. TH.. Abhandlungen der schwedischen Aerzte. Odr4 Sammlung seltener Beobachtungen und Fälle, aus allen Theilen der Medicin Vorzüglich aber aus der praktischen Arzneywissenschaft und Chirurgie. Aus dem Lateinischen übersetzt von Ioh- Iakob Römer» Erster Theil. Mit einem Kupfer. bey St. Gallen, Reutiner jünger. r 7 8 ^ ?'' - ,LT^L!?!»Ä«»Ü ^ ^ ^ ^nhuM.,.r.A *" " ...r-KGr^/..->zMK yrS - ' ^ - e »r ^ Vorrede des Herausgebers. Vieles die Naturgeschichte durch Entde- ^ kung und genaue Beschreibung neuer Naturprodukte gewinnt, eben so viel tragen auch, nach dem einstimmigen Zeugniß der in ihrer Kunst erfahrensten Aerzte, an dem Krankenbett selbst gemachte Beobachtungen, vorzüglich von seltenen Krankheiten, die gleichsam getreue Gemählde derselben seyn müssen, zur Vervollkommnung' der Arzneywissenschaft bey. In beyden Wissenschaften besitzt die gelehrte Welt schon nicht wenig vortrefliche Ausarbeitungen von schwedischen Aerzten und Naturforschern: Mein sie sind theils zerstreut abgedruckt, und dadurch nicht so wie es die Wichtigkeit der Materien und die Vortrestichkeit der Bearbeitung verdiente, vor dem Untergang und der Vergessenheit gesichert: theils liegen eben so viele noch im verschlossenen Pulte ihrer Verfasser. In der Ueberzeugung also, daß ich den wahren Liebhabern dieser Wissenschaften, denen ich alle meine Arbeiten wiedme, damit einen nicht geringen Dienst erweisen würde, unternahm ich es, solche zerstreute Denkmäler der A r Ge« Gelehrsamkeit ihrer Verfasser, jedoch nicht ohne Auswahl, zu sammeln, sie in Ordnung zu bringen, und dem Druck zu übergeben. Denjenigen zu gefallen, welche entweder allein die Naturgeschichte, oder allein die Medizin zu ih- rein vornehmsten Augenmerk machen, hab' ich die Abhandlungen jedes Bandes in zwo Abtheilungen getheilt, wovon die erste allemal die zur Naturgeschichte, die andere die zur praktischen Arzneywissenschaft gehörigen Abhandlungen enthalten wird: und damit meiner Sammlung nichts abgehe, so hab' ich mir vorgenoh- men, jedem Bande zwey Lebensbeschreibungen schwedischer Aerzte, wovon der eine sich vorzüglich in der Naturgeschichte, der andere in der praktischen Arznrywissenschaft berühmt gemacht, vorzusetzen, und mache hier mit zwey gleich unsterblich berühmten Männern, den Rittern von Linne und von Rosenftein den Anfang. Wenn dieser Band, wie ich wünsche, Beyfall erhält, so werd' ich alle Jahr nach der gleichen Ordnung einen neuen Band folgen lassen. Vorrede Vorrede des Uebersezers. /gegenwärtige Uebersetzung eines Buchs, dessen ^ Werth zu entscheiden ich den Lesern deffel- bigen überlasse, ist eigentlich nur für den praktische» Arzt, dem zwar die Naturgeschichte auch bekannt, auch angenehm ist, dem aber seine übrige wichtigere Geschäfte und Studien es unmöglich machen, in das besondere derselben hinein zu gehen. Ihm zugefallen hab' ich die pur systematische, botanische und entomologi- sche Abhandlungen meist weggelassen, und liefere davon nur in so weit ich glaubte daß es für ihn nöthig sey, einen Auszug. Achtzehn Kupfertafeln von Pflanzen und Insekten, die noch wenigen Nutzen in der Medizin haben, und nur dem Botaniker und Entomologen angenehm seyn können, hab ich weggelassen: A; wünschte wünschte aber die Pflanzentafeln einem deutschen eigens für die Botanik bestimmten Werk einverleibet zu sehen, so wie ich bereits dem Publikum versprechen kann, daß dieJnsekten- tafel mit der von Hrn. Prediger Herbst besorgten verdeutschten Beschreibung in einem der nächsten Hefte von Füeßly's Archiv erscheinen werde. — Dadurch wird dem praktischen Arzt, dem Kräuterkenner und dem Jnsektenliebhaber die Anschaffung jeder in sein Fach einschlagender Abhandlungen erleichtert, so daß er nicht um z. E. den praktischen Theil zu haben, den zweymal theurem blos naturhiftorischen mit- kaufen muß, und umgekehrt. Gefällt dem Publikum meine Arbeit, so sollen die übrigen Bände, so wie sie in Schweden herauskommen, diesem gleich, für Deutschland bearbeitet werden. Der Titel des hier übersetzten Werks ist: kteäiLoruln luecicorum, leu 8MoZe Oblervat. Lc caluum rariorum in variis öieäic. parrikus, prrelerrim in dlistoris rrarurLli» praxi rncäicL Lc LkirurZia. 1o- rnus MUS I. Lum XlX. ^b. Tllcis. 8. (Ip- jaliX , Holmisr Lc ^bos. Impcu5 L1. 8vcckcri, Ke§. ^.caä. Libliop. 1785. Es ist auf ziemlich schlecht Papier gedruckt,») und durch schrecklich viele Druckfehler, die oft den Sinn undeutlich machen, verunstaltet. Die Kupfer stellen die meisten beschriebenen Pflanzen vor, und die achtzehnte Tafel ist für die Insekten bestimmt. Sie sind durchgängig gut. Den acht ersten Tafeln fehlt der Name des Künstlers der sie gestochen: sie scheinen von Akrel, der die meisten übrigen verfertiget, gemacht worden zu seyn. Die neunte und zehnte sind auch gut, doch etwas schlechter als die übrigen und radiert, da die andern alle gestochen sind: unten steht ^s. O. I^uaärvLrk lculps. Die zwey folgenden hat ?. vjupeäius gezeichnet und Akrel gestochen. Die vierzehnte und fünfzehnte sind von v. I^UllämarL und A 4 ^Lrel. *) Versteht fich, in Vergleichnng mit andern in Schweden herausgekommenen Werken: Für die meisten unsrer deutschen Buchdrucker wäre es schon viel zu kostbar. ^xrel. Die sechzehnte von C. F. HornstadL und Akrel. Unter der siebzehnten steht 5. Lri!, 5 ltrom 6e1. Unter den zwey letzten nichts. Die neunzehnte/ auch in dieser Übersetzung gelieferre / ist in allem Betracht die schlechteste. -Und soviel zur litterarischen Kenntniß des Werks. Carl I n n h a l t. Seite. Vorrede des Herausgebers. z. Vorrede des Uebersetzers. ;. Carl von Linne dessen Lebensbeschreibung. 9 > Nicol. Rosen von Rosenstein dessen Lcbensbeschret. bung. i;. l Abhandlungen zur Naturgeschichte. i. Carl P. Thunberg, d. A. D. und ausserordentl. Pros. der Botanik und Naturgeschichte, von der Protea. 19. L. ?. IbunberZü Oilr. äe Lrotes resp. ss Lrico Levelin, ^eüroMtko. 4. klplsl. 1781. x- 26. c. tab. ren. Lkr. Gött. gel. Anz. 178;. St. r. Ebenders. von der Oralis. ar- L. ?. Tkunbergü Oils. äe Oxsli relx. Nerzn. R.uä. tisli, Olirobotb. 4. klpfgl. 1780. ctr. Gött. gel. Anz. 178;. St. )§. z. Carl von Linne Sohn, d. A- D. Pros. der Na- turgesch. und Botanik zu Upsala, vom Laven- delkraut^ 2;. I.lNNTt Seite. I-innsei L. k'il. Oilk. cls Hvenäuls resp. I), s-Lnämut. 4. lsxssl. 1781. Lkr. Götting. gel. Anz. Zugaben. 178;. x. 7;'. 4- Carl P. Thunberg von der Gardenia. ^2. L. ?. TbunderZit Oiss. cle Osräenia resp. ?etr. Oi^irpeäio. 4. slplsl. ä. lü. Oecembr. 1780. Lkr. Gott- gel. Anz. 1781. St. 42. 5. Carl von Linne Sohn Beytrag zur nähern methodischen Kenntniß der Moose. ^4. L. I.i'rmLi 61. A'Ierkoäus mukcorum illulirsts Lilk. resp. Olok Lckv^srr. 4. lspkil. 1780. Lkr. Gött gel. Anz. 1782. Zug. p. 7Z2. s. Carl P. Thunberg neue Pflanzengeschlechter. L. k. IkunberZii novL geners ktantsrum p. Ims rskp. L 1 . kr. HornKeär OüroZotku. 4. Ilpksl. 1781. Lkr. Gött. gel. Anz. 178;. St. 7. C- P- Thunberg Beschreibung einiger neuer I.isek- tenarten. ;7. L. k. TbunberZü novo Inkeödoruin specÜ8 ?. I. rekx. 8sm. Me. Lsttrim. 4. Dpssl. 1781. Lkr. Gött. gel, Anz. 178?. St. 11. Medicinisch-chirurgische Abhandlungen. 1. I. Sidren Beobachtung eines kalten Brandes am Schenkel. 41. 2. Eberhard Rosenblad Beobachtung einer mit Kräm- pfen und Zuckungen begleiteten epidemischen Krankheit. 46. ;. Adolph Seite. z. Adolph Murray zwey Geschichten von Knochen, Speckgeschwülsten. zi. ^äolxk Alurrs^ äs OKeolkeatomLte Oiss. resp. Larl. ^lorell. ä. z. Nas 1780. 4. läxlal. Okr. Gott- gel. Anz. 1781. St. 2;. 4. G- Harmens Beobachtung von Steinen die in dem Magen eines Menschen gefunden worden. 9;. 5. G> Harmens von Gallensteinen. 99. 6. Nie. Rosen von Rosenstein von einem mit Gefahr von Pleuropneumonie verbundenen Seitenstechen. 107. 7. Ion. Sidren Versuche mit den Krähenaugen. H2. 8. Ebenders. Beobachtung eines Goldaderflusses. 128- 9. Adolph Murray von einer kränklichen Empfindlichkeit der Knochen. i;?. Aäolpb. Alurra^ äs 8sn1lbi1itste ollium mor- boka Oilk. relp. l.orenr Lranäsls. ä. 6. Naj. 1780. 4. slxlLl. Lkr. Götr. gel. Anz. 1781. Zug. St- 21. io. Ion. Sidren Beobachtung einer Wassersucht des Herzbeutels, die mit keiner andern Krankheit verknüpft war. ri, Caspar Trendelenburg Beobachtung eines Knochenkrebses ( ?!-eäLrrkroLLce.) 155. 12. Adolph Murray Beobachtung einer Verrenkung des Rückgrats, die durch den Gebrauch des kalten Wassers geheilt worden. lkäolpb. Mirrs^ äs 8xins: äorli laxatillns. Dill. rslp. kstr. Lrillon, ä. 17. Naj. 1780. 4. klxllä. Ltk. Gött. gel.Anz. i78r- Zug. St. 21. r;. Eberh. Seite. i;. Eberk'. Rosenblad Geschichte der glücklichen En- digung eines Brustgefchwürs durch eine Versetzung. 167. i4- Carl M. Blom Beobachtungen über die Witterung und Epidemien von Dalecarlien. Gemacht von Anfang des Jahrs 1772. bis zu Ende des Jahrs 177;. 17s. r;. Adolph Murray von der Durchbohrung der Harnblase. 2r;. Hilf. ckirurg. 6s paracentkeli o^liichL uri- nariD prses. M. Nurrsy. 6. 6. Oee. 1771, xubl, xrox. ketr. Orilliiison. I/xlal. Carl von Linne. Leibarzt Sr. schwedischen Majestät, Professor der Medicin und Botanik an der Universttät zu Uy- sala, Ritter vom Königl. Nordstern-Orden, ward den 24. May 1727. in dem Kirchspiel Stenbrohult, der Provinz Smoland geboren. *) - Sein Geschlechtsname stammt, wie der von noch zwey andern edlen Geschlechte«, den Tiliandern rmd Lmdelierri von dem schönen Lindenbaum her, den man noch im Kirchspiel Hvitaryd siehet. Sein Vater Niclaus Lin- näus, der zuerst Adjunctlls und nachher würtlicher Pfarrer zu Stenbrohult war, gab ihm eine sorgfältige Auftrziehung, und flößte ihm schon in seiner frühen Jugend Liebe für die Krauter-Kenntniß, von welcher er selbst ein grosser Liebhaber war, ein. Er lernte in der Schule und dem Gymnasium zu wexiö die Anfangsgründe der Wissenschaften, doch nicht mit sonderbarer Zufriedenheit seiner Lehrer, welche einmal dem jungen Linnäus dessen einziges dichten und trachten aufs Kräutersammlen gerichtet war, den freundschaftlichen Rath ertheilten, den Apollo fürs könflige in Ruhe zu lassen. Desto mehr nahm er hingegen auf der hohen Schule zu Lund in Schonen zu, wo das daselbst befindliche Naturalien-Cabinett und das vortrefliche Beyspiel des dasigen Professors Ri- lian Stobäus, den munteren Geist des Linnäus anfachten und ihm denjenigen Schwung gaben, der A >- ihn *) Eigentlich in dem Dorfe Raoshult in Stenbrohuttg Kirchspiel in Smaoiand. Anmerk. d. Uebers. IS .—»> -— ihn nachher vor vielen tausen-en so rühmlich auszeichnete. Einen eben so guten Anlaß seine Wißbegierde zu sättigen/ fand er ein Jahr nachher zu Upsaln, wo er bey dem Professor Primarius und Vorsteher des Lyceums Olaus Celsius freye Kost und Behausung fand. Hier war es, wo er zuerst auf eine neue Methode dachte die Pflanzen nach ihrem Geschlecht zu unterscheiden, welche nachher die Sexual Methode genennt wurde. Sein Aufsatz darüber erhielt den Beyfall des grossen Gelehrten und Königl. Leibarztes Olaus Nudbeck und bahnte ihm den Weg zur näheren und genauen Bekanntschaft mit diesem berühmten Mann, der ihm die Unterweisung seiner Söhne übergab. Im Jahr 17^2. ward er von der königlichen Academie der Wissenschaften zu Upsala nach Lapp- land geschickt, und beschenkte daranf die gelehrte Welt mit der k^i-3 i^ppomcs, der Frucht seiner Reisen, die in die Abhandlungen der Academie von demselben Jahr eingerückt wurde. Die zwey darauf folgenden Jahre besuchte er die Berggegenden von Schweden rmd Dalecarlien, und nachdem er stch so eine Kenntniß seines Vaterlandes erworben, reiste er im Jahr auch in fremde Länder, besuchte Deutschland nnd Holland, und erlangte bald im Brachmonat desselben Jahres die Doctor-Würde zu Harderwick. Während seinem dastgen Aufenthalt gab er im Jahr Z7g6. die erste Edition seines Natursystems, das zuerst nur aus drey Bogen im grösten Folio-Formate be- Huhnd, nachher aber zu drey ziemlich dicken Octav- Dänden anwuchs, zu Leiden heraus. Linne's Forscher-Genie konnte dem grossen Boerhaave nicht lange unbekannt bleiben; dieser empfahl ihn einem reichen Holländer, dem berühmten Georg Clifford, wel- welcher ihm seinen äusserst kostbaren Garten, der zu Hartecamp zwischen Leiden und Hartem lag, zu besorgen und zu beschreiben übergab. Zwar war diese Stelle die ihm Gelegenheit verschafle in Engelland hinüber zu gehen, und in welcher er Müsse hatte mehrere Schriften, als: seine kunciamemL Korsmca, seine Ocriern pi^msrum, und den k-lorrum Llifforria- num, auszuarbeiten, ganz wie für Linne geschaffen; aber aller Reiß derselbigen wurde doch von seiner Vaterlandsliebe überwogen, wo er eine Braut Namens Elisabeth Moraa, die Töchter eines Arzts von Fahlun, zurückgelassen hatte, mit welcher er sich auch nachher verheyrathete. *) Er besuchte noch auf seiner Rückreise Paris, und kam zu Ende des Jahres i7;8. glücklich in Schweden an. Im Anfang mußte er durch die Ausübung seiner Kunst seinen Unterhalt suchen, bis er im Jahr darauf von den versammelten Landständen den Befehl bekäme, über die dem königlichen Bergwerks-Collegium zugehörige Mineralien- Sammlung Vorlesungen zu halten, wobey er ein Gehalt und den Tittel eines Schiffarztes bekam. Während dem er sich mit diesem zu Stockholm abgab, entwarf er mit noch einigen Männern denen der Wohlstand ihres Vaterlandes, und die Aufnahm der dahin abzweckenden Künste am Herzen lag, den Plan zu der Errichtung einer Academie der Wissenschaften zu Stockholm, führte denselben aus, und war der erste Vorsteher derselben. Vom Jahr 1741. an, machte er auf Geheiß und Unkosten der Landstände verschiedene Reisen nach verschiedenen Gegenden seines Vater- *) Und fünf Kinder von ihr hinterließ. Anmerk. des Ueberst 12 Vaterlandes, nemlich nach Oeland, Gothland, West- Gothland und Schonen, deren im Druck herausgegebene Beschreibungen, die Naturgeschichte und Oeko- nomte dieser Oerter in ein Helles Licht setzten. Indessen konnte für Linne nichts erwünschter seyn, als der Anlaß, der sich noch im Jahr 1741- für ihn zeigte, wo er seine Talente im hellsten Lichte zeigen, und dieselben zum gemeinen Besten anwenden konnte, indem er nemlich zum Nachfolger des Pros. Lor. Roberg auf den medicinischeu Lehrstuhl erwählt wurde, welche Ehrenstelle er bald nachher mit der mehv seinem Hackg angemessenen Professur der Botanik vertauschen dorfte. Rosen war in dieser letzter» Stelle auf Rudbeck gefolget, jetzt tauschten Linne und er ihre Stellen gegen einander, so daß jedermann sagen mußte, nun wäre ein jeder in seinem Element. Durch LLnne's Vorsorg wnchs nun wieder der botanische Garten aus seiner Asche hervor, worin er seit der gräulichen Feuersbrunft vom Jahr 1702. gelegen hatte, wodurch er sich in den Stand gesetzt sah seinen zahlreichen Zuhörern, das, was er ihnen erklärte, vorzuzeigen. Durch die Herausgabe seiner klora UNd kauns Luecica, seiner kbilolopliia kora- nics und der wiederholten Auflagen seines Natur-Systems , hat er über die Naturgeschichte, deren Vater er in diesem Jahrhundert genennt zu werden verdient, ein neues Licht verbreitet, und Männer erzogen, die in den entferntesten Weltgegenden die Reichthümer der Natur aufsuchten und bekannter machten, und die darin» so zu Werk gegangen, daß man deutlich sehen konnte, Linne's Geist ruhe ob ihnen. So besuchte Ralm das mitternächtliche Amerika; Hassel- quist Egypten und Palästina, Ternftröm, Toren und 1 Md Vsbeck das nrorgenländische Indien; Rolan- der und Eöffling das mittägliche Amerika; Fors- kaol Arabien; Thunberg das Vorgebirg der guten Hoffnung, Batavia und Japan; Spcrrmcrnn die Inseln des stillen Meeres und das Vorgebürg der guten Hoffnung, und keine dieser Reisen geschah, ohne Laß die Naturgeschichte allemal ein merkliches dabey gewonnen hätte. Linne genoß das unter Gelehrten so seltene Glück, mit den meisten berühmten Ausländern in Bekanntschaft, und bey vieler! gekrönten Häuptern in Gunsten zu stehen: daß übrigens auch seine eigenen Landesleute seine Verdienste zu schätzen gewußt, das bezeugen die schon 1746. ihm zu Ehren geprägten Medaillen wo auf der einen Seite sein Bild- mß ist, ausser anderen Seite aber steht: LHo Lulbrvo lessin Lc immorraücari eKgiem Laroli l innrei Llcekls^, Hn6. bkoeplcen, K kalmftierns Lc L. bilaorleman 6ic. 1746. Im Jahr 1747. erhielt er den Tittel eines königlichen Leibarzts; im Jahr 175?. den Orden der Ritter vom Polarstern; 1757. ward er in den Adelstand erhoben, und 1776. erhielt er das doppelte Gehalt seiner Professorstelle. Die gelehrten Gesellschaften haben stch bey wenigen Gelehrten gleichsam so um die Wette bemühet, dieselben unter ihre Mitglieder zählen zu können, wie bey unserm Mann. Er war nemlich ein Mitglied der gelehrten Gesellschaft zu Upsala, der kayser- lichen Akademie der Naturforscher, der Gesellschaft der Wissenschaften zu Stockholm, Montpellier, Berlin, Paris, London, Bern, Toulouse, Florenz, Drontheim, Zell, Flißingen, Siena, Rotterdam, Philadelphia, der königlich schwedischen patriotischen Gesellschaft, und -er Gesellschaft der Aerzte zu Edinburg. Schon r? 44 - 17/4. traf ihn ein Schlagfluß / wovon er nachher mehrere Anfälle erlitt, bis er endlich den ivten Jen- ner 1778. einem derselben unterlag: unser grosse Kö- mg hielt ihm im Weinmonat desselben Jahres eine glänzende Lobrede vor den Landständen, und auf dessen Befehl ward auch eine künstlich gearbeitete, grosse Gedächtniß-Münze verfertiget, welche sein ruhmvolles Andenken auch bey den späthesten Nachkommen verewigen soll. Lebensbeschreibung von Linne und Verzeichniß seiner Schriften, findet man nirgends besser als in (leäscbtnilsreäe suk äsn Urn. ^rck. umZ Witter „» L -» » ^, -»§>-. Lö». ^1--/. Kezsnvsrl: vor äer Xönigl. llcscl. äer ^illenlob. cl. Oec» 1778 . Zebslten vom Urn. tlrcb. uncl Witter Lus äern 8ek«eäilcken. 8. 8tociibolm nnä IIv- ssls bey N. 8^eäerus Köni^I. llcsä. kuebb. 1779. . . in dronovii Libliotkecs biliorise nstu- rslis. . . und in von Halters Libliotk. Lotsn. 1. II. S. 244 — 259. (Anm. des Uebers.) Nicolaus Nikolaus Rosen von Rosenstein, Königlicher Archiater, Professor der ausübenden Arzneykunst zu Upsala, Ritter des königlichen Nord- - stern-Or-ens ward den rsten Hornung des Jahrs 1706. igebohren: sein Vater hieß Erich Rosen and war Pastor an der Kirche zu Gexdrag in dem Gothen- vurgischen Stift. Er studierte zuerst ileißig in dem Gymnasium zu Gothenburg, hernach gieng er 1720. auf die Academie zu Lund, wo er der Privat-Aufsicht des D. Andreas Rydelius, der damals Professor daselbst war, nachher aber Bischvss von Schonen wurde, genoß. Er lebte ganz für die gelehrten Wissenschaften, und erlangte eine solche Fertigkeit in der lateinischen Sprache, daß er sich sowohl mündlich als schriftlich so zierlich darin ausdrucken konnte, daß man hätte glauben sollen es wäre seine Muttersprache. Eben der Pros. Rilian Gtobaus der den Linne so vortreflich geleitet, gab auch unserm Rostn den Rath ein Nachfolger Machaons und Schüler der Natur zu werden; allein seine schlechten Glücksum- stände liessen ihn niemals daran denken, nach der höchsten Würde in seiner Kunst zu streben, und er mußte sich durch den Unterricht den er gab, zu Stock- holm seinen Unterhalt erwerben. Da nun zu dieser Zeit auf der Academie zu Upsala die Stelle eines Adjuncten bey dem medicinischen Lehrstuhl vaeant war, so fand der köniql. Archiater und damalige Professor der Medizin daselbst Ol. Rudbeck, wunderbar genug! beynahe unglaublich! an dem Ort selbst keinen zu dieser Stelle tüchtigen Mann, und sah sich ge- nöthiget einen solchen in der Hauptstadt zu suchen, jedermann rieth ihm den Rosen an, welcher unter ' Rs- Nobergs Vorsitz eine Probschrift vertheidigte: cke ulu merkocli meckanicoe in mech'cina, *) und bald darauf, kaum zwey und zwanzig Jahre alt von dem Canzler das Diplom bekam. Es zeigte sich für ihn auch eine Gelegenheit, mit dem köntgl. schwedischen Rath, dem Grafen Moritz Posse auf auswärtige Reisen zu gehen, da er dann Deutschland lind Frankreich durchreiste, und 17^. zu Harderwicb die Doe- torwürde annahm. **) Auf dieser Reise erwarb er sich die nähere Freundschaft der Hrn. von Haller, van Gwieten, Boerhaave, und anderer in Europa berühmter Aerzte, und mit dieser bereichert kam er 1771. wieder nach Upsala zurück. Neun Jahre lehrte er anstatt des verdienten Professor Nudbeck's, der um seinen übrigen gelehrten Arbeiten desto besser obliegen zu können, sich jezt zur Ruhe begeben hatte, öffentlich die Botanik, und bekam unterdessen den Titel eines Beysitzers des Collegiums der Aerzte, und den eines königlichen Leibarzts. Nach Nudbeck's Tode bekam er die erledigte Professorstelle, tauschte selbige gegen des von Linne seine aus, und nun suchte einer den andern in gründlicher Unterweisung der Jugend zu übertreffen. Er gab ein Handbuch der Zergliederungskunst, f) eine Haus-Apotheke ft) und die Ab- *) 1728. (Anm. des Uebers) **) Seine Probschrift war : Dick. äe lEorü« mmborum conleribencli«, reip. dlie. Lo/e-r. U^rclerovici. 17)0. -f) Lomxenäium anatomieum, aller belirriknlnZ om cle- larne kein meniliiLns irroxp. 8. 8wc!(bolm. 17Z8. f-f) Itus ocli kiele-^xoteijue xa Henne« lvonZl. Alsss«. nsc>6ißlke kellülnin^ npsstt. 8toe^liolm. 176^ -- rtc Ansg. vermehrt. 8. 1772. Abhandlung von den Kinderkrankheiten *) öffentlich in Druck heraus, wovon die leztere ins Deutsche, Holländische, Englische und Dänische übersetzt wurde. Niemand wußte so sich nach dem Charakter seiner Kranken zu schicken, niemand wußte so ihren Uebeln zu begegnen, wie Rosen: und dies bahnte ihm auch den Weg nach Hof, nachdem er vorher das Glück gehabt, dem König Friedrich, der auf einer Reise zu Upsal an Steinbeschwerden krank lag, vorgestellt zu werden, und denselbigen wieder herzustellen, f) Er ward nachher oft wenn der König krank war, zu ihm berufen, mußte seinen Rath geben, der mit glücklichem Erfolge gekrönt wurde, und ward nun zur Belohnung seiner treugeleisteten Dienste zum königlichen Leibarzt ernennt, in den Adelstand erhoben, ff) und mit dem königl. Orden der Ritter vom Nord-Stern beehrt, ftf) Auch ward er von den Ständen des Königreichs, nachdem er die ganze königliche Familie mit dem besten Erfolg eingeimpft, königlich beloh- B net. *) UniZerrärcelle om Lärms LkiuLomar ock 6eras Lote meäel. iste Ausgabe zerstreut in den schwedischen Ca- tendern vom Jahr 17;?- an.-ate Ausg. tilökt ock förbäittLä xc> XonZI. Vet. Lcaä. Xotinach 8- 8roc«LoIm. 1764.-;te Ausg. uLZot rilöiit oak LörbättrLä. 8. Ltocicdolm. 1771. — Die beste deutsche Uebersetzung ist die von Murray. Vierte Ausg. 8. Göttingen. 1781.-Sparrmann vertrieb sich auf seiner Fahrt nach den Südsee-Jnseln die Zejt auf dem Schiff mit einer englischen Uebersetzung dieses unsterblichen Werkes, st) Im I. 17;;. st) Im I. 1762. ttt) Im I. i?;7. net. *) Er starb den 16. Heumonat 177;. zu Upsa> nach einer langwierigen Krankheit, die seine Kräfte nach und nach aufgerieben, und hinterließ eine Wittwe , Namens Anna Cathcsrina von Hermansson, und einen einzigen Sohn, der jezt Secretair des kö- nigl. schwedischen Gesandten am französischen Hofe ist. s) *) Er bekam ein Geschenk von ioooo. Reichsthalern (100000. Reichsthaler Kupfermünze.) -s) Eine grössere Lebensbeschreibung von Rofenstein und ein Verzeichniß der von ihm und unter seinem Vorsitz vertheidigten Probeschriften, der von ihm gelieferten Abhandlungen für die Kön. schwedische Akademie der Wissenschaften, und der verschiedenen Ausgaben seiner grösseren Schriften, findet man vorne an Mur- rays Ueberfetzung von seiner Abhandl. von Kinderkrankheiten. (Anmerkungen des Ueberferzers.) Auszug Auszug aus der ersten Abtheilung, welche die zur Naturgeschichte gehörige Abhandlungen enthält. L l. Carl p. Thunberg b. A. D. und ausserordentlicher Pros. der Botanik und Naturgeschichte, von der P r o t e a. Der vollständige Titel dieser Streitschrift heißt: 6, V. Oils. cle kroteu. resp. Lrico 6cve/>», lirvAocho. 4. klps-,1. 1781. xu§. 62. Mit eben denselben Kupfertaseln, die in den sl-lt. ÄIe6. 8uee. auch befindlich sind. Linne hat in seinem 8upplemsnto xlnnturum mehrere dieser Proteen, aber unter andern Trivialnamen, und mit andern Beschreibungen. Die Beschreibungen laß' ich, als nicht hie« her gehörig, aus, und liefere hier nur, ru beliebigem Gebrauch, eine Cvncvrdimr der Trivial-Nameu. IkunberZü. krotea Lcextrum. ?r. Loextrum Aulkavianum. 8up- xlem. plant. p. n6. -crinits. — crinillora. ibicl. 117. Beyde sind wahrscheinlich die g eichen Pflanzen, wenn schon Th. von der seinen sagt, ihre Blätter seyen sünfzah- nicht: indem er noch beyfügt, sie seyen doch in seltenen Fällen «„getheilt, oder dreyzahnicht. — tomcntola. — tomentols. ib. p. uz. — brsäkeata. — braäkeata. ib. p. nZ. Diese Gattung fehlt in der dreyzehnten Ausgabe von Lin- ne's Natursystem, obschvn solche in den vorhergehenden stand, kam aber wieder in's Supplement, und ist ohn' allen Zweifel die angezeigte. — xrolikers. — probiern. ib. p. 118. — corymbols — umbelluta. ib. p. H8- — serieea — lerioea. ib. p. 118- — inrbricata. — imbrioata. ib. p. 116. — oblic^ua. — obli^us. ib, x. 117. — tortn. — brunisiäes? — kaum. Anmerk. des Uebers. H- * Tz- Geschichte dieser Pflanze von Hermann bis auf Linne und Sparrmann. Hr. Pros. zählt ?s von verschiedenen Gelehrten nach und nach bekannt gemachte Arten/ zu welchen er selbst noch 2s neue/ vorher nie weder beschriebene noch abgebildete Arten hinzufügt. Hieranf untersucht er den Ursprung der verschiedenen Namen/ die sowohl dem Geschlecht als den Arten / von verschiedenen Naturforschern gegeben worden. Dann die Beschreibung der Geschlechts-Kennzeichen (cbaraüer Zcnericux). Hernach die Beschreibung der Arten/ an der Zahl 60. Jetzt bestimmt er die die Synonimen einer jeden Art. Dann zeigt er den Ort an wo sie wachsen, die Blühe zeit derselbigen, endlich ihren Nntzen. Die meisien Arten wachsen auf dem Vorgebirg der guten Hoffnung, andere hat Banks aus den südlicheren Gegenden von Nord-Holland mit sich gebracht. Die Homgtragende protea, (?. melilcra) hat zur Blüthezeit oft zur Hälfte mit einem Honig- artigen Saft angefüllte Kelche, den man durch's sik- trieren von den anklebenden Jnsecten reiniget, und welcher einen vovtreflichen Syrup giebt, dessen man sich beym Husten, bey der Heiserkeit und andern Brust- krankheiten mit Nutzen bedienen kann. Auch die Blumen der prächtigen (?. lj-eciolz) haben einen eben so guten Honigsaft, den man in den gleichen Umständen gebrauchen kann. Die silberne (?. argenrea) ist wegen ihrer wie Silberglänzenden Blätter, eine der schönsten Arten, woraus man Lustwälder anlegt, die den angenehmsten Schatten verbreiten. Die zusammenziehende Rinde der großblumig- ten (?. xranMora) dient zur Hebung der Diarrhöen. Auch gebrauchen viele Einwohner von den höheren und dickeren Pflanzen das Holz, von den kleineren die Wurzeln, um den Feuerherd damit zu unterhalten. Man läßt solche sehr sorgfältig von den Knechten sammle», weil an den Orten wo diese Pflanze wächst, das Holz meistens sehr rar ist. B z n. II. Ebenderselbe von der O x a l i s. Die Streitschrift hat folgenden Titel: L. ?. 7^-.». Nils. cle Ox^li. Ilesp. klerm. R.uä. 77-r/i! Oftrobolbn, 4. I/pssI 17^ Die o. comprellli, lericea, punÄLta, natsnz, ta- mentofs und lÄNLts kommen auch in Linne's 8uppl. kl. xLZ. 24 ; unter gleichen Trivial-Namm vor. Anmerk. des Uebers. * * * Claßification des Geschlechts nach verschiedenen Systemen. Geschlechtsname. Geschlechts-Kennzeichen. Beschreibung von 26. Arten. Synonymen derselben. Ort wo sie wachsen. Blühezeit. Nutzen. Die verschiedenen Arten dieser Pflanze, wachsen an verschiedenen Orten in allen vier Weltthetlen, sehr viele in Africa am Cap. Sehr wenige Arten, und soviel man bisher weißt ausser der empfindlichen (iensiri va) keine, kommen innert den Wendezirkeln fort, die meisten find in der gemäßigten Zone einheimisch und wachsen nur in kälteren Gegenden. Einige kommen am besten auf Berggegenden, andere in Wäldern, die meisten aber auf sonnenreichem Leim- oder leimicht sandichten Boden fort. Die empfindliche wächst beynahe das ganze Jahr durch, vornehmlich zur trocknesten und wärmsten Jahreszeit, beym brennen- rien-esten Südwind, -es Tags breiten sich ihre Blätt- chen aus/ ziehen sich aber beym geringsten Berühren zusammen/ des Nachts schlafen sie. Unter allen Oxalis-Arten benutzt man nur drey derselbe»/ nemlich den Sauerklee (oxalis sce raset ls) die O. cernicL und ienimva. Schon in den alten Zeiten bediente man sich des auch bey uns wachsenden Sauerklees in den Apotheken. Ihre Eigenschaften anbelangend, so hat sie keinen Geruch / hingegen einen angenehmen süßlicht-sauren Geschmack/ aus dem wir, wie von andern Säuren auf die eröfnende und kühlende Kräfte der Pflanze schließen dörfen/ worinn uns anch die Erfahrung nicht widerspricht. In unseren Apotheken kommen als Simplicia nur das frische Kraut und das wesentliche Salz des Sauerklees vor. Man erhält aus dem frischen Kraut den ausgepreßten Saft welchen man reiniget : behandelt man ihn alsdenn nach den Regeln der Kunst, so giebt er das wesentliche Salz/ so daß man von 20 Pfunden frischen» Kraut drey bis vier Unzen wesentliches Salz bekommt.