohn der j meisten Landschullehrer in der östlichen Schweitz. Ich ! kenne sogar viele Gemeinden im Kanton Santis, in denen die Eltern zur Winterszeit den Schullvhn (vom Z2 Kind wöchentlich 6 kr.) berahlen müssen, und ws diese diejenigen Tage, woran ihre Kinder die Schule nicht besuchten, sorgfältig bey der Bezahlung des Schullohns abziehen, und nur für diejenigen Tage den Schullohn bezahlen, woran die Kinder die Schule besuchten. — Und überdreß müssen solche Lehrer alle Jahre um die Bestätigung in ihrem Amte anhalten, und es gewärtig seyn, daß sie von einem viel ungeschicktem Schulmeister noch verdrängt werden, der sich um einen noch geringern Lohn Schule zu halten anbot! — Ein jeder Alpenknecht oder Senn hat neben Speise und Trank noch 52 und 60 fl. Jahrlohn; hingegen der Lehrer unserer Jugend erhält für seine Bemühungen und Arbeiten an derselben viel weniger ! — Ich kenne Schulmeister, die in guten Zeiten mit Mousseline weben wöchentlich 4 - 7 fl. verdienen konnten; hätten sie sich aber ganz dem Schulwesen gewiedmet, so wären sie nicht höher als auf 2 fl. zu stehen gekommen; empörende Wahrheit!! — Eine 4te nachtheilige Folge, welche aus der bisherigen schlechten Aufsicht über die Schulen entstand, war:' daß beynahe nirgends Schulhäuser erbaut werden mußten, auch auf die zweckmäßigere Einrichtungen der Schulstuben gar keine Rücksicht genommen wurde. — Eine Zte nachtheilige Folge, welche aus der 33 bis dahimgek! schlechten Aufsicht über die Schulen entstand , ist diese: daß alle alljährlichen Schulexamen nichts anders als eine leere Ceremonie waren, woran jedes Kind ein paar auswendig gelernte Catechismus- Fragen hersagen und eine erkünstelte Probeschrift vorzeigen mußte, wofür es dann ein kleineres oder größeres Geldstückchen erhalt, das sogleich wieder für etwas Gebackenes hingegeben wird- — Und endlich 6tens. Was hatte dieß nun für einen Einfluß auf die Schulmeister selbst? — Was für Männer gelangten, im Durchschnitt betrachtet, zu diesem Amte? — Es gab und giebt zwar hie und da einen nicht nur geschickten, sondern auch überhaupt in andern Rücksichten recht würdigen Mann auf diesem Posten, der großen Nutzen stiftete, und alle Achtung verdient; ein Mann, dem sein Schulamt am Herzen liegt; der mit Fleiß und Treue und Nutzen die Jugend unterrichtet, gute Rathschläge willig und treu befolgt, und durch Lesung mancher guten zu unsern Zeiten von verdienstvollen Männern herauskommenden Schul- schritten zur nützlichen und zweckmäßigen Führung seines wichtigen Amts sich immer mehr zu vervollkommnen bemüht ist. Aber — leider! sind deren noch sehr wenige in Vergleichnng mit den übrigen, C 34 — lind diese sind oft noch geradezu unbekannt und wenig geachtet/ auf einem wenig bedeutenden Dorfe. Wie oft ist's ferner nicht derFall, daß diejenige» Schullehrer / die ru glücklicher Führung ihres Amts die bestenMnlagen und Fähigkeiten hätten/ und viel zu leisten im Stande wären/ wenn sie sich ihrem Amte ganz widmen könnten/ dieses Leztere aus ökonomischen Rücksichten nicht thun können. Die meisten sind verheurathet, haben eine kleinere oder größere Familie/ die ernährt seyn will; die geringe Besoldung seines Schuldienstes ist bey weitem nicht hinreichend dazu; er kann sie daher nicht anders/ als eine nicht unwichtige Nebeneinnahme ansehen; ist'S also nicht natürlich / daß er auch das Schulhalten nur als eine Mben-Bkschäfttgung ansieht/ und sich etwas anderm vorzüglich widmet/ das ihn und die Seinen vor Hunger und Mangel schützt? Wie mancher Schulmann vernachläßiget überdieß feine Pflichten so sehr: daß er während den Unterrichtsstunden entweder Lohnarbeiten versieht / oder Bücher liest / oder kleinen Kindern abwartet/ oder ganze halbe Stunden lang aus der Schulstube weggeht und so den Unterricht vernachläßiget/ und die Kinder sich selbst/ d. i. der größten Ausgelassenheit überläßt? Die meisten dieser Fehler bemerkt man vorzüglich da am meiste»/ wo das Schulhalten mit hemPfarrdienst zugleich verbunden, und selbiges also ebenfalls dem Pfarrer übertragen ist, wie z. B. ark einigen Orten des ehemaligen Glarncrlands, wobey Man gewiß meistens sagen muß: Man kann unmöglich zweyen Herren dienen! — Und endlich eine sehr große Klasse unserer Land- ! Echullchrer, besteht sie nicht aus solchen Männern, die deswegen Schul halten, weil sie sonst nichts verdienen könnten? Aus Invaliden, Taglöhnern, verarmten Handwerkern, ausgedienten Domestiken rc» Männer, denen es nicht nur an Kenntnissen, sondern gar oft noch an guten Sitten fehlt? — Und diese verdrängten nicht selten die verdienstvollern Schulmänner, indem sie sich dieses gar rechenden jM einnehmenden Mittels bedienten, den GeMeinds- vorgesetzten einen niedrem Schullohn als jene vorzuschlagen, das gewöhnlich immer den Sieg über jene tzerschafte! — III. Was läßt sich nun aus obigem allem für einen Schluß auf die innere Einrichtung det Meisten niedern Schulen der Schweiß machen? Dw größte Zahl der Schullehrer ist nicht nur ' Meist unwissend in dem, was sie hauptsächlich wiffM ! C - - 36 sollte, sondern sie haben auch zugleich gar keinen Begriff von der Art (Methode) ru unterrichten; keinen Begriff, wie man ohne unaufhörliches Schlagen und Schelten Ordnung in der Schule erhalten könne. Man darf dieß von ihnen mit Billigkeit auch nicht einmal erwarten! Sie hatten keine Gelegenheit sich zum Kinder-Unterricht gehörig vorzubereiten. An solche Erziehungsanstalten: zur Bildung künftiger Schukehrer war vorher in der Schweitz nur nicht zu denken! — Ein Schneider, Schuhmacher und Becker mußte freylich lernen Kleider und Schuhe machen, und Brod backen; aber die ersten Fähigkeiten der Kinder ru entwickeln, zu bilden und ru üben, und eben dadurch den Grund ru ihrer künftigen Brauchbarkeit in der Gesellschaft und zu ihrem eignen Besten zu legen, das brauchte man nicht ru lernen! wie sah's daher in unstrn meisten Schulen aus? Kaum öffnete man die Schulstube, so drängte sich jedem ein niederschlagender Dampf aus derselben entgegen. Der Raum der Schulstube ist oft nach der Anzahl der Kinder ru klein, und wird nicht selten noch ausser diesen von der ganzen Familie des Schulmanns bewohnt. Dicht auf einander gepreßt, in gemeinhin engen dunkeln Gemächern, sitzt da der größte Schatz unsers Landes, die frohe heitere Jugend, rmS athmet/ ruin Verderben seiner Gesundheit/ dicke erhitzte faule Dünste ein. Die Stube wird nicht fleißig genug durchlüftet/ und oft im Winter rum unsinnig werden gehcitzt; und so möchte man gerne wieder umkehren / ehe man nur recht hineingetretten ist: und nun in einer solchen fürchterlichen Lage müssen unsere lieben Kleinen s und 3 Stunden lang an einem fort verbleiben! Es ist zwar freylich wahr/ daß sich die Kinder unter natürlichen Vorwänden zu drey bis vieren weise 'hinausschlerchen und oft ganze Viertelstunden lange bey einander verweilen / ohne in die Schule zurück- zukehren; allein dieß gehört geradem unter die schädlichen und unsittlichen Mißbrauche, indem die Kinder alsdann nur zu oft die größten Unarten begehen , ohne deßwegen vom Lehrer aufgesucht oder zur Verantwortung gezogen zu werden. Die Schule wird gewöhnlich mit einem Gebet angefangen und vollendet, das oft nicht einmal der Schulmeister, geschweige seine Schüler, verstehen. So bediente sich lange Zeit einer meiner ehemaligen Gemeindsschulmeister des Schulgebets, das in einer alten Ausgabe des Zürcher Catechismus steht, welches er wörtlich vorlas, und also auch mit seinen Kindern täglich für unsere liebe Stadt und Land betete, obwohl im Glamerland niemals keine Stadt anzutreffen zb war; — Wahrend dem Beten geht das eine hinaus, das andere kommt, und steigt über- die Tische an seinen Platz hin, ohne daß sich der Beter in seiner Andacht stöhren ließe, ausgenommen daß man ihn bisweilen, wann's zu bunt wird, ein fürchterliches: Buben , still; von sich kreischen, und dann wieder in einem Athem forrbeten hört! — Die Theilung der Kinder in Classen, und daS so sehr empfehlenswürdige Zusammenleimen einer jeden Classe sucht man an den meisten Orten vergebens. — Weil diese Einrichtung fehlt, so beschäftigt der Lehrer nur ein Kind nach dem andern, und wahrend dieser Zeit fitzen aste andern müßig; sogar die kleinen A B C Schüler müssen eben so viele Stunden in der Schule schmachten und ausharren, als die größern, da man sie im Anfang ihres Schul» gehens nicht langer als täglich ein paar Stunden in der Schule behalten sollte, um ihnen die Schule nicht gleich im Anfang in ein Zuchthaus zu verwandeln; in ihnen dadurch nicht alle Liebe zum Schulbesuch zu ersticken; durch sie nicht die größere Zahl zu versäumen , und sie nicht recht methodisch mit Müßiggang ihre Zeit tödten zu lehren. Der obige Fehler ist um so unverzeihlicher, da in so gar vielen Schulen die übergroße Anzahl der Lehrlinge mit den Kräften des Lehrers in einem nicht günstigen Verhältniß steht. Zy Cs ist so gar nichts seltenes, daß man in einer einzigen Schule 8s, roo bis iZo Kinder versammelt sehen kann, welche alle, trotz der unendlichen Verschiedenheit threrJahre,Umstände,Fähigkeiten und Bedürfnisse von einem Manne bearbeitet und gebildet seyn wollen. Sey ein solcher Mann auch immerhin der thätigste und gewissenhafteste Lehrer, er ist doch nur Ein Mann, und er kann sich bey der obigen fehlerhaften Methode nur einige Minuten mit einem Kinde abgeben. Daß sie in der müßigen Zeit nicht still sitzen, und manche Unarten begehen, ist bey dieser Methode sehr natürlich. Auch die verschiedenen Lehrgegenstande sind nicht rn gewisse Lehrstundm eingetheilt; jedes kann entweder lesen, oder schreiben, oder was es will, thun, wenn's nur lernt, wie der Schulmeister sagen Mag. — Da in der Schule alles laut hergehen darf, so entsteht, wenn viele halb oder ganz laut nachlesen und lernen, andere plaudern und schackern, wieder andere Besuche bey andern Bänken geben, ein so betäubendes Geräusch, daß der Kopf des Lehrers nachtheiligst davon angegriffen, die Aufmerksamen Und Fleißigen gestört, und Ordnung und Sittlichkeit in Grunde gerichtet werden muß. Ich kenne einen Schulmeister, dessen Schule hierum so eingerichtet / ist, daß er den Fleiß seiner Kinder an dem lermenden j Getöse erkennt; Kinder! warum schon wieder so still? lernet! lernet! hört man ihn nicht selten rufen; und groß ist die Zahl seiner Collegen. — Das Aeussere vieler Kinder ist wahrhaft eckelbaft. Ob sie gewaschene Hände und Angesichter haben, oder ob diese von Dinte und andern Unreinigkciten voll seyen, darüber halt der Schulmeister keine Aufsicht; so wie auch alle Tische, Bänke, Bücher und Schriften von Dintenflecken überall strotzen. Auch das eckelhafte Schmutzen in die Jacken, in die Schürzen oder in die bloßen Finger sucht man ihnen selten abzugewöhnen. i Die Knaben behalten nicht nur ihre Mützen wahrend der Lehrzeit immer auf dem Kopf, sondern dürfen ihre Jacken abziehen, rur Winterszeit ihre Schuhe auf dem Ofen dörren, oder gar auf dem Ofen sitzend lernen. Eine Tafel mit den wichtigsten Schulgesetzen ziert zwar eine jede gute Schule; aber weil die meisten der unsern diesen Namen nicht verdienen, so fragt man nach einer solchen Tafel vergebens. Die einzigen Gegenstände, die den Kindern in der Schule beygebracht werden, ist schlecht lesen und schreiben, und Anfüllung des Gedächtnisses mit allerley un - und übelverstandenen Religionslehren. Im Buchstabieren und Lesen ist keine vorgeschrik bene Lehrart; jeder treibt's daher gewöhnlich nach dem allerältesten Schlendrian, und die meisten wissen noch gar nichts davon, daß die Buchstaben auf mancherley Art, und besonders auch an einer schwarten Tafel mit Kreide angeschrieben, sich leichter den Kindern beybringen lassen, als durch das immerwährende mühsame Hersagen derselben aus dem ABC Buch. Der Schulmeister sagt den Kindern die Buchstaben, so wie sie der Reihe nach in dem Buche stehen, ein- oder rweymal vor; sodann sitzen die armen Kinder Stunden lang mit ihrer Fibel in der Hand da, gaffen die Buchstaben an oder sehen darüber weg, bis es dem Lehrer gefällig ist, die Kinder zu prüfen, ob sie die Buchstaben gut hecbeten können, wobey es dann, da es natürlich oft mit den Kindern nicht fort will, an Schelten und Schlagen nicht fehlt., Die Buchstabierenden schreyen ihr sinnloses ab, eb, ib, be, bi her, und wenn sie lesen, so wird das Richtige und Angenehme dabey völlig übersehen. — Sehr häufig trifft man einen elenden, widerlich singenden, holprichten Leseton an. Man glaubt, wenn jedes Wort richtig oder ohne Fehler ausgesprochen wird, und das Kind eine Fertigkeit darinn hat, so seye damit genug geschehen. Ob nach dem Unterscheidungszeichen mit gehöriger Absetzung und Abwechslung der Stimme, nicht zu schnell, nicht eintönig oder mit garstiger Dehnung gelesen werde, darnach fragt man nicht viel, weil der Lehrer gar »ft selbst nicht besser zu lesen versteht. — So müssen unsere lieben muntern Kleinen am Gängelbande des alten Schlendrians zuerst durch die dürren und öden Wüsten des magern AB C, wo so selten ein labender Anblick, und vielleicht nicht einmal das freundliche Zureden ihres Führers sie zur Fortsetzung des beschwerlichen Wegs stärkt, mühsam hindurchgeschleppt werden, und wenn man dieselben noch eine eben so geraume Zeit mit dem höchst langweiligen, unnützen und schädlichen Buchstabieren sinnloser Silben und übelgewählter Wörter gemartert hat, so bringt man sie endlich nach vielen überstandenen Mühseligkeiten glücklich auf die erste Stuffe der gewöhnlichen Schul- vvllkommenhcit, zum — stümperhaften Zusammlesen! An vielen Orten hat man keine eigens eingeführte Schul- oder Lesebüchelchen; ein Kind lernt daher im Zürcherischen Lehrmeister, ein 2 tes im geistlichen Opfer, ein Ztes im Wegweiser, ein 4 tes in der Milchspeise, ein Ztes in der Hirttasche Davids, ein 6tes in Rambachs Passionsbetrachtungen, ein ytes im neuen Testament, ein 8tes im Psalter, ein ytes in einer Zeitung u. s. w. —. In einem einzigen Vormittag lernt dann ein 43 fähige? Kiich oft seine 6 bis 8 Seiten; hört dasselbe per Schulmeister ab, so wird's dem Kind selbst allzu langweilig; es überhüpft daher öfters ganze Paragraphen oder Satze, das jener unter dem schreyenden Gelerm der übrigen Schulkinder nicht bemerkt, zufrieden, wenn sein Lehrling das Gelernte nur recht schnell davon schnatterte, und alsdann bey Hause erzählt: Heut habe ich wieder 8 Seiten gelernt! Daß man jene nützliche Lesemethode hier vergeben? sucht, welche darinn besteht: daß der Lehrer eine jede Classe, welche gleiche Lesebücher hat, zusammen auf einmal abhört; eines nach dem andern der Reihe nach bis zu einem Strichpunkt oder Punkt zum Lesen anhält, und erst nachdem das Gelernte zwey oder dreymal durchgehen ist, die Bücher beschlieffen laßt und sich alsdann mit seinen Kindern über das Gelesene unterhält; versteht sich nach obigem von selbst.— Hier fällt mir ein, was C. R. Fischer, im 2ten Bändchen des deutschen Schulfreunds S. 9z. sagt: »»Bey einem schlechten Schulbuch und einem guten Lehrer, geht der Fall noch an; denn wer die rechte Kunst versteht, kann^aus allem alles machen. Ein gutes Lesebuch und ein schlechter Lehrer das ist schon ein schlimmer Fall; denn der schlechte Lehrer rieht und zerrt so lange am Buch, bis es seinem eignen Bild ähnlich wird; doch kann das 44 Buch dem Lernbegierigen, wenn seine Vernunft durch irgend einen zufälligen Stoß geweckt wird, jemwcilen durch sich selbst gute Dienste thun, und ihn auf besi ftre Gedanken bringen. Aber ein schlechtes Lehrbuch j und ein schlechter Lehrer das ist der allerschlimmste ^ Fall von allen, wie von sich selbst ganz sonnenklar > in dre Augen springt. Jeder vernünftige Mensch j muß also dazu beytragen, so viel in seinen Kräften sieht, daß dieser Fall von Tag zu Tag unmöglicher werde!" — Viele Schulmeister schreiben zwar eine gute, deutliche, und manche eine schöne Hand; allein was das orthographische, d. h. das correkt ( richtig ) oder nicht falsch Schreiben anbetrifft, so fehlt es darin» den meisten an der gehörigen Kenntniß; so wie überhaupt der Unterricht im Schreiben noch sehr unvollkommen und mangelhaft ist. Man lehrt die Kinder die Buchstaben gewöhnlich nach der Reihe schreiben, ohne den Anfang damit zu machen, daß man von den leichtern und Grund-Buchstaben zu den schwerern übergeht. Auf die Haltung des Körpers, der Feder und des Papiers wird selten einige Rücksicht genommen. Die Dintengefasse nebst der Dinte werden an den meisten Orten nicht vom Lehrer angeschafft, und bleiben daher nicht in der Schule stehen. Jedes 45 Kind bringt also beydes lnit sich, wobey oft nicht nur ganz unbrauchbare Dinre in die Schule kömmt, sondern die Gefasst dazu bestehen entweder in einem hohen Medicinenglaschen, in da- die Feder kaum hineingeht, und woran- sie immer bis zur Hälfte mit Dinte befleckt, zurückgezogen wird; oder in einem Salbnapfchen; bald in einer Beckenscherbe, bald in einer ausgehöhlten Nußschale u. dgl. Diese alle können sehr leicht umgestoßen werden, und beflecken auf diese Art an jedem Schultag, mehr oder weniger, Tische, Schriften und Kleider. Weil die Kinder nicht angehalten werden, eigene Dintenlümpchen mitzubringen, so wischen sie ihre Federn oder Finger am ersten besten Kleidungsstücke ab. Die Vorschriften, welche die Kinder abschreiben müssen, haben nicht nur oben dran 3 oder 4 Fraktur und Canrley Linien, welche sie Jahr aus und ein auf die zweckloseste Art nachkritzlen müssen, und die oft 6 - 8 Jahr alt sind; sondern enthalten oft höchst unschickliche, dumme und unverständliche Sachen, anstatt daß sie ans schönen Lieder-Versen, Sitten- sprüchen und Sprüchwörtern, kurzen Erzählungen aus der Naturgeschichte oder aus dem gemeinen Leben, kleinen Briefen rc. bestehen sollten. So sah ich vor etwas Zerr in einer katholischen Schule lange - 46 «ach der Fastenzeit eine Vorschrift abschreiben, dkk mit folgenden Worten anfieng ; „ Fange die heil- Fastenzeit mit Gott an; verläugne dich selbst, und nimm dein Kreuz auf dich! rc. :c." — Was kann doch wohl ein Rind von solchen Dingen begreiffenst Da die Vorschriften unter den Kindern nicht von Zeit zu Zeit verwechselt, sondern oft viele Monate nacheinander vorn gleichen Kind abgeschrieben werden müssen, so prägt es dieselbe in kurzer Zeit seinem Gedächtnisse ein, und schreibt sie nachher jedesmal auswendig hin, ohne sich um seine Vorschrift das Mindeste mehr zu bekümmern. Nur selten trifft man einen Lehrer an, der seine« fähigern Schreibe-Schülern wöchentlich etwas in dis Feder diktierte, es ihnen nachher korrigierte oder verbesserte, und sie dasselbe alsdann in eine Schrift rein abschreiben ließe. Alles schreiben die Kinder meistens auf einzelne oder nur halbe Bogen, die sie nach Willkühr wieder zerreißen, daher eigne Schreibebücher in wenigen Schulen eingeführt sind. Weil der Lehrer selber nicht korrekt schreibt, s» wird den Kindern ihr Geschriebenes auch nicht verbessert , so daß dasselbe gewöhnlich nichts anders als eine sinnlose Mahlerey bleibt. An praktischer Anleitung ru rechtem Gebrauch der 47 erlernten Fertigkeit im Schreiben mangelt es noch m sehr oder fast durchgängig: daher kommt es, daß Landleute, die wohl eine vorgelegte Handschrift ab» schreiben können, doch keinen Brief, keine ordentliche Quittung, ja keinen einzigen zusammenhangender! Perioden zu schreiben im Stande sind, oder wem! sie dergleichen versuchen, es doch so übel, so unzusammenhängend, und ohne alle oder mit Unrecht gesetzten Unterscheidungszeichen gerath, daß dir Zeit beynahe für völlig verloren anzusehen ist, dir sie auf die Erlernung des Schreibens verwandt haben. Das Gedächtniß wird zwar überall mehr oder weniger geübt, allein durchaus maschinenmäßig. Höchst selten denkt der Lehrer daran, die Kinder das ru Lernende zuerst recht lesen und verstehen zu lehren; so wie es ihm ebenfalls ganz gleichgültig ist, ob das, was die Jugend auswendig lernen muß, gut gewählt nnd für sie paffend sey oder nicht. — Gewöhnlich muß der Catechismus und an vielen Orten der Psalter Davids im ersten Schuljahre ausgelernt seyn, und dieß geschieht alsdann so Sinn- nnd Gedankenlos , daß sie öfters kein Wort davon verstehen,-' ganze Sätze überhüpfen, und ganz andere Worte, als im Buche stehen, dazwischen einschieben. Wie so ganr ohne Neberlegung, ohne alles Nachdenken, nnd wie wenig gründlich die Schulkinder das alles lernen, 48 j davon zeugt der seelenlose Ton, mit dem sie ihr i Pensum, mit gefalteten Händen beym Aufsagen, ' herleyern; davon zeugt auch die plötzliche Vermin rung, in welche sie bey einer oft nur geringen Aehnlichkeit mancher Ausdrücke in verschiedenen Abschnitten des Catechismus gerathen, und die Leichtigkeit, mit welcher sie beym Aufsagen z. B. aus dem 4ten in das iote Gebot rc. überschweiffen, ohne den verfehlten richtigen Weg trotz aller angewandten Mühe des Lehrers sogleich wieder finden ru können. Der Schade hievon kann nicht hoch genug berechnet werden! Gelangen die Kinder zu reiferm Alter, wo man den Religionsunterricht nach Anleitung des Catechismus mit ihnen durchgeht, so sind sie an Gedankenlosigkeit schon allzusehr gewöhnt, und man sich mit großer Mühe einzig damit helfen kann, wenn man ein anders Religionsbuch zum Grunde legt. — Der Beyspiele von obiger höchst verdorbenen Methode kenne ich, leider! so viele, daß ich von der Allgemeinheit dieses Falls nur gar zu sehr überzeugt bin. — Ich erinnere mich einer Schule, worinn ! man noch vor einem Jahre die fähigern Schulkinder Hübners biblische Historien wörtlich auswendig lernen i ließ! Möchte man da nicht mit dem edeln Nochow seufzen: ,,O Papagayenthum! wie lange wird dem Regiment auf Erde noch dauern!!" — Endlich 4Y Endlich ward die Bildung des Charakters üirv der Sitten der Kinder in den Schulen bis dahin völlig vernachlässiget. Campens Sittenbüchlein für Kinder/ Rochow's Kinderfreund/ Rosenmüllers erster Unterricht in der Religion sind nicht nur vast gant Unbekannte Kinderschriften in den Schulen/ sondern auch die bisherige Behandlungsart der Kinder in An> sehung der Belohnungen und der Strafen war höchst zweckwidrig und verwerflich. Gewiß ist dieß eine der Hauptursachen, warum sich die Nohigkeit noch unter so vielen Landleuten immer fortpflanzt! — Formeln lernen sie/ lange Catechismusantworten, die richtiger Und deutlicher niedergeschrieben / gehörig verstanden, und mit Liebe und Ueberzeugung gelehrt, ihre noch eines jeden Eindrucks fähige Herzen veredle», und nie ganz vertilgbare Eindrücke zurücklassen würden; sie lernen sie unter den peinlichsten Umständen/ unter der sklavischsten Behandlung blos auswendig herplap- xern — darf man sich also wundern / wenn so hart und sklavisch sie in der Schule behandelt wurden, sie gerade auch so gegen ihre Mitmenschen bandeln? Zur aufrichtigen Liebe gegen alle Menschen ohne Unterschied des Standes/ Äolks, der Religion und des änffern Glücks werden sie nicht angeführt — was kann ihnen also Beförderung des Menschengläcks W' Pflicht, und die Erfüllung dieser Pflicht leicht «M D angenehm machen? Vom Vaterlande hören sie nichts — woraus soll denn Vaterlandsliebe in der Folge bey ihnen emporkamen? Eben so wenig werden ihnen, nach dem gewöhnlichen Schulunterricht Eintracht, Offenheit, Wahrhaftigkeit, Uneigennür- rigkeit, Arbeitsamkeit, Treue u. a. m. eingeflößt; unbekannt mit diesen Tugenden tritt nun der junge Bürger in die Welt — zieht selbst aus einem solchen Verfahren die Folgen für das allgemeine Wohl, ihr Nachdenkenden! — Durch das gewöhnlich finstere Aussehen des Lehrers, dem Kummer, Verdruß, oder Verlegenheit das Gesicht verzerrt; durch den Anblick seines langen Stocks oder einer Ruthe neben seinem furchtbaren Sitze, wodurch er alle kindliche Liebe aus ihrem Herzen verscheucht, wird die Schule den Kindern auch für ihr Gemüthe höchst nachtheilig. — Der Stock, das Schlagen auf den Kopf und in's Gesicht, das Herumreißen an den Haaren, woraus nicht selten die nachtheiligsten Folgen für die Gesundheit des Kinds, das so mißhandelt wird, entstehen; ein leidenschaftliches wüthendes Schimpfen, und oft gar » Fluchen über die Kinder ist die gewöhnlichste Be- strafungsart der Landschullehrer. Man erzieht die Kinder durch Prügel; macht sich, statt ein Vater ru seyn, rum Zuchtknecht; erzeugt dadurch eine knech- — Attische Furcht in den Kindern; macht auf diese Weise einen Theil der Kinder verstockt, einen andern Theil feig, niedergeschlagen und furchtsam — allen Kindern aber die Schule zum Zuchthaus!! — Wo dieß aber nicht ist, da findet der entgegengesetzte Fehler statt/ nämlich daß der Lehrer gar keine Strafmittel anwendet, und den Kindern ungehindert offenen Spielraum für alle mögliche Unarten und Thorheiten gestattet. Diese sündliche Methode ist überall häufig, und vorzüglich in denjenigen Gemeinden anzutreffen, wo mehrere Schulmeister in Einer Gemeinde gehalten werden, und wo es den Eltern frey steht, ihre Kinder in welche Schule sie wollen, zu schicken. Gewöhnlich wird alsdann dek Unfähigste und Schlechteste darunter zu dieser gewissenlosen Niederträchtigkeit seine Zuflucht nehmen, den Kindern alle Unarten zu gestatten, ihnen zu schmeichle», und dadurch viele schwache Eltern zu blenden, daß ihm dennoch eine ziemliche Anzahl Schüler zu Theil wird! — Endlich trifft man hie und da traurige Beyspiele davon an: daß die Lehrer sich der Parteylichkeit schuldig machen, unerbittlich strenge gegen die Armen, und sträflich nachsichtig gegen die Reichen sind. Und doch ist nichts entehrenders für einen Schulmeister, als wenn er lächelt und Muthwil! «rO D 2 küderlichkeit der Kinder übersieht, sobald ihre Wem die milde Hand gegen ihn aufgethan haben, und hingegen grausam gegen das arme Kind ist, dessen Eltern nichts hatten, womit sie den Eifer des Geizhalses stillen konnten! — Doch es ist Zeit, daß ich den Vorhang über dieses finstere Gemählde fallen lasse. Jawohl! ich habe so eben eine scheußliche und entehrende, aber bey der gewissenhaftesten Prüfung und strengsten tteberlegung muß ich hinzusetzen, leider! nur allzu getreue und wahrhafte Schilderung unsers Schulru- standes entworfen; eine Schilderung, wozu die Urbilder beynahe in einem jeden Distrikt der Schweitz aufzufinden waren! — Wie höchst bedürftig sind daher unsere Schulen der Verbesserung! — Schulverbesserungen — O! ein edler vernünftiger Zweck, und zu jedem vernünftigen Zweck wird man gewiß auch Mittel finden! Verehrungswürdige Collegen! wir sind heute gerade in der Absicht hier versammelt, um diese Mittel gemeinschaftlich miteinander aufzusuchen, zu ordnen und sobald als möglich auf unsere Primärschulen anzuwenden. Erlauben sie mir daher gütigst einige Vorschlage über dieses höchstwichtige Thema: was wir Erziehungs-Räthe in unserer 33 jetzigen Lage, und bev unsern noch so schwankenden Verhältnissen in Ansehung der niedern und Land-Schulen unsers RanronZ zuallererst für Verbesserungen treffen könnten und sollten? Ihrer nähern Prüfung vorzulegen. — Sie erhalten zwar von mir nichts anders als allgemein bekannte, schon hundertmal gewiß viel schöner und besser gesagte Vorschlage; allein das traurige Gemälde, das ich so eben über den erbärmlichen Zustand unserer Schulen entwerfen mußte, macht uns zuerst die allergemeinsten und einfachsten Verbesserungen zur Pfln.)t, und ich würde schon darinn einige meiner heißesten Wünsche erfüllt sehen, wenn wir unsere Landschulen im Anfange auch nur auf die unterste Stuffe der Vollkommenheit erhoben hätten. In wie fern und unter welchen Modifikationen Nachstehendes unsern Umständen angepaßt werden könne, darüber mögen Ihre weit klügern Einsichten und Erfahrungen entscheiden! Es ist, leider! nur allzuwahr, daß alles Lehrend in Kirchen ungeachtet, im Ganzen genommen doch nur ein geringes Maas von Licht und heilsamer Erkenntniß unter den niedern Volksklaffen ausgebreitet ist, und daß Unwissenheit, Aberglaube und Sittenrohigkeit unter dem großen Haufen unsere? Mitbürger immer noch ihre alten verjährten Rechte behaupten. — Die Hauptursache dieser traurigen Erscheinung liegt unstreitig in dem höchst dürftigen und mangelhaften Unterricht, den die Jugend der niedern Stande bis dahin in unsern meisten Schulen empsieng. — Gewiß es ist ewig wahr, die Hoffnung einer bessern Zukunft blüht nur in Schulen — nur in Veredlung der Menschen auf! — Selbst der beste Unterricht in der Religion und in den Sitten nützt da wenig, wo der Schulunterricht nichts taugte. Vleibt's in der Schule bey dem gewöhnlichen erbärmlichen Schlendrian, daß die Kinder mechanisch oder halb unrichtig lesen, etwa hundert unverständliche, schwere, in hergebrachter Systemsprache abgefaßte Catechismusfragen Sinn - und Gedankenlos auswendig dahersagen, und — statt zu beten — nur hölzerne Gebetsformeln, von denen sie durchaus nichts verstehen, mit heulender Stimme daher zu plappern angehalten werden, so ist an Fassung des eatechetischen Unterrichts nur bey Wenigen und an Verstehen der Predigten bey noch Wenigem zu denken. Die Kinder müssen in der Schule rur Aufmerksamkeit und zum richtigen Begreifen dessen, was sie gelernt haben, angewiesen werden. Ohne Aufmerken und Fassen — sagt Ewald — findet 55 schlechterdings kein Unterricht, und noch weniger Religionsunterricht statt. Die Elster, die etwa Gott, Christus, Seligkeit oder dergleichen Wörter herzuplaudern gelernt hatte, hat darum, wahrlich! noch keine Kenntniß von Gott, und Christus und Seligkeit. Und das Kind, das lauter unverstandene Eatechismus - Fragen auswendig daher schwatzt, unterscheidet sich von der Elster nur durch seine geschmeidigern Sprachwerkzeuge und durch sein besseres Gedächtniß. — Soll aber der Schulunterricht unserer Jugend besser und zweckmäßiger werden, so muß zuallererst für immer bessere und zweckmäßigere Anweisung derjenigen gesorgt werden, deren Händen die so wichtige erste Iugendbildung beym Volke anvertraut ist. Lehrer in den Schulen sind einiger Maaßen für den Verstand und das Herz der Kinder das, was der Bearbeiter des Ackers für denselben ist. Je nachdem dieser sein Land tief oder flach pflügt, den Wachsthum des Unkrauts hindert oder nicht, nachdem wird auch der Saame Früchte bringen; streut er auf diese Weise guten Saamen aus, so darf er eine reiche Erndte der besten Früchte erwarten. So wird auch dann erst wahre Aufklärung mehr allgemeiner werden können, wenn man eifriger für dieselbe sorgt, — Z6 — und den Verstand der Kinder in den Schulen dafür empfänglich ru machen sucht. Ich glaube alle Arten der bis daherigen verschiedenen Schu"ehrer lassen sich sehr leicht, in nachstehende 4 Classen eintheilen Die ifte Classe besteht aus alten im Schulstaub grau gewordenen, die mit unglaublicher Anhänglichkeit ihren alten wohlhergebrachten Lehren und Lehrfvrmen ergeben sind, und äusserst selten eines bessern belehrt Werden können. Die ate Classe besteht aus Leuten, die, wenn fie auch eine bessere Methode kennen lernen könnten, selbige aus Stolz oder aus Trägheit nicht erlernen wollen. Das kräftigste Mittel, diese zu bekehren, wäre vielleicht gegründete Furcht, seine Stelle ru verlieren und entsetzt zu werden. Die Zte Classe umfasset Leute, die einen guten Willen hätten, gerne recht viel Gutes stiften möchten, aber nicht können, weil sie es nicht lernten, und von einer vernünftigen Methode gar keinen Begriff haben. Wenn man sich einiger Maaßen Mühe giebt, diesen fortzuhelfen, sie des bessern ru belehren, so würden sie höchst nützliche und verdienstvolle Schulmänner werden. — Die 4te Classe besteht endlich aus einigen wenigen edlen und gemeinnützigen Männern, die das wurklich 5 ? — sind, was sie seyn sollten; denen daher die große Veränderung im schweizerischen Schulwesen höchst erwünscht und angenehm ist, und die nichts mehr als größere Aufmunterung und reichlichere Belohnung als bis dahin bedürfen. — Diese machen, leider! weit die geringste Anzahl aus, und wie wäre es bii dabin änderst möglich gewesen, da der Stand der Lehrer gleichsam unbemerkt, unbelohnt, verachtet, und gar nicht in dem Ansehen stund, welches dieser verdienstvolle Stand so ganz verdiente; da man bey der Besetzung der Schullehrerstellen durchaus nicht daran dachte, daß man nothwendig zuerst selbst etwas gelernt haben müsse, ehe man andere lehren könne, und einem jeden, der sich dazu anmeldete, und kaum etwas lesen und kritzeln konnte, wenn er nur recht wenig Schullohn forderte, ganzer Gemeinden größten Schatz — ihre Kinder — leichtsinnig anvertraute, durchaus nach der gleichen Methode, die schon vor 2vc> Jahren üblich war. Bey unserer gegenwärtigen Verfassung verlangt man allerdings von einem Lehrer auch der untern oder Primär-Schulen weit mehr als ehmals, und dieß mit Recht. Denn da die Cultur des Menschen, d. h. seine Geistes - und Verstandes - Ausbildung offenbar höher, als sie vor 200 Jahren war, gestiegen , da die Nothwendigkeit eines zweckmäßigen Z8 Schulunterrichts mehr erkennt und beherzigt worden ist, als ehemals, und da man bessere und der Entwicklung der menschlichen Seelenkrafte angemessenere Unterrichtsmethoden erfunden und eingeführt, und einsehen gelernt hat, daß rur Bildung und Veredlung des Menschen nicht bloß maschinenmäßiges Lesen und hirnlose Gedächtnißübungen hinreichen, sondern Uebung der Verstandeskräfte, Erwerbung gemeinnütziger Kenntnisse und Beförderung der Moralität unentbehrlich sind, so ist es einleuchtend, daß man in unsern jetzigen Zeiten und bey den jetzigen Hülfsmitteln von den Schullehrern mit Recht mehr, als vor 2O2 Jahren fordern und erwarten könne. Mein nun entsteht die Frage: wie sotten wir es angreiffen, um eine solche Wiedergeburt unserer Schullehrer zu Stande zu bringen, ohnehin, da es uns in unserer jetzigen Lage noch an so vielein hierzu erforderlichen, und namentlich — was eine Hauptsache ist — an Fonds zu wesentlichen Verbesserungen der Schullehrer-Gehalte mangelt? Wohl uns, wenn wir hierin» bey dieser unserer kleinen Schöpfung die weisen Gesetze und Einrichtungen immer vor Augen haben und befolgen, die der Allvater, als er die unübersehbare Reihe der Wesen ordnete, in der Natur dem Menschen zur Nachahmung aufstellte. Die Natur übereilt nichts. Sie würkt langsam, aber dafür auch desto sicherer, desto wohlthätiger, und sie verfehlt nie ihr Ziel. Erst schafft sie schwachen Schimmer in Osten, dann Dämmerung, dann Morgenröthe, dann Sonnenaufgang, und endlich Helles, allgemein verbreitetes und allgemein belebendes Tageslicht. — Große, nur allzusehr verkannte Wahrheit! — Wenn wir unsere Schulserbesserungen nach diesem Maaßstabe anfangen und fortsetzen, so werden wir unsern Endzweck, obschon nur nach und nach, zuletzt gewiß erreichen. Die Blüthen werden Früchte, reife Früchte bringen. — Wir müssen daher auf unsere Schulmeister unausgesetzt, aber so unmerklich und so wenig Aufsehen erregend, als möglich, ru würken suchen; wir müssen sie durch unsere Schnl- Jnspektoren unaufhörlich auf neue Gegenstände hinführen, aber bey dem leichtesten anfangen, damit, sie Muth zum Schwerern erhalten. Wir müssen ihnen im Anfange nur einzelne Theile, nie das Ganze einhändigen; vor dem letztem würden sie, als vor etwas ihnen unmöglichem muthlos zurücksehen.— Allein, so vorsichtig und bedachtsam wir in der Auswahl dessen, was wir von unsern Schullehrem fordern wollen, ru Werke gehen müssen, so sollen wir alsdann auf der andern Seite nicht in den Fehler so vieler Regierungen verfallen, lie schöne Gesetze — 62 — machen, aber sich um die Handhabung derselben nichts bekümmern; sondern wir sollen vorzüglich gleich im Anfang mit der strengsten Pünktlichkeit über der wirklichen Ausführung dessen, was uns nützlich, nöthig und ausführbar scheint, wachen und denjenigen, der denselben aus Trägheit, Vorurthei- len oder Bosheit entgegenarbeitet, das volle Maaß unsers gerechten Abscheu's fühlen lassen; so wie wir hingegen diejenigen Schmlehrer, welche unsern Wünschen am Besten entsprechen, auch vorzüglich zu begünstigen und zu belohnen suchen werden. Zu dem Ende schlage ich in unserer jetzigen Lage zuallererst vor, unsern Schullehrern nachstehende kurze Anleitung zu nützlicherer und zweckmäßigerer Verwaltung ihres Amts gedruckt einzuhändigen, und sie zur Einrichtung ihrer Schulen nach diesem ersten Grrmdris Nachdruck- samst aufzufordern. Erste Anleitung für die sämtlichen Schul- lehrer der niedern und Land-Schulen des Kantons Säntis, zu nützlicherer und zweckmäßigererVerwaltungihresAmts.*) Was den Schullehrer selbst betrifft. I. ^5eder Schullehrer muß zuallererst von der Wichtigkeit seines Amtes lebhaft überzeugt seyn; dann wann der Mensch das edelste und vorzüglichste Geschöpf ist, so muß auch Menschen - Erziehung daS edelste und vorzüglichste Geschäft seyn. So oft er daher in seine Schule zu seinen lieben Kindern geht, so denke er: er trette in eine Gesellschaft der edelsten, reinsten, unverdorbensten und unschuldigsten Geschöpfe ; so stelle er sich vor: daß einst diese Kinder an die Stelle ihrer verstorbenen Eltern tretken werden ; daß sie bestimmt sind, das Vaterland und sich selbst zu beglücken, und in einer andern Welt selig fortzudauern. Dieß wird ihn zuverlaßig behutsam machen, diese zarten Pflanzen in Gottes Garten *) Diese erste Anleitung für Schullehrer, welche zuerst von einer Commission gevrüft und in einigem verbessert, auf Ließ hin aber vom ganzen Erziehungsrathe gutgeheiffen wurde, ward im Namen desselben einzeln abgedruckt, und jedem Schullehrer unsers Kantons als Vorschrift des Er« ziehunqsraths, nach der er künftig seine Schule einrichten soll, eingehändigt. LU schätzen , ihnen mir Sanftmulh und Geduld zu warte»/ und Sorge zu tragen, daß er keine aus blindem Eifer oder Unachtsamkeit zertrette oder verwahrlose; so wie er ihn gewiß jedesmal vor dem Anfange seiner Schule antreiben wird, den beste» Vater im Himmel um Segen rn seinen Arbeiten tu erflehen. II. ES wird bey ihme Lust und Neigung zu diesem seinem wichtigen Berufe erfordert. Er wird daher nirgends lieber als in der Schule bey seinen Kindern seyn, und sich daselbst immer thätig und geschäftig erzeigen. Eine Eigenschaft, die bey einem jeden Berufe erfordert wird, wenn man nämlich demselben Ehre machen will. — Tue schwerste Arbeit kommt uns leicht vor, sobald wir sie mit Lust angreifen und fortsetzen. Und — was für eine Wirkung wird das nicht auf den Fleiß der Kinder haben, wenn sie sehen: daß der Lehrer so gerne um sie ist, daß er sich so eifrig für ihre Belehrung bemüht, daß er sich! öfters stellt, als wenn er selbst auch recht fleißig seyn, und umlernen wolle! — Ein Schullehrer, der dieß nicht in sich fühlt, möchte immerhin etwas anders, nur kein Schullehrer werden.— III. Er muß seinem Beruf mit Frohsinn und guter — 6z — Laune abwarten. Ist der Schullehrer aus wahrer Neigung ein Lehrer und Führer der Jugend geworden , kennt er den Werth und die Nützlichkeit seiner Amts, und ist es ihm viel werth, dazu von der Vorsehung bestimmt zu seyn, die Erkenntniß der Wahrheit unter Menschen, die vor andern Empfänglichkeit dafür haben, zu ihrer Beglückung zu befördern, so wird er auch stats mit Lust und Freude die Kinder unterrichten, mit unermüdeter Sorgfalt an ihnen arbeiten, und sich selbst und den Kindern die Schule höchst angenehm machen. Es ist nicht schwer, eine Schule, worin ein solcher frohsinniger Lehrer lehrt, an den offenen Gesichtern der Kinder zu erkennen, da hingegen in den Blicken derer, die von einem mürrischen Lehrer unterrichtet werden, Trübsinn und schiefe Charakterzüge sich zeigen.— Jeder Schullehrer bringe daher ja keine üble Laune mit sich in die Schule, und sieht es je finster in seinem Kopfe aus, so suche er sich zu erholen. ES ist gewiß nicht gut, wenn er unmuthig in die Schule geht! IV. Er muß bey seiner Amtsverwaltung unverdroßen seyn, und auf das Urtheil des großen Haufens wenig, bey allem aber auf den Beyfall Gottes, seiner Obern und des zwar kleinern, aber Heller denkenden Theils seiner Mitmenschen sehen. Wahr ist gewiß die Be- r merkung: „willst du nicht getadelt, nicht schief und Z unvernünftig beurtheilt werden, und kannst du es u nicht vertragen, daß man dich verkenne, so werde 2 ja nicht Schullehrer, oder du wirst verwelken, wie k die Blume des Felds. — Hast du aber Muth n genug, die Vorurtheile des großen Haufens zu vett <1 achten, und ist's dir weder um einen großen Namen, r noch um ein reiches Einkommen zu thun, so wirst § du glücklich für dich selbst, achtungswerth für deine 8 Freunde, und geliebt von demjenigen, mit welchem « du lebst, als Schulmeister seyn können. — " d Er muß bey seiner Amtsverwaltung sich ferner? der allerstrengsten Unpartheylichkeit befleißigen, und die armem Kinder eben so lange und eben so fleißig unterrichten, wie die der vermöglichern Eltern; so wie z es ihm ebenfalls Pflicht und Klugheit gebietet, die 2 minder fähigern mit eben so großer Treue und An-- ^ sirengung, wie die vorzüglich fähigern zu unterrichten. § VI. d In allem Guten muß der kehret ein Vorbild ^ seiner Heerde seyn. Das Beyspiel des Lehrers wirkt § gewiß bey Kindern weit mehr, als alle Ermahnungen * und Erinnerungen, indem sie in allem so gerne ^ nachahmen nachahmen. Man irrt sich, wenn man glaubt, Kinder und junge Leute verstünden so etwas nicht, und könnten noch nicht richtig darüber urtheilen. Welch einen scharfen Blick und welch ein feines Gefühl haben nicht manche unter ihnen! und.was sie nicht selbst sehen und bemerken, wird ihnen von andern erzählt und bemerkbar gemacht. Und nun— wie schändlich und schädlich ist's: wann Schullehrec Kinder über Fehler bestrafen, die sie in dem gleichen Augenblicke selbst begehen? — In dem Schüler sieht man das Bild des Lehrers; so wie in den Kindern, das Bild ihrer Eltern. Gute, wohlgerogene Kinder, sind also — Lehrer! — deine schönste Lobrede. VII. Endlich muß ein Schullchrer lernbegierig seyn, in seinem Fache nie stille stehen, sich immer mehr tu vervollkommn suchen, und deswegen jeden guten Rath annehmen, jede nützliche Vorschrift befolgen. Schulmeister-Stolz ist das ärgerlichste und schädlichste, das man sich denken kann. — Er schäme sich daher nie, etwas Neues und Nützliches zu lernen, und tausche auch das Gute gern gegen das Beßere aus. Hak er ein Her;, das von Stolz und Vorur- iheilen entfernt, nur Wahrheit sucht, so wird er jeden von seinen Obern erhaltenen Auftrag aus;«- E 66 führen suche» , und mit Beharrlichkeit bey demselben verbleiben, auch wenn er bey den ersten Versuchen tneynt, er werde nicht gut gehen. Erst wenn er nach langer Prüfung, nach Anwendung seines besten Fleißes sieht, daß es auf diesem Wege nicht gehen will, so wende er sich deswegen an seine Obern, und theile ihnen seine Einwürfe und Beobachtungen mit. Von der Schulstube. Die Schulstube werde so reinlich als möglich ge- , halten, oft durchlüftet und nie ru stark geheitzet. j Jeder Sache, die hineingehört, werde ein schickliches Ort angewiesen, so wie die Schulthecke, worin die ! Kinder ihre Bücher und Schriften haben, ihre Mützen und Hüte rc. nicht auf den Tisch, sondern auch an einen besondern Ort in der Stube gelegt werden sollen. Die Kinder sollen alle an Tischen sitzen, und zwar so, daß jedes neben dem andern sitzen kann, ohne es ru stoßen. Wahrend dem Schulhalten soll außer dem Lehrer und den Kindern niemand in der Stube seyn. Wäre die Schulstube , zu enge, hätte der Schulmeister ru wenig Tische in derselben, und könnte er seine Frau und Kinder während der Lehrzeit in kein anders Zimmer hinweisen, so soll der Schulmeister selbiges ungesäumt — 67 — dem Schulinspcktor zu Handen des Errichurrgs-Raths anzeigen, der alsdann durch die Munizipalität der Gemeinde die gehörigen Verfügungen treffen wird. Von -er Dauer der Lehrzeit» Die Schule soll im Sommer Vormittags von neun bis halb zwölf Uhr und Nachmittags von ein bis halb vier Uhr, Winterszeit aber Vormittags von neun bis eilf Uhr und Nachmittags von ein bis drey Uhr gehalten werden. Wo aber die Eltern ihre Kinder in den Gottesdienst schicken, wie es in den katholischen Gemeinden üblich ist, so nehme der Schulunterricht Vormittags sogleich nach dem Gottesdienst seinen Anfang, und daure zur Sommerszeit zwey und eine halbe, und rurWintersreit zwey Stunden. Das Schulhalten werde pünktlich m dieser bestimmten Zeit angefangen, und jedes Schulkind gewöhnt, sich schon eine halb Viertelstunde (doch nicht früher) vor dem Anfange einrusinden, und sich zu schämen, wenn es aus Verschlafenheit oder Rachläßigkeit ru spät käme. Die erst während dem Gebet eintretenden bleiben bis nach deßen Vollendung an der Thüre still stehen, und die noch später kommenden müssen Rechenschaft von der Ursache davon geben. E- 68 Ueber das Alter der Kinder, welche in die Schule aufgenommen werden sollen. — Kerne Kinder sollen vor einem Alter von fünf und ein halb Jahren in die Schule aufgenommen, auch durchaus keine Kinder unter diesen Jahren in der Schule geduldet werden. Ueber das Ausbleiben aus der Schule. Alle Fehlenden werden an jedem halben Tage genau angemerkt, und wenn sie sich wieder einsinken, ernstlich befragt: warum sie weggeblieben seyen? Alle, die es am vorhergehenden Tage schon wißen, daß sie die Schule versäumen werden, müßen es freymüthig anzeigen. Alle Monate sollen alle Ver- säumniß-Tabellen dem Schul - Inspektor eingesandt werden, dem der Schullehrer (so wie in allen Fallen) noch seine besondern Bemerkungen darüber mittheilen kann, und der sie dann in einer General-Tabelle dem Erriehungs - Rathe einhändigt. Jeder Schullehrer läßt sich alle Vierteljahre durch seinen Ortspfarrer ein Verreichniß von allen lebenden Kindern des Dorfs von sieben bis fünfzehn Jabren, geben. Aus diesem schreibt er diejenigen heraus, die gar keine Schule besuchen, und übergießt dann die- y ses Verzeichniß jedesmal seinem Schul - Inspektor. Sind mehrere Schullehrer in einem Dorfe, so machen sie dieses Verzeichniß gemeinschaftlich. Vom Aeussern der Schulkinder. Im Sitzen werden die Schüler oft an eine wohlanständige Haltung des Körpers erinnert, und von einem zusammengesunkenen, oder den Kopf in beyde Hände oder auf den Tisch gelegten, oder mit dem Körper der Lange nach auf den Bank oder Stuhl hingestreckten, trägen, unartigen Wesen ernstlich abgehalten. Die ganze äussere Richtung muß davon zeugen, daß sie dem Unterrichte mit Munterkeit und Begierde entgegen kommen, und daß sie in der Schule zugleich zu höflichen und gesitteten Menschen erzogen werden. Alles was daher die Kinder nicht nur von dem Lehrer, sondern auch von ihren Mitschülern zu haben wünschten, das sollen sie bescheiden und freundlich bittend verlangen; bey dem Eintritte und bey dem Weggehen sollen sie sich höflich grüßen und verabschieden ; während der Lehrzeit sollen die Knaben ihre Hüte und Mützen nicht auf dem Kopfe haben, so wie dannzumal allen Kindern das Eßen gänzlich verboten ist; und bey der Entlaßung soll allem Stoßen und Drängen gewehrt, und nur ein- nach dem andern hinausgelaßen werden. In der ersten Lehrstunde soll kein Kind (außerordentliche Fälle ausgenommen) hinausgelaßen werden/ und wann dieses nachher geschieht/ soll jedes zuerst dxn Lehrer um Erlaubniß dazu fragen / auch stäts nur eins nach dem andern/ und nie zwey oder drey auf einmal, auch ein Kind in einer Tagshälfte nicht mehr als einmal hinaus gehen dürfen. Wohl gewaschen/ wohl gekämmt, und soviel möglich reinlich und ordentlich angekleidet, empfange > die Schule an jedem Tage jedes Kind. Unreinlichkeit lind Liederlichkeit müßen es fühlen, daß sie gar nicht ringelaßen zu werden verdienten, und das eckelhafte Schnäutzen in die Jacken, in die Schürzen und mit den blosen Fingern, werde solange verfolgt, bis es sich nicht mehr blicken läßt; überhaupt bemühe man sich, es bey den Kindern dahin zu bringen, daß sie eine Ehre in der Schonung alles deßen suchen, was in der Schule geschont werden könnte, vornämlich aber ihre Schul- und Schreib-Bücher recht lange gut und schmutzfrey ru erhalten. Während dem die Kinder zu lernen oder ru schreiben haben, soll durchaus keines mit einem andern schwatzen dürfen; haben sie aber ihre Pflicht gethan, so mag es — doch einzig leise und still — geschehen. Ein Gesetz, das ihnen beständiges Stillschweigen aus- 7 - erlegte, müßte ihnen einen Ort verhaßt und eckel- haft machen, an welchem ihre jugendliche Lebhaftigkeit so sklavisch eingeschränkt würde. Vom Schulgebetr. Angefangen und beschloßen werde die Schule jedesmal mit einem Gebete, das der Lehrer nach einer die Besonnenheit und Andacht erweckenden Vorbereitung bisweilen selbst mit ungeheuchelter Feierlichkeit, Ehrerbietung und Herzlichkeit verrichtet, bisweilen aber auch durch einen Knaben oder ein Mädchen, die bestimmt und deutlich reden, und sich von Seite des Herzens auszeichnen, vorsprechen laßt, wobey man an ihm die innigste Theilnehmung und einen ungezwungenen würdigen äußerlichen Anstand bemerke; seinen Kindern aber müße man es bey solchen Gebetsübungen vornämlich ansehen, unter welcher guten Anleitung sie standen, und zu welcher verständigen, geziemenden Gotte^verehrung sie angeleitet werden. — Damit die Gezeter alle nöthigen Eigenschaften besitzen, so bitte der Schullehrer seinen B. Pfarrer um die Verbeßerung seiner Schulgebeter, oder um die Verfertigung von neuen. Von der Eiutßeilung der Kinder in Klassen. Alle Schulkinder sollen in zwey Klaßen eingetheilt werden,, nämlich in abc dierende und buchstabierende, und in lesende und schreibende. Die erste Klaße nimmt nicht so lange am Schulunterricht Antheil, wie die ieztere, indem sie Vormittags und Nachmittags jedesmal eine Stunde später jn die Schule kommen. Wo aber die Kinder zuerst den Gottesdienst besuchen, und dann sogleich aus der Kirche in die Schule zu kommen gewohnt sind, da kann die kleinere Klaße des Vormittags eine Stunde früher entlaßen werden. Jn dieser Zeit schreibt die zweyte Klaße, wo dann dem Lehrer mehr Zeit übrig bleibt» sich mit ihnen zu beschäftigen als vorher, so wie der Schulunterricht diesen Kindern gewiß auch angenehmer und nützlicher werden wird, wenn sie im Anfange nicht so lange in der Schule bleiben müßen, und alsdann, wann sie in derselben sind, auch wirklich beschäftigt werden. Der Ueber- gang aus einer Klaße in die andere, muß mit einiger Feyerlichkeit vom Schul - Inspektor undSchullehrer, mit Zuzug zweyer Munmpalitätsglieder geschehen, und vom lertern den Kindern alle Vierteljahre selbst angezeigt werden. ?z Vorn Unterrichte im Buchstabieren und Lesen. Eine jede Klaße soll zusammen lernen, und deswegen müßen alle gleiche Lesebücher haben. Es wird mit der Zeit für die Einführung eines eigenen Schulbuchs gesorgt werden; indeßen aber verordnet der Erriehungs-Nath: daß alle Kinder die gleichen Bücher haben, heißen sie dann auch wie sie immer wollen. Die Lese- und Schreibe-Schüler sollen Vormittags von neun bis zehn Uhr, und Nachmittags von ein bis zwey Uhr im Lesen und Buchstabieren geübt werden. Da sie alle gleiche Bücher haben, so lernen sie auch alle das gleiche Pensum und werden alle miteinander abgehört. So giebt r. E. der Lehrer die fünfte Seite rum buchstabieren und die sechste zum lesen auf; können sie ihr einigesmal langsam und bedächtlich übersprochenes Pensum, so stellt oder sczt er sich zu ihnen hin, und laßt ein jedes der Reihe nach bis zu einem Komma oder Punkt hersagen, bis so das Gelernte ein- oder rweymal durchgangen ist. Kommt die Reihe an den Lehrer, so liest oder buchstabiert er ebenfalls wie die Kinder mit, und ermuntere so dieselben theils durch sein eigenes Beyspiel rum Fleiße theils gewöhnt er sie dadurch an eine recht gute und angenehme Lesmanier. Wann ein Kind ein Wort falsch hersagt, so sagt er's ihm nicht sogleich, wie es hatte sagen sollen, sondern spricht nur: »nicht recht!" und läßt das Kind darauf seinen Fehler selbst verbrßern; gelingt es ihm aber im zweytenmal nicht, so wird der Lehrer deswegen nicht schelten oder schlagen , sondern sich lieber das schwere Wort vorbuch- stabieren oder in Sylben ausiösen laßen. Wann auf diese Welse eine ganze Klaße der Schüler zugleich im Lesen abgehört wird, so ist es durchaus nothwendig, daß die leise Nachlesenden nicht nur aufmerksam nachsehen, sondern auch leise nachsprechen; denn die Sprachorgane müßen mit dem Auge geübt werden, und der Lehrer kann alsdann eher wißen, daß der Schüler nicht blos gedankenlos ins Buch sieht, sondern wirklich liest. Nach dem Lesen soll jedesmal über das Gelesene noch besonders gesprochen werden, damit es sich zeige, wie aufmerksam jedes gewesen sey, und daß sich das Behaltenswerthe tiefer den Gemüthern einpräge, und so zugleich auf das Nachdenken und auf den Verstand der Kinder gewirkt werde. Die Lesestunde des Nachmittags soll bisweilen zum Lesenlernen geschriebener Sachen, t. E. Briefe «. d. g. angewendet werden. Die Kinder sollen angehalten werden, ihr Pensum leise zu übersprechen, damit da- lcrrnende Ge- schrey und Gctös den Lehrer mid die Kinder nicht betäuben. Das Falten der Hände, wenn das Erlernte abgehört wird, muß den Kindern abgewöhnt werden, wobey ihnen zugleich gesagt werden soll / daß nicht alles Hersagen beten sey. Um den Kindern die Buchstaben - Kenntniß Zu erleichtern, so werde das jedem Schullehrer eingehändigte gedruckte Blatt mit dem großen Alphabet auf eine Tafel geleimt, die an einem hellen Orte in der Schulstube hangen soll. Vor diese stellt sich der Lehrer im Anfang mit den ABC Schülern, und sucht einem nach dcüi andern die Namen und die verschiedenen Abweichungen eines jeden Buchstabens kenntlich zu machen. Beym Buchstabieren und Lesen laße man die Kinder ja nicht einen widrigen singenden, sondern gairr den natürlichen Ton annehmen. Um richtig Buchstabieren zu lehren, laße man die Kinder öfters der Reihe nach, eins auf das andere, schwere Wörter, die ihm der Lehrer nennt, auswendig buchstabieren. Bey jedem Unterscheidungszeichen müßen die Kinder angehalten werden, länger oder kürzer auszuruhen, so wie der Lehrer mit der größten Strenge darauf sehen muß, daß jedes Kind die Wörter dreust, 76 — laut und verständlich — ohne irgend eine Sylbe zu verschlingen, herspreche, und jedem Wort den ihm gebührenden Nachdruck gebe*). Überhaupt soll auch der Land - Schullehrer bey allem was die Kinder lernen, nicht sowohl darauf sehen, daß sie viel, sondern daß sie das mehrere oder wenigere recht lernen. Vom Unterrichte im Schreiben. Sobald die Kinder Leseversuche machen können, erhalten sie auch 'Anleitung zum Schreiben. Anfangs mahle ihnen der Lehrer mit Kreide etwa Striche und leichte Buchstaben an eine schwarze Tafel, die sie an derselben nachmahlen; schreibe ihnen dann in zu- sammcngestochenen 8". Schriften auf die halben Zeilen mit dem Bleystifte Buchstaben, die sie mit Dinte überziehen müßen; die übrige Hälfte der Zeile wird vom Lehrer deswegen leer gelaßen, damit der Schüler das vorgeschriebene allein dorthin nachzumachen versuche. Der Lehrer soll besonders im Anfange allem Hange zu fehlerhaften Gewohnheiten *) Woher kommt wohl der so schwer abzugewöhnende Fehler, daß an so vielen Orten die Confirmanden in den öffentlichen Kirchenkatechisationen nur so leise und unverständlich lesen und antworten? Woher anders, als weil sie in den Schulen so schlecht dazu angehalten werden? Gewiß auch in diesem Stücke muß der Schullehrer dem Pfarrer vorarbeiten. 77 vorbeugen; er sey aufmerksam, daß sie mit aufrechtem Körper schreiben; während dem Schreiben die kippen nicht verziehen; die Feder in drey Finger halten; diese Finger nicht allznstark biegen; die Feder nicht zu tief in das Dintengefaß hinunter stoßen , damit die Finger nicht beschmiert werden; das Papier gerade vor sich hinlegen; er widme sich daher, wenn die Anfänger schreiben, vorzüglich diesen, dann auch hier gilt das, was jener Weise der Vorzeit sagte: Wie du den Knaben gewöhnst im Anfange, so verhält er sich dann in der Folge. — Sobald es möglich ist, laße man sie leichte ein- sylbige Wörter nachschreiben, die ihnen der Lehrer vorschreibt; nämlich auf jede Zeile ein Wort, das sie dann auf der ganzen Linien nachschreiben (dieseMethode muß auch bey den ältern zur Abwechslung oft angewendet werben); man schreibe ihnen aber immer solche Wörter vor, die sie verstehen, und wobey sie sich etwas denken können. Die Hanvtabsicht des Lehrers soll nicht nur seyn, die Kinder schön, sondern vorzüglich richtig, lesbar, und wie sie es in ihrem künftigen Leben brauchen können, schreiben zu lernen; daher soll in allen unsern Schulen die unnöthige Fraktur und Kanzleyschrift ab- geschaft seyn. Die Vorschriften sollen aus der gleichen Ursache nicht nur schön, sondern vorzüglich auch 2 richtig geschrieben seyn; der Lehrer schreibe daher die Worte nicht nur allein recht buchstabiert/ sondern r setze auch am gehörigen Orte große und kleine Buch- c staben und die nöthigen Unterscheidungszeichen. Der r Innhalt der Vorschriften soll nicht aus unschicklichen ß und unverständlichen Sachen/ sondern aus schönen k Liederversen/ Sittensprüchen / Sprüchwörtcrn, kur- r ren Erzählungen aus der Naturgeschichte und dem ge- l meinen Leben/ kleinen Briefen rc. bestehen. Die Vor- r schriften sollen bey jedesmaligem Schulbesuch dem r Schul - Inspektor vorgewiesen/ und von demselben e nach diesem Maaßstabe geprüft werden. Die Vor- s schriften sollen unter den Kindern unausgesezt ver- r wechselt werden, damit sie dieselben nicht wörtlich , ihrem Gedachtniße einprägen, und sie dann nachher j auswendig, und jedesmal mit der nämlichen Flüchtig- s keil und Fehlerhaftigkeit hinwerfen, ohne sich um r das Vorgeschriebene das mindeste mehr zu bekümmern. , Alles was die Kinder abschreiben müßen, sowohl I Gedrucktes als Geschriebenes, sollen sie immer zuerst richtig buchstabieren und lesen lernen. i Auf das korrigieren des von den Kindern Geschrie- l denen, wende der Lehrer den grösten Fleiß, und l übersehe keine Fehler gegen den Simr der Vorschrift. ! Zu dem Ende müße jeder Schüler in seiner Schrift nach vornen anf dcr linken Seite anderthalb bis zwey 79 Zoll Platz ««überschrieben laßen. Corrigiert der Lehrer eine Schrift, und findet falsch geschriebene Buchstaben oder Wörter darin, so mache er nur einen Strich unter das fehlerhafte Wort, und halte darauf den Schüler an: dasselbe mit dem in der Vorschrift stehenden zu vergleichen, den Fehler selbst aufzusuchen und zu verbeßern, und es richtiger auf den leer ge- laßenen Raum der Schrift hinzuschreiben. Auch bey dem hinauf - oder herabsetzen der Schüler soll nicht nur allein auf das Schön-, sondern vorzüglich auch auf das Richtigschreiben Rücksicht genommen werden. Die Uebung: unrichtig geschriebene Schriften durch die Schüler verbeßern zu laßen, ist sehr nützlich; sie erregt ihre Aufmerksamkeit ungemein, und es macht ihnen große Freude, wenn sie Fehler, die sie nicht selbst machten, verbeßern können. Am besten ist's, wenn der Lehrer einige Sätze »«orthographisch auf eine Tafel hinschreibt, und sie ihnen dann rur Ver- beßerung vorlegt. Die Federn werden von dem Lehrer immer vor der Schule geschnitten, weswegen die Kinder vor dem weggehen aus der Schule dem Lehrer ihre Federn übergeben müßen. Die neuen Federn erhält der Lehrer ganz, der ihr die Fahne wegreißt und oben ein paar Zoll davon schneidet; und alsdann soll dem Kinde verboten seyn, dieselbe kürzer zu machen. —— 8^ Jede Schreibfcder soll wenigstens auch sieben Zoll lang seyn. Gute flüßige Dinte wird in jeder Schule den Kindern vom Lehrer gegeben. Zu dem Ende verschaft jede Munmpalitat ihrem Schnllehrer ein Dutzend zwey Zoll hohe und anderthalb Zoll weite Zucker- gläschen, wovon ein jedes in ein ausgehöhltes Holzklötzchen gestellt wird, damit es nicht umgeworfen werden kann. Für die Dinte bezahlt jedes Kind dem Lehrer monatlich 6kr. Hingegen für die armen Kinder bezahlt jede Munmpalitat aus der Gemeinds- Kaffe dieses Dinten-Geld. Die Donnerstag Nachmittags - Stunden sollen stats zur Uebung in schriftlichen Aufsätzen angewendet werden. Zu dem Ende kommen alsdann nur die geübtem Schreibe - Schüler in die Schule, die übrigen bleiben zu Hause. An diesem Nachmittage diktiert der Lehrer seinen Schülern etwas in die Feder, r. E« ein kurzes Kinderlieb u. d. g. oder er erzählt ihnen eine kleine Geschichte, und läßt sie dann das Behalten niederschreiben; oder er diktiert ihnen einige Fragen, die sie ihm schriftlich beantworten müßen; oder er läßt sie einen Brief aufsetzen; oder erfordert von ihnen die niedergeschriebene Beschreibung einer vor ihren Augen erfolgten Begebenheit, einer in die Sinne fallenden Sache, einer ihnen bekannten Verrichtung — 8r olk rrchkung u. f. iv. Haben sie ihr Pensum vollendet/ so korrigiert der Lehrer einem jeden sein Geschrien en benes, und läßt darauf daßeibe in eine eigene Schrift rft rein und richtig abschreiben, und es sorgfältig aUfbe» nd ! halten. Anstatt der sogenannten, belästigenden, weiter- verderblichen, kostspieligen und unnützen Oster - oder lz- Schulexamen - Schriften, müßen in Zukunft beysSchul- en Prüfungen diejenigen Schreibebücher, worin sitz das nd Diktierte re. rein abgeschrieben, vorgewiesen werde»/ en wohin das Kind bisweilen verschiedenes aus Bücher»/ )s- auch alle Monate eine Vorschrift schön abschreibt/ um seine Fortschritte im Schön - und Richtigschmbm en beurtheilen !ü könne». Die Fehler / welche die Kim ek der in dieser Schrift beym abschreiben mache», Mäße» >e- außen am Rand mit einem Zeichen bemerkt, und nute» e» mit Belobung oder mit Lade! zusammen angezeigt wer- er den. «Sehr fleißig, nur mit zwey oder drey kleine» §. Fehlern!" oder: »Höchst unfleißig (gesudelt) mit zehe» e» Fehlern!!!« Dieß vom Lehrer unten an die Schrift rl- geschrieben, Mit einigen mündlichen Erinnerungen M ge gleitet, macht gewiß einen sehr guten Eindruck, r; Nie soll den Schülern gestattet werden / nur auf rt einzelne Blatter oder halbe Bögen zu schreiben, som er dirn jedes soll zwey, aus drey bis vier zusammen^ re siochenen Bögen Papier bestehende Schreibebücher M »- sitzen; das eine rum alltäglichen schreiben (AlttBM § — 82 Schrift) und das andere zum rein abschreiben (Probe- Schrift). Jedem Schüler soll strenge verboten seyn, ein oder mehrere Blätter aus demselben herauszureißen. Zu dem Geradeschreiben sollen erst Linien mit Bleystift gezogen, dann Punkte gegeben, und endlich diese Punkte immer weiter von einander entfernt werden, bis sie zulezr ganz wegbleiben und aus dem Freyen gerade geschrieben werden kann. Jedes Kind soll ein eigenes Dinten-Lümpchen vor sich haben, woran die Federn abgewischt, und nicht «usgesprütt werden müßen. Von den Gedächtniß-Uebungen. Das Gedächtniß werde zwar beständig unter der gereizten Aufmerksamkeit auf den Unterricht und bey dem immer aufgeregten Nachsinnen mitgeübt, aber mich noch besonders, nur nie auf Kosten der übrigen Seelenkräfte, d. h. maschinenmäßig und ohne Verstand. Nichts werde daher zum lernen aufgegeben, das nicht vorher auf's deutlichste erklärt worden wäre. Vorzüglich laße der Lehrer seine Kinder die ohnehin in vielen Stellen allruschweren Katechismus - Fragen nicht auswendig lernen, ehe sie dieselben deutlich «nd richtig lesen, und rum Theil auch verstehen'können. Reben .diesem soll er den Hindern aber auch — 8Z zur Abwechslung schöne Lieder-Verse, und'nützliche und wohlgesezte Sitten - Sprüche und Lebens-Regeln diktieren, und selbige auswendig lernen laßen, wobey wir aber bemerken: daß die Kinder auf einmal nicht mehr, als einen einzigen Spruch lernen, aber desto ernstlicher dazu angehalten werden sollen: daß sie daS Gelernte verstehen, daßelbe deutlich, richtig und lang» sam hersagen, und bey jedem Ruhe-Punkt gehörig absetzen. Von der Schulziicht. Die Beschamungswerthen und Straffälligen werden beschämt und gestraft , ohne niedergeschlagen unv boshaft gemacht zu werden; die Lobenswürdigen und sich Auszeichnenden gelobt und vorgezogen, ohne sie znm Eigendünkel und Hochmuth zu verwahrlosen; also mit Klugheit und Mäßigkeit. Nicht wie die andern aufgerufen zu werden, müsse schon sehr wehe thun, und jede unzufriedene Miene des Lehms mäße sogar schmerzhaft seyn. Bon seinem Platz heraustreten, um einen oder mehrere herunter gefezt werden, oder wohl gar einen Platz auf gewissen, für die Faulen, Unsteißigen oder Schwätzer rc. über- schriebenm Bänken bekommen , mit denen alsdann kein Schüler kein Wort mehr reden darf, oder die ruallerlert aus der Schule gehen dörftn, werde als 84 sehr demüthigende Bestrafung gescheuht. Schläge aber waren die alleräußersten Strafmittel, und am meisten dadurch empfindlich, daß sie am ärgsten entehrten. Der Stock, das Schlagen auf den Kopf und in'S Gesicht, und das Schimpfen und Fluchen sollen unbekannte Strafmittel seyn; auch werde nie leidenschaftlich, nie wütend gestraft, sondern mit der grösten Bedächtlichkeit und Kaltblütigkeit, und es soll unverkennbar seyn, wie ungern zu den Züchtigungen ge. schritten werde, und wie viel lieber man diese gar nicht zum Vorschein kommen ließe. Ueberhaupt strafe der Lehrer die Fehler immer so , daß es der Schüler Mit, er liebe ihn, und nur seine Unart ziehe ihm seinen Unwillen zu. Hat er seine Strafe ausgehalten, so rufe er ihm etwas freundliches, sanftes, sage ihm, er wolle ihn wieder lieb haben, wenn er aufhören wolle, diesen oder jenen Fehler zu begehen, und handle stäts nach der vortreflichen Regel: mußt du züchtigen, so verstoße mit der Linken, und nimm mit der Rechten wieder auf. Alle Strafen werden nur nach vollkommener Ueberzeugung von dem Vergehen vollzogen; allen müßen zuerst, ausgenommen bey unerwartet anstößigen Exceßen, gütige und ernste Vorstellungen vorangehen; und stäts werde dabey die strengste Gerechtigkeit und Unparthey- Mkeit «beobachtet, ohne auf reiche oder arme, frey- 85 gebige oder karge Eltern zu sehen. Wer unter der» Gebete oder in der Kirche eine strenge Strafe verschuldete/ werde zu einer nachherigen Ahndung angemerkt/ die man aber über dem Verschub nicht vergißt.— Trotzige Widersetzlichkeit/ boshafter Ungehorsam, Aeußerungen von Unmenschlichkeit, abscheuliche Niederträchtigkeit/ Lügen und Diebstal werden auf's strengste bestraft. Das Ansehen, in welches sich der Lehrer fette, die Liebe, die er sich ru erwerben wußte, und die ganze nach und nach bewirkte Stimmung sei. ner Schule, werden ihn vornehmlich vor der Nothwendigkeit, oft hart strafen ru müßen, sichern. Wenn es nothwendig ist, daß ein Lehrer mit Klugheit strafe, so ist es gewiß nicht minder nothwendig, daß er mit Klugheit lobe und belohne. Ein freundlicher Blick, ein einziges Wort geredt, oder unter die Schrift geschrieben, ist oft schon hinreichend, das fleißige Kind zu erfreuen. Der weise Lehrer wird dieß daher klüglich benutzen, und überhaupt seine 'Bemühungen so auszutheilen wißen, daß jedes Kind sie allein zu besitzen glaubt. Endlich soll der Lehrer aus dieser unserer Anleitung gewiße wenige Schulgesetze, welche die Kinder unmittelbar angehen, herausschreiben, selbige auf eine" Tafel aufleimen, sie in der Stube aufhängen, und alle Wochen von einem Kinde einmal vorlesen laßen, und vorzüglich mit immer gleichem Ernste, streng und unpartheyisch dieselben handhaben. Und nun, wenn alle Schullehrer unsern Wünschen entsprechen, und freudigst alles Möglichste zu ihrer eigenen Vervollkommung und zur Verbeßerung ihrer Schulen beytragen; wenn sie bey allem vorzüglich auf den Verstand und das Her; der Kinder zu wirken suchen; wenn jeder sich als den, der er ist, oder wenigstens seyn sollte, als Vater , als weiser und zärtlicher Vater seiner Kinder betrachtete; in dem Tone eines Vaters stäts mit ihnen handelte; liebreich wie ein Vater mit ihnen umgienge; kindische Vergehen verwiese; durch Lob, dem guten Kinde gegeben, daßelbe noch beßer machte; die Tragen und Ungezogenen, aber durch Strafen, die ihren Ehrgeiz krankten, Werte; durch Vorstellungen ihnen die Folgen der Trägheit und des Lasters lebhaft darstellte, und nur im äußersten Nothfalle zu körperlichen Strafen seine Zuflucht nähme; dann, o dann! wird's in unserm Schulwesen bald beßer seyn, dann werden die Kinder gerne in die Schule gehen, fleißig lernen, und weise, gut und glücklich werden! 87 Bemerkungen über den Zustand der Schulen des ehmaligen deutschen Bernerge- biets, mit Ausnahme der Städten. (Von B. Helfer Grüner in Bern.) Niedergeschrieben Anno 1790.*) ^rnmub non cleelt, temxora clelunt. Meine Kenntniß des Schulwesens in unserm Caw- ton erstreckt sich nur auf das deutsche Gebiet, und zwar mit Ausnahme der Städten. Von der Landschaft Waadt hörte ich wohl klagen, die Schulen seyen daselbst nur allzu gut bestellt, und geben *) Dieser vortreffliche Aufsatz ist mir ein um so schätzbarerer Beytrag in meine Schulmeister-Bibliothek, weil ihn sein verehrungswürdiger Verfasser schon vor io Jahre niedergeschrieben hatte, also in einem Zeitpunkte, wo man von unsern neuesten Gchulplänen noch gar nichts ahndete. — Ich machte schon so oft die unangenehme Erfahrung, daß so viele sonst äusserst verdienstvolle Männer unsers Vaterlandes alles, und also auch das, was das Schul - und Erziehungswesen betrifft, sogleich verwerfen, sobald fle hören: daß es in unsern jetzigen lieuerungssüchtigenIeiten veranstaltet oder niedergeschrieben worden seye, und daß diese auch hierinn nichts anders als den ehevorigen unveränderten Zustand wünschen» Mögen diese also doch wenigstens nachstehende Blätter vrüfen, und aus denselben lesen, was schon vor Jahren von den bernerischcn Landschulen empfunden, gewünscht und vorgeschlagen worden ist: — Anmerkung des Herausgebers. dadurch zu der so starken Auswanderung Anlaß/ weil die Jugend daselbst so gut schreiben und rechnen lerne/ daß sie bald überall als Handlungsbediente rc. Unterkommen finde / und deßwegen den Feldbau verlasse. Ach zweifle aber/ ob die Quelle dieses Uebels in den Schulen tu suchen sey. Die wenige Liebe zum Vater- layde/ die so nahe an Undank grämt/ hat dort andere Ursachen. Die örtliche Entfernung des Lande? von der Hauptstadt und seine nur ru genaue Verbindung mit andern Ländern / und die sittliche Entfernung des Volks von der Regierung / nicht durch Sprache allein/ sondern durch den nachteiligen Einfluß des aus fremden Gutsherren und emporge- kommenen Bürgern und Bauern bestehenden Mittelstandes/ der schweizerische Sitten und Gesinnungen zu sehr verläugnet/ hindern jede Hülfe und Verbesserung. Lehrer und Unterbeamtete/ welche die Oberamtleute des Landesherrn immer umgeben/ und ohne welche diese ru wenig thun können / gehören ru sehr zu jener Classe / die sich einzig für den gesittetesten Stand auf Erde hält (ungeachtet sie weit Mehr nach sinnlichen Vergnügen und Reichthum als pach nützlichen Kenntnissen ringt) als daß die Anstalten ru Verbesserung der Sittlichkeit und zum Unterrichte der Jugend da gar vortrefflich seyn/ -per besser als bey uns benutzt werden sollten / wenn fie auch gleich in Rücksicht auf Schreibekunst und Rechnen den Vorzug hätten. Vielmehr ist- zwischen der dortigen Landes - und der Bürgersprache, welche die höhere Classe, folglich auch der Prediger redt, ein zu grosser Unterschied; der Hülfsmittel und selbst der Aufmunterung, die dieser zu seiner mehrern Ausbildung und Nutzbarkeit in seinem Amte haben sollte, zu wenig, als daß sich von den Schulen erwarten liesse, sie bedörfen keiner Verbesserung und leisten alles, was sie zu Beförderung der Aufklärung, der Sittlichkeit und der Wohlstandes leisten sollten. Von den Schulen in den Landstädten würde frey« lich auch manches zu bemerken seyn. Einige haben lateinische Schulen, aus welchen die Knaben, die sich dem Predigerstqnde widmen wollen, in die Akademie aufgenommen werden; obschon ich nicht glaube, daß dieses gerade durchgehends diejenigen Städte seyen, welche die größten Vorrechte besitzen. Allein das gereicht wohl selbigen Städten überhaupt, so wie den Schulen insbesondere zu nicht geringem Nachtheile, die fähigsten Köpfe, da sie keine höhere Stuffe zu ersteigen, keine bequemere Laufbahn m einem sichern und mit der Zeit ansehnlichen Einkommen vor sich sehen, ergreiffen den Predigerstand, und sind mit ihren Talenten so wie mit ihrem ererbten väterlichen Vermögen für ihr Geburtsort verloren» auch ihre Kinder, wenn sie welche zeugen, komme« selten wieder dahin, sondern werden, da sie nicht wieder sinken wollen, zu dem gleichen Stande oder zu einem andern erzogen, der sie in der Hauptstadt zurückhält oder aus dem Lande entfernt. Wem es auf dieser Bahn mißglückt, oder die wenige dazu erforderte Anstrengung noch zu stark vorkommt, der glänzt einst unter den Häuptern seines Volks, und urtheilt oft auf der halb erstiegenen Leiter mit Wohlbehagen gering von den Verdiensten derer, die oben stehen.*) — Die sogenannten deutschen oder eigentlichen Volks- Schulen ( denn an wahre Bürgerschulen ist da nicht zu gedenken) werden an solchen Orten leicht vernach- läßiget. Leute von einigem Ansehen senden ihre Knaben in die lateinische, die Töchtern — wann sie können, gar in keine öffentliche Schule, um sich nicht mit dem Pöbel zu vermischen, der wahrlich in Städten ohne alle Vergleichung weit pöbelhafter als auf dem Lande ist. Überhaupt ist in solchen Orten gewöhnlich das Ansehen einzelner Männer, oft ohne Rücksicht auf ihre Stellen, zu groß, und des Ganzen oder der Aemter zu geringe, zu viel Parteylichkeit, *) Eine nun reichhaltig erfüllte Weissagung. Anmerkung des Verfassers. Familien «Verbindungen und Uneinigkeiten; die Leidenschaften werden zu frühe rege, und die Schulen sind auch zuweilen zu groß. Darum wird von einem zum andern zu geschwind fortgeschritten, nichts recht, zu viel auswendig gelernt, weil damit, besonders bey dem Hersagen in der Kirche die Eitelkeit am meisten befriediget, aber nur die Eifersucht, und zuweilen die Schadenfreude u. s. w. gereiht wird. Hingegen mit Uebung des Verstandes und Besseruns der Sitten gebt es denn desto schwerer her, weil hier die Mühe und das Verdienst des Lehrers nicht so leicht jedem in die Augen fallt, der Aufsicht über die Schulen haben soll, ober sich anmaaßet, und die Mütter nicht so leicht mit den Vorzügen des Vorzügen des Geistes und des Herzens als dem Gedächtnisse ihrer Kinder glänzen zu können glauben. Die Unbestimmtheit der Verpflichtung einer Stadt zu den obrigkeitlichen Verordnungen, besonders wenn sie einen eigenen Schulrath hat, und den Rechten der Prediger in Schulsachen an dergleichen Orten, wo er sie oft auch weniger, als auf einem Dorfe geltend machen kann oder mag, schaden ebenfalls nicht wenig. Auf dem Lande findet er freylich seltener Unterstützung, doch noch zuweilen, und dann auch seltener Hindernisse. Von dem Lande nur können auch allgemeine Bemerkungen gelten, wo.sie weniger 92 von besondern örtlichen Verschiedenheiten und eigene» Rechten oder Freyheiten eingeschränkt werden. Auf dieses einzig bezieht sich also, was ich sagen werde, und in 6 Abschnitte eingetheilt habe. r. Schulhäuser, deren Zahl, Nebenbestimmung, äussere und innere Beschaffenheit und Einrichtung. Fliegende Nebenschulen. 2. Lehrer, deven Zahl, Pflichten, Besoldung, Nebenverdienste, Bestellung, Bildung, z. Schüler, deren Zahl, Alter, Eintheilung, Fleiß, Aufmunterung. 4. Schulbücher. 5. Aufsicht von Pfarrer, Vikarius, Vorgesetzten, Examen. 6. Hilfe der Pfarrer, Unterweisungen, Kinderlehren. i. Schulhäuser. In dem deutschen Theil unsers Cantons ist wohl in jedem Kirchspiel auf dem Lande wenigstens ein ordentliches Schulhaus, gewöhnlich — doch nicht allemal, wie es billig seyn sollte — in der Nähe des Pfarrhauses und der Kirche. Die meisten Kirchge- mcinden haben jedoch mehrere, ja bis auf zehen Schulen, aber nicht sowohl nach dem Maaß ihrer Weitläufigkeit oder ^Volksmenge, als nach der Zahl 93 der Dorfgemeinden, aus denen sie bestehen. Macht ; die ganze, wenn auch noch so große Kirchgemeinde nur eine Dorfgemeinde aus, wie es der Fall in den meisten Ortschaften des Emmenthals ist, so muß eine Schule öfters für einige hundert Kinder zureichen, hingegen werden sich selten zwey, auch noch so kleine Dörfer mit einer Schule behelfen, sobald sie zwey verschiedene Gemeinden ausmachen; und jedes Ort befürchtet für seine Jugend tausend Nachtheile, sobald sie mit den Kindern ihrer Orts- nachbaren unter einer Ruthe stehen, und den ersten Unterricht gemeinschaftlich mit ihnen genießen sollten. So geneigt sind die Menschen, sich in einander entgegengesetzte Haufen ru theilen, und besonders Gesellschaften, die etwas unter sich gemein haben, alle andern in gewissen Rücksichten als Feinde ru betrachten, und einen Partheygeist zu nähren, der nur allzu frühe auf die Jugend sich fortpflanzt, und allzu oft bey gemeinschaftlichen Neligions - und Waffen- Uebungen, an Märkten und Volksfesten, wo die Jugend mehrerer Oerter zur Fröhlichkeit oder sonst zusammenkommt, auf eine unrühmliche Art sich äus- sert. Im Durchschnitte möchten in jeder Pfarrey «ngefähr z bis 4 Schulen können gerechnet werden. Ueberhaupt werden die Schulbäuser auf gemeine Unkosten des Orts aus den Kirchen - oder Gemeinde 94 / Gütern, wo dergleichen sind, doch selten ohne be- / trächtliche Beysteuer von Seite der Regierung erbaut - und unterhalten, deswegen die Gemeinden auch ^ selbige als ihr völliges Eigenthum anzusehen und nach Willkühr zu manchem Nebenzweck zu bestimmen pflegen, wo in Collisionsfällen wohl eher die Schule - weichen muß. So werden in den meisten, besonders ' wenn kein Wirthshaus in der Nähe ist, alle Ge- rneindsversammlungen ordentlich des Monats einmal/ zuweilen auch ausserordentliche, in den Grafschaften s aber Steigerungen, Steuereinsammkungen, hie und da auch gemeinschaftliche Mahlzeiten, Neujahrs- schmäuse u. dgl. gehalten, welches alles der Schule vorgeht und den Kindern Feyertage verschafft. Mehrenthetls findet sich in einem Schulhause / nebst der ordentlichen Schulstube noch ein anders/ gewöhnlich sehr enges und schlechtes Gemach, das eigentlich dem Lehrer ausser den Schulstunden oder den Seinigen rur Wohnung dienen sollte. Die Gemeinden nehmen aber, wo es sich immer thun läßt/ lieber jemanden aus ihrem Mittel zum Schulmeister an, der schon eine eigene bessere Wohnung hat, und machen aus dem Schulhause den Spital des Orts, quartieren irgend eine arme Haushaltung dahin ein, und tragen derselben die Warm - und Sauberhaltrms der Schulstube auf, idie frcylichj unter solchen Um- 95 ständen nicht wohl der Jugend zu einem Muster der Ordnung und Reinlichkeit wird dienen können. Findet man aber zu einem Schuldienste auch keinen Gemeindsangehörigen, so wird soviel möglich auf einen unverheuratheten oder sonst einen Mann gesehen, der von seiner oft mehrere Stunden entlegenen Heymath aus, die Schule besorge, ohne sich da niederzulassen/ damit er nicht der Gemeinde in Hol; oder sonst beschwerlich falle. Auch weiß ich Beyspiele/ daß selbst einem solchen einzigen Manne, der den ganzen Sommer über und im Winter auf den Sonntag oder sonst nach Hause gieng, nicht einmal der ruhige Besitz der Schulstube eingeräumt ward, in welche jeder Einwohner des Dorfs zu allen und jeden Zeiten freyen Zutritt zu haben Anspruch machte, und nickt nur die Hausvater zu ordentlichen Ge- meindsversammlungen, sondern jung und alt der Abends rum Trunk und traulichen Gesprächen zusammenkommen, wodurch dem Lehrer die Stunden geraubt wurden, die er so sehr bedurfte, sich auf die Unterweisungen und Sonntagskinderlehren vorzubereiten, im Schreiben zu üben, oder auf irgend eine Art neben seiner geringen Besoldung etwas zu verdienen. Man kann sich leicht vorstellen, wie mancherley Nachtheile daraus in Rücksicht auf Ordnung, auf 96 —. Reinlichkeit des Orts und auf die Sitten der Schulet entspringen müssen, wenn der Schullehrer das Schick Haus nicht selbst bewohnt und inne hat. Betragen sich doch auch Studenten auf Universitäten weit gesitteter, wenn sie die Collegien im Hause des Professors hören, als wenn selbige in einem öffentlichen , auf gemeine Unkosten unterhaltenen Hörsaat gegeben werden. Kommt der Lehrer in die Schule von einem andern Hause her, und hat er in letzterm, wie gewöhnlich, vorher noch allerley Geschäfte, sein Vieh u. s. w. ju besorgen, so wird er lieber die Kinder auf sich warten lassen, als seine Zeit durch zu frühes Hingehen verlieren wollen; diese werden dann unterdessen entweder allerley Unfug treiben, oder auch nicht eilen, bis sie glauben, der Lehrer sey würklich dn oder komme bald, und sind vor Verweisen sicher, wenn sie schon etwas später ankommen, weil der Schulmeister noch nicht lange da ist. Der Anfang der Schule wird immer mehr verspätet und ist sehr ungleich, und die Entlassung der Kinder kann nicht weiter hinaus verschoben werden wegen der Schüler, welche früher da waren , und vön denen der Lehrer nicht weiß, wie lange sie vor ihm in der Schule gewesen. Gesetzt aber, die Kinder kommen zu rechter Zeit und lernen, auch wenn kein Schulmeister d» ist, 97 ist, so kernen sie doch oft nicht das, was, noch weniger wie sie sollten. Daher findet man in des meisten Schulen keine Ordnung, ein wildes Geschrey, die elendeste Aussprache; jedes sitzt, wo es ihm beliebt, lernt, was es gut findet, und wie es ihm am leichtesten vom Munde geht. Den wenigsten wird ihre Lection vom Lehrer aufgegeben, viel weniger vorgelesen; was sie einmal unrichtig auszusprechen, zu lesen, herzusagen sich angewöhnt, ist ihnen nicht Mehr anders beyzubringen. Der Lehrer muß, sobald er in die Schule kommt, damit anfangen, viel übel Gelerntes anzuhören; wo sollte er Zeit hernehmen, zur Anweisung? wo, ein jedes zu setzen, was Und wie es zu sitzen habe? Eben darum ist sich nicht M verwundern, wenn die Kinder sich gewöhnen, ungesittet hereinzntrctten, ohne zu grüßen, bald die Thüre zuzuwerfen, die Schuhe auszuziehen, und sich auf den Ofen zu setzen, von dem sie manchmal, auch wenn der Lehrer kommt, nicht weichen, bis sie enb weder die Hitze nicht mehr vertragen können, oder von andern verdrängt werden, ungekämmt und ungewaschen erscheinen u. s. w.' Sehr viele Schulhäuser sind so schlecht, daß einem Manne, der nur kein Bettler ist, nicht zugemutbet werden kann, mit der Wohnung darinn vorlieb r« nehmen, und dabist folglich auch an keinen fremden S 98 Schullehrer zu denken — man muß sich mit einem aus dem Dorfe , oder allenfalls aus der Nahe beheb fen, so gut er da ru haben ist. An der innern Einrichtung unserer Schulgebäude , wäre ebenfalls vieles zu bessern. Statt zweyer Tische, ! einer für die Knaben und einer für die Mädchen, ! oder höchstens noch einen dritten für den Lehrer und die Schreibenden, wünschte ich deren so viele, als in einer Schule Classen zu machen wären. Die Beförderung an einen höhem Tisch wäre dann dem - Kinde ein sinnliches Merkmal der Vermehrung seiner ^ Kenntnisse, folglich eine Aufmunterung, und der Lehrer würde genöthiget, auf die Ordnung unter , seinen Schülern und ihre Fortschritte immer besser ru achten, um jedem seinen gehörigen Platz anweisen ru können. Für stärkere Schulen, wv so viele Tische, die man auch größer oder kleiner müßte machen können, tu viel Raum erforderten, sollten allenthalben, wie rs schon hie und da ist, zwey Gemächer seyn, ein kleineres und geräumigeres, damit dre größere Menge in wärmern, besonders den Frühlingstagen, im Hornung und Merz, wo sie erst die Schule am ^ häufigsten ru besuchen pflegen, nicht so enge in ihren ,, Dünsten eingesperrt seyn müsse, wie sie es bey kalte- 99 ker Witterung seyn wollen? und in Lern einen odrk andern die Gemeindsversammlungen ohne Nachtheil der Schule, und in dem großem die Kinderlehren könnten gehalten werden. In einigen Schulhänsern sind freylich zu diesem Zwecke Nebengemächer, durch deren Eröffnung die Hauptstube etwas erweitert wird, aber gewöhnlich sind sie doch noch ru klein und haben manche Unbequemlichkeit sowohl für den Lehrer, deck sie den Vortrag erschweren, als für die Zuhörer wider sich. An den meisten Orten müssen diese Ne« benstubcn auch dazu dienen, einen zweyten Eingang lu geben, weil die Mannsleute, ich kann nicht errathen aus welchem Grunde, nicht dahin zu bringen sind, sich derselben Thüre Mit dem weiblichen Geschlechte zu bedienen, welches manchem Schulmeister, der dieses Nebengemach zu seiner Wohnung und Vrb ercitung bedarf, oft sehr rings? legen ist» ! In diesen großem Schul- oder Klnderlchrstribm ist es am besten, wenn nichts als Banke, Und diese nach hinten in an der Wand, welche dem Lehrstuhle gegen über ist, beträchtlich erhöhet sind. Dadurch wird viel Raum gewonnen; der Lehrer sann alles ! besser übersehen; die Jugend wenigst miteinander ! plaudern und sich necken. Nur rum Schreiben fir»V G s Tische nöthig, *) deren man allenfalls, wenn dieses auch da geschehen müßte/ etliche bewegliche haben könnte/ so wie es überhaupt besser wäre/ wenn selbige nicht so groß oder so fest und so nahe bey den Fenstern rmd Banken stünden/ daß die Kinder darüber hin an ihr Ort und hervor geben müssen. Neberhaupt wird bey der Einrichtung unserer Schulstuben weder auf die Gesundheit der Kinder/ noch auf die Bequemlichkeit des Lehrers genug Rücksicht genommen. So wie jene an den Tischen sich einander gegenüber sitzen/ kann dieser sie zu wenig beobachten/ auch lernen sie nie ihren Leib gerade *) Ich möchte dcn Kindern die Tische nicht nehme»/ aber dieß möchte ich / um der Gesundheit will-m , daß die Tische/ an welchen die Kleinern sitzen muffen, so tvie auch die Bänke nicht so hoch wären, wie die, an welchen die Größer« sitzen. — Ich wünschte auch, Laß nicht die Kinder von zwey Banken mit zwey ^ gegeneinander gekehrten Kövftn an einem Tische säs- sen, sonder» daß für jeden Bank ein Tisch wäre, und die votdcrn Ränge der Kinder dem Hintern Range den Rücken zuwendeten. — Ich wünschte ferneres, daß die Tische nicht eben, sondern abhängend wie Pulte wären; es wäre dieses zum Schreiben und Lesen be-> ' «immer. Wenn ich ein Schulhans zu bauen hätte, so würde ich vor allem aus die Schulstube sehr hoch machen lassen, wegen den Ausdünstungen; der Schulmeister müßte mir auch einen vorncn in der Stube anae- brachten, um eine »der zwey Stuffen erhöhet«; Sitz Haben. Anmerk. v. einem Freund d. Verf. tragen, wozu freystehende Bänke ungleich besser wären. Größere und kleinere müssen auf dem gleichen Tische, auf der nämlichen Bank sitzend, schreiben, welche beyde eher für den Lehrer, als für Kinder dazu eingerichtet sind, und wo auch mehrere Tische sind, sind sie doch, als wenn alle Kinder gleich groß wären, alle gleich hoch, und allemal eben, obschon Pulte rum Schreiben und Lesen bequemer wären. Daher wird man auch bey uns wenig Schulen finden, wo die Kinder nicht bey dem Schreiben mit dem Kopf auf dem Papier und mit der Brust am Tische liegen; die Knaben, wenn sie stehen sollen, sich an eine Wand lehnen, und die Mädchen über dem Hersagen einer Lection sich von einer Seite rur andern bewegen, anderer Unarten, welche zum Theil eben daher entstehen, zu geschweige», als r. B. daß sie dem, welchen sie anreden, selten frey ins Angesicht sehen, das Buch oder die Mütze dabey vor's Gesicht nehmen u. s. w. Gar oft sind Tische und Bänke so nahe bey einander oder an den Wänden, daß es schlechterdings unmöglich ist, dazwischen gerade zu stehen, wie es nicht nur rum Wohlstand, sondern auch zur Abwechslung für die Gesundheit der Kinder, wenigstens im Beten, Singen und Antworten doch wohl seyn sollte. Auch wünschte ich, daß bey Einrichtung einer gemeinen Schulstube dem Lehrer kein eigener Sitz, >' — SSI »-i wenigstens keine Bequemlichkeit gemacht würde, daselbst Rechnungenu> dgl. zuschreiben, welche Nebenarbeiten oft viele Zeit der Schule entziehen, in welcher der Lehrer, wie ich glaube, beständig auf den Beinen seyn sollte. Unordentlicheres kann man sich aber nichts vorstellen, als eine Schule, wo alle Kinder, die ihre Lection hersagen wollen, sich um den Schulmeister her versammle», und stehend, dieweil er sitzt, einen solchen Kreis um ihn Messen, daß er nichts sehen kann, was ausser demselben vorgeht. *) Doppelte Fenster und Zuglöcher wären um der Dauerhaftigkeit der Gebäude eben so sehr als um der Gesundheit willen anzulachen, und werden bey ^ den wenigsten Schulstuben gefunden, wo an den ^ Fenstern die Feuchtigkeit von den mancherley Dünsten und dem wohl eingeheitzten Ofen zusammen-, und ^ auf die Stühle und die Kleider der daselbst sitzenden ! Kinder herabrinnt. Wenn nun diese kaum eben vom ^ Ofen kommend, jert schon wieder beym Stillesitzen *) Auch in dieser Rücksicht ist daher die Methode gewiß nicht genug anzupreisen, die Kinder in Classen einzutheilen , und eine jede Classe im gleichen Buche die gleiche Lection lernen zu lassen, um dann alle miteinander — jedes an seinem Orte sitzend — verhören zu können, indeiy eins nach dem andern vyn dem Gelernten bis zu einem Punkt hersagt, während dem hie übrigen leise nachlesen. Anmerkungldes Herausgebers. :lbst ^ iten der ine» aber ?er, 1 hul- I er ß er t.^) der um bey den isten und ndcn vom litzen ,ewiß , inzu- e die itein- hören dem dem >ers. xoz — der Nässe und der Zugluft ausgesetzt find, welche ! durch die theils zerbrochenen, theils von der Feuchtig- ! keit verdorbenen, beynahe überall schlecht erhaltenen ! Fenster überall eindringt, so ist für die Gesundheit j der Kinder bey ihrem Aufenthalt in der Schule eben so viel Nachtheil zu befürchten, als sonst von der Bewegung in freyer, wenn schon kalter Luft auf dem Wege dahin und zurücke für selbige Vortheil ru hoffen wäre. Eine Stundenuhr sollte nicht weniger in jeder Schule seyn, wo man nicht die Kirchenuhr im Gesichte oder ganz in der Nähe hat, sonst sind, wie die Erfahrung lehrt, Schüler und Lehrer in beständiger Gefahr, die Schulzeit eher verflossen zu glauben, als sie es würklich lst. An den Wänden vermisse ich überall einige Land-' charten, wenigstens vom Vaterlandeeine schwarze Tafel, dieses so brauchbare Schulgeräth, und einige mit wohlgemachten Buchstaben, Zahlen, Mufiknoten, guten Schulgesetzen und nützlichen Sprüchen beschriebene, dre zugleich zu Schreibevorschriften*) dienen *) Ob eine an der Wand hängende mit Sprüchen beschriebene Laset zur Schreibvsrschrift dienen könnte, weiß ich nicht, wenn man sie nicht immerfort änderte. Mich dünkt, dieß könnte aber mit dem Alphabeth und mit . der Sylbenvorschrift so geschehen. Anmerk. v. einem Freund d. Verß» könnten. Nebst einer Bibel Anden sich gewöhnlich auch einige Schulbücher vor, aber selten in hmläng- licher Anzahl in Vcrgleichung mit der Menge von Schülern, welche keine oder nicht die rechten mitbringen, weil ihre Eltern oder Pflegeeltern ihnen sagen: ich lasse dir das Testament, Psaimbuch u. s. w. nicht, daß du es in der Schule zu Grunde richtest; will der Schulmeister dich nicht in dem lernen lassen, das ich dir gebe, so mag er dir selbst ein anderes verschaffen u. s. w. — *) ^ *) In diesem ersten Theile gedenken Sie der an vielen Orten so fehlerhaften Methode^, dem Schulmeister das Holz zur Wärmung der Schulstube zu verschaffen, nicht, , die darinn besteht, daß die Kinder ein jedes ein Scheit : Holz mit sich zur Schule tragen müssen, da doch eine Dorfgemeinde ihm leicht ein gewisses Quantum auf ' einmal GemeindwerkSweife im Herbst zum Hause liefern i könnte. Sie sehen leicht ein, wie viel Nachteiliger aus jener Methode entsteht: daß der Schulmeister oft kein Holz hat, die Kinder unfleißiger zur Schule gehen , Zäune zerrissen werden, und der Arme, der viele , Kinder hat, allemal von dem Bemittelten, der deren meistens weniger hat, übervortheilet ist. Bey meiner gegenwärtigen Gemeinde, in der 10 Schulen sind -s» iso 5 oder 6 genug wären — sind würklich noch s, wo die Kinder Scheiter bringen müssen, und ich sehe leider! noch keine Möglichkeit, das Ding zu ändern. Im Guggisberg war es ohne Auskahme bey allen , Schulen so, aber der dortige Pfarrer konnte dem Ding ! durch den Arm des damaligen Hrn. Landvsgts helfen» Wo sind aber allenthalben die Amtsleute, die Geschick» lichkeit, Willen und Ansehen haben, in solchen Fällen zu helfen k — eines Freunds d. Vevf. ISA Hie und da findet man auch fliegende und Neben- Schulen ohne eigene Schulgebäude, für welche ein Lehrer und eine Stube von einem gewissen Bezirke auf Rechnung der Gemeinde oder der Unterzeichnenden auf einen Winter gemiethet wird / wo und wie es am wohlfeilen zu machen/ oder den meisten Kindern/ oder denen der vielgeltendsten Eltern am gelegensten ist. Hat man aber keinen Platz / so giebt jeder Hausvater in der Reihe auf eine Woche oder eine gewisse Zahl von Tagen / nach der Zahl seiner Kinder seine Stube zur Schule/ in welcher dann zu gleicher Zeit auch von den Hausgenossen gesponnen, geplaudert wird u. s. w., und solange die Schule da hauset, hat zugleich der Lehrer daselbst seine Kost. Freylich habe ich auch in ordentlichen Schulyäuseen des Schulmeisters Hausgenossen oder andere da wohnende bey den Schülern spinnend angetroffen, bey denen sie Unterhaltung und mehrere Warme suchten, wozu sie auch, wie billig, gegenseitig das Jh'rige beytrugen. — Einige dieser Nebenschulen sind fortdauernd, weil sie aus gemeinen Gütern erhalten werden ; die aus freywilligen Beyschüssen entstandenen werden von den Interessenten nach Belieben aufgehoben, und die Kinder wieder zur Hauptschule gesandt. Auch weiß ich — doch nur im Emmenthal — von Hausvatern, iv6 — die wegerr Entfernung oder schlechter Beschaffenheit der öffentlichen Schule blos für ihr Haus einen eigenen Lehrer halten, an dessen Unterricht sie allenfalls such etwann arme Nachbars Kinder unentgeldlich Theil nehmen lassen. Diese Hauslehrer sind öfters aus dem Cantvfl Zürich, und werden eher auf Wochen oder Monate/ als ganze oder halbe Jahre «»gestellt / auch wie es die Umstände bringen / ru Holz-und Feld-Arbeit gebraucht. 2. Schul lehren Gewöhnlich haben wir zu einer Schule nur eines Lehrer, und in einem Schulhause nur eine Schule. Eine einzige Gemeinde kenne ich / die in demselben Gebäude zwey von einander ganz gesonderte ^Schulen und für jede derselben einen Lehrer hat, unter welche die Kinder nicht etwa dem Alter, ihren gemachten Fortschritten, oder wenigstens dem Geschlechte, sondern der Gegend nach urtheilet siud, aus welcher sie herkommen';^ wer dem' Schulhause gegen Aufgang wohnet, gehört dem einen, und wer gegen Niedergang ru Hause ist, dem andern Lehrer zu. Wie viele mögen da vielleicht jährlich, und mitten in der Schulzeit mit ihrem Aufenthalt auch Lehrer ändern ohne Noth und weder zu ihrem, noch der Schule Vortheil. In einer andern Gemeinde, die, wie die obige, ziemlich beträchtlich ist, fand ich vor einigen Jahre» zwey Lehrer in eben derselben Schule, die, ohne daß auf eine besondere Arbeit oder Classe von Schüler« angewiesen gewesen wäre, sich nach Gutbefinden i« ihre Verrichtungen theilten. — Die Besoldung, die Arbeit und die Bestellung oder das politische Verhält« tiiß der Schullehrer sind die Hauptpunkte, welche hier Beherzigung verdienen. , Ihre Besoldung beläuft sich jährlich vielleicht bey den meisten auf 12 - iF, hie und da auf 30 - 4a - Cronen (zu 100 Kreuzer, ungefähr ein Reichsthaler,)/? selten höher; sehr wenige haben über dieß hinaus noch freye Wohnung und Holz, oder gar einen Ge» muß - und Obstgarten , und auf das Allerhöchste Futter für eine Kuh oder Ziege. Ich zweifle sehr, ob im ganzen Lande auf Dörfern rehen Schulstellen zu finden seyen, die, alles genau berechnet, 70 Cro» neu einbringen.*) *) Ick kenne eine Schule, welche wenigstens 90 Cronen einbringt, zwey andere in derselben Nachbarschaft jede von ;o Thalern. Anm. v. einem Freund d. Verf. Ein anderer hingegen machte dem Verfasser die Anmerkung : Sie fegen die Einkünfte der Schulmeister von io, 11 ° 60 Cronen; was denken Sie aber, wenn ich Ihnen sage: daß in meiner gegenwärtigen Gemeinde noch viere sind, die nicht über i LouiSd'or Besoldung haben — sünfe haben entweder 8 oder 9 Cronen, ein einziger hat etwa Cr. — ? 128 Irr gewissen Gegenden haben die Schullehrer Gelegenheit zu einigem Nebenverdienst, das aber öfters in nichts weiter als dem Antheil an einer Mahlzeit besteht, mit Hochzeübitten, Zeichengebeten u. s. w. worüber dann gewöhnlich die Schule feuern muß. Mancher halt auch, um junge erwachsene Leute, die es in den Schuljahren nicht so weit gebracht haben, noch schreiben oder auch rechnen zu lehren, Nacht- oder Privatschulm, muß sich aber, wenn er Kunden (Lehrlinge) haben will, dafür mit einem sehr geringen Lohne, oder gar nur mit dem Eewinnste des kleinen Commerzes begnügen, das er etwa dabey mit Papier, Federn und Dinte treibt. Die Meisten legen sich auf Abschreiben, Rechnungen verfertigen, Heumessen, Rabulisierey u.dgl. Das letztere ist unstreitig für dieSchulen weit dasNachtbeiligste, zieht die meiste Versaumniß und Feindseligkeiten nach sich, verleitet sehr oft zu Trunkenheit oder sonst zu schlechten Sitten, und macht, daß mancher dem Schuldienste entweder gar entsagt, wo nicht entsagen muß, oder doch alle Neigung und Muth ru den Verrichtungen desselben verliert. Die Arbeit der Schulmeister wird in die Sommer- und Winterschulen abgetheilt; für jene, in welchen ausser der Wiederholung des im Winter auswendig gelernten von den Größer» nichts gethan wird — sollten wöchentlich zwey oder wenigstens ein Tag bestimmt seyn, ich glaube aber, der Orten, wo sie auf einen halben gesetzt sind, oder gänzlich unterbleiben, seyen mehr als deren, wo zwey dazu genommen werden. Beynahe überall geht es so nachlaßig damit her, daß der Lehrer viel Amtseifer besitzen muß, wenn er nicht endlich müde wird, seine Zeit bey so wenigen Kindern so gut als zu verlieren, entweder selbst ausbleibt, oder doch froh ist, niemand zu finden, um wieder nach Hause oder an andere Arbeit gehen zu können. In vielen Gemeinden sind deßwegen die Sommerschulen entweder auf die Sonntage (wo aber em Pfarrer sie nicht besuchen kann, und nur die besser, gekleideten Kinder sich einfinden werden), oder auf einige Regentage, oder auf ein paar Wochen, zwischen den vornehmsten Feldarbeiten, verlegt worden. Eine einzige Landgemeinde ist mir bekannt, die ihren Schulmeister dafür bezahlt, daß er auch den Sommer hindurch alle Vormittage Schule halte, die Zeit der Erndte, Heuerndte und Saat ausgenommen, 'in welcher wohl überall die Schulen feycrn. *) Die Winterschulen sollten zwar nach obrigkeitlicher *) Nicht in allen Gegenden wird des LagS zweymal Schule gehalten: in den weitläufigen und zerstreuten Bcrgge- meinden, und in einigen Gemeinden des SiebenthalS «oird wir einmal des LagS Schule gehalten, ungefehr Bekordstung von 1673, die 1700, 1720, 1739 ünh 1788 die letztenmale ganz unverändert, mit allen Sprachfehlern wieder abgedruckt worden ist, mit den Kleinem auf Gallus angehen, unterbleiben aber wohl rneistentheils bis auf oder nach Martiny, und werden, soviel ich weiß, allenthalben auf Maria Verkündigung beschlossen; dauren also für den Lehrer und die allerfleißigsten Schüler nicht einmal 20 Wochen, von denen immer einige der ersten hingehen, ehe man nur recht wieder im Geleise ist. Hie und da wird bis Ends Jahrs nichts gethan, als das Alte wiederholt, und der Merz wird auch größtenteils zu Wie- derholung und besondereriZubereitung auf die Examen »erwendt, wenn nicht den ganzen Winter durch allzu, sehr nur auf dieses Rücksicht genommen wird. Die Stunden des Tags, wie lange die Schule -amen soll, soll eigentlich der Pfarrer bestimmen- die Gewohnheit hat sie aber den Anfang derselben auf 8 —y Uhr Vor- und 1 — 2 Uhr Nachmittags, und den Ausgang auf ri —12 und 3 — 4 Uhr festgesetzt.*) Manche Lehrer sind kaum 4, andere bis von io Uhr Morgens bis 2 Uhr Nachmittags, unV ich finde dieses nicht so ganz unschicklich, da den entfernten Kindern auf solche Weise viel Weg erspart wird» Amn. v. einem Freund d Verf. ) Ich kenne eine Gemeinde, wo der Pfarrer darauf be« stuhnde/ die Sommerschule soll an einem Tage der Woche, mid nicht, wie bisher, des Sonntags zwischen --- ITI 6 Stunden in der Schule. Das letzte mag für einige Kinder, besonders wenn sie weit her, und nach Hause ru gehen hüben, zu viel seyn; aber nur 4 ist auch r« wenig, wenn man bedenkt, daß dieselben doch in Vor« und Nachmittage vertheilt sind: daß die Kinder je« desmal, also zwischen jeder Stunde, es sey einzeln oder miteinander, hinausgehen: baß damit, so wie mit Verlesung des Verzeichnisses der Schüler, und Bemerkungen der Abwesenden, schon einige Zeit aufgeht: daß vor- und nachher gebetet, oft auch gesungen wird oder werden sollte, folglich die Kinder dem Mittagessen Und der Kinderlehre, welches etwa eine Stunde lang dauerte, gehalten werden. Der Schulmeister sperrte sich. Die Vorgesetzten nahmen stillschweigend seine Parthey. Endlich öffnete der erste Vorgesetzte des OrtS ein sonst sehr verständiger Mann — seinen Mund: „Herr Pfarrer ! ich hoffe, ihr werdet da uns und unsern Kindern keine neue Beschwerde aussalzen wollen; wir sind sonst schon beschwert genug." Ein neues Belege, wie ungern nützliche Neuerungen, nur darum, weil es Neuerungen sind, auch gescheiten Bauerümännern in den Kopf wollen. Hier brachte ich es letzten Frühling dahin, -aß die Sommerschulen auf den Samstag gesetzt wurden., und gerne haben auf mein Anhalten die Vorgesetzten den Schulmeistern zu diesem Ende ihren Lohn um etwas vermehrt. Aber dabey blieb es auch, baß die Sommer- schulen auf den Samstag gesetzt waren. Gehalten und besucht wurde sie ordentlicher Weise in einer einzigen; in den übrigen war bald kein Lehrer, bald keine Kinder. Anm. v. einem Freun- -. verf. nie 2 Stunden hintereinander auf dem gleichen Flecke sitzen, oder zur gleichen Arbeit sich anstrengen müssen, wie sich's viele Leute vorstellen. Oft ruft sie auch der Lehrer, unbeweglich auf seinem Throne sitzend, zu sich hervor, um ihre Lection herzusagen, welches wieder eine Bewegung mehr / aber doch nichts desto besser für die Ordnung ist. In dieser Zeit soll ein Schulmeister die ihm anvertrauten Kinder lesen, schreiben und singen lehren, sie den Catechism, und allenfalls auch einige Psalmen, Festlieder und Hauptstücke aus der heil. Schrift auswendig lernen lassen, ihnen den erstem erklär n, und das auch an den Sonntagen den Winter hindurch in den öffentlichen Kinderlehren thun, welchen Erwachsene und Alte ebenfalls beywohnen; daß er sie beten lehre, wird nichts anders seyn sollen, als daß er sie Gebeter aus Büchern oder durch nachsprechen auswendig lernen lasse; wenigstens wird dieser Forderung wohl auf keine andere Art Genüge geleistet. Dom Rechnen schreibt das Gesetz nichts vor, auch werden in sehr wenig Schulen nur die allerersten Anfangsgründe davon den Kindern beygebracht; in den meisten denkt man nur nicht daran, sie die Zahlen kennen zu lehken, ausgenommen was sie davon in der Fibel lernen. Also soll ein Landschullehrer ruforderst richtig, fertig "3 fertig und deutlich lesen. Schon das muß in önem 6* Lande natürlich selten seyn, wo eine so verdorbene, so schwankende, von Dorf zu Dorf veränderte Mund- ^ art herrscht, und wo so wenig sprachartige Bücher d, in die Hände der Landleute kommen. Er soll gut i schreiben und singen können, sollte auch wenigstens ^ die ersten Regeln der Rechtschreibe-, der Ton - und Rechenkunst verstehen, und vor allem aus ein ver- ständiger, freundlicher, gesitteter Mann, von einem n, gewissen Ansehen und vieler Rechtschaffenheit; er en, sollte, ja er muß nothwendig, bey seinen besten Kräft ns- ten ein unverdroßener, thätiger, und dennoch sehr n, sanfter, gedultiger Mann seyn; soll über das alles in- (wie viel man doch für die schlechteste Bezahlung wn fordern darf!) noch Religionskenntniß und Sprache, sie besonders Kunstsprache genug besitzen, um ein so 'aß schweres, nicht Religionslehr-, sondern kontrovers- wir buch, wie unser Heidelbergische Catechtsmus ist, or- deutlich, für die allerunwiffendsten Kinder, und et. doch unterhaltend und befriedigend für eine ganze uch Gemeinde, in den Winter-Kinderlehren ru er- !ln- " klären. ttn Wer bestellt aber den Schulmeister? Die hohe Decken vrdnung darüber bestimmt: »Die Gemeinden sollen die m gemachte Wahl dem Pfarrer und Amtsmanne (Landvogt) rur Bestätigung vortragend Aber sie bestimm is, H i nicht, ob dieser oder jener, welcher eigentlich in einer viel nähern Verbindung mit der Schule, als letzterer steht, oder beyde gemeinschaftlich berechtiget seyen, eine andere Wahl zu verlangen, wenn ihnen die erste nicht gefällt, oder auf Verbesserung der Stelle zu dringen, wenn sie so beschaffen ist, daß kein rechtlicher Mann sich dafür melden wird, noch vielweniger, wem es zukomme, einen untüchtigen oder unwürdigen Schuldiener abzusetzen. Freylich thut ein Pfarrer gewöhnlich das meiste hiermit, wenn er sonst bey der Gemeinde und dem Amtsmanne ei- ! nigen Einfluß hat, oder dieser sich nicht viel darum j bekümmert. Aber es wäre doch nöthig zu wissen, ! nicht, was er aus persönlichem Ansehen oder An« ! maßung ausrichten könne, sondern was er, Kraft seines Amtes, zu thun Fug und Macht habe? Oder soll dann eme Gemeinde auch von Seiten ihrer Schulen vernachläßiget werden, weil man ihr (Unglück genug für sie) einen Prediger gegeben, der schon für die Verrichtung seiner eigenen Pflichten zu wenig Gewicht hat, oder sonst der Achtung des Amtmanns oder der Gemeinde, vielleicht ohne seine Schuld, entbehren muß. Weil aber, um gegen eine Gemeinde aufzutreten, wenn man sich auf keine bestimmten Vorschriften berufen kann., und aus einem Amtsgeschäfte sein eigenes machen muß, so viel Thätigkeit, Muth Mb Amtseifer erfordert wird, als man von den wenigste» Pfarrern, nach der Lage, in der sie sich befinden, und dem Wege voraussetzen darf, den sie dahin zu machen hatten, auch nicht zu erwarten steht, daß - die Herren Amtsleute mit der Sorge für die Schule» / sich gar viel abgeben werden, und die Gemeinden' ! immer einen ihrer Angehörigen jedem andern, eine» ! armen Schlucker, der sich selbst nicht Zu helfen weiß, ^ und den sie sonst auf eine andere Weise unterstützen l müssen, demjenigen vorziehen, der nicht ihrer Hülfe ! bedarf, indem jedermann gern Gnaden austheilt, ^ und ein Mensch von solchen Fähigkeiten, wie sie Zu , einem tauglichen Schullebrer erfordert werden, unab- ! hängig genug seyn kann, um für einen so elenden ! Dienst weder dringend anzuhalten, noch jedem Haus- ; vater um seine Gunst zu schmeicheln, damit er dabey leben könne, so sind viele Schulen mit verdorbenen Handwerkern, mit Säufern oder andern liederlichen, tragen oder unvermöglichen Leuten besetzt, die ihrem Hause nicht vorstehen konnten, und von der Gemeinde und jedem Stück Brod abhängen, das ihnen ver- / rogene Kinder zubringen. Allen Wünschen und Vorschlägen Zu Verbesserung unsers Schulwesens werden gemeiniglich die geringen Einkünften -er Lehrer als die größte!, und unübxs H 2 kindlichste Schwierigkeit entgegengesetzt; ich glaube «der mit Unrecht, denn ich kenne nicht nur Beyspiele,^ daß auch unter den am schlechtesten bezahlten mehrere so gute Dienste leisten/ als man immer unter den übrigen vielfältigen nachcheiligeu Umstanden von ihnen erwarten darf/ sondern bey dem/ was die ! Regierung darinn thut / wäre auch nicht zu zweifeln/ ! daß/ zwar nicht alle Stellen auf einmal/ aber doch ; so viele hinlänglich verbessert werden könnten/ als nöthig wäre / fähige Leute zu ermuntern / sich diesem Stande zu widme»/ wenn man erstlich dasjenige alles sorgfältig und zweckmäßig benutzte/ was wirklich vorhanden ist/ und zweytens/ wie höchst billig, jede Gemeinde anhielte, nach Maßgabe dessen, was die Regierung thut, auch nach ihrem Vermögen redlich beyzutragen, anstatt, daß es Gemeinden giebt, die die von der Obrigkeit ihnen ausdrücklich dazu geschenk- ! ten Beysteuer zurückbehalten, und der Schule nicht ^ Es schuldig zu seyn glauben, sobald sie einen Schulmeister finden, der es wohlfeiler machen will. Ueber- haupt wird zu dergleichen Einkünften zu wenige Sorge getragen, und denselben hie und da etwas entzogen, indem weder die Gemeinden, noch Pfarrer oder Amtsleute hinlänglich darüber wachen, wenn die ivürklichen Nutznieffer etwas aus Unwissenheit, Nach- Mgkeit, oder um besonderer anderweitiger Vor- theile willen zurücklassen, zuweilen aus Abhängigkeit und durchgängigem Mangel an Titeln zurücklasse« müssen. Indeß sind viele Kirchengüter vorhanden, deren Ertrag oft auf viel unzweckmäßigere Ausgaben verwendet wird, liegende Gemeindgüter, die so weitläufig und schlecht benutzt sind, daß große Strecke« davon, ohne merklichen Nachtheil für irgend jemand, entbehrt werden konnten, *) und über welche zum Beßten des Orts zu verordnen, der Landesherr gewiß ein unstreitiges Recht hat; hatte man nur erst einige Leute,-die nebst dem zum Unterricht erforderliche« auch mehr als die gemeinen landwirthschaftliche« Kenntnisse z. B. von Baum - Bienen - und Seidezucht, *) Au Verbesserung des Schulwesens schlagen Sie die Alimenten vor — Vortrefflich! Ich sah dieses in WalperSwyl ein, gab auch einst den dortigen Vorgesetzten den Rath dazu, aber damals noch vergebens. Allenthalben geht aber dieß doch nicht an, ; B. in Gemeinden, wo keine Gemeinheiten sind, wäre es unmöglich. Aber könnten nun solche Gemeinden das Reisgcld, so jezt MGHH herausgeben wollen, besser anwenden, als zur Vervollkommnung des Schulwesens? Ich sagte unlängst den hiesigen Vorgesetzte« davon, und fand Eingang und vollen Beyfall» Anm. eines Freunds d. Verf. An Quellen zu Verbesserung der Gehalte unserq» Schullehrer fehlt es, gewiß! in keinem Canton — aber einzig am ernstlichen Wollen «nd an hinreichender obrigkeitlicher Unterstützung. Anmerkung -es Herausgebers. Verbesserung und Benutzung schlechten Erdreichs u.dgl. besässen, so würde (von dem aus ihrem Unterrichte und Beyspiele hierinn ru hoffenden Nutzen nichts zu j sagen) an manchem Orte sehr leicht ein artiges Einkommen für sie in bisher unbenutzten Quellen zu finden seyn. Mancher Pfarrer würde auch von seinen, rumalen solchen Einkünften, die er so nicht oder nur schlecht bezieht, als Erdapfelzehenden u.dgl. gern verschiedenes an den Schullehrer abtretten, ! besonders wenn — wie es nicht unmöglich wäre, und ! in den Städten meistentheils ist — ru hoffen stühnde, daß sich für die annehmlichem Stellen hie und da ^ ein Candidat des Predigtamts*) fände, der das *) Daß einCandidat zum Vortheile derSchule alSLehrev ! darinn stehen könnte, das glaube ich nicht, wenn er l einmal dabey noch eine andere Stelle, entwederS HeU ! ferey oder Vicariat bekleidete. Wäre er Claßhelfer, j so müßte er zuweilen der Ferien zu viele in der Schule - . geben; wäre er Mcarius des OrtS und Schulmeister ^ zusammen, so würde es auch hier der Ferien viele geben, oder seine übrigen AmtSverrichtungcü müßten darunter leiden; zudem würde ihn dieß in manche verdrießliche Verhältnisse mit den Bauren bringen, in ihrer Achtung herabsetzen, und wie würden sich die übrigen Schulmeister von ihme wollen visitieren lassen? Noch dieß: einem Candidatm, also einem Manne, von dem man doch voraussetzt, Laß er Erziehung und > Studien habe, müßte es ja entsetzlich abgeschmackt ^ vorkomme«, Landfchulmeister zu seyn r die saure Arbeit ! gn sich selbst, die eine etwas abgehärtete Constitution erfordert; die Widersetzlichkeit der Bauren bey seinen - etwa vorhabenden Verbesserungen; die gebieteriM ! Vikariat oder sonst einige Verrichtungen des Pfarrers übernähme, oder ihm nur hie und da im Nothfalle behülflich wäre, wodurch er sich auch auf diesen Stand besser als auf Reisen oder durch Jnfvrmatordienste in einem vornehmen Hause ausbildete, auch besser, als wenn ein solcher gleich vom Gymnasium weg die ganze Last des Predigtamtes, als Vikar eines gänzlich unvermöglichen oder verstorbenen Pfarcers auf sich nimmt, und weil er sich selbige aus Noth gedrungen, so leicht als möglich ru machen sucht, dadurch auf sein Leben leichtsinnig wird.