*) Der ausgepreßte Saft des Sauerklees, oder die aus gleichen Theilen frischen Safts und weissen Zuckers zubereitete Conserve leistet im Scharbock sehr gute Dienste, die desto grösser sind, wenn man ihr noch Löffelkraut Conserve beymischt. B 4 Das *) Nach Savary's Versuchen haben 50. Pfund frischer Sauerklee, 25. Pfund Saft gegeben, woraus dritte, halb Unzen reines Salz erhalten worden ist. Anm- des Uebers. 24 Das Sauerklee-Salz und das Weinstein« Salz haben die gleichen Kräfte, man kann sie auch in den gleichen Fallen gebrauchen: so entspricht es z. B. nach der täglichen Erfahrung den Wünschen jener Aerzte aufs vollständigste, die es in Entzündungsarti- geu, gallichten und faulen Fiebern als ein kühlendes Mittel gebrauchen. Indessen werden die Mittel aus Sauerklee doch selten von den Aerzten vorgeschrieben, indem sie, besonders das wesentliche Salz, sehr theuer sind. Die Febogene O. (O. cernua) die in Africa am Cap der guten Hoffnung wächst, liefert in weit grösserer Menge ein eben so gutes wesentliches Salz. Die Apotheker daselbst wissen dasselbe durch's ausdrü- ken des Safts und durch's anschiessen lassen der Cry- stallen sehr gut zu bereiten: man bedient sich desselben in den gleichen Fällen, wo des Sauerklee-Salzes. (Die o. Lorniculara wird zu wesentlichem Salze in den Hallischen Apotheken, wie die o. cer- nuL angewandt.) Die empfindliche Q. (o. senlsriva) dient vielen Nationen mehr zu abergläubischen Sachen und zu Verhexungen, als aber zu Arzneyen. Daneben bedienen sich auch die Einwohner von Ternate dersel- lngen, gegen die mit Engbrüstigkeit verbundene Schwindsucht. Sie hat einen etwas bitterlichen Geschmack. Die Cmyallm bedienen sich der Abkochung des Krauts in Brustkrankheiten, um zähen Schleim aufzulösen: und die Cmgallen und Malabaren gebrauchen bisweilen den Saft aus der Wurzel gegen den Stich der Scorpionen. Ab- 2s Abgebildet sind: die 0. monopl^iis, mi- nura, puncrara, narsns, cernua, repens, bi ücla - Zlabra. IN. Carl's von Linne des Sohns D. Arzn. v. Pros. der Naturgeschichte und Botanik zu Upsala Abhandlung vom Lavendel- Kraut. * - * Der Titel der Urschrift ist: L. 61 . Dill', cks I.LVLnäulL. Xelx>. I. L. 4. Ilpssl. 1781. Die l.LVLnäulz <7^»s/a steht mit einer etwas veränderten Beschreibung in 8uxpl. kl. x. 27;. Medicus botan. Beobacht. 178;. x>. i;e. macht die LsvLnäuls /?-<-- vsr. ;. Tstikolis zu einer besondern Gattung. Anm. des Uebers. Nothwendigkeit und Nutzen einer genauen Beschreibung der Pflanzen überhaupt. Verschiedene Na- B 5 men *) Von der 0. findet man Abbildungen in T'------ IM. r. derb. 88. Von der 10. in LLert- Hort. ÄlalLb. Tom. IX. x. ;ol. Mb. 104. k. 2. HiA. ryy. t. 6i. ?/>-/ Z79. r. 2. Anm. des Ueb. 26 inen des Lavendels. Wohin er nach der natürlichen Ordnung gehöre. In was für eine künstliche Ordnung er gehöre. Seim wesentlichen Kennzeichen tckzraäer essemiälis): seine natürlichen Kennzeichen (cksrsöier nsrurälis). Beschreibung der Gattungen. Die vornehmsten und gebräuchlichsten Synonymen. Ort wo ste wachsen. Wie man sie anbauen müsse. Eigenschaften derselben. Kräfte derselben. Das Lavendelkraut liebt einen trocknen Sandboden, freye Luft und eine sonnenreiche Gegend; oft kann man es zwar auch an einen schwammichteren Boden gewöhnen, es scheint wirklich daselbst lieber zu wachsen und treibt grössere Blätter; allein dann bekommt es auch viel weniger Blumen und keinen so starken Geruch, wie die noch nicht gar zu alt gewordene spanische Wanze. Man kann ste nicht nur durch Zweige vermehren und fortpflanzen, sondern ste pflanzt steh auch noch durch junge Pflänzgen fort, die an den alten anwachsen und die man im Frühling abreisten, in eine schickliche Erde setzen und täglich so lange begies- sen muß, bis ste Wurzeln gefaßt. Man muß diese Vermehrungsart besonders genau beobachten, wenn es um die Beybehaltnng und Vermehrung einer raren Gattung zu thun ist. Noch hak man zu bemerken, daß die Pflanze am besten fo-rtkommt, wenn man die dreyjährigeu Sträuche ausreißt, und in irgend einen andern tauglichen Boden versetzt. Unter allen übrigen Gattungen hat die fleischfarbne L. (l.. carnos-t) den trocknesten Boden und die gröste Hitze nöthig. Wie alle saftigen Pflanzen, so wird auch se durch Zweige vermehrt, die man, nachdem man 27 man sie abgerissen, mäßig trocknen, alsdann aber befeuchtet in die Erde stecken muß, damit sie wurzeln können. Dem Lavendel, wie allen andern Pflanzen, schadet eine ihm minder angemessene Cultur. Wann die Erde allzufelt ist, und dann die Pflanze geschwinder als sie sollte aufschießt, so bringt sie zwar zeitig Blumen hervor, und ihre Blätter werden von ungewöhnlicher Grösse; dann aber dauert sie kaum ein Jahr, und ist nicht im Stand die Saamen zur Reiffe zu bringen. Allzuviel Feuchtigkeit, die sich zwischen der Rinde und dem Stengel ansammelt, schadet der Pflanze, denn davon springt die Rinde auf, und die Pflanze selbst wird schwarz. An einem Ort, wo die Luft gefangen ist, und die Pflanzen keine Bewegung haben, da werden dieAestgen schwach, sterben ab und die Pflanze geht zu Grund. Alle Lavendel Gattungen, die einzige fleischfarbne ausgenohmen, blühen immer und selbst der Winter schadet den Blättern derselben, im südlicheren Europa wenigstens, nichts. Selbst in nördlichen Gegenden haltet sich die ahrentragende L. (b.. 5? i c 3 ) so gut, daß es kaum nöthig ist, sie mit Zweigen oder sonst etwas zu bedecken; nur dann haltet sie die Kälte des Winters nicht aus, wenn sie auf feuchtem Boden wächst. Der Lavendel hat einen unsern Sinnen angenehmen , durchdringenden und belebenden Geruch; aber es ist schwer die Empfindung, die dieser Geruch erweckt mit Worten auszudrücken. , Sein Geschmack ist bitter, mit einer gewissen Wärme verbunden, auf welche aber bald eine leichte Em- 28 Empfindung von Kälte folget, wie bey der Pfeffer» münze. Noch wenn man das Kraut kauet, verspührk man den scharfen Geruch, und daher kommt es, daß einige Schriftsteller von der Materia medica ihn auch dem Geschmack nach unter die Gewürze zählen. Uebri- gens hat das Kraut beynahe den gleichen Geschmack, als die schon erwähnte Münze; nur -aß ihre erwärmende und kaltmachende Eigenschaft etwas schwächer ist. Der schmalblättrige L. (l.. anguttifoliä) hat nicht so scharfriechende Blätter, es ist ihm also der breitblättrige (t.. larifolia) vorzuziehen. Die l-. 8r inn 3 r 3 ), wahrscheinlich hat er vieles mit den Eigenschaften des vielgetheilten gemein. Der fleischfarbe L. (k.. carnolL) hat, wie alle saftvollen Wanzen, die nur »«merklich ausdünsten , gar keinen Geruch; daneben hat er einen etwas bittern Geschmack, besonders wenn mau die wäs- serigte Materie wegschaft, die seine Bitterkeit gleichsam einwickelt. Diejenigen Lavendel-Pflanzen riechen am stärksten/ welche wild wachsen; da hingegen diejenigen die 29 die matt in den Gärten pflanzet, viel von dem Gewürzhaften ihres Geruchs verlieren; am meisten aber uinß man sich vor jenen hüten, welche in einem sum- pstchten Boden an einem sonnenreichen Ort wachsen, weil sie meistens höchst nnangenehm schmecken und riechen. Am stärksten zeigen sich die Eigenschaften der Lavendel-Pflanzen an ihren Spitzen: drese sind immer mit oinem Oel befeuchtet. Sie haben einen schärferen Geruch, ehe die Blüthen ausgeschlossen sind; dann wenn dieses geschehen ist und die Saamen beynahe reif sind, so verschwindet der Geruch gröstentheils; darum soll man diese Pflanzen entweder noch vor der Vlüthezeit oder also- bald nachdem sie zu blühen angefangen, einsammeln. Wenn die Witterung sehr heiß ist, so soll man die zu medicinischem Gebrauch bestimmte Pflanzen entweder am Morgen, oder noch besser, nachdem es einige Tage geregnet hat, einsammeln; dann wenn die Sonnenstra- len lange auf sie gewirkt haben, so verdünstet das Oel so stark, daß bey Nachts-Anbruch fast nichts mehr davon übrig bleibt. Und mag nicht die grössere oder geringere Menge von wesentlichem Oel, das man dnrch's Destillieren bekommt, gröstentheils von der verschiedenen Zeit des Einsammelns abhängen? Noch ist anzumerken, daß alle Quirlförmige Pflanzen in den Apothecken wohl müssen verwahrt, und in gut verschlossenen gläsernen Gelassen aufbewahrt werden, damit der flüchtige Geruch nicht verfliege. Aus den Eigenschaften sowohl des Lavendels an rmd für sich selbst, als auch aus derjenigen der meisten andern Pflanzen aus der Ordnung desselben, läßt sich sich sehr leicht auf die Rräfte desselben Messen; auch kann ich weiter nichts von ihm sagen, als daß er eins der würksamsten *) Mittel aus seiner Ordnung und ein sehr durchdringendes auflösendes Mittel sey. Medicinischer Gebrauch. Es gehört theils nicht hieher, theils erlauben es auch die engen Schranken unserer Abhandlung nicht, ake die Fälle herzuzählen , wo der Lavendel nützlich seyn könnte. Es wird genug seyn, wenn ich anmerke, daß man heut zu Tage die Blumen (oder besser: die Relche) deS schmalblättrigen Lavendels selten innerlich, am öftersten aber äusserlich in Säckgen als ein auflösendes Mittel gebraucht. Man empfiehlt den Lavendel- Geist äusserlich bey Lähmungen der Zunge, Ohnmachten und überhaupt wo es um Erweckung der Lebenskräfte zu thun ist. Das Lavendelöl wird selten mehr von dsn Aerzten gebraucht, weil man es schwerlich unverfälscht bekommt. ii. Nutzen in der Oeconomie. Man pflanzet den Lavendel in den Gärten zur Zierde der Gartenbette; wo er wegen der Schönheit seiner Blumen, und des angenehmen Geruchs, dem Buchse den Rang streitig macht. Seine Blumen führen eine Menge Honigsaft iu den Corollen mit fich, daher werden sie auch so oft von den Jnsecten mit bestäubten, pergamentartigen und mit zwey Flügeln ( L.epicZoxtcra. blymenoprera. Oix- *) Im Original steht: orgslttcsi'E. Was aber -»2a/?»cL, seyen, das weiß ich bisher noch nicht. Ich stellte mir also vor es müßte ein Druckfehler seyn, und las statt orgLÜlLsrum, ergsüicarum. Anmerk. des Uebers. vjprers.) besucht. Man mu ß darum allen Fleiß auf Leu Anbau dieser Pflanze verwenden , weil sie besonders den Bienen böchsi angenehm ist/ die daraus einen Honig bereiten der etwas von dem starken Geruch des Lavendels hat. In Spanien hat das Fleisch derjenigen Schaafe welche auf denen Anhöhen weiden können/ wo diese Pflanze wächst/ einen besonders angenehmen Geschmack. Die breitdlattrige Varietät wird als Gewürz zu Würsten (farcimins) und zu Bädern gebraucht. Die Blumen desselben und die Cvrolle von Rosen machen eine Art von Gewürz aus, die man ? o r pourri nennt. Die arabischen Weiber bedienen sich der mit Basilienkraut vermischten und zu Pulver gemachten Blätter dieser Pflanze, ihre Haare damit zu bestreuen, um ihnen dadurch theils einen angenehmen Geruch mitzutheilen, theils auch um dieselben starker zu machen und ihr Wachsthum zu vermehren. Sie reiben auch mit dem gleichen Pulver die Wangen, um dieselbigen roth zu machen und die Fibern derselben zu stärken : Das Frauenzimmer in Frankreich bedient sich in der gleichen Absicht des Lavendel- eßigs. *) **) Das wesentliche Del giebt allen Pomaden einen angenehmen Geruch. Den Lavendel- geist (zu Deutsch: Lau Lavancie ) gebraucht man so häufig und in so verschiedenen Absichten, daß ich nicht wüßte wo anfangen, wenn ich alles davon erzählen sollte. *) Forskal in Briefen. **) k,LboriltO!rs klare. x. ;68. ;v. 32 S» IV. Carl P. Chunderg von der G a r d e n i a. Der Titel des Originals ist: vlllert. clc Lsräenia. Hes^>. ketr. 4. Ilptal. y. — und die 6. //>-»->/<- Tbulib. heistt 0. ctrrmero»-»»» bey Ler^ Obs. Hvt. II. p. 14. Retz giebt noch ebendaselbst Beschreibungen von zwey andern stachlichten Gardenien, der 6. Ziemlich , die ihm Bladh aus China gebracht, und der 0» die er von Rönig bekommen und die in den sumpfichten Orten Indiens wächst, die aber der Beschreibung nach, sehr von Thunberg's mici^mbus und scan- «Ien8 verschieden sind. Anm. des Ucbers. * * * Im natürlichen System gehört sie zur Ordnung der Contorten, im Sexual znr Claß der fünfmanni- gen. Allgemeine Beschreibung der Familie der Contorten. — Die meisten derselbigen, wie fast alle Müchführende Wanzen find giftig, und zwar desto giftiger, je mehr sie Milch bey sich führen. Einige davon sind es in einem so hohen Grade, daß wenn Wölfe, Füchse oder andere Thiere davon fressen, sie unausbleiblich daran sterben müssen. Je nachdem sie nun zusammenziehend, oder aber Schmerzstillend sind, je je nachdem werden sie auch zu verschiedenen Absichten in der Medicin gebraucht. So dienen diejenigen, welche am meisten zusammenziehende Theilchen haben vorzüglich zu Stillung von Blurflüssen und andern allzustarken Ausleerungen: Da hingegen diejenigen die mehr eine schmerzstillende Eigenschaft besitzen, zur Beförderung verschiedener Ausleerungen, innerlich entweder in Pulvern oder Abkochungen genohmen, zur Treibung des Schweißes und Urins können gebraucht werden; sie machen Erbrechen und würken stark auf den Stuhlgang. Thunberg gab seinen Kranken, bey denen er ein Erbrechen znwegen bringen wollte, sehr oft die pulverisierte Wurzel der in den am Meer gelegenen sandichten Orten der Insel Ceylon häufig wachsenden kenplocs incljca und fand, daß sie in der gleichen Dosis eben so leicht ein Erbrechen zuwege brächte, als die beste Ipecacuanha. Die Aerzte gebrauchen daher viele Pflanzen aus dieser Familie mit dem besten Erfolg, in der Wassersucht, wässerichten Geschwülsten, in der Ruhr, Bleichsucht, Krätze, Kröpfen, allzustarkem Fluß des monatlichen, im Blut- speyen, den Hämorrhoiden und den meisten Fieber- Arten. -Nun folget die Litterärgeschichte der Gardenia. Ihre Geschlechts-Kennzeichen. Beschreibung der (9) Gattungen. Synonymen derselben. Ort wo sie wachsen. Gebrauch. Bis M weiß man von dem Medicinischen Gebrauch des Geschlechts der Gardenia noch wenig oder nichts. Die meisten Arten derselben und besonders die Thunbcrgia, gereichen wegen der Schönheit ihrer Blätter und Blumen, europäischen Gärten zur vorzüglichen Zierde. Aus den Spalten der Rinde und aus den Blättern der o. §umoirfsrs schwitzt C ein ein Gummi, welches dem Oummi Llemi ziemlich ähnlich ist. Abgebildet sind: die rsZicans, micranrkus, Oummisers, spinola, 8c3i^- 6 en 8 und die den Stechapfeln einiger Massen ähnliche Frucht der IftunkerZig. V. Carl's von Linne des Sohns Beytrag zur nähern methodischen Kenntniß der Moose. * Die Streitschrift heißt: L. 7.-'»»--- KIH Aletkoctur inulcorum illuftrsts. Olüeit. retx. 01c>k 4. .1780. Heberst Fortschritte die man bisher in der Kenntniß der Mooße gethan. Verschiedene Meynungen der Schriftsteller über die Befruchtung der Mooße. Hedwig's Entdeckungen. Kennzeichen der Classe: Wesentliche Kennzeichen der Mooße. Bestimmung der Geschlechter. Kennzeichen der Geschlechter und Verschiedenheit der Gattungen. .. Lpkagnum. 2. kchslcum. 4. Luxbaumis. i. 8plLcknum. st. ?olyrr^cfturp. st. lVInium. zo. Lrstum. 17. komüurljr. 7. l^)r- num. num. /L. — Neue Cryptogamiften. Luxbaumia. I. 8placbnum. 2. kolyrrickum,. 2. Lr>um. i. num. 2. ^unZermLMÜL. 4. dicken, iv. Abgebildet sind: 8pl2cbnum 8pbrericum. Lr^um cien6roi6es. ?olyrrictium convolu- rum» Luxbaumia foliol's. ^unxermannis vs- ginnra, 8errularioi6es, ^Lvanics. oben blix, üsmmcus, trigiäus. R^uppina rupcbrris. V!. Carl p. Thunberg neue Pflanzen - Ges chlechter» L. ?. 7Ü,«>rL-^Ftt Zeüers kiantsmm. ^srs lms. resp. LI. kr. OüroZotkn. 4. I/pssI. ^ovembr^ 1781. (k-us Häs. i^ov. §en. ibiä. 1784. resp. Lwciikolmiens. — ksis IIIüs. ibiä. 178;. resp. Ouk. 8uäermsnn.) Es finden sich hier mehrere Pflanzen, die auch in Thunbergs klors ^ponica und in Linne's Lüxxl. klsnt. vorkommen. Ich iverde aber nur die in etwas abweichen? den auszeichnen. ketrii» cs/>e»^ Ph. könnte vielleicht die L.. I,. 8. kl. x. i;8. seyn» C s 6 ^- » 6sc!i;IIiL Ik. L-» 8uv. ?I. p. i-z. ist mit der 6. der erstem Editionen des Systems ebendieselbe Pflanze. LbrllLrtA n>. — L> ^ne«-ne<-r I.. 8uppl. ?l. x. 209. Die iVlontinis ist wahrscheinlich mit der N. 2.,'». 8uxxl. kl. p. 427. gleich. hl^llorüi» /Eeo/-«u Hl. — HI. 1,'n». 8uppl. kh x. 1?;. Anm. des Uebers Oalopins. C?er,-. OiZyn.vor ^phane.) VvM Cap. ker^ia (?enr. Vlonog nach Ikeopliralia) vom Cap. Zeiget 3 (V. I. vor ?Iuml)3Zo) aus Japan. klsZKia (V. l. nach lU^lstnc) aus Japan. bflovenin (V. I. nach Oiosma) aus Japan. Lkenoles (V. I. nach Leloiia) vom Cap. Ousfoirin (V. 2. nach pimpinella.) ?oll>3 (VI. I. vor ^sparZZus) aus Japan, und ab der Jnsul Java. 6 erk ^ 11 i 8 ( VI. 1. nach ^Ittrcrme- Iw) 8 x. 4. !^Ln6inr (VI. l nach L3N35M3 ) aus Japan. Llrrkarra (VI. I. nach »xporcis) vom Cap. kalckia (VI. 2. nach ^rrnpksxiz ). ^ urmbe 3 ( VI. ;. nach 8ckeucti2en3 ) VVM Cap. Var. «. K. >. 3 ( XXI. IVlorwnär. hinter eernrocarpus ) 8p. 2 . Keurn ( XXII. ?^on3nör. vor dstäMS ) IVlonrinis (XXII. I'erranör. hinter Vjscum.) Hirsen 3 (III. I. vor -er Ixia) vom Cap. kazzrLL ( V. I. hinter hinter kanäia) von Ceilon. Vaklia (V. 2. vor kkvllis) vom Cap. Lärox^Ion (V. I. hinter 83 uv 38 Lll 3 ) aus Afrika. IVlafsonia (VI. I. hinter kancracium ) vom Cap. 8p. 4. Salo6en- cirum (V. i. hinter Seärela ) V0M Cap. L koke rz 13 (X. i. hinter 8vviereni» ) VVM Cap. Ino- csrpu8 (X. i. hinter ^rburus) aus Javg^ Lar- rin^rona (XIII. hinter lvlammea) aus Java und Ceilon. (dlramira (XV. lili^uok. vor Lkeiramus) aus Afrika. 63I3XIL (XVI. 1ri3n6r. vor I.ercke 3 ) vom Cap. 8 p. 2. Aiconia (XVI. Oöianör.) VVM Cap. La(u3rin3 (XXI. IVIon3n6r. hinter nomorium ) aus dem Morgenlandischen Indien. 8 p. 2. Diese und die vorige Abhandlung sind pur botanisch, und die folgende ganz entomologisch. Ein weitläufigerer Auszug aus denselben hat also hier nicht Statt. VH. Carl P. Thunberg Beschreibung einiger neuer Insekten-Arten. * * * L. ?. novsc Inleüorum lpecies. ?3rs. I» R.e 5 p. 8am. dlic. Ilplsnä. 4. Uxlsl. Oscembr. 1781. Z8 L-ucanus, r. Ocrmekes. 6. ^nobium. 6. LoccinellL. zi. Licinäela. 4. 6^ri»us. 14 e- meroKiu8. i. Sämtliche sind abgebildet. < Zweyte Zweyte Abtheilung/ welche die medicinisch-chirurgischen Abhandlungen enthält. MM -f?' '-L7 H ^'7f.'N, ' ^ - ,v. . - .. «* ^ r ^ I. I. Gidren Beobachtung eines kalten Brandes am Schenkel. ^in ohngefähr fünfzigjähriger Mann, cholerischen Temperaments, der, ausgenommen daß er zuweilen mit dem Goldader-Fluß, zuweilen auch mit der sogenannten blinden Goldader geplaget wurde, sonst einer dauerhaften Gesundheit genoß, ward in der Mitte des Sommers 176s. mit einem damals grassierenden nachlassenden Herbst-Fieber befallen, welches der, so ihn zu heilen übernommen, mit schweißtreibenden Mitteln, sogenannten Alexipharmacis, und mit Blasenpflastern vertreiben wollte. Da aber, wie wohl zu erachten, auf so ungereimte Arzneyen hin das Fieber anstatt seine Kräfte zu verlieren, täglich nur noch mehr zunahm, man auch keine Hofnung mehr zu seiner Genesung haben konnte, so wollte es sein Schicksal, daß er steh einem klügern Rathgeb anvertrauen sollte. Dieser sah wohl ein, daß die Kräfte -es Kranken auf der Neige, und nicht länger im Stand seyn würden die Krankheit zu ertragen, und rieth ihm daher zur Wiederherstellung seiner Gesundheit geradezu die Fieberrinde an. Der Patient nahm darauf dieselbe während der nächstfolgenden Remißion^ C 5 und und der darauf folgende Paroxismus schien viel gelin- -er zu seyn: er fuhr daher so lange fort iie während den Remißionen zu gebrauchen / bis nun das Fieber gänzlich bezwängen war. Aber von dieser Zeit am schwizt er jezt nach zu sich genommenen Speisen, und während dem Schlaf/ am ganzen Leib: weder der Appetit noch die Dauung sind so beschaffen/ wie sie zur Gesundheit erfoderlich sind: am Morgen wirft er unter Reitzungen zum Erbreche»/ eine Menge hellen Schleims dureh's rauspern aus/ und verspührt zuweilen Colikschmerzen, die mit Verstopfung des Stul- gangs begleitet sind. Die Goldader-Gefässe sind zwar geichwolicn / fliesten aber nicht / und gegen das End des Sommers / oder Anfangs des Herbsts 1766. verloren sich auch diese/ wurden aber von einem Schwindel abgelöst / gegen welchen man / ausser einigen äusserlich anf den Kopf applicierten Mitteln/ weiter nichts gebrauchte. Zu Anfang des vorigen Jahrs/ bekam der Kranke nach einigen leichten Kolikschmerzen eine Lähmung der Zunge/ die er aber/ da sie nach einer Viertel- stund wieder von sich selbst vergieng / nicht achtete. Aber fünf Tage hernach erfuhr der Kranke / was dieser Vorbotte zu bedeuten gehabt / indem Morgens früh ein Schlagfluß ihn darnieder legte/ der zwar nur eine kleine Stund dauerte/ so daß er darauf wieder den freyen Gebrauch seiner Sinne erhielt/ auch alle Bewegungen machen konnte/ nur daß ihm die linke Seite ein wenig schwer blieb. Jetzt fieng der Kranke an/ sich zu fürchten/ und begehrte Hüls/ die man ihm dadurch leistete/ daß man so viel es die Kräfte zuliessen die Säfte von dem Kopf abzuleiten/ lind die geschwächten Nerven der linken Seite zu beleben 4Z leben suchte. Ohugeachlet dieser Mittel kam aber das Uebel am folgenden Tag/ und zwar viel stärker / wieder/ und hinterließ eine gänzliche Lähmung des rechten Schenkels und Fusses. Darauf bekam er einen heftigen Schmerz an beyden Schenkeln, und bald her- ' nach fiengen die Zähen des rechten Fusses an schwärz- > licht zu werden/ sie trockneten aus/ und waren bey- ! nahe so hart wie Horn: über den ganzen Schenkel I verbreitete sich eine braunröthlichie Farbe/ die mit schwarzbraunen Flecken verschiedentlich bezeichnet war, ! in kurzer Zeit aber/ sich ganz ins schwarze verlor. *) Ein, bey einem sonst geschwächten Cörper so weit sich erstreckender, von innerlichen Ursachen entstandener Heister Brand, der so bald in den kalten übergegangen, erlaubte mir nicht daran zudenken, wie ich den unausbleiblich bevorstehenden Tod abwenden möchte : sondern ich trachtete nur denselben so weit hinaus als möglich, zu verschieben: ich empfahl also dem Kranken neben stärkenden Speisen und Arzneymitteln, den äußerlichen und innerlichen Gebrauch der Fieber- Rinde. Wieder alles Vermuthen erholte sich der dem Tod *) Der Absatz bey dieser Krankheit geschieht ziemlich selten auf die Schenkel, weit öfterer auf den Ellenbogen und die Hände, die davon aufgetrieben werden, und wo alsdenn eine der wässcrigten ziemlich ähnliche Gesthwulst entsteht. Verliert diese in kurzer Zeit sich, und bekommt der Kranke wieder Sinnen und Bewegung, so darf man wegen desselben die beste Hofnung haben: bleibt sie aber lange, oder trittet sie zurück ehe der Kranke wieder zu Sinnen und Bewegungen gekommen, dann bleibt der Arm gemeiniglich gelähmt, Tod so nahe gewesene Kranke nach und nach ein wenig / so daß mir zwölf Tage hernach, die sonst traurige Hülfe durch die Amputation zu Sinn kam; da aber dem ungeachtet der Kranke noch sehr schwach war, und man nicht gewiß bestimmen konnte/ ob der Brand nur bis ans Knie/ oder aber weiter hinauf steh erstrecke/ wie das der Fall bey dem von innerlichen Ursachen entstandenen Brand sehr oft ist/ so konnt' ich mich doch nicht dazu entschliessen. Ich beschloß daher mit den obigen Mitteln so lange fortzufahren / bis die Natur selbst mir die Gränzen anzeigte / wo ste das Lebendige von dem Todten absondern wollte. Auch ward meine Hofttuttg erfüllt: denn kurz nach Anfang -es Hornungs fieng die Haut unter dem Knie an steh zu spalten und deutliche Merkmale einer Absonderung zu zeigen. Der Kranke nahm unter fortgesetztem Gebrauch der nährenden Mittel und der Zünde allmälig so sehr an Kräften zu/ daß ich ihn Anfangs des Märzen im Stande zu seyn glaubte / die Operation auszustehen. Ein sehr geschickter Wundarzt unternahm daher den yten gedachten Monats die Amputation zunächst oben an dem Knie / und verrichtete dieselbe nach der gewöhnlichen Methode mit äusserster Geschicklichkeit/ worauf er / nach vorhergegangenem Unterbinden der Arterien / die Wunde verband. Man fuhr fort dem Kranken den Cortex zu gebe«/ damit sich ein gutartiger Eiter erzeugen möchte/ welcher/ wenn etwas davon in die Masse des Geblüts resorbiert würde / demselben nichts schadete: die Wunde ließ steh unterdessen immer näher zusammen/ und ward in der Mitte des Heumonats mit der Haut bedeckt. Er glaubte nun ganz gesund zu seyn / und gebrauchte noch zu mehrerer Stärkung seiner Kräfte das Spaa- Wasser. 45 Wasser. Aber gegen den Herbst/ kamen bisweilen die Colikschmerzen wieder/ der Stuhlgang fieng wieder an auszubleiben / und die blinden Hämorrhoiden / die nunmehr schon ein ganzes Jahr ausgeblieben, zeigten sich jezt wieder von neuem; sogar bemerkte man bisweilen Blut im Urin. Um dieser Vollblütigkeit der Hämorrhoidal-Gefässe und den von daher zu beförch- ! tenden Uebeln abzuhelfen applicierte man Blutsauger auf den Hinteren, und gab zugleich Mittel welche den ' Stuhlgang befördern sollten. Der Kranke schien dadurch ein wenig erleichtert zu wevden, aber der/ den zu Schlagflüssen geneigten so unfreundliche/ Winter kam und mit ihm wurden auch die Colikschmerzen öfterer und heftiger/ der Kranke glaubte oft zu ersticken / linder Stuhlgang war bey ihm wieder so verstopft, daß er nur durch Clystiere konnte gereiht werden. Ob- schon man nun nichts von dem versäumte, was man dem Kranken nützlich zu seyn glaubte/ so wurde er doch von Tage zu Tag schwächer/ bis ein Anfangs des May 1769. erfolgtet neuer Schlagfluß und Brand in dem amputierten Gliede dem Leben dieses unglücklichen ein Ende machte. N. II. Eberhard Rosenblad Beobachtung einer mit Krämpftn und Zuckungen begleiteten epidemischen Krankheit. Hn den Kirchspielen Svenljuuga, Sexdraga und den umliegenden Dorfschaften der in der Provinz Elfs- borg gelegenen Herrschaft Kind/ zeigte sich nach einer feuchten und veränderlichen Witterung der Sommer des Jahres 1745. und 1746. eine mit Krämpftn und Zuckungen begleitete epidemische Krankheit. Diese beste! 1. ohne Unterschied Männer und Weiber, ülte und junge Personen, am öftersten und heftigsten aber Knaben und junge Kinder, auch eher Weiber als Männer. Diese lezteren kamen oft mit einem Pa- roxysmus davon, obschon sie zuweilen dadurch auch sehr in die Enge getrieben wurden. 2. Die Krankheit sieng sobald an, als die Bau- ren ansiengen aus dem frisch eingesammelten Korn Lrod zu backen, und also gegen das Ende des Augff- mouats und den Anfang -es Herbstmonats. ?. Vornemlich aber wurde dasjenige Brod für so schädlich gehalten, welches von den während dem Eintragen in die Scheune abgefallenen unter einander vermischten Rocken- Gersten- und Haber-Körnern gebacken wurde. Darum getrauten sich auch nur wenige 47 uige Bauren das folgende Iahe diese abgefallene Körner zu gemessen. 4. Je neu gebackener und warmer «dieses Brod (No. 8 .) gegessen wurde, desto gewisser und heftiger wurden auch die Personen von der Krankheit befallen. 5. Diejenigen Einwohner welche die Frucht sorgfältig reinigten, wurden gar nicht von der Krauk- ' heil befallen, und umgekehrt. Auch wurden darum nur arme Bauren und niemals die wohlhabendere Classe der Einwohner krank. 6 . Man gab insonderheit den an der Frucht sich befindenden Raupen Schuld, die dieses Jahr in einer so überschwenglichen Anzahl vorhanden waren, daß man sich gezwungen sah, die Scheunen wo gedröscht wurde, alle Tage auszukehren, um die mit den Garben hineingebrachten Raupen dadurch wegzuwischen. 7. Nach dem Bericht der Bauren waren diese Raupen verschiedentlich gefärbt: sie hielten die schwarzen mit rothen Köpfen für die giftigsten. 8 . Man traf zuweilen auf den Scheunen und Kornböden todte Kayxn an. Die Bauren schrieben es dem zu, daß sie solche giftige Raupen gefressen hätten. 9. Endlich erzählte man mir von einem Bauer aus dem Kirchspiele Svenljunga noch folgenden Fall: Dieser war arm, und hatte die noch ganz neue nicht sorgfältig erlesene Frucht zum Dörren in einen Ofen gethan. Sein Nachbar kam dazu, und sah die m dem Korn befindlichen Raupen, und warnete ihn daß. er, kein Brod daraus backen solle, weil er selbst erst neuerlich von solchem die Krankheit bekommen. Der Mann schlug aber des Nachbars Warnungen in den Wind, 48 ----L Wind/ trug das Korn in die Mülle/ und machte aus dem Mehl einen Brey, wovon er, nebst seiner Frau und dreyen Kindern äffen. Sie wurden aber also- bald alle krank und starben/ ein saugendes Kind aus- genohmen/ einige Zeit hernach alle. io. Wer von dieser Krankheit befallen wurde/ der nenq bald nachdem er Brod oder Brey gegessen / an/ sich übel zu befinden/ meistens bekam er ein Erbrechen / welches oft von einem Nasenbluten begleitet wurde. i i. Nach und nach erfolgten Krämpfungen an Händen und Füssen / so daß die Kranken den Daumen in die Faust einschlösse»/ und die Beine gegen die Hinterbacken hinaufzogen. 12. Diese Zufalle waren sehr schmerzhaft/ und in den verschiedenen und öfteren Anfallen wurden die Glieder der Kranken auf mancherley Weise erschrecklich verdrehet. i;. Dessen ungeachtet hatten sie doch guten Appetit und besonders die jünger» Kranken verlangten sehr nach einem mit Mehl und Milch gekochten Brey. 14. Nach einigen solchen gelindern Anfällen wurden junge Personen jetzt plötzlich mit diesem Uebel befallen ; sie fielen unversehens unter Zuckungen auf die Erde und waren die ganze Zeit des Anfalls über/ ausser sich/ kamen aber sobald er vorbey war, wieder zu Sinnen. is. Einigen war es im Anfang des Paroxysmus als würden sie gleichsam mit Feuer gebrennt / und sie liessen deßwegen oft im ganzen Haus herum / damit sie der Plage los würden. 