*) Anmaßungen so manchen Pfarrers, der dem Schulmeister seine Superioritat fühlen lassen will; das Bewußtseyn, etwas höheres leisten zu können; dieß' alles würde einem Candidate» bald Widerwillen und Eckcl gegen sein Amt beybringen, und sobald man Eekel und Widerwillen gegen ein Amt hat, ss bald ist man auch dazu untüchtig. Ich glaube also, daß unsere Landschulen, gesetzt auch, sie wären in ihren Einkünften auf 100 Thaler gesetzt, wozu es Loch nicht kommen wird, und gefetzt, sie würden von Berner Candidaten bedient, eben von solchen gar nicht am besten bedient würden. Vielleicht aber könn-! ten sich hiezu willige und tüchtige Deutsche finden, diel nicht solche Aussichten haben wie unsere Geistliche. : Anm. eines Freunds d. Verf. *) Ich bin allerdings auch der Meynung, daß man den Schulmeistern zu ihren Kinderlehren nicht den Cate- chismus, sondern ein biblisches Historienbuch geben sollte. — In der Schulordnung aber kann ich nicht finden, daß die Gemeinden etwas zur Wahl eines Schulmeisters zu sagen Haben, sonder» eS ist selbiges Was ich für das Memöthigste halte/ um taugliche Männer für die Schulen ru finden / wäre eine bessere Wohnung. „Dieser Stand/" sagt Stuve über das Schulwesen/ Züllschau 78Z. S. 22, „ist der »häuslichen Glückseligkeit so ungemein fähig und »bedürftig/ kann durch die mannigfaltige Erfahrung ,, des ^Hausstandes eine selbst für seinen Beruf so »nützliche Gemüths - Stimmung und Bildung er- » halten / und endlich durch musterhafte Erziehung »seiner Kinder dem Staate so wichtige Dienste leisten/ »daß dieser billig alles aus dem Wege räumet/ was »ihn vom Heurathen abhalten kann." Könnte man die Gemeinden nicht verpflichten/ ja einzig dem Amtsmann und dem Vorsteher der Kirche überlassen. Dieß aber ist wohl wahr/ daß die Bauern «inen Schulmeister, den sie nicht wollen, und der ihnen nicht anständig ist / auf mancherley Weise schikaniren können/ daß ihm im ersten Jahr der Gelüst vergeht/ den Scepter länger als einen Winter zu führen; daß als» die Electoren wohl auch auf die Einstimmung der Bauern einige Rücksicht nehmen müsse» / und diese in einem gewissen Sinne die Wahl machen. Wie nachtheilig für eine Schule es sey, einen armen Schlucker zum Lehrer zu haben/ der nicht nur kein Vermöge» besitzt/ sondern nicht einmal ganze Kleider/ und oft von der Gemeinde aus besteuert werden muß; Wie wenig Achtung die Kinder für einen solchen Menschen haben, das sehe ich/ leider! alle Tage. Und dieser Schullehrer ist auch ein Bürger des Orts/ wo er steht.. Liesse man ihm diesen Dienst nicht/ heißt es/ sy mußte er sonst besteuert werden. — Anmerk. v. einem Freund d. verf. ein Schulhaus, zu dessen Erbauung die Obrigkeit beträchtlich beygetragen, so einzurichten, daß es eine brauchbare und anständige Wohnung für einen ver- heuratheten Mann, der nicht aus der niedrigsten Nasse wäre, abgäbe? und wenn man hie uyd da den mehrern Holzaufwand als einen Hauptgrund gegen eine Schulmeister-Haushaltung braucht, so find hingegen noch viele Pfarreyen, die an Waldung und Holzpensionen Ueberfluß haben, und daraus oder aus dem, was durch bessere Wirthschaft, es sey im Wald oder in der Küche, zu ersparen wäre, eine sorgfältige, ordentliche Haushaltung schon beholzet werden könnte. Und endlich waren die Schulhäuser die beste Gelegenheit, ru großem Vortheil der gemeinen oder der obrigkeitlichen Waldungen ein Beyspiel von Hol; sparenden Einrichtungen ru geben, welche einen kleinen Aufwand erforderten, aber denselben reichlich ersetzen würden. Eine annehmliche Wohnung, nebst hinlänglichem Holz und etwas Land zu einem Gemüse - oder auch Obst-Garten und höchstens dem Unterhalt für eine Ziege oder Kuh wäre gewiß schon ein beträchtlicher Theil des erforderlichen Einkommens, und ist wirklich oft da, wo dieses unter die bessern gerechnet wird — beynahe alles. Sollte es aber unmöglich seyn, soviel, ich will nicht sagen für jede, nein! nur für ein Drittheil oder die Hälfte unserer Schulen ru erhalten, damit man doch nicht an einen Gemeindsgenossen gebunden wäre, einen Schulmeister haben könnte, der nicht erst von einem andern Dorfe herkäme, die Schule zu halten, nicht ein Bauer wäre, der bald durch's Dreschen, bald durch's Säen, durch Besorgung seines Viehs und Besuchung der Märkte, mit einem Worte durch hundert solche Geschäfte von der Schule abgezogen wird, die ihm, wenn er auch noch so wohl bezahlt ist, doch allemal wichtiger als die leztere sind? da hingegen ein Handwerker schon weniger Bedürftniß und Versuchung hat, ihr ganze Tage zu entziehen, und die Zwischenstunden besser zu einem Nebenverdienste benutzen kann, das ihm dennoch den Geist frey genug läßt, sich mit Gedanken , die zu seinem eigentlichen Berufe gehören, zu beschäftigen , welches die vielen Schwärmer, Täufer u. s. w. unter den Webern beweisen. Mein zweyter Wunsch zu Verbesserung der Lage dieser würklich in so mancher Rücksicht beklagenswürdigen Diener des Staates gehet auf mehrere Unabhängigkeit von den Gemeinden, und auch zum Theil von den Amtleuten und Pfarrern, wenigstens genauere Bestimmung ihres Verhältnisses gegen dieselben. Gewiß ist dieses unbestimmte Verhältniß eine der drückendsten Lasten auch für den rechtschaffensten wohldenkm- den Prediger/ der sich weder in seinem Wirkungskreise allenthalben willkührlich einschränken lassen/ noch sich mehrere Rechte anmaßen mag / als Gesetze und Verfassung ihm geben. Da allgemeine Verordnungen unmöglich in den kleinsten Theilen genau bestimmt, und doch für alle unter sich so verschiedene Gegenden unsers Landes gleich passend seyn können, so sollte jeder Schulmeister nothwendig beym Antritte seines Dienstes eine besondere, in alle einzelnen Umstände eintrettende Instruktion erhalten, die von einem höher» Orte, als einem Pfarrer oder Amtsmanne sanc- tionirt wäre, damit sie nicht von dem Nachfolger des einen oder andern nach Gutbefinden verworfen, und durch unaufhörliche Abänderungen alles verdorben werden könnte. Die Aufsicht des Pfarrers und der Gewalt des Amtmanns müßten nur dahin gehen, daß der Schulmeister diese Instruktion befolge, welche auch bestimmen würde, wie weit, und in welchen Stücken diesem freye Hände gelassen seyen, nach Gutbefinden ru handeln, oder nöthige Verbesserungen zu versuchen, damit nicht, wie leider so häufig geschiehet, die ärgsten Mißbräuche und größten Unordnungen mit dem Verwände alter Gewohnheit und Uebung, ge- rechtfertiget werden. Indessen ist beyIgegemvärtigm Umständen wohl kein leichteres und zugleich auch unentbehrlicheres Mittel ru finden, wenigstens erträgliche 124 — Schuldiener zu bekommen/ als dieses / daß man vsn den übermäßigen Forderungen nachlasse. Je unbilliger man in Ueberspannung derselben ist, desto weniger erreicht man seinen Zweck, und kann doch, wenn man, wie natürlich, betrogen wird, dann niemand als sich selbst darum anklagen. Der Fleiß des Arbeitersund die Wachsamkeit des Aufsehers ermüden bald beyde, wenn man niemals belohnenden Key fall weder zeigen noch finden zu können hoffen darf, und wie sollte das möglich seyn, wo ein Mann, wie unsere Schulmeister grvßtentheils sind, so vieles ru leisten versprochen hat? Die Wirkung dieser, so wie aller allzustrengen Forderungen, ist erstlich, daß gerade diejenigen Leute sich anheischig machen sie zu erfüllen, welche dieses zu thun am wenigsten gesinnet oder im Stande sind, weil rechtschaffene nicht leicht übertriebene Forderungen eingehen, und bey würklrchen Fähigkeiten mehr Bescheidenheit und Kenntniß seiner Mängel , als bey Dummheit und Unwissenheit zu finden ist, und zwey- lens wird man gewöhnlich gerade am unrechten Orte auf solchen allrustarken Forderungen beharren, oder davon nachlassen. Hier muß der tüchtigste Mann zurückbleiben, weil er nicht singen kann, da doch beynahe in jedem Dorfe ein hiezu tüchtiger Mann zu finden wäre, wenn man sich entschließen könnte, diesen und den Religionsunterricht, wenigstens im Noth- falle, wo, und so lange man es anders besser machen kann, von den übrigen Pflichten des Schulmeisters abzusondern, welches sich ohne große Schwierigkeiten thun liesse; dorr hingegen erhalt sich ein elender Mensch bey einem Schuldienste einzig durch die Gabe, Kinderlehren zuhalten, wie man es zu nennen beliebt, das ist, mit vielem Affttt und Wortgepränge, und ohne Anstoß, obgleich auch ohne Sinn und Zusammenhang , ein langes und breites daher zu schwatzen, wenn gleich seine Sitten damit am wenigsten übereinstimmen. Könnte man aber nicht durch Einführung gedruckter Vorschriften sich die Forderung, daß der Lehrer eine saubere Handschrift führe, oder wenigstens ihm, und wahrlich auch den Kindern, viel Zeit und Mühe ersparen, indem beyden Theilen die Erlernung dieser Fettigkeit dadurch beträchtlich erleichtert würde? So kenne ich verschiedene Kirchgemeinden, in Venen bis auf ein halbes Dutzend und mehrere Schulmeister sind, deren keiner für tauglich zu dem Vvrsinger- dienste in der Kirche gehalten wird, und jeder doch die Kinder seiner Schule singen lehren muß. Warum könnte man diesen Unterricht nicht auch hie und da dem Vorsinger auftragen, wenn zu einem Schulmeister ein Subject sich fände, das alle nöthige Eigenschaften besäße, bis auf Kenntniß der Tonkunst, oder die für einen lauten Gesang erforderliche Organisation? Könnten nicht die Kinder mancher Nebenschnle diesen Unterricht noch in der Hauptschule des Pfarr- ! dorfes erhalten, wohin sie ohnehin zu den Unterweis ' ! sungen des Predigers einen Winter oder zwey kommen müssen, oder eine Stunde vor oder nach der Sonn- tagskinderlehre darauf verwandt werden, wo dann die Jugend der ganzen Gemeinde beysammen wäre, i weil in manchen gar zu kleinen Schulen die zu geringe ! Anzahl dazu Fähiger oft ein Hauprhinderniß dieser Uebung ist? In Rücksicht auf den Religionsum ! *) Wann ein Schulmeister Musik versteht, so Lünkt mich, . er könne ste seine Schüler lehren, obschon die Schule : klein ist, ja viel Mündlicher und besser. Ich weiß er zwar wohl, und schon oft erfuhr ich es, baß ein Schulmeister sagte: Mit dem Gesänge kann ich heute oder diesen Winter nichts machen, die rechten Sänger sind nicht da, oder sie kommen diesen Winter nicht in die Schule. Aber eben dieses ist ein Fehler: die Schulmeister wollen nicht die Mühe nehmen, die jungem Kinder selber anzuführen, sondern sie verlassen sich dießfalls auf die ältern, welche einige Psalmen, ;. E. den 24. 2;. und 42. auswendig können, indem auch sie ihn nicht zwar von dem Schulmeister, sondern auch von den altern Schülern durch Nachsinnen erlernt haben, und nun auch den jungem sie durch Tradition hinterlassen sollen.' Mit dem Singen selbst hat der Schulmeister weiters keine Mühe, als daß er den Ton angiebt, und vorsingt; aber könnte er dieß nicht auch, wenn schon wenige Kinder, wenn schon die rechten Sänger, welche ihre Psalmen anSwendiA Herschreyen, terricht wäre es noch nothwendiger von den gewöhnlichen Forderungen an die Schulmeister nachzulassen', da diesen Unterricht/ besonders nach einem Lehrbuche, wie das eingeführte ist, nicht leicht jemand anders, als der Prediger geben kann, noch sollte. Es versteht sich, daß der Schulmeister bey habendem Anlasse die ersten und nothwendigsten Begriffe der Religion und Sittenlehre, oder wenn man lieber will, der allgemeinen Weisheit und Tugend den Kindern beym» bringen suche; aber besser ist es, daß dieses nicht allzu methodisch, nicht nach trockenen Compendren oder zu vorgeschriebenen Stunden geschehe, wegen der sonst unvermeidlichen Steife des unnützen Geschwätzes, das nur die Zeit ausfüllen muß, und der oft schrecklich mißbrauchten Kunstsprache, die wohl nie seltsamer und unverständlicher klinget, als in dem Munde eines Landschullehrers, der gewöhnlich einen zu armen Dialekt und denselben rn wenig in seiner Gewalt hat, um Begriffe, die im gemeinen Leben nicht vorkommen, Kindern faßlich darum einzukleiden.-) Wo nicht da sind? Könnte er die kleine Anzahl nicht besser nach Grundsätzen unterrichten, als eine große? Singt man doch Ouo's. I'rio's, NuAtuor's, und nicht immer Chöre, wo eine zahlreiche Sängerschaft nöthig ist. Anm. eines Freunds d. verf. An Catechisationen für die Schulmeister schlagen Sie statt des gewöhnlichen CatechiSmuS einen historischen Katechismus vor; gut: wenn wir einmal Schulmeister der Schulmeister die Kinderlehren im Winter halte»/ und also durchaus in der Religion unterrichten muß/ gäbe haben, die einer solchen Sache gewachsen; bis aber dieses der Fall ist, scheint es mir, sollte es besser gethan seyn, wenn man aufgeblasenen pedantischen Ignoranten schlechterdings alles Catechisieren verbieten würde. Wo aber Schulmeister sind, die das Ding verstehen, bin ich auch der Meynung, daß ein historisches Lehrbuch für sie besser wäre, als ein systematisches; doch glaube ich, daß es sich immer an den Catcchismus anschlieffen müßte, der in den öffentlichen Kicchenkinderlehrm oder in den Unterweisungen zu« heil. Abendmahl von dem Pfarrer gebraucht wird, denn zuverlässig soll doch die Unterweisung des Schulmeisters der Arbeit des Pfarrers den Weg bahnen, oder wie ein würdiger Decan in einer Installationsrede letzthin sagte: der Schulmeister soll Materialien sammeln und sie behäuen, der Pfarrer aber soll die Abbildung machen und das Gebäude aufführen. D m Hejdelbergischen CatechiSmuS bin ich nicht so sehe Feind, daß ich ihn ganz aus den Schulen verbannen, und wie man im Sprüchwort sagt, das Kind mit dem Bad ausschütten möchte. Thue man die Polemie heraus, und gebe ihm eine dem Jugend« Unterricht angemefinere Einrichtung und Form, und setze auf das Titelblatt die Worte: nach der Ordnung des Heidelbergischen CatechiSmuS, dass man die Schwachen nicht ärgere. Sie wissen: deß, wenn man etwas Neues einführen will, man immer, wenn man Eingang finden will, es an daS Alte und schon Gewohnte anreihen muss, und das um so viel mehr, wenn das Alte in großem Ansehen stehet. Welch ein Vorurtheil gegen die neuen Psalmen gab nicht schon dieses, dass auf dem Titel die Wörter Psalmen Davids ausgelassen wurden? — Anm. eines Freunds d. Vers» gäbe ich ihm statt des Heidelbergischen Catechismuk lieber eine gute Sammlung biblischer Geschichten/ dergleichen wir mehrere haben, in die Hände, die für ihn nicht nur leichter ru erklären seyn, sondern ihn auch weniger in das Gebiete der Glaubens und kontrovers, als das der Sittenlehre führen würde?) Das letzte Mittel, das ich zu Verbesserung unserer Schulen, und derselben taugliche Lehrer zu verschaffen, vorzuschlagen wüßte, wäre die Verminderung derselben; und doch hört man viel und oft die Klage, unsere Schulen seyen zu groß; ein Lehrek könne unmöglich so vielen Kindern vorstehen- Ich glaube aber, daß gegen eine chlzu große Schule, der ich dann lieber auf eine andere Art helfen wollte, als sogleich mehrere daraus zu machen, wie nur zu *) Diese Bemerkungen sind gewiß von der größten Wichtigkeit, indem der sogenannte Religionsunterricht, so wie ihn bis dahin so viele Schulmeister in der Schweitz ertheilten, wahrlich: diesen schönen Namen nicht verdient. — Von allen Seiten kommen dem Erziehungs- Rathe im Canton SantiS Warnungen und Aufforderungen zu, den Religionsunterricht nicht von dem Schulunterrichte zu trennen — Allein, zu meiner größten Verwunderung! erhielt er noch keine Zeile darüber: daß er veranstalten möchte, daß die bisherige an den meisten Orten übliche schlechte Methode der Gchullehrer beym Religionsunterricht verbessert würde. Wahrlich seltsam! Anmerkung Herausgebers« häufig geschiehet, immer einige allzukleine zu finden wären. Methode, Ordnung und Nacheiferung ersehen reichlich in starken Schulen den Nachtheil, den man davon befürchtet, daß der Schulmeister daselbst weniger Zeit auf jedes einzelne Kind wenden könne. Die Menge derselben lehrt ihn dann, wenn er sonst auch schwerlich dahin zu bringen ist, sie in Klaffen abtheilen, deren jede ihm wenig mehr Zeit und Mühe kostet, als ein einzelner Schüler für sich besonders behandelt, ihn kosten würde; auch lernen dann diese von sich untereinander so viel, und oft leichter, als von dem Lehrer selbst. Ich börste es auf eine unpartheyische Untersuchung ankommen lassen , ob nicht durchgängig in unserm Lande die Kinder in großen Schulen viel mehr als in kleinen lernen. Einem Schulmeister, der seinen Dienst versteht, müs. fen, wenn der Platz nur geräumig und wohl eingerichtet ist, achtzig bis hundert Schüler nicht zu viel seyn; in den meisten unserer Schulen sind aber, (vielleicht kaum 14 Tage eines Winters ausgenommen) immer ein Drittheil oder mehr der dahin gehörigen Kinder abwesend; folglich ist ihnen auch noch vorzustehen, wenn bis 152 Schüler dazu aufgeschrieben wären, ja ich kenne eine Schule, die ibr mehr als Zoo und einen einzigen zwar aus dem Canto» Zürich, gebürtigen, vortreflichen Lehrer hatte, wo fteylich selten mehr als die Hälfte anwesend waren- aber dennoch mehr, besser und geschwinder, folglich leichter lernten, als ich noch in keiner andern Schule gesehen habe, am wenigsten in solchen von 10—2» Kindern, deren nur zu viele sind. Wo man aber die Schulen wirklich für zu stark halt, als daß ein Lehrer der Arbeit hinlänglich vorstehen könnte, wollte ich ihm eher noch einen Gehülfen geben, als zwey Schulen gleicher Art daraus machen; freylich mögen in einigen, besonders bergichten, Gegenden die Kinder einen gar zu weiten Weg nach der Schule zu gehen haben, allein bey einiger gebrauchter Vorsicht ist ein Schulweg von einer viertel oder auch halben Stunde ihrer Gesundheit eher zuträglich als nachthei- lig; wenn aber die Entfernung der einen oder andern gar zu groß , und deswegen oder wegen schlechter Beschaffenheit der Strassen kleine Schulen für jüngere Kinder nothwendig, und doch die Besoldung der Lehrer zu schlecht seyn sollte, als daß fähige Männer dazu zu haben wären, wollte ich diesen lieber nur den Unterricht im Lesen, allenfalls auch Schreiben nach gedruckten Vorschriften und auswendig lernen übergeben, die größer» Kinder aber rur weitem Ausbildung, wenigstens im Singen, das m kleinen Schicken beynahe ganz versäumt werden muß, die Hauptschule im Pfarrdorfe besuchen laßen, die I 2 unter genauerer Aufsicht von dem Prediger steht, der auch die Unterweisungen zum Abendmahl gewöhnlich in denselbigen halt. Eine Schule von 102 — 220 Kindern würde meines Trachtens die vorthcilhafteste für diese seyn, wenn sie einen erfahrnen recht guten Lehrer, der Gesaüg, Rechnen, Schreiben und Unterrichtsmethode verstühnde, und dieser noch einen Gehilfen hatte, welchem man die untere Klasse, auch wohl an gewißen Tagen die ganze Schule anvertrauen könnte, und wenn man auf diese Art hie und da zwey oder mehrere geringe Schulen vereinigen würde, um einen guten Lehrer beßer zu besolden, so dürften sich an manchem ansehnlichern Orte, wie es schon in den meisten Städten ist, junge Prediger dazu finden, 'y wenigstens solche, die ein Vikariat, eine Klaßhelferey, fi. d. gl. daneben hätten, würden um *) Die Einwürfe, die dagegen auch in der deutschen Monatsschrift 4293. gemacht werden, überzeugen mich nicht, da ich nicht von allgemeiner Besetzung aller, sondern nur einiger der ansehnlichsten Schulstellen, wie schon in den meisten Städten ist, und nur mit solchen Predigern rede, die entweder ein artiges Einkommen, oder wenigstens, wie z. B. Vikarien, Nahrung und Wohnung daneben hatten, und bey der kurzen Dauer unserer Schulen Zeit genug zu weiterer Ausbildung, andern Geschäften und Lebensgenuß übrig behielten» Anmerkung -es Verfassers. so viel Mehr Zeit gewinnen/ da jetzt die Schulmeister mit Bestünstigung der hochvberkeitlichen Verordnung die geschicktesten oft dazu gebrauchen, Kleinere durch sie zu unterrichten, und zwar gewöhnlich / es seye aus Parteylichkeit / Bequemlichkeit oder Mangel, immer eben dieselben, die dann entweder dieser Arbeit überdrüßig, nicht mehr zur Schule gehen wollen, oder von ihren Eltern zurückbehalten werden, damit sie nicht, ohne dafür bezahlt zu seyn, des Schulmeisters Arbeit thun, oder ihre Zeit für andere aufopfern müßen. Ist jener etwann nicht beliebt, oder treibt gar in der Schule Nebenarbeit mit Rechnungen , Schreiben, u. d. gl. so wäre sich sehr zu vermindern, wenn das nicht geschehen sollte. Hat er aber einmal einen dazu angestellten Gehilfen, so würde er sich schon vor diesem scheuen müßen, solches zu thun, ihm bleibt freyere Zeit zum Unterricht der großem, und letzterer wird, da er immer dabey gegenwärtig ist, auf diese Weise am leichtesten zu seinem Nachfolger oder einer ähnlichen Stelle, wo er dann Kinderlehren und alles übernehmen kann, gebildet. Ein Hauptfehler unsers Schulwesens besteht doch immer darinn, daß es uns an einer Anstalt zu Bildung tüchtiger Lehrer mangelt; denn die meisten Verrichtungen dieses Standes müßen nothwendig einen dazu nicht gebildeten Menschen sehr schwer fallen, und erfordern nichts destoweniger ein Alter, in welchem man sehr Vieles nicht mehr so leicht erlernet. Desto nützlicher wäre.demnach eine Anstalt, bey welcher schon jüngere Leute gebraucht werden und etwa- verdienen konnten, weil die schwerern Verrichtungen Kinderlehren, Vorsingen, u. s. w. nicht auf ihnen lägen, und hingegen die Aussicht und Hoffnung auf bessere Versorgung in der Zukunft dem Jüngling zum Sporn dienten, sich dazu tüchtig zu machen, und welcher kerne große Aufopferungen oder Aufwand erfoderte> weil das sonst freylich allerdings die größte Schwierigkeit ausmachen würde. Man gebe nur einigen tüchtigen Lehrern bey großen Schulen eine kleine Verbesserung (sollte man auch in der Absicht zwey zusammenschlagen müßen) mit dem Bedinge, daß sie sich einen oder auch zwey Gehilfen halten, und eine geräumige Wohnung, daß sie selbige bey sich haben , , sie ein Handwerk lehren, oder ihnen sonst Gelegenheit zu einem Nebenverdienst außer der Schulzeit mit , Weben oder dergleichen verschaffen können, und setze eine kleine Prämie auf jeden M einem tauglichen Schulmeister erzogenen Jüngling. *) ") Ein verehrunqswürdiger Geistlicher schrieb mir -o» etwas Zeit: „ Gesegnet sey mir Ihre Schulmeister» Bibliothek, wenn sie die Niedrigkeit gewisser Mode» Ideen im Fache des Schul» und Erziehuugrweftn» Bey s» einer Anstalt könnte freylich ein verständiger und thätiger Pfarrer durch Uebernehmung der Oberaufsicht Vieles, sowohl zur sittlichen Bildung der Jünglinge, als rur Erweiterung ihrer Kenntnisse, in verschiedenen Fächern thun, wo sie sonst gewöhn« lich bey Landleuten sehr eingeschränkt zu seyn pflegen, wie;. B. Sprache, Rechtschreibung, Theorie der Tonkunst, Kenntniß des Menschen, u. s. w. Sonst aber stehen einem Prediger Schwierigkeiten die Menge im Wege, wenn er für sich einen Schulmei» in ihrem wahren Nichts darstellt: — unter diese Mode-Ideen zähle ich das gepriesene Schulmeister» SeminiariumSwesen, wovon es — Gott weiß: so hoch tönt, als ob ausser demselben kein Heil für den öffentlichen Unterricht sey! Nach meiner tiefen Ueberzeugung ist das Gute, was dabey herauskommen soll, durch andere sicherere Mittel erreichbar, und der Schaden, den Institute dieser Art beynahe unausweichlich anrichten, durch keinen andern Vortheil auszuwägen. Es giebt nur Ein Mittel, solche Haushaltungen, wie eine Gesellschaft von is — 20 Jünglingen , die beysammen wohnen, vor Sittenverderbniß zu bewahren, und dies Mittel (das doch auch -- die Geschichte lehrt eS — oft übel fehl schlug : ) ist strenge klösterliche Zucht, gerade dasjenige, das dem Geist und Geschmack des jetzigen Zeitalters am unverdaulichsten ist» " — Der Bürger Verfasser unser« Aufsatzes scheint hievon ebenfalls überzeugt zu seyn, und schlagt daher zur Bildung junger Schulmänner ein Mittel vor, das überall in der ganzen Schweiz angewendet werden könnte, und von dem wir rinden allerglücklichsten Erfolg versprechen dürften. Anmerkung -ss Herausgebers, —- stet erziehen will. Entweder ist das Subjekt zu jung, sieht die Erreichung seiner Bestimmung, die Belohnung für seine Vorbereitung darauf zu weit in der Ferne, in dunkler Ungewißheit, und macht sich von den damit verbundenen Beschwerden, Kinderlehrhal- ten, u. s. w. abschreckende Vorstellungen; oder der altere Jüngling ist auch schon ungelehriger, scheuet die Mühe, die Kosten, sich ein Buch auf ungewisse Hoffnung anzuschaffen, den Spott seiner Jugendfreunden , die ihn entweder von ihren Freuden, aus Furcht er möchte sie beym Pfarrer verrathen, und durch seine öfter» Besuche bey demselben ein Klatschet werden, ausschließen, oder ihn dabey mit dey Pflichten seines Amtes, als welches sich dazu nicht reime, zum Besten haben. Die meisten Jünglinge dehnen auch die Begriffe von durch Erlaubniß zum H. Abendmal erhaltener Freyheit so gut als Univer- sitats - Pursche bey ihrer Befreyung vom Hofmeister so weit aus, daß sie in der zunächst darauf folgenden Periode ihres Lebens nicht gern in einiger Verbindung mit dem Lehrer mehr stehen mögen, sondern ihn sowohl als der Junker in seinen Brausejahren — und welcher Stand hat deren nicht?.— für einen Saurtopf halten, und desto sorgfältiger ausweichen, je weniger sie ihm ihr Her; und ihre Wege gern Mßen laßem Aus diesem Grunde sind junge Leute jn ihrem Geburtsorte oder nahe dabey, und unter ihren Jugendfreunden und Bekannten nicht nur schwerlich als Schullehrer auf dem Lande zu gebrauchen , und werden, wenn es doch geschieht, nach der bekannten Neigung des Menschen von einem äußersten auf das andere zufallen, sehr oft Heuchler und Kopfhänger und dann Sektierer und Schwärmer, sondern es ist auch nicht einmal leicht, fähige Jünglinge nur etwa am Abend oder an Sonntagen so viel unter die Hände zu bekommen, daß man ihnen hinlänglich Anweisung gute Schulmeister zu werden geben könnte. Bemittelte oder nur etwas «ermögliche Baurenföhne verachten nach dem, einem jeden Stande so sehr anklebenden, oft so nöthigen, Stolze jeder Art, sein Brod anders, als durch Landarbeit zu verdienen, und ärmere gewinnen eben so viel, wo nicht mehr, bey Bauren als Knechte, wo sie bey Weniger Zwang in den Sitten, weniger Verbindung mit dem Pfarrer, ein für sie angenehmeres und freyeres Leben führen können, ohne ihren Geist anstrengen oder sich darauf vorbereiten zu müßen. Sind sie aber einmal zu Jahren und Erfahrung, oder nur zu einem Weibe gekommen, dann nehmen sie oft jede noch so schlechte Versorgung mit Freuden an, aber mancher auch nur deswegen, weil ihm Muth und Kräfte des Körpers und Geistes gelähmt sind; weil er die Arbeit, jede Anstrengung scheut; oft sind dann auch Herz und Sitten verdorben, die Unfähigkeit noch etwas zu erlernen, oder Abneigung dagegen zu groß, es müßte dann etwa noch von eben dem Prediger geschehen können, der ihn in seiner Jugend unterwiesen, wenn nicht der hohe Preis, den ein armer, aber doch thätiger und wohldenkender Hausvater auf seine Zeit zu setzen genöthiget ist, und die schlechte Beschaffenheit des Schulhauses, oder die Kargheit der Gemeinde, welche durchaus keine Haushaltung darinn haben will, es verhindern, daß man die Fähigkeit und den Willen, ein brauchbarer Mann für die Schulen zu werden, wo sie noch da sind, benutze. Frühe Versetzung der Jünglinge, die mamrw diesem Stande bestimmet, in andere Gegenden, Entfernung derselben von ihren Jugendfreunden und Gewöhnung zu einer andern Lebensart, vorzüglich mehr Hand - als Feldarbeit, scheinen mir nöthig zu seyn, der Abneigung der meisten gegen denselben zuvor zu kommen. Im iz. i6ten Jahre, ehe noch der Knabe in alle Geheimniße ausgelaßener und verbotener Freuden eingeweihet, sein Körper zum beschwerlichen Feldbau abgehärtet, und die Wahl seiner künftigen Lebensart beschlossen, und da hingegen sein Her; für die Religion durch den eben darinn -39 erhaltenen Unterricht noch weich ist , entschließt er sich M leichtesten, ein Lehrer derselben zu werden, und kann er dann gleich in eine Verbindung netten, die ihm den Weg dazu erleichtert, seine Hofnung, dabey seinen Unterhalt ordentlich zu finden, nährt, so wird dieser Entschluß dadurch immer mehr beseitigt und seine Jugend rur Vorbereitung zu einem nützlichen Stand auf einem Wege gewonnen, wo er von seinem ersten Schritte an seinem Nächsten dienet, und welcher zugleich für ihn selbst der wenigst kostbare und der einzig mögliche war. z. Schüler. Me Kinder einer Kirch - oder Dorfgemeinde, wv nur eine Schule ist, oder des Schulbezirks, wo derselben mehrere siud, sollen die öffentliche Schule besuchen , und doch senden wenige Pfarrer ihre Kinder dahin, wie es scheint, daß eS des Beyspiels wegen geschehen sollte, wenigstens bis sie so viel wüßten, als in der Schule gelernt wird. Leider giebt es auch Pfarrers Kinder, die weder diese besuchen, noch zu Hause nur dasjenige leisten, wozu sie dort angehalten werden würden. Ueberträffen sie aber gemeine Kinder, so könnten sie ihnen zum Beweist dienen, wies viel weiter es bey mehrerm Fleiße und brßerer 1 — IHS - Lehrart zu bringe» sey, und der Pfarrer, dessen Kind die Schule, wie andere besuchten, hätte um so viel mehr sowohl Gelegenheit die Mangel der letztem zu erfahren, als Beweggrund und Recht denselben möglichst zu steuren. Wenigstens sollten an dem jährlichen Examen nicht nur des Pfarrers, sondern auch der Amtleute Kinder erscheinen, und öffentliche Rechenschaft von ihrem Fleiße ablegen, theils den gemeinen Mann zu überzeugen, daß höhere Stande nicht so sehr, als er zu glauben geneigt ist, ihre Zeit im Müßiggang hinbringen, theils, weil man von ihnen an manchem beträchtlichen Ort oft durch so nahe aneinander grenzende Mittclstuffen bis zum geringsten Hausvater Herabsteigen kann, daß es nicht wohl möglich wäre, die Linie zu riehen, welche die einer allgemeiner Verordnung sich zu unterwerfen schuldigen von den höhern unterscheiden könnte, die dessen überhoben seyn dürften. Das Alter, wie bald die Kinder zur Schule gehen sollen, wird durch das Gesetz nicht bestimmt; allrufrühe wird freylich noch öfter damit angefangen, als allruspät, *) denn daß der Schullehrer, wie *) Sie mißbilligen es auch, wie ich, da- viele Kinder öfter zu frühe als zu spät, öfter zu jung als zu alt, in die Schule geschickt werden. — Die Hälfte der Kinder kommt dahin mit dem Namenbuche oder mit der Tafel. Der Schuln» elfter muß sich mit diesen häufig geschieht, Kinderwärterin seyn soll, ist der Schule eben so nachteilig, als der Gesundheit eines 4 - 5jährigen Kindes das lange Sitzen, wobey Schüler und Lehrer ihre Zeit versäumen, und unstreitig ist diese üble Gewohnheit Ursach, daß besonders m Dörfern, wo das frühe Schulgehen gewöhnlicher ist, als auf zerstreuten Höfen in 10-12 Jahren oft mit vielem Fleiße so wenig Rechtes gelernt wird, und selbst diejenigen Kinder, welche nicht unsieißig sind, in unsern gewöhnlichen Schulen ihre ganze Jugend- lauge aufhalte» oder die größer» halten sich mit ihnen auf, und doch lernen jene nichts dabey. Wie wäre es, wenn man eine Lchrgotte, wie in den Städten, neben den Landschulen etablierte, welcher es obläge, die ABC schützen beyderley Geschlechts das ABC und da§ Buchstabieren zu lehren, mit Einern Worte: daS Namenbuch zu docieren? — Das weibliche Geschlecht hat ohnehin mehr Sanftheit, mehr Geduld und Ge- schicklichkeit, mit kleinen Kindern umzugehen und ihnen etwas beyzubringen, und ein solches Geschäft wäre dein weiblichen Charakter mehr angemessen, alldieweil ein rüstiger Mann sich allerdings am unrechten Orte und unter feiner Würde fühlt, wenn er einen halben Morgen hindurch einem Kinde von vier Jahren das ABC vorsprechen muß. Ein solches Kind sollte erst bann von der Lehrgotte unter den Schulmeister promoviert werden, wenn es recht fertig buchstabieren könnte. — Der Aufwand hiezu würde nicht groß seyn, und müßige Weibspersonen fände man in jedem Dorfe, welche dieses Amt um einen geringen Lohn übernähmen für den Winter, und doch noch mehr dabey verdienten als mit Spinnen. Anm. ». einem Freund d. Verf. 142 —. reit hindurch vorn 4ten bis rum i6ten Jahre es selten weiter bringen, als sie es in einem oder zweyen, k. B. dem 12. und izten mit den gleichen Fähigkeiten bey besserer Ordnung und Lehrart würden bringen können, wenn sie alsdann die Schule unausgesetzt und ununterbrochen den Sommer und Winter durch besuchen würden. Eben so wenig ist ein gewisses Alter für die Entlassung aus der Schule festgesetzt; wohl heißt es, dieselbe solle keinem Kmde ertheilt werden, bis e» lesen und die Catechismen hersagen könne, welcher man aber nichts desto weniger thun muß, und die Erwachsenen sollen sich bey WiederhvhlungS - und Unterweisungs - Stunden einfinden, dar hingegen nirgends geschiehet. — Da wo die Kinder am längsten zur Schule gehen, besuchen sie selbige bis sie die Erlaubtniß zum H. Abendmal erhalten haben, d. i. bis in das i6te oder ryte Jahr ihres Alters. Wo aber Manufacturen im Gange sind, bleiben die mehren: aus, wenn sie etwas verdienen, und sonst auch, sobald sie in Holz und Feld, oder bey häuslichen Geschäften etwas helfen können, oft ehe sie nur lesen oder den Catechismus gelernt haben, oder wenn es am besten geht, doch alsdann, wenn sie der Prediger in seine Unterweisungen aufgenommen hat. Eltern idie selbst nichts auswendig gelernt, nehmen -43 ihre Kinder aus der Schule , sobald man dieselben dazu anhalten will, weil sie glauben, daß dieses nur versäumte Zeit oder eine Plage für die Kinder und gar nicht nöthig seye. Andere hingegen behalten sie Brück, wenn man sie ihrer Meinung nach zu lange mir dem Lesen aufhält, und lassen sie auch wohl, ehe sie darin hinlänglich geübt sind, zu Hause den Catechismus lernen, um sie — wie sie glauben — zu befördern, womit sie dann gewöhnlich in allem zurücke bleiben. Aus eben diesem Grund oder Vorwand bleiben auch die größer» Kinder gleich nach Anfang der Winterschulen größtenkheils eine geraume Zeit aus, weil beynahe überall die Gewohnheit eingeführt ist, bis gegen dem neuen Jahre nichts anders zu thun, als zu wiederhvhlen, was vormahls gelernt und den Sommer über meist wieder vergessen worden, wozu überdas noch wöchentlich zwey Tage bestimmt sind, (ein Beweiß, wie man lernt, da man so viel wie- derhohlen muß!) an welchen Taqen dann freylich auch der Catechismus von dem SchulmMer erklärt und gesungen wird. Eltern , die qeaen Neligions- kenntniße und Uebungen gleichgültiger sind, behalten am liebsten an diesen Tagen ihre größer» Kinder, vorzüglich zu Hause, und laßen sie eher noch die Schule rn einer andern Zeit vor und im neuen Jahre besuchen, weil alsdann Schreiben und Geschriebenes j lesen mehr betrieben wird- Größere Mädchen findet man jedoch in den Wiederhohlungsstunden noch öfters als in andern, aber auch nicht selten von einer Menge kleinerer begleitet, die sich nicht von jenen trennen wollen, welche gemeiniglich ihre Wärterinnen sind, und nur zu oft dienen sie einander auch in der Schule Wechselsweise zum Zeitvertreibe. In neuern Schul - und Erriehungsschriften wird sehr darauf gedrungen, daß in Schulen, wo nur Ein Lehrer ist, die Schüler wenigstens in zwey Classen getheilt, und jeder derselben ihre eigenen Stunden angewiesen werden. In unserm Lande sind Versuche, dieses auch einzuführen, mißlungen. Kinder aus einem Hause oder aus einigen benachbarten, die etwas weit Zur Schule zu gehen haben, wollen mit j einander und besonders die Kleinern nicht einzig ! dahin, und jeder Hausvater ist eifersüchtig auf die ! Freyheit, seine Kinder hinzusenden, wenn es ihm, ^ nicht wenn es dem von ihm bezahlten Schulmeister gelegen ist. Nun aber ist das den meisten Eltern so selten gelegen, daß, wenn man sie darinn noch ein- . schränken wollte, viele ihr Kind aus Eigensinn gar nicht mehr, oder doch nur halb so oft als jetzt zur ^ Schule gehen lassen, und diese folglich noch um die Hälfte Hälfte Mehr versäumt werden würden. Versäumte Kinder, oder die größer als andere von ihrem Alter find, würden nicht mit der Classe der Kleinern, rn der sie gleichwohl Alters oder Kenntniß halber gehörten, gehen wollen, und von Seiten der Eitelkeit, des Eigensinns und der Vorliebe der Eltern hatte man Mühe ohne End, sie begreifen zu machen, daß ihre Lieblinge noch unter die Anfänger gehören, noch wert mehr, als man würklich hat, zu erhalten, daß sie die Fibel bringen, und erst die Buchstaben kennen lernen, wenn sie schon lesen oder gar auswendig lernen wollen. *) Ich machte in der Hauptschule meiner Gemeinde —> mit Sem allerbesten Erfolg — diese Einrichtung, daß diejenigen Kinder, welche die Buchstaben kennen und syllabieren lernen, Vor - und Nachmittag, jedesmal eine Stünde später am Schulunterricht Antheil nehmetr müssen als die Lesenden und Schreibenden. Dieß ist für den Lehrer und Schüler, eine große Erleuchte- krmg: — Daß sich aber die Eltern dieser Neuerung gar nicht wiedersetzten, schreibe ich diesem zu: weil dieselbe den Kindern vorzüglich gefallt, indem die erstere Classe gleichwohl mit der letztem von Hause weggeht , und jene dann Sie'müßigen zwey Stunden auffert der Schulstube zu jugendlichen Spulen anwenden dörfen. — Ich machte diese Erfahrung schon öfters: daß Neuerungen in Schulen von den Eltern weit weniger Wiederstand finden, wenn sie den Kindern wichtig »nd angenehm sind. Anmerkung des Herüusgehers, 146 Die Eintheilung der Tage ist schon darinn nach- theilig, daß an denen Tagen, an welchen die, so den Catechismus gelernt, nur wiederhohlen, und darüber unterrichtet werden, wenige Knaben sich ein-, finden, die deswegen meistens den Catechismus vergessen, und sich darum auch nach erhaltener Erlaubniß zum H. Abendmal den Kinderlehren an Sonntagen entziehen, weil die wenigem alsdann eine Frage, ohne sich deswegen schämen zu müssen, nur lesen können, die Mädchen hingegen, weil sie an den Schreibetagen ausbleiben, gröstentheils weder Schreiben noch Geschriebenes lesen lernen, das doch Vielen so nöthig als immer einem Knaben wäre. Anstatt einen ganzen Vor - oder Nachmittag auf einerley Arbeit zu verwenden, und zwar oft eine solche, die Kinder leicht ermüdet, als Schreiben, Singen , Religions - Unterricht, wollte lch lieber jedesmal die Schule mit Lesen anfangen und mit Singen beschließen, und gern dafür einen Theil der allzulangen immer wiederhohlten, meist für Kinder unverständlichen und nicht selten auch unschicklichen Gebete erlassen, eine Stunde dem Auswendiglernen oder Wiederhohlen, und eine dem Schreiben bestimmen. Freylich würde dadurch die Schulzeit, die jetzt für viele Lehrer und Kinder kaum 2 Stunden beträgt, um etwas verlängert, doch.wäre noch nicht 147 zu besorgen, daß dieses der Gesundheit der letztem, wenn sie nicht allzujung in die Schule kommen, nach- tbeilig seyn könnte, da sie zwischen den Stunden ,allemahl hinausgehen, und sowohl in der Schule, als auf dem Hin - und Herweg noch Bewegung genug haben. Desto nothwendiger würde hingegen eine Einthei- lung aller zu einer Schule gehörigen Kinder in verschiedene Classen, als r. B. Buchstabierende, Syl- labierende, Lesende, Fragen, Psalmen, u. d. gl. auswendig Lernende, Schreibende, wenn man nicht, welches freylich beßer wäre, alle die Lesen können, abwechslend lesen, auswendig lernen und schreiben lassen will. Einer ganzen Classe sollte allemal eine gemeine Lektion aufgegeben, und nicht, wie allgemein geschieht, jedem Kinde erlaubt werden, da fortzufahren, wo es das letztem«! geblieben ist; denn warum sollte es nicht angehen können, einen Knaben, welcher gestern abwesend war, wo die eilfte Seite gelesen ward, heute mie Ueberschlagung derselben die i2te lesen zu lassen, damit er gleichen Schritt mit der übrigen Classe halte. Die Vorstellung von der Verdienstligkeit einer, wie es auch seye, gut oder schlecht verrichteten Handlung, es mag damit etwas ausgerichtet, eine nützliche Fertigkeit erworben worden seyn oder nicht, ist von zrr K - 148 großem Emfluße nicht nur auf das Schulwesen/ som fern auch auf Sittlichkeit undGlückseligkeit überhaupt/ und ist zu allgemein und zu tief eingewurzelt/ als daß man nicht alles anwenden und schon bey der ersten Erziehung darauf denken sollte/ ihr immer entgegen zu arbeiten/ unfeine so furchtbare Quelle der verderblichsten Ketzereyen in keiner Seele entstehen iu lassen. So wie das Kind angeleitet.wird, sechs zum Zwecke seines Fleißes vorzusetzen / daß es ein Buch oder mehrere, je eher je lieber durchlerne, wenn gleich einen guten Theil zu Hause oder in der Schule unter keiner oder schlechter Aufsicht / so nimmt es auch die Gewohnheit an/ bey jeder Arbeit nur darauf zu denken/ wie es am ersten damit fertig werde/ nicht wie es sie am besten verrichten könne, und stellt sich nachher Wunder vor, was damit gethan seye, wenn es täglich eine gewisse Summe von Gebeten hersagt oder: die ganze Bibel in einer gewiss den Zeit oder mehrere malen durchlieft. Sollen die Kinder nicht blos mechanisch behandelt werden, sondern eigenen Fleiß anwenden, oder alle ihre Kräfte zu Erreichung des Zwecks anstrengen, um deswillen sie in der Schule sind, so müßen sie selbst einsehen, daß es hier auf-Erwerbung nützlicher Fertigkeiten und Kenntniße , und nicht auf das an sich sehr UND «dienstliche Durchlernen vielerMätt« ankomme — 149 Drcses ihnen anschaulich ru machen, müßte man zu gewissen Zeiten, B. jeden Monat die besten aus jeder Classe in die Obere befördern, und nicht darauf sehen: ob einer das oder dieses Buch durchstllabiert oder gelesen, sondern nur ob er sich die gehörige Fertigkeit darum erworben hätte. Geschahe dieses noch mit einiger Feyrlichkeit, als etwa in Gegem wart des Predigers und eines Vorgesetzten, würde diese Feyerlichkeit auch bey der Aufnahme frischer Schulkinder und Wiedereröfnung der Schulen z» Anfang eines jeden Winters beobachtet, und jeder Schüler geprüft, in welche Classe er gehöre, und was für ein Buch er folglich, mitbringen müße, so könnten dadurch Nacheiftrung und Ehrbegierde auch da erweckt werden , wo man jetzt beyde so wenig kennt, oder nur so übel als möglich angebracht findet. Selbst den'Auswendiglemenden möchte ich gern allemal ein gemeines Pensum, die gleiche Frage, den gleichen Psalm aufgeben; müßte auch bey dem ersten Durchlernen von dem oder diesem, welcher heute oder morgen ausbliebe, das Ebengelernte über- büpst werden, so könnte es ja dasselbe zu Hause oder in Schreibestunden, r. B. nachhohlen; so wie jedes mit dem aufgegebenen Pensum fertig würde-, könnte, es aus Schreiben gehen, Geschriebener oder eine Historie lesen , u. dgl. Gewiß würden doch die Schüler dadurch gereift fleißiger und beßer zu lernen, lind so wenig als möglich von der Schule wegzubleiben. Mit den Psalmen hatte es vollends keine Schwierigkeit, da man selbige so nicht alle lernt oder doch nicht lernen sollte, wohl aber entstühnde daraus der Vortheil, daß nur auserlesene würden aufgegeben werden, anstatt, daß so viele Kinder nach ihrer eigenen oder ihrer Eltern schlechten Wahl manches Undienliche lernen. Auch schreiben sollten so viel möglich immer mehrere das Nämliche. Die oben vorgeschlagene große Vorschrifttafel könnte auch hier nicht nur dem Lehrer viel Zeit ersparen, sondern am ersten eine nützliche Nacheiferung erwerben. Es ist offenbar, wie viel Zeit ein Lehrer dabey gewinnen muß, wenn er nicht einzelne Kinder ganze Lektionen, sondern nur jedes einen Theil derselben hersagen, und die übrigen Zuhörer nur nachsehen lassen darf, aber für die Schüler ist dieß gewiß von nicht geringerm Nutzen; ohne sich immer gleich stark anstrengen zu müßen, lernen sie, indem sie zu ihrer Seite lesen hören, was sie selbst lesen sollten, sich einander helfen, eines des andern gemachte Fehler verbeßern, worinn sie gewöhnlich mehr Aufmerksamkeit und »»Verdrossenheit als der Lehrer selbst bewei- sen; Selbstliebe und Nacheifern,ig reihen zur Bemerkung fremder und zu Verhütung eigener Fehler, ohne daß übrigens die Sittlichkeit darunter leide, vielmehr werden Kinder dadurch gewöhnt, ihre Fehler zu erkennen und zu verbeßern, wohlgemeinte Be merkungen derselben gut aufzunehmen, und ihr natürliches Gefühl von Recht und Unrecht wird dabcy geschärft, da der Ausspruch der Mitschüler oder des Lehrers auch vor unbilligem Tadel sichert. In kleinen Schulen, wo die Anzahl der Kinder z» mehrern beträchtlichen Classen nicht hinreicht, könnten doch, zumahl Buchstabierenden und Sylla- biercnden, je zu zwey und zwey eine Lektion, und wohl auch nur ein Buch gegeben werden, damit sie dieselöigen Worte Wechselsweise einer lerne, und der andere nachsehe. Der Fleiß unter Schulkindern ist fast durchge- hends bey Mädchen größer als bey Knaben; diese Erscheinung mag nun aus einem größer» Verlangen nach Ruhm, mehrerer Biegsamkeit der Organe, oder Abneigung gegen körperliche Arbeit bey den .erstem, oder daraus ru erklären seyn, daß dieselben gewöhnlich des Sitzens und der Stubenluft, die Knaben aber der Freyheit und vieler Bewegung schon frühe! beßer. gewöhnt sind.H Knaben, die einen festen Körperbau und starke Glieder versprechen, bezeugen oft die wenigste Neigung zum lernen — Mädchen von gleiches Beschaffenheit die meiste. Allgemein ist das Uebel in unsern Landschulen, daß manZ sich weit mehr anstrengt viel als aber gut zu lernen. Die Ursache ist leicht m errathen. Die vornehmste Ermunterung zum Fleiße besteht für die meisten Kinder an den meisten Orten in der Ehre, am jährlichen Schulexamen vor der Versammlung einer ganzen Schule oder auch mehrerer, dem Prediger und den Vorgesetzten in festlicher Kleidung erscheinen, und den Schatz seines Gedächtnißvorraths auskramen zu können, an einigen Orten auch nach Verhältniß des Gelernten einen oder mehrere Batzen als Prämie abzuhohlen, und sogleich nehst einem von Hause mitgebrachten Mutterxfenning für Wein und Naschereyen auszugeben. Gemeinschaftliche Lektionen^ würden^ den Ehrgeitz dahin leiten, nicht so viel, sondern so gut als möglich zu lesen, auswendig zu lernen und zu schreiben, und der schädlichen Eilfertigkeit und ungedultigen Begierde nach geschwinden Fortschritten die behängen Schranken setzen. Zweckmäßiger waren freylich sowohl diese Examen, als die damit ausgetheilten Prämien zu benutzen. Beynahe aller Orten ist Maria Verkündigung der zu dieser Fcyrlichkcit bestimmte Tag, welche.'folglich erst nach der Predigt, d. i. gegen Mittag ange- iZ3 hrn kann; gewöhnlich fällt es auch in die Paßions- reit, da die Prediger sonst und auch die Landleute mit der Saat und andern Arbeiten sehr beschäftigt sind. Meistens wird die Jugend der ganzen Kirch- gemeinde in die Haupt - oder diejenige Schule berufen, welche dem Pfarrhause am nächsten ist. Nun mag man sich vorstellen, wie einige hundert, ja bis gegen tausend Kinder, oder ein halbes Dutzend , wo nicht mehrere Schulen in einem Merrmonat nach der Predigt, über alles, was sie den Winter durch geleistet , geprüft, dafür belohnt, und ungeachtet der Unordnung, die unter solchen Feierlichkeiten unge- gewohnter Menschen schwerlich ru verhüten ist, noch frühe genug entlaßen werden können, daß jedes zu rechter Zeit in seine oft Stunden wett entlegene Heimath zurück komme. Unrichtige Vorstellungen der Vorgesetzten und Eltern von dem Zwecke dieser Prüfungen, und eine darauf gebaute schädliche Staatsklugheit der Schul- lehrer machen meistens diese jährlichen Schulexamen zu einer nicht nur lunnützen und leeren, sondern sogar nachtheiligen, mancher nöthigen Verbeßerrmg des Schulwesens hinderlichen Feyerlichkeit. Jene glauben zu nichts anderm da zu seyn, als nur sich an dem Anblick ihrer aufs beste herausgeschmückten Jugend-- und dem Anhören geläufig hergesagter, und aus voft ^54 lem Halse abgesungener heiliger kehren und Lieder zu vergnügen; je lauter diese hergeschrieen werden, je fertiger jene vorn Munde gehn, und je länger man die Anwesenden damit erbauen kann, desto beßer ist der Lehrer in der Probe bestanden, und darum wird er auch nicht ermangle», diesen Schüler das, jenen ein anders Gebet, Lied oder Capitel auswendig lernen, und bey der Prüfung hersagen zu laßen, schicklich oder unschicklich, gleichviel, wenn es nur Zeit ausfüllt. Gewöhnlich wird von dem Lehrer jedem Kinde, was es hersagen und der Psalm angegeben, den man singen soll. Ist man aber da versichert, daß jenes daneben etwas mehr und daß man auch andere Psalmen singen gelernt habe? Von jedem Schulexamen bleiben, besonders bey schlechtem Wetter oder Weg — welches in dieser Jahrszeit nichts seltenes ist — sehr viele Kinder, vorzüglich diejenigen aus, die einer Prüfung am bedürftigsten wären, nehmlichdie Unwißendsten, und welche am unfleis- sigsten zur Schule kommen, es sey wegen Entfernung, Armuth, Leichtsinn oder Abneigung gegen den Schulmeister , von dem sie dann an diesem Tage an den Pranger gestellt zu werden befürchten; Versäumte, die für ihr Alter oder ihre Größe wenig gelernt haben, und sich der Gesellschaft der Kleinern schämen, tu denen sie ihrem Schulrang nachlgehören. —' — 155 " Ich ließ einmahl solchen Versäumten und unsieißigt« Kindern nebst ihren Vatern an ein Schulexamm biethen, welchem der Herr Amtmann beywohnte. Da aber viele Vater nicht erschienen, so mußten die an ihrer eigenen Unwißenheit weniger schuldigen Kinder die Straffe derselben, die Schande einzig tragen , die mehrcrn aber konnten sich durch Blödigkeit vor einer Prüfung schützen, oder doch über den schlechten Ausgang derselben entschuldigen; dann wie sollte man Zeit nehmen , bey einer solchen Feyerlich- keit, wo alles auf Erweckung angenehmer/ nicht wiedriger Empfindungen gestimmt ist / unwrßende Kinder so lange zu prüfe»/ als nöthig wäre,( um sie selbst, sich und andere von ihrer Unwißenheit hinlänglich zu überzeugen, da indeßen die Fleißigen mit Ungeduld darauf warten, ibre eingesammelten Schatze auskramen zu können, und oft mitten in der Arbeit abbrechen müßen, damit man nur zum Ende komme; also bleibt vorerst dieser Nutzen, den man von einer solchen Prüfung erwarten sollte, nemlich: die Unwissenden kennen zu lernen, und von der Nothwendigkeit mehreren Fleißes zu überzeugen, gänzlich aus, und wenn er auch zu erreichen wäre, so würde es doch wenig helfen, weil der Fehler wohl am öftersten nicht an den Kindern, als welche gemeiniglich gern rur Schule gehen, sondern an dem Eltem — IZ6 — , Legt/ die sie nicht gehen laßen, und ab-r beym Schulexamen weder zugegen sind, noch sich viel aus ihrer oder ihrer Kinder Schande machen. — Als Ermlmterungtzmttel betrachtet sind unsere Schulexru inen wieder nicht, wie man sie wünschen mochte. Erßüch, warum nur am Ende der Schulzeit? die erweckte Lust zum Lernen verschwindet wieder bis im November, da die Schule von Neuem angeht, und gesetzt div Jugend erinnere sich dennoch an die im vergangenen Merz genossene Freude und empfangene Belohnung, so sieht sie doch die Wiederkehr derselben in ihrer noch fernen Zukunft. Daher werden in Den letzten Wochen vor Ausgang der Schule oft drey mal, und in den letzten Tagen bis zehen mal so viel Schüler als Anfangs Winters darum angetroffen.-- Zweytens werden in unsern Examen oft Unsseissige, wie Fleißige belohnt, es seye, daß man wegen Kürze der Zeit und Menge der Schüler beyde nicht genug von einander unterscheiden kann, oder daß unter einem Volke, welches im Ganzen immer weit mehr zur Gelindigkeit als zur Strenge geneigt ist, und vorzüglich an einem der Freude bestimmten Tage Niemand allzugenau seyn, und die unschuldigen Kleinen wegen der Nachlässigkeit oder Harte ihrer Eltern kestraffen oder beschämen will, und wenn auch die Gchullehrer oder die Prediger das Nachteilige bey dieser unzeiiigen Schonung fühlen, so erlaubt doch ihr Amt gerade ihnen am wenigsten, einzig da eine Strenge auszuüben, wo andere sich dazu nicht berufen glauben, wenn keine besondern Leidenschaften mit im Spiele sind. Zudem giftet das Examen beynahe allein dem Schulmeister, dem folglich daran gelegen ist, seine Schüler, wenn auch die einen mehr als die andern, doch überhaupt in ihrem schönsten Lichte erscheinen zu laßen, und gar schwer ist es eben nicht, einige Stunden damit hinzubringen, daß man mehrere Catechismen, Psalmen, Lieder, Gebete, Historien und Capitel aus der Bibel hersagen, und einige Psalmen singen läßt. Das Vornehmste, was die Prüfenden dabey erfahren können, ist, ob die Kinder gewöhnt werden, richtig zu lernen und deutlich herzusagen , worüber man aber gewöhnlich so schlecht erbauet wird, daß man sich überzeugen kann, dieses alles werde, wenn es gleich deutsch ist, gerade so gelernet und verstanden, als ob es in einer fremden Sprache geschrieben wäre. Will der Schulmeister auch von seiner Geschicklichkeit in der Religion rrr unterrichten, d. h. den Catechismus zu erklären, eine Probe ablegen, so ist vollends nicht daran zu gedenken/daß man die Schüler prüfe, ob sie fertig, richtig und deutlich lesen, welches freylich etwas so seltenes ist, als. es nothwendig wäre. Die Wenigen, — IZ8 — welche schreibt! lernen, bringen zuweilen ein Blatt von ihrer Schrift, woran jedoch dann und wann der Schullebrer zu viel Theil hat, oder deßen Geschmack und Urtheilskraft sich wenigstens gewöhnlich darinn verräth, daß die schlechte Beschaffenheit der Schrift durch einen Prunkvollen Anfang mit Fraktur und Kanzler) Buchstaben und viel überßüssigen Zierrath in mancherley Farben vergütet werben soll. An einigen Orten kommen nur diejenigen Kinder zum Schulexamen, welche etwas auswendig gelernt haben, dann können sie damit nicht genug eilen, machen sich hinter den Catechismus, und wollen einige Fragen hersagen, ehe sie im Syllabieren, geschweige dann im Lesen hinlänglich geübt sind, und nachläßige Eltern behalten hingegen ihre Kinder gar unter dem Vorwand zurück: sie haben kein Gedächtniß zum Auswendiglernen, wie das bey versäumten und solchen Kindern, die nur schlecht lesen können, würklich oft der Fall ist; auch wird an diesen Orten über die Fertigkeit im Lesen selten eine Prüfung angestellt, weil man sie bey dem Auswendiglernenden voraussetzt, und eben darum wird auch auf Erwerbung jener Fertigkeit!in der Schule wenig Fleiß verwendet, weil man bey dem Examen nicht damit glänzen kann. An andern Orten finden sich auch Kleine, die kaum sprechen können, und a b sagen — -59 gelernt haken, mit ihren Fibeln oder Täftigen ein, den Kreutzer zu hohlen, auf welchen sie von ihren Eltern zu Belohnung ihres ersten Fleißes angewiesen worden. Was ist da ru thun? Man gönnt ihnen den; weder der Prediger oder Schullehrer, noch die Vorgesetzten wollen sich jemand wegen einer solchen Kleinigkeit zum Feinde machen, und so verliert man seine Zeit, und ist am Ende zusammen gekommen, blos um den Kindern eine zwecklose Freude zu machen. Jndeßen werden doch zuweilen ganz beträchtliche Summen in Prämien von einen oder zweyen Kreutzern bis auf einige Batzen ausgetheilt, die wenig Nutzen, wohl aber wirklichen Schaden dringen , wenn sie, wie oft geschieht, liederlich verthan werden, oder nicht nach Erwartung, in Verglci- chung mit dem, was man vorige Jahre oder was andere erhalten, auch zuweilen wirklich nicht nach Verdienst ausfallen. Dre höchsten Prämien erhalten doch fast immer Begüterte, denen die Feyrlichkeit an sich selbst und die Ehre mehr ist, als Geld. Unzufriedenheit und Mißgunst verbittern so vielen die Freude über das Empfangene, daß wanden Schaden nicht verkennen kann, welcher über Haupt daraus entsteht, wenn man bey der Erziehung ru viel mit Belohnungen ausrichten will. -- Ader wozu könnte man denn dieses einmal den Schulen r6o — bestimmte GeK nützlicher und zweckmäßiger anwenden? zu Vermehrung der Besoldung des Schnllehrers, wohl nicht allenthalben und nicht auf einmal; aber ^ ru Anschaffung von Schulbüchern, besonders für arme ^ Kinder, wobey ich der Schuljugend überlasen möchte, selbige durch das Mehr der Stimmen auf Vorschlag des Lehrers hm auszutheilen. Anstatt eines jährlichen Examens, mit welchem die Schule auf 7- 8 Monate beschloßen wird, wünschte ich lieber ein monatliches, wo in Gegenwart des Predigers und eines oder einiger Vorgesetzten aus einer Claße in die andere befördert würde. Dadurch müßte den Kindern ihr Fortrücken in Kenntnißen und Fertigkeiten merklicher werden, als wenn ihr Rang einzig durch die Menge des Auswendiggelernten bestimmt wird, welches sie, vorzüglich die Mädchen, rcitzt, nach dem Ruhm des Gedachtnißes, mitHintan- setzlingjeves andern, zu streben, und die Eltern würden sich nicht mehr anmaßen, ihre Kinder in ein anderes Buch zu befördern, das ist: ihnen erlauben oder befehlen ru wollen, em zweytes zur Hand zu nehmen , weil sie finden, daß das erste jetzt lang genug herumgeschleppt worden. (Die Fortsetzung folgt im nächsten Dändchcn.) Einigt m- 's, >er ne >0/ rg llt re 'e- ch rd ig !(- t, in :u h' ?S —- i6i — Einige Schulz ebete» Vor der Schule. Äank sey Dir, lieber, himmlischer Vater! baß Du uns heut diese Nacht vor allem Schaden behütet , und uns wieder gesund vom,.Schlafe erwachen ließest. Wir bitten Dich, Du wollest Uns auch heute diesen Tag behüten vor Sünde und allem Uebel, und uns bey unsetzer Arbeit beystehen, Und den Abend ftölich erleben lassen. Wir empfehlen dir unsern Leib und Seele, unsere liebe Eltern und Lehrer, unsere Geschwistern und alle Menschen. Dein guter Geist regiere uns, daß nichts Böses über uns hem schen möge, Amen. 2 . Zu Dir, o himmlischer Vater.' heben wir unsere Hände auf, und rufen Dich um Deinen Beystand an, da wir wieder zum Unterricht versammelt sind. Du bist der Ursprung und die Quelle aller Weisheit und Erkenntniß, und der Geber aller guten Gaben« Von Dir, unendlich Gütiger! Von Dir allein kommt Weisheit her, S — lös — Und -arutn wenden wir uns nun auch zu Dir, und kitten Dich, Du wollest Dich auch zu uns wenden, und den Unterricht unsers Lehrers an uns gesegnet seyn lassen. O segne seinen Unterricht, Und schenk' ihm selbst auch neues Licht. Wir wollen gern auch das Unsrige thun, und auf das, was uns gesagt wird, aufmerksam seyn. Der Weisheit wollen wir uns weih'n, Und unserm Lehrer folgsam seyn. Kein Tag des Lebens geh vorbey, Daß nicht ein jedes weiser sey. 3 . Kommt, lasset uns den Herrn preisen, und seines Wohlthaten eingedenk seyn! Er hat uns wiederum gesund erwachen lassen — Er hat uns durch Speise und Trank erquickt, und macht, daß wir nun mit neuer Lust und Munterkeit wieder an unsere Arbeit gehen können. Er erfreut uns täglich durch seine Güte, und sättiget alles, was lebt, mit Wohlgefallen. Er läßet seine Sonne scheinen in allen Ländern, «nd Menschen überall rur Weisheit und Tugend ermuntern. Er giebt dem Unwißenden Unterricht und zeigt »em Irrenden den Weg, den er wandle» soll. Er belohnt die Arbeit des Fleißigen, und seA net jeden, der sich Mühe giebt in seinem Beruf. Wer bittet, der empfangt, und wer im Kleinen treu ist, dem wird noch mehr gegeben. Seine Wohlthaten sind unzählbar. Die ganze Erde ist voll seiner Güte. Wohl allen die ihn kennen, und ihr Verträum auf Ihn setzen, Amen! — 4 . Die Nacht ist vergangen, der Lag ist herbeygs» kommen. Wir sind gesund erwacht, wir haben uns angekleidet und gewaschen, und gehen nun in Gottes Namen getrost wieder an unsre Arbeit. Was uns heute zu thun vorkommt, das wollen wir frisch thun. Gott ist ein Gott der Fleißigen und nicht der Fau- len. Auf einen wohl zugebrachten Tag folgt ein froher Feyrabend und eine sanfte Ruhe. Freut Euch zur Arbeit, Ihr Schwestern und Bruder: Stunden vergehen und kommen nicht wieder. Haben wir aber das Unsre gethan, Seh'n wir mit Freuden den Abend sich uah'm §» Gütiger Gott, himmlischer Vater! Wir sind wieder vor Dir versammlet, daß wir nach unsern ZahW § Ä 164 — ketten unterrichtet, und in allem, was uns gut und heilsam ist, weiter geführt werden. Du willst, daß- allen Menschen geholfen werde, und daß sie zur Erkenntniß der Wahrheit kommen. Dieß Glück läßest du uns auch wiederfahren, und verschaffest uns Ge- ' kegenheit dazu von Kindheit an. Wir werden unter- j richtet, damit wir verständig, und zu den Geschäften unsers Lekens desto brauchbarer werden. Wir lernen und werden erzogen für die Erde und für den Himmel, für diese Welt und für die Ewigkeit. Die Frucht der Weisheit und einer guten Erziehung ist unendlich. — So laß uns nun auch den heutigen Lag dazu gesegnet seyn, und schenke uns zu unserm Geschäfte neue Lust und Munterkeit. 6 . Kommt Kinder! sammlet euere zerstreute Gedanken , und vereinigt euch mit mir rum Gebet des Heil. Unser Vaters. Vater unser aller! Du bist nicht hie oder da in einem Tempel oder Haus, das mit Händen gemacht ist; Du bist im Himmel der überall sichtbar, überall nahe ist, und alles nmgiebt. ! Heilig und anbetungswürdig bist Du! Gieb! daß wir und alle Menschen in der Welt Deinen Namen heiligen, und keinen andern Gott anbeten, als Dich allein! und Jesum unsern Erlöser und Selig macher. i6z Gieb daß die seligmachende Wahrheit unter den Menschen immer bekannter werde, und Dein Reich, das Reich der Tugend und der Glückseligkeit sich daher immer weiter ausbreite. Schenke uns Gnade, daß wir deinen heil. Willen mit der grösten Freudigkeit und Bereitwilligkeit erfüllen. Nm Reichthum und Ueberfluß an indischen Gütern bitten wir nicht. Gieb uns nur, was wir täglich bedürfen. lind weil wir auf mancherley Art alle noch fehlen, so handle deswegen nicht mit uns nach unserm Verdienen , und höre nicht auf uns zn lieben, und uns Gutes zu thun. Wir wollen auch nicht aufhören,- diejenigen zu lieben, die uns beleidigen. Bewahre uns vor allzu großen Leiden und Versuchungen, und laß uns in keinem Kampf gegen das Böse muthlos werden und erliegen. Denn es steht alles unter Dir, Du vermagst alles, und bleibest, wie du bist, unveränderlich. Amen l 7 . ' Läßet uns Herzen und Hände zu Gott erheben, und um seinen Segen und Beystand also beten: Gott! der in uns das Gute schaft, Sieh gnädig auf uns nieder. —^ 166 Von Dir stammt alle Wißenschaft - Dich preisen unsre Lieder. Du hörst gern unsre Bitten an. Und giebst, was Niemand geben kamu Leit uns an deiner Vaterhand, Noch wanken unsre Schritte. Mehr' in uns Tugend und Verstand, Lehr' uns gewiße Tritte. Und strauchle» wir in unserm Lauf, So richte Du uns wieder auf. — 8 . Gelobet sey der Herr unser Gott, der Schöpfer und Erhalter unsers Lebens, der uns an diesem Morgen wieder gesund in unsrer Schule zusammen kommen läßt. Jeder Tag unsers Lebens ist ein kostbares Geschenk seiner Güte. Viel Freude und Segen hat er in einen Tag für uns hineingelegt. Wenn wir nur immer klug genug waren, jedem Tag sein Gutes abzugewinnen, und unsre Zeit recht zu gebrauchen. Die gute Anwendung des heutigen Tags ist die beste Vorbereitung auf den Morgenden. Wir haben jeden Tag und jede Stunde unsers Lebens nur ein einigs mal, und sie gehen unwiederruffiH dahin, wir mögen sie wohl oder übel anwenden. Wohl dem, der schon in seiner Jugend den Werth —> 167 — des Lebens schätzen lernt, und Verstand genug Hass, zu erkennen, was zu seinem Besten dient! — Nach -er Schule. Läßet uns dem Herrn danken für alle seine Wohl-- thaten! Für unser Leib und Leben, für Gesundheit und Kräfte, für Nahrung und Kleider, für die Liebe unserer Eltern, für die Sorgfalt und Mühe unsers Lehrers, für die Munterkeit unserer Jugend — für alle erkannte und unerkannte Wohlthaten sey dem Herrn unserm Gott Dank gesagt. Nie mäße unser Herr durch ihren täglichen Genuß stumpf und gleichgültig dagegen werden. Die ewig wahrende Güte Gottes solle uns zu ewiger Gegenliebe, seine immer neue Wohlthaten sollen uns zu immer neuer Freude und Dankbarkeit ermuntern. 2. Die Arbeit ist ru Ende! Kommt, laßt uns Herz und Hände Zu unserm Gott erheben, Ihm Dank und Ehre geben ! Dankt ihm für Lust und Kräfte Zu unserm Schul - Geschäfte, Für alle gute Gaben, Die wir empfangen haben. i68 Des Lehrers Fleiß und Mühe Den Schuldienst spath und frühe, Belohne Gott mit Segen, Auf allen seinen Wegen, Er laß durch seine Lehren Viel Gnt's sich bey uns mehren. Kein einiger Tag des Lebens Sey fruchtlos und vergebens. Gott ist in unsrer Mitte, Und höret unsre Bitte! Geht hin in Jesu Namen, Und sprechet gläubig Amen. Z. Geht hin und danket eurem Gott, Ihr Kinder! geht im Frieden, z Genießt nun euer Abend - Brod, Und was Euch Gott beschicken. Geht ohne Lärmen, ohne Streit', Thut Niemand was zu leide, Und macht durch Eure Willigkeit Zu Haus den Eltern Freude. Gott führe und behüte Euch, Und schenk Euch seinen Segen. Sein Angesicht leucht' über Euch Auf allen Curen.Wegen. — 4 . Auf/ ihr Schwestern! auf/ ihr Bruder Unsre Zeit, Ist für heut, In der Schul vorüber. Wer der Arbeit Last empfunden Freue sich Inniglich Auf die Feyer - Stunden. Nach dem Lernen, nach dem Schwitzen, O da thut, Lausten gut, Springen nach dem Sitzen. Auf/zur Freude,"auf, znm'.Springen Gott sey Preiß, Der den Fleiß, Uns ließ wohlgelingen. — ^ Unter dem Beystand Gottes haben wir wieder einen halben Tag zurückgelegt. Läßet uns dem Herrn dafür danken, und fröhlich seyn über seiner Güte. Wie glücklich sind wir, daß wir einen Lehrer haben, der uns mit Liebe und.Sanftmuth. unter- richtet, und uns ru weisen, guten und glücklichen Menschen bildet. Die Mühe, die auf unsre Erziehung verwendet wird, wollen wir nicht umsonst seyn laßen. Den Willen Gottes zu lernen und zu thun sey unsere gröste Freude. Unsre Jugend und unsre ganze Lebenszeit soll ihme geheiligt seyn. — 6 . Wir heben unsre Hände zu Dir auf, Herr unser Gott! beym Beschluß unserer Schulstunden!, und danken dir für deinen gnädigen Beystand. Gie^, daß wir das, was wir heute gehört und gelernt haben in gutem Gedächtniß behalten. Laß uns auch ausser der Schule thun, was recht ist, und unsern Eltern durch unsern Gehorsam Freude machen. Niemand mäße durch Grobheit und Scheltworte von uns beleidigt werden. Flüche und Betheurungen sollen nicht aus unserm Munde gehen. Vor Lügen, Diebstahl und andern Sünden bewahre uns die Furcht sdes Herrn. Diese seye stets in unserm Herren, ldaß keine'böse Lust bey^nns einwurzle und die Oberhand bekomme, sondern daß die Liebe zu allem, was recht, gut und wohlanständig ist, immer stärker in uns werde. Nun iss wiederum halber Lag unsers Lebens Herüber. Was wir heute gehört und gelernt haben. das segne der Vater im Himmel, rmd laße es i» uns ein Saume werden, der edle Früchte trägt! 8 . Vollbracht ist unser Werk, vollbracht! Auf, laßt uns fröhlich seyn! Wer, was er thun soll, recht gemacht Darf sich am Ende freu'n. Am Ende freut sichs königlich Nach überstand'nem Schweiß. Vergebens wünscht der Faule sich Des Fleißes schönen Preiß. Jetzt geh'n wir hurtig, groß und klein, Ein jedes seine Straß, Mit frohem Muth, doch ohne Schrey'» lind Zanken auf der Gaß. Dannleßen wir das Abendbrodt, Das uns die Mutter schneid't, Und danken unserm guten Gott Fürlftine Freundlichkeit. Ja, freundlich ist der Herr, undLut! Er giebt gesunden Leib, Und Kraft zur Arbeit, gutenIMuth, Und Spiel rum Zeitvertreib. 172 Voll Huld schaut Er auch jetzt Hemd, Sicht unsre Freuden gern. Ihm, der uns diese Freuden gab, O Kinder! dankt dem Herrn! Gebet "vor der Schule.*) von B. Helfer Grüner IN Bern. Der Lehrer. Himmlischer Vater! Mit Freuden gehe ich jetzt wieder an die Arbeit meines schönen Berufes, in dem Verstände dieser Jugend richtige Begriffe, und in ihrem Herzen tugendhafte, dir wohlgefällige Gesinnungen zu erwecken. Leite und unterstütze du uns dabey mit deiner hohem Kraft, daß sie wahrhaftig gute Menschen, und die Zahl deiner frommen Kinder, der seligen Unterthanen deines Reichs auch durch sie möge vermehrt werden. *) Ich hoffe, niemand werde es für überfiüßig halten, daß ich hier so vielerlei) Gcvetsformeln von verschiedenen Verfassern einrücke, indem ich damit die Schul- lehrer vorzüglich darauf aufmerksam machen möchte: daß sie doch die Kinder nicht unaufhörlich das nämliche Gchulgebet hersagen lassen, sondern gar oft mit demselben — so wie mit den Kindern, die beten müssen— abwechsle» lassen. Hauptsächlich aber sehe der Lehrer hierin» darauf, daß alle Kinder das, was sie beten, verstehen, und es langsam, deutlich und vernehmlich hersagen. Ein Rind. Ja Gott alles Guten! wir erkennen es, und danken dir für deine Vaterliebe, dass du so treulich auch für unsere Seelen sorgst und uns einen frommen Lehrer gcschenkct hast, der an uns arbeiten will, daß unser Verstand die Wahrheit kenne und unser Herr liebe , was recht und gut ist' Wir wollen uns seinen Unterricht mit Freuden zu Nutzen machen, auf seine Ermahnungen hier Aufmerksam hernach derselben eingedenk seyn, damit wir durch seine Bemühungen von einem Tag zum andern verständiger und besser werden. Ein zweytes Rind. Ja darauf sollen seit alle unsere Gedanken gerichtet seyn ! Du wollest uns selber dazu helfen, gütiger Vater! und deinen heiligen Geist in dieser Stunde und allezeit in und mit uns allen seyn lassen, daß er uns in alle Wahrheit leite, Amen. Nach der Schule. Erstes Rind. Nun, o du guter und liebreicher Gott! haben wir wieder viel Nützliches gehört und gclemet, das unserm verstände Nahrung und unserm Herzen Friede geben; und zur Aufheiterung unsers Verstandes, zur Heiligung unsers Herzens dienen kann. Wir sind wieder der Erkenntniß det Wahrheit mir einen! Schritt nahet gekommen, daß wir Gutes und Böses, Nützliches und Schädliches bester unterscheiden lernen. Was für ein Segen, wenn wir uns diese Wohlthaten recht zu Nutzen machen. Laß uns ja von unserer Seite daran nichts versäumen, und hilf uns dazu nach deiner Liebe. Ein anders Rind. So laße denn, unser allet Vater! das Gute, so wir jetzt gelernt haben, einen tiefen Eindruck auf unsere Herzen machen, daß wir mit den heiligen Lehren und schönen Vorschriften unserer besten Religion je langer je bekannter werden, und wahre Weisheit des Lebens daraus schöpfen mögen, damit wir unsere ganze Aufführung darauf einnchten, vor allein aus, drr bester, heiliger Vater! und dann auch unsern Eltern, Lehrern und allen guten Menschen Freude ;u machen, uns selbst aber den köstlichen Schatz eines guten Gewißens zu erwerben , ohne welches wir nie froh und glücklich in dieser Welt seyn könnten. Der Lehrer. Du hörst, o Mwißender! die frommen Wünsche dieser Jugend, laß ihnen dieselben überall, wo sie hinkommen, stets in Gedanken seyn, daß s sie vor Sünde und Thorheit bewahrt, zu allem, was gut und recht ist, geneigt, täglich beßer ffmd seliger, werden. — 173 — Gebet vor -er Schule. Herr dir gebühret Preiß und Dank, Du hast leiblich Spciß und Trank Beym Tisch uns schon gegeben. Von dir erhalten wir das Brod , Und alle Hilfe in der Noth Und Freude für das Leben. Doch lebt man nicht rom Brod allem, Und kann nicht gut und selig seyn. Ohn deines Wortes Lehre. Drum gibst du uns auch Unterricht Von unserm Glück, von unsrer Pflicht, Zu deines Namens Ehre. Mach unsre Herren tugendhaft, Gib dem Verstände Licht und Kraft, Und unserm Lehrer Treue, Daß sein und unsere Schularbeit Geling, und in der Ewigkeit Uns einst die Frucht erfreue. Ein anders nach -er Schule. Bester, himmlischer Vater! wir danken dir für den nützlichen Unterricht, chen wir abermal durch 176 — deine Gnade erhalten und jetzt vollendet haben- Segne unsere geringe Arbeit/ daß wir das/ was wir gehört und gelemet haben / wohl verstehen/ nie vergeßen und ihm treulich nachleben. Sorgfältiger Hüter deines Volkes! deine Hand hat uns in die Schule geleitet, bewahre uns auch jetzt / da wir wieder nach Haufe gehen / vor Sünde und Unglück, daß wir in Frieden und Liebe ohne Geschrey, ohne Zank und Streit zu den Unsrigen wieder kehren, und uns freundlich und anständig gegen einander und gegen jedermann aufführen. Erinnere uns aller Orten unserer Schuldigkeit gegen dich und unsern Nächsten, damit wir alle Menschen lieben, und besonders unsere Lehrer und Eltern ehren, dich aber, Vater des Lichtes förchten, andächtig und aufmerksam in der Kirche, fleißig in der Schule, treu und gehorsam bey den Eltern, und gegen einan- dern verträglich seyen, und wachsen und zunehmen, so wie am Alter, also auch an Weisheit und Frömmigkeit, zu deiner Ehre und zu unserm zeitlichen und ewigen Besten. Morgengebet vor der Schule, O Vater, Gott und Herr der Welt! Wir wißen, daß es dir gefällt, Wen» i77 Wenn wir mit Danken lind mit Beten An jedem Morgen vor dich treten. Drum preisen wir mit Mund und Herr Dich, daß wir frey von Noth und SchMM Das Licht des Tages wieder sehen Und fröhlich an die Arbeit gehen. Sey heut' auch unser Schutz und Heil Und unsers Lebens bester Theil. Gieb, daß wir dich von Herzen lieben, Mit Sünden niemals dich betrüben. Gieb uns Gesundheit für den Leib, Für unsere Seele Frömmigkeit; Von allen Gütern dieser Erde, Nur was wir nöthig haben werden. Und mach uns nach verfloßner Zeit Einst selig in der Ewigkeit, Amen. Nachmit t a g. Herr! billig sagen wir dir Dank, Daß du bey'm Tisch uns Speiß und Trank Für unsern Leib gegeben. Von dir erhalten wir das Brod Und alle Hilfe in der Noth, Und Freude für das Leben. Doch lebt man nicht vom Bros allein, W r?8 Kann auch nicht gut und glücklich seyn, Als nur durch deine Lehre. Drum läßest du uns unterrichten, Von unserm Besten, unsern Pflichten, Zu deines Namens Ehre. Mach unsere Herren tugendhaft, Gieb uns Verstand und Fleiß und Kraft, Und unserm Lehrer Treue, Damit der Saame, den er streut, So wachs', daß in der Ewigkeit UnS einst die Frucht erfreue. Amen. Nach der Schule. In Gottes Namen machen wir Der Arbeit jetzt ein Ende, Und heben, Vater! auf ru dir Mit Andacht unsere Hände. Wir danken dir mit Herr und Mund, Du hast uns auch in dieser Stund Herr! große Gnad bescheeret, Viel Nützliches gelehret. Verleihe, daß wir allereit , Ein weises Herr bewahren, Und an Verstand und Frömmigkeit Zunehmen mit den Jahren. i79 Wir gehen aus der Schule fort, Du aber bleib nach deinem Wort Bey uns mit deinem Segen, Auf allen unseren Wegen. Amen, Abendgebete. Herr! was ich bin, ist dein Geschenke, Der Geist, mit dem ich dein gedenke, Ein ruhiges Gemüthe; was ich vermag Bis diesen Tag, ist alles deine Güte. Sey auch mit deiner Lieb und Macht Mein Schutz und Schirm in dieser Nacht, Vergieb mir meine Sünden. Und kommt mein Tod, Herr Zebaoth! So laß mich Gnade finden.' Dem der die Welt aus Nichts gemacht. An Wundern reich, und groß von Pracht, Der sie erhält, der sie regiert. Dem danke ich, wie fichs gebührt. Der meine Glieder werden hieß. Der seinen Athem in mich bließ,' Der mir den Geist zum Denken gab, Dem will ich treu seyn bis ins Grab. 182 — Gebet vor der Schule, ) schlechte Methoden der meisten Schullehrer. i86 s. Die schlechte Handschrift des Schulleh- rers macht nicht allem diesen schon abgeneigt , Unterricht im Schreiben zu geben/ denn wer schön schreibt/ schreibt gewöhnlich gern/ und umgekehrt/ und den Knaben abgeneigt von ihm Unterricht zu empfangen, sondern sie erschwert den Unterricht. Eine schlechte Handschrift ist unregelmäßig / bey der alle Grundsätze und Verhältnise verletzt werden/ die nicht nur schlecht ins Auge fällt/ sondern gar nicht gelehrt / nur durch lange Uebung angenommen werden kann; Zu geschweige« / daß man immer voraussetzen muß/ wer schlecht schreibt, schneide seine Feder, halte sie schlecht, u. d. gl. Es ist auch ein unregelmäßiger Buchstaben weit schwerer nachzumachen, wenn weder Höhe noch Breite und Starke der Striche dabey gelehrt, oder die Beobachtung irgend einer Regel bey der Zusammensetzung desselben angegeben werden kann. Derselbe Buchstabe steht bald gerade, bald schief, ist bald groß, bald klein, der Knabe zeichnet auf's Ungefehr hin, und verliert seine Zeit oder gelangt nur sehr langsam zu einiger Fertigkeit in Nachbildung unförmlicher Züge. Das 2te Hinderniß liegt in der gewöhnlichen schlechten Methode, deren erster allgemeinster Fehler ist, daß man die Schüler nicht zuerst das Leichte, die einfachen Züge oder Striche, und her- 18? nach das Schwere/ die zusammengesetzten Buchstaben machen lehrt/ sondern ru den folgenden übergeht, ehe das Vorhergehende nur einiger Maaßen begriffen ist. Viele treiben die Gedankenlosigkeit hierinn so weit, daß sie anstatt allenfalls noch mit den einfachen, leichtern Buchstaben, i,^o, l, j anzufangen, gleich das Alphabeth nach der Ordnung a, b, e vorschreiben, und nicht selten treibt man den Unsinn aufs AeuKerste, indem man zugleich mit den gewöhnlichen kleinen, auch die großen Initialbuchstaben von dem Kinde fordert, womit man dann frey» lich gewinnt / daß man dasselbe Jahre lang' beschäftigen oder aufhalten, und sich alle fernere Mühe mit ihm dadurch ersparen kann, daß man ihm Vorschriften vorlegt, die es nie fehlerfrei) nachbilden, und hiemit bis ru seiner Entlassung aus der Schule nie dahin kommen wird, verlangen zu dürfen, man solle ihm in der Rechtschreibung, zu eigenen Aufsätzen, u. d. gl. Anleitung geben. Doch wenn man ihm Vorschriften vorlegt, so wird oft ein dritter Fehler begangen, welchen ich hier ru rügen habe, daß man nämlich dem Kind nur auf sein Papier vorschreibt. In vielen Schulen besteht die Beschäftigung des Lehrers in der Schreibstunde einzig darinn, daß er der Reihe nach seinen Schülern oben über ihr Blatt eine gewöhnlich übel- gewählte Sentenz oder ein abgebrochener, umusam- — -88 menhängendes von einem Verse/ oder vorn am Blatt herunter zum Anfang jeder Zeile ein Wort oder eine Zeile schreibt, wie es das Ungefähr fügt / wo denn der Schüler die vorgeschriebene Zeile/ das Wort oder den Buchstaben höchstens ein paarmal/ hernach aber sich selbst copiert/ bis das Blatt voll ist/ und entweder die Stunde zur Entlaßung schlägt/ oder der Zeit-und Papier-Verderb von Neuem angefangen wird. ll Diesen beyden Hrndernrßcn zuvor zu kommen / die die meisten Kinder von der auf die Weise äußerst langsamen und mühevollen Erlernung des Schreibens abhalten/ scheinen mir wvhleingerich- letk/ gedruckte Schreibevorschriften das dienlichste Mittel zu seyn. ». Kann man in guten Abdrücken einer wohlge- siochenen Kupferplatte den Kindern weit regelmäßigere Vorschriften zum Nachbilden vorlegen / als der geschickteste Schreibemeister nicht im Stande ist/ allemal herauszubringen ; wenn er auch seiner Hand noch so vollkommen Meister und ganz sicher wäre/ dem Buchstaben immer die gleiche Gestalt zu geben/ so wird die Dinte/ Federnder das Papier doch hie und da eine Unregelmäßigkeit verursachen / die den Schüler irre macht / welches er in Nachformung des in der gedruckten Vorschrift sich immer gleichen Buch- i89 stabens, an dem man ihm Ebenmaaß und Verhältniße zeigen kann/ nie wird. — b. Ist ein gedrucktes Blatt/ das vom einfachsten Strichgen / bis zum vollständigen kleinen Alxhabeth und den Zahlen/ alle dem gemeinen Mann zu lernen/ nöthige Züge enthalt / zugleich das leichteste Mittel/ ihm von der Verwandtschaft / der Zusammensetzung/ und hiemit auch von der leichtesten Bildung eines jeden Buchstabens und den Erfordernden einer löslichen Handschrift zu belehren / und den Knaben von dem Leichten/ wenn er darinn Meister ist/ allmahug zum Schweren fortrücken zu laßen. c. Ersparen diese gedruckten Vorschriften nicht allein dem Knaben viel Papier/ sondern ihm und dem Lehrer viel mit dem immer wiederhohlten Vor« schreiben/ und auch dem Warten auf dasselbe/ verdorbene Zeit. 6. Kann vermittelst derselben auch ein Mann/ der keine saubere Handschrift hat/ welches oft die Wahl / bey der man ohnehin insgemein genug in Verlegenheit ist/ sehr erschweret/ wenn er anderweitige Fähigkeiten hat, zum Schullehrer angenommen, und das Schreiben in jeder Schule betrieben werden; obgleich freylich ein Mann, der die Feder gut schnei- den und führen lehren kann , die Fortschritte seiner Schüler immer sehr befördert. *) e. Wird nur dardurch die Erwerbung einiger Kenntniße der Rechtschreibung und Fertigkeit in eigenen Aufsätzen möglich , wenn man auf die gewiß weniger unentbehrlichen großen Initial-Buchstaben, die die Unwißenheit doch meistens unrecht anbringt, und dadurch mehr Uebelstand verursacht, als wenn sie ganz ausbleiben, Canrleyschrift, u. d. gl. Verricht thun will. — Man mache alsdann -zClaßen von Schreibenden: Die iste zeichnet nach der Vorschrift einzelner Strichgen, wenn sie das kann, einfache, dann zusammengesetzte Buchstaben, Zahlen, Wörter. Die 2te schreibt etwas aus einem richtig orthographisch geschriebenen Buche ab, ohne jedoch die Schreibvorschrift bey Seite zu thun, um den ersten *) Die Kinder kommen vorzüglich in großem Gemeinden , worinn mehrere Schulen sind, oft in kurzer Zeit von einem Schulmeister zu einem andern, wenn ent« weders ihre Eltern oder der Schulmeister den Wohnungsort verändert, oder w nn letzterer stirbt, oder aus andern Gründen, und daher ist es auch in der Rücksicht äußerst gut, wenn in allen Schulen einer Gemeinde die gleichen gedruckten Vorschriften eingeführt sind, indem den Kindern beym Schreibcnlernen nichts, schädlicher ist, als wenn sie bald diese, bald eine andere Schreibart nachmachen müßen. Anmerkung des Herausgebers. Grund zu der Fettigkeit zu legen, aus einzelnen Buchstaben ein gegebenes Wort zusammen zu setzen. Die zte Claße bringt einen auswendig gelernten Spruch, Vers, ein Stück aus dem Catechismus oder dergleichen auf das Papier, mit vor ihr liegender Vorschrift, zu richtiger Zeichnung der Buchstaben, aber ohne Buch, die Worte aus dem Gedächtniß, oder schreibt, was man ihr diktiert. Die 4te Claße macht eigene Aufsätze, es seyen Briefe, Scheine, u. dgl. Die besten aus jeder der z untern Claßen werden monatlich oder wöchentlich nach einer mit etwas Feyrlichkeit anzustellenden Prüfung in die obere befördert, und jede Claße unter sich täglich über die Erfüllung des ihr aufgetragenen Pensums untersucht, die Schüler nach ihren Fähigkeiten und den gemachten Fehlern gereihet, und nie ein Pensum, ein abzuschreiben, aus dem Gcdächtniße Herruschreiben, oder auf Diktieren bin niederzuschreiben, aufgegebenes Stück auf die Seite gelegt, bis es so Fehlerfrei), als man es von den Schülern erwarten kann, herausgebracht worden ist. Auf diese Weise kann ein Kind, ich weiß es aus Erfahrung, mit dem Aufwand von ein paar Kreu- rern auf eine gedruckte Vorschrift, in viel weniger Zeit , als es sonst auf Besudluug ganzer Stöße von — IY2 — Papier verschwendet, eigene Aufsätze machen lernen, die auch ohne Initial und Fraktur Buchstaben mehr werth sind, als die Schulgerechten Mahlereyen, die oft nur von dem schlechten Geschmack des Lehrers zeugen, und zu nichts dienen, weil kaum das hundertste Kind, wenn es der Schule entlasten wird, ^ Mit seinen Buchstaben etwas anzufangen, und den I einfachsten Gedanken auszudrücken versteht. ^ Die Einwendung: es sey unmöglich aste Kinder so lange in der Schule zu behalten, als nach allgemeiner Erfahrung dazu erfordert werde, sie schreiben zu lehren, beantworte ich eben dadurch, daß die besten Schreibemeister, das ist die, welche selbst am saubersten schreiben, und die ich eben darum bey der Methode des Vorschreibens für die besten halte, weil ! eine saubere Schrift leichter nachzumachen ist, als eine unförmliche, doch gerade für Landkinder unrweck- ' mäßige Lehrer sind, weil sie mit Unrecht auf eine saubere Schrift der Kinder einen zu hohen Werth und ihre Ehr« und Verdienst darinn setzen, sie ihre ! schöne Buchstaben nachmahlen, nicht aber selbst schrei- ^ ben zu lehren. Darum schreibt die Jugend, wenn sie aus den Schulen kommt, nichts mehr, weil sie keine Vorschrift hat, und ohne eine solche nichts zu schreiben weiß. Die Hoffart, welche man mit den nachgemahlten schönen ^Buchstaben treibt, ist^aber such eitel,, dem der'hundertste Schüler behalt nicht seines Meisters Hand, sondern bildet sich selbst seine eigene, wenn er anfanMür sich zu schreiben, und wird sie sich bilden, ohne lang in Schulen blos Buchstaben nachgezeichnet zu haben. Wer immer Briefe empfangt, Rechnungen? bezahlt, oder sonst mit andern Menschen Geschäfte macht, wird tausendmal wünschen, daß aste seine Mitbürger guMicmigus moäo (sty es etwas schöner oder schlechter) selber schreiben, ehe er einmal wünschen wird, daß sie schön, Kanrleyschriften, Initialbuchstaben und dgl. möchten schreiben lernen. Ein Büchlein für Kinder, welche wollen lesen und schreiben lernen, für junge nnd alte Leute, oder welche begehren Verständig, gut und glücklich zu werden. Don Bürger Helfer Grüner in Bern. r. Die ganze Welt ist eine Schule; alle verständige und gute Menschen trachten unaufhörlich etwas zu lernen und zu thun, was ihnen hernach in diesem, oder in einem andern zukünftigen Leben Nutzen und Freude bringen kann. 2. Man lernt nie aus, und wird nie ganz fertig mit allem, was man gern thun möchte, oder thun sollte; darum ist es gut, wenn man früh anfangt, und keine Zeit verliert, damit man es desto weiter bringe. *> Diese äusserst lehrreichen kurzen Sätze können die Schullehrer theils nach und nach den geschicktem Schreibeschülern in die Feder diktieren, das Diktierte nachher vom Lehrer verbessert, in eine Probcschrift rein abschreiben lassen, und dann zugleich mit dem Sinne des Geschriebenen bekannt machen; theils aber können sie dieselbe, wenn keine gedruckten Vorschriften in ihren Schulen eingeführt sind, zu Vorschriften benutzen , welche sie den Schülern zum Abschreiben vorlegen. -7 Anmerk. des Herausgebers, — ryZ K. Ich bin jetzt noch jung und klein, und kann nicht arbeiten, wie die großen, starken Leute, deßwegen will ich meine jungen Jahre anwenden, etwas zu lernen, das mir dann wohl komme, wenn ich einst groß oder alt seyn werde. 4. Vieles kann man leicht lernen, so lang man jung ist, das man hernach schwerlich oder gar nicht mehr lernen könnte, wenn man einmal alt geworden. 5. In der Jugend, wenn noch andere Leute für einen sorgen, hat man auch beßer Zeit (Muße) und Gelegenheit etwas zu lernen. 6. So bald man größer und starker wird, muß Man auch seine Kräfte gebrauchen und arbeiten, weil man alsdann für sich selbst, und oft noch für andere sorgen soll und muß. 7. Alle Tage werde ich älter; darum will ich die Gelegenheit, etwas Nützliches zu lernen, brauchen, dieweil ich sie habe; vielleicht hätte ich diese Gelegenheit, oder die Zeit, oder. Gesundheit dazu ein anders mal nicht, und dann' würde es mich gereuen, daß ich es versäumt hätte. 8. Je früher ich anfange, desto mehr kann ich lernen, und desto eher kann ich anfangen, dasjenige tu meinem Nutzen anzuwenden, was ich werde ge!er< net haben. y. Vor allem aus aber will ich allezeit suchen , dasjenige zu lernen, was mir am nützlichsten ist, und mich am glücklichsten macht. 10. Man ist glücklich, es ist einem chohl, wen;, man das hat, was einem gut ist, und wenn man vor dem, was einem schaden würde, sicher seyn kann. 11. Man muß also wißen, was einem gut ist, und sich das verschaffen können, und wißen, was einem schadet, und sich davor hüten können. 12. Wer nichts weiß, wird nie glücklich werden, ihm wird nie recht wohl seyn, und dem, der nichts thut, auch nicht, wenn er schon viel wüßte. iz. Wenn ich schon weiß, was gut ist, und kann doch nicht dazu gelangen, so hilft es mir nichts, und wenn ich schon weiß, was böse ist, und kann mich doch nicht davor hüten, so bin ich noch nicht glücklich. 14. Es ist aber auch nöthig, daß wir das Gute recht gebrauchen rönnen, damit es einem recht nützlich , und uns dabey recht wohl seye. iZ. Auch das Böse kann einem nützlich werden, wenn man es recht zu gebrauchen und anzuwenden weißt. 16. Mancher Mensch hat wohl Gesundheit und Kraft, oder Reichthum, aber es nützt ihm wenig, — -97 — weil er sich nicht darauf versteht, sie recht m gebrauchen. 17. Hingegen ist man auch in Krankheit und Armuth nicht allemal unglücklich/ wenn man Gedult, oder sonst etwas Gutes dabey Helernt hat. -8. Mit viel Kraft/ oder mit viel Geld- kommt man nicht so weit / wenn man sich nicht darauf versieht/ es wohl anzuwenden/ als mit Wenigem/ wenn man gut damit umgehen kann. 19. Es kommt also nicht nur darauf an / daß man eine Sache habe / sondern auch / daß ich sie brauchen könne, wenn ich'etwas damit ausrichten will, oder wenn sie mir etwas nützen soll. 20. In der Schule lernt man vieles, von dem, was man wißen oder können muß, um glücklich zu seyn. 21. Das Vornehmste von dem, was man wißen muß, sollte man in der Kirche lernen; es geht aber damit gar schwer daselbst ?n, wenn man in der Schule nichts gelernet hat. 22. Das was man wißen muß, lernt man entweder aus eigener Erfahrung, oder aus mündlichem Unterricht von Andern, oder durch Nachdenken, oder aus Büchern, oder Schriften. 2Z. Schätze dich glücklich, wenn du von andern etwas erfahren kannst, das du sonst mit vieler Mühe »der gar mit deinem Schaden erst selber lernen müßtest» 24. Glaube aber nicht Alles , was dir Andre sagen, wenn du nicht denken kannst, sie wißen es beßer, und reden die Wahrheit gerne. 25. Je mehr Einem an einer Sache gelegen ist, desto nothwendiger ist es, daß man aus eigenem Nachdenken und Erfahrung davon gewiß seye, weil mgn sie denn auch beßer versteht und fester glaubt. 26. Aufmerksamkeit, eigener Fleiß, gute Anleitung von andern und öftere Uebung, sind die vornehmsten Mittel, eine Sache leicht, geschwind ungut zu erlernen. 27. Das was man können muß, lernt man eigent« lich durch Uebung, Gewohnheit. 28. Beydes, das was man wissen und das was man können muß, lernt man viel leichter und geschwinder, wenn die, welche es schon wissen oder können, Einen dazu anleiten. 29. Es ist ein großes Glück für Kinder, wenn sie Zeit und Gelegenheit haben, etwas zu lernen, und wenn man sie dazu haltet und ihnen dabey hilft. Lo. In einer wohl eingerichteten Schule können Kinder viele Dinge weit leichter und besser lernen, als für sich allein, oder wo ihrer nur wenig beysammen sind. Zi. Gute Schulen sind ein wahrer Segen, und eine große Wohlthat für cinsKind, und es ist eine Unverantwortliche Undankbarkeit gegen Gottes Vorsehung und gegen eine väterliche Obrigkeit, wenn man sich solche Wohlthaten nicht ernstlich Zu Nutze macht. Z2. Das Vornehmste, was Kinder in einer Schule tu lernen haben, ist: Gehorsam, Fleiß, Ordnung, gute Sitten, lesen, schreiben, rechnen, singen und christliche Weisheit. 3z. Gehorchen muß man in der Jugend lernen, sonst lernt man es nie, oder doch schwerlich, und wenn man es nicht kann, so ist man gewiß sein Lebeulang unglücklich. 34. Viele Kinder würden auch nie gehorchen lernen, wenn sie es nicht in der Jugend lernen müßten. 3.5. Leute, die sich jung gewöhnen, fleißig m seyn, ihre Zeit wohl anzuwenden, und allemal das zu thun, was sie thun sollen, denen wird nachher alle Arbeit leicht und zur Freude. 36. Ordnung, das ist: alles zur rechten Zeit und am rechten Ort, bringt Glück, und erspart viel Mühe r gewöhne dich frühe daran, so kommst du in allem, was du vornimmst, beßer zurecht. 37. Kinder, die in der Schule sich mit änderst Kindern vertragen lernen, können auch beßer sich in andere Leute schicken, wenn sie einmal groß sind. 38. Kinder, die von Jugend auf gewohnt sind/ in die Schule, unter andere Kinder oder Leute r» ,— 200 kommen, sind auch nicht so furchtsam, scheu oder blöde, wenn sie einst vor andern, besonders vornehmen beuten erscheinen müßen. M. Höflichkeit und Freundlichkeit sollen die Kinder jung in der Schule lernen, -damit macht man sich angenehm und beliebt, und kommt in der Welt besser fort. 40. Zu lesen giebt man einem erstlich gedrucktes, wenn man das nicht lesen kann, so bleibt man in vielen Dingen immer sehr unwißend, und kann alle die schönen und guten Bücher nicht brauchen, aus denen so viel Nützliches zu lernen ist. 41. Nothwendig wäre es auch beynahe allen Menschen, Geschriebenes lesen zu lernen, weil man oft Schriften oder Briefe hat, die man nicht andern zu lesen geben kann oder mag, wenn es einem schon sehr nützlich und viel daran gelegen ist, zu wissen, was darin» steht. 42. Mancherley Nebel kommt daher, daß viele Menschen'gar nicht, und viele nur sehr schlecht lesen können. 43 - Nur'schlecht lesen können ist beynahe eben so viel, als wann man es lgar nicht könnte, weil man es dann gemeiniglich nur selten und ungerne thut, und deswegen auch bald wieder gänzlichlvergißt. ^"44. Fürs Erste muß marsirichtig, ohne r Fehler, — 2OI fürs Zweyte deutlich und verständlich/ und fürs Dritte fertig / ohne Anstoß und Mühe lesen können, 45. Trachte darnach/ daß du alles/ was du lernest und thut, so gut als immer möglich lernen und thun mögest/ sonst hast du weder Freud noch Nutzen davon. 46. Schreiben können ist fast allen Menschen nützlich / und den meisten sehr nöthig. ! 47. Ueberhaupt wäre es sehr gut / wenn man sich gewöhnen könnte / alles aufzuschreiben/ was man thut / oder was einem Merkwürdiges vorkommt. 48. Nur allzu viele Hausvater sind deswegen zu Grund gegangen / daß sie zu wenig aufgeschrieben / und alle Tage entsteht noch viel Streit/ Unordnung und anderes Unheil eben daraus. 49. Schreiben heißt nicht nur Buchstaben machen/ sondern seine Gedanken deutlich und verständlich,'auf das Papier briugen/ oder schriftlich/ das ist / mit geschriebenen Worten ausdrücken. Zo. Wer mit Abschreiben / oder damit / daß er andere im Schreiben unterrichtet / sein Brod verdienen will/ muß insonderheit darauf ssehen, daß er schön, sauber schreiben lerne. 51. Doch ist auch die schönste, sauberste Handschrift nichts werth, wenn man dabey nicht zugleich recht zu schreiben versteht. 52. Recht schreiben heißt, mit den rechten (be- hörigen) Buchstaben und Zeichen schreiben, keinen Buchstaben ru viel und keinen zu wenig und jeden an sein rechtes Ort setzen. 53. Für Herrn, gelehrte Leute, ist es eine Ehre, wenn sie recht schreiben könnest, so wie es in dem Lande und unter besten üblich ist, wo man es am besten verstehet. 54 - Gut schreiben, daß man es gerne ließt und Einen leicht, und gerade so verstehet, wie es gemeint ist, ist eine schöne, aber seltene Gabe, und erfordert viel Fleiß und einen guten Verstand. § 5 - Für gemeine Leute ist es schon viel, wenn sie leslich, verständlich und ohne große Mühe schreiben, so daß man leicht verstehen kann, was sie haben sagen wollen. 56. Kürze und Deutlichkeit, sind zwey Hauptstü- cke, worauf bey dem Schreiben meistens zu achten, daß man unnütze Weitläufigkeit vermeide, und doch auch nichts Wesentliches auslaste. 57. Beynahe eben so nothwendig als die Schrcib- kunst sind den meisten Menschen auch die ersten Anfange der Rechenkunst. 58. Zu den ersten, leichtesten und nothwendigsten Anfangsgründen der Rechenkunst gehören das Zählen, das Zusammenrechnen, das Abziehen, das Vermehren und das Theilen. 59- Die Kunst -um zählen besteht darum, daß man wisse, was jede Zahl, nach dem sie an einem Orte stehet, für einen Werth habe, und was mehrere hinter einander geschriebene Zahlen für eine Summe ausmachen. 60. Wer wohl zahlet, kann auch jede Summe richtig schreiben, das rst: die Zahlen so setzen, daß sie diejenige Summe bezeichnen, welche er schreiben will. 61. Zusammen rechnen heißt: mehrere kleinre Summen in eine größere zusammen bringen, welche gerade so viel ausmacht, als jene kleinere alle mit einander». 62. Abziehen ist so viel als suchen, wieviel von einer größer» Summe noch übrig bleibt, wenn man eine kleinere davon wegnimmt. 6z. Vermehren heißt, eine größere Summe durch eine kleinere, oder wenigstens nicht größere vervielfältigen, oder so und so viel mal verdoppeln. 64. Theilen kann man unreine große Summe mit einer kleinern, um zu wißen, wie vielmal die erste größer, oder die letztere in derselben? enthalten ist. 6Z. Ohne Rechenkunst kann man gar oft nicht wißen, was man einzunehmen oder auszugebend bey einer Sache zu fordern, oder ru bezahlen , rus gewinnen oder zu verlieren hat, und ist daher in eine? — 2OL — beständigen Gefahr ru irren, zu kurz zu kommen, Schaden zu leiden , oder Unrecht zu thun. 66. Die Rechenkunst dient auch dazu, unsern Kopf aufzuheitern und unfern Verstand und unsre Begriffe über viele Dinge zu verbessern. . 67. Singen ist eine Uebung, ein Gebrauch unserer Stimme und der verschiedenen Töne, die wir Lurch selbige hervorbringen können, ru unserm eigenen, oder zu anderer Leute Vergnügen. 6g. Weil gute Gedanken dadurch viel starker werden, wenn sie von angenehmen Empfindungen begleitet sind, so singt man in der Kirche und sonst schone oder heilige, das ist, solche Lieder, die viel gute Gedanken enthalten und erwecken. 6y. Pflicht gegen Andere, und unser eigenes Beste erfordert es, daß wir so gut a!s möglich oder so singen lernen, daß unser Gesang so angenehm als möglich sey, und so viel als möglich beytrage, gute Gedanken zu befördern und zu beleben. 70. Christliche Weisheit lehret uns, was wir wissen, und zeigt uns, wie wir seyn, und was wir thun sollen, damit es uns in allen Umständen wohl, und ünftig immer besser seye. 1 sic ! öf de ! wl ! sa ^ re i ru G sa P ! W dl ! Ä i ! ^ ! vl ! H ! tk Einige Schul - Anekdoten. ' Niedergeschrieben rrm Herausgeber. In der Gemeinde R. im Kanton Säntis, beklagte sich der Pfarrer des Orts letzten Winter sowohl öffentlich auf der Kanzel, als neben derselben, über den äusserst unfleißtgen Schulbesuch der Kinder. Was war unter anderm die Wirkung davon? Eines Tages sandte eine arme Frau auf obige Erinnerung vier ihrer Kinder das erstemal in die Schule; allein da diese zur Mittagszeit geendigt zwar, so fanden sich auf Geheiß der Eltern, alle vier im Pfarrhaus ein, und sagten: sie haben auf die Ermahnung des Herrn Pfarrers hier in die Schule geben müssen, und deßwegen nichts mit arbeiten verdienen können, er — der Herr Pfarrer — werde ihnen also auch das Mittagsessen geben. — . Wie! würden solche und ähnliche Entschuldigungen der Eltern auch noch gültig seyn können, wem obrigkeitliche Austasten getroffen würden, daß arme Kinder nicht so lange, wie die der vermöglichem Eltern, und also nur zwey Stunden in der Schule behalten, daß würdigen - mit großen Familien — 2c>6 —- überladenen Hausaruien reichlichere Unterstützung aus den Armenkassen gereicht, und daß armen Kindern das allfaMe Schulgeld, wie auch die allernothwen- digsten Kleidungsstücke Gemeindswegen bezahlt würden ? — Und hieße das wohl etwas Unbilliges — Unmögliches gefordert? ? — 2. In einer katholischen Gemeinde im Kanton Santis brachte — während der Gegenwart der kaiserlichen Truppen — der Schulmeister dieses Orts alle Vor, mittag die beste Schulzeit damit zu, daß er mit seinen Schulkindern täglich i; Stunde lang knieend das in St. Gallen auf einem Oetavblättchen gedruckte Gebet für den Erzherzog Karl laut herbctete; — heißt das wohl in der Schule den Religionsunterricht lehren? 3 . Ein benachbarter Schullehrer erzählte mir letzthin, daß eine Mutter ein Kind seinem Schulunterricht übergeben habe, das unter fürchterlichem Weinen mit dem größten Zwang, in die Schulstube hinein- geschleppt werden mußte. Als die Mutter weggegangen war, wurde dasselbe zu den andern Kindern hingesetzt, und einige Minuten sich selbst überlassen. Nach diesem gierig der Schulmeister zu ihm hin, untz redete mit dem Kind freundlich über das, was es bey Hause gelernt habe, worauf dasselbe M>.'. vem , traut wurde, uud mit wahrer Beftemdung sagte: - Du bist doch viel freundlicher, als die Mutter g'sait hat? galt du bist nüd bös? — (als mir die Mutter sagte: nicht wahr, du bist nicht böse?) > So sagte mir ebenfalls ein verdienter Erzieher in ^ St. G., daß ihm letzthin eine Mutter einen Eleven ^ zugeführt habe, mit der Anrede: Jett Junge, bist du im Zuchthause — thust du mm nicht recht , so svlls dir an Brügelsuppen nicht mangeln!! — Möchten doch alle Geistliche recht oft wider diese schändliche Methode der Eltern predigen, und ihnen sagen, daß sie den Pfarrer und Schulmeister nicht als Juchtmeistcr, und das Pfarr- und Schulhaus nicht als ein Zuchthaus schildern sollen; wodurch sie in den Herzen der Kinder nichts anders bewürken, als daß , sie ihnen einen höchst schädlichen Widerwillen und ! Abneigung gegen Pfarrer und Schulmeister, und gegen Religions - und Schulunterricht einflößen, das ihnen oft sehr lange anhängt. 4 « r Ein Schullchrer katechisierte nicht unlängst mit seinen Schülern über die erste Frage des Zürcherischen Katechismus, und machte zufolge desselben diese Frage: »Nach was sehnt sich der Mensch in Leiden und Wie- dcrwartigkeiten am meisten?" Da die Kinder nichts darauf antworteten, fuhr er fort: „Auf was bratet die Mutter ihre Würste?" Antw. Auf dem Rost- / Jetzt thu — sagte der Lehrer—noch ein L dazu, wie ^ heists dann? Antw. Trost. j t Heißt das wohl Katechismen? -7- ^ 5. Ein Pfarrer im Kanton Santis, der erst kürzlich ^ t in seiner Gemeinde allerley nützliche Schulverbesse- ' rungen einführte, gab auch einem alten Schullehrer ^ eine kurze Schulordnung, und bat ihn, seine Schule ^ in Zukunft darnach einzurichten. — Mein der alte unverbesserliche und stolze Mann brachte eine von einem Pfarrer aus dem vorigen Jahrhundert verfaßte und von ihm abgeschriebene Erklärung des Zürcheri« schon Katechismus her, und sagte trotzend: Das ist meine Schulordnung! Nach Gottes Wort richte ich meine Schule ein; und anders laß ich mir durchaus nichts befehlen, und damit mußte sich der Pfarrer— weil er sich mit ihm nicht abwerfen wollte — begnügen. — ' ' Aus solchen Anekdoten fließen die Nutzanwendungen von sich selbst. — ^ 6 . ^ Aus Vüels Bemerkungen für Landschullehrem ! In einem gewissen Dorfe tadelte der Schulmeister ^ seine Schüler, daß sie in der Schule aßen, und hakte dabey , — 20y — dabey den Mund so voll Brod gestopft/ daß er kaum sprechen konnte. 7 . In einem Dorfe W. wurde einst der Schuldienst vakant. Ein Bauer aus dem Dorfe kam zum Pfarrer und meldete sich um dieses Amt. »Könnt ihr lesen ?" fragte der Prediger. »Nein!" antwortete jener — »das kann ich nicht/ aber es kommen große Buben in »die Schule/ und diese werden mir das Ding schon --zeigen."— 8 . Als ich ein paar Monate eine meiner Gcmeindk- schulen hielt / und die Kinder das V als Fan und nicht als u / r. E. von und nicht uon aussprechen lehrte/ so kam ein Vater zu mir, der ganz ängstlich fragte: Warum ich jetzt auch eine Neuerung in der Schule anfange? die Alten haben immer uon buchstabiert. — 9. Im Canton Schäfhausen ereignete es sich noch erst kürzlich / daß sich ein chraver Pfarrer in und äußert der Schule Unentgeldlich mit der Unterweisung der Kinder abgab / und sie vorzüglich orthographisch schreiben und rechnen lehrte / das in der Gö- Meindsschule nicht geschah; allein die Mehrheit der 0 Gemeinde ließ ihm sagen: er solle diese Arbeit in Zukunft unterlassen, indem ihre Kinder nichts Neues lernen müssen. — Im nämlichen Canton trug es sich ebenfalls zu, daß ein Pfarrer den Kindern nach der Catcchismus Predigt den Sinn der auswendig hergesagten Cake- chismus - Fragen zergliederte und sich noch kürzlich mit ihnen darüber unterredete — worauf die Gemeinde erkannte: er solle dieß unterlassen, indem die Kinder zu lange stehen müssen! 10. Noch ein Anekdötchen vom allerneusten Datum. In der Gemeinde S**, Canton Linth, war die dortige ledig gewordene Schulmeister - Stelle wiederum zu besetzen, um die sich wirklich etwa 7 Compe- tenten anmeldeten. — Nach der bisherigen alten Uebung hatte der Schulmeister, vermöge einer milden Stiftung 52 fl. Iahrlohn zu beziehen; allein obigen Aspiranten schien diese Besoldung — in Verhältniß mit ihren Talenten und Fähigkeiten — wirklich allzu hoch. Der Eine davon erbot daher seine Dienste um einen Iahrlohn von Zo fl.; der Andere um einen Iahrlohn von 40 fl.; der Dritte um einen Iahrlohn von 32 fl.; und der Demüthigste und Bil- — 211 —- ligste stieg sogar auf 20 fl. herab. — Wie schwer mag wohl unter diesen Verhältnissen den Bärger Munizipalen , die sich gemeinschaftlich zu dieser Wahl versammelt hatten, selbige geworden seyn?- Doch Einer , der sich unter ihnen nicht für den Geringsten hielt, nahm hierüber das Wort, und redte den meisten seiner Kollegen, wie aus der Seele, indem er sagte: »Ichbin zwar einer von denReich- » sten unserer Gemeinde, und wenns um freywillige «Stemm zu thun wäre, so könnte ich so viel als « irgend Einer geben; allein was mich anbelangt, so »sag ich es nun chach (Mich) heraus, ich ernenne »den zu unserm Schulmeister, der am wenigsten »Schullohn fordert; man muß heut zu Tage hau- «sen! "-Der würdige Pfarrer des Orts pro- testirte zwar gegen eine solche Wahl; ob mit Erfolg- steht dahin. — Gedinge, welche jeder Schullehrer bey Uebernehmung einer Schule machen sollte. Von B. Helfer Grüner in Bern. 1. Daß man keine jüngere als 6jährige Kinder zur Schule schicke, oder widrigenfalls über ihre Fortschritte keine Rechnung fordere. 2. Daß alle gekämmt/ gewaschen und so gekleidet erscheinen, daß sie sich nicht vvm Einfluße Niedriger Witterung auf dem Ofen erholen müßen. Z. Daß jedes denjenigen Ort einnehme und dasjenige Buch mitbringe, auch diejenige Lektion vornehme , die ihm der Lehrer vorschreibt. 4. Daß es dem Lehrer frey stehe, die Kinder die noch nicht lesen können, auf Stunden oder Lage, die er ganz mit den großem zubringt, zu beurlauben. —»)_ *) Ich möchte noch ztens hinzufügen: daß die Eltern durch obrigkeitliche Gesetze gehalten seyen, ihre Kinder, welche die Schule besuchen, nicht nur etwa wöchentlich oder monatlich i oder -mal, sondern während ihrer ganzen Schulzeit unausgesezt und fleissig i» die Schule zu schicken. Anmerkung des Herausgebers. Ausgezogen aus Hallers helvetischen Nachrichten Nro. 18. Ienner 1799. S. 86. Erfahrne Männer versichern 5 Dinge miHen der vollkommenen Aufnahme einer bessern Erziehung unse. rer Landleute vorausgehen. Wenn 1. der Landmann mehr Zeit und Lust rum Lernen haben wird, als es nach seinen schweren und anhaltenden Arbeiten bis dahin der Fall war; so daß r.B. im Sommer die Schulen nicht stille stehen dürfen, und auch der ärmere Ackerbauende Landmann einer gewissen Grades der Cultur, den er im Ganzen doch nie übersteigt? fähig gemacht werden kann. 2. Wenn, was theils die Anzahl, theils die weite Entfernung so vieler Kinder erfordert, mehrere Schulen an verschiedenen Orten errichtet, und Z. Die Schulmeister besser besoldet seyn werden, um sich fast ausschließend zu diesem Beruf tüchtiger machen zu können. 4. Wenn man einst einer Art von öffentlichem Ansehen über die Eltern, welche die Kinder nicht rur Schule schicken , wie dieses B. an Orten, wo Fabricken sind, geschieht, sicher seyn wird. Endlich Z. Wenn dem Religionslehrer mehr Befugniß und Einfluß auf die Erziehung, folglich mehr Auf- munterung in diesem ihm eigenthümlichen Felde zu arbeiten, bescheret wird / als jetzt, wo man ihm fast alles Ansehen nimmt, und doch viel Arbeit aufladen möchte; überhaupt, wenn sein Loos zu Gunsten seines Standes ausgemacht ist; — dann erst könne man am Erziehungsplan für das Land (denn in Städten giebt sich so was von sich selbst) denken/ und ihre Ausführung durch Commissarien betreiben/ welche hingegen — beyläufig gesagt — nun jeden Schritt Landes mit ungeheurer Mühe der Verwilderung abgewinnen / und ganz von Grund aus umpflügen müssen/ auch noch dazu gar zu mittelbar mit der Regierung zusammen bangen/ als daß sie mit rechtem Nachdrucke handeln könnten; endlich auch in einem Geschäfte arbeiten / das den gegenwärtigen Bedürfnißen des Staats/ und dem Gange unserer Angelegenheiten dermalen noch aus dem Wege liegt/ und nur späte Früchte tragen kann. — 2IZ — Aus SchuHarts Gerichten, 2ter Theil. S. 261. Zum reichen Dauß sprach einst ein weiser Mann, Herr Nachbar! sieh doch deine Kinder an, Ein dummer Kerl, der selbst nichts kann, Giebt ihnen Unterricht; Und ach! die Armen lernen nicht Des Bürgers und des Christen Pflicht. Kaltsinnig sprach der Nachbar Dauß: Das Ding — es giebt sich schon — Herr Bruder! — Wo Teufels steckt der Knecht im Haus? Und giebt dem Ochsen Futter; Legt frische Streu und striegelt sie! — Mein Seel! mich daurt das arme Vieh!' 2l6 Aus einem Schreiben von B. Professor ll Fischer in Burgdorf, Canton Berns, an den p Herausgeber, über die Pestalozzischen Ver- ^ suche im Schul - und Erziehungswesen. , ^ Burgdorf/ den -o. December 179?. p Sie können mit Recht erwarten, daß ich Ihnen b über pestalozzi und seine Unternehmungen wenig- S stens einige Notizen gebe. Ich habe mir vorgenom- § men, darüber bald etwas Ausführlicheres bekannt zu machen, und die Aufmerksamkeit der Pädagogen auf ^ seine Methode zu lenken. Sie werben unterdessen b auch für die Grundzüge dieser Darstellung schon hin' längliches Interesse haben, und diese theile ich Ihnen ^ in einigen Bemerkungen mit. — ! Es kommt hier Alles darauf an, daß man die psychologische Basis kenne, auf welcher Pestalozzis r Gebäude ruht. Diese bewährt sich gewiß, wenn ^ gleich die Außenseite des Baus manche Unebenheiten § und Dißproportionen darbieten sollte. Viele dieser l Mängeln erklären sich aus dem empirisch - psychologi- ' * schen Gang des Urhebers, aus seinen äußern Ver- ^ hältnißen, Schicksalen, Versuchen und Erfahrungen. § Es ist unsäglich, wie unermüdet er Experimente ° anstellt, und da er — einige leitende Ideen ausge- * nommen — mehr nach denselben, als vor denselben phylosopl'iert, so muß er sie zwar vervielfältigen, allein die Resultate werden dann auch sicherer. Um indeß diese Letzter» gleichsam ins gewöhnliche Leben einzuführen, d. h. den Vorbegriffen, den Verhältnißen und den Forderungen der Meisten anzupassen, dazu bedarf er entweder? liberaler mit ihm einver- standner Gehülfen, welche ihm die Formen ausprägen helfen, oder eine geraume Frist, um allmählig sie selber ru entdecken, und durch sie dem Geist, der ihn belebt, gleichsam einen Körper zu geben. — Die Grundsätze, auf welche sich seine Methode stützt, sind etwa folgende: i. Er will die Rräfte des Geistes intensiv erhöhen, und nicht bloß extensiv mit Vorstellungen bereichern. Dieses Host er auf mannigfaltige Art rn erreichen. Indem er Wörter, Erklärungen , Sätze und längere Perioden den Kindern laut und öfters vorsagt, und sie nachsprechen läßt, so will er dadurch ihr Organ bilden, ihre Aufmerksamkeit schärfen, ihre Behaltsamkeit üben. Aus dem nämlichen Grunde laßt er sie während der Uebung des Nachsprechens mit dem Griffel auf Schie- fertaflen zwanglos zeichnen oder Buchstaben mahlen. Zu dem Ende theilt er ihnen dünne Blättchen von durchsichtigem Horn aus, auf welchem Striche und 218 Buchstaben eingegraben find/ deren sich die Lehrlinge um so viel leichter als Modelle bedienen, da sie dieselben auf die von ihnen gezeichnete Figur legen, und vermöge der Durchsichtigkeit die gehörige Vergleichung anstellen können. Eine doppelte Beschäftigung in der gleichen Zeit ist eine Vorbereitung auf IOOO Fälle und Arbeiten im Leben, wo sich die Aufmerksamkeit theilen muß, ohne sich zu zerstreuen. Arbeitsschulen z. B. gründen sich ganz auf diese Fähigkeit. 2. Er knüpft seine Belehrungen ganz an die Sprache. In ihr sind in der That die Resul- - täte aller menschlichen Fortschritte niedergelegt; es kommt darauf an, sie auf ihrem Wege psychologisch zu verfolgen. Er will nicht mit den Kindern raisonnieren , bis er ihnen einen Vorrach von Worten und Redensarten geliefert hat, welche sie an Gegenständen aus ihrer Sfähre anbringen, komponieren und dekomponieren lernen. Darum bereichert er ihr Gedächtniß mit einfachen Erklärungen sinnlicher Gegenstände, und lehrt so das Kind das, was es umgießt, beschreiben, also sich von seinen Vorstellungen Rechenschaft geben, sich Begriffe zu bilden, und so über dieselben zu herrschen, indem es ihrer — die schon in ihm lagen — erst Jetzt deutlich bewußt wird. Mechanische. Fertigkeit, und. ein, gewißer Takt im Sprechen bringt er ihnen bey, indem er Uebungen rm leichtem Flecktieren mit ihnen vornimmt. Ihre Freymüthgkeit gewinnt dabey ansnehmend, und wenn sie in vielen Beyspielen gewiße Formen der Beschreibung haben kennen und gebrauchen gelernt, so bringen sie in Zukunft 1002. sich darbietende Gegenstände in dieselben, und drücken ihren Erklärungen und Beschreibungen das Gepräge der sinnlichen Bestimmtheit auf. — ^ Er sucht zu allen künftigen Operationen des Geistes entweder Data, oder Rubricken, oder leitende Ideen zu liefern. Die Data, so zerstreutste auch dargebotten werden, sind aufeinander berechnet, es sind Vorstellungen von denen eine auf die andere hinweißt, und die eben deswegen dem Geiste durch das Bedürfniß der Ergänzung und durch die erleichterte Zusammenstellung des Einzelnen — Forschbegierde einflößen. Die Rubricken leiten zur Klassifikation der aufzunehmenden Vorstellungen, sie bringen in die chaetische Masse desselben Ordnung, und das aufgestellte Fachwerk veranlaßt das Kind, desto emsiger die einzelnen Fächer auszufällen. Das gilt von den Hauptrubricken der Geographie, Technologie, Naturgeschichte, u. s. w. Ueberdieß kommt die Analogie, welche in der Auswahl der Sachen herrscht, dem Gedächtniß ru statten. Die leitende« 220 Ideen liege» in grwißen Aufgaben, welche der Ge- AI- S 'nstanv ganzer Wissenschaften sind, und wenn sie in faß ihre Bestandtheile aufgelöst, dem Kind verständlich In vorgelegt, auf Data, die es schon hat oder leicht lest sindet, berechnet, und zu Uebungen der Beobachtung dm benutzt werden, so führen dieselben dahin, daß der che> kindliche Geist unabläßig an ihrer Auflösung arbeitet. dm Die einfache Frage, was kann der Mensch aus den ben drey Naturreichen zu seiner Bekleidung benutzen? viel zieöt ein Beyspiel dieses Gangs. Das Kind wird M alles, wovon es ahndet, daß es ihm einen Beytrag ged zur Auflösung jener technologischen Aufgabe liefern run könne, aus diesem Gesichtspunkte betrachten und prü- Gr fen. Auf diese Art konstruiert es sich selbst die Wissenschaften, welche es erlernen soll. Freylich müßen p« ihm die Materialien dazu auf alle Art dargebvtten A„ werden. — Zu den leitenden Ideen gehören auch sta> Sätze, welche als praktische Maximen zuerst nur dem wr Gedächtniße anvertraut werden, aber allmählig Kraft, ha, Anwendung und Bedeutung erhalten, und eben lest dadurch sich tiefer einprägen und beßer bewähren. ftr 4. Er will den Mechanismus des Lehrers l sei, und Lernens vereinfachen. Was er in seine ein Lehrbücher aufnimmt, und aus ihnen den Kindern xj,, will beygebracht wißen, soll so leirifachi seyn, daß fü, jede Mutter, und späterhin jeder Lehrer bey einem «ei 221 Wmmum von Fähigkeit rum unterrichten, dasselbe fassen, vorsagen, erklären und zusammenstellen könne. Insonderheit wünscht er den Müttern — durch erleichterten Sprach - und Lese Unterricht—die erste Bildung ihrer Kinder angenehm und angelegen zu machen , und so — wie er sich ausdrückt — das Bedürfniß der Elementar-Schulen allmählig aufzuheben , und durch eine verbeßerte, häusliche Erziehung dieselben zu ergänzen. Er will eben deswegen mit Müttern Versuche anstellen, sobald seine Lehrbücher gedruckt seyn werden, und er Host von der Regierung kleine Prämien ausmwürken. Mit dem obigen Grundsatz hangt der Zte zusammen: er will die Wissenschaften popularisieren. Dieses soll erzielt werden, durch die Anlage der Lehrbücher, welche schon die Hauptbe- standtheile der Wissenschaften in wohlgewahlten Wörtern und Sätzen enthalten, und gleichsam die gehauenen Steine liefern sollen, aus denen späterhin leicht das Gewölbe zusammen gefügt werden kann; ferner durch die Austheiluug und wohlfeilen Verkauf seiner Lehrbücher; kurz und vollständig sollen sie in einer Reihenfolge sich auf einander beziehen, un- rin Ganzes ausmachen, dabey aber dennoch einzeln für sich bestehen, und einzeln verbreitet werden können. Zu.dem nämlichen Behuf wird er Landchartm, geometrische Figuren, u. s. w. Lnrch schon bestellte Holzstiche , um spott Preise vervielfältigen lassen. Den Erlöß aus diesen Schuften bestimmter, nach Abzug der Kosten, zur Vervollkommnung seines Unternehmens, d. h. zur praktischen Ausübung im einem anzulegenden Institut, Schul - oder Waisenhause. Für den Schulunterricht insonderheit soll gewonnen werden, daß der Lehrer bey einem, angenommenen Minimum von Kraft nicht nur nicht schaden, sondern sogar zweckmäßig fortschreiten könne; daß viele Kinder auf einmal gleichmäßig unterrichtet, die Rächet- ferung geweckt, und die wechselseitige Mittheilung des Erworbenen erleichtert werden könne, und daß die bisherigen Umwege zur Bereicherung des Gc- dachtnißes durch andere Künste, z. B. durch Analogie des Beyzubringenden, Ordnung, Aufmerksamkeit, Lamhersagen, und andere Uebungen vermieden oder verkürz! werden. Bey diesem Plan, den ich aus den vor meinen Flügen angestellten Versuchen abstrahiert habe, sucht Pestalom vor der Hand durch unläugbare Resultate das Interese der Regierung und aller Pädagogen zu gewinnen und zu Mieren; er Host und darf hoffen, daß seine Experimente in Burgdorf, wo sie Vorschub finden nnd gedeihen, den Werth seines Gangs beßer ins Licht setzen werden, als seine rir 223 beschrankten, durch tausend Lokal-rmd Personal-Hindernisse gedrückten Bemühungen in Stanz. An dem letztem Ort wäre er unter der Bürde der Arbeit und der offenen oder versteckten religiösen und politischen Anfeindungen erlegen. In Burgdorf bat sein Geist mehr Erhohlung srmd ist durch weniger Hete- rogenität der Arbeit fähiger, sich auf die liberale Bearbeitung seiner Aufgabe zu konzentrieren. Pestalozzi gesteht indeß, daß ihm viele positive Kenntniße und Fertigkeiten des Mechanismus abgehen. Die letzter» ersetzt er größtentheils durch seine »»ermüdeten Experimente, und so werden zugleich manche Theile der bisherigen Methode kritisiert und mancherley Formen und Kunstgriffe von Anfang an, dem neuen Gesichtspunkte angepaßt.—Durch freundschaftliche Gehülfen oder Mitarbeiter Host er, die Lücken ausfüllen zu können, welche er in seinen Lehrbüchern lassen muß, oder vielmehr wird er durch sie die Auswahl, die Terminologie, die Zusammenstellung des Wesentlichen zu berichtigen, zu vereinfachen und vom zufälligen zu läutern suchen. Ueberhauxt ist es jedem Erfinder, wenn er seine Aufgabe tief aufgefaßt hat, einleuchtend, daß sein Werk auch durch fremde Nachhülfe soll und kann vervollkommnet werden, und so wird Pestalozzi mit Freuden sehen, daß andere seinen ersten Guß feilen und vollenden. 224 Bothschaften, Gesetzesvorschläge, Gesetze, Proklamationen re. von der vollziehenden oder gesetzgebenden Gewalt, oder von den Kantons- Erziehungs-Räthen, Distrikts - Schulinspek- toren re. in Helvetien. I. Der Minister der Künste und Wissenschaften an die Neligionslehrer Helvetiens. Mancherley Besorgnisse verbreiten sich unter Euch, und drohen die gewissenhafte Treue ru untergraben, mit der die meisten aus Euch bisher ihrem Berufe vorgestanden haben, ungeachtet die Ereignisse der Zeit manches Niederschlagendes für Euch hatten. Die Vorsteher des Volks verkennen den Werth dieser Gesinnungen keineswegs, und ich darf es kühn behaupten/ die Edelsten unter ihnen bedauren es, daß Ihr über Euere Verhältnisse und zum Theil über Euere Geschäfte noch in Ungewißheit schweben müsset. Revolutionen bringen überall Störungen hervor, welche oft nur langsam können gehoben werden; allein nicht selten entwickelt sich aus Liesen ein besserer Zustand, der für die vorhergegangenen Unruhen schadlos hält. Ich hoffe, daß auch Ihr diese Erfahrung — 22Z rung machen werdet, wofern wenigstens Ihr Euerem bisherigen Benehmen treu bleibet, und unterdessen Euere Pflichten aus reinen Beweggründen der Lugend/ der Religion/ und des Patriotismus zu erfüllen fortfahret. Brüderi mir liegt es ob/ Euch dazu aufzumuntern / und ich ergreife einen Anlaß / der gewiß keinem unter Euch gleichgültig seyn kann. Die Landschulen sollen wieder eröfnet werde»/ und ich besorge/ daß sich Nachlaßigkeit in diese Angelegenheit der Volkserziehung möchte eingeschlichen haben; sucht mit mir diesem Feinde entgegen zu arbeiten. Achtung gegen Sittlichkeit und Religion muß frühe den Kindern beygebracht werden / und diese zu pflanze»/ dazu seyd Ihr berufen. Muntert Euere Gemeinds- angehörigen auf/ daß sie ihre Kinder nicht der Verwilderung Preis geben. Es wird euch ein leichtes seyn, ihnen zu beweisen / daß die schlimmen Folgen der Revolution nur dann abgewendet/ und die Früchte derselben nur dann erreicht werden können / wenn allmahlig die heranwachsenden Bürger einsichtsvoller und gesitteter / und so der Freyheit würdiger werden. Besuchet/ wie bisher/ die Schulen/ als Beförderer jeder guten Anstalt zur Belehrung und Besserung des Volkes. Aus dem gleichen Grunds P. 226 setzet Euere gewöhnlichen Religionsunterweisungen m fort, nur beobachtet dabey Sanftmuth und Milde. ui Euere Thätigkeit für eine ächt religiöse, sittliche di und bürgerliche Aufklärung wird Euch Ansprüche ge- m ben auf den Dank und die Achtung aller Rechtschaf' E fenen; und dieses gemeinsame Bestreben wird die vi ungerechten Vorurthcile, die sich gegen Euch erho- ge ben haben, mindern oder zerstören. E Laßt Euch nicht irre machen in der Erfüllung V Euerer Bcrufspflichten durch die Veränderungen, sst welche man in Schul- und Kirchensachen zu treffen Ei nöthig findet. Indem man B. den Schul - Jnspck- je! toren die Aufsicht über die Schulen ihres Bezirks n)j überträgt, will man keinen unter Euch ausschliessen von der Mitwirkung in zweckmäßigen Schulgeschäf- jh ten, wofern er ohne Eigensinn die Verbesserungen nu begünstigt, und das Zutrauen des Schul - Jnspek- N tors besitzt. Es sind viele unter Euch, welche sich te> mit Erfolg bisher der Schulen angenommen haben; ih wenn ihr es ohne Zwist mit den Gemeinden und ^ ne Schulmeistern noch ferners thun könnt und thun zje wollet, so macht Ihr Euch um Euere Mitbürger ni> verdient. Ich weiß, daß sich an vielen Orten der- R> gleichen Schwierigkeiten finden; es mußte übrigens n in die Schulaufsicht und Schulverwaltung mehrere lic Gleichförmigkeit- gebracht werden, und deswegen ist rff 227 man in der Auswahl der Schulaufseher behutsamer und sparsamer gewesen. Bey den Verbesserungen, die im Werke sind, mußte man auf sichere und uner- müdete Exekutoren rechnen können; diese sollen die Erriehungsräthe und Schulinspektoren seyn. Wenn viele unter Euch ihnen mit Einsicht an die Hand gehen wollen, so ist ein Grosses gewonnen. Euere Erfahrungen und Kenntnisse sollen zum Besten des Vaterlandes benutzt werden. Wenn Ihr daher Vorschläge oder Bemerkungen über das Schulwesen den Erriehungsräthen mittheilen, oder auch mir unmittelbar zuschicken wollt, so sollen diese Beyträge uns willkommen seyn. Ich weiß es wohl, daß die besten Entwürfe in ihrer Ausführung manchen Schwierigkeiten unterworfen sind, daher ist es mir lieb, wenn patriotische Männer dieselben vorbereiten und nachher erleichtern. Das könnet Ihr auf mannigfaltige Weise thun, und ich freue mich, daß in mehreren Kantonen die Geistlichen sich besonders darauf legen, Er- riehungsschriften zu lesen und zu studieren. Es wird nicht ohne Erfolg seyn, was ihnen ein Schlez, Rist, Rochow, Zerenner, Salzmann, Thicme, Niemeyer, pestalozzi, und so viele andere treffliche Schriftsteller sagen. Euer Stand ist doch vor- tüglich der, der Volkslehrer enthalten, und der hin- P s 228 wieder solche bilden soll; unter Euch mögen sich also immer mehr Männer finden, welche mit Thätigkeit auf diesen ehrenhaften Beruf sich legen; ich würde denjenigen wenig achten, der es unter seiner Würde hält, mit diesem Zweige sich zu beschäftigen; er würde beweisen, daß er nie von Herzen seinem Amte vorstand, er würde sogar verrathen, daß er sehr wenig Einsicht habe, indem es klar ist, daß Ihr vorzüglich auf diesem Wege Euch bey der Regierung Zutrauen erwerben könnet, so wie Achtung bey allen Unpartheyischen, die mehr auf die Sache, als auf die Worte sehen. Da man jetzt immer mehr das Bedürfniß nach andern Kenntnissen fühlt und befriedigt, so dürfet Ihr in denselben nicht zurückbleiben, und so wie ehemals die Religion jeder bessern Einsicht Eingang verschafte, so könnet Ihr jetzt hinwieder der Religion durch jene Eingang verschaffen. Euere Geschäfte haben in einigen Rücksichten sich seit der Revolution vermindert, mehr Muffe bleibt Euch übrig, theils mit den Erziehungswissenschaften Euch vertrauter »u machen, theils sie auszuüben. -Vielleicht können Viele ihre Gemeindsschulen beleben , Andere durch Privat^- Abend - und Sonntags- Schulen Nutzen stiften; Andere können? junge Leute zu künftigen Schulmeistern bilden, und alle diese """" 22t) ^ ^ Mittel sind Euers Berufes würdig. Insonderheit sollte es mir erwünscht seyn, wenn diejenigen unter Euch, welche Zeit, Neigung und Fähigkeiten haben, junge Landleute oder schon bestellte Schulmeister unterrichten wollen, damit sie im künftigen Sommer bey anzustellenden Prüfungen sich bewähren und zu Schulämtern sich empfehlen könnten. Ich werde Euch in Kurzem meine Gedanken hierüber noch weitläufiger eröffnen, vor der Hand aber ist jede Vorbereitung dazu Gewinn. Die meisten unter Euch stimmen darin» mit mir übercin, und Ihr werdet es mit mir einsehen, daß eine solche Sorgfalt für das Beste Euerer Mitbürger Euch zu wahren Arbeitern im Weinberge des Herrn erhebt, und so dürfet Ihr Euch besonders dann nennen, wenn Ihr eine Zeit lange dürftig besoldet, nicht belohnt würdet, oder durch das Unglück des Vaterlandes die schönsten Hoffnungen gestört werden sollten. Wie mancher von Euch, der die Erhabenheit und Wichtigkeit des Predrgtamtes in einem Augenblicke ernsthaften Nachdenkens überlegte und fühlte, rief nicht ehemals in der lebhaften Ueberzeugung von der Vortrefflichkeit seines Berufes aus: Ich wünschte, daß ich Gelegenheit hätte, der Welt m zeigen, daß ich nicht des Gewinns wegen, sondern aus MkMklv 2Z0 Dränge meine Pflichten erfülle! Nun! der Zeitpunkt ist da, wo viele von Euch diese edlen Gesinnungen bewähren und dadurch Euern Stand selbst in den Augen seiner Verächter heben können. Auch mir sind Aeusserungen von wohlhabenden Geistlichen hinterbracht worden, welche versicherten, sie würden auch ohne Einkünfte ihrem Berufe treu bleiben. Ich kann nicht genug sagen, wie ehrwürdig mir eine solche Gesinnung ist; ich werde um so viel mehr mitzuwirken suchen, daß dieses Opfer der Nneigen- nützigkeit nicht abgelegt werden müsse. Euch aber/ Ihr Redlichen, die Ihr so denken und handeln würdet, wenn Ihr im Falle und in der Lage wäret, biete ich die Versicherung meiner warmen Hochachtung an. Vielleicht erhalt uns indessen die Vorsehung den Frieden und innere Ruhe, und dann soll hoffentlich künftig für die Erziehung des Volks mehr gethan werden, als vorher geschehen ist, wo eine irrige Politik und Gleichgültigkeit der Obern die Rohheit und Unwissenheit nur zu sehr unterhalten haben. Die Folgen davon werden erst jetzt recht sichtbar. Es schmerzt mich, daß nicht wirklich schon die bessern Anstalten im Gange sind; — die bisherigen Umstände waren größtentheils daru ungünstig; allem durch die Mitwirkung aller Rechtschaffnen kann künftig manches eingeholt werden. Eine Vorsicht muß ich Euch , nebst der gehörigen Mäßigung und friedliebenden Sanftmuth, empfehlen: Lasset die bisherigen Lehrbücher in den Schulen einstweilen gelten. Es sollen bald bessere an ihre Stellen kommen; man muß aber den Leuten doppelte Kosten ersparen. So ist es auch mit den bisherigen Methoden ; die allgemeinen bald erfolgenden Verbesserungen werden dieselben berichtigen; es ist zuträglicher, daß man dieselben abwarte, und sich nicht mit den Schulmeistern und Gemeinden abwerfe. Wenn Ihr hingegen die Mangel der bisherigen Einrichtungen zu zeigen Anlaß habt, so unterlasset nicht, es mit Schonung zu thun. Ihr besorget vielleicht, daß man die christliche Religion verdrängen wolle, weil man weniger davon hricht, als von andern Theilen des Unterrichts. Ihr seyd irrig in dieser Meynung; denn wenn man für beyde Kirchenpartheyen in unserer Republik sorgen will, so muß man die Religion wenig berühren, weil doch immer Verschiedenheiten darinn sich darbieten, welche die .Regierung unangetastet lassen will. «Künftig sollen einzig die Geistlichen den Religionsunterricht besorgen, nicht mehr die Schulmeister, welche unmöglich die religiösen 2Z2 Einsichten haken können , welche man von einem aufgeklärten Geistlichen, der immer noch fort stu- dirt, erwarten kann. Die Schulmeister werden überdieß noch genug andere Geschäfte haben, wenn sie den übrigen Unterricht, den man von ihnen fordern wird, ertheilen wollen.« Diese Maaßregel soll Euch über Vietes beruhigen; Ihr könnt leicht den Schluß ziehen: daß es von Euch abhängen wird, ob Ihr die Religion noch ferner in einem ehrwürdigen Ansehen behalten werdet oder nicht. Soviel gestehe ich indeß freymüthig, daß diejenigen, welche blos als dogmatische Eiferer auftretten, und nicht nach Jesu Beyspiele Gehorsam gegen die Gesetze, Vertrauen auf die Vorsehung und allgemeine Bruderliebe predigen wollten, daß solche Lehrer, sage ich, wenig Anspruch hätten an die Zufriedenheit des Staats und ihre nächsten bürgerlichen Vorsteher. Bedenkt es, daß manches UeberflüKige und Zweckwidrige in unsern kirchlichen Gebräuchen ist: und warum wolltet Ihr denn nicht, daß es zu seiner Zeit verbessert werde? Traget lieber das Eurige dazu bey, indem Ihr solchen Verbesserungen nachdenket, und gelegentlich Euere Gedanken darüber bekannt macht oder den Behörden mittheilet. — Noch einmal, meine Brüder! beweiset durch Thaten, daß Ihr das Zutrauen der Regierung verdient. — 2zz Wenn Ihr ohne Bitterkeit und Widerstreben gegen die neue Ordnung der Dinge die Religion Jesu lehrt, so werdet Ihr es ungehindert thun können, und man wird Euch in der Ausübung Euers Berufs schützen; aber Ihr könnet jEuere Worte noch mehr bewähren, wenn Ihr Euere Gemeindsangehörigen auf alle Weise belehret, und ^besonders den Erzie- hungs-Räthen und Schul-Jnspectoren an die Hand gehet. Suchet den Lohn Eures Gewissens, und der Beyfall der Rechtschaffenen wird Euch zu Theil werden. Wir arbeiten Alle daran, das Gute zu vervollkommnen; also müssen wir uns Wechselsweise, auch ungesehen, ja sogar verkannt, unterstützen, und jeder Belehrung offen bleiben. Ich hoffe, in Euerm Stande täglich mehr aufgeklärte, thätige und wohl- denkende Patrioten kennen zu lernen. — Ich sehe zunächst diesem Winter mit Vergnügen entgegen, weil mancher Keim des Guten soll gepflanzt werden; helfet ihn pflegen, und er wird selbst in den entlegendsten Thälern gedeihen. Indem wir dem Volke die Vortheile der bessern Belehrung und Erziehung verschaffen, wird es nach und nach die vorübergehenden Uebel der Revolution vergessen. Wir müssen uns diese vorstellen als ein Gewitter; nur der Kurzsichtige ragt dabey und verhüllt oder versteckWch ängstlich; der' besser Belehrte erwartet — 2Z4^ — dankbar, daß sich die Luft reinige, und laßt sich nicht muthlos machen, wenn der Sturm in seiner Pflanzung etwas verdirbt, oder der Regen die gute Erde verschwemmt; er denkt vielmehr auf Mittel, und hofft von der Zukunft Ersatz für die vermehrte Arbeit. Lmern, am zo. Oktober 1798. II. Botschaft des Vollziehungsdirektoriums an die Gesetzgeber, und Gesetzesvorschlag. Luzern, den rg. November 1798» Bürger Gesetzgeber! Seit unserer Ernennung waren wir mit den unerläßlichsten Vorkehrungen für die Befriedigung der dringender!! Bedürfnisse eines unter den Waffen und durch die Auflösung aller vorigen Verhältnisse entstandenen Freyflaates beschäftiget, und konnten unter dem Drang der Ereignisse und der Pflichten, welche auf unsere Sorge das erste Anspruchsrecht hatten, kaum von Zeit zu Zeit einen Nebenblick der schützenden Wachsamkeit auf die Volksschulen und hohem Erziehungsanstalten der helvetischen Nation werfen. Allein da jetzt unsere auf die unverjährbaren Rechte der Menschheit gegründete Staatsverfassung alle Hindernisse überwunden hat, die Unwissenheit, Fanatismus und Ucbelgcsinntheit derselben entgegensetzten , so dürfen wir auch in denjenigen Theilen der Staatsverwaltung zu wirken anfangen, welche zwar nicht Gegenstände unserer ersten Sorge seyn konnten, aber gewiß Ihrem und unserm Herzen am nächsten liegen. Sie ahnden gewiß schon, Bürger Gesetzgeber! daß wir von dem öffentlichen Unterricht und der Volksbildung sprechen wollen. Rettung, Verbesserung und Erweiterung unserer Erziehungsanstalten, Erhaltung und Vervollkommnung der Veredlungsmittel unsrer Nation sind heilige Mittel, die um so viel wichtiger sind, je näher ihre Erfüllung das jetzige und die kommenden Geschlechter zugleich betrifft, — und je gewisser sie allein unsre Mitbürger sowohl zum Vollgenuß ihrer wieder erlangten Freyheit hinführen, als auch gegen alle künftigen Eingriffe in ihre Rechte sichern kann. Kein Staat ist durch seine innere Einrichtung lauter aufgefodert, die Ausbreitung nützlicher Kenntnisse unter allen seinen Bürgern und die Veredlung des Nationalcharacters zum Hauptzweck der Bemühungen seiner Beamten Zi machen, als derjenige, 2Z6 dessen Verfassung allen Bürgern gleiche Rechte zusichert und den Zugang zu allen Stellen ohne Ausnahme öffnet. In Ländern, wo nur einige oder wenige Familien sich das Recht anmaße»/ Vormünder und Führer der übrigen zu seyn, ist es begreiflich/ oder selbst Worsichtsmaaßregel / daß der Volksunterricht als Nebensache behandelt oder gar aus Furcht der Aufklärung / mit welcher das Menschengeschlecht mündig wird, vernachläßigt werde. Aber da/ wo die Volksgunst jeden ohne Ausnahme zu den ersten Stellen des Staats erheben/ und ihm einen Einfluß verschaffen kann / der in den Händen der Unwissenheit oder des Eigennutzes zum Verderben des gemeinen Wesens wird / da die Belehrung und Ausbildung des Volkes nicht zum Hauptgeschäfte machen, heißt in der That, das Heil des Vaterlandes auf die unverantwortlichste Weise aufs Spiel setzen. Wenn das Steuerruder jedem Schiffsmann nach der Reihe, oder irgend einem ohne Aus- schliessung eines einzigen in die Hände gegeben werden kann: so ist es ja der ganzen Mannschaft daran gelegen, daß keiner ins Schiff trete, welchem es an Kenntnissen und Tüchtigkeit zur Führung des Steuers gebricht. Allein auch zum.Wählen braucht es Einsicht und — 2Z7 Nechtschaffenheit, und wenn es wahr ist, daß die Besorgung der öffentlichen Angelegenheiten eines Volkes durch Stellvertretung, diejenige Staatsform ist, welche die Entwicklung aller Menschenkräfte und ihre Vervollkommnung ins Unendliche am wirksamsten befördert ; so ist es nicht weniger auffallend, daß die Aufregung aller Leidenschaften und der Wettstreit aller Talente, welche jene Regterungsart veranlaßt, nur durch allgemeine, gleichförmige und der Sittlichkeit günstige Volksbildung fürs gemeine Beste wohlthätig gemacht werden kann. Sie werden also, Bürger Gesetzgeber! es gewiß eine Ihrer angelegentlichsten Sorgen seyn lassen, für die Verbesserung und Erweiterung des Erziehungswesens der Nation in Ihrer Weisheit zu sorgen, sobald die dringendsten Bedürfnisse der Gesetzgebung und Verwaltung durch ihre Beschlüsse befriedigt seyn werden. Allein noch bevor Ihr einen allgemeinen und umfassenden Blick auf alle Bildungsanstalten der helvetischen Nation werdet werfen können, so ist es durchaus nothwendig, durch einige vorläufige Einrichtungen denjenigen Theil des Unterrichts zu beleben, welcher bisher am meisten vernachlaßigt wurde. Es ist nur zu bekannt, in welchem elenden Zustande sichjdie Volksschulen fast überall in Hclveüen Kefin- 2Z8 den. yln vielen Orten sind gar keine Schrilbäuser; an andern sind sie nicht hinreichend für die Bedürfnisse des Unterrichts, oder höchst unbequem eingerichtet. Die Schulmeister sind schlecht besoldet. Es fehlt ihnen an den Kenntnissen und Fertigkeiten selbst, welche sie ihren Lehrlingen beybringen sollen; die Lehrgegenstände reichen keineswegs an die Bedürfnisse des Menschen, der seine Würde fühlen, und des Bürgers, der seine Rechte kennen, seine Pflichten erfüllen soll. Die Lehrart ist verkehrt, vernunftwidrig; die Schulmcht ist bald zu strenge, bald zu naMßig, und auf alle Falle unzureichend. Die irre geleiteten Begriffe des Volks haben auch in diesem Theile der gesellschaftlichen Verhältnisse unter dem Vorwande der Freyheit Zügellosigkeit veranlaßt, Frechheit erzeugt, und Rohheit begünstigt. Es ist dringend, daß diesen Mangeln abgeholfen und die größten Lücken des Volksunterrichts ausgefüllt werden. Dann erst, wenn unsre ausgebildeten Mitbürger sehen werden, daß ihre Veredlung und ihr Menschenwerth uns am Herzen liegen, daß wir sie gerne? in allen? ^Kenntnissen und Wissenschaften unterrichten, die wir selbst als höchst wohlthätig und nützlich durch eigenes Studium kennen, wenn sie sehen, daß es uns nicht blos idaran gelegen ist, sie 2Z9 zu gehorsamen und ruhigen Untergebenen und zu tauglichen Werkzeugen der Regierung zu machen , sondern daß wir sie zur Selbstständigkeit zu erziehen, sie zunr Selbstdenken, Selbsturtheilen, Selbsthandeln und zur Selbstachtung, kurz rum Genuß eben der Vorzüge emporzuheben suchen, welche den Gebildetesten unter uns wahre Unabhängigkeit und mit frohem Selbstgefühl ächte Freyheit verschafften; dann erst werden sie glauben, daß die Revolution nicht blos ein von der Laune des Glücks herrührender Herrscherwechsel, sondern eine wahre Wiedergeburt des Staats, eine Veränderung sey, welche auf das allgemeine Beßte und die Achtung gegen die Menschheit berechnet war; erst dann werden sie über die vorübergehenden Uebel, welche diese Umwälzung veranlaßte, weg, auf den bleibenden Gewinn sehen, welcher für ihre Nachkommen aus derselben erwachsen muß. Ihr werdet also, Bürger Gesetzgeber! zuerst einen Unterricht veranstalten, der alle Volksclassen umfasse, und jeden Bürger des Staates bis auf denjenigen Grad der Einsicht und Fähigkeit fortbilde, auf welchem er einerseits seine Menschenrechte' und Bürgerpflichten genau kenne und auszuüben verstehe, anderseits in einem Beruf, der ihn seinen Mitbürgern nothwendig macht und ihm eine sichere Unter- 240 Haltsquelle eröffnet, mit Lust zur Arbeit ohne Schwierigkeit fortkomme. , Dieser bürgerliche Unterricht wird so beschaffen seyn, daß durch die Art, wie die nöthigsten Kenntnisse den Lehrlingen beygebracht würden, die Seelenkräfte selbst geweckt, und an freye ungehinderte Wirksamkeit gewöhnt werden. Er wird nach der Verschiedenheit des Orts, der Hilfsquellen und der Geschicklichkeit der Lehrer mehr oder weniger umfassend seyn, und sich von den Elementar - oder Landschulen durch alle Grade, deren sie nach Beschaffenheit der Gemeinden und nach der Menge ihrer Hülfsquellen fähig sind, bis zu vollkvmmnern Realschulen in den Hauptstädten der Kantone erweitern. Mit diesen Anstalten zur bürgerlichen Bildung werden Industrieschulen in denjenigen Gemeinden verbunden werden, welche die Hülfsmittel dazu besitzen. Dieser bürgerliche Unterricht wird wohlfeil, für Arme uneutgeldlich und gleichförmig sey» müssen. Sein Zweck ist die Gleichheit der Rechte gegen die Ungleichheit der Mittel, welche iene immerfort bedroht, möglichst zu sichern und den Bürger mit seinen Rechten und Pflichten vertraut zu machen, denselben auch in Stand zu setzen, sie mit öffentlichem und Privatvortheil auszuüben. Wer denselben nicht genossen haben wird, oder die Kenntnisse und Fähigkeiten sich 241 sich nicht sonst erwarb, die er dem Bürger zu ver schaffen bestimmt ist, sollte weder in den Urversamm- lungen noch in irgend einem Amte rum Dienste des Staates zugelassen werden. Denn wodurch kann seinen Mitbürgern wahrscheinlich oder bekannt seyn, daß er die Fähigkeit und den Willen habe, seine Rechte zu ihrem Besten auszuüben, wenn er diese Gewährleistung nicht aus den öffentlichen Bürgerschulen mitbringt. Allein neben diesem allgemeinen bürgerlichen Unterricht ist eine gelehrte Bildung zur Erhaltung und Vervollkommnung der gesellschaftlichen Verhältnisse nothwendig. Der Staat kann es nicht aufs Gerath- wohl und auf die Privatindustrie seiner Bürger ankommen lassen, ob sich geschickte Baumeister und Ingenieurs, einsichtsvolle und sorgfältige Aerzte, gewissenhafte und aufgeklärte Sittenlehrer, helldenkende Gesetzgeber, fähige Regenten, sachkundige Richter, und in ausserordentlichen umständen erfindungsreiche Künstler oder sinnvolle Gelehrte vorfinden werden, die dem jedesmaligen Bedürfniß auf eine befriedigende Art abhelfen oder den Staat aus der Verlegenheit durch neue Inventionm und passende Vorkehrungen riehen. Nächstvem ist es unläugbar, daß Stillstand Rückschritt ist, und daß der Unterricht, Wenn er nicht beständig vorwärts rückt und sich M 242 den wachsenden Bedürfnissen erweitert / in Verfall gerath. Also werden Männer erfodert/ die aus der Sphäre ausgebreiteter und gründlicher Gelehrsamkeit den populären Belehrungsanstalten immerfort neuen Nahrungsstoff und frische Säfte zuführen. Ihr werdet also/ Bürger Gesetzgeber! eine zweyte Classe von Lehranstalten nöthig erachten/ Anstalten zum gelehrten Unterricht oder zur politischen Bildung/ durch welche die ausgezeichneten Köpfe ausgebildet und in den Stand gesetzt werden könne»/ dem Staate in irgend einem Zweige öffentlicher Arbeiten/ als Aerzte/ Rechtsgelehrtk/ Sitten- lehrer/ Beamte/ Künstler, Ingenieurs u. s. w. zu dienen. Zur Erlangung dieser Geschicklichkeit bedarf es mannigfaltiger Vorkenntnisse und Vorbereitungen, die eine besondere Art von Schulen, Gymnasien, erfordern. In diesen Vorbereitungsanstalten werden «war rum Theil die ziemlichen Lehrgegenstände vorgetragen, welche in den Bürgerschulen vorkamen, aber wissenschaftlich behandelt, aus ihren Gründen hergeleitet, und mit mehr Sorgfalt erläutert. Der Lehrling erhält in denselben den Vorrath von Ideen und den Grad von Vernunftbildung, welche er rum leichten und fruchtbaren erlernen, irgend einer von jenen EeschiMchkeiten, ohne die kein Gemeinwesen bestehen und sich vervollkommnen kann, nothwendig mitbringen muß. Unglaublich viel an Zeit und Kraftaufwand wird dereinst gewonnen werden, wenn aus jenen Vorschulen oder Gymnasien alle Lehrbegriffe und Uebungen verbannt seyn werden, die nicht bloß vorbereitend sind, und wenn alle angewandten Wissenschaften für den hohem Unterricht einer Eentralschule aufbewahrt werden. Diese Schule wäre ein allumfassendes Institut, worinn alle nützlichen Wissenschaften und Künste in möglichster Ausdehnung und Vollständigkeit gelehrt und durch die vereinten Nationalkrafte von den reichsten Hülfsmitteln umringt würden. Aus dieser Anstalt gienge ein Ausschuß der fähigsten und verdientesten Männer hervor, welche ganz den höher» Wissenschaften und der Erweiterung des Gebiets menschlicher Einsicht und Kunstfähigkeit lebten. Da würfe niemand die Frage auf, wozu diese oder jene Untersuchung nütze? Den Forschungen würde keine Grenze gesteckt, weil man sich erinnerte, daß ohne LavoisierS Erfindungen der fränkischen Nation das Werkzeug ihrer Vertheidigung und des Triumphs über die Feinde der Freyheit gefehlt hatte. Die Schule, worinn der junge Bürget eine aus jenen Geschicklichkeiten tu öffentlicher Arbeit erwürbe, O s 244 müßte eine Einzige für ganz Helvetien seyn. Die Gründe dieses Vorschlags, Bürger Gesetzgeber! werden ihrer Einsicht und Vaterlandsliebe nicht entgeh». Die Grundlagen unserer Verfassung, besonders das Bedürfniß der Einheit in Grundsätzen und Gesinnungen, deuten alle auf Ane solche einzige Universität oder Centralanstalt hin. Die unglückliche Trennung der Kantone, und der Keift der Ausschliessung und des Eigennutzes haben zu tiefe Wurzeln geschlagen, als daß ihre gänzliche Ausrottung durch irgend ein anders als das langsam, aber sicher wirkende Mittel einer öffentlichen, allgemeinen und gleichförmigen vaterländischen Erziehung bewerkstelligt werden könnte. Die jungen Helvetier, welche sich irgend einem Zweige öffentlicher Arbeiten tu widmen gedenken, müssen aus allen Gegenden der Republik in einer Centralanstalt zusammenströmen. Hier werden sie unter den Augen der Nation zu ihrer Bestimmung hinanreiftn. Hier werden sie in den Jahren, wo der Kopf für Belehrung, das Herr für freundschaftliche Gefühle offen ist, mit Jünglingen der verschiedensten Kantone und Kulturgrade Verbindungen eingehen, und aus dem gemeinschaftlichen begeisternden Unterrichte aufgeklärter und patriotisch gesinnter Lehrer, Grundsätze und Entschlüsse wieder nach Hause tragen, welche 243 bald in die entlegensten Thaler unsers Vaterlandes Einheit der Absichten und Gesinnungen verbreiten müssen. Die fähigsten Jünglinge werden, wenn sie dürftig sind, aus den Bürgerschulen auf Kosten der Nation in die Gymnasien verpflanzt; und aus diesen die vorzüglichern Kopfe nach der Centralschule geschickt werden, um sich da unter öffentlicher Aufsicht, in Vereinigung mit der Blüthe der helvetischen Jugend zum Dienste des Vaterlandes in allen Zweigen gemeinnütziger Arbeiten auszubilden. Die Nation wird bey Wahlen öffentlicher Beamter nicht mehr verlegen seyn, auf welche Männer sie ihre Wahl fallen lassen wolle. In den Jünglingen, die ihre Bildung auf der vaterländische» Centralschule erhalten haben, wird sie die Einsicht und Fähigkeit antreffen, welche sie von ihren hohem Beamten fordern muß, und deren Garantie sie nur in dem Umstand finden kann, daß derjenige, dem das Wohl der Nation anvertraut wird, auf der Nationallehranstalt schon Proben seiner Geschicklichkeit und Denkart öffentlich gegeben habe. Dieses Institut wird der Brennpunkt! der intellektuellen Kräfte unserer Nation, das Verschmel- rungsmittel ihrer noch immerfort bestehenden einrck 246 nen Völkerschaften , und der Stappelort der Kultur der drey gebildeten Völker seyn, deren Mittelpunkt Helvetien ausmacht. Es ist vielleicht bestimmt, deutschen Tiefsimr mit fränkischer Gewandtheit und italiänischem Geschmack zu vermählen, und den Grundsätzen der Revolution durch ihre Vereinigung mit den Lehren einer Ehrfurcht gebietenden Rechtschaffenheit unwiderfiehbaren Eingang in die Herzen der Menschen zu verschaffen. Denn mit allen diesen Anstalten zur technischen Bildung unsrer Mitbürger muß der moralische Unterricht gleichen Schritt halten. Kräfte wecken, entwik- keln, üben, Fähigkeiten nähren, Fertigkeiten erzeugen, reicht zur Ausbildung des Menschen nicht hin. Es muß auch für den guten Gebrauch dieser geschärften Werkzeuge, für die wohlthätige Richtung jener Kräfte gesorgt werden. Bildung ohne Veredlung ist nur die Hälfte der Erziehung. Nebst Unterrichts - und Bildungsmitteln sind Anstalten zur Entwicklung und Schürfung des sittlichen Gefühls nicht weniger nothwendig. Wir fühlen es wohl, Bürger Gesetzgeber! daß dringendere Geschäfte ihre Aufmerksamkeit noch einige Zeit von den Angelegenheiten der öffentlichen Erziehung abziehen müssen, und daß die umstände er noch nicht erlauben an die Ausführung eines so — 247 — umfassenden Plans als der oben nach ftimn Haupt- umrissen Gezeichnete ist, in diesem Augenblicke rn denken. Allein Etwas muß gethan und wenigstens einige vorläufige Maaßregeln, welche zugleich den Weg zur künftigen, leichtern und schnellern Vollziehung jenes oder eines ähnlichen Entwurfs anbahnen würden, müssen zur Abhelfung der dringendsten Bedürfnisse schleunigst genommen werden. Unter diesen verdient das einer bessern Einrichtung und freygebigern Unterstützung des Landschnle»- unterrichts die erste Stelle. Zwar wünschten wir, Bürger Gesetzgeber! daß es Ihnen gefallen möchte, durch ein besonderes Dekret die Nothwendigkeit der Errichtung eines Natio- nalinstituts der Künste und Wissenschaften vorläufig anzuerkennen, und dem Vollriehungsdirrktvrium die Sorge für seine Bewerkstelligung aufzutragen. Es wäre das wirksamste Mittel zur gänzlichen Zerstörung des Föderalismus und zur reellen Einführung unsrer Konstitution; es würde uns in den Augen aller Menschenfreunde heben, und unsrer Revolution einen Charakter von durchgedachter Planmäßigkeit und humaner Philosophie geben, die ihr die Achtung aller Freunde der Aufklärung und der Kulturfortschritte unsers Geschlechts abgewönne z es würde mtzr 248 lich die Organisirung des ganzen Erziehungswesens ungemeiii erleichiern. Wenn einmal der oberste Punkt festgesetzt ist, so lassen sich die Stuffen, die ju demselben hinführen sollen, leichter und genauer bestimmen. Denn diese sind Mittel rum Zwecke, und dieser muß angewiesen seyn, wenn jene darnach berechnet werden sollen. Das Institut würde Lehrer und Werkzeuge rur Organisirung der untern Anstalten Herbeyschaffen, und eine belebende Aufsicht über dieselben verbreiten. Wäre nur die Nothwendigkeit desselben dem Prinzip nach von dem Gesetzgeber anerkannt, so würde dieser Auispruch schon hinreichen, den Grund dazu sogleich in legen. Allein ein weit dringenderes Bedürfniß noch als die Errichtung der polytechnischen oder encyklopädischen Schule, ist die Verbesserung des ersten Unterrichts der jungen Bürger auf dem Lande. Der rettende Arm des Vaterlandes muß sich zuerst nach diesen lallenden und hülflosen Zöglingen der Natur ausstrecken: die Sorge für sie ist die Schuld, die ks zuerst abtragen soll. Der Elementarunterricht in den Bürgerschulen sollte sich freylich auf alle Kenntnisse und Uebungen «strecken, ohne welche der Mensch nie zum vollen Gefühl seiner Würde und Bestimmung, der Bürger — -49 nie zur genauen Kenntniß seiner Rechte und Pflichten gelangt; er sollte die physischen/ intellektuellen und moralischen Kräfte des Jünglings bis zur Gründung der Sclbstständigkeit ausbilden. Er sollte denselben in Stand setzen / das Maaß seiner Talente zu scharren / und ihn zu demjenigen Beruf gehörig vorbereiten/ der seinen Fähigkeiten am angemessensten und zugleich für seine Bedürfnisse hinreichend wäre. Er müßte demnach/ ausser einer genauen Anleitung zum richtigen Lesen, Sprechen und Schreiben in der Muttersprache und Rechnen, sich über die Anfangs- gründe der französischen Sprache für das deutsche, der deutschen für das französische und beyder Sprachen für das italiänische Helvetica, über die Planimetrie, einige Kenntniß der Naturgeschichte, der Physie, Geographie und Geschichte, die nützlichsten Gewerbe und Handwerke, den Bau des menschlichen Körpers, seine Verrichtungen und die nothwendigsten Gesundheitsregeln, über die Hauswirthschaft und die Buchhaltung, die Konstitution, die wichtigsten Gesetze, die gesellschaftlichen Verhältnisse und die! Moral verbreiten. Denn jeder Mensch soll ja'zur Humanität, d. i. zum leichten und sittlichen Gebrauch seiner Kräfte sin allen seinen Verhältnissen ausgebildet werden. Der Staat ist nur Mittel r» diesem Zwecke, und soll dem Bürger zu seiner Erreichung verhelfen, also zur Bildung seiner physischen Anlagen, seiner sinnlichen Vermögen, seines Verstandes und seines Willens; zur Kenntniß seiner Verhältnisse zur Natur, zur Gesellschaft überhaupt und zum Staate insbesondere, damit er diese Verhältnisse zu seinem Zwecke benutzen könne. Allein dieser Plan ist vor der Hand unausführbar und wird es noch lange bleiben! Das Vorhandene, so mangelhaft und dürftig es ist, muß als der Keim behandelt werden, aus dem eine sorgfältige Pflege nach und nach etwas Besseres entwickeln soll. Die Nachrichten, welche wir über die Fähigkeit der großen Mehrheit der Landschullebrer und die Hülfsmittel des Unterrichts eingezogen haben, erlauben uns in diesem Augenblicke nicht unsere Wünsche für Unterstützung und Verbesserung der Volksschulen über die engen Grenzen des folgenden Plans auszudehnen, welcher sich auf Lesen, Schreiben, Rechnen, die Anfangsgründe -er Muttersprache, die Kenntniß der Konstitution, einige Uebungen des Gedächtnisses und der Urtheilskraft vermittelst eines einzuführenden Lesebuchs und ausführlichen moralischen Unterricht einschränkt, und den wir hiemit Ihrer einsichtsvollen Prüfung vorlegen. Nur noch das Verlangen können wir, Bürger Gesetzgeber! nicht unterdrücken, daß sie uns be- gwältigen, diesen Plan für diejenigen Gemeinden zu erweitern, wo die Hülfsmittel und die Lehrer diese Ausdehnung fordern und gestatten. Republikanischer Gruß! Der Präsident des vollziehenden Direktoriums, L a h a r p e. Im Namen des Direktoriums der Generalsekretär, M o u s f o n. Vorschlag eines Gesetzes jfür die untern Bürgerschulen. Erster Titel. Bestimmung und Vertheilung der Schulen. i) Die Absicht der untern Bürgerschulen ist überhaupt, den Kindern sowohl des einen als des andern Geschlechts einen Unterricht zu ertheilen, welcher sie mit den Rechten und Pflichten des Menschen und des .Bürgers bekannt mache, und sie zu dem nöthigen Grad von Fähigkeit erhebe, um irgend einen Beruf erwählen zu können, wodurch sie ihren Mitbürgers nützlich werden. L) Die schon vorhandenen Primärschulen sollen wo möglich beybehalten, und in jedem Dorfe nnd in jeder Sektion großer Gemeinden wenigstens eine Schule errichtet werden. 3) In Gegenden, wo die Wohnplatze sehr zerstreut sind, kann das Direktorium noch eine zweyte Schule errichten. 4) Die Regierung kann den Schullehrern Gehülfen beyordnen, wenn sie die Nothwendigkeit derselben rur Ertheilung ihres Unterrichts erweisen können. Zweyter Titel. Von den Personen, welche den ersten Unterricht ertheilen , empfangen, und darüber die Aufsicht haben sollen. Erstes Capitel. Von den Erriehungsrathen. i) In jedem Hauptorte eines Kantons soll ein Rath für die öffentliche Erziehung eingesetzt werden, nnd zwar auf folgende Art: I. Der Minister des öffentlichen Unterrichts soll in jedem Hauptort, wo eine Akademie oder höhere Lehranstalt ist, zwey Professoren, und wo nur eine untere Lehranstalt ist, zwey Lehrer wählen. Wen» das Direktorium diese Wahl bestätigt, so sind sie Glieder des Erriehungsrathes. 253 len II. Die Verwaltmigskammer soll ein Verzeichniß nd von zehn Bürgern entwerfen, welche sich leicht im M Hauptort versammeln können, sich durch ihre Einsichten und ihren sittlichen Charakter auszeichnen und zu ek- verschiedenen Berufsklassen gehören, lle III. Dieses Verzeichniß soll dem Statthalter über geben, und von ihm, mit seinen Bemerkungen über äl- die Verdienste dieser vorgeschlagenen Bürger begleitn tet, dem Minister der Wissenschaften eingesandt werden. IV. Der Minister wird die eingesammelten Berichte über die Fähigkeit dieser zehn Candidaten rum Erziehungsrathe dem Direktorium vorlegen, und das Direktorium wird fünf aus denselben je zu Mitgliedern des Erziehnngsrathes ernennen. V. Der Minister wird sich ein Verzeichniß von allen einsichtsvollen und fähigen Männern in jedem Kanton verschaffen. VI. Das Direktorium wird aus diesen Männern eine Anzahl, die nicht über zehn steigen darf, auswählen , um sie dem Erziehungsrathe beyzuordnen. VII. Diese Bürger können dem Erziehungsrathe mit Sitz und Stimmenrecht beywohnen, so oft sie sich im Hauptorte des Kantons befinden. Kein wichtiger Beschluß kann gefaßt, noch eine Lehrstelle vergeben werden, bevor sie der Präsident des Errre- hungsraths vorläufig und schriftlich um ibre Meynung angefragt hat. vill. Ein von dem Direktorium dazu ernannte? Mitglied der Verwaltungskammer soll diesem Errie- hungsrathe vorstehen. 's Es kann seine Verrichtungen einem Mitgliede des Erziehungsrathes übertragen, welches in seiner Abwesenheit den Vorsitz führt. > 2) Alles , was die Disciplin in den Akademien, Gymnasien und Schulen des Cantons, die Beförderung der Schüler, den Unterricht, die Elementar- bücher, die zu lehrenden Wissenschaften/ und die Anordnung und die Lehrart betrifft / gehört zu dem Geschäftskreise des Erziehungsrathes, und sind die Ge» ^ genstande seines unmittelbaren Briefwechsels mit dem ^ Erziehungsminister. z) Der Erziehungsrath soll in jedem Distrikte einen Schulinspektor oder Aufseher über den öffentlichen Unterricht ernennen. 4) Dieser Aufseher wird darüber wachen/ daß die Schulen der Gemeinden mit tüchtigen Lehrern besetzt seyen / und daß dieselben ihre Pflichten erfüllen. §) Der Minister der Wissenschaften wird einen Entwurf von Instruktionen für die Aufseher über die öffentliche Erziehung?abfassen/ welche, ihnen zm — 2AA — Richtschnur dienen sollen, so bald sie vom Direktorium genehmigt sind. Zweytes Capitel. Von den Lehrern und Schülern. r) Die Lehrer sollen durch den Erziehungsralh ernennt werden, nachdem sie von dem Aufseher des Distrikts, zu welchem die zu besetzende Stelle gehört, vorgeschlagen seyn, und die von! der Regierung vorgeschriebenen Prüfungen bestanden haben werden, mit Vorbehalt der Genehmigung des Direktoriums. 2) Die Klagen gegen die Lehrer sollen unmittelbar vor dpn Emehungsrathsgebracht werden. 3) Wenn der Erziehungsrath findet, daß! sie Grund haben, so wird er sie vor die Verwaltungs- kammer bringen, welche nach.Maaßgabe der Umstände die Einstellung, oder selbst die Absetzung verfügen kann. 4) Die Regierung wird in jedem Canton einen Professor ernennen, der, beauftragt sey, tüchtige Lehrer zu bilden. Z) Die Regierung wird auf die vorläufigen Belichte des Erjiehungsrathes und der Verwaltn rgs- kammer hin, den Betrag jder Einkünfte! für jeden Lehrer bestimmen. — 256 — Die Gemeinden werden jedem Lehrer die nöthige Wohnung verschaffen, und auf dem Lande noch einen Gemüsgarten dazu anweisen. Die Municipalitäten sollen dafür sorgen, daß die Lehrer mit dem zur Schule erforderlichen Brennholz versehen werden. 6) Denjenigen, welche das Alter von 65 Jahren werden erreicht, und ihre Pflichten als Lehrer getreu erfüllt haben, soll eine Pension ertheilt werden, welche ihr Alter vor Mangel sichern wird. Sie kann nicht den bisherigen Gehalt ihrer Lehrerbesoldung übersteigen, aber sie darf nicht weniger als die Hälfte desselben betragen. Das Vollriehungsdirektorium wird sie auf den Vortrag der Verwaltungskammer hin bestimmen. 7) Die jungen Bürger, welche sich in den Primärschulen auszeichnen und von ihren Eltern oder Vormündern für einen Stand bestimmt sind, welcher ausgebreitetere Kenntnisse erfordert, denen aber die Hülfsmittel zur Fortsetzung !ihrer Studien mangeln , sollen in den obern Schulen auf Kosten der Nation unterhalten werden. Sie führen den Namen von Freyschülern oder Zöglingen des Vaterlandes. 8) Der Distriktsaufseher kann dem Erziehungs- ratbe einen ausgezeichneten Schüler vorschlagen, um - 2Z7 — ;e um in die Zahl der Zöglinge des Vaterlandes auf- t- genommen zu werden. Die Eigenschaften, die Erwahlungöart, die Rechte ie und Pflichten dieser Zöglinge des Vaterlandes werden li i durch die Regierung ausführlich bestimmt werden. y) Es kann nicht mehr als Einer jährlich auf tt eine Volsmenge von 20,020. Einwohnern ernennt u werden. / Nach Vollendung ihrer Studien hören die Zöglinge des Vaterlandes auf, desselben Unterstützung m ^ gemessen. 2 Dritter Titel. r» Gegenstände und Methoden des Unterrichts in den Schulen. ^ 1) In den untern Bürgerschulen soll das Lesen, 'k Sprechen und Schreiben nach den Regeln der Mut- ^ tersprache gelehrt werden; man wird darinn die An- -k fangsgründe der Rechenkunst, der Geographie, der Waterlandsgeschichte vortragen und den ersten Unter- ^ richt in der Moral ertheilen; die Staatsverfassung ^ wird darinn nicht weniger als die Gesetze erklärt wer- ^ den, deren Kenntniß allen Bürgerklassen unentbehrlich ist. ^ Ein Elementarbuch, welches die für den Men- / schen nützlichsten Begriffe; enthält, wird auf Veram R staltung der Regierung verfaßt werden; es wird den Schülern zur Uebung ihres Gedächtnisses dienen, und ihre Aufmerksamkeit auf Gegenstände lenken, welche zugleich ihren Bedürfnissen und ihrer Fassungskraft angemessen sind. Der Religionsunterricht soll demjenigen Geistlichen anvertraut werden, welcher in den Gemeinden, worinn die Schulen sich befinden, das Zutrauen der Eltern und Vormünder der Schüler vorzüglich besitzt. s) Die Schüler sollen nach ihrem Alter und nach ihren Fähigkeiten in zwey Klaffen abgetheilt werden. 3) Die Verfahrungsart und die Regeln, nach welchen diese Abtheilung und die Beförderung der Schüler von einer Klaffe in die andere geschehen soll, wird von der Regierung bestimmt werden. Sie wird un- verrückt darauf sehen, daß der Unterricht dem Gange der Natur angepaßt und so eingerichtet werde, daß die Aufmerksamkeit des Schülers auf die Begriffe, die ihm beygebracht werden sollen, nur nach und nach, und nach Maaßgabe seines Fassungsvermögens geleitet werde. 4) Die Schüler können nicht eher von einer Klaffe in die andere befördert werden, als wenn sie in einer Prüftmg bewiesen haben, daß sie die Kenntnisse besitzen, welche der Gegenstand des m- terrichts der Klasse waren/ aus welcher sie herauszutreten wünschen. 5 ) Das Direktorium ist bevollmächtigt, dem Elementarunterricht in dem Verhältnisse, in welchem sich die Hilfsquellen desselben vermehren, in den Schulen der Gemeinden, welche bessere Lehrer und mehr Hilfsquellen besitzen, eine größere Ausdehnung ru geben. Er darf sich alsdann über die Geometrie, die Feldmessung, die Zeichnungskunst, die in Hel« vetien gebräuchlichen Sprachen, die Land- und Haus- wirthschaft, die nützlichen Handwerke und Gewerbe, und über die Buchhaltung verbreiten. Es kann noch einige Belehrung über die Verrichtungen des menschlichen Körpers und die wichtigsten Gesundhelsregeln hinzukommen. 6) In den Gemeinden, welche die Hülfsmittel dazu haben, sollen die Schüler in denjenigen Leibesübungen unterrichtet werden, welche Gesundheit, Stärke und Gewandtheit des Körpers am meisten befördern. 7) Da, wo Lokalumstande eS erfordem und die Mittel es gestatten, sollen Industrie- oder Erwerbs- Schulen errichtet werden. Die Erriehungsräthe sind beauftragt, ihre Errichtung an den Orten, wo sie statt haben kann, vorzubereiten und ru beschleunigen, und den Erfolg 260 ihrer Versuche öffentlich bekannt ru machen, um die Nacheifcrung zu erregen. 8) Dem Geistlichen der Gemeinde soll der Religionsunterricht übertragen seyn. 9) Die Vertheilung der Arbeiten, so wie die Folge der Lehrstundcn, sollen durch den Minister der Wissenschaften, nachdem er das Befinden der Erziehungsräthe eingezogen haben wird, den hier aufgestellten Grundsätzen gemäß bestimmt werden. Er wird trachten, den Unterricht ru vereinfachen, und demselben zugleich moralisch die Vorzüge der Gründlichkeit und Vollständigkeit zu verschaffen, und ihn zum Beförderungsmittel der Moralität und des Semeinsinns ru machen, ohne jedoch den Arbeiten des Feldbaues, der Gewerbe und Künste, an welchen die Jugend Antheil nehmen muß, ru nahe ru treten. Vierter Titel. Vollziehungsmittel und Aufsicht. I. Lokal der Schulen. Da, wo nach Verhältniß der Volksmenge eine Schule errichtet werden soll, werden die Municipalitäten des Bezirks ein ru ihrem Zwecke taugliches Lokal anweisen. II. Die Dauer der Schulen. Auf dem Lande soll der Lehrer gehalten seyn, täglich sechs Stunden im Winter, und im Sommer vier Stunden Unterricht zu geben. In großen Gemeinden soll er das ganze Jahr durch zu sechs Stunden Unterricht verpachtet seyn. Das Direktorium wird den Zeitpunkt und die Dauer der Vakanzen oder des Urlaubs nach den Lokalumstanden, und nach eingezogenem Bericht der Erzichungsrathes bestimmen. m. Polirey und Verwaltung der Schulen. 1. Der Bezirksaufsehcr wird zu unvorhergesehenen Zeiten viermal des Jahres die in seinem Bezirk liegenden Schulen besuchen. 2. Er soll sich alle Monate Tabellen von den Fortschritte» und dem Betragen der Schüler einsenden lassen, und dieselben alle Vierteljahre für den Erziehungsrath in eine Uebersicht bringen. 3. Er kann sich mit Bewilligung der Erziehungsrathe in jeder Gemeinde einen fähigen Bürger bey- vrdnen, um in seinem Namen die Schulen zu besuchen und die Aufsicht darüber zu führen. 4. Das Direktorium wird am Ende des Jahrs den gesetzgebenden Räthen einen Bericht über den 26s —' Zustand der Schulen, und die Mittel und Hindere nisse der Vervollkommnung des öffentlichen Unterrichts vorlegen. Z. Die Reisekosten und andere durch die Verrichtungen eines Schulaufsehers veranlaßte Auslagen sollen den Distriktsaufsehern durch die Verwaltungskammern ersetzt werden. 6. Es wird auf Befehl der Regierung eine ausführliche Polizei)- und Disciplinarordnung für die Primärschulen abgefaßt werden, welche auf den in diesem Gesetz aufgestellten Grundsätzen beruhen wird. 7 . Die Schüler sollen nicht in die Primärschulen aufgenommen werden, bevor sie das sechste Jahr zurückgelegt haben. 8. Sie können nicht von einer Classe in die am dere befördert werden, wenn sie nicht vorher in einer öffentlichen Prüfung bewiesen haben , daß sie den Grad von Fähigkeit erreicht haben, welcher erfordert wird, um den Unterricht in der obern Classe mit Erfolg zu benutzen. Sie sollen r. B. gehalten seyn, die dritte Classe so lange zu besuchen, bis es sich ergießt, daß sie die Stuffe von Geschicklichkeit «erreicht haben, zu welcher sie in dieser Abtheilung -es Elementarunterrichts gelangen sollen. Die jungen Bürger, welche die Schulen nicht — -6z — besucht haben, können sich prüfen lassen, und sollen ' angesehen werden, als ob sie den Schulunterricht genossen hätten, wenn es anerkannt ist, daß sie den erforderlichen Grad von Fähigkeit erreicht haben, um auf das Verreichniß der Schüler einer obern Classe gesetzt zu werden. 9. Den Schülern, welche entweder durch regelmäßige Benutzung des Unterrichts durch alle seine Stuffen, oder durch Erprobung ihrer Fähigkeit in den öffentlichen Prüfungen, die Forderungen des Gesetzes erfüllt haben, soll auf Verlangen des Schulauf- sehers in dem Distrikt, in welchem sie unterrichtet wurden, von dem Erriehungsrathe ein Studierbrief ausgefertiget werden, welchen sie von dem zehnten Jahre an nach der Einführung des gegenwärtigen Plans über den öffentlichen Unterricht jedesmal vorzeigen müssen, so oft sie eine Stelle verlangen, deren Besetzung von dem Direktorium, oder irgend einem Zweig der vollziehenden Gewalt abhängt. 10. Der Erriehungsrath soll für jeden Distrikt einen AM bestimmen, , welcher sich in jeder der vier Jahrszeiten in die Primärschulen des Berittes verfüge , um sowohl die Schüler als die Schulgebäude tu untersuchen, und die allgemeinen und besondern diätetischen Regeln anzugeben, deren Befolgung nothwendig oder nützlich seyn möchte. n. Es sollen alle Jahre in Gegenwart des Volks und an einem Feste, zu welchem soviel Gemeinden und Schulen, als ihre Entfernung zuläßt, zusammenkommen, Prämien oder Ehrenpfennige rur Aufmunterung der Schüler ausgetheilt werden. Der Statthalter, die Unterstatthalker und andere Beamten des Bezirks sollen demselben beywohnen. Der Erste dieser Beamten, zufolge der verfassungsmäßigen Ordnung, soll au diesem Fest den Vorsitz führen und im Namen der Nation die Preise austheilen. 12. Das Vollziehungsdirektorium ist bevollmächtiget , die Realisierung derjenigen Theile dieses Gesetzes zu verschieben, deren Vollziehung in diesem Augenblicke allzugroffen Hindernissen ausgesetzt wäre. EZ wird demnach die Verfügungen desselben in den verschiedenen Gemeinden Helvetiens akmahlig und stuffenweise, oder zugleich und auf einmal in Ausführung bringen, je nachdem die Bedürfnisse und Hilfsquellen derselben beschaffen sind, und überhaupt dem Unterrichte in jedem Orte alle die Ausdehnung und Entwicklung verschaffen, welche die Lokalum- stande gestatten. i -6Z III. Das Vollziehungs - Direktorium der einen und untheilbaren helvetischen Republik. Luzem, den i4. Jenner »rss. Bürger Gesetzgeber! ES ist dem Vollziehungs-Direktorium angenehm, Euere Aufmerksamkeit durch die Mittheilung eines ihrer würdigen Zuges republikanischer Tugend von den ernsthaften Gegenständen, die Euch beschäftigen, für einen Augenblick abzuleiten. Der Regrerungsstatthalter des Kantons Aargau, indem er heute dem Direktorium einen vernüglichen Rapport über den Zustand der Schulen seines Kantons abstattet, giebt derjenigen ein ganz besonderes Lob, welche die Gebrüder Nahn in Arau veranstaltet haben , und die daselbst unter dem Namen der Sonntagsschule bekannt ist. Wirklich werden daselbst alle Sonntage von § bis 4 Uhr Nachmittags, vierzig muntere, junge Landbürger von 15 bis 20 Jahren unentgeldlich im Schreiben und Rechnen unterrichtet, und wenn sie darinn einige Fortschritte gemacht haben werden, so sollen auch die Zeichnnngs- lektivnen folgen; und der Eifer, den die Bürger Rahn durch ihre vortreffliche Lehrart einzuflößen 266 gewußt haben/ ist so stark/ daß sich eine doppelte Anzahl von Zöglingen haben einschreiben lassen/ die Schule kann aber nicht mehr als die Zahl enthalte»/ welche sich die Gebrüder Nahn anfänglich vorgesetzt haben. Dieses Beyspiel würdig der Erkenntlichkeit der Nation / hat den Patriotismus dieses Kantons so sehr angefeuert/ daß der Negierungsstatthalter Host/ die Sonntagsschule werde im ganzen Aargau ihre Verschwtsterungen erhalten/ und schon hat er sich zu diesem Zweck mit Männern vereinigt/ die denselben ru erfüllen würdig sind. Republikanischer Gruß! Der Präsident des vollziehenden Direktoriums O b e r l i n. Im Namen des Direktoriums der Generalsekretär M o u s s o n. (Bcs. Schweiz. Republ. II. S. 54s.) <— 267 IV. Entwurf zu einer Töchterschule in Luzern, welche an die Stelle -es Instituts bey den ehemaligen Urselinerinnen tretten soll. Dem helvetischen Vollziehungsdirektorium vom Erziehungsrath zu Luzern vorgelegt und genehmiget den 16. Ienner 1799. 1. Das Aeussere der Anstalt.' r. Es werden sieben Lehrerinnen erwählt. Eine davon wird nicht aus der Zahl der ehemaligen Urselinerinnen genommen, sondern anders woher beruf- fen, weil sie in der französischen Sprache Unterricht geben soll. 2. Bey der Wahl der Lehrerinnen wird Rücksicht genommen auf ihr Alter/ (Betagte sind ausgeschlossen) auf die Uebungen und Fähigkeiten/ Unterricht zu ertheile»/ und auf die Geschicklichkeit in weiblichen Arbeiten. Der Erziehungsrath schlagt die Lehrerinnen vor/ und die Regierung genehmiget sie. 3. Ewige, rwa zwey oder drey aus denselben, können Wohnungen, in einem von der Munüipali- tat anzuweisenden Gebäude, erhalten, und allda gemeinschaftlich Haushaltung führen. Sie führen die Oekonomie auf eigene Unkosten aus ihrer Besoldung ; doch bezahlt man ihnen beständig 2 Mägde. 4. Die Besoldung der sieben Lehrerinnen besieht nicht nur in der Klostcrpension jener, z. B. Urscli- nerinnen, die nicht zur Erziehung gebraucht werden, weil diese durch weibliche Arbeiten sich noch etwas ru gewinnen Zeit haben, da sie sich nicht ausschließlich dem Vaterlande wiedmen. Diejenigen Lehrerinnen , welche im Schulgebäude wohnen, erhalten deßwegen nicht eine geringere Besoldung, als die andern übrigen. Sie haben aber die Obliegenheit, das Gebäude reinlich zu erhalte», den Schulapparat tu besorgen, und die Haushaltung fortzuführen. A. Was von dem Hausgeräche des ehemaligen Urselinerklosters noch übrig und brauchbar ist, wird zur bewohnbaren Einrichtung des Schulgebäudcs genommen, und bey Beziehung des Hauses von der Munmsalitat inventirt. Wenn nichts mehr vorrä- thig ist, so sorgt die Munmpalität für die erforderlichen Meublen. 6. Das Gebäude wird der Schulanstalt allein und ausschließlich überlassen, und ru keinem andern — 269 — Gebrauche irgend ein Theil desselben gestattet. Er soll bey Tag und Nacht geschlossen seyn. 7. Die Munizipakitat weiset dem Institut außer der Stadt, doch, wenn es möglich ist, nicht in ru großer Entfernung davon, einen geräumigen und nützlichen Garten an. 8. Jene Lehrerinnen, welche im Gebäude wohnen, sind befugt, helvetische Töchtern aus andern Kantonen in Pension aufzunehmen, wenn das Haus iu diesem Gebrauch Raum und Einrichtung erhalten kann. y. Die Lehrerinnen lassen sich auf eine bestimmte Zeit annehmen, und müßen ihren Austritt wenigstens ein halbes Jahr vorher anzeigen. 12. Ein Mitglied der Muniripalität ist mit der unmittelbaren Aufsicht über das Gebäude beladen. An dieses Mitglied werden sich die Lehrerinnen, wenn Einrichtungen und Ausbesserungen im Haus und in den Schulrimmern vorzunehmen sind, zu wenden haben. 2. Das Innere der Anstalt. tr. Allgemeine Gesere. - 5. Die Schulanstalt nimmt sich vor, den Zweck aller Erziehung, nemlich die Bildung des gesellschaft- Wen Menschen; — sie hat aber zum besondern Zweck , die Erziehung des WeibeS nach seiner Bestimmung, welche in unterschiedlichen Beziehungen dreyfach ist, Gattin, Hauswmhin, Mutter ru seyn. 2. Die Mittel dazu sind Unterricht und Uebung. z. Es wird kein Unterschied in dem Unterricht noch der Person der Tochter gemacht; sondern alle haben den gleichen Antheil auf alles, was die Am stakt leistet. Nur werden physische und moralische Gebrechen der Kinder," so lang sie andauernd sind , wie eckelhafte Krankheiten des Körpers, schmutzige Unreinigkeit, schlimme Gewohnheiten, eine besondere Vorsorge, jedesmal nach den Umstanden nöthig machen. 4. Jedoch giebt es manche Unterschiede und Abtheilungen nach dem Alter, nach den Fähigkeiten, und nach der Verschiedenheit der künftigen Bestimmung, welche die Schülerinnen haben mögen. Z. Alle müßen jenen Grad der Bildung, sowohl Kenntniße und weibliche Fertigkeiten, als sittliche Ausbildung betreffend, erhalten können, welche für den gemeinen Hausstand des bürgerlichen Lebens nothwendig ist. Diejenigen aber, welche es wünschen, müßen noch eine höhere, und einiger Maaßen wißenschaftliche Bildung erhalten können. Deßwe- 271 — gen kann man nach gewißen Jahren austretten, oder dann noch für einen neuen Kurs zurückbleiben, welcher die weibliche Erziehung vollständig macht. 6. Die Kinder werden ungefähr mit dem 6ten Jahr des Alters aufgenommen , und nicht gern vor dem i 2 ten entlaßen; sie können bleiben bis über das r6te Jahr. 7 . Die Lehrerinnen theilen die Arbeit unter sich, so daß einige vorzüglich die Kenntniße des Verstandes , andre die weibliche Arbeiten / andre die Haus- wirthschaftlichen Uebungen, andre den moralischen und Religionsunterricht betreiben. Die Kinder der reformierten Religion empfangen den Religionsunterricht von protestantischen Predigern. 8. Es giebt, eine Oberdirektion über die Schule, ! welche der Erziehungsrath bestimmt; und eine Unter- direktion , welche eine der Lehrerinnen führt, die ebenfasts der Erziehungsrath dazu erwählt. 8. Die besondere Eintheilung. 1 . Nach diesen allgemeinen Gesetzen werden folgende besondere Schulen in drey Abtheilungen vorgeschlagen : s. Eine Schule der Kinder. K. Eine Schule der Mädchen. c. Eine Schule der Töchter. Die Namen sind gleichgültig und können mit andern beliebigen verwechselt werden. Aber er wird sich in der Ausführung zeigen, daß diese Namen, wie sie in unserem Sprachgebrauch anwendbar sind, für die Abtheilungen der Töchterschule nicht unschädlich sind. (Uebrigeus mögen sie uns auch an die Alterabstuffungen der römisch - republikanischen Jugend erinnern.) Jede dieser drey Schulen hat ihre bestimmten Gegenstände, Formen und Ordnungen, wie folgt: Die Schule der Kinder. Gegenstände. Buchstaben-und Zahlenkenntniß; Lesen, Schreiben und Zahlen; leichte Unterhaltungen über die Naturgeschichte und über die Moral des Kinderalters; Vorbereitungen zu weiblichen Arbeiten ; Anfang derselben, wie des Strickens, u. s. w. Die Form der Lehrart. Lernen, leichte Handarbeiten, spielender Unterricht und Ruhe wechseln ab. Die Zeit der Schule. Die Kinder sind fast den ganzen Tag unter den Augen der Lehrerinnen. Schulgesetze giebt es da noch keine, da man ihrer nicht bedarf; denn das Verhältniß der Schülerinnen zu den Lehrerinnen ist kein anderes, alsj das Verhältniß holder, lieber Kinder zu den Müttern. Folg- ! Folgsamkeit und Thätigkeit sind die Tugew den, die in dieser Schule gefordert werden. L. Die Schule der Mädchen. Gegenstände. Fertigkeit im Lesen und Schrei- ken; Fertigkeit im Rechnen; schriftliche Aufsätze aller Gattungen, wie sie in Hauthaltungen vorkommen; Fortsetzung in der Naturgeschichte; Einiges aus der Geschichte und Geographie. Religionsunterricht; Kenntniß des Werths der Dinge; alle gemeinen weiblichen Arbeiten und Hausübungen. Form der Lehrart. Zum Unterricht des Wissenschaftlichen hat man eine bestimmte Stundenordnung. In den Zwischenräumen läßt man die Mädchen in die Haushaltung, welche im Schulhause geführt wird, einige Einsicht und daran einige Mithilfe haben. Man führt sie der Reihe nach auf den Markt zum' Einkaufen mit; man läßt sie die Hausarbeiten r. B. in der Küche, im Waschhaus u. s. w. mitverrichten; man läßt sie idealjsche Hausbücher führen und W»- ! chenrechnungen schreiben, und lehret sie die Dinge, > die in ein Haus müssen angeschafft werden, erwerben und zubereiten; man läßt sie im Garten pflanzen und übt sie, das Gehörige darin» vorzunehmen. Sie j arbeiten unter der Aufsicht der Lehrerinnen jene ! Stücke, die ihre Eltern ihnen ru verfertigen auf- ! S 274 geben. Sie müssen aber auch für's Institut arbeiten; jede muß, doch nicht aus eigenem Stoffe, ehe sie austeilt, irgend eine Arbeit für's Institut allein oder mit andern vollendet haben. Alle diese Arbeiten werden mit dem Namen der Verarbeiterinnen in ein Buch eingeschrieben, das im Institut aufbehalten wird. Zeit der Schule. Die Mädchen besuchen die Schule zu gewissen Stunden an bestimmten Tagen, da sie auch schon in diesem Alter den Müttern ru Hause zur Hilfe seyn müssen. Sie sind ordentlichen Schulgesetzen unterworfen. Die ausgezeichneten Tugenden dieser Schule sind: Gerechtigkeit, Ordnung, Pflichtliebe. 6. Äie Schule der Töchter. Gegenstände. Das Hauptaugenmerk geht da auf moralische Handlungen. Anleitung ru schriftlichen Aufsätzen über moralische Gegenstände und Beurtheilungen derselben und zweckmäßige, schöne Vorlesungen sind ein Mittel dazu, da sie zugleich den Geist ausbilden, und im richtigen Denken und Urtheilen üben. Die Grundsätze der Erziehung gehören hieher. Kunst - und Geschmackvollere weibliche Arbeiten werden da. getrieben; man kann auch einige Stunden 275 dem Studium wiedmen. Den Lehrerinnen, die diesem Cours vorstehen, werden die vornehmsten Schriftsteller, die sich die Bildung des weiblichen Geschlechts rum Gegenstand wählten, empfohlen. Die Form der Lehrart und die Zeit der Schule. Man ist in Besuchen der Schulen freyer; es wird gestattet, auch nur in bestimmten Stunden gegenwärtig zu seyn. Die Mütter können ihre erwachsenen Tochter zu Zeiten begleiten; man kann aber nur mit Arbeit, nicht müßig zusammen seyn. ^ Die Tugenden, die dieser Schule eigen seyn sollen, sind: Bescheidenheit, Schamhaftigkeit und Wärme für alles sittlich Gute und sittlich Schöne. Es kann Mit der Töchterschule auch Unterricht im Zeichnen und in der Musik vereinbar seyn; doch ist dieser Unterricht nicht 'allgemein, sondern theilt sich nach den natürlichen Fähigkeiten und nach der Bestimmung der Tochter ab, und wird rum Theil bezahlt. (Bes. Schweiz. RepM.LstH. S. 454') S 2 Beschluß -es Vollziehmlgs-irektorlunis. Das VsllziehungSdirektorium der helvetischen Republik, in Erwägung, daß das ehemalige Ursuliuer- kloster in Lurern zu einer Erziehungsanstalt für die weibliche Jugend in dieser Gemeinde dienen sollte; In Erwägung, daß der Beschluß der gesetzgebenden Versammlung vom n. December 1798. die vollziehende Gewalt rur Wiederbelebung der durch die Zerstreuung der Ursnlinerinnen aufgelöseten Töchterschule in Luzern beauftragt — - . Nach angehörtem Berichte seines Ministers der Künste und Wissenschaften beschließt: r. Jede von den sechs Lehrerinnen bey der Töchterschule in Luzern genießt einen Gehalt von 700 Lvrs. 2. Alle drey Monate bezieht sie den Quart dieser Summe aus der Kasse des Verwalters der ursuliner- Klosterguter. z. Die Verwaltungskammer soll dafür sorgen, daß die Entrichtung dieser Gehalte keinen Aufschub leide, und daß die Klostergäter zuerst und vor. allem -nS hiezu verwendet werden- 4. Zween Drittel dieser Gehalts sollen den Lehr»- -- -77 rinnen auch nach der Entlassung vom Schulunterrichte immerfort ruflieffen, inwiefern sie an der Fortsetzung ihrer Arbeiten durch Altersschwäche oder Krankheiten gehindert werden/ und übrigens aber von dem Er« richungsrathe ein gutes Zeugniß erhalten haben. 5- Zur Erleichterung des öffentlichen Schatzes sollen die entlassenen Lehrerinnen soviel immer möglich durch Exursulinerinnen nach der Auswahl des Lurer- nerschen Erziehungsraths ersetzt werden. 6. Der Erriehungsrath wird fernerhin auf diese Töchterschule seine ganz besondere Aufmerksamkeit richten / und auf die Verbesserung des Unterrichts bedacht seyn. 7. Zur Vollziehung des gegenwärtigen Beschlusses ist der Minister der Künste und Wissenschaften der auftragt. Also beschlossen in Bern den 30. Juli r? 99 . Der Präsident des vollziehenden Direktorium, Unterzeichnet: Laharpe. Im Namen des Direktoriums der Gen. Seklkk Unterzeichnet: Ms usson. Dekret vom n. Wintermonat 1799.' Die gesetzgebenden Räthe/ auf die Bittschrift der Gemeinde Bremgarten, kanton Bern/ die zur Heir- zung ihrer Schule vier Klafter Holz begehrt, haben nach erklärter Dringlichkeit beschlossen: Diese Bittschrift dem Vollziehungsdirektorium tu überschicken, mit der Einladung, aus den Nationalforsten allen Gemeinden, die entschieden arm und davon gänzlich entblößt sind, Hol; zur Heitzung ihrer Schulen zu bewilligen. Beschlossen vom großen Rath den 9tcn Wein' monat 1799. Angenommen vom Senat den uten gleichen Monats. Das Vollziehungsdirektorium beschließt re. re. Präsident Savarly. Generalsekretär Mouss-m — 279 ^ VII. Der Erziehungsrath von Bern an den helve. tischen Minister der Kunst« und Wissen, schalten. Bern, den r. Ic«mer l?s». Bürger Minister! Liebe ru Wahrheit und Recht, die regste Theik- nahm an Helveticas Heil, und das Bewußtseyn unserer Freymüthigkeit — ja diese Beweggründe allein, vermochten uns, die Aufgabe des hiesigen Erriehungsraths mit Freuden ru übernehmen; weil wir uns überzeugt haben, daß Wahrheits-und Vaterlandsliebe, daß Rechtlichkeit und schrankenlose Freymüthigkeit, besonders in unserm jetzigen Wirkungskreise , wesentliche Bedinge des Sieges der guten Sache seyen. Genug von unsern Wünschen, Hand in Hand mit Ihnen, Bürger Minister! das edelste Geschäft der Erde ru betreiben! Denn Wahrheit, Recht und Vaterland lieben, heißt bey uns auch von Begierde glühen, sich mit ächten Republikanern ru den grö- sten, ru den schönsten Zwecken der Menschheit ru erheben. Genug ferners, um Ihnen ru erklären, wie willkommen uns Ihre Einladungen waren: in Verbreitung von Wahrheit, Recht und Tugend, mit ihnen zu wetteifern; die Hinderniße derselbe« aus unserm Wirkungskreise ohne Scheu an Sie zrf überschreiben, und Ihnen auf gleiche Weise alles mitzutheilen, was wir zu unserer Nationalbildung und Veredlung beyzutragen haben möchten. Genug endlich um Ihnen anzuzeigen, welcher Geist all unser Thun und Lassen beseelen, und besonders auch die Vortrüge beleben wird, welche wir hiermit beginnen. Wir glaubten diese Erklärungen, Ihnen und uns, schuldig zu seyn, bevor wir Gemälde an Sie gelangen lassen, deren Angaben um so viel übertriebener scheinen mögen, je betrübender sie in ihrer Wirklichkeit sind. M Die Nachrichten, welche wir Ihnen hiermit ertheilen , fliessen übrigens aus zuverläßigen Quellen; die Zeugnisse der Erziehungscommiffarien unsers Kantons, und das volle Gewicht der öffentlichen Meinung erheben sich mit uns gleichsam in die Wette, zu einer eben so untrüglichen, als allgemeinen Stimme, über die Dringlichkeit sowohl, als über die Schwierigkeit einer Verbeßerung unserer Dolkserriehung. Man mnß unter ander« den Zustand der bisherigen Schulanstalten auf dem Lande gesehen haben', irrn sich vorstellen zu können, wie äusserst beklagens- werth er ist; der Stoff sowohl, als die Methode des Unterrichts; Schüler, Lehrer, Schulbäuser, kurz: alles was dahin einschlägt/ lag bisdahin beynahe allenthalben in der gleichen Elendigkeit; über- das vereinigte sich noch eine Menge anderer Mißverhältnisse/ um das Volk von moralischer Bildung zu entfernen — eine grobe Religiosität war beynahe alles, was die Religionslehrer sofort noch zu erhalten vermochten. Also sind endlich Eigennutz, Engherzigkeit, Eigendünkel und Starrsinn zu Hauptzügen des Charakters der großen Menge unserer Zeitgenossen geworden, und nun bedürfte es nur noch weniger unkluger Schritte, um alle Greuel des verderblichsten Fanatismus über uns zu bringen. Da wir die genaueste Kenntniß einer jeden Ordnung der Dinge, so man in der That zu verbessern gedenkt, als ein wesentliches Beding des bestmöglichen Erfolgs aller vorhabenden Verbeßerung betrachten, so lassen wir vor allem aus, über Objekte, so wir noch nicht kennen, Fragen an unsere Erriehungsksmmiffarien und Kirchen - und Schullehrer ergehen, und erwarten ihre Berichte, bevor wir uns über derselben Gegenstände weiters gegen Sie ausdehnen. Indessen aber können wir Acht umhin, Bürger Minister! Ihnen ru bemerken, daß die angezeigten Uebel/ seit unserer Revolution, anstatt rn verschwinden, wahrlich jetzt noch auf eine Weise heranwachsen, welche nur zu der Größe althergebrachter Gebrechen, nicht.'unverhältnißmäßig »st, und nach der Verkettung von Begebenheiten and Umstanden, welche unser Schicksal bis dahin bestimmt haben, mußte es auch ohne anders so gehen ; wenigstens wenn wahre Freyheit wirklich nur in der Vernunft Begleit zu finden ist, als dieser ihr Element, und als ihre Eigenheit; denn nur Aufklärung erwecket die Vernunft, und Aufklärung ist der großen Menge fremd — daher wachet bey ihr nur die Sinnlichkeit, thierische Triebe sind deren Eigenheit, und roher Leidenschaften Zügello- fkgkeit scheint ihr Element zu seyn — daher konnten die Losungszeichen unserer Zeiten bey uns vorerst allein die Sinnlichkeit befreyen , der Vernunft hingegen können sie so nur neue Fesseln geben, und so fort würden Freyheit und Gleichheit, wahrlich bald, nur zum Kriege eines jeden gegen alle, und aller gegen einen jeden gebeten; denn wo die Vernunft schläft, da kann ja kein Recht wachen, und wie sollte ohne dieses Redlichkeit bestehen? sobald sich aber die Gleichheit weiters als das Recht erstreckt, so wird nur Raub und Mord durch sie bewirkt, und nur durch Rechtlichkeit wird ein Volk davor jbeschutzt. — 283 Wie sollen wir aber diese finden, so lange Rshheit und Laster, eine freche Stirn erheben, wie das noch jetzt bey uns geschieht, während dem so viele Rechtschaffene schweigen und zittern müßen? Wahrlich, Bürger Minister! so lange unter dem Ausbängschilde einer unbedingten Religionsfreyheit, die Bekenner und Prediger des Atheismus, der Jm- moralität und der Unordnung , Spielraum gewinnen ; so lange geachtete Verbrecher frey in ihre Gemeinden zurück kehren , und mit dem Triumphe ihrer Schandthaten trotzen dürfen; so lange jede Wohnstätte des Eigennutzes, der Ausgelassenheit , der Spielsucht, u. s. w. das Volk durch Pintenschenk- reichen ungerügt zu Taumelplätzen des Lasters be- sammeln wird; ebenso lange wird auch der schon jetzt gransenvolle, wahrhaft schauerliche Verfall der Volks- sittlichkeit, dem tiefstmöglichen Verderben zueilen. Aus diesen und andern heillosen Umständen mehr, mußte nothwendig ein allgemeines Mißtrauen, und eine Erbitterung gegen die neue Ordnung der Dinge entstehen, welche fernerhin nur der Unzufriedenheit fröhnt, die eine unvermeidliche Folge gestürzter Glücksumstände, oder vernichteter Revokutionshoff- «rungen ist. Mit dem öffentlichen Zutrauen aber ward uns unstreitig auch das wesentlichste! Hilfsmittel, das Wohlergehen unserer Republik w beför- 284 Lern geraukct. Wenn sich demnach nicht nur die Hindernisse des Triumphs der guten Sache immer mehr und mehr anhäufen, sondern überdas noch alle Hilfsmittel ru demselben in gleichem Maaße verschwinden — was dürfen wir uns denn endlich versprechen ? Eine freudigthätige Mitwirksamkeit unserer Religionslehrer wäre r. B. auch eines der sichersten Mittel gewesen , Helvetiens Volk zu bilden, ru ver- edlrn und zu ächtem Republikanismus zu erheben. Was dürfen wir aber nun noch von dem Muthe und Einflüsse einer Classe von Bürgern erwarten, welche in allen ihren Interessen gekränkt, bestimmt des Genusses ihrer unveräufferlichen Rechte beraubt, von den Sittengerichten mit der auffallendsten Nn- klugheit ausgeschlossen und den unwissendsten Dorf- Agenten untergeordnet lst, — nachdem diesen letztem die Dorfschulen übergeben, und die Geistlichen auch durch die dem 8ten Stück des Volksblattes beygelegte Einladung*) mit den ohnehin anmaßungsvollen Dorf- Schulmeistern so ganz ohne alle Schonung und Achtung in eine Linie gestellt worden sind? Es versteht sich, daß hier nicht die Rede von den Schulmeistern *) Wir bemerken hingegen mit vielem Vergnügen, daß das Dolksblatt seit einiger Zeit in seinen meisten Stätten so zweckmäßig als nützlich geworden ist, insofern? als es nämlich seine gegenwärtige Methode gestattet. ist, wie sie seyn sollen, sondern von den Schulmeistern, deren Elendigkeit wir vor uns sehen. Don diesem allem ist die Wirkung auf das Schulwesen und den Volkscharakter, so wie die Rückwirkung auf die Regierung selbst eben so verderblich als unvermeidlich. Bedenken sie nun noch, Bürger Minister! daß wir mehrere Kirchengemeinden haben, welche in einem Umkreise von mehrern Stunden 4/ Z bis ? Schulen in sich fassen, von welchen allen einzelne Pfarrer die Seele ausmachen — in einem unserer Distrikte waren wir in mehreren Rücksichten verlegen, einen guten Erziehungs-Commissair zu finden. Weltlichen Standes wußten wir sogleich niemand in demselben, der unsern Wünschen entsprechen möchte, und mußten daher dazu einen Geistlichen gleichsam nöthigen, welcher schon auf der Neige seines Alters ist, und kränkelt, und aus Mangel an Vermögen seine Kinder selbst erziehen und zugleich allein einer Gemeinde vorstehen muß, welche 8 Stunden Weges im Umfange hat, 7 Schulen enthaltet, von denen zwey zweythalb, vier andere aber eine jede eine Stunde von seiner Wohnung entlegen sind — die Anzahl seiner Schulkinder belauft sich immer nahe an 720; aussen seinen Kayzelvomägen hat dieser Pfarrer halbjährlich noch vier Tage jeder 2F6 Woche Unterweisung zur Communion, viele Haus» haltungs- und Krankenbesuche, viele Berathungen von seinen Gemeindsangehörigen, häufige Correspsn- denzen wegen auswärtigen Gemeindsarmen; er muß der Municipalität seines Orts beistrhen, in den Consistorialhändeln seines ganzen Kirchspiels forthelfen, von diesen Behörden viele Scripturen über, nehmen n. s. w. — Und solche Bürger schließt man gesetzlich von allen öffentlichen Stellen aus, welchen sie so unentbehrlich sind. Solche Bürger stürzet man in die größte Besorgniß über ihren künftigen Lebensunterhalt; immerhin wird ihre Besoldung wenigstens in eben dem Maaße vermindert, in welchem ihre Arbeit vermehrt wird; solche Bürger setzt man durch «ine neue Ordnung der Dinge in diel gröste Abhängigkeit von Gemeinden, über die sie ohne anders noch väterliche Autorität haben müssen, und ausüben sollen, um uns ihrer Pflicht gemäß zu der Ausbildung und Veredlung unserer Nation beystehen ru können. Solche Bürger müssen sich endlich über das noch alle Arten von Herunterwürdigung und Herabwürdigung und Beschimpfungen gefallen lassen. Wahrlich, Bürger Minister! Wenn irgendwo eine Conspiration gegen die neue Ordnung der Dinge Ley uns Pla; hat, so sind wir hier auf der bedeutendsten Spur davon; wahrlich wir könnten, nichts so -87 eontrerevolutionaires erdenken/ als die Züge/ welche wir durch dieses Schreiben Ihrer Behcrzigung empfehlen; deswegen können wir auch nicht umhin mehr noch wie bloße Republikaner/ als wie ErziehungsRäthe allein / dagegen zu eifern / und in Hinsicht auf diese Gefahren auf die schnellsten Rettungsmaaß- nahmen für unsere Republik zu dringen. Lassen Sie uns auch dabei Recht geschehen / Bürger Minister! — mißverkennen Sie es ja nicht/ daß wir die Abgründe, welche uns von allen Seiten umgeben / nur dazu so sorgfältig ermessen / auf daß wir sie mit den sichersten Fundamenten unsers künftigen Wohlergehens bedecken helfen. Es ist ja um unsers Vaterlandes Heil — um Helvetiens Ruhm ist es zu thun, was sollte uns wohl da noch zurückzuschrecken vermögen? oder bleibet uns etwa eine andere Wahl/ als unsere neue Republik zu befriedigenden Blüthen und Früchten zu erziehen/ oder mit allem/ was uns heilig ist/ unterzugehen? Nur die Feigheit der Scla- vrrey fürchtet sich vor dem Anblicke drohender Gefahren/ Republikaner aber fassen sie ins Auge / um sie desto sicherer zu überwinden. Es ist übrigens keine Nacht so finster in der moralischen Welt, daß kein Strahl von Hoffnung in ihr zu finden wäre, für denjenigen, der sich darnach sehnt. So finden auch wir die würksamste Aufmrw munterung und Hilfe nicht allein in Ihren unschätzbaren Einsichten, Bürger Minister! welche nur von dem dieselben begleitenden Eifer für die gute Sache übertreffen werden können; nicht nur in der rührenden aus jedem ihrer Briefe an uns hervorleuchtenden Humanität ihres Benehmens zur Ausführung ihrer erhabnen und schönen Plane ( von Ihnen, Bürger Minister! hätte uns'nur das Gegentheil dessen/ was sie alles leisten/ verwundern könne»)/ aber wir finden - auch da Aufmunterung und Hilfe/ woher wir uns sie am wenigsten versprechen durften. Die Bürger» klaffen/ welche man im Laufe unserer Revolution am meisten gekränkt und mishandelt hat/ sind nun die ersten / uns zu dem so schwierigen Geschäfte unserer National-Aufklärung und Erziehung mit einer Bereitwilligkeit und mit einem Eifer beyzustehen, welche wir nicht umhin können / mit der herrlichsten Rührung und mit der dankbarsten Erkenntlichkeit ru erwiedern. Von den M Erziehungs - Commiffairs und Sup- pleanten/ welche wir ernannt haben, weigerten sich nur zwey bis drey, unsern Wünschen ru entsprechen. Alle andern thaten es wie gesagt auf die befriedigendste Weise, und rwar besonders mit den lobens- würdigsten Aeusserungen des Bewußtseyns der Wichtigkeit ihrer neuen Stellen. Freylich haben diese Edeln Edeln seit einiger Zeit mehr als niemand anders erfahren, was Rohheit, Unwissenheit, Aberglaube und Starrsinn vermögen. Auf sie ist zunächst das volle Gewicht der verderblichsten Folgen althergebrachter Vvlksvernachläßigung gefallen; es mag daher auch natürlich scheinen, daß sie sich nun am eifrigsten gegen Rohheit, Unwissenheit, Aberglaube und Starrsinn mit uns vereinen — aber dessen ungeachtet bedarf es wahrlich eines festen Glaubens an die erhabne Bestimmung und Würde der Menschheit — Ja es bedarf eines hohen Grades reiner und untilgbarer Humanität, um durch das Mißgeschick, welches selbst die würdigsten Geistlichen und ehmaligen Patricier seit einiger Zeit verfolget, in dem eben so guten als schönen Bestreben, unsre Mitbürger zu veredlen, nicht irre gemacht zu werden. Es bedarf wahrlich ferners eines ungemeinen Grades von Ausbildung, um sich durch die Thoren, die Wüstlinge und die Bösewichter, welche die Sache der Freyheit und Gleichheit so unverzeihlich verderben, von derselben nicht abwendig machen zu lassen, und ungeacht des Wandalen Schleiers, mit welchem man unser Vaterland ru überziehen strebt, an demselben ru hangen, wie am lutterbusen, so man über alles liebt und ehrt. Es bedarf endlich eines höchst seltenen, und achten, r ja eines unschätzbaren Republikanismus, um nicht an dem Wohlergehen, an dem künftigen Glücke und an der Glorie einer Republik zu verzweifle», welche man schon in ihrem Entstehen mit den verderblichsten Giften begeifert, und sofort mit Gefahren umringt, tu deren Ueberwindung wahrlich noch andere Kräfte als nur die der Teile und Winkelriede erforderlich find. Bürger Minister! wir eilen um so viel froher, Ihnen die Erstlinge der Amtsverrichtungen unserer Vesammelten Gehülfen vorzustellen, da sie ihre Sorgen, Wünsche und Vorschläge ohne die geringste Bitterkeit noch Klagen in unsern Schooß ergießen, wie derselben in unserm Archive sorgfältig aufbewahrte Briefe es erweisen. Wir finden sogar in diesen letztem Anzeigen eines Zutrauens, das wir ganz verloren glaubten, und Beweise von Hoffnungen, welche bey unsern Gehilfen schon in ihrem Keime unschätzbar find, und auch uns mit neuem Muthe beleben. Hier folgen die Resultate ihrer Bemerkungen, Welche wir Ihnen, Bürger Minister! schon jetzt vorlegen zu sollen glauben. Beynahe alle unsere Erriehungs-Commissarien und derselben Suppleanten vereinigen sich mit uns, r. Um darauf ru dringen, daß sich unsere Regie- kling unzweifelhaft , und zwar nicht durch Worte allein/ sondern auch durch Thaten — das heißt aber nicht nur durch einzelne Thatsachen/ sondern durch den ganzen Zusammenhang all ihres Thuns und Laffens — erkläre/ so laut und wirksam/ daß es m allen Theilen Helvetiens erschalle, und alle Wohnungen, ja alle Herzen unserer Mitbürger mit der lebhaften Ueberzeugung erfüllt werden: daß endlich das Reich der Wahrheit und des Rechts, ächtet Einsicht und der Tugend bey uns erschienen sey, und daß Unwahrheit und Unrecht, Scharlatanerie und Laster ohne anders aus demselben weichen müssen.*) Aber dazu ist es wesentlich, alle Staatsgewalten Und constituirtett Autoritäten Helvetiens auf den gleichen Zweck zu vereinigen, und daß wir besonders mit unsern Gehülfen darauf zählen dürfen, in unserm Wirkungskreise also unterstützt zu werden, daß wir sicher seyen, vermittelst getreuer Pflichterfüllung über Anarchie, über Nohheit, Unwissenheit, Aberglaube und Starrsinn siegen zu können. Ohne das wären wir immer in Gefahr, der guten Sache durch unsre Bemühungen nur zu schaden, und die helvetische National - Repräsentation zu pro- *) Wir müssen hier bemerken, daß bey uns alle Anstrengung öffentlicher Erziehung fruchtlos bleiben muß, s» lange die häusliche Verzichung, welche unser Volk Verderbt, fortdauern wird* T s 292 stituirren, und uns selbst ohne Nutzen irr kompromittieren ; und- um das zu wagen, hangen wir allru- Herzlich an der ersten, und achten die zweyte viel ru hoch/ wahrlich auch uns zu gut. s. Vereinigen wir uns/ um vor zu raschen Schritten/ vor Verfügungen/ welche nicht auf Sachkenntnis gegründet wäre»/ vor Machtsprüchen und vor Zwangsmitteln ru warnen. Die Unwissenheit/ der Aberglaube / der Starrsinn / kurz alle Fehler der großen Menge unserer Zeitgenossen bedürfen besonders in der gegenwärtigen Epoche wahrlich aller der Schonung und all der sorgfältigen Pflege/ welche Sey hartnäckig und gefährlichen Krankheiten/ hauptsächlich in Periode»/ welche über Leben und Tod entscheide»/ unnachläßliche Bedinge der Heilung sind. 3. Verlangen wir/ daß man auf die bisherigen Vmtsverrichtungeu unserer Gehülfen Rücksicht nehme/ «nd von/einem mehr begehre/ als althergebrachte Amtstreue einem jeden zu leisten gestatten mag — sonst würden wir sogleich einen sehr schätzbare»/ ja vielleicht unersetzlichen Theil unserer Mitarbeiter verlieren / und es wird wohl besser seyn / dieselben bis zu einem schicklichen Verhältnisse ihrer Kräfte r» ihrer Aufgabe ru vermehren. 4. Tragen wir mit Dringlichkeit darauf an/ daß -93 — - , man alle Municipalitäten für jede Schwächung der ^ Quellen/ aus welchen man bisdahin die Unkosten a des Eeziehungswesens mehr oder weniger/ auf die eine oder andere Weise bestritten hat/ verantwortlich a mache; denn da man nun gewöhnlich den Drang >- unserer Zeiten aus den Gemeind« und Armengütem d zu erleichtern sucht / so stehen diese Quellen allent- t, halben in Gefahr, ganz oder zum Theil zu versteck gen; nur höhere Autoritäten können diesem Uebel n steuren. Z. Scheint es uns auch vorzüglich dringend, von >e nun an für die Abfassung zweckmäßiger Schul - nn- t- Kirchenbücher zu sorgen, nicht sowohl um die alten >d plöklrch durch bessere zu verdrängen, als um diese lg den erstem unvermerkt unterzuschieben. — In den meisten Schulen ist es bey uns gewöhnlich alle Jahre PreiK-Pfenninge und Bücher auszutheilen. Diese- e, Jahr hingegen ist diese Uebung Übergängen worden, te und hin und wieder soll auch daher Unzufriedenheit — entstanden seyn. Wir wünschten, die bemeldte ja Uebung wenigstens auf das kommende Jahr für eine bessere Ordnung der Dinge benutzen zu können, as Wenn wir schon einen moralisch-religiosen und ei- l»' nen politischen Catechismus hätten, so würden wir fernerhin nichts so sehr wünschen als eine auf das jetzige aß Hrlvetien paffende Bearbeitnng des Braurischwkir — 294 zischen Gesundheits - Catechismus, des Beckerischen Noth - und Hülfsbüchlein und von Pestalozzis Lien- hard und Gertrud. Es versteht sich jedoch , daß der Lalender allem Uebrigen vorgehen soll. Ferners wünschten wir, so schnell als möglich die Befugniß ru erhalten, mit den Straßenkrämern, welche mit Liedern und Flugschriften handeln, dir unsern Volksgeist vergiften, irgend eine nützliche Uedereinkunft ru treffen, oder Verfügungen gegen sie ru verordnen, welche uns vor ihrem verderblichen Einflüsse auf unsern Volksgeist zu sichern vermögen. Um endlich die übrigen Wünsche, welche sich aus dem Jnnhalt dieses Schreibens von selbst ergeben, nicht überflüssig ru entwickeln, begnügen wir uns, hier mit der Bitte zu Messen, uns rurecht zu weisen, wenn wir irren, indem wir glauben, nur dadurch dem Erriehungswesen unsers Cantons aufhelfen, und Zutrauen zu der neuen Ordnung der Dinge einflößen, und dasselbe beleben zu können , daß wir unsere Aufmerksamkeit nicht allein auf unsere Schulanstalten, sondern auch auf alles dasjenige ausdehnen, was mehr oder weniger Berug auf die öffentliche Meynung und Sittlichkeit, auf Religiosität und Volksaufklärung haben mag. Wenn Sie aber nichts dagegen einzuwenden haben, Bürger Minister! so werden Sie es ohne Zweifel auch gut finden, daß — -95 — Wir unsere Grundsätze und Absichten durch den Druck bekannt machen. Gruß und Hochachtung! Der Vorsteher u. s. w Dem Original gleichlautend Phil. Em. Felleiröerg, Mitglied des Erriehrmgsrathi des Cantons Bern. (Ves. helv. Aachr. S. 97. Schw.Repnbl. II. S. 44;) VIII. Uebersicht -es öffentlichen Unterrichts zu L«- zern auf das angehende Schuljahr. Anfangsschulen. Sie bestehen aus drey Classen, deren zwey in den gewöhnlichen Schulstuben hinter dem Sldler, und die dritte in einer Schulstube des Gymnasiums ihren Platz haben. Erste Classe: Erster Anfang des Lesens und Schreibens; Anleitung zur Gottesfurcht. Zweyte Classe: Fertigkeit im Lesen; CatechisMs; 2y6 — Leseübung aus der biblischen Geschichte; einige Uebungen in den Anfangsgründen der Rechenkunst. Dritte Classe: Gut und schön Lesen; Rechtschreibung; Catechismus; moralische und gemeinnützige Leseübungen: Fortsetzung in den Anfangsgründen der Rechenkunst. Gymnasium. Es besteht aus allgemeinen und besondern Classen: die erstem müssen von allen Studenten stuffenweise, die andern hingegen können nach Belieben von den Studenten der zerschiedenen Classen, und auch von solchen Bürgern, die nicht Studenten sind, besucht werden. Es sind fünf allgemeine Classen im Gymnasium. Erste Classe: (Bürgerschule) Deutsche Sprachlehre; Briefeschreiben; Catechismus und Anleitung rum sittlichen Betragen; aus der Naturgeschichte die Insekten und das Pflanzenreich; erste Abtheilung der Geschichte und Geographie; unterhaltende Merkwürdigkeiten aus der Schweizergeschichte, und Kenntniß der Landesverfassung aus der Erklärung der helvetischen Constitution in Fragen und Antworten; aus der Rechenkunst die vier Species mit genannten und ungenannten Zahlen. Zweyte Classe r (Bürgerschule) Deutsche Sprach- 297 kehre; Aufsätze für's häusliche und bürgerliche Leben; Catechismus und Anleitung zum sittlichen Betragen; aus der Naturgeschichte die Fische, Vogel und Säugthiere samt der Kenntniß des Menschen; zweyte Abtheilung der Geschichte und Geographie; unterhaltende Merkwürdigkeiten aus der Schweitzergeschichte und Kenntniß der Landesverfassung aus der Erklärung der helvetischen Constitution in Fragen und Antworten ; aus der Rechenkunst die Brüche und die Der» hältnißregel. Dritte Classe: ( Mittelschule) Deutsche Sprachlehre ; Anleitung zum ordentlichen Denken und mündliche und schriftliche Uebungen dazu; Catechismus und Anleitung rum sittlichen Betragen; aus der Naturgeschichte das Mineralreich; dritte Abtheilung der Geschichte und Geographie; die Vaterlandsgeschichte nach systematischer Bearbeitung, erste Epoche und helvetische Gesetze; aus der Rechenkunst rerschie- dene Anwendungen der Verhältnißregel. Vierte Classe: (kitterarschule) Bildung des Styls; Religionslehre und systematischer Vortrag der Sit- tenlehre; Naturlehre , erste Hälfte; vierte Abtheilung der Geschichte und Geographie; die Vaterlands- seschichte nach systematischer Bearbeitung, zweyte Epoche, und helvetische Gesetze; aus der Rechenkunst weitere Anwendung der Verhältnißregel samt! I — 2Y8 - dem Dezimalmaaß und der Ausziehung der Quadrat- rind Cubikwurzeln; schöne Wissenschaften und Künste ^ samt ihren Hülfsmitteln. Fünfte Classe: ( Litterarschule ) Bildung des Styls, Religionslehre und systematischer Vortrag ^ der Sittenlehre; Naturlehre, zweyte Hälfte; die ^ fünfte Abtheilung der Geschichte und Geographie; die Vaterlandsgeschichte nach systematischer Bearbei- ^ tung, dritte Epoche, und helvetische Gesetze; aus ^ der Rechenkunst geometrische Aufgaben über Berech- sj uungen der Längen, Flächen und Körper, samt dem I Nützlichsten von den arithmetischen und geometrischen ^ Progressionen; schöne Wissenschaften und Künste samt y ihren Hülfsmitteln; allgemeine Uebersicht aller Wissenschaften. Die besondern Classen im Gymnasium begreiffen d die lateinische und französische Sprache samt der v Zeichnungskunst. Jedem Sprachunterrichte sind die C erforderlichen Stunden und der Zeichnung bestimmte , h Tage angewiesen; die besondern Classen haben eben- j r falls ihre Abtheilungen. Lyceum. Es^enthält: i. Logik, Metaphysik und Moral« Philosophie, dann Antropvlogie, natürliche Theologie und Raturrecht. 2. Physik, theoretische rmd Experimentalphysik mit Mathematik. Z. Theologische Dogmatik und Kirchengerichte. 4. Christliche Moraltheologir und Pastoraltheo- logie. Die Töchterschule, welche schon voriges Schuljahr mit gutem Erfolg ist hergestellt worden, hat ebenfalls wieder ihren Anfang genommen, und wird, obwohl sie schon eine große Anzahl Kinder in sich schließt, die Jugend dieses Geschlechts, welche sich um die nöthigen und nützlichen Kenntnisse beeifern will, mit Freuden aufnehmen. Man will keine Empfehlung oder Aufforderung dieser Uebersicht des Schulunterrichts hinzusetzen, noch viel weniger Eltern an ihre Obliegenheit errinnem. Es wäre Schande, wenn man den öffentlichen Schn- lenbesuch empfehlen und Eltern zu Erfüllung ihrer ersten Pflicht gleichsam zwingen müßte. Lurern, den 6ten Wintermonat 1799. Bekannt gemacht durch den Erziehungsrath des Cantons Lurern. Zum Druck bewilliget Vinzenz Rütttmann, Regierungsstatthalter. IX. Der Erziehungsrath des CantonS Särrtis, an die Schullehrer dieses Cantons.*) Bürger! Wenn von unserer Einsetzung an bis jetzt noch so wenig zu der so nöthigen Verbesserung des Erziehungswesens in unserm kairton von uns scheint gethan worden zu seyn, so sind ausser den gegenwärtigen Umständen, in denen man alle Augenblicke auf Schwierigkeiten und Hindernisse stößt, in denen die Hülfsquellen für bessere Einrichtungen so schwer ausfindig ru machen oder zu bekommen sind, auch die Weitläufigkeit unsers Cantons und die aus seinen vorigen verschiedenartigen Verfassungen noch herrührenden oft eigenen Begriffe und Anstalten oder Gewohnheiten die Mitnrsachen, warum wir bisan, hin noch nicht unsern Wünschen gemäß Verfügungen treffen konnten, aus welchen sichtbar wäre, daß wir unsere Bestimmung eben so wohl kennen, als derselben Genüge ru leisten wünschen. Unser erstes Ge- *) Diese Erklärung des ErziehimgSraths wurde der ersten Anleitung für Schulmeister, welche hier in Seite «i - 8ü. abgedruckt ist, beygefügt. Anmerkung des Herausgebers. schäft mußte doch wahrlich das seyn — dm gegen» wattigen Zustand aller Schulen und die verschiedene» Verhältnisse! ihrer Lehrer kennen zu lernen; aber die Langsamkeit und mitunter die Unvollstandigkeit der?— ; hierüber eingegangenen Rapporte ist Schuld daran, daß wir erst jetzt einen Ueberblick über das Ganze haben können, und dieser ist mehr zurückschreckend als einladend; selten zwar fanden wir kein Gefühl des Bedürfnisses einer bessern Schuleinrichtung, öfter aber Unvermögenheit für gehörige Unterstützung, und daher fast überall — dürftiger Unterricht der Jugend i und dürftige Besoldung ihrer Lehrer. Allein wir wissen, daß eben darum der Erzie« hungsrath angeordnet wurde, damit seiner Zeit aller Mangelnde verbessert werde, und indessen — was nach und nach möglich sey. Und dann fanden wir dennoch auch manches Gute, wo nicht im Ganzen, doch theilsweise; dieses wollen wir benutzen, auf dies hin fortbauen. Unter dieses Gute zahlen wir vornehmlich die Geneigtheit vieler Lehrer, Vorschlage ru vernehmen und auszuüben, die sie ihres Amtes würdiger machen. Manchem bat bisanhin nur die Gelegenheit gefehlt, sich ru einem solchen Schulmanne zu bilden, wie man ihn mir wünschen möchte; er ist in vielen Dingen den Schleuder gegangen, weil er keine bessere Methode kannte, oder in seiner bisherigen Lage glaubte, es nicht wagen ru dürfen, eine bessere zu versuchen. ' Diese Männer sind es vorzüglich, welche wir aus allen Kräften zu unterstützen gedenken, und da wollen wir hoffen, daß derer nur äusserst wenige seyen, die ihnen nicht nachfolgen werden, und uns nöthigen Würden, gegen sie andere Maaßregeln zu ergreiffen. Es ist bis jetzt in den verschiedenen Orten zur bestimmten Zeit freylich immer Schule gehalten worden , aber wie gelehrt und wie die Kinder behandelt wurden, auf das ward an den meisten Orten weniger Rücksicht genommen, und doch ist dies das Wesentlichste; wir haben daher für eine dringende Nothwendigkeit erachtet, unsere öffentliche Arbeiten mit folgender Anleitung für die Schullehrer anzuheben. Sie ist nicht schwer zu befolgen, und ihre Befolgung wird den Lehrern ihre Geschäfte sehr erleichtern, wahrend dem die Schüler ungrmerncN Nutzen davon ziehen; zugleich aber wird eine genauere oder nachläßigere Befolgung derselben deut Erziehungsrathe der sicherste Prüfstein sowohl von dem guten Willen als von den Fähigkeiten der Schullehrer seyn. Glaubt ja nicht, Theuerste Lehrer! -aß wir Euch nur zu neuen Pflichten verbindlich machen, und daneben in voriger Dürftigkeit, und was wir leider! bemerken mußten, mitunter in Verachtung wollen schmachten lassen. Der Stand des Lehrers ist ein ehrwürdiger Stand, aber wetz sich auf demselben befindet, muß durch Thaten zeigen, daß er dieß fühle; erst dann hat er auf Unterstützung und Achtung gerechte Ansprüche zu machen, wenn er den damit verbundenen Pflichten ein volles Genüge leistet. Es thut uns unendlich leid, den kärglichen Lohn so vieler wackerer Lehrer nicht jetzt schon verbessern zu können, aber — will's Gott! werden wir auch noch dies vermögen, wenn unser armes Vaterland, mit so vielen andern durch den Krieg bedrängten Landern, hoffentlich bald die süßen Früchte des Friedens wieder gemessen wird. Damit Ihr aber indessen überzeugt seyn könnet, wie gerne wir für Euch thun wollen, was uns einst« weilen möglich ist, so machen wir hier annoch bekannt i. Daß die Verwaltungskammer von Seiten der Regierung die Weisung erhalten hat, an jede dürftige Schule, in deren Nabe sich Nationalwal- düng befindet, jährlich 2 Klafter Brennholz abzugeben. Wo sich aber keine Nationalw'.lder in der Nähe befinden, und die Schule es bedarf, da ersuchen wir hiemit die Gemeindskammem anf's Drin- gendste, dieses Quantum Hol; jährlich an ihre Schulen unentgeltlich abzuliefern. 2. Wissen wir, daß in sehr vielen Gemeinden keine eigenen Schulgebaude existieren, und sehen die Nnbilligkeit ganz ein, daß der Lehrer aus seiner j ohnehin geringen Besoldung noch die Miethe (Haus, rins) bezahlen soll; wir glauben auch überzeugt zu seyn, daß keine einzige Gemeinde in diesem Canton sey, die noch so wenig Einsicht habe, daß sie diese Unbilligkeit nicht mit uns erkenne, und daher hoffen wir, daß die Gemeinden! auch diesem Ansuchen von uns entsprechen, und künftighin ihren Schullehrem die Miethe aus dem Gemeindsseckel oder auf andere Weise bezahlen werden. Es ist immer eine Kleinigkeit . für eine ganze Gemeinde, aber manchem Lehrer trifft dies viel an. Wir werden diejenigen Gemeinden, die uns in diesen beyden Gesuchen entsprechen, uns bemerken und bey der Regierung amurühmen wissen. t Z. Haben wir mit äusserstem Befremden verneh- nehmen müssen, daß noch in den letzten Zeiten, bey Wiederbesetzung einiger erledigten Lehrstellen das vorige Gehalt vermindert und nach und nach so herabgesetzt wurde, daß es nicht mehr möglich war, dafür ! einen tüchtigen Lehrer zu bekommen. Wir erklären aber feyerlich, daß wir nicht zugeben werden, daß eine l eine Gemeinde von nun an minder bezahlen dürft, als bisanhin üblich war. 4- Haben wir ebenfalls erfahren, daß wo der ^ Schullohn von den Kindern wöchentlich entrichtet werden muß, manche Eltern > die ihre Kinder nicht alle Lage in die Schule schicken, die ausgebliebenen Tage dem Schulmeister abziehen. Dieser Mißbrauch, der die Lehrer benachtheiliget Und die Kinder leichter von der Schule zurückhält, kann fernerhin nicht mehr gestattet werden; wenn die Eltern ihre Kinder nicht alle Tage fleißig in die Schule senden, so sollen sie gleichwohl verbunden seyn, das ganze Wochengeld rn bezahlen. 5 . Da auch in einigen Gemeinden der für den Lehrer erniedrigende Gebrauch herrschte, daß er jährlich die Gemeinde um Beybehaltung seiner Stelle bitten mußte, so heben wir diesen dem Ansehen der Lehrer nachtheiligen Gebrauch hiemit auf, und werden jeden Lehrer auf seiner Stelle schützen, so lange er sich pflichtmäßig beträgt, aber ihn auch bey Ver- nachläßigung seiner Pflicht zur strengsten Verantwortlichkeit zu riehen wissen. ! Gott gebe, daß unsern bestgemeynten Wünschen entsprochen und unsere Vorschriften befolgt werden rmd Lehrern und Schülern zum wahren Nutzen gereichen. St. Gallen, den 9. Weinmonat 1820. Der Präsident der Erriehungs-Raths vorn Cantvn Säntis, Zollikofer. Im Namen des Erriehungs - Rathes, Hartmann, Mtuar. X. Der Erziehungs - Rath des Cantons Aarga» an die Lehrer in den Landschulen desselben Cantons. Arau, den Weinn,. 