16. Bey andern waren die Anfälle noch hefti-> ger. Diese waren nun ganz von Sinne»/ und ver-! suchten suchten es ins Feuer, ins Wasser und auch an die Wände hinauf zu springen. Andere, vornemlich junge Knaben, wurden gleichfalls im Wahnsinn so scheue wie die wilden Thiere; sie liessen vom Haus weg, und wollten gänzlich die Menschen fliehen. 17. Wenn das Uebel lange anhielt, oder wenn demselben nicht recht begegnet wurde, so verlohren einige nach öfteren Anfällen den Verstand gänzlich, andere verlohren den Gebrauch der Stimme, und noch andere trugen eine Lähmung der Hände und Füsse davon. 18. Die Brust selbst litte zuweilen von so heftigen Zückungeu, daß die Gefässe mit der äussersten Gewalt Blut zum Mund hinaus ergossen, wobey die Kranken unförmliche Töne von sich gaben. 19. Auf dieses Blutspeyen erfolgte ein Auswurf von Eiter und zuletzt von einem weißen Schleim, der eine solche Schärfe annahm, daß er die Theile wo er durchstoß, ganz zerfraß. 20. Diesen Uebeln No. 18. und 19. machte endlich der erwünschte Tod ein Ende. So viel ich weiß, war dieses eine ungewohnte und, in Schweden wenigstens, noch nicht recht und genugsam bekannte Krankheit. In andern Ländern hingegen hat man, wie wohl nicht häusig, doch mehrere male dieselbige beobachtet. Denn im Jahr 1697» wurde von den Marpurger-Aerzten eine solche epidemisch graßierende, mit Krämpfen begleitete, bösartige Krankheit beobachtet, die Horst sehr gut beschrieben hat. (i) Im Voigtländischen beobachtete Georg Leisner ein Arzt aus Planen, das gleiche Uebel, D in (1) Ox>. Ism. !I. x. 422. in den Jahren 1649. und 1675. (2) In Sachen, der Lausnitz und der Schweiz / war es 1717. gleichfalls ziemlich häufig, (z) Im gleichen Jahr graßierte es auch im Herzogthum Holstein. (4) In Echtesten verspürte man es 1722. und 172;, und wie Gottl» Schober beobachtet hat (s), in Moscau und Nicsna im Herbst vom Jahr 1722/ und im Winter des Jahres 172;. Es gaben steh deswegen schon viele die Mühe diese Krankheit zu erklären, worüber man besonders die Schriften der Breßlauer Aerzte nachlesen kann. (6) Auch auf dem Catheder haben MÜH. Lud. Waldschmidt, Christ. Vater, und Hier. Ludolf die Natur dieser Krankheit beleuchtet. Da aber diese in Ansehung der Ursachen dieser Krankheit oft verschiedener Meynung waren, und auch die gemeinen Leute bey uns nicht recht wissen, was fie als Urfach dieses Uebels beschuldigen können, so schien es mir der Mühe werth zu seyn, dies alles näher zu betrachten. (2) Vat. Oilt. p. iy. (;) L< 5 t. Vrat. 1717. 5 ul. p, 90. 91. (4) Löt. Vrat. 1717. Uec. p. ^97. (;) Vater cie morbo tpalmoäico xoxulsri. (;) Kpit. Oilt. Aleä. äe leininibu8 loliallei» in psns ak- lumrl8, vario8 nrorkor Lpiäemico8 anno 172.2- tem- xore sutumnali; 172z. kxeinali in territvrio Älolco- viL L dlioln-e proäuccntibu8. — Lnnai. Vratitl. Lnn. 172;. ^an. x. )7. (6) Lnni 1717. M, 90. 91. Erste Erste Kranken-Geschichtk Eine vierzehnjährige ziemlich magere Tochter vost Scheabo, einem in den Kirchsprengel Dannicke gehörigen Orte/ die ihre monatliche Reinigung noch nie gehabt hatte/ fieng am Ende des Augstmonats 1746. an/ ein knebeln/ entschlafen und eine Schwere in ihren Gliedmassen/ nebst einiger Schlaflosigkeit zu verführen. Nach Verlauf einiger Tage/ wurden ihr einige Wochen hintereinander des Tages mehrere male die Hände zusammen gezogen, nnd die Füsse von Zü- kungen befallen, wobey ihr Schlaf und Appetit fast gänzlich mangelten. Neben den Krämvfen und Zu- kungen waren auch die Beine geschwollen/ die Kranke schwizte stark, hatte Hitze und Durst, und wahrend des Anfalls die Heftigsten Schmerzen. Nachdem also vierzehn Tage von dem ersten Anfall an verflossen wa- rer, ' ---d welchen die Kranke im Bette lag, fieng f - den Füssen hinten aus zu schlagen, den K verdrehen, nnd am ganzen Leib Zuckungen z^ velommen, wobey sie weder während Noch nach denr Paroxysmus ihrer selbst bewußt war. Wenn sis aber etwa bey sich selbst war, so athmete sie heftig, Nnd man bemerkte einen Schaum vor ihrem Mundk Nachher blieb die Krankheit sechs Wochen lang aus, aussett daß die Person zuweilen eine Steisigkeit in ihren Gelenken bemerkte, und die Geschwulst an den Füssen noch vorhanden war. Der Stuhlgang war zwahr im Anfang der Krankheit verstopft, wuvds aber nachher wieder offen. Allein die Krankheit schien nur eine Zeitlang ausgeblieben zu seyn, um destö stärker wieder zu kommen. Ihre Füsse waren muß geheilt: Die Person stellte sich im Winter der KältS D s Ass/ blos, und trat eines Tags kaum ins Hans hinein, als sie einen Krampf im Nacken verspührte, worauf zuerst der Kopf und hernach der ganze Leib langsam rückwärts gezogen wurden, so -aß sie rücklings zu Boden fiel, und zugleich wie ein erschreckter Mensch schrie. Zu gleicher Zeit schloß sie die Daumen in die Faust ein, die Aerme wurden ihr gegen die Schultern hinge- drehet, und der ganze Leib wurde konvulsivisch erschüttert; zuletzt zogen sich die Daumen ihrer Hände manchmal zusammen, manchmal aber wurden sie hin und her bewegt. Die Gliedmassen wurden ihr hierauf ganz kraftlos, und gleichsam welk, und da sie wieder zu sich selbst kam, athmete sie etliche mal mit Heftigkeit, als wenn sie niesten wollte, aus. Ein solcher Auftritt wurde unbestimmt, manchmal alle zwey, oft alle drey Wochen wiederholt, wobey die Geschwulst der Füsse, der Schenkel, des Gesichts, und endlich, die Hände ausgenohmen, des ganzen Körpers, immermehr überhand nahm. Uebrigens wurde sie nicht mit Engbrüstigkeit befallen, hatte mittelmäßigen Appetit, aber wenig Schlaf. In diesem Zustand begehrte sie den 22. Hornung 1747. Hülfe. Ich gab ihr ein bey der Hand habendes laxierendes Pulver *), wovon *) Das abführende Pulver war nach folgender Formel eingerichtet; Nimm: Sennenblätter eine Unze; Ja- lappen-Wurzel zwey Quentchen; Zehr-Wurz (Kacl. krl) ein Quentchen; auflöslichen Weinstein (Isrmruz iolubilis) fünf Quentchen ; Fenchel und Coriander- Saamen von jedem zwey Scrupel; starken Zimmet ein Quentchen; destilliertes Kranstmünzen-Oel (01. Äekilsr. Alenkkse) fünf Tropfen. Machs zu einem Pulver. wovon sie zweymal der Wochen/ nemlich alle Montage und Donnerstage zwey Fingerhüte (öiZirabuia) voll mit Molken/ und vergoldten Spießglasschwefel des dritten Niederschlags mit Weinsteinrahm vermischt, wovon ste alle Dienstage und Samstage von einem bis zu drey Granen nehmen mußte. Man gab mir den ?o. Herbstmonat 1747. folgenden Bericht von der Wirkung dieses Pulvers. Die Kranke wurde von dem ersten Laxierpulver das ste einnahm, mittelmäßig abgeführt, hernach aber so schwach daß sie sich kaum regen konnte. Nachher aber vertrug sie die Arzneyen sehr gut, bekam auch von dem Goldschwefel kein Erbrechen ; die Geschwulst nahm je langer je mehr ab, und die Zuckungen blieben aus; es entstanden unten an den Füssen mehrere kleine Blasen, die eine seröse Feuchtigkeit ergossen. Die Kranke ward wieder gänzlich gesund, ausser daß ihr noch zuweilen gegen Abend die Füsse geschwollen werden, und daß sie bey bevorstehenden Ungewittern Krämpfe und ein Kneipen unter den Augen verspührt. Diese Ueberbleibsel waren zu Anfang des Jahres 1748. noch nicht verschwunden, und es hatten sich auch noch keine Spuhren vom Monatfluß gezeiget. Beurtheilung. Die Natur dieser Krankheit ist allerdings zwey- deutig, indem es scheint man könne die Ursache davon eben so sehr dem Ausbleiben der monatlichen Reinigung, als aber einer besondern epidemischen Ursache beymessen. Denn wie oft gewahret man nicht bey dergleichen Personen, bey welchen das Monatliche D aus- 2 ausbleibt ähnliche Zufalle, als: Erlesenheit, Krämpfe, rheumatische Schmerzen, und ödematoses Aufschwellen der Füsse? Manchmal gesellen sich auch wirklich Zuckungen und evilcxtische Bewegungen dazu, wie dieses dre Breßlauer Aerzte an einem dreyzehn und ein halb Jahre alten Mädchen, welches den Monatfluß noch nicht hatte, beobachtet haben: (7) und wie Gö- ritz von einer neunzehnjährigen Magd erzählt. (8) Weil aber die Krankheit gerade auf die Zeit fiel, da man anfieng das Brod von dem neuen Korn zu gemessen , und der Vater dieser Tochter auch selbst mit einer krampfartigen Krankheit befallen worden, so möchte ich die Krankheit lieber einem Gift, als dem einen Ausweg suchenden Geblüt zuschreiben; da Über- das die Kranke ohne Aderlässen geheilet worden, und die Krankheit, obschon noch kein Monatfluß vorhanden ist, jezt schon zwey Jahre lang nicht mehr gekommen ist, sie auch wahrscheinlich niemals mehr kommen wird, so bestärket mich dieses in meiner Meynung. Wenn übrigens jemand sagen will, das sey ein verwickelter Fall, so hab' ich nichts dawider. Auch haben die Zufälle dieser Krankheit viel gemein mit dem Rheumatismus. Dann bey demselben ist das Gefühl einer Spannung, einer Schwere, einer Ermüdung sehr oft vorhanden, wozu dann bisweilen ein schmerzhaftes Brennen kommt, wobey man oft den kranken Theil nicht ohne die durchdringendeste Schmerzen bewegen kann. Auch der Rheumatismus macht zuweilen einen alleravscheulichsten, retssenden Schmerz, (7) Lnno 1726. ^xril« ll. ?. 425» ^8) Vr^i^.Av, Hnno 7724, ?. 4?;. Schmerz, der lang an einem Ort bleibt, und oft weggeht und dann wieder kommt. Beyde Krankheiten unterscheiden sich aber hierinn von einander, daß der Rheumatismus die Glieder nicht gleichsam in sich selbst zurückzieht, er auch keine Spannung in den Nerven, keine Zuckungen verursacht, die doch offenbar in dieser Krankheit ganz wie beym Stich mit einem ent- zündungartigen Rheumatismus verbunden waren. Dieses ist nun ein Umstand der bey unserer krampfhaften Krankheit noch nie ist beobachtet worden , indem dieselbe sehr oft ohne Fieber vorkam: geschweige dann, daß der Rheumatismus mehr eine sporadische, als epidemische Krankheit ist. Das wäre also ein Fall, welcher die Verwandtschaft dieser Krankheit mit dem Rheumatismus und der fahrenden Gicht (grrkn- us V 3 § 3 ), sattsam bewiese. Zweyte Kranken-Geschichte. Der ohngefähr vierzig Jahr alte Vater von eben der Tochter, von welcher wir die obige Geschichte rrjählt, der selbst auch eine trockene Leibes Constitu- tion hatte, verspürte als er am dritten Tage der Krankheit seiner Tochter in der Kirche war, ein ungewöhnliches Kneipen in den Waden, so daß er wirklich in der Meynung hinter sich schaute, als ob ein Hündgen mit seinen Beinen spiele, und ihn an densel- bigen zehre. Als er aber nach Hause gieng war ihm sein Körper so schwer, daß er kaum weiter gehen konnte, woneben ihm die Schenkel von Zeit zu Zeit anstengenwehe zuthun, und zu entschlafen; -och ward man keine Geschwulst gewahr. Unter diesen Umstäu- D 4 den den war es ihm noch etwa zwey oder drey Tage lang möglich umher zu gehen. Hernach aber mußte er sich in das Bett legen, indem er einen brennenden Schmerz, eine Schwere auf der Brust verspührte, die sich zuweilen nach der Gegend unter den falschen Rippen (stx- xockonciriz), den Seiten, den Lenden, den Schenkeln , den Füssen und zuletzt in alle Gelenke hinzogen, und in denselben einen reissenden und kneipenden Schmerz verursachten, der mit Erstarrung und einem Gefühl von entschlafen der Glieder begleitet war. Daneben wurde er weder von Erbrechen, noch voy Schweiß, noch von Diarrhöen geplaget. So mußte er eineu Monat laug, bey ausserordentlicher Schläf- rigkeit, das Bette hüten, blieb aber immer bey Sinnen. Er hatte nie sonderliche Hitzen, keinen starkes Durst, keinen Mangel an Appetit. Ein benachbarter sehr berühmter sonst pflügender Sohn des Aestt« laps, gab ihm Arzneyen und Salben. * **) ) Nach uid nach nahm er wieder an Kräften zu, und gewöhtte sich wieder daran, aufzustehen, und seinen Geschahen nachzugehen. Er beklagt sich aber annoch (den rr Hornung 1747.) über Colikschmerzen, über ei»en brennenden Schmerz und Beklemmniß in der Gegend der Herzgrube, die ihm manchmal übel mitspielen: Daneben bekommt er noch in unbestimmten Zwischen- räumen, gemeiniglich alle acht Tage ein Knebeln unter der Oberhaut, so daß er manchmal schwöre« würde, es lauste ihm etwas Lebendiges über die Hart weg. *) War vermuthlich eine diesem Arztaster sonst gewöhnliche Abkochung des Wermuths mit Kardobenedikten- kraut. **) Vergleiche ssmicu. 6. lVl. ?r. x. 4S0. 57 weg. Alle diese Zufälle befallien ihn desto heftiger, wenn schlechtes Wetter bevorstcht. Beurtheilung. Das war allerdings eine sehr gelinde krampstchte Krankheit, die man leicht mit einem Rheumatismus oder der fahrenden Gicht für eins und eben dasselbige Halten könnte. Allein es war kein Fieber vorhanden welches die Krankheit zu einem Rheumatismus gemacht hätte; und denjenigen welche sie zu einer fahrenden Gicht machen wollen, kann man antworten, daß man hier nicht, wie sonst oft, eine Geschwulst in den Gelenken beobachtet habe, und überdas scheint die Erstarrung, und das Gefühl eines entschlafens der Glieder zu beweisen, daß vorzüglich die Nerven angegriffen gewesen. Auch soll man keineswegs diese Beschwerden mit jenen verwechseln, welche von dem mit dem Korn vermischten Saamen des I-o!ii grsmmei lchcari ca- xur renrLnri'8 des Johannes Larrhin s li. p.4;7.) zu entstehen pstegen, obschon sie von einigen auch dem Korn zugeschrieben werden. Denn die gegessenen Saamen dieses Lolchs erregen Schwindel, Betrunkenheit , Schlafsucht und Erbrechen: Das mögen mehrere arme Wefigolhlander bezeugen, die vor einige» : Jahren aus Wisingsöo wegen Theure des Korns Ha- - -er holten, um Brod daraus zu backen; der aber zu i ihrem Unglück mit den Saamen dieses Unkrauts vergiftet wäre. Da der Lolch vorzüglich den Kopf an- ' greift, so entstehen auch daher nicht leicht Zuckungen, § -bßleich man zuweilen Erbrechen, Schlafsucht und D 5 Trnn 58 Trunkenheit, als Zufalle, Sey beyden Krankheiten antrift. Was die Kennzeichen dieser Krankheit anbelangt, so hab ich zwar dieselbe von Nummer bis 20 der Geschichte der Krankheit schon angezeigt. Da man aber einige derselben bey allen Kranken antrift, und dieses also unveränderliche Merkmale find, da man Hingegen einige nur bey den meisten, und noch andere nur bey den wenigsten Kranken beobachtete, so halte ich es der Mühe werth zu seyn, jedes derfelbigen besonders zu durchgehen. Alle Kranken hatten eine Empfindung, als wenn ihnen Ameisen über den ganzen Körper hinliefen ( bor- wicÄtio). Alle wurden von Zuckungen, oder wenigstens von Krämpfen in den Gliedmassen, die im Ansang gelind waren, uach und nach aber immer stärker wurdeu, geplagt: Daher schrieb sich auch der heftige Schmerz, der gewöhnlich zugleich da war, und die nachher erfolgende etwelche Steifiqkeit in den Gliedern. Diese Uebel befielen die Kranken in unbestimmten Zwischenräumen und es ward daneben entweder gar keines, oder ein sehr unordentliches Fieber beobachtet. Auch war fast allemal ein dem Kranken sehr beschwerlicher, allzustarker Appetit, und wie- dernatürlicher Hunger vorhanden, und die Kranken sahen sich gezwungen wenigstens während des Anfalls das Bett zu hüten. Diese Merkmale und das epidemische graßieren der Krankheit machten vorzüglich die pathognomische Unterscheidungs - Kennzeichen der- selbigen aus. Anbey bekamen die Kranken manchmal im Anfang, mehr aber im weiteren Fortgang der Krankheit , öfters Eckel und Erbrechen. Sie hatten einen ungleichen/ Loch grossen und Langsamen Puls. Oft glaubten sie die Gelenke, und manchmal der ganze Körper wolle ihnen entschlafen!, und nach den wiederholten Zuckungen (die kaum von epileptischen Anfällen zu unterscheiden waren, ausser daß die Patienten während der Krankheit nicht so oft von Sinnen kamen) undKrämpfen, wurden gewöhnlich die Glied- massen geschwollen und aufgedunsen. Manchmal entstanden auch nach einiger Zeit hin und wieder an dem Körper Erhöhungen und Bläschen, die mit einer serösen, zähen Feuchtigkeit angefüllt waren. Häufig entstand auch eine Diarrhöe, welche oft die ganze Krankheit hindurch dauerte. Jetzt wollen wir noch die seltneren und unbeständigeren Erscheinungen bey dieser Krankheit durchgehen. Dahin können wir ein im Anfang der Krankheit sich äußerndes Sträuben der Haare, ein Taumeln und eine Schwere im Kopf, im Verlauf der Krankheit aber eine Empfindung von Kälte, oder von brennender Hitze im Körper, zählen. Ferner gehören auch Ausschläge, Fleck- oder Nessel-Fieber, Nöthe des Gesichts , «Schweiß, ungewöhnliches Wachen, oder Schlafsucht, hieher: Zufälle, die nach der Verschiedenheit der Subjecte auch verschieden waren. Ferner eine gewaltsame Ausdehnung der Brust, die sobald verschwand, als das Uebel sich auf die Gelenke versetzte. Wenn die Krankheit sehr eingewurzelt war, so verlohren die Augen ihre Beweglichkeit, die Zunge ihre Biegsamkeit, und die Finger krümmten sich. Am Ende kam noch eine wahre Fallsucht oder Lähmung dazu; selten ein Schlagfiuß, ein Nasenbluten, eine Vlutstürzung aus den Lungen, oder eine Auszehrung, Und alle diese Erscheinungen die §. 9. 10. 11. angezeigt zeigt worden sind/ waren entweder Zufälle von der Ursache ( svmpcomscL causs«), oder sie waren zufällig / , wie sie die Aerzte hcissen. Es gab auch noch bey den einen die/ bey andern diese Zufälle, die / nachdem die Krankheit nun völlig geheftet war, zurückziehen. Dergleichen waren: eine schwindlichte Schwäche des Kopfs / ein Lauten in den Ohren- Taubheit/ Dunkelheit vor den Augen/ einige Wochen lang steife Gelenke. Horst begreift die vornehmste hier angeführte Zufälle- in folgendem: >) Unersättlicher/ wiedernatürlicher Hunger ( öulimux). 2) Oefteres und heftiges Erbrechen. ;) Eine lang anhaltende Diarrhöe. 4) Geschwulst der Glieder, s) Kleine Blasen und Geschwüre an Handen und Füssen. 6 ) Eine Fieber- oder sonst wiedernatürliche Hitze. 7) Fallsucht. 8 ) Der Uebergang in einen Schlagstuß. 9) Schlafsucht (Verein»« ). ic>) Wahnwitz- Dummheit- Raserey, n) Heftiger Schmerz. ^2) Lähmung. Schweres Gehör- Surren in den Ohren, und Schwäche. Je nachdem nun ein Mensch, der mit dieser Krankheit befallen wird ein Temperament hat- je nachdem wird er auch verschiedene Zufalle bekommen. Horst hat daher sehr gut angemerkt: Daß die Personen - die ein phlegmatisches Temperament haben, während den Anfällen leicht in eine Schlafsucht verfallen- daß es das Ansehen habe, als werden sie einen Schlagfluß bekommen, da unterdessen die melancholischen gerne forchtsam, die cholerischen wahnwitzig, die sanguinischen aber ziemlich sanftmüthig werden, und letztere dabey sich lächerlich geberden. Das w-ird wohl niemand wundern, der weißt was für eine Verfehle- schiedenheit in den feste» und Eigen Theilen verschiedener Menschen herrschet. Dmf man da nicht annehmen/ daß nach der Verschiedenheit der Ordnung nach welcher die Lebensverrichtungen von statten gehen/ nach welcher selbst die thierischen Verrichtungen bestimmt werden / auch die Krankheitsursache bey verschiedenen Subjecten eine verschiedene Rolle spielen könne? Diese Verschiedenheit der Constitutionen macht es begreiflich / warum diese krampfartige Krankheit eher und heftiger junge Personen und Weiber (S. die erste Krankengeschichte) als aber altere und Männer angegriffen habe. Aus dieser Geschichte der Krankheit erhellet/ daß die Verrichtungen der Nerven und Muskeln zuerst darunter leiden. Die nächste Ursach derselben muß also in einem besondern Gift liegen/ welches die Bewegung des Nervensafts unordentlich macht. Horst drückt fich hierüber noch kürzer aus/ indem er sagt, die nächste Ursach der Krankheit/ liege in einem Fehler der die Nerven bewegenden Kraft. Nun find aber die Meynungen der Autoren darüber sehr getheilt, was das auch eigentlich seye, welches die sonst dem freyen Willen des Menschen unterworfenen Muskeln, durch seinen Reiß so schmerzhaft verdrehe? — Schon Hippocrates hat angemerkt, daß die meisten unserer Krankheiten theils von unserer Diät, theils von dem Dunst, von der Luft welche wir em- athmen, entstehen; und daß insbesondere die uns zum Leben so unentbehrliche Luft als eine der häufigsten Ursachen der Volkskrankheiten müsse angesehen werden. Es gab daher auch viele, welche die Ursache der vor uns habenden Krankheit lieber von der besondern Beschaffenheit der Luft und der Witterung, als von andern 52 dern Umstanden herleiten wollten. Ioh. Christ. Mols, ein ungenannter SchlesischerArzt, und will). Nlrich Waldschmidt gehören zu diesen. Auch Christian Vater glaubt, die Luft und ihre plötzliche Veränderungen, seyen die erste und vornehmste Quelle dieser Krankheit gewesen. Ich kann aber dieser Erklärung nicht so ganz meinen Beyfall gebem Allerdings können die Veränderungen der Witterung Krankheiten verursachen. Hier aber scheinen sie blos die Körper zur Aufnahme der Krankheit vorbereitet zu habe», so daß man sie hier nur als eine vorbereitende Ursache ansehen kann. Denn sonst sollte man ja glauben, daß, da sich die gleichen Veränderungen der Witterung nicht etwa blos auf einige wenige Kirchsprengel einschränken, auch die Krankheit sich weiter hätte ausbreiten sollen. Da dieses aber nicht geschehen, so müssen wir nothwendig auch die Krankheit noch einer besondern Ursach zuschreiben. Andere suchten die Ursache des Uebels in einer schlechten Beschaffenheit der Speisen. Besonders wurden die sogenannten Rovnzapfen von den meisten beschuldiget. Nach Trautmann (9) sind dieses im Anfang schwarze, glänzende an der Aehre hin und wieder befindliche Punkte, die nach und nach grösser, zuletzt aber gekrümmte und herabhangende, auswendig mit einer schwarzen Haut bedeckte Körner werden, die inwendig mit einem süßlichten, weißgelben, oder blaßröthlichen Mehl angefüllt find. Der gemeine Wahn ist, dergleichen Zapfen kommen im grösten Ueberfluß in feuchten Sommern vor, wenn diejenigen klebrichten und giftigen Nebel, die wir das Honig- Thau (y) LÄ. VlLt. 172). —.— 6Z Thau heissen/ während der Blüthezelt des Rockens öfters auf die Saatfelder fallen. Denn dadurch sollen die einen Aehren unfruchtbar, die andern aber mit giftigen Körnern angefüllt werden. O) Uebrigens weißt das jedermann, daß in dem Rocken öfters noch andere dergleichen ungestalten Körner vorkommen: es giebt dergleichen grosse, die mit einem weißen Mehl angefüllt sind, und bey welchen, so viel ich weiß, weder der Geschmack, noch die Wirkung etwas giftiges verräth. Daher sagen auch diejenigen, welche die Ursache unserer Krankheit in den Abwechslungen der Luft und der Witterung suchen, diese Korn- zapfen seyen unschädlich. So sagt z. E. ein ungenannter Arzt (11): ich möchte keine Uebel, keine konvulsivische Krankheiten von den sogenannten Kornzapfen herleiten, obschon solche gewöhnlich in einem nassen Sommer am hantigsten sind, weil ich sicher weiß, daß bey dem grasten Ueberfluß eines solchen Auswuchses im Rocken diese Krankheit gar nicht, und daß hingegen wenn derselbe gänzlich mangelte, dieselbe häufig ist beobachtet worden. Man muß also die Ursache dieser Zuckungen vornemlich in der Masse des Geblüts suchen. Dieses beweist zwar allerdings, daß die Korn- zapfen manchmal unschädlich, aber nicht, sie dies allemal seyen. Denn die tägliche Erfahrung lehrt uns, daß die unreifen Früchte, l auch selbst die reifen, allein durch die Feuchtigkeit mit der Zeit können verderbt und gleichsam wie entzündet werden. In dem Zustand können sie Fieber und L^ger Pesteu er- (10) ibia. (n) Lei. Vrst. 172;. x. ;8. 64 Ä S «-« - !!! errege«, sagt Lrndestolpe. Und warum sollte nicht eine uns verborgene Ursache/ warum sollte das verderbliche Honigthau nicht den noch zarten Keim des Rockens so vergiften können / daß er den Thieren schädlich würde? Folgende Geschichte aus den Abhandlungen der Gesellschaft der Wissenschaften zu Paris/ verdstnt es / daß ich sie hier anführe. (12) Man hat in Frankreich bemerkt, daß die Kornzapfett in viel grösserem Ueberfluß in dem kalten Erbrich, und auch in sehr feuchten regnichten Jahren wachsen, daß eine Gattung Rocken, Vie man im März aussäet, nieistens in Aehren ausarte, die ganz schwarz und ungewöhnlich geformt waren, umd dem Sporreu eines welschen Hahnes gleichen, da h.jiigM öttMige Gattung, die man im Herbst aussäet , davon besteht blieb. Als nun bey einem Getraide-Mangel die armen Leute den Rocken nicht sorgfältig genug von diesen schlechten Körnern gesäubert hatten, so wurden die meisten davon mit dem trocknen Brand befallen. Daß aber die Frucht auch von der Luft so verderbt werden könne, daß das daraus gemachte Mehl und Brod schädliche Ei- gem'chaften bekomme, das lehrt uns Christ. Gottfr. Stenzel, indem er erzählt, daß im Jahr i?; 8 . Leute, welche dergleichen Brod gegessen von Raserey, Schlafsucht, Lähmung und mehrern anderen Uebeln seyen befallen worden. Diejenigen Aerzte, welche sich am meisten Mühe gegeben haben, zu beweisen daß einige dieser wieder- na« (12) Die Bauren in der Herrschaft Kind (bey denen wie ich oben schon gemeldet habe, eben diese Krankheit graßiert hat) pflegen auch um dieselbe Zeit et- was später ihren Rocken zu säen. natürlichen Fruchtarten schädlich seyen/ und daß insbesondere daher viele spafmodisch- konvulsivische Krankheiten entstanden seyen/ waren vorzüglich Eottl. Budäus / Christ, wilisch / Joh. Christ. Haberkorn / Ioh. Dan. Langolius, und rudere mehr. Eben diese glaubten auch / diese Körner seyen durch den Honigthau und durch die giftigen Nebel noch schädlicher gemacht worden. Sie machten auch darüber Versuche au Schweinen und an Fliegen, von denen die letztem starben / die erstem aber Spannungen/ Lähmungen und unzeitige Geburten bekamen, wann sie diese giftige» Körner gekostet hatten. Am besten aber kann uns die traurige Geschichte jenes Bauren davon überführen, der nassen, unreinen und häufig mit Kornzapfen vermischten Rocken zur Mühle getragen, und ungeachtet ihn der Müller gewornet, daß er es nicht gemessen solle, es dennoch gechan, worauf aber er samt seinem Weib, Vater, Töchter- kein, Knab, und Magd davon krank geworden und er und das Töchterlein daran starben, (iz) Selbst Horst, der einer von den ersten über diese Krankheit geschrieben, scheint nicht ganz von der Memung abzugehen, daß auch in dem Brod eine Ursache derselben verborgen liege; hingegen scheint der Verfasser der Erzählung von der mit der unsrigen ähnlichen Krankheit, die in Sachsen graßierte, dieselbe nicht anzunehmen. (-4) Horst sagt: die Krankheit komme von giftigen zähen Feuchtigkeiten (mucil-iZmiKus) und Dünsten her, wann die armen Leute keine zum Essen schickliche Speisen hätten, besonders aber wann E sie (i,) LÄ. Vrst. 172;. veL. x. (14) ibiä. 1717. x. 92. 66 sie der Huuger unreines und nicht genug gebackenes Brod zu essen zwänge. Es ist also beynahe keinem Zweifel mehr unterworfen, daß nicht die Ursache der Krankheit, wenigstens zum Theil, in dem Korn liege. Ich kann daher dem Ioh. wilh. wollner keineswegs beypflichten, welcher keine besondere Anste- kung von einem Gift annihmt, sondern sich bemühet darzuthun, daß die Ursache derselben nur in Voll* blütigkeit stecke, die durch Gemüths-Bewegungen vor* nemlich durch Zorn seye in Wallung gesetzt worden. Ich gebe es zu, das möge bey dem einzelnen Fall, den er erzählt, die Ursache der Krankheit gewesen seyn; aber von einem einzelnen Fall den Schluß auf eine epidemisch graßierende Krankheit zu machen, das ist offenbar zu weit gegangen. Dann wer möchte von sechsjährigen Knaben und Mädchen (die doch am häufigsten von der Krankheit befallen worden) deren Säfte-zur Ernährung und zum Wachsthum des Körpers müssen angewendet werden, wer wollte es überhaupt von allen denen, die an dieser Krankheit danieder lagen, behaupten, sie seyen vollblütig gewesen? So daß man also leicht einsehen kann, wie groß der Unterschied einer epidemisch graßierende» Krankheit, und der gleichen, wann sie nur einzeln Vorkommt, nothwendig seyn müsse. Christ. Vater glaubt, daß alle diese Ursachen vereiniget, im Stand seyen diese Krankheit hervorzubringen, doch so, daß die plötzlichen Veränderungen wr Luft und der Witterung den mehresten Antheil daran haben. Nach diesen giebt er den widernatürlichen Dünsten, die in Gestalt des Thaues herunter fallen, die Schuld; spricht auch die mit schädlichen Säften angefüllten, insbesonder aber die widerna- tür- ——- §7 Mich gross-n Rocken-Körner/ die Trespe und den Brand im Getrmde nicht ganz von aller Schuld frey. Vater mag es wohl darum so gemacht haben, weil er jeden besondern Grund, womit bald einer hat be- l weisen wollen, daß dies, der andere daß das die Ursache dieser convulßvischen Krankheit sey, für sich allein nicht zureichend genug befunden. Denn wenn das, was man erzählt, und was auch Vater durch Erfahrungen beweist, nemlich daß etwas giftiges in ' der Frucht befindlich seye, wahr ist, so können wir auch nicht länger daran zweifeln, daß dieses allein hin- , länglich sey, die Krankheit zu verursachen. Aber um i deßwillen können wir doch nicht der Luft eine solche ! Eigenschaft absprechen, die zuweilen für die convulsi- vischen Krankheiten sehr günstig seyn müsse. Ich lege vielmehr derselben eine solche bey; auch sehen wir sehr oft, daß die Art der epidemischen Fieber zu Zuckungen das ihrige beytrage, so wie die Veränderungen der Witterung indem sie die »»merkliche Ausdünstung auf verschiedene Weise und geschwind abändern, eine grosse Schärfe in den Säften, Krämpfe und Rheumatismen zuwegebringen können. Nur scheint mir das ein wenig unbequem zu seyn, wenn i man d-a zu so heimlichen und verborgenen Fehlern ! der Luft, als der ersten und vornehmsten Ursache ei- ' ner Krankheit seine Zuflucht nehmen will, wenn man t doch viel augenscheinlichere und mehr in die Sinnen i fallende Ursachen davon mit Gewißheit angeben kann. Wenn aber jemand glauben will, dem seye nicht so, wenn er mit Vater mehrerley nächste Ursachen der Krankheit annehmen will; wenn er dafür halten will, daß zu verschiedenen Zeiten eine von diesen Ursachen allem im Stand seyn könne, diese Krankheit zu ma- E r eben, chen , so mag er es, wenn er nur seine Meynung mit Gründen und Erfahrungen beweist. Zuletzt müssen wir nun auch noch etwas von der Meynung des gemeinen Volks / von der Ursache dieser Krankheit/ sagen. Der gemeine Mann schreibt dieselbe nemlich Raupen zu / die unter dem nicht genug gesäuberten Korn sich befanden (Gesch. d. Krkh. Nummer 6 —io) und giebt zur Unterstützung seiner Meynung folgende Gründe an: i) Die in die» sem Jahr ungewöhnliche / ungeheure Menge der Raupen: 2) Daß sie würklich von dem Korn in welchem die Raupen befindlich waren / kränk geworden: Und endlich daß man auch verreckte Katzen gefunden- die aller Wahrscheinlichkeit nach, nur weil sie solche Raupen gefressen, gestorben seyen. Allein alle diese Gründe sind nur Muthmaßungen, keine sicheren Beweisthü- mer. Denn die unreine Frucht, woraus man das Brod backte, konnte ja neben den Raupen noch anderes Unkraut und andere der Gesundheit schädliche Sachen enthalten haben. Auch haben wir keinen Augenzeug, welcher aussagte, die verreckten Katzen haben von diesen Raupen zu fressen bekommen; obgleich wir aus der Beobachtung des Ritters von Anne wissen, daß die Katzen den in seiner kguns 8uecica dlo. Z46. beschriebenen, hartschaaligten Käfer fressen. (15.) Möge nun aber die nächste Ursach von dieser Krankheit seyn was da will, so zeiget es öfters seine erste Wirkung auf den Magen; dieser, die Muskeln des Unterleibs, das Zwerchfell und die Speiseröhre werde» krampfhaft zusammen gezogen und es entsteht ein (»>) In der Eothlandisch. Reift. S. 27;. 