179?. Birrger! " Jeder gutdenkende Bürger, dem das Wohl der Jugend am Herren liegt, alle redlichen und einsichtsvollen Seelsorger unsers Landes, alle gewissenhaften > und thätigen Lehrer hatten mit uns die süffe Hoffnung genährt, daß bey Eröffnung der dießjährigen Winterschulen mehrere Anordnungen würden getroffen «erden, wodurch theils der Beruf der Lehrer leichter Z27 lind nützlicher gemacht, theils der Unterricht für die Kinder zweckmäßiger, lehrreicher und den Zeitum- ständen angemessener eingerichtet würde. Der laut erklärte Wille unserer Regierung und die uneigennützige, aus vaterländischen Gesinnungen entstehende Verbindung mehrerer Bürger zur Beförderung dieses Endzweckes hatten unsere Hoffnung noch mehr bestärkt. Aber leider hat der verheerende Krieg mit asten seinen traurigen Folgen auch diese unsere Hoffnung verdunkelt. Der Regierung sind für einmal die Mittel und Kräfte benommen, wodurch sie bessere Schulanstalten unterstützen, und den mühevollen Beruf der Lehrer besser, als es bisher geschah, belohnen könnte. Die Erschöpfung vieler Gemeingüter macht die so wünschbare Einführung neuer Schulbücher unmöglich. Die wegen Verdienstlosigkeit immer mehr überhand nehmende Armuth entfernt Schaa- ren von Kindern von der Schule und führt sie der Betteley zu. Was noch betrübter als dieß alles ist — es entsteht aus der Verworrenheit der Zeiten, aus dem Kampfe vieler böser, von jedem guten Bürger innig verabscheuter Leidenschaften, aus dem Mangel an wahrer Gottesfurcht, die sonst gerade in der Noth am meisten segensvolle Stärke giebt — aus diesem allem entsteht eine Erschlaffung aller elterliche!; U 2 — Z08 — Pflichten und eine strafbare, verderbliche Gleichgük- tigkeit für das Wohl der Kinder, so daß Viele, die sonst noch den Schein einer guten Kinderzucht und Hausordnung beobachten zu müssen glaubten, auch diesen haben fahren lassen. Wir brauchen Euch nicht vorzustellen, zu welch einem traurigen Ende dieß alles unser theures Vaterland führen, und welches klägliche Schicksal es dem kommenden Geschlechte vorbereiten müßte. — Aber ermähnen sollen wir Euch , daß Ihr , liebe Lehrer der Schulen! auf denen die Hoffnung aller guten Eltern nun beynahe einzig noch beruhet, mit verdoppeltem Eifer und Muth und mit erneuerter Thätigkeit an Enern so wichtigen Beruf gehen möget. Von Euch hängt es großentheils ab, ob die Jugend in Euern Gemeinden den Grund zu den ersten und nothwendigsten Kenntnissen legen, ob sie Anleitung zu einer gehörigen Anwendung ihrer kostbaren Zeit, rum Gehorsam, zur Bescheidenheit und SittsamkeiL bekommen solle. Wir ermähnen Euch daher, daß Ihr die Wichtigkeit dieses Euers Berufes recht lebendig fühlen möget, als Männer, die gewohnt sind, nicht auf das Eitle und Vergängliche zu setzen, sondern die sich gerne einen unvergänglichen Schatz zu erwerben suchen; als Männer, die mit Herzen voll Anmuth für die Jugend, durch das — 3°9 — Wachsthum der Kinder in allem, was gut und nützlich ist, für saure Stunden sich vielfältig belohnt halten. Je aufrichtiger und wärmer Euer Eifer demnach seyn wird, desto empfänglicher werdet Ihr auch für gutgemeynten und erleuchteten Rath und für weise Unterstützung seyn. Diese findet Ihr zu- nächst bey Euern würdigen Bürgern Pfarrern, die als die ersten Vorsteher Euerer Schulen und als weise Vater und Lehrer Euerer Kinder, Euch mit Freuden an die Händchen, mit ihrem Ansehen und ihren Einsichten unterstützen werden, gerade weil in dem Gelingen Euerer Arbeit eine kräftige Unterstützung ihres wichtigen Amtes liegt. Eben so werdet Ihr willig und dankbar den Rath und die Anleitung der Schnlinspektoren Euerer Bezirke annehmen, ihnen da, wo sie es verlangen, über die Führung Euer? Amtes und den Zustand Euerer Kinder gewissenhafte Rechenschaft geben; so wie sie hinwiederum den gemessensten Auftrag haben, Euch in allem, was den Nutzen und die Ehre Euers Berufes betrifft, kräftigste» schützen und m schirmen. Da bey der Verbesserung des Schulwesens nichts übereilt werden muß, und an dem einen Orte mehr Schwierigkeiten im Wege stehen, als an dem andern, so wollen wir daher Euch keineswegs mit Muvielen Vorschriften Md Verordnungen überladen, wünsche« und erwarten aber, daß Ihr die wenigen/ die wir Euch hier mittheilen / mit Festigkeit / und so weit es die Umstände immer erlaube»/ befolgen werdet. 1. Jeder Lehrer führt ein genaues Verzeichniß über seine Schulkinder, und zeichnet ihre Versäumnisse pünktlich auf. Wenn ein Kind nachläßig ist/ so ermähnt er dasselbe so wie dessen Eltern / und zeigt es sogleich dem B. Pfarrer an. Wenn diese Ermahnungen fruchtlos sind / so wird dem Inspektor des Bezirks ohne Versäumniß Anzeige davon gethan. 2. Der Lehrer soll genau darauf sehen: daß alle Kinder ohne Ausnahme um gewaschenen Händen und Gesicht/ und gekämmten Haarm in die Schule kommen/ die Fehlenden wird er mit liebreichem Ernst dazu anhalten; übrigens aber dafür sorgen / daß auch die Schulstube immer reinlich gehalten / und keine andere Arbeit wahrend dem Unterrichte darum verrichtet werde. Z. Wo bisdahin die Kinder nicht gehörig in Klassen eingetheilt wäre»/ soll dieß sogleich geschehen unter der Anleitung und nach dem Gutbefinden des B. Pfarrers, so jedoch / daß die Zahl der Classen nicht allzusehr vervielfältigt werde. Demnach sollen 2) die/ welche noch nicht lesen können/ die Schule den ganzen Winter durch täglich von 8 -ro, und von 12-2 Uhr besuchen/ b) Die, welche im Lesen und Aus- wendigleenen zwar fortgeschritten, aber noch nicht ganz fest sind, kommen nur des Vormittags um 8 Uhr, und haben von 10 - n Uhr Schreibstunde. °) Die, welche ganz fest sind, werden der täglichen Schule entlassen, und kommen nur an den Repetir- tagen, welche wöchentlich zween halbe Tage, die die Bürger Pfarrer zu bestimmen haben, gehalten wev den, um im Buswendiggelernten und im Lesen nachzusehen, ob sie nichts vergessen oder rückwärts ger kommen seyen. Hingegen besuchen sie die Schule täglich von s - 3 Uhr , so daß sie wöchentlich z Stunden im Schreiben und z Stunden im Rechnen Unterricht bekommen. Auch erwarten wir, daß sie täglich vor Beschluß der Schule Anweisung und Uebung im Gesang erhalten. Der B. Pfarrer wird bey Eröffnung der Schulen über jedes einzelne Kind in allen Fächern die Prüfung halten, und sie für den ganzen Winter zum Schulbesuche nach ihre» Classen einschreiben. Nichts als die dringendste Armuth kann Schulkinder der sten und zten Classe vom Schreiben und Rechnen entheben, und auch für diese wird der eifrige Schrülebrer mit dem Beystand seines Pfarrers, entweder bey der ganzen Gemeinde, oder doch bey den Vermvg liehen Unterstützung Hnden, um ihnen die nöthigsten Schreibmaterialien geben zrr köiMn - so wir auch jede Gemeinde wird WgMkm werben, für eine jede von ihren Schulen iz Exemplar gedruckte Vorschriften anzuschaffen, die wir um den äußerst wohlfeilen Preiß von i Batzen für das Exemplar haben veranstalten lassen. 4. Kein Kind soll vor dem 6ten Jahr aufgenommen , und keines vor seiner ersten Communion aus der Schule entlassen werden. Die Bürger Pfarrer werden die Lehrer dabey mit ihrem ganzen Ansehen unterstützen. Z. Wäre es sehr zu wünschen, daß jeder Lehrer irgend ein nützliches und faßliches Buch, z. B, Rochows Kinderfreund, von Zeit zu Zeit vorläse, den Kindern erklärte, und sich das Gelesene von denselben wieder mündlich erzählen liesse. 6. Alle sehr schwierigen Falle berichtet der Lehrer dem Inspector seines Bezirks, der sodann dem Er- iiebungsrath davon Bericht erstattet. Dieß, Bürger Schullehrer! sind die Hauptpunkte, auf die Euere Aufmerksamkeit und Euer Bestreben gerichtet seyn soll. Die allfälligen kleinen Veränderungen, die Zeit und Umstände hier und dort nothwendig machen könnten, bleiben der klugen Einsicht Euerer B. Pfarrer und Euch selbst überlassen, doch so, daß Ihr dem Inspektor schriftlich oder bey leimn Schulbesuchen Nachricht davon geben werdet. Thut nun des Guten an Euer» Kindern, soviel es möglich ist/ und wie es redlichen Männern geziemt. Wenn selbst offenbarer Undank von schwachen oder böswilligen Eltern Euch zur Süßigkeit versuchen will, so widersteht diesem gefährlichsten Feind unserer schwachen menschlichen Tugend / und Euer Gewissen wird Euch desto überflüßiger lohnen. Gott schenke Euch Gesundheit/ heitern Muth/ Segen und Gedeihen bey Euern wichtigen Arbeiten. Namens des Erziehungsrathes, Guter/ Präsident. Rahn, Sekretär. XI. Die Interimsregierung von Zürich entließ in einem Rescripte vom 27. August 1799. den Erziehungsrath des Cantons auf sein Begehren hin / machte aber von der vorgefundenen neuen' Einrichtung den rühmlichen Gebrauch/ daß sie Nachstehendes hierüber verordnete: »Und zwar 'steht die Interimsregierung in den » Begriffen / daß die Verrichtungen des vorhinigen -> Erriehungsrachs am dienlichsten vermittelst einer 3^4 „ unter Direktion des Examinatoresnvents stehenden „aus Schulerfahrnen Männern zusammengesetzten „ Landschulcommission ersetzt werden könnten / welche „ mit Beyhülfe der in jedem der 15 annoch beste- „ henden Amtsbezirken noch vorhandenen" (also nicht in ttnthatigkeit gefetzten) „ Schulinspectvren „ arbeiten würde." — XII. Auszug aus einem Bericht über das Schulwesen des Cantons Thurgäu / aufgesetzt im Februar 1799. (S. Schweiz. Rep. M. S. 535 -5Z8. u. 546-547.) Der Bericht betrifft l. die niedern Schule»/ rmd dann H. die höhern. Niedere Schulen auf dem Lande. (Zahl der Schulen und Schüler.) Es sind deren 216 angegeben / in denen sich die Zahl der Kinder etwas zu 9020 belaufen mag, so daß auf jede Schule 42 kamen; dieses Verhältniß wäre «n Ganzen genommen noch ziemlich gut. Aber da die Schulen der Catholikeir (die zwar die Schu- — 3^5 lenzahl nur sehr mangelhaft cinberichtct haben) ss wohl als dir Rcformirten, besonders im obern Thur- gäu, oft bloß 15 bis 20 Kinder haben/ so fällt auf eine Menge Schulen eine Zahl von Schülern/ der auch der geschickteste und treuefle Lehrer nicht gewachsen ist. Daher möchte es wünschbar seyn / die Schulen / welche gegen 60 Kinder haben / in zwey zu vertheilen/ zween Lehrern/ dem Einen die Anfänger/ dem Andern die Gewachsnern zu übergeben; dafür aber einige kleinere/ welche von der Hauptschule nicht so weit entfernt find / eingehen zu lassen. Besonders wünschen wir / daß es nicht erlaubt wäre/ nach der Wikkühr der Eltern kleine Mittelschulen anzulegen/ welche die Aufsicht ungemein erschwehren; die Anzahl der Lehrer, an denen, versteht sich an tauglichen, Mangel ist, vervielfältigen, und den Schulmeistern der nöthigern Schulen das sonst geringe Salarium noch mehr verkürzen. Wo das Lokale solche kleine Schulen nöthig macht, da redet die Sache selbst: es sind in der That mehrere Nebenorte, wo neue Schulen unentbehrliches Bedürfniß sind. (Schulzeit.) Im Winter werden die Schulen ungefähr aller Orten gleich' gehalten von Martini bis Ostern, mit Unterschied ^weniger Herbstwochen. Aber an vielen Orten sind gar keine Sommerschulen; gn andern wöchentlich nur einen halben Tag; da geht alles, was im Winter gelernt worden, wie» der in das Reich der Vergessenheit. Dem Uebel muß abgeholfen werden; freylich wird man ohne Gehaltszulage den Lehrern nicht viel mehr Arbeit als brsdabin aufbürden können, weil sie schlecht bezahlt und genöthjget sind, im Sommer Nebenverdienst zu suchen. Und gewöhnlich ist da, wo die Sommerschulen fehlen, auch Mangel an Fond oder Vermögen der Eltern. Eben so nothwendig wäre es, nach dem Beyspiel des obern Thurgäus wenigstens in jedem Hauptdorf eine Repecirschule für die der Schule Entlassenen, auch für Dienstboten einzuführen ; um ihre Zahl zu verringern und die Aufsicht des Pfarrers, der mit seinen Besuchen gerade da am meisten wirken kann, zu erleichtern, könnte die erwachsene Jugend aus den Nebenorten die Repetir- schule des Hauptorts besuchen. Die schicklichste Zeit wäre im Sommer der Sonntagabend, im Winter ein Wochentag, weil das frühe Dunkel am Sonntagabend kostbares Licht forderte, und das Heimgehen gemischter Jugend bey Nacht nach einem entfernten Ort der Sittsamkeit nicht immer vortheilhaft seyn möchte. Aus dem! nämlichen Grund ist rathsam, den reformirten Repetirschulen zugleich auch Gesang- übung zu übergeben, damit die ider Moralität so chadlichen Nachtschulen eingehen könnten. (Schulbesuch der Rinder.) So mangelhaft 3*7 die Einrichtung unserer Landschulen bisdahin war, so hätte doch noch viel mehr Gutes gewirkt werden können, wenn der Schulbesuch der Kinder fleißiger gewesen wäre. Es war darinn nicht aller Orten gleich, aber im Ganzen muß man sagen: 2) die Kinder werden ru frühe in die Schule geschickt, ehe es nur möglich ist, sie etwas zu lehren; sie verschlagen den Platz; rauben unnütz für sie die Zeit des Lehrers; bringen viel Störung. Eine allgemeine Regel oder Bestimmung des Alters läßt sich wohl nicht geben; aber es möchte doch gut seyn, Schnl- aufsehern den Auftrag zu geben, daß sie auf eine schickliche, nach dem Lokale mögliche Weise dieser Jnconvenien; abhelfen, b) So frühe die Kinder, damit sie den Eltern aus den Füssen kommen, zur Schule geschickt werden, so frühe werden sie aus derselben weggenommen, gerade in dem Alter, wo sie reif sind, bessere Fortschritte zu machen, H Während dem sie noch zur Schule gehören, bleibt der Knabe des eigentlichen Bauern, so lange man im Herbst noch im Feld und Holz etwas arbeiten kann, oft bis zum neuen Jahr, und sobald im Frühling ein warmer Tag kommt, meist Mitte des Merzes fast für immer aus der Schule weg, weil er muß arbeiten helfen: oft aber auch, weil ihm Beschäftigung auf dem Feld, obgleich er dabey nicht unentbehrlich wäre, angeneh- — Ziz — «er ist, als dar Sitzen in der Schule. 6) Auch die Kleinern sind an vielen Orten sehr nachlässig im Besuch der Schulen. — Wie sehr werden dadurch die Fortschritte gehindert. — Es ist, wir hoffen es, den Zeiten der Freyheit vorbehalten, Sinn für Geistesveredlung, Gefühl für Elternpflicht, Wunsch, dem Vaterlande auch außer dem engen Kreise eigentlicher Berufsarbeit nützlich seyn zu können, auch auf dem Lande allgemein zu machen; Interesse für populäre Gegenstände zu wecken und unsern Mitbürgern begreiflich zu machen, daß auch der freyste Staat, so ungerne er seine Bürger beschränkt, doch nicht gleichgültig zusehen könnte, wenn jemand dir heilige Pflicht der Erziehung verabsäumt, und dem Vaterlande wo nicht schädliche, doch untaugliche Glieder giebt. Indeß möchte es doch rathsam seyn, mehr durch Belehrung, durch öffentliche Feyerlich- keiten, durch Aufmunterung und Belohnung fleißiger Schüler, das Interesse für Unterricht und Erziehung zu beleben, als durch Befehle die Kinder zur Schule zu zwingen. Erst wenn jene Mittel nicht würken, muß die Autorität der Regierung gegen die schädliche Vernachläßigung um Hilfe angerufen werden. Aber wo Armuth der Eltern, dringendes Bedürfniß des Kinderverdienstes die Ursache sparsamen Schulbesuchs ist, wie bey uns vielfältig; da hört dann freylich alles Raisonniern auf; da beantwortet der leichtsinnige Vater die dringendsten Vorstellungen mit dem kalten: »ich vermag? nicht, meine Kinder müssen spinnen, »um Brod zu haben", der redliche mit Thränen und Seufzern über sein Unvermögen. Da kann also nur Geldunterstützung nicht bloß für Schullohn, sondern auch zum Ersatz des versäumten Verdienstes die erwünschte Veränderung bewirken. Unterricht, i. Materie desselben. In allen Schulen ohne Ausnahme besteht er in Religionsunterricht, Lesen, Schreiben und Singen. Was das Erstere, den Religionsunterricht betrifft, so ist eS unläugbar, die Landschullehrer hindern das Bemühen des Pfarrers für Verbreitung gesunderer Religionsbegriffe sehr, indem sie bey Erklärung ches Catechis- mus und der Bibelstellen, die krassesten Meynungen in die Köpfe, bringen, die sich da ansetzen und gewöhnlich tiefer haften als das Reinere, was man nachher beyzubringen sucht. Es ist nicht zu läugnen, daß das Auswendiglernen von Bibelstellen, Gebeten, Katechismen zwey Drittel der Schulzeit einnimmt, und den übrigen Unterricht so enge beschränkt, daß wenig herauskommen kann. Es ist offenbar, daß die Einheit in den Schulunterrichten schwer zu mweckerr und die Aufsicht über dieselben in den Eantsncrr getheilter Religion! viele» Schwierigkeiten unterworfen — Z23 ist, so lange das Religionspensum in den Schulen bleibt. Daher ohne Zweifel der Plan, es aus denselben ru verbannen. Aber wer soll es besorgen, da es doch nicht vernachläßigt werden darf? Der Pfarrer? Aber z Predigten in der Woche-, wie es bey uns durchgehends isi, lassen ihm nicht genug Zeit zu Schulgeschaften; dem wäre allenfalls und gewiß sehr nützlich zu helfen, wenn man ihm von den Predigten abnähme und ihn anwiese, diese Stunden der Schule zu wiedmen. Aber viele haben 6 bis auf ii Schulen in ihrer Pfarrey, in allen Religionsunterricht zu geben ist unmöglich, die Nebengemein- den in's Hauptort zu rufen, im Winter wegen Mangel an Platz und für die Kinder unwandelbarer Wege ebenfalls nicht möglich. Das Volk auf dem Grad der Bildung, welchen es jetzt hat, läßt sich ohne große Unzufriedenheit nicht viel von dem nach seiner Meynung äußerst wichtigen Auswendiglernen des Catechismus rc. abmarkten — und wenn das wie bisdahin betrieben werden soll, so fordert es mehr Zeit, als der Pfarrer nicht findet. Man arbeite also von allen Seiten darauf hin, dem Volk begreiflich zu machen: die Wahrheiten der Religion mit dem Verstand zu fassen, religiöse Gefühle und moralische Grundsätze den Herzen einzupflanzen, sey die Hauptsache beim tz Religionsunterricht; eine Zahl zweck- —- Z2r —. zweckmäßiger Bibelstellen, die Hauptsätze der Glaubenslehre , einige Gebete und Lieder im Gedächtniß tu haben / sey nothwendig — aber es komme dabey nicht auf die Menge an; und wenn sie beschrankt werden, so kann man mit diesen Pensen erst im io, 12 Jahr anfangen. Dann ist der Pfarrer im Stand das Neligionspensum allein Zu übernehmen; allein so lange diese Ueberzeugung noch nicht vorhanden ist, möchte jene Veränderung große Schwierigkeiten haken , so wünschbar sie ist. Als Präparation ließe sich verordnen, daß die penü memorise jn den Schulen auf wenigere Zeit eingeschränkt, und die Schullehrer erinnert seyen, alles Erklären den Pfarrern zu überlasen , damit sie mehr Zeit für die übrigen Pensa behalten. Lesen. Gewöhnlich ziemlich fertig und richtig; doch wird das Auswendigsyllabieren, das zum Orthographisch - Schreiben so? unentbehrlich ist, nicht fleißig genug betrieben. Schreiben nach Vorschriften geht so ziemlich; doch wären korrektere und deutlichere Vorschriften, mich zweckmäßigerer Jnnhalt sehr wünschbar; sollten nicht ohne zu große Kosten des Staats wohlfeile Vorschriften gestochen werden können? — Daß sie E gleiche Buchstaben hätten, würde bey Versetzung X junger Schullehrer in verschiedene Gegenden des Landes viel Erleichterung geben. Singen scheint weniger betrieben zu werden als vor Zeiten, und doch scheint es für Kirchengesang sehr wünschbar; auch verdiente der Gedanke wohl Prüfung: ob nicht in die Repetierschule neben dem Kirchengesang einige einfache, dem Jnnhalt und der Melodie nach faßliche Nationalgesange, Erndte- Herbsts» Frühlings- Gesellschafts-Lieder eingeführt werden könnten. Nach Beendigung der Nepetier- schule, nicht als Pensum, sondern als Unterhaltung getrieben, möchte es wohl nach und nach gelingen. Sollte der Einfluß der Musik blos zur Belebung kriegerischen Muthes bey allen Classen, nicht auch für andere Zwecke benutzt werden können? Und unser Volk ist rum Singen aufgelegt, nur kennt es nichts als zwey Extreme: Psalmen — und Lieder, denen ich keinen honneten Namen weiß. Rechnen. Diese für alle Stande bis auf einen gewissen Grad unentbehrliche Kenntniß wird in wenigen Schulen nach Bedürfniß, in vielen sehr schlecht, in eben so vielen gar nicht gelehrt, weil es den Lehrern selbst daran fehlt. Das sollte doch wo immer möglich, nachgeholt werden, wenigstens auch M Nothdurft. Bey jungen Lehrern wird es auch nicht schwer halten. Als Erleichterung und Zeitersparnis — Z2Z — Ware eine Anleitung zum Rechnen für die Landschulen nach der einfachsten Methode, und eine Sammlung von Aufgaben nöthig, denen das Faeit beygefügt wäre; sie müßten natürlich den Geschäften einer Landfamilie angepaßt seyn. Wenn das Rechnen unter die Pensen gehört, die in unsern Schulen nur halb betrieben werden, so mangeln nun die folgenden gant: verstandesüblmg. Davon ist nichts zu sehen, als was der Pfarrer etwa beym Schulbesuch thut. Die meisten Lehrer, die es versuchen wollen, benehmen sich dabey so links, daß sie mehr verwirren als aufklären. Bis bessere Lehrer gebildet sind, kann vielleicht der Jnnhalt der Lehrbücher Nachdenken wecken, aber Nachhilfe läßt sich von wenigen unserer Schulmeister erwarten. Eben so wenig möchten die meisten Landschullehrer im Stande seyn, ihren Schülern einige doch so nöthige Anleitung ru geben, wie sie ihre Gedanken über bekannte Gegenstände zu Papier bringen müssen. Für einmal müssen die Pfarrer da an die Hand gehen, dem Lehrer selbst oder den Schreibern darum nachhelfen. Als provisorisches Hilfsmittel kann dienen, wenn die Schreiber faßliche Briefe oder kleine Aufsätze, in denen Sprache und Orthographie richtig ist, diktieren und nachher genas «ach dem Original die Fehler verbessern. Ein Schch K -r aussehet hak dann etwa Gelegenheit, auf die Gründe der Correktur, welche der Schulmeister vielleicht selbst nicht kennt, aufmerksam zu machen. Endlich fehlt es bey unserm Schulunterricht ganz an allem dem, was auch der Landmann von der Natur, von Geschichte unsers Vaterlandes, von den kriegerischen und friedlichen Lugenden früherer oder jeztlebender Helvetier, von den Gesetzen und Verfassung unsers Staates, von seinen Erzeugnissen, von seiner Geographie und von der unserer Machbaren und Verbündeten wissen sollte, und wenn es in Quantität und Qualität populär wäre, auch wissen könnte. S» einfach als möglich müßte die Anleitung dazu schon darum seyn, weil sie sonst für die Lehrer selbst zu schwer wäre. 2. Die Methode des Unterrichts betreffend, läßt sich wenig sagen; sie ist so vielfältig als die Personen, die lehren; meistentheils bedarf sie, um faßlich und Zeit ersparend zu seyn, der Verbesserung sehr; besonders fehlt fast allenthalben eine eigentliche Einthei- llung in Classen. Denn was man etwa darunter versteht, das Sitzen nach dem Alter verdient diesen Namen nicht. Schulbücher. Sie sind fast alle auf religiösen Unterricht berechnet — und wenig zweckmäßig; der schnellen Verdrängung derselben dürfte indeß Einfüh- rung besserer neben denselben vorzuziehen seyn, das vielleicht ohne Aufsehen am gewissesten erreicht wird, wenn man die Druckerquellen, aus denen die alten flössen, verschlöße, und bessere den Fleißigen bey den Prüfungen als Belohnung, den Armen als Unterstüz- zung austheilte,auch denSchullehrern mit guterManier die neuen empfehlen würde. Weder der Lehrmeister, noch Psalter, noch Zeugniß, noch Testament können sich zu Uebungsbüchern für's Lesen qualificieren; denn die Unrichtigkeit in der Orthographie gewöhnt an Fehler; die Verschiedenheit derselben in den verschiedenen Ausgaben derselben zieht bey gemeinschaftlichen Leseübungen Zeit verderbende und unnütze Correkturm nach sich. Ein in Materie und Form besser eingerichtetes Lesebuch ist also Bedürfniß, und seine Einführung wird weniger Schwierigkeit haben, als die der Neligionsbücher; — eben so nothwendig ist ein populäres Schulbuch, welches faßlich die beym Schulunterricht genannten Kenntnisse von Natur, Geschichte re. enthielte. — Aber freylich müßte die Regierung dafür sorgen, daß solche Bücher recht wohlfeil in die Hände der Landleute kämen, bis einmal mehr Interesse und richtigere Begriffe darüber vorhanden sind. Schullehrer. Die Wahl derselben hangt fast durchgehends mehr oder minder von den Gemeinde» selbst ab, wobey Wohlfeilheit und Familienverhälk- Nisse öfters der Maaßstab sind als Fähigkeit und Treue. Daher ist ein vorgehendes Examen von Sachkundigen sehr zu wünschen. Noch schädlicher ist das Recht willkührlicher Absetzung, von welchem viele Gemeinden besonders in dem obern Thurgau so hau« figen Gebrauch machen, daß zum größten Schaden der Schule, die Lehrer fast jährlich wechseln, und eben darum auch in einer für ihr Amt nachteiligen Abhängigkeit leben müssen. Da sollte doch wohl nothwendig geholfen werden, wenn man auch den Gemeinden um mehrern Zutrauens willen die Wahl nach vorhergegangenem Examen lassen wollte. Aber die Wahl wird, wer sie auch immer besorgt, schwer bleiben, wenn man nicht für Bildung besserer Schul- lehrer sorgt, oder vielmehr für jetzt und unverzögert für bessere Bildung der Angestellten. Bey vielen alten Männern ist dies freylich nicht erhältlich, und es wird nöthig seyn, sie zu behalten, wie sie sind, bis man bessere hat, und dann wird der Staat sie auch nicht ohne Entschädigung und Belohnung für erwiesene Treue verstoßen; aber viele noch junge Schullehrer werden, wenn sie Aufmunterung erhalten, und Anleitung Men, etwa bey ihrem Pfarrer oder einem andern gebildeten Bürger, zu Fortschritten noch willig und bildsam erfunden werden. Aus sich selbstlmHen sie nicht fortschreiten. Z27 Junge Leute nachzuziehen und ;u guten Schul-- iehrern zu bilden, ist aber das Fundament aller guten Hoffnungen in diesem Fach; so wenig man den fetzigen Schullehrern im Allgemeinen Treue, Fleiß und Geschicklichkcit zu dem wenigen bisher für nöthig Gehaltenen absprechen kann. Zur Bildung besserer Schullehrer wird ein eignes Seminarium vorgeschlagen; aber so sehr sich ein solches Institut von Seite seines weitläufigern und schnellern Einflusses auf Bildung empfiehlt, so ward doch dagegen eingewandt: a) Der junge Staat hat der Ausgaben so viele, daß man ihm nur die allerunentbehrlichsten Institute zmnuthen darf; K) das Zusammenwohnen junger Leute in Seminarien hat oft sehr viel moralischen Nachtheil, wenn die Aufsicht nicht äußerst sorgfältig ist; c) leicht möchten die Schullehrer Halbgelehrte werden, oder doch sich das einbilden, und gerade dadurch unbrauchbarer werden; 6) es wäre kaum zu vermeiden, daß sie sich in Kost, in Kleidung, im Ton der Lebensart an einen Grad gewöhnten, der nicht für ihren Stand paßt; daß sie sich von der Landarbeit entwöhnten, deren sie vermuthlich auch bey vermehrten Salarien schwerlich jemals entbehren können. Der gute Endzweck möchte aber vielleicht eben sö wohl erreicht «nd vielen von obigen Schwierigkeitm abgeholfen werden: wenn man in jedem Canton nach Verhältniß seiner Größe einige Dörfer aussuchte/ wo ein geschickter Pfarrer und ein braver Schulmeister beysammen sind. Wenn man in jedes derselben eine Anzahl Candidaten zu Schuldiensten an die Kost gäbe/ und zwar zu Landleuten/ mit dem Bedtngniß/ daß sie denselben bey allerhand Landarbeiten an die Hand gehen / und nur bestimmte Stunden bey dem Pfarrer und dem Schulmeister Unterricht nehmen/ so weit sie dessen bedürfen. Freylich müßte man auf Mittel denken/ diese Zöglinge zu unterstützen / da sie meist nicht Bauernsöhne / sondern aus armem Familien seyn werden. Um gute Köpfe dazu aufzumuntern; um die jetzigen Lehrer zu bewegen / daß sie noch sich etwas weiter bilden/ ist aber das Unentbehrlichste: Vermehrung der Salarien. Die Arbeit ist sehr mühsam; die Vorbereitung dazu / wenn etwas Rechtes werden soll/ fordert die Verwendung einiger Jugendjahre; ein Schulunterricht/ wenn er mehr als das bisherige befassen soll, erheischt auch viel mehr Zeit des Lehrers ; sein Nebenverdienst wird ihm beschränkt. An den schlechten Salarien der Schullehrer würde jeder Verbesserungsplan scheitern. Darum muß es erste Sorge seyn, darauf zu denken, und es ist wünschbar, daß ehe von mehr Schularbeit die Rede ist, M — Z2§> — Belebung des Muths den Lehrern Aussichten auf verhaltnißmäßige Belohnung geöffnet werden. Zur Aufmunterung der Schullehrer muß endlich die Achtung ihres Standes mitwirken; wie höchst nützlich er sey, mißkennt man jetzt nicht mehr; und der Schulmeister ist seit der neuen Verfassung aus dem Dunkel hervorgetrrtten, indem er vorher sich mit seinen mühsam erworbenen Verdiensten verbergen mußte. Doch könnte man darum die Grenzen übersteigen. Wenn er so weit gehoben wird, daß der Pfarrer unter ihn zu stehen kommt, so wird der Letztere seinen Einfluß auf Schulen rein verlieren, der bescheidene und brave Lehrer hört noch auf seinen Rath; der Schlechtere, der desselben am meisten bedürfte, verachtet ihn, weil demselben der Nachdruck der Autorität fehlt. So sehr also der Schul- stand alle Achtung verdient, so muß sie doch den Stolz nicht nähren. Doch das wird wohl von selbst in's rechte Gleis zurücktretten, wenn der Geist der Ordnung überall zurückkehrt. (Schulhäuser.) An Schulstuben und Schul- häusern, die Raum genug hätten, fehlt es in den meisten Nebengemeinden und in sehr vielen Hauptdörfern. Gewöhnlich hält der Schulmeister in seinem eignen Haus Schule, wo nicht mehr als eine Stube ist. Wer die geräumigste hat, der macht. wenn er nur will und nur einige Talente hat, bey der Welt die gewissesten Einsprüche; und man kann den Fähigsten blos darum nicht wählen, weil er kein Haus oder doch eine kleine Stube hat. — Der Fall kömmt so häufig 'vor, daß er beherzigt zu werden verdient; aber es ist schwer, diesem Mangel abzuhelfen. Hie und da wäre ein Gebäude, das ehemals Klöstern re. gehörte, mit wenigen Kosten ru einem Schulhaus einzurichten, wenn die Nation es nicht bedürfte: in andern Gemeinden wäre Holz und Bereitwilligkeit, durch Frohndienste und Beysteuern einen solchen Bau rn erleichtern; aber ohne Unterstützung des Staats möchten wohl an wenigen Orten die Kräfte der Gemeinden hinreichen, einmal so lange nicht,.bis sie sich von andern Ausgaben in etwas erholt haben. Doch liesse es sich versuchen, was eine Aufforderung dazu für Wirkung hervorbrächte; das Bedürfniß sieht auch der Kurzsichtige ein. (Hilfsquellen.) Ohne vermehrten Geldzufluß, das ergicbt sich aus dem Obigen, ist den bey uns sehr großen Mangeln in den Schuleinrichtungen kaum abzuhelfen. Die eigentlich dazu, und allein dazu bestimmten Schulfonds stehen gar nicht in Verhältniß mit dem Bedürfniß. — Sollten die Kräfte des Staats ru den nöthigen Ausgaben für Schulver- besserung nicht hinreichen, so glauben wir, nach der Kenntniß unsers Volks versichern zu können, daß es gerne dazu Hand bietet, wenn es schicklich aufgefordert wird, wenn man die Verbesserung einigermaßen seinen Begriffen anpassen kann, und wenn ihm eine Aufsicht über neuzusammengelegtes Geld und unmittelbare Verwendung für eigne Schulen zugesichert wird. Leider ist »och nicht ganz der Gcmeingeist und das Zutrauen vorhanden, das nöthig wäre, um Beytrage zu allgemeinen, von den Gebenden fernen Instituten ergiebig zu erwarten. Die Verfassung muß auch da ihre bildende Kraft und ihren wohlthu tigen Einfluß äußern. Niedere Schulen in den kleinern Städten. In diesen finden sich eine Menge der vorhergerüg- ten Mangel nicht: sie haben meist geschikte und auch noch zu Mehrerem bildsame Lehrer; doch sind, etwas von Gellen und Fedderscn ausgenommen, die Schul- bücher die Nemlichen, und warten auch auf Bessere. Die Schulen sind meistentheils eben so sehr mit Kindern überladen, als die Landschulen. Lesen , Rechnen, Singen, Schreiben, auch das Orthographische wird besser als auf dem Land gelehrt; das Reliaionspensrim verdrängt nicht ganz in dem Grad 3Z2 den übrigen Unterricht: aber Verstandsübung nnv reelle Kenntnisse in obgenannten Fächern, sind hier eben so fremd. Wir glauben also nicht/ über diese Schulen weitläufiger seyn zu nrüffen. Sie bedürfen auch Revision und Besserung / und das meiste vom Vorhergehenden läßt sich auch auf sie anwenden. Höhere Schulen in den Städten. Wenn die Verbesserung der Landschulen durch keine Hindernisse geschwächt oder verzögert/ dem Hauptbedürfnisse abhilft/ und unsere Bürger ab dem Lande, in Absicht auf Rechnen, auf ein orthographisch und grammatikalisch richtiges Concept, auf Verstandesbildung,auf einige populäreKenntnisse,ihren Brüdern in den Städten näher bringt, als sie es bis dahin waren, so ist doch schwerlich je zu hoffen, daß die große Zahl der Landschulmeister den Grad eigner Bildung, die größere Zahl der Eltern den Grad eignen Interesses für die wünschbare Vervollkommnung ihrer Kinder, die Landschuleinrichtungen überhaupt den Grad von Vollendung erhalten werden , welcher dazu gehört, damit an jedem Ort die bessern Köpfe, welche sich vor andern zu Repräsentanten des Volks in den verschiedenen Fächern der Megirrungsgeschäfte, zu Lehrern, zu feinern Berrffs- srten qualificiren, die nöthige Nahrung und Bildlmg 333 finden, wenn man ihnen nicht Hülfsmittel dazu näher bringt, und leichter macht, als bis dahin. Der Mangel einer höhern Unterrichtsanstalt, dre daher entstehende Schwierigkeit, taugliche Subjekte, ohne gar zu große, durch weite Entfernung vermehrte Kosten, zu etwas mehr als alltäglichen zu bilden, ist die Ursache, warum es dem Volk schwerer als anderswo wird, aus der Mitte der Landbürgcr geschickte und brauchbare Leute zu den verschiedenen Stellen zu finden. Bliebe jener Mangel, so müßte auch jene Wirkung bleiben, und doch verdient es der Thur- gauer, den die Natur mit Anlagen nicht schlecht bedacht hat, eben so wohl, als andere, daß man ihm Gelegenheit verschaffte, sich zu bilden. Diesem Bedürfniß helfen die Lateinschulen in Frauenfeld, Arbon, Bischoffszell, und die Kloster- Schule in Fischingen nicht ab. Wenn auch der Plan dieser Anstalten für das, was er seyn sollte, noch voükommner wäre, so ist schon das mächtiges Hinderniß , daß von diesen Stadtschulen jede nur einen Lehrer bat; sehr verschiedene Klassen von Schulen, und nach ihrem Stande eine große Mannigfaltigkeit von Pensen, sobald die Fortschritte auch unter dem geschicktesten Lehrer nur mittelmäßig seyn können. Um diese Schwierigkeiten nicht zu vermehren, setzten die Aufseher über jene Schulen der Theilnahme der kandbürger an denselben enge Gränzen; schloffen sie tu Zeiten, wenn dieSchülerzahl zu groß wurde, ganz aus. So arbeiten also diese Institute fast ausschlics- send für eine etwas erhöhete Bildung des Städters, für Landbürger ist nicht gesorgt; daher sind sie genöthigt , ihre Söhne, die sie nach ihren Fähigkeiten, der Politik, dem Lehrstand, der Chirurgie, Medicin u. s.w. wiedmen wollen, von 14 Jahren an, wo sie im Thurgau nichts mehr zu lernen finden, auf einem entlegenen Gymnasio eines andern Kantons, mit großen Kosten zu unterhalten, wohin sie aus der Landschule gewöhnlich so wenige Kenntnisse mitbringen , daß sie dort auch in den untern Klassen mit Mühe fortkommen; und wenn sie sich nicht durch Güte des Kopfes und eisernen Fleiß durchschlagen, mittelmäßige Subjekte bleiben: in jedem Fall einen langen und kostspieligen Aufenthalt haben. Wenn daher die Constitution jedem Helvetier jede wissenschaftliche, artistische, merkantiltsche, militärische, politische Laufbahn öffnet, wenn sie die meiste» Staatsämter an Kantonsbürger ausschlieffend bindet, so muß der Nation sehr daran liegen, daß kein Kanton sey, wo aus Mangel an Anstalten, die höhere Ausbildung des zu wichtigen Geschäften berufenen Bürgers versäumt werde. Sollte also nicht die Einrichtung eines Gymnasiums in unserm Kanton nothwendig seyn? Eine Lehranstalt, bey der eine hinlängliche Zahl tüchtiger Lehrer, alle die Vorkennt- niffe mittheilte, welche dem Staatsmann oder Bürger im Amt, dem Mediciner, dem Volkslehrer nöthig sind, um mit denselben ausgerüstet, eine Universität, oder welchen Namen man der letzten Aus- bildungsanstalt geben mag, in der Hoffnung zu beziehen , daselbst in wenigen Jahren zu seinem Ziel zu gelangen. Die nämliche Lehranstalt oder Gymnasium könnte dann rweytens zu letzter Ausbildung derjenigen dienen , deren Talente und wahrscheinlicher Beruf zwar ! mehr Kenntniß erheischt, als die Landschule geben kann; aber doch nur einen mittlern Grad wissenschaftlicher Kenntnisse fodert oder ertragt. Eine solche Anstalt könnte, wenn das Religionspensum am Ort wohnenden Religionslehrern übertragen, und zu dem Ende hin das Gymnasium an einen parithätischen ! Ort verlegt würde, für beyde Confessionen gleich brauchbar seyn. Es wäre endlich ungemein erwünscht, wenn die Nation eine Quelle eröffnete, aus welcher Söhne armer Eltern, die sich durch Talente auszeichneten, Hülfe zur Besuchung des Gymnasiums zustoße , wodurch dem Vaterland mancher fähige fönst brachliegende Kopf gerettet würde. — 336 — XIII. Dekret vom sssten Weinmsuat i8o^ Der Vollriehungs-Rath Nach angehörtem Bericht seines Ministers der Künste und Wissenschaften, über die Umstände, welche sich hin und wieder beym Beruge der Schulgelder und Besoldungen der Schullehrer zeigen, indem sich einzelne Gemeindsbürger einer Schulgemeinde unter allerley Verwand weigern, den Antheil zu bezahlen, welchen jeder derselben, entweder einem förmlichenGe-- meindsbeschlnß zufolge, oder aus hergebrachter Verpflichtung, zum Unterhalt des Schullehrers, bestellten soll; Erwägend, daß dem Lehrer selber die Einziehung der Schulgelder, ohne Nachtheil des Unterrichts, nicht aufgebürdet werden kann, beschließt: i. Die Munizipalitäten sollen diejenigen, welche sich weigern, zum Unterhalt des Schullehrers knach Pflichten beyzutragen, erst gütlich zur Bezahlung auffordern ; im Falle beharrlicher Weigerung aber, dieselben entweder selbst , oder durch einen von ihr bestellten. Anwald darum rechtlich betreiben lassen. 2. Dem 337 2. Dem Minister der Wissenschaften ist die Voll; tiehung dieses Beschlusses aufgetragen, der in dar Tagblatt, der Gesetze eingerückt werden soll. Der Präs. des Volk. Raths, Dolder^ Irn Ramm des Volk. Raths, Der Int. Gen. Sekt. Briatte. XIV. Der Vollriehungs-Ra'th der helvetischen einen und unheilbare» Republik Auf den Bericht seines Ministers der Künste und Wissenschaften, daß viele Gemeinden, in denen bisher keine Schulen waren, ungeacht der sowohl von der Regierung, als von Seite der EmehungSräthe an sie ergangenen Aufforderung, dennoch bisher auf keinerley Weise für den Unterricht ihrer Kinder gesorgt haben; In Erwägung, daß in Erwartung eine- Gesetzes über das EttiehungSwesen, unterdessen dafür gesorgt werden muß, daß die Kinder den MrnvthmndiBm Unterricht erhalten, sy ZZ8 beschließt: r. Die Munizipalität einer jeden Gemeinde, die nicht entweder allein, oder in Verbindung mit andern Gemeinden, eine Schule hat, soll innert 14 Tagen, nachdem ihr dieser Beschluß bekannt gemacht wird, für die Schule eine geräumige Stube anweisen, und dafür sorgen, daß sie den ganzen Winter durch gehörig geheitzt werde. 2. Der Emehungsrath wird nach den bestehenden Vorschriften einen Schulmeister ernennen, dem die Munizipalität, ausser der Behausung, wenigstens eine Befbldrrng von 8-> Franken für das kommende Winterhalbjahr, bis Ostern, anzuweisen hat. z. Wenn zwey kleine Munmpalitätsbemke nahe beysammen liegen, so können sie sich miteinander zu Errichtung einer Schule vereinigen. Doch sollen in diesem Fall nicht mehr als 82 Kinder in die gleiche Schule aufgenommen werden. 4. Um die Kosten der Schulen zu bestreiken, sog das außer dem etwanigen Schulfonde und fteywilli- gm Beyträgen noch nöthige Geld zwey Drittheile durch ein Tell (Auflage) auf alles in der Gemeinde liegende Grundeigenthum, und ein Drittheik durch alle Hausvater bezahlt werden ^ sie mögen Kinder haben oder nicht. s. Iede Mrmmpalitat, die in ihrer Gemeinde bis — 3ZY — zum iZten Januar -8oi keine Schule errichtet hak, verfällt in eine Strafe von 42 Franken, welche dem Erziehungsrath eingehändigt, und zum Ankauf von Schulbüchern verwendet'werden sollen. 6. Den Erziehungsräthen sind die weitem Anordnungen und allenfalls nöthigen Modifikationen, um diesen Beschluß in Vollziehung zu setzen, aufgetragen, und die Verwaltungskammern und Regierungsstatthalter sind beauftragt, ihnen dabey Hand zu bieten. 7. Wenn wegen besondern Lvkalumständen dieser Beschluß in einer Gemeinde gar nicht, oder nicht zu gehöriger Zeit vollzogen werden könnte, so wird der Erz. Rath darüber dem Minister Bericht erstatten. 8. Dem Minister der Künste und Wissenschaften ist die Vollziehung dieses Beschlusses aufgetragen, dee in das Tagblatt der Gesetze emgerückt werden soll. Bern den 4. December 1822. Der Präs. des Voll!. Raths, Schmid. Im Namen des Voll). Raths, Der Interims - General - Sekretär!, Brtatte. N 2 -- Z4-> Reeenfiöne n und Anzeigen. I. EntWurf der Instruktionen für die neu er« richteten Erziehungsräthe. Luzern r---. z. rvo G. Diese Schrift hat den B. Stapfet/ Minister der Künste und Wissenschaften in Helvetien/ ru ihrem Verfasser/ und enthält die wichtigsten Anordnungen/ Seiche und Pläne über das neue Schul « und Erste» hungswesen daselbst. Ein kurzer Auszug daraus — keynahe ganz / wie ihn der B. Pfarrer Sulzberger feiner gedruckten Anrede bey der Einsetzung des thur- sauischen Erziehungsraths anhängte — wird gewiß Meinen Lesern sehr angenehm seyn. Hier ist er. Alle folgenden Anordnungen sind nur provisorisch/ d. h. das vollziehende Direktorium hat/ in Betrachtung/ wie dringend es sey/ ungesäumt Hand an die Verbesserung der Schulen zu legen/ nicht abwarte» wollen/ bis die Gesetzgeber Zeit finden/ diese Sache in Berathung ru nehmen/ sondern hat vorläufig schon vor mehr als einem Jahr einige neue Einrichtungen härmn gemacht/ welche dann die Gesetzgeber seiner Seit ändern oder bestätigen werden. r. Es ist in jedem Kanton ein Crriehungs-Rath selcht, bestehend M s Eichen und s geistlichen 3»r Mitgliedern, welche im Hauptorke oder sehr nahe dabey wohnen, damit sie sich leicht, und so oft er die Geschäfte erfordern, versammeln können. — Da? mit aber auch geschickte Männer, welche auf dem Lande und vom Hauptort entfernt wohnen, beym Schulwesen rathen und helfen, so sind 8 Adjunkten oder Zugegebene aus allen Gegenden des Kantons gewählt worden, welche, so oft sie wollen, den Versammlungen beywohnen können, und ohne deren mündliche oder schriftliche Beystimmung über keine wichtigen Gegenstände abgeschlossen werden darf.*) Dieser Erziehungsrath ernennt die Schulinspeb loren oder Schulaufseher. Er ordnet das Examen der neu zu wählenden Schulmeister an. Er wählt den Schulmeister jeden Orts; doch haben die Gemeinden oder andere Kollegien, welche im Namen der Gemeinden handeln, das Recht, aus allen denjenigen, welche ein Examen ausgestanden, und sich darinn wohl gezeigt haben, zween dem Erziehung-. Rathe vorzuschlagen, welcher dann allemal aus diesen keyden den Beßren, und wenn es nur immer thunlich *) Im Kanton SäntiS wurde auf Verordnung des Ministers der Wissenschaften hin, der Unterschied zwischen Erziehungsräthen und Adjunkten auch dem Namen nach aufgehoben, und alle Erziehungsräthe getrennt, nur daß bey, einer gesetzlichen Sitzung nie weniger alt 7 Mitglieder zugegen seyn müssen — in wichtigen Fällen «her wird das ganze LollkMm zusamMuh« rufen. ist, den wählen wird / ru welchem die Gemeinde das meiste Zutrauen hat. Die Wahlen müssen vom Minister bestätiget seyn / und wenn darüber Streit entsteht/ entscheidet eben er. — *) ') Der Erziehungsratö im Kanton Säntis verfährt bey den Schulmeister-Examen und Wahlen -e§ Kantons nach folgendem festgesetztem Reglement: r. Alle Schulinspektgxen sollen aufgefordert werden, sich an die Pfarrer ihres Distrikts zu wenden, daß ihnen diese die Erledigungen der Schullehrerstellen bey den Schulen ihrer Gemeinden unverzüglich bekannt machen, damit sie es dem Erziehnngsrath anzeigen können. r. Jede erledigte Schnllehrer-Stelle wird sodann vom Erziehnngsrath in den öffentlichen Blättern ausgeschrieben. z. Der Erziehnngsrath wird mit dem Gchulinspektor den Lag und den Ort bestimmen, au welchem die Aspiranten geprüft werden sollen. 4 . Die Prüfung wird von dem B. Inspektor und dem , Ortspfarrer vorgenommen, jedoch allemal auch der Präsident der Municipalität des Orts dazu eingeladen, und zuvor darüber eingctretten: ob der Erziehnngsrath gut finde, daß auch ein Mitglied von ihm dem Examen beywohne. Da die Schullehrer vermöge ihres Amtes dazu verbunden sind, den Pfarrern bey dem Religionsunterricht an die Hand zu gehen, so werden die Aspiranten in dieser Hinsicht von dem B. Pfarrer über ihre Religionskemitniffe geprüft, und dieser soll hernach dem Erziehnngsrath die Anzeige machen, welche er in seinem Fache für fähig halte oder nicht. 6. Die Aspiranten sollen nicht nur mündlich geprüft werden, sondern über einige bestimmte Fragen an dem Lage des Examens auch schriftlich antworten. Diese schriftlichen Antworten, zu denen ihnen durchaus nicht geholfen werden darf, werden hernach nebst den Rapporten der Examinatoren dem Erziehnngsrath eingesandt. 34Z l Der Erziehungsrath hat überdies die eigentliche Wicht auf sich, die Schulen, Schulhäuser und Schulgehalte der Lehrer, soviel immer möglich 7. Nach Empfang derselben entscheidet der Erziehungs- Rath, welche von den Aspiranten wählbar sind, und zeigt sie der Gemeinde an, damit sich dieselbe aus diesen durch das absolute Stimmenmehr einen Schullehrcr auswählen könne. (Durchaus untüchtige Aspiranten werden für so lange, bis sie in einem aufs Neue mit ihnen angestellten Examen zeigen könne», daß sie sich bessere Kenntnisse erworben haben, als Unwählbare ganz zurückgewiesen.) 8. Da aber unter den wählbaren Personen noch immer ein merklicher Unterschied statt finden kann, so sollen sie in - Classen getheilt werden. Die von der ersten Classe erhalten von dem Erziehungsrath ein Attestat, kraft welchem sie auch hernach für vakante Schullchrer-Stelleir anhalten dürfen, ohne sich wieder examinieren lassen zu müssen: die von der zweyten Classe bleiben nur für r Jahr lang vom Examen frey. p. Allen Wahlbaren wird von dem Schulinspector i« Namen des Erziehungsrathes angezeigt, daß sie sich in den Gemeinden nur bey den Vorstehern zu melden haben und stellen sollen; das von Hause zu Hause laufest aber, um sich eine Parthey zu gewinnen, soll ihnen mrt der Anzeige untersagt werden, daß sie dadurch auf der Liste der Wählbaren ausgestrichen würden. io. Diese von dem Lrziehungs-Rath vorgeschlagene» Verfügungen wurden von dem Minister der Künste und Wissenschaften den y. November igoo. in allen Punkten bestätiget, daher sie nun allen Inspektoren unser? Cantons abschriftlich mitgetheilt werden sollen. M. Gallen, den ir. November 1300. Der Präsident deS ErziehungsrathS v. K. Sänti-, Heer. Im Namen des Erziehungsrathel, Hartmarin, Aktuar« — 344 ist, zu verbessern. Er berathet sich daher , wie den vernachläßigten Schulen am leichtesten aufzuhelfen , was für gute neue Einrichtungen rum Besten der Jugend ru treffen seyen < und macht darüber Vorschläge an die Regierung. Er beantwortet alle Anfragen, prüft alle Vorschläge, welche von den B. Inspektoren, Geistlichen, Schullehrern oder andern Bürgern über das Schulwesen eines jeden Orts, oder für's allgemeine gemacht werden. Jedermann, wer etwas ru rathen oder vorzuschlagen hat, darf sich, wen« er will, frey an den Emehungsrath wenden, und wird von ihm Rath und möglichste Hülfe erhalten. — i Und damit er das alles desto besser thun, desto zweckmäßiger rathen könne, wie das Alte, das daran gut ist, könne erhalten, das Mangelnde ergänzt, das Fehlbare verbessert werden, so sucht er durch die B. Jnspeetoren, und durch Correspondenr mit allen Bürgern, welche das Schulwesen lieben, sich immer in genauer Bekanntschaft ru erhalten mit Schullehrern, ihrer Geschicklichkeit und ihrem Fleiße, mit dem Grad der Treue, in welchem die Eltern die Schulen für ihre Kinder benutzen, mit der Anzahl der Schulen, ob sie genugsam seyen für die Zahl der Kinder jeder Begend, und ob es nicht möglich wäre, hie und da Auch mit dem Schulunterricht noch Anleitung in nützlichen Arbeiten für Knaben, besonders aber für Töchtern zu verbinden? mit der Beschaffenheit und der Verwaltung der Fonds, aus denen bis dahin dis Schulmrkosten bestritten worden, um zu berathen, wie sie am besten verwendet, das Mangelnde ersetzt, wie würdige Schullehrer besser besoldet werden können. Ueber alles, was sie rathen, vorschlagen, thun, berichten sie fleißig an den Minister, und empfangen feine Billigung oder von ihm nöthig befundene Abänderung. r. In jedem Distrikt eines Kautons ist ein Schul- inspector, und jeder hat einen Suppleanten (Gehülfen), welcher ihm bey der weitläufigen Arbeit beysteht.*) Die Geschäfte, der zur Schulaufficht Berufenen haben Z Haupttheile. r. Ueber die vom Erziehungsrath ihnen zugeschickte *) Der Erziehunqsrath des Kantons Säntjs wählte in allen Distrikten, vorzüglich um derjenige» willen, welche katholische und reformirte Gemeinden enthalten, gerade 2 Jnspectoren, welche die Geschäfte miteinander theilen: in solchen Districten von zwey Religions» partheym wählte man daher einen katholischen und «inen reformirten Jns-ector; und'jeder übernimmt dabey die Sorg« für die Schulen seiner AeligionS-- »arthey. — 346 — Verordnungenzu wache»/ und darauf ru sehen, dass D sie genau befolgt werden. ge ^ Alle Gesetze und Verordnungen / die Schulen be- B treffend / werden ihnen zugesendet/ und sie machen de dieselben unter den Pfarrern und Schullehrern ihrcss ' wi Distrikts bekannt/ begleiten dieselben mit Erlaute- de rungen / suchen in Cirkularen oder durch mündliche he Belehrung diejenigen / welche jedes Gesetz oder li< Einrichtung angeht / von dem Nutzen und der A Nothwendigkeit derselben zu überzeugen/ und ru w freudiger Befolgung aufzumuntern. Wenn in einem ri allgemeinen Gesetz etwas enthalten ist/ was auf ihren d« Distrikt oder einzelne Schulen in demselben nicht an- N gewendet werden könnte / so zeigen sie das dem Eme- d> hungsrath an/ und erwarten dessen nähere Besinn- d mung. Sie richten ihr Augenmerk darauf/ daß K Niemand / weder Schullehrer, noch Eltern / noch ti Kinder sich willkührliche Ausnahmen von den gemach- n ren Verordnungen erlauben. Wo sich aber wichtige d Hindernisse zeigen / sey es, daß ein Schullehrer die d Fähigkeit nicht hatte, den vorgeschriebenen Unter- s richt in allen seinen Theilen zu geben, oder daß s t Kränklichkeit der Kinder oder ihre zu weite Entfernung vom Schulort, oder die Armuth der Eltern ! den fleißigen Besuch der Schule unmöglich machten; ; , oder daß eine Gemeinde zu schwach wäre, um ru der ! ! 347 — Verbesserung -er Schulanstalten das Ihrige beyzutragen/ oder was sich sonst für Schwierigkeiten der Befolgung der Gesetze in den Weg stellten: da mag der Schulanffeher für einmal -Ausnahmen gestatte»/ wird aber sogleich an den Erzichungsrath berichten, damit er berathschlage/ durch was für Mittel da ru helfen seyn möchte. Wo sich aber blos muthwil- lige Unfolgsamkeit zeigte / da werden die Schul- Aufscher zuerst durch freundliches Zureden/ und wo das nicht hilft, durch Beystand der Municipalitäten die Ordnung zu handhaben suchen, oder dann/ wann es unvermeidlich ist/ den Erziehungs- Rath angehen/ daß er durch höhere Behörden dem heilsamen Gesetz Ansehen ru verschaffen sich bemühe. — Es versteht sich also/ daß die Schul- Lehrer die Erinnerungen ihrer Aufseher mit Achtung annehmen / welche ihnen allemal nur wo es nöthig ist/ und mit Schonung werden ertheilt werden. In dringenden Fällen haben die Aufseher das Recht/ einen Lehrer von seinen Verrichtungen ru suspendieren/ bis er über wichtige Abweichungen vom Gesetz/ anderswoher zurechtgewiesen werden kann. -- 2. Durch sie erhält der Emebungsrath und durch diesen dann die Regierung die nöthige Bekanntschaft mit dem jedesmaligen Zustand der Schulen? denn sie besuchen alle Vierteljahre aufs allerwenigste einmal 848 dieselben, und lassen sich auch von Zeit ru Zeit von dem B. Pfarrer eines jeden Orts über den Zustand seiner Gemeindsschnlen Bericht erstatten; sie halten auch alle Jahre einmal ein ordentliches Examen, wobey die Schüler über den empfangenen Unterricht geprüft vnd durch kleine Geschenke ru fernerem Fleiß ermuntert werden. Sie bemerken: ob auch dasjenige gelehrt und erlernt werde, was ein Mensch ru wissen bedarf, wenn er wohlgeschulet heissen, in der bürgerlichen Gesellschaft brauchbar und für sich selbst glücklich werden soll? Sie richten also ihr Augenmerk sorgfältig auf den Schullehrer, und suchen durch sich selbst und mit Berathung der B. Pfarrer inne ru werden, welche Schulmeister, in Absicht auf ihren Charakter und Lebenswandel, in Absicht auf ihren Fleiß, Treue und Vaterlandsliebe, in Absicht auf ihre Geschicklichkeit, ihrem Amt Ehre machen, und verdienen ausgezeichnet ru werden. Die Schwachen muntern sie auf, die Fehlbaren weisen sie mrecht, und wo sie Nnbieg- same finden, da zeigen sie dieselben dem Erriehungs- rathe an, der dann auf Mittel denken wird, sowohl die Treuen aufzumuntern? und ru belohnen, als die Fehlbaren rmecht ru weisen. Sie sehen darauf, ob der Schullehrer nach Verdienen belohnt sey; ob die Schulgebaude rum Lernen und für die Gesundheit der Kinder die nöthige Ein- richtrmg haben, und wenn daran Wesentliches fehlt/ so machen sie dem Erziehungsrath Vorschläge, wie dem Mangel abgeholfen werden könnte. Sie bemerken vorzüglich: ob die Kinder die Schule fleißig besuche»/ und was für Hindernisse des fleißigen Besuches etwa vorhanden seyn möchten; ob es Armuth der Eltern/ oder zu weite Entfernung/ oder Eigensinn und Liederlichkeit derselben sey/ damit man dem Uebel wo möglich abhelfen könne. — Ueber alles dieses berathen sie sich mit den B. Pfarrern und Vorgesetzten des Orts / und machen darüber ihre Vorschläge an den Erriehungsrath / welchem sie alle Vierteljahre Tabellen über den Zustand der Schulen und der Geschicklichkeit der Kinder zusenden. — z. Zur Aufmunterung der Geschickten und Fleißigen/ sowohl unter den Lehrern als Schülern/ werde» sie bey ihrem Schulbesuch — in Verbindung mit den B. Pfarrern—durch Zureden/ Lob oder sanfte Zurechtweisung alles mögliche beytragen/ und die, welche es verdienen / ru billiger Belohnung und Auszeichnung dem Erziehungsrathe anzeigen. Sie werden ru eben dem Endzweck alle halbe Jahre die Schullehrer mit denjenigen Schülern/ welche den Vorzug derGcschick- lichkeit und des Fleißes haben/ zu sich einladen/ um «lt ihnen ein Examen vorzunehmen; diejenigen Schü- ier, welche ür dieser Probe wohl bestehen, und sonst durch einen guten Charakter sich auszeichnen, werden auf ein eigenes Ehrenverzeichniß gesetzt, das entweder in einem öffentlichen Blatt abgedruckt, - oder in den Kirchen, B. ekwa an Sonntagen, wo Schulpredig- ten gehalten werden, zu ihrer Ehre abgelesen wird. Ausserdem zeigen sie die geschicktesten und würdigsten Schullehrer dem Erziehungsrathe an, der nebst dem Minister der Wissenschaften, dem er davon Nachricht giebt, darauf denken wird, sie durch Prämien oder bessere Besoldungen ru belohnen, ihnen auch mit der -Seit auf einträglichere Schnlposten ru verhelfen. — Wenn sie selbst aus eigenem Büchervorrath oder mit Beyhülfe freygebiger Schulfreunde, eine Anzahl nützlicher Bücher unter den Schullehrern zirkulieren lassen können, so wird das für viele sehr lehrreich seyn. — Zu dem nämlichen Endzweck, welcher zur Aufmunterung der Lehrer und Schüler dienet, ist, daß alle Jahr ein Schulfest gehalten wird , an welchem eine Anzahl benachbarter Gemeinden, in Gegenwart des Statthalters, Unterstatthalters und anderer Beamteten des Bezirks, des Pfarrers und Schulinspektor-, öffentlich zusammen kommt, wo Eltern und Kinder, Lehrer und Schüler, welche vor andern, in Absicht auf Unterricht und Erziehung, Vorrüge haben, und die fleißigen Schüler durch kleine Geschenke belohnt werden. Aus jedem großen Bezirk wird jährlich dergeschick- teste Schüler ausgewählt, und dieser erhält dann von der Regierung, wenn seine Eltern es nicht vermögen, alle nöthige Unterstützung, um ru irgend einem Beruf, -er ausgebreitetere Kenntnisse fordert, gebildet rn wer» den. Die Schulaufseher des Distrikts können dieselben dem Erziehungsrathe vorschlagen. — Obigen gedruckten Instruktionen vom B. Minister sind noch, nebst der oben abgedruckten Vochschaft des Wollziehnngsdirektoriums an die gesetzgebenden Räthe, einige Fragen über den Zustand der Schulen an jedem Orte angehängt, die jeder Schullehrer doppelt, eines in Handen des B. Ministers, und eines zu Handen des Erziehungsraths beantworten mußte; allein ich setze hier nicht diejenigen vorn B. Minister her, sondern die Fragen über den Zustand der Schulen im Ranton Argau, von dem Erziehungsrathe daselbst, welche er den 9ten Jenner 1799 auf rc> Octavseitm (mit der Vorrede) abdrucken ließ, und worinn jene um vieles berichtiget und vervollständiget sind. Nachstehendes enthaltet diese Fragen: Im Allgemeinen. 2. Namen der Kirchengemeinde. L. Wie viel Einwohner enthaltet sie? 35 - 3. Wieviel Schulen'sind in der Kirchengemeinde? 4. Wann? und von wem ist jede derselben gestiftet worden? L. Von jeder Schule insbesondere. I. Lokalverhältnisse. 1. Der Schule selbst. Name des Orts/ in dem sich die Schule befindet? b. Welche Dörfer und Höfe gehören" zu dieser Schule? e. Wie viel Einwohner enthält dieser Schulsprengel? 6 . Welches ist die Entfernung der rur Schule gehörenden Dörfer und Höfe? s Welches wäre für jedes derselben die nächste legene Schule? 2. Des SchulhauseS. Hat diese Schule ein eigenes Gebäude/ oder wird in einem Mvathause Schule gehalten? d. Wie ist das Schukhaus beschaffen? c. Wird es noch ru einem andern Gebrauche bp stimmt? ä. Wird es bewohnt? Und von wem? c. Ist die Schulstube geräumig igenug/ um dir Kinder bequem ru fassen? k- Ist sie heiter? warm? enthält sie eine gesunde Luft? S. Dien» 353 §- Dient die SchulstuSe noch zum Wohnzimmer während den Schulstunden? K. Werden in derselben zur Zeit des Unterrichts noch andere Arbeiten verrichtet? II. Besoldung des Lehrers, r. Von wem wird der Lehrer besoldet? von der Gemeinde, oder von den Hausvatern? 2. Hat die Gemeinde einen eigenen Schulfond? Z. Wie hoch belauft sich das Kapital desselben? 4-, Hat der Lehrer freye Wohnung, oder muß er einen Hauszins bezahlen? 5. Hat der Lehrer den Genuß von einem Stück Laru des, Garten, Bündten rc. ? 6. Wie hoch belauft sich der Ertrag desselben? 7- Wie viel bekommt er stehende Besoldung? An Geld. b. An Früchten, Wein. c. An Holz. 8. Erhalt er neben dem noch ein Gewisses von jedem Schnlkinde? wie viel? 9. Hat er Gehülfen im Unterricht.? Wer bestellt sie? b. Wie werden sie bezahlt? in. Lehrer. r. Der Name und GeschlechtsNMk desselben? s. Sem Alter? Z, 334 — z. Seine Dienstzeit? 4. Sein sonstiger Beruf? Z. Sein Broderwerb oder übrige Beschäftigung? 6 . Seine Fähigkeiten als Schullehrer? s. Wie ist seine Handschrift beschaffen? b. Versteht er das Nöthige von der Rechenkunst? o. Versteht er den Gesang, ä. Liest er richtig, deutlich, mit Kenntniß der Sachen? 7. Wird der Lehrer überdieß noch zu einem andern Dienst gebraucht? Die Schuljugend. 1. Wie viel Kinder besuchen diese Schule? s. Wie viel Knaben? b. Wie viel Mädchen? 2. Sind Knaben und Mädchen gesondert, oder z» gleicher Zeit in einer Schülstube versammelt? z. Sind die Schulkinder in Klassen vertheilt ? 4. Wie viel sind dieser Klaffen? In welchem Alter werden die Kinder gewöhnlich in die Schule aufgenommen? 6 . In welchem Alter werden sie der Schule entlassen? V. Gegenstände des Unterrichts. 2. Werden die Kinder genugsam im Buchstabieren, Syllabieren und Lesen unterrichtet? rr. Was lernen sie aus dem Gedächtniß?^ g. Wie weit bringen sie es in der Schreiokrmst? 4. Wie wett in der Rechenkunst? Z. Wie weit in der Singknnst? 6. Was werden ihnen sonst noch für Kenntnisse bey- ^ gebracht? 7. Ertheilt der Schulmeister eigenen Unterricht in der ^ Religion, oder ist dieser ausschließend dem Pfar- ! rer der Gemeinde überlassen? 8. Welches sind die in der Schule eingeführten Schulbücher? ! 9. Werden den Kindern diese Bücher unentgeldlich ! gegeben, oder müssen die Eltern sie anschaffen? ! 10. Aus welchem Fond werden sie angeschafft? IV. Lehrart. , 1. Besitzt der Lehrer besondere Vortheile, den Kirr, ! dern das Buchstabieren und Lesen beyzubringen? > 2. Lernen die Kinder aus dem Buche und aus dem ! Gedächtniß buchstabieren? ^ Z. Wird ihnen erklärt, was sie lesen? l 4. Was wird in der Schule zur Erweiterung und ! Berichtigung der Begriffe gethan? Z. Herrscht ein natürlicher öderem singender Ton in der Schule? 6. Bedient sich der Lehrer rum Schreiben gedruckter Vorschriften, oder schreibt er ihnen seine eigene Schrift,vor? VII. Ordnungen und Schulgesetze. 5. Wann werden die Winterschulen angefangen? 2. Wann werden sie geschlossen? z. Wie oft wird wöchentlich im Winter Schul gehalten? s. Wie viele Stunden des Tages? 4. Wie oft wird wöchentlich im Sommer Schul gehalten ? ». Wie viele Stunden des Tages? Z. Wie bestraft der Lehrer die unfleißigen und ungehorsamen Schulkinder? 6 . Wie werden nachlaßige Eltern zur Pflicht angehalten , ihre Kinder zur Schule zu schicken? 7. Werden die Kinder förmlich der Schule entlassen, oder steht es an den Eltern, sie wiükührlich aus derselben zu nehmen? 8. Werden den Kindern Belohnungen des Fleisses ausgetheilt? 9. Worinn bestehen dieselben? 10. Sind neben den allgemeinen Ordnungen noch besondere Schulgesetze vorhanden? VIH. Gchulaufsicht.. 1. Werden die Schulen von einem Aufseher besucht? 2. Wie oft wird im Jahre Schulexamen gehalten? F. Zu welcher Zeit? 4. Wer ist dabey pflichtmäßig zugegen? 33 ? 5 - Sind diese Examen öffentlich? werden sie auch von den Eltern besucht? IX. Allgemeine Bemerkungen. 1. Ist der Lehrer geeignet, gute Zucht, Ordnung und Gehorsam unter den Schulkindern zu erhalten ? 2. Sieht er auf Reinlichkeit der Kinder? Z. Wird er von den Kindern geliebt? 4- Ist die Gemeinde mit dem Lehrer und seinen Verrichtungen zufrieden? II. Anrede bey der feyerlichen Einsetzung des neuen Zürcherschen Cantons - Erziehungsra, thes, der Erziehungscommissarien und ihrer Suppleanten. — Gehalten denDecember » 798 . von B. Heinrich Füßli. 8 . Zürich, bey Orell, Füßli und Compagnie. ;a S. Hl. Rede bey Eröffnung des Erziehungsraths, im Canton Baden, gehalten den 2. Jenner 1799. durch B. Fischer, Pfarrer zu Degerfel, den. 8 . Baden, bey Joseph Heinrich Rayser, 16 S. IV. Bericht über die erste öffentliche Sitzung des Erziehungsraths des Rantons Argau, den rs. Jenner 1799. L. zr. S. enthaltend: — 358 — Die Anrede des B. Negierungsstatthalterr Feer. 2. die Rede des B. I. Georg Fisch/ Professor und Mitglied des Erziehrmgsraths. V. Anrede bey der feyerlichen Einsetzung des Thurgauischen Erziehungsraths und der zur Schulaufsicht verordneten, gehalten vonB. Pfarrer Melchior Sulzberger den 2;. Hör» nung -799. Nebst einem Auszug aus den von der Regierung mitgetheilten Instruktionen. winterthur in der Zieglerischen Buchdruckerey. 8 . ;; S. VI. Einführung des Erziehungsraths und der Gchulinspektoren des Cantons Basel den 14. April 1799. 8 . Basel in der Schweighauser- , scheu Buchhandlung. ; S. enthaltend: 1. Anrede des B. Wieland, Präsident der Verwaltung und des Erziehungsraths. 2. Vortrug des B. Pfarrers Miville, Vicepra- sident des Erziehungsraths. 3. Verzeichnis der Mitglieder des Erziehnngs- Raths, der Schul - Inspektoren und ihrer Gehülfen rm Canton Basel. 359 VII. Reden bey der feyerlichen Einsetzung des Erziehungsrathes und der Schulinspektoren des Lantons Säntis, gehalten den Merz i8oo. 8. Sn Gallen, bey I. I. Hausknecht. ;; S. enthaltend:. Anrede des B. Regierungsstatthalters Joh. Caspar Volt an die Erziehungs - Räthe und Schulinspektoren. 2. Anrede des B. Administrators Hautli, als dermaligen Präsidenten des Erziehungsrathes. Z. Rede des Erziehungsraths Gregsrius Grob, von Lichtensteig. 4. Biographie des schnell verstorbenen B. Er- ziehungsraths Joh. Joachim Girtanner, laut Auftrag von dem Erziehungsrath des Cantons Säntis bearbeitet von Joh. Michael Fels, Professor. In allen diesen einzelnen Reden von Nro. ll-VII. suchten ihre B. Verfasser die Nothwendigkeit und Nutzbarkeit der Verbesserung im schweitzerischen Schul- und Erziehungswesen umständlich und überzeugend, darzuthun. — Z6o — VIII. von der dringenden Nothwendigkeit/ sich der helvetischen Schulen und Lehranstalten von Staats wegen anzunehmen. — Ein Work an alle das Vaterland und ihre Rinder liebenden Bürger/ von IohannesSchultheß, Lehrer der alten Sprachen am untern Gymnasium in Zürich. 8. -7v8. -6 S. Der verdienstvolle B. Verfasser zeigt hierin» vorzüglich, wenn in einem repräsentativ-demokratischen Staate wahre Freyheit wurzeln, gedeihen und fortdauern solle, so müsse Erziehung und Unterricht, und zwar gleichartiger, jedem Bürger in allen Gegenden des Landes zugänglicher, öffentlicher Unterricht eingeführt werden. — Für Gesetzgeber und Regenten könne also kein Gegenstand wichtiger und dringender seyn, als die Schulen und Lehranstalten aller Art. Zudem besitze man eine Menge lautsprechender Thatbeweise, die von der Empfänglichkeit und vom Verlangen des Volkes nach Befestigung, Verbesserung und Vermehrung der Schulanstalten zu Stadt und Land mehr als laut zeugen. Im schwelgerischen Republikaner, m. Band, S. >8 — findet sich eine Fortsetzung von obigem Bogen, unter der Aufschrift: „Einige Gedanken über das Verhältniß der wissenschaftlichen An- — Anstalten , der Schulen und Riechen zum Staate, von Johannes Schultheß," worinn er zeigt: daß die Schulen und Lehranstalten überhaupt noch an? einem hohem Gesichtspunkte betrachtet werden können , in welchem sie dem Staate nicht untergeordnet erscheinen, sondern neben oder sogar über demselben ihre Stelle behaupten. IX. Einige Gedanken und wünsche, die Riechen, Schulen und ihre Diener betreffend. Seinen Mitbürgern Zu Stadt und Land zur Beherzigung vorgelegt, und zum Besten der Schule auf der Steig in Druck gegeben von I. Iac. Metzger, Professor. Schaffhaufen, in der Hurterifchen Luchdruckerey. 1798. 8 . ;8S. _ Der B. Verfasser zeigt mit äußerst vieler Wärme und Herzlichkeit, dajWnsere gegenwärtigen Zeitnm- stände nicht bloß eine zweckmäßigere Einrichtung der öffentlichen und besondern Unterweisung in der Religion, sondern auch überhaupt erne Verbesserung des gesamten Schulunterrichts zu Stadt und Land erfordern. Er dringt daher auf Vervollkommnung der Töchterschule lin der Stadt — auf Unterrichts- anstaltenMr Bildung für alle Schullehrer r über- — Z62 — Haupt — auf bessere Schulmeister - Einkommen — und endlich auf zweckmäßige Erbauung oder Einrichtung der Schulhäuser; alles Gegenstände, deren Nothwendigkeit nie allgemeiner anerkannt, deren Ausführung von allen Gut- und Edeldenkenden unsers Vaterlandes nie sehnlicher gewünscht wurde, als in unserm jetzigen Zeitpunkte. X. Rurzer Entwurf einer Rreisschule, welche zu AIbisaffoltern veranstaltet werden könnte. Niedergeschrieben am Brachmonat -8oo. von Hs Rndolph Maurer, Pfarrer. — Aus einer weitläufigen Abhandlung über solche Landschulen, welche nebst der Nachricht vom Erfolg dieses Blatts gedruckt werden wird. / 8. Bey Heinrich waser. 8 S. > Nach obigem Plane des sehr erfahrnen B. Verfassers sollte in dieser Schule einerseits das, was in der Dorfschule erlernt worden: Lesen, Schreiben, Rechnen, fortgesetzt und vervollkommnet, anderseits aber auch Unterricht in neuen Fächern ertheilt werden, in so fern dieselben gemeinnützig, dem Landbür- ger wichtig, und dem jugendlichen Alter angemessen j sind, nämlich Religionsunterricht; deutsche Sprache j nach Regeln tzund mit- Leseübrmgen; Erdbeschreibung; ! z6z — Geschichte; Naturgeschichte; Meßkunst, und endlich die heut zu Tage ausgemachten Gründe der came- ralischen und landwirthschastlichen Kenntnisse. — Die Eltern der Schüler müßten sich zum Voraus verpflichten/ letztere z Jahre lang die Schule besuchen zu lassen. — Wöchentlich würden in Z Tagen 24-2z Stunden auf die Schulen verwendet. — 20 Knaben machten die kleinste/ und 25 die grösteZahl der Schüler aus. Die Unkosten würden sich — auf 20 Schüler berechnet — für den Unterricht eines jeden Einzelnen in allen z Jahren nicht über Z Ld'ors oder 30 Zürcher Gulden belaufen/ müßten aber auf die 3 Jahre garantiert werden. Dagegen würden aus der Klasse der weniger begüterten Landbürger 4 Knaben von Kopf und Herz und reifem Alter, auf Empfehlung der Municipalitäten und Pfarrer ohne Bezahlung unterrichtet werden. Ueber den Erfolg dieser äußerst vortheilhaften Ankündigung giebt der verehrungswürdige Verfasser folgenden Bericht: „Aus der Anstalt wird sehr wahrscheinlich — aus mehreren Gründen — nichts. Nur 2 einzige Knaben wurden zur Schule, so wie sie projektirt war, mir empfohlen. Von etwa andern hörte ich wohl, allein dem Einen waren z Jahre?;u lang; andere vermißten die französische Sprache. Einige will bedünken. 36 es bedürft für den Landmann so großer Anstaltei; nicht; und ein seine Welt wohl kennender Mann vermuthete, der Mangel eines einzigen Artikels bringe alles in Stecken: »»daß nämlich nicht eine Entschädigung für den zu machenden Zeitaufwand für die Eltern der Knaben ausgesetzt und versprochen worden.«" Im Ernst von einer so gar ernsthaften und wichtigen Sache, so scheint jeder Vorschlag dieser Art noch zu frühe. Man sollte den Frieden und die Ruhe des Vaterlandes, man sollte die Bekanntmachung der Grundsätze der Regierung über dir Erziehung der. jungen Bürger, man sollte frohere, gewissere Aussichten in die Zukunft, und, statt gegenwärtiger Erschlaffung und Gleichgültigkeit, den Zeitpunkt nicht ausbleibender Thätigkeit und Frohsinns abwarten. Allerdings scheint es j daß unser Landvolk noch keinen Geschmack an Kenntniß und Wissenschaft, die nicht bald und reichlich Brod ins Haus, Ehre «nd Gewalt mit sich bringt, und schon zum Voraus in Perspektiven zeigt, habe. — Ware dies richtig, so möchten immerhin Wissenschaft und Kenntniß höherer Art im Grabe schlafen, und ein anderes Menschengeschlecht zum Auferstehen abwarten. Allem so habe ich auch nie an dir große Menge bey der projektierten Schule gedacht. Wolle Gott nicht, daß es unter uns auf dem Lande ein allgemeiner Wunsch werde, den PsiÄ an die Feder, das Feld an ein Musäum, und die harke Arbeit an das wollüstige Bücherlesen zu vertauschen! Vielmehr wünsche ich nichts sehnlicher, als daß von so vielen kernhasten Stadtbürger-Familien mehrere Dutzend sich anf dem Lande als ächte Bauern ansiedeln, und das glückliche Erwerb, den Boden rum Schuldner zu machen, anstatt Menschen zu treiben, anfiengen; denn nach vierjähriger Erfahrung kenne ich keinen richtigern Zinser, als unsern lieben Herr Gott, und keine freyere, unabhängigere Lebensart, als die eines Landbauers, der selbst Hand anlegt. Konnte ich den starkem meiner Söhne aufs Land und in eine leidliche Lage setzen, es sollte mir wohlthun, ihn nach seinem und meinem Sinne glücklich zu machen. — Also der simple Landmann bleibe in Gottes Namen in seiner Sphäre! — Wen aber Genie, Reichthum, Verhältnisse, Geschmack und glückliche Umstände zu etwas Mehrerem bestimmen, wer auf irgend eine Stelle, wo unwissend seyn Schmach und Verlust nicht nur dem, der sie entehrt, sondern dem Vaterlande, der Gemeinde zuzieht, lüsterne Blicke wirft, wen das Vaterland vom Pfluge zu irgend einem Scepter ruft , und wär's zu dem Schulstabe, dem sollte es nicht lästig seyn, einen Theil seiner Zeit auf unentbehrliche Hülfskenntnisse ru verwenden. Indessen — z66 däucht mich, sollte jene Schule die hohe Schule im ländlichen Distrikt seyn, und alle höhern Anstalten, alle Kunstschulen, Seminarien, und wie sie hassen mögen, die wie eine große Fabrike ein ganzes Land umfassen, nur da etabliert werden, wo zusammentreffende Umstände es von allen Seiten anrathen." — XI. plan einer republikanischen Schule. Niedergeschrieben in Bern den May 1798. von I- I. Stapfer, Pfarrer aufderNidegg. 8. -5 S. Auch dieser Plan blieb bis dahin ohne Ausführung. XII. Die Lehrer des republikanischen Gymnasiums an ihre Mitbürger. Bern den 22. Christmonat 1798. 8. 8 S.*) B. oberster Helfer Müslin zeigt hierinn die Umänderung des vorhinigen politischen Instituts in ein republikanisches Gymnasium an, und ladet die Eltern ein, ihre Unterrichts bedürftigen Söhne darum in *) Ich muß hier vorläufig bemerken, daß ich in Zukunft auch Aufsätze und Nachrichten nicht nur über die niedern, sondern auch über die höhern Schulen und Institute HelvetienS in meine Bibliothek aufnehmen werde, und also hierinn meinen ersten Plan abändre. der Religion/ Philosophie / Mathematik/ in der Constitution und der helvetischen Geschichte / im deutschen Styl/ in der lateinischen Sprache und den römischen Alterthümern, in der Erdbeschreibung und der Zeichnungskunst unterweisen zu lassen. XIII. Beantwortung der Frage: Ist es gut, wenn die französische Sprache in unsern Volksschulen öffentlich gelehrt wird? Von B. Pfarrer Maurer in Albisaffoltern. ( Abgedruckt im neuen,Helv. Volksblatt/ II. Heft/ ! 7. und 8. Bogen.) Die Hauptsache dieses höchst beherrigungswerthen Aufsatzes verdient hier in Nachstehendem gewiß eine Stelle. Indem ich diese für die in Zukunft zu veranstaltenden Volksschulen wichtige Frage verneinend beantworte/ (sagt der B. Verfasser) spreche ich der französischen Sprache die mannigfaltigen und großen Vortheile nicht ab/ welche sie unbestritten für einzelne Personen und mehrere Berufs- und Erwerbsarten hat. Mögen immerhin zum Handel bestimmte Jüng linge auf dem Lande/ wie in den Städten / sie allenfalls in eignen für kaufmännische Absichten zu errichtenden Anstalten erlernen. Wögen junge Aewe 683 sich bannn eine Fertigkeit verschaffen, um die berühmten medicinischm Institute Frankreichs zu besuchen. Mögen Künstler und Kunstliebhaber sie reden, welche, sey's in Frankreich oder in andern Ländern, sich auf Reisen mehrere Vervollkommnung und Befriedigung für ihren Geschmack verschaffen wollen. Junge Gelehrte werden sie aus mehr als einer Absicht nicht entbehren. Und da sie der wundersame Dietrich ist, der, mit der leicht zu erwerbenden französischen Artigkeit in Manieren, überall Auslands bey Zutritt in Gesellschaft und Häuser öffnet, die den guten Ton kennen, die Sprache wohlerzogener Städter und guter Wirthshäuser ist, so versäume sie immerhin Niemand, der auf dieses Verdienst in und außer dem Vaterland Anspruch macht. Auch wird der Bürger, welcher sich Hoffnung auf Regierungsstellen und Beamtungen in einem Lande macht, dessen Regenten und Gesetzgeber in 3 verschiedenen Sprachen zugleich reden, sie noch weniger als so viele andere Kenntnisse missen können, wenn er nicht in den wichtigsten Angelegenheiten von Dollmetschern abhängen, und nicht nur die Schattierung, sondern oft die Richtigkeit so vieler Vortrüge französisch redender Gesetzgeber u. s. w. ermangeln will. — Solche eben nicht sehr enge Grenzen wünschte ich indessen der jert so sehr-aufbrausenden und gährenden Lieb- — 369 — Üiebhaberey für diese Sprache. Sie sollte meiner Bedünkens nicht in Volksschulen und am wenigsten auf dem Lande eingeführt/ nicht in meinem deutschen Vaterlande allgemein gemacht / weder als Pflicht der hervorhebenden Jugend aufgelegt/ noch als wesentlich für den Landmann betrachtet werden, der in stiller Eingezogenheit sein väterliches Feld bauen, seinem Handwerk im Vaterlande obliegen, seine Ge- meind- oder Berirksangelegenheiten besorgen oder im Schovs seiner Familie sein Leben als Privatbürgre beschlieffen will. Dunkeln Gefühlen und einmaligen Bedürfnissen, welche das traurige Schicksal Helveticas in der vorübergehenden Nevolutions - Periode plötzlich erweckt hat, solle nicht in dauernde, allgemeine, ländliche Erziehungsanstalten ein übereilter Einfluß gestattet werden. — Oder sollte die Behauptung ungereimt seyn, daß, obige Ausnahmen ausbedungen- die GemeinmachunK der französischen Sprache durch regelmäßigen und öffentlichen Unterricht eine unnöthige und vergebliche Bemühung des Geistes- eine drückende Last und eine schädliche Unternehmung wäre? Man überlege folgende Gründe, die freylich eine vollkommnere Erlernung der Sprache nach Regeln und Grundsätzen angehen. Für's erste ist die Erlernung einer Sprache- die Sk a — 37 « — mit der Muttersprache so wenig Aehnlichkeit hat, ein so weitläufiges, vieljähriges Werk, daß der ar Nutzen und die Anwendung in keinem Verhältniß ^ mit der Anstrengung und dem Aufwand von Zeit und Mühe stehet, welche sie in öffestlichen Schulen ^ ^ kostet. Man vergesse nicht, daß man von ruhigen ^ j„ Bürgern iu Städten und auf dem Lande redet, die ^ H ihre Heimath und ihr Vaterland nie verlassen, in teständigem Verkehr mit deutschen Mitbürgern leben, ist nach keinen hohen Bedienungen oder litterarischen yl, Verdiensten streben, und mit ihrem häusliche» Glück tä zufrieden, nichts als redliche Bürger, allenfalls Beamtete der Gemeinde oder des Bezirks seyn wer- ^ den. Man besuche neue Schulen, wo eine fremde ^ Sprache nach Grundsätzen gelehrt wird, man frage erfahrungsreiche Männer, die davon genaue Kennt- niß haben, man überdenke die Art und Natur einer ^ Sprache, die ein aus vielen Theilen bestehendes Ganzes, ein großes Gewebe von unzähligen Worten, u„ Redensarten und Wendungen ist, davon jedes ein- ^ zelne seine Bedeutung und Regel hat; man vergesse vil nicht, daß eine erste nach Regeln und Zweck gelernte > re, Sprache vielfache Schwierigkeiten hak, die bey je- w> der folgenden, die man lernen möchte, wegfallen; E daß man in einer Schule auf mittelmäßige Schüler S Rücksicht nehmen , und einen langsamern Gang , als re bey Privatunterricht geheim muß: und man wird billig anstchn, damit das Volk, und wär's die Auswahl desselben ;u beladen. Demnach erfordert nicht Nur die gründliche Erlernung einer fremden Sprache fast unzählige Uebungen im Reden und Schreiben; sondern die Arbeit ist rur Hälfte vergeblich, wenn nicht häufige Uebung mit Lesen, Reden, Schreiben, sie, nachdem sie erlernt ist,, bey Leben und Kraft erhält. Aus Mangel an Anlaß sie anzuwenden, und ohne Gebrauch im alltäglichen Leben von derselben zu machen, sinkt die allenfalls in der Schule erworbene Fertigkeit in bloße lücken- und fehlerhafte Fähigkeit zu reden, in lästige und peinliche Anstrengung bey seltenen Gelegenheiten, endlich in gänzliches Unvermögen, ein Gespräch fortzusetzen und eine 'Schrift zu vollenden, zurück; und daß dieß der Fall auf dem Lande gewöhnlich sey und seyn müsse, mögen meine Bruder, die Landprediger, und wer mit ihnen auf dem Lande lebt, durch ihre Exempel beweisen. Was soll den Landsaßen von diesem Verfall seiner mühselig erlernten Sprache retten? Beweist nicht dieß sogar stark genug, wie, wenig Vortheile der Bürger von der französischen Sprache erndtet, der sie nicht durch Lesen guter Schriften unterhalt, und wenigstens diesen Vortheil derselben beybehalten kann? Einmalige Schrecken Aar; unter dem Gewühls der sich bey uns aufhaltenden Franken und die Unkenntnis dieser beyden Schwierigkeiten scheint allein den Drang, französische Schulen auf dem Lande zu errichten , erregt, so wie die Entfernung der Franken und die Erfahrung , was das sagen will, eine neue Sprache gründlich ru lernen , ihn wieder gedämpft zu haben. In Schulen thut eine solche Betreibung einer fremden Sprache allem andern Unterricht, mehr als man gemeiniglich denkt, unersetzlichen Eintrag. Auch hier mag die Erfahrung sprechen. Wenn man nicht die Hälfte der Schulstunden, und was noch mehr sagen will, das größte Interesse, die meiste Anstrengung der neuen Sprache zuwendet, auf Vorbereitung, Eedächtnißübungen, Wicderhohlung und andere nöthigen Uebungen mit unnachläßiger Aufmerksamkeit und Strenge hält, und offenbar einen Ehrenpunkt aus der Geschicklichkeit in der Sprache.macht; so -klangt man nicht leicht rum Zweck. Noch hat der deutsche Knabe, der Landmann für den richtigen und achten Ton und die wahre Aussprache schwere und ungewohnte Organe. Je mehr ihr aber die Sprache durch Lob und Tadel, Strafe und Belohnung rur Hauptsache erhebt, desto mehr werden die Sachkenntnisse gedrängt, herabgewürdiget, und daher versäumt wrd vernachläßiget. Das ist der Fall mit der.kam- 373 nische» Sprache in den Schulen zu Zürich; und ähnliche Erfahrungen kann man überall sehen. Der jugendliche Geist ist nicht allem gewachsen. Zwey solche französische Landschulen im Bezirk Mettmenstätten, wo es weder den Lehrern noch den Schülern an treuem Fleiffe fehlte, sind nach kurzer Dauer wieder eingegangen. Die Liebhaberey und mit ihr Fleiß und Ernst wendet sich auf die Seite der Ehre, des Lobs, der Beförderung , oder auch des Gelingens, der Leichtigkeit in den Fortschritten, des Wetteifers. So ist der Wille kaum kräftig, die Zeit kaum lange, die Arbeitsamkeit des fleißigen, aber nicht vorzüglich begabten Schülers kaum ausdauernd genug, um alles zu umfassen. Die begün- .stigte Sprache überschlägt, enget ein und erstickt die reellen Kenntnisse. In dem Grad also, in welchem ihr wünschet, daß euer Schüler ein Schönschreiben ein guter Rechner, ein in der Natur - und Menschen- geschichte, Erdbeschreibung, und besonders in der nähern Kenntniß seines Vaterlands, und in unmittelbar! nützlichen, immer brauchbaren, täglich anwendbaren Geschicklichkeiten vorzüglicher Mann werden möge, müßt ihr der neuen Sprache Stunden, Arbeiten und Kräfte entziehen, das heißt, sie entweder ganz aus dem Kreis des öffentlichen Unterrichts weglassen oder — 374 nur obenhin behandeln. Für Letzters möchte eine andre Methode rathsamcr seyn. Wenn gründliche Erlernung der französischen Sprache den angezweifelt großen, gedoppelten Nutzen verschafft, einerseits Fertigkeit im Lesen, Schreiben und Reden einer so ausgebreiteten, lebendigen Sprache; anderseits Aufhellung des Kopfs und Fertigkeit im Nachdenken: so siele zwar bey Entfermmg dieser Sprache aus dem Schulunterricht der erstere für den stillen Landmann zufällige und seltene Vortheil weg; aber der andere für's ganze Leben, und für Geist und Herr so wichtige, täglich und stündlich anwendbare Vortheil, der wesentlich zu jedem guten Unterricht gehört, liesse sich durch gleichförmige, gründliche Erlernung der Muttersprache ersetzen. Man laugnet auch hierum den großem Vortheil des Studiums zweyer Sprachen zugleich und ihrer Ver- gleichung nicht; allein das mag mehr für Gelehrte, Bücherschreiber und Philosophen wichtig seyn. Der arbeitsame Bürger und Landmann leben in andern Würkungskreisen, welche diese Genauheit leichter entbehren. Die Uebung im Nachdenken, die Anstrengung der Aufmerksamkeit, die Gewohnheit, Regeln auf einzelne Fälle anzuwenden, welche die regelmäßige Erlernung seiner Muttersprache, nebst Leu vielfältigen Vortheilen, welche auch die deutsche Grammatik für anderweitigen Gebrauch, von dem hier nicht geredet werden kann, verschafft, ist wahrlich alles, was nicht nur der Privatbürger, sondern auch der Schulmann, der Beamtete, der Volksredner bedarf. Geschäftsübung vollendet bey dem an Ordnung und Regel gewöhnten Kopf weit nützlicher in That und Wahrheit, was die fremde Sprache mehr mit Worten und leeren Begriffen geleistet hatte, Gründlichkeit und Gewandtheit des Geistes. Offenbar aber erfordert Aubauung feiner Muttersprache, zumal für einen schon 12- oder mehrjährigen reifem Schüler, nicht den dritten Theil der Zeit, Anstrengung und Selbstverlaugnung, welche die Erlernung einer neuen und fremden Sprache kostet; und laßt sich die Erstere sogleich auf die übrigen Unterrichtsstunden anwenden. Ist es aber dem künftigen Geschäftsmann, wie es zu vermuthen ist, nur um Fertigkeit im Reden und Schreiben der französischen Sprache zu thun, so wird er dazu auf einem weit kürzern, leichtern und angenehmern Weg gelangen, wenn er, mit wenigen nothdürftigen Principien versehen, sich in den Schoöß einer pur französisch redenden Familie im Leman wirft; und auf eben die Weise die fremde Sprache reden und schreiben lernt, als er seine Muttersprache sich eigen gemacht hatte; oder in allerlei- Gestalten, — 376 — alskadenjunge, als Lernjunge eines Handwerks n.dgk. eine Stelle sucht, wo Nothwendigkeit ihn verpflichtet , die Sprache ru lernen. Besonders werden in diesem Fall die Kosten durch die Art von Tausch deutscher Kinder gegen welsche für eins oder zwey Jahre erleichtert, die heut zu Tage nicht mehr selten find. In einer nach eben denselben Grundsätzen uud Gesetzen regierten Republik, solle man desto geneigter tu solchem Wechsel seyn, da der deutsche Knabe in der französischen Familie und der französische in der deutschen Haushaltung noch manches andere als die Sprache lehrt und lernt, und überall Schulen besuchen kann. Aeltere Knaben würden als Soldaten in französischen Compagnien, als wandernde Handwerksgesellen in französischen Plätzen ihre Absichten erreichen. Für Begüterte sind Pensionen, die ich aber, durch eigne Erfahrung gewitzigt, weniger empfehlen möchte. Ein Jahr oder zwey werden durch nothge- drungene und alltägliche Uebung bey weniger Neben- -hülfe einer Grammaire mehr ausrichten, als drey Jahre in der besten Schule. Wir wollen also Deutsche bleiben! Unser Volk im Ganzen und Großen bleibe ein biederes', ei- Lenes, kernhaftes Volk, wofür es der Franke und Lemanex selbst schätzt, so sehr viel er an demselben ru dccrassieren und ru verfeinern, vermeynt. j Irre ich? wenn ich besorge, mit französischer Sprache und Leserey, und mit dem Umgang mir Franzosen in und ausser unserm Vaterland möchten manche französische Begriffe, Wünsche, Neigungen, Grundsätze, ^ Sitten, Manieren, ein ganz andrer Sinn sich ver- ^ breiten, der mit deutschem Ernst und Fleiß, mit ^ deutscher Kraft und Kcrnhcit übel harmoniert. Das Nöthige von französischer Artigkeit, Gewandtheit, Kunst und Manier wollen wir von den neuen Verbindungen unsers Vaterlandes in seinen Theilen mit der Zeit erwarten, und von denen aus unsern Mitbürgern, schon filtrirt, gewählt und angepaßt, annehmen, die edel und von großem Sinn, Gold und Schlacke zu unterscheiden verstehen, und in eignen oder Staatsangelegenheiten, aus Pflicht oder ^ Neigung, Sprache und Sitten der Franzosen kennen ^ gelernt haben. M befürchte, Allgemeinheit der Sprache würde uns zu tief in ihr ganzes Thun und Wesen versetzen, wie denn ohne dieß die Nachah- - mungssncht nur allzu sklavisch Gutes und Böses ! ununterschieden von der großen Nation annimmt, ' und die Sprache selten ohne das Uebrige, was Sitte und Mode heißt, unser Vaterland besucht, da die reellen, würdigen, edeln Erfindungen und Tugenden der gepriesenen Nation auf andern Wegen uns nicht unbekannt bleiben. 378 Schon die hohe Einbildung der französisch redenden Deutschen auf, ich weiß nicht welche Vorzüglich- keit, die ihnen die Sprache verschaffen soll, möge uns ein warnendes Zeichen seyn! — Sollten diese Gründe Kennern zu unwichtig vorkommen, die französische Sprache von einer Rreisschule auf dem Lande auszuschließen, welche ganz Volksschule seyn, ganz auf die Bedürfnisse der Landschaft berechnet werden sollte; so ist mein Ohr und Herr jeder gründlichen Belehrung offen. Maurer. XIV. Geographische Tabelle zum Behuf des Studiums der allgemeinen Geschichte, und Anleitung zum Gebrauch derselben — leztere in 8 . Zürich, bey Joh. Caspar Füßli, 1784. ss S. Diese für jeden Lehrer der Geographie und Geschichte höchst interessante Vorschläge, die den schon mehr erwähnten B. Pfarrer Maurer zum Verfasser haben, verdienen, gewiß! weit allgemeiner gelesen und benutzt zu werden, als es mir bis dahin dabey der Fall gewesen zu seyn scheint. Anstatt hier einen Auszug daraus zu liefern, verweise ich lieber den 379 Wißbegierigen auf das Ganze, das jeder Buchhändler vorn Verleger verschaffen kann, und rückt dagegen einige Bemerkungen ein, die mir der vereh- ! rungswürdige B. Verfasser über dieß sein Werk erst , kürzlich mitzutheilen die Güte hatte. Folgendes sind seine eigenen Worte: » Als ich in den Jahren 1792 -1792. Vicariats- weise die Lehrerstege in der zten lateinischen Classe in Zürich versah, waren unter andern 2 Stunden dem Unterrichte in der Geschichte nach Anleitung des j Schröckischen Lehrbuchs bestimmt. Diese 2 Stunden unter 24 - 26 andern machten mir nicht die wenigste Sorge, wenn etwas Fruchtbares herauskommen, und weder ein bloßes Gerippe und Nomenclatur mit schulmeisterlicher Gewalt den Schülern eingeprägt, noch die Stunden, zwar für die Bildung des Gemüths , in Rücksicht auf Empfindung und Moralität nicht vergeblich, aber doch ohne den eigentlichen Zweck ;u erreichen, mit rührenden oder seltsamen oder durch andere Reihe einnehmenden Erzählungen angenehm hingebracht werden sollen. In der That scheint es unläugbar, daß in dem öffentlichen Unterricht eine Grundlage von ausgewählten und unbe- zweifelten Thatsachen ohne alle Umständlichkeit, als in so ferne ohne dieselbe der Datum nicht gefaßt werden kann, gelegt werden sollte; und daß Hingegen durch häusliche LekLur '.die Blumen ausgemahlter Er- ' Zahlungen in den in der Schule gespannten Zettel ein- gewoben werden müssen. Der belesene Bürgermeister ^ Löw von Zürich, Verfasser des großen Lexrcons, ließ seinen Sohn, den ehmaligen Rathsherrn Löw, aste ^ Monate das damals beliebte Holbergische Compen- yium aus dem Gedächtniß hersagen, damit unvergänglich gewisse Zahlen, Namen und Thaten in seinem Gedächtnisse blieben. Ohne unaufhörliche Wiederholung behält der Schüler dieß Gerippe nicht, und ohne diese Osteologie läßt sich die Geschichte beym Lesen der historischen Schriftsteller nicht leicht reihen; und ohne sich orientieren ru tönnei^, fällt > aller Segen der allgemeinen Geschichte weg, uni> wir hänfen regellos und unbrauchbar Steine auf Haufen, ohne daß ein Wohnhaus oder Tempel ent- sieht, den sich die Geschichte in jedem Kopf wünscht. Ja meines Vedüukens kann der Staatsmann und jeder andere, der der Beyhülfe der Geschichte bedarf, der Chronologie so wenig als der Geographie entbehren, wenn er nicht mehr oder minder lächerliche oder j in pmxi schädliche Schnitzer machen darf. — Sehen Sie die Ursache, die mich bewogen, auf allen Seiten nachzudenken: wie meinen Schülern' dieß trockene Wesen theils erleichtert, theils gründlich und unauslöschlich fest eingeprägt, theils handgreiflich klar > gemacht werden könne. So ist eine Reihe von selbst verfertigten geographisch - chronologischen Tabellen entstanden, womit einen eben nicht oft wiederholten Versuch gemacht habe. „Ueber den eigentlichen Zweck, die Einrichtung, ! die Vortheile dieser Tafeln schreibe ich Ihnen nicht, sondern lege eine kurze Abhandlung bey, die — obschon gedruckt — doch, soviel ich weiß, nie in den Buchhandel gekommen ist. Erlauben Sie, darüber nur dieß zu bemerken: „a. Daß die Arbeit nur ganz mechanisch und gar nicht über die Fassung i2-i6jähriger Schüler ist, die einen Cups von Geographie und Chronologie nach ^ Schröck gemacht haben, so dürftig er seyn mag. ^ „b. Daß seit diesem Versuch das Mentellische Werk -) diese Art von Arbeit zwar nicht überflüßig gemacht, aber gar sehr für Lehrer und Schüler erleichtert hat. ^ „c. Daß die Tabelle, theils um Kosten zu ersparen, theils um recht viel daraus zu lernen, überladen und zu enge ist. Namenlos wird sie Schülern in die Hand gestellt, und unter Augen des Aufsehers ein *) Nämlich: die vergleichende Erdbeschreibung mit sehr - vielen Karten; die Aufgabe wäre nun: diese reiche Sammlung von Vcrgleichungen Lurch die Schüler in wenige allgemeine Tabellcii auszugsweise »wMn zu lassen. — 38r und andere verfertiget, allein die übrigen können von jedem mit leichter Kunst bey Hanse verfertiget werden. ,,cl. Daß man dieselbe nicht nur geographisch, sondern auch historisch behandeln kann. „e. Daß man theils zusammenhangende Notizen, theils einzelne und trockene Namen und Facta eintragen kann. „Uekerhaupt in einer Reihe von 34-36 solcher zusammengereitzter Tafeln kann sich ern Schüler der Geschichte, meines BedünkenS, ein selbst verfertigtes Compendium nach Schrvck oder jedem andern Verfasser verschaffen, das durch die Arbeit selbst sich ihm tief im Gedächtniß und den Sinnen einprägt, und durch die Vereinigung der Chronologie mit Geographie anschauendere Begriffe und vollständigere Ideen giebt, als keine andere Methode. — Alles war Privatversuch, nach dem sich das Collegium der Schulinfpection damals nicht anders, als wer Liebhaber der Geschichte war, aus Nengierde ein wenig umsah. — " XV. ABC Buch für Rinder. Arau bey Friede. I das Buchstabieren und Lesen; allein diese könnte den , Wc Lehrern auf eine andere Art mitgetheilt werden, so spri daß sie nicht von jedem Kinde, das, so wie die i allermeisten Eltern keinen Gebrauch davon macht, gekauft werden müßte. Auch das ABC Blatt in 4to halte ich für gant überflüßig, indem die ABC Tafel in fol. und das ABC Buch für jedes Kind hinreichend ist. XVl. Buch» 38A 'chcir XVI. Buchstabier - und Lesebuch zum Gebrauch und deutscher Schulen. Stein am Rhein, in Lom- Srrch Mission bey Joh. Georg Schmid, Buchbinder, 1794. r6G. Von Johannes Büel, Helfer zrr nstee Hemishofen. idelk ' eben Dieses kleine ABC Buch, Wovon das Stück, gen, geheftet nur 4 kr. kostet, - macht allen seinen mir be» . — kannten Namensgenoffen mit gröstem brecht den Rang veim streitig, und ist von dem Erziehungsrath in Basel wie allgemein in den dortigen Landschulen eingeführt wor- than den. Ausser den ersten Anfangsgründen der deutschen ? ^ Sprachlehre, enthält es: Mftählung der verschiedenen sung Namen von Bäumen, Baumftüchten, Feldftüchten, nden Blumen, Garienfrüchten, Metallen, Farben, Spei- nder fen und Getränken, Handwerkern, Thieren, und ei- über ^ niger ihrer Fähigkeiten rc.; ferners ähnlich lautende den ! Wörter, und endlich einige Sprüchwörter, Sitten- , so sprüche und Geheksförmeln. die rcht, . — > ^ ^ gant dar h- Mb — 386 —- Anhang. Noch zwey wichtige Beschlüsse, welche auf die Winterlandschulen des Jahrs r8os. Bezug haben. ' Der Vollziehungs-Raty der einen «nd untheilbaren helvetischen Republik, Nach angehörtem Berichte seines Ministers der Künste und Wissenschaften, daß hin und wieder die Eltern, ungeachtet der an sie ergehenden Aufforderung, es vernachläßigen, ihre. Kinder in die Schule irr schicken; Erwägend, daß die Regierung verpflichtet ist, für die Erziehung der Jugend m sorgen — beschließt: r. Jeder Hausvater soll seine Kinder, die inr Alter sind, die Schule ru besuchen, wenigstens den Winter über darein schicken, wenn er nicht dem Schulinspektor beweisen kann, daß er auf eine andere angemessene Weise für ihren Unterricht sorgt, und dafür ein Zeugniß des Schulinspektors in Handen hat. ». Eine gleiche Verpflichtung, wie die Hausvater, — 38 ? - Haken arrch alle diejenigen, bey denen Kinder an der ! Kost sind, die sich im Alter befinden, die Schule zu besuchen. > 3. Wenn im Schulbezirk Kinder sind, die nicht , rur Schule gehen , so soll der Schulmeister bey seiner Verantwortlichkeit innert 8 Tagen dem Pfarrer des Orts die Anzeige davon machen , und dieser soll die im i. und 2. §. genannten Personen schriftlich ermähnen, die Kinder zur Schule ru schicken. 4. Wenn auf die Ermahnung des Pfarrers die Kinder dennoch nicht zur Schule geschickt würden, so verfallen die im 1. und 2. §. genannten Personen für jede Woche Versäumniß und von jedem Kind, vvm Tage der Ermahnung des Pfarrers an gerechnet, in eine Buße von fünf Batzen, die rum Ankauf von Schulbüchern für ärmere Schulkinder und für Prämien verwendet werden sollen. 5. Der Schulinspector soll durch den Pfarrer benachrichtigt werden, wenn der im 4. Artikel bestimmte Fall eintrittet, und der Municipalität den Auftrag ertheilen, die Buße einzuziehen. 6 . Im Fall die Municipalität die Beziehung der Bußen vernachläßigen würde, so sollen die Mitglieder eines um das andere dafür verantwortlich seyn, und durch die Verwaltungskammer belangt werden, die Buße ru berahlen, die sie hätte beziehen sollen. Bb 2 388 7. Die Eltern und diejenigen / bey denen Kinder an der Kost sind, sollen auch den Kindern die vsm Erriehmgsrath eingeführten Schulbücher anschaffen, sonst soll es auf ihre Rechnung von der Municipalität geschehen. Hievon sind ausgenommen , die von ihrer Gemeinde besteuert werden, welche dann auch den Kindern die nöthigen Schulbücher ankauft» soll. 8. Den Erziehungsrathen ist aufgetragen, die »eitern nöthigen Anordnungen zur Vollziehung dieses Beschlusses zu machen, wobey sie auch durch die Werwaltungskammern und Regierungsstatthalter unterstützt werden sollen. 9. Der Minister der Künste und Wissenschaften ist Mit der Vollziehung des gegenwärtigen Beschlusses beauftragt, der in das Tageblatt der Gesetze eingerückt werden soll. Bern den 6. December iFoo. Der Präsident des Voll;. Raths, G ch m t d. Im Namen des Voll;. Raths, Briarre. 2 . Der Vollziehungs - Rath der einen und untheilbaren helvetischen Republik, > Nach angehörtem Berichte seines Ministers der Künste und Wissenschaften über die Verfügungen ei-: — 38Y — inger Distriktsgerichte,. die bey Klagen, welche die Schulmeister wegen Nichtbezahlung ihrer Besoldung au sie brächten, nicht nur hierüber entscheiden, sondern auch vorschreiben, welcher Gehalt ihnen gebühre; Erwägend, daß es dw Er-iehungsräthen übertragen ist, in Besoldungsangelegenheiten der Lehrer die nöthigen Erklärungen über die rechtmäßigen Einkünfte derselben zu geben, und daß in zweifelhaften Fällen jeder sich an die höhern Behörden wenden kann — Erwägend, daß es den Gerichten nicht zukommen kann, das Gehalt eines Schullehrers zu bestimmen, sondern nur zu untersuchen, ob der Schulmeister mehr fordere, als ihm durch Verfügungen der kompetenten Behörden oder durch Vertrage bestimmt ist, und ihm zu feinem Recht zu verhelfen — beschließt: Ueber Streitigkeiten zwischen der Municipali. tät und dem Schulmeister über dessen Besoldung entscheidet der Erziehungsrath unter Genehmigung der Verwaltungskammer. 2. Die Distriktsgerichte sollen sich nicht mehr mit der Bestimmung befassen , welche Besoldung überhaupt diesem oder jenem Schulmeister gebühre, sondern sich über diesen Gegenstand an die Erklärung der Emehungsrathk, welchen diese Untersuchung ob- — Zy-r — liegt, hatten, und nur über die Uebereinstimmung der Forderung des Schulmeisters mit dieser entscheiden. 3. Dem Minister der Künste und Wissenschaften und dem Justirminister ist die Vollziehung dieses Beschlusses aufgetragen. Bern den 6. December 1800. Der Präsident des Volk;. Raths, Schmr d. Im Namen des Voll;. Raths, Briatte. 3 » Ein Auszug aus einem Schreiben an den Her* ausgeber vorn 26. Wintermonat 1820. Ich muß ihnen doch auch eine empörende Thatsache erzählen, die sich im Kanton Waldstätten erst neulich zugetragen hat, und die zur Schande ihrer Urheber bekannt zu werden verdient, woran übrigens der Cantons-Erziehungsrath daselbst keinen Antheil hatte. — Die Verwaltungskammer obigen CantonS gieng nämlich den B. Minister der Künste und Wissenschaften um Fonds zu Prämien für die Schulen an, und dieser versprach ihnen anstatt dessen einige ivo Exemplare des Beckerischen Noth- >— Zyr und Hülftbüchlcitts zu diesem Zwecke gratis zu übersenden. Schon vorher hatte der B. Regierung^ Commiffair Zschokke diese Schrift da und dort im Canton in Umlauf gebracht, und dem Waldstätter in die Hände gespielt, aber böse Priester verdächtigten dieselbe. Die Kammer erachtete daher für nothwendig, das arme verrufene Noth - und Hülfsbüchlem durch eine Commission von Geistlichen untersuchen und prüfen zu lassen, ehe sie davon für Prämien Gebrauch machen wollte. Und nun, was war der Schluß dieser famöstn Commission? — Dieser: ,, Dieß Büchgen würde in den Händen ka, » tholischer Schulkinder sehr gefährlich seyn, » und es sey zu wünschen: daß nicht nur keine »mehr ausgegeben, sondern die bereits aus. ,, getheilten sobald möglich möchten zurückge» » nommen werden.«-Das war nun ein unerwartetes Urtheil am Ende des i8tm Jahrhunderts ; allein das Büchlein konnte nicht aufgedrungen werden — der Brave bedauerte nur dessen Schicksal. Vermuthlich mag den geistlichen Herren obiger Commission , die durch ihre Mehrheit jenes Urtheil fällten, der 39. Artikel des Noth- und Hülfsbüchleins: »von dem gottlosen Betrug der Quacksalber und Narktschreyer«, oder vorzüglich der 50. Artikel: »Vom Behexen, Zaubern, Bannen rc.« von dem der Verfasser sagt: daß es auf lauter Lüg und Betrug ruhe, für sehr, gefährlich m Wald- stätten geschienen haben, indem, wenn das gemeine Volk daselbst hierin» solche Grundsätze annähme, wie die des Verfassers sind: hie und da ein Teuftlsbanner, Hexenbeschwörer vder Lachsner im seist- oder weltlichen Gewände weniger Zutrauen und Geschäfte und dadurch weniger Einfluß und Geschenke erhalten würde. 4 -, Noch eine Bemerkung über die künftige Einrichtung dieser Schulmeister-Bibliothek vvm Herausgeber. ' Bey der Festsetzung meines Plans zu meiner Schrift hatte ich vorzüglich das Land - Schulwesen, Helvetiens im Auge; hingegen über unsere höher» Schul- und -Erziehungsanstalten war mein unvergeßlicher Freund B. Professor Fischer irr Burgdorf-) willens, ein ähnliches Werkgen, wie das Meinige herauszugeben. Da aber der unerbittliche Tod diesen Edeln dem Vaterland und mir entriß, so werde ich auch diese Nubrike in meine Bibliothek aufnehmen, die eben deswegen in Zukunft den Namen helvetische Schullehrer-BtbILothek tragt, und wovon mm alle Halbjahre regelmäßig ein Bändchen erscheint. ,*) Veröffentlich gelingt es mir noch gelegentlich, ein« Gkizze seines kurzen, aber wohlthätigen Leben» meiner Bibliothek einrücke» zu können. Seite I Vorerinnerung. z» ^ II. Ueber den bisherigen mangelhaften Instand der untern und Landschulen der östlichen Schweiz überhaupt» voin Herausgeber. rs» HI. Erste Anleitung für die sämtlichen Schullehrer der niedern und Landschule» des CantonS Säntis zu Mißlicherer und zweckmäßigerer Verwaltung ihres Amrs. Vom Herausgeber. 61. ^IV. Bemerkungen über den Instand der Schulest der ehmaljgcn deutschen BernergebietS mit Ausnahme der Städte, von B. Helfer Grüner. 87. V. Einige Schulgebere. von-.verschiedenen Verfassern. iSr. VI. Ueber den Unterricht im Schreiben in Volksschulen. Von B. Helfer Grüner. 184. VII. Ein Büchlein für Kinder, welche wollen lesen und schreiben lernen; für junge und alte Leute, oder welche begehren, verständig, gut und glücklich zu werden. Von B. Helfer Grüner. i->4. Vlll. Einigt Schulanekdoten. Von» Herausgeber. 205. IX. Gedinge, welche jeder Schullehrer bey Uebernehmung einer Schule machen sollte. IVon B. Helfer Grüner. Lir X. Ein Auszug aus Hallet».helvetische» Nachrichten. Nro.s,z. 294 Seite XI. Nus Schirvarts Gedichten, 2. TH. S. r6r. -15. XII. Auszug aus einem Schreiben. Von B. Professor Fischer an den Herausgeber, über die Pestalozziscbcn Versuche im Schul« und CrziehungSwcsen. 216. XIII. Bothschaftrn, GesetzeSvorschläqe, Gesetze re., das Schul - und Erziehungswesen in Helveticn betreffend, r. Resttipt des Ministers der Künste und Wissenschaften an die Religionslchrer Helvetiens. 214. 2. Vsthschaft des Vsllziehungsdirektoriums an die Ge« setzgeber und GesctzeSvorschlag. 234. z. Eine andere Bothschaft des Vollziehungsdirektorinms wegen der Rhanischen Sonntagsschule. -6;. 4. Entwurf einer Töchterschule in Luzern dem helvetischen VollziehungSdirektorjum vvm'ErziehungS- Rath zu Luzern vorgelegt, und genehmiget. 267. ;. Beschluß des Vollzieh. Direkt, v. z°. Juli 179s. -76» 5. — — — — — V. II. Nvv.l7SS. -78. 7. — — Vollz. Raths v. 22. Weinm. i8«>. zgs. r. — — — — — v. 4. Jenner isoo. 337» p. '— — — — — v. 6-Decemb.-820. Z86. iv. Ein anderer v. 6. Decemb. i8os. g88» rr. Der Erziehungsrath von Bern an den helvetischen Minister der Künste und Wissenschaften. 27?. rr. Uebersicht des öffentlichen Unterrichts zu Luzern auf das angehende Schuljahr. -95. 13. Der Erziehungsrath des CantonS Säntis an die Schullehrer dieses Cantons. zoo. ,4» Der Erziehungsrath des Cantons Argau an die Lehrer in den Landschulen desselben EantovS. 3°6. 393 Gerte rx. Die Interimsregierung von Zürich an das Exami- nator.Conrent daselbst. Z?Z. rs. AuSzug aus einem Bericht über LsS Schulwesen des Cantons Thurgä«. zrg» XIV. Recensionen und Anzeigen. r. Entwurf der Instruktionen für die nencrrichtcten Erziebungsrathe — nebst den Fragen über dm Zustand der Schulen in» Canton Argan. zgo. 2 . Anrede bey der feycrlick>en Einsetzung des neuen Zürcherschen Cantons-Erziehungsraths. von B. Füßlr. Z?7. Z. Rede bey Eröffnung des ErziehungSrathS im Canwn Baden. Von B- Pfarrer Fischer. ;;7. 4 . Bericht über die erste öffentliche Sitzrmg des Erzie« hiingSraths dcS Cantons Argau. z- 7 . Anrede bey der ftyerlichcw Einsetzung des Lhurgaui- schen Erziehungsraths. Von LZ. Pfarrer Melch. SulZberger. g;8. L. Einführung des Erzrehungsraths und der Schulinspek- toren des Cantons Basel. §;8. 5 . Reden bey der feyerlichen Einsetzting des Erziehung^ Raths und der Sedulmspektoren des Cantons SäntiS. s. Von der dringenden Nothwendigkeit, sich der helvetischen Schulen und Lehranstalten von StsatSwege» anzunehmen, von I- Schultheß, profess. Z6v. s. Einige Gedanke» und Wünsche, die Kirchen, Schulen und ihre Diener betreffend. von 2.2. Metzger, Professor. 10. Kurzer Entwurf einer Kreisschule, welche zu Albis- affvltern veranstaltet werden könnte. VonÄ. Pfarrer Maurer. ' 11. Plan einer republikanischen Schule, von B. Pfarrer I. I. Stapfer. z6S. ir. Die Lehrer des republikanischen Gymnasiums an ihre Mitbürger in Bern. gL6. iz. Beantwortung der Frage: ist cS ant, wenn die französische Sprache in unsern Schulen öffentlich gelehrt wird? Von B> Pfarrer Maurer. Z67. 14. Geographische Tabelle zum Behuf des Studiums der allgemeinen Geschichte. Von B. Pfarrer Maurer. - 578 - 1;. ABC Buch für Kinder. g8z. 16. Buchstabier- und Lesebuch zum Gebrauch deutscher Schulen. Von B. Helfer Joh. Büel. zs;. XV. Ein Auszug aus einem Schreiben an den Herausgeber. ' . Zpo. XVI. Noch eine Bemerkung über die künftige Einrichtung dieser Schulmeister - Bibliothek. Vom Herausge- der. zsr. Nachstehende Druckfehler, welche sich wegen meiner Entfernung vom Druckorte in den ersten Bogen vorfinden, belieben meine Leser gefälligst zu verbessern: S. , 7 . Zeile — si. — — 9 ». — — 1:2. — — 1:7. — — I 5 t. — 155. — — — — 22g, — 22. von oben start: zu fördern, lies: zu befördern. 2g. — — — nicht, — nichts. 17. — — — zin'ammlesen,— zusammenlesen. 15. — — — seine Stelle, — ilre Stelle. 20. — — — Bemühungen,— Belohnungen, ig. — — — Vorzügeades Vorzügen , lies nur: Vorzügen. 17. — — — Po bereitung,— Vorbereitung. 2. — — — Vestünstigung,— Begünstigung. 2. — -- -- Kind, — Kinder, is. — — — allgemeiner, — allgemeinen. 2o. — — — mir, — mit. 9. — — — Merzmonat, — Merztage. 1«. —-- ibre, — ihre. . 2. — — — Den Schuldienst, l.ImSchuldieust, 2;. — — — ünftia, — künftig. »UL V/. -.-".r>.'>" ^.5-V OW'D ;»r. L-.1i><7 6 ',^ H' v>. >'-F,;. r-.-< >-^H. FML vr^7' ^sntonsbibliotkek 81. LsIIen ' 2 ^ 101247681 ' Hetvetische / allen Schullehrern r« n - Freunden des Schulwesens gewidmet Jotz. Rüdölph Steinmülley Pfarrer m Gaiß/ und Mitglied des ErziehungsRaths vom Kanton Samts. Zweytes Bündchen St. Gallert/ bey Hub«? « n - Compagnie- i 8 o i. ^ ^ '4^ ^ »z ^ L E'H , ' ', ^ / ^ ^ ^ k r'» c » ^ ^ -> ^' /, I ^ I v ^7 )'>/ >../ ^ «4 jp» -A - L ^ ^ X / L^ ^ > / »k-i -p^ h ^ ^ z- ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ . / r ?- < !^ ^ -- ^ » s » Es , s , »"» " -> ^ >^> »^ - , k^ ^ ' Ex ' ^ E ^ / "^.' ' <°/ i ^ ^ ^ ^ ^ ^ , I" , " " - / -^ " §'!''"> I ' ''^ 1^ ^ ">' > k. ^ ^ I." ^ " " ^ '- '! " ^. I'. --, < x. ^ .i ,, . ^ ^ ^-?-' Vi ^ , Verstünde s-Üeblrngtii/ die mit den Kindern in niedern DvlksschNlett nach einet gewissen Stuffenfvlge, je nachdem sie fähiger oder unfähiger/ älter oder jünger sind/ vorgenommen werden können. Dom Herausgeber.*) die Ausbildung und Veredlung des Verstandes und der übrigen Seelenkrafte der Kinder der wichtigste, aber leider! bisdahin auch der allervrrnach- läßigtste Theil des Schulunterrichts ist, so hoffe ich, *) Anmerkung anstatt einer Vorrede. — Da ich von MöhrerN Orten her aufgesor, dcrr wurde, mich rn meinen Fortsetzungen dieser Schrift fernere nur über unsere helv. Landschulen *- mir Ausschliessung der Hähern Schul - und Erziehungs-Anstalten — auszudehnen, so entspreche ich diesem Wunsche um so williger, indem ich so glücklich war, von vielen Schulfreunden, aus ver» schledenen Gegenden der Schweiz, theils die erfreuliche Zusage ihrer Mitwirkung an ' meinem unternehmen zu erhalten, theils schöü mit wirklichen Beyträgen erfreut zu werden, wovon auch dieses Bündchen —* wie ich hoffe zum Vortheil meines Werks — zeugen mag. A s 4 einige Anweisungen dar» werden jedem Schullehrer, der diese meine Schulbibliothek in die Hände bekömmt , eben so erwünscht als lehrreich seyn. — Ob- schon ich zwar sehr viele Beyspiele anführen will, so wird dennoch jeder Lehrer, bey ernstem Nachdenken darüber- eben so viele ähnliche selbst erfinden können, die ihn um so mehr freuen werden, da er sie sich selbst zu verdanken hat. Es ist unläugbar, und wir finden dafür in der menschlichen Geschichte unzählige Beyspiele: daß der menschliche verstand seine wichtigsten Vorzüge erst alsdann erhält, wann er durch Unterricht und Nachdenken gehörig entwickelt und ausgebildet worden ist, denn vor seiner Ausbildung ist derselbe nur eine bloße Fähigkeit, (Vernunft) und der Mensch ist mit dieser Fähigkeit weiter nichts, als ein roher, ungebildeter Mensch. Vernunft ist die den Menschen vor allen Thieren unterscheidende Fähigkeit oder natürliche Anlage, verständig werden zu können. ^ Verstand ist die durch Lernen und Uebung zum zweckmäßigen Gebrauch oder recht angewendete Vernunft , vermöge welcher man sich jede Sache deutlich vorzustellen im Stande ist. --- Sich aber «was deutlich vorstellen heißt 8 an einer Sache zugleich die Merkmale wahrnehmen, wodurch sie sich von andern Sachen unterscheidet. Sollen wir aber durch den Verstand an eines Sache alle die Merkmale wahrnehmen, wodurch sie sich von andern unterscheidet, so müssen wir auf all? diese Merkmale Achthaben, qzrd also aufmerksam seyn. Haben wir durch unsere Aufmerksamkeit die Merkmale wahrgenommen, die einer Sache eigen? thümlich sind, so unterscheiden wir sie dadurch von andern Sachen, und bekommen dadurch von der Sache einen Begriff. Oft vergleichen wir auch zwey Begriffe, und sehen dabey auf ihre Uebereinstimmung oder den Widerspruch , und fällen also ein Urtheil. Oder wir fallen zwey Urtheile, und leiten aus diesen zwey Urtheilen noch ein drittes her, und machen einen Vernunftschluß.*) *) Nachstehendes sind B. Vernunftschküffe: Da« Ganze ist größer, als sein Theil; die Stube aber ist ein Theil des ganzen Hauses; also muß das Haus größer seyn, als die Stube. Oder: was mehr thun und ausrichten kann, als das andere, das ist ein vorzügliche« Geschöpf; die Mensche» können mehr mit ihrer Seele und mit ihrem Leibe thun al« die'Thiere; als» find sie vorzüglichere Geschöpfe Gottes. — Oder: Glückselig-- kett ist aller Menschen, folglich auch mein Wunsch; nur der kann glückselig seyn, der. sich nach Gottes Gchetr» Dieß sind aber Verrichtungen, die wir bloß mit unserm Verstände vornehmen können, und heißen Gedanken. Wenn diese Gedanken nun mit den Dingen, über welche sie sich erstrecken, wörtlich übereinstimmen, so heißen sie richtig,*) und hierzu ist der menschliche Verstand nicht nur vom Schöpfer selbst bestimmt, sondern auch sehr fähig, wenn man ihn pur zum richtig Denken ordentlich anleitet, welches richtete also will ich mich nach Gottes Geboten richten. — Oder: Mein Leben ist die größte Wohlthat Gottes; wer einem Wohlthaten erzeigt, will, daß man sie gut anwende; also will ich mein Leben gut anwenden re. Vorwärtsschliessen heißt aus Erkenntniß der Ursachen ihre Wirkung folgern oder herleiten z. E. Ein Verständiger weiß, dgß, wer sich erkältet, krank werden kann, nun sieht ein solcher, daß jemand, der sehr erhitzt ist, unbedeckt in die Zugluft tritt, oder kalt trinkt; der Verständige schließt also, er wird krank werden. Oder: Wer da weiß, daß ?in unachtsamer Mensch etwas nie recht kernen kann, der schließt, daß sein unachtsames Schulkind nicht werde geschickt werden re, Rückwärtsschliessen heißt aus Betrachtung der Wirkung die Ursache derselben entdecken. I. E. Wo man einen Maulwurfshausen sieht, da schließt man mit Recht, ein Maulwurf sey da gewesen. Oder: die Spur im Schnee von einem Haftn fäßt schließen, es sey ein Hase da gewesen re, re. Es ist also äußerst leicht zu erkennen, was unrichtig oder falsch schließen heißt. eben gerade iu eine der wichtigsten Wichten deß Schullehrers ist. Ich bediente mich nachstehender zwey Methode» mit dem besten Erfolg, und jeder denkende Schul- lehrer, der davon Gebrauch macht, wird gewiß den ähnlichen Nutzen davon riehen. r. Laß die Rinder mehrere Dinge der Reihe nach hersagen, die zu Einer Art gehören, d..h. derer Dinge, die viel Aehnliches miteinander haben. Der Lehrer kann z. B. die Kinder aus meinem oder einem andern Lesebuch den Abschnitt von der Naturgeschichte herlcsen lassen. Aus diesem lernen sie, daß alles, was wir auf der Erde um uns her erblicken, in z Theile oder Reiche eingetheilt werde, nämlich: in das Lhierreich, in das Pflanzenreich und in das Mineralreich; sie kernen daraus überdieß: daß alles, was lebt und sich freywillig von einem Orte zum andern bewegen kann, in die erste Classe; alles, was aus der Erde wachst/in die zweyte; und endlich die Erde selbst, die Steine und die Erzarten in die dritte Classe gehören. Und nun kann der Leb? rcr über diesen Gegenstand so viel Fragen, als er nur immer will, an die Kinder machen, r. E. Renne mir also einige Dinge, die leben und — r M frrywilkg vsn> einem Orte zum andern bewegen können? Pferde, Kühe, Schaafe, Esel, Vogel, Käfer/ Würmer rc.*) Welche Thjere haben 4 Füsse? Welche haben Hörner? Welche haben 2 Füsse? Welche haben Federn und Flügel? Welche Thiere können im Wasser leben und schwimmen? Welche Thiere dienen uns zur Beschützung? Welche Thiere dienen uns zum Vergnügen? Welche Thiere geben uns Milch? Welche haben einen köstlichen Pelz? Welche Thiere dienen uns mit ihren Hauten? Gehört der Tisch, das Messer / der Dintem jM auch in's Tbierreich? Warum nicht? Welche Dinge wachsen aus der Erde und gehören also in's Pflanzenreich? Bäume, Gesträuche/ Kräuter, Blumen rc. Nenne mir einige Baumarftn? Apfel-/ Birn-, *) Hier und bey allen nachstehenden Fragen lasse der Lehrer sü viele Dinge jeder Art nennen, buchstabieren oder niederschreiben/ als sie immer erdenken könne» / wobey ersterer sie an dasjenige, woran die Kinder nicht denken, und das doch auch in diese Classe gehört, erinnern wird» Zwetschgen-, Ruß-, Kirschen-, Anden-, Buch-, Ahorn- Baume :c. Nenne mir einige Baumfrüchte? Nenne mir einige Gesträuche oder Standen? Das Weißdorn-, Schwarzdorn -, Johannisbeer« Gesträuch:e. Nenne mir einige Krauter, die den Thieren ;ur Nahrung dienen? ( Hier kann der Lehrer die Kinder die verschiedenen Gras- und Krauter-Arten, welch? die Tbiere gern fressen, in der Benennung ihrer Muttersprache hinschreiben lassen.) Nenne mir eimge Kräuter, welche die Menschen essen? (Gemüsearttn.) Nenne mir einige Feldfrüchte? Der Roggen, der Weizen, die Gerste, der Haber, die Erbse, die Bohne, die Wicke, die Linse w. Nenne mir einige Wurzeln, welche die Menschen essen? Nenne mir einige Blumen, die per Mensch wegen ihrer Zierde und ihrem Geruch.,pflanzt.? Welche Dinge gehören in das Stein- oder Mineralreich ? Erdarten, Steine und Erze. Nenne mir einige Erdarten? Gartenerde, Leim w. Nenne mir einige Steinarten? Sand, Feuer« kein,. Kieselstein rc. Nemre mir einige Erwarten? Gold, Silber, Bley, Kupfer rc. Saget mir auch: was ist in der Stube, das von Thieren oder aus dem Thierrerch herkommt? Die Katze, der Hund, die ledernen Beinkleider, die Schuhe re. Warum gehört die Schreibfeder auch in diese blaffe? Woraus ist das Hörnerire Dintengcfaß gemacht? Wohin gehön's also? Was ist in der Stube an? dem Pflanzenreich? MeS Hölzerne, nämlich: Tische, Stühle, Bänke m. Was wurde erfordert, bis aus der Tanne im Wald ein Tisch oder Bank da war? Woraus wird die Dinte bereitet? Aus Gallapfeln , die an einer Pflanze wachsen? Warum gehört sie also in's Pflanzenreich? Woraus wird das Papier verfertiget? Aus alten Lcinwandstücken. - Wie macht man das Pap- Pier? Woraus wird die Leinwand gemacht? und was wird erfordert, bis aus dem Hanf und Flachs würk- lich Leinwand da ist? 2» wasfür etnNaturreich gehört also dasPappter? Was ist in der Stube aus dein Mineralreich? Das Bley in den Fensterscheiben, die eisernen Beschläge an den Fenstern und Tbüren, die eisernen Nägel in der Wand, die Schrchschnallen re. In welches Reich, gehört das leimcne oder siür- zene Dintengefaß? Warum? Das Glas macht man aus neschmokenen und geläuterten Kieselsteinen — in wassür ein Naturreich gehören also die Fensterscheiben? In wasfür ein Naturreich gehört das glaseMH DmtengcfaK? 'Warum? *) ' stilles, was wir auf dem Erdboden erblicken^ hat sein Daseyn Gott ;n verdanken. — Nenne mir Ueber den Gebrauch dieser und hex nach« folgenden verstandesühungen. Jeder Lehrer kann von solchen und ähnlichen Vcrstandes- Übungen den verschiedenartigsten Gebrauch niae')en. Ausser dem- daß der Verstand der Kinder dadurch ausgebildet, veredelt und im Nachdenken geübt wird — das also schon deßwegen von großem Nutzen wäre, wenn er auch nur mit den Kindern darüber redte — so kaum er sie bey den Buchstabierenden ;n einer Buchstabiern bring machen. Wenn der Lehrer z, B. fragt: nenne mir einige Dinge, die leben und sich freywillig von einem Orte zum andern bewegen können? so muß ein Kind nach dem andern der Reihe nach ein Thier hernennen nnd es zugleich buchstabieren. So verfahrt er beym Pflanzenreich rr. Will der Lehrer aber aus obiger Verstaiidesübiinq zugleich eine Schreibet: düng machen, so kann er zuallererst also einige Werke Gottes? der Himmel, die Erde, die Luft, dqs Meer, das Feuer, das Wasser, die Sonne, der Mond, der Abend, der Morgen, die Nacht, der Tag, der Wind, die Welle, der Sturm, yer Sftom, das Land, die Insel, der Berg, das Thal, der Dampf, die Wolke, der Donner, der Blitz, der Nebel, der.Regen, der Hagel, der Schnee, der Thau, das Eis, der Reif, der Frost, Pas Feld, der Wald, die Höhle, die Kluft, die Fische, die Pöges, dse Thiere, dyr Mensch rc. über obige Gegenstände mit Hünen Kindern reden, und alsdann , wann er glaubt: daß sie seinen Unterricht begriffen haben, ihnen auftragen, daß sie Las Behalte!» niederschreiben sollen, oder er kann ihnen (welches die leichteste Methode ist) mehr oder weniger Fragen diktieren, und sie nachdem er sich vorher mit ihnen darüber hinlänglich unterredst hat — zu schriftlicher Beantwortung derselben anhalten, wobey es dann gewiß von sehr großem Nutzen ist, wenn auch die Schreibcschüler das zu Schreibende zuerst vyn dem Lehrer richtig buchstabieren lernten, indem jeder vernünftige Schullehrer nicht nur schön, sondern auch vorzüglich richtig schreiben lehren soll. ^ In jeder Schule sollten wenigstens alle Wochen i oder r Nachmittage solche Schreibestbungen vorgenommen werden; das Geschriebene der Kinder würde der Lehrer dann jedesmal eorrigicren, und darauf ein jedes anhalten, das Verbesserte rein und richtig in ihre Probcschrift abzuschreiben. — Den Buchstabierübungsn obiger Art sollte aber alle Lage eine halbe oder ganze gründe eingeräumt werden. Nenne Mir einige Handwerker- Der Metzger - der Becker- der Schneider, der Schuster, der Maurer, der Schmid, der Schreiner, der Müller, der Glaser, der Zimmetmann rc. it. Wasfür Instrumente oder wasfür einen Handwerkszeug bat der Metzger nöthig? Das Schlächrbtil, klnige Metzgermeffer, einen Stahl rc. Wasfür InfltuMenie bedarf dek Becker? Die Ofenkrücke rc. Wasfür Instrumente bedarf der Schneider, Nadeln, den Ellstecken, das Bögeleisen rc. Wasfür Instrumente bedarf der Schuster? Das Werkbrett, die Kneife, die Ahle, die Leisten, den Knieriemen, Zangen, Hammer, Klopfsteinrc. Wasfür Instrumente bedarf der Maurer? Den Hammer, die Pflasterkelle rc. Wasfür Instrumente bedarf der Schmied ? Die Hammek, Zangen - Feilen rt. ÄaSfür Instrumente bedarf der Schreiner? Die Höbe!, Äexte, Beil, Hammer rc. Wasfür Instrumente bedarf der Müller? Eine Mühle, Beuteltüch rc. Wasfür Instrumente bedarf der Glaser? Den Diamant, das Zug - -der KröUeism rc. WaOr Instrumente bedarf der gimmermann? Den Maaßstaö, den ZvDab, die Cchrotarr:c?') Nenne mir einige Farben? Schwarz, weiß/ Hrib, grün, blau, roll), braun, grau, purpurroth, pechschwarz, meergrün, goldgelb, himmelblau rc. Ein Nennwort heißt man den Namen von kinem Dinge oder einer Vorstellung, wozu matt immer das Fürwort der oder die oder das hinsetzen kann. Gieb mir also einige Beispiele? Der Thurm, der Baum, der Carl, der Heinrich, der Traum u. s. w. die Kirche, die Treue, die Dankbarkeit, die Hülfe, die'Größe, die Menge, die Cachrina U. s. rv. das Haus, das Werk, das Gebäude , das Heimweh m. s. tm ( Biese Wörter *) Dieses Kapitel von den verschiedenen Handwerkern und ihren Werkzeugen sann von jedem verständigen Lebrer ausnehmend erweitert, und zu mehr als Buchftabicr- >md Schreibe. Uedimasstunden benutzt werden. Junkers Handbuch der gemeinnützigsten Kenntnisse für Volksschulen könnte dem Lehrn zu seiner eigenen Belehrung gute Dienste hierin» leiste»; doch ist es gewiß eben so gut, wenn er sich gerade in den Werkstätten selbst eine richtige Kennte ruß dieser Gegenstände zu verschaffen sucht, da-s jedem sehr leicht möglich ist. — Den geübter» Schrcibeschü- lcrn könnte matt bisweilen auch auftragen, eine umständliche Beschreibung der Verfahrrmgsart bey diesem oder jenem Handwerk niederzuschreibe».. — lassen sich ausnehmend vervielfältigen, wobey der Lehrer zugleich bemerken kann: daß alle Nennwörter und alles/ was man sieht, mit einem großen Anfangsbuchstaben geschrieben seyn muß.) Ein Beywort nennt man daszenige Wort, womit man Eigenschaften oder Beschaffenheiten eines Dings oder einer Sache bezeichnen will. Gieb mir also einige Beyspiele? Rund, eckigt, schwer, leicht, groß, klein, fühlbar, unsichtbar, klar, trübe, undurchsichtig, glatt, rauh, scharf, spitzig, stumpf, weiß, schwarz, mangelhaft, nützlich, unnütz u. s. w» Mit wasfür einem Beywort bezeichnet Man also die Eigenschaft der Dinte? Mit schwarz — des Essigs? Mit sauer des Bleys? Mit schwer — der Schnees? Mit weiß — des Honigs? Mit süß der Galle? Mit bitter — des Mohren? Mit schwart «. s. w. (Kein Beywort wird mit einem großen, sondern immer mit einem kleinen Mfangs- buchstaben geschrieben.) Zeitwörter zeigen etwas, das man thut olke das man thun laßt, an — Gieb mir also einige Beyspiele? Seyn, währen, bleiben, dauern, glauben, zweifeln, trauen, wollen, schenken, geben, ar. betten, essen, trinken, schlaffen, wachen, bezahlen. — z,6 - - haben - wissen, besinn, grnirffen u. s. w: (Älle Zeitwörter fchreiöt ma» mit einem kleinen Anfangsbuchstaben.) Was ficht man an einem Kinde gern? Was ist än ihm schön und gut? Wenn's fleißig ist und gern lernt; wenn« reinlich ist am Lcibe und äil seinen Kleidern; wenisss niemals die Unwahrheit redet; wenn's gehorsam ist und guten Rathen folgt; wenn's dienstfertig und höflich ist gegen jedermann; wenn's friedfertig und liebreich ist mit seinen Gespielen u. s. w. Was sieht man an einem Kinde nicht gern? was ist an ihm strafbar und schädlich? (Hier niuß das Kind also dürch Beyspiele gerade das Gegentheil vom Ödigen niederschreiben öder hersagen.) Die 2te Akt vört Verstandesübüngen kann dä- rinn bestehen: Laß vre Rinder die Zeichen oder die Merkmahle eines Dings — d. h. dasjenige, wodurch sich ein Ding von einem andern unterscheidet, angeben.. Auch dieß kann mit den Kleinem nur an leichten sinnlichen Gegenständen, mit den Großem aber an allgemeinern und übersinnlichen Begriffen geübt werden — r. B. Woran kennst du einen Baum? Er hat Wurzeln- erneu einen Stamm, Zwerge und Blatter. — Woran ein Gesträuch? Es hat keinen Hauptstamm rc. — Woran kennst du eine Nuß? — Woran eine Gabel? — Woran einen Ofen? — Woran ein Bach? — Woran ein Dorf? — Woran eine Stadt? — Einen See? — Einen Fluß? — Einen Bach? — Woran den Schlaf? — Woran einen Jahrmarkt? — Eine Kirche? — Einen Garten? — Einen Wald? — Woran den Homg und Zucker? — Woran die Galle? u. s. w. Zuweilen kann der Lehrer, ohne das Ding zu nennen, eine Beschreibung geben, und alsdann das Kind errathen lassen, was es sey? Z. E. Er kann fragen: Wie heißt ein Strich Landes, der dicht mit Bäumen, die zu Bau - und Brenn-Holz dienen, überwachsen ist? Ein Wald. Wie nennt man denjenigen Zustand eines Menschen, der am Cörper ganz steif und unbeweglich ist, und keine Empfindung mehr hat? Todt. u. s. w. Zu dieser Art von Derstandesübungen kann marr auch nachstehende Worterklarungen zählen. Z. E. Was heißt Fähigkeit ? die natürliche Anlage zu etwas. Wozu hat der Mensch also Fähigkeit? Zum re« den, essen, trinken, schlafen, gehen, wachen, B . -8 etwas zu lernen, zu arbeiten) re. Wozu haben ! die Thiere Fähigkeit? Was heißt sichtbar? Was man sehen kann. Was ist sichtbar? Bäume, Thiere, Steine, Menschen rc. re. § Was heißt unsichtbar? » WaS ist unsichtbar? Ein Geist, Gott. ' Was heißt nützlich? Was mehr Nutzen als Schaden bringt. ' ! Was ist dem Menschen nützlich? Das Feuer, ! das Holz, das Rindvieh und viele andere j Thiere, die Speise, der Fleiß, die Tugend, die i Gesundheit u. s. w. ! Was heißt schädlich? Was ist dem Menschen also schädlich? (Diese Fragen kann der Lehrer sehr vielfach beantworten und beantworten lassen.) WaS heißt angenehm? Was uns wohlgefällt. Was ist dir also angenehm? Wenn ich in der Schule hinausgesetzt werde; wenn man mit mir zufrieden ist; wenn man mich beschenkt, belohnt u. dgl. ^ Was heißt unangenehm? t Was ist dir also unangenehm? Was beißt entbehrlich? Was einer missen kann. t Was ist dir also entbehrlich? Der Wein und s —> ly — geistige Getränke; seidene Kleider; köstlich? Speise; das Fahren in der Kutsche, u. dgl. Was heißt unentbehrlich? Was ist dir unentbehrlich? Unterricht, Essen und Trinken, Kleidung, Wohnung, Arbeit, und Ruhe u. dgl. Was heißt veränderlich? Was nicht immer so bleibt, wie es ist. Was ist also veränderlich? Der Mensch, Pak Wetter. Was heißt unveränderlich? Was ist also unveränderlich? Gott, die Wahrheit. > Was heißt fruchtbar? Was Früchte bringen kann. Was ist also fruchtbar? Der Erdboden, ein Baum. Was heißt also unfruchtbar? Was heißt-gegenwärtig? WaL eben zeit ha ist, Z. E. der heutige Tag. Was heißt vergangen? -^- Z. E-? Was heißt zukünftig? Was noch kommen soll. F. E. ^er morgende Tag. Was heißt abwesend? Was nicht da ist. Z. E. Kinder, die in der Schule fehlen. Was heißt wißbegierig? Wer gern rvaH wissest will. 22 — Was heißt Ursirch? Dasjenige, wodurch etwas entsteht oder hervorgebracht wird. Was ist die Ursache der Welt? Gott. Was ist -die Ursache der Warme? Das Feuer. Was ist die Ursache des Tageslichts? Der Sonnenschein. Was ist die Ursache der Bewegung der Wolken in der Lust? Der Wind. Was ist gar oft die Ursache der Armuth? Faulheit und Verschwendung. Was ist. die Ursache der Strafe? das Verbrechen. Was heißt Wirkung? Dasjenige, was durch eine Ursache entstanden oder hervorgebracht ist. Was ist die Wirkung des Feuers? Die Wärme. Was ist die Wirkung der Sonne? Was ist die Wirkung der Faulheit und Verschwendung?— Was ist die Wirkung des Lügens? Daß man einem nichts mehr glaubt. Was ist die Wirkung des Verbrechens? Strafe. Was ist die Wirkung des Gift - Essens ? Der Tod. Was ist die Wirkung der Nnmäßigkeit? Krankheit. . Wenn man eine Stube einheizt, so wird's in derselben warm — Was ist also die Ursache davon? und was war die Wirkung des Ein- heitzens? Wenn man alle Fenster öffnet, so wird die warme Stube bald wieder kalt —. Was ist also — 21 — die Ursache an Lezterm, und was wap die Wirkung dieser Ursache? Wenn ein Kind, das sich sehr erhitzt hat, sich plötzlich abkühlt oder in die Zugluft sitzt, s» wird's krank — was ist also die Ursache davon? und was war die Wirkung dieser Ursache? Was bedeutet das Wort Endzweck? Dasjenige, was man zu erlangen sucht, oder erlangen will. Man kann gute und böse Endzwecke haben. Z. E. Was hat derjenige für einen Endzweck, der einheitzen läßt oder einheilst? Daß es warm werde. Wer säet, hat rum Endzweck? — Wer Nahrungsmittel genießt, hat zum Endzweck? — Wer Arzney gebraucht, hat zum Endzweck? Wer aufmerksam ist oder Achtung giebt, hat rum Endzweck? — Wer Gottes Gebote hält, d. h. sich darnach richtet, hat rum Endzweck? Wer stiehlt und betrügt, hat rum Endzweck? -- Wer andere verläumdet, hat rum Endzweck? — Wev andern eine Grube gräbt, hat rum Endzweck? Was bedeutet das Wort Mittel? Dasjenige, durch dessen Anwendung oder Gebrauch wir etwas erlangen können. Was ist das Mittel, daß es warm in der Stube wird? — Was ist das Mittel zum einerndten? Was ist das Mittel, um gesattiget, genährt oder gestärkt zu werden? — Was ist das Mittel, wenn man krank ist , um wieder gesund zu . werden? — Was ist das Mittel um etwas zu lernen? — Was ist das Mittel, um glücklich und selig zu werden? — Was ist das Mittel, um einander die Gedanken mitzutheilen? — Wer die schicklichsten Mittel zur Erreichung guter Endzwecke verwendet, der handelt gut, weise, klug, verständig; wer handelt aber unweise, unklug und unverständig? — Z. E. Wenn man, um gesund zu bleiben, ausschweifend lebt; wenn man, um reich zu werden, trage und verschwenderisch ist; wenn man, um Wasser zu schöpfen, ein Sieb nimmt; wenn man auf einen harten Felsen Saamen ausstreuen wollte, um einzuerndten; wer etwas unternimmt, ohne zu wissen, ob er es ausführen könne, u. dgl. Diese Gegenstände kann jeder vernünftige Lehrer vlit neuen Beyspielen vervielfältigen, auch bey jedem Beyspiel deutlicher und ausführlicher werden. Z. E. «r kann Fälle nehmen, wo die ttrsach durch ein Mittel würkt, und kann r. B. sagen: Kinder! ich habe diese Schreibfeder aus einer Federspule geschnitten, wie ihr gesehen habt; wie bin ich nun ansusehn, der ich diese Feder geschnitten habe? Als die Ursach. Und wie ist diese Feder anzusehen? Als die Wirkung. Aber womit habe ich dann diese Feder geschnitten? Mit dem Federmesser. Was war also das Mittel, wodurch ich diese Wirkung hervorbrachte? Er kann überdieß solche Fälle nehmen, wo Mittel und Zweck zugleich in Betracht kommen. Z. B- Kinder! wenn euere Eltern wünschen, daß ihr fertig schreiben lernen sollt — was thun sie denn? Sie lassen uns im Schreiben unterrichten. Und was müßt ihr von euerer Seite dann thun? Wir müssen uns fleißig üben. Und was werdet lhr alsdann lernen ? Fertig Schreiben. Wie nennt ihr also euere Fertigkeit im Schreiben? Eine Wirkung. Wie betrachtet ihr aber euere Eltern dabey, die da wollten, daß ihr diese Fertigkeit erlangen solltet? Als die Ursach. Wasfür ein Mittel wandten sie an, damit ihr fertig schreiben lernen sollet? Sie liessen uns im Schreiben unterrichten. Ial und ihr Wille, daß ihr fertig schreiben solltet, war die Absicht, warum sie euch in die Schreibeschule schickten.-Ihr seht also hieraus: das, was geschiehet, ist Wirkung; das, wodurch es geschiehet, ist Mittel; und das, wozu es geschiehet, heißt Zweck; und das, welches eine Wirkung veranlaßt, oder «m dessen willen etwas geschiehet, ist die Ursache von dem, was geschiehet. Und so hängt alles in der Welt wie eine Kette zusammen, «4 und wer alle Ursachen, Wirkungen, Mittel nnd Zwecke in der Welt in ihrem ganzen Zusammenhange kennen würde, der verdiente im höchsten Grade verständig genannt zu werden, welches aber ein unerreichbarer Gipfel für ein endliches Wesen ist, jedoch muß der Mensch es hierin» so weit zu bringen suchen, als es in seinen Kräften steht. was bedeutet das Wort möglich? Was seyn oder geschehen kann. Z. E. Es ist möglich: daß es regnen kann. Es ist möglich: daß eine FeuersbriM durch Wetterstrahl oder Verwahrlosung entstehe. Es ist möglich: daß ein unwissendes Kind nach und nach viel Nützliches lerne, denn es kann aufmerken oder Acht geben. Es ist möglich, daß man etwas Nützliches vergesse, was man wußte, wenn man nicht oft wieder daran denkt. Es ist möglich: das Gute für böse und das Nützliche für schädlich »u halten, denn man kann sich irren. Es ist möglich: durch Erbschaften und dergleichen reich zu werden. Es ist möglich: lange gesund zu bleiben, wenn man mäßig lebt. Es ist möglich: wenn man krank ist, wieder gesund zu werden. Es ist möglich: gut oder böse zu werden. :e. rc. was bedeutet das Wort unmöglich? Was nicht seyn und nicht geschehen kann. Z. E. Es ist unmöglich: etwas gehörig zu lernen, wenn man nicht aufmerkt oder nicht Acht giebt. Es ist unmöglich zu thun, was man nicht kann. Es ist unmöglich daß ein Lahmer wie ein Gesunder gehe. Es ist unmöglich: immer guten Muths zu seyn und ein gutes Gewissen zn haben, wenn man böse und lasterhaft lebt. Es ist unmöglich: daß es Silber schneye. Es ist unmöglich: einen Geist sehen zu können, weil ein Geist unsichtbar ist. Es ist unmöglich: daß es trockenes Wasser und kaltes Feuer gebe. Es ist unmöglich: daß jemand in seinem Hause, und zn gleicher Zeit in einem andern entfernten Orte auch zugegen oder gegenwärtig seye. Es ist unmöglich: aus einem Huhn eine Katze, aus Bley Gold zu machen — u. dgl. was heißt wahrscheinlich? Dasjenige, was entweder noch geschehen, oder schon geschehen seyn soll, und mehr Gründe für seine Glaubwürdigkeit, als dawider hat. Z. E. Es list wahrscheinlich: daß es regnen wird, wenn es warm und trübe ist. - Es ist wahrscheinlich : daß das Getraide theuer werde, wenn es-schlecht gerathen oder wenig gewachsen ist. Es ist wahr- fchrmlich, daß es einem Mensch , der in seiner Jugend fleißig gewesen und viel Nützliches gelernt hat, in der Welt wohl gehe. Es ist wahrscheinlich: daß auf schlechte Zeiten auch wieder gute kommen, u. dgl. was ist unwahrscheinlich? Das Gegentheil des Vorigen. Z. E. Es ist unwahrscheinlich: daß es in der Mitte des Sommers Eis frieren werde. — Daß alles Alte besser sey als alles Neue.— Daß ein Mensch, der nicht rechnen kann, unter gleichen Umstanden so viel erwerbe, als einer, der rechnen kann. — Daß ein Fauler eben so viel verdiene, als ein fleißiger Mensch — u. dgl. was heißt schwer? Was in Vergleichung mit andern Dingen viel wiegt. Bley, Eisen re. Was heißt leicht?- Was heißt vollkommen? Was nicht besser seyn kann, als es ist. Was heißt unvollkommen? was heißt tugendhaft? Wer die herrschende Neigung oder Fertigkeitkhat, recht zu handeln, was heißt lasterhaft? Was heißt Tugend? Alles Gute, Rechte und Anständige, was heißt Laster? wer heißt wahrhaftig? Wer die Wahrheit liebt und redet. was heißt verlogen? wer heißt sanftmüthrg? Wer nicht leicht etwas als Beleidigung ansieht. Was heißt zornmüthig? Was heißt versöhnlich? Wer geneigt ist , seinem Beleidiger ;u verzeihen. Was heißt unversöhnlich? Was heißt friedfertig? Wer den Frieden liebt und befördert. Was heißt zänkisch? was heißt wohlthätig? Wer andern gerne und viel Gutes thut? Was heißt hartherzig? Was heißt sparsam? Wer nichts unnöthiges aussiebt. Was beißt verschwenderisch? Was heißt geitzig? Wer das Geld und andere irrdische Güter ru sehr schätzt und liebt, ohne es gebrauchen ru dürfen. Was heißt aufmerksam? Wer darauf hört und sieht und an das denkt, worauf er hören und sehen, und woran er denken soll. Was heißt unachtsam? Was heißt genügsam? Wer zufrieden ist mit dem, was er hat oder bekommt. . Was heißt unzufrieden und ungenügsam? Mas heißt gelehrig? Wer sich gern belehren läßt und leicht Belehrung faßt. Was heißt ungelehrig? Mas heißt reinlich ? Wer keinen Schmutzleiden kann. Was heißt unreinlich? Was heißt bedachtsam? Wer überlegt/ was aus seinen Handlungen entstehen kann. Was heißt »»bedachtsam? Was heißt behutsam? Wer sich in Acht nimmt/ daß er weder sich noch Andern Schaben zufüge. Was heißt unbehutsam? Was heißt nachgebend? Wer Zank zu vermeiden sucht und am ersten aufhört zu streiten. Was beißt unbiegsam und unnachgebend? was heißt arbeitsam? Wer gern etwas Nützliches thut oder gern beschäftiget ist. Was heißt faul und träge? Was heißt gehorsam? Wer das willig thut, was ihn diejenigen, welche über ihn gesetzt sind, heissen. Was heißt ungehorsam? was heißt artig? Wer sich anständig beträgt. Was heißt unartig? ^ was heißt offenherzig? Wer so redet, wie er's meynt. Was heißt verstellt , falsch und verschlagen? — 2 () was heißt dankbar? Wer seinen Wohlthäter liebt und ihm Freude zu machen sucht. Was heißt undankbar? was heißt thätig? Wer viel arbeitet, und seine Arbeiten unverdrossen verrichtet. Was heißt unthätig? Was heißt dienstfertig? Wer andern gern erlaubte Gefälligkeiten erzeigt. Was heißt undienstftrtig? was heißt gefällig? Wer andern auf alle erlaubte Art zu gefallen sucht. Was heißt ungefällig? was heißt willig? Wer gern das thut, was von ihm gefordert wird. Was heißt unwillig? was heißt mäßig? Wer sich des Ueberflüßigen und Unnöthigen enthält. Was heißt unmäßig? was heißt unverdrossen? Wer nicht leicht mißvergnügt bey und über der Arbeit wird; ober wer gern und mit Lust arbeitet. wqs heißt verschwiegen? Wer das nicht wieder sagt, was heimlich bleiben soll. Was heißt geschwätzig und unverschwiegen? Was heißt eigennützig? Wer stets nur auf seinen eigenen Vortheil bedacht ist. Was heißt uneigennützig? Was heißt neidisch? Wer andern nichts Gutes gönnt, und unzufrieden ist über das Gute, das andere haben oder bekommen. Was heißt wohlwollend und menschenfreundlich? Was heißt schadenfroh? Wer sich über Anderer Schaden freut. Was heißt theilnehmend? Was heißt wankelmüthig? Wer bald dieß bald jenes will. Was beißt standhaft? Was heißt falsch? Wer jemand zu hintergehen sucht. Was heißt aufrichtig? Was heißt heucheln? Sich gut anstellen, und es doch nicht seyn. - was heißt argwöhnisch? Wer von andern immer Böses fürchtet. Was heißt eigensinnig? Wer immer nach seinem Willen alles haben will. Was heißt folgsam? was heißt nachlaßig? Wer seine Geschäfte gar nicht oder nur obenhin verrichtet. Was heißt Pünktlichkeit tm Berufe? Was heißt hochmüthig? Wer eine zu vvrtheik- hafte Meynung von sich hat, rmd sich über andere erhebt. Was heißt demüthig? Was heißt müßig? Wer nichts thut. Was heißt geschäftig ? was heißt herzhaft? Wer sich nicht fürchtet. Was heißt verzagt? Was heißt gutherzig? Wer verlangt, den Wohlstand seiner Nebengeschöpfe zu befördern. was heißt gemeinnützig? Was vielen hilft oder Vortheil bringt. Z. E. Schulen, Straßen rc. was heißt leichtgläubig? Wer alles ohne Prüfung für wahr annimmt. was heißt abergläudig? Wer Wirkungen behauptet oder angiebt, dazu die Ursachen fehlen. Z. E. l^enn ein Mensch hexen oder zaubern zu können, oder selbst behext oder bezaubert ru seyn vorgiebt, so ist ein solcher Mensch abergläubig; oder: wer von einem angehängten Zettel erwartete, daß ihm derselbe das Fieber vertreiben werde. — Was heißt Unwissenheit ? Mangel an Kenntnissen. Was heißt Dummheit? Mangel an natürlichen Verstandesfähigkeiten. Was heißt gewiß? Etwas, das man mit Gründen beweisen kann. W. h. Mitleid? Traurigkeit über dar Unglück anderer. Was heißt Hartherzigkeit? was heißt Reue? Betrübniß darüber, daß man etwas schlecht gemacht hat. Was heißt Verstocktheit? was heißt Stehlen? Heimlich andern das Ihrige wegnehmen. was heißt Rauben? Andern mit Gewalt das Ihrige nehmen. was heißt Recht? Was so ist, wie es seyn muß; was den Gesetzen gemäß ist. Was heißt Unrecht? wer hat Ueberfluß? Wer mehr hat, als er braucht. Was beißt Mangel? Was heißt lebendig? Was sich freywillig bewegen und empfinden kann. Was heißt todt? was heißt beseelt? Worinn eine Seele ist. was heißt lernen? Unterricht empfangen. was heißt lehren? Unterricht geben.*) *) Anmerkung über den Gebrauch dieser Wort- Erklärungen. Der Lehrer kann sich über den Sinn dieser und anderer selbst aufgefundener Wörter mit seinen Kindern nicht nur allein Gesprächsweise unterhalten, und ihnen entweder das Wort nennen, und sie um die Bedeutung desselben anfragen z. B. was heißt sichtbar r »der was heißt nützlich r re. Oder 3S Man kann obige Worterklärungen noch auf eine andere Art ru einer Verstandes - und Schreibeübung benutzen. Der Lehrer nennt nämlich ein Wort oder giebt eine Schilderung eines Worts, und frägt das Kind dann um den Namen oder die Bedeutung des Gegentheils — Z. E. Was ist das Gegentheil von sichtbar? — von nützlich? — von angenehm? — von entbehr« lich? — von veränderlich? — von fruchtbar? von abwesend? », s. f. oder der Lehrer kann fragen: Was ist das Gegentheil von dem, was man ft- Oder er kann ihnen eine Beschreibung von etwas geben, ohne ihnen den Namen des Gegenstands, den sie schildert zu nennen, und sie denselben selbst errathen lassen, z. L. Wie heißt man das, war man nicht sehen kann? Wir heißt man das, was mehr Nutzen als Schaden bringt? rc? — sondern er kann sich ihrer ebenfalls zn schriftlichen Uebungen bedienen, indem er den fähigern Schreibeschülern nach einer mündlichen Unterredung über ein »der mehrere Worte Fragen diktiert, und sich dieselben von ihnen beantworten läßt. Ich kenne einen Lehrer in einer sehr großen Dorfschule der alle Wochen einen Nachmittag solchen und ähnlichen Schreibcübungen, die zugleich Verstandesübungen sind, widmet, wo sich dann nur die geübtem Schreibeschüler in der Schule einfinden und an diesem Unterricht Antheil nehmen. Ihr an solchen Lage» Geschriebenes wird alsdann vom Lehrer genau korrigiert,' und muß den Lag darauf von jedem Schüler in eine aus etlich Bogen Papier zusammengestochene Schrift rein abgeschrieben werden? — Sollte so etwas keine Nachahmer finden oder »^dienen hen kann? — was man nicht sehen kann? — was mehr Nutzen als Schaden bringt? — was uns wohlgefällt? — was einer missen kann? — was nicht immer so bleibt, wie es ist? — was Früchte bringen kann? — was nicht da ist ? u. s. w. II. Sammlung einiger Gebet- und Lehr-Lieder für jüngereKtnder, besonders aufdem Lande. Gesammelt von B. Pfarrer Zwinglr in Netstall, Canton Glarus.*) i. Ein Morgenlied. Mein Auge, das den Tag erblickt, Wie munter wird es nun! Der süffe Schlaf hat mich erquickt; Gott ließ mich sanfte ruhn! Der liebe B. Pfarrer würde mir diese kleine Liedersamm- , lung schon in mein Schulbuch einzurücken überlassen haben, wenn ich damals, als ich dasselbe herausgab, Kenntniß davon gehabt hätte. Ich rücke sie jezt in diese Bibliothek ein, und hoffe, manchem Landschullchrer werden sie sehr erwünscht seyn, um sie, nach und nach, seinen Schulkindern zu diktieren, ihnen das Geschriebene dann genau zu verbessern, es in eine Probeschrist rein abschreiben zu lassen, sie das Abgeschriebene richtig lesen und aussprechen zu lehren, und alsdann -ie Kinder anzuhalten, es ihrem Gedächtniß einzuprägen. Wie lieblich ist deß Tages Licht! Wie gut der, der es schuf! Ich seh' der Meinen Angesicht, Und höre ihren Ruf. Gott! für mein Leben dank' ich Dir; Ich preise deine Treu, Und bitte, Vater! mach' an mir Heut deine Güte neu. Bewahre, bester Vater! mich Vor Unglück und Gefahr; Die ganze Seele freue sich, Gott! deiner immerdar. In denjenigen Gemeinden, wo es üblich ist: daß Sie Kinder in den sonntäglichen Kinderlehren etwas Auswendiggelerntes öffentlich hersagen, können diese Lieder ebenfalls zu dem Ende benutzt werden. Der B. Pfarrer schreibt mir darüber: „Ich hätte diese kleine Sammlung „ schon lange gern für meine Catechumenen und Schul- „linder gedruckt gewünscht, um ihre Auswendiglernlust, „ nach deren sie mich besonders im Sommer plagen, sie „etwas mehr, als nur aus dem CatechiSmus in der „Kirche sagen zu lassen, einigermaaßen zu befriedigen, „ weil selbige — meiner Meynung nach — jener ihre, „ Fassungskraft und Bedürfnissen so ziemlich angemessen „ seyn möchten; und ich sie ungern etwas auswendig „lernen lasse, wovon ich nicht eben einsehe: daß sie es „verstehen, und gebrauchen können, was mir bey den „ meisten Psalmen und Kapiteln, selbst des neuen Testa- ,»ments, der Fall zu seyn scheint, rc." — C L — 3 § — In jedem Unglück, jeder Noth Führt mich dein Vaterblick; Don Dir ermatt' ich bester Gott! Nur Gutes, nur mein Glück. Mit Freude thu' ich, was ich kann, Ein frommer Kind zu seyn; Am Abend schlaf ich rrchig dann Zum neuen Morgen ein. Amen! 2. Ein anderes Morgenlied. Der Tag ist da, und weg die Nacht, Ich bin und lebe noch. Der Gott, der wieder Tag gemacht, Wie gütig ist er doch > Wer sorgt für uns zu aller Zeit? Wer gönnt zu Nacht uns Ruh? Wer schenkt dem Müden Munterkeit? Wer, o mein Gott! als Du? Du willst, daß wir uns wiedersehn; Du weckest Leib und Geist; Du bist's, der auf- und untergeht» Die Sonne täglich heißt. 37 Gott! alles Gute kömmt von Dir, Du bist's, der alles kann, Und wie viel Gutes hast du mir. Mein Vater! schon gethan! Du, bester Gott! durch den ich bin, Der täglich mich erhält, O! schenke mir den rechten Sinn, Zu thun, was dir gefällt. An meine Arbeit will ich nun Mit Lust und Freude gehn; Mau soll mich immer Gutes thun. Nie bös' und träge sehn. O! laß mich gut und liebreich stets. Du Gott! voll Lieb' auch seyn. Dtr Vater, Hörer -es Gebets! Dir glaub' ich; ich bin Dein. Du bist, mein lieber Gott! bey mir, Wenn ich dich gleich nicht seh', Und stehst und hörst mich dort und hier, Ich fitze oder geh'. Wenn ich mit freudevollem Trieb Das Gute lieb' und thu', So bin ich Gott und Menschen lieb. Und hab' im Herren Ruh. 3. Ein Abendlled. S wie viel Gutes that'si du mir Auch heut'; mein Gott! wie dank' ich Dir! Ich hatte nichts m leiden/ Du gönntest mir viel Freuden. Du schenktest Speise mir und Trank, Und Kleid Und Wohnung; Dir sey Dank! Denn alles/ was ich habe, Ist VateN deine Gabe. Mein! Keine Stunde geht vorbey, Daß deine Hüls' nicht spürbar sey. Stets bin ich frohen Muthes; Denn stets thust Du mir Gutes. O mögt' ich nur recht dankbar seyn, Und immer Gott! in Dir mich freu'»! Für alles sey gepriesen, Was du mir heut' erwiesen. Schenk' mir ein Her; voll Dankbarkeit, Und kindlicher Zufriedenheit. Erwecke mein Gemüthe Zum Preise deiner Güte. — 39 Entdecke meine Fehler mir; Laß mich sie redlich/ Gott! vor dir Bekennen und bereuen: Du willst und kannst verzeihen. Ja! lieber Vater! du verzeihst Durch Jesum; schenk mir deinen Geist. Laß alle meine Sünden Vor deinem Aug' verschwinden! Behüte Vater! väterlich In dieser Nacht vor Unglück mich; Vor Schrecken und Gefahren Kannst Du mich leicht bewahren. Und hast du, Vater! diese Nacht Durch deine Güte mich bewacht, Laß mich gesund am Morgen, Erwachen ohne Sorgen. Nun schlasi ich ruhig ein. Du, Du! Du wachst für mich und gönnst mir Ruh. Du schläfst nicht; ich befehle Dir Vattt! Leib und Seele. Amen! 4. Selbstprüfmig am Abend. Schnell wie ein Strom entflieht die Zeit! Ein Tag ist wieder hm. Wohl mir, wenn auf die Ewigkeit Ich nun bereitet bin! Wer fromm gelebt und jede Wicht Mit Treu und Lust vollbracht, Der scheut die schärfste Prüfung nicht, Den schrecket keine Nacht. Im Stillen frag' ich also mich r Im Stillen, doch vor Gott; Wie lebt ich heute? Habe ich Gethan, was er gebot? Hab' ich vom Bösen mich entfernt 7 Die Eltern nie betrübt ? Was hab' ich Gutes heut' gelernt? Was Gutes ausgeübt? Folgt' ich dem Rath, den man mir gab? Und floh ich die Gefahr? Und bat ich jeden Fehler ab. Der heut' begangen war 7 4 - Gehorcht ich jedem Wort und Blick Von meinen Eltern gern? Hielt ich Gehorsam für mein Glück? War ich vom Stolze fern? War ich zu Andrer Dienst geschwind? War Wohlthun meine Freud'? Und that ich heute keinem Kind Aus Bosheit was zu Leid? Hab' ich nicht wie ein Thor gelacht? Was war mein Freudenspiel? Hab' ich nichts Bösem nachgedacht? Und schwur ich nicht, wie viel? Kann mein Gewissen ruhig seyn? Wo wär' ich, wär' ich todt? Könnt ich mich meiner Tugend fteu'n, ^ Und freuen mich in Gott? sv. §. Ein kürzeres Aben-lie-chev. Nun so schlaf' ich ruhig ein, Gott , mein Gott will bey mir seyn; Gottes Allmacht will mich decken, Sollte mich die Nacht erschrecken? Gott, «ein Gott kann vor Gefahren, Kann vor Unglück mich bewahren; Seine Huld ist's, seine Macht, Die bey Tage, die bey Nacht Ueber seine Kinder wacht. Ohne Kummer schlaf ich ein, Gott, mein Gott will bey mir seyn. Amen 6. Allgemeines Gebet für Kinder. Mein Aug' und Herz erhebe sich Zu dir, mein Gott und Vater! Hier, wo ich bete, siehst du mich; Hier, hier bist du mein Vater. Laß in der Wahrheit und im Geist Mich kindlich zu dir flehen, Und heilig, wie dein Wort mich heißt, Vor deinem Antlitz stehen. Des Heuchlers Flehen kannst du nicht- O Heiligster! erhören; Dich triegt kein frommes Angesicht , Dich triezen keine Zähren. 43 Das Herz , das Her; muß redlich seyn, Nur nach der Tugend streben, Voll Demuth, Treu und Einfalt seyn, Und kindlich dir ergeben. Achschaff' ein solches Her; in mir l Noch bin ich voller Sünden. Dich such ich; bin noch fern von dir ; Gott laß mich bald dich finden. Dem, der in Demuth zu dir naht. Wirst Du entgegen kommen; Wer redlich haßt die Missethat, Wird von dir angenommen. Ach! nimm der Sünden schwere Last Dom klagenden Gewissen, Und laß, wie du es gerne hast. Der Busse Thränen fließen. Du kennest meine Leidenschaft, Und weiffest meine Sünden; Ach! lieber Herr Gott! gieb mir Kräfte Die Lust zu überwinden. Ach laß im Dienst der Sünde nicht Mein Herz sich frech verstecken! Zieh' kräftig mich mein Gott! zurück, Wenn mich Begierden locken! 44 Gieß Bruderliebe in mein Hm, Und himmclreine Triebe; Laß deinem Sohn mich ähnlich seyn. An Lugend und an Liebe. Ach laß mich nie kein Aergerniß Dem schwächren Nächsten geben! Ein Licht sey in der Finsterniß, Ein Helles Licht mein Leben. Den Himmel und die Ewigkeit Laß mich im Geist umfassen, Und was mich nicht im Tod erfreut, Won ganzem Herzen Haffen. Schenk' Munterkeit und Weisheit mir Zum täglichen Geschäfte, Fleiß im Beruf und Treu' vor dir, Gesundheit, Lust und Kräfte. Schau alles Elend gnädig an; Erbarm' dich aller Kranken; Gieb dem, den Niemand trösten kann. Du, tröstende Gedanken! Die heiligste Religion, O laß empor sie kommen! O stärk' den Glaub' an Gottes Sohn, Und mehre deine Frommen! 45 Und segne den, der Gutes thut, Und Gutes redlich lehret, -Mit Weisheit und mir Heldemnuth Dem Laster ernstlich wehret. Laß flehn zu Dir ohn' Heuchele!), Gott! Aller Herz und Hände; Der Frechheit und der Tyranney, O Vater! mach ein Ende! Dieß ist mein Fleh'n, erhöre mich. Mein bester Gott und Vater! Aus vollem Herren bitt ich dich: Erhöre mich, mein Vater! 7. Ein anderes. O Herr . Gott, gnädig und gelind! Schau Vater! auch auf mich, dein Kind; Du bist unendlich groß und hoch. Und achtest und erhörst uns doch. O lehre mich, das Gute lieben Und mich darinnen täglich üben! Gieb, daß ich allzeit herzlich gern Die wahre Weisheit kennen lern'! — 46 — Die gröste Lust, das höchste Glück Ist Rcchtthrm jeden Augenblick; O neige meinen ganzen Sinn Zu dir und jeder Tugend hin! Du lehrst auch Schwache deine Wege, Wohl mir, wenn ich es früh erwäge, Daß ich mir selber würde schaden, Wenn ich der Zucht mich wollt' entschlageu! Wenn ich, was gut und nützlich ist, Versäumte, da ich doch ein Christ, Und als ein solcher schuldig bin, Zu haben Jesu Christi Sinn. O daß sein Geist mich täglich treibe, Daß ich in Gottes Ordnung bleibe; Daß ich die Eltern nie betrübe, Und nur was recht und gut ist, übe. Herr Jesu! der du auch ein Kind Geboren wardst, o wie geschwind Erwuchsest du zur Weisheit auf. Für deinen ganzen Lebenslauf. Du wärest voll Annehmlichkeiten An jedem Ort, ru allen Zeiten, Vor Gott und Menschen. Solche Tugend Beglück auch mich in meiner Jugend r O Gott! durch Christum sey mir gnädig Mach mich von jeder Unart ledig, Zu jedem nützlichen Bestreben, Zur Beßrung wollst du Kraft mir geben. Daß ich beständig und mit Lust Die Wunder merke, die du thust, An See!' und Leib, in Berg und Thal, Auf Erd und Himmel überall. Früh will ich mich im Dulden, Schweigen Und Wohlthun als dein Kind erzeigen; Will dankbar, was ich hab', gemessen. Und wem ich kann, sein Leid versüssen. O laß mich wachsen, gnädiger Hülfreicher Gott! bald nützlicher Zu leben, wie es dir gefällt. Für viele Menschen in der Welt. Vergilt mit deinem besten Segen Den Meinigen, die meinetwegen So viel wachen, so viel sorgen; Ihr Seufzen ist dir nicht verborgen. Daheim und draussen, Tag undMachk, Behüte mich mit deiner Macht. Mein kindlich Lob verehre dich Du Gott der Liebe ewiglich. - 48 - Ja/ treuer Gott! erhalte mich In deiner Huld; ich glaub' mi dich- Einst in dem Tode laß mich rein Bey dir und meinem Heyland seyn r Und wenn die Großen samt den Kleinen 8lm jüngsten Tag vor ihm erscheinen. Dann laß mich auch mit allen Frommen Auf ewig in den Himmel kommen. Amen! 8. Ein anderes Gebetlied für Kinder. O Vater! neig' dich väterlich Zu deinem schwachen Linde; Gieb mir ein frommes Herr, daß ich Mich scheu' vor jeder Sünde. Laß mich den Schmuck der Sittsamkerk Weit über alles schätzen. Was Dir, o mein Gott! wohlgefällt, Das sey auch mein Ergötzen. Hilf', daß mein Geist nichts lieber hört, Nichts lieber spricht und denket, Als was die Weisheit stärkt und mehrt, Und Lust lum Guten schenket. Die — 49 Die Lust, die bloß den Leib ergötzt, Verderbt oft junge Herzen, Und was die Welt für Freude schätzt, Bringt Reue, Schaam und Schmerzen. Erhalte meine Seele rein, O Vater meines Lebens! So werd' ich hier schon glücklich seyn, Dann leb' ich nicht vergebens. Gebet um Gnade zum Rechtthun.' Eins bitt ich Gott! das hatt' ich gern, Kraft alle Sund zu Haffen Und meinen Heiland, meinen Herrn, Nie treulos zu verlassen. Um seiner Liebe willen sey, Mein jugendliches Herr ihm treu, Und redlich meine Liebe! Herr leite mich durch deine Kraft Auf meiner Jugend Pfade, Und mache mich gewissenhaft . Md würdig deiner Grradp. D Dein Geist besieg in mir den Hang Zur Jugend-Lust, und Lebenslang, Sey ich dein Kind , o Vater! 10. Bitten. Aller Menschen Vater,' höre, Merk auf mich dein bittend Kind. Gieb mir deine Kraft und lehre Mich, was deine Wege sind. Dich m ehren — dich r« lieben Und in dir: Mich der schönen Welt zu freuen, Vater: Dieß verleihe mir. Meinen Eltern Ä-re geben, Ihnen gern gehorsam seyn. Dir und Ihnen dankbar leben Ohne Tadel fromm und rein. Dies sey immer mein Geschäfte Meiner Jugendlichste Pflicht, Gott verleih' dazu die Kräfte, Ohne dich vermag ich's nicht. — 5 * — n. Ein anderes gleichen Znnhalts. Lehre Gott! mich meine Pflichten, Laß mich seyn als wie ein Baum, Der gepflanret ist ru Früchten In der Gartens bestem Raum?) Laß mich gute Früchte tragen! Lenke du mir Her; und Sinn, Daß ich in der Zukunft Tagen Tugendhaft und glücklich bin! Tollt' ich nicht: O dann erhöre Mein verdoppelt kindlich Fleh'n, Und laß mich ru deiner Ehre Unschuldsvoll von hinnen gehn! Nimm mich früh von dieser Erde, Ehe mir dein Auge feind Mgen meiner Sünden werde, Und mein guter Engel weint. ') Bestem Raum >. h. bestem Platz. D s — 82 — rs. Um die Regierung -es heiligen Geistes. Komm, o Geist! von Gott gegeben! Heilige und beß're mich. Weise und gerecht zu leben,. Dieß vermag ich nur durch Dich. Nimm, weil ich so sündhaft bin, Mein Verderben von mir hin. Wie verkehrt 'ist meine Jugend, Wann Du nicht mein Herr regierst, Und von Sünden mich rur Tugend Und rur wahren Weisheit führst! Mach Dir selbst mein Herr bereit. Schmück es aus mit Heiligkeit. Gieb mir Freudigkeit und Stärke Zur Vollendung meiner Pflicht, Wann ich meine Schwachheit, merke Dann, o dann, verlaß mich nicht. Leite meinen flücht'gen Sinn, Auf. mein wahres Wohlseyn him Herr! regiere meine Seele Und erneuere meinen Sinn, Daß ich nur das Gute wähle, Und die Sünde möge Wehn; - 53 - Leite Du mich auf die Bahn, Wo ich selig werden kann. Sey mein Beystand wann ich sterbe ^ Zeige meinem Geist von Fern, Das mir aufbehaltne Erbe O! alsdann erblaß ich gern: Dann dring' ich durch Grab und Tod, Hin ru Dir, mein Herr und Gott. Amen lz. Ein Lied von Gott. Ich' bin — doch noch nicht lang bin ich; Nicht immer'war mein Vater. Woher kam er? Woher kam ich? Woher der erste Vater? Erst war ein jeder Große klein Kein Mensch ward, weil er wollte seyn ; Wie sind wir dann wohl worden? Wer gab mir Aug und Ohr und Hand, Mund, Othem, Geist und Leben? Wer Sinnen — Willen und Verstand, Dem Guten nachzustreben?, Ich seh' mich selbst mit Freuden an Weil ich geh'», reden, handeln kann? Und was ich will kann denken? Die Sonne hat kein Mensch gemacht, Sie ist uns viel ru ferne. Kein Mensch macht Tag, und keiner Nacht, Und keiner Mond und Sterne. Sie waren — eh' wir waren — da. Kein menschlich Aug, nicht eines sah. Sah Mond und Sonne werden? Wer machte dann die schöne Welt, Das Nahe und das Ferne? Wer hat an Himmel hingestellt Die Sonne, Mond und Steril? Woher der Thiere größe Zahl Wer machte Felder, Berg und Thal, Und Bäume, Früchte, Blumen? Wer goß dar Wasser reichlich aus In Brunnen, Bäche, Seen? Wer streut im Winter Flocken aus. Wer heißt die Winde wehen/ Wer gießt den Regen auf die Air, Wer führt die Wolken tröpflet Thau Auf Wiesen, Felder, Reben? Das aller , alles Groß und Klei« Ist Dem Werk, Unsichtbarer.'!, Du bist der ErsteDu allem . Der Schöpfer und Bewahrer. Durch Deine Macht , durch Dein Gebot Bin ich — ist alles, bester Gott!- - Durch Dich ist alles worden. Von Gott ist alles, was ich hab, Ohn' ihn kann nichts geschehen. Der Gott, der allen Augen gab, Muß alles, alles sehen. Sein ist die Welt — Auch ich bist Wy', Nichts ist so groß, nichts ist so klein, ". Daß Er dafür nicht sorge. Du, Gott! weißt alles , was ich thu, Siehst mich an jedem Orte; Selbst was ich denke, weißest Du, Hörst alle meine Worte, Dein unsichtbares Angesicht, Sieht mich im Dunkeln, wie bey Licht, Bey Nacht, als wie beym Tage. Wie gut, wie liebevoll Du bist, Seh' ich, wohin ich blicke, Weil alles gut und Mich ist, Und dient ru meinem Glücke. kuft/ Sonne/ Feld und Wald und Thier/ Milch/ Korn und Wasser nützen mir/ Und nützen aSen Menschen. Für sich nicht-7-für Geschöpfe nur Daß jedes glüklich werde/ Schuf Gott die prächtige Natur/, Den Himmel und die Erde. IHM/ der uns wie ein Vater liebt/ Und allen/ alles Gute giebt/ Ihm können wir nichts geben. Nun bin ich fröhlich, daß ich bitt/ Ein Zeug von Gottes Güte, Ich danke Gott, und denk an Ihn Mit freudigem Gemüthe. Ich seh' Dich nicht - doch lieb' ich Dich, Gott Du schuffst, Du erhaltest mich, Zu immer größ'ren Freuden. Die Tugend oder Rechtthun; das Glück des Menschen. Wie hat es doch ein Mensch so gut, Der Gutes liebt und Gutes thut: ' Wie wohl ist Ihm im Herzen, Den ganzen Tag, die ganze Nacht, Nichts ist das Ihn unglüklich macht, Selbst Leiden nicht, nicht Schmerzen. Nein! Wer dem lieben Gotte glaubt, Sich keine That, kein Wort erlaubt Die Jesus ihn heißt meiden, Wer alles liebt, was Jesus liebt, Sich ganz und froh an Ihn ergiebt, Dem fehlt es nie an Freuden. Wie froh sieht der den Himmel an. Der Gutes thut, so viel erlkann, Der keine Mühe scheuet; Der andre, wie sich selber, liebt. Den andrer Traurigkeit betrübt, Den andrer Freude freuet. Wer Armer und Verlaßnen sich, Wie Jesus Christus brüderlich Und hilfreich sich erbarmet, Wer Gutes gönnt und Gutes schenkt Ruch dem, der ihn aus Bosheit krankt. Wer Feinde selbst umarmet. Wer fern von jeder argen List, Ein Freund der lieben Wahrheit ist Ein Feind vom falschen Wesen; Weß Ja ist ja! weß Nein ist nein! *) ' Wie lieb wird der den Menschen seyn. Wie lieb oft auch den Bösen! O wohl dem, der nicht Kleider-Pracht, Nicht Gold zu /einer Freude macht, Und was nichts nüzt' verschmähet, Bescheiden**) ist, nicht bloß zum Schein/, Und nicht bloß um gerühmt zu seyn, Gerade Wege gehet***). Wer gern mit aller seiner Kraft, Mit guter Absicht Gutes schaft. Hat hier viel frohe Tage; Leicht, süße wird ihm sein Geschäft, Wer mäßig ißt und trinkt und schläft, Erspart sich Schmerz und Klage. *) d. h. auf dessen blosses Ja ober Nein man sich so sicher verlassen kann, als wann er schwüre. **) d. h. demüthig. *") d. h. wie ein ehrlicher Mann handelt. Und wenn ein Leiden dieser Welt Auch je des Frommen Seele quält, Wie leicht wird er sich trösten! « Gott ist die Lieb: Ich zage nicht, «Weil Jesus Christus mir verspricht: „ Es diene mir rum Besten Wie elend wird der Sünder seyn, Wie schmerzlich wird es ihn gereu'n, .Nicht recht gethan zu haben. Dem Gotte, der nicht lügen kann, Der nichts, als Gutes Ihm gethan, Dem nicht geglaubt zu haben. Ich förchte mich in keiner Noth, Vor keiner Krankheit, keinem Tod, Wann ich Gott herzlich liebe; Wann ich, wie Jesus mich ermähnt, Mit Herz, mit Leib, mit Mund und Hand Was recht und gut ist, übe! Drum lehre mich, o Herr, mein Gott! Das Gute redlich lieben, Und stäts nach deines Sohns Gebot, Was recht und gut ist, üben. Dann werd' ich hier schon glüklich seyn. Dann leb' W rmr rum Segen. »— 6S — Das Unser Vater. Bon B. Pfarrer 2. R. Woß in Buchsee, Canton"Bern. Mein und meiner Bruder Vater, Der Du hoch im Himmel thronst, Und mit jedem Strahl der Sonne Segnest, und mit Vaterwonne Unter Deinen Kindern wohnst! Heilig, heilig sey Dein Name, Ewig hochgebenedeyt! Ehre sey Dir in der Höhe! Ehre, bis sein Herzschlag stehe, Dtr vom Sohn der Sterblichkeit! Rächt und Frost des Geistes schwinden Hin durch deiner Wahrheit Kraft! Dein Reich komme; wachse; leite Hier uns fort, bis dir zur Seite Volles Licht den Engel schafft! kehr' uns kindlich deinen Willen, — Denn der Deine nur ist gut! — Neben ohne Trug und Mangel; Ihn vollbringen wie Dein Engel, Der ihn treu, und fröhlich thut! Gieb mir, gieb den lieben Meinen, Jedem gieb sein Stücklein Brod. Suchen laß es uns in Treuen ; Und zur Arbeit gieb Gedeyhen Und Gefühl für fremde Noth! Zähle nicht des Strauchlers Sünden, Richte nicht, erbarm dich mein! Herr! Versieb uns unsre Fehle Wie auch Wir von ganzer Seele Feinde lieben, und verrechn! Setze allzuschwerer Prüfung Nicht des Menschen Schwachheit aus. Will ein Falscher uns verführen, Und dieß Fleisch rum Laster rühren: Vater, o so rett' uns draus! Du haltst unsers Schiksals Steuer, Führst's mit Herrlichkeit und Macht: Wirst's mit Vatersorgfalt lenken, Kannst und willst uns weit mehr schenke» M das Herr ru stehen wagt! 62 III. Bemerkungen über den Zustand der Schulen des ehmaligen deutschen Brrnerge- biets, mit Ausnahme der Städte. Don B. Helfer, Kirchen- und Erriehungs-Rach Grüner in Bern. (Fortsetzung des im tsten Bändche» abgebrochenen Artikels.) 4. Schulbücher. Ein Punkt auf den man bey Beurtheilung des Schulznstandes einer Schule vorzüglich zu sehen hat, ist die Beschaffenheit der Bücher, welche in derselben gebraucht werden. „ Ohne weise Lehrbücher sagt Resewitz in seinem vortreflichen Werke über die Erziehung des Bürgers — „wird man selten gute „Lehrer haben, und ohne gute Lehrer kann kein „brauchbarer Unterricht seyn: Von Grund aus die ,, Schulen verbessern, heißt bey Verbesserung der »Schulbücher anfangen". — In unsern Landschulen wird nebst der Fibel der dreyfache Catechismus, Hübners Historienbuch, das — 6z — neue Testament/ zuweilen auch das Psalmbuch zum syllabieren und lesen/ doch die erste gewöhnlich nur zum syllabieren / die übrigen / besonders das lerte, oft nur zum lesen gebraucht. In vielen Schulen mußten die Kinder eines nach dem andern aus einer großen Foliobibel/ wo sie aufgeschlagen wird, doch mehr zur Prüfung/ als zur Uebung oder rum Anfang der Schule/ lesen; in einigen bedient man sich dazu noch mancher anderer Bücher/ wie sie dem Schul- lehrer oder den Aeltern in die Hände fallen; s» habe ich selbst in einer Schule, die eben nicht von den schlechtesten ist/ Langhanns von den Lastern re. angetroffen. Geschriebenes kernen die meisten Kinder aus allen Kauf- Lehen- Gültbriefen u.s. w. lesen/ die sie von Hanse mitbringen; nur zu oft sind es Rechts- Schriften / durch die sie zu frühe um dem darinn herrschenden Geiste / und hingegen ru selten mit einer deutlichen saubern Schreibart/ oder richtigen Rechtschreibung bekannt werden; gut geschriebene Briefe/ Zeugnisse/ Quittungen und dergleichen in heutiger Sprache und Charakter wären unstreitig nützlicher. Sobald die Kinder nur ein wenig lesen können/ läßt man sie eben den Catechismen/ in welchem sie - 64 dieses gelernt, oft ehe sie ein anderes Buch in die Hände bekommen, auswendig lernen, das ist: eine Krage nach der andern für sich aus dem Buche verplappern, bis sie selbige, ohne in das Buch zu sehen, dem Lehrer hersagen können, ohne stecken ru bleiben. Zuweilen werben sie dann daneben noch im Testament, Historienbuch u. s. w. im Lesen geübt, zuweilen auch nicht. Im leztern Falle wird aus dem, was sie auswendig lernen, ein desto unsinnigerer Galimathias, je mehr ihnen davon noch vom Lese- leruen her hangen geblieben ist, und je weniger man dabey mit Genauigkeit und Unverdroffenheit zu Werke gieng; je geschwinder und lauter sie die langen, und oft verwickelten Redesatze daher schreyen, und je weniger ihnen die oft von Schulmeistern nicht verstandenen fremden Wörter und Wortfügungen erklärt werden, das ist, in eben dem Maße, wie sie den CaWhismus bey Hause unter der Aufsicht eines Weibs oder Kindes, oder in einer Schule lernen, in welcher, um sich nach den Begriffen und Forderungen der Aeltern zu richten, dieselbe Methode beybehalten und gelernet wird, nach welcher man zu Hause lernt. Nebst den drey, von Obrigkeit aus vorgeschriebenen Katechismen, von denen sich jedoch nur der Heide^- Heibelbergische, welcher auch weit der beste ist/ allgemein erhalten hat,.werden hie und da noch andere von Lampen, Ganting, Anfangsgründe, Frag« stückli u. f. w. auswendig gelernt, weil entweder der wirkliche Pfarrer oder Schulmeister sich eines derselben zur Unterweisung bedient/ oder ein Vorhergehender dasselbe eingeführt, und es sich nun in verjährtem Rechte behauptet hat. So hörte ich 1788 an einem Examen von den nämlichen Kindern fünf verschiedene Catechismen hersagen. Daneben lernt man noch Psalmen gereimt und in Prosa, Festlieder, Historien aus Hübner, ganze Capitel aus dem neuen, seltener aus dem alten Testament; nur hie und da einzelne Verse, ausgenommen im Catechismus, in einigen Schulen auch die Musiknoken mehrerer Psalmen, und, welches jedoch das seltenste ist, hie und da das einmal eins auswendig. — Gesungen wird in mancher Schule nicht nur aus den Psalmen, sondern auch aus der Seelen- Musik, den Köthenschen Liedern, dem Bachofen, Schmidlin «. a., ich glaube Wohl rum Nachtheil deS Gesangs, als der ediern einfachern Religion, indem, wo nicht Kinder, doch Erwachsene und Lehrer über der Melodik und dem Inhalte dieser Gesänge, E wie anderer mystischen Schriften / den Geschmack an den Psalmen und der Sprache der Bibel verlieren. Was das Schreiben betrift, so ist in den allerwenigsten Schulen mit Einführung gedruckter Vorschriften nur noch ein Versuch gemacht worden, der indessen da, wo es geschehen ist, die Lhunlichkeit und Nützlichkeit dieser Metbpde hinlänglich beweist, bey Welcher der Lehrer und die Schüler viele Zeit gewinnen, da leztere unstreitig weit leichter einen saubern, festen und regelmäßigen Buchstaben, als die wenigstens unsichere, wo mehr zitternde und verzogene Hand eines Schulmeisters werden nachmachen lernen, der dar« gewöhnlich, anstatt mit Strichen und einfachen Buchstaben anzufangen, gleich die zusammengesezten, schwerern und grösser« vorschreibt , ehe die Schüler die kleinern, leichtern machen können. Der vornehmste Nutzen aber, der sich von den gedruckten Vorschriften hoffen läßt, besteht darinn, daß die Landkinder dabey nicht so lange mit dem blossen Schönschreiben aufgehalten werden müßten, wie irrt geschieht, da sich aller Unterricht »M Schreiben nur einzig darauf bezieht, ohne daß sie es doch rü einiger Vollkommenheit darinn bringen, indem die Schullehrer gemeiniglich nur darum große Buchstaben und Fraktur vormahlett, weil es mit der khinen Schrift nicht sprecht fort will, oder um ihre 6 ? Ungeschiklichkeit mit jener Prahlerey zu bedecken, Andre Schüler auf eine Art zu beschäftigen, welche ihnen am wenigsten Anstrengung kostet. Giebt man ihnen aber keine großen und Kanzlei) - oder Fraktur Vorschriften, so wird der Knabe, wenn er nur die kleinen Buchstaben so gut als sein Lehrer (leserlich— was braucht es mehr?) nachmachen kann, desto eher Anleitung zu Rechtschreibung und eigenen Aufsahen erhalten, woran jert in den allermeisten Schulen nur nicht einmal zu denken ist. — Für die Rechenkunst, von welcher auch kaum in der io. Schule, und überall gewiß nicht dem tausendsten Kinde nur der geringste Anfang gelehrt wird, ist kein Lehrbuch weder vorgeschrieben, noch meines Wissens irgendwo eingeführt; so wie auch die einzige theoretische Anweisung zur Tonkunst, die wir haben , ob ste gleich den Psalmbüchern beyge- drukt, und folglich in jedermanns, auch in der Kinder Händen ist, dennoch bey dem Schulunterricht gar nicht benutzet wird. Die Schulbücher, welche beynahe in jeder Schule angetroffen werden, sind also die Fibel, die drey Catechismen, Hübners Historien , das Psalmbuch, meist nach Yen alten und der neuen, das Testament, gewöhnlich nach Luthers und Piscators, und die Bibel in des Wem Ueber« setzung. Daß in so vielen Büchern, und zwar nicht von allen Schülern zugleich in verschiedenen Stunden, sondern zu jeder Stunde von verschiedenen Schülern gelernt, gelesen und syllabiert wird, ist ohne Zweifel ein großer Fehler, weil das alle Abtheilung in Classen unmöglich macht, und bey der grossen Anzahl von Schülern doch beynahe , oder durchaus jedes seine eigene Lektion vor sich hat, indem sie zuerst alle in Knaben und Mädchen abgetheilt sind, und unter jedem Geschlechte nicht nur Buchstabierende, Syllabierende, Gedrilltes und Geschriebener Lesende, auswendig Lernende und Schreibende, seyn können, sondern auch zu gleicher Zeit, und von jedem Geschlechte in so viel verschiedenen Büchern, und auf so viel verschiedenen Blättern desselben Buchs, syllabiert , gelesen und gelernt wird. — Die rmglükliche Methode immer rum Schwerem fortzuschreiten, ehe man im Leichtern hinlänglich geübt ist, und dieses dann gänzlich auf die Seite zu setzen, mag vorzüglich die Ursache seyn, warum die Kinder bey uns so manches Buch durchsyüabieren und lesen können, ohne je eine rechte Fertigkeit härmn zu erlangen. Zwey kleinere Bücher, deren eines anstatt unsrer Fibel gebraucht, und von dem Schullehrer erklärt werden, aber nicht aus langen -Gebeten, den heiligen 10 Geboten, und dem allge- meinen Glaubensbekenntniße, sondern einfältigen Sittensprüchen, und leichten Anfangsgründen nützlicher Kenntniße und Wahrheiten bestehen müßte, das andere aber die Grundsätze und Hauptlehren des Christenthums enthielte, und dessen Erklärung dem Prediger vorbehalten bliebe, könnten zu Buchstabier - und Leseübungen hinreichen, wenn man mehr dahin sähe, daß die darinn erlangte Fertigkeit über dem auswendig lernen, wo oft ein guter Theil des Erworbenen wieder verloren geht, noch weiter vermehrt würde. — Die Fibel muß für das Kind unterhaltend, in einer , selbst den Kleinsten verständlichen Sprache abgefaßt, und doch eines Jnnhalts seyn , der dem Lehrer Stoff zu mancherley Bemerk kungm nach den Bedürfnissen und Fähigkeiten seiner Schüler darbiete. H Man ftke z. B. anstatt der fremden Namen Lukrezia, RemnL, Xantippe, die bey uns üblichsten Lausnamen, nebst allen unter Kindern und Erwachsenen gewöhnlichen Verstümmelungen, und Liese zur Unterscheidung mit einer andern.Schrift i» dieFiebel, als: Johann Lat. Johannes, daher: Hans, Hanölj, Hast, Housi, Höüsj, u. s. w. Elisabeth, Lat. Elisabeths, daher: Elfi, Erst, List, Lisabcth, Bethlj, u. dgl. dann würde doch nicht mehr, wie jezt, geschehen, daß ein Vater mehrerer Knaben einen Hans, und einen andern Hanes nennte, oder daß von zwey Schwestern eine Elff, die andere List, oder diese Beth, iene Lisabeth hieße, welches wohl manchem «Ein Lesebuch" -7 sagt Stuve über das Schulwesen S.ioy. „welches klein, die Kinder anriechende, und ihnen nüzliche Erzählungen in eintauchen und wenig zusammengefezten Worten enthielte, »wäre für den ersten Unterricht im Lesenlernen vortrefflich. Um den dem Jnnhalt und Sinn ange- »messenen Ausdruck oder Vortrag beim Lesen zu befördern und zu erhalten, ist es nothwendig, daß „die Kinder nichts lesen, als was sie verstehen und „empfinden können, und daß sie oft richtig und schön „vorlesen hören". Ein Religionsbuch muß freylich auch in den Schulen seyn , damit es in die Hände der Land- rrnd besonders der jungen Leute komme, und es doch ley Irrungen veranlassen kann, da man voraus sezen muß) der Pfarrer Werdern seinen Kirchenbüchern, und der Notarius in gerichtlichen Instrumenten Johann und Elisabeth schreiben. Ich kenne einen Ort, wo verschiedene, theils Abraham, theils Willhelm im Taufbuch eingeschriebene Männer, im Umgang nur Hämma genannt werden, und der Meynung sind, Abraham und Willhelm seyen derselbige Name. Würden das die Richter in zukünftigen Zeiten wohl auch so verstehen , wenn die Nachkömmlinge oder Erben des Einen oder Andern ihre Abkunft von ihm oder ihre Verwandtschaft mit ihm zu bescheinigen, zwar die erforderlichen Tauf- und Ehescheine vorweisen könnten, in denen aber derselbige -Mensch bald Willhelm hieße, bald aber sich Abraham angegeben hätte r auch die Unwissendsten kenne»/ und wenigsten? fertig lesen können. Es sollte aber von dem Schullehrer nicht gefordert werde»/ daß er selbiges erkläre/ sondern nur/ daß er es fleißig zu den Leseübungen brauche/ und es den Kindern auf diese Art/ nicht aber durch wiederholtes überlernrn und Hersingen, ins Gedächtniß bringe oder doch bekannt mache.' Denn vbschon es weder Polemik noch weitläufige Dogmatik enthalten sollte, so müssen doch die Haupts Wahrheiten der christlichen Weisheitslehre den Le- bensReglen derselben zum Grunde liegen/ und wenige' Landschullehrer wären im Stande ihre Schüler nach einem neuen , den Bedürfnissen unserer Zeiten anpassenden Lehrbuche zu unterrichten / wo sie nicht allen ihren zum Heidelbergischen CatechismuS gesammelten Verrath anbringen könnten/ der größtentheils in unnützen theologischen Subtilitäten und mystischen Wizeleyen besteht. Muß der Schullehrer wie bisher Unterricht in der Religion geben, so lasse man ihn dazu biblische Geschichten r. V. Hübners Historienbuch nehmen/ das ihm in alle Wege leichter fallen würde zu be- handlen, und das in der Schule zu llebungen nicht nur im Lesen / sondern auch des Gedächtnisses und Verstandes der Kinder gebraucht werden könnte, wenn man -e eine Geschichte nicht schlechtweg aus- wendig lernen, sondern erst gemeinschaftlich lesen', Und dann die Fähigsten selbige aus dem Gedächtniße nur mit ihren eigenen Worten erzählen ließe. Versuche darüber sind zur Verwunderung gelungen, aber den meisten an mechanischen Schlendrian gewöhnten schulmeistern zu neu, zu fremdartig, als daß es nicht bey Versuchen hätte bleiben sollen. In den Kinderlehren an Sonntagen im Winter wäre so ein Historischer Catechjsmns, oder aus Geschichten bestehendes Lehrbuch, unstreitig für einen unstudierten Lehrer weit brauchbarer, seinen und seiner Zuhörer Fähigkeiten weit angemessener, als ein dogmatisch polemischer, und weit weniger zu befürchten, daß ein Mann, der nur nicht das helvetische Glaubensbekenntniß , noch weniger die Namen der Ketzer kennt, deren Meinungen sein Lehrbuch bestreitet, selbst ohne es nur zu ahnden, vielleicht in eben so schlimme Irrlehren bey der Erklärung desselben verfalle, Soll der Prediger fünf Jahre Theologie studieren , um hernach Sittenlehre zn predigen, indeß da so unaufgeklärten als unwissenden, oft recht albernen Menschen, das System vorzutragen überlassen wird, an das sie sich gewiß mehr als an die Sittenlehre halten, weil sie treulich in die Fußstapfen der alten Ausleger des Catechismus treten, welche ihre Hilfsmittel ausmachen, nachdem sie von bessern Büchern aus den Sammlungen der Prediger verdrängt, und durch ihren geringen Kaufpreis rn hie Hände der Dorfgelehrten gebracht worden? — 5. Aufsicht. Sind die Schulen eine Sache des Staates, und bedürfen sie seiner Ansucht? Bedürfen derselben die Schallehre»', die Schüler, die Hausvater, die Prediger, die Gemeinden in Rüksichr auf das, was ihnen wegen der Schulen oblieget? Wie mancher Schullehrer gelangt zu seinem Dienste deswegen, weil man bey ihm die dazu erforderlichen Fähigkeiten und Eigenschaften gefunden, und wie mancher hingegen blos deswegen, weil alles gut seyn muß, so lange man nichts besseres dabey kann? — Wie mancher übernimmt diese beschwerliche Arbeit aus Neigung, ausklebe rum gemeinen Besten, und wie mancher blos um des noch so schlechten Lohnes willen, aus Noth, weil er auf keine andere Weise nur so viel zu verdienen weiß, oder aus Trägheit, weil er die stärkere Anstrengung bey einem andern Berufe scheuet, oder weil er den Schul- lvhn als ein Nebenverdienst betrachtet, folglich auch» die Arbeit als ein Nebengeschafte treibt? Und end lich, was hatten und was haben noch unsere Land- schulmeisier für Gelegenheit und Hilfsmittel sich die erforderlichen Fähigkeiten, Begriffe, Kenntnisse und Fertigkeiten ru erwerben? Was für Aufmunterung, einige Mühe und Fleiß daran zu wenden, oder überhaupt sich zu Erfüllung ihrer Pflichten immer tüchtiger ru machen , und sich selbige, wie sie es verdie- «en, angelegen seyn ru lassen? Die Beantwortung dieser Fragen von einem Sachkundigen würde hinlänglich beweisen, wie sehr unsere Schulen eines Aufsehers bedürften, der die Lehrer in ihrer Arbeit ru leiten, sie rur Treue darum anzuhalten, und dafür durch rwekmaßige Ermunterungen nach Verdienst ru belohnen, beßer im Stande wäre, als es iert irgend jemand ist. Aufsicht über die Schulen ist zweitens um der Schüler und ihrer Eltern willen nöthig. Tausend Verhältnisse gegen diese, setzen den Schulmeister, wenn er von dem Orte selbst ist, oder ist er ein Fremder, so sert ihn schon dieser Umstand an und für sich selbst, so wie Armuth, die in beyden Fällen gewöhnlich darzu kommt, in eine so starke Abhängigkeit von jenen, daß er selten Ansehens genug besirt, sich einiger Unart der Kinder, vielweniger einer allgemeinen bösen Gewohnheit, ru widerseren, oder irgend etwas Neues, wäre es auch noch so nöthig und nüjlich, einzuführen. Darum muß auch in der 75 ' Schule jedes Kind für sich/ wie bey der Mutter neben dem Spinnrad / und was ihm diele daselbst aufgegeben hat, lerne,,/ und wenn sie die Mühe immer selbst nehmen mag/ so hält es aus gleichem Grunde schwer / jenes nur zur Schule zu bringen / weil es ja da nichts mehr verrichtet / als was zu Hause eben so gut geschehen kann. Daß unsere Schul» Meister insgemein gar kein Ansehen über die Kinder haben/ nur darr» da sind/ von ihnen diejenige Lektion anzuhören/ welche sie ihnen gewöhnlich nicht einmal aufgegeben haben; daß es mcht bey dem Lehrer steht/ ob das Kind buchstabieren, syllabiereu oder lesen, in diesem oder einem andern Buche, auf der oder dieser Seite Mabiercn oder lesen, schreiben, singen oder auswendig lernen, und was es auswendig lernen solle — das beweist die tägliche Erfahrung. — Ohne einen unterstützenden Aufseher , bringen es wenige Schulmeister dahin, daß ein Kind, welches noch der Fibel bedarf, und in einem andern Buche lernen will, die erstere bringe oder sich zuvor hinlänglich im Lesen übe, ehe es auswendig lernt; oder schreibe, wenn es dessen nicht zu bedürfen glaubt u. s. w. Die Forderungen der Kinder , so wie der Vater und Mütter an die Schulmeister,, sind der Bezahlung, welche diese von jenen erhalten^ bey weitem nicht angemessen, ob sie sich gleich, ge- Wohnlich darauf zu gründen pflegen. Der Reiche und der Arme verlangt von dem Lehrer, daß er sich mit seinem Kinde insbesondere mehr abgebe, als demselben bey der allgemeinen Methode und einer grossen Anzahl von Schülern möglich ist, und klagt, Mald er glaubt, daß dieses nicht geschehe, über Undank oder Parteylichkeit; vorzüglich sind die Aeltern der mrfleißigsten und versaumtesten Kinder gemeiniglich die, welche die Forderungen am meisten überspannen. Wie weit hast du heute gelernt? Wie oft bat dich der Schulmeister angehört? Was hat er dir aufgegeben? so fragt man das Kind, wenn es zur Seltenheit einmal in die Schule gegangen, sobald es wieder nach Hause kömmt, wenn man sich auch sonst Monate lang nicht darum bekümmert hat, was es, oder ob es etwas lerne? bringt ihm damit, so frühe man kann, anmaßende Begriffe von der Abhängigkeit des Schullehrers und seiner Verpflichtungen bey, einem jeden zu Rede und zu Gebote zu stehen, und wenn kein Sachkundiger Aufseher über die Schulen da ist, deßen Versicherung, daß der Lehrer seine Pflicht thue, gelten muß, so entschuldiget sich jeder leichtsinnige Hausvater, dem an dem Unterricht seiner Kinder nichts gelegen ist, damit , daß er sagt: sie lernen in der Schule doch nichts , oder bringen es ru Hause viel weiter, wenn er ihnen schon auch da keine Stunde zum lern?» gönnt , sich keine Mühe deswegen mit ihnen geben mag, oder sie auch nichts lehren kann. Solche Keltern schicken entweder ihre Kinder viel zu jung in die Schule, wenn sie dem Lehrer nur noch zur Last sind, blos um sie zu Hause los zu werden, und sagen dann, sobald sie ihnen des geringste helfen können, sie haben selbige jett lange genug geschikt, und müssen sie nun auch zu der Arbeit anhalten; oder vernachläßigen sie so lange, bis das Versäumte nicht mehr eingebracht werden kann, und dann sollte man sie auswendig lernen lassen, wenn sie kaum noch die Buchstaben kennen. Nun aber begreift doch jeder vernünftige Mensch, daß ein Lehrer , der Schüler von so verschiedenen Klassen hat, sich mit den Untersten, welche gerade am meisten beschäftigen, unmöglich viel abgeben kann. Entweder müßen die Aeltem die Mühe nehmen, ihre Kinder selbst die Buchstaben kennen und syllabieren zu kehren, -oder sich die Zeit nicht reuen lassen, welche diese darüber in der Schule zubringen müssen, und dem Lehrer erlauben, daß er riner ganzen solchen Klasse miteinander ihre Lektion aufgebe, und anhöre, ohne sich allemal daran zu kehren, ob ein Kind, das gestern ausgeblieben, ein Blatt überschlagen, oder ein anderes, was es schon r» Hause gelernt, in der Schule 78 noch einmal lernen mäße. Bey welcher Methode sie auch, wenn schon nicht im durchblättern des Buchs, doch gewiß in Fertigkeit und Geschirkltchkeit mehr fortrücken. — Aufsicht über die Schulen muß sich ferners auch nothwendig auf den Prediger erstre Än, welcher nicht nur jene besuchen, den Lehrer unterrichten, die Schüler prüfen, die Äeltern, deren Kinder unfleißig sind, zur Erfüllung ihrer Pflichten anhalten soll. < Endlich erforderte die Erhaltung des Schulwesens auch Aufsicht über die Gemeinden, ob sie die Schulhauser in gehörigem Stande unterhalten, nicht zu oft und zur Unzeit zum Nachtheile der Schulen sich derselben zu einem weniger zweckmäßigen Gebrauche bedienen; den Schulmeistern, die so selten selber klagen dürfen, ihre versprochene oder schuldige Besoldung gehörig entrichten; die hie und da von der Regierung zu diesem Endzweck erhaltenen Bey- steuren treulich verwalten, und nach ihrer Bestimmung verwenden; arme Kinder hinlänglich bestellten, und so verpflegen, daß sie rrrr Schule gehalten werden; u. s. w. lind wer ist jezk zu dieser Aufsicht über die Schulen bestellt, der Aufsicht über Lehrer, Schüler/ Aetkern, Prediger und Gemeinden, in so ferne sie alle ru eurem guten Zustande der Schulwesens eines Ortes beytragen sollen? — Mitten scheinen das nächste Recht und die stärkste Verpflichtung zu einer gewissen Aufsicht über die Schulen zu haben. Es ist aber so selten, daß sie etwas mehr thun, als, wenn sie dem Schulmeister gewogen sind, ihm zuweilen ein Geschenk von Brod, Milch, Kuchen oder dergleichen, durch die Kinder zu schicken, um ihnen seine vorzügliche Gunst oder Aufmerksamkeit ru verschaffen, oder, wenn er ihnen mißfallt, ru trachten, daß sie eben durch die Kinder etwas von ihm vernehmen, das sie rum Vorwand brauchen können, sie ru Hanse r» behalten. Es ist so selten, daß ein Hausvater in eine Schule trittet, um ru sehen, wie es da zugehe; oder Kenntniße genug besitt, um darüber richtig ru urtheilen, daß man nicht nur die Aussicht der Aeltem nichts rechnen kann, sondern froh seyn muß, wenn sie billig sind, selbige Verständigern ru überlassen. Könnte man es nur so weit bringen, daß die Reitern, wie die obrigkeitliche Ordnung bestehst, so viele Achtung gegen den Schustneister, und so viel Sorge für den Unterricht ihrer Kinder bewiesen, daß sie selbige zum erstenmale selbst in die Schule brachten, und dem Lehrer mit einiger Schilderung ihrer Gemüthsart selbst vorzustellen und zu empfehlen die Mühe nch- 8o — wen. Demi es ist doch eine Schande, daß dieser gar oft nicht einmal den Namen seiner Schüler, besonders verpflegter Waysen richtig erfahret; wenn fle selbst aus kindischer Unwissenheit, oder Nachbars- Kinder denselben unrichtig angeben, manchmal auch gar nicht wissen. Ueberhaupt betrügt' sich der Landmann gegen seinen Schulmeister, ungefähr eben so, wie gegen seinen Prediger. Verruchter der eine oder der andere seine Pflichten schlecht, so bleiben höchstens Erwachsene von dem Unterricht des Leitern, oder Kinder des Erstem aus. Erbittern sie ihn aber durch Z!eden oder Handlungen persöhnlich, dann geschieht nicht nur eben dasselbe, sondern er sucht, wenn er nur einige Möglichkeit dazu sieht, nichts weniger als seine Abseznng zu bewirken. Klagen, die von keiner Leidenschaft herrühren, und über Fehler, wo Besserung nöthig, aber zu hoffen, und allgemeine Zufriedenheit zu bewirken, hinlänglich wäre, werden über den einen und den andern, besonders unaufgefordert, und am behöngen Orte selten angebracht. Beynahe alles dieses zuweilen auch viele ander- wärtige Geschäfte, Leidenschaften, Verhältniße gegen die Schulmeister oder die Aeltern, Mangel an hinlänglicher Instruktion, und bestimmten Ordnungen , lassen eben so wenig von den Dorgesezten überhaupt, Haupt/ und (müßte ich nur nicht sage»/ auch von den meisten Predigern?) für die Aufsicht über die Schulen hoffen. So wie die Landleute insgemein die Herren, oder die Regierung, und alles, was von ihr angestellt ist, für Ihre gemeinschaftlichen Feinde ansehen, so werden auch besonders ein Schulmeister und seine Schüler, ibre Aeltern und die Vorgesehen eher gemeine Sache gegen den Prediger machen, wenn er sie insgesammt zu Erfüllung ihrer Pflichten halten will, als daß jemand mit diesem sich zur Aufsicht über den Schullehrer vereinige, wenn dieser listig genug ist, sich an die Gemeine anzuschließen , mit den Hausvatern überhaupt zu einer Klaße von Leuten hält, und besonders von dem Orte selbst ist. Will er sich aber zu nahe an den Prediger anschließen, oder gar beygeben lassen, als Halbherr, Halbgelehrter, oder Halbgeistticher, die Bauren für eine grobe und unwissende Menschenklaffe anzusehen, (ein Fehler, in welchen Schulmeister von einer andern Gegend des Landes, besonders aus dem Oberlande, am ersten verfallen,) so ist leicht zu erachten, daß er sie alle mit Leidenschaft wider sich hat, und der Benützung des Pfarrers ungeachtet, entweder wegziehen, oder doch das Herzeleid erfahren muß, daß ihm bey seiner Arbeit, oder sonst alles Mögliche in den Weg gelegt wird , und seine Schule F sichtbar in Verfall geräth. Aus diesem Grunde entschuldige ich die Schulmeister überhaupt, daß sie beynahe durchgehends sich gar nicht zu Abschaffung auch der allerschädlichsten Bauern-Sitte in der Schule gebrauchen, die Kinder mit ungewaschenen Händen und Gesichtern, und ungekämmten Haaren kommen, sich haufenweise auf den insgemein viel zu stark ein- ^ geheizten Ofen sezen, die Stube niemals durchlüften lassen u. s. w. Und will auch der Prediger ge- ! gen dergleichen Misbräuche sich auflehnen, so muß er sehr oft und unerwartet erscheinen. Zu den meisten Schulhäusern kann er entweder nur durch Umwege, oder gar nicht kommen, ohne aus denselben ! durch die Fenster gesehen zu werden, oder (das habe ich öfters erfahren) es sind fast immer einige Kindes draußen, es sey aus Unordnung, oder aus Vorsicht um nicht überfallen zu werden, sobald diese den'Hre- diger erblicken, husch, sind sie herein, und dann eiligst vom Ofen über Tische und Stühle, jeder an seinen Ort; auch der Schulmeister erwacht vom Schlafe, oder legt die Vogtsrechnungen, oder Pro- reßschriften, an welchen er unterdessen geschrieben, beyseits, und das Bewußtseyn, oder die Einbildung, den Prediger betrogen zu haben, schadet mehr, als desselben Gegenwart auf eine Stunde nützen kann. Denn, wenn auch der noch draußen gehörte Lerm, 83 der erregte Staub, und die auf allen Gesichtern herrschende Verwirrung beweisen, oder doch vermuthen lassen, was vorgegangen, wer wird da gleich eine Untersuchung anstellen, den Lehrer vor den Schülern beschämen, und sich der Gefahr blos geben wollen, mit Läugnen abgewiesen ru werden, und das Uebel arger zu machen? Auch giebt man sich nicht gern das Ansehen, als ob man nur deswegen in die Schule komme, um die Kinder hinter dem Ofen, oder den Lehrer bey verbottener Nebenarbeit m überraschen, wie es besonders in Nebenschulen, wo man nicht alle Lage hinkann, leicht den Schein gewinnt, da Kinder und Erwachsene gewöhnlich das für den Haupt- zwek einer Handlung ansehen, was auf sie den stärksten oder ersten Eindruk machte. Ob also die Schule allemal zur rechten Zeit angehe, und die ge- sezten Stunden daure, ob der Lehrer in denselben seiner Pflicht treulich und geflissen obliege, darüber ist mrhrentheils so viel als keine Aufsicht, weil die Vorgesehen und Hausvater dieses dem Pfarrer überlassen, von welchem hierinn gerade am wenigsten zu erwarten ist, weil er in mancher Hinsicht dieses ru wissen, außer Stande ist. In unserm Lande, wo die meisten Pfarrer schon über fünfzig Jahr alt sind, und die Hälfte derselben, wenn man die Kollaturen ausnimmt, ihre Stelle» F -» 84 erst im vierzigste»/ der vierte Theil aber erst im fünfzigsten Jahre erhalten haben / wo sie anfangs Winters mit Dresche»/ Abnahm von Zehenden, Bodenzinsen und dgl. eigene Geschäfte haben/ und Ausgangs desselben sich gern vor Verkalkung/ Schnuppen, Flußfiebern, und daher, zumahl, da sie dergleichen Uebeln durch ihre Verrichtungen und Lebensart mehr ausgesert sind, vor der rauhen Witterung, den beschwerlichen Wegen, und gefährlichen Stegen über Berg und Wasser hüten; mit der Vorbereitung der Kinder zum heil. Abendmahl schon übrig zu thun haben, und zu eben der Jahrszeit nicht nur oft mehrere Kranke, sondern ihre ganze Gemeine von Haus zu Haus besuchen sollten, kann man wohl nicht von ihnen erwarten, daß sie überhaupt bey jeder Schule ihrer Kirchgemeine häufig einsprechen werden, wenn auch derselben nicht viele, und eben keine zu Stunden weit entlegen, und in der rauhen Jahrszeit nur Leuten, die an solchen Orten aufgewachsen, zugänglich sind. Wenn die Vorgeserten, die die Schule aus Amtspflicht besuchen , und sich um ihrer eigenen oder Großkinder willen ein Vergnügen daraus machen sollten, nie dahin kamen, sollten sie sie auch zunächst bey ihrer eigenen Wohnung haben, und täglich daneben vorder, gehen, wer wird es dann dem Pfarrer übes 85 nehmen, der zulezt müde wird, einen weiten und beschwerlichen Weg zur Winterszeit oft ru wagen, bloß um eine leere Pflicht zu erfüllen, wobey er so wenig Nüzliches wirken zu könnnen fleht? Denn bey allein möglichen guten Willen, und der unverdrossensten Thätigkeit, genießt er nicht allemal dar belohnende Vergnügen, einige Frucht damit zu schaffen. Zwar fehlt es bey den meisten wohl vorzüglich an jener Thätigkeit, worüber man sich aber nicht verwundern wird, wenn man bedenkt, daß die Pfarrer auf dem Lande im Durchschnitte näher bey sechzig als bey fünfzig Jahren sind, und daß es dem Alter eigen ist, alles seinen Gang gehen zu lassen, und lieber mit dem schlechter» Alten vorlieb zu nehmen , als etwas besseres Neues zu versuchen. Freylich hat mancher alte Pfarrer einen jungen Vikar, wird aber dieser bey der Abhängigkeit von jenem, in der er in so mancher Rükflcht steht, eine gerade Bahn machen können, wo jenex alles krumm gehen ließ; wird er allemal sagen dürfen, daß es krumm gehe, und gerader gehen könne und solle? Wo sind die Verhältnisse beyder gegen einander, und die Verpflichtungen des einen oder des andern zu den verschiedenen Geschäften des Predigtamtes und der Verantwortung darüber hinlänglich bestimmt? Behalten sich nicht die meisten Pfarrer, auch bey gänr- 86 kichern Unvermögen alles, was das Ansehen einigen Einflusses geben kann, gegen chre Marien bis auf das Todbett vor, und hindern diese ru wirken, wo sie selbst nicht mehr wirken können, oder auch in bessern Tagen ru wirken versäumt haben? Was nüren da die jugendlichen Kräfte des einen, wenn er durch die Altersschwachheiten des andern sie zu gebrauchen verhindert, und frühe gewöhnt wird, den Hindernissen, die sich jedem thätigen Menschenfreunde in seinem Wirkungskreise entgegen stellen, die Treue in Erfüllung seiner Pflichten aufzuopfern, und nach einem in unserm Stande uns allzugewöhnlichen Sprüch- wort, immer fünfe gerad seyn ru lassen, wenn es bey jeder Bewegung, die er nach eigener Wiükühr, und nicht bloß als Werkzeug eines andern »stacht, sogleich heißt: ergehet mir nach dem Königreiche? Wie sehr wenig-kann überdieß die Aufsicht eines Menschen helfen, von welchem es immer so zweifelhaft ist, ob er künftige Woche noch da seyn werde , und von wie vielem muß ihn nicht sowohl die Ungewißheit, wie lange er noch bey der Gemeine bleiben, als was sein Nachfolger von seinen Bemühungen für ein Urtheil fällen, und für einen Gebrauch machen werde, zurükhalten? Geht es aber da besser, wo noch junge Pfarrer sind? da denkt freylich mancher schon auf eine einträglichere Stelle, 8 ? ehe er sich nur mit allem recht bekannt gemacht hat, was er bey dieser zu thun hätte, und so wird das Schulwesen vieler Gemeinen vemachläßiget, weil jeder Prediger, der dahin kömmt, selbige sogleich wieder zu verlassen, nicht nur wünscht, sondern auch (wenn schon vergeblich) hoffet, und sichs reuen läßt viele Mühe auf Einrichtungen zu verwenden, die vielleicht durch einen Nachfolger von entgegen gesez- ten Gesinnungen wieder abgeschaft, oder doch nicht genug geschärt und unterhalten werden könnten. Freylich wäre es immer beruhigend, seine Pflicht gethan ru haben, auch wenn unsere Arbeit ohne unsre Schuld mislingt; aber wie lange begnügt man sich an dieser Beruhigung, sobald das belohnende Bewußtseyn, zum Besten anderer kräftig mitgewürkt zu haben, fehlt. Allein, gesezt der Pfarrer will auch sein Möglichstes — so frägt sichs doch, was kann er thun? Er soll die Schulen besuchen; und was ist dann geschehen: Entweder hat er einige Begriffe von dieser Art des öffentlichen Unterrichts, und den dabey ru gebrauchenden Lehrmethoden oder nicht, und es ist ein Glück, daß man beynahe durchgehend» das Leztere voraus sezen kann, denn wer darüber einige Kenntnisse besizt, oder nur ein wenig nachgedacht hat, wie solche Schulen beschaffen seyn soll« ten , dem muß das Herz bluten, so oft er sicher. wie wenig unsere Schulanstalten leisten, ru denen unsere gottseligen Vorältern vor mehr als hundert Jahren einen so viel versprechenden Grund gelegt, der freylich noch kein nach unsern gegenwärtigen Bedürfnissen eingerichtetes Gebäude ausmacht, weil er seither eher mit Schutt und Gesträuche bedeket, als etwas mehreres darauf ru bauen, fortgefahren worden. Was soll ein Freund der Religion, guter Sitten, des Vaterlandes und der Jugend für Freude in einer Schule finden, wo man bey rehenjährigem Fleiße, nichts als erbärmlich lesen, wenn es wohl gehet, einige Catechismen und Psalmen daher heulen, und höchstens einige Buchstaben kleksen lernt? Ist es ihm ru verzeihen, wenn er seiner Vorschrift zuwider, bald sich Zeit und Aerger ru ersparen sucht, und müde wird, ein Zeuge davon ru seyn, wie reiche und arme, einfältige und hvfnungsvvlle Kinder seiner Gemeine ihre Jugend, ohne einigen Vortheil, weder für Sitten noch Religion, aber oft rum Nachtheil ihrer Leibs- und Geisteskräfte und Naturanlagen, einem Götzenbilde aufopfern. Welch ein lästiges Geschäft für jeden edeln Mann muß nicht die Aufsicht über eine schlechte Anstalt seyn, an der er so wenig bessern kann! Oder kann der Pfarrer (und das wäre die Hauptsache bey unserm Schulwesen) andere Lehrbücher einführen? Kann er so leicht die Begriffe der Kinder und ihrer Ael- tem umstimmen, wenn es von derselben Wahl abhängt, was und wie sie lernen wollen? Kann er den Fleiß, die Amtstreue, Lehrart, und das Betragen des Schulmeisters in der Schule kennen? Und wenn er alles kennt, aber nicht billigen kann, darf ein vernünftiger Mensch von Leuten, wie unsere Schulmeister überhaupt sind, und für die Bezahlung, die sie haben, fordern, was die obrigkeitlichen Vorschriften und die Natur des Amtes verlangen ? Und wenn der Prediger noch so vieles an dem Schulmeister ausmsezen findet, wie kann er diesen bessern? Auf keine Weise, wenn er sich nicht gern bessern will, denn jener hat keine Macht über ihn, und wenn er schon mehrere Jahre bey seinem Dienste, oder alt, oder schlecht bezahlt ist, so ist nichts gewisser, als daß er sich nicht wird bessern wollen. Die Beyspiele sind häufig, daß die Pfarrer ihre Schulmeister, mit denen sie äußerst unzufrieden sind, darum weder ändern noch absezen, oder im lettern Falle doch keinen bessern an ihre Stelle bekommen zu können glauben. Die obrigkeitliche Ordnung befiehlt zwar den Predigern, die Schullehrer weiter zu unterrichten, allein die Falle, wo dieses geschiehet, sind fürwahr, wenn es irgend geschieht, Ausnahmen von der Regel. Die Lettern lassen sich höchst ungern von Erstem, wenn es auch nur gelegentlich geschehen sollte, zurecht weisen, besonders wenn sie älter, es sey an Jahren, oder bey selbiger Gemeine am Amte sind, am wenigsten würden sie zu ihnen, eigentlich Unterricht zu nehmen kommen, es wäre denn etwann ein junger Schulmeister zu dem Pfarrer, der ihm zu seiner ersten Stelle geholfen, und zum Schulmann gebildet hätte, aber solche lernbegierige bescheidene Schulmeister, und des Schulwesens kundige, zu Verbesserung desselben thätige Pfarrer finden sich nicht oft zusammen; Gewöhnlich gebricht es dem einen oder andern, oder beyden an Zeit oder Lust, oder Fähigkeit, dergleichen Unterricht zu ertheilen, oder anzunehmen. Bey den meisten wußte ich in der That nicht, worinn dieser Unterricht bestehen, wo der eine die Kenntniße hernehmen sollte, die er dem andern beyzubringen hätte. Zur Bildung solcher Lehrer, und zur Aufsicht über selbige find im Ganzen genommen die Pfarrer gar nicht die tauglichsten Leute. Doch die Aufsicht über die Schulen betrift noch einen andern Punkt, in Rücksicht auf welchen die obrigkeitliche Verordnung durch übermäßige Strenge auf der einen, und Unbestimmtheit ihrer Forderungen auf der andern Seite, die Schwierigkeit noch viel vermehret, welche darinn besteht, daß man die yleltern und Hausvater vermöge, ibre eigenen oder Pflegkinder zur Schule zu halten: kaut jener Verordnung sollten keine Ackern befugt seyn, ihre Kinder unter was Vorwand es seye, mehrere Tage oder Wochen von der Schule abzuhalten, und die Lehrer nicht nur das Verzeichniß der Abwesenden dem Prediger wöchentlich einhändigen, sondern auch dem ausgebliebenen Kinde gleich am nächsten Sonntage bey den Aeltcrn nachfragen. Nun aber lehrt die Erfahrung, daß durch diese Verordnung, so alt sie auch ist, und so alt sie unverändert wieder abgedrukt und von den Kanzeln verlesen worden, doch die darum enthaltenen Begriffe vom Recht der Aeltern auf ihre Kinder sich noch nicht allgemein genug verbreitet, daß man mit der darin» vorgeschriebenen Verfah- rungsart zurecht kommen dürfte. Fast allgemein müßte die halbe Gemeine, mehr Hausväter als gewöhnlich ru einer Predigt im Winter zusammen kommen , jeden Sonntag dem Schulmeister ru Rede stehen , dem Prediger angezeigt, von ihm und hernach von dem Chorgericht, wenn dieses nicht größtenteils selbst im Fall wäre, vermahnt, oder dem Richter rur Bestrafung angegeben werden. Manche Chorge- richts-Manuale sind mit den Namen solcher lieber« lichen Hausväter, die deswegen bestraft worden, und rum Beweise, wie viel die gegebenen Ermah« nungen gefruchtet, auf jeder Seite wieder kommen, angefüllt. Die Gründe, welche viele Aeltern rur Entschuldigung des Unfletsses ihrer Kinder vorbringen, sind ohne Zahl. Schlimme Straffen oder Witterung, Kalte, Regen, Schnee, Eis, Entfernung, oder fönst beschwerliche, steile oder kvthige Wege, Unpäßlichkeiten, Armuth, schlechte Kleidung, nothwendige Arbeit, Dreschen, Spinnen, Besorgung kleiner Kinder oder Kranker; Beschuldigungen gegen den Lehrer; es seye der Unwissenheit, Nachläßigkeit, Par- thehlichkeit u. s. f. oder gegen die Mitschüler der Un- reinlichkeit, Zänkerei), schlechter Sitten; Vorgeben oder Versprechen sie ru Hause selbst zu unterrichten; mit einem Worte, tausend Ausflüchte haben schlechte Aeltern bereit, sich über die Versäumnis', und oft eigentliche Verwahrlosung ihrer Kinder ru rechtfertigen , und jede Kleinigkeit halten sie für hinreichend dazu. Bey Gemeinen, wo das Schulwesen einmal zerfallen ist, und deren sind viele, oder wo es nie im Gange war, oder sonst die Leute schwierig sind, da reicht die Zeit eines Mannes, wenn er auch nichts anders zu thun hätte, weder rur Untersuchung über die Wahrheit und Unwahrheit der angebrachten Entschuldigungen, und ihre Gültigkeit, noch das Ansehen eines Predigers zu Hebung aller Schwierigkeiten die wirklich aus Armuth der Aeltern, oder schlechter Beschaffenheit der Schulen entstehen, noch endlich die ihm gegebene Gewalt zur Zurechtweisung dermuth- willig Ungehorsamen, nicht aus. DasGesez schreibt darüber keine Strafen weder an Geld noch Gefangenschaft vor, weißt die Pfarrer an die Handbie- tung des Amtmanns, dessen Willkühr es überlassen bleibt, die Entschuldigungen welche jener für unbegründet , oder unerheblich erklärt, als zureichend anzunehmen. Kann es aber dem Diener der Religion wohl anstehen, strenge zu seyn, und jemanden zu bestrafen, wo er es darauf ankommen lassen muß, ob sich derselbe seiner Bestrafung unterwerfe, und nicht vielleicht beym Diener des Gesetzes losgesprochen finde? Sobald die Gesetze so strenge sind, daß Lossprechung von denselben in sehr vielen Fällen, und unter mancherley Umständen nothwendig wird, und diese Lossprechung, so wie die Erklärung des allzu Unbestimmten in der Hand eines jeden Herrn Amtmanns stehet, so wird die Pflicht, über diese Ge- seze zu wachen, jedem Manne von Gefühl so lästig, daß man eine treue Erfüllung derselben nie erwarten darf. 8sä elleu! MN L-ltiü S8t; MLNUM äs ta- duls! — Alle Mittel, welche der Prediger in seiner Macht hat, die Hausväter dahin zu halten, daß sie ihre Kinder zur Schule senden, sezen ihn der Kran- kurrg, seine Absicht doch nicht zu erreichen, und den entehrenden Vorwürfen einer Leidenschaft und Parteylichkeit bloß, denen er nie genug ausweichen kann. Jeder Beschuldigte wird sich auf andere ;u berufen wissen, gegen welche seiner Meynung nach mehr Schonung beobachtet werde, und leider sind viele Unordnungen zu alt, oder zu allgemein verbreitet, und zu tief eingewurzelt, als daß ein einzelner Mann oder zwey, wenn auch der Prediger ganz der Mann ist, welchen sein Amt in diesem, wie in so manchem andern Stücke erfordert, und der Amtmann mit ihm sich vereiniget, die Sache so leicht in ein anders Geleise zu bringen vermögen sollten. Ist aber die Nothwendigkeit von einer bessern Erziehung der Landjugend bey uns durchgehends genug anerkannt, daß sich überall, oder nur oft willige und ernstliche Hilfe und Unterstützung dazu erwarten lasse? Leider ist auch noch an manchem Orte die Besoldung des Schullehrers auf die Köpfe seiner Schüler mehr oder weniger vertheilt, so daß der Arme, dessen Familien gewöhnlich starker als des Reichen seine ist, so wenige als er kann zur Schule sendet, um das Schulgeld zu ersparen, und entweder die Kleinen so lange nicht, oder die Größern zu frühe, nicht mehr gehen laßt. Wer will, oder soll ihm dann vorschreiben , wie bald er fern Ktnd in die vielleicht schlecht bestellte oder abgelegene Schule schicken müsse, wem er sich anheischig macht, denselben eben so guten Unterricht wenigstens für den Anfang selbst zu geben? wer will ihn zwingen, oder darf ihm rumuthen, die Größer«, die schon lesen, oder den Catechismus hersagen können, noch länger in seinen Kosten dem Schulmeister anzuvertrauen, der sie vielleicht wenig mehr zu lehren im Stande ist? Wie viel billiger wäre nicht eine Auflage auf die Häuser oder Haushaltungen, wenn die Besoldung des Schullehrers doch durch Auflagen erhoben werden muß, da die, welche mir wenige; oder gar keine Kinder haben, selbige am leichtesten bezahlen könnten, und billiger so viel oder mehr beytragen, als die, welche dem Staate viel Kinder erziehen; oder ein Strafgeld von alten Hausvatern, deren eigene oder Pflegkin- der im sechsten Jahre die Buchstaben noch nicht kennten , das billig alle zu Hause lernen sollten, oder im sehenden noch nicht fertig lesen würden, und doch nicht rur Schule, oder nicht fleißig hingegangen wa» ren, oder von denen, welche die Ihrigen unter mancherley Vorwand, als Blödigkeit, Entfernung, besserer Aufsicht zu Hause, Klagen über den Schulmeister u.s.w. zurückhielten, welches gewöhnlich nur Wiedersezlichkeit gegen Ordnung, Abneigung gegen Religion und alle Kultur, Ungeselligkeit, dte sie y6 — auch auf ihre Kinder fortpflanzen möchten, und aus Unwissenheit entsprungene Gleichgültigkeit und Der- » achtung gegen alle nüzlichen Kenntnisse rum Grunde hat. Oft ist Faulheit oder Geiz und Eitelkeit der Aeltern Ursache, daß sie ihre Kinder lieber bey Haufe -- behalten , wo sie selbige mit ungekämmten Haaren, > schlechten Schuhen und Kleidern laufen, aber hin- l » gegen nicht so unter die Leute kommen lassen wollen. ^ — In Berggegenden und bey einzelnen abgelegenen ! Häusern habe ich das nicht selten gefunden. Auch > Feindseligkeit gegen andere Haushaltungen kann Anlaß geben, daß man seine Kinder nicht mit andern zusammen kommen lassen will, von denen man unfreundliche Begegnung für sie befürchtet, am öfter- < sien ist dieß der Fall bey Hintersassen, oder in einer s Gemeine Neuangekommenen, oder in Rechtsstreiten r Stehenden. Sollten aber die Kinder um der Gei- > sies - oder Herzens - Gebrechen der Aeltern willen ver- l wahrloset werden? Oder ist der Staat schuldig, die ? Ersteren bey ihren habenden Anforderungen an die r leztern zu schüren, und sollte er es nicht schon um seines eigenen Vortheils willen thun? „ Nach einer „ täglichen Erfahrung ", sagt Stuve über das Schul- j Wesen. Züllichau 1787, S. 15. „ giebt es so rohe, „ für das Wohl ihrer Kinder, insonderheit die Ver-. ! ,, standesanfklärung derselben, so gleichgültige Menschen, < 97 „schen, daß sie dieselben, um sie ru einer ohnedem „zu frühzeitigen, und ihre Kräfte übersteigenden kör- „perlichen Arbeit zu mißbrauchen, gar nicht in die „Schule schicken würden, wenn die Obrigkeit sich „ nicht darum bekümmerte. Diese ist in allen auf« »geklärten Staaten berechtiget, und sogar verpstich- »tet, jede offenbare, und die allgemeine Wohlfark „zerstörendeVerkehrtheit in Ansehung dpr Erziehung „zu verhüten und zu ahnden. Jedes neugeborne „ Kind gehört dem Staate, der in der Folge mit „RechtDienste von ihm zu fordern hat, zuvor aber „auch ihm welche leisten muß". Könnte man denn nicht empfindliche bürgerliche Strafen auf die schlechte Erziehung der Kinder seren, selbige r. B. für einen hinlänglichen Grund erklären, um einen Hindersäßen bey einer Gemeine nicht anru- nehmen, oder von da weg zu weisen, einen Bürger deswegen von der Nutzung gemeiner Güter oder derr Versammlungen der Hausväter, so gut als wegen Mangel des Soldaten-Roks, ausruschliessen u. d. gl. ? Die Schulordnung befiehlt zwar: „es solle kein Kind „ in einer andern Gemeine als Dienst oder sonst an- „ genommen werden, es habe dann seiner Erkennt- „ niß und Lebens halber ein Zeugsame von seinem „ Vorsteher auszuweisen". Wo wird aber dem nachgelebt? Höchstens in Absicht auf die, welche bey G einem andern als ihrem Pfarrer die Unterweisungen -um heiligen Abendmahl besuchen wollen. Freylich wird man nie erwarten dürfen , daß : alle Hausvater ihre Kinder in die öffentlichen Schu, ^ len senden, so lange dieselben im Ganzen genommen, . beschaffen seyn werden, wielsie es irt sind, auch werden wenige Pfarrer das Herr habe», alleAeltern dazu zu zwingen, oder wenn sie es hatten, bey den Herrn Amtsleuten die nöthige Unterstüzung finden. Die Aufsicht des Pfarrers aber ist allein nicht zulänglich, die Schulen auf denjenigen Grad von Vollkommenheit zu bringen, daß man es jedermann ru- muthen könnte, sich dieser Anstalten für den Unterricht seiner Kinder zu bedienen, obschon dieselbe manche nüzliche Verbesserung dabey anbringen kann. So habe ich diesen Winter mit sehr gutem Erfolg > ^ den Anfang zu einer Verbesserung gemacht, zu wel- " eher ungemein viel guter Wille und Gelehrigkeit i von Seiten der Schulmeister, und unerschütterliche j Festigkeit gegen alle Einwendungen derselben und der Aeltern erfordert wird , weil er allen ihren bisheri- ' gen Methoden und Begriffen zuwider läuft. Gewöhnlich wird Kindern, sobald sie nur den ersten i Anfang mit Lesen gemacht haben, bald der Catechis- j mus, und hernach das Psalmbuch vorgelegt, daß sie ! Fragen oder Psalmen für sich auswendig lernen!, j ehe sie, ob sie selbige auch richtig lesest, geprüft, vielweniger dazu angeleitet werden. Daher das schlechte Lesen, ohne Verstand lernen, und elende Hersagen. Zuerst lernet das Kind beynahe allemal seine Lektion unrichtig, und sagt sie auch unrichtig her, giebt ihm aber schon der Schulmeister das Buch zurücke, mit der Vermahnung, es besser zu lernen, und zeigt ihm höchstens, wo es gefehlt hat, ohne sich das unrichtig Hergesagte ein paar mal besser vorlesen zu lassen , (oft laßt er es, besonders die Aettern bey Hause, gut seyn, wenn es nur nicht stecken bleibt, und der Faden abgewunden wird) so kömmt doch das Kind zum Zten und gten mal wieder, macht die gleichen oder nur weniger Fehler, und endlich ermüden die fehlgeschlagenen Versuche, die nur Eckel gegen die undankbare Arbeit erzeugen, man giebt denn die Hoffnung auf, es bester zu machen, und läßt das Kind weiter schreiten, weil der Zweck seines Fleisses und Ehrgeizes, und der Fotzderung seiner Aeltern oder Lehrer nur dahin geht, mit dem Buche je eher je lieber, oder einer je größer desto bessern Anzahl von Fragen, Psalmen und dgl. fertig zu werden. Gesert aber, der Lehrer ist unverdrossen und glüklich genug die Verbesserung der beym ersten Hersagen der Lektion gemachten Fehler bey dem zweyten oder dritten zu erhalten, so merkt sich doch L00 das Kind diese Verbesserungen nur für den Augen- blik, in welchem es die Erlaubniß erhalten soll, rur folgenden Lektion überzugehen, deren Hofnung sich schon seiner ganzen Seele bemeistert hat, und mit welcher jene Verbesserung bis auf die lrzte Spur schon wieder weggewischt, und nur noch der alte Galimathias des übel Gelernten darin» übrig ist. Denn je unbefangener und heiterer unsere Seele in dem Augenblik war, in welchem wir einen Eindruck darein aufgenommen, desto unauslöschlicher haftet dieser in derselben; das Kind aber nimmt die Verbesserung mit Wiederwillen in sein Gedächtniß auf, weil es durch dieselben an seinem Fortrücken rur folgenden Frage, worauf es sich schon gefreuet hatte, aufgehalten wurde. Daher müssen in so vielen Schulen , die ersten 6 Wochen eines jeden Winters, und hernach wöchentlich 2 Tage, auch vor dem Schul- examen wieder eine geraume Zeit beynahe einzig auf das Wiederholen des vorher Gelernten, das ist, auf obbemerkte Verbesserungen des übel Gelernten verwendet werden, welches aber nicht verhindert/ daß nicht die meisten ihren Gedächtnißkram so oft sie ihn wiederholen, und sollte dieß auch 50 oder meh- remal geschehen seyn, gleich wenn sie aus der Schule find, mit allen den Fehlem wieder vorbringen, die sie unter dem ersten Lernen dabey ru begehen pflegten. — ror Die natürlichste Folge dieser unaufhörlichen Wieder- holens von oft 20 oder mehr Fragen oder Psalmen zugleich, kann keine andere seyn, atz daß die Kinder ihren ganzen Fleiß daran wenden , die aufgegebene Lektion nicht so richtig oder deutlich, sondern so geschwind als möglich daher ru plappern, worüber sie häufig Buchstaben, Sylben und ganze Wörter verschlucken, oder verändern, wie es ihnen am geschwindesten vom Munde geht. Diesen Uebeln vorzukommen, lasse ich jeden halben Tag nur eine oder zwey Fragen aus dem Catechirmus oder einen Psalm, oder ein Stück eines Capitels von allen Schülern die lesen können, oder nicht mehr am Syllabicren sind, einem nach dem andern laut lesen, und die andern nachsehen, damit sie die Fehler, welche das Lesende macht, bemerken, und hernach selbst vermeiden, um ihren Ehrgeiz vom geschwind und viel, auf das richtig und deutlich Lesen und Hersagen ru lenken. Für die welche die Lektion des Tages schon vorher gelernt hatten, ist diese Uebung erstlich Wiederholung, und sie dürfen selbige, sobald sie sich dessen getrauen, hersagen, und können, wenn das gut geht, an eine andere Arbeit, nur nicht weiter auswendig lernen, sondern Geschriebenes lesen, schreiben, rechnen und dgl., es wäre denn etwas, das nie als allgemeine Lektion aufgegeben wird, 3 , B. ein Gebet, eine ras Historie- aus Hübner, u. s. w. oder eine Lektion, welche schon vorher entweder in seiner Abwesenheit vorgenommen, oder mit der es damals nicht fertig geworden. Die andern lernen an der Lektion, bis sie selbige entweder können hersagen, oder die Schule tu Ende ist, denn, wenn sie auch nicht damit fertig werden, so wird doch morgen mit einer fortgefahren, und in diesem Falle ist es für sie bloße Leseübung , der sie auch dann noch am meisten bedürfen. In mancher Schule hat es seine große Schwierigkeit ru erhalten, daß die Kinder jederzeit die behvrigen Bücher mitbringen , daher muß entweder der Katechismus bis man damit fertig ist, gelesen, und erst denn das Psalm- Historienbuch, Testament genommen , oder gewisse Tage für jedes Buch bestimmt werden. Montag Testament u. s. w., oder Vormittag allemal Catechismus und dgl., doch können im Nothfall immer zwey Kinder sich mit demselben Buche behelfen , welches bey dieser Methode noch beynahe besser ist, als wenn jedes sein eigenes hat. Eine andere Schwierigkeit Hiebey entsteht daraus, daß immer einige Kinder gar viel später als andere ru kommen pflegen, die werden denn, wenn mit den Frühern, um sie nicht aufzuhalten, schon angefangen worden, unten angesert, und rücken erst, wenn sie es besser als die oben Sizenden gemacht, wieder herauf. Schulmeister und Aeltern widerseren sich dieser Methode Anfangs mit der größten Hartnakig- keit, und können sich durchaus nicht darein finden, daß man einem Kinde irt wehren will, den zweyten Psalm in eben der Stunde ru lernen, in welcher es den ersten gelernct hat, und daß es damit warten soll, bis derselbe der ganzen Schule aufgegeben wird, oder wenn es nicht zur Schule gekommen ru der Zeit, da die Zehen ersten Fragen des Catechismus gelesen , worden, irt mit der eilften anfangen muß. Hinge' gen die Kinder finden so viel Unterhaltendes, Er-. munterndes und weniger Ermüdung dabey gemeinschaftlich zu arbeiten, daß die Vermehrung ihrer Lust und Fleißes zum lernen, so wie ihre Fortschritte gar bald die unbiegsame Beharrlichkeit rechtfertigten und unterstüzten, mit welcher ich auf die Durchsezung dieses Versuchs gedrungen hatte, bey welchem nicht nur die Schüler durch eine bessere Richtung ihrer Anstrengungen und den Vortheil, den sie eines, von dem andern, es seye, daß es gut oder schlecht lese, riehen, sondern auch der Lehrer, theils sehr viel Zeit gewinnt, da die Aufmerksamkeit, die er auf eines wendet, allen ru gute kommt, theils izt manches im Lesen üben, auswendig lernen oder schreiben lassen kann, das sonst entweder rum einen oder zum andern keine Zeit mehr genommen hätte, und entweder bloß ro4 -v. vR der drittel: willen, oder gar nicht mehr in die Schule gekommen wäre. Sonst muß der Lehrer in der Schule diejenigen Psalmen anhören, welche den Kindern zu Hause aufgegeben, oder von ihnen selbst tu lernen gewählt worden; so aber müßen sie nicht nur in der Schule, sondern sie werden auch zu Hause lernen, was er ihnen dort aufgiebt, und man kann es dahin bringen, daß sie nur die nürlichsten Psalmen, Capitel, Historien, andere aber, und wenn man will, auch gewisse Fragen im Catechismus, gar nicht lernen. Dazu muß man aber Schulmeister Haben, die Anweisung annehmen, vor allem aus die Kinder in der Schule erwarten, damit sie erst den Syllabiekenden in der Fibel und im Catechismus, welche auch in zwey Klassen zusammen gethan werden müssen, ihre Lektion, nämlich jeder Klasse nur eine Lektion aufgeben, und alsobald mit der hohem Klaße der Lesenden, wenn sie schon noch nicht alle beysammen waren, ohne sie lange warten zu lassen, anfangen, ihnen ihre Lektion zuerst selbst vorlesen, hernach selbige von ihnen anhören können. Wenn sie alle gelesen haben, hat er wieder mit den Syllabirenden den Schreibenden, oder geschriebenes Lesenden und denen zu thun, welche die Lektion auswendig gelernt haben. Das Allgemeine dieser Methode kommt auch der Parteylichkeit vieler Schullehrer vor, die vcrwayßte oder unbedeutender Aeltern, Kinder sich dadurch vorn Halse schaffen, daß sie ihnen größere oder schwerere Lektionen aufgeben als andern , damit sie sich desto langer dabey verweilen können, ohne angehört werden ru dörfen, und hingegen begünstigte durch öfteres Anhören fördern, selbige durch leere Vielwifferey eitel machen, und mit ihrem Gedächtnisse an dem Examen dik thun, über dessen Ueberladung andere, und auch sie selbst in nothwendigern Stücken, als richtig Lesen, Schreiben, und dgl. versäumt worden. Mein nicht nur findet oft der Schulmeister seine Rechnung nicht dabey, die einen Kinder vor den andern nicht mehr begünstigen zu können, sondern manche eitcln Reichen und Dorgesezten sind nicht damit zufrieden, daß die Ihrigen mit aller Gunst des Lehrers doch keine» weitem Vorzug vor andern sollten haben können, als das Gleiche, wie andere nur besser zu lernen; und halbe Gemeinen könnten dawider auftretten, daß man auch ihre verpflegten Kinder , wenn sie mit der erstem Lektion fertig geworden , wolle schreiben lernen und dgl. Sollen unsre Schulen gedeihen, so müssen sie nothwendig unter einer hohem Aufsicht stehen, dre vermögend sey, auf Lehrer, Vorgesette: und andre Hausvater, wie auch auf die Gemeinen und Prediger kräftig m wirken, Talente, Fleiß und Treu, beßer zu unterstüzen und ru belohnen, als so geschehen kann. Ein eigener Landschulrath "), der aus Gliedern der Regierung, Stadt- und Landpredigern, und einigen Schullehrern bestünde, müßte sich's zu seinem Hauptgeschäfte machen, die Landschulen durch Reisen einiger Glieder, und aus Nachrichten von den Pfarrern, denen man Fragen Wr Beantwortung zusenden könnte, genau kennen zu lernen, das hie und da angetroffene Vorzügliche in Einrichtungen und *) Dieser Vorschlag zu einem Landschulrath zur Aufsicht über das Schulwesen auf der Landschaft ist vortrestichch). Freylich aber müßte dieses Tribunal, sowohl aus geistlichen als weltlichen Mitgliedern bestehen, die genügsame Kenntniß von der Lage jedes Orts, dem Genius der Landlcute und Bauren, den Bedürfnissen der Landjugend, der Art des für sie näzlichsten und nothwendigsten Unterrichts re. Hütten: kurz, die durch Erfahrung nicht.nur allgemeine Menschenkenner, sondern auch insbesondere Baurenkenner wären. — Aumerk. v. einem Freund d. Verf. ch) Dieses Bedürfniß fühlte man schon vor ro Jahren lebhaft, und nun da demselben in unsern Kan- tonS-ErziehungSräthe» abgeholfen wäre, ruft man wiederum hie und da um Aufhebung derselben, d. h. um Zurükweisung des Schulwesens an seine ehevorigen Beförderer, nämlich: an den OrtS Geistlichen und die GemeindS-Vorgesezten! — Der Herausgeber. Lehrart immer weiter zu verbreiten, die nothwendigsten und thunlichsten Verbesserungen nach und nach, vorerst nur da, wo es am besten angrenze, anzubringen , beßere Schulbücher einzuführen, die verdientesten Lehrer andern zur Ermunterung auf vorteilhaftere Stellen zu befördern, durch Prämien oder öffentliches Lob zu belohnen, unschuldig Verfolgten durch anderwärtige Versorgung zu helfen, die Erhaltung , und wo es nöthig oder thunlich, auch die Vermehrung der Schulmeister - Einkünfte sich angelegen seyn zu lassen, ganz unwürdigen und untauglichen Leuten das Schulhalten zu verbieten, und dadurch die Gemeinen zu nöthigen: etwas mehr auf Besoldung tüchtiger Männer und die Schulgebäude zu wende», daß dieselben mit ihren Hausgenossen anständig und bequemlich wohnen, auch allenfalls mit Uebernehmung armer Kinder zur Nahrung und Pflege ein Nebenverdienst finden, oder diesem Beruf sich widmende Jünglinge rur Anleitung und Hilfe zu sich nehmen könnten. Bey einem solchen Tribunale müßte es stehen, mit Zuziehung der Amtsleuke und Pfarrer des Orts, Schullehrer anzunehmen und zu verabschieden, strafbare Gemeinen und Hausväter zu Handen des Schnlgutes zu büffen, den Predigern die Aufsicht über die Befolgung bestimmter Instruktionen, zu übergeben, und von idnenMe nöthigen Berichte einzuziehen. Dann würden einem bessern rrnd rwekmäßigern Unterricht der Landjugend, die in allen Klaffen noch so sehr herrschenden falschen und verderblichen Begriffe von der Entbehrlichkeit oder Schädlichkeit desselben nicht mehr so häufige und izt vst unüberwindliche Hindernisse in dem Weg liegen, dann würde aus unsern Schulen eine Anstalt werden, von deren Nützlichkeit man jeden Hausvater überzeugen, und ihm rumuthen könnte, nicht nur kleine Kinder hinzusenden, ihrer auf einige Zeit, weil sie noch nicht zu brauchen sind, los zu werden, oder sie bloß hingehen zu lassen, weil sie es selbst wegen der Gesellschaft und Unterhaltung, die sie da finden, begehren, sondern sich auch die Zeitversänmniß der Größer», die Schuhe und Kleider oder andre Aufopferungen nicht reuen zu lassen; dann könnte man, was man izt ebenfalls nicht kann, die Schulmeister auch dazu anhalten, gegen die so allgemeinen als insonderheit der Jugend so schädlichen Vorurtheile und Gewohnheiten in Nüksicht auf Gesundheit zu kämpfen: die Schulstuben mäßiger zu erwärmen, fleißiger zu lüften, das Sizen auf dem Ofen zu verbieten, ungewaschene Angesichter und Hände zurückzuweisen, und überhaupt Reinlichkeit, den Gebrauch kalten Wassers!, frischer Luft, und einer nicht gar zu warmen. Bedekung des Körpers, besonders. des Ivy — Haupts zu empfehlen. Dinge, in welchen izt an den meisten Orten weder der Pfarrer noch der Schulmeister viel ausrichten, und besonders der erstere sich damit einem bösen Verdacht blos geben würde, wenn er bey einer Anstalt, die eigentlich mchrentheils nur noch als Religions - Anstalt betrachtet wird, so viel aus dergleichen machte, das doch nur den Leib, oder, wie es dem Landmann insgemein scheint, bloße Stadtsitten betritt, und fürchten müßte, sein ganzes Ansehen, die Achtung der Hausvater für die Schulen , oder die Lust der Kinder dahin zu gehen, dar» über aufzuopfern. Gewöhnlich ist auch der Schulmeister selbst mit dergleichen Vorurtheilen und Gewohnheiten angestekt, und dann wollte ich es wenigen Pfarrern rathen, zu versuchen, ihn davon abzubringen. Aber hingegen ein Tribunal, das einen ungehorsamen und untüchtigen Schulmann —> wie sehr er auch von Gemeinden oder Amtleuten unterstmt wäre, absetzen, und hingegen fleißige und brauchbare Männer auf einträglichere Stellen befördern könnte, fände nicht allem vieles zu thun, sondern genösse auch bald die Freude, wenn ihm auch nur einiges gelingen sollte, doch hie und da seine Saat zur reichen Erndte heranwachsen zu sehen. (Das Ende dieser Bemerkungen folgt im künftigen Bündchen.) IV. Die Abstellung des Religions-Untemchts in den Volks-Schulen; widerlegt von B. Johann Nudolph Wyß, Pfarrer in Buchsee. Niedergeschrieben im Jenner 1799. aus Veranlassung eines Reseripts des Ministers der K.K. und W. W. an die Religionslchrer, vom 30. Oktbr. 