69 ein Erbrechen, oder wenigstens ein unangenehmer Eckel. Manchmal entsteht eben auch aus einem Fehler des Magens ein Heißhunger, der die Kranken sehr plaget. Die uns übrigens noch ziemlich unbekannte Ursache davon liegt mehrmals in einem Schleim, in einer zähen Materie, welche die Kranke von sich gaben, verborgen. Es ist ziemlich häufig, daß von einem durch Schleim oder andere Ursachen verdorbenen Magen, Eckel, Erbrechen, Beängstigungen, ja selbst Zuckungen entstehen; wir sehen täglich Beyspiele davon bey Fiebern, und bey Würmern in den ersten Wegen, welche durch ihren Reitz das ganze Nerven- System in Bewegung zu setzen, ja selbst zuweilen eins Epilepsie zuwegezubringen im Stand sind. Darum sagt Hoerhaave indem er von den Nervenkrankheiten redet: Man beobachtet bey denselben sehr sonderbare Zufälle, welche am öftersten von scharfen Materien und von Unreinigkeiteu der ersten Wege herkommen, welche die Nerven des Magens und der Gedärme reiben. Daneben aber muß die Zähigkeit, Klebrigkeit und Feinheit dieses Gifts ungemein groß seyn, weil ein öfters wiederholtes freywilliges Erbrechen nicht im Stand ist, dasselbe aus dem Körper wegzuschaffen. -Horst scheint deßwegen den Sitz der Krankheit nicht so fast in dem Magen-, als vielmehr in seiner Nachbarschaft gesucht zu haben, Denn er legt einer vorhergehenden Ursach, die eine besondere Verderbnis der in der Leber, dem Milz, und den dazwischen liegenden zurückführenden Milz- und Gekrös-Adern circulirenden Säfte zuwegegevracht, die Schuld Sey. Ich gestehe zwar, daß allerdings von einer Verstopfung, Entzündung oder von einer um die Magengegend befindlichen faulen Materie, E? Ecke! Eckel und Erbrechen entstehen könm; aber in diesem Fall haben wir ein anderes , eigenes Gift zu suchen, wovon zwar ein Theil durchs Erbrechen weggehen kann, wovon aber der andere schon ins Geblüt übergegangen/ und allein im Stand ist ohne Unterlaß Krankh iten zu erwecken. Wir bemerken vhngefähr etwas ähnliches bey ansteckenden Fiebern / wo ein von Anfang der Krankheit gegebenes Brechmittel, bisweilen die Krankheit hebt, aber gar nicht dieselbe Wirkung hat, wenn man es später reicht. Jezt folget uns die Empfindung eines Kriebelns, und das dieselbe oft begleitende entschlafen der Glieder, zu betrachten. Diese Zufälle waren die Kennzeichen, woraus man abnehmen konnte, daß bereits die Nerven zu leiden anstengen. Am besten werden wir den Grund dieser Zufälle einsehen können, wenn wir uns erinnern, was zu geschehen pflegt, wenn unser grosse HüfkNerve und seine gegen die Schenkel hingehende Aeste, bey einer ungeschickten Stellung gedrückt werden. Es entsteht nemlich alsdenn ein Entschlafen, eine Betäubung der Schenkel, worauf, wenn der Druck nachgelassen, und der Einfluß des Nervcnsafts nun wieder frey ist, eine knebelnde Empfindung erfolget. Die Nerven haben nemlich bisweilen das an stch, daß wenn sie wiedernatürlich gereiht werden, sie um stch herum eine kriebelnde Empfindung verursachen. Ettmüller rechnet daher dieselbe auch unter die Zeichen, welche einer Epilepsie vorhergehen. Ein aufsteigender Schauer *) sagt er, und manchmal auch eine kriebelnde Empfindung, sind die Vorbotten von epileptischen Anfällen. Es ist sich auch *) Die uisgemein so geheißene Lura exilexttcs. Uebersi 71 Stich nicht zu verwundern, daß man zuweilen ein solches Knebeln an der Haut verspührt, weil eine so grosse Menge Haut-Nerven dahingeht. Diese Empfindung kann noch zugleich durch eine Schärfe, die in den äussersten Endigungen der aushauchenden Gefäße, unb den Drüsen der Haut, bey steh verändernder Witterung in stocken geräth, vermehrt werden. Wunderbarer aber scheint wohl das zu seyn, daß man bisweilen dieses Knebeln mir den Augen hat sehen können. Wer aber in Erwägung zieht, daß auch noch einige Muscel- oder Flechsen Fasern zu dem Fett linder Haut gehen, dem wird es eben nicht schwer zu begreifen seyn, daß wenn diese widernatürlich zusa nengezogen werden, man von Aug eine wellenförmige Bwegung -er Haut wahrnehmen könne. Was die Krampst und die konvulsivische Beweglichen anbelangt, welche auf das Kriebeln zu folgen pflegen, so wird man wie bey jedem anderem krampfhaften Zufall, eine zweyfache Ursache derselben unter- scheider müssen. Denn entweder liegt sie in den ausser dem Gchirn befindlichen Nerven verborgen, und wirkt zuerst auf diese, die dann den auf sie gemachten Eindruck den Gehirn mittheilen: oder sie greift die in dem Körpir befindlichen Nerven nicht zuerst an, sondern sie wirkt unmittelbar auf das Gehirn. Ich glaube bey unserer Krankheit habe die erste Ursache Statt gefunden: doch läugne ich keineswegs, daß nicht bey längerer Dauer des Uebels die kranke Materie selbst in das Gehirn habe können gebracht werden. Wenn nemlich an entfernten Orten des Körpers etwas ist, das die Nerven stark reiht, so machen die- selbigen nach den Gesetzen der Einrichtung unsers Körpers, wenn sie den auf sie gemachten Eindruck E 4 dem 72 0 » dem Gehirn mittheilen, eine so grosse Unordnung , daß der Nervensaft mit grosser Gewalt in die Mus- culartheile eindringt. Das wußte Boerhaave wohl, welcher an einem Orte sagt: » Die Geschichte der Krankheiten lehrt uns, daß wenn Nerven, die auch „ an den entferntesten Orten unsers Körpers bestnd- „ lieh find, stark angegriffen werden, sie eine Unord- „ nung im ganzen Gehirn und in allen davon abhan- „ genden Verrichtungen zuwege bringen können.,, (16) Daher werden auch die Musceln mit grösserer Gewalt, als bey der freywilligen Muscularbewegnng zusammengezogen. Gefetzt nun, es fragte uns jemand Wetters, wie denn das zugehe, so würden wir ihn mit Boerhaave antworten: daß da wir nicht wiesen auf was Art der Willen einen Einfluß auf unsre Bewegung habe, sondern da wir blos die Wirkmg beobachten können, uns eben so gewiß auch jene /ezte Veränderung die im allgemeinen Sitz der Sinne vorgeht, wenn eine Zuckung daher entsteht, verkwgen seyn müsse. Daß aber das Gehirn nicht gerade zuerst von dieser Krankheit angegriffen werde, erkenren wir daraus, weil man im Anfang derselben niemals Schwindel oder Verwirrungen des Verstandes beobachtet , sondern das Uebel allemal in den ersten Wegen, (16) So wurde eine zwölfjährige Epilepsie, bey deren Anfällen die Perfon eine unangenehme Empfindung in einem Schenkel hatte, dadurch geheilt, daß man eine harte knorpelichte Geschwulst wegschnitt, die unten an den Wadenmufceln befindlich war, und auf den Nerv zu fitzen kam, welchen sie so empfindlich drückte. Vergl. Nsälcal anä Oblervations, IV. x. m. 416. gen, oder den vom Kopf am weitesten entfernten Theilen feinen Ursprung nimmt. Wir müssen uns also damit begnügen, diejenigen Veränderungen des Körpers zu beobachten , welche auf eine solche unwillkührliche Zusammenziehung der Mufceln erfolgen. Diese bestehen in Schmerz, Stei- stgkeit der Theile, ungleichem Puls, Geschwülsten und Austreibungen der Glieder. Ja es kommen alle Verrichtungen in Unordnung, sowohl die thierischen, als die natürlichen, und die zum Leben unmittelbar noth- ' wendigen. Der Schmerz krmmt von der allzustarken krampfigten oder konvulsivischen Ausdehnung der Mus- cularfibern her. So wird ein jeder, der eine etwas starke Muscularbewegung macht/ einen kleinern oder grossem Schmerz verspühren. Desto heftiger muß aber nun derselbige seyn, wenn die Lebensgeister durch ihren schnellen Einfluß, die Muscularfasern ungewöhnlich stark ausdehnen / und mit Gewalt die beweglichen Theile, weiter als die Natur es haben und ihre Bauart es erleiden mochte, hinreiste». Da auch die sol- . chergestalt krampfhaft zusammengezogene Musceln,- . das Geblüt aus den Schlag - und zurückführenden Adern, und das Fett aus seinen Zellen auspressen, so ^ können die Fibern derselben, wenn sie einige Zeit in i diesem Zustand verbleiben, leicht zusammenwachsen, ! und so die kleinsten Gefäffe undurchgangbar gemacht i werden. Da aber die Behendigkeit der Musceln von ; der Biegsamkeit der kleinsten Besässe abhängt, so laßt ' sich daraus erklären, warum nach Zuckungen, auch ^ manchmal nach allzustarken Bewegungen eine Steisig- j keit der Glieder erfolgt. ^ Allein auch Austreibungen und Geschwülste sind die nicht seltenen Gefährten der oft wieder kommen- E s den 74 den Zuckmgeit. Diese Geschwülsten hängen meistens von einer Entzündung der umliegenden Theile ab / das zu geschweige»/ daß/ wie schon Fr. Hoffmann erinnert hat / auf Krämpft eine Entkräftung folgt / wo dann die Säfte mehr als gewöhnlich nach den geschwächten Theilen hin steh ziehen. Wenn ein Muscel krampfhaft zusammengezogen ist/ so lassen sich die arteriösen Gefasst desselben nicht vom Blut anfüllen. Das Herz treibt aber unterdessen allezeit mit gleichen, manchmal auch mit vermehrten Kräften das Geblüt dahin fort. Wenn dieses nun die gewöhnlichen Gefasst verschlösse» findet/'so dringt es in Nebengefasse die schon ihre gehörige Menge eigenes Geblüt haben/ hinein / und dehnt selbige zu stark aus: und so macht es daselbst eine Verstopfung/ die immer zunimmt/ und wenn die Ursache zu lange anhaltet, endlich in Entzündung übergeht. Daß aber daher auch ein ungleicher Puls entstehen müsse/ ist offenbar. Denn die krampfhaft zusammengezogenen Musceln pressen das in den zurückführenden Adern befindliche Geblüt / und beschleunigen so seinen Rückweg gegen dem Herzen. Durch dieses geschwinder zuströhmende Geblüt wird das Herz mehr gereiht und zieht sich geschwinder zusammen / schlägt aber auch so bald wieder langsamer/ als die Zuckungen nachgelassen haben. Da nun zwischen den konvulsivischen Bewegungen selbst keine gleichen Zwischenräume sind/ so steht man klar/ daß daher auch eine Ungleichheit des Pulses entstehen müsse. Es hiesse wahrlich eine herkulische Arbeit unternehmen / wenn man bestimmen wollte / auf wie viel verschiedene Arten die zum Leben gehörigen / die thierischen / und die natürlichen Verrichtungen durch Kräm- yfe können verletzt werden: indem just von dem or- dent- 75 deutlichen Einstich der Lebensgeister in alle die verschiedenen Werkzeuge des Körpers, von einer richtigen Circulation des Geblüts und von einem freyen Athemholen die Gesundheit des Menschen abhängt. Wenn schon Hippocrates die wörtlichen Gesetze des Kreislaufes nicht kannte/ so erklärte er doch diese Zufälle/ welche er von zu viel mit dem Geblüt vermischten geistigen Wesen (schrims) herleitet, beynahe eben so. Er sagt nemlich / indem er von der Fall- sucht redet: sie verhindert den Lauf des Geblüts; macht / daß es an einem Ort stocken / an einem andern langsamer, und noch an einem andern geschwinder sich bewegen muß. Wegen dieser unordentliche» Bewegung des Geblüts durch den Körper, entstehen nun auch mancherley andere Unordnungen, oft gänzliche Zerstöhrungen der Verrichtungen desselben. Wenn man das so eben gesagte mit den oben schon angezeigten Zeichen vergleicht, so wird es nicht schwer seyn, die Norhersagung bey dieser Krankheit zu machen. Ein jeder, der die Übeln Folgen kennt, welche die Verletzung irgend einer Verrichtung des Körpers nach sich zieht, wird bald merken können, welche Zeichen etwas schlimmes, oder welche etwas gutes zu bedeuten haben. Insonderheit aber will ich folgende zur Prognosis der abgehandelten Krankheit gehörige Regeln beyfügen, die ich aus öftern Erfahrungen vom Ausgang derselbigen abstrahiert habe. i.) Wenn die Krankheit lang ohne Hülfe gedauert hat, so wird sie sich oft in Epilepsie endigen, die manchmal kann geheilt werden, manchmal einen unausbleiblichen Tod verursacht (17), oftmals aber auch (17) ^nnsl. Vrscisl. msns. /WZull. 17,7. auch fünfzehn und mehr Jahre lang die Kranken alle Jahr elendiglich geplaget hat (18). Es erscheint sich daraus die Wahrheit -es 7nten Lehrsatzes des grossen Boerhaave: » daß lang anhaltende Zuckungen , oft alle Nerven wegen ihrer genauen Verbindung unter einander angreiffen, und -aß daher traurige Uebel entstehen können. „ 2.) Ein eben so trauriges Schicksal wartete gemeiniglich auf jene, welche während der Krankheit von Sinnen kamen. Sehr selten kam ihre Vernunft gänzlich wieder, und oft blieben sie ihr ganzes Lehen durch dumm (19). ;.) Selten gemseu diejenige, welchen wahrender Krankheit die Brich von den Krampfen angegriffen ward (20). Allen hat daher nicht so ganz unrecht , wenn er sagt (21): Eine Convulsion kann schon allein darum tödlich werden, weil sie Erstickung zuwege bringt, wenn die zum Athemholm bestimmten Mufteln davon angegriffen werden. 4.) Man hat viele Beobachtungen, wo die Krankheit schicklichen Mitteln, wenn man selbige noch zu rechter (18) L-»-/? 1. e. x. 424. (19) p. 424. (20) Vergleiche die Nummer >8. und iy. der Geschichte der Krankheit, wend hat bey der Section eines an dieser Krankheit verstorbenen neunzehnjährigen Jünglings, ausgetretenes Geblüt in den Lungen, die Lungen ftlbft mit Bläsgen, die Wasser oder Serum enthielten, angefüllt, und angefressen gefunden u. s. W. Vergl. Lunal. VrLtisIsv. 1717. sul. LI. VI. x. 8y. (si) Lomp. Neä. x. m. 107. rechter Zeit hat anwenden können > nicht ungern gewichen ist. s.) Die Übermäßigkeit im essen hat oft Reci- dive zuwegegebracht, und die Heilung der Krankheit erschwert. 6.) Die Krankheit schiene, Beobachtungen zufolge , bald mehr (n), bald weniger (rz) ansteckend. Diejenige Epidemie, die ich beobachtet habe, war es gar nicht. Alles, was ich bisher von dieser Krankheit geschrieben , ist es in der Absicht, daß man bey gegebenem Anlaß dieselbe zu heilen und derselbigen vorzukommen wisse; wir müssen also auch hieven noch etwas sagen. Ein jeder der diese Krankheit heilen will, muß zuerst ihrer nächsten Ursach nachforschen. Aber eben dieses macht die Curart schwer, weil man dieselbe noch nicht recht weißt. Indessen kann uns doch die Erfahrung von dem was in dieser Krankheit geholfen und geschadet, die Beobachtung der heilsamen Bemühungen der Natur um derselbigen los zu werden, und die in schwierigen Fällen von Boerhaave so sehr empfohlene Vergleichung mit andern ähnlichen Krankheiten, hierinn einigen Aufschluß geben. Ueberhaupt lehren uns die Vernunft und die Erfahrung , daß ausleerende Mittel zu Wegschaffung der kranken Materie nothwendig seyen. Sie rathen uns zu Brechmitteln, wenn das Uebel noch in seinem Anfang ist, und der vorhandene Eckel eine bewegliche Unreinigkeit in dem Magen und den ihm nahe liegenden Theilen vermuthen läßt; zu Laxiermitteln, wenn sich (22) üs--/? p. 224. (sz) Lnnst. Vratiilgv. L. 2717» 8 ext. L Jut. x. 8 ». 78 sich dieselbe weiter unten im Darmkanal befindet; nnd endlich zu solchen Mitteln, welche zugleich auf alle Ausleerungen gelind wirken , wenn die Krankheit in der Masse des Geblüts und den festen Theilen schon tiefere Wurzeln gefaßt hat. Der Arzt muß also sorgfältig immer darauf Acht geben, welchen Weg die Natur selbst zu wählen scheine, und sich darnach rieh« ten. Wenn er dann daneben noch Mittel vorschreibt, welche die Schärfe mildern, denselben krampfwidrige und schmerzstillende beygefügt hat, wenn er den Kräften aufhilft, eine gute Diät vorschreibt, und den dringendsten Zufällen begegnet, wer darf alsdenn ein mehreres von ihm fodern? Zum Brechmittel schickt sich am besten die Brech- wurzel, mit Salpeter und vitriolisiertem Weinstein versetzt; zu Laxtermitteln die Salze, z. E. das englische , Glaubers Wundersalz, das Pariser-Polychrest- salz, und andere. Stärkere Ausleerungsmittel sind selten zu billigen, vornemlich wenn schon starke Kram- pfe da, und Anzeigen vorhanden sind, da-ß schon das Nervensystem angegriffen sey. Alles, was die Lebenskräfte vermehrt, die zusammengezogenen Gefässe und Auöführungsgange erschlafft, und zugleich die fehlerhaften Säfte beweglich macht, das befördert auch zugleich die verschiedenen Ausleerungen. Dazu ist besonders der mit Bernsteinsalz vermischte Hirschhorn- geist (bguor Lornu Lervi lucciM3ru8), der Hoff- mannische schmerzstillende Liquor, eine aus Spies- qlastinktur und geblätterter Weinsteinerde zubereitete Visceraltinktur, der Spiesglasgoldschwefel des dritten Niederschlags sehr dienlich, denen man allenfalls sogenannte Temperier- auflösende und Schweißtreibende Pulver aus vitriolisiertem Weinstein, Salpeter, mit mit Citronensaft sauer gemachten Muscheln (LoncliL Lirrmee), dem Schweißtreibenden Spiesglas (^nri- inonium 6iüpkc>rericum), dem Pulver von Garten- schnecken, und der Wurzel vom wilden Baldrian beymischen kann. Denen die bey uns krank lagen, ha- - Sen diese Pulver zugleich mit dem mit Bernsteinsalz ? vermischten Hirschhorngeist gegeben / vortrefliche Dien» ! sie geleistet. Auch haben folgende Pillen durch ihre krampfwidrige Eigenschaft , dem Kranken »»gemein ^ geholfen. ' Nimm: Stinkende Asa, ein und ein halbes : Quentchen, Bibergeil, ein Quentchen. Campher, ein halbes Quentchen, Destilliertes Hirfchhornöl, so viel als genug um Pillen zu machen, wovon jede ein Gran wiegen soll. Vergolde sie. *) Von diesen kann man vor dem Anfang eines jeden Parvxysmus den Kranken drey bis sechs Stück nehmen lassen. Erfahrne Aerzte werden jezt aus dieser im allgemeinen gegebenen Idee leicht schließen können, was dann noch weiters erfodert werde, um die Krankheit gänzlich zil heben. j Die Vorsichtsregeln, die man neben dem Gebrauch der Arzneyen zu beobachten hat, stnd nach mei- . ner Erfahrung folgende wenige: » i.) So ----- ^ --- *) H. fvetiäT örsckmsm unsm L äimiäiLln. LaHorel ärackmAM unsin. Lsmpllors: ärsckm-e äimiäium. Olei Lornu Lervi äeüill3ci qusntum tsus ut Lsnc xillui« ün^ulie PvricluL Zram. OsAurerrtur, 8 Co- Uk, Herzklopfen und intermittierenden Fiebern geplagt wurde. Sie hatte schon vor sechs Jahren, ohne besondere üble Folgen von daher zu verspühren, ihre monatliche Reinigung verlohnen. Als fie ein Jahr vorher an einem ziemlich starken intermittierenden Fieber danieder gelegen , aber gänzlich wieder hergestellt worden war/ ward sie im Aprill des Jahres 1759 mit Krämpfen im Unterleib befallen, wobey eine grosse Bangigkeit / und eine sehr beschwehrliche Empfindung von Volle zugegen war, und es die Kranke oftmals dauchte, der Unterleib werde ihr durch einen Gürtel zusammengeschnürt. Anfänglich kamen diese Beschwerden in ungewissen Zwischenräumen; zuletzt aber kamen fie je den zweyten Tag wieder, jedoch ohne das frieren und so, daß die hysterischen windichten Krämpfe, die mit Herzklopfen und dem Anschein nach mit einem schleichenden Fieber (kekris lenra) begleitet waren, unter die beschwerlichsten Zufälle gehörten. Die Paroxys- men fiengen meistens mit einer leichten Bangigkeit, einer hysterischen Harnstrenge und einem helllaufenden Urin an, und dauerten gewöhnlich vier und zwanzig Stunden fort, verhinderten die Kranke jede andern Nächte am Schlaf und waren mit einem aufstossen begleitet, das mehr Zuckungen-als Krampf-ähnliches Hütte. Der Unterleib war gab nicht hart, fie hatte keine Kopfschmerzen, und wenn sie auch etwa dergleichen bekam, so war es ihr, als ob ihr Kopf mit einer Binde zusammengeschnürt würde. Wann die Anfälle bevorstuhndcn, so wurde der Puls langsamer, da er die übrige Zeit mehr stebrisch war. Sie ver- spührte keine Beschwerden im Athemholen, ausser wenn wäh- ISI wahrend den Anfällen die Krcampfe dft Brust befielen pnd zu gleicher Zeit auch die Luftröhre ein wenig zusammengezogen wurde. Ihre Kräfte waren so sehr geschwächt, daß fie kaum mehr auf den Füßen stehen konnte. An den Krankheitsfreyen Tagen war die Eß- lust gar nicht groß. Der Stulgang konnte nur durch Clystiere offen erhalten werden, oft gieng auch mit grossen Beschwerden und Stulzwang eine schleimichte Flüßigkeit weg. Der Urin war etwas rhthlichter als im natürlichen Zustand, arthritisch, wolkigt, und eS schied sich nach dem Paroxysmus nur sehr selten aus demselben ein Bodensatz, dem ähnlich, der in Fiebern abgesetzt wird. Ein beschwerlicher Durst war fast niemals vorhanden, sondern nur während den Anfüllen eine Tröckne und Bitterkeit des Mundes, wobey die Zunge unrein, weißgelblicht aussah. Nie beobachtete ich an ihr eine Farbe wie bey Gelbsüchtigen, und doch hatte sie auch von den leichtesten Speisen und Getränken die grasten Beschwerden. Während den Anfällen litten die Pracordien am meisten von Krämpfen, sobald aber die Anfälle vorbey waren, so zogen sich dieselben nach dem Unterleib in welchem sie ein höchst beschwerliches kneipen erregten. Nun kam auch ein sumsen indem rechten Ohre uyd ein schweres Gehör, das noch von dem intermittierenden Fieber des vorigen Jahrs zurückgeblieben und beym Ansang dieser Krankheit verschwunden war, wieder. Der ganze Körper that ihr, ich weiß nicht ob ich sagen soll in remittierenden , oder in intermittierenden Zwischenräumen wehe , auch hatte sie dann und wann an verschiedenen Stellen des Körpers besonders aber qn den Armen und dem Rücken die Empfindung eines brenuerrs, gleich s-m als ob ihr heiffes Wasser angegossen würde. Dir G? linke linke Seite ihres Körpers zeigte, besonders während dem Gebrauch des Pyrmonterwassers mehr Schwache als die rechte; auch ergoß sich von einem Blasenpfla- sier das man ihr auf den linken Schenkel auflegte, mehr Feuchtigkeit, als von einem solchen, das man ihr auf den rechten Schenkel auflegte. Sehr oft verspührte sie in der hohlen Hand fliegende Hitzen: das gleiche geschah auch an den Füssen , die oftmals schwitzten, unterdessen daß die Schenkel beynahe kalt waren. Endlich war ihr auch das liegen auf der rechte» Seile beschwerlich, und wurde es, ihrer Aussage nach, noch mehr durch, das sausen in demselben Ohr. Diese Uebel linderten siel) zu End des Brachmonats nach und nach ein wellig, aber sehr langsam, so daß sie erst in der Mitte des Weinmonats eine fünfMeilen weite Reise , die ihre Aerzte ihr angerathen, zu unternehmen wagte. Da sie aber auf der Reise über Nacht blieb, so befiel sie ein Paroxysmus, heftiger als noch keiner der vorhergehenden , der fünf Stunden lang dauerte und sich mit zweyen Stulgängen endigte. Aber von dieser Zeit an, erlitt sie fast keinen Anfall mehr, kam wieder zu Kräften, und lebte so sechszehn Monate lang fast ganz gesund, ausgenohmen im März des Kosten Jahres. Damals bekam sie neben einer Schwere des Körpers einen gelinden Hunger, so wie sie ihn schon oft bekommen hatte, und der meistens ein trauriger Vorbotte von podagrischen Schmerzen zu seyn pflegt: darauf folgte ein herumirrender Schmerz in den Gelenken, der mit einem starken jucken begleitet war, und sich in hin und her zerstreute, in Blasen erhobene, schmerzende, zückende, und wie die Finnen (Vari) eiternde Ausschläge endigte. Ein flüchtiger Schweiß der in einer Minute vorbey gieng, (kein seltener Zufall, bey jenen —. I0Z podagrischen Kranken, welche das Podagra unter der Maske von Hautausschlägen heimsucht) neckte die Kranke mehr, als er sie plagte. Der Stulgang war verstopft, und es waren herumirrende, gelinde Schmerzen in den Gedärmen vorhanden, wobey aber die Krankt nicht einmal im Bett liegen mußte und alle diese Be- shwerden nach Versiuß von vierzehn Tagen aufhörten. Jetzt komme» wir zur Betrachtung der Krank- leitszufälle, welche meine Patientin ein Jahr darauf c>. i. i76i. bekam. Sie verspührte nemltch im Hor- nung desselben Jahres ein beschwerliches spannen im Unterleib, so daß sie nur mit Mühe den Körper vorwärts biegen konnte, wobey sie im ganzen Körper, vorzüglich aber in den Knien einen stumpfen Schmerz fühlte, der mit grosser Bangigkeit begleitet war. Die- 'e Zufälle hatten kaum acht Tage gedauert, als ein ieftiges Fieber mit unaussprechlichen Bangigkeiten und -rücken und starkem Schmerz über das Herz, die ein gleichsam konvulsivisches Aufstossen, öfteres erbrechen / Schlaflosigkeit, und ein gelbsüchtiges Aussehen des zanzen Körpers, vorzüglich aber des rechten Arms zu Gefährten hatten, die Kranke befiel. Man konnte aber uch jetzo weder eine Austreibung, noch irgend eine Här- > des Unterleibs oder der Seitengegenden bemerken. Äif den Gebrauch dienlicher Mittel endigte sich in wetzen Tagen das Fieber durch einen häufigen Schweiß, nd auch die übrigen Zufälle wurden gelinder, doch so dß in ungewissen Zwischenräumen, gewöhnlich alle ccht oder zehen Tage, die Bangigkeiten, das erbrechen, das konvulsivische aufstossen, das drücken über der Herzgrube, die Unruhe des ganzen Körpers, der Harnzwang lnd die Harnwinde (Oxkuris Lc 8rrLNFuri3) und ein rennender Schmerz unter den kurzen Ribvm der lin- G 4 ken I2>4 L-1_n kenSeite (in hypociwnclrio lmiliro) und am untern Magenmund wieder kamen. Die Gelbsucht verschwand gegen das Ende des Märzmonats, aber die übrigen Beschwerden nicht mit ihr: diese kamen in kürzern Zwi- schenräumen wieder, nahmen oft die Gestalt eir.es dreytägigen , dann die eines vier oder fünftägigen Fiebers an, und die Kranke ward ohngefehr von den glichen Zufallen geplaget, wie die waren, welche fie in Jahr 1759. erlitten, doch so, daß die Gelbsucht niemals wieder kam, und die meisten Paroxysmen stcl entweder durch einen Schweiß, oder durch starke» Ab gang des Urins endigten. Unter diesen Zufällen verdient vorzüglich einer bemerkt zu werden, den sie zwi sehen dem eilften und fünfzehnten Aprill bekam, unk der gewisser Massen kritisch kann geheißen werden, wei während demselben Gallensteine und ein gelblichtei Schleim von ihr weggiengen, und die Krankheit daran sich verlor. Sie bekam nemlich gegen Abend eine gröl fere Muthlosigkeft, und Harnstrenge, bald darauf eim Beklemmniß über der Brust, unaussprechliche Ban gigkeiten, eine Empfindung als ob ihr die Brust un' das Herz gedrückt würden, heftiges aufstossen, Eni kräftung, ein innerliches frösteln, wo es ihr däuchte, de Magen und andere Theile ihres Körpers seyen gaz kalt, einen kalten Angstschweiß, so daß man die gane Nacht über durch warm gemachte Leintücher ihren Lei erwärmen mußte: Ehe sich den folgenden Morgen m sieben Uhr diese Uebel linderten, giengen unter starker kollern in den Gedärmen ob sich und nied sich Blähur- gen von ihr weg, und der kalte Körper bekam wiedw seine natürliche Wärme. Denselben Morgen hatte sie auch einen freywilligen Stulgang, es gieng aber nur ein gelblichter, zäher Schleim mit grosser Erleichterun a/ ros ab. Jetzt war noch eine so grosse Schwachheit übrig geblieben/ daß sie in eine Ohnmacht verfiel/ wenn sie nur aufrecht sitzen wollte / indessen spührte man daneben fast gar kein Fieber. Der ganze Körper that ihr ein wenig wehe / vornenüich aber ward sie den ganzen Tag über von gelinden Colikschmerzen geplaget / wobey den Nachmittag durch der Bauch heisi war / welches alles sich in einen Schweiß endigte. In der darauf folgenden Nacht war die Kranke ruhiger / und am Morgen erfolgte ein Stulgang / mit welchem eine grosse Menge gelblichten, zähen Schleims weggieng, in welchem vier oder fünf gelbe/ harte Massen eingehüllt waren/ die an's Licht gehalten/ tvie der Bernstein sehr leicht abbrannten / und fast keine Kohlen zurückließen. Nach dieser Zeit hatte die Kranke mit gar keinen heftigen / wohl aber mit gelinderen Anfallen noch zu kämpfen / während welchen mit dem Unrath eine grosse Menge von Gypsartigen / weißlichten / am Licht abbrennenden Massen