1798, und namentlich folgender Stelle der vierten Seite: „Rünftig sollen einzig „ die Geistlichen den Religions - Unterricht „besorgen, nicht mehr die Schulmeister, „welche unmöglich die religiösen Einsich- vlen haben können, welche man von einem „ aufgeklärten Geistlichen, der immer noch „ fortstudiert, erwarten kann. Die Schul- „ metster werden überdieß noch genug „andere Geschäfte haben, wenn sie den „übrigen Unterricht, den man von ihnen „fordern wird, gehörig ertheilen wollen. „Diese Maßregel soll Euch über vieles „ beruhigen, rc. rc." — *) Dieses Projekt, — welches im Nachstehenden widerlegt wird -- war vorzüglich V. 2 egr»n-S und des ehr- Ein Brief an Brgr. Pfarrer und ErziehungsRath Wittettbach in Bern. Als ich neulich mit Ihnen von dem Reskripte -es B. Minister Stapfers an die Religionslehrer maligen Direktoriums Idee / und nun ist die Ausführung desselben wahrscheinlich nicht mehr zu befürchten. Selbst das, was in dem vsm V. Minister entworfenen, aber vom alten Direktorium, und besonders von Lcgrand sehr eingeschränkten und verstümmelten Plan für den öffentlichen Unterricht (er wurde am rr. Nov. 1794 in einer Bottschaft an die Räthe geschikt) auf ähnliche Grundsätze gebaut und zielend angesehen werden könnte, bleibt jezt verhoffentlich ohne alle Bedeutung. — Demungeachtet verdienen nachstehende Bemerkungen hierüber eine öffentliche Bekanntmachung, und ich freue mich sehr, dieß in meiner Bibliothek thun zu können. Manches besondere darinn paßt zwar nur für die Berner Lokalität, indessen enthält das Ganze in seinen Erörterungen so viel Lehrreiches, und dem größer», besonders dem blos spekulierenden und Wcltvcrbessernden Publikum so wenig Bekanntes, daß es gewiß schade wäre, dieselben dem besser denkenden Theile vorzuenthalten.— Zudem kann vielleicht der Vorschlag, der bcstritten wird, noch einmal bey veränderten Umständen zum Vorschein kommen, und dann ist es gut, daß eine solche Schrift in Umlauf gebracht wurde, die seine Ausführbarkeit mit Gründlichkeit bestreiket, und seine nachtheilige Wirkungen jedem Unvartheylschen aufdekt. — Uebrigens aber kann ich wich des lauten Geständnisses nicht überheben: daß mich jedesmal bey Durchlesung dieses Aufsatzes eine innige Wehmuth anwandlet, daß diese Sache je einmal in unserm Hclvetiens») sprach/ so sah ich, baß es Ihnen noch nicht bekannt war. Ich werde Ihnen durch desselben Mittheilung ein Vergnügen machen, da es von großer Wichtigkeit ist, zumal für Sie, als Er- Uchungs-Rath. Auf der einen Seite belebte diese Schrift durch die darin» herrschenden Gesinnungen unsere gesunkenen Hoffnungen wieder, welche wirklich so tief gesunken waren, daß sie eines neuen Lebens bedurften. Auf der andern Seite wurden wir, so Viele noch auf Religiosität und Menschenwohl denken, wieder mit neuen Besorgnissen erfüllt, und wir müssen den würdigen Minister bcdauren, daß er gegen eigene Ueberzeugung das Werkzeug der Unkunde seyn muß, um der Religion vielleicht unheilbare Wunden zu schlagen. Erlauben Vaterland »ur vertheidiget werden mußte: und dann — daß mau, sie zu vertheidigen, die Gründe so von allen Seiten zusammen zu lesen hatte, aus nur zu gerechter Belorgniß , daß die Gründe, die alle andern entbehrlich machen sollten, die, welche in der Natur der Sache selbst liegen, da, wo die Hülfe herkommen sollte, zu wenig gelten möchten! Anmerk. des Herausgebers. *) Der Minister her Künste und Wissenschaften an die Religionslehrer HelvetienS, Luzern, am zo.Aktbr. i7S8. Sieh« diese Schulmeister»Bibliothek rsttS Bändchm. S. -»4. Erlauben Sie mir, mein vortreflichek Mitarbeiter ! Ihnen über einen wichtigen Punkt, unter den vielen, die jezt aus Mangel an hinlänglichen Kenntnissen beschlossen ru seyn scheinen: über die Verhannung des Religions-Unterrichts aus den helvetischen Schulen, meine Zweifel ru eröffnen. Sie sind in der Lage von diesen Bemerkungen einen wohlthätigen Gebrauch zu machen. Meine darinn eingefloffene Ausführlichkeit werden Sie mir schon ru gut halten. Es war mir nicht darum ru thun, eine Skire in flüchtigen Zügen hinzuwerfen, sondern einen einzelnen wichtigen Punkt von mehrern Seiten ru beleuchten. Gerne warf ich im Vorbeygange noch auf dieß und das einen Blik, um auch darüber — wo möglich — Nachdenken zu erregen. Laut einer Bemerkung der helvetischen Nachrichten *) müssen fünf Dinge der vollkommenen Aufnahme einer bessern Erziehung unserer LandSleute vorangehen. Freylich! aber so wahr, so wichtig, so unerläßlich diese fünf Punkte sind, so sind es doch nur einzelne abgerissene Bruchstücke des Ganrm; *) Helvetische Nachrichten, Bern i-ss,Nro.i8. S.86, Siehe diese Schulmeister - Bibliothek, rstes Bündchen S, -r;. und gesert, es geschähen mit ihnen alle nöthige Verbesserungen, so würde man sich sehr irren, wenn man glaubte dadurch die öffentliche Erziehung auf einen auch nur erträglichen Fuß gesert zu haben. In dem Schreiben des Erziehungs-Raths an den Minister *) wird schon etwas tiefer, und wieder ein wenig tiefer in der Bothschaft des Vollziehungs-Di- rektoriums an die Gesezgebung **) eingedrungen. Aber auch diese Bothschaft, die das Schulwesen im Zusammenhang darzustellen bemüht ist, ist in vielen Stücken'von Gewicht noch ein blosses Fragment, das ohne hinlängliche Einsicht in alles, was die Lokalität angeht, entworfen, auf der einen Seite überspannt , wenn es auf der andern ganre grosse Capitel vergißt, und sich hre und da in Träumen verliert. Herzlich freue ich mich; daß man es einmal waget, an Volks-Erziehung und Volks-Schule», dieses große Bedürfniß des Landes, zu denken. Dieß ist immer eine gute Vorbedeutung ff>). Es wird Unter- ») Abgefaßt von Philipp Emanuel Menberg. — Siehe diese Schulmeister-Bibliothek istesBändchen, S.279. **) Luzern vom is.Novemb. 1798 datiert, und den -s. an den großen Rath gesandt. Siehe diese Schulmeister-Bibliothek istesBändchen, S.234».s.w. ck) Aber keine gute Vorbedeutung ist es, Laß man, anstatt darüber zu Lenken, schon darüber beschließt. fuchung des bisherigen Zustandes derselben veranlassen, verborgene Mangel uns Licht bringen, Märp ner zur Mittheilung brachliegender Einsichten rmy An einer Zeit/ da man noch gar keine Kenntniß dcx Dorfschulen und der tausend damit verflochtenen Uni- flände hat,, und seihst den Volks - Charakter nicht kennt,' da der Krieg das Herz des nnglMichen Landes zerreißt, die ganze Aufmerksamkeit und die ganze Anstrengung der helvetischen Regierung auf sich hinzieht, und alle Sehnen des kranken Staates lahmt > da sich die Finanzen, ahne die an keine bessere SchulanstaltM zu denken ist, in einem solchen Zustande der Zerrüttung befinden, daß nicht einmal die Männer, welche zum bloß gewöhnlichen Gange dieses Triebwerks unentbehrlich sind, besoldet werden; da die wirklichen SchulanstaltM wegen Mangel an Unterstützung und Autorität in Verfall gerathen; da die Berathschla» gungen der Gesezqeber, welche über einen so wichtigste Punkt, der Muße, der kühlen Ueberlegung und der Ruhe so sehr bedürfen, Lurch die Stürme, die das Vaterland durchwühlen, und daher bald durch «eheiinr Sitzungen, bald durch unerwartete Bothschgst, bath durch die Freude, bald durch den Kummer, welcher sich der Herzen bemächtigt, alle Augenblicke durch etwas unterbrochen, gehört und aufgehoben werden: da von allen den Männern, welche sich durch zehen, zwanzig und dreißig jährige Erfahrungen und Beobachtungen einzig die nöthige Einsicht in das Schulwesen erworben haben, nicht Einem bey den Plänen und Berathschlagungm über dasselbe eine Stimme zukommt, und von allen denen, welche Pläne und Gesetze entwerfe» , vielleicht nicht Einer eine Dorfschule gesehen hat; zu einer solche» Zeit die alten Einrichtungen zerstören, neue treffen, Entwürfe machen, Beschlüsse und Gesetze geben, und das Ganze von Grund aus umschassm, das kaun Loch keine überlegte. Planvolle, H » Erfahrungen aufmuntern/ und die Bahn zur Cultur dieses so ganz vernachläßigten Feldes im Gebiete des National-GlükS brechen. Es ist aber sehr zu wünschen / daß man in der vorhabenden Reform nicht fragmentarisch verfahre/ nein! daß man systematisch handle / das Ganze ins Aug fasse/ die manglenden Einsichten erwerbe/ und nicht nach Ideale»/ nicht nach Traumbilder»/ sondern mit Volks - und Lokal-Kenntnissen nach sichern Er- fahrungen zu Werke gehe. Übereilungen lassen sich hier nicht leicht / wohl nie wieder gut machen / und falsche Maßreglen ziehen ein bleibendes Uebel nach sich, welches sich in die entfernteste Hütte verbreitet/ und auf spate Geschlechter fortpflanzt. Um die edle Thätigkeit des Erziehungs-Raths fruchtbar zu machen / und seine Wirksamkeit mit Kraft zu begleiten / scheinen mir drey Wege nothwendig einzuschlagen: die möglichst genaue Verbindung mit den Landgeistlichen/ welche doch die einzigen seyn können / die mit den Landschulen vertraut sind; eine beständige Corresponden!/ wo möglich auch eine auf die Bedürstnffe des Volks und der Zeit gegründete dauerhafte Arbeit geben. Eine unreife Frucht wird ungenießbar seyn, weggeleget werden, und die Nachreue zurüilassen, daß man sie nicht reißen ließ. Anmerk. -es Verfasser». harmonische Verfahrungsart mit den gesammten Erziehungs - Räthen Helvetiens , und endlich eine Publizität , welche ihm das allgemeine Zutrauen von Deutschland und der Schweiz, und die Achtung aller Guten versichere. Zu lezterer hat er einen Anfang gemacht, der ihm das Herr jedes rechtlichen Mannes zuführen wird *). Schwer wird es aber seyn, mit Glük an der öffentlichen Erziehung zu arbeiten, wenn nicht zugleich alles für die, bey unserm Volke allgemein sinkende Sittlichkeit, und auch für die, bey der größern Hälfte der Menschen ganz abscheuliche Privat-Erziehung gethan wird. Hier» müßten aber (und da wird die Schwierigkeit liegen) theils alle Theile der Pvlizey mit Uebereinstimmung und Energie mitwirken, theils ganz andere Grundsätze angenommen werden, als die gegenwärtigen, welche auf Religion und Moralität so schwer drücken, und von jedem Rechtschaffenen mit Wehmuth bemerkt werden. Gruß, Achtung und Freundschaft! Buchsee, den 29. Jener 1799. Johann Rudolph Wyß, Pfarrer. *) ^l>m aber dock übel aufgenommen ward. Anmerk. des Verfassers. «-7 u z — Einleitung. Daß die Religion den edelsten Einfluß aufr Wohl der Menschheit habe, und deswegen den Kindern , sobald sie eines solchen Unterrichts fähig sind, auf eine gute, in der That unterrichtende, fruchtbare, auf Verstand und Her; wirkende, würdige Art beygebracht werden müsse, dagegen wird kein Freund der Religion und kein Freund der Menschheit — wenigstens keiner der denkt, einen Zweifel hegen.— Es ist wahr: daß ein Roberspierre andere Gedanken hatte, er hatte aber auch andere Absichten, als das Wohl der Menschheit. Es ist wahr, daß eine große Nation alle religiösen Grundsätze zu zerstören suchte, und sie hat auch unter uns Nachahmer, welche die Religion zu ihren Absichten nicht bequem finden; allein die Frucht der Bemühungen von jener sollte uns nicht zu einem ähnlichen Verhalten reitzen. Auch hat die helvetische Regierung die wiederholte Versicherung gegeben, daß sie die Religion schützen wolle, und das Volk erwartet diesen Schutz mit Verlangen. Unter den Mitteln eine wahre Religiosität zu pflanzen, ist der Religions-Unterricht der Jugend gewiß eines der allervorznglichsten, und man kann daher schwerlich allzuviel Sorgfalt auf denselben verwenden. Es ist um so nothwendiger, da dir Kinder bey Hause gewöhnlich die dümmsten, unsittlichsten und boshaftesten Reden hören, von denen sich ein besser erzogener Mensch nur keine Vorstellung machen kann; da sie die schlechtesten Exempel vor Augen haben, die verdvrbensten Gesinnungen ein- athmen, und wohl gar zu schändlichen Handlungen förmlich angeführt werden. Dieses Uebel zu mindern, und in der gegenwärtigen Jugend eine bessere Menschenart ru erziehen, ist wohl kein Mittel so Kraftvoll, als die Religion, die positive, die christliche Religion, welche nicht auf Vernunftsätzen beruhet, die mit jedem Jahrzehend ändern, und vom Volke, — wären sie auch einmal festgesezt — niemals eingesehen und als verbindlich befolget würden. Es giebt freylich noch andere Mittel rur Veredlung des Volks und zur Erreichung menschlicher Glükselig- keit, aber nur in Verbindung mit der Religion, und niemals ohne dieselbe; diese wird dazu das Beste thun. — Um aber einen wirksamen Unterricht in derselben zu ertheilen, dazu wird Kenntniß des Landvolks und «der Landskinder, denen man ihn mittheilen soll, erforderet; Bekanntschaft mit ihren Sprach-Ausdrücken, und den oft ganz besondern Ideen, die sie damit verbinden; eine Fähigkeit, sich ihnen ver- rss Handlich und überzeugend zu machen, die nicht auf einmal kommt; Uebung und auch Angewöhnung, Zutrauen und Achtung von Seite der Zuhörer. Gelehrsamkeit und theoretische Kenntnisse reichen lange nicht hin. Es bedarf dabey einer geraumen Zeit, um Kindern, deren Begriffe überhaupt sehr ärmlich, dunkel und irrig sind, den Kopf nur ein wenig aufzuhellen, um ihnen nur die unentbehrlichsten Kenntnisse und Grundsätze der Religion und der auf Religion gebauten Moralität beyzubringen. Die ersten Jahre des Unterrichts gehen damit vorüber, die Kinder an Aufmerksamkeit zu gewöhnen; sie mit der Sprache der Religion bekannt zu machen; ihrem Gedächtnisse vorläufig etwas einzuprägen; sie — welches hauptsächlich schwer hält, ein wenig zum Denken anzuführen , und erst durch diese Vorbereitungen den eigentlichen Unterricht der lertern Kinderjahre möglich zu machen. Nach diesen Erfahrungen müssen dle Kin- ^ der, die man nicht nach einzelnen bessern Köpfen beurtheilen darf, wenigstens 6 Jahre, d. h. sechs Winter in der Religion unterwiesen werden; wenigstens —? sage ich — zumal im gegenwärtigen Zustande der Volkskultur. — Das kultivirtere Kmd des kultivirteren Städters, wird eben so lange, wohl noch langer, unterrichtet, und das Kind auf — 121 - dem Dorfe, auf einsamen Höfen, da-ohne alle Erziehung aufwächst, nicht nur nicht geleitet, sondern mißleitet wird, und oft beynahe mehr mit Thieren als mit Menschen umgeht, das sollte in einem kürzern Zeitraume seine Religion fassen, und durch sie zur Veredlung seiner früh verdorbenen Moralität verführt werden? — Nicht aber das Kind allein, sondern die admit- tierte Jugend, der Erwachsene, der Hausvater, die Hausmutter, der Greis nimmt an dem Unterrichte Theil, der sehr irrig nur als für Kinder bestimmt angesehen zu werden pfleget. Ein Umstand, der nicht aus den Augen zu verlieren ist. Von diesen allgemeinen Grundsätzen gehe ich nun in folgenden Betrachtungen aus. Der übliche Religion?-Unterricht in den Volks- Schulen soll nun unter solchen Umständen auf einmal abgestellt, und den Geistlichen allein übertragen werden. Dieß ist die Maßregel, die uns nicht über vieles beruhigt, sondern über das, was zum Menschen und Staaten-Wohl von so hoher Wichtigkeit ist — über Religiosität und Moralität — mit gegründeter Unruhe erfüllet. Die helvetische Regierung glaubt in dieser Maßregel eine vortreffliche Einrichtung ausfindig gemacht zu haben. Ich hoffe aber sie würde aus eigener Ueberzeugung davon — 122 — Abstehen, und Lm Gegentheil den wirklichen Religionsunterricht zu verbessern trachten, wenn sie über die wahre Beschaffenheit der Sache berichtet werden könnte. Und ich würde es für ein verdienstliches Werk für das Vaterland ansehen , wenn er möglich wäre, diese Maßregel zu verhindern. Um dazu das Meinige beyzutragen, werde ich hier theils die Gründe gegen, theils die angeführten Gründe für dieselbe in Erwägung ziehen. Erster Abschnitt. Gründe gegen die Abstellung des Religion^ Unterrichts m den Volks-Schuten. Erster Hauptgrund. Dle Unmöglichkeit der Abstellung derselben. !. Wegen Pastorat- und Personal-Umstän- den des Pfarrers *>. Diese setzen den Pfarrer außer Stand den Neligions-Unterricht allein zu besorgen, dann i. Ein solcher allein übernommener und fortgesetzter Unterricht würde gar zu viel Zeit erfordern. — Man denke sich eine Gemeinde, wo etliche hundert, wohl ein halbes tausend, und noch mehr Kinder von verschiedenem Alter, nach *) Hier wie in allen übrigen Betrachtungen kann nicht auf einzelne Pfarrer, die von außerordentlichen Neben-- Umständen begünstigt sind, sondern einzig auf die weit grössere Mehrzahl derselben Rücksicht genommen werden» Ammrk. des Verfassers. — 124 — verschiedene!! Fähigkeiten, oft von unglaublicher Stupidität, alle zugleich in der Religion unterrichtet werden sollen und müssen: welch ein ungeheurer Aufwand vonZeit da erheischt wird, wenn ein einziger Mann diesen Unterricht, der nicht anders als Klaßenwcise ertheilt werden könnte, anheben, fortführen und vollenden soll. Und dieser einzige Mensch hat des Jahrs über i6omal zuweilen gar in entfernten Oertern und Filial- kirchen einen öffentlichen Gottesdienst zu halten, der jedesmal gehörige Vorbereitung erfordert; bat seine übrigen hie und da wirklich schon allzuviel Zeit erfordernden Pastoral Funktionen zu versehen; bat seinen Studien obzuliegen; hat eine Familie als ein rechtschaffener Vater und Staatsbürger zu erziehen; hat Landbau, Viehstand und andere ökonomische Geschäfte zu besorgen; hat, wenn er Commrffär der Erziehung ist, über die gewöhnlichen aus, noch äußerst weitläufige Verrichtungen zu übernehmen u. s. w. lind neben allem dem soll er noch Zeit finden, alle Kinder seiner Gemeinde, wenigstens 6 Jahre lang, ohne Beyhilfe, ganz allein, in der Religion zu unterrichten? Er wird endlich zu keiner seiner Pflichten mehr Zeit haben, und wegen so unmöglichen Forderungen alle vernachläßigen müssen. Eben so sehr werden ihm zu einem solchen Riesen-Werke die Rräfte fehlen. Ein Pfarrer, der zu seinen bisherigen Amts-Verrichtungen ausdauernde Kräfte genug hat, hat schon viele, und mancher hat wirklich diese nicht. Diese Geist und Körper gleich angreiffende Arbeit soll nun neben allen übrigen oft sehr beschwerlichen Beschäftigungen des Pfarrers auf Z und öfache Art erhöhet werden? Und eine solche erschwerte Religions- Unterweisung, die der Stärkste nicht aushalten wird — sollte zugleich der Schwächliche, der Kränklende, der Greis verrichten? — der ungeübte junge Mann, oder der Talentlose, dem seine Predigten schon den Angstschweiß auspressen, und wenig Erholung gestatten? — Der Schulcom- missarius, der nebenhin so weitläufige Geschäfte führen, und so manchen Tag rur Bcsuchung seiner zerstreuten Schulen aufopfern soll? — Der Pfarrer , der mit Bedienung einer Filialkirche schon äußerst beschwert und belastet ist ?— Und wie dann, wenn ein neuer Seelsorger, ein neuer Vikar an- irit, und da die Geschäfte ohnehin schon mehr als genug stocken? — Wie, wenn epidemische Krankheiten in der Gemeinde herrschen, die den Pfarrer allemal mit außerordentlichen Geschäften und Gefahren bestürmen? — Wie, wenn vollends häus- sicher Uüglük, wenn Krankheiten, mit ihrem Jammer rmd ihrer mühevollen Pflege, Hinscheid von Gattinnen und Kindern, Mangel , der eben jezt so drückend in den Hütte» der Seelsorger eingeführt wird und herrschet n. s. w. dazwischen kommen , und den gemarterten Mann moralisch und physisch zur Arbeit unfähig machen --O! wer sich von dieser Maßregel Beruhigung für uns versprach — wie sehr irrte der ficht Beladet man den Lehrer der Religion über seine Kräfte, so muß er erliegen; was wird denn gewonnen? Seine Thätigkeit wird zu Boden geschlagen , und er wird dem gemeinen Wesen auch den Nutzen nicht schaffen, den er bis heute schaffte, und ferners schaffen könnte. — Z. Diehieher gehörigen Fähigkeiten, dieRunst zu katechisieren, und den Rindern die Rett. gion auf eine faßliche, praktische, würdige Weise beyzubringen — sind auch nicht bey jedem Geistlichen in einem gleich hohen Grade anzutreffen. Diese Kunst hat viel auf sich, und fett seltene Fähigkeiten voraus: besonders eine Lokal-Kenntniß des Volks, seiner Begriffe und Moralität. Ich will aber nur angehende Vikar erwähnen, die nicht die geringste DolksLnntniß, nicht die geringste katechettsche Erfahrung, -uwei- - 127 - len aber desto mehr jugendlichen Leichtsinn zu ihrem neuen Berufe mitbringen, und abgelebte Greise, deren Geisteskräfte im Sinken begriffen sind. Ich hörte einst der Privat-Unterwerfung eines solchen, der in seinen frühern Jahren ein guter Catechet gewesen seyn soll, zu: sie war zum Entsetzen. Und ich würde die ersten Nnterweisungskinder, die mir als frischgemachtem Vikar unter die Hände sielen, sehr bedauern, wenn sie nicht vorher und zugleich den Unterricht eines geübter» Schulmeisters genossen hätten — lind nun sollte diese, an so manchem Orte oft äußerst wohlthätige Mitwirkung des Schulmeisters für die Zukunft völlig aufgehoben seynj — Es ist demnach an den GeWchen allzuviel gefordert, wenn er den Religions-Unterricht — ohne Hülfe — allein übernehmen soll; und mit Forderungen, die unmöglich zu erfüllen sind, wird blos das ausgerichtet: daß man auch das nicht erhält, was man sonst erhalten könnte, und auch das wirkliche Gute hintertreibt und zerstört.— L. Der Schulmeister muß also der Gehülfe -es Pfarrers seyn, und mit ihm auf den nämlichen Zweck hinarbeiten, und zwar deswegen, weil er die einzige Person ist, welche 128 >. den Pfarrer ersetzenund im Nothfall dessen Unterricht übernehmen kann. Bey allfällig minder zweckmäßigem Unterrichte des Geistlichen kann er ein großer Wohlthäter der Gemeinde werden, besonders, wenn er in Zukunft selbst zu einer guten Catcchisation angewiesen wird. — Wer kennt das Volk besser, wer spricht seine Sprache natürlicher, als er, der unter dem Volke, und mehrentbeils auch in der Gemeinde selbst, in der er angestellt ist, aufgewachsen ist? — Wird der Pfarrer krank, oder durch andere Zufälle auf einige Zeit vom Religions-Unterrichte zurück gehalten — wer soll an seine Stelle tretten, wenn es der Schulmeister nicht mehr kann und darf? dieser wohnt auf der Stelle, und kann rur Stunde helfen. — Und da es, wie es schon erwiesen ist, und noch mehr soll erwiesen werden, dem Geistlichen überhaupt unmöglich ist, die Kinder seiner Gemeinde eine hinreichende Zeit zu unterrichten, und zwar so weit, daß sein Unterricht in grossen Kirchspielen nicht einmal zwey Winter daure» kann, so ist der Schulmeister zugleich die einzige Person, der 2 . die Rinder zum Unterrichte des Pfarrers vorbereiten kann. — Wird der Schulmeister auf die Serie gesett, so gemessen sie den wichtigsten — I2Y — tigsten Unterricht nur zwey, und in ganzen Gegenden > nur einen einzigen Minier: und in so wenigen Stunden sollen sie — ohne alle Vorbereitung — die Erkenntniß einer Religion, die nicht nur im Kniebiegen besteht, sondern Gott im Geist und in der Wahrheit anbeten lehret, erhalten , und durch sie zu denkenden und moralisch guten Menschen gebildet werden können? — Jett, da sie doch durch die Schulmeister lange vorbereitet werden, wird dieser Zweck schon so unvollkommen erreicht; jert noch sind sie so unwissend und schwach, wenn sie die Katechisationen des Predigers zu besuchen anfangen; jezt schon vergessen sie, was ihnen wahrend mehrerer Jahre eingeprägt werden kann, so leicht wieder: was würde dann erst zu erwarten seyn, wenn sie vorher gar nichts von Religion vernehmen! Ich habe hievon zwölf Jahre hintereinander bey der schlechten Exekution unserer Schulordnungen hinreichende Erfahrungen an solchen Kindern gemacht, welche die Schul-Unterweisungen nicht besuchten. Vergeblich wurde an ihnen meistens Fleiß und Arbeit angewendet. Sie giengen aus meiner Unterweisung beynahe als die nämlichen Unvernünftigen heraus, als die sie dieselben zu besuchen angefangen hatten. Alles, was sie leisteten, war das, I daß sie meine übrigen besser vorbereiteten, und nun sicher fortschreitenden Schüler auf eine be- dauernswerthe, unverantwortliche Weise zurückhielten , und das Gute hinderten, das bey diesen > hätte ausgericht werden können. — Man schaffe ! also doch eine sowohl überlegte Uebung nicht ab, sondern gebe ihr nur eine größere vollkom- kommenheit, und setze die Schulmeister in den Stand, ihren Religions-Unterricht zweckmäßiger zu machen, und dadurch ein Fundament zu legen, auf das der Pfarrer mit mehrerem Glücke fortbauen kann. — II- Wegen Lokal-Hindernissen. Die kokalitäten machen eme zureichende ReligionsUnterweisung des Pfarrers ohne Mitwürkung des ! Schulmeisters wirklich total-unmöglich; — und zwar In Ansehung -es Versammlungsorts, wo die Kinder ihren Unterricht empfangen sollen. i. Diesen hat.der Pfarrer nicht, und kann ihn § nicht haben; denn ->. eine einzige Schulstube taugt hiezu nicht, weil sie > s->. alirnwenig geräumig ist, um alle Kinder fassen zu können. Für die wirklich eingeführ- IZI ten Nachtmahls-Unterweisungen, denen nur die ältesten Schulkinder von höchstens zwey durchs Absterben jüngerer Kinder schon zusammen geschmolzenen Jahrgängen beywohnen, bedienet man sich nun freylich des Schulhau- ses. In einem Kirchspiele von 1200 Seelen belaufen sich diese zwey Jahrgänge, der zur Instruktion reifen Kinder schon auf 50. (Mein Kirchspiel das nicht volle 1202 Seelen zählet , liefert über 300 Kinder von 6 zu 16 Jahren in die Schulen, und 54, jezt 55 Kinder von 14 und iZ Jahren in die dieß- jährigen Nachtmahls-Jnstruktionen). Dieses halbe Hundert füllt die Schulstube hinlänglich an, und giebt dem Catecheten, der doch Kinder vor sich hat, die durch den vorhergegangenen Schul - Unterricht vorbereitet sind, genug zu schaffen. Ein Kirchspiel von 2400 Seelen liefert schon ioo Katechumenen, welche dle Schulstube zum ersticken voll pfropfen, und schon in allzugrosser Anzahl sind, als daß sie unterrichtet werden könnten: daher ein Theil derselben schon nach dem erstjährigm Unterrichte entlassen werden muß. Ein Kirchspiel von 3602 Seelen enthält 150 solcher Schüler. Da ist der Pfarrer ganz ausser I - Stand / diese anderthalbhundert in die Schul- ! stutze hineinzubringen, so wie er ganz außer ! Stand ist, sie zu unterrichten. Er ist deswegen izt schon genöthiget, entweder zwey besondere Unterweisungs-Kurse vorzunehmen, welches ihm nicht zuzumuthen ist, oder einen i Jahrgang wegzulassen, und jedes Kind nur einen einzigen Winter zu unterrichten. An 75 Schülern hat er schon mehr, als er gut besorgen kann. Wie nun, wenn solche Kinder vorher nicht bey dem Schulmeister einen Grund legen konnten? — Und es giebt noch weit größere Gemeinden. Wenn nun der Seelsorger im Schulhause nicht einmal die Catechmnenen zweyer Jahr unter Dach zu bringen, geschweige» dann gut zu unterrichten vermag: wie sollte er dann alle - Kinder, vorn 10 bis zum i6ten Jahre, (denn ^ so lange ist und bleibet die RekigivnsUnterwei- sung unentbehrlich) in die Schulstnbe hineinste- ken? Eine Gemeinde von 1200 Seelen enthält ungefähr Kinder von 10 und n Jahren 6-r — — 12 — IZ — ZA — — 14 — 1Z — Z0 Folglich enthält eine Gemeinde von 1200 Seelen, nur von 6 Jahrgängen 165 Kinder. ^ r33 Eine Gemeinde von 2400 Seelen ... 33a — — — 3602 — ... 493 — — — 4800 — ... 660 Nun reize man mir die Schulstube die 3-4-5-622 Kinder fassen soll. Und wäre sie irgendwo gebaut, so stünde sie umsonst da , weil sich eine solche Menge von Kindern schlechterdings nicht instruiren läßt. Die Instruktion derselben müßte theils wegen ihrer Menge, theils auch wegen der Verschiedenheit in Alter und Fortschritten in mehrere gesönderte Klassen und Stunden eingetheilt werden. Ein solcher so viele Stunden fordernder Unterricht forderte auch einen ganz eigenen dazu bestimmten Mann. Ihm wäre der Pfarrer neben seinen übrigen in grossen Gemeinden sehr mannigfaltigen Arbeiten , weder in Ansehung der Zeit , noch in Ansehung der Kräfte, in gar keiner Rük- sicht gewachsen. Ueber das nehme jede dieser vervielfältigten Religionsstunden dem Schulmeister des Pfarrdorfs eine Schulstunde weg, so, daß ihm bald keine Zeit zum Schulhalten mehr übrig bliebe. Auch von dieser Seite wäre nichts gewonnen, was man gewinnen will, sondern viel verloren. Will man sich's zur Wegräumung dieser un» ausweichltchen Hindernisse bequem machen/ und die Zeit der Religivns - Unterweisungen auf 4, z, oder noch wenigere Winter einschränken/ so ist fürs Heil unserer Bruder und unsers Vaterlandes schlecht gesorget, und andere Hindernisse sind dadurch doch nicht gehoben. Es hieße einen fruchtbaren Baum umhauen/ weil einer seiner Zweige eine, besondern Absichten nicht angemessene Richtung hak. — .Ueberdieß ^ bb. Verdient auch dieß in nicht geringe Betrachtung gezogen zu werden / daß der Stundenlange Aufenthalt in einer Schulstube, die von einer Menge Kinder voll gepfropft ist/ ^sowohl diesen als aber vorzüglich dem Lehrer äußerst angreiffend und ungesund ist. Es ist ^ nichts abmattenderes als Reden in einem niedern , mit 52—102 Kindern angefüllten, von ihrem Athem und ihren Ausdünstungen stinkend dampfenden Zimmer / wo die Luft so verdorben ist, daß Athem und Sprache ausgehen. — Und dazu sollte nun jeder Pfarrer — vielleicht noch gar an einem Sonntag Nachmittags, wo seine Brust ohnehin schon genug angestrengt ward / verurtheilt werden? -35 b. So kann der Pfarrer diese Funktion ja in der Kirche vornehmen? Allein auch diese taugt so F wenig dazu, als eine einzige Stube im Haupt- Schulhaus. Wer das Volk« nur ein wenig kennt , der weiß, daß 7, 8 Monate im Jahr — den ganzen Sommer über — nicht daran zu denken ist/ die Kinder/ namentlich die Größer» / zu irgend einem Unterrichte zusammen zu bringen. (Diese Erfahrung habe ich zu Wohlen hinlänglich gemacht , wo doch nur die Katechnmenen eine einzige Stunde wöchentlich rur Freytagskinder- lehre berufen wurden; und Wohlen ist doch keine von den grossen / keine Berg-Gemeinde) Sie werden rur Haus - und Landwirthschaft / rum Hüten der Kinder und des Viehes u. s. w. gebraucht, find wohl auf den Alpen zerstreut, und da muß nur keine Autorität und kein Pfarrer eine Einwendung machen. Aller projektierte Religions-Unterricht mußte im Winter ertheilt werden. Und da sollte der Pfarrer mit seinen abgetheilten Klassen (denn etlich hundert Kinder können auch in der Kirche nicht zusammen genommen werden ) ganze Stundenlang und mehrere Stunden hintereinander der Feuchtigkeit und dem Frost ansgesezt in der Kirche sieben, «nd seine Kraft und seine Gesundheit einbüssen? Da sollten Kinder, die oft ganze und mehrere Stunden wett durch die ganze Härte des Winters hergekommen waren, in der eiskalten Kirche — oft mit den elendesten Kleiderchen versehen — ohne sicy wärmen zu können, Religion hören, und darüber einzelne Glieder halb erstarren und «erfrieren lassen, um dann eben so weit unter der Strenge der Jahrszeit und des Klimas zurück zu gehen! das kann die Menschlichkeit nicht fordern; — Und wollte sie sich so weit verläug- mn, so würden die Aeltern ihre, Kinder mit Gewalt bey Hause behalten. Thun sie das doch schon so oft, wo sie keine Ursache dazu haben, wenn die Kinder bey einiger Kalte nur zur Schule gehen sollten! — Die Kinder sind über- dieß in der Kirche viel schwerer zur Aufmerksamkeit zu bringen; sie thun nichts als gaffen, schäkern, schwatzen, lachen, und können, weil sie nicht so gut beysammen sitzen können, nicht mit einem Blicke übersehen werden. (so daß auch aus dieser Ursache der Unterricht in derselben sehr erschwert wird) Das lange Sprechen des Pfarrers in einer Kirche würde endlich nicht selten seine Brnst äußerst angreiffen, zumal in i37 den Festtagszeiten, wo er sich ohnehin anstrengen muß; auch würden ihn die Kinder in einer Kirche viel weniger, und er die Kinder oft gar nicht verstehen können, das gewiß ein weit wichtigerer Punkt ist, als mancher glauben möchte. — 2. Wo ist hingegen ein bequemerer und schicklicherer Versammlungsort zur vorbereitenden Religions-Unterweisung, als diejenige Schule, in deren besonderem Rreise das Rind wohnet? Eine einzige Pfarrgemeinde hat 3-6-12 und mehr Schulen. Jede derselben bat nur einen kleinen Brmk, und eine sehr mäßige Anzahl von Kindern, diejenigen nämlich, die ganz in der Nähe derselben wohnen, hingegen die ganze Pfarrgemeinde begreift alle Bezirke in sich. Der Schulmeister hat also in seiner Schulstube Raum und Warme zum Unterrichte der weit wenigem ihm angehörigen Kinder, und in alle Wege einen weit tauglicheren Versammlungsort. Es kommt nur darauf an: daß seine Schulstube das sey, was sie zur Erreichung ihrer andern Zwecke seyn soll, und daß die Rinder, die ohne Härte zur Besuchung ihrer warmen Schule angehalten werden können, auch wirklich dazu verbunden werden. Dabey wird auch die Haupt- Schule des Kirchspiels nicht gmöthiget, ihre besten — rz8 — Stunden der Religions-Unterweisung des ganzen Kirchspiels durch den Pfarrer aufzuopfern, und dadurch ihren ganzen Bezirk zu vernachläßigen. L. Wirft man noch einen Blick auf den Weg, den die Kinder um -er Religions-Unterweisung zu machen haben, so wird man sehen, daß er sie sehr natürlich zum Schulmeister , nicht aber alsobald zum Pfarrer führet. Darin i. Zum Pfarrer ist der weg zu lang, zu mühsam, zu gefährlich für kleinere Rinder. Die Kirchspiele sind oft, zumal in unsern Gebirgge- genden, von übermäßiger Ausdehnung, und die Kinder haben einige und mehrere Stunden zurück zu legen, ehe sie das Pfarrdorf erreichen. Dieser Weg ist oft noch dazu sehr beschwerlich, und sert wohl gar grossen Gefahren aus. In Bergländern (und auf diese sollte man in der Schweiz doch wohl Rücksicht nehmen!) wo oft die Strasse unwegsam ist, wo frischgefallener, oder tief liegender Schnee, oft den Erwachsenen beynahe nndnrch- dringbar ist, wo so manche für diese, wie vielmehr für Kinder, gefährliche Steige sind, wo oft ein angelauffener Waldstrom alles Vordringen verbietet, iZY oft Lauwinen dem keben drohen, da ist alle Com- rmmicatioii zuweilen durchaus abgebrochen. Unter solchen Umständen sollen nun Kinder von io-n-12 Jahren, worunter sich viele von Natur, oder durch Krankheit Schwache und Kraftlose befinden, in Regen, Sturm, Schneegestöber und starrender Kälte, durch unwegsame Bergthäler, über Eis und wilde Gewässer, Halden und Schrunde, unter Lebensgefahr, Stunden und mehrere Stunden zum Pfarrer reisen , um einen Unterricht zu gemessen, den sie ganz in der Nähe haben können? Es ist an sich und schlechterdings unmöglich! — Auch in leichter zu bereisenden Kirchspielen sind die Hindernisse noch gänzlich abschreckend. Und wollte man den Plan dennoch in Ausführung bringen, so würde man dadurch die Kinder den größten Gefahren aussetzen, und dabey doch nichts weiter bewirken, als daß ihnen ein Unterricht und eine Religion, die solche Mühseligkeiten mit sich brächten, für ihr ganzes Leben verhaßt werden müßten. Und das Kind, welches diese täglichen Reisen — die der Stärkste kaum unternehmen wird — in schwacher Jugend verrichten soll, hat oft nicht einen ganzen Schuh, nicht ein warmes Rökchen am Leibe! — Wo sollen endlich die so fern Herbekommener, zum Theil höchst dürftigen Kinder ein warmes Mittagbrod finden? Will man sie ungeeffen , un- genährt, nngewärmt, einen ganzen Wintertag, rrnd so alle folgenden durchfrieren und durchhungern lassen? Wollte Gott! daß diese Hindernisse für die ältern Katechumenen nicht schon so groß, und in ihren Folgen so betrübt warenO! man denke doch erst darauf, sie für diese zu heben, ehe man auch die jungem Kinder denselben blos giebt, und dadurch das Gute hindert, das durch zweckmäßige Anstalten gestiftet werden kann, und rum Theil auch wirklich gestiftet wird. — s. Läßt man hingegen die jünger» Massen in den Schulen, wie bisher, unterrichten, so verschwinden alle diese gewiß unüberwindliche Hindernisse. Die Schule stehet entweder in dem nämlichen Dorfe, in dem die Kinder wohnen , oder doch auch den entferntem Kindern weit näher, als der Wohnsir des Pfarrers. Sie können sich oft ohne so viele Beschwerlichkeiten in derselben einfinden, sind keinen, oder weit geringern Gefahren ausgesm, «erfrieren unterwegs nicht, auch dann nicht, wenn sie übel gekleidet sind, und können zur Mittags «Mahlzeit größtentheils nach Hause, und wo das rur Seltenheit nicht angebet, ihr Mittag-Brodt weit leichter in die Schule tragen, und da an der Wärme gemessen. Bey dem Religions-Unterrichte in der Schule wird alles möglich und leicht, was nach dem neuen Plan unmöglich und unausführbar ist.— III. Wegen nahem Mangel an Geistlichen. Dieser ist fast bis zur Gewißheit wahrscheinlich, und mißräth die Abstellung der Religions-Unterweisungen in den Schulen mit neuer Starke. Sey es jezt oder nicht jezt, Krieg ist nun unser künftiges Loos. Die Schweiz hat nun einmal ihre sichere Ruhe eingebüßt, und wird bey jedem Kampfe der beyden grossen angrenzenden Machte zum nnglüklichrn Schau- plaz des Kampfes werden. Wenn nun in einem Kirchspiele ein einziger Ort ist, die Kirche, wo Religion gelehrt wird, und diese zum Spital oder zum Pferdtestall, oder rum Schutthaufen wird, wo soll dann die Religion gelehrt werden? — Wenn ein einziger Mann ist, der sie lehren darf, und dieser einzige Äann durch KriegesVorfälle zu seinem Dienst unfähig gemacht ist, oder aus der Gemeinde ver- 142 trieben, als ein Flüchtling herum irrt: wer soll ihn dann ersetzen? bey wem sollen ihre Kinder noch einigen Unterricht in der Religion finden? Von wem soll die verlassene Gemeinde noch einige Worte der Aufmunterung, des Trostes, der Tugend hören? — 8. So trübe sind zu dem die Aussichten, so abschreckend hart die gegenwärtige Lage des Geistlichen Standes/ daß dessen Abnehmen leicht voraus gesehen werden kann. Die unwürdige Absonderung der Diener der Religion von den übrigen Bürgern des Staates; die Ausschliessung derselben von den politischen Rechten des Bürgers, den sogenannten unveräußerlichen Menschen-Rechten — durch die Constitution; die seitherige systematische Herabwürdigung derselben in den Augen der Nation und der Gemeinden; die verachtungsvollen Namen, mit denen sie nach ganz ruverläßrgcn Nachrichten von helvetischen Repräsentanten und MachMbern belegt werden; die beyspiellose authentisch bekannte Geringschätzung und Verächtlichmachung der Religion, die sie lehren und glauben, von Seite der nämlichen Obern; der be-. leidigende Verdacht, der ihnen auftaun; die ihnen zugedachte Abhängigkeit von den Gemeinden — ein i43 Zustand, der die Erfüllung ihrer Pflichten unmöglich, ihre Anstrengung fruchtlos macht, und sie jedem Schurken Preis giebt; die gesezliche Entziehung ihrer — im ganzen genommen — ohnehin kargen Besoldung durch Abstellung der Zebenden und Bodenzinse, durch Schmalerung ihrer Emolumente, und durch andere mittelbare Verfügungen und Unordnungen; die Noth, in die sie dadurch ohne reale Hoffnung auf wahren Ersatz wirklich schon verfett wurden und künftig noch fallen müssen; die Einquartierungen, womit man sie in ihrer Noth noch dränget; die neuen Lasten, die man ihnen bey entzogenen Einkünften und geschwächten Kräften noch aufleget; die schlechten Wohnungen, die ihnen der zerrütteteZustand, und das neue System der Finanzen, so wie der herrschende Geist versprechen; die Unsittlichkeit, die Un- moralität, die überall anwächst, und nach den angenommenen Grundsätzen immer mehr anwachsen muß, aber nicht nur das Herz eines Seelsorgers verwundet, sondern ihn persönlichen Verdrüßlichkeiten aufs abschreckendste blos stellt; die neuerrichteten, wie Schwämme entstehende Weinhäuser, welche Charakter und Sitten des Volkes unaufhaltsam verderben , alle Gegenbemühungcn rechtschaffener Lehrer vereitlen, und frische Unannehmlichkeiten auf die Person, die Oekonomie, die Familie, die Amts- 144 pflichten und das ganze Seyn des Pfarrers werfen: — Das alles sind nicht Lotungen für den jungen Mann, daß er für sich, nicht Empfehlungen, für den Vater, daß er für einen Sohn, den er liebet, einen Stand wähle, der solchen Nachtheilen und Bitterkeiten ausgesezt ist; — wohl aber so viele Abschreckungsmittel, durch welche der geistliche Stand feine Glieder unfehlbar verlieren muß. Jeder dieser Punkten ist einzeln schon abschreckend; und ein Staat, in dem sich alle zugleich gegen den geistlichen Stand erheben, kann unmöglich hinlängliche Subjekte finden , die sich einer solchen Behandlung unterwerfen. — Der Erfolg zeigt es wirklich schon. — Verschiedene , dem geistlichen Stand gewiedmete Jünglinge, wurden dadurch wirklich abgeschreckt. Andere sind - wankend gemacht, und warten darauf, wie es kommen wolle. Jezt (Ao. 1799) sollen in der berner- schen Academie, die sonst über hundert Studierende enthielt, alles in allem nur 48 seyn, von denen noch lange nicht alle ausharren werden. — Die lezthin konsakrierten wollten sich keiner Verbindlichkeit unterwerfen; und wenn dem Uebel nicht gesteuret wird, so sind auch wirklich Pfarrer genöthiget, ihren Beruf zu verlassen. Es ist in allewege nichts anders voraus zu sehen, als daß vielleicht in kurzem schon die Kirche wahren Mangel an Predigern, die Religion -45 Religion an Verkündigem haben wird*) — Dann aber — wer soll die Jugend im Christenthum unterrichten , wenn nur allein der Pfarrer, den man öfters — wenigstens Monate lange vermissen muß, es thun soll und thun darf? Wenn der Schulmeister dieses ihm so eigenthümlichen Geschäftes enthoben, dasselbe vernachläßiget hat, und dazu nicht mehr fähig ist? Man will doch nicht im voraus die Sache so einleiten, daß aller Religions»Unterricht ohne Ausnahme aufhören muß? — *) Der entsezliche Schaden ist nicht zu berechnen, den die unwürdige Behandlung der Religivnsdiener von Seite des Staats für Religion und Sittlichkeit selbst in unserm Vaterlande unaufhaltsam nach sich ziehen muß. — Die Mehrzahl unserer Geistlichen wird zulezt aus Fremden, nicht Schweizern bestehen, die den Charakter unserer Leute durchaus nicht kennen; und wie oft wird dieser Fall eintrcttcn: daß solche Männer — aus Mangel der Leute — bey uns angr» stellt werden müssen, die in ihrem Geburtsort keine Kanzel mehr besteigen dürfen!! — Gegenwärtig, da ich dieses schreibe(im Juny i8. aus pädagogischen Gründen. »2. Dieser Gottesdienst ist er, der die Jugend die Woche durch zum Lernen, und bd. die Schulmeister zum Studieren , und zu genauerer Erfüllung ihrer Lehrer-Pflicht er. muntert, weil es eine Art von öffentlicher Prüfung für beyde ist. Mit ihm wird diese Aufmunterung wegfallen. Er ist «. ein wirsames Mittel zur Beybehaltung der Achtung und des Zutrauens gegen die Schulmeister, so wie diese (welches auch eine wi- dersimnge Verfügung wäre) ein grosses an Achtung und Zutrauen einbüßten, sobald sie nicht mehr öffentlich in ihrer edelsten Funktion gehört werden, keine Proben ihrer Geschik- lichkeit mehr ablegen dürften, und des Religion«-Unterrichts unwerth erklärt werden würden. Die gute Fertigkeit des Schulleh- rers, Religion zu lehren, kann äö. auch gar oft ein mächtiger Antrieb für Gemeinden werden, des Schullehrers Einkom- r§3 nien rir verbessern, so wie hingegen die.Abschaffung des Religions - Unterrichts in den schulen sehr vielen Gemeinden einen Verwand leihen würbe, ihre Schulmeister immer schlechter zu besolden. Er ist «e. ein mächtiger Antrieb zur Erbauung und Erhaltung der Schulhauser. Die Landleutv sind dazu ohnehin schwer zu bewegen, welches die schlechte Beschaffenheit unserer Schulhauser auch dem beweisen wird, der darüber keine eigenen Erfahrungen gemacht hat. Von nun an würden sie sich, da ein Hauptzwek des Schulhauses wegfiele, noch unwilliger dazu entschlossen, und einen allenfalls nicht mehr auszuweichenden Bau, desto schläfriger, karger, enger, schmutziger, schlechter besorgen» Die Schulmeister müssen also in ihren Sonntags - Catechisationen fortfahren, von diesen aber sinh: L. ihre Religions-Unterweisungen an den Werktagen , wenn auch kein anderer Grund für diese spräche, unzertrennlich, als Vorbereitung und Uebung auf jene; denn wenn und wie soff ein Schulmeister zur öffentlichen Kinderlehre für Erwachsene tüchtig werden, dem man die Vorübung mit seinen Schul» kindern, und mit derselben die einzige Gelegenheit zu seiner Ausbildung abschneidet! Die Abstellung der Religionsunterrichts in den Schulen ist nicht rathsam U. Wegen dem Fortgang der Schule. Es sind schon einige Nachtheile dieser Neuerung auf die Schulen berühret worden. Ein neuer Schaden wäre dieser, daß die Kinder rur Versäumniß der Schulen, die wirklich so groß ist, daß sie nicht noch kunstmaßig eingeführt zu werden braucht, nicht nur verleitet, sondern selbst genöthiget würden. Man sieht die Unentbehrlichkeit der Schulen ein, und arbeitet mit Wärme daran, die Schulanstalten tn bessern Zustand zu seien, welches von entschiedener Nothwendigkeit ist. Dazu muß aber, als Fundament von allem andern, fleißigere Besuchung, nicht mehrere Versäumniß der Lehrstunden eingeführt werden : Und dieß wäre bey Durchsetzung der angeführten Projekts unvermeidlich ; und zwar s. irr der Haupt-Schule. Sollte der Pfarrer eine solche Menge Kinder (siehe erster Hauptgrund ll. i. L. ) in dem Haupt-Schulhause unterrichten, und dazu verschiedene Lehrstunden halten, so würden unterdessen die Lehrstunden des Schulmeisters rasiert, und die Kinder ohne Schule seyn. b. in den Neben Schulen. Die Kinder können nämlich nicht zugleich hrer in ihren verschiedenen Dorfschulen, und dort bey dem Pfarrer seyn. Die Hin- und Herreise ru diesem, nahmen besonders, zumal in ausgedehnten Kirchspielen dem Kinde viele Zeit weg, die es für die Schule verlöhre, weil es sie auf dem Wege zubringen mußte, dem näherwohnenden jedesmal einen halben, dem entferntem einen ganzen Tag. Findet hingegen das Kind den frühern Religionsunterricht bey seinem Schulmeister, so wird ihm für die übrigen Lehrstunden nicht eine Minute geraubt. — Selbst die ganz kleinen 6,7,8, yjäh- rigen Kinder, die den Rcligions-Unterricht der Aeltern nicht anhören, würden und müßten desto unfleißiger in derselben seyn. Wenn diese in einiger Entfernung von dem Schulhause wohnen, so gehen sie nicht allein, sondern unter dem Geleite der Wegweisung und dem Schutz dex älteren Kinder hin. Ist frischer Schnee gefallen, den die Kleinern nicht durchwaden können, so gehen die größer» voran, und machen jenen Bahn, das ist Landessitte, gan; in der Natur gegründet. Müssen nun die 12 und 13jährigen einen andern Weg zum Pfarrer, so können sie den jungem das Geleit rnr Schul nicht mehr geben, und diese bleiben deswegen bey Hause, und lernen auch nichts, und wachsen in voller Unwissenheit auf, ärger als jezt. Ueberhanpt wird jeder nächläßige Vater und Meister, deren es mehrere und schalkhaftere giebt, als man vielleicht glaubt, diese Vorkehr zu einem bequemen Vorwande zu benutzen wissen, um seine Kinder von der Schule rurük ;u halten. Bedenken wir endlich, daß die gröste Klasse unserer Leute den Religions-Unterricht, so unvollständig er auch immer ertheilt werden mag, für den Hauptzwek und Nutzen des Schul-Unter- richts ansieht, so wird es uns aufs deutlichste den nachtheiligen Einfluß vergegenwärtigen, den die Abschaffung des Religions-Unterrichts in den Schulen auf so viele Aeltern haben würde. — Was neben der Religion getrieben wird, und künftig vielleicht noch! getrieben werden soll, ist — das Schreiben etwa ausgenommen — in den Augen der Bauren entweder ein Mittel rur Religions-. Kenntniß zu gelangen, oder ganz überflüßig- O wie unwissend ist daher doch der- jemge in der Denkungsart unsers Volks, der glauben kann: es sehe es mit gleichgültigen Augen an, oder gar, es sehe viel beruhigendes darin», wenn alle Catechismen und biblische Historienbücher aus unsern Schulen verbannt, und keine andern von ähnlichem Haupt-Inhalt an ihre Stelle gesert werden! die irreligiös- wie die religiösgesinnten Aeltern werden sich dieser Maßregel bedienen, um ihre Kinder gar nicht mehr in die Schule ru schiken; erstere werden ihre Saumseligkeit boshafter Weise damit entschuldigen, und kerkere werden ihre Kinder mit größter Betrübniß deswegen bey Hause behalten , weil der Schul-Unterricht durchaus keinen Werth mehr für sie hat. —- Selbst die großem Kinder pflegen die Schulen höchstens nur noch an den Unterweisungstagen, eben um der Religions - Stunde willen, zu besuchen, wo sie dann natürlicherweise den übrigen Schul-Unterricht mit benutzen. Nimmt man ihnen diese Religions-Stunde weg, so sind sie überall nicht mehr in die Schule zu bringen, und ertheilt der Pfarrer den Religions-Unterricht einzig, so werden die Schul-Versäumnisse auch in der Rüksicht allgemein, da sich ohnehin jedes Kind, »das rum Herrn geht," der Schule -58 entwachsen glaubt. Was ist also für die Aufnahme des Schulwesens, und das Beste der Jugend mit dieser Maßregel gethan? — Die YWellung des Religions-Unterrichts m den Schulen ist nicht rathsam m. Wegen politischen Gründen. Und zwar wegen dem zu befürchtenden Unwillen gegen die Regierung. Das Landvolk, und nicht ohne Grund, halt sehr viel auf per gegenwärtig bestehenden Schul- einrichtung. Voraus findet es die Catrchisativn Der Schulmeister gar sehr schön, und man greift ihm hart ans Herz, wenn man sie ihm nimmt. Auch hält es noch auf Religion, wenn auch seine Begriffe darüber nicht besonders aufgeklärt seyn mögen. Wenn man ihm mm mit der Catechrsa- tion, die es so gern höret, zugleich seinen Winter- Nachmittags-Gottesdienst wegnimmt, und es ge- sezlich zwinget, keinen Gottesdienst mehr zu besuchen, da es den des Pfarrers nicht besuchen kann; was wird es von denen halten, die ihm diesen Gottesdienst rauben? Kann er seine Jugend in der Schule nicht mehr rum Christenthum an- führen lassen; wie wird es diejenigen ansehen, die sie von diesem Unterricht ausschließen? Es wird in ihnen Feinde der Religion, Vertilget des christlichen Glaubens, Zerstörer des Gottesdienstes irreligiöse Regenten sehen, und ihnen , als solchen seinen Beyfall, seine Achtung, sein Zutrauen, seine Liebe, sein Herr versagen, an deren Stelle, Erbitterung, Geringschäzung und furchtbares Mißtrauen tretten wird. Fühlet es erst noch die unvermeidlich daraus entstehenden Unbequemlichkeiten, Schwierigkeiten und ökonomischen Nachtheile, so wird der Unwille neue Nahrung finden. Auch der, dem an der Religion kein Haar gelegen ist, der also, den die Regierung am meisten ru horchten hat, wird diesen Unwillen theilen. Und man kennet ja die Wirkung einer allgemeinen Unzufne- denheit: möge man es nicht darauf ankommen lassen l Nicht anders als gefährlich können die Folgen einer Maaßregel seyn, welche an sich schon schädlich, noch das einzige haltbare Band zwischen Volk und Regierung, zwischen Bürgern und Bürgern zerreißen hilft. Es mißrathet aber auch obige Maßregel 2. Die Prostitution der Gesezgeber. — Wahrscheinlich würde noch die Regierung umsonst -efehlen, und sich vergebliche Hofmmg auf die Befolgung ihres Gebottes machen. Theils aus eigener Neigung, theils durch die Gemeinden ge- nöthiget, würden die Schulmeister ihre Unterweisung immer hie und da im Geheim sortieren. Dabey würde die Zeit, die man da gewinnen will, nicht gewonnen: und da doch auf dieselbe gerechnet/ und die übrigen Forderungen an die Schulmeister darnach eingerichtet würden / s» müßte darob Verwirrung entstehen. Nur das Ansehen des Geseres und des Gesergebers würde dabey prvstituirt: es ist rathsamcr, ein Geser / dessen Befolgung nicht zu erzielen ist/ nicht zu gebe»/ und die vorgebliche zu verwendende Autorität auf wohlthätigere Dinge aufzusparen *). Soll nun die projektierte Maßregel ausgeführt werden/ so sehe ich nicht den Nutzen, den man sich davon verspricht, sondern üble Folgen in politischer Müksicht, üble Folgen auf öffentliche Erziehung, Religiosität, *) Derjenige, der den Charakter unsers Volks kennt, wird sich überdieß mit mir davon überzeugen, daß die Erziehungsräthe selbst dadurch sich alles Zutrauens vom Volke berauben würden, wenn sie solche Geseze vollziehen, und alles, was nur einigen Bezug auf Religion hat, aus den Landschulen verbannen wollten. Bnmerk. des Herausgebers. Religiosität, Moralität und Volksgeist vorher; Folgen , welche durch die Schulverbefferungen, die man vor hat, weder verhindert, noch gut gemacht werden können. Und — ist es allenfalls wohl und weise gethan, erst Uebel zu stiften, um es durch Ge- genanstalten wieder Heben zu müssen, und auf diese Weise mit allem Aufwende dessen, was in der Hand der Regierung, und in den Kräften des Volkes stehen mag — Nichts — zu wirken! Erziehung, Religiosität und Moralität sind bey unserm Volke wirklich in einem solchen Zustande , daß sie keiner neuen Verderbung, sondern aller der. Äufweckung und Beförderung bedürfen, die immer in der Einsicht und der Macht einer väterlich denkenden Regierung stehen. Wie viel könnte diese wirken, wenn sie mit übereinstimmenden, wohl überlegten Mitteln, zu Werke gienge! Unter diese gehört aber nicht die Abschaffung , sondern die Befestigung, die Veredlung des Religions - Unterrichts .in den Volksschulen. Er wird sehr schön mit dem übrigen Unterrichte der Schulen verbunden, giebt diesem mehr Ansehen, Wirksamkeit, Würde, und stellt das ganze Schulwesen auf einen fürtreflichen Gesichtspunkt. Er füllet auch die Lücken in demjenigen- des Pfarrers aus, ersezet desselben unaussprechliche Mängel, kommt ihm auf halbem Wege entgegen, bringt Zusammen- L dang und Harmonie in das Ganze, und säet ein Saamenkom aus, aus dem die künftige Vollkommenheit der menschlichen Serie, und Früchte für ein besseres Leben keimen! — Zweyter Abschnitt. Vorwände zu Gunsten -er Abstellung des Religions-Unterrichts in den Volks- Schulen. Erster Hauptvorwand. Die mindern Einsichten der Schulmeister in Vergleichung mit den Geistlichen. Warum denn dieses hoffnungsvolle Saamenkom vertilgen? Warum eine so ehrwürdig wohlthätige Uebung, abstellen? Die Politik läßt ihre Absichten nicht immer sehen; auch hier müssen wi< uns mit folgenden zwey Gründen begnügen, und zwar I- Wegen den mindern Einsichten der Schulmeister. Don diesen wird jeder Sachkundige/ leider! nur aüiktsehr üderjengt seyn. Der Innhalt und die Art so vieler Schulmeister«Catechi- sationen, die völlige Unfähigkeit so vieler Schulmeister hiezu, ihre gänzliche Abneigung sich in diesem Stücke zu vervollkommnen, wozu nicht selten noch ein unausstehlicher SchulmeisterStolz kommt, zeugen in der That nicht Vortheilhaft für die religiösen Einsichten, und die katechetischen Fähigkeiten der Schulmeister im Ganzen genommen; allein der Schluß den man nun aus diesem zieht, verdient 8. eine gänzliche Widerlegung; dann r. Soll der Mangel an erforderlicher Tüchtigkeit der Lehrers den Unterricht selbst aufheben, so muß aller Schul-Unterricht und alle Volks-Erzte- hung ohne Ausnahm abgeschafr werden; denn unsre meisten Schulmeister haben die nöthigen Einsichten und Fähigkeiten zu allem nicht. Sir dörfen nicht einmal mehr buchstabieren lehren, sie verstehen auch das nicht wohl, und ein aufgeklärt ter Geistlicher, der immer noch fvrtstudiert, kann besser Buchstabieren, Lesen, Schreiben, Rechnen, Singen; vorzüglich das Mehrere, das mckr von ihnen fvdern will, muß ihnen nicht anvertraut 8 2 werden, denn wahre Einsichten Wu möchten bei ihnen schwerlich W finden seyn. Mit solchen Schlüssen kann alles in der Welt abgeschaft werden, was gut ist. .Da es indessen unter der Menge der Schulmeister Köpfe von vorzüglichen Anlagen giebt, so giebt es wirklich auch sehr gute, und neben diesen, viele gam paßable Catecheten unter ihnen, deren Unterricht für das Land wahrer Gewinn, und um so viel nürlicher ist, da die Schulmeister den Jdeen-Gang, die Faßungskraft, die Sprache des Landvolks weit besser kennen, und seinem ziemlich undurchdringlichen Verstände und Herzen sicherer beyzukommen wissen, als die in Städten aufgezogenen, auf Academicn gebildeten, an die dem gemeinen Menschenverstände durchaus unverständliche Sprache der Gelehrten gewöhnte Prediger, Arbeitet ein solcher brauchbarer Schulmann, eben in einer Gemeinde, wo ein angehender, ungeübter, Schulgerechter, mit dem Landvolke noch unbekannter Vikar, seine ersten Schülerproben ableget, oder häufiger Wechsel der Religionslehrer keinen Saamen zur Reife kommen läßt, oder ein durch Krankheit, Kummer, Noth, Alter geschwächter, ein von der lieben Natur versäumter, ein uachläßiger, ein sonst, allzrisehr.deschäftigter Seel- ----- l6Z ----- strger lehrt t st ist derselbe iim.st viel wolMatt ' ger für eine solche bedauernswürdige Gemeinde, und der einzige Freund, der ihr noch die Religion mit ihrem Segen verschasfen'kann. z. Und . wie — wenn es Mittel gäbe, den -ller schwächsten/ untüchtigsten Schulmeister zu einem guten, und gerade zu einem solchen Religivns- llnterrichte in Stand zu setzen , wie ihn die zärtere Jugend braucht? Wollte man lieber den ganzen Unterricht , und. das mögliche Gute verhindern, als es durch diese Mittel beförden? Und es giebt zwey -einfache, natürliche, unfehlbare Mittel zur Erreichung dieses wichtigen -Ziels. -- A. Eines derselben hat aber leider seine grossen Gegner, welche alle möglichen Gründe wider dessen Einführung und Möglichkeit , aber Nicht in der Natur der Sache, sondern im Reiche der Imagination - aufzusuchen pflegen, um es widerlich und unausführbar zu machen. Meine mit jedem Jahre durch neue Erfahrungen beve- stigte Ueberzeugung gebietet mir aber nichts desto weniger es zu empfehlen. Es besteht in einem kurzen , verständlichen, aus etwa 100 Fragen bestehenden, systematisch geordneten, vollständi- i66 gen Katechismus; welcher, wohlverstanden — weder die Ursinisch-Olevianische, noch die Ca» nistsche, noch irgend eine ähnliche Lehre, sondern die Religion Christi in edler Einfalt und Wahrheit vortrüge. Es mag wahr seyn , daß ein solcher Catechismus noch nicht existirt; aber er wird existieren, sobald man ihn einmal haken , und den rechten Weg einschlagen will. um ihn in's Daseyn hervor ;n ruffen. Alle Einwürfe, die gegen dessen Verfassung sowohl, als gegen dessen Einführung gehäuft werden, schmelzen in z Worte zusammen; »wir wollen nicht"! — v. Das andere Mittel, mit dem man einen schlechten Schulmeister zu einer nüzlichen Catechisation in Stand stellen kann, ist schon vielfältig, aber «icht auf die geschikteste Weise angewendet worden, und kann, wenn es seinen Zweck erreichen soll, erst auf einen bessern Catechismus gebaut werden. Es ist nämlich ein eigens für die Schulmeister-Catechisationen eingerichteter Cvm- inentar des Catechism; an sich kurz, nur in sehr kurzen Fragen und Antworten bestehend, beynahe nur grammatikalische Auflösung des Catechismus und der nöthigsten Bibelstellen, nach Art des Vieler Catechismus; dann auch Anreise der im Catechismus beobachteten Ordnung und Eintheilung; und etwa die nöthigsten Erklärungen, welche aber nicht nach Art der gewöhnlichen Commentarien, unverständlicher, als das, was man erklären will, seyn müssen-. Me mystischen und bildlichen Kindereyen., »ä moäum'ä'Outreias, alle hochtönende und nichtssagende Phrasen, alle Tiraden, alle überflüßi- ge Wörter, alle Veweisthümer, die nichts beweisen, wie auch diejenige, die vom Baurenkinde nicht verstanden werden können, alles, was nicht durchaus ru dem bestimmten Zwecke des Buchs dienlich und unentbehrlich ist, das alles muß mit behutsamer Sorgfalt vermieden werden. Und nun diese beyden Bücher wären dem Pfarrer und jedem Catecheten so wohlthätig, altz dem elendesten Schulmeister, und der Jugend so nüzlich als dem kehrer. ». Ein besserer Catechismus würde Einheit in der Lehre und der Ueberzeugung befördern. Dann wäre man berechtigt, ihn allgemein einzuführen, und die Pfarrer zum Gebrauche desselben anzuhalten; dadurch die hunderterlei) Lehrbücher, die rum grossen Hindernisse der Religion und zum grossen Schaden des Vols, als Fundament des — i6z — Unterrichts dienen müssen/ wegzuschaffen/ überall wahres Christenthum zu pflanzen, und den Charakter des Volks nach dessen erhabenen Grund- säzen zu veredlen.— k>. Der CommentÄ würde schlechte Lehrer in Stand setzen und zwingen , gute Lehren auf eine vor- theilhaste Weise zu ertheilen ; er würde Einheit in die Erklärung des Catechismus bringen, und in allen Schulen, und in allen Handen einerley Wahrheit ausbreiten; den verdorbenen Geschmak der Schulmeister bilden, und sie fähig machen dem Pfarrer zu seinem Unterrichte der Catechu- menen mit Glük vorzuarbeiten, daß dieser seine Lehre mit zehenfachem Segen darauf bauen, und in kürzerer Zeit mit mehrerer Frucht vollenden könnte. Wie viel würde durch diese einfachen Mittel nicht das Christenthum und die Menschheit gewinnen! — 4. Und endlich — ist nicht der Staat selbst an den schlechten Schulmeistern schuld; er mache sie in Zukunft besser s. durch Bildungs-Anstalten aller Art. — Wozu denn auch die Normal-Schulen zur Bildung tüchtiger Schulmeister von denen man so laut spricht? — Sollten etwa nur Schulmänner ge- zogen werden/ die zu 'allem/ nur zu dem nicht Whig sind/ was die erste Angelegenheit des Staats und der Menschheit ist! Nur nicht etwa das Christenthum/ sonst alles andere sollen sie selbst' lernen / und- zu lehren tüchtig gemacht weiden ! Hier könnte die Regierung' wahre Weisheit/ ächte Menschenliebe/ reinen Patriotismus und Achtung für das / was ehrwürdig und heilig ist/ zeigen / wenn -sie gerade' am Ersten dafür sorgte/ daß die Schulmeister m guten -Catecheten erzogen würden. Diese wäre wohl die gemiinuüzigste, edelste Schulanstalt/ die sie begünstigen könnte. Wie weit hinaus würde sie dadurch Gutes wirken und Segen stiften! Wie dankbar und gerührt würden ihr nach glüklichem Gelingen derselben die Herzen entgegen schlagen! Ich wenigstens würde ganz vorzüglich darauf sehen / daß die künftigen SchlMhrer ihren eigenen Charakter durchs Ckm- stenthüm bildeten/ und dann der Jugend die sanfteste Führerinn durch dieses Leben / die christliche Religion/ nach der Fassungskraft derselben-/ mit Wahrheit/ Würde und Wirksamkeit beybringen lernten;,7— ich würde ganz vorzüglich darauf sehen / daß ich nicht langer mit Schamrüche sagen!müßte: die Lehrer/ die ich bestellt und gebildet habe, haben die nöthigen Einsichten zum Schönsten und Segenvollsten ihrer Beschäftigungen nicht. — - Der Staat kann aber zur Verbesserung der Schullehrer auch dadurch sehr vieles beytragen, wenn er b. eine genauere und fleißigere Aufsicht über ihr Betragen und über ihre Amts-Verwaltung trägt, - als bis dahin geschah. Wird für den Unterricht, für die Verbesserung des Einkommens, und die Vermehrung des öffentlichen Ansehens der Schullehrer bey dem Volke gesorgt — sollte man dann nicht auch vorzüglich darauf sehen : was für eine Anwendung sie von dem erstem machen, und in wie fern sie das Lertere verdienen? Und z was für wohlthätige Folgen muß dieß noch nach sich riehen? . - ^ Doch der erste Hauptvorwand zu Gunsten der Abstellung des Rcligions - Unterrichts in den Volks-Schulen beruht nicht nur auf den geringen Einsichten der Schulmeister, sondern auch II. auf den bessern Einsichten der Geistlichen ! zurErtheilung des Religions-Unterrichts. Freylich habe» die Geistlichen, inr Ganzen genommen —diese bessern Einsichten/ und — unter den gehörigen Umständen — kann nisir stc mit vollem Rechte von ihnen fordern. L. Mein wenden wir dieses auf den gegebenen Fall an, so haben wir auch hier hinreichende Gründe zur Widerlegung dieses Schlusses; dann r. Eine an sich unmögliche Sache wird durch die bessern Einsichten der Geistlichen nicht möglich, eine an sich schädliche nicht nüziich. — Man vergesse doch nicht, daß auch der aufgeklärteste Geistliche nickt Allmacht besizt, um mehrere Geschäfte auf einmal verrichten zu können; Man vergesse nicht /, daß auch der aufgeklärteste Geistliche, und wenn er noch so fleißig fort studiert, kicks zaubern, die Kinder nicht durch die Luft über unwegsame Oetter zu sich kommen, sie nicht zur nämlichen Stunde, zu welcher.sie in,der. Schule seyn sollten, auf der Reise und bey sich haben kann, u. s. w. oder sollte man, um den Knoten zu zerschneiden, auf den Gedanken fallen, die Kinder nur 2 oder i Winter im Ganzen i» der Religion unterweisen zu lassen, so muß man wieder nicht vergessen, daß ein noch so aufgeklärter Geistlicher nicht gegen die Gesere der Natur ein Wunder in der menschlichen Seele zu verrichten vermögend ist. Im einzelnen kann auch in der bisherigen-: und besonders in der gegenwärtigen Lage der Sache . 2. nicht jeder Geistliche aufgeklärt seyn. — Nicht ein jeder, der von den Seinen rmn Geistlichen bestimmt wird, hat deswegen von ihnen auch die zu diesem Berufe nöthige Erziehung und Menschenkenntniß ,, von der Natur die zu seiner Bestimmung erforderlichen Talente erhalten; besonders das viel vorausserende Talent des katechetischen Unterrichts. Daneben war schon unter der alten Ordnung der Dinge der Zustand der Geistlichen so wenig reizend, und der dadurch verursachte -Mangel an Subjekten schön so groß, daß die akademischen-Räthe gezwungen waren, —Alle, welche sich nur zu Dienern der Kirche wollten brauchen lassen, fast ohne Ausnahme, und ohne Rüksicht auf Fähigkeit, als solche einzuweichen. Wenn nachher die Erfahrung ihre'Unfähigkeit auch noch so klar er- wieß, so konnte sie doch nie die Durchstreichung eines Einzigen bewirken; der Untauglichste ward, wie »er Fähigste, den Gemeinden rum Hirten -73 gesezt, und Jahr für Jahr bestätigt. -Unter solchen Umständen konnte die Glorie der Aufklärung nicht wohl jedes Haupt umstrahlen. Nun da die Lage der Geistlichen noch weit schlimmer, und wirklich traurig und abschrekcnd ist; da die Aussichten in die Zukunft sehr Lüster sind; da das ächteste Verdienst, wenn es sich nicht an die Revolutionsfahne schmieget,., von Spähern umringt in steter Gefahr, und die Geistlichkeit mit argwöhnischer Furchtsamkeit einer besonders wachbaren Aufsicht empfohlen ist, so werden sich je langer je weniger wohlgezogene, gebildete Jünglinge von Kopf und Herr eine!» so stiefmütterlich behandelten Stande wiedmen. Wer sich noch hinein waget, dürfte dem Vaterlands keine grosse Hvfnungm gewähren; und so wird es je langer je weniger wahrhaft aufgeklärte, verdienstvolle Geistliche geben.. Es ist wahr, die Aufklärung der Geistlichen und ihre Verdienste-sind in der Hand der Regierung; sie. sind. immer ein Maßstab, nach dem diese beurtheilt werden kann, und diese kann ihnen , sobald sie die Nothwendigkeit fühlet, ganz die Richtung geben, die der Beruf des Geistlichen fordert. Aber dazu gehört eine ganz andere Behandlung dieses — 174 — Standes, sorgfältigere Pflege desselben, und für ihn ein besseres Loos. b. Auch das hinlängliche Fortstudieren wird ihm — besonders in den gegenwärtigen Zeiten — wo nicht ganz unmöglich gemacht, doch äußerst erschwert. Immer noch fortstu- Vieren ist zwar sein Beruf und Pflicht, aber dazu muß er auch die Mittel in den Händen haben; nimmt man ihm dieselben, so kann man von ihm auch nicht erwarten, daß er leiste, was man ihm unmöglich macht. — Immer noch fortstudieren, ist kostbar, zumal auf dem Lande, wo man sich die Litterarischen Hilfsmittel meh- rentheils selbst anschaffen muß, und sich den Genuß der Bibliotheken, wegen dem Transport oft gar nicht, und allemal nur mit beträchtlichen Kosten zusichern kann. Wann man nun dem Pfarrer nicht einmal sein nothdürftiges tägliches Brod giebt, so ist er von Staaswegen außer Stand gefeit, die nöthigen Kosten rum Studieren aufzuwenden. Muß er aus eben diesem Grunde seine Kinder ganz allein ohne Mithilfe anderer unterrichten; häufet man seine Amtsgeschäfte noch mehr an; schlägt man seinen Muth nieder; nöthigt man ihn einen fremden Vrvderverb neben seiner Amtsübung ru unter- nehmen, um sich und den Seinen Brod ru ver, schaffen; so werden seine Studien,' seine Catechi sationen, und dir ganze Erfüllung seiner Amtspflichten, von allen diesen Seiten, keinen grossen Fortgang gewinnen. Zweyter Hauptvorwand. Vermehrte Geschäfte -er Schulmeister. I. Die Religion, dieser höchst wichtige Theil desSchul-Unterrichts soll, also aus demselben ausgemerzt werden, um minder wichtigen Dingen Klaz zu machen! r. Dem katechetischen Unterrichte werden (versteht sich in den Schulen die ich kenne) wöchentlich von ZZ Stunden zwey gewiedmet — ist das so viel? — Und vielleicht wäre es (bey besserer Einrichtung -er Schulen) hinreichend, nur jeden andern Tag eine halbe Stunde — mithin wöchentlich ein und eine halbe Stunde — ausmsezen. — Könnte denn kein besseres, natürlicheres Mittel zur Zcitgcwin- rümg ausfindig gemacht werden? Z. B. mehrere Sorgfalt und Aufsicht, daß die Schulen jeden Vor - und Nachmittag zur bestimmten Zeit anmengen, wodurch schon das Doppelte an Zeit gewonnen würde, was zum Religions unterrichte gegenwärtig aufgewendet wird? Z. B. die Verfügung, daß die Kmder nicht halbe und ganze Stunden zu spät zur Schule kämen? Z. B. Abschaffung ihres Schulunfleiffes überhaupt, da sie die Schule ganz außerordentlich nachläßig besuchen? Z.B. strengere Exekution der Ordnung, daß die Schulmeister das ^ Schulhalten nicht so manche» ganzen und halben Tag Pflichtlos an den Nagel hiengen? Z.B. der frühere Anfang der Schulen im Herbste? Z.B. die nöthige Scharfe, daß sich die Schulmeister wahrend dcr Schulzeit nicht Tändeleyen, Skrip- turen, Mahlereyen, ökonomischen und andern fremdartigen Beschäftigungen überliessen; oder die Zeit mit Schlafen abkürzten, sondern sie ununterbrochen mm Schulhalten anwendeten? Z.B. ein strenges Verbot des Apfelnaschens, das das Lernen in den meisten Schulen zu unterbrechen pfleget? Z. B. die Vorsorge, den Schulmeistern ge- drukte Schreib-Vorschriften zn verschaffen, damit sie die kostbare Zeit nicht so sehr mit Verschmieren vergeuden? Z. B. die Erbauung neuer Schulhau- ser, da, wo die Kinder in den gegenwärtigen so übermäßig zahlreich sind, daß die Schulmeister rum r?7 zum wirklichen Unterrichte schon die nöthige Muße nicht haben? r. B. eine gute — nur nicht im Musäum ausgesonnene, sondern aus der Versah- rungsart guter Schulmeister hergenommene Methode im Mechanischen des Schulhaltens für minder geübte Lehrer? — Ich wenigstens bin überzeugt, die nothwendige Zeit, zu wirklich nothwendigen Dingen könne immerhin gefunden werden, ohne sie gerade der Religion wegzunehmen, welche doch erst alles übrige Wissen wohlthätig macht, und zu seinem grossen Zweke den Menschen wohl hinleitct.— II. Noch ein Wort über die Ausdehnung des künftigen Unterrichts. Welchen Unterricht wird man wohl künftighin von den Schulmeistern fordern? Derjenige, den sie bis dahin ertheilten, war wohl der nothwendigste, und vielleicht der einzig mögliche. Lesen, Schreiben, Singen, Rechnen, katechetische und historische Religion , wobey die Kinder auch — und das nur zu viel — zum Auswendiglernen angehalten werden. Diese Stücke halten schon viel in sich, und wenn der Schulmeister in diesen leistet, was dazu gehört, so leistet er wohl recht viel Der grosse Mangel unsers Schulunterrichts bestand nicht sowohl in seinem Stoff, als in der Art Wie dieser Stoff M behandelt, und der Unterricht darüber ertheilt ward. Alle Verbesserungen desselben sollten sich — wenigstens gegenwärtig noch — bloß darauf einschränken, den bisherigen wirklich üblichen Unterricht in seiner Methode ru verbessern, nicht aber einen neuen eilirn- ! führen. — , Kann man doch den Lauf nicht von einem Ziele fortsetzen, ru dem man noch nicht hingelangt ist l z Würden die zum wirklich üblichen Unterrichte nöthigen Lehrbücher übrigens gut und zweckmäßig abgefaßt, so könnten durch sie einige nicht unwichtige Neben - oder entferntere Zwecke im Vorbeygehen erreicht werden; aber ja nur im Vorbeygehen. — Nach hin und wieder bekannt gewordenen Projekten städtischer Theoretiker, welche weder das Land noch das Landvolk, noch die Landjugend, noch die Landschulmeister, noch die Landschulen kennen, muß man fürchten: daß Natur- ! Wirthschafts- Gesundheits- Gesez- Constitutions- u. dgl. § Unterricht eingeführt werden dürfte,*) und dann ! Die Direktorial - Bottschaft ( s. diese Schulmeister- ! Bibliothek i. Bändch» S. szq, rc.) rechtfertigt obige Aeußerung vollkommen. Sie ist höchst intreffant, und enthält viele Vorschläge, die fürtrefflich sind; einige, die ich für positiv schädlich halten mich; und andere, Leren Ausführung umsonst versucht werden wird. Im Ganzen genommen, ist sie bey so vielen einzelnen Schönheiten gar nicht aufs Volk und Möglichkeit berechnet. 179 steht es mit unsern Dorfschulen und ihrem Nutzen nicht mehr gut. Jeder der eine Liebhaberey hat, will sein Stecken-Pferd in die Dorfschule reiten: der Liebhabereyen giebt es aber nun viele. Nach mehrerer Kenntniß der Umstände, richtigerer Einsicht und ge- prüfterer Erfahrung wird man bescheidnere Forderungen machen, und eben deßwegen weiter fortrücken. Wenn man aufs Unmögliche Jagd macht, so gehet darüber das Mögliche verloren; und es ist ein grösseres Verdienst, das Nüzliche, das erzielet werden kann, zu stiften, als einen übergrossen babylonischen Bau zu unternehmen, der alle Kräfte vergebens überspannt , und nach erschöpften Hilfsmitteln unausgeführt in Verwirrung endet. Dritter Hauptvorwand. Diesem zufolge macht man endlich den Einwurf, daß der Religions unterricht schon in etlichen Gemeinden, den Schulmeistern entzogen, und von den Pfarrern mit grossem Nutzen ertheilt worden. — Wohl möglich! Was aber an ein Paar Orten, wo besondere seltene Umstände glüklich zusammen treffen, mit Glut sondern (nicht nach meinem Urtheil allein) total unausführbar. , ^ Der Verfasser. M » eingeführt worden seyn mag, wird in den unendlich zahlreichern Gemeinden, in denen nicht so viele vor- tlmlhafte Umstände zusammen stimmen, nicht mit Elük eingeführt werden *). Die Beweggründe zu einer Verfügung, die den bessern Einsichten des fürtrefflichen Ministers gewiß selbst entgegen ist, scheinen mir demnach sehr schwach. Da er aber in seiner gepreßten Lage nicht frey handle» kann, so mußte er freylich die Verfügung publizieren, und sie doch auch durch etwas motiviren. — Mich aber kann sie nicht beruhigen. Nicht an» ders, als mit wahrer Besorgniß vernahm ich sie, und würde erst dann beruhigt werden, wenn dieselbe *) Ich wurde letzthin noch auf einen Hauptvorwand aufmerksam qemacht, nämlich: „daß evangelische Ael- „ lern ihre Kinder in eine katholische oder katholische „Aeltern in eine reformirte Schule um so viel ruhiger „ werden schicken können, wenn nichts von Religion „ darinn getrieben wird; ein Fall, der jetzt schon ein- „trette, und künftig, je nachdem der katholische oder „ reformirte Schulunterricht besser ist , noch häufiger „ eintretten werde." — Allein diese Einwendung — Lenke ich — verliere alsdann alle ihre Kraft, sobald man für eine allgemeine Herbesserung aller Schulen beider Religionen in Helvetien sorgt, so Laß beyde Confessionen einander hierinn gleiche Schritte kalten. Und soll das nicht eine der Hauptabsichtm unserer Cantons- Erziehungs-Räthe seyn? Annierk. des Herausgebers. zurük genommen würde. Wahrlich! wenn der Anfang der neuen Schulanstalten von der Art ist, so läßt sich alles für die folgenden fürchten. — Noch ein Paar Anmerkungen über diesen Gegenstand vom Herausgeber. In den ehemaligen demokratischen Standen wurden die Kinder bis jetzo überall, sowohl in den reformierten als katholischen Schulen im Christenthum oder in der Religion unterrichtet; allein dieß heißt — bis auf sehr wenige Ausnahmen — mehr nicht, als die Kinder werden von den jüngsten Jahren an gewöhnt, den eingeführten, in so vielen Stellen höchst dunklen und unverständlichen kleinen und großen Katechismus maschinenmäßig, Gedankenlos und oft höchst unrichtig und falsch ihrem Gedächtnisse einzuprägen, das Gelernte dann dem Schulmeister aufzusagen, und es wöchentlich und täglich zu wiederholen, bis sie über das Nämliche bey ihrer Confirmation rum leztenmale verhört werden, um es nun — nach Begeben — wieder zu vergessen. — Auf diese Weise kamen weiter nichts, als dem Kinde, das zum Denken weder geneigt, noch auf diesem Wege geübt wird, meistens unverständliche Formeln ins Gedächtniß, für das Kind also leere Worte, ohne Sinn und — 182 Kraft/ deren Werth es nicht faßt/ für deren Wahrheit es sich nicht intereßiert/ deren Einfluß keine weitere Beziehung auf sein Leben hat/ und die es auch nicht dazu ru gebrauchen weiß; denn selbst die allcr- deutlichsten Catechrsmus-Fragen und Antworten werden niemals/ wenn sie das Kind nicht versteht/ und wenn man sie ihm nicht deutlich erklärt/ bey ihm Grundsätze des Lebens und Maximen des Handlens werden können. — Diese mehrentheils unzrvekmäßige/ plumpe und ungeschikte Art / die allgemein verständliche und liebenswürdige Religion Jesu dem Gedächtnisse der Kinder einruzwingen/ muß daher gegen sie in ihren Gemüthern vielmehr die Vorstellung, eines beschwerlichen Frohndienstes/ als einer tröstlichen und liebenswürdigen Sache rurüklaffen, und kann in der That — wo nicht häufig schaden — doch überall nichts nützen. — wer/ der dem Christenthum seine allmächtige Kraft zur Versittlichung / Veredlung und Beruhigung des Menschengeschlechts nicht abzusprechen/ die Stirne hat; wer/ der den Versuch wagt / 8—rojährigen Schulkindern alle Wochen ein Paar halbe Stunden den ersten christlichen Religions - Unterricht auf eine ihrer Fassungskraft und ihrem Alter zweckmäßige Art vorzutragen/ und alsdann die gewiß unausbleibliche Erfahrung machte, mit was für einem Intereße die Kinder an einem solchen Unterrichte Antheil nehmen , wie sie bey Hause ihren Müttern sogleich davon erzählen, und was für unauslöschlich tiefe Eindrüke dieser erste Unterricht auf ihre empfänglichen Kinder- Seelen macht; — wer, der es ferners überlegt: daß unsere Kinder schon in der frühsten Jugend in den Haupt-Wahrheiten der Religion unterrichtet werden müssen, und zwar auch deswegen, weil ihnen überall religiöse Gebräuche oder Lehren aufstofsen, über die sie von sich selbst, um Auskunft fragen; — wer, der es endlich bedenkt, wie viele Hindernisse sich jedem Geistlichen in den Weg stellen, daß sein Confirmations - Unterricht für so viele Neocommunu canten nicht so fruchtbar werden kann, wie er denselben gerne machen möchte; — wer sollte da nicht von der grossen Nothwendigkeit und Nutzbarkeit des ersten Neligivns-Unterrichts in den Schulen überzeugt werden ? — Wer aber die, die in unsern Landschulen zu dem Ende bis dahin angewandte höchst zweckwidrige Methode kennt, wird es nicht zugleich schmerzlich fühlen, wie so höchst bedürftig der Verbesserung auch dieser Theil des Landschul-Unterrichts wäre? Wer wird daher diese Verbesserung nicht von ganzem Herzen wünschen? Würden unsere neuen Schul-Reformatoren bey ihren ersten Arbeiten — (wobey ich zwar freimüthig 184 gestehe: daß ich mir von sehr vielen Theilen derselben mit der Zeit äußerst viel Gutes verspreche, wenn sie nach und nach modifiziert, und mehr unserer Lage angepaßt werden) würden sie einzig von der Absicht geleitet gewesen seyn, zu verbessern, zu vervollkommnen , Gutes zu stiften, so — denke ich — wäre diese für sie eine der allerwichtigsten Fragen geworden: ,, wie ist es anzufangen, und welche Mittel „sind die besten und zwekmäßigsten, um mehr „religiösen Ginn unter der Schuljugend zu „verbreiten, und den grossen würdigen End, „ zweck alles Unterrichts in der christlichen Religion, wahre Beßerung und gründliche Be, »ruhigung möglichst zu befördern"? Daß der Schulmeister von vernünftigen Männern — Geistlichen oder Schullehrern — zu zweckmäßiger Führung seines Berufs die nöthige Unterweisung und Anleitung erhalte; Daß er aber vorzüglich in Absicht des Religionsunterricht, den er ertheilen muß, nicht nur immer mehr Kenntnisse und Einsichten erlange, sondern mit diesen eine aufrichtige Liebe zur Lehre Jesu verbinde, die sich durch alle seine Gesinnungen und Handlungen offenbare, so daß es nicht heisse: thut nach meinen Worten, aber nicht nach meinen Werken; i8Z Daß der Lehrer, wenn sein erster Religionsunterricht verstanden werden, nnd nützen soll, die Kinder zuvorderst mit den Werken Gottes, mit der Natur bekannt mache, und ihre Denk - und Urtheilskraft zu allererst an den Dingen, die um und neben ihnen sind, und ihnen am meisten in die Sinnen fallen, übe; daß er sie von den Dingen, die es allenthalben in der Natur giebt, auf den grossen Urheber der Welt führe, und ihre Herzen sttit Liebe und Ehrfurcht gegen denselben erfülle, un^ ihnen Stuffenwerse das Verhältniß zeige, in welchem wir mit demselben stehen, woraus folgt, daß wir diesem himmlischen Vater, als gute Kinder, in allem, was er uns durch Jesum befohlen hat, zu gehorchen schuldig sind; und daß er daher auf diese Weise den Religions-Unterricht eben sowohl, als ein Mittel zu Verstandes-Uebungen der Kinder, als vorzüglich -u Veredlung ihres Herzens gebrauchen könne; Daß der Lehrer auch schon den Kindern bey seinem Religions-Unterricht zeige: wie unglüklich diejenigen Völker immer gewesen sind, welche keine richtigen Religions - Begriffe hatten, — wie unwissend, abergläubisch und elend, — und wie groß die Vorzüge der Christen dagegen in diesem Stücke wären; Daß die bisher üblichen Catechismus - Fragen und Antworten — einfacher und deutlicher abgefaßt, 186 rmd alsdann so verständlich als möglich erklärt werden müssen — auch lehrreiche Sprüche aus dem alten und neuen Testament, und schöne LiederVerse zu Gedächtniß-Uebungen gebraucht werden können, die dann den Kindern lebenslänglich unvergeßlich bleiben, und namentlich auch beim Confirmations-Unterricht wichtige Dienste leisten; Daß sich aber der Lehrer davor vorzüglich zu hüten habe, die Religion nie mit dem Stocke einzu- bläuen, oder beim Neligions-Unterrichte einen ;u finstern, oder gar polternden und zankenden Ton anzunehmen, wodurch das Kind eher Abneigung als Liebe rur Religion erhält; Daß Geschichten überhaupt für Kinder äußerst viel intereßantes haben, wenn sie nur gehörig von ihnen verstanden, folglich von dem Lehrer kurz , verständlich und deutlich erzählt werden; Daß durch moralische Erzählungen, die der Fassungskraft der Kinder angemessen sind, ihnen moralisches Gefühl und gute Sitten beygebracht werden können; Daß endlich die biblische Geschichte, wenn sie mit Verstand, und mit der gehörigen Auswahl vorgetragen wird, vorzüglich obigen Zweck erreiche; Diese — und unendlich viel mehrere Gegenstände würden bey der wichtigen Frage: „ wie kann der bisherige Religions - Unterricht in den Schulen verbessert und fruchtbarer gemacht werden"? in die reifiichste Erwägung gezogen zu werden verdient haben*). — Aber Nein! der gordische Knote wurde änderst gelöst! weil der Rett» gions - Unterricht in den Schulen bis dahin nichts taugte/ so soll er nun in Zukunft gänzlich aus denselben verbannt seyn! Genug hievon; nur dieß einzige sey mir noch erlaubt: alle Erziehung? - und Kirchen - Rathe Helveticas zu bitten und zu beschwören, sich doch nicht damit zu begnügen, daß der Direktorial - Beschluß in diesem Stücke unausgeführt bleibt, und also wie ru- rükgenommen ist; sondern hierin» viel weiter zu gehen, und sich gemeinschaftlich zu vereinigen: um da, w» der Religion? - Unterricht in den Schulen gar nicht üblich war, ihn einzuführen, und da, wo er nur äußerst unvollkommen ertheilt wurde, ihn zu vervollkommnen und zu verbessern; „dann die christliche *) Vorzüglich Ware dieses Thema einer reiflichen Uebcr- legung und gründlichen Beantwortung höchst würdig: , „ was kann und soll jeder Pfarrer in seiner Gemeinde „dazu beytragen, daß der Religionsunterricht in dm „Schulen besser, zweckmäßiger, fruchtbarer werde?" —. Gewiß! ließe sich hierüber manches, manches nicht bloß als pium äeüäei-inin vorbringen, sondern sehr anwendbar für jeden gewissenhaften Religionslehrer in's Licht stellen. Anmerk. des Herausgebers. i88 „'Religion'ist doch die zuträglichste für die Sitten „ der Völker und die Beruhigung einzelner Menschen; „sie gründet das Wohl der Familie, und das Wohl „des Staats. Wer sie aus seinem Hause verweiset, „der weichet von seinem Glücke; wer ihre Werrh- „ schatzung mindert, der versündiget sich an der „ öffentlichen Wohlfarth". Zum Beschluß rücke ich hier noch einige Gedanken aus einem Briefe hierüber ein, der den iZ.Nov. 1800 an mich geschrieben wurde. „Den Religion?-Unterricht in unsern Schulen „ betreffend, können wir — wenn ich nicht sehr irre „ -- uns leicht einverstchen. Gewiß, mein Freund! „ ich bin für das, was unsere Schulen in dieser Ab- „ sicht waren und leisteten nichts weniger als einge- „nommen. Das Mangelhafte desselben sah ich „ schon lange ein; und ich tadle die neurepublikanischen „Plane keineswegs darum, weil sie dies nicht höher „schatten, als es werth war: aber darinn tadle ich „sie nicht bloß, sondern detestiere sie, daß —anstatt »den Wünschen und Bestrebungen aller geistlichen „Jugendfreunde, jene Mangel zu ersezen, den religiösen Unterricht in den Schulen ru vervoll- „kommnen, — anstatt diesem nachzuhelfen, das „'entscheidendste Gegentheil geschah, — oder, jenen »Planen zufolge, geschehen sollte.' — Sagen Sie — i8y — »mir, mußte in den Schulen nicht je näher sie „jenen ministeriellen Idealen gekommen wären — „sich desto weiter der Jugend-Unterricht von Re- „ ligion entfernen. Der gnte Stapftr suchte denn „ freylich anzuflicken, nachzubessern, so viel er konn- „te, um dem Rcligions-Unterrichte einigermaßen zu „begegnen, und die bekümmerten Geistlichen zu „trösten. Aber das war alles Flikwerk, Anhängsel, „ es gehörte nicht zum Stamm. ^ „Die Anlage war so gemacht, daß — je konsequenter man im Geiste jener Plane verfahren „wollte, desto weniger noch irgend etwas übrig „bleiben konnte, was der Jugend, ich will nicht „sagen — zur christlichen Religions-Erkenntniß „verhelfen hatte, — was sie nur auf den Gedan- „ken geführt haben dürfte, — daß die Religion „ etwas Rennenowerthcs, etwas wichtiges, für „das menschliche Leben Brauchbares wäre! — „Die Anlage war so gemacht: daß man allenfalls „einem christlichen Lehrer den Zutritt zu denSchu- „ len ganz gerne vergönnt haben würde: so ferne er »nämlich — alles andre — nur nicht den christlichen Lehrer darinn hätte machen wollen, sobald „er aber seine Rolle vergessen, und angefangen hätte, „r.E. von Jesu göttlichen Thaten, von seinem „Sterben und Auferstehen, den Kindern ru er- — ryo »zählen: so würde ihm gleich der Bürger Schul» „ lehrer aus pag. der Schulordnung der »einen und unzertheilbaren helvetischen Ne- „publik haben darthun können: »daß dieß gar »» nicht hieher gehöre; daß diese Stunde einem an- ^ ,,,, dem Pensum gewidmet sey"; und würde denn der »beschämte Prediger gefragt haben; » welche Gtun- »,,de wohl für religiöse Gespräche mit den »»Riemen aßigniert wäre"? — möchte ihm der »Bürger Schulmann die neue Schulordnung mit: »» da könne er selbst sehen!" in die Hände gegeben »haben; allein da hätt' er umsonst von vorn bis ^ » hinten, und wieder zurück geblättert — ohne nur ^ »ein Plähgen ;u finden, das die Schulgesetze der » Republik dem Religions -- Unterrichte offen liessen! »— So war die Anlage, so ist sie noch, in „den Köpfen und Herzen so vieler Vaterlands» »beglücker; — und was noch von religiöse,» „Uebungen und Unterweisungen in. den Schulen „übrig blieb, ist ihnen alter Sauerteig, der ! „nicht schnell, nicht rein genug weggefegt werden „kann. — Sie denken vielleicht ich sey zu warm für „ meine Sache, und übertreibe darum manches? „ Nein, mein Freund— der kälteste Professor und „Doktor cujuscunyus äkciplins: war kaum je im » Stande seine aller kältesten Theses so bündig ru >— ryr »erhärten, so gründlich zu vertheidigen, als ich mir »jene Behauptungen zu erweisen getraue. — Irr » Wahrheit, wenn das gesammte Helvetische Volk » auf die allerbestimmteste Weise den revolutionären »Philosophen alle Religions-Anstalten, und darauf »sich beziehenden Schuleinrichtungen in den SchooS »geworfen hätte, daraus zu machen, was sie nur »immer gut fanden, sie hatten sich nichts grösseres »von Reformen nach ihrem Sinne in den Kopf »setzen können. — Und — nun vollends in einem »Lande, wo man dem Volke so vielfältig, so feyer- »lich die Jnviolabilität seiner religiösen Institute „zugesichert, ja rugeschworen hatte, gieng die Drei- »stigkeit, womit man namentlich die Schulen — »nicht etwa in Absicht auf religiösen Unterricht ver, »bessern, sondern planmäßig, mit gesetzlicher »Autoritätdesselben berauben wollte, — bis zum »eigentlichen Frevel"! re. rc. V. Entwurf eines Interims-Jnstituts zur Bildung der Lcmd-Schullehrer des Kantons Zürich. Verfaßt von B. Diacon und Präsident des Erziehungs- Rachs Schultheß in Zürich *). Man wird uns gerne die Einleitung erlassen, worinn der Satz ausgeführt würde, daß ohne ge- schikte Schullehrer, keine Schule gut bestellt seye, daß mithin die schönsten Pläne, die reizendesten Ideale von neuen Schul-Einrichtungen, ihres Zweckes verfehlen müßten, wofern man nicht, auf die Bildung derer, denen das Werk des Jugend-Unterrichts eigentlich aufgetragen wird, die erforderliche Aufmerksamkeit richten, und den gehörigen Fleiß verwenden *) Dieses vortrefliche, und so leicht ausführbare Projekt möckte ick allen denjenigen, die sich für unser Vaterländisches Schulwesen internieren, und bey Verbesserung^ Plänen dieses Fachs eine Stimme haben, zur reiflichen Prüfung und Benutzung dringendst empfehlen. Man dürfte nur den Versuch mit der Anwendung desselben machen, und es würde sich gewiß völlig bewähren. ES ist daher recht sehr zu bedaurcn, daß selbst in dem Kanton, für den es im Anfange bestimmt war, solche Umstände eintrafen, daß man die wirkliche Ausführung desselben bis dahin immer verschieben mußte. Der »Herausgeber. — IYZ — wenden würde. Von allem, was der vaterländische Jugendfreund wünschen, und für den Flor unsers Schulwesens ausdenken nmg, bat nichts grössere Eile, weil beynahe alles andere Gute hauptsächlich, davon abhängt. Daher verbieten wir uns das noch so süffe Vergnügen, dem Gedanken nachzuhängen , was einst, in Zeiten der Ruhe und des Wohlstandes, aris dem Schoosse der neuen Ordnung für Institute, hervorkommen werden, die der Vaterländischen Kin- derschaar Lehrer erziehen, wie wir sie — seltene, Männer ausgenommen — bis. dahin.bloß aus Schilderungen kannten. Wir legen nur die Aufgabe vor: was kann jezt schon, unter all den mannigfaltigen Hemmungen, bey der unwidersprech- lichen Dürftigkeit an Hülfs. Mitteln, dennoch gethan werden, um nicht bloß künftiges Gutes anzubahnen, sondern wirklich so viel zu leisten, als sich, nach den Umständen, für das dringende Bedürfniß, leisten läßt? Es ist von den Lehrern der Gemeinschulen die Rede, und da fragt sich vor allem aus: welches Maß von Wissenschaft, und welchen Grad von Lehrgeschiklichkeit ein solcher besitzen müsse, um ein gut gebildeter Schulmeister heissen zu können? Ich denke nicht ru irren, wenn ich den MaßstaS aus der Instruktion für die Schul -Inspektoren in N Seil Distrikten, nehme; (Absch.Hl. §.4.) Ein gebildeter Schulmeister soll fähig seyn, die fähigsten seiner Schüler auf den Grad zu bringen, der von den Selekteu oder Erprobten gefordert wird. Mithin soll er -) richtig und gefällig lesen, das Gelesene verstehen, und wieder erzählen können; , b) er soll, wenigstens die 4 Spezies rechnen, und > auch im Kopfrechnen nicht ungeübt seyn; e) er soll eine gute Hand und orthographisch schreiben; 6) er soll eatechisieren, H.i. durch Fragen seinen Lesetext analiskeren, Begriffe entwickeln und bestimmen, und auf diese Weise ein gutes religios- moralisches Lehrbuch, gute Kompendien von der ^ Geschichte, Verfassung, Geographie unsers Vaterlands , und andere, rur ächten Aufklärung des ^ Menschen und Bürgers dienende Unterrichts- Schriften vernünftig behandlen können. Ein größeres Maß von Kenntniß und Geschik- llichkeit für die Lehrer der Gemeinschulen darf nicht angenommen werden, weil Schüler, die in jenen > Schulen das obengeforderte sich erworben haben, ! schon die Erfordernisse besitzen, welche sie tüchtig machen, Zöglinge höherer Institute zu werden. Das heißt nun freylich nicht, ein Gemein-Schulmeister ' müsse dabey stille stehen, er wird ein so viel achturras, ' wertherer, und für die Fortbildung auch der talentvollsten seiner Schüler desto nüzlicherer Mann seyn, je weiter er noch über diese Grenze hinauf steigt, und auch zu dieser hohem Vervollkommnung soll mchr Plan einen Weg zeigen: aber um ein tüchtiger Gemeinschulnmsier zu seyn, reicht jener Grad der Bildung hin. Wir müssen uns in einem Plan von Schulmeister-Bildung , so viel mehr innerhalb den gezeichneten Linien halten, weil sicherlich für die wesentlichsten, dringendsten Bedürfnisse desto weniger geleistet werden könnte, wenn wir höher spannen, und mehrerer umfassen wollten. Wer den Austand unserer Volkskultur vom Nähern kennt, wird sich vor solchen Uebertreibungen wohl hüten; er weiss, wie weit wir noch entfernt sind, selbst in der Menge unsrer Schul, Meister nur eine mäßige Zahl solcher Selekten zrr -finden, wie die Instruktion aus den 14 jährigen Schülern ausgesucht wissen will. Aber nun die grosse Frage: was kann, was ssH unverweilt gethan werden, um so bald wie möglich, mehrere solcher Schulmeister zu bekommen? Es finden sich in verschiedenen Gegenden unsers Kantons Bürger, die nicht bloß von dem Gefühle durchdrungen sind, wie sehr die aufwachsende Jugend die Hoffnung des Vaterlandes, guter Lehrer bv N s dürfe: sondern denen es an Kenntnissen nicht, und auch an Muße nicht ganz gebricht, an der Bildung derer selbst zu arbeiten, von denen die Kleinen gebildet werden sollen. — Es finden sich —- wir freuen uns dieß zu wissen — namentlich unter den Predigern auf unserer Landschaft nicht wenige, die — so drückend die Anfange der neuen Ordnung der Dinge, besonders auch für sie waren — gleichwohl von acht Patriotischem, reinedelm Interesse für wahre Volks- Kültur beseelt blieben, und eben so bereitwillig als geschikt sind , die neuen Schul-Verbesserungen thätig zu befördern. — Es giebt unter den gegenwärtigen Gemeind» Schullebrern zwar selten Einen, der auch nur in den drey ersten der oben angegebnen Erfordernisse, eine tadellose Vortreflichkeit besässe, und wohl nicht Einen, der nicht Anleitung bedürfte, wie die neuen Pensa, vaterländische Geschichte, Verfassung, Geographie u. dgl. zu behandeln, und namentlich cateche- tisch zu behandeln wären: Aber es giebt doch welche, die im Lesen, Schreiben, Rechnen, auf einem Grade von Geschtklichkeit stehen, der dem Gewünschten nahe kommt, und denen es an Bildsamkeit nicht fehlt, unter guter Führung sich darinn zu vervollkommnen; dieß sind dann gewiß auch die ersten, welche die neuen Lehrgegmstände mit Lust angreifen, und die 197 Hülst, die man ihnen zur Erlangung dieser Kenntnisse und ihrer Mittheilung darbietet, gerne benutzen werden. Wir haben bereits eine sogenannte Difirikts- Schule, und die angenehme Hofnung, daß eine zweyte ihrer Entstehung nahe sey. Ob nun gleich diese in Sprach- und andern Kenntnissen höher zielen, als die Gemeinschulen: so ist es doch ausgemacht, daß besonders gegenwärtig mit Schülern, welche nicht mehrere Vorkenntnisse als die jtzigen mitbringen, zunächst und vorzüglich iene oben angezeigten Pensa getrieben werden müssen; man wird nur solche Lehrer für dieselben wählen, die allervorderst jenen Theilen des Jugend-Unterrichtes gewachsen sind. Jüngere und ältere Stadtbürger verschiedenen Standes, werden sich, dies dürfen wir zuverläßig hoffen, ohne grosse Mühe zusammen finden lassen, welche sich rrr dem wahrpatriotischen Werke vereinigen, nicht nur Plane für die Bildung tüchtiger Landschullehrer zn entwerfen, sondern mit vereinigten Kräften, an der Belehrung und Uebung solcher Subjekte zu arbeiten, die im Falle sind, von ihrer uneigennützigen Bereitwilligkeit zu profitieren. Zudem finden sich in der Stadt mannigfaltige Hilfsmittel und verschiedene Anstalten, welche von Zöglingen des Schullehrer- Berufs, die sich durch Talente sowohl, als durch kernbegierde vor andern auszeichnen, zur Erreichung eines hohem Grades von Kultur, und zur Bereicherung ihrer Kenntnisse benmt werden können.. Dies sind die Data, aus welchen dasInterims- Institut zur Bildung guter Land-Gchullehrer zusammen gesiezt werden muß. Je mehr Einfachheit und Gleichförmigkeit dasselbe bey seiner Zusammense- zung hat, desto besser wird es auch dem Bedürfnisse, für welches zu sorgen ist, entsprechen. Ehe ich aber weiter gehe, muß ich die Bemerkung voranschicken, daß schon zur notbdurftigsten Erreichung jenes Zweckes, außer den dafür thätigen Personen, einige Lehrbücher, und ein Paar andre Lehrmittel unumgänglich erfordert tvrrden. Dw nöthigsten Lehrbücher sind: «) Ein religiös-moralisches Handbuch, dessen Haupteigenschaft seyn müßte, neben allen dogmatischen und polemischen Klippen vorbey, den geradesten Weg zu dem Hauptzwecke der Religion, sittliche Menschen-Rettung und Bildung zu zeigen. h) Eine kurze Geschichte unsers Vaterlands, e) Ein Unterricht über die neue Verfassung, ä) Eine kompendiöse gute Anleitung zur Rechenkunst, v) Eine Anleitung zur nähern Renntniß des Men, sitzen,besonders mit ihrerAmvendung ausDiätetik. Wir meisten keineswegs, daß nicht in jedem dieser Fache, nach und nach, immer vortreflichere Lehrbücher erscheinen werden: aber darauf können wir nun einmal nicht warten, das Unterrichts-Be- dürfniß ist gegenwärtig, wir müssen uns jrzt rur Wahl des Besten, aus dem schon vorhandenen Guten, enkschlieffen. Es wird das erste Geschäft der Männer, die jenes patriotische Werk beginnen, seyn, diese Auswahl zu treffen, und dem Erziehungs-Rathe, m Handen des Ministers, rur Genehmigung vorzuschlagen. s) An religiös-moralischen Lehrbüchern, die jene geforderte Eigenschaft haben, ist unser Zeitalter fruchtbar. Es bleibt — da man weit entfernt ist, ein Symbol aufstellen ru wollen — jedem Jnstruktor überlassen, welches derselben er verriebe; weil aber doch jedem daran gelegen seyn muß, glücklich rn wählen: so werden einige in diesem Fache der neuen Litteratur vorzüglich bewanderte Männer, die ausgezeichneten Schriften, von denen da die Frage feyn kann, mit Hinsicht auf unsern Zweck sorgfältig vergleichen, und diejenigen vorzüglich empfehlen, über deren Vortreflichkeit sie am einstimmigsten sind. b) Von anerkanntem Werthe ist Murer's kurze Geschichte der Schweiz für Anfänger. Freylich L22 mangelt da die Geschichte der leztern zwey Jahrzehnte, aber von deswegen wird man dies kleine Buch nicht für unbrauchbar erklären, da man doch schwerlich den Unterricht in der vaterländischen Geschichte bey den neuesten Begebenheiten, d. i. hinten wird anfangen wollen. Der noch lebende, geschikte und weise Verfasser, wird uns gewiß noch zu rechter Zeit mit einem Nachtrage beschenken, der das Ganze, bis auf unsre denkwürdigen Tage, in der gleichen Manier, vollendete. — c) Die Erklärung der helvetischen Ronsti- tution in Fragen und Antworten. (Luzern iyyZ Dey Balthaser und Meyer) hat wohl unter den bisher erschienenen Lehrbüchern dieser Art den gültigsten Beyfall erhalten. 6) Anleitungen zur Rechenkunst haben wir drey; die (Röchlische) Anleitung zu den An- fängsgründen der Rechenkunst rc. 1776 für die Landschulen; die (Breitinger'schen) Anfangsgründe re. für unsere Real - und Kunstschulen, und die arithmetische Rinderschrift (von Rörner), welche näher geprüft zu werden verdienen; ein Paar der geschiktesten Rechner von den Mitgliedern unsers Erziehungs -Rathes mögen die Prüfung vornehmen, und entscheiden, welches derselben für denZwek, den wir im Auge haben, das vorzüglichste Lehrbuch ! sey. Indessen fehlt jedem noch Etwas , das aber ! durch einen Anhang von wenigen Blättern ersezt ^ werden kann: eine kurze Anleitung rur Reduktion ! unsrer Mümsorten auf Lwres / Sous und Deniers. — i Zum Unterrichte in der Geographie bediene ' sich der Lehrer des Handbuchs unsers B. Pros. Fäsy, um den Disciplen dasjenige aus demselben beyzubringen , was in dem neukonstitutionierten Helvetica noch statt findet; — Es wäre — da noch immer von Eintheilen die Frage ist, zu frühe, ein Neues zu verfertigen, und eben so wenig rathsam, den Lehrlingen ein älteres, das sie vielfältig irre machen müßte, vorzulegen. Hingegen führe man sie fleißig auf den Landkarten herum. Es bedarf keines großen Schweiger-Atlas. Es hänge in dem Lehrzimmer die einzige Scheuchzer'sche Rarte,(zum Handgebrauchs dürfte die Rörner'sche General-Rarte vonHel- vetien hinlänglich seyn). Was aber auf jener nachgewiesen wird, dessen Stelle werde sogleich auf der zweyten General-Rarte, nach der neuen Ein- iheilung, ich meyne der Haassischen, bemerkt, und die Vergleichung beyder namentlich bey dem Unterricht in der Geschichte unabläßig getrieben. Die Hauptregeln der Rechtschreibung und InterpunLtion, auf eine Tafel gebracht: Diese Tafel existiert — meines Wissens — noch nicht/ aber »—> L2L —» ich kenne den Mann, der ganz der rechte wäre, eine solche zu verfertigen; ich meyne den B.Pfar. wir; von Kilchberg, am Jürichsee. Ein Cabier gestochner, kalligraphischer Vorschriften. Wer weiß, wie geschmaklos noch so manche, auch der bessern Land-Schulmeister Handschriften ist , dem wird dies kein entbehrlicher LnM- Nrtikel dünken, und wenn wir solche Cahier's von einem Schönschreiber bekämen, der sichs zum Studium gemacht, und durch vierjährige Erfahrung sich geübt hat, die Schreibschüler nach der natürlichsten Verwandschaft der Züge von Buchstabe zu Buchstabe fortzuleiten, so wäre dies für unsre Gemeinschulen ein namhafter Gewinn. Ich kenne den Mann, von dem etwas Vortreffliches in diesem Fache zu erwar» ten wäre. B. Provisor Germann, Schulmeister auf unsrer Kunstschule. Seine für die Winterthurer Schule gestochene Vorschriften zeigen, wie gut die Methode ist, der er sich bedient, und wie würdig seine Originale wären, von einem geschiktern Künstler gestochen zu werden. — Geschriebene Muster von Kalligraphen, wie Germann und einige andre sind, wären allerdings den Gestochenen immer vorzuziehen, ob es nicht möglich wäre, solche in genügsamer Menge, und in leidlichen Preisen ru bekommen?— ist freylich zweifelhaft, jedoch allem? der Untersuchung werth. Ich komme nun rur eigentlichen Einrichtung des Bildnngs-Institms; und da nehme ich mein Augenmerk allervorderst auf jene Männer, und namentlich auf jene unsrer Prediger, von denen sich eine so ge- schikte als uneigennützige Wirksamkeit für unsern Zweck versprechen laßt. Diese werden von den Schul- Jnspektoren ihrer Distrikte förmlich eingeladen, einen Theil ihrer Zeit jenem Geschäfte ru widmen ; die Bildungsfähigen und willigen Schullehrer, oder Jünglinge, die rur Schularbeit Lust gefaßt haben, oder beyderley Subjekte durch einander, so viel ihrer, theils der nöthigen Vorkenntniffe, theils der Lokalität halben, von dem Unterrichte und der Anleitung eines solchen profitieren können, werden angewiesen, sich auf einen bestimmten Tag bey demselben einzu- finden. In dieser Zusammenkunft, welche gleich nach Ostern gehalten wird, verabreden sie, wo möglich in Beyseyn des Schul-Jnspektors, mit dem Prediger die Tage und Stunden der wöchentlichen Lektionen, die sie bey ihm nehmen werden. In diesen Lektionsstunden wird abwechselnd, bald ein'Stück aus dem Lehrbuche der helvetischeir Geschichte, bald aus der Erklärung des Constitutivns- Catechismus, erst von dem Jnstruktor vorgelesen. dann der Jnnhalt des Gelesenen mit den nöthigen Erläuterungen von Ebendemselben wiederholt; rur Erläuterung des Geschichtlichen gehört vornehmlich das Nachweisen der Gegenden und wichtigsten Oerter auf den beyden Landkarten. Eben dieser Stoff wird sodann katechetisch behandelt, nicht blos rur Uebung des Gedächtnisses, sondern auch des Verstandes, und rur eigentlichsten Anleitung in der Didaktik. In den Rechnungs-Stunden wird jedesmal ein kleinerer oder grösserer Abschnitt des Lehrbuches vorgelesen, nach Bedürfniß erklärt, die in demselben vorkommenden Exempel werden auf der Tafel gerechnet, ähnliche angesert, und gleichmäßig bearbeitet. Dann fordert derJnstruktor diejenigen seinerDiscipeln, welche mehrere oder wenigere Kenntnisse und Fertigkeit im Rechnen schon mitbringen, (was in diesem Fache ein nicht seltener Fall seyn wird) auf, ihre bisherige Manier, solche Aufgaben zu behandeln, in Proben zu zeigen; man vergleicht die Vortheile oder Nachtheile, die Kürze, oder den Umweg dieser und jener Rechnungsart; man bedient sich der einen zur Bewahrung der andern, man bemerkt sich die Kunstgriffe, welche das Rechnen im Kopf erleichtern, u. s. w. In den Gchreib-Stunden, wird zwar die Kalligraphie nicht absonderlich getrieben, aber neben dem, daß in den orthographischen Uebungen auf Nettigkeit und Kernbaftigkeit der Handschrift sorgfältig Bedacht genommen werden soll, verlangt man von jedem, daß er in jede Schreibstunde ein, nach der gestochenen Musierschrift ru Hause geschriebenes, Uebungsblatt mitbringe; diese werden mit der Vorschrift verglichen, die auffallendsten Mißzüge angezeichnet, und rum wiederholten Nachzeichnen nach dem Muster heim- gegeben. Die orthographischen Uebungen betreffend : so wird vorerst die Tafel, welche die vornehmsten Regeln der Rechtschreibung enthält, gelesen, einigemal durch catechisiert, und mit Beyspielen erläutert; hierauf zum Diktieren fortgeschritten. Bey Auswahl der zu diktierenden Texte, läßt sich leicht mehr als Ein guter Zwek verbinden. Der Instruktor wird z. B. wohl thun, wenn er bald etwas von vaterländischen Naturmerkwürdigkeiten; bald Umschreibungen und Definitionen fremdartiger, nunmehr aber in Gesezen, Proklamen, Volksblättern, u. s. w. vielgebrauchter Worte, bald Auseinandersetzungen anscheinender Synonymen, (aä moäum des vortreflichen Girard) und dgl. diktiert. Bey der Korrektur des Niedergeschriebenen wird zwar alles Fehlerhafte verbessert. 3QÜ — jedoch so, daß nur die Verflösse gegen jene ortho- ^ graphische Geseztafel für einmal mensiert werden, ri und hierauf schrankt man sich so lange ein, bis die ! Discipeln es in Beobachtung der Hauptregeln zu j ls einiger Fertigkeit gebracht haben, wornach man dann ^ freylich weiter fortschreitet, und sie auch die feinern i h Nuancen der Ortographie beobachten lehrt. > E Allein der Zweck des Instituts erfordert nicht ! T blos, daß man den zu bildenden Schullehrern jene ^ u Kenntnisse beybringe, sondern auch, daß man ihnen T rur Mittheilung des Gefaßten und Gelernten An- d leitung gebe und Uebung verschaffe. l« Dieß geschieht auf folgende Weise. Der In- ^ firuktor, wenn er nur erst einige Stunden in diesem ii und jenem Pensum Unterricht ertheilt hat, fordert ri nach dem Mang der Profekte, einen seiner Discipeln ^ nach dem andern auf, den klebrigen ein Nepetitorium v über das Behandelte zu geben, wobey er die gröber» l Fehler auf der Stelle bemerkt und verbessert; Min- i 2 -erwichtige, und was an der Art, wie der Repetent ^ ri seine Sache machte, im Ganzen zu loben und zu ta- ^ deln ist, am Ende kritisch nachholt. Gesezt, der i ^ Instruktor hatte nur einen Discipel: so nimmt er ! ^ selbst von Zeit zu Zeit die Rolle des Lernenden an, ! * und laßt sich von seinem Schüler wieder vortragen, ! was er ihm vortrug, sich von demselben catechesieren, ^ rvie erihn catechesiert hatte; schreibt, was jener ihm nun diktiert, mit eben solchen Fehlern, die er am öftersten in seinen Scriptrrren verbessern mußte, um ihn, als Korrektor zu prüfen, u. s. w. Doch auch dies möchte zur Bildung des Jugendlehrers noch nicht hinreichend scheinen, weil diese Lektionen bloß von Erwachsenen besucht werden. Es soll daher den Diftipeln unsers Institutes Gelegenheit verschaft, und praktische Anleitung ertheilt werden, ihr Lehr- Talent in jenen Pensis, mit Rindern, deren Alter dieses Unterrichtes fähig ist, zu üben. DerJnstruktor läßt zu dem Ende hin von Zeit zu Zeit die Klasse der lesenden und schreibenden Schul-Kinder seines Ortes, im Schulhause außerordentlich zusammen kommen, und hält da, in Gegenwart seiner Discipel, Muster- Schule in den obigen Pensis. Glaubt er den einen oder andern derselben ru diesem Versuche reif, so läßt er ihn, in seinem und seiner Mit-Commilitonen Beyseyn, diese Schule halten, und beurtheilt dann «ach der Kinder Entlassung, die abgelegte Probe. Eben diese Versuche werden auch den natürlichsten Stoff zu den belehrenden Anmerkungen über Schul- Disciplin, Schul - Belohnungen, Strafen, u. s. w. darbieten. — Auf ganz ähnliche Weise gehen die Männer zn Werke, welche in der Stadt für diesen Zweck ar ! — 20I — ^ ketten, Sie nehmen in ihre Instruktion auf: Schul- ! lehrer und Schulkandidaten aus der Nähe der Stadt, ! und auch jeden, dem es sich fügen kann, für diesen Zweck eine Zeitlang in der Stadt zu verweilen. Da sie die Lektions-Stunden unter sich vertheilen: so läßt sich auch in so kürzerer Frist ein Curs machen, was ^ besonders für die lertern Discipel sehr ersprießlich seyn wird. Zu den praktischen Versuchen im Schulunterrichte stehen diesem Institute sowohl die untere i Klaffen der Runst- und Real-Schulen; als die ! beyden deutschen; und die obere Klasse der Waisen- ! Schule, nebst den Kinderschulen offen, je nachdem die einen oder die andern für ihren Zweck dienlicher seyn mögen. Eigne Versuche im Unterrichten liesse man unsre Discipel sowohl in den Rinder-Schulen, ' r als nach und nach in den deutschen, und in der obern Rlasse der Waisen - Schule, allenfalls auch noch in den niedrigsten Klassen der Real - Schule machen. In der Runst-Schule möchte dies schwer- ^ lich angehen. Dagegen wird es den Zöglingen unsers Instituts wohl bekommen, wenn sie sich von Zeit zu ^ Zeit in den Lehrstunden einiger Professoren auf der ' Runst-Schule einsinden, um an Sachkenntnissen und Lehrgeschiklichkeiten ru gewinnen. ! In ^ 209 In bett Distrikts-Schulen werben öie obigen Pensa , schon ohne Hinsicht auf Schullehrer-Bildung getrieben, und wenn die vorgeschlagenen Lehrbücher Und Unterrichts-Mittel gut sind, oder noch bessere gewählt werden können, so werden auch die Distrikts- Schullehrer sich derselben gerne bedienen, und nicht nur kann der anderscitige Zweck ihrer Anstalt nichts dabey verlieren, sondern er Muß gewinnen, wenn sie sich Unserm Schullehrer-Bildungs-Jnstitute noch mehr nähern , und zwar barmn, daß es den fähigern und fleißigern Schülern anszeichnungsweise gestattet wird, Unter der Aufsicht des Lehrers von Zeit zu Zeit die Repetenten, namentlich in den obenbeschriebenen Pensis zu machen. Diejenigen derselben, bey denen der Lehret neben sittlich guter, die Achtung ihrer Mitschüler fordernder Aufführung, auch noch mehr didaktisches Talent als bey andern wahrnimmt, werden ru solchen Uebungen auch besonders hervorgezogen, und frühe aufgemuntert, sich dem gemeimmr- liehen Schullehrer Berufe zu widmen. Um allem Mißverstünde zu begegnen, ist hier Noch anzumerken, daß auch in den Distrikten, die solche Oberschulen haben, die Bemühungen anderer geschrkter Vaterlandsfreunde für unsern Zwek keineswegs überflüßig werden, indem sich hie und da sehe bildsame willige Leute finden möchten, die aus L»ka- 0 v 210 litäts- oder andern Gründen den Distrikts-Schul- Unterricht unmöglich benutzen könnten; am wenig, sten sind die schon wirklich angestellten Schulmeister im Falle, sich jener Gelegenheit ru bedienen. — Aus diesen Theilen bestühnde dann das Jnterims- institut zur Schullehrer-Bildung, dessen Zusammen- serung, meines Befindens, weder allzu künstlich noch Zu kostbar wäre, und das Verdienst hatte, unsrer gegenwärtigen Lage wohl angepaßt zu seyn. Der nämliche Zweck würde in den verschiedenen Zweigen der Anstalt, durch die gleichen Mittel und möglichst gleiche Methode befördert, und es liesse sich mit Grund erwarten, daß man so, bälder als bey keinem andern Plane, eine Pflanzschule guter Jugendlehrer zu Stande brächte, von der man sich die erwünschten Früchte versprechen dürfte; vornemlich diese: daß wir in möglichst kurzer Zeit hie und da Schullehrer bekamen, denen man Aspiranten auf diesen wichtigen Beruf einzeln zur Bildung anvertrauen dürste. Man hat Beyspiele, wie wirksam dieses Bildungsmittel ist, und daß ein fähiger Jüngling an der Seite eines geschikt arbeitenden Schulmeisters in einigen Wochen größere Fortschritte macht, als er in jedem andern Normal-Institut in gedoppelt so vielen Monaten kaum machen würde. Jeder schon wirklich im Amte stehende Schul- lehrer, der solche Information zu gemessen wünscht, meldet sich entweders unmittelbar oder durch den Schul-Jnspektor seines Distrikts bey dem Jnstruktor, wo er sie am gelegensten finden kann, und wird — woferne noch Plaz für ihn offen ist, ohne vorläufige Prüfung aufgenommen: da sein Amt schon für die wenigen Vorkenntniffe, die er haben muß, bürget, und seine, die falsche Schaam überwindende Lernbegierde, ihn am kräftigsten empfiehlt. Jünglinge hingegen, welche jenen Unterricht gemessen wollen, müssen sich einem Examen unterziehen, und können nicht angenommen werden, es sey denn, daß der Jnstruktor sie im Buchstabieren, Lesen und Schreiben, seines Unterrichts empfänglich finde. Nicht minder muß jeder sich meldende Jüngling ein schriftliches Zeugniß guter Aufführung von dem Pfar, rer seines Orts mitbringen, ohne welches er auch bey mehr als hinlänglichen Vorkenntnissen, nicht angenommen werden könnte. — Um aber die Einheit des Plans noch vvllkomm- uer zu machen, müßte nicht bloß der Schul-Jnspektor jedes Distriktes, in welchem unser Institut sein kleineres oder grösseres Departement, von dieser oder jener Art, hätte, gefliffene und sorgsame Aufmerksamkeit auf dasselbe richten , und zur Beförderung O s -- 2L2 seines fruchtbaren Lebens und Wachsthums alles mögliche beytragen; sondern es würde Ein, diesem Auftrage gewachsener Mann rum Direktor des Normal-Instituts für den ganzen Kanton erwählt (gemäß dem Dekrete vom 24. Juli) vorigen Jahrs) an welchen die Jnstruktoren und Distrikts-Lehrer in allen, dies Fach betreffenden Angelegenheiten, entweder unmittelbar, oder durch den Schul-Inspektor des Distrikts sich ru wenden hätten. Namentlich würde zenem halbjährlich ein tabellarisches Verzeichnrß von den sich rum SchulkebreLstand bildenden Zöglingen, Ihrem Alter, ihrer ökonomischen Lage, ihrem Charakter , ihren Talenten und Fortschritten zugesendet, welche dem Erriehungs-Rache rugehändigt, und von diesem an den Minister der Künste und Wissenschaften Übermacht werden müßten. Was der Direktor immer zur Vervollkommnung des Institutes im Ganzen, oder für einzelne Zöglinge, nach den erlangten Notizen ru wünschen und vorzuschlagen hat, wird von dem Erriehungs - Rathe reiflich erwogen , und ihm so gut und so schnell als möglich entsprochen, vvrnemlich in schleuniger Weisung jedes namhaften Punktes an den Minister des Erziehungs-Wesens; so wie hinwieder der Erziehungs-Rath den Direk- ivp zu allen dies Institut angehenden Berathschla- Lungen einladet, und durch ihn auf dasselbe einwirkt. t — 2IZ — Ihm werden besonders auch die Vakanzen in Schul» lehrerstellen expreß angezeigt; (mit beygefügten Notizen von der Beschaffenheit derselben/ besonders in ökonomischer Rüksicht) damit er diejenigen Zöglinge, die ihm vorzüglich würdige Candidaten scheinen, rur Bewerbung um den Posten eigens aufmuntern kann. Jeder solche Candidat wird dem Inspektor des Distrikts, bey welchem er sich um die Prüfung meldet, zu Handen des Erriehungs-Rathes ein schriftliches Zeugniß des Normalschul-Direktors, von seinem sittlichen Charakter, seinen Kenntnissen und Lehrgaben zustellen, und dies Zeugniß wird von dem Erziehungs- Rathe, bey der Wahl in gerechten Anschlag kommen. Der Plan dieses Instituts müßte, sobald er genehmigt , und die Ausführung desselben beschlossen ist, unverzüglich gedrukt, hinlängliche Exemplare rur Verbreitung unter die Religions-Lehrer, Schulmeister und andre Jugendfreunde der Distrikte den Inspektoren zugesendet werden, welche von der Wirkung, die er hervorbringt, möglichst bald dem Er« üehungs-Rathe Nachricht ertheilen. Rapport einer niedergesezten Commißion über die Antwort des Ministers der K.K. und W.W. dieses Institut betreffend. Der Minister billigt im Ganzen den Ihm vorgelegten Entwurf eines Interims - Instituts zu Bildung guter Schulmeister, und ist nicht bloß geneigt, demselben zur Wirklichkeit zu verhelfen, sondern auch seine Ausführung möglichst zu beschleunigen. Zu diesem Ende bestätigt er «orderst die, im Entwürfe selbst angenommene Oberaufsicht des Lrziehungs-Rathes auf dies Institut. Ferner, die, ebenfalls in dem Entwürfe vorgeschlagene Unteraufsichk und Geschäftsleitung eines Direktors, die sich über alle Theile des Instituts erstrecken soll. Diesen beyden fügt er noch einen dritten Vereinigungspunkt jener einzelnen Bildungs-Anstalten bey, der im Entwürfe selbst fehlt; nemlich, die Prüfungen der Gchul-Randidaten, die alljährlich rwey- mal von ein Paar Kvmmittierten des Erziehungsraths am Hauptorte des Kantons öffentlich vorzunehmen sind, wo den Geprüften, seyen es solche, die den Unterricht in den Bildungs-Anstalten selbst gemessen, »der sich außer diesen gebildet haben , Zeugnisse — 2IZ — auszustellen sind, nach denen der Emehungs-Nath sich in seinen Wahlen richten wird. Ueber diesen Theil des ministeriellen Schreibens, ist weiter nichts zu bemerken, als, daß wir uns des Interesses, das der B. Minister für-unsern Plan zeigt, billig freuen, und die Anweisungen, die Er uns giebt, bestens befolgen sollen. Sodann richtet aber der B. Minister sein Augenmerk vorzüglich auf den Theil des Institutes, der in der Stadt anzulegen ist, und den er die Lentral- Anftalt nennt; diesem wünscht er den möglichsten Grad von Vollkommenheit zu geben; wünscht namentlich, daß die Zöglinge alle die Hilfsmittel benurten, welche sie in der Stadt finden können, physikalische, anatomische, botanische, chemische rc. Kenntnisse zu sammlen; in der deutschen Sprache und Stil zu profitieren, u. s. w. Ueberdies will er in dem Lehrplane selbst, noch einige Lüken ausgefüllt wissen. Er findet: 2) Einen gedrängten Unterricht in der Naturlehre und Naturgeschichte nach Schüz, Lbert, Sechstem ; — b) Einen Unterricht zur nähern Renntniß -es Menschen, besonders mit ihrer Anwendung auf Diätetik (nach Faust's Gesundheits Catechismus, und Müller s Exempelbuch) nöthig. Auch die 4 G-nykunst will er nicht aus dem Auge lassen, weil sie zur Ctviljsirnng eines Volkes, und zux Belebung eines patriotischen Enthusiasmus vorzüglich dienet; Und endlich sollen die künftigen Schullehrev auch zu dem ihren Schranken angemessenen Gebrauch religiöser Handbücher angeleitet werden. Die Lehrbücher m jedem Zache, bestimmt der B. Minister nicht, sondern will, daß der Normal« schul-Direktor sich sowohl mit sachkundigen Männern, als auch definitiv mit dem Erriehungs-Rath verständige, Nur macht er auch bey Anlaß der Scheuch- zer'schenRarte darauf aufmerksam, daß eine neulich in Lausanne erschienene von Mästet, den entschiedenen Vorzug habe, die richtige typographische Bildung des Landes besser darzustellen. Die Lammißran faßt gerne das höhere Ziel, das der B. Minister uns zeiget, ins Auge r Nur glaubt sie, könne man nicht sorgfältig genug verhüten, daß nicht das fatale in omnibu? sliguiä, in toto nikil, das Aufblähende Halbwissen, das dem Verstände so wenig frommet, den Charakter vollends verdreht, und namentlich den unausstehlichsten Pedantismus erzeugt, der sich dann auf Schulthronen über alle Massen brüstet, — daß dies Uebel nicht aus bey Leuten, die an Workenntniffen noch Mangel haben , oder deren Fähigkeiten zu hegrämt sind, entstehe. Sie schlägt daher vor: Bey der nochmaligen HedaMyn des Planes: a) Die Anleitung zum Gebrauche eines religiösen Handbuches mit auf die Stufe der Schullebrer- Bildung zu nehmen, auf der unser Entwurf stehen blieb. d) Eben so den Unterricht im Singen: in wie ferne derselbe zu veranstalten möglich ist. Was aber die übrigen, von dem B. Minister aufgestellten Fache, betrift: so versteht es sich freylich von selbst, daß auch diese in den Plan mit aufgenommen werden: Nur mit der unumgänglich nöthigen Bedingung, daß der Unterricht in diesen um solchen Subjekten mitgetheilt werden solle, welche desselben von ihren Lehrern fähig erfunden werden, und in den Elementar-Kenntnissen eine hinlängliche Fertigkeit erlangt haben. Mithin würden die Instruktsren der Schul- Zöglinge für einmal bey den Gegenständen stehen bleiben, welche zufolge der Institutionen: (die unserm Entwürfe zur Norm dienten) die wesentlich nöthigsten sind r richtig und verständig lesen, catechjsieren, orthographieren, Kenntniß der vaterländischen Geschichte, Geographie, per- fassung, wozu noch Gingkunst so viel möglich, And Religion, guLntum SLV8, kämen. Diejenigen Zöglinge, welche sich durch Talente, Lernbegierig und Fleiß auszeichnen, werden von ihren Lehrern bald bemerkt, und eines solchen Grades von Bildung fähig und werth erkannt werden. Diejenigen von ihnen, welche sich in dem Stadt. Institut befinden, werden dann an diejenigen Lehrer ver Runst- und Realschulen, und anderer Institute p.s.w. empfohlen, deren Lektionen sie mit Nutzen besuchen können. Diejenigen solcher vorzüglich fähigen Lehrlinge, welche den Unterricht des einen und andern Jnstruktors auf dem Lande gemessen, werden dem Emebunys - Rath bekannt gemacht, und dieser sorgt vornemlich mit den Hilfsmitteln, die der Bürger Minister uns verspricht, dafür, dergleichen Bildungsfähigsten , — den Aufenthalt in der Stadt zur Benmung zwekmaßigerer Lehranstalten, für einige Zeit zu erleichtern. Richt minder werden die Jnstruktoren zu Stadt und Land ihren Lehrkreis selbst, nach den vom B. Minister gegebenen Anleitungen — erweitern, je nachdem es die Geistes-Anlagen und Projekte, ihrer Schüler gestatten. — 2IY Den B.B. Schul-Jnspektoren ist in der gestrige» freundschaftlichen Zusammenkunft bereits eine vorläufige Nachricht von dem Bildung? -Institute gegeben, und sie sind eingeladen worden, sich nach Männern umzusehen, welche für dies patriotische Unterrichts-Geschäfte, Kopf, Geschiklichkeit und Neigung haben! Allernächst wird es nun an dem seyn, ähnliche edle Männer auch in der Stadt aufzusuchen. L 8 . Merz, 1799- Im Namen der Commißionr Lerrtpriester SHultheß» >—> 220 — VI. Vorschläge eines Versuchs M Errichtung einer Erziehungsanstalt angehender LandschuLehrer im reformierten Theile des Kantons Säntis. Vorgelegt dem Erzichungs-Rath des Kantons in der ordentlichen Sitzung desselben, he» rz> Dezember 1300, von dem Herausgeber. Es ist eine in unsern Tagen eben so laut gcaus- srrte, als allgemein anerkannte Wahrheit, daß die Verbesserung der bis dahin, im Ganzen genommen, so äusserst schlecht verwalteten Landschulen unsers fchwerzerschen Vaterlands — neben andrem — vorzüglich auch dadurch befördert werden müßte, daß Man die Schulmeister zuallererst sowohl in denjenigen Fächern, welche sie ihre Schulkinder zu lehren haben, als aber in der Methode, wie dieses geschehen solle, unterrichte, und ihnen erst alsdann das Lehramt übertrage, das zuverlässig eben so gut, als jeder andere wichtige Beruf, der sorgfältigsten Anweisung und Vorbereitung bedürfe. So sehr indessen alle Freunde des Wahren und Guten in diesem Stücke nur Einen Wunsch äussern, so scheinen mir ihre Meinungen über die Mittel, 2Lr — welche zur Erreichung dieses Zweckes führen, sich itt zwey Klassen zu theilen. Die eine Partey fordert eigentliche Schulmeister Seminarien, die an verschiedenen Orten der Schweiß angebracht, und deren Lehrer und Zöglinge — so wie die Gebäude für dieselbe — aus der öffentlichen Staatskasse — wo nicht ganz — doch größkenkheils unterhalten würden. Die andere — vielleicht größere — Partei hingegen glaubt auf eine zwar nicht so viel Aufsehen erregende, aber viel weniger kostspielige, leichtere und zweckmässigere Art ihren Zweck zu erreichen. Sie wendet gegen die Einrichtung von Schulmeister-Seminarien ein: ») Ein einziges Schulmeister - Semmarium würde nur in dem Kanton, worinn dasselbe errichtet ist, nützen. Es müßten wenigstens sechs solcher Institute, drey für die reformierten und drey für die katholischen Schweizerbürger, errichtet werden, welche s» großen Geldaufwand erforderten, daß der junge Staat, welcher der Ausgaben ohnehin viel mehrere hak, als er in die Lange W bestreiken im Stande ist, sich schwerlich dazu verstehen werde, b) Das Zusammenwohnen junger Leute in Seminarien habe oft äusserst grossen moralischen Nachtheil, wenn man nicht die strengste klösterliche Zucht, der auch nicht jedermann (und zwar in unsern Tagen am allerwenigsten) das Wort sprechen wolle/ beobachte, c) Die Landschullehrer werden in Seminarien so leicht aus ihrer vorherigen Bauernlage herausgerissen/ und in Kost, in Kleidung/ im Umgang/ im Ton der Lebensart an einen Grad gewöhnt/ der für ihren Stand gar nicht passe / und nothwendig den höchst nachtheiligen Einfluß auf ihre künftige Brauchbarkeit/ wie auch auf ihre eigeneGeMüths- Ruhe und Zufriedenheit haben müsse. Aus diesen angeführten Gründe»/ denen man sehr leicht noch mehrere beyfügen könnte*) — scheint *) Ein Freund schrieb mir über diesen Gegenstand folgendes: ,, Ich war anch in einer deutschen Provinz, (in „ Kassel) wo ein Gchulmeistcr-Seminariunj war, (die „künftigen Schullchrer mußten in blauen Mänteln „aus den Straffen fingen, zur Unterstützung des In- „ stitutS; — einigen sahe die Schaam, den andern der „Muthwille aus dem Gesichte,) — aber allgemein .„ hörte ich die Klage: es werde kein Zweck dadurch „erfüllt, und wenn es nicht schon wäre, so würde „ es nimmer errichtet werden." — Ein anderer Freund bemerkte mir folgendes: „ Ihren Entwurf zur Errichtung einer Bildungs- „ Anstalt für den Kanton SantiS las ich mit warmem „Interesse. Er ist unsern Bedürfnissen und unserm „ gegenwärtigen Finanzzustand ganz anpassend. — Allein „um so mehr wundere ich mich, wenn von großen „und kostspieligen Plänen der Art eingenommene L2Z —» daher der leztem Partey nachstehendes Mittel Würdig, dem erstem weit vorgezogen zu werden , nämlich: wenn man in jedem Kanton einige Dörfer aufsuchte, worinn ein geschickter Pfarrer, oder ein tüchtiger » Schullehrer, oder beydes beysammen wäre; wenn man in jedes derselben eine Anzahl Schullehrer- Candidaten an die Kost gäbe, und zwar zu Landleuten, denen sie in ihren Landarbeiten Hülfe leisteten; und wenn der Pfarrer und Schulmeister ihnen alsdann in bestimmten Stunden des Tags Unterricht ertheilte, dieß würde — nach ihrer Meinung — die angehenden Landschullehrer hinreichend in den Stand setzen, das ihnen zu wissen Nothwendige zu lernen, und würde sie zugleich vor allen oben befürchteten Nach« theilen sichern. — Auch ich stimme aus voller Ueberzeugung meine» Herzens dieser Meinung — mit einigen Modifikationen, die unser Lokale erfordert — bey, und wünschte, „Männer sich zeigen, die in dem vorliegenden eine „Lehrzeit von 40 Wochen zn ausgedehnt finden, und „es nicht einsehen, Laß ein Bauernjunge nicht in „ wenigen Tagen zum Schulmann umgeformt werden „kann; nicht einsehen, daß auf Ihre vorgeschlagene „Weise jeder Kanton für sich selbst am allerbesten „sorgen könnte; ja sogar von 10 kostspieligen vom „ Staat besorgten eigentlichen Schulmeister-Seminarien „reden, oder der Regierung gar Vorschlage der Art „vorlegen, rc." — Anmerk. des Herausgebers» 224 daß M fachkundigen Schulmänner dieser Partey sich sereinigten, um gleichsam mit Einem Munde die Regierung darauf aufmerksam zu machen: mit der Errichtung von Schulmeister-Seminarien in Helvetica doch ja nicht zu eilen, sondern vorzüglich zuerst auch dieses vorgeschlagene Mittel hin und wieder nur probs werfe (provisorisch) anwenden zu lassen, und erst alsdann, wann die Resultate der verschiedenen Versuche am Lage liegen, entscheidendeLeschlüfse hierüber zu fassen. Aus reinem Triebe, meinem Vaterlande vorzüglich auch in dieser höchst wichtigen Angelegenheit zu nützen — Wozu mich meine Stelle als Mitglied des Erriehungs-Raths unsers Kantons so stark auffordert— so wie auch aus Angemesscnheit mit meinen Neigungen, Studien und Erfahrungen, möchte ich nicht nur diesen Wunsch laut ausser», sondern verlangte auch selbst einen Versuch davon in unsern Gegenden machen zu können. — Erlauben Sie, B. Kollegen! Mich Ihnen in Nachstehendem noch etwas umständlicher erklären rn dürfen. Ich rede I. Von den Schüler», welche gebildet werden sollen. Diese sollen aus den reformierten Bürgern unsers ganzen Kantons Säntis hergenommen werden. Sowohl —. 22Z Sowohl schon angestellte junge Schullehrer, als aber vorzüglich Jünglinge von 17 — 26 Jahren, welche sich dem Schullehrer-Stande wiedmen wollen, sollen unterrichtet werden. Zu dem Ende würde ich mrt Approbation und auf Geheiß des Erziehungs-Raths eine Proklamation allen reformirreu Pfarrern dieser Distrikte zusenden, um sie öffentlich von ihren Kanzeln zu verkünden, und dadurch diejenigen, die Lust hätten, meinen Unter» richt zugemessen, aufzufordern, sich bey ihrem OrtS- Pfarrer, Schul-Jnspektor, oder unmittelbar bey mir um die Annahme persönlich zu melden. In den zwey erstem Fällen würden mir die B. Pfarrer undSchul- Jnspektoren die Aspiranten gefälligst anzeigen. -- Die Anzahl darf sich für den ersten Versuch nicht höher als auf 15 — 22 Schullehrer - Candidaten belaufen. Jeder, der aufgenommen werden will, soll Zeugnisse seines bisherigen sittlichen Betragens von seinem Orts-Pfarrer und dem Präsident seiner Gemeinde ausweisen können. . Der Erziehungs-Ratl) wird durch einige Comittirte aus seiner Mitte sowohl obige Zeugnisse als aber die Aspiranten selbst prüfen und über ihre Aufnahme entscheiden, wobey indessen nicht sowohl auf schon vor- handege Kenntnisse, als vorzüglich darauf gesehen P 226 werden wird, ob dieselben so viele Seelenkräfte zu besitzen scheinen, daß sie meines Unterrichts wirklich fähig sind. — Sollten sich mehr als iZ — 20 Com- petenten anmelden, so werden diese ebenfalls die würdigsten daraus wählen. Jeder wird bey seiner Aufnahme dem Präsident des Erziehungs-Naths, oder in seinem Namen einem andern Mitglied des Kollegiums sicherlich angeloben, nach dem Empfang des Unterrichts wenigstens sechs Jahre einen Schuldienst zu versehen, oder sich doch «m einen Schuldienst zu bewerben; indem diese Anstalt sonst von solchen benutzt werden könnte, welche nie Schulmeister rit werden willens waren. H. Einrichtung und Dauer des Schulkurses. Wenigstens 4a Wochen würden die Schüler alle Wochen 1 bis 1; Tag lang bey mir zubringen. Die Werentferntesten könnten am Abend vorher eintreffen, die Nahem aber würden am Morgen kommen, und am Abend wieder nach Hause gehen. Die Lehrstunden dauerten jedesmal vormittags von Halb 9 bis 12 Uhr, und Nachmittags von r his halb 4 oder Z Uhr. So sehr es beym erstem Anblick das Ansehen hat, Laß wöchentlich nur ein einziger oder höchstens zwey Tage Unterricht wenig nützen werde, so verspreche ich mir davon dennoch das Gegentheil, indem ich die Lehrlinge in den Stand setzen zu können glaube, die übrige Zeit alsdann — ohne meine mündliche Belehrung — bey Hause allein fortstudleren zu können. Auch glaube ich, obschon nicht« überall, doch an einigen Orten, es dahin' zu bringen, daß die Lehrlinge mich daheim bey ihrem Orts-Pfarrer, Schul-Jnspektor oder Schrtllehrer wohlthätige Nachhilfe erhalten. Da eine meiner GemrindEchülen im Pfarrhause selbst gehalten wird, so habe ich'Die beste Gelegenheit, meine Schullehrer-Candidaten entweder in Der wirklichen Schule oder nur an einigen-m mir berufenen Schulkindern praktische Versuche anstellen zu lassen Alle Vierteljahr wird der ErziehungsMath durch Abgeordnete mit den Schullebrer -Candidaten ein Examen zür Prüfung ihrer. Fortschritte vornehmen lassen. — Bey Beendigung des wenigstens vierzigwöchigen Kurses wird der ganze Crriehungs-Rath ein öffentliches Examen mit den Candidaten halten; ihnen nach erfundener Tüchtigkeit öffentlich das Schullehrer» Diplom überreichen, und auch verschiedene Prämien austheilen. Natürlich müssen die schon examtnirtm Schulmeister sich in Zukunft keinem neuen Examen von dem Emehungs-Rakh unsers Kantons unterziehen/ P s —- 22g — der überdieß bey künftigen Schnllehrer-Wahlen auf sie Bedacht nehmen wird. Den Tüchtigsten kann der Erriehungs-Rath nach dem zweyten Vierteljahr - EMirien die Erlaubniß ertheilen , sich in künftigem Herbste um die vakanten Winterschulen bewerben zu dürfe»; — obwohl sie sich doch noch zur Anhörung des ganzen Kurses verbindlich machen müssen. Obschon die Candidaten nach Empfang des Schnllehrer - Diploms von dem wöchentlichen Besuch meines Unterrichts alsdann befreyt find, so werde ich dennoch das genaue freundschaftliche Verhältniß, in das ich mit ihnen getreuen bin, sorgfältig zu unterhalten, und vorzüglich dazu zu benutzen wissen: auch in Zukunft noch wohlthätig auf sie zu wirken; und diesen Endzweck glaube ich dadurch am allerbesten zu erreichen, wenn ich mich in einen freundschaftlichen Briefwechsel durch Cirkulare mit ihnen einlasse; Schulmeister-Konferenzen unter meinem und anderer Schulfreunde Vorsitz verordne; Schulmeister-Lese-Gesellschaf- ten unter ihnen errichte; ihre Schulen besuche, rc.— In der Zukunft könnten dann diese unterrichte- len Schullehrer bey einem zweyten ähnlichen Versuche mir loder einem andern Lehrer wichtige Dienste leisten, oder sogar selbst Jünglinge ru Schullehrern bilden.— III. Von den erforderlichen Gel-beytragen. Noch ist der allmächtigste Punkt nicht berührt.' — Sowohl die Natur der Sache, als die wirkliche Erfahrung zeigt es: daß sich unmöglich viele — oder auch nur einige Schullehrer-Kandidaten finden würden, welche die Neigung und das Vermögen zugleich besässen, wegen einem solchen Unterrichte, und einem künftig zu »erhoffenden, schlechtbesoldeten Schuldienste alle Wochen einen bis zwey Tage Verdienstlos aufzuopfern, und ein oder rweymal in der Woche in einem Wirths - oder Schenkhause aus ihrem Gelde zu zehren. — Hier muß also nothwendig auf Mittel gedacht werden, diese Zöglinge zu unterstüren, indem sie selten Bauernsöhne, sondern meistens aus armen Familien seyn werden. Denjenigen, die hier in Garß wohnen, (wo ich einen sehr fähigen Jüngling hierzu im Auge habe) oder nur eine Stunde von Gaiß entfernt sind, würde ich an jedem Lehrtage wenigstens 4 Batzen Entschädigung geben. — Denjenigen, die 2—z Stunden von hier entfernt wären, wenigstens 7 Batzen, und denjenigen, die 4—5 Stunden entfernt sind, wenigstens 12 Batzen. Was die noch Entfernteren anbetrift, so wird der Erziehungs-Rath auch für diese nach Maßgabe ihrer Lage und Entfernung auf Mittel zu ihrer Nnterstüzung bedgcht seyn. Ich will nun annehmen , daß vier Schüler r Stund, vier Z Stunden, und vier Z Stunden von hier entfernt wären, so würde für diese zwölf Lehrlinge in den bestimmten 42-Lagcn eine UirttrstürungS- Summe von 244 fl. erfordert werden. Zugleich müßte ihnen Dirne, Federn, Papier, gedrukte Vorschriften, Bleystift, Federmesser und dgl. nebst einigen Schulbüchern angeschaft werden, wozu ich wieder 56 fl. anseze. So würde also eine Summe von zoo fl. erfordert , um 12 Schullehrer zu erziehen. (Welch eine äußerst geringe und bescheidene Summe, gegen den fürchterlichen Forderungen, die vor etwas Zeit's der Regierung, zu Errichtung eines einzigen Schulmeister-Seminars in Burgdorf, gemacht wurden; — worinn halbjährlich ebenfalls nur »5 Jünglinge unterrichtet werden sollten!) — Allein — woher werden wir wohl das oben bestimmte nöthige Geld erhalten? Ich trage auf nachstehendes, keinen Menschen keschwerende und äußerst leichte Mittel an: Der Erziehungs-Rach verfertige eine Proklamation , worinn er die Nothwendigkeit und Nuzbarkeit einer Anstalt zur Bildung angehender Schullehrer, und zugleich die Hauptsache dieses meines vorgeschlagenen Anerbietens den reformierten Gemeinden unsers Cantons anzeigt , und das Volk auffordert, zur Beförderung dieses ersten gemeinnuzigen Versuchs eine freywülige Steuer unter ihren Kirchenthüren einsammeln zu lassen, damit die angehenden Schul- lchrcr aus diesem Gelde, auf die oben bestimmte Weise, unterstü-t werden können, und ihm zugleich bekannt macht, daß man nachher sowohl über die Summe, welche eine jede Gemeinde steurt, als über die Anwendung derselben eine gedrukte öffentliche Rechenschaft zu geben verspreche. Diese Proklamation werde des Sonntags vorher verlesen, und mit. einer nachdruksamen Aufforderung des Orts-Pfarrers begleitet, worauf dann an dem folgenden Sonntag die Steuer wirklich erhoben werden solle. — Ich glaube mit Grunde hoffen zu dürfen: in allen reformierten Gemeinden unsers Cantons werde eine Geld-Steuer fallen, die den Erziehrmgs- Rath iw.den Stand fett, aus dem Vorschuß sowohl die Aermsten und Entferntesten, als auch die Fleißigsten durch Zulagen und Prämien noch reichlicher, als oben bestimmt worden ist, ru erfreuen und aufzumuntern; das überdies noch zur Folge haben könnte, daß bisweilen wöchentlich, anstatt iTag, 11/2 auch -Tage Unterricht ertheilt werden könnte. Dieses Geld soll dem Bürger Präsident des Erziehungs-Raths von den Gemeinde-Vorstehern ein- gesandt/ und von demselben zu obiger Absicht nach dem Willen des Erziehungs-Raths verwendet, auch lerterm am Ende über alles spezifizicrliche Rechnung abgelegt werden. In Ansehung meines Lehrplans und meiner Lehrmethode, so will ich Ihnen — Bürger Collegen! auf Ihr Begehren hin, auch darüber mit Freuden Rechenschaft ertheilen; doch glaube ich unmaßgeblich, Sie werden davon an jedem vierteljährigen Examen die beste Kenntniß erhalten. VII. Don dem Erfolge dieses Projekts und der Ausführung desselben. Dom Herausgeber'). Nachdem meine Vorschläge von einer Commißion aus dem Erziehungs-Rathe geprüft und gutgeheissen <*) Ich bitte bey meinen Lesern um gütige Nachsicht, wenn ich Lurch eine umständliche Beschreibung meines Instituts allzu weitläufig werden sollte. Da es nichts anders, als der erste Versuch eines Unternehmens ist / das ich auch an andern Orten zur Nachahmung empfehlen möchte, so finde ich mich verpflichtet, genaue Rechenschaft über den Erfolg abzulegen, und dadurch jedermann jn den Stand zu sezen: selbiges richtig beurtheilen zu können; auch bin ich vielleicht so glük-- würden, so erhielten sie darauf die gänzliche Gut- heissung des leztern, mit der angenehmen Znsiche» rung, sogleich Hand an das Werk zu legen, und an der Ausführung desselben aus allen Kräften zu arbeiten ; zugleich beschloß man einstimmig: sich darum umzusehen, ob sich nicht etwa ein katholischer Geistlicher in unserm Kanton auffinden liesse, der Fähigkeit und Lust besäße, mit katholischen Schnllebrer- Präparanden einen ähnlichen Versuch zumachen*).— Nachstehendes Schreiben wurde also zu allererst an den Minister der K.K. und W.W. erlassen. lich, hie und da von Freunden unsers Landschulwesens ihre Bemerkungen über meine Verfahrungsart zu erhalten, um dadurch in den Stand gesezt zu werden, meinen Plan immer vollständiger und anwendbarer machen zu können, — das ich so sehr wünsche. ') Gegenwärtig — zu Ende des Heumonats — ist die Sache nun auch zu Gunsten der Katholischen Schulmeister glüklich eingeleitet. Ob in Zukunft solche Um. stände eintreffen, welche die Ausführung begünstigen-» .wird die Zeit lehren. » Anmerk. des Herausgebers. Der ErziehuiigsMath des Kantons SarM an derr Minister der K K. und W.W. St. Galle», den rv. Jener izor» Bürger Minister! Wir haben vor einigen Wochen durch den B. Rcgierungs - Statthalter zu unserer allseitigen Freude ein Paar wichtige Beschlüsse des Vollziehungs - Raths erhalten, in Betref der Errichtung und Besorgung der Landschulen und des fleißigen Besuchs derselben; Zugleich aber gab uns der B. Regierungs-Statthalter die Weisung: „ daß Wir leg den Schulmeister- »Wahlen die neu angestellten Lehrer — wo möglich U nnr für diesen Winter einsezen möchten, indem die „Regierung auf Mittel denke: auf das eheste ,, Schulmeister Seminarien in Helvetica zu errichten Ueber diese Anzeige würden wir Ihnen, Bürger Minister > zu Handen der Regierung einige freymüthige Bemerkungen schon mitgetheilt haben, wenn nicht ein erwünschter Anlaß unser gewartet hätte, sie jm dringender vorlegen zu können. Sie empfangen nämlich — Bürger Minister! in der Beylage einen Vorschlag zur Errichtung einer Bildungs-Anstalt für angehende Land-Sckuilehrer in unserm Kanton, von unserm Collega, dem Bürger Pfarrer Steinmüller auf Eaiß. Wir haben diesen Aussatz sorgfältig geprüft, und sind von seiner Ausführbarkeit und Nutzbarkeit — hauptsächlich auch in Betrachtung unserer Lage und Umstände — einstim- mig überzeugt. — Zu allererst fanden wir alles dasjenige, war unser Collega über die Schwierigkeiten, die der Errichtung von Schulmeister-Seminarien in Helvetim entgegen stehen , und über das Nachtheilige, das sie für Land-Schullehrer haben können, äusserst wahr und wichtig, und w>r halten daher aus überwiegenden Gründen, die von ihm vorgeschlagene Methode Schullehrer;n bilden, für die alleramvendbarste und wohlthätigste. — Wir empfehlen daher die Beylage um so dringender Ihrer genauen Prüfung, je mehr wir überzeugt sind: daß schnelle Beschlüsse über die Errichtung von Schulmeister-Seminarien sehr nachtheilige Folgen für die Zukunft haben könnten; — wobey wir noch bemerken: daß der Erüe- ziehungs-Rakh des Kantons Thurgau schon im Febr. 1799 in einem Schreiben an Ihr Ministerium ähnliche Vorstellungen, wie jert wir, gemacht hatte, die wahrscheinlich in den damaligen Zeiten ohne genügsame Beherrigrmg bey Seite gelegt wurden. — Wir hoffen auch um so ehnder, daß Sie, V. Minister! den Vorschlag des B. Pfarrer Steinmüllers genehmigen werden, da er nicht nur im Mittel- Punkte der reformierten Distrikte unsers Kantons wohnt, sondern wir ihm sowohl die nöthigen Kenntnisse , als den erforderlichen Fleiß zuzutrauen Ursache haben. Dem zu Folge aber halten wir uns für verpflichtet, Sie, B. Minister! zu ersuchen, von der Gütigkeit zu seyn, dem B. Pfarrer Stcinmüller, für die vielfache Mühe mit seinen Zöglingen, ein Honorar von wenigstens loLouisd'ors auszuwirken, das ihme am Ende des Iahrkurses übergeben würde; wir zweifle» um so minder an der geneigten Entsprechung, da diese kleine Forderung die einzige ist, die wir zu unserm Endzwecke an die Regierung machen. Endlich haben wir noch zu bemerken: daß wir darauf bedacht sind, auch in den katholischen Gemeinden unsers Kantons einen oder mehrere Männer zu finden, die nach ähnlicher Methode Schullehrer bildeten; wir finden es daher für sehr gut, wenn unsre Verwaltungskammer auch durch Sie (so wie es von uns bereits geschehen ist) eingeladen würde, bey der Besetzung der katholischen Pfarreyen, Männer von pädagogischen Kenntnissen vorzüglich zu begünstigen. Besonders wünschen wir zu der eben erledigten > Stelle eines Pfarrers im Kloster St. Gallen einen solchen Mann ;u bekommen, was auch die Verwal? — 2Z7 — kungs-Kammer in der Ausschreibung der Stille ordentlich bemerkt hat. Wir sehen mit Verlangen Ihrer gütigen Antwort entgegen ! — (Folgendes ist die Antwort des Ministers der K.K. ». W-W-) An den Erziehungs-Rath des Kantons chäntts. Bürger.' In der Beylage erhalten Sie die Bewilligung des so bescheidenen Honorars, welches Sie für Ihr verdienstvolles Mitglied, den B. Pfarrer Stemmüllcr in Gaiß, verlangt haben. Die Regierung glaubte, keinen Augenblik zögern zu dürfen, einem so schönen Vorhaben ihren Beyfall zu schenken, und dem B. Steinmüller auf den Fall, daß sein Institut rn Stande kommen würde, jene -62 Ar. zuzusagen. Sie wird mit Vergnügen ein Unternehmen aufblühen sehen, das für die Volkskultur in Ihrer Gegend eben so merkwürdig, als wohlthätig zu werden, verspricht. Würden es die Finanzen erlauben, so wäre sie bey einem so geringen Honorar nicht stehen geblieben. Kann sie auch die Sorge nicht bergen, eS möchten nach dem vorgelegten Plane die Zöglinge nicht so bald und nicht so zahlreich, als es zu wün- 2Zg — schcn ist, ausgebildet werden; so sieht sie es doch für einen großmüthigen und alles dankeswerrhen Entschluß an, daß Bürger Sremmüller ohne andere Vortheile, als die von Ihnen erwähnten, seine Muße dem Unterrichte widmen will, glaubt, seinen Kenntnissen sowohl als seinem Bewußtseyn, wie viel er neben seinen übrigen Geschäften in diesem Fache leisten kann und will, ohne weiters vertrauen zu müssen, und hält es schon für grossen Gewinn, wenn mich nur einzelne brave Schullchrer herangezogen werden. Ich bin übrigens versichert, Ihre Rathe und Aufmunterungen werden den V. Stein, r null er bey seinem schönen Vorhaben thätig unrcr- stmcn, und ihn vermögen, sein Institut der Vollkom- Mimaeit immer näher m bringen. Mit Begierde erwarte ich Nachricht vom wirklichen Anfange und zlüklichen Fortgange desselben. Republikanischer Gruß! Der Vorsteher Lc§ MiiiLstcriumS der Wissenschaften, Mohr. 2Z9 Der Vollziehungs-Rath -er einen und muheilbaren helvetischen Repnblr? ÜII den Minister der Wissenschaften. ' Auf Euern Antrug bewilligt der Vollziehrmgs- Rath dem Bürger Steinmüller,, Mitglied des Er' riehungs-Rathes im Kanton Santiß, welcher gesinnet ist, in seiner Gegend ein Schulmeister-Seminar anzulegen, ein jährliches Honorar von einhundert und sechszig Franken, im Falle seine Anstalt zn Stande kommen sollte, und ertheilt Euch hiemit die Vollmacht, ihm alsdann diese ttnterstmungS-Summe zukommen ru lassen. Der PräsideM des DollziehungS-Rkthcv Savary. Dem Original gleichlautend: Der Vorsteher LeS MinistermmS her Wlfsenschasten Mohr. Auf diese befriedigende Antwort hin , die wir von der Regierung erhielten, wurden alle-reformierte Geistliche unsers Kantons durch den Regierungs- Statthaltex aufgefordert, nachstehende Publication den iZ, März von ihren Kanzlen zu verkünden, und das Volk durch ihre Vorstellungen zur willigen Entsprechung der darinn enthaltenenEinladung zu bewegen. 240 Der Erzirhungs-Rath des Kantons Santis, an alle evang. Bürger dieses Kantons. St. Gallen L. - 7 . Febr. 1801. Bürger! Ihr habet aus unserer lezten Publikation ersehen, wie sehr es der helvetischen Regierung'daran liegt, die fast überall vernachläßigten Landschulen in einen bessern und zweckmäßigern Zustand empor zu heben. Eine Hauptursache, warum es bisanhin in unsern Landschulen so erbärmlich aussah, ist, weil (obschon wir uns des Fleisses und der Fähigkeiten einiger Lehrer sehr zu freuen haben) doch eine grosse Anzahl von Schullehrern in demjenigen, was sie lehren sollten, und in der Art und Weise, wie dieß den Kindern am zweckmäßigsten beygebracht werden kann, selbst unwissend sind. Die Selbstbildung kann mit Billigkeit nicht von jedem gefordert werden, und da bisanhin in unserm Vaterlanbe keine öffentlichen Anstalten zur Bildung künftiger Schullehrer vorhanden waren, und gewöhnlich der geringe Jahrlohn der Lehrer nicht ermunternd genug war, grosse Unkosten auf die Vorbereitung eines künftigen Schuk- Dienstes zu verwenden, so mußte man, freylich zum Machtbeil der Jugend, mit sehr mittelmäßigen Lehrern fürlieb nehmen. Um nm nun nach und nach auch in dieser wesentlichen Sache Verbesserung ru veranstalten, versprach kms eines von unsern Mitgliedern/ unter unserer kräftigen Mitwirkung, einen Versuch ru machen, und etwa zwanzig jungen Schullehrern, und solchen Jünglingen, die Lust und Fähigkeit bezeugen, sich indes Kenntnissen und Pflichten eines Schullehrers unterrichten zu lassen, drey Vierteljahr lang, wöchentlich ein bis zwey Tage, unentgeldlichen Unterricht ru ertheilen. — Alle diejenigen, die sich nun auf diese Weise zu dem wichtigen Amte eines Schullehrers vorbereiten wollen, sind hiemit eingeladen, sich innert den nächsten 14 Tagen bey ihrem Orts-Pfarrer oder dem Schul-Inspektor des Distrikts zu melden, die alsdann die Mühe nehmen werden, es ungesäumt dem Erziehungs-Nath anzuzeigen; dieser Anzeige wird aber zugleich ein Zeugniß über die sittliche Aufführung eines jeden, von seinem Seelsorger und Schulvogt oder von dem Präsidenten der Murmipalität unterzeichnet, beygefügt werden. Diejenigen, die auf diese Weise in den Unterricht aufgenommen werden, und nur z bis 4 Stunden von dem Orte, wo er ertheilt wird, entfernt wohnen , können alle Woche nach geendetem Unterricht wieder heimkehre»/ wo sie sich bey Hause von selbst Q 24S k!i dem Gelernten üben werden. Für die Entferntem aber wollen wir uns verwenden, daß sie ihre Lehrzeit über in der Nähe auf eine schickliche Art Untergebracht werden. Mein, liebe Mitbürger! diesen wohlthätigen Plan ausführen zu können, bedürfen wir Eurer Unterstützung. — Ihr begreifet es gar wohl, daß sich wahrscheinlich nur sehr wenige oder gar keine jungen Leute finden würden, welche die Neigung und das Vermögen zugleich besässen, wegen einem Unterricht zur künftigen Erlangung eines gering besoldeten Schul- Dienstes, alle Wochen einen und einen halben bis zwey Tage aufzuopfern, und sich zudem noch eben so lange ru verkostgelden. Wir fanden es daher billig und der Sache gemäß, jeden, der in den Unterricht aufgenommen wird, an den Lehrtagen mit einem kleinen Geldbeytrage ru unterstützen, und ihnen einige Schulbücher, Schreibmaterialien, rc. unentgeltich darzureichen. Da wir nun durch den Euch hiemit vorgelegten Plan nichts anders suchen können, als die allmählige Vervollkommnung Euerer Gemeindsschulen ru erzielen, aber dieses Ziel ru erreichen, durch Eure milden Beytrage in den Stand gesetzt werden müssen, so kaun 24Z es Euch nicht befremden, wenn wir nun, von der Regierung bevollmächtiget, hiemit bekannt machen: Daß Sonntags den 22sten Merz in allen reformirten Kirchen unsers Kantons eine freywtllige Steuer aufgenommen, und dieselbe einzig zur Unrerstüzung angehender SchuUehrer verwendet werden soll. Jede Gemeinde übersendet die bey ihr gefallene Sumine unmittelbar an den Präsidenten des Eme- lumgs-Rathes. Der Beytrag jeder einzelnen Gemeinde soll dann öffentlich bekannt gemacht- und nach Verfluß der drey Vierteljahr über die Verwendung des Ganzen, ebenfalls durch den Druck, sperifizirtk Rechnung abgelegt werden. Wir wissen es zwar gar wohl, liebe Mitbürger! daß Ihr seit ein paar Jahren her der Steuern und Beyträge verschiedener Art sehr viele zu entrichten hattet. — Aber zu wessen Vortheil ist die von uns angeordnete? O! wenn Ihr bedenket, daß sie für nichts Geringeres angewendet wird, als für das Theuerste und Köstlichste, was Ihr und das Vaterland besitzet, für das Wohl und das Glück Eurer Söhne und Töchtern — wenn Ihr dieß bedenket, dann dürfen wir sicher erwarten, daß Ihr unserer dringlichen Einladung freudigst entsprechen werdet; Q 2 — 244 rmd dieß soll uns dann auH die süßeste Belohnung für alle unsere Bemühungen seyn. Republ. Gruß u. Bruderliebe! Der Präs. des Erz.R. v. Kanton SäntiS, Zollikoftr. 2m Namen des Erziehungs-Raths, Hartmann, Aktuar. §u drucken und ab den Kanzeln zu verlesen verordnet, so wie zur kräftigen Unterstützung nachdrucksamst anempfohlen: der Reg. Statthalter v. Kanton Säntis, Ioh. Rasp. Bott. Diese Proklamation machte — wie man es sich leicht vorstellen kann — nicht bey allen Gemeinden den gleichen Eindruck, so wie das Benehmen der Geistlichen dabey ebenfalls ganz verschieden war. Und wirklich bey solchen Anlässen kann man von dem Ein- stuffe der Leitern auf ihre Zuhörer am allerbesten unterrichtet werden, denn da findet keine Verstellung Plaz; da reden und arbeiten sie entweder für oder gegen die Sache; da, wo von der Verbesserung des Schulwesens die Rede ist, sind sie entweder zu ihrer Unterstützung oder aber zu ihrer Hintertreibung rastlos thätig. — Die Archive einiger Erziehungs-Raths der Schweiz liefern unzählige Beweise für diese Wahrheit, und die Erfahrung, die wir bey der Errichtung meines Instituts machen konnten, stimmt aufs neue damit überein. Oder, was konnte man sich wohl in solchen Gemeinden für einen Erfolg versprechen, wo der Pfarrer es nur bey der bloßen Verlesung der Publikation bewenden ließ, ohne ein Wort zu ihrer Empfehlung ru sagen, da man doch sonst alle Steuer- Edikte mit einer Anrede an's Volk begleitete? — oder wo der Pfarrer nur ganz trocken sagte: man solle nach Umstanden geben? — oder wo man einzig bey dieser Steuer-Erhebung die Ausnahme machte, selbige anstatt durch die Gemeinds-Vorgeserten, jert nur durch den Meßmer erheben ru lassen? oder wo der Geistliche sogar gegen die Nothwendigkeit eines solchen Instituts redte, und sich weder scheute noch schämte, öffentlich zu predigen: „Wenn unsere Schul- „ Kinder nur so viel lernen, als die Schulmeister „ bis dahin wußten, so wird's denn nicht mehr so „weit fehlen!!!?" Oder wo der Pfarrer das ganze Institut verdächtig machte, und Schulmeister, die sich für die Anhörung meines Unterrichts geneigt erzeigten, wieder davon abmahnten?-Doch genug hievon, ohne nur ein Wort von den Beweggründen ru reden, die so oft ru solchen, leider! sthr ungeist- lichen Handlungen verleiten! Die thätige Verwendung so manches würdigen Seelsorgers in unserm Kanton, und namentlich derjenigen im RheinthÄl vereint mit den wenigen thätigen Schul-Jnspektoren, zur Verbesserung unsers Landschulwesens, bleibt gewiß nicht ohne Segen, und zeigte sich vorzüglich auch bey meinem Institut auf eine eben so auffallende als höchst erfreuliche Art. Sowohl die Anzeige der gefallenen freywilligen Kirchensteuern, als aber die Anzahl und der GemeindsName meiner SchulmeisterPräparenden mag alle meine obigen Behauptungen rechtfertigen. Nachstehendes ist das Vmeichniß der Steuern: Distrikt St. Gallen. Stadt St. Gallen . . 2Z2 fl. 46 kr. 4>Hlr. Distrikt Lichtensteig. Lichtensteig . . . 18 - Krinau .... 5 - Hemberg v . . . 11 - Wattweil . . . . 37 - St. Peterzell . . . '9 - Brunnadern . . . 2 - Oberhelfenschweil . . 20 - Mogelsperg (bis dato nichts) — - 3 24 26 28 Distrikt Floweil. Oberglatt und Floweil . 6 - 32 - — - Oberutzweil . . . 3 - 30 - — - Degersheim . . . 9 - 27 - — - Henau und Niederglatt) Ganterscheil > bis dato nichts. Lutisburg und Kirchberg ) _ Lumma: 375fl. 37 kr.—Hlr. -47 — 34 42 4 - 3 * ImnzpokL: Z7Zfl. Z7Er. —Hlr. Distrikt Herisau. Herisau . . . . 58 ' Schwellbrunn . . . 4 - - - — - Schönengrund . . . 7 ' 3^ - ^ Urnäschen . . . . -2 - 22 - — - Waldstadt . . . . 2 ? 42 - —- Distrikt Teuffen. Teuffen . . . . 18 - Gais..... 72 Trogen . . . .24 Hundweil .... A Stein .... 4 Solcher*) . . . 5z Buhlcr .... 8 Distrikt Wald. Heiden . . . . 4 - 18 - —- - Rütbi . . . .' A - — - — Wald . , . . 1 - 4^ , — - Luzenberg . . . . 22 - 50 - — - Walrenbausen . . . ^ - 24 » — , Rehetobel . r . . 2 - 18 - — - Erub . . . . Z - 24 - — - Wolfhalden (bis dato nichts.) Distrikt Oberrheinthal. Altstädten . . . . 91 - 2z - 4 - Gchberg . . . . iA - 24 - — - Nebstein . . . . 20 - Marbach . . . . 32-4 - — - Lumina: 846 st. Zi kr. 4 -Hlk. ') Im Speicher fiel aus einem einzigen Haus und in Rhcmcck ebenfalls aus Einem HauS 3 Louisd'sr» Iran spart: Fi6fl. 54 kk. 4Hlt. Distrikt Unterrheinthal. Nheineck .... 53 - 2i - - s ^hal .... 47 - 52 - - - Bernang . . . . 27 - — - - § St. Margarethen 6 - 48 - — r Balgach . . . . 25-20 - — - Dieboldsau 2- 8 - — - Die Hilfsgesellschast in Bern *) 66 - - - — r Lumms: 1045 fl. Z kr. 4Hlr. Zur Anhörung meines Unterrichts meldeten sich folgende r8 Jünglinge und Männer an: Aus dem Distrikt Lichtensteig: Keine. Aus dem Distrikt Flshweil: Don Oberglatt, i Jüngling. Aus dem Distrikt Herisau: Von Urnäschen, 3, worunter ein angestellter Schulmeister und ein Sohn und Gehilfe eines Schulmeisters ist. Aus dem Distrikt Teussen: Von Gais, r angestellter Schulmeister. *) Diese 66 fl., welche die Central - Hilfsgesellschast für mein Institut gütigst aussezte, sollen zulezt zu Prämien für meine Schulmeister verwendet werden. Aus dem Distrikt Wald: Bon der Grub, ein angestellter Schulmeister. Aus dem Distrikt Oberrhemthal: Von Altstädten , i angestellter Schulmeister. Von Elchberg, 4, worunter drey angestellte Schulmeister. Von Rebstein, ein angestellter Schulmeister. Von Marbach, 2, worunter ein Gehilfe eines Schulmeisters. Aus dem Distrikt Unterrheinthal. Von Thal, r Sohn und Gehilfe eines Schuh Meisters. Von Bernang, 2, worunter ein angestellter Schulmeister. Von Balgach, r. Mit Vergnügen wird man hier bemerken, dass unter meinen Zöglingen viele wirklich schon angestellte Schulmeister sind, denen der Unterricht also gedoppelt nützlich ist; da sich aber die Zahl der Angemeldeten nicht über die festgesezte erstreit, so wurden obige alle ohne Ausnahme in meinen. Unterricht aufgenommen. Der ganze Unterricht ist nur auf 75 Lehrtage berechnet. Gewöhnlich unterrichte ich sie wöchentlich 2 Lage, und ich mache die angenehme Erfahrung, daß sie sich die übrigen Tage bey Hause — so viel ihnen ihre Berufsgeschäfte erlauben — hinlänglich in dem Gelernten üben. So oft die wöchentliche Lehrzeit 2 Tage dauert, so kehren die Entferntem an dem erster» Tage nicht nach Hause < sondern bleiben des Nachts theils im Wirthshause, theils in Privat- hausern auf Gaiß. Um kemerley Art von Mißvergnügen unter meinen Schulmeistern zu erwecken, so empfangen alle einen gleich großen Beytrag aus der erhobenen Kirchensteuer; alle werden nämlich an den Lehrtagen Kost - und Logisftey gehalten. Sie essen alle miteinander an einer Tafel das Frühstück und das Mittag- mid Nachtessen, meiner Wohnung gerade gegenüber. Da sie von meinem Wirth alles was sie für ihren Unterhalt bedürfen/ (um den billigen Preiß täglich auf jeden Mann zo kr.) erhalten, so wird in der Zwischenzeit von keinem nichts mehr zu essen oder zu trinken verlangt, so wie alle miteinander durch das unausgesezte Beysammenbleiben aufs freundschaftlichste verbunden werden, das ich vorzüglich nach geendigtem Lehrkurs zu vielen guten Zwecken, r. B. rn Schulmeister - Conferenren und anderm benutzen werde. — Den 27. April mußten die sich Angemeldeten vor dem Erzirhungs-Rathe erscheinen, wobey nachstehende kurze Reden gehalten wurden: 251 Anrede, bey der Eröffnung der Schullehrer-Anstalt, an die Bürger, welche sich zur Aufnahme Ley derselben gemeldet halten, und vor dem Erziehuugs-Rache erschienen waren. Don Bürger Grob, Präsident des ErziehungS-RathS» Werthe Bürger! ^ Der EMebrmgs-Rath, dem es obliegt für einen bessern Unterricht in den Schulen zu sorgen, hat sich durch die Erfahrung überzeugt: daß dieser wichtige Zwek nicht eher erreicht werden kann, bis die In, gend-Lehrer erst selbst besser unterrichtet seyn werden, als es der gröste Theil derselben bisher gewesen ist. Wir sind darum auf eine zwekmäßige Anstalt bedacht gewesen, vermittelst welcher diejenigen Bürger, diy sich aus Lust und Neigung dem Schullehrer-Stande wiedmen wollen, diesen bessern Unterricht wirklich gemessen, und zu geschikten und tauglichen Lehrern gebildet werden können. Eines unserer würdigen Mitglieder, der Bürger Pfarrer Steinmüller von Gaiß, dessen Talente und Kenntnisse im Schulwesen, nicht nur uns, sondern auch allgemein bekannt sind- hat sich mit uneiaennürigem Eifer anerboten, den Unterricht bey der zu errichtenden Anstalt selbst zu übernehmen. Dieses Anerbieten haben wir mit Dank angenommen, zugleich aber auch in Erwägung gezogen, daß der Aufwand für die Materialen die bey dem Unterricht nothwendig sind, so wie für die Nahrung und Zehrung manchem von denen, welche sonst an dieser Anstalt gern Antheil genommen hätten, zu lästig fallen möchte; darum haben wir mrt Begünstigung und Mitwirkung der Regierung bey allen evangelischen Gemeinden des Kantons eine freywillige Steuer eingesammelt, und obgleich diese Steuer in einigen Gemeinden sehr kärglich ausgefallen , so sind wir doch durch dieselbe in den Stand gesezt worden, daß wir die beschlossene Anstalt für Euch alle eröfnen, und Euch nicht nur den Unterricht , sondern auch den Unterhalt wahrend desselben unentgeltlich zusichern können. Es ist aber nöthig zu bemerken, daß alle zu dieser Anstalt geflossenen Steuern, von Euren Mitbürgern in der Absicht gegeben worden sind, daß die in derselben erworbenen Kenntnisse auch wirklich in den Schulen rum Besten der Jugend angewendet werden sollen; damit also diese Mitbürger nicht um ihren Beytrag getäuscht und betrogen werden, so erfordert es die Pflicht der Ehre und der Gerechtigkeit 2Z3 me Ihr es, werthe Bürger.' auch selbst wohl einsehen müßt, daß wir von Euch verlangen: „i. Daß Ihr den Unterricht des B. Pfarrer Steinmüllers nicht nur einigemal, sondern unaus- geirrt und bis an sein Ende anhöret. Und -,2. Daß jeder von Euch nach vollendetem Un- --terrichte wenigstens sechs Jahre hindurch einem »Schullehrer>Posten vorstehen solle". Diese zwey Bedingniffe wird Euch der Bürger Aktuar vorlesen, und jeder aus Euch wird unter den vorgelesenen Aufsar rum Beweis seiner Einwilligung seinen Namen unterschreiben. Ehe aber das geschieht, wird der B. Pfarrer und Erriehungs-Rath Steinmüller Euch über dasjenige, was Er an Euch thun will, und was Er dagegen von Euch wünscht und erwartet, die nöthige Belehrung ertheilen, wozu ich Sie, B. Pfarrer; hiemit höflichst aufgefordert haben will. Anrede, an die Schulmeister - Präparanden am Tage ihrer Aufnahme in meinen Unterricht in der Stzung des Erziehungs-Raths unsers Clintons gehalten, den 27. April i 8 s:. Dom Herausgeber. Liebe Schullehrer und Jünglinge! Obschvn ich die meisten aus Euch heute zum erstenmal sehe, so muß ich mich dennoch gegenwärtig — in der angenehmen Voraussetzung, daß wir einander in Zukunft schon naher kennen lernen werden — einige Minuten mit Euch unterhalten. Nicht wahr, liebe Mannet und Jünglinge! Euer vester Entschluß ist: entweders die von Euch schon bis dahin besorgten Schulgeschafte ferners fortzusetzen , oder in so ferne Ihr noch nicht wirklich angestellte Schullehrer seyd, wenigstens in der Folge der Zeit eine Schullehrer-Stelle zu übernehmen, und Euch dem Schul-Amte vorzüglich zu wiedmen? — Wahrlich! — Dieß ist ein Vorhaben, welches von äußerst grosser Wichtigkeit ist! Vernünftige und christlich gesinnte Land-Schul- llehrer sollen sich in ihren Schulen mit der gewissen- — -55 Haftesten Treue -er Kinder annehmen; — sie sollen die heranwachsenden jungen Leute also unterrichten , daß sie die'ihnen heilsamen Wahrheiten erkennen und liebgewinnen lernen; — sie sollen ihnen diejenigen Kenntnisse beybringen , die billig bey allem menschlichen Wissen zum Grunde liegen müssen, nämlich : Gebrauch ihrer Verstandeskrafte, Lesen, Schreiben, Rechnen, und die ersten Aufaugsgründe unserer christlichen Religion; — sie sollen ihnen zeigen: wie sie diese Kenntnisse recht benuzen, und darauf weiter fvrtbauen können; — kurz: vernünftige und christlich gesinnte Land - Schullehrer sollen den Verstand der Kinder zum vernünftige» Nachdenken gewöhnen; das zarte, weiche Herz derselben zum Gefühl des Guten stimmen, und das Aeussere ihres Betragens von aller Rohheit befreyen; — dieß ist imläugbar der Zwek wohl eingerichteter Land-Schulen. Urtheilt nun selbst: welch ein ehrenwerihes Geschäft das Eu- rige ist, wie ehrenwerth derjenige ist, welcher es rwekmäßig und gewissenhaft treibet, und was für einen vielfachen Segen ein solcher treuer Lehrer durch seine Bemühungen auf die Kinder selbst, auf die Aeltern der Kinder, auf die Gemeinde und das Vaterland derselben verbreitet, indem er verständige und brauchbare Leute aus ihnen macht, und sie zum zufriedenen, glükftchen und gemeinnützigen Leben 2Z6 vorbereitet. — Liebe Männer und Jünglinge! freut Euch daher doch täglich dieses Eueres ehrwürdigen Berufs, und des edlen Entschlusses, in demselben immer nüzlicher zu werden. Die Jugend ist die Baumschule des Vaterlands, und der Lehrer ist der Mann, der sie dem Vaterlande bearbeitet. Er beschäftigt sich nur allein mit der Glükseligkeit junger Menschen. Er wartet zarte Pflanzen in dem Garten Gottes. — Welch ein erhabenes —> welch ein seliges Geschäfte! Allein, das werdet ihr zugleich auch mit mir einsehen, daß, je wichtiger Euer Amt ist, desto schwerer auch die Verwaltung desselben seyn muß, und daß daher jeder, der im Schulamte so viel Gutes als es möglich ist, stiften will, nothwendig sich dazu vorbereiten und tüchtig machen muß. — Es muß ja doch ein jedes Handwerk, eine jede Berufsart, sey sie dann auch noch so einfach und geringfügig, als sie immer wolle, vorher gelernt seyn, sollte dieß denn nicht auch bey dem wichtigen Berufe eines Schullehrers der Fall seyn, und sollte der unterrichtete und vorbereitete Schullehrer nicht mit viel grösserer Leichtigkeit und mit mannigfaltigerem Segen sein Amt verwalten, als derjenige, der noch selber des Unterrichts und der Lehre so höchst bedürftig wäre. Unsere 2A7 Unsere Land-Schullehrer nach und nach ru immer twekmäßigerer Verwaltung ihres wichtigen Berufs anzuleiten, ihrem Stande bey dem Volke immer mehr Achtung und Werth zu verschaffen, und ihren Wirkungskreis unserm Vaterlands — das der weisen und guten Menschen so höchst bedürftig ist, immer gesegneter zu machen, das ist einer von den Haupt- Endzwecken unsers Erziehungs-Raths, und das war auch die Absicht der leiten Aufforderung desselben, welche er von allen Kanzeln unserer reformierten Kirchen verkündigen liesse. Liebe Schullehrer und Jünglinge! Ihr seydt es, die Ihr unserer Aufforderung Gehör gäbet, und ich erbot mich unserm Erziehungs-Rath, Euch den angekündigten Unterricht ru ertheilen. — Bey jedem wichtigen Vorhaben sieht man es doch gerne, und freut sich darüber, wenn uns jemand aus Freundschaft einige Verhaltungs-Reglen giebt, die uns dem wichtigen Zweke näher führen, und die ru erreichende Absicht eher und leichter erreichen lassen, und seht, das ist das Ziel meiner Vereinigung mit Euch. — Nach meinem entworfenen Lehrplan sollet ihr 75 Tage zu mir kommen, wo ich mich freundschaftlich und brüderlich über das, was Euch und mir wichtig ist, über Euren Beruf, und über die Art, wie ihr denselben am rwekmäKigsten erfüllen könnet, mit Euch R unterhalten werde. — Ich verspreche es euch auf das feyerlichste, dieses nach meiner besten Ueberzeugung, und mit dem unverdrossensten Fleiße ru thun; allein ich wünsche dabey auch recht sehnlich: daß auch ihr rur Erfüllung meiner Absichten das Eurige redlich beytraget. — Nur ganz wenige, aber desto nothwendigere/desto unentbehrlichere Erfordernisse verlange ich von Euerer Seite. — Ihr müßt von der Wichtigkeit und dem grossen werthe eines Schullehreramts überzeugt seyn; Ihr müßt in dem Gedanken, daß ihr bey einem Schuldienste unendlich viel Gutes stiften könnet, die größte Ermunterung zur Treue in Eurem Berufe finden; Und Ihr müßt daher— gerade aus dem und keinem andern Beweggründe^ nämlich: um in Euerem Amte so viel Gutes zu stiften, als es möglich ist, den vesten vor, faz in Eurem Innern nähren und unterhalten, Euch immer mehr zu vervollkommnen und vervollkommnen zu lassen, und Euch deswegen keine Mühe und keinen Fleiß zu sauer werden lassen. Sind das die Empfindungen und die Borsare, die gegenwärtig m Eurem Innern Herrschen, und die Euch zur Anhörung meiner Unterrichts bewegen, so werbe ich meinen Endzwek dabey an Euch gewiß nicht verfehlen; so werdet ihr mit Lust und Freude zu mir kommen, und keinen Lehrtag — unvermeidliche Hindernisse ausgenommen — jemalen versäumen; — so werdet ihr meinen Unterricht nicht nur etwa einigemal, sondern bis ru seinem Ende anhören; — so werdet ihr gleichsam mit einander wetteifern, an jedem Lehrtage größere Fortschritte ru machen, und Euch vorzüglich auch bey Hause in dem Gelernten üben; — So werdet chr endlich die süssen Früchte Eures Fleisses gemessen, Euch des Beyfalls Euerer Obern, der Liebe Euerer Gemeinds - Genossen, der Ruhe und der Zufriedenheit Eueres eigenen Herzens freuen, und Gottes Segen wird aufEuch und Euer» Amts-Verrichtungen ruhen. Seht, meine wertheste Schullehrer und Jünglinge ! das sind meine aufrichtigsten Wünsche für Euch; laßt uns nur treu und redlich das Unsrige thun, so wird die Erfüllung derselben gewiß nicht ausbleiben! — Nach diesem mußte ein jeder der Angemeldeten obige zwey Bedingnisse eigenhändig unterschreiben, worauf der Bürger Präsident Grob noch folgende äußerst zwekmäßige Anrede an sie hielt. R s Werthe Bürger! Ihr seyd nun Zöglinge des Vaterlands, und wollet euch zu einem Berufe tüchtig machen, in welchem ihr allerdings dem Daterlande die wichtigsten Dienste leisten könnet, indem ihr einst die liebe vaterländische Jugend zu nöthigen und nüzlichen Kenntnissen, und zu frommen und guten Sitten anzuführen bemüht seyn werdet. Der Erziehungs- Nath wird immer seine besondere Aufmerksamkeit auf euch richten, sich über gute Zeugnisse von euch freuen, und immer gerne nach Möglichkeit alles thun, was zum guten Fortgang eures Unterrichtes beytragen kann; auch nach geschlossenem Unterrichte wird sich der Erziehungs-Rath für euere bestmögliche Anstellung auf Schullehrer-Posten nach Maßgab euers bewiesenen Fleisses und enerer erlangten Tüchtigkeit aus allen Kräften verwenden, und sich daraus eine ernstliche Angelegenheit machen. Es wäre überflüssig, demjenigen, was der B. Pfarrer Steinmüller zu eurer Belehrung und Ermunterung mit so viel Warme rmd Herzlichkeit bereits gesagt hat, noch vieles beyzufügen: Nur die einzige Vermahnung ist es, welche ich euremGemüth recht eindrüklich zu machen wünschte: — Seyd beharrlich und standhaft in dem, was ihr einmal angefangen habt, und lasset euch durch nichts abschreken oder abwendig machen. Ihr werdet freylich im Game» eures Unterrichtes auf manches stossen, was euch schwer und schwierig dünkt; aber das Schwere liegt nur am Anfange, durch Fleiß ist es bald überwunden, und dann wird euch dasjenige, was Anfangs eine schwere und mühsame Arbeit schien, zu einem leichten Geschäfte und zu einem Genußreichen Vergnügen werden: Das Schwierige soll euch um so weniger abschreken, da ihr versichert seyn könnet/ einen Lehrer zu haben, dem es weder an Kenntniß noch am Willen fehlt, euch auf dem leichtesten und kürzesten Weg rum Ziele zu führen. Ihr werdet ohne Zweifel auch mancherley Meynungen und Urtheile hören, die euch leicht von eurem guten Vorhaben, und mitten auf eurem guten Wege abwendig machen könnten, wenn sie bey euch Eingang fanden; denn leider! giebt es Menschen, welche aus Unverstand oder von Leidenschaften geblendet , auch das Gute, ja das Beste zu tadeln und verdächtig ru machen geneigt sind. Es giebt aber zwey leichte Mittel, die euch vor dem schlimmen Eindruk solcher Urtheile gänzlich sichern und verwahren können. Das erste ist; gebrauchet euren eigenen Verstand, den euch Gott eben dazu gegeben hat, damit ihr das Gute unterscheiden könnet, von dem, was nicht gut ist. Nicht wahr, jeder aus euch hat doch gewiß schon so viel Verstand/ es einzusehen und zu begreifen: daß nüzliche Kentnisse bestreu / und in denselben die Jugend unterrichten ru allen Zeiten bey jedem Volk und jeder Staatsverfassung, etwas Schönes / Gutes und Wohlthätiges ist? — Wenn euch nun hundert andere Menschen sagen würden / daß dieses nichts Gutes sey/ so würdet ihr ihnen unmöglich glauben können / in so fern ihr nämlich euren eigenen Verstand gebrauchen wolltet. — Dennoch könnte euch manches von dem / was ihr höret / irre machen oder beunruhigen / weil auch das Falsche und Lügenhafte zuweilen unter dem Schein des Wahren dargestellt werden kann/ darum empfehle ich euch zu eurer Verwahrung noch em anderes eben so leichtes Mittel — dieses nämlich: Seyd redlich und offenherzig gegen euern würdigen Lehrer/ und entdeket ihm alles/ was euch nur im mindesten beunruhigen möchte: Er wird euch mit der herzlichen Gutheit eines väterlichen Freundes über alles das nöthige Licht geben/ über alles das Wahre sagen, und das Wahre wird euch von allem Zweifel und aller Unruhe frey machen. — Liebe und herzliches Zutrauen ist ja das Mindeste , womit ihr ihm die Mühe, die er für euch verwendet, belohnen könnet — doch nein, ich habe nicht richtig gesprochen, es ist vielmehr das Gröste, was er von euch wünscht, und was ihm — 26z — lieber ist, als wenn ihr ihn mit Geld belohnen könntet. Was euch ru einer beharrlichen Standhastigkeik und ru einem angestrengten Fleiß mächtig ermuntern kann / ist neben vielem andern vornemlich auch dieses: die Augen aller Bürger euers Kantons sowohl derjenigen welche viel / als auch derjenigen, welche wenig oder nichts ru der Unterrichts-Anstalt gesteuert haben/ sind auf euch gerichtet: Diele hoffen etwa- recht Gutes von euch; möchtet ihr diese für euch so ehrenvolle Hoffnung tauschen wollen? Einige / v daß ihrer nur wenige wären! glauben und wünschen sogar/ daß an euch gar nichts Gutes zu erzielen seyn möchte. Solltet ihr dieser Schadenfreude eine» Triumph verschaffen wollen? Denket vielmehr/ wenn ihr euch einst euren Mitbürgern als tüchtige und ge- schikte Jugendlehrer darstellen könnet / so werden nicht nur wir eure Freunde/ nicht nur euer Lehrer, ' sondern alle brave Väter, welche ru euerer Bildung gesteuert haben, sich darüber freuen, und ru sich selbst sagen: »Es war doch gut, daß wir uns eine kleine Gabe nicht haben reuen lassen; niemals haben wir Geld ausgegeben, das besser angewandt war!"— Denket, daß viele von denjenigen, welche wenig oder gar nichts beytragen wollten, es dann gestehen müssen: es war doch nicht recht, daß wir für eine so schöne und gute Sache/ so kärglich oder nichts beytragen wollten/ bey einem andern Anlaß wollen wir doch gern auch das Unsre thun!" — denket: daß der Erfolg eures Unterrichtes einen grossen Einfluß auf das Schulwesen unsers Kantons haben wird: daß der gute Fortgang desselben sehr erleichtert oder erschwert werden muß, je nachdem der Zwek des euch bestimmten Unterrichts mehr oder minder erreicht wird; das alles bedenkt, und wenn ihr einigen Ehr- trieb habt, so sagt: fühlt ihr euch nicht mächtig angetrieben , all euer Mögliches zu thun, damit die Hoffnungen und Wunsche des Erzichungs-Raths, so wie aller guten Bürger an euch erfüllet werden? — Und gewiß, wenn ihr so viel Fleiß anwendet, als euch möglich ist, so wird auch Gott zu euerm fleißigen Bemühen seinen Segen geben, ihr werdet würdige und tüchtige Lehrer, folglich höchst nüzliche und schazbare Männer werden, und dann wird es auch dem Erriehungs-Rath und jedem einzelnen Mitglied desselben, immer ein wahres Vergnügen seyn, euch Beweise seiner Achtung und Freundschaft geben zu können. Den 4ten May 1801. nahm meine Unterrichts- Anstalt ihren Anfang, und jezt, da ich dieses schreibe, (ru Ende des Heumonats) ist jchon das erste Viertel« — 26z — jähr meines Lehrkurses zu Ende. Nach ein paar Wochen wird das erste Examen mit meinenZöglingen gehalten werden, wo ich meinen B. College;: aus dem Erziehnngs - Rathe zugleich Rechenschaft von meiner bisdabinigen Lchrart ablegen werde. Diese soll inS dritte Bündchen meiner Schulmeister-Bibliothek zu stehen kommen. Nur noch dieses Einzige muß ich diesmal bemerken, daß meine Zöglinge meinen Unterricht nnausgesert, mit Lust und Freude besuchen; daß die vorher so geschäftig ausgestreuten Verleumdungen aller Art verstummen: und daß meine Hoffnung nicht ab -, sondern täglich immer mehr zunimmt; auch dieser mein Versuch, werde in der Zukunft für unsere vaterländischen Landschulen nicht ohne wichtigen Segen bleiben. — Noch will ich hier ein paar Auszüge aus Briefen einrücken, die mir von Männern, deren Stimme über das Schulwesen sehr wichtig ist, über meinen obigen Plan zugeschrieben wurden. So schrieb man mir r. B. von Zürich aus: „Möchten Sie nicht vielmehr einen Bienen- „ korb flechten, worinn Sie nicht die Einzige Arbeits- » Biene wären?»— Das Institut zertheilen, ihm „(wenn's ohne Lästerung gesagt werden darf!), eine »Art von föderalistischer Verfassung geben? Ob »dadurch nicht vielleicht mehrere Schwierigkeiten, die 266 —' »Ihnen gewiß mächtig entgegen stehen, entfernt, » und namentlich die Kosten verringert werden dürft »ten? — Dieß können sie allein beurtheilen."— Diese gewiß sehr natürliche und zweckmäßige Bemerkung war mir schon vorher wichtig; allein rch sahe es auch voraus, was der Erfolg rechtfertigte: daß sich für den ersten Kurs meines Unterrichts — bey dem so allgemeinen und kraftvollen Entgegenwirken geges alle Schulverbesserungen — gar nichts viele Schulmeister anmelden würden. (Hatten wir^nicht freye Kost und Logis versprechen können, so würde sich kein einziger hervorgethan haben.) Auf den ent- gegengeserten Fall hin, haben sich die V. Pfarrer in Bernang und Nheineck großmüthig anerboten, die Mühe zu übernehmen, und sich mit mir zum gleichen Zwecke zu vereinigen; auch im Toggenburg hatten wir etwas ähnliches veranstalten können. Allein da sich überhaupt nur 18 anmeldeten, und da ich gerade in einer großen Anzahl Schüler äusserst viel Aufmunterndes für die Lehrlinge und den Lehrer zu finden glaubte, so mußten wir uns für dießmal begnügen, den ersten Versuch im Riemen zu machen; obfchon ich hier gleichwohl noch bemerken muß, daß wenn mein Institut nur Z oder 6 Jahre lang dauern sollte, und darinn alle Jahre 15 — 20 Schulmeister unterrichtet würden, auf diese Weise den meisten refor- 2§7 — mierten Gemeinden unsers Kantons brauchbare Schulmeister gegeben werden könnten. Folgende Bemerkung von B. Pfarrer Hastiger hat viel ähnliches mit obiger. Er schrieb mir nämlich : »Die Gründe, welche Sie wider die förmlichen » Seminarien vorbringen, haben mich ganz für Ihre » Meynung gestimmt; nur wünschte ich, daß ein In- »Mut — wie das Ihrige werden soll — mehrere »Mitarbeiter zählte, damit die Zöglinge in kurzer ,, Zeit ausgebildet, und dem Bedürfniß guter Schul- »lehrer desto bälder abgeholfen werden möchte. Ein ,, Mann von Ihrer Thätigkeit stände r. B. an der »Spitze von zwey Mitarbeitern; die Lehrstunden »würden abgewechselt, und die Schul-Candidaten »blieben beständig am Orte, wo der Unterricht ertheilt wird, bey ihren Mitbürgern in Kost und »Wohnung, nach ihrer hergebrachten Erziehung und »Lebensart. Soglaubteich, könnte man im Som- »mer - Semester für künftigen Winter wenigstens »brauchbare Leute bilden, re." Hierauf muß tch — nebst dem oben Gesagten — nur noch dieß antworten: daß mehr als die Hälfte meiner Schulmeister, worunter einige verheiratbete sind, keinen Unterricht würden anhören können, der, sechs bis acht Wochen anhaltend fortdauern, und sie so lange von ihren Haushaltungen uiMihren ein oder 26z mehrere Tage dauernden Sommerschulen und Feldarbeiten entfernt hielte. — Von einer andern Seite her wurde mir nachstehende Erinnerung gemacht: „Ihre Anfrage/ Vorschläge/ Anerbketungen, „ betreffend die Erziehung junger Leute zu künftigen „Schulmeistern / haben viel Gutes/ und sind — „meines Bedünkens — einem Seminarium weit vor-, „zuziehen. Allein so nehmen Sie mir auch die Be- „ merkung nicht übel/ daß/ da Wissenschaft und Theorie „ zwar unentbehrlich/ aber nur die Hälfte der Gaben „ und Talente, die einem Schulmanne nöthig sind/ „daß da eine beträchtliche Lücke übrig bleibt. Neben „dem/ daß Sie weitaussehende Geschäfte und eine „ schwere Pflicht auf Ihre bereitwilligen Schultern „ laden / möchte ich zweifeln, ob Sie ohne Kinder „aller Art/ ohne Lehrübung reüßieren können. In „meiner Gemeinde ist ein Schulmeister/ der bey „ einem andern rühmlich bekannten Schulmeister eines „mäßigen Dorfes in Kost gegeben worden, als er „ noch jünger war. Er aß, arbeitete auf den Gütern, „lehrte und lernte mit ihm, war noch einige Zeit „ sein Amtsgehilfe, und lernte so nicht nur freylich „blos unentbehrliche und bisher übliche Dinge, aber „ lernte zugleich ihre Anwendung, und durch Uebung »in dem Lehren bekam er eine sonst erst ru erlernende — 269 »Fertigkeit, als er die Schule antrat. Ware er » sonst ein lebhafterer, begabterer und kräftigerer »Mann, so glaubte, er dürste zu einem Exempel » dienen, daß junge, an gute Schulmeister zur Auf- » nähme in ihr Haus, ihre Schule u. s. w. abgegebene «Leute, zu denen der Pfarrer des Orts etwa auch »besonders schaute, am besten, leichtesten, wohlfeilsten, nicht nur die Kunst und Wissenschaft, sondern auch ihre Uebung und Anordnung, erlernten. »Oder, mein theurer Mann! ob nicht Ihr Vorschlag » vorangehen, und alsdann diese Praxis darauf folgen »sollte? Giebt es doch immer alternde gute Schul- » Meister, Schulen, die für Einen Mann überladen »sind; junge Leute, die nebst körperlichen auch andre »Uebungen wünschen, u.d. gl. — Eine wohlthätige » Gesellschaft in Zürich hat nieinen Schulmeister sein »Handwerk lernen lassen, ehe ich hieher kam, und »ich glaube zu bemerken, daß es bey aller seines » Langsamkeit u. s. w. nicht ohne Segen war." — Auf diese sehr richtigen Bemerkungen, die man vorzüglich im Herrogthum Würtemberg mit grossem Vortheile benuzt, antworte ich einerseits: daß ich bey der Entwerfung des Plans zu meinem Institut eine grosse Zahl wirklich angestellter und rum Theil verheiratheter junger Schulmeister im Auge hatte, die aus so leicht bemerkbaren Gründen, ru keinem 272 andern Schulmeister mehr in die Lehre gehen können ; anderseits: daß ich durchaus nicht Willens bin, mei, rren Schülern nur Theorie, sondern auch die Anwendung derselben beyzubringen, und daher wenigstens dir Hälfte der bestimmten Lehrzeit dazu anwenden werde: theils sie meine Lehr-Methode an etwa 24. Kindern, die ich aus meiner Schule in mein Lehr-Zimmer kommen lasse, in Praxi zu lehren, theils sie unter meiner Aufsicht an den Kindern selbst Versuche machen rn lassen; und endlich: daß ich mich überhaupt bemühen werde, mit den von mir unter- i richteten Schulmeistern auch nach geendigtem Unterrichte, in bleibender Verbindung zu stehen, ihre Schulen auch nachher zu besuchen, und ihnen auf j verschiedene Art zu nutzen. — ! Für unsere vaterländischen Landschulen ! würde dieses von unbeschreiblich grossem j Nuzen seyn, wenn in jedem Ranton, neben ! den gewöhnlichen Schul 7 Inspektoren zwey ? Ober Inspektoren wären (da, wo die Religions- ! Parteyen getheilt sind, ein reformierter und ein katholischer,) die jeder Ranton ordentlich be- * soldete, und die nicht nur die Schulen fleisstg ! besuchen, und den Erziehungs Räthen umständliche Rapporte und Vorschläge machen, sondern ! nach und nach die Landschulen überall einrich. ! ten, und den Schulmeistern durch Beyspiel und Lehre Anweisung ertheilen würden, ihr Schul- Amt immer zwekmäßiger zu verwalten. Auf diese Art könnten unsere Schulen nach und nach ganz umgeschaffen werden. VM. Gedanken über die Einrichtung eines Urbars der Schulmeister «Besoldungen. Den B. Joh. Rud. Daumgartner, Pfarrer zu Bargen, Kanton Bern. ES wird wohl keines Beweises bedürfen, daß eine anständige Besoldung der Land-Schulmeister zur Grundlage aller Entwürfe zu einem bessern Schul- System auf dem Lande dienen müsse. Qbne diese Grundlage wird das Gebäude, das man aufzurichten gedenkt, einstürzen, und zwar um desto eher, je höher man es aufzurichten gedachte. Nun ist es freylich dem also, daß gegenwärtig keine Vermehrung der Besoldungen der Schvllehrer ru hoffen tst; das hindert aber nicht, daß ihr geringes 272 Einkommen, wenigstens soll gesichert werden. Eine dahin zielende Anstalt, die sowohl ausführbar als zweckmässig ist, scheint mir die Einrichtung eines wenigstens für unsern Kanton dienenden Schul-Urbars zu seyn/-) Ich will zuerst die Ausführbarkeit und hernach die Zwekmässigkeit einer solchen Anstalt beweisen. Durch einen Schul-Urbar verstehe ich ein genaues und dokumentirtes Verzeichniß der Besoldungen aller Tand-Schulmeister unsers Kantons. Ich stelle mir die Errichtung eines solchen allgemeinen Schul-Urbars ungefähr also vor: Jeder Pfarrer erhält von dem Erriehungs-Rath den Auftrag , sich genau nach dem Einkommen der Schulen seiner Gemeinde zu erkundigen. Er wird begwältiget, die Kirchen- und andere Urbarien seiner Gemeinde, in denen die Einkünfte seiner Schulmeister dokumen- tirt sind, zu untersuchen. Er verfaßt über das Herauskommende ein genaues Verzeichniß, worinn er jeden Artikel ") Dieser interessante Vorschlag verdient allgemein ausgeführt zu werden, indem man hin und wieder eine Menge traurige Beweise von der schlechten Verwaltung der Schulfonds oder von der zwckwidrigen Anwendung derselben auffinden könnte. Anmerk. des Herausgebers. 273 Artikel ihres Einkommens, und wo er herrühre, besonders aussezt. Dem fügt er auch die Anzahl seiner Schulkinder bey. Ich werde in der Beylage ein solches Verzeichniß von dem Einkommen des hiesigen Schulmeisters beyfügen; nicht als Vorschrift oder Muster, sondern blos als rur Erläuterung meiner Idee. Dieß Verzeichniß legt er der Muniripalität und Gemeinds-Kammer seiner Kirchen-Gemeinde vor, und wenn sie dHelbe erdauret haben, so laßt er es von den Präsidenten derselben im Namen ihrer Gemeinden unterzeichnen. Seine und'der Schulmeister Unterschriften müssen dann auch dabey seyn. Er verfertigt zwey Doppel, die beyde von obbemeldten Personen müssen unterschrieben seyn. Eines derselben behalt er hinter sich, das andere sendet er dem Schul- Kommtssair seines Distrikts zu. — Dieser verfertigt gegen ein billiges Honorarium nach alphabethischer Ordnung der Kirch - Gemeinden seines Distrikts eine doppelte Abschrift dieser Verzeichnisse, läßt sie gerichtlich fidimiren, und schilt dann einen dieser Rodeln mit den Original-Verzeichnissen an den Erziehungs- Rath, den andern behält er hinter sich. So hat dann jeder Pfarrer das dokumentirte Verzeichniß der Einkommen der Schullehrer seinev Gemeinde, der Kommiffair die seines Distrikts, und der Erriehungi-Rach die des ganzen Kantons. Die S 274 Ausführbarkeit dieser Idee scheint mir durch das Vorhergehende genugsam erwiesen. Das Zweyte, die Zwekmässigkeit dieser Anstalt wird nicht schwer zu beweisen seyn. — Erstlich wird dadurch das Einkommen eines jeden Schullehrers durch die Unterschriften der Vorsteher der Gemeinden bestimmt und gesichert. Der Pfarrer kann dann über das Einkommen der Schulmeister seiner Gemeinde, der Schul-Inspektor über das des Samen Distrikts, und der Errichungs-Rath über das des ganzen Kantons wachen. Die Schulmeister können dann persönlich in keinen Zwist der Gemeinde über ihre Besoldung gerathen, sie zeigen es ihrem Pfarrer an, wenn sie sich übervorteilt zu seyn glauben. Findet der Pfarrer den Schulmeister in seinen Klagen gegründet, so übernimmt er es, die Gemeinde-Vorsteher zu Recht zu weisen, ohne daß der Schulmeister ferner zum Vorschein kommt. Nicht gelingenden Falls zeigt er es dem Schul-Kommiffair an; gelingt es auch diesem nicht, die Gemeinds-Vor- steher zu überzeugen, so weißt er das ganze Geschäft zum endlichen Entscheid an den Erziehungs - Rath. Sollte aber ein Schulmeister bey seinem Pfarrer nicht Gehör finden, so steht ihm der Zutritt zum Schul- Kommiffair, und von diesem an den Erriehungs-Rath selbst offen. -75 Zweitens wäre vielleicht das Mittel dienlich, nicht nur das gegenwärtige Einkommen der Schul- kehrer zu sichern, sondern auch verloren gegangene oder unterschlagene Artikel desselben wieder zu finden. Ich erinnere mich, gehört zu haben, daß beträchtliche Summen, die von der alten Obrigkeit zu Verbesserung der Landschulen sind gesteuert worden, zu anderm Gebrauch seyen verwendet worden. Die Aufrichtung von Schul-Urbarien könnte zu Entdekung solcher Defraudationen dienen, wenn dergleichen wirklich vorgegangen sind. Es ist begreiflich, daß mancher Schulmeister das nicht wissen kann, oder daß wenn er es schon weiß, er zu schwach und furchtsam ist, gegen mächtige Dorfregenten sein Recht zu behaupten. Freylich sollten dann auch die Pfarrer von der elenden Abhängigkeit von ihren Gemeinden durch die Sicherung ihres rechtmässigen Einkommens befreyt werden; welches nothwendig geschehen muß, wenn nicht die Landschulen zugleich mit dem Predigt- Amte zu Grunde gehen sollen. Denn wenn der Pfarrer nicht der Aufseher oder der Beschäm der Schul- lehrer seiner Gemeinde seyn kann, so ist es um sie geschehen; sie stehen und sie fallen mit ihm. Drittens würde die durch ein solches Werk bewirkte allgemeine Uebersicht aller Besoldungen der Land-Schullchrer, und der Quellen, aus denen sie S L — 276 stressen, in Bemerkungen leiten, die bey der Leitung des Schulwesens vielen Einfluß haben können. Z. B. Die grosse Verschiedenheit der Besoldungen beweist, wie zwekwidrig allgemein geltende Vorschriften in Absicht auf Schul-Pensa und Methode seyen, weil unmöglich von allen Schulmeistern das gleiche kann gefordert werden, daß folglich der Erziehungs-Rath besser thun wird, den Schul-Anfsehern und den Orts- Pfarrern zu überlassen, in jeder Schule das zu veranstalten, was sie den Fähigkeiten des Schulmeisters und der Schuljugend angemessen zu seyn erachten. Die Quellen, aus denen ein beträchtlicher Theil der Schulbesoldungen fließt, zeigen, wie die Abschaffung der Feudal-Abgaben die meisten Erriebungs- Anstalten auch auf dem Lande, so wie alle übrigen Institute rum Wohl der Menschheit zu Grunde gerichtet hat, oder daß viele Schulen ohne schleunige Wiederherstellung derselben eingehen müssen; da hingegen durch die Wiedereinführung derselben nach und nach Mittel zu ihrer Verbesserung könnten gefunden werden. Zu Erreichung dieses lezten Zweks, die Vermehrung der Schulmeister-Besoldungen, würde eine solche allgemeine Uebersicht ein nicht undienliches Vorberei- tungsmittel seyn. Sie würde zeigen, welche Schulen wegen ihres geringen Gehalts bey einer dennoch zahl- reichen Menge von Schülern, der Verbesserung vor» züglich bedürften, welche in Ansehung der HilfS- Quellen der Gemeinden derselben am fähigsten sind: denn Gemeinden, die weit ausgedehnte Gemein- Wiesen oder Weiden haben, können ohne fühlbaren Verlust ihrem Schulmeister ein Stük davon anweisen, und dadurch seine Besoldung um ein Beträchtliches erhöhen. Wann dann bey ruhigern Zeiten der Staat sich der Verbesserung der Schulen mit Nachdruk annehmen wird, so wird auch der Schul - Unterricht dem Volke Wichtiger, und die Schulmeister mehr geachtet werden. Und endlich könnte eine Gemeinde nach der andern in Zukunft aufgemuntert werden, Mittel ausfindig zu machen, die Besoldung ihrer Schullehrer ru verbessern. Besoldung der Schulmeister zu Bargen. r) An Dinkel aus dem Kirchengut: Mt. Ms. a. Von BodenZtnsen laut llrb. ^ 6 K. Von der.Baurrsamme.z yz 8um. Z Z! Jeder Bauer wird nach feinem Vermögen angelegt. 2) An Kernen aus dem Kirchengut: Von Bodeminsen laut vrb. xsg. r — Z) An Geld aus dem Kirchengut: Cr. Br. s. Für die Wintcrschule.4 10 b. Für die Sommcrschule laut ll. x. 3 iz 4) Von den Taunern, die nach ihrem Vermögen angelegt werden_1 7 Lum. y 7 8) An Erdreich: a. Ein Viertel-Jnchart im Rabried. b. Ein Achtel-Juchard beym Schulbaus. 6) Im Schulbause ist Wohnung für die Schulmeister: Zwey Gemächer, eine Küche, Estricht und Keller, aber keine Scheuer noch Stall.. Lied Uf d' Schulirtchtig i der Schwyz.' Uf d'Wys: Freut euch des Ledeus re. Von Bürger Pfarrer Hastiger in Hochdorf. Aus Veranlassung der öffentlichen Einsczüng -es Erziehungs- Ziaths im Kanton Luzern. C h o r. Lummledech Buben! Jetz muß der Nebel weg. D'Hvor us den Augen, Sind mer nid trag. r. Me ründt ech jetz kes Aempeli a, Wo d'Sunnen schint für jederma, Wer luege will, dä g'sed jetz g'wüß Den Sachen «fen Grund. Chor.' 2 . Drum nammer nur kes g'mohlets Glas, Wer g'sed mit löthigen Augen das. Wie d'Sachen öppen b'schaffen sind, Me b'schyst eim nid se g'schwind. Chor. 282 3 - Nur thuend mer nid grad d'Augen zu, 's Wird süst se feister, as ineren Kuh, Wenn 's Licht an scho es Bizlj brönnt, 's Macht luterr Augen nur. Chor. 4 - Der Adler treid die Jungen jo Für d'Sunnen ru, und g'send si do Der Sunnen styf und fest is G'sicht, So sinds em lieb und werth. Chor. Z. S'glich ist setz mit de Schulen g'scheh, Si sind setz ket Ehhafti meh Für g'wüßnig Lüt , 's darf jederma Ich lehren, was er will. Chor. 6 . Es brucht jo nur e guten Kopf, Und Flys, so kann en armer Tropf, So wyt, als wie der Richist cho, Wenn er si Sach verstohd. Chor. 7 - Drum thund men jetzig d'Schulen uf, Und lechrtech — Buben merkid druf! Die schönsten Pflichten gegenand. Und Gott, und Vaterland. Chor» 281 8 . Das hed die neu Regierig g'macht, Wo gern für eüsers Beste wacht, Si nimmt si drum der Schulen setz Mit allem Jftr a. y. Drum gönd i d'Schul mit allem Flyß, Und lehrid lesen uf alli Wys, Sygs g'stochen, g'schrieben oder druckt/ Und wars noch roth segar! 10 . Und s'Schryben — Buben! ist e Sach. Für au mit denen antem Bach Es Wörtli r'reden i der Still; Es kräht ke Hahn derno. ir. Wer rechnen lehrt, dä ka de Wirth, Au wenn er d'Kriden dopplet führt/ Nid b'schysen/ wyl er selber weiß/ Was öppen g'schlagen hed. Chor. Chor. Chor. Chor.' X Verordnungen, Nachrichten, Anekdoten re. das Schweizerische Land-Schulwesen betreffend. r. Instruktionen für die Adjunkten der Erztchurig§- Räthe. Bürger! Ihr seyd es, in denen ich gleichsam ein Pfand unserer künftigen allgemeinen National-Veredlung sehe. Einst — wenn auch der Zeitpunkt vielleicht noch ferne seyn sollte — wird die öffentliche Erziehung heilige Angelegenheit aller Bürger werden. Alsdann mag es überflüßig seyn, so genau die Rechte und Pflichten der einzelnen Angestellten zu sondern und zu bestimmen, denn der Gemeingeist Aller ist der beste Wächter und Beförderer der öffentlichen Erziehung. Euere Ernennung weist schon jezt auf dieses Ziel hin. Die Regierung sieht in Euch Männer, welche von jenem Gemeingeiste beseelt, im Fall sind, kräftig zu den Verbesserungen des Schulwesens mit zu wirken, und hält Euch für würdig: in «»- bestimmter Anzahl an jenen Verrichtungen Antheil zu nehmen, welche die Vorsteher des Erziehungs- wesens zwekmäßig erachten. Ihr reprasentirt gleichsam die ganze immer steigende Menge nneigennüztger Freunde der allgemeinen Aufklärung, welche sich in mannigfaltigen Verhältnissen an die Beamten anschließen, welchen die nähere Aufsicht über diese grosse Angelegenheit aufgetragen ist. Um Euch über Euere Verhältnisse richtige Begriffe zu geben, wollen wir zuerst einen Blik auf die Grundsäze werfen, auf denen Euere Anstellung beruht, und dann die daraus fliessenden Rechte nutz Pflichten auseinander sezen. Erster Abschnitt. Wenn Ihr diese Grundsäze prüfet: so werdet Ihr bald die Erwartungen entdeken, welche die Regierung von Euch nährt; Ihr werdet überhaupt leichter in den Geist Eucrer Bestimmung eindringen. i. Alle Theile des Rantons sollen durch Euch tmErziehungs-Rath repräsentier werden. Es ist offenbar: daß hier, wo es auf Vorzüge der Einsicht und der persönlichen Verhältnisse alles ankömmt, politische Lokal-Verhältnisse wenig sollen in Anschlag gebracht werden, und daher kann und soll jene Repräsentation nicht rechtlich oder bürgerlich 284 vertheilt werden. Ein Distrikt wird mehr würdige Männer liefern als- der andere; der aufgeklärte Patriotismus verträgt sich nicht mit einem kleinlichen Lokalitäts-Geist, er schließt jede Eifersucht aus, welche der kerkere erzeugt. Nichts desto weniger war es wichtig den Wahn ru entfernen, als ob nur im Hauptorte die rwekmäßigen Schulverbefferungen könnten vorbereitet werden. Die Schulinspektoren in den Distrikten haben zwar in Angelegenheiten ihres Bezirks Siz und Stimme im Erziehmgs-Rath, allein es könnte dennoch scheinen, die einzelnen Theile des Kantons liefern nicht unmittelbar genug ihre Beyträge zur Leitung des Ganzen, und dieser Einwendung ward nun durch Euere Ernennung begegnet. 2. Ihr sollet durch Euere Theilnahme an den wichtigen Deliberationen des ErziehungsRaths die Masse seiner allgemeinen Einsichten sowohl, als seiner Renntntsse vermehren. Hier wird es besonders klar, worinn Euere Bestimmung von derjenigen der Schul-Jnspektoren abweicht. Da diese mit der Exekution beschäftigt sind, und der Detail der Schul-Aufsicht ihnen obliegt: so kann man ru ihren Stellen nur solche Männer wählen, deren Aufenthaltsort, Muße, Fertigkeit, Alter «. s. w. jene Geschäfte erleichtern. Bey den Adjmrk- ten rönnen die einen oder andern jener Bedingungen vermißt werden, wenn er nur durch warmes Intereße für den Gegenstand, durch Kenntnisse und Verdienste, durch richtige Begriffe über öffentliche Erziehung, sich dazu eignet, an den allgemeinen Deliberationen des Erriehungs-Raths Antheil zu nehmen. 'Es braucht dann nur noch hinzu zu kommen: daß es ihm leicht werde, ziemlich oft den wichtigern Sizun- gen des Erriehungs - Raths beyzuwohnen; so wird die Coordination der Adjunkten jede Einseitigkeit verdrängen, und der Verrath sorgfältig geläuterter Einsichten wird sich vermehren. Als bedeutende Erweiterung jener Vielseitigkeit kann auch der Vortheil gelten, daß durch die Ernennung der Adjunkten das gehörige Verhältniß zwischen den verschiedenen Con- fessionen in den paritätischen Kantonen erzielt werden kann. 3. Das Ansehen des Erziehungs-Raths soll durch Euch erhöht werden. Dieser Zweck wird offenbar schon dadurch erreicht, daß die Regierung die Ernennung eines Adjunkten sich selbst vorbehält, um dadurch Verdienste auszuzeichnen, und durch ihren unzweydeutigen Beyfall zu belohnen. Ueberdies wird das Zutrauen des Volkes gegen ein Kollegium steigen, wenn es seine geschärtesten Mitbürger als Mitglieder desselben kennt, und wenn ihm diese in — 286 — Allen Gegenden des Kantons nahe sind. Leichter werden so Gleichgültigkeit und Vorurtheile gegen die Anstalt selbst verdrängt. Zweyter Abschnitt. Rechte und Pflichten der Adjunkten. §. i. Verhältniß der Adjunkten zu dem Erziehungs-Rath. 1. Die Adjunkten sind eigentliche Mitglieder des Erziehungs-Naths, welche mit den ordentlichen Bei- sizem alle Rechte und Pflichten gemein haben, und sich nur dadurch von diesen unterscheiden, daß sie ausserordentlich, ohne einen gesezlichen Vorschlag des Erriehnngs-Naths unmittelbar von der Regierung ernannt werden, daß sie in unbestimmter Anzahl dem Erziehungs - Rathe beygeordnet sind, und daß sie bey ihrem Abgang nicht regelmäßig wieder ergänzt werden. 2. Die Adjunkten können also allen Sizungen des Erziehungs-Raths beiwohnen, und werden, wenn sie am Hauptorte oder im Umkreise einer halben Stunde wohnen, regelmäßig dazu eingeladen. Die entferntem können sich ihres Rechtes so oft bedienen, als sie wollen, allein in wichtigen Fällen werden sie ebenfalls zu den Zusammenkünften ringe- laden. Diese Fälle sind vorzunehmende Wahlen, Prüfung von Entwürfen, welche auf Errichtung neuer Institute zielen, oder auf wichtige Umschmel- l rungen der gegenwärtigen, in so fern dabey nicht E eine schon vorhandene Rege! nur auf locale Umstände angepaßt wird, ferner feyerliche Handlungen bey > Volksfesten, u. s. w., und endlich überhaupt solche Angelegenheiten, welche das Allgemeine des Schul- ! und Erziehungswesens betreffen, oder doch in ihrem ! Kanton einen weit verbreiteten Einfluß haben können. 3. Da es sich vor dem Entscheid der Gesergeber und bey den geringen Hilfsquellen des Staats über Indemnitäten nichts bestimmtes sagen läßt: so können ! auch den Adjunkten keine solchen zugesichert werden. ! Die einzige, die ihnen nicht fehlen kann, ist das ^ Bewußtseyn, so viel an Ihnen war, Gutes gestiftet, und ihre Nation, deren Kulturzustand und Sittlichkeit auf ihr und ihrer Kinder Wohlseyn mächtig zu» rük wirken muß, vor Rohheit und dem gänzliche» Versinken in Laster und Finsterniß bewahrt zu haben. 4. Der Erziehungs - Rath kann denselben beson- , dere Aufträge ertheilen, ohne jedoch, daß seine j Autorität in den Distrikten sich weiter erstreke, als diese Vollmachten, und der folgende §. es mitgeben. 288 8 . 2 . Von dem Verhältnisse der Adjunkten zu den Schud v.. Inspektoren. r. Die Stelle eines Adjunkten ist keineswegs unverträglich mit der Stelle eines Schul-Jnspektors, und nur in so fern ist ihre Trennung erwünscht, als dadurch die Zahl der Beförderer des öffentlichen Unterrichts vermehrt wird , und als bey der nachhe- rigen Verbindung des Adjunkten mit dem Schul- Jnspekkor und seinem Suppleanten ein kleines Kollegium gebildet werden kann. 2. Ein solches Kollegium, welches nach Gutbe- sinden , und nach den Local - Umständen auf eine unbestimmte Anzahl vermehrt werden kaun, soll z. E. in denjenigen Distrikten Plaz haben, wo sich einzelne Schulanstalten zu Litterar- oder Kunstschulen erheben. Dem Schul-Inspektor kann da nicht zuge- muthet werden, daß er die Aufsicht und Leitung solcher Anstalten einzig übernehme, mithin sind ihm in jenenBeamten schon natürliche Gehilfen angewiesen. 3. Der Adjunkt wird indeß nie die Geschäfte des Schul-Jnspektors ohne besondern Auftrag übernehmen, oder in dieselben eingreiffen, indem er keineswegs, so wie es bey den leztern der Fall ist, betrachtet werden kann, M irgend einem bestimmten Distrikt eigentlich angewiesen. 4 . Der. 28Y 4- Der Schnl^ Inspektor kann seinen Suppkeam ten oder einen nachbarlichen Adjunkten einladen, wenn sie als Schiedrichter Schul-Zwistigkeiten auszugleichen versuchen. Ihre Verrichtungen haben indeß keine diplomatische, sondern bloß schiedsrichterliche Kraft, und sie sollen die Resultate desselben dem Erziehungs - Rathe einberichten. 5. Die Schul-Iuspektoren werden darauf sehen, daß den Adjunkten, in so fern sie bloß als rathge- bende Aufseher, als Zeugen des Fortgangs oder der Mangel des öffentlichen Unterrichts die Schulen besuchen , alle Achtung erzeigt werde. Die Schul- lehrer sollen ihnen über alles Auskunft geben, was sie zur Berichtigung ihres Urtheils ru wissen nöthig haben. B.B. Adjunkten, ich hoffe nunmehr, daß das Ehrenvolle Eures Berufs Euch ermuntern werde, Euere Einsichten oft und gerne auf den Altar des Vaterlandes niederzulegen. Wenn in allen Gegenden unserer Republik die öffentliche Erziehung in den Händen thätiger, uneigennmiger Bürger ruht: so dürfen wir politische Stürme weniger fürchten, unser Volk wird verwahrt bleiben vor Barbarey und vor sittlicher Verwilderung. — Wir wollen fest halten Hand in Hand, und jedem eindringenden Feinde^ r dem Laster und der Unwissenheit widerstehen. Muth und Eintracht sey unsere Losung. Gruß und Bruderliebe! Der Minister der Wissenschaften, Stapfte. 2 . Der Erziehimgs - Rath -eS Kantons Aargau, an die Lehrer in den Landschulen dieses Kantons. Bürger! So wie die schädlichen Folgen einer gänzlichen leider so allgemein herrschenden Unwissenheit in den ersten und nothwendigsten Kenntnissen, sich nie stärker und augenscheinlicher gezeigt haben, als in diesen bedrängten Zeiten, so sind doch dadurch viele aus ihrer Sorglosigkeit gewekt, und der Eifer für eine ^ bessere, vernünftigere und sorgfältigere Erziehung der j Jugend rege gemacht worden. Eltern fangen an, die ! hohe Nothwendigkeit derselben, und die heilige Pflicht, I welche sie deshalben auf sich haben, lebhafter zu füh- i len und einzusehen. Die Jugend zeigt hin und wieder ! Spuren von vermehrter Lernbegierde. Die Lehrer sind aufmerksamer geworden auf die schädlichen Folgen «einer schlechten Schule, und auf den Segen, welchen syr —- sie durch eine treue und geschickte Führung ihres Amtes über viele verbreiten können. Bey den genauen Erkundigungen, welche wir hierüber pflichtmässig in unserm Kantone eingesammelt , haben wir in einigen Gemeinden die erfreulichsten und ermunterndsten Beweise gefunden, und wir machen es uns rur Pflicht, denjenigen Lehrern unter euch, die tror aller Hindernisse den Muth nicht sinken liessen, die an ihrer Schule mit erneuerter Thätigkeit arbeiteten, und den Rath und die Anweisungen ihrer Vorsteher gerne annahmen und gewissenhaft bcnuzen, hiemit öffentlich unsern Beyfall, so wie den Dank aller Freunde der Jugend zu bezeugen. Indessen dürfen wir es euch von der andern Seite nicht verbergen, daß im Ganzen genommen in dem verflossenen Jahre für das Beste der Schulen nicht so viel gethan worden ist, als hätte gethan werden können und sollen. Es ist wahr, daß der Drang der Zeiten den besten Wünschen und Absichten oft unübersteigliche Hindernisse entgegengeht hat. Aber eben so wahr ist es, daß viele sich dadurch zu einer Gleichgültigkeit und Mutlosigkeit hinreisten liessen, welche ihnen selbst zu ausführbaren Schul - Verbesserungen Kraft und Willen benahm. Daher ist es denn auch gekommen, daß unsere Bp mühungen für die Aufnahme der Schulen so wenig ! Unterstüzung fanden, und daß die wenigen Verord- j nungen, die wir euch in unserm Sendschreiben vom vorigen Jahre gaben, beynahe allenthalben versäumt wurden. So wie uns aber von unserer Landes-Regierung die Oberaufsicht über sämmtliche Schulen dieses Kan- ! tsns anvertraut worden, so ist es unsere heilige Pflicht, über die Mittel ernsthaft nachzudenken, wodurch die Schulen für mehr als 14,022 Kinder erhalten und in Aufnahme gebracht werden können, dann aber auch über die Ausführung der dahin zwekenden Ve» »rdnungen genau zu wachen. Es ist nicht darum zu thun, nur von dem Guten zu sprechen, sondern daß «in jeder, dem Gott Gaben verliehen hat, und der sein Vaterland redlich liebt, die Hand ans Werk lege und sein Schärfchen beytrage, damit das kommende Geschlecht besser, verständiger, Gott und dem Vaterlande treuer werde, als es das gegenwärtige gewesen ist. Nachlaßigkeit, Mißmuth oder Böswillig» ! keit sind nirgends strafbarer, als wenn es um das ! Weste der Jugend zu thun ist. Zu diesem Ende hin erneuern wir unsere Ver« mdnungen vom vorigen Jahre, und machen euch besonders aufmerksam auf den dritten Artikel, betreffend die so nöthige und für die Erleichterung 2Y3 euerer mühsamen Arbeit so wichtige Massen-Ein- theilung der Schul - Rinder. Lage und Umstände können hierüber einige Veränderungen nöthig machen, und ihr werdet euch deshalben an euere ersten und nächsten Aufseher und Rathgeber, an Euere Bürger Pfarrer wenden. Daß aber dadurch nichts Unmögliches anbefohlen werde, erhellet daraus, daß diese Klassen - Eintheilung gerade so, wie wir sie euch vorgeschrieben haben, schon seit vielen Jahren in einer der größten Gemeinden unsers Kantons mit grossem Nuzen befolget wird. Diesen Verordnungen fügen wir noch einige Artikel über die Verzeichnisse der Schulkinder bey. r. Die Schullehrer sollen gehakten seyn, während der Winterschule jeden ketten Sonntag im Monat ein genaues Verreichniß der Versäumnisse ihrer Schulkinder ihrem Bürger Pfarrer zu übergeben. 2.^ Die saumseligen Kinder oder ihre Eltern werden von dem Bürger Pfarrer mit Zuziehung eines von ihm zu wählenden Munizipalbeamten vor sich beschützen, um die nöthigen Vorstellungen zu empfangen. z. Nach Verfluß eines Monats zeigt der Bürger Pfarrer dem Inspektor diejenigen an, bey denen seine Ermahnungen fruchtlos gewesen, und der Inspektor wird sie sogleich vor sich bescheiden lassen. -94 4' Nach Verlauf einer Monats oder je nach den Umständen früher berichtet der Bürger Pfarrer dem Inspektor den Erfolg dieser zweyten Ermahnung. Ist diese ohne Wirkung geblieben, so wird der Inspektor dem Erziehungsrathe die Widerspenstigen anzeigen, der das fernere verfügen wird. Verdienstlofigkeit und Armuth werden zwar leider viele Hindernisse in den Weg legen, welche die genaue Ausführung dieser Verordnung unmöglich machen. Ihre Befolgung ist aber nichts destoweniger wichtig, weil die traurige Erfahrung lehrt, daß auch Müßiggang, Gewissenlosigkeit und Verachtung der heiligsten elterlichen Pflichten hin und wieder sich durch Armmh entschuldigen wollen. Um demnach auch unter den Kindern einen löblichen Wetteifer zu erregen, werdet ihr ihnen anzeigen , daß wir nach Verlauf der Winterschulen unter den bravsten und fleißigsten Schulkindern in einem jedem Bezirke eine gewisse Anzahl von silbernen Schulpfenningen vertheilen werden. Wir bedauren es sehr, Bürger Schullehrer! daß unsere Regierung ausser Stand ist, unsere mehr- malen wiederholten Bitten zu erfüllen, und Uns einige Mittel in die Hände zu geben, wodurch Wir das geringe Einkommen vieler unter Euch hätten verbessern können. Wir haben deßhalben unsere Zu- flucht zu großmüthigen Mitbürgern genommen, und durch ihre Unterstützung sind Wir in den Stand gesezt worden, denjenigen unter Euch, die sich im Laufe dieses Winters auszeichnen, und ihre Schüler mit Gewissenhaftigkeit und Einsicht in dem, was für sie zu wissen nothwendig ist, unterrichten werden, eine Belohnung zusichern ru können. Ihr habet aber noch würdigere und mächtigere Beweggründe, als diesen, um unter Gottes Beystand , und unter der Leitung Euerer Bürger Pfarrer und Inspektoren, diesen Winter durch des Guten so viel zu thun, als immer in euern Kräften steht. Sowohl die Begierde, die allen redlichen Männern zukömmt, den ihnen obliegenden Pflichten bestmöglich Genüge zu leisten, als die Ueberzeugung, daß ihr durch treue Arbeit herrlichen Segen stiften könnet, sey euch immer gegenwärtig bey der Erfüllung euers mühsamen Berufes, und Gott schenke euch dam Gesundheit und heitern Muth! — Aarau, den 6. Wintermonat 1800. Republikanischer Gruß! Im Namen des Erziehungs-Raths, Guter, Präsident. Rahn, Aktuar. — 2y6 z. Der Erziehungs'Nath -es Kantons Zürich an seine Mitbürger. Die Zeit ist da , zu welcher die gewohnte Winterschule wieder ihren Anfang nehmen soll. Unsre Pflicht erfordert es, ein Wort der Ermahnung mit Euch zu reden. Vor einem Jahre haben wir Euch vorgestellt, wie unentbehrlich es für das Glük Eurer Kinder sey, sie fleißig zur Schule zu schiken. Habet Ihr diese Vorstellungen beherziget? Habet Ihr ihnen Folge geleistet? — Wie mancher aus Euch wird sich diese Fragen mit Nein beantworten müssen; aber gewiß werden es auch alle, frühe oder späte, bereuen, daß sie unserm Rath nicht gefolgt haben. Wie wehe mußte es uns thun, beynahe aus allen Distrikten die wiederholte Klage zu hören, wie schlecht die Schulen besucht werden. Und was thaten mittlerweile Eure Kinder? Schaarenweise zogen sie dem Bettel nach, gewöhnten sich an den Müßiggang und lernten oft viel Böses. Wie wollt Ihr, Eltern! Euch einst für diese sündliche Vernachläßi- gung Eurer Kinder vor dem höchsten Richter verantworten? Die Kinder sind ein Gut, welches Euch Gott anvertraut hat, und für dessen schlechte Besorgung Ihr Euch sein gröstes Mißfallen zuziehet. 2Y7 Suchet keine Entschuldigung in den Zeiten. Gab es nicht auch noch viele brave, rechtschaffene Reitern, gab es nicht ganze Gemeinden, welche bey aller Armuth ihre Kinder alle Tage fleißig und ordentlich zur Schule schikten, und sich ein Gewissen daraus machten, es nicht zu thun? Kohl ihnen! Sie werden die Früchte davon an ihren Kindern sehen. Sie werden die Freude jerleben, folgsame, geschikte, in allem Guten wohl unterrichtete Kinder zu haben, und diese Tugenden werden die Kinder in ihrem ganzen Leben besizen. Denn wie man sich in der Jugend gewöhnt, so ist man auch im Alter. — Jene Nachlaßigen aber, die ihre Aeltern-Pflicht so schimpflich vergessen, werden durch Strenge zu dem gezwungen werden, was sie, wenn sie wahre Liebe zu ihren Kindern hätten, mit Freuden von selbst aus eignem Antriebe thun sollten. Nie wird die Regierung, nie werden die Vorsteher der Erziehung zugeben, daß Unwissenheit und Laster in den Seelen der zarten Jugend erwachse, und über das kommende Geschlecht noch grösseres Elend verbreite. Nein! zwingen wird man die Hartnakigen, welche der Vernunft kein Gehör geben. Ihre bisherige Vernachläßigung soll ihnen nichts genüzt haben: die Kinder sollen nicht eher aus der Alltagsschule entlassen werden, als bis sie über, den Grad ihrer Kenntnisse gehörig geprüft -98 Worden sind, und gereizt haben, daß sie wissen, was sie wissen sollen. Jeder nachläßige Vater hat es sich selbst zuzuschreiben, wenn seine Kinder ein oder zwey Jahre langer in die Schule gehen müssen, weil er sie nicht fleißig schilt. Doch laßt uns das beste hoffen. Laßt uns hoffen, daß das gute Beyspiel und das erwachende Gefühl der Pflicht ohne Strenge bewirken werde, was geschehen muß. Ihnen, würdige B.B. Pfarrer! bezeugen wir bey dieser Gelegenheit unsern herzlichsten Dank, für den unermüdeten Eifer, mit welchem Sie die Aufsicht über ihre Gemeindsschulen besorgten. Ohne diese Ihre Aufsicht, in welcher Sie von der Regierung auf das kräftigste geschütt werden müssen, ist jede andere Aufsicht schwach und unzureichend. Zwar hat sich hie und da der irrige Wahn eingeschlichen, als ob Ihnen diese Aufsicht benommen worden sey. Mein nichts weniger. Wir haben im Gegentheil von der Regierung den Auftrag, ihnen zu erklären, daß sie auf diese Ihre Aufsicht rechne, und Sie in allen Rüksichten mit dem verdienten Dank unter- stüzen werde. Ihre Bemühungen, vereint mit den Bemühungen der treflichen Schul-Jnspektoren, denen unser Herz und Mund unsre innige Achtung bezeugt, werden dem immer weiter greifenden Strome der Nachlässigkeit Einhalt thun. 2Y9 Dazu sollen' besonders auch die Vorsteher der Gemeinden an ihrem Ortes'auf das kräftigste mitwirken. Ihr/ Bürger Munizipalbeamte! seyd in Wicht genommen/ mit Ernst und Nachdruk diejenigen aus Euren Gemeinden / welche den Schulbesuch vernachläßigen / dazu anzuhalten / und die Widerspenstigen dem B. Schul-Jnspektor anzuzeigen. Ihr seyd in Pflicht genommen / für alles das / was der Schule gehört/ die gewissenhafteste Sorge zu tragen/ und nie zu gestatten / daß etwas davon zu einem andern Gebrauche verwendet/ oder die Schulstube in eine Wachtstube verwandelt werde. Ihr seyd in Pflicht genommen / dem Schulmeister die Besoldung/ welche er von Kirchen- Gemeind- und Armen-Gut zu beziehen hat/ zur Verfallzeit gebührend und ganz zu entrichten / und ihm zu dem zu verhelfen / was ihm jeder einzelne Gemeindsbürger als Schullohn schuldig seyn mag. In allem/ was diesen Gegenstand betrift / habet Ihr die BB. Pfarrer als Eure vornehmsten Führer und Rathgeber zu betrachten: sie sind es / deren Einsichten und gemeinnüziger Eifer Euch in allen diesen Geschäften vorzüglich zu statten kommen / und den glüklichen Erfolg Eurer pflicht- mäßigen Bemühungen hauptsächlich befördern wird. Ihr habet ein schönes Werk verrichtet / wenn Ihr in die Schulen Eurer Gemeinden Ordnung bringen helfet. Wenn Ihr saumselig seyd, so werdet Ihr der Verantwortung nicht entgehen. So möge denn die gütige Gottheit das schöne Werk der Erziehung für Religion und Tugend segnen, jeden, der dazu wirken soll, mit höherer Kraft starken , Lust und Liebe zum Lernen bey der zarten Jugend erweken, und das Vaterland vor Unwissenheit rmd Laster gnädig bewahren! Zürich, den 29. Weinmonat 1820. 3m Namen -es Erziehungs-Raths, Pros. Bremi, Aktuar desselben. Gesehen, und in allen Theile» amtlich bekräftigt, und zu pünktlicher Vollziehung anbefohlen: der RegierungS - Statthalter, Ulrich. 4 » Der Erziehungs-Rath des Kant. Schaffhausen, an die Hausväter zu Stadt und Land. Bürger! Unter allen Theilen der öffentlichen Verwaltung verdiente und erhielt bey denen in unserm Vaterland damit vorgegangenen Veränderungen wohl keiner mehr die Aufmerksamkeit des Volkes und die Sorge der Regierung, als der, Welcher die Erziehung der Jugend zum Gegenstand hat. Jenes fühlte lebhaft das Bedürfniß, alle dahin einschlagende Anstalten beyzubehalten und zu vervollkommnen, und diese beschäftigte sich frühe mit den Mitteln, einem so billige» Wunsche zu entsprechen. Der erste Schritt dar» wurde mit Anordnung eines Colleginms gemacht, welches das gesammte Schul - und Erziehungswesen unsers Kantons leiten, und die in Absicht auf dasselbe von der Regierung getroffene Maaßregeln in Ausführung bringen sollte. Dieser von seiner Bestimmung benannte Erzie- hungs Rarh ist es, der sich heute rum erstenmal a» euch, liebe Mitbürger, wendet, um euch zu sagen, was ihr von ihm zu erwarten habt, und was Er hingegen von euch erwartet. Was uns anbelangt, ss kannten wir zwar zum Theil schon aus Erfahrung die Schwierigkeiten, mit denen wir zu kämpfen habe» würden; dennoch unterzogen wir uns willig einem s» mühevollen Auftrage, in der Zuversicht, es werde jeder, der das Vaterland liebt, uns in einer für dasselbe so wichtigen Arbeit zu unkerstvzen bereit seyn. Besonders konnten wir uns der Mitwirkung der Lehrer der Religwn um so eher versichert halten, da der Unterricht in derselben mit dem, welcher der Jugend in den übrigen Kenntnissen ertheilt wird, s- Z22 innig vttwebt ist, daß die Sorge für die Schulen einen wesentlichen Theil ihrer Pflichten ausmachet. Um ihnen und uns die Arbeit zu erleichtern, wurde in jedem Distrikt einer derselben mit der Aufsicht auf alle dahin gehörige Schulen annoch besonders beladen, um durch dessen Mittel desto schneller und gleichförmiger auf sie wirken zu können. Nun legten wir unverzüglich Hand an das Werk, und richteten zuerst unser Augenmerk dahin, uns von dem Zustand des Schul- und Erziehungswesens zu Stadt und Land eine vollständige Kenntniß zu verschaffen. Das Feld ist zu groß, als daß unsere Arbeit in diesem Fache schon vollendet seyn könnte, aber doch ist selbige so weit gediehen, daß wir solches übersehen, und Maaßregeln zu dessen Bearbeitung treffen können. Mit Dank gegen unsere in Gott ruhende Vorfahren fanden wir, daß es an Anstalten zum Unterricht bey uns nicht fehlet, und es nicht sowohl darum ru thun ist, neue zu stiften, als die bereits vorhandene den gegenwärtigen Bedürfnissen gemäß einzurichten , und die Lehrmittel dabey anzuwenden, die unser Zeitalter in grösserer Menge und Vollkommenheit anbietet. Wenn hier diejenigen Gemeinden eine Ausnahme Machen, deren Volksmenge so zugenommen, daß die 3°3 vorige Zahl der Lehrer, oder der Raum der Schuk- Gebäude nicht zureicht!; wenn lettere sich nicht allenthalben in einem Zustand befinden, der ihrem Endzweck entspricht; wenn es sogar hie und da an Lehrern gebricht, die alle erforderliche oder doch wünschens- werthe Eigenschaften in sich vereinigen; wenn endlich die Lasten des Kriegs noch immer hart auf uns liegen, und uns nicht erlauben, jezo schon an Verbesserungen zu denken, die einen nur etwas beträchtlichen Aufwand erfordern, so dürfen wir darum den Muth nicht sinken lassen. Er und ein fester Wille übersteigen alle Hindernisse, eröffnen Hilfsquellen, wo man keine vermuthete, finden oder bilden sich selbst die nöthigen Werkzeuge. Die Bereitwilligkeit, womit die Vorsteher mehr als einer Gemeinde, sowohl als die mit deren Zuzug von uns bereits angestellte Lehrer, sich unsere Rathe und Verfügungen gefallen lassen, und der lobenswertste Eifer, den sie hierinfalls bezeugen, berechtigt uns zu der Erwartung, ihr Beyspiel durchgehends defolgt, und bald zwischen allen Gemeinden einen edlen Wetteifer entstehen zusehen, welche unter ihnen die beste Schule, und an derselben die besten Lehrer besire. Allein wenn wir uns so angenehmen Hoffnungen Überlassen wollen, so hält uns der Gedanke an ein Uebel rnrük, welches wir bey dieser Gelegenheit in seiner ganzen Grösse kennen lernten. Wer sollte es glauben, daß gerade die, für welche allein Schul- und Erziehungs - Anstalten da sind, davon gar keinen oder nur einen solchen Gebrauch machen, der kaum diesen Namen verdient? Daß aber dieses nichts desto weniger wirklich der Fall seye, beweiset schon die unglaubliche Abnahme der Schülerzahl gegen die, so ehedem des öffentlichen Unterrichts genossen, noch mehr die ungeheure Menge der Schnl-Versäumnissen, welche die noch übrige sich zu Schulden kommen lassen. Jene Abnahme ist nicht allenthalben sichtbar^ diese ist zu Stadt und Land gleich gemein und vermehrt sich noch täglich. Jene liesse sich noch aus einem leicht zu hebenden Dorurtheil gegen die Einrichtung unserer Schul- Anstalten erklären; diese verräth eine Gleichgültigkeit^ gegen alles Gute, der ungleich schwerer beyzukommerr ist. Beyde erfüllen uns mit Schreken für die Gegenwart und mit banger Bessrgniß für die Ankunft. Allein statt mnmer Klagen, die doch das Uebel Nicht heilen, denken wir lieber auf Mittel, demselben Einhalt zu thust, und wählen vorzüglich das sanftere der Neberredung, weil wir fühlen, daß blose Geseze selbst bey der strengsten Handhabung rmkräftig bleibm werden, werden/ gelingt es uns nicht/ die Eltern selbst für die gute Sache — die Sache ihrer eigenen Kinder — zu gewinnen. Den Lehrern der Religion sehe es überlaste«/ ihnen die Bewegungsgründe an das Herz zu legen, die sie für die Beobachtung der Eltern-Pflicht in einem so wichtigen Stük der Erziehung an die Hand gtebk- und sie an die schwere Verantwortung zu erinnern/ deren sie sich durch ihre Vernachläßigung schuld!- machen. ' - - Nur einen Punkt dürfen wir nicht unberührt vorbey gehen / auf den'wir mit ihnen um so mehr M meinschaftlich anzudringen nöthig finden/ da die mch- rern von uns zugleich den Kirchen-Rath 'ausmachen. ' Ihr wisset/ daß ein Theil des Religions-l^tiM richts von den Lehrern selbst der Jugend in Gegenwart der schünde ertheilt'wE , galtet ihr die klingen Uni' Besuch dieser sogenannten Ärn-erlehreft, deren GegeManv' aber den Erwachsenest nicht mindM wichtig ist, fleissig an, wohnet ihr ihnen' selbst öeh>' so ist schon" eiw Groffes 'für ^ dls'.SchUlen gewonnen: denn dteseMortrüge selbst sollen gar^mch ihrem ZwekF änf welchen 'zuriiMiführen wir:'Bedacht zu nehckM entschlossen find , nichts-anders als eine den Wahrheiten der Religion ausschließliche tzMdmete-"d»W u SMsdiklMche Handlungen geheiligte und ftyerlich gemachte Sonntags- Schule seyn. Was wir euch in unserm eigenen Namen vorzustellen haben , darf — so uncrschöpfiich der Gegenstand ist nur kurz seyn.. Lauft doch alles auf die ^ Frage hinaus: -Wünschet ihr , gute, gehorsame, in diesem und in jenem Leben- glükliche Kinder zu haben, ! pder selch chr gegen das zeitliche und ewige Schiksal ! derselbe)! gleichgültig? -So tief gesunken ist hoffentlich keiner unter euch, der es wäre, wenigstens es zu ! Hyq sich Mß. ru -Wchep wagte. Seyd ihr es nicht, My! so dürfet ihr es auch mchk gegen die Wttel seyn, yrelche dazu führen, Erziehung und Unterricht sind diese Mittel, dje vielen durch die öffentlichen Schulen ^ einzig möglich gemacht, allen aber unendlich erleich- ^ M'werdrm ^ " 7 spitzn ffg abzn.dich wohlthätige Äjrkung aus- ! W/. so .müffxt -ihx hry Hrxm Gebrauch fqlgxnde M > gelff beökWen, He eMM H-hrheüssiM von selbst > «H^siühwe'tchi^Mlfiuchren.«erden.,^ ^ : u, .Frühesost MMbey^ denKOem Lee Wunsch, an ! hgy-..SchuiMrbMrn:, Theil, zunehmen,, .rege gemacht-. . Srkretair -es Erziehung^- Raths, Man dach. — Z09 — Beylage a>r die Geistlichen des KMons. Bürger Pfarrer! Durch das Mittel des Bürger Erziehung? - Inspektors wird die gedrukte Beylage ihnen mit dem Auftrage zugesendet, selbige auf den ersten Sonntag des nächsteingehenden Jahrs, als den 4ten künftigen Ienners, der ihrer Seelsorge anvertrauten Gemeinde öffentlich bekannt zu machen. Um den vorgesezten Zwek desto sicherer zu erreichen, findet der Erziehungs - Rath nothwendig, ihnen ferner aufzutragen, an genanntem Sonntage die Pflichten der Eltern, in Absicht auf die Kinderzncht, rnm Gegenstände ihres Vertrags zu machen, und von einem dazu eigens gewählten Texte Gelegenheit zu nehmen, selbigen die Beförderung der Untcrstüzung der Schul-Anstalten sowohl als deren fleißige Belüftung an das Her; zu legen; wobey ihr die gedrukte Aufforderung der Gemeinde, wahrend oder nach der Predigt, selbst vorzulesen nicht ermangeln werdet. Liebreiche Vorstellungen über die Wichtigkeit der Kinderzucht; kräftige Schilderungen des Einflusses einer wohleingerichteten und blühenden Schule auf das öffentliche und häusliche Glük eurer Gemernds- Genossen; herzliches Anerbieten eures thätigen Beystandes werden dabey mehr wirken, als Klagen über den gegenwärtigen Zustand der Sachen, die, so gegründet sie leider sind, doch die einten nur muth- los machen, indem sie die andern erbittern. Uebrigens versprechen sämmtliche Glieder des Er- riehungs-Raths sich alles von dem Eifer und der Theilnahme der Religivns - und der durch sie geleiteten Schul-Lehrer, die von gleichen Gesinnungen delebt, den Zuruf des würdigen Vorstehers unserer Kirche nicht ungerne mit uns theilen werden Was ihr thut, das thut alles in dem Namen Jesu, und danket Gott und dem Vater durch ihn. Schaffhausen den 22. Christmonat 1800. Sekretair des Erziehungs-Raths, M a n d a ch. f. Der Erziehungs-Rath des Kantons SantiS/ an alle Bürger dieses Kantons. St. Gallen, Lm Februar Bürger! Ohne daß bereits vor einem Jahre die Cinsczung eines Errieh'rmgs-Nathes nach dem Willen der Regierung öffentlich geschehen ist, und dazu alle Kantvns- Bürger eingebaden wurden, haben wir hernach unsere Existenz und die Bestimmung und Absicht derselben in zwey Circutar-Schreiben allen Geistlichen und Municipalitäten unsers Kantons kund gemacht; es war auch in dieser Zeit unsere angelegentlichste Sorge, uns allererst eine vollständige Kenntniß von dem Zustande allerSchulcn zu verschaffen, die unserer Oberaufsicht anvertraut wurden, und wir fanden, daß es ein dringendes Bevürftnß für die meisten LandschuLehrer sey, ihnen eine Anleitung m geben, wie sie ihr Amt nürlich und zwekmäßig führen können; auch dieß ist von uns geschehen , aber in demjenigen, womit wir in der Vorrede zu- dieser Anleitung die Lehrer aufzumuntern suchten, und an die Gemeinden den Wunsch äußerten, daß sie unsere Aufmunterungen thätig, unterstürrn möchten, ist uns — wahrlich —. 3*2 — nicht rur Ehre gewisser Gemeinden — an manchen Orten bisher nicht entsprochen worden. Freylich gab es auch wakcre Gemeinde»/ die sich breiferten, den Unterricht der Jugend auf alle mögliche Weise zu befördern, aber es schmachten noch viele Lehrer unter den dürftigsten Umständen, und die Gemeinds- Vorsteher und Hausvater wollen es noch nicht überall einsehen, was biebey ihre Kargheit den Kindern schadet. Aller Orten wird zwar mehr oder weniger Zeit im Jahre Schule gehalten ; allein es giebt — Schande daß wir es sagen müssen — noch leichtsinge Aeltern und nachläßige Vorsteher, die die unschuldige Jugend von dem unentbehrlichsten Unterrichte zurükhalten, oder wenigstens nicht darum bekümmert sind, daß alle Kinder dasjenige lernen sollen, was nicht in der Jugend erlernt zu haben, sie bey reifern Jahren zu ihrem Schaden nur vergeblich bereuen können. Bürger! Es ist jezt nicht blos Wunsch des Er- ziehungs-Rathes, sondern wir fordern Euch nun im Namen der helvetischen Regierung und auf ihren ausdrüklichen Befehl hin alles Ernstes auf, folgendes zu erwägen , und ihm unverzüglich aufs genaueste zu entsprechen: i. Die Muniripalitäten einer jeden Gemeinde, wo bisher kein bequemes Schulzimmer war, sind gehalten/ für die Schule eine geräumige Stube anzuweisen / und dafür zu sorgen, daß sie den ganzen Winter über gehörig geheizt werde. s. Die Ersezung der Schulmeister geschieht nach dem Reglement / das wir allen unsern Inspektoren zugesandt haben, und nach welchem, jeder Bürger, der sich dem Schuldienste widmen will, zuerst über seine Fähigkeiten geprüft werden muß. Z. Wo neue Schulen errichtet werden, soll das Gehalt des Lehrers für ein Halbjahr wenigstens auf 80 Franken bestimmt seyn. Die Besoldung der bereits eingerichteten Schulen darf durchaus nicht geschmälert werden, sondern wir erwarten rm Gegentheil, daß jede Gemeinde, deren Lehrer bisher schlecht besoldet ist, demselben eine Verbesserung seines Lohnes gerne zukommen lassen werde. 4. Bey denjenigen Schulen, wo bisher der Lehrer von den Kindern ganz oder zum Theil bezahlt werden mußte, solle die Muniripalität veranstalten, daß dagegen entweder durch freywillige Beytrage, oder eine Tell (Auflage) auf alles in der Gemeinde liegende Grundeigcnthum zween Drittel des nöthigen Geldes erhoben , und ein ZI4 Drittel durch alle Hausvater, sie mögen Kinder haben oder nicht, bezahlt werde. 5. Diejenigen nachläßigen Hausvater, die ihre Kinder nicht zur Schule anhalten, sollen nach dem Beschluß des Vollrichungs-Rathes vom 6 . Der. F802 für jede Woche Versäumnis' um Z Batzen gestraft werden, welche Büß die Munizipalttät bey ihrer Verantwortlichkeit einzuziehen hat; such soll diese dafür wachen, daß den Kindern die eingeführten Schulbücher angeschaft werden. 6 . Da wir in obigen Artikeln Euch, Bürger! aus den Beschlüssen der Regierung nur dasjenige und auf eine Weise vorlegen, wie wir es für unser Lokals passend gefunden haben, und dazu von der Regierung bevollmächtigt waren, so haben wir Euch noch anzuzeigen, daß unsere Jnspekto. rrn verpflichtet sind, uns von Zeit zu Zeit über den Anstand der Schulen ihres Distrikts genauen Rapport zu ertheilen, und zu dem Ende hin, wo es nicht geschehen ist, nächstens alle Schulen besuchen werden; wir wollen zwar Euerseits nicht an der pünktlichen und genauen Erfüllung dieser für die liebe Jugend so nöthigen und heil- ^ samen Verordnung zweifeln; müssen Euch aber dennoch bemerken, daß der Bürger Regierungs- Statthalter und dieDerwalrungs-Kammer eigen 3*5 beauftraget sind, uns in Vollziehung dieser Anordnungen hilfreiche Hand zu biethen. Republikanischer Gruß und Bruderliebe! Der Präs. des Erz. R. vom Kanton SüutiS» ^ Aollikofer. Im Namen des Erz. R. , Hartmann, Aktuar. §u drukcn, aller Orten öffentlich zu verlesen, und auf dir genaue Dollziehiinq ,u wachen, den betreffenden Behörden nachdruksamst empfohlen vom Req-cnmgS-Statthalter des Kanton SantLS, Johann Caspar Bolr. 6 . Der Erziehungs-Rath des Kantons Santis, an alle katholischen Bürger dieses Kantons. St. Gallen, den zi.Iulr rgoi. Bürger! Warum es schon lange in unsern Landschulen meistens so erbärmlich aussah, und waruch auch jcrt noch unter der Leitung des Erzichungs-Rathes rur Verbesserung derselben nur so geringe Fortschritte konnten gemacht werden, ist gewiß eine der ersten und wichtigsten Ursachen die: daß eine grosse Anzahl von Schullehrern in demjenigen, was sie lehren sollten, und in der Mt und Weise, wie dies den Kur- Lern am zwekniäßigsten beygebracht werden kann, selbst unwissend sind. Zuerst müssen die Landschulen überhaupt mit besser gebildeten Schnllehrern versehen seyn, ehe man mit Recht erwarten kann, daß sie in einen bessern und zwekmaßigern Zustand kommen. Wie sehr es, liebe Mitbürger! schon lange unser Wunsch war, in dieser wesentlichen Sache soviel möglich eine Verbesserung zu veranstalten, werdet Ihr aus jener Bekanntmachung ersehen haben, die wir unterm 18. Februar dieses Jahrs an die katholischen Bürger unsers Kantons ergehen liessen *). Mit Freuden können wir Euch nun anzeigen, daß endlich ein katholischer Geistlicher im Kloster St. Gallen unserm Wunsche gemäß sich entschlossen bat, *) BekaIIntmK ch u n g. Die dringende Nothwendigkeit, be» künftigen Erledigungen der Schullehrerstellcn Leute wählen zu können, die selbst besser unterrichtet sind, als es biSauhin an vielen Orten der Fall ist, hat den ErziehuugS-Rath bewogen, öffentlich bekannt zu machen: Daß jeder katholische Geistliche oder andere katholische Bürger, die Lust und Fähigkeit hätten, angehende Gchnllehrer in den Kenntnissen und Pflichten ihres künftigen Berufs zu unterrichten, sich ungesäumt bey dem LrziehungS - Rathe melden sollen, wo sie daS Nähere über die Errichtung einer solchen Unterrichts- Anstalt der Schulmeister vernehmen werden. St.Galleu, den i 8 , Februar 1801. . Im Namen des Erziehungs-Raths von« Kanton Säittis, das Aktuariat. jungen Schullehrern oder andern Jünglingen, die Lust und Fähigkeit bezeugen/ sich in den Kenntnissen und Pflichten eines Schullehrers unterrichten zu lassen/ wöchentlich ein bis zwey Tage unentgcldlichen Unterricht zu ertheilen. Alle diejenigen von Euch, die sich nun zu dem wichtigen Amte eines Schullehrers vorbereiten wollen, werden hiemit von Seiten des Erz. R. eingeladen, sich innert den nächsten 14 Tagen bey ihrem Ortspfarrer oder dem Schul-Inspektor ihres Distrikts rn melden, und diese werden alsdann die Mühe über sich nehmen, es ungesäumt dem Erziehungs-Rathe anzuzeigen, dieser Anzeige aber zugleich ein Zeugniß über die sittliche Aufführung eines jeden, von seinem Seelsorger.und dem Präsidenten der Muniripalität unterzeichnet, beyfügen*). Republikanischer Gruß und Bruderliebe! Der Präsident des Erziehungs-Rathes, 2m Namen des Erz. R. ^ ke r. Hartmann, Aktuar- Zu druken und zu publizieren genehmiget: Der RegierungS-Statthaltcr vom Kanton Gäntis, _ J ohann Caspar Lolt. *) Das dritte Bündchen meiner Bibliothek wird von dem Erfolge dieser Aufforderung seiner Zeit Nachricht geben. Der Herausgeber. 3-8 7 . Bericht des Erziehungs-Raths von Luzern, .über das Schul-Wesen seines Kantons. Den i7tcn Oktober rzoo. r. Frage. In welchem Zustande befinden sich die hiesigen Erziehungs-Anstalten? Um diese Frage im Allgemeinen zu beantworten, so ist der Zustand der hiesigen Erziehungs-Anstalten freylich noch sehr mangelhaft > doch muß man sagen, daß er seit der Revolution sich nicht verschlimmert habe. Es sind keine Schulen eingegangen:, aber neue wurden errichtet; es sind Verbesserungen'in den Lehn Gegenständenrc., Lehrbüchern, vorgenommen worden , welche mit richtigern Begriffen über das Erzie- hungs-Wesen, und mit den neuen Fortschritten im Schul - Wesen übereinkommen. Die neu angestellten Schullehrcr wissen ihrem Amte, zu welchem sie An» leitiW empfangen haben, besser vorzustehen. Um- aber diese Frage, so wie auch die übrigen im Besondern zu beantworten, muß man die Schulen der Madt und des Lands tmttrscheidetr. Die Stadt«Schulen. Die' Einrichtung der Stadt - Schulen zeigt bey» folgende Uebersicht des öffentlichen Unterrichts"). Auf diese Art sind die Stadtschulen im vorigen Jahr angefangen worden, und werden auch im künftigen mit folgenden Abänderungen, wenn sie sich anbriiu gen lassen, fortgesezt werden, r. Man wird in allen fünf Klassen des Gymnasium- Stunden für die lateinische Sprache geben, doch nur für jene Schüler, welche dieselbe zu erlernen wünschen. 2. Man wird einen eigenen französischen Lehrer für diese Sprache anstellen, der mit keinen andern Schularbeiten beschäftigt ist, wozu man von der Verwaltungs-Kammer die Gutheiffung nnv vorgeschlagene Besoldung erwartet, z. Man wünschte, daß auch die Theologie den ehemaligen dritten Lehrer wieder erhielte, da die Gegenstände dieses Studiums für zwey Lehrer zu mannigfaltig und weitschichtig sind, und das theologische Studium an einem Hauptorte der katholischen Schweiz sich vorzüglich auszeichnen sollte. Sie ist abgedruckt in dieser Schulmeister-Bibliothek, ' ' chc« Bündchen, S. -s;—-ss. Der Herausgeber. Ueber die Töchternschnle ist zu bemerken, daß «ine Lehrerinn mangelt, und von den rum Unterricht brauchbaren Ursulincrinnen keine sich dem Lehramte unterziehen will. Der Erriehungs - Rath, der diese Schule wieder in den Gang gebracht hat- wünscht, daß dieses heilsame Institut fvrtgesezt werde. Noch ist die Stifts - Schule, die wesentlicher Verbesserung bedarf; die aber bis sert nie unter der Aufsicht des Erziehungs-Raths stand. 8. Die Land-Schulen. In jedem Distrikt hat es einen Schul-Aufseher, und in jedem ein und andere gute Schulen. Mehr läßt sich nicht sagen. Noch giebt es viele und mehrere Gemeinden, die keine Schule haben. Noch giebt es einige, die mit alten, schlecht unterrichteten Schulmeistern versehen sind; überhaupt lebt der Eifer für das Schulwesen in den Gemeinden nicht, wie man es wünschen sollte. . > , 2. Frage, was ist für die Schulen bisher ? /gethan worden? Nebst dem, was schon aus dem Gesagten erhellt, ist in der Stadt der ganze Schulplan geändert, die Studien sind populärer und gemeinnütziger eingerichtet, die eingegangene deutsche Schule samt der Töchternschnle sind wieder hergestellt worden. Ruf Auf drm Land? sind: i) alle Gemeinden aufgefordert worden, Schulen einzurichten. 2) Durch ein Schul - Semmarium, das in St. Urba» war, sind in alle Distrikte besser unterrichtete Schullehrek gekommen. Z) Durch Einführung der Rormalbücher sind wenigstens die alten, unlwekmäßigen Schulbücher verdrängt worden. 4) Durch ein und andere gut? Schulen ist der Begriff beßrer Schulen unter das Volk gekommen, auch hie und da einiger Wetteifer rege gemacht worden. 3. Frsge^ Welche Hindernisse sich unsern Bemühungen entgegen gesiezt haben? In der Stadt: r. der Mangel an zwekmaßigm Lehrbüchern hat den Fortgang gehindert, und ist der Absicht des Schul-Raths im Wege gestanden; weil man von der Regierung allgemeine Verbesserungen erwartete; so wollte man nicht an Abfassung und Anschaffung neuer und kostbarer Lehrbücher sich wagen. 2. Es mangelte an Aufsicht über Schul > Gebäude und den Schul-Apparat; es mangelte den Lehrern an den nothwendigsten Bequemlichkeiten und Hilfsmitteln; das Haupt-Schulhaus war bald ein öffentliches Gasthaus, bald sonst voll Unreinlichkeit. X Z22 Z. Zur Erwekung des gehörigen Elfers der Tochter- lehrerinnen, und rum bessern Fortgange dieses Instituts wäre es nothwendig gewesen, daß dieselben eine ordentliche und sichere Besoldung gehabt hatten. D- Auf dem Lande: 1. An den wenigsten Orten sind Schulhäuser und Schulstuben. 2. An den wenigsten Orten sind Stiftungen für Lehrer vorbanden. 2. Die Einladungen des Schul-Raths, Holz zu Schulstuben anzuschaffen, und für die Besoldung der Lehrer zu sorgen, haben bey den Mu- rmipalitäten keine Kraft, weil der ErziehungsRath sich auf kein Gesez stüzen kann, welches will, daß Schulen gehalten werden sollen. 4. Hie und da erweken geistliche und weltliche Feinde des bessern Unterrichts Vorurtheile gegen die Schulen. 4. Frage, wie den Hindernissen könnte abgeholfen werden? Dieses könnte zum leichtesten geschehen, s) durch die Thätigkeit der Unterrichts-Commißion ^ in Bern, die einmal dem Staat einen Entwurf zu bestehenden Unterrichts-Anstalten vorlegen soll. ! — Z2Z — - b) Durch ein vorläufiges/ nothwendiges, ganz S simples Gese; / daß in jeder Gemeinde eine ß Schule seyn müsse / und daß die Munizipalitat g den Schullehrer besolden / und die Schulstuben herschaffen soll. Es soll ein Minimum für den Schullohn fefigesert werden, damit die Gemeinde h den Lehrer nicht verhungern lasse. c) Durch Vorsorge des Staats, daß von einer Ge- 2 sellschaft fähiger Männer Elementarbücher l nach den besten Mustern Deutschlands und in 2 Menge wohlfeil gedrukt werden. ^ ü) Durch Erneuerung eines Schullehrer-Semina- ^ riums in unserm und andern Kantonen. s- . >> -. . ^ 8 . Uebersicht n ' der Einrichtung des durch den Erziehungs-Rath des Kantons Waldstädten neu veranstalteten ^ Schul-Unterrichts zu Schwyz, für das an« fangende Schul «Jahr >8oo. 'n ^ r. Anfangs-Achulen. Erste Klasse: Erster Anfang des Lesens, Schrei- ll. bens, und Anleitung rur Gottesfurcht. ^ X» 3-4 Zweyte Klaffe: Fortsezung des Lesens und Schrei» kens, Anfang der Religionslehre, und Anleitung rnm sittlichen Betragen durch Erklärung! eines sittlichen Lesebuchs. Dritte Klasse: Forisezung des Lesens bis zur Fertigkeit, Schönschreibung und praktische Anleitung zum Rechtschreiben, Fortserung der Religionslehre und des sittlichen Lesebuchs, erste Anfangsgründe der Rechenkunst. 2. Mittel-Schule. ' Erste Klasse: Anfangsgründe der deutschen Sprach» Lehre, Uebung derselben durch Rechtschreibung, Fort- serung der Schönschreibung, z. B. in Kanrleyschriften u. dgl., Religions- und Sittenlehre, Rechenkunst, i. Species oder Vermehrung der Zahlen nach Römer. Zweyte Klasse: Fortsezung der deutschen Sprachlehre mit praktischen Uebungen, Fortsezung derSchön- schreibungSkunst für Liebhaber, leichte schriftliche Auf. säze, leichte Briefe mit praktischer Anleitung, Religions - und Sittenlehre, Rechenkunst, 2. Species »der Verminderung der Zahlen nach Nömer. Dritte Klasse: Vollendung der deutschen und erste Anfangsgründe der lateinischen Sprachlehre durch Deklinieren und Coniugieren in beyden Sprachen; fort- gesezte Uebung in schriftlichen Airfsäzen und Briefe» schreiben, Religion- - und Sittenlehre, Uebung in den bereits gelernten Species der Rechenkunst bis zur Fertigkeit. Z. Litterar-Schule, a. Lateinische Sprache. Erste Klaffe: Anfangsgründe und Regeln der Richtigkeit der Sprache, nach Anleitung des ersten Theils des Einsiedler Lehrbuchs, praktische Erklärung derselben durch Uebersezung der leichtfaßlichsten klassischen Schriftsteller in gebundener und ungebundener Redensart, Uebung durch mündliche und schriftliche Aufgaben. Zweyte Klaffe: Vollendung der Regeln der Richtigkeit , und Anfang der Regeln der Zierlichkeit der Sprache, nach Anleitung des zweyten Theils des Einsiedler Lehrbuchs, praktische Erklärung durch Ueber- sezung erhabnerer klassischer Schriftsteller, in gebundener und ungebundener Redensart, Uebung durch mündliche und schriftliche Aufgaben. Dritte Klaffe: Vollendung der Regeln der Zierlichkeit der Sprache, durch Erläuterung und Ueber- sezung der besten klassischen Schriftsteller in gebundener und ungebundener Redensart; Unterricht in den schönen Wiffenschaften durch theoretische und prak-- — Z26 — tische Anleitung zur deutschen und lateinischen Poesie und Wohlredenheit; Muster und Uebung derselben in beyden Sprachen. b. Französische u. italienische Sprache. Diese beyden Sprachen werden durch eigens hieru bestimmte Lehrer methodisch und stufenweise ge- lehrt/ welche täglich zwey Stunden ordentlichen Unterricht gebe»/ den jeder Liebhaber besuchen kann/ ohne darum zur lateinischen Sprachlehre verbunden zu seyn. c. Wissenschaftliche Nebensache. Nebst diesen drey Sprachen begreift dieLitterar- Schule: i. Religions - und Sittenlehrc. 2. Naturgeschichte. z. Erdbeschreibung. 4. Vaterlands- und Weltgeschichte. Z. Rechenkunst/ Geometrie und Mathematik. Jedes dieser Lehrfache ist einem einzigen Lehrer aufgetragen/ der zu bestimmtem Tag und Stunden ordentlich/ gründlich und zwekmassigen Unterricht giebt / zu welchem sich die Zöglinge aus allen Klaffen/ wie auch andere Liebhaber versammelt ein- finden. Der mit Grund vermuthete Mangel an gründlich und zusammenhangenden Vorkenntniffen in einigen dieser Fächer schien zu fordern/ daß diese von Grund aus angefangen/ und jedes immer durch den gleichen Lehrer auch in folgenden Jahren stufenweise bis zur Vollkommenheit fortgesert werde. Vakanz und Abendstunden sind für Liebhaber der schönen Kün^e, der Musik und Zeichnungskunst gewidmet. Drey geschikte und jeder in seinem Fache berühmte Tonkünstler werden sowohl in der Vokal- als allen Gattungen Instrumental-Musik, und ein berühmter Künstler im Zeichnen Unterricht geben. 9 . In der Stadt - Schule zu Winterthur übernehmen die Prediger den Religions-Unterricht in den verschiedenen Klaffen derselben wöchentlich? Stunden, nachdem ihnen einige Wochen-Predigtstunden nach einem Direktorial-Beschluß vom iZ. Dezember 1798.. abgenommen wurden. lo. Zu Eglisan wurde gestattet, daß die Schule von 250 Kindern so getheilt werde, daß des Morgens die Gröffern, des Nachmittags die Kleinern dieselbe besuchen. Es soll aber zugleich dafür gesorgt werden, daß die Kinder, welche die eine Hälfte des Tages bey Hanse bleiben, zwekmässig beschäftigt seyen. Zugleich ward der Gemeinde insinuirt, auft die Einrichtung von zwo Schulen zu denken. Durch die Beförderung des B. Diakon Webers auf die Pfarrey Z2Z Dorf, wurde die Ausführung dieses Wunsches erleichtert. ii. Zu Einbrach hat der gesezsiche Schulmeister, Hs. Ulrich Keller, nur zo, höchstens Zo Kinder; dagegen hat ein Winkel-Schulmeister, Heinr. Banninger, Met- ger, ebenfalls 50. Man klagt über den Keller, er könne nur lehren buchstabieren, und ein wenig lesen. Nach Untersuchung der Sache brachte man es dahin, daß die Schule getheilt ward, und daß Keller die kleinern und Banninger die grossem Kinder erhielt, womit die Gemeinde zufrieden tst, und was ganz den Instruktionen entspricht. IA. Die Gemeinde Glattftlden bat ihrem abgehenden Schulmeister, einem würdigen Greisen, xin jährliches Gratlfikat von 2 Louisd'or zugesichert. IZ. Damit die Schulmeister im Thurgau den Sommer hindurch im Schönschreiben sich üben, so hat der Erziehungs-Rath daselbst einem jeden ein Blatt von den gestochenen Vorschriften, welche der Erz. Rath im Aargau für die Schulkinder daselbst stechen liess, nnentgeldlich zugesandt. 14. Die Sonntags - Schule, welche die Gebrüder Nhan in Aarau schon vor mehr als zwey Jahren errichtet haben, dauert noch immer mit dem allerbesten Erfolge fort, und nüzte nicht nur den vielen in den Fabriken arbeitenden sungen Leuten des Städtchens, sondern auch hie und da vielen Jünglingen auf dem Lande, die oft etliche Stunden weit herkamen. Bisweilen ertheilen die fähigsten Zöglinge des Rhau- Instituts, (welches sich schon mehr als 30 Jahre erhielt, und daher eines der ältesten Privat-Institute der Schweiz ist,) diesen Unterricht, den sie mit vieler Freude besorgen, und daraus den großen Nuzm neben, auch mit der ärmern Klaffe ihrer Mitbürger auf eine herablassende Art umgehen zu lernen. Der Erziehungs-Rath im Kanton Säntis erhielt nachstehende sehr erfreuliche Beweise von dem thätigen Eifer, mit dem man hie und da an der Verbesserung der Schulmeister-Besoldungen arbeitet. ->. Die Schulmeister-Stelle in Wittenbach wurde durch Absterben des Schulmeisters ledig, und mußte 33-r daher nach drin Reglement des Erziehungs-Raths auj^ neue besert werden. Allein eh und bevor dieses geschah, ließ dieser die dortige Munizipalität durch ihren würdigen B. Pfarrer auffordern, das bisherige geringe Ehrliche Schul - Einkommen von fl. 60 zu verbessern, nm einen desto tüchtigern Schulmeister zu bekommen. Dieser Aufforderung wurde darauf freudigst entsprochen, und der Jahrlohn des Schulmeisters für die Zukunft auf ff. 2oo. erhöht. — b. In der Gemeinde Degersbeim legte der dortige geschikte Schullehrer seine Stelle nieder, wozu ihn — neben anderm — das geringe Schul-Einkom- men nöthigte. Die Stelle wurde wirklich ausgeschrieben, und das Examen mit zwey Kompetenten vom Erziehnngs-Rathe abgehalten. Während dieser Zeit aber entschlossen sich die dortigen braven Gemeinds- Vorsteher, den bisherigen geringen Wochenlohn von 2 fl. 42 kr. auf 5 fl. zu sezen, worauf es ihnen gelange, ihren vorigen verdienten Schullehrer zu be- wegen, ihre Schule aufs Neue zu übernehmen, wozu er sich noch um so viel freudiger entschloß, da ihm der B. Pfarrer des Orts versprach, an denjenigen Tagen, an denen er als Sekretär des Kreis-Gerichtes die Schule nicht halten könnte, seine Stelle zu ver- tretten. — e. Der B. Pft. Helfenberg, von Häggischweil, Distrikt Gossau, hatte eine Anforderung von 700 fl. an das ehemalige Kloster St. Gallen, die ihm richtig verzinset wurde. Dieses Kapital verehrte er in den Schulfond seiner Gemeinde , und serte sie so in den Stand, ihren Schulmeister in Zukunft besser besolden ru können! Solche Handlungen sprechen ru laut rur Ehre ihrer Stifter, als daß sie hier eines Lobredners bedürften. 16. Der Erziebungs-Rath im Thurgau konnte nach und nach in seinen meisten reformirten Schulen das in Aarau herausgekommene ABC-Buch*) einführen. Die Erreichung dieser Absicht wurde dadurch um vieles erleichtert, daß es in diesem Kanton von jeher üblich war, den armen Kindern alle Jahre aus der Ge- meinds-Kasse unentgeldlich die Schulbücher anzuschaffen ; dieses Anlasses bedienten sich daber auch die BB. Pfarrer dazu, um obiges ABC-Buch den armen Kindern in ihre Hände ru bringen, die es sonst nie gekauft haben würden. *) Bes. diese Schulmeister-Bibliothek, erstes BänLchen, b. 38Z. 332 Hingegen im Kanton Aargau fand die Einführung dieses Büchleins die größten Hindernisse. — Im Anfange suchte der Erriehrmgs-Rath durch allerley Wege einige Exemplare in jede Schule zu bringen, allein alles, sowohl die meisten Geistlichen und Schulmeister, als aber ihre Gemeinds - Genossen, sezten sich dagegen, und rwar hauptsächlich, weil das Unser Vater und das apostolische Glaubens - Bekenntniß darin mangle; selbst der Kirchen-Rath des Kantons kam deswegen bey dem Erziehungs-Rathe ein. Und wahrscheinlich wäre es in vielen Rükstchten besser gewesen , obige zwey Gebetsformeln würden — um des Volks willen — in das ABC-Buch aufgenommen worden seyn, so überflüssig sie auch in einem ABC? Buche — das kein Katechismus seyn soll — scheinen mögen. Eine Gemeinde sette sich aus dem nämlichen Grunde öffentlich gegen die Einführung; der Schul- Inspektor fragte darauf die Widerstrebenden: ob sie wohl die Ursache wüßten, warum das Unser Vater und das Glaubens-Bekenntniß aus dem Büchlein gelassen worden seye? »Es seye gar wohl bekannt, daß » sie nichts glauben; darum habe man den Glauben »ausgelassen, daß sie auch wieder darnach fragen «möchten;" und hiemit hatte die Widerrede ein Ende. — Selbst dieser Umstand trug zur Abneigung gegen dieses Büchlein einiges, bey , daß es den 333 Gemeinden von Aarau aus rugeschikt wurde. Sogar an dem Drukorte Helverien stieß sich ein Schulmeister und wollte schon deswegen nicht wciters darinn lesen; „ denn " — sagte er —,, wenn auch Zürich, Bern re. „unter dem Titel stünde, so wüßte man schon, wacher es käme, aber so seye es wie ein Bankert!"— Solche und ähnliche Beyspiele zeugen freylich von den grossen Hindernissen, die nicht nur Vorrirthrüe und Unverstand, sondern gar oft-auch Bosheit und Liebe zur Finsterniß der Einführung neuer Schnl- Bücher entgegensehen; indessen zeigen sie doch auch deutlich, wie äusserst nöthig es seye, bey der Abfassung und bey der Art der Einführung neuer Schul- Bücher auch auf unbedeutend scheinende Ncben- umstände Rüksicht zu nehmen, und überhaupt äusserst vorsichtig zu Werke zu gehen. 17 . In einer Gemeinde im Kanton Aargau unterrichtete der Pfarrer in den Winter-Abenden seine beyden Schulmeister im Rechnen, und führte sie an, auch in ihren Schulen den Kindern diesen Theil der Unterrichts zu Theil werden zu lassen; allein die Ge- meinds-Vorsteher, unterstürt von ihren Gemeinds- Angehörigen, verboten den Schulmeistern ihre fernere Vetssche rm Pfarrhause, und verschlugen die Tafel, welche zu diesem Behufe in der Schule aufgehängt wurde. 18 . Der Erziehungs - Rath des Kantons Linth, der erst zu Anfange dieses Jahrs eingesezt wurde, machte Den Anfang seiner gemeinnmigen Arbeit damit: daß er sich — vereint mit den Schul-Inspektoren und Geistlichen — auf aste mögliche Weise verwandte: um Sommerschulen da ru errichten, wo diese mang- leten, welcher Fall beynahe überall eintraf. Und wirklich gelang es Ihnen in den meisten Gemeinden -u veranstalten, daß diesen Sommer hindurch, jede Woche, ein oder mehrere Tage, Vor- und Nachmittags — auch an einigen Orten des Sonntags, Schule gehalten wird; nur an wenigen Orten wr- dersezte man sich dieser Veranstaltung; — grössere Schwierigkeiten fand die Einladung des ErziehungsRaths das von mir verfertigte Schulbuch in den Schulen einzuführen, und auf diese Weise dafür zn sorgen, daß alle Kinder die gleichen Schulbücher besitzen, wodurch das Zusammenlernen der Kinder sehr erleichtert werde. So versammelte sich z.B. die Schul-Sektion des Grabserbergs, um ihren Schul- Meister nach wohlhergebrachter Sitte, durch das Handmehr ru ernennen. Ein junger fähiger Mann, der sich in Zürich 2 Jahre lang gebildet hakte, trug sich an, in dieser Sektion die Schule zu übernehmen, und die Kinder nach der gedrillten Anleitung des Er- riehungs-Raths rn unterrichten. Neben diesem meldete sich aber auch der alte Schulmeister, welcher die Winterschule gehalten hatte, doch mit dem Anhange: « daß er zwar wohl die Schule ferncrs, auch den « Sommer über halten wolle, in so fern er bey den «gewöhnlichen Schulbüchern, — dem Catechismus, « dem Psalmenbuch von Lobwasser und dem Kalender «—verbleiben könne; sollte er aber nach dem Willen «des Pfarrers, das Steinmüller'sche Lesebüchlein gebrauchen müssen, worinn allerhand Neuerungen »vorkommen, und nach dem man sogar das V nicht «mehr für ein U, sondern für ein Fau lesen solle, «so wolle er die Schule nicht behalten." — Auf dieses hin giengs nun unter der Versammlung an ein Berathschlagen. Der Munizipalitats - Präsident — der wirklich auf die Tagsatzung des Kantons ernennt ist — nahm als erster Vorgesezter das Wort, und stellte der Gemeinde mit Nachdruk vor: „wie un- «schiklich solche Neuerungen seyen; er könne auch « lesen, aber habe in seinem Leben nichts von einem «Fau gehörtrc., er gehe daher mit seiner Meinung »dahin, die alten Schulbücher zu behalten, und den »alten Schulmeister zu ersuchen, die Schule auch — ZZ6 „den Sommer durch zu halten, und zu lehren, wie „vor Altem!" — Mit grosser Mehrheit der Stimmen wurde dieser Vorschlag angenommen, und jede Antrage von Verbesserung damit abgelehnt: daß das V auf dem Grabserberg beständig U, und nie Fau heißen solle! In dem Distrikt OberNheinthal brachte es der dortige thätige und verdienstvolle Schul-Jnspektor, M. D. Näff, von Altstatten, in Vereinigung mit den Orts-Geistlichen dahin, daß mein Schulbuch nun in allen Schulen daselbst eingeführt ist, und von allen Kindern mitgebracht wird, obwohl sich hie und da ein Dauer sehr darüber wunderte, daß von dem Eichhörnchen und Hasen in einem Schulbuche — das sich das Landvolk immer als ei» Rekigionsbuch vorstellt — die Rede seyn dürfe. Ueberhaupt aber hoffe ich, die Schulen dieser Gegend werden in wenigen Jahren in jeder Rüksicht so verbessert werden, daß man sie allen übrigen des Kantons zum Muster der Nachahmung anpreisen kann. In Ansehung meines Schulbüchleins muß ich hier doch auch noch hersezen, was mir ein Freund von Schaffhausen darüber meldete: „Unser Erste- „hungs-Rath gerath nun nach und nach in Thätigkeit. „ Alle Viertel Jahr wird eine Hauptsiznng gehalten, „welcher die Schul-Inspektoren brvwvhnen, unter » denen — 337 „denen der trefliche Buel die schönsten Vorschlage „an die Hand geben kann. Es wäre sehr ru wünschen: er würde rum Gebrauch unserer Landschulen „Rochow's Kinderfreund umarbeiten, — denn ich »sage aufrichtig: in dieser Gestalt taugt er nicht „ für uns, so sehr paffend er auch für jene sehr ent- „fernten Dörfer seyn möchte. In mehrern unserer „Schulen ist er nur unter dem Namen des Mäuse« „büchlems bekannt; die Geschichte von der alten „und jungen Maus nahm ihm allen Credit. — »Ich spazierte lerthin in meiner Gemeinde, und da „ich in dem Hause des Schulmeisters lesen hörte,! „so gieng ich hinein; er hatte ihr Schulbüchlein in „der Hand, und 6Bauern standen um ihn herum, „und horchten ihm aufmerksam zu. Gleich beim Ern- „ tritt rief mir einer entgegen: Ja! Herr Pfarrer! „das ist ein ander Büchlj, als das Mäusebüchlj: „das liessen wir uns besser für unsere Schulen gefallen!" — , 19 . ^ Ein Pfarrer machte lerthin seinen Orts-Schulmeister auf einige Schreibefehler aufmerksam, die er in seinen Vorschriften entdekte. Dieser sezte ihm kühn das Ansehen der Bibel entgegen, aus der er die Sprüche abgeschrieben hatte. Vergebens stellte der Pfarrer ihme vor: daß in vielen Ausgaben der Bibel einige Wörter »ach der alten .Schreibart abge- drukt stehen, und daß man jero manches anders buchstabiere als ehmals; „er wolle den Pfarrer oder »Schul-Inspektor doch auch sehen" — erwiederte der Schulmeister ganz bitter — „ der im Stande » wäre Gottes Wort umzustoffen >" — 20 . In Altstädten, Distrikt Ober-Nheinthak giebt B. Andrist, Schnllehrer daselbst — mit^Genehmi- gungi'des Eniehungs-Raths, schon seit mehr als einem Jahre, seinen benachbarten schwachem Kollegen wöchentlich unentgeltlichen Unterricht im Lesen, Schreiben und Rechnen, wogegen ihm der evangelische Kirchenrath in Altstädten eine Gratifikation von 4 Louisd'orsj überreichen ließ. 21 . Dech schon!genannte B. Schul-Inspektor Näff, gab seinen lBerirks!-Schulmeistern nachstehende Muster-Tabelle, um ihre Monat Tabellen darnach einzurichten , welche der. Emehungs-Rath — einzig aus diesem Distrikte -- richtig erhielt. 339 L> XX -s >L> sd «r »-I ^ Y « — 340 22 . Nachstehender Auszug aus einem Briefe von B. Pfarrer Hastiger scheint mir hier eine Stelle zu verdienen. „Mich dünkt's, das auswendig Buch- „ Mieren müsse mit dem Buchstabieren im Namen- „ Küchlein häufig abgewechselt werden. Ich „ habe in meiner Nachbarschaft eine kleine Probe darr von gemacht, und fand: daß das Ding die Kinder „ froher beim Unterrichte machte, und ihren Kopf „gleichsam Tag und Nacht beschäftigte. Die Methode war diese : Auf einer Tabelle, die an der „ Wand hieng, waren alle Buchstaben des Alpha- „beths sehr vergrößert, gezeichnet; ein Kind oder „der Schullehrer zeigte r. B. auf das A; die Buch- „ stabenkennende nennen ihn, und die Schreibende „schreiben ihn; dann läßt er das Gleiche mit dem n „thun: die Buchstabierende buchstabieren a-n an; „das Gleiche geschieht mit f-a-n-g fang; die „Lesende sprechen aus: Anfang, und die Schreibende Habens geschrieben. — So werden alle „Classen beschäftigt, lernen korrekt buchstabieren, „lesen und schreiben, besonders äictsnllo." (wo man den Kindern das zu Schreibende in die Feder angiebt)— Dieser Vorschlag ist sehr Nachahmungs- würdig, und zeigte sich auch mir eben so nürlich als anwendbar.— 34 * 2Z. Bürger Pfarrer Hastiger machte nachstehenden Versuch mit einem Schulfeste in seiner Gegend. Er besuchte mit seinem Gehilfen B. Pfarrer zu Wangen nach Ostern täglich eine Schule seines Distrikts, und stellte mit den Kindern, in Beyseyn des Orts-Pfar- rcrs eine Prüfung über Buchstabieren / Lesen/ Schreiben und Rechnen an / und ordnete sie Klassenweise nach ihren gegebenen Proben in seinen Katalog. An jedem Orte wurde die Munizipalitat aufgefordert : zur Anschaffung der Prämien einen kleinen Beytrag zu geben / und überall ward diesem Wunsche entsprochen. — Als nun Me Prüfungen vorüber waren / lud der B. Häfliger alle öffentlichen Beamten und Geistlichen des Distrikts auf den z. May ru einem Schulfeste nach Hochdorf ein / die seiner Einladung nicht nur entsprachen / sondern ihn auch durch Beyträge unterstüzten. Während dem sich diese Nachmittags imPfarrhaufe versammelt hatten/ suchten die 12 Schullehrer des Distrikts alle geprüften Schulkinder, ru 650 an d^r Zahl auf dem öffentlichen Plaze in Ordnung zu stellen / von wo die öffentlichen Beamten und Geistlichen sie Arm in Arm mit türkischer Musik abholten/ und sie unter der Anführung des B. Pfarrers rur Kirche begleiteten. Als diese mit Beamten, Kmdern, und einer Menge Zuschauer angefüllt war, sang man das von B. Pfarrer Hastiger verfertigte/ unten abgedrukte Lied mit Begleitung der Orgel/und der Chor ward vom ganzen Volke wiederholt. Dann hielt der Schul-Inspektor eine Rede über die Vortheile der Schulen für Religion / Staat und häusliches Glük; dankte den Aeltern für ihre Bereitwilligkeit / den Lehrern für ihren Fleiß, und munterte die Kinder auf/ sich fleißig und gehorsam in der Schule und bey Hause zu erzeigen. B. Pfarrer Schärer hielt eine zweyte Anrede an die Kinder/ über Fleiß/ Sittsamkeit und Gehorsam / und warnte vor den entgegengesehen Lastern ; dann las er den Katalog nach der in den Prüfungen bestimmten Rangordnung der Kinder. Ersterer lobte jede Schule/ jeden Lehrer/ jede Klaffe der Kinder nach Verdienst / oder tadelte/ wo es nöthig war. Den Kindern/ die sich vor andern ausgezeichnet hatten/ wurden Prämien von nüzlichen Büchern ausgetheilt/ die mehr als 92 fl. gekostet hatten. Das Fest endete sich mit einem Chor aus Schwindels deutschen is voum u. s.w./ und so wurde dieser Tag zu einem wahren Freuden- tag für Erwachsene und Kinder. — Wie unendlich viel Gutes würden solche Schul-Examen/ und die darauf folgenden Kinder-Feste der Art stiften/ wenn sie überall eingeführt wären; da hingegen die bis- — 34S — beugen Schul-Examen meistens nichts anders/ als eine leere Formalität sind. Lied für die Schuljugend des Distrikts Hochdorf bev der feyerlichen Preiß-Austheilung im May I8ol. Ueber die Melodie: Holder lieber süsser Friede!k. , Wir sind izt noch in der Blüthe/ Keim ist alles noch in uns, Wer lenkt unser Blühn zur Güte? Wer der Tugend Keim in uns? Chor. Gottes Furcht ist aller Weisheit Grund und Anfang, ohne sie. Ist all unser Wissen Thorheit, Eitel unser Fleiß und Müh. 2 . Nagt nicht oft am Keim der Pflanze, Ins Geheim ein böser Wurm? Schwindet nicht der Blühtreit ganze Hoffnung hin im Frühlingssturm? Chor. Gottes rc. 344 3 . DvH wer wollte darum müßig Sorglos denken spät und früh: Eitel sey und überflüßig Alle Wartung, Sorg und Müh. Chor. Gottes rc. 4. Arveit ist ja doch auf Erden Unsre Pflicht und unser Loos. Nur durch Arbeit kann man werden, Was man seyn soll, gut und groß. Chor. Gottes re. 5 - Aber Arbeit ohne Weisheit Tappt im Dunkel ohne Licht; Sie erreicht mit aller Schlauheit Doch ihr Ziel und Ende nicht. Chor. Gottes re. 6 . Laßt uns also unsre Jugend Ihren Lehren widmen ganz! Sie erleuchtet ja der Tugend Dunkeln Pfad durch ihren Glanz. Chor. Gottes re. O es thut so wohl das Wissen/ Und erheitert Kopf und Herr. Wer nichts lernt, der muß es büssen, Ihm macht Andrer Weisheit Schmer;. Chor. Gottes rc. 8 . O es soll uns nichts gereuen, Was wir lernten dieses Jahr. Weisheit wird noch Blumen streuen Einst auf unser graues Haar. Chor. Gottes re. y. Gott wir danken deiner Güte Daß du uns Gelegenheit, Schon in unsrer Jugend-Blühte Uns zu bilden, gabst und Zeit. Chor. Gottes rc. ^ro. Segne unsre Obrigkeiten, Ihrer Sorge danken wir! Unsrer Lehrer Müh'n und Leide» Lohne, Vater, für und für. Chor. Gottes rc. Den i. Irrn. dieses Jahrs wurde in dem Städtchen Stein am Rhein der neuerwählte Schullehrer der dortigen deutschen Knaben-Schule, Bürger J.J. Schneewlin, von Stein, ein würdiger Zögling Büels, öffentlich eingeführt. Aus der unten abge- drukken Rede des vortreflichen Büels, laßt es sich am besten schliesset:, was sich die Gemeinde Stein von dieser ihrer Wahl für wohlthätige Folgen versprechen darf. — Diese Einsemng in die Schule geschah öffentlich auf dem Gemeindehause, unter einer zahlreichen Versammlung von Bürgern und Bürgerinnen, wobey auch alle Schüler des neuen Lehrers zugegen waren. Der Akt begann und endigte für die Zuschauer mit Musik; die 46 Schüler aber blieben nachher auf dem Gemeindehause zu einem kleinen Schmause zurük, woran Büel nebst dem neu eingeführten Lehrer auch Antheil nahmen. — Ueberhaupt aber ist es äusserst erfreulich zu sehen, wie auch in diesen Gegenden das Interesse für die Verbesserungen der Schulen mit jedem Tage steigt. So existiert z. B. gegenwärtig in Stein erst seit einigen Wochen eine Gesellschaft von 16 der aufgeklärtesten und besten Bürgern daselbst, die sich Freunde der öffentlichen Erziehung nennen. Sie hält monatlich ihre Si- lungen, und legt freywillige Beyträge m Prämien- 347 Schulbüchern rc. zusammen, berathschlagt sich freundschaftlich und brüderlich über den Zustand der Schulen, über ihre Bedürfnisse, über die Mittel, nüz- liche Zweke zu erzielen, Mißbrauche abzuschaffen, die Mängel ru ersezen, kurz: der öffentlichen Erziehung aufzuhelfen, und sie in einen blühenden Wohlstand zu verseren. Büel leitet in dieser Gesellschaft als Präsident die Geschäfte, und der Kantons-Erzie« hungs-Rath bekräftigt diese durch seine Genehnn- gung. — Verhoffentlich kann ich in der Folge dieser Anstalt noch mehreremal erwähnen; für diesmal rüke ich nur nachstehende Rede hier ein. 348 Rede, gehalten bey der öffentlichen Elnsezung des neuen Lehrers, B. Joh. Jakob Schneewlin, in die deutsche Knabenschule in Stein am Rhein, den I. Junius I8oi. von Johannes Vüel, Schul - Inspektor. Bürger Präsidenten der Gemeinde-Ranimer und Munizipalität! Wohlehrwürdige BB. Pfarrer und Diakon! werthgeschäzte Mitbürger! Liebe Schüler! Mit dem größten Vergnügen seh'ich Sie alle hier versammelt, um Antheil an einer Feyerlichkeit zn nehmen / welche ihrer Seltenheit und Wichtigkeit wegen die Aufmerksamkeit und die herzlichste Theilnahme unserer ganzen Bürgerschaft verdient, und Ihre zahlreiche Gegenwart macht ein an sich selbst schon sehr angenehmes Geschäft nur noch erfreulicher. Mehr als ein halbes Jahrhundert stand im öffentlichen Lehramte an der hiesigen deutschen Knabenschule mit Nnzen und Würde B. Leonh. kvetter, ein Mann, der mit rühmlichem Fleiffe auch viele Kenntnisse und Kunstfertigkeiten vereinigte, und davon manche schäzbare Probe ablegte. Bis in ein ehrenvolles Greisenalter fortgerükt wurde die Bürde -- 349 der Schulgeschäfte ihm endlich rrr drükend, und er übergab sein Amt mit vollkommener Beystimmung der hiesigen Gemeindekammer dem, schon im Jahre 1794 von der damaligen Regierung zu seinem Nachfolger ernannten Bürger Johann Jakob Schneervlin, der auch von jener Zeit an sich mit besonderm Fleiße und eben so glüklichem Erfolge auf die Erlernung aller der Wissenschaften legte, welche ihm rur rwek- mässigen Führung seines künftigen Lehramtes noth« wendig ru seyn schienen. — Meiner Pflicht gemäß machte ich den verehrungswürdigen BB. ErziehungsRäthen unsers Kantons die Anzeige dieser Veränderung, und empfahl ihnen die schon längst getroffene Wahl des neuen Schullehrers. Sie, die achtungs- würdigen Mitglieder unsers Erriehungs-Raths, welchen das Beste der gesammten Schulen Ihres Kantons sehr am Herzen liegt, und die daher auch unserer Stadt das Glük, fleissige und geschikte Schul- lehrer zu haben, von Herzen gönnen, hörten nicht nur die vortheilhafte Schilderung, die ich Ihnen von dem gegenwärtigen neuen Lehrer machte, mit Aufmerksamkeit an, sondern Sie bestätigten auch seine Wahl einhellig mit Vergnügen und den bestgemeinten Wünschen. Zugleich ertheilten sie mir den angenehmen Auftrag, ihn in Ihrem Namen öffentlich seiner Schule vorzustellen. So wie ich das nun mit dem größten Vergnügen thue/ so mache ich mir's zu allererst zur Pflicht, wertheste Bärger Präsidenten der Munmpalität und der Gemeindckammer! den neuen Lehrer Ihnen, und durch Sie unserer ganzen werthen Bürgerschaft ehrerbietigst und angelegenst zu empfehlen. Schenken Sie ihm Ihre Gewogenheit, Ihre Freundschaft, Ihr Zutrauen, und unterstüzen Sie ihn, wenn er es bedarf, und belohnen Sie den Fleiß und die Geschik- lichkeit, die ich Ihnen zuversichtlich von ihm versprechen darf, mit Ihrem liebreichen und ermunternden Beyfall. Auch Ihnen, wohlehrwürdige BB. Pfarrer und Diakon! empfehle ich brüderlich zutraulich diesen jungen Lehrer, dessen redlicher Ernst es ist, mit «n- ermüdetem Fleiße an dieser Schule zu arbeiten. Er tritt, vermöge seines Berufs, auch mit Ihnen heute in eine nähere Verbindung. Er wird gleichsam Ihr Vorarbeiter, und je besser und glüklicher er seinem Berufe vorsteht, desto empfänglicher werden seine Schüler einst für den hohem Religions-Unterricht seyn, den Sie selbst ertheilen. Ich weiß es, wie angelegen Ihnen das Beste der hiesigen Gemeine und also auch das Wohl ihrer Schulen ist, und bin deswegen schon zum Voraus versichert, daß Sie sich dieses neuen Lehrers in allen Fällen mit Freundschaft und Güte annehmen werden. Seyn Sie, so oft eS Ihre Zeit und Kräfte erlauben, selbst Zeugen seiner Wirksamkeit, und theilen Sie ihm aus dem Schaze Ihrer Erfahrungen und Kenntnisse das liebreich mit, was ihm frommen mag. Ich verspreche Ihnen in seinem Namen, daß er das stets mit aufrichtiger Erkenntlichkeit vvn Ihnen annehmen wird. Euch, liebe Schüler, stelle ich hier den Mann vor, den ihr von heute an als eurrn Lehrer betrachten, lieben und ehren sollt. Er kommt zu euch mit einem Herzen voll Liebe, und mit dem heißen Wunsche, euch zu guten, frommen, geschikten und nüzli- chen Menschen zu bilden. ' Nicht durch Zwang, nicht durch strenge Zuchtmittel möchte er zum Fleiffe, zur Ordnung, rum Gehorsam, zur Sittsamkeit euch gewöhnen, durch freundliche Erinnerungen und liebreichen Unterricht, Von euch hängt es nun ab, ob er seine guten Wünsche erreichen soll. Er wird es> wenn ihr lenksame, für gute Lehren empfängliche Herzen habet. Er wird euch keine zu schweren Lasten auflegen, und nichts fordern, was nicht von euch erwartet werden darf. Wie schön, wie rühmlich wäre es, wenn ihr, die ihr euern ehemaligen Lehrer durch Fleiß und Gehorsam erfreutet, euch jezt bestreben würdet, durch erhöhten Fleiß und ein noch besseres Betragen euerm neuen Lehrer gefällig zu — 35 werden. Wenn ihr, weniger Fleissige und Folgsame, dächtet: „Wir wollen von heute an unsern guten „Mitschülern ähnlich werden und unserm neuen Leh- »rer und unsern Eltern in Zukunft recht viel Freude ,, machen." Das würde denn euch allen rM größten Nuren gereichen. Fasset alle, liebe Schüler! solche schöne Vorsäre, und Gott wird euch in denselben starken. Wachset auf zur Freude eures Lehrers, zum Trost eurer Aeltern, zum Segen der Welt, zum Glük des Vaterlandes, zum Ruhm eurer Vaterstadt, und zu eurem unvergänglichen Heil. Und nun wende ich mich an Dich, mein theurer Freund! mit aller der Zärtlichkeit und Liebe, die ich Dir seit langem widmete. Unsere Freundschafts- Verhältnisse sind dieser ganzen ansehnlichen Versammlung so wenig unbekannt, daß es niemand auffallen wird, mich in der unbefangenen Sprache des Herzens mit Dir reden zu hören, wie Freunde — fey das äussere Verhältniß welches es wolle — zu thun ge, wohnt sind. Mit dem innigsten Vergnügen und mit Dank Legen Gott begrüffe ich Dich nun öffentlich zum erstenmal als Lehrer oder Präzeptor dieser Schule, und übergebe Dir hiemit, nach dem Auftrage unsers Kantons - Erziehung? - Raths, die schriftliche Bestätigung deiner Wahl. Nimm sie nicht sowohl aus meiner. 35r ncr, sondern vielmehr aus der Hand der Fürsehung mit Dank und Demuth , mir Freudigkeit und Vertrauen auf Gott, und mit Entschlüssen an, die Deines Herzens würdig sind, und dem wohlgefällig seyn können, der in das Herr sieht, und nach dem Werthe' des Herzens die Menschen schärt. Ja, mein Lieber! laß in dieser Stunde, die aller Wahrscheinlichkeit nach für dein ganzes Leben den Kreis deiner künftigen Wirksamkeit bestimmt, laß herzlichen Dank gegen Gott und Demuth eine Deiner ersten Empfindungen seyn. Rufe in dieser Stunde, in welcher Dir ein wichtiges und ehrenvolles Amt übertragen wird, Deine verflossene» Lebenslage ins Andenken rmük. Zwar war Dein Pfad auch Mit Dornen besäet, aber stärker leitete dich eine unsichtbare, segnende Hand, und bestimmte Dich dazu, ein Mitbeförderer des Reichs der Wahrheit und Tugend ru seyn. Die gute Natur, das heißt, der Schöpfer derselben gab Dir schöne Anlagen zu Deinem Berufe;-er verschiffte Dir immer Gelegenheit Dich auszubilden, und Du fandest überall wohlthuende Freundschaft und lehrreichen Umgang. Gieb ihm gern die Ehre, dem, unter dessen Leitung Du bis jezt lebtest, und von dem ewig abhängig zu bleiben, Dein größtes Glük seyn wird;- und wenn Deine künftigen Lebenslage gesegnet sind, Z 332 wenn Du Ehre und Glük in Deinem Amt findest / vergiß nie dem zu danken / der Sonnensysteme regiert/ und dessen Aufmerksamkeit Las Haar Deines Hauptes nicht entgeht. Zwar ist der Stand/ welchem Du Dich widmest / an sich selbst sehr ehrenvoll / und wer in demselben etwas Erniedrigendes oder Verächtliches sehen will / verräth dadurch nicht nur eine entehrende Unwissenheit / sondern auch ein schiefes / pöbelhaftes Herz / dqs vor allen gesitteten und edeln Menschen sich tief verbergen muß. Aber so ehrenvoll Dein Amt immer seyn mag / so berechtigt es Dich doch keineswegs m stolzen Anmaßungen, wenn ich mich demüthige/ so werde ich groß: Das sey auch Dein Wahlspruch. Wirklich erblikt man auch Demuth / Anmaffungslosigkeit und Einfachheit als vorzügliche Zierden in dem Charakter aller wahrhaft grossen und vortreflichen Lehrer. Er/ den wir als Herrn und König verehren / Jesus von Narareth / und seine Schüler/ und überhaupt alle Weifen älterer und neuerer Zeiten, deren Seelengröffe und Tugenden wir bewundern / sie waren einfach / anmaffungs- los / milde und von Herzen demüthig. , Entehre Dich daher nie /durch einen so verschrienen Schulmeisterstol; / der allemal ein Beweis von Verstandesschwäche und Unwissenheit ist. So 333 sehr ich Dir zu Deiner Ruhe und zur Aufmunterung in Deiner Arbeit ein klares / fröhliches Bewußtseyn des Gute», das du weißt, und übest Wünsche; eben so sehr bitte ich Dich, oft an das zu denken, was Du nicht weißt und nicht bist, damit Du nie stolzer Anmaffung und lächerlichem Eigendünkel deine wahre Ehre und die Ruhe deines Herzens aufopferst. Vergiß nie, daß Du wohl Herr und Meister Deiner Schüler, aber Gottes Knecht seyest, daß Du in seineisi Dienste arbeitest, und daß Du bei aller Berufstreu doch nie fehlerlos arbeiten werdest. Vergiß nie Würde der Menschheit in dem kleinsten Deiner Schüler zu ehren, der fett schon ein Liebling Gottes ist, und der einst das, und noch mehr werden kann, als was Du izt bist. Ueberhebe Dich nie stolz über deine Heerde, daß sie nicht einst sich über Dich erhebe; sondern sich zu Dir herablasse, mit Liebe und Dank, wenn Alter und Jahre Dich beugen. So wie ich Dir denn aber wahre Herzens-De- Muth empfehle, so muntere ich Dich eben so nach- drüklich auf zu einem freudigen Vertrauen auf Gott. Sey Mann und Christ, und als solcher beginne Dein Werk. So wenig Du eine hohe Meynung von Dir selbst haben darfst, so groß darf Dein Vertrauen auf Den seyn, in dessen Dienste Du arbeitest. Ja es ist ein Gott, ein Gott dem das Wohl der Mensch, heit, das nur durch Erkenntniß und Lugend erreicht werden kann, angelegen ist, und der dasselbe durch mannigfaltige Anstalten zu erreichen sucht. Wer also zum Wohl der Menschheit arbeitet, und das thut der treue Schullehrer, der ist Gottes Diener und befördert Gottes Absicht. Sage Dir das immer zu Deiner Aufmunterung, wenn sich Dir unerwartete und grosse Schwierigkeiten entgegen seren, oder wenn der alle Thätigkeit lähmende Gedanke: Deine Arbeit seye fruchtlos, Dich n.ederdrüken will. Sage dirs alsdann: Du seyest Gottes Knecht, und das Werk, das Du treibest, sey Gottes Werk; Du arbeitest sein Reich zu erweitern, und der Zwek Deiner Bemühungen sey das Wohl Deiner Bruder, der Mitgenoffen einer künftigen Unsterblichkeit. Sage Dirs zum voraus: auch ich werde in meinem Amte nicht immer auf Rvsenwegen gehen; auch ich werde mit vielerley Schwierigkeiten zu kämpfen haben, aber wenn ich redlich in meinem Berufe bin, so werde ich am Ende jede Schwierigkeit besiegen. Warum wolltest Du auch, mein Lieber, ohne Anfechtung bleiben wollen? Wird doch beynahe jede menschliche Größe, jede Veredlung unsers Wesens nur durch Kampf und besiegte Schnur- rigkeiten erreicht. Und wie könnte Treue, Muth - ausharrende Geduld Dich zieren, wenn Du nie lerntest, was Widerwärtigkeiten sind? Geh' und arbeite, und säe in Hofnung. So wie der Sandmann seinen Saamen der mütterlichen Erde anvertraut und zuversichtlich Früchte erwartet: so erwarte auch Du getrost das Gedeihen zu Deinen Bemühungen von Gott. — Gewiß kein Wort der ermunternden Liebe, kein Wort wohlgemeinter Zurechtweisung oder des warnenden Ernstes geht verloren; es bringt eine Frucht in deinem eigenen, wenn nicht in Deines Schülers Herzen. Darum fasse auch in dieser Stunde, die ss wichtig und feyerlich seyn muß, Entschlüsse, die Deiner würdig sind, und die Deinem Herrn gefallen können. Ach, wenn nicht izt ein edles Feuer in Deinem Herzen glüht; wenn Du dich m nicht gant von dem Wunsch , dem festen Vorsaz durchdrungen fühlst, mit allen Deinen Kräften dem Berufe m leben , zu dem Du izt gleichsam eingeweihet wirst — wann solltest Du ihn denn fühlen, diesen Wunsch? Siehe da, dieses schöne Feld! diese lieben Schüler! diese Deine jungen Mitbürger! Diese Mitchristen! diese Miterben eines ewigen Heils, das auch du suchest. Dir anvertraut sie Gott heute. Du kannst durch Liebe und Ernst unaussprechlich viel j — ZZ6, — an ihnen thun. Sey ihr Freund und ihr Vater! Ist es großes Verdienst, auch nur einen Menschen zur Wahrheit und Tugend geleitet zu haben; wie groß wird Dein Verdienst seyn, wen» Du viele Söhne Deiner Mitbürger zum Guten bildest , und so zu ihrem grossen Wohlthäter wirst. Jung an Jahren, in der Fülle Deiner Kräfte, was kannst Du noch alles leisten und thun! Zu welcher grossen Erndte kannst du aussäen! Thue es als Christ, als treuer Bürger Deiner Vaterstadt und Deines Vaterlandes! Wenn eine gute, zwckmäßige Bildung der Jugend jemals nöthig war, so ist sie es izt, da unsere Hofnungen so sehr anf einer bessern Zukunft ruhen. Lege auch Du durch treuen Unterricht und durch Bildung dieser Heerde deine Gabe auf den heiligen Altar des Vaterlandes. Es bedarf das mehr als jemals, das arme, zerrüttete Vaterland, das von jenem schönen Geiste der Kraft und der Einfachheit so weit abgewichen ist; das heut eine Verfassung beschwören muß, um Morgen wieder eine andere anzunehmen, und diese annimmt, um sie bald wieder zu slürzen. O Vaterland! du ehemaliger Aufenthalt des Friedens, des Segens und einer stolzen Ruhe! O du meine Vaterstadt, 'in deren Mauren vor kurzem noch ein so schöner Wohlstand blühte — wie seyd ihr so tief gesunken! Was bleibt euch noch übrig — 35 ? — das ihr das Emig^e nennen könntet/ und worüber keine zerdrükende Macht zu gebieten hätte, als euere Tugend? Und welch ein Opfer können wir dem Vaterlande bringen / das verdienstlicher wäre/ als wenn wir recht ernstlich auf eine gute Erziehung der Jugend bedacht sind.i Es thut mir wohl/ theure Mitbürger und Freunde! mitten in unserm Verfall vor euch allen ohne Rükhalt die Wahrheit zu reden. Hätte ich doch die Stimme eines Engels / um allen Schweizern es zuzurufen: O ihr Brüder/ rettet doch / was noch zu retten ist / die Tugend und das innere Glük eurer Kinder! O ihr Lehrer, arbeitet unverdrossen an der guten Bildung der Jugend! O ihr Eltern/ haltet fest auf Ordnung und Zucht in enern Familien! Das ist noch der lerte/ glimmende Funke/ durch den der alte/ hehre, trefliche Schweizergeist wieder aufleben kann. Verlischt auch dieser, — dann verschwinde auch du, schöner Name unsers Vaterlandes, da du nicht mehr mit Ehre genannt werden kannst, aus dem Andenken der Nachwelt! Sey unermüdet darauf bedacht, mein Lieber! recht vieles für Deine Schüler zu werden. Beobachte ihren Charakter, ihre Neigungen und Anlagen, und nach denselben bilde sie. Der geschikte Erzieher weiß auf jedem Lande etwas Gutes anzupflanzen. 358 Benutzt! die vorzüglichen Talente , die du bey den einen entdeken wirst; weke in ihnen einen edeln Ehrgeiz ; lenke das jugendliche Feuer auf schöne Zweke. — Gewöhne den mit mittelmäßigen Anlagen begabten Schüler zur Ordnung und rum Fleiße. — Fleiß er- sezt in manchen Fällen das Genie, und wenn dieses neue Welten entdekt, so werden sie durch jene kultiviert und erhalten — und führe ihn auf den Weg, ein arbeitsamer und nüzlicher Bürger zu werden. Wekke auch das Fünftem, das im Schwächsten Def. ner Schüler liegt, und benutze es zu etwas Gutem. Wenn ich Dir, mein Theurerl um Deiner eigenen Ruhe, und um des Glüks deiner Schüler willen etwas dringend empfehle, so ist es weise Geduld und Schonung; so ist es das, daß du sie wohl zum Fleiß und zur Thätigkeit anhaltest, aber ihnen ihre Jugendzeit nicht durch zweklose Strenge verbitterst. Nur die Widersezlichkeit, der Muthwill, die Trägheit, aber nie das Unvermögen Deiner Schüler werde von Dir beschämt oder bestraft. Sey ihr Lehrer, ihr sanfter Freund, und nicht ihr Zuchtmeister und Peiniger. Suche in Deinem Berufe Dich immermehr rn vervollkommnen, und zu dem Guten immer etwas Besseres hinzuzuthun. Es heißt auch in Deinem Amt: »wer nicht fortgeht, geht zurufe." Es ZM — ist Deine heilige Pflicht, so viel als möglich ist, Gutes tu Deiner Schule zu wirken. Das kann aber weder durch träges Bewendenlassen alles dessen, was da ist, noch durch gewaltsames Abschaffen und Umändern desselben geschehen. Nein, auch nicht das. geringste des Schönen und Guten und Zwekmäßigen, das diese Schulanstalt schon hat, werde abgethan; sondern vielmehr fleißig behalten, benuzt, verbessert, und allenfalls mit neuem Guten vermehrt. Nie soll es bey christlich und vernünftigdenkenden Menschen, also auch bey einem Lehrer nicht, in die Frage kommen : ist eine Einrichtung alt oder neu; sondern ist sie gut , ist sie zwekn'raßiss, wirkt sie das, was sie wirken soll? Das Gute wird weder durch das Alter, noch durch die Neuheit gut; es hat seinen Werth in sich selbst. Du, lieber, junger Lehrer! suche weder Altes noch Neues als solches, sondern einzig das Gute; das, was Deine Schüler zu frommen Christen, zu nurlichen Bürgern, zu achtungs- würdigen Menschen macht, ru glüklichen Geschöpfen für diese und jene Welt: das „ wo wissen ewig ,, nüzt und Irren schaden kann." Nur gar zu sehr fühl' ich es, wie wenig ich im Stande sey, Dir alles ru sagen, was ich Dir so gerne sagen möchte. Der Geist der Wahrheit leite Dich' selbst, und lasse Dich in Deinem Berufe sehe viel Nüzliches entdeken. Sey nicht nur ein geschik- ter, sondern auch ein frommer, christlicher Lehrer. Liebe Deine Religion, und arbeite als an dem vorzüglichsten und wichtigsten daran, daß auch Deine Schüler sie lieben, und ihren Stolz und Ruhm darinn finden, mit Wort und That sich als Christen zu bekennen. So sey denn, mein Sohn, mein Freund, mein Geliebter! die Huld und der Segen des Allmächtigen mit Dir und über Dir, und lasse all Dein Wirken und Thun wohl gelingen. Sey so lange Du lebst ein gesegnetes Werkzeug zur Beförderung der Wahrheit und Tugend! Sey ein geliebter Vater Deiner Schüler, eine Lust deiner Freunde, ein Trost Deiner Familie. Das Zier deiner Wirksamkeit erstreke sich bis in eiir ehrenvolles Alter, und wenn Du einst Dein Tagewerk vollendet hast, so führe Dich ein sanfter Tod dem hohen Lohne entgegen, der im Lande der Unsterblichkeit dein Theil seyn wird. 2s. G e s e z. ^ Der Vollziehungs-Rath Nach angehörtem Berichte seines Ministers deS öffentlichen Unterrichts über die Frage: ob es nicht billig sey / daß die Schulmeister während der Zeit, da Schule gehalten wird, zu keinen Gemeinds-Wer- keil, weder selber noch in einem von ihnen ru besol° denden Manne sollen angehalten werden ? In Erwägung / daß das Schnlhalten eines der nmlichsten Gemeinds- Werke ist; In Erwägung, daß die Schulmeister für ihre Arbeit meistens nicht verhältnismäßig belohnt sind; beschließt: a. Die Schulmeister sollen wahrend der Schul-Zeit zu keinen Gemeinds-Werken, weder in Person noch in einem von ihnen zu bezahlenden Manne angehalten werden können, s. Dem Minister des öffentlichen Unterrichts ist die Bekanntmachung dieses Beschlusses aufgetragen. Bern, am 30. Iul. 1801. Die Unterzeichneten. ' 26. In der Gemeinde R , Kanton Santis, wurde vor kurzer Zeit dem Schulmeister daselbst von den Gemeinds-Vorgesehen — auf die Vorstellung des Orts-Pfarrers — fein geringer Wochenlohn von rfi. Lokr. auf ist. 45 kr. verbeßert, allein der dor« tige Munmval-Präsident vermehrte diesen Beschluß «och sorgfältig mit dem Anhange: daß der Schulmeister nun auch in Zukunft gehalten seyn solle, die Kinder nach der alten Methode ru unterrichten, und «üts von, neuen Züg anzunehmen. XI. Rezensionen. i. Zwey Anreden, gehalten beyderfeyerlicherr Einsizung des Erziehungs-Rathes zu Luzern, den 26. Jenner 1799, von den BB. Gtapfer, Minister der RR. und ww., und Thaddäus Müfier, Mitglied des Erz. Rathes. Luzern. 8. 48 S. 2 . Denkmal der feyerlichen Einsezung des Erziehungs-Rathes und der Schul-Inspektoren des Rantons Linth. Gestiftet in Glarus aufdem Rathhause den 26. Ienner 1821. Gedrukt zu Glarus. 8. 48 S. enthaltend: ». Anrede von B. Regierungs-Statthalter N. HeeL in Glarus. — Zgtz — b. Rede von B. Johann Jaksb Zwicky, Pfarrer in Niederurnen, über das Wohlthätige des abgeschiedenen Jahrhunderts, in Rüksicht der Geistes- Kultur, mit besonderer Rüksicht auf den Kanton Linth. c. An den Erziehungs-Rath des Kantons Linth, bey seiner feyerlichen Einweihung den 22. Zenner Ein Gedicht vom Barde von Riva. Vmeichniß der Mitglieder des Erziehungs-Raths, der Adjunkten und Schul-Inspektoren im Kanton Linth. Alle diese in ^0.1 und 2. enthaltenen Reden machen durch ihre zwekmäßige Einrichtung ihren würdigen Verfassern Ehre, und bleiben, gewiß! nicht umsonst gesprochen. ?. Der Erziehungs-Rath des Kantons FreyVurr an seine Mitbürger. Dom 16. Merz 1799, s. i; Seiten, Ein Aufruf an das Volk, die Geistlichen und die Schullehrer, der überhaupt die Nothwendigkeit der Verbesserung des bisherigen Schul- und Eme- hungswesens in Helvetien, und die Heil-Verbind- — 364 lichkeit eines jeden guten Bürgers, den jezrgen Schui- verbeffernnge» allen möglichen Vorschub zu thun — schildert. — 4 « Rrirze, doch deutliche Auweisiurg für die Schullehrer auf dem Lande, wie sie ihre Jugend wohl unterrichten, und die Anfangsschu- len fo einrichten können, daß dieselben Zur Ehre Gottes, zumNuzen des Vaterlands, und Zur zeitlichen und ewigen wohlfarth der Linder gereichen mögen. Zu Lieb' und Nuzen der ' Jugend und der Schulmeister, im Druk herausgegeben von Heinrich Zschokke, dermalen helvetischer Regierungs-Rommissar. Luzern, 8. 1799, r6 Seiten. Die Hauptsache dieser Zschokke'schen Anweisung für die Land-Schulmeister des Kantons Waldstatten, die wahrscheinlich überall »»befolgt blieb, ist nachstehende : I.^Von den Eigenschaften eines guten Schul« lehrers. 1. Vor allen Dingen, wenn der Schulmeister Mit Frucht und Segen arbeiten will, muß er seyn «in rechtschaffener, gottesfürchtiger Mann, der recht aus »Liebe und Neigung ru den Kindern das Schul- — Z6Z — «int führet, und dem es angelegen ist, daß die Kinder viel lernen. 2. Er muß daher gllen Kindern mit dem Beyspiel der Ehrbarkeit und Zucht vorangehen, das; sie Ehrfurcht vor ihm haben. Er soll nicht seyn ein zänkischer Mann, oder ein Säufer, oder ein Flucher, oder einer, in dessen Hause Unsauberkeit und Unordnung lochst. 3. Soll er sich auch enthalten üble Worte aus- zustossen, und zu schimpfen, oder zu schelte»; denn Kinder lernen oft von ihren Lehrern nichts leichter, als deren häßlichste Fehler annehmen. 4. Er soll, wenn er ein Buch liefet, so gut lesen können, daß derjenige, welcher zuhöret, kaum unterscheiden kann, ob er aus sich selber rede, oder ob er, was er spricht, nur lese. 5. Er soll sauber schreiben, und auch einen zierlichen Brief abfassen können. 6. Die Rechenkunst muß er verstehen, daß er Mann ist für die Fälle im gemeinen Leben, wo es gerechnet seyn muß. 7. Kann der Schullehrcr noch dazu Unterricht geben im Gesang — oder in der Beschreibung der Welt, — oder in andern nürlichen Dingen: so ist er ein besonders geschikter und nüzlicher Mann- 366 8. Er soll endlich die Kinder nicht' nur in der Schule rur Ordnung halten, sondern daß sie auch zu Hause und auf der Straffe artig, gehorsam, und gegen die Fremden dienstfertig und höflich sind. Er soll auch nicht ein Kind besonders verachten oder hintanseren; noch ein andres, als einen Liebling allen andern vorziehen, und ihm schmeichlen, und Nachsicht gegen dessen Fehler haben. Sondern er soll gerecht und gütig seyn gegen alle Kinder gleich; auf daß ihm alle Kinder mit gleicher Liebe anhängen, und daß ihn alle dereinst mit Freuden segnen, wenn sie erwachsen sind. II. Von der Schul-Ordnung, i. Ehe mit der Schule angefangen wird, sollen die Kinder paarweise zum Schulmeister hintretten, um zu zeigen, daß sie sich am Morgen Hände und Gesicht rein gewaschen haben, und daß ihre Haare sauber gekammet find*). Ein unreines Kind ist keinem Menschen angenehm, und soll nicht sizen neben den Reinen. - 2 . Als- *) Alles Aufsehe» erregende muß man in solchen Fällen vermeiden; genug ists: wenn man es bey den Land» Schulmeistern nur dahin bringt, daß sie jedesmal«; Leim Anfang der Schule die Kinder überhaupt auch in Ansehung ihrer Reinlichkeit beobachten, und Unreinliche zu bessern suchen, Der Herausgeber. — 367 — s. Alsdann aller Anfang mit Gott. — Fange eure Arbeit an mit einem kurzen, doch andächtigen Gebet, so auf eure Umstände eingerichtet ist, wie vhngefähr folgender maßen: „O grosser, heiliger „Gott, der du unser lieber, himmlischer Vater bist, „sieh uns auch heute mit Liebe und Gnade an, denn „wir gehören dir alle, und sind alle deine Kinder.— „Wir sind hieher gekommen, um recht viel Gutes „ und Nmliches zu lernen; wir wollen darum fleißig „seyn, und gehorsam, denn du liebest dre guten „Kinder. — Segne und belohne du die Mühe und „ Arbeit unsers lieben Lehrers, so er auf uns ver- „ wendet. Segne und behüte unsern lieben Vater, „und unsre Mutter, unsre Bruder und Schwestern. „Laß uns alle Tage besser und frömmer werden, da» „ mit wir einst in den Himmel eingehen, wie dein „ Sohn Jesus Christus uns verheißen hat. Amen." z. Dieses Gebet soll sehr langsam, und mit lauter, deutlicher Stimme jedesmal von demjenigen Kinde gebetet werden, welches am Tage vorher von allen das Fleißigste und Artigste gewesen ist. 4. Alsdann sollen sich die Kinder niedersezerr, und zwar in einer dreyfachen Ordnung. 2) Zur ersten Ordnung gehören die, welche schon Gedruktes und Geschriebenes lesen könnem A - b) Zur zweyten Ordnung gehören die, welche buchstabieren. v) Zur dritten Ordnung gehören die/ welche das ABC lernen. 5. In jeder dieser drey Ordnungen müssen die Kinder nicht stzen, wie sie kommen und wolle»/ sondern von oben nach unten/ in Betracht ihres Fleisses und ihrer Fortschritte im Lernen. Die Fleissigen und Artigen werden bald hinauftüken auf die obersten Plaze/ die Faulen und Unartigen werden aber untenan stehen / wre sie es verdienen. 6. Das Kind, welches in seiner Ordnung den obersten Plaz hat/ soll die Ehre haben/ Aufseher zu seyn über alle Kinder in seiner Ordnung, und ihnen ihre Lektion anhören/ und sie rur Stille und Artigkeit anhalten. - 7. Wenn ein Kind aus der dritten Ordnung zur zweyte»/ oder aus der zweyten rur ersten befördert wird, so soll dieß der Schullehrer den Aeltern anzeigen/ damit sie Freude haben. 8. Sobald Kinder in die zweyte Ordnung kommen- sollen-sie auch ansangen/ das Schreiben zn lernen/ und das kleine Ein-mal-Eins auswendig lernen. 9. Die Kinder von der ersten Ordnung sollen zum Lesen, Rechnen und Auswendiglernen nüzlicher Sachen angehalten werde»/ und diejenigen, so da schrei-' den können, müssen schon Versuche machen, kleine Briefe zu verfertigen, aus sich selbst, über allerley Dinge; oder müssen aufschreiben, was ihnen der Lehrer erzählt hat, etwa eine kleine nürliche Geschichte. 10. Wenn die Kinder aber in der Schule lernen, so müssen sie ganz still für sich lernen, und kein Geräusch machen, so daß man nur diejenigen höret, welche der Lehrer selbst vorgenommen hat. 11. Auch soll kein Kind laut fordern, oder rufen noch schreyen, sondern mit sanfter Stimme verlangen , wenn es von seinem Lehrer etwas will. 12. Nicht nur, daß die Kinder in der Schule lernen, nein, dies ist nicht genug. Sondern der Lehrer muß ihnen auch noch Arbeit zu Hause aufgeben etwas auswendig zu lernen, oder etwas auszurechnen, oder etwas zu schreiben. III. Von Belohnung und Strafen. i. Wenn ihr gute Kinder erziehen wollet, so müsset ihr sie mehr durch Liebe als durch Härte rum Guten führen, das heißt: ihr müsset sie mehr durch Hoffnung zur Ehre und Belohnung , als durch Furcht vor der Strafe regieren. Aas 37o 2. Ausser der Ehre des obersten Plazes und des Aufseher-Amtes für den Flüssigsten und Sittsamsten, sollen noch gam andere Belohnungen Statt finden, für die drey ersten Pläze. Dasjenige Kind, welches in der Schule den ersten Plaz von oben an einnimmt, soll am Sonntag oderFeyertag ein grünes seidenes Band, von dem zweyten Plaz soll das Kind ein rothes seidenes Band, von dem dritten Plaz ein gelbes seidenes Band zum Ehren - und Kennzeichen tragen— Dies Band giebt ihnen am Tag vorher, wenn die Schule zu Ende ist, der Schnllehrer, und wenn der Sonntag oder Feyertag vorbey ist, bringt das Kind das Band dem Lehrer rurük. Die Knaben tragen das Band um den linken Arm in einer Schleife gebunden. Die Mädchen tragen es als eine Schleife vorn an der Brust. 3. Die Munizipalitat soll den Kindern in der Kirche besondere Reihen von Stühlen oder Standen anweisen, und dort sollen die Kinder in eben der Ordnung sizen, wie sie am Tag vorher in der Schule saßen, auf daß die ganze Gemeinde und alle Aeltcrn selbst sehen, welche von ihren Kindern die Flüssigsten 7) Eine gewiß höchst ««anwendbare und zwekwidrige Mk- th»-e i Der Herausgeber. 3?r und Artigsten in der vergangenen Woche waren. Damit aber die Kinder nicht vergessen , welchen Pla; sie haben, giebt ihnen der Lehrer auf dikem Papier oder Holzplättchen geschriebene Nummern, so sie nachher wieder abliefern müssen. 4. Nach einem halben Jahre sollen die Namen derjenigen Kinder, welche während des ganzen halben Jahrs immer vor allen andern die Flüssigsten und Sittsamsten waren, an den Bürger Unterstatthalter eingesandt, und ausser dem in der Kirche vor der ganzen Gemeinde öffentlich verkündigt werden, als ein Glükwunsch für die Aeltern, welche von Gott mit so guten Kindern gesegnet sind. Z. Die Kinder im Kanton Waldstadten, von ganz. armen Leuten, sollen nicht nur kein Schulgeld bezahlen, sondern sie sollen ihren Aeltern sogar in der Schule etwas mit ihrem Fleiß verdienen können, und zwar so: wenn das Kind ganz armer Aeltern aus der dritten Ordnung in die zweyte, oder aus der zweyten in die erste übergeht; oder in der ersten Ordnung zwey Wochen nacheinander eines von den Ehrenbandern trägt, so soll es der Munizipalitat gemeldet, mrd von der Unterstürungs - Anstalt im Kanton Waldstädten eine ansehnliche Belohnung empfangen an Geld, ober Erdapfeln, oder Harrs- geräthe u. s. w. — 372 — 6. So wie die Kinder besonders mit Ehr- belohnt , müssen sie auch nur mit Schande bestraft werden. Doch versteht man darunter nicht, daß man solche Kinder mit häßlichen Schimpfwörtern belegen solle; denn diese sind unanständig im Munde eines frommen Mannes. 7. Auch soll der Schullehrer niemanden schlagen wegen Kleinigkeiten. Und wenn er schlägt, so soll es nur seyn gegen die, welche ganz unverbesserlich sind, und für Ehre und Schande kein Gefühl mehr haben. 8. Gute Strafen sind besonders diejenigen Züchtigungen, welche, ohne der Gesundheit nachtheilig zu seyn, noch dem Körper großen Schmerzen verursachen, dennoch das gestrafte Kind betrüben. — Als rum Beyspiel, Ausstellung des Kindes an den Plaz der Faulen in der Schule, fern von allen Fleissigen, oder Knieen an dem Ort der Schande, oder Einsperrung in ein dunkles Gemach, u. dgl. IV. Bitte an die reichen Leute und Kinderfreunde. Da es gut ist, daß die Kinder nicht nur Lesen, Schreiben und Rechnen, sondern auch andere wissens- würdige Dinge lernen; da es zu dem Ende besonders gut wäre, wenn der Schullehrer den Kindern alle Tage aus einem angenehmen und nüüichen Buche 373 etwas vorlesen wollte, darüber er sie dann wieder befragen und unterrichten könnte; da hierru aber jede Gemeiuds - Schule ein solches Buch haben müßte/ oder mehrere/ o ihr reichen und wohlthätigen Leute und Freunde der Jugend! so bitte ich euch/ wenn ihr ein gutes Buch für Kinder besizet/ machet doch den Gemeinds-Schulen damit ein kleines Geschenk! ihr machet euch dadurch sehr verdient um die Kinder. Denn obwohl euer Geschenk auch gering seyn mag/ wird es doch große Frucht bringen. V. Schluß. Du aber/ o mein Gott! du Vater/ du Be- schüzer/ du Belohner alles Guten! segne du die Schulen unsers Vaterlandes/ damit unsre Nachkommen vor dir aufwachsen mögen in aller Frömmigkeit und Weisheit/ daß sie alle Völker übertreffen in Gerechtigkeit und Tugend/ in Fleiß und Arbeitsamkeit/ in Gehorsam vor den obrigkeitlichen Geseren / und in Freyheit. — Alsdann werden unsre Kinder ihre Vater übertreffen; Friede und Eintracht wird dann in ihrem theuren Vaterlande wieder wohnen, und sie werden glüklicher seyn, als wir sind. Laß uns nur besser werden. So wird es besser seyn! 374 5 . Erste Anleitung für die Schullehrer des Aautons Linth, zu nüzlicherer und zwekmässi- gerer Verwaltung ihres Amts. Gedrukt zu Glarus igoi. 8. 27 S. Drese Anleitung ist völlig die gleiche, welche der Emehnngs-Rath im Kanton Santis den dortigen Schulmeistern zusandte, *) ausgenommen, daß sie folgende Zusäze enthalt: Anstatt der Säntiser Adresse an die Schullehrer **) enthält sie folgende Zuschrift an die Geistlichen und Schullehrer: Die Schullehrer haben bisher so wenig Aufmunterung gehabt, und dieser verehrungswürdige Stand ist von den ehemaligen Regierungen so sehr vernach- . lassigt worden, daß sich jezt nur wenige, bey der so nothwendigen Schulverbesserung, selbst, und ohne fremde Anleitung, werden zu helfen wissen. Allein, wenn sie nur den ernsten Willen haben, sich zu vervollkommnen, so sind sie uns schon sehr schäzenswerth. uNd je mehr sie ihre Schwachheit erkennen, und nach gründlicher Belehrung streben, desto mehr wachst unsere Achtung gegen sie. Ein solcher lernbegieriger *) S. diese Gchulmstr. Bill. rS Bändchen. — Meister dem Pfarrer anzeigen, und dieser die Aeltern von der Nothwendigkeit überzeugen, sie einem vernünftigen und gewissenhaften Arzt in die Kur zu geben, damit dieselben nicht, wie es bisher häufig geschehen ist, durch Qnaksalber und übel angewandte hineintreibende Hausmittel, um Gesundheit und Leben gebracht werden. Die ganz Armen wird er der Mu- riizipalitat empfehlen, und diese wird so menschlich seyn, solche arme Kinder aus der Steuer, demArmen- gut, oder aus dem Gemeindsekel kurieren rn lassen. 7. Diejenigen, welche sich in allen diesen Punkten durch Ordentlichkeit auszeichnen, sollen dem Schul- Jnspektorbey seinen gewöhnlichen Besuchen mit Ruhm angezeigt, und bey auszutheilenden Prämien soll auch vorzüglich Rüksicht auf sie genommen werden. Der Erziehnngs-Rath hofft, daß die Eltern und Kinder diese wvhlgemeynten Rathe und Verordnungen, um ihres eigenen Nuzens und ihrer Ehre willen, gerne und mit Freuden befolgen werden; und ersieht sich für seine Mühe belohnt genug, wenn seine lieben Mitbürger die Vortheile, auf die er sie aufmerksam macht, gewissenhaft zu ihrem Nuzen anwenden. Also beschlossen zu Glarus den 2-r. Merz i8«r. 2m Namen des Erziehungs-Raths von, Kanton Linlh, Pfr. Freüler, Präsident, Zugenbühler, Aktuar. Rurz zusammengezogener Unterricht für die Rinder meiner pfarrey, weiche zur österlichen Zeit beichten und kommunizieren sollen. Ge- drukt zu Glarus im Iahr 1802. 8.22 S. Der Inhalt dieses Katechismus redt: Von den heiligen Sakramenten überhaupt; von dem Sakrament der Buße; von der Beicht; von dem Altar-Sakrament, als von der Kommunion, und der Zubereitung dazu. Diesem ist ein Ausa; von 16 S. beygefügt, mit der Aufschrift: Schöne Tagesordnung, mit der sich einst zwey Kinder eures Alters vor Gott und den Menschen glüklich machten; ohne die «in anders noch jezt sein Schiksal beweint. In der Vorrede sagt der Verfasser, der sich daselbst Leonard Gmür, Pfarrer in Amden, unterschreibt: „ Ihr müßt aber zur Beicht und Kommunion nicht nur „wissen, was ich hier schreibe,, sondern ich seze zumVsr-- „auS, daß ihr schon gelernt habt, B. Wie mancher „Gott ist? Wer ist Gott? Wie viel sind Personen in der „Gottheit? Wie viel sind Gebote Gottes? Wie viel Gebote „der Kirche? Wie viel Sakramenten? Auch das Vater „ Unser, Ave Maria, den apostolischen Glauben, die neun „ fremden Sünde», die sieben Hauptsünden, die Sünden „in den heiligen Geist, die Sünden, die in den Himmel „schreyen; endlich die acht Seligkeiten, die leiblichen und „ geistlichen Werke der Barmherzigkeit; die vier lezten Dinge „ des Menschen, die ich hier alle nicht hinscze, weil ihr 38 - „ sie anderswo gar leicht findet. Nebrigens wenn ihr alles „ dieses recht schön gelernt , so gebe ich dann vielleicht einen „ganzen Katechismus heraus, re. re."— . . . ar 7. al! Christlich republikanischer Ratechismus, oder de Grundsäze christlicher Moral für republikanische Iugend ; v. Heinrich vonlähr/ pfr. in Laufen. ka Zürich 17,9. 8. 47 G. de Der Verfasser sagt in der Vorrede: „daß ein mors- „ lischer Katechismus für die Jugend ein Bedürfniß der sih »Zeit sey, wird man wohl nicht in Abrede seyn können. kn „ In wie weit der Versuch eines solchen dem Verfasser ge-- sich „ lungen sey, wird die Stimme des Publikums entscheiden. 2 ) „An Bestimmtheit und Gründlichkeit der Begriffe soll eS, 3) „ wie er meynt, diesem Versuch nicht fehlen. Mehrere Aus« le;t „ einanderseznng der Gaze, oder größere Vollständigkeit konnte Sv „ er demselben nicht geben, wenn er sich nicht zu tief in das wo, „Feld der Moral hineinlassen wollte. Er wollte nur skiz- uni „zieren, kein ganzes weitläufiges System schreiben. Ein sich „kleiner Versuch sollte das Ganze seyn. Etwas Größeres „ könnte noch daraus entstehen, wenn diese wenigen Bogen „ Beyfall finden, und als nüzlich angesehen werden sollten." Nach meinem Dafürhalten würde der verdienstvolle ^ Verfasser seinen eilen Endzwek viel besser dadurch erreicht haben, wenn er nicht die Katechismus - Form gewählt, son- Hern ein Sittenbächlein, nach der Art des Campe'schen oder "" des Rochow'S Kinderfreund verfertigt hätte» der i 8 . Lehr - und Sittenbüchlein für kleine Rinder aus dem Bauren - und Bürgerstande, welches als ein Lesebuch in den Schulen gebraucht werden kann, und als Vorbereitung zum Rate- chismus dienet. Herausgegeben von einem katholischen Land-Geistlichen. Mit Gutheissung der Obern. Luzern 1801. 8. 49 S. Es wäre sehr zu wünschen, dieses in vielen Absichten sehr brauchbare Schulbüchlein würde in recht vielen Schulen eingeführt seyn. Es zerfällt in drey Abschnitte: 1) Wie sich ein Kind gegen seine Aeltern und Lehrer betragen soll» -) Wie sich ein Kind gegen andere Menschen betragen soll» z) Was Kinder gegen sich selbst zu beobachten haben. Zu- le;t enthält es noch einen Anhang von allerley schöne» Sprüchen für die Jugend. Unter die Fragen und Antworten hat der Verfasser viele Erzählungen, Liederverse und'Sprichwörter sezen lassen, die ganz am rechten Orte stehen. 9 . Neues ABC - und Lesebuch für die Schrvei- Zer-Iugend von 6 bis 10 Jahren. Den Stadt- und Dorfschulen zu einem bessern Leitfaden gewidmet. Für Rinder aller Religions. Gemeinden. Neue Ausgabe, mit einigen Abänderungen. Bern u. Freyburg 1799. 8.128 S, Db 384 Es enthaltet eine nicht ganz unzwekmässig ausgewählte Sammlung kurzer Aufsaze über die deutsche Grammatik/ Naturgeschichte/ Geographie/ Sittenlehrc, rc. Der Verfasser, J.G.Heinzmaun, sagt darüber in seinem Vorberichte: »Da das zerstreute Gute der neuern Kinderschriften für »die ersten Anfänger im Lesen so gar wenig in hiesigen » Gegenden benuzt wird, so hat man es durch eine solche „Ausgabe versuchen wollen, sie gememnüziger zu machen. »Auch ist der Preist des Werkchens möglichst gering gesezt »worden, daß wohl jeder Schukehrer oder jede Gemeinde „ wenigstens ein Paar Exemplare zum Vorlesen, von diesem »Büchlein wird anschaffen können. Arme. aber fierssige »Kinder sollte man damit beschenken. IO. Anweisung zum Buchstabieren - und Lesen- tehren; von pestalozzi. Mit dem ausschließlichen privilegio der helvetischen Republik ge- drukt. Bern iFoi. 8. ohne die Seilen stark? Vorrede 49 Seiten, nebst Beylagen. Dieses ABC - und Lesebuch besteht einzig aus einzelnen Sylben und Wörtern, und kostet mit den Beylagen 8 Daze». Diese leztern bestehen in einzelnen abgedrukten -r Zoll hohen Frakturbuchstaben, können in Kärtchen verschnitten, und als ein bewegliches ABC benuzt werden.- 383 H. Neueingerichtetes ALL - Namen - undBuch. stabierbüchlein, zum Gebrauche der deutschen Schulen. Zug iZoi. i Bogen. Wahrscheinlich ist Lies nichts anders als eine fehlerhaft abqedrukte neue Auflage des allerLltcsten ABC-Duchs diese- Landes, denn da findet man die Worte; Dar, Pha ro, Ehu rcn, Ger ßcl, Lo the, Er fahr niß, re. 12 . Neues leicht eingerichtetes ABC-Buch, brauchbar für Rinder aller Religionen. Mühl- hausen iFor. 2 O S. Dieses ABC-Buch gehört in die vorzüglichere Klasse derselben. — IZ. Systematischer Plan einer allgemeinen Er, ziehungs-Anstalt für alle Stande, hauptsächlich aber für junge Leute, die sich auf ein wissen schaftliches Fach, auf die Handlung und Ke' ^schäfte vorbereiten, oder dem Militär als künftige Offiziers widmen wollen; errichtet im Schlosse zu Wädenschwetl, am Zürcher-Gee, und entworfen von Ioh. Thom. Theod- Lutz, Vorsteher dieses Instituts, winterihur a8os, 4. 8S. «b - Obwohl das Gänze eine Ankündigung einer höher» Erziehungs-Anstalt enthält, so ist derselbe» doch zulezt ncch folgende Anzeige angehängt: »Junge Leute/ die sich zu »Schulstellcn auf dem Lande hier vorbereiten wolle»/ haben „in Ansehung ihres Unterrichts, der Regierung gewisse » Vortheile zu verdanken, weswegen sie sich an den Minister „ des öffentlichen Unterrichts, oder an den Vorsteher des Jn- r, Muts wenden können." 14 . Schreiben des Kezirksstatthalters Schikll von Burgdorf, an seinen Freund L. über pestalozzi's Lehr Anstalt. Bern 1802. 8. iZ S. Der würdige Verfasser schildert darin mit großer Warme Pestalozzi's Bemühungen zur Verbesserung des Schul - Unterrichts. Is. A»r unsre Mitbürger und Mitbürgerinnen in Hewetien. Bern am 20. Nov.1822. 4. 4S. Dies enthält eine Adresse an Las begütertere Schweizer-Publikum , von sechs Freunden Pestalozzi's, welche dasselbe zu einem freywilligen Beytrag zur Unterstüzung des Pestalozzischen Instituts in Burgdorf auffordern. 16. Rurzgefaßte Regeln der Rechtschreibung, bst einem Wörterbuche als Anhang; gennd- met den Jünglingen der untern Schulen in der- Schweiz, von einem ihrer Freunde. Zug 1820. 8. n6 S- Dcr Verfasser, der sich am Ende Ch. P. B. von Luzern nennt, hat der Jugend mit seiner Arbeit keinen großen Dienst geleistet. Schon der undentsche Ausdruk auf demLikcl: Gewidmetden Jünglingen der untern Schulen in der Schweiz, spannte meine Erwartung herab; vbschon auch diese noch durch die Unvvllkommcnheit der Anweisung selbst getäuscht wurde. Die Schwierigkeit, mit der der Schüler der Orthographie am meisten zu kämpfen hat, ist nicht sowohl die Erlernung einiger trokener Regeln, als vielmehr ihre Anwendung. Ohne häufige Beyspiele oder mündlichen Unterricht, bleiben ihm diese unnüze. Diese Schwierigkeit vermehrt sich in einer Gegend, wie die unsrige ist, worin die Aussprache von der Schrift durchaus abweicht; wo also für den Schüler das GrunLgesez: „schreibe, wie du „sprichst," völlig unauwendbar ist, und Loch scheint der Verfasser im Nachtrag (S. 117) zu glauben: als dürft man dein Schüler sein trokenes Gerippe von Wörterbuch und Regeln nur in die Hände geben, und verspricht dem selben, er werde in seinem 87 Seiten langen Wörter Verzeichnisse das Wort, worüber er im Schreiben zweifelhaft sey, sogleich richtig finden. Hat denn der Verfasser vergessen, daß nur einfache Wörter darin vorkommen, und aaß nicht sowohl diese, als vielmehr die zusaminen- gesezten es sind, wobey die Jugend am meisten Anstand findet. — Die orthographischen Grundsäze oder Regeln hat der Verfasser fast der Reihe nach aus Adelung abgeschrieben, allein dabey diese Vorsicht gebraucht, das Reintzeutsche des Leztern durch falsche Constrnktionen, u. dgl. zu verstümmeln und dem Ausdruk seine Präzision zu rauben. — Was das lange Wörter-Derzeichniß anbetrifft, so ist der Verfasser auch hierum unverzeihlich nachlässig gewesen, und hat dasselbe durch eben so häufige Abschreibe - alsDruk- fehler entstellt. I. E. Aerndte, statt Ernte; Aernten, st. Ernten; Äff, st. Affe; Anreiße, st. Ameise; Alter, st. Otter; Auerhan, st. Auerhühn; das Armbrust, st. die Armbrust; Bahr, st. Bahre; der Bank, st. die Bank; der Beamter, st. der Beamte; Beck, st. Bäcker; der Bedienter, st. der Bediente; 'der Bord, st. das Bord; da§ Butter, st. die Butter; und unzählige dergleichen mehr. 17 . N'üzliche Anweisung zum Rechnen. Vorgetragen in einer Abendschule zu Seengen, im Ranton Aargau v. Heinrich Schinz, D. d. göttl. w im Winter 1799—1821. Aarau 1820.8.196 S- Das Ganze zerfällt in zwey Theile; der erste handelt von den vier Rechnungsarten; und der zweyte von den Brüchen und den auf die Lehre von den Verhältnissen und Proportionen sich gründenden Regeln. Da der darin enthaltene Unterricht nicht sowohl Kindern in den Primärschulen, als vielmehr fähigen Jünglingen vorgetragen worden ist, so dehnt sich derselbe weiter aus, als beym u n kern Landschul-Unterricht möglich und nöthig ist. — Ich rüke hierüber am liebsten den Vorbericht des vortrefflichen Verfassers ei», der sich mit rastloser Thätigkeit ganz dem Besten seiner Gemeinde widmet, und in jeder Rüksicht bemüht ist, ihr Lehrer, Wohlthäter und Vater zu seyn. Nachstehendes sind seine eigenen Wörter „ Als mir im Winter 1799 — rgoo meine kranke» „ Augen nicht erlaubten, anhakend beym Licht zu arbeiten, „ so dachte ich auf eine angenehme und zugleich nüzliche „Unterhaltung für die langen Abende." „Ich machte den erwachsenen Bürgern des Dorfs „ Stengen das Anerbieten, ihnen einige Anweisung im „ Rechnen zu geben. Mehrere von ihnen, und eben so r-ichc „Hausväter, nahmen es mit Freuden an, und wir brach- ,,te» alle Wochen vier Abende, von 6 — z Uhr, damit zu, „ die den Lernenden und dem Lehrer recht angenehm vorbey „giengcn." „ Da einige die mündlich gegebenen Regeln auf dem „Papier zu haben wünschten, so entsprach ich gerne auch „diesem Wunsch, schrieb Mal für Mal die Hauptsache „dessen, was ich erklärt, nieder, und gab es zu kotieren." „ Das Erklärte hatten alle gefaßt; allein mehrere besorgten, da sie nicht Zeit genug haben, sich zu üben, „ die Regeln kommen ihnen nach und nach wieder aus dem „Gedächtniß. Sie aufs Papier zu bringen, wurde von „den anfangenden Feldarbeiten nur wenigen im Schreiben „Geübteren gestattet?' »Es that dcsnahen einer den Vorschlag: »»Da dock »»jeder gern etwas daran wenden würde, so könne man's ,, „ ja druken lassen; es bekommend dann alle."'! Dieser » Vorschlag fand augenbliklich Beyfall." » Ich machte mir zwar Anfangs Bedenken, das Ma- »nuscrivt dazu herzugeben, da ich es einzig und »allein zu diesem Privat - Gebrauche nieder- »geschrieben hatte; da es folglich keineswegs zu irgend »einem öffentlichen Gebrauch ausgearbeitet, und eine solche »Ausarbeitung wirklich über meine Kräfte war, weil ich »mich in der Mathematik zn üben , weder Beruf »noch Gelegenheit hatte. Allein wir hatten so manchen »Abend so freundschaftlich beyeinander zugebracht, daß ich „ auch dieses wiederholte Begehren am Ende nicht abschla- » gen konnte." »Nur aus diesem Gesichtspunkt sind also diese Blätter, » wenn sie jemand weiter zu Gesicht kommen sollten, zu benr- ,, theilen. Die Zuhörer in diesen Stunden, lassen die Regeln, ,, die ihnen vorgetragen wurden, auf ihre Kosten abdruken, »und nehmen die ganze Auflage zu Handen, hauptsächlich »zu ihrem und ihrer Knaben eigenem Gebrauche." »Diese Bogen lehnen also alle Anmassung förmlich »von sich ab, als ob sie sich nur von ferne zu einem dem »Publikum vor Augen gelegten Rechenbuche qualifizieren »wollten. Es ist blos für den Privatgebrauch der za Man- »ner und Jünglinge abgedrukt, die meinen Unterricht an- »hörten, (worunter auch die zwey Dorf-Schulmeister »waren.)—" — »Da diese hier aufgezeichneten Anweisungen Haupt? »sächlich dazu dienen sollen-, sich an den mündlich schon »vorgetragenen Unterricht desto leichter wieder zu erinnern, » so sind auch die leichter verständlichen Regeln nicht allemal durch Exempel erläutert." »Hingegen, da es nicht blos meine Absicht war, mei- »nen Zuhörern das Rechnen einzig um des Rechnens willen »zu zeigen, sondern ihnen dabey zugleich einige Uebung »im Nachdenken und in Erwerbung deutlicher Begriffe M »verschaffen, so sind aus diesem Grund nicht blos die »Regeln angegeben, sondern meistens auch die Beweise zerr führt worden." » Schüler und Lehrer wurden durch den guten §ort> »gaug, den dieser Unterricht nach wenigen Stunden hatte, »aufgemuntert/und beyden wurden diese Stunden wirklich »zum Vergnügen. Ich bin Lesnahen auch weiter darin» »gegangen, als ich anfänglich vorhatte, und habe auch ,, die zusammengcsezten Regeln erklärt." »Wer also nur das Allernöthigste lernen will, mag »die jedesmaligen Beweise, die ganze Lehre »von den Brüchen, und alles, was nach §.367. »steht, überschlagen." »Warum ich nicht meinen Zuhörern, diese Anweisung »zum Druk zu überlassen, beharrlich verweigerte, und sie »dafür auf irgend ein anderes schon existierendes, Rechenbuch hinwies, warum ich im Gegentheil es wagte, übe« »eine Wissenschaft etwas dem Druk zu übergeben, die! ich „selbst nur so weit inne und in Uebung hatte, als man «ihrer im gemeinm Leben alle Lage bedarf, dafür habe „ ich einen Grund, der sich hier nicht wohl anführen läßt, «der aber doch fo beschaffen ist, daß er mich gegen jeden, «dem ich ihn anführe, hinlänglich rechtfertigen wird.—" A rr h a n g. Enthaltend noch ein Paar interessante Nachrichten aus dem Kanton Aargau, wo der Zustand der Landschulen vorher erbärmlich schlecht war, gegenwärtig aber durch den bisherigen Kantons - Erziehung-; - Rath, der bisher gewiß der thätigste in der Schweiz war, schon um vieles verbessert wurden Möchten solche Bevspiele, wie die nachstehenden find, doch überall Nachahmung finden! O daß wir nur wollten — wie vieles vermöchten wir dann: — I. Der Schullehrer Löbeli v. Meisterschwan- den im Kirchspiel Seengen, welcher nebst seinen Schulgefchästen den Winter hindurch die Kinderlehre gehalten hat, stellte am Neujahrstage 17z r seinen Schulkindern vor, wie brav es wäre, wenn die Vermöglichen unter ihnen wöchentlich einen oder zwey Kreuzer zusammenlegten in eine Kasse, aus welcher nach und nach den ärmern Kindern Schuhe und Strümpfe angeschafft werden sollten, panut fie die Schule besuchen könnten. Der Vorschlag gefiel den Kindern und Aeltern, und der würdige B. Pfarrer Gchinz uüterstüzte ihn mit seinem Rath und Ansehen. — 393 Jede» Winter hindurch wurde alle Sonntage eine kleine Schüssel unter den Kindern herumgeboten, und so sind jezt im Jahr 1801 hundert und dreyssig Gulden zusammen- gelegt worden. Wollte Gott, dieses Beyspiel würde allgemein nachgeahmt! Die Schulen würden vieles Labey gewinnen, und der Geist der Wohlthätigkeit allmälig auf dem Lande verbreitet, wo er jezt, leider! noch so selten ist. 2 . ' In Nieder« Mühlen hat eine Frau ein Legat von 400 Gulden bestimmt, um aus den Zinsen armen Schulkindern KleidungSßüke und Schulbücher anzuschaffen. Z. In Aarau haben sich Frauen und Töchtern in eine Gesellschaft vereinigt, um vor Anfang der Winterschulen eine Anzahl von Kleidungsstüken zu verarbeiten, die in Gemeinden , deren Schulen vorzüglich gut sind, an arme Kinder vertheilt werden sollen. Line Frau, die auf dem Sterbebette davon Nachricht erhielt, gab »och 8 Louisd'or zu vielem gutgemeinten Zwcke. In mehrern Nähschulen anerboten sich junge Töchtern, Hemder und Strümpfe gratis zu verfertigen. Der Eifer ist um so viel größer, weil man sich durch den Erziehungs-Rath und die Schul-Jnspektoren versichern kann, daß diese bekleideten Kinder die Schule werden besuchen müssen. Die große Armuth auf dem Lande bedarf aller möglichen Unterstüzung — auch ein kleines Schärfchen thut wohl. Sollte es nicht besser seyn, dies zu sagen und zu predigen, als wie es neulich in einem Jür- cherschen Flugblatt hieß.: die wohlhabende» Städter solltet! für einmal, ihre Gaben zurükbchalten, damit das Elend «irgendwo Untcrstüzung finde-, und so der Regierung die Augen geöffnet, d. h. die Zehenden wieder hergestellt würden. Wie darf man auch so etwas sagen? — Ist cS bey der Wiederherstellung der Zehenden rc. weniger wahr, als bey ihrer Abschaffung: daß schlechte Mittel dem guten Zwei schaden! 4 . Noch etwas über das Aarau'sche ABC-Buch. Der erste Versuch, ein neues Schulbuch Lehrern und Schülern in die Hände zu spiele», ist für einmal mißglükt. Der gegen Aarau sorgfältig unterhaltene Haß, Las als Drukort auf dem Titel stand, blinder Religions - Eifer, «nd die Gleichgültigkeit der Menge für jede Schul - Verbesserung, machte ihnen gutes Spiel, so daß von iüso Exemplaren, die grsßtenthcils gratis ausgegeben wurden, kein einziges mehr in einer Landschule zu finden ist. Selten wollte man mit dem rechten Grunde hervorrufen; noch seltener wollte der Anführer der Bücherstürmer gekannt seyn Indessen hieß es in den Zuschriften der Munizipalitaten: entweder — es sey. eine französische Neuerung, und deren seyen fie nur allzusatt — oder die Sammlung von Wörtern zum Buchstabieren und Lesen sey «»christlich und für die Kinder keineswegs erbaulich — oder durch die Wegkassung des christlichen Glaubens und der zehen Gebote sey die Religion gefährdet — oder das beygefügte Gespräch aus 395 Lienhardt lind Gertrud werde von Kinder» mit so alltäglichen Namen geführt/ däß man in der Schule nur darüber lachen müßte, wenn man Lift, Michel, rc. läse. Hätte man den Drukort nicht genannt, und wären der Glaube und die zehen Gebote nicht weggelassen worden, so würde das unschuldige ABC-Büchlein gewiß ein besseres Schiksal gefunden haben. Immerhin war jene Weglaffung, die einen ökonomischen Grund hatte, nicht klug. — Die Gchullchrer und Kinder des Kantons wurden vom Erziehungs-Rath sehr nachdruksam zu immer mchcerm Fleiße ermuntert. Ersterer wandte sich an seine Kantons-Mitbürger, und erhielt in kurzer Zeit zu obigem Endzwek 8->o Franken, so daß er nach Verlauf der Winterschulen 27 Schullehrern, die sich vorzüglich ausgezeichnet hatten, jedem einen Dukaten, nebst einem Belobungsschreiben —° Las bey den meisten noch mehr als das Geld wirkte, und überall nicht ohne wohlthätige Frucht bleibt — geben konnte. Auch wurden unter die flechsigsten Kinder Schulpfenninge ausgetheilt — einer zu io Bazen am Werth — welche die Lernbegierde der Kinder aufs Neue erwekt haben. 6 . In den Munizipal-Stäötcn des KantsnS — Lenzburg ausgenommen — herrscht unter den Bürgern ein edler Wetteifer in zwekmassigerer Einrichtung und Ausdehnung ihrer Schul-Anstalten, und eine thätige Nmerstüzuns des Erziehungs-RathS. Besonders die Bürgerschaft von Aarau giebt hierin ein rühmliches Beyspiel, indem sie mit der Errichtung einer Kantons - Schule beschäftigt ist, und zu diesem Ende durch Privat - Subscrixtion im July i8oi schon über 40,000 Franken zusammengebracht hat, auch von mehrern tüchtigen Männern das gemeinnüzige Anerbieten erhielt: unrntgeldlichen Unterricht in der Religion, Botanik, Chemie und Aejchnungskunst zu ertheilen. / Anzeige zweyer Büchlein, die sich jeder Land-Schulmeister anschaffen sollte. r. Bemerkungen für Sand-Gchullehrer und für Freunde derselben. UM dem Motto Marc. x. v. 14. vonJoh.Büel. Nürnberg 1792. s. 126. S. 2. Briefbuch oder Anleitung zum Brieffchrei- den und anderen nüzlicken Aufsäzen für schwei- zersche Landschulen. Von Johannes Büel. Zürich bey David Geßner. 1795. 8. 80 S. — 397 — Inhalt. Seite I. Verstandes-Vebnngen für Schulkinder. Vom Herausgeber. II. Sammlung einiger Gebet» und Lehr < Lieder. Von B. Pfr. Zwingli. III. Bemerkungen über den Zustand der Schulen des ehemal. deutschen Werner-Gebiets. (Line Fortsezung.) Von B. Helfer Grüner. IV. Die Abstellung des S(eligivns-Unterrichts in den Volks, Schulen; widerlegt von B. Pfr. wyß in Buchsee. . , V- Entwurf eines InterimS-InstitutS zur Bildung der Landschullebrer des Kantons Zürich. Von B. Diakon Schultheß. —VI. Vorschläge eines Versuchs zur Errichtung einer Erzichungs - Anstalt neuangehender Landschul» lehrer im resormirten Theil des Kant. Säntis. Vom Herausgeber. - VII. Von den, Erfolg dieses Projekts und der Ausführung desselben. Vom Herausgeber. VIII. Gedanken über die Einrichtung eines Urbars der Schulmeister-Besoldungen. Von B,pfr. Baumgartner. zu Bargen. L4 S- n» sr» -zr 271 398 Seite IX. Lied nf L'SÄulinchiig i der Scbwyz. Von B. Pfr. Hastiger in Hochdorf. -7S X. Verordnungen, Nachrichten, Anekdoten rc. das schweizcrsche Landschulwesen betreffend. s«r XI. Rezensionen. zSr XU. Anhang : Schulnachrichten aus dem Kanton Aargau. Zgr Nachstehende Drnkfehler, welche sich wegen meiner Entfernung vom Drnkorte vorfinden, bitte ick gefälligst zu verbessern: S. IO. Z. 20. v. oben lies: Papier, statt Pasvier. — lZ. — IO. — - sezs hinter: Schneider, ein? I I — seze hinter: verdienen, ein 7 '—so. — rq. — lies: wüßte, statt wußte. — — 2O. — — nähme, — nehme. — I5L. — iq. — — wirksames, — wirsamei — 154. — 20. — — Durchstjung, — Durchsehi -- 165. — II. — — befördern, — besördcn. i > — — endlich, — endlich» — I8Z. — IS. — — die, — die, die — 2:3. — 8. — verlange, — verange. .— 232» — 2. — — Kenntnisse, — K-ntmffe. kluÄ nmß die Endsylbe von rarinn und hierin» nur mit einem » geschrieben seyn. s-ÄÄK; -dZ-M ÄL^KK -7^ ÄK-^! rML '.?(.-V.' k-MW- !^MZ ,-<- Ä> k-Mi^?