weggienge. Oft giengen auch Exkremente weg / die mit einer sandichten und gleichsam zerreiblichen Materie überzogen waren. Die Kranke kam wieder zu Kräften und ward wird er so gesund, daß sie in der Mitte des Brachmonats die Stahlbader b fttchen konnte / wo sie dann gänzlich wieder hergestellt wurde/ und jetzt noch gesund ist- Anmerkung. Diese Beobachtung zeigt uns viel merkwürdiges; wir finden dabey mehrere vorbereitende und veran- laßende Ursachen. Denn i. Hatte sie die Disposition zur Gicht theils, von ihren Eltern / theils auch von ihrem Mann ererbt , G f und IS6 und diese Krankheit ist, wie ich unten weittäuftigee zeigen werde, sehr nahe mit den Steinbeschwerden verwandt. ii. Glaube ich auch, das werde mir heut zu Tage niemand läugnen wollen, daß das Podagra durch Ansteckung weiter verbreitet werden könne, welches ich unter anderm auch mit folgendem Beyspiele beweisen kann. — Ich kannte einen Mann, der seiner mäßigen Lebensart ungeachtet, und ob er gleich eine ganz gegen diese Krankheit gerichtete Diät führte, auch von feinen Eltern (welche Vauernarbeit verrichteten; und bey unsern Bauern ist Gicht und Podagra bisher noch eine unbekannte Krankheit geblieben) nicht die geringste Anlage dazu ererbt hatte , dennoch ziemlich lange au der Gicht danieder lag, die er von seinem Herren, einem vornehmen Ofßcier, der bis an seinen Tod damit geplaget gewesen, bekommen hatte. Als dieser Herr einmal einen Anfall von der Krankheit bekommen, so ließ er sich durch ihn ein Paar neue Castorhaarene Strümpfe anziehen, konnte aber dieselben vor Schmerzen nicht länger als zwo Stunden, am Fusse ausstehen, er ließ sie sich also wieder ausziehen und verehrte selbige seinem Kammerdiener, welcher ste sobald er aus dem Schlafzimmer kam sich anprobte, aber seine unzeitige Neu- gierde mit vierjährigen podagrischen Schmerzen büssen mußte. Es ist auch eine sehr bekannte Sache, daß Hunde, die man auf die Füsse eines am Podagra kranken legt, selbst das Podagra bekommen. Ferners können wir die mehr leckere Diät und die sitzende Lebensart der Kranken mit Recht auch unter die vorbereitenden Ursachen der Krankheit zählen. Dieß alles zusamengenommen, wer wird sich da noch über die Gicht- und Steinbeschwerden wundern, die von s». man- Mancher Ursach erregt wurde:» ? und die Schmerzen in den Gelenken, die blinde Goldader und die Be- klemmniß über der Herzgrube, zeigen es ja zur Genüge an, daß Gichtschmerzen und Gallensteine die Krankheit ausmachten. Vi. n. Rosen von Rosen stein von einem mit Gefahr von Pleuropmumome verbundenen Seitenstechen. E in obngefähr neunzehnjähriger Jüngling, der um einige Freunde zu besuchen von Haus gegangen , ver- spührte auf dem Weg verschiedentlich ein schauern durch den Körper. Die Kleidung die er damals an hatte , war nichts weniger als gegen die kalte Herbstzeit gerichtet. Gegen Mittag kehrte er wieder zurück und aß begierig von einem Erbsengericht worinn Speck gekocht worden war, und von andern ähnlichen Speisen. Etwas *) Ich wußte kein passendes deutsches Wort, welches den Sinn des Lateinischen recht ausdrückte, das eine Entzündung des Ribhenstlls, die sich bis auf die Oberfläche der Lungen erstreckt, bedeutet. Wo also die Zufälle der Pleuritis und Peeipneumonie, nur letztere in einem geringern Grade, vorhanden sind. Man sagt. auch Pleuroperipyeumonie. Amn. des Ucbers. IG8 Was mehr als eine Stunde hernach überßel ein Schauer seinen ganzen Körper. Darauf folgte eine grosse Hitze, ein heftiges erbrechen und starke Kopfschmerzen. Gegen Abend besserte es sich wieder ein wenig mit ihm, und vornemlich ließ das erbrechen ein wenig nach, so daß er sich, um etwas zu verrichten wieder zum Haufe hinaus wagte, aber noch nicht weit weg war, als er so schwach wurde, daß er, um wieder nach Hause zu kommen, sich auf jemand stützen mußte. Sobald er ins Haus hinein getretten, bekam er ausser einer grossen Hitze und Kopfweh, einen so heftigen Schmerz in der rechten Seite, daß er unverzüglich zu Bett gehen mußte. Die folgende Nacht war sehr unruhig für den Kranken: denn alle diese Beschwerden, das erbrechen allein ansgenohmen, stöhrten ihn am Schlaf, und wenn sich auch je zuweilen, wenn die Zufalle etwas nachließen, die Augen schlössen, so ward auch diese kurze Ruhe durch verschiedene schreckhafte Träume unterbrochen. Tags darauf wurden die Zufälle statt sich zu vermindern nur noch stärker, und er bekam auch einiges , aber vergebliches, Reitzen zum erbrechen, es gieng aber, wie er selbst sagte, nichts als ein wenig Schleim weg. Am dritten Tag der Krankheit ward ich zu dem Kranken geruftn, und gieng gegen Mittag zu ihm: er beklagte sich über heftige Kopfschmerzen, starken Durst, Schmerz der rechten Seite, der beym Husten, während dem ernathmen, und wenn er auf eine Seite liegen wollte, stärker wurde; daneben, sagte er, sey ihm das Athemholen sehr beschwerlich, nnd er verspühre gleichsam ein schweres Gewicht, das ihm auf der Brust aufliege. Ich beobachtete an seinem Körper eine trockne Hitze, einen vergeblichen Reitz zum Husten, an der Hand- Handwurzel den Puls hart und geschwind/ emeweisse Zunge, die nicht wie im natürlichen Zustand feucht war/ und etwas röthlichke Wangen. Da ich ihn sah,, lag er auf dem Rücken. Ich beschaute auch seine Brust/ die gar nicht roth war/ und beym Berühren nicht schmerzte. Alle diese Zufälle zeigten mir deutlich an , daß die Krankheit eine wahre Entzündung des Ribben- fells seye / Und ich riethe daher auch alsvbald zu dem vorzüglichsten Mittel gegen dieselbe/ nemlich zur Aderlaß/ der Kranke aber setzte sich dawieder / so daß auch meine kräftigsten Vorstellungen nichts fruchteten. Damit ich aber dem ungeachtet auch etwas zur Heilung -er Krankheit durch Arzneyen beytrage/ so verordnete ich erweichende Kräuter zu Ueberschlägen/ die mau in zwey Säckgen einnähen / in gleichen Theilen Wasser und Milch koche«/ und so dem Kranken wechselweise auf die schmerzhafte Seite warm auflegen mußte. Ich befahl daneben dem Kranken daß er sich ein Clystier sollte setzen lassen / und hernach ein Pulver aus Salpeter, Campher und Citronenscheibchen nehmen, und solches alle vier Stunden wiederholen solle. Ich rirth ihm auch an, das einfache Sauerhonig mit Milch zu vermischen und diese Mischung bald lau, bald warm fleißig zu trinke». Den vierten Tag fand ich den Kranken fast in dem gleichen Zustand, und ersähe daraus daß ohne eine Aderöfnung keine Heilung zu hoffen seye, wiederholte daher mein Begehren, welches er aber, wie vorher, abschlug; doch ließ er sich endlich durch das viele zureden dazu bewegen, und gab nach. Man machte daher augenblicklich am rechten Arm eine Oefnung die aber allzu klein aussiel , und alsobald zu bluten aufhörte, so daß man auch am linken Arm schlagen mußte und 7 IO und zwar mit glücklicherem Erfolg, so daß mau jezt zchen Unzen Blut wegließ. Wahrend dem das Blut stoß, rieh ich die schmerzhafte Seite gelind, und befahl dem Kranken zu wiederholten malen tief Athem zu holen und ein wenig zu husten, damit das in dem entzündeten Ort stockende Blut desto bester möchte zertheilt werden» Das weggelassene Blut gerann augenblicklich/ zeigte aber keine Entzündnngs- haut. Gegen Abend gieng ich wieder zum Kranken, der nun viel freyer Athem schöpfen konnte, und von dem ich mit Freuden vernahm / daß der Seitenschmerz seinen Sitz verändert und sich gegen das Schulten hlatt hinauf gezogen. Er sagte mir noch / daß er jezt ein klopfen im Kopf verspühre, und daß es ihn bald dauchte / als ob die Gegenstände die er sähein der Höhe schwebten / bald als ob selbige durch einen Nebel verdunkelt würden. Ein Schweiß / welcher jezt die ganze Haut befeuchtete/ machte mir Hofnung, daß der durch Schmerzen abgemattete Körper / nun durch einen sauften Schlaf erquickt werden möchte - und diese Hofnung ward auch nicht getäuscht. Am fünfter; Tag schien zwar die Krankheit den Arzneyen weichen zu wollen/ aber gegen Abend wurde das Fieber verstärkt/ und mit dem Fieber auch der Schmerz in der Seite heftiger. Er wurde aber nach wiederholter Auflegung der Säckgen / und nachdem der Kranke ein Campherpulver genommen/ wieder viel gelinder. Heut war der Urin das erste ma! trüb. Den sechsten Tag glaubte sich der Kranke geborgen. Sein ganzer Leib triefte von Schweiß, und er hatte wenig/ aber guten Auswurf. Aber der schort wieder dünne Urin zeigte mir/ daß die Heilung noch sar gar nicht so nahe sey, und als ich auf den Ausgang Ächtung gab/ so sah ich auch wirklich daß die vorhin nur eingeschläferten Zufälle auf den Abend , nun wieder mit aller Heftigkeit ausbrachen. Von neuem befielen den Kranken die Schmerzen in der Seite, das - Kopfweh, das schwere Athemholen und das Fieber. ° Der Kranke verlohr zwar einige Unzen eines weder schwarzen noch pechartigen Geblüts durch ein Nasenbluten, aber ohne die geringste Erleichterung, so daß ^ er darauf wirklich phantasierte, wie ein rasender vom Bett aufsprang und viel albernes schwatzte. Jezt wurde er ohnmächtig ; man legte ihn wieder ins Bett, wo er zwey Stunden lang sehr schwach da lag. Endlich kam er wieder zu sich selbst. Als man mir am siebenten Tag dieses erzählte, so gab es zuerst meiner Hofnung zur Genesung des Kranken einen gewaltigen Stoß, besonders da jder Kranke jezo noch schwach und unruhig war, und 'der Rücken der Zunge, und hie und da auch die Lip- ,pen schwarz aussahen. Und doch zeigte der Puls eher baldige Genesung als Verschlimmerung an, denndie- -ser Lebens-Verkündiger war weich, gleich und leicht- fliessend. Ich faßte deßnahen Hofnung, daß die Krankheit bald durch einen reichlichen Schweiß sich entscheiden werde. Auch hofte ich nicht vergebens. Denn des Nachmittags schwitzte er am ganzen Körper, da ich ihm alsdenn rieth, durch etwaniges Trinken lauer Milch den Schweiß zu unterhalten, weil ich sicher wußte, daß Schweißtreibende Mittel jezt par nicht für meinen Kranken taugten. Die Nacht des achten Tages war ruhig. Noch schwitzte der Kranke: sein Aussehen wurde lebhafter, sein Gemüth ruhiger: er warf wenig aber gekochte Ma« H2 Materie aus. Der Urin zeigte am Boden des Glases em Wölkgen. Am neunten Tag war alles besser. Dek Kranke hatte ausser Schwäche keinen fehl,innren Zufall mehr. Sein Puls ist noch weich, gleich, und eher langsam als geschwind. Der Urin zeigt einen kritischen Bodensatz. Jszo bat ich ihn, er möchte dann und wann zur Stärkung einen Löffel voll mit Wasser geschwächten und mit Zucker süß gemachten Rheinwein zu steh nehmen, und wenige einfache Speisen gemessen. Darauf besserte sich alles zusehends, und der Kranke ist jezl nach dieser Krankheit gesünder, als er vorher je gewesen. VI!. Ion. Gidren Versuche mit den Krähen-Aug en» Erste Beobachtung. ^tn zwölfjähriger kleiner, jedoch gut aussehender Knab, von einer lebhaften Gesichtsfarbe, ward gegen das End des Märzmonats des vergangenen Jahres in das akademische Hospital gebracht. Seine Eltern erzählten , daß selbiger etwa vor einem Jahr ohne eine offenbare Ursach die Fallsucht bekommen, und seither täglich einen, auch zwey und drey Anfälle davon 1IZ davon auszustehen gehabt. Auf meine Fragen sagte er, daß er vor dem Anfall nichts als einen Schwindel verspührt. Man gab ihm zuerst ein Vomitiv und hernach die Ztnkblumen, womit man auch bis zum achten May fortfuhr» Als aber dieses Mittel die ver- hofte Wirkung nicht that / so gab man ihm gegen das Ende des abnehmenden Mondes / obgleich keine Zeichen von Würmern vorhanden waren, und auch das Brechmittel keine Erleichterung verschaft hatte, (web- ches es doch hätte thun sollen, wenn Würmer vorhanden gewesen wären) wurmtreibende Mittel. Zu dem End gab man ihm drey Tage lang hinter einander Abends, ein, bis anderthalb Quentchen Wurmsaamen (lemen cini«) und am Morgen darauf eine halbe Unze englisch Salz mit fünfzehn bis zwanzig Gran Jalappenwurzel versetzt, und fuhr in unbestimmten Zwischenräumen mit dieser Methode einige Zeit lang fort. Durch diese Mittel wurden eilf Spulwürmer abgetrieben, ohne daß eine Besserung darauf erfolgte. Da man aber den Verdacht hatte, diese Gäste möchten etwa nicht ohne Sippschaft da gewesen seyn, so wartete man wieder auf das abnehmen des Mondes, und nahm dann obige Cur von neuem vor: aber keine Wärmer gtengen ab, und die Krankheit blieb wie sie vorher war. Man mußte also auf ein anderes Mittel denken, und da kamen die Krähenaugen in Vorschlag. Den zehnten Brachmonat sieng er an dieses Mittel zu gebrauchen, und zwar so, daß er zuerst zweymal des Tags fünf Grane nahm, nachher aber in der Dose bis auf acht Grane stieg: darauf blieben die Anfalle acht, neun, ja zehen Tage lang aus, so daß man glaubte, mau habe das rechte Mittel getroffen : aber zu End des Augstmonats ward dieft H Hof- Hofnung vereitelt, da man wieder alle Tage stärkere Anfalle, als noch jemals vorhanden gewesen, kommen sahe. Ein reisten im Bauch, worüber sich der Knab beklagte, gab der Vermuthung, daß annoch Würmer vorhanden seyen, neue Wahrscheinlichkeit, es wurden daher die wurmtretbenden Mittel, aber ohne einigen Erfolg, wiederholt. Auch die Baldrianwurzel und das Cajeputöl, die man zulezt gab, vermochten nichts über die Krankheit, sogar schienen die Anfalle auf den Gebrauch der sonst in der Fallsucht so sehr empfohlenen Baldrianwurzel sich eher zu vermehren. Der Kranke bekam das Heimweh, und wurde zu End des Wintermonats, ohne daß man Wetters etwas an ihm versucht hätte, wieder zu seinen Eltern heimgeschickt. Zweyte Beobachtung. Ein Bauerjunge von zärtlichem Körperbau, ver- spührte gegen das Ende des Aprillmonats, den Tag über mehrere male Zuckungen, die aber gegen das End des Brachmonats sich so verminderten, daß er oft mehrere Tage davon befreyt blieb. Anfangs des Heumonats 1779. ward er in das Akademische Hospital arrfgenohmen. Eine Stunde zuvor ehe die Zuckungen kamen, verspührte er ein drücken über der Herzgrube, und Herzklopfen: alsdann wurden bald die Arme, die Ober-und Unterschenkel, bald der ganze Körper zu verschiedenen malen rückwärts gezogen , bald die zum Athemholen dienenden Musceln konvulsivisch zusammengezogen, und dieses oft mit solcher Heftigkeit, daß, wenn es die Umstehenden nicht verhütet hatten, er leicht aus dem Bett auf den Boden hatte -.- rry Hatte fallen können: die Anfälle, wahren- welchen er, seiner eigenen Aussage nach, gänzlich bey Sinnen blieb, endigten sich allemal mit Winden, die ob sich und nied sich weggiengen. Auf Befragen sagte er, er seye oft. mals mit reissen im Bauch geplagt gewesen, und es seyen Springwürmer durch den Stulgang von ihm gegangen : da man also mit Grund vermuthen konnte, die Würmer haben diese schlimmen Zufälle erregt, so gab man ihm nach dem Vollmoud der Monate Julius und August wurmtreibende Mittel; allein ausser eini- gen Springwürmern gieng sonst nichts ab, und mau sah sich genöthiget zu Linderung der Zufälle unterweilen den mit Bernsteinsalz versetzten Hirschyorngeist, oder Pillen aus stinkender Asa und Campher zu geben. Da man nun sah, daß man mit der bisher angewandten Curmethode nicht viel ausrichten werde, so fieng man im Herbstmonat an, die Krähenaugen zu gebrauchen, und gab davon nach und nach bis auf fünfzehn Grane zweymal des Tags zu den gewohnten Stunden, und zwahr zuerst in Form von Pulver, welches man aber, weil es Eckel verursachte, abänderen mußte, und es mit dem Schleim des Tragacanth-Gummi zu Pillen machte. Die Anfälle wurden dadurch gelinder, und hörten endlich gänzlich auf, so daß der Kranke zu End des Wintermonals das Hospital verlassen konnte. Im Hornung des darauf folgenden Jahres war er so gesund, daß er alle Bauernarbeiten verrichten konnte; aber gerade im Anfang des folgenden Monats kamen die Zuckungen wieder. Als er darauf im März wieder in das Hospital gekommen, öfnete mau ihm eine Ader und setzte ihm ein Blasenpflaster in den Nacken wegen Kopfschmerzen über die er klagte, dann gab man ihm wieder alle Tage zweymal fünfzehn Gran H» pul- pulverisirte Krähenaugen, und das, wie es scheint, mit sehr gutem Erfolg. Dritte Beobachtung. Der einzige dreyzehnjährige Sohn eines vornehmen Mannes, eher mager als fett, wurde im Wein« monat 1778. mit leichten Krämpfungen befallen, die aber bald in heftige Zuckungen ausarteten. Sowohl die Eltern desselben, als auch der Arzt des Hauses glaubten, es seyen Würmer vorhanden, und hatten um so viel mehr Grund zu dieser Vermuthung, da der Knab auch schon in seinen jüngeren Jahren davon geplaget gewesen, und er, seiner Aussage nach, allemal vor dem Anfall der Zuckungen, einen Schmerz in der Magengegend und ein reißen im Bauch verspührt hatte. Man gab ihm daher, aber vergebens, zuerst gelindere, dann stärkere, äußerliche und innerliche wurmtreibende Mittel, versetzte sie auch zu Zeiten mit Brech- oder abführenden Mitteln: aber nichts destowe- niger kamen die Zuckungen dennoch oft des Tages zwey- mal, und in dem Stulganq fand man nur auch nicht die geringste Spuhr von Würmern. Man ließ ihn darauf, aber auch ohne den geringsten Erfolg, den ganzen Winter über das Seidschützer und Selterwasser trinken. Im Horoung 1779. hatte das Uebel einen so hohen Grad erreicht, daß die Zuckungen wohl vier und fünfmal des Tages kamen, und endlich auch sogar die Zeichen ausblieben, an welchen es sonst der Kranke merkte, daß ein Paroxysmus bevorstehe. Dabey war es sthr merkwürdig, daß wenn jemand der anwesenden einen Anfall heranrücken sah, oder wenn derselbe auch schon angefangen, und man alsdenn den kranken -- rr? ken an die fteye Luft führte, derselbe viel gelinder worden und manchmal gänzlich aufgehört hat; sonst vermochte weder die Abänderung in den Speisen / noch eine mehr oder minder starke Bewegung, noch Hunger , noch das viele essen etwas über die Krankheit. Weil nun die bisher gebrauchten Arzneymittel nichts anschlagen wollten, so gab man dem kranken zu Anfang -es Aprillmonats acht Gran pulverisierte Krähenaugeu tweymal des Tags, welche so gut wirkten, daß die Krankheit nach einem vterzehntägigen Gebrauch der- selbigen gänzlich verschwand. Den darauf folgenden Sommer war der Knab ganz gesund, und seine durch die vorige Krankheit geschwächte Kräfte, nahmen von Tag zu Tag zu. Im Weinmonat darauf verspührte er einmal etwas, als ob die Krankheit wieder kommen wollte, fttne Eltern gaben ihm aber alsobald das bey Handen habende Pulver, und seither ist er zu ihrer grösten Freude ganz davon befreyt geblieben, und frisch und gesund. Vierte Beobachtung. Ein siebenjähriges Bauernmädchen, ward in dem vierten Jahr ihres Alters, von einem plötzlich erlittenen Schrecken, mit Zuckungen befallen, deren Anfälle sehr heftig waren, und meistens alle acht Tage wieder kamen. Die Heftigkeit der Anfälle hatte ihre Verstandeskräfte so sehr erschüttert, daß sie ganz betäubt, blödsinnig und lohne Ursach forchtsam wurde. Einer so wichtigen Krankheit zu begegnen, gäbe man dreymake des Tags sechs Gran pulverisirte Krähenaugeu; die Anfälle schienen drey Wochen nach dem Gebrauch die. ses Mittels gelinder zu werden, und kamen einige Mo- H; nate nate hernach viel seltener. Da ich aber im Verfolg der Zeit nichts weiter von ihr erfahren konnte, so bleibt es noch ungewiß ob das Mittel die gänzliche Heilung bewirkt habe. Fünfte Beobachtung. Man verlangte von mir wegen einem Bauernknah aus Gestritten, der sehr von -er fallenden Sucht ge-- plaget wurde, einen Rath. Ich gab ihm zuerst zehrn Grane pulvertsirte Krähenaugen und stieg nach und nach in der Dose, so daß er zuletzt zweymal des Tags vier und zwanzig Grane bekam : er verspührte auch von dieser starken Gabe dieses Mittels, ausser einem gelinden Schwindel, der sich aber bald verlor, Mter keine Ungemächlichkeit. Er verreißte aber bald Eäuf, noch ehe die Cur ganz vollendet war. Versuche mit Hunden. Erster Versuch. Ich gab einem mittelmäßig grossen Hund, der vorher gefastet hatte, eine halbe Drachme pulverisierte Krähenaugen in einem mit Brodt gemachten Bissen (so brachte ich sie in allen übrigen Versuchen den Hunden bey): es erfolgte gerade darauf kein Abgang weder der Exkremente nach des Urins, nur daß er wegen des bittern Geschmacks des Mittels die Zunge herausstreck-- te, und den Mund stark abschleckte. Nach und nach ward er taumelnder, darauf suchte er, wie erschrocken, allenthalben einen Zufluchtsort, und ward durch ein jedes Geräusch erschreckt. Etwa eine Stunde nachdem er .HZ er das Pulver bekommen, erfolgte der erste epileptische Anfall, -er mit einer Ausstreckung des Kopfs und der Füsse anfieng, die mit heftigen Zuckungen des ganzen Körpers abwechselte, wobey das Athrmholen geschwind und keuchend war, nachher aber als die Con- vulßonen etwas nachließen, eine halbe Minute lang gänzlich unterbrochen wurde, alsdann sich wieder so sehr verstärkte, daß er drey Minuten nach dem Anfall so heftig wurde, daß der Hund sehr geschwind Athem holte, als wenn er am heißesten Sommertage sich durch laufen ermüdet hätte: vier oder fünf Minuten nachher wurde sein Athem sanfter, und der Paroxysmus hörte auch alsdenn auf. Als er nach Endigung des Anfalls aufstehen wollte, so schwankte er, und zitterte mit gesenktem Kopfbeym geringsten Geräusch am ganzen Körper : anderthalb Stunden hernach kam unter eben den Zufällen der gleiche Paroxysmus wieder, und eine halbe Stunde nachher erfolgte ein dritter, und zwahr darum, weil man ihn nöthigte von der Stelle wo er sich hingelegt , wegzugehen. Das war nemlich merkwürdig, daß man nachdem ersten Anfall, nachWillkühreinen neuen hervorbringen konnte, wenn man das Thier zu einer Bewegung nöthigte, oder es ein wenig mit den Händen drückte. Nachher hatte es in zwo Stunden noch fünf Paroxysmen, die weiter in nichts vou einander unterschieden waren als daß sie geschwinder auf einander folgten: so war z. B. zwischen den drey letzten fast gar keine Zwischenzeit zu bemerken. Zweyter Versuch. Ich gab die gleiche Dose pulverisierte Krahenau- gen einem etwas grösseren Hund, um zu erfahren, ob H 4 die 12 « die Verschiedenheit der Grösse auch etwas in der Wirkung veränderte: allein bey beyden zeigten sich die glei- chen Zuckungen, bey beyden war der Augenstern erweitert, und beyde starben zu gleicher Zeit. Dritter Versuch. Um zu erfahren, wie groß die Dose des Mittels seyn müßte, wenn sie töden sollte, gab ich einem mittelmäßig grossen Hund sechs Graue von obigem Pulver : Fünf Stunden hernach taumelte er, und schien ein wenig erlegen zu seyn. Nach Verfluß von sechs Stunden zeigte sich eine Schwäche in den Füssen, wie beym Schwindel, und die Augensternen waren ein wenig erweitert. Er konnte nicht aufrecht stehen, und verbreitete im niederliegen nicht auf die bequemste Art seine Füsse unter dem Körper,. konnte auch kein Getös ausstehen. Aber nach Verfluß von neun Stunden ward er wieder munterer, das Pulver schien nun seine Wirkung verrohren zu haben, und er konnte wieder mit Appetit fressen, obschon das Pulver noch nicht von ihm gegangen war. Vierter Versuch. Ich gab dem gleichen Hund die doppelte Dosis, oder zwölf Gran zu verschlucken: Drey Stunden darauf kam der erste Paroxysmus, und auf denselben folgten in längeren oder kürzeren Zwischenräumen, fünfzehn andere, die übrigens von den schon beschriebenen in nichts verschieden waren: sieben und eine halbe Stund nachdem er das Gift bekommen, verreckte er. Fünfter Fünfter Versuch. Ich nahm mir vor/ den Unterschied in der Wirkung des Pulvers und des wäfferichten Extracts zu untersuchen, und gab deßnahen einem mittelmäßig grossen Hunde drey Grane wäfferichten Extracts: es erfolgte darauf keine andere merkwürdige Veränderung, als daß der Hund vier Stunden nachher sich auf den Bauch legte, und mehr als gewöhnlich niedergeschlagen zu seyn schien: während dem er sich so lagerte, erlitte das eine Bein, aber nur schwache, Zuckung«». Es währte nicht lange, bis er wieder so lustig wurde, -aß er sechs Stunden nachdem er das Extract hinuntergeschluckt, wieder wie andere Hunde mit Appetit fressen konnte. Sechster Versuch. Zwey Tage nachher gab ich dem gleichen Hund sechs Grane wässerigtes Extract: zwey Stunden lange verlor er nichts von seiner Munterkeit, nach und nach wurde er aber trauriger, forchtsamer und unruhiger, und sah sich genöthiget, bald auf den Bauch zu liegen und selbigen auf dem Boden zu reiben, bald stand er wieder auf, und that, jedoch mit schwankenden Füssen , als wenn er die Wände hinanspringen wollte. Endlich wurde er so schwach, daß wenn er auf der Erde lag , er die Füsse kaum zurückziehen, und wenn er aufstand, er sich kaum auf den Füssen halten konnte. Vier Stunden nachdem er das Extract eingenohmen, kam ein wahrer Paroxysmus, der dem im ersten Versuch völlig ähnlich war, worauf auch die gleichen Zufälle erfolgten, aber wieder Vermuthen nach und nach gelinder wurden, so daß er nach acht Stunden , abcr H 5 nicht 122 nicht mit sonderbarem Appetit/ Speisen zu sich nahm: es waren nun eilf Stunden verflossen / ohne daß er Oefnung gehabt und dennoch war er jetzt wieder gänzlich gesund. Siebenter Versuch. Aus dem vorigen Versuch ergab sich / daß sechs Graue wässerichten Extracts von Krähenaugen nicht hinlänglich seyen, einen Hund zu töden. Jetzt gab ich einem mittchnäßig grossen, dem vorigen an Stärke nichts nachgebenden Hund sechs Grane vom geistigen Extracte. Es vergieng darauf kaum eine Stunde/ als er die gewohnten Zuckungen verspührte / neu« Pa« roxysmen ausstand / und drey und eine halbe Stunde nachdem er das Extvact bekommen/ crepierte. Achter Versuch. Ich gab einem grösseren und stärkeren Hund fünf Grane vom geistigen Extracte. Eine Stunde darauf steng er an sich übel zu befinden / konnte sich aber durch einen Zufall flüchtig machen. Er entrann aber dadurch dem Tod doch nicht, welcher, nach glaubwürdiger Leute Erzählung, vier oder fünf Stunden nachdem er das Gift eingenohmen, erfolget ist. Dieses sind nun die vornehmsten, aber doch nicht alle Versuche, die ich mit den Krähenaugen und ihren Präparaten angestellt habe. Die grosse Aehnlichkeit der St. Ignatius Bohnen mit den Krähenaugen machte meine Neugierd rege, und ich machte damit folgende Versuche. Neunter Versuch. Ich gab einem grossen Hund, auf die oben angezeigte Art, eine halbe Drachme St. Jgnatius Bohnen in I2Z in Pulver. Eine halbe Stunde nachher fieng er an, wie Die von den Krähenaugm vergifteten Hunde, zu kränkeln, jedoch mit dem Unterschied, daß der Speichel ihm reichlich über den Mund herunter floß. Er hatte das Pulver eine Stund lang im Leib, als er den ersten Paroxysmus bekam, der den oben beschriebenen an Heftigkeit und Dauer, völlig glich und nur in der Ordnung in welcher die Zuckungen kamen ein wenig davon abwich. Er bekam darauf noch vier Paroxys- men. und nach anderthalb Stunden hatte sein Leben ein Ende. Zehnter Versuch. Ich gab einem mittelmäßig grossen Hund fünf Gran von dem St. Jgnatius Bohnen Pulver, aber mit keinem weiteren Erfolg, als daß er vier Stunden hernach einige Minuten lang etwas unruhiger zu seyn schien. Aber er ward bald gesund, und fraß wieder wie vorher. Eilfter Versuch. Tags darauf gab ich dem gleichen Hund einen halben Scrupel pulverisierter St. Jgnatius Bohnen. Drey Stnnden lang schien derselbe weiter keine üblen Zufälle davon zu verspühren, als daß er traurig und unruhig war, oft auf den Bauch lag, und wenn erlag , sich vergebens Mühe gab sich aufzurichten, und umgekehrt: auch hatte er unterdessen einen starken Speichelfluß. Nach Verfluß dieser Zeit verspührte er den ersten Paroxysmus, demjenigen ganz ähnlich, den die Krähenaugm zu erregen pflegen. Nachdem er diesen überstanden, war er wiederum sehr unruhig, und auf das geringste Geräusch aufmerksam. Der Speichel- IL4 chelfluß hielt noch immer sehr stark an. Es währte nicht lange, so erfolgte ein zweyter Paroxysmus und auf diesen kamen andere in längeren oder kürzeren Zwi- schenräumen, und der Tod erfolgte acht Stunden nachdem er das Pulver genehmen und ein und zwanzig Paroxysmen ausgestanden hatte. Zwölfter Versuch. Endlich machte ich noch Versuche mit verschiedenen andern besonders bittern Mitteln. Ich gab daher verschiedenen grossen Hunden in grösseren und kleineren Dosen von dem Extrakte der pernviantschen Rinde, der Entianwurzel, -es Tausendgüldenkrauts, desCar- dobenedicts, des Erdrauchs, des Wasserklees, bis zu zwey Skrupeln, und eingedickte Ochsengalle bis zu anderthalb Quentchen. Allein ich beobachtete nicht, daß sie davon einen bemerkenswerthen Übeln Zufall erlitten hätten: selbst anderthalb Quentchen Bilsenkraut Extrakt schadeten ihnen nicht. Da nun aus der ersten und vierten Beobachtung erhellet, daß die Krähenauqen im Stand gewesen Zuckungen und selbst die Epilepsie zu lindern, da sie selbige nach der zweyten, und besonders nach der dritten Beobachtung gänzlich gehoben, so folget daraus, daß selbige, keines der geringsten antispasmodischen Mittel seyen. Der zwölfte Versuch lehrt uns, daß ihre verderbliche Eigenschaft nicht, wie Geoffro^ glaubt, ihrer äussersten Bitterkeit, sondern daß selbige eher narkotischen Theilgen, die sie zu enthalten scheinen, zuzuschreiben sey. Aus dem neunten, zehnten und etlften Versuch sehen wir daß die St. Iguatius Bohnen ein eben so tödliches Gift seyen als die Krähen- henaugen: das mögen sich diejenigen wohl merken , welche selbige als ein die Eingeweide stärkendes Mit, tel gebrauchen wollen. *) *) Die Rrähen-Augen (Mxvomioa dlolx vo° miques , Vomicn d^uts. Xrsan Oogen) sind runde, bald zusammengedrückte, bald ein wenig convexe, ziemlich grosse, zvttichte, wrißlicht graue Nüsse, die innwendig sehr hart und zähe sind, keinen Geruch und einen äusserst bittern Geschmack hatten. Man sammelt sie von einem Baume, der in Indien, vorzüg. sich aber auf den sandichten Orten der Jnsuln Ceylon und Malabar wächst, den der Ritter von Ltnne Lrr^cknos (ksntanä. AlonoZ. — 8o!s- nuc.) heißt, und von welchem man in Horc. Alslsb. ^ I. I'sl». ,7. x. 71. und in Blackwells Kräuterbuch lab. ;y;. eine Abbildung findet. Man hat mehrere Abhandlungen über die Krähen-Au» gen, z. E. Dill. äs nuce vomica L cortice Hipxocalkani. Halse. 1770. — L-,/ IM. äs dluce vo- mica. ^itt. r68z. — Oe Ise/c/e Ob 5 . ^0. p. 116. Dill. äs bluce vomics. — L->- 477 — 48 ;. Die St. Ignatius Lohnen, ksba- 8anÄi IZnarü, keves äs 8r. Ignace , sind die Früchte einer auf den philippinischen Inseln wachsenden Pflanze, diepluk- net weckte bey dem ungenanntem Verf. da er es bey ge, sundem Leibe nahm, eine Trunkenheit, Schwäche, nebst ziehen in allen Gliedern und ein Wackeln der Beine. Net OuÄnditlkerL I/IslLbstkri koliir scanöcn; heißet» Auf den philippinischen Inseln heisset man sie Cata- lvngay und Centara, und die Nüsse nennen die Spanier kexitss äe , oder Lsthrbogan, und die Insulaner Igasur und Mananaog. Bergius und die schwedische Pharmacopöe sagen, sie sey eine Gattung von Lcr^cknos. Geoffroy heißt die Frucht die Fiebervertreibende Bohne. Man trift in einer Frucht wohl zwanzig und mehrere solche Nüsse an. Diese sind meistens ablang, so groß als eine kleine Muscat. nuß, eckicht, äusserst hart, gleichsam Hörnern, auswendig grau, inwendig aber glänzend. Frisch haben sie einen durchdringenden, dem Moschus ähnlichen Geruch, den sie aber verlieren, so bald sie trocken werden, und einen äusserst bittern Geschmack. Man bringt sie aus dem morgenländischen Indien zu uns, und rühmt sie besonders gegen Wechselnder zu zwölf Granen in Pulver gegeben. Da man unterdessen beobachtet, daß daher erbrechen, Zuckungen, zittern erfolgt ist, so ist sie heut zu Tage bey den meisten Aerzten ausser Gebrauch gekommen. Anm. des Uebersi VlN. Ionas Sidren Beobachtung eines Goldader-Flusses. E in ein und dreyßig jähriger Mann, eines cholerischen Temperaments, der, ansgenvhmen daß seine Mutter zu Zeiten hysterische Anfälle gehabt , sonst von gesunden den Eltern gebohren worden, wiedmete sich schon frühe in seiner Jugend der Kaufmannschaft/ und genoß, vbschon er bey einem Gewürzkrämer allen Abwechslungen der Luft und der Witterung ausgesetzt war/ dennoch bis in sein 22tes Jahr / in welchem er einen eignen Laden bekam, sein eigener Herr wurde / und nun ein ruhigeres und bequemeres Leben zn fuhren ansieng, einer dauerhaften Gesundheit. So wie aber eine allzumüßige und bequeme Lebensart, nicht die Gefährtin der Gesundheit ist, so verfpührte auch unser junge Mann bald die üblen Folgen davon; denn; Jahre nachher ward er oft mit Kolikschmerzen geplaget, sein Stuhlgang gieng sparsamer: zuweilen war der Abgang etwas schleimicht, dazu gesellten sich oft noch beschwerliche Kopfschmerzen, die, wie er sagte, mit einer solchen Empfindung eines Drucks auf das Gehirn begleitet waren, daß er immer einen Schlagfluß davon befürchtete. Diesen Beschwerden abzuhelfen, liesse er sich je den vierten Monat am Fuß eine Ader öfnen, und gebrauchte durch den Stuhl abführende Mittel. Beym Gebrauch derselbigen zogen sich blaue Striche um die Augen, es erschien eine gelbe Gesichtsfarbe, eine hinlängliche Anzeige einer etwas fehlerhaften Leber. Gegen das Ende des i/Ssten, und seines goten Jahrs, klagte er, nebft schon erwehnten Beschwerden, über Schwäche, und Brennen im Magen, Mangel an Eßlusi, Mattigkeit, Drucken in der Gegend der Herzgrube , und Aengstlichkeit, worzu Morgens, und Abends ein Fieber kam, welches zu vertreiben er ein Pfund von der Fieberrinde als ein specisiques Mittel gegen Wechselsieber gebrauchte, und da es sich auf den Gebrauch desselben wenig besserte, so gebrauchte er in I dem dem folgenden Sommer das Pyrmonterwasser, welches ihm täglich öftere Stüle zuwegen brachte und wobey er sich ziemlich wohl befand. Er glaubte hierauf ganz gesund zu seyn; allein mit Anfang des Herbst'sstellten sich die gleichen Beschwerden, mit blinden Hämorrhoiden verbunden, wieder ein. Man applicierte Blutigel welche zwar Erleichterung verschilften, aber als nach Verfluß von sehr kurzer Zeit, der Mond bald abnehmen wollte, wurde er mit einem schletmichten Durchfall, und Rückenschmerzen befallen. *) Das *) Gemeiniglich stellt sich ein solcher Durchfall bey der goldenen Ader ein. Erleichtert dieser nicht etwa ein wenig die Zufälle der goldenen Ader? Wenigstens sehen wir, daß die wässerichten Ausleerungen, die nach unterdrückten und gestopften Blutausleerungen entstehen, die Zufälle, die sonst von einer solchen Verstopfung hervorgebracht werden, zum Theil lindern, wie es sich dann auch aus den Geschwüren an den Schenkeln zeigt, die nach Verstopfung der monatlichen Reinigung entstehen. Ich sahe bey einer Weibsperson, die einen Blutfluß aus der Gebährmutter, auf ein un- « geschicktes Anrathen, durch Ueberschläge von über den Unterleib gelegten Kompressen, die in einer wässerichten Alaunauflösung befeuchtet wurden, sehr geschwind zurück getrieben, eine beträchtlich starke Krätze an beyden Händen ausbrechen, aus welcher ein scharffes Gewässer ausfloß. Wenn nicht dieses noch zu grossem Glück geschehen wäre, so hätte sie ganz gewiß ihren Leichtsinn theuer bezahlen müssen. Oft trägt es sich zu , daß die Natur auf eine solche Art sich selbst zu Hülste kommt, und diese heilsamen Bemühungen der- selbigen soll der Arzt ja nicht hintertreiben, sondern Das Fieber, welches sich einige Zeit verlohren zu haben schien, zeigte sich nun gegen den Abend wiederum aufs neue. Weil der Kranke deßwegen die Nächte schlaflos zubrachte, so fühlte er sich des Morgens nicht erquikt, sondern vielmehr ermüdet, ja auch sogar fast jede Anstrengung des Körpers und der Seele schwächten ihn, so daß er es für sehr dienlich fand, das Bett zu hüten. Der Wundarzt des Kranken riethe ihm den nochmahligen Gebrauch der peruvianischen Rinde gegen dieses Fieber, * *) zu dem Ende verordnete er ihm di.e- I 2 selbe selbige so viel möglich zu erleichtern suchen. Denn wer hätte es jemahls geglaubt, daß durch einen Aus- wuchs an den Daumen, aus welcher eine wäfferichte Feuchtigkeit, die getrocknet dem Kalch ähnlich war, ausfloß, eine Lungen - Schwindsucht könnte geheilt werden, wenn dieses nicht aus der Erfahrung hinlänglich bewiesen wäre? Siehe V-» §»,»»» Comment. Lom. IV. p. Iy. -- *) Oft entstehet bey hysterischen, hypochondrischen, und dergleichen Personen, die mit hartnäckigen Verstopfungen der Eingeweiden des Unterleibs behaftet sind, ein solches Fieber: seine Anfälle sind unordentlich, fangen oft mit Frost an, und zwar sind diese Fälle nicht sehr selten: Zu Heilung derselben leistet zuweilen die Fieberrinde die vortrefflichsten Dienste, und entspricht der Erwartung gänzlich: allein zuweilen schadet sie mehr, als sie nützt; sie muß also in einem solchen Fall mit Vorsicht gebraucht werden, ja sogar in den Wechselfiebern selbst, wo sie doch das eigentliche Heilmittel derselben ist, soll man sie nicht — wenn nicht dringende Zufälle es erforderen—so gerade zu, vhne Ueberlegung, ohne den vorhergegangen nöthigen Gebrauch auslee- I?2 --— selbe zu einem halben Quentgen, täglich etliche mahl, bis ein halbes Pfund verbraucht sey. Der Harn, welcher vorher eine gesättigtere Farbe, und einen geflossenem Z egelmehl ähnlichen Bodensatz hatte, schien beym Gebrauch der Fieberrinde nicht so stark gefärbt zu seyn, und zeigte selten einen Bodensatz, da aber der Wundarzt sahe, daß dessen ungeachtet, das Fieber weder an Stärke noch an Dauer abnahm, so riethe, und empfahl er ihm, sich an einen Arzt zu wenden. Erst im Christmonat 1766. kam an einem Abend ein Arzt just zu rechter Zeit zu ihm: der Kranke, der sich des Fiebers wegen schon zu Bette gelegt hatte, fieng nun alsobald an, mit einer schwachen und bebenden render und eröffnender Salzen verordnen. Man darf nur Beobachtungen hierüber nachlesen, so wird man gar bald Beyspiele geming finden, die diesen Satz genugsam bestätigen, zwey dergleichen und zwar sehr merkwürdige Beyspiele, führt van Swieten im II. T. S. ?6r. an. Ich sahe bey einem der nach dem ersten Anfall eines dreylägigen Frühlingfiebers die Peruvia- n-sche Rinde gebrauchte nach zehrn Tagen, eine Un- empfindlichkeit an den Armen und Schenkeln, die mit einem Unvermögen dieselben zu bewegen verbunden war, entstehen. Ein solch unglücklicher Erfolg , muß aber nicht der Fieberrinde, sondern dem verkehrten Gebrauch derselben zugeschrieben werden, dieses war sonder Zweifel auch der Grund, warum die Hasser der Rinde ihre so vo trefflichen Heilkräfte für nichts bedeutend, oder gar schädlich auszeichnen haben; schon viele Aerzte haben dieses zu wiederlegen gesucht, und auch noch jetzt bemühet sich jeder wahre, und gründliche Arzt, dicselbige nachzuahmen. den Stimme, die ganze Reihe seiner Beschwerden her- zustammeln, und sagte, es seye keine Hoffnung mehr zu seiner Genesung vorhanden. Allein mit einer gefälligen Antwort, suchte der Arzt dem Kranken neuen Muth einzuflössen, und versprach ihm baldige Genesung, insofern er seinen Rath befolgen wollte, welcher zwar dahin abzweckte, daß er die bisdahin vergebens angewandte Fieberrinde, gänzlich auf die Seite setzen, um seinen Körper zu starken sich heilsame Bewegungen geben, und besonders nach seiner ehmaligen Gewohnheit SMitten fahren sollte; daß er alle Morgen ein Stückgen Rhabarber kauen, und herunterschlucken, und steh dadurch gehörigen Stulgang verschaffen möchte; daß er niemals früher, als er sonst gewohnt war, zu Bette gehe, und in Speisen, und Getränk eine genaue Diät beobachte. Diese so heilsamen Vorschläge, liesse steh der Kranke ganz wohl gefallen, und er ver« spührte den guten Erfolg davon gar bald; denn der nächtliche Schlaf der ihn vorher geflohen, fände steh nun wieder ein, der kleine Fieberanfall, der sich gegen Abend einsund, wurde nun so schwach, daß er um desselben willen nicht mehr zu Bette gehen mußte. Der Appetit ist zwar nicht groß, aber auch der Abscheu gegen die Speisen, den er vorher hatte, hat sich verjähren. Durch diesen glücklichen Erfolg wurde unser Kranke aufgemuntert, und rechte ohne Wissen seines Arzt's, indem er sich auf seine annoch schwachen Kräfte gar pr stark verließ, einige Meilen weit; allein er mußte diese Unbesonnenheit büssen, denn in der folgenden Nacht wurde er mit einem 6 Stunden lang anhaltenden Frost überfallen, welcher mit Colicschiner- zeit, Drücken, und einem angsthaften Wesen verbunden war. Allein durch den Aufenthalt im Bett, war- ^ ; mes IZ4 mes Getränk, Klystiere und Ueberschläge, welche nach Anzeigen angewendet wurden, wurde der Anfall so sehr gemildert, daß er nach Verfluß einiger Tage, lvie- der nach Hause kehren konnte. Da aber wegen der allzugrossen Menge Schnee, der Weg sehr schlecht war, wie er bey uns gemeiniglich zu seyn pflegt, so konnte diese Reise nicht anders, als für den Kranken sehr beschwerlich, und seiner Gesundheit nachtheilig seyn; deßwegen klagte er nach seiner Ankontz über Rückenschmerzen und spannen in der Gegend der Herzgrube; das Angesicht das schon lange Zeit vorher etwas gelb war, bekam nun eine dunklere Farbe, die Excremente waren weiß und schleimtcht. Als der Arzt wiederum beruffen wurde, verordnete er eine etwas wohl gesättigte Abkochung des Lö» wenzahns mit Honig vermischt, welche der Kranke Morgens frühe nehmen mußte, den Tag über aber zu bestimmten Zeiten einen Löffel voll von einer Mixtur aus dem aufgelösten Extrakt des Löwenzahns, welches mit einem Mittelsalz verbunden wurde, nebst dem Sy- rup der fünf eröffnenden Wurzeln ^ Wenn der Stul- gang allzulangsam war, so mußte er die gelind abführende Londner Latwerge ( LIeLluarium lemcivum I^on- ^incns.) mit Weinsteinrahm, und etwas Rhabarber gebrauchen. Dieser Mittel bediente er sich mit so gutem Erfolg, daß sich in kurzer Zeit die gelblichte Farbe des Gesicht's, und des weissen im Auge (lun. sck- nZr3) verlohr, und zu dieser Zeit der Urin, einen un» gewöhnlich starken, geflossenem Ziegelmehl ähnlichen Bodensatz bekam. Als nun beym Vollmond sich deutliche Zeichen etnfanden, daß die goldne Ader fliesten werde, so schlug der Arzt die Application von Vlutiglen vor, um dadurch durch die vollen Gefässe des Beckens, und des Unterleibs zu entleeren. Allein da -er Wundarzt wegen dem nun abnehmenden Mond dieselbe hindansetzte , so verordnete man dem Kranken, damit nichts unversucht gelassen würde, balsamische Pillen, die den balsamischen oder Polychrestpillen des Stahl ähnlich waren. Als der Kranke dieselbige drey Tage lang gebraucht hatte, wurde, nachdem zuvor Kolik-und Rückenschmerzen entstanden waren, die auf den Gebrauch erweichender Ueberschläge, und eines Tränkgens aus Poleywasser, süssem Mandelöl, Hoffmanns schmerzstillenden Tropfen, und den mit Rhabarber vermischten Cicho- rien Syrup wieder nachgelassen hatten, ohngrfehr eine Unze Blut durch den After ausgeleert: die etlichen Tage welche die goldene Ader stoß, fuhr der Kranke im Schlitten. *) Während der Zeit da die Goldader ge- I 4 stos- *) Von dem goldenen Aderstuß hatte man schon vor lange und auch noch heut zu Tage verschiedene Meynungen. Es giebt nemlich solche, die denselben für eine unsichere Wohlthat der Natur halten, die zwar verschiedene Krankheiten erleichtern könne, aber auch mit vieler und grosser Gefahr verbunden seye; denn oft darf nur eine sehr geringe gelegentliche Urfach dazu kommen, so wird der goldne Aderfluß unterdrückt, und es entstehen gefährlichere Krankheiten; sie gehen in blinde oder trockene Hämorrhoiden, in Mastdarm Fisteln über, welche man bey den Jtaliäneren nicht selten antrist: ia diese blinde Hämorrhoiden können dann nach einer unvorsichtigen Verkältung dieser Theile, in den heißen Brand übergehen, wie ich ein solches und zwar sehr scheußliches Beyspiel bey einem Fräulein gesehen habe. Andere aber behaupten, eine solche Ausleerung müsse, zwar mit genauester Ucberlcgung und Sorgfalt erregt IZ6 . " "'Ü7'» flössen / hatte der Harn eine bräunlichte Farbe, mit einem Ziegelmchl ähnlichen etwas bräunliehten Bodensatz , als aber die goldne Ader zu flieffen aufhörte, hatte der Harn eine Citronen gelbe Farbe und war etwas dick. Nachdem nun der Kranke den goldnen Aderfluß überstanden hatte, so verlohren sich auch nach und nach die Zufälle, und er gelangte wieder zu seiner ehmali- gen Gesundheit, doch gebrauchte er dte Abkochung des Löwenzahns noch einige Monate fort. Allein die Hämorrhoiden siengen dennoch wieder, und zwar allemal, welches merkwürdig ist, zur Zeit des Vollmonds, oder auch wenn eine plötzliche Veränderung der Luft sich einfand, zu fliesten au. Wenn et- wann die Hämorrhoiden nicht zu gewohnter Zeit flies- sen, so verschaft ihm die Application der Bluttgel grosse Erleichterung; die Kopfschmerzen aber- und das klingen werden, aber alsdenn können auch verschiedene Krankheiten, die dem Körper den Untergang drohen, dadurch abgehalten werden. Ueberdas halten sie dieselbe für nicht weniger nützlich, und nothwendig, als die monaviche Reinigung. Unsere Gedanken hierüber sind kurz folgende. Wir gestehen gar gern daß die Hämorrhoiden eine Wohlthat der Natur seyen, aber da sie doch mit verschiedenen Gefahren verbunden, und über dieses ein Zeichen von Fehlern in der Leber sind, so müsse man sie eben nicht für so gar nützlich halten. Mit Recht können also die Hämorrhoiden den Säulen mit denen man ein Haus das seinem Einsturz nahe ist, unterstützt, verglichen werden: sie thun zwar demselben noch für einige Zeit Einhalt, aber ein lange daurendes und sicheres Gebäud, können sie nicht mehr bilden. gen in den Ohre»/ werden durch eine/ im Frühling und Herbst angestellte Aderlässe lehr erleichtert. IX. Adolph Murray von einer kränklichen Empfindlichkeit der Knochen. ^ine ungekihr sechs und dreyßig jährige Mag-, bekam im Jahr 1774. peinliche Schmerzen, die ste einem vor sechs Jahren gethanen Fall zuschrieb. Sie war nemlich damals zufälliger Weise die Treppe hinunter gefallen, und hatte ihren Kopf an einem Stein so hart angeftoffen, daß ste an der Mitte des einen Scheitelbeins eine Hautwunde bekam. Sie hielt diese Wunde für sehr unwichtig, und hofte, ste werde selbige ohne Hülfe eines Wundarztes zuheilen können. Dieses gelang ihr auch wirklich sehr bald; da aber diese kleine Wunde ehe sie recht rein war, zuheilte, so ward die Narbe, wie gewöhnlich' uneben, höckericht, und schmerzte wenn man sie anrührte. Dieses wären Ungelegen- heiten, die sich mit der Zeit schon von selbst verlieren würden, hyfte die Kranke. Aber zwey Jahre nachher schwoll die Narbe weit stärker an, und schmerzte ste so sehr, daß ste weder Tags noch Nachts davor ein Auge zuthun konnte. Da steh endlich die Narbe von selbst wieder von einander that, legte sich die Heftigkeit der Schmerzen ein wenig, und bald darauf hörten ste ganz I 5 auf. iz8 22. auf/ und die Wunde wuchs bald wieder ordentlich zusammen / nachdem man dieselbe zuerst ein wenig erweitert und hernach durch schickliche Mittel gereiniget hatte. Aber so wie die Wunde immer mehr zuheilte, so stellten steh auch nach und nach immer heftigere Kopfschmerzen wieder ein, die durch kein Arzneymittel zu vertreiben waren. Die von den heftigsten Schmerzen geplagte Unglückliche gieng in diesen Umständen zu dem berühmten Hr. Caret und bat ihn um Hülfe. Dieser untersuchte ihren Kopf, und fand daselbst zwey nicht weit von einander entfernte Narben, nemlich die erst neulich entstandene und die erste: diese waren aufgeschwollen, uneben, hart, und verursachten beym berühren die heftigsten Schmerzen. Hr. Caret machte in beyde tiefe Einschnitte, die bis auf den Knochen giengen, welcher in einem weiten Umfange vom Bein- fraß angegriffen war. Von dieser Operation verführte zwar die Kranke schon »»gemeine Linderung; da man aber dem Beinfraß steuern mußte, so wurden zuerst die Integumente von der ganzen angefressenen Stelle sauber abradiert, und selbige alsdenn vermittelst eines Pinsels, mit dem durch ein wenig Milch versüßten Spießglasbutter bestrichen, wobey man jedoch die äusserste Sorgfalt anwendete, damit man den nahe gelegnen gesunden Theilen keinen Schaden thäte. Allein dieses bestreichen that bey dem Weib eine so üble Wirkung, daß fie alsobald die abscheulichsten Schmerzen und am ganzen Leib die heftigsten Zuckungen bekam, die der Wundarzt endlich dadurch stillen konnte, daß er durch Milch und Oel alles scharfe wegspühlte. Da mm von dem vorhergegangenem Reihe die Substanz des Knochens selbst schwammichte Auswüchse bekam, und er bey noch näherer Untersuchung fand, daß in der Mitte der angegriffenen Stelle der Beinfraß schon bis in die Schädelhöle gedrungen sey, so faßte er jetzt einen andern Entschluß. Er hoste nemlich, daß er durch Ansehung von drey oder vier Trepankronen auf den frischen und harten Knochen, das ganze an« gefressene Stück herausnehmen, und den etwannigen Fehlern der harten Hirnhaut (äura maeer) desto besser beykommen könnte. Er machte also auf die gewohnte Weise in einer gehörigen Entfernung von der angegriffenen Stelle, da wo er das Instrument ansetzen wollte, Einschnitte in die Haut, schabte die Veinhaut sauber weg, und setzte die erste Krone an. Allein die Operation wurde bald durch einen unerwarteten Zufall unterbrochen: denn die elende bekam von der Pyramide des Trepans, und bey jedem umdrehen der Crone so durchdringende Schmerzen, daß sie heulen mußte, bald darauf Zuckungen bekam, und das Bewußtseyn verlohr. Er vollendete jetzt noch diese erste Operation, fand aber, daß sie nicht hinlänglich wäre, und verschob nun das ansetzen der drey übrigen Kronen auf den könftigen Tag: allein die Kranke bekam bey jedem neuen Versuche die gleichen Zufälle wieder, so daß sich der Wundarzt genöthiget sah, jeden Tag nur eine Crone anzusetzen, aber doch endlich damit zu Stand kam, und nun auch das noch übrige thun, das ist, das angefressene Stuck wegnehmen wollte. Aber wie erstaunte er nicht, als er bald darauf sahe, Laß die harte Hirnhaut nicht nur damit verwachsen seye, sondern daß ein schwammichter Auswuchs aus derselben , selbige so stark mit dem Knochen vereiniget habe, daß er denselben ohne tief in die harte Hirnhaut zu schneiden , nicht davon abschälen konnte. Allein dieses zu bewerkstelligen wäre unmöglich gewesen. Denn wenn man 14 « man den angegriffenen Theil nur ganz leicht anrührte, oder selbigen äusserst gelind reihte, so entstanden also- bald so heftige Schmerzen, daß man nur nicht einmal daran denken dorste, selbige auch nur obenhin mildem Radiermesser oder der Zange zu berühren. Hr. Caret sah steh daher gezwungen / diese unglückliche ihrem Schicksal zu überlassen/ und von der Natur dasjenige abzuwarten / was er durch die Kunst nicht hatte erhalten können. Auch verwuchsen die mit dem Trepan gemachten Löcher bald wieder / und wurden auf ihrer Oberfläche mit ganz natürlichem Fleisch bedeckt / da indessen der schwammichte Beinfraß lange Zeit in dem gleichen Zustand blieb. Endlich schien die angefressene Stelle nach und nach mit einer Haut bedeckt zu werden: aber so wie die Wunde kleiner ward, so wurden auch die Kopfschmerzen, von welchen fie nun einige Monate durch gänzlich befreyt war, wieder heftiger. Ich weiß nicht wie es dieftm Weib weiters ergangen ist, das aber kann ich heilig versichern, daß ich mehrere male ohne wissen der Kranken, den entblößten Knochen mit einer Sonde berührt, und daß ste allemal, auch von dem gelindesten berühren, die heftigsten Schmerzen bekommen. Ich hoffe es werde dieser Fall jedermann gänzlich überzeugt haben, daß wenn die Knochen durch einen Krankheitszustand weich werden, fie auch zugleich empfindlich werden. Da aber die Substanz der Knochen verschiedenen Veränderungen unterworfen ist, so frägt es steh, ob die Schriftsteller bey allen, oder bey welchen Veränderungen sie eine solche wiedernatürliche Empfindlichkeit beobachtet haben. Denn bald wird die ganze Knochenmasse von einer scharfen Jauche, gleichsam wie durch Würmer angefressen, bald verliert sie --— i4l sie alle Erdentheilchen, und nur der glutinöse Theil, der noch die, zwar oft verdrehte, Form des Knochens Leybehält, bleibt noch zurück: bald aber wird ihr der glutinöse Theil entzogen, und nur der erdichte Stoff übrig gelassen, wodurch die Knochen einen außerordentlichen Grad von Zerbrüchlichkeit bekommen, bald ist endlich zu viel Erde und bindender Leim vorhanden , wodurch die Säfte scharf werden, und so heftig auf die Knochenfascm wirken, daß sie ausgedehnt und gezwungen werden Knochengeschwülste zu formieren... nur ist es noch nicht ganz ausgemacht, ob jetzt die Knochen in allen diesen Krankheiten widernatürlich empfindlich werden? Beym Betnfraß find sie es oft. Das will ich zwar nicht behaupten, daß die bey einem Beinfraß vorhandene Schmerzen allemal von den Knochen herkommen, und daß jede Anfressung der Knochen mit Schmerzen verbunden sey: denn oft ist der Schmerz dabey so gar groß nicht, und das Gefühl des Schmerzens, worüber sich oft die Kranken bey dem von der Natur bewirkten abblättern einzelner Knochenstückgen, und beym wegnehmen derselben beklagen, hat meistens eine ganz andere Ursach zum Grunde, nemlich eine stärkere Ausdehnung und Zerreissung der an vielen Orten mit Nerven versehenen Beinhaut. Das aber glaube ich behaupten zu dörfen, daß in gewissen Arten von Beinfraß, die von einer Schärfe der Säfte, und vorzüglich in denjenigen die von einer scorbutischen, venerischen oder cancrosen Schärfe entstehen, die angefressenen Knochenstücke so empfindlich werden, daß sie ohne daß der Kranke Schmerzen davon verführe, mit einer Sonde etwas unsanft nicht können berührt werden. Es scheint als wenn manchmal eine Schärfe eine solche Empfindlich- 14 - - lichkeit in einem höheren Grad bewirken könne als eine andere. Hievon kann ein jeder sehr leicht überzeuget werden: schon Nikolaus Masia hat es bey einem Beinfraß am Oberschenkel / wobey zugleich ein grosses Geschwür war, entdeckt. Ja noch mehr! selbst die röthlichen / mit unzähligen Gefäßen durchwetzte Fleisch- wärzgen die so häufig aus der Oberfläche entblößter Knocheu hervorwachsen/ und durch ihre eigene fort- drückende Kraft die kranken Knochenschichten von den gesu»iden*äbsondern, haben eine besondere Empfindlichkeit. Ich kann dieses Körnern ähnliche Fleisch, ob- schon es mehrere thun, desto weniger von dem umliegenden Zellgewebe und der die Knochen bedeckenden neuen Beinhaut Herschreiben, da dasjenige, welches aus der Mitte der Oberfläche und aus dem Mittelpunkt des Knochens hervorsprosset/ oder welches/ wenn wir nach Lellofte's Rath zu Beförderung der Abblätterung uns des perforativ Trepans bedienen aus den gemachten Löchern selbst fich erhebt und hervorwächst / eben so empfindlich ist/ als die Ränder des Geschwürs/ die mit der Beinhaut bedeckt find. Auch das unter den angefressenen Kuochenstückgen aus der Tiefe hervorge« wachsene, und aus ihren Rissen und Spülten durchdringende Fleisch / dessen fich die Natur als eines eigenen Hülfmittels bedient um das kranke Knochenfiück von dem gesunden abzusondern / verräth beym berühren eine gleiche Empfindlichkeit. Aber auch diese kann man *) on tlle bones. — (S. I?. der deutschen Ueber- setzung von Krause. 8. Leipzig. 1761.) Und äes ampuiÄnE x. 557. nach Hackers Citation ( S» Halter von den empfindlichen und reitzbaren Theilen des menschlichen Leibes. 8. Leipzig. 1756.) - ^ 143 man nicht von dem äusseren Zellgewebe das den Knochen deckt, herleiten, da man die nahegelegene Oberfläche oft ausgetrocknet, und von allen Häuten entblöst findet. Ueberdas habe» unzählige Beobachtungen Hrn. Tenon überzeuget *) , daß dieses Fleisch aus dem eigenen Zellgewebe des Knochens selbst hervorwachse: er zeiget auch, daß es zuletzt eine knöcherne Härte bekomme , indem es nemlich noch und nach härter, endlich an der gegen den Knochen zugekehrten Grundfläche knorpelartig werde, und nachher nach gänzlicher Heilung des Geschwürs ganz in einen harten Knochen verwandelt werde. Es erhellet schon aus den von Haller angeführten Beobachtungen eines Deidier und Petit, daß Knochen die ohne eine vorhergegangene äussere Beschädigung durch einen kranken Zustand erweicht werden, empfindlich sind. In dieser Krankheit geht mit den Knochen eine äusserst sonderbare Veränderung vor. Alle erdichten Theile werden da absorbiert und es bleibt nichts mehr übrig als der Knochenleim, welcher mit dem übriggebliebenen zellichten Wesen ein sonderbares Geweb (? 3 renckyma) formirt, welches man mit dem Messer trennen, und wie Wachs biegen kann. Viele über diese Krankheit gesammelte Beobachtungen belehren uns, daß es verschiedene Grade der Weichheit der Knochen giebt; denn bald finden wir, daß alle Knochen des ganzen Körpers von der Krankheit angegriffen worden, dergleichen wir ein berühmtes und von mehreren Aerzten beschriebenes Beyspiel an der Girp- piot *) dlemoires äs I'ücsä. Iko^Lie cle 8 Lciences, ^nnee 1758. iur l'exfollstion äer 0«. säe: äc ;me: mo Moire. 144 piot haben *) und ein ähnliches von pringle beschrieben finden **); bald aber find nur einzelne Knochen angegriffen, bey den einen find mehrere, bey andern wenigere erdigte Theilchen und daher auch die Festigkeit der Knochen selbst, mehr o^r weniger, zerstört. Vorzüglich merkwürdig und zur Erklärung der Empfindlichkeit der Knochen sehr dienlich däucht mir diese Erscheinung zu seyn, da nemlich alle die Kranken deren Knochen weich werden wollen, fich vorher über einen Schmerz im ganzen Körper und besonders den äusseren Gliedmassen beklagen, und nur mit Mühe einher gehen und die Gltedmassen bewegen können ***). Andere verspühren in den Knochen selbst eine Empfindung von Müdigkeit, wobey ein stechender Schmerz fich dann und wann fühlen läßt. Während diesen Beschwerden , bekommt der Urin einen sehr häufigen Kalch-artigen Bodensatz, und erst alsdann, werden die, schon aller ihrer Festigkeit beraubte Knochen verdreht, und sangen an, dem Zug der Musceln nachzugeben. Wir setzen daraus,. daß während den erster» Zufällen gewaltige Veränderungen im Bau der Knochen müssen vorgegangen seyn , und daß die Kranken nicht sehr irren, wenn fie sagen, die Knochen selbst thun ihnen weh. pringle giebt es auch zu, daß diese Krankheit vom Mark her, welches nun eine auflösende Eigenschaft erlangt habe, seinen Ursprung nehme, und daß es also von der inneren Oberfläche der Knochen nach aussen sich verbreite. Verschiedene Verderbnisse *) kkilnk. IrsnsLÄ. Vol. XI-VIII. gnn. 17;;. **) Ebendas. x>sZ. 297. ***) Ludwig xioZr. äs Ist» ossmm kuttitions, (4. Lixk. 17;?.) Nisse der Säfte find im Stand die Knochen auf solche Art anzugreifen, so daß wir manchmal „ich im Stande find, mit Gewißheit die Beschaffenheit der Scharfe zu bestimmen, welche diese Wirkungen auf den Knochen hervorgebracht hat: indessen lehrt uns docb die tägliche Erfahrung, daß die scorbutische und venerische Schärfe vorzüglich die Knochen angreifen, und sehr viel zu einem wiedernatürlichen weich wert». und auch zu einer wiedernatürlichen Zerbrechlichkeit dersel- bigen beytragen könne. Jemand bekäme beständige, fixe und sehr heftige Schmerzen, die sich im innrem des Arms festgesetzt hatten, bald darauf aber wurde der Knochen so sehr angegriffen, daß er bey jeder stärkeren Bewegung zerbrach, und doch blieben die weichen Theile dabey gesund *). Die Lustseuche greift die Knochen sehr selten heimlich, und ohne Vorbotten an: die Kranken werben gewöhnlich vorher von schneidenden Knvchenschmerzen geplaget, während welchen fie wahrscheinlich verdorben werden. Je tiefer aber Las Uebel steckt, desto heftiger sind die Schmerzen die es erregt, desto grösser die Verwüstung, die es in der Knochensubstanz anrichtet. Manchmal entstehet ein wirklich venerischer, von anhaltenden wüthenden Schmerzen begleiteter Knochenauswuchs, von welchem man glaubt, er entstehe, wenn das Gift, Las zwischen den Knochenfibern sich eingenistet, seine Wirksamkeit in einem so hohen Grade zeiget, daß es dieselbige ausdehnt und erhöhet; wo wir aber die davon abhängenden rossenden und anhaltenden Schmerzen um so weniger K einer *) Medicinische und chirurgische Wahrnehmungen von Muzel. Erste Sammlung, r. Berlin, 1754. XlXte Beobachtung. einer Spannung der Beinhaut, oder der darauf sich ausbreitenden Nerve» zuschreiben können, da die sogenannten gutartigen Beinauswüchse, obschon sie oft sehr groß sind, gar nicht schmerzen, die bösartigen aber die Kranken oft sehr quälen. Diese nicht zu läugnende Empfindlichkeit der Knochen veranlaßt aber zwey Erscheinungen, die von Seite der Aerzte einer Erklärung bedörfen. Fürs erst? nem- lich, was wohl die Ursach sey, warum die feinen Nervgen, welche in die Knochensubsianz selbst hineingehen, so viele Jahre hindurch überall von einer festen Materie so umgeben und gedruckt werden, daß sie im gesunden Zustand die in ihnen liegende Kraft niemals ausüben können, dieselbe dennoch behalten, da uns doch anderweitige Versuche zeigen, daß die Nerven, wenn sie lange gedrückt, oder stark unterbunden werden , ihre Kraft auf immer verlieren ? fürs zweyte - warum hier wohl der Schmerz und Empfindlichkeit grösser sey, als es von der verhältnißmäßigen Grösse so kleiner Nerven zu erwarten wäre? Ich gebe zwar sehr gerne zu, daß hier alle Vernunftschlüsse, wenn sie sich nicht aufrichtige Beobachtung der Natur gründen, schwankend und ungewiß seyen, und daß derjenige sich eine schwere Arbeit auf den Hals lade, welcher diese Fragen allein durch Versuche ins gehörige Licht zu stellen gedächte. Indessen zweifle ich keineswegs, daß nicht häufig wiederholte Beobachtungen, Versuche und Leichenöfnungen, den dicken Nebel endlich zerstreuen werden, in welchen unsere Augen über diese Materie bisher noch gehüllet sind. Diese sollen uns, in Betreff der ersten Frage dazu verhelfen, ein grösseres Licht über folgende Punkte zu erlangen: — ob diejenigen bestimmten Stellen am Knochen wodurch Nerven gehen, Heu, auch im gesunden Zustand empfindlich seyen; ob die Nerven - Canälchen mit einer so harten Substanz umgeben seyen, daß ste von keiner nahegelegenen Materie können gedrückt werden ; und ob die Empfindlichkeit bey jungen Leuten, die noch weichere und nicht gar feste Knochen haben, grösser sey, als bey ältern; oder ob ste steh bey gar alten Leuten, wegen der grösseren Festigkeit und Härte ihrer Knochen so sehr verliere , daß sie auf keine Weise wieder könne hergestellt werden? . . Jedermann sieht leicht ein, in ein wie viel helleres Licht die Theorie von der Empfindlichkeit der Knochen durch die Beantwortung dieser Fragen gesetzt werden würde. Was die andere Erscheinung anbelangt, daß nem- lich die kranken Knochen empfindlicher find, als es sich von so kleinen Nervenästgen als diejenigen find, welche zu ihnen gehen, erwarten liesse, so läßt sich das vielleicht aus ähnlichen Erscheinungen erklären. U)hytt *), Haller und andere haben es schon bemerkt, wie sonderbar sich die Empfindlichkeit der Nerven in entzündeten, oder lange gerechten Nerven vermehre. Wir finden Beobachtungen, wo ein Mensch der eine Augenentzündung hatte, des Nachts sahe, wo ein anderer, dessen Gehirn inflammiert war, eine Leibesstarre (reranus) bekam , wo ein Dummkopf sehr klug und verständig wnrde, als er einen Schlag auf den Schädel bekam: alles Beobachtungen, die uns lehren , daß die Empfindungen durch einen lange anhaltenden und hartnäckigen Rech vermehrt werden. Wenn aber diese Erklärung, oder eine andere, von der durch sich anlegendes Zeüengeweb vermehrten Dichtheit her- K r genoh- *) kl^ilokoxiLsl x. ILS. genohmene/ noch nicht hinlänglich seyn sollte»/ um die Ursache der äussersten Empfindlichkeit gerechter und angefressener Knochennerven in ein helleres Licht zu setzen/ so wage ich es noch hierüber eine/ wie ich hoffe nicht ganz verwerfliche / Hypothese vorzulegen. Es lehren uns nemlich viele Versuche / die man mit den Nerven angestellt *), daß das Zeügeweb welches die Nerven umhüllt / ganz unempfindlich / das Mark der- selbigen hingegen so wie auch dasjenige / welches den grösten Theil des Gehirnes ausmacht/ allein empfindlich seye/ Lorenz, Simson und andere behaupteten zwar / daß lebendige Thiere die Verletzung des Gehirnmarks nicht fühlen. Haller aber hat durch die sichersten Versuche und Beobachtungen bewiesen / daß diese Männer nicht recht beobachtet, und daß allerdings lebendige Thiere bey Verletzungen des Gehirnmarks äusserst empfindlich seyen. Ferners belehrt uns die Erfahrung, daß ein abgeschnittener Nerv in che Markhügelchen auswachse, und daß, nach dem Zeugniß des I van Hörne und Majow ein schwank michtes Fleisch und drüsenähnliche Körperchen aus einem durchschnittenen oder durchstochenen Nerv hervor- wachsen, indem fich das zellichte Geweb um das herausgedrückte Mark herum anlegt. Auch werden das die »leisten Wundärzte wissen, daß grosse schwammichte Auswüchse aus dem Gehirn hervorkommen, wenn seine Substanz selbst verletzt und zerrissen wird: und aus allen diesen Beobachtungen erhellet, daß das Nervenmark die Eigenschaft habe sich zu entwickeln und auszubreiten- Wir haben auch Versuche von sehr geschickten und berühmten Männern, welche beweisen, daß *) LIsrnsm kk^livlütz I.ib. X. x. ZlS 149 raß dergleichen Gehirnschwämme empfindlich seyen. Denn obschon Lothieri sagt, die Schwämme die geradezu aus dem Gehirn herauswachsen seyen unempfindlich, und dagegen mit Lecat und whptt annihmt, diejenige, welche bisweilen aus der harten Hirnhaut hervorkommen , haben Empfindung; so müssen wir doch den entgegengesetzten Erfahrungen des Gösch *) und Fanton **), die mit der Natur der Sache besser übereinkommen, Glauben beymessen. Diese belehren uns, daß die Verletzung der wahren Hirnhaut-Auswüchse - mit Gefahr verbunden sey, und daß als man ein wenig Vitriol darauf gelegt, Schwindel und Augenverdrehungen daher entstanden seyen. Wenn aber das Fleisch, das aus der Karten Hirnhaut hervorwuchs, empfindlich war, so geschah es ohne Zweifel darum, weil es von der empfindlichen inneren Knochenmaffe ( vjploe) seinen Ursprung hatte. Alle die angeführten Erfahrungen, bringen mich auf die Meynung: daß diese kleinen Nerven in den Knochenkrankheiten von gewissen Schärfen gerecht und angefressen werden, daß fie alsdenn leicht gleichsam in Schwämme auswach- sen können, die nun wegen ihrer vergrößerten Oberfläche auch stärker, und gleichsam in allen Punkten des verletzten Theiles empfindlich find. Allem diesem füge ich zuletzt nur noch Alexander Monrs's Erklärung der Empfindlichkeit der Knochen im kranken Zustande bey. Es ist jedermann bekannt, daß die Nerven da wo eine Empfindung statt haben muß, einen solchen Grad von Weichheit und Biegsam- K z keit *) Lgse8 snä krsÄicnI kemsrxs in kurZer^. k,onä. p. 10. **) OxulLuIorum b 4 e 6 iLviuin L kbvs. LsnevX 17)8. ob- lerv. s8- p. 172. keit haben müssen, daß die drückenden Körper einigen Eindruck auf sie machen können. Es scheint daher, als wenn die Nerven nun wieder ihre natürliche Eigenschaft erhalten, wenn die Härte der Knochen, die sie vorher vor allem Druck schützte nun aufgehoben und vermindert wird, und also jeder Druck wieder auf sie wirken kann: so wie die dünne Haut bey den neuen Nageln, wenn die alten durch irgend einen Zufall ver- lobren gegangen, zuerst sehr empfindlich ist, so wie aber der Nagel härter wird, diese ihre Empfindlichkeit gänzlich verliert. Bey allen meinen Bemühungen Gründe und Erfahrungen für die Behauptung aufzusuchen, daß die im gesunden Zustand unempfindlichen Knochen durch Krankheit empfindlich werden, hatte ich übrigens weiter keine andere Absicht, als andere Aerzte dadurch aufzumuntern, ihre Aufmerksamkeit auch hierauf zu wenden und mich zur Wahrheit zurückzuführen, wenn ich etwa davon möchte abgewichen seyn. X. Ionas Sidren Beobachtung einer Wassersucht des Herzbeutels, die mit keiner andern Krankheit verknüpft war. L .-7,. .-V' , ------ -E' S §!us der ganzen Oberfläche des Herzens und des SE- kes welcher dasselbige umgiebt, schwitzt ein Dunst aus, web welcher sich sammelt und alsdenn dasjenige ausmacht, was wir das Herzbeutel - Wasser (agua, liguor ?-ric3räU) nennen, welches bey jungen Leuten roth- licht , bey ältern aber durchsichtig und unfärbig, oder blaßgelblicht ist. Es verhindert, daß das Herz nicht nit dem Sack zusammenwachse, und verhütet das reiben der Spitze des Herzens an den Wänden desselben. Seym Feuer wird diese Feuchtigkeit dick, und gerinnt lald mehr, bald weniger, wie das Eyweiß. Zuweilen wird es scharf, so daß es die äussere Oberfläche des Herzens anfrißt, zuweilen wird es wte- dernatürlich dick, so daß das Herz wie mit einer Gal. lerte, oder mit einer fast honigartigen Crufte überzo- gm wird, oder es gerinnt noch stärker und bildet Kör- nee, Schwämme oder Schuppen, wodurch entweder die innere Oberfläche des Herzbeutels, oder die äussere des Herzens höckerig gemacht wird, oder es überzieht das Herz mit einer wirklichen Cruste, oder es formieren sich daraus Flocke» und Haare, da es dann den Anschein hat, als wenn das Herz behaaret oder zot- ticht sey; oder es macht endlich eine wiedernatürliche Zellhaut, wodurch der Herzbeutel oft zum Theil, manchmal gänzlich, mit dem Herz verwächst: und daher meint anch von Haller, seye es gekommen, daß Realdus Columbus und andere Anatomicker nach ihm, geglaubt haben, sie haben Leichname gesehen, wo der Herzbeutel gemangelt *). Dieses Wasser nun, welches ohngeachtet mehrere es haben läugnen wollen, immer in gewisser Menge vorhanden ist, häuft sich manchmal so sehr an, daß es eine eigene Art von Was- K 4 ser- *) Lk. As//-« Element, kk^siol. b,ib. IV. (ersucht zuwegebringt, die vom Herzbeutel ihre Ve, rrennung bekommen hat. Diese ist sehr oft in Verbinde mit Fehlern in den Lungen oder dem Herzer, Oder de-- daraus entstehenden Gefässen oder einer Bruk- wassersuchl/ aber so selten für sich allein zugegen/ (8» 1irs> i 8) daß H-srgagni der doch so viele hundert Leichname geöfnet/ bekennt/ er habe dieselbe niemals angetroffen. Ich glaubte also nichts überflüßiges zr thun' wenn ich den mir vorgekommenen Fall einer für sich allein vorhandenen Wassersucht des Herzbeutels beschriebe. Eine neunzehnjährige starke Weibsperson/ wurde den 2;. Augstmonat 1779. in das Hospital der Akademie zu Upsal aufgenohmen, da sich schon seit einigm Wochen Spuhren von Wahnsinn an ihr gezeiget hatten. Ihr ziemlich stark schlagender Puls / und wie- dernatürlich rothes Gesicht schienen eine Aderlässe anzuzeigen / welche auch zweymal vorgenohmen, und sie daneben zweymal durch einen mit Tamarinden verhetzten Aufguß von Sennesblättern abgeführt wurde. Nachher bediente man sich des Locherischen / aus Eßig bestehenden/ Mittels; da sich aber hierauf keine Besserung einstellen wollte / so versuchte man es zu An, fang des Herbstmonats/ was ein gelinder Durchfall/ der durch eine alle Morgen wiederholte kleine Dose englischen Salzes bewerkstelliget wurde / thun würde? Auf diese Mittel hin wurde sie nach Verfluß einiger Tage stiller und gelassener als gewöhnlich / gab auch auf jede Frage eine vernünftige Antwort/ da sie sonst fast immer irre redte/ sehr leicht aufbrannte/ wieder- fpänstig war/ und niemandem gehorchen wollte. In diesem ruhigen Zustand verblieb sie bis zum zwey und zwanzigsten Herbstmvnat, als an welchem Tag sie iv-le- der der in ihren vorigen Zustand verfiel, wobey ste ein rothes Gesicht bekam, die Adern Heftig schlugen, sie auch einige Tropfen Blut aus der Nase verlor: diese Umstände bewogen mich zum dritten mal eine Ader schlagen zu lassen, worauf dre Kranke wieder besser zum Verstand kam, und mir sagen konnte, daß ihre Reinigung nun schon zweymal ausgeblieben sey: ich verordnete ihr daher solche Mittel, die diese Ausleerung befördern sollten, ohne im Geblüt eine allzugrosse Wallung zu verursachen. Indessen wurde ste unter i dem Gebrauch der gewöhnlichen Fuß- und Dampfbä- der, welche das. Geblüt gegen die untern Theile Hin- leiten sollten, den i6. Weinmonat mit einem Fieber befallen, das steh durch einen Schauer zeigte, der die zwey darauf folgenden Tage in keiner bestimmten Ordnung wieder kam: es wurde endlich ein anhaltendes Fieber (k°. conrinua) daraus, welches ordentlich alle Vormittage deutliche Exacerbationen machte. Sie beklagte sich besonders währen- der Verschlimmerung über Kopfschmerzen, und bekam, als das Fieber am höchsten war, ein schweres Gehör. Man reinigte nun zuerst die-ersten Wege und gebrauchte alsdenn die in Fiebern gewöhnliche Mittel: gegen End des Monats entstand ein Schweiß, und das Fieber schien in Gesundheit überzugehen. Aber wieder alles Vermuthen, wurde sie wieder mit einem trockenen Husten und Heischerkeit, drücken auf der Brust, und etwas schwerem Athemholen befallen : diese Zufälle waren von Fieberaufällen begleitet , die zu keiner gesetzten Zeit wieder kamen, und manchmal einen halben Tag, manchmal etwas kürzere Zeit anhielten. Der Puls war ein wenig gespannt. Man schlösse hieraus nicht ohne Grund, die Krankheit K s habe Is4 » habe sich auf die Lungen versetzt / besonders da man hörte/ daß die Kranke/ wenn das Fieber nachgelassen habe / des Nachts aus dem Bett aufgestanden, und nackend in ihrem Schlafgemach umher gegangen seye. Man liesse deßwegen nichts unversucht/ was die in den Lungen stockende Materie hätte auflösen / und alle Ue- Verbleibsel des Fiebers vertreiben können: aber nichts war im Stand die Krankheit zu lindern: der Husten/ welcher fast ganz trocken, beynahe ohne allen Auswurf war, wurde vielmehr je länger je stärker/ er kam zuletzt auf einen so hohen Grad, daß er besonders des Nachts Erstickung drohte: auch das Athemholen wurde, besonders wenn die Kranke auf dem Rücken lag, etwas keuchend / und sie mußte mit einer gewissen Anstrengung reden. Der Puls war / besonders während der Fieberanfälle / gespannt / etwas hart, manchmal wurde er etwas weicher/ doch blieb er allezeit geschwind Oeguen«) und ungleich. Das Gesicht war meistens bleich/ nicht aufgetrieben/ auch weder an Handen noch Füssen eine wässerichte Geschwulst zu bemerken. Die Kräfte waren so gut, daß die Kranke sich ohne Mühe aufrichten/ auch selbst ausser das Bett gehen konnte: gegen End des Wintermonats aber, stengen sie an abzunehmen, der Puls wurde schwächer, geschwinder, unordentlich, und die letzten Tage über intermittierte er: auch das Athemholen wurde beschwerlicher: sie konnte sowohl auf den Seiten als auch auf dem Rücken/ jedoch auf letzterem mit etwas mehr Beschwerde liegen / so dass die Forcht des erstickens sie niemals nöthigte aufrecht zu sitzen / ausser wenn der Husten kam. Sie starb am letzten November. Am Morgen darauf ward die Leiche geöfnet. Im Gehirn fand man gar nichts wiedernatürliches: als man man aber -te Brust öfnete, fand man -en Herzbeutel so sehr erweitert/ daß man den linken Lungenflügel gar nicht zu sehen bekam / ehe man diesen auf die Seile gethan: als man ihn öfnete/ mag er shngefehr an- derthalb Pfund Wasser enthalten haben. Uebrigens > war weder in den Lungen/ noch im Herz/ noch in den ! daher entspringenden Gelassen / noch im Unterleib ir- , gend ein Fehler zu finden. > XI. Caspar Trendelenburg ^ Beobachtung ! eines ! Knochen-^Krebses (pwäartbrorcace.) ^L/en neunten Herbstmonat 1775. kam ein zwölfjähriger Bauerknab in das Hospital zu Lund. Er hatte sehr arme, aber gesunde Eltern, und selbst von seiner ersten Kindheit au, bis zu Anfang des Jahres 1774. einer dauerhaften Gesundheit genossen. Von dieser Zeit an bekam er aber sehr viele Hantabscesse, welche sich im Heumonat desselben Jahres von selbst verlohnn, und einem äusserst heftigen Schmerz an der Schulter und dem Oberarm der rechten Seite, der ganz ohne alle gegebene äussere Ursache kam und den Knaben sehr plagete, Platz machte. Das Knäblein sagte, es fühle den Schmerzen in dem Knochen selbst, ausserhalb aber konnte konnte man weder -urch's Gesicht, noch durch's Gefühl / etwas fehlerhaftes entdecken. Sein unbehutsa-- mer Vater/ der ihm seine Schmerzen lindern wollte, beschmierte ihm die ganze Stell des Armes wo er sich beklagte, mit Gänsefett. Allein diese Einsalbung hatte den guten Erfolg nicht, den unser Bauer wohl davon mochte verhofft haben, denn in der darauffolgenden Nacht schnell der ganze Arm auf, und bekam eine Lläulicht schwarze Farbe, So blieb nun Schmerz und Geschwulst einen ganzen Monat über sich immer gleich. Damals entstanden zwey Geschwülste, welche die Grösse von Hünereyern hatten, wodurch die Geschwulst des Arms merklich abnahm und die Schmerze des kranken nicht wenig gelindert wurden. Die eine vorwärts gelegene Geschwulst hatte ihren Sitz da, wo das Schul- terknöpfgen (capirulum bumeri) aufhört, die andere mehr gegen aussen gelegene, da, wo sich der deltaför- mige Mustek inseriert. Drey ganze Wochen lang blieben diese beyden Geschwülste unverändert am Arme, ausser daß ihre Farbe die vorher roth wäre, nach und nach blau wurde. Alsdann aber zersprangen selbige, die obere zuerst, und hernach auch die untere, und ergossen in den ersten Tagen eine wäfferichte Jauche, die keinen Geruch hatte: dieses währte aber gar nicht lange, und die Jauche die nachher ausfloß, hatte eine braune Farbe und einen sehr unangenehmen Geruch. In diesem Zustand blieb der Knab den ganzen Sommer und Winter des folgenden Jahres hindurch, ohne daß er den Arm brauchen oder bewegen konnte: man wandte auch zu seiner Heilung weiters keine Mittel an, so groß auch die Schmerzen seyn mochten die diesen unglücklichen ohne Aufhör plagten. Dieses ganze Jahr hindurch waren die Geschwüre über und über mit mit wildem Fleisch bedeckt/ sie ergossen eine fürchterlich stinkende Materie/ und es sonderten sich bisweilen dadurch einige Knochenstückgen ab. Vierzehn Tage vorher / ehe der Knab ins Hospital gen Lund kam, zeigte sich in dem obern Geschwür ein schwarzes/ vom Beinfcaß angegriffenes Knochenstück. In diesem äusserst elenden Zustand ward er ins Hospital aufgenoh- men / wo man noch alles mögliche mit ihm zu versuchen sich vornahm / indem es sehr ungewiß war ob er gesund «nd geheilet das Hospital verlassen wüde. Er hatte damals, wie schon gesagt, zwey sehr wüste Geschwüre / von welchen das obere und vordere / in welchem das Knochenstück lag / grösser und tiefer / als das untere und äussere befunden ward. Man konnte zwischen diesen beyden Geschwüren keine Communica- tion finden: und der schadhafte/ geschwollene Theil des Schulterknochens/ schien/ wenn man ihn inwendig berührte/ vom Winddorn angegriffen zu seyn. Alle Bewegung hatte in diesem Arme gänzlich aufge- ^ hört. Sobald der Kranke ihn nicht unterstützen/ in ! der Schleppe tragen, sondern hängen lassen mußte, so klagte er über die heftigsten Schmerzen. Die Hand hatte ihre Kräfte ganz verlobten: er konnte nichts damit fassen, nichts darinn behalten. Wenn man das Leben des Patienten nicht auf die Waage setzen wollte, so durfte man an keine Amputation des Arms aus dem Gelenk denken, und ohne diese schien die Heilung unmöglich, indem der Knochen bis weit hinauf, ja bis ^ an das Schuitergelenk angegriffen war: guter Rath ^ wäre hier also sehr theuer. Da indessen der Knab, -diesen Schaden ausgenohmen, einer vollkommenen i Gesundheit genoß, und die natürlichen und Lebensver- ! Achtungen gut bey ihm von Statten giengen, so nahm l ich is8 -.-— ich ihn, ungeachtet der Fall unter die verzweifelten gehörte , dennoch in das Krankenhause auf, und war nun begierig zu sehen / was Natur und Kunst über diesen schlimmen Zustand vermöchten. Ich gab ihm nun innerliche und äusserltche Arzneyen. Innerlich gab ich ihm abführende Mittel/ nemlich: Pechwasser/ eine sehr gesättigte Abkochung von Guajae und Wachhol- derholz und der Graswurzel: äusserlich appltcierte man Digestiv- / Eitermachende und balsamische Mittel / und am obern Geschwür, um dasselbige zu erweitern und so die Abblätterung des angefressenen Knochen« stücks zu befördern, präparierten Schwamm. Auf den Gebrauch dieser Mittel, wobey zugleich das hervorstehende Knochenstück sanft hin und her bewegt wurde , erweiterte sich Las Geschwür nach und nach täglich, endlich schien es den zehnten Wintermonat möglich , das Stück herauszubringen, welches auch mit dem besten Erfolg versucht wurde, welches freylich nicht ganz ohne alle, aber doch, wie er selbst sagte, ohne sehr empfindliche Schmerzen von Seite des Kna- bens ablief. Die Geschwüre, besonders das äussere, fiengen bald darauf stark zu bluten an, hörten aber auch bald wieder auf. Mit gröster Verwunderung sah' ich, daß der weggegangene Knochen, den ich zuerst nur für ein Blatt (lamm^) des Schulterknochms gehalten, der obere Theil des Schulterknochens selbst war. Und doch bemerkte man weder einen Verlust an der Schulter, noch eine merkliche Verkleinerung des Armes. Uebrigens war dieser ganz angefressene Knochen, besonders inwendig mit einem äusserst übelriechenden Mark angefüllt. Auf diese Absonderung des angefressenen Knochens hin^ wurde die Bewegung des Arms, die vorher gänzlich mangelte, in so weit wieder her hergestellt, daß er denselben von sich und zu sich bewegen konnte/ nur denselben ganz ausstrecken/ und ihn am Schulterblatt umdrehen, konnte er noch nicht. Es währte aber nicht lange, daß sich die Geschwüre täglich mehr mit gesundem Fleisch ausfüllten und zu« letzt ganz zuheilten, so daß der Knab den vierten Wintermonat das Hospital gesund verlassen konnte. So gieng die Anfangs so zweifelhaft aussehende Heilung , mit Gottes Hülfe dennoch gut von statten: nur das verdient noch angezeiget zu werden, daß die Figur des neuen Schulterknochens etwas unförmlich und krumm ausfiel, und auch so blieb: wahrscheinlich hatts das angefressene aber noch nicht losgegangene Knochenstück den Knochensaft verhindert eine gerade Richtung zu nehmen. XU. Adolph Murray Beobachtung einer Verrenkung des Rückgrats, die durch den Gebrauch des kalten Wassers geheilt worden. E in Pferde-Knecht, der vier und zwanzig Jahre alr, und von starker Natur war, sollte einen mit Heu beladenen Wagen in die Scheune fahren: er hatte rasche Pferde vorgespannt, saß nach der Gewohnheit oben oben auf dem Heu / wollte geschwind zur Thüre hineinfahren, sah' aber erst da es zu späth war, daß die Thüre allzunieder sey, und daß wenn er aufrecht sitzen -liebe , er den Kovf gewaltig gegen die Wand anstos- seu würde. In dieser Lage wäre er gern vom Wagen herunter gesprungen, wenn er nur gekonnt hätte: da ihm dieses aber unmöglich war, so faßte er in -er Angst den Entschluß, der drohenden Gefahr dadurch zuvorzukommen, daß er seinen Leib so viel als mög« !ich vorwärts bog. Aber er wurde in dieser Hofnung getäuscht: denn er stieß mit den Schultern so sehr gegen das obere Gebälke der Thüre an, daß da sich die Pferde nicht wollten aufhalten lassen, sein ganzer Rückgrat, der nunmehr wie in einer Presse war nach vorwärts gedrückt, und mit einem Geprassel verrenkt wurde. Man brachte ihn ganz ausser sich selbst, und halb todt nach dem königlichen Krankenhaus zu Stock- holm , wo kaum etwa sechs Stunden nach dem Unglück , die Herren von Acrel und Schulyenheim nichts unversucht lassen, was in dergleichen Fällen an- gerathen wird. Der Körper war nach vorne zu gleichmäßig gebogen, und die Schultern leicht gequetscht, aber eine Geschwulst die schon unten an dem Rücken entstanden war, verhinderte die noch genauere Untersuchung der Verrenkung. Doch gewahrste man dahe- rum eine geringe Auseinanderweichung, und konnte die Heftigkeit der Verletzung theils daraus daß die Bewegung und Empfindung der oberen und unteren Gliedmaßen gänzlich aufgehört hatte, theils auch aus der Erzählung des Kranken, welcher nun wieder zu reden ansienge, leicht abnehmen. Der Kranke beklagte sich nemlich über einen heftigen und spannenden Schmerz an der leidenden Stelle, welcher nach seiner Erzählung, wenn wenn er sich stark vorwärts bog, zunahm, sich aber allemal verminderte, wenn er sich wieder aufrichtete. Die weichen Theile der Gliedmaffen hatten alle ihre Bcwegungs- und Empfindungskraft verrohren, daß er keine davon aufheben, hingegen wenn man ihn auf l die Füsse stellte und er sich mit den Ellenbogen unterstützte , auf denselben ein wenig stehen konnte. Der Urin gieng ohne fein Vorwissen ab, der Stuhlgang war verstopft, der Bauch sehr gespannt, aber der Puls zeigte keine Unordnung in der Circnlation an. Man ließ ihm zuerst reiclMi zu Ader, und alsdann versuchten seine Aerzte die Wiedereinrichtung zu bewerkstelligen , und verfuhren dabey nach petits Methode, welche sie , was auch Düverney dawider sagen mochte, und zwar mit Recht, für die beste hielten. Sie legten nemlich ein dickes Leintuch, welches ste cylindrtfch zusammengewickelt hatten, der Länge nach auf ein Bett, und legten alsdenn den Kranken auf dem Bauch so darauf, daß jener Polster den Wirbelbeinen entgegen drückte. Man ließ alsdenn zwey Gehülfen den kranken unten am Hals, und bey den Darmbeinen anfassen, und drückte darauf den Rücken j nach einwärts gegen dem Bette zu, damit wenn etwa die Ränder der schiefen Fortsätze (apophyles ob- IchuL) eingeklemmt wären, sie durch diese Ausdehnung wieder losgemacht würden: in demselben Augenblick drückte der Wundarzt mit seinen Fingern das Wirbelbein, das unten an einer Grube war, und ein wenig bervorstnhnde, stark nach einwärts, und zu- ! gleich mußte der obere Theil des Körpers hinterwärts ^ gebogen werden. Denn da bey einer Verrenkung des > Rückgrats, die Fortsätze der unteren Wirbelbeine nach l auf- und einwärts, die der oberen aber nach unter- ! L wärts wärts sich ziehen, so werden durch diese Methode nicht nur die erstere wieder an ihren Ort gedrückt, sondern auch die andern wieder gleichsam aus die« selbe angepaßt. Allein die Arbeit gieng nicht nach Wunsch von statten. Die äusserstsschmerzhafte Ausdehnung machte zwar die Höhle zwischen den kupierten Wirbelbeinen grösser, aber die Wirbelbeine selbst konnten weder durch das Zurnckbiegerr des Rückens, noch durch das einwärts drücken, von der Stelle bewegt werden. Man wiederholte den Versuch, man legte den Kranken über ein Faß, aber alles war vergebens ; da der Kranke dadurch sehr abgemattet wurde, so verschob man es auf den folgenden Tag mehrere Versuche zu machen, und ließ ihm unterdessen über den Rücken und Bauch auflösende und erweichende Umschläge machen, befahl ihm auch, auf dem Bauch zu liegen. Die folgende Nacht war unruhig, und nach seiner Aussage fühlte er in keiner andern Stellung des Körpers Linderung seiner Schmerzen, als wenn er auf der Seite lag. Am Tag darauf gewahrte man mit Vergnügen, daß obschou die Grube zwischen den Wirbelbeinen noch von gleicher Grösse, nemlich ohn- gefähr zwey Zoll breit und einen tief war, doch die Ausleerungen durch den Stuhlgang und Urin wieder natürlich vou statten giengen, und der Kranke wieder mit leichterer Mühe auf den Füssen stehen konnte. Aber auch die Versuche welche man an diesem und dem folgenden Tage mit der Einrichtung des Rückgrats machte, hatten keinen bessern Erfolg und auch die besten Räthe der geschicktesten Aerzte gewährten keinen Vortheil, so daß sie alle glaubten, die Sache würde einen gefährlichen Ausgang nehmen. Man machte auf das gefltssenste Ueberschläge, man gebrauchte -rauchte alle Arten von antiphlogi-ischen Mitteln, allein man beobachtete von denselbigen weiter keinen Nutzen, als daß der, übrigens sehr unruhige, Kranke, nun seine Füsse nach Willkühr und ohne grosse Beschwerde davon zu verspühren bewegen konnte, daß die Schmerzen nach und nach gelinder wurden, nnd daß auch die Entzündung ein wenig nachließ und die Geschwulst steh gänzlich verlor. Jezt konnte man es deutlich sehen, daß das letzte Rücken- und das erste Lenden-Wirbelbein von einander gewichen seyen. Man verfiel nun darauf, das kalte Masser, welches so viele bey Verrenkungen der Knochen gerühmt haben, zu versuchen. Man setzte nemlich zu diesem Behnf den Kranken so, daß das Wasser durch eine gemeine Röhre aus der Höhe auf seinen entblößten Rücken tröpfeln konnte; und diese Behandlung mußte von den Gehülfen alle Tage zwey bis vier mal wiederholt werden. Diese neuen Versuche belohnten uns so, wie kein Gold die wahren Aerzte zu belohnen im Stande ist. Denn schon am siebenten Tage verspürte der Kranke, ausser wenn er seinen Rü- ken bog, keine Schmerzen mehr; und war schon wieder so gut zu Kräften gekommen, daß er jetzt nur noch ein wenig gekrümmt, allenthalben frey herumgehen konnte, und was am meisten Verwunderung erregte, war, daß man die Rtbben selbst sich nach und nach zusammenziehen sah, so daß jene grosse Grube täglich kleiner wurde. Den vierzehnten Tag endlich hatten alle üblen Zufälle aufgehört, und die Figur des Rückgrats war so sehr der natürlichen gleich, daß man nirgends eine Lücke sah, und der beschädigte Theil ohne Forcht dorfte gedrückt werden. Mit aufrechtem Körper verließ also nun ebenderselbe Lr Mann Mann das Krankenhaus/ welcher vor wenigen Tagen krumm und halbtodt dahin gekommen war. Die Geschichte dieser Verrenkung giebt uns einige lehrreiche praktische Anmerkungen an die Hand / welche sich nicht bloß auf sinnreiche und schwankende Hirn- gespinnste/ sondern auf die Natur der Sache selbst gründen. Wer die Anatomie der Theile einiger Massen inne hat / der wird sich es leicht erklären können / warum der Kranke bey der heftigen Zusammevpres- sung zuerst alle Sinnen verlor: warum besonders die untern Gliedmaassen angegriffen wurden: warum ihre Bewegung so bald sich wieder einstellte, und endlich warum die in Unordnung gebrachten Ausleerungen schon am zweyten Tage ihre natürlTe Beschaffenheit wieder annahmen. Die Struktur und die Eigenschaften des Rückmarks setzen alle diese Erscheinungen in ein hinlängliches Licht. Daneben soll es uns freuen, Laß wir durch diese Beobachtung gelernt haben, daß die Verrenkungen welche an solchen denselbigen so sehr ausgesetzten Orten entstehen, nicht so gewaltig auf das Rückmark wirken, daß sie keine so gar starke Zerrüttung in den natürlichen und Lebens Verrichtungen anrichten, und daß man sich überhaupt vor ihrem Ausgang nicht allzusehr zu förchten hat. Es ist gewiß, daß die Bänder bey so einer Verrenkung zerrissen werden, und eben so gewiß daß auch in unserm Fall eine solche Zerreißung vorhanden gewesen sey, weil die Aerzte ihre Finger in die Grube zwischen den Stachel-Fortsätzen (Lpoxbz-ses lpinolee) legen konnten. Wir wissen auch daß schon Wilhelm Hmiter und nach ihm der berühmte Rirkland be- ') Aeäicsl Loliunemaries. kart. I. xsx. 58. bewiesen haben / daß hier ohne Zerreissung -er Cap- ! sel-Bän-er keine Verrenkung statt haben könne. Und so wohl ihre als unsere Erfahrung lehrt, -aß in keinem Fall hierin» ein Unterschied seye. Wir sehen/ daß das kalte Wasser hier zum Verwundern gut gewirkt hat. Schon Vater Hjppocra- tes und nach ihm die berühmtesten älteren und neueren Aerzte haben es in ihren Schriften sattsam ge« zeiget, was vor gute Wirkungen wir davon zu erwarten haben / indem es durch seine Kälte die weichen Theile zusammenzieht und stärkt, den verlohren gegangenen Tonus wieder herstellt, das Geblüt von der Oberfläche nach den innern Theilen hintreibt, die Gefässe zu häufigeren Zusammenziehungen reißt midie Wärme des Körpers vermehrt. Dex gelehrte Bergius hat in seiner vortreflichen Abhandlung von den kalten Bädern *) hierüber alles mögliche gesammelt. Durch hundert und tausend Erfahrungen find wir belehrt worden, daß das kalte Wasser in Bädern und in den von Celsus schon angerühmten Tropfbädern ein vortrefliches Mittel sey, die allgemeine und besondere Schwäche im Körper zu verbessern, die allzustarke Empfindlichkeit der Nerven, den unordentlichen Einfluß des Nervensafts, und alle daher entstehende Uebel, kräftiger als jede andere Arzney, zu verbessern. Ferner zeigen die vortreflichen Erfahrungen eines Schmucker, welcher mit kalten auf den Kopf gelegten Umschlägen die heftigsten Zufälle, die auf starke Erschütterungen und Verletzungen des Gehirns erfolgten, gestillt hatte, wie groß die L; Kräfte ) ket. om XslIs Lgä i Zemen osti l.oks LsäminAsri hnnerbet 8. 8lociiUoIm 1764. Uebcrs. r66 Kräfte des kalten Wassers seyen/ um zu rebellieren, die zusammengefallnen Gefässe zu reitzen, und die betäubten Nerven wieder zu beleben. Auch erschlaffte Ligameute, deren Verletzungen oft mit so gefährlichen Folgen begleitet sind, bekommen, wenn je noch etwas helfen kann, durch kaltes Wasser ihren Tonus wieder. Viele neuere Aerzte folgen daher, wenn sie zerrißne, gequetschte oder sonst sehr schmerzende Ligamente zu behandeln bekommen, dem Hippocrates, und bedienen sich kalter Ueberschläge: auch bedienen sie sich derselben bey so genannten kalten Gelenk-Geschwülsten , oder wenn sonst die Gelenke allzustark ausgedehnt oder verdreht worden sind. Auch hat sich dieses einfache Mittel in verschiedenen Fällen, so wie in dem unsrigen, sehr wirksam erzeiget: besonders werden durch das tropfenweise Herunterfallen des Wassers die kleinsten Gefässe so gerecht, daß selbige eine zwischen den Fibern haftende zähe und stockende Feuchtigkeit einsaugen, wodurch die Entzündung gehoben wird, die Schmerzen gelindert werden, und die ligamen- tosen Fasern ihre verlohrne Stärke wieder bekommen. XIU xm. Eberhard Rosenblad Geschichte der glücklichen Endigung eines Brustgeschwürs (Lmx^ema) durch eine Versetzung. in Mann vom Adel / der acht und dreyßig Jahre ilt, von einem sanguinisch melancholischen Tempera- nente und dem goldenen Aderfluß unterworfen war, rey welchem auch die Ueberröthe und Fehler in der Leber erbliche Krankheiten waren, bekam in der Bitte des Heumonats im Jahr 1758. von einem mithigen Pferd einen Schlag, wodurch er an dem liwen Schienbein vier bis fünf Zolle über dem Fnß- gelmk einen complicterlen Bruch bekam. Man mußte ihm viele Einschnitte machen, manchen Knochensplitter herausziehen, bis er endlich gegen das End des Win ermonats in so weit wieder hergestellt war, -aß er es nun das erste mal wägete, so leicht als möglich ruf diesem Fuß zu stehen. Die Nacht darauf aber befiel ihn ein heftiges Fieber, das mit einem nicht minder heftigen Durchfall begleitet war, so daß der Kranke innert vier und zwanzig Stunden wohl fünfzig mal zu Stuhle gehen mußte. Am neunten Tage wurde derselbige ein wenig gelinder, und an seine statt kam eine grosse, rosenartige, ich möchte fast sagen kritische Geschwulst an dem verletzten Schienbein und an demselbige» ganzen Fuß zum Vorschein, wel- L4 che 168 che -em Kranken heftige Schmerzen verursachte, unk wobey das Fieber und der Durchfall zwar nachliefen, aber nicht gänzlich aufhörten. Ein Feldscher der den Kranken zu besorgen halle, versuchte durh allerley Kunstgriffe die Geschwulst zu zertheilen, aber vergebens war seine Bemühung, bis endlich in der Mitte des Christmonats in der Gegend des Fußkni- chels zwischen dem Schienbein und der Achilles Schur kleine Löchergen sich zeigten, woraus eine eiterichte Mi- terie wegfloß. Der Schmerz ließ darauf ein weng nach, aber der Kranke hatte dennoch viele Beschwir- Hen, denen er gern mochte abgeholfen haben und M welcher willen er auch gegen das Ende des Christin» nats bey starker Kälte von Stralsund nach Astadt sich hinüber setzen ließ: Während den fünf oder mehreren Tagen, die er auf dieser See-Reise zubracht-, besorgte niemand seine fistulösen Geschwüre, so dtß als er zu Ustadt ankam, der Wundarzt welchen er zu steh Verrissen, fand, daß eine stinkende Materie rus den Fisteln hervorquille, daß der Kranke einen starken Auswurf mit Husten und Fieber und sowohl am Körper als an Kräften sehr abgenohmen habe. Der Kranke mußte steh daher einige Tage daselbst abhalten, während welchen man ihn durch Speise» un- Arzneyen wieder herzustellen trachtete, hernach legte er sich, so gut er konnte, in einen Wagen, un) fuhr bey noch anhaltender Kglte nach Lund in Gokhland. Als er daselbst ankam sahe sein Schaden aus wie vorhin, aber es zeigten sich zugleich noch, nicht undeutliche Spuhren von einem neuen Uebel, nemltch von einer Eiter-Sammlung in der rechten Brusthöhle. Da wir den Kranken das erstemal zu sehen bekamen, war sein Zustand folgender: Das Aussehen des Körpers pers und des Gesichts war hager , seine Physionomie gränzte zunächst an jene/ welche man die Hippocrati- sche nennet, und seine Gesichtsfarbe war blaß und gelblicht. Der Puls war geschwind (fceczucns) und . schwach, der an der rechten Seite war daneben ungleich und intermittierend. Das Athemholen war be- ! sonders in der rechten Seite der Brust, immer, vorzüglich aber beym inspirieren, beschwerlich, und der > Kranke hatte dabey in der gleichen Seite eine Em- l pfindung eines Gewichts, welches auf das Zwergfell drückte. Er konnte sich fast gar nicht auf die linke Seite, hingegen aber mit aller Bequemlichkeit auf den Rücken legen. Der vorher mit einem starken Auswurf begleitet gewesene Husten ward nun trocken, und die Wangen, besonders aber die rechte wurden verschiedentlich roth. So oft der Kranke hustete, oder sich ein wenig stark bewegte, so verfpührte er in der Gegend des rechten Schulterblatts ein so deutliches ^ schwappen, daß auch andere dabey stehende Personen - auf einige Schritte weit es hören konnten. Der Ton ; war wie derjenige von einer halbangefüllten Blase, l welche man hin und her bewegte. Da er zuweilen in ! der Gegend des rechten Schulterblatts einen gelinden Schmerz, oder vielmehr nur eine unangenehme ! Empfindung hatte, so untersuchte mau dieselbe von vorne und hinten, konnte aber gar nichts wiederna- türliches daran finden. Die Eßlust war ganz ordent- ' lich, hingegen der Durst war manchmal sehr stark, . konnte aber doch wohl gestillt werden. Der Schlaf l dauerte aufs höchste nur zwey Stunden lang ununterbrochen fort, während welcher Zeit ihn seine Leute, : da er das Bein nicht brauchen konnte, unterstützen - mußten. Der sparsam abgehende Urin war, so bald ^ L >- er er gelassen worden/ roth, wann er hingegen ein wenig gestanden, so ließ er einen röthlichten, schimmlich- ten, häufigen Bodensatz fallen, und war oberwärts hell und ein wenig blaß. Der Bauchfluß hielt noch an, doch war er mäßig und schwächte den Kranken nicht sehr, obschon er insgemein, und besonders wenn er ein wenig mehr als gewöhnlich getrunken hatte, in vier und zwanzig Stunden etwa acht, wässerichte, schleimichte, gelbgrüne Stuhlgänge hatte. Er hatte Nachtschweisse, die aber nicht immer vorhanden und nicht stark waren. Immer war er guten Muths, und ertrug seine Leiden mit Gedult. Die fistulösen Geschwüre an dem linken Unterschenkel, waren sehr wüst, und um so viel schwerer zu heilen, da sie bis an die Zähen tiefe Gänge gemacht hatten, die Achilles- Sehne erschlaffet, und also auch die Bewegung -es Fusses erschweret hatten und über dieses der Fuß noch eine weiche, wässerichte Geschwulst bekam, so daß er daher, besonders da die Wade sehr dünne war, ein ganz unförmliches Ansehen bekam. Bey so gestalteten Sachen mußte man sein erstes Augenmerk darauf richten, die Lebenskräfte zu stärken, welches man auch durch kräftige Gallerten und Brühen, durch Emulsionen und magenstärkende Mittel zu bewerkstelligen suchte, und unterdessen, durch Bähungen, Einspritzungen, Einschnitte und Reinigungen für den Fuß zugleich sorgte, aber daneben nicht wußte, was man mit der Eitersammlung in der Brust anfangen wollte, da es kaum schien, als ob die Kräfte des Kranken, wenn eine Paracenthefis beschlossen würde, dieselbige aushalten möchten. Doch gab uns der noch gute Appetit, und die starke Natur des Kranken noch einige Hofnung zu seiner Heilung. Es vergiengen bey die- dieser Behandlung einige Tage, worauf er eines Tags gegen Abend einen Schauer, darauf folgende Hitzen Und vorübergehende Verwirrung bekam, welches sich aber alles am folgenden Morgen mit einem Schweiß endigte; und von dieser Zeit an konnte man kein schwappen mehr in -er Brust, in -er Gegend -es Schulterblatts hören. Hingegen entstand eine Betäubung, Rothe, Geschwulst und gelinder Schmerz an -er innern Seite -es linken Oberschenkels, die sich immer mehr noch unterwärts senkte, und je geschwinder sie dieses that, desto geschwinder nahmen auch die oberwarts gelegenen Theile ihre vorige natürliche Gestalt wieder an. Bald darauf gieng eine grössere Menge guten Eiters durch die fistulösen Geschwüre des Unterschenkels und Fusses ab, und ohngefähr fünf oder sechs Tage nach jener kritischen Bewegung, verschwanden alle Zeichen einer Eitersamn^lung in der Brust und man hatte von einer solchen gar nichts mehr zu befürchten. Der Kranke fieng wieder au ganz frey Athem zu holen, er konnte auf beyden Seiten liegen, wurde weder von dem trocknen Husten, noch von der Diarrhöe mehr geplagt. Auch der Druck auf das Zwergfell ließ in acht Tagen fast ganz nach, und der Urin wurde natürlich; nur der Puls an dem rechten Arm blieb noch wie vorher ungleich und intermittierend. Kurz, die Gesundheit des Kranken nahm pach und nach wieder so stark zu, daß ihm zur gänzlichen Wiederherstellung nichts mangelte, als daß man den durch die fistulösen Geschwüre unbrauchbar gemachten Schenkel und Fuß nun wieder herzustellen, und die durch ein gelblichtes Aussehen sich annoch offenbarende Cacochymie der Safte zu verbessern suchen mußte. 17 » XIV. Carl M. Blom, Beobachtungen über die Witterung und Epidemien von Dalk earlien. Gemacht von Anfang des Jahrs 1772. bis zu Ende des Jahrs 177;. ..v > — * > I. Ueber die Witterung und Epidemien des i?72sten Jahres. I e n n e r. Witterung. Vi^s siel viel Schnee/ und fast den ganzen Monat hindurch blies ein heftiger Nordost Wind. — Es schneyte nemlich zwischen denk ersten und eilften alle 24 Stunden einmal/ manchmal mehr/ manchmal weniger / und den 7 / 8 / und 9ten war der Schnee mit einem starken Sturm begleitet. Den irten und izten ward das Wetter wieder helle und windstille/ dieser hatte sich nach Süden gewendet; aber bald drehte er sich wieder nach Norden und hielt so unter beständigen Stürmen und Schneegestöber bis den 25>ten an. — Erst jetzt gab es schönes/ aber auch kaltes Wetter/ indem der Thermometer 22 Grade unter den Gefrier-Punkt siel: den ;o. und zi. hatten wir gelinden Nordwind. *) Arcmk- *) Die Stadt Hedemore, wo diese Beobachtungen sind Rrankheiten. Ein anhaltendes Catarrhal-Fieber, das , sich schon in den feuchten und neblichten November ! und December Tagen des vorigen Jahres ankündigte, ' befiel jetzt sehr viele Leute, und wurde zugleich bösartig. — Das Fieber schien mir seiner Natur nach am nächsten mit demjenigen überein zu kommen, wel- ^ ches im März 1766. graßisrt hatte, doch war es mehr entzündungsartig, und von folgenden Zeichen und Zufällen begleitet: — In der ersten Periode waren die Kranke ein Paar Tage lang erlegen, fie befanden sich nicht wohl, und verspührten Eckel und ein reifsten im Unterleib. — Zweyte Periode. Alsdann bekamen fie, gewöhnlich gegen Abend, einen kleinen Schauer und Fieberfrofi, der fie die Nacht durch nicht schlafen ließ, und am folgenden Morgen noch stärker wurde, so daß die Kranke sich streckten; der Puls war dabey geschwind und gespannt, es kam Kopfweh, Hitze, Steifigkeit des Halses, Rückenschmerzen, oft auch andere unter einem Schulterblatt, die man für pleuritisch hätte halten kennen, dazu. Dritte ! Periode. Zwey Tage nachher kam noch ein kitzelnder Husten dazu, und die übrigen Zufälle wurden > fiär- gemacht worden, ist an einem abhängigen und geräumigen , aber von allen Seiten mit Bergen und von der Morgen- uvd Abend-Seite mit Seen umgebenen Orte, gelegen. Man heißt daselbst die Kälte mäßig, wenn das Quecksilber im schwedischen Wärmemesser des Celsius nicht über 20 Grad unter den Gefrier- Punkt fällt; stark wenn es auf 20 — Grade fällt, und sehr heftig, wenn es, welches nicht selten begegnet, z; bis ;4 Grade unter den Gefrier-Punkt fällt. 174 starker, so daß nicht nur die Erlesenheit grosser, der Unterleib gespannt und aufgetrieben, die Verschlimmerungen des Fiebers welche allemal mit Anbruch der Nacht erfolgten, anhaltender, die Haut trocken und rauh wurde; sondern daß die Kranken sogar zu delirieren anfiengen. Wenn man in dieser Periode den Puls untersuchte, so war derselbige wenn die Krankheit aufs höchste gekommen, ziemlich gleich, aber geschwind und hart, (in der Epidemie des Jahrs 1766. war er klein; wahrend den Paroxysmen aber inter- mittierte er sehr oft) die Zunge war meistens mit einem weißen and zähen Schleim überzogen, doch war sie mehrentheils weich, ausgenohmen im Anfang und während der grösten Hitze des Fieber Anfalls. Der Urin war sehr veränderlich: denn bald war er dick und trüb, bald aber dünn, fast durchsichtig, bald war er rvthlicht. vierte Periode. Meistens erfolgte den achten oder neunten Tag eine Crists. Dann nnn wurden alle Zufälle gelinder, die Haut wurde wieder je länger je weicher: ein gelinder und allenthalben gleicher Schweiß verbreitete sich über den ganzen Körper: der Urin bekam einen weißlichten und oft einen leimichten, gleichsam mehlicht- erdigen Bodensatz. Husten und Auswurf wurden leichter, häufiger, dicker, da sie vorher stark, trocken und dünn waren: und so kamen die Kranken, zwar etwas langsam, wieder zu ihrer vorigen Gesundheit. — Bey einigen wenigen war auch ein Nasenbluten, bey noch wenigeren ein Durchfail der Vorbotte einer im Werk seyenden Crisis. Dieses epidemische Fieber besiel sehr viele Menschen, tödete aber nur wenige. Zu seiner Heilung ward meistens fürs erste eine Aderlaß erfordert, be- son- -75 sonders bey solchen / die einen starken Rücken«, oder gar anscheinende pleuritische Schmerzen hatten. Das aus der Ader gelassene Blut war alsdenn mit einem weißlichten Fell überzogen, das aber gar nicht so zähe wie jenes beym Seitenstechen und der LungenEntzün- dung, war. Nach der Aderlaß thaten einschneidende, gelind abführende, oder zugleich Erbrechen und Laxieren verursachende Mittel, z. B. der Salmiak mit der Arons oder Schwerdt Lilien Wurzel; Rhabarber mit Weinsteinrahm: ein laues, verdünnendes Getränk gute Dienste, und die Krankheit ward auch dadurch glücklich gehoben. Diesen Monat bekamen viele den Schnuppen (Loryrä Lc Qravecko. ) — Einige litten auch an Zahnschmerzen, welche sich gerne in einen Absceß des Zahnfleisches oder der Musceln des Mundes endigten. Einige wurden auch von heftigen Colik Schmerzen (künftig werd' ich, wenn's erlaubt ist, die Krankheit eine Dvsenterieartige Colik ( Lolics Oyssen- reroiäes) heissen) geplagek, dle mehrere Tage lang anhielten, und endlich in einen blutigen Durchfall übergiengen. — Mir schien sie von der feuchten und kalten Lust herzukommen, welche die ausdünstende s Oefnungen verschlossen, die unmerkliche Ausdünstung auf die Gedärme zurückgetrieben, und daselbst eine ^ Anhäufung einer scharfen Materie verursachet hat. iIch gebrauchte dagegen folgende während einer lau gen Praxis nützlich befundene Mittel: -- erweichende und einhüllende Clystiere: laxierende Digestiv Mittel: zum täglichen Getränk einen mit Milch vermischten Aufguß der Hollunder-Blumen: und Packpapier, welches ich mit Weinstein, oder noch besser mit Weingeist wo- worirm Campher aufgelöst worden, befeuchten, und auf den Unterleib legen ließ. — So mußte ich nur selten um den Durchfall zu stille«, zu adstringieren- den oder Schmerzstillenden Mitteln Meine Zuflucht nehmen. Hornung. IDitrerung. Bis den isten blies abwechselnd ein Ost-/ oder Nord-Wind, wobey es die einen Tage schneyte, die andern schönes und kaltes Wetter machte. Es schneyte den i, ;, 4/ 5, 8, 14; hingegen heiterte sich der Himmel den 2, 6 , 7, 9, " und 12 üllf. Vom isten bis den r;ten war der Himmel immer bell, die Witterung aber sehr kalt. Der Wärme-Messer stand während dieser Zeit, vom 26 bis ;;ten Grad unter dem Gefrierpunkt, und der Wind blies bald aus Norden, -bald aus Süd-West. Den Listen kam ein stürmischer West-Wind; nachher aber und bis zu End des Monats hatten wir bey mäßiger Kälte einen Südwestwind (IH 5 ). Krankheiten. Daß Epidemische Fieber des vorigen Monats hielte noch an, jedoch war es mit mehr Beängstigung über der Brust, und mit einem gleichsam rheumati» sehen Schmerz im Hals und in der Gegend der Schulterblätter begleitet. — Man mußte daher, wenn die Kranken nur einige Erleichterung verspühren sollten, öftere Aderlässen verordnen, und selbige innert wenigen Tagen wiederholen. Schon die Zähigkeit und Entzünduugs-Aehnlichkeit des dicken Theils des Ge- -77 Nüts (Omar), schien dieses zu erheischen. Daneben war es oft am vortheilhaftesten den Husten durch ein Opiat zu lindern / und mehr als vorher jemals, das ^ trinken lauen Getränks zu empfehlen. t Hie und da fand man noch eine Dysenteriear- ! tige Colic: an dem catarrhalischen Husten wa- ! ren sehr viele krank. Gegen End des Monats stellte sich bey mehrere» Personen eine Lungen-Entzündung ein. März. Witterung. Den ersten regnete es mit einem Süd-West-Wind. Den 2ten bis yten war der Himmel bey einem Westoder Nord-West Wind heiter, die Kälte mäßig. Den loten war das Wetter neblicht, den uten blies ein Nord-Ost-Wind, der mit Schneegestöber begleitet war. Vom >2ten bis 2;ten kam die Kälte wieder, und das Wetter war beständig helle, unterdessen daß der Nordoder Nord-Ost-Wind blies. Nachher bis zum End des Monats hatten wir Süd-Wind, Regen, oder Schnee abwechselnd. Rrankheiten. Es zeigten steh hie und da Rötheln. Die Epide- j mim der vorigm Monate blieben. ! Die Kinder wurden jetzt sehr von Würmern ge- j plagt. — Woher das kommen mochte, weiß ich selbst j noch nicht recht! Das aber habe ich öfters beobachtet, daß die Würmer alsdenn am unruhigsten waren, und die meisten Zufälle erregten, wenn die Witterung vorher kalt, oder anhaltend neblicht und feucht gewesen. M Möchte i?8 Möchte es etwa von eingesogenen Kälte- oder lieber Salpeter-Luft-Theilchen herkommen, die in den Gedärmen den Würmern oyngefähr auf gleiche Weise zusetzen, wie getrunkenes kaltes Wasser? oder entstand dieses etwa von der neblichten und feuchten Luft, welche die gewöhnlichen Ausleerungen und Absonderungen verhindert, und so Anlaß zu Erzeugung scharfer und faulichter Unreinigkeiten in den Gedärmen gegeben hat, die diesen Thierchen nicht so gar angenehm seyn mochte? Oder wirkten vielleicht beyde Ursachen zugleich?— Der ersten Hypothese, wenn ichstenemltch so nennen darf, entspricht die Meinung unsers Rosen von Rosenftein, die' er Fragsweise so vorlegt *): Würde nicht vielleicht ein Tüchlein das man im kalten Wasser befeuchtete, und auf den blossen Unterleib auflegte, die Würmer besänftigen können ? **) — Die zweyte Hypothese hat die Erfahruug für steh, daß in bösartigen und Faul-Fiebern oft Würmer durch den Stuhlgang abgetrieben werden. A p r i l l. Witterung. Bis zum ?ten hatten wir den Tag über Helles und sehr angenehmes, die Nacht durch aber sehr kaltes Wet- *) Man sehe sein goldenes Buch: von den Kinder-Krank- heiten auf der Seite in der mit einem Stern, chen bezeichneten Note, nach der 1771. heransgekom- menen schwedischen Edition. (1.) Hippocrates sagte schon ehemals, .wie bekannt der ganze Körper (-x°>- ) dünste nicht nur aus sonder auch ein welches Gale« Wetter. Diese Tag über hatten wir West-Wind , welcher sich den 8len in einen Südwind veränderte / der uns Regen brachte. Zwischen dem 9ten und i/ten wäre die Witterung sehr veränderlich; sehr selten wäre das Wetter helle, meistens tröpfelte, nebelte oder regrme es Wechselsweise. Den i8te» riten und 22ten fiel ein feuchter Schnee, der von Westen herkam; es heiterte sich aber den 2;ten wieder auf, gefror alle Nächte, und fuhr so unter beständigem Nord- und Nord-WeG Winde bis ru Ende des Monats fort. Rrankheiten. Hie und da fand sich noch das epidemische anhaltende Catarrhal-Fieber: Die Röcheln und Mas fern breiteten sich je länger je weiter aus, und erfor- i derten gemeiniglich, wegen dem damit verbundenen stavz ! ken Husten, vornehmlich bey erwachsenen eine Aderlässe. Es stiessen mir auch viele katarrhalische Husten auf. Es gab einige Ribben-Fells-Entzündungm t wenige intermittierende Fieber. May. Witterung. Wind nnd Wetter waren noch den ganzen Monat durch veränderlich. Den i, 2,;, 4, chen blies ein Nord- West-, den 5, s, 29, ;o, ;iten ein West-, den 8 , 9 und vom 16 bis r4ten ein Nord- vom io bis istett ein Süd- oder Süd-Ost-, und vom 25 bis 28ten ein Süd-West-Wind« Dabey war das Wetter den isten M L bis nus so erklärte, als wenn Luft durch ausdünstende und einlangende Oefnungm aus und eingienge. 182 bis 4ten, 7, w bis izten helle und mäßig kalt: etwas mehr kalt war es vom iz bis 24ten: es schmyte und war feucht den 8/9, 16, i/tenz'wolkigt mit Staub- oder Plazregen, den s, 6, 14, 15, 29 bis ;iten; und endlich wieder helle und warm vom 2/ bis 28ten Tag dieses Monats. Rrankheiren Das mehrmals schon angeführte epidemische Fie, ver verminderte sich sehr, und verschwand gegen End dieses Monates gänzlich; aher an seine Stelle kamen intermittierende eintägige oder reine dreitägige Fieber. *) Zu *) Die intermittierenden Fieber sind jetzv in Dalecar- lien sehr gemein, da sie doch vor dreyßig Jahren noch daselbst sehr selten, ja bey den Bauren ganz unbekannt waren. Folgende Ursachen mögen dazu beygetragen haben: 1. Das jährliche Aushauen der Wälder, wodurch dem Nordwind und besonders dem im Frühling und Herbst sehr heftig blasenden Nordwest-Wind freyer Durchzug gemacht worden, daß er also desto kräftiger auf den Körper wirken kann. 2. Die gewöhnliche Lage der Häuser und Hütten der Einwohner , die meistens m Thälern in der Nähe von Teichwasser aufgebauet sind, wo also die feuchten, neblich- ten Dünste in Menge aufsteigen, aufgefangen werden, stocken, und leicht eingesogen werden. Die wollüstigere Lebensart des gemeinen Mannes, und die leichtere und offenere Kleidungsrracht, worinn er auch auf seine Weise den grossen Herren nachahmen will. — Durch alle diese Ursachen insgemein und durch jegliche insbesondre, wird die freye Ausdünstung leicht unterdrückt, dieses giebt Anlaaß,zu Erzeugung i8i < Zu den letzter» gesellete sich auch eine intermit- l tierende pleuresie, die man, wenn man ihr gern einen besondern Namen geben wollte, füglich die eintägige (guori^ionariL) nennen könnte; Diese war manchmal tödtlich, manchmal sehr schwer zu curieren. Sie sieng mtt einem sehr heftigen Schauer an, worauf Kopfschmerzen, Hitze, geschwinder und harter Puls, engbrüstiger Husten, und ein stechender Schmerz vor- l ne auf der Brust, wie bey der Entzündung des Mit- ^ tel-Fells und Herzbeutels, erfolgten. Man durfte da- ! her zu erst mit Recht anuehmen, die Krankheit seye ^ meist entzündungsartig. AVer ein neuer leichter Fie- - verschalter, der alle Nachmittage wieder kam, das jeden Morgen gänzliche nachlassen dks Fiebers, und der Urin, der durch die ganze Krankheit einen Ziegel- fleinartigen Bodensatz hatte, verriethen ihre compli- eierte intermittierende Natur nur allzubald. Wann ! aber schon das Fieber nachließ, so wurden dennoch die pleuritischenr Schmerzen um nichts gelinder, sondern sie nahmen vielmehr von Tag zu Tag zu, wenn man ! sie nicht durch die Oefnung einer Ader zu lindern trach- ^ tete, oder die ganze Krankheit durch eine glückliche Crisis gehoben wurde. Aber nur sehr selten ereignet sich hier eine vortheilhafte Crisis. Es stellte sich zwahr gemeiniglich am sechsten Tag eine solche ein: aber sie kam entweder unter Gestakt eines Nasenblutens, das erst dann aufhörte, wenn die Kranken ohnmächtig ge- M; worden eines zähen Schleims in den Gedärmen, die Circa- lation des Geblüts wird langsamer, und der seröse , Theil desselben endlich scharf; und möchte nicht eben ' das vielleicht die prädisponierende Ursache aller inter- ! mittierenden Fieber seyn? i worden, oder das Fieber veränderte sich darauf in ein Tertian Fieber (rerrisna lubimrsn«), welches oft lauge anhielt, und sich erst auf den anhaltenden Gebrauch der bewährtesten Mittel ergab. Die gleichen W rkungen brachte auch eine reichliche Aderlaß am Arme zuwege», daher man mit Verordnung derselben sei r behutsam seyn mußte.-Bey der Cur dieser Epidemie leisteten folgende Mittel mir die vortref- lichsten Dienste, nachdem ich zuvor eine kleine Aderlaß hatte vorhergehen lassen; r. Der gereinigte Salmiac; durch selbigen ward die Wallung des Geblüts sicher geschwächt, und er diente zugleich bey dem in den Gedärmen sich angesammelten zähen und klebrichten Scyleim, als ein gutes einschneidendes Mittel, z. Die Rhabarber, das englische-, und tartaristertes Sodafalz, um den Stuhlgang qelind offen zu erhalten. Wenn alsdenn die Unreinigkeit alle hinlänglich ausge, führt worden, so dorfte man nur die Fieber-Rinde geben. So wurde dem allzulangen anhalten des Fiebers vorgebogen, und es artete dabey auch nicht so leicht in ein unordentliches intermittierendes Fieber aus. Die Rötheln fanden sich in diesem Monat noch häufig: hm und wieder waren gallichte Colicken vorhanden: uud bey vielen Kindern zeigte sich ein flech- tenartiger Ausschlag (Lxambems Lerxißines resyrens) bey andern Leistenbeulen. B r a ch m o n a t. witerrrng. Endlich verschwand der Schnee, und die Felder fiengen an zu grünen. Dann gleich mit Anfang des Monats stellte sich ein West-Wind mit so lauer Witte« runK rung ein , daß die bisher zugefrorne Erde sich nunmehr ! aufthat und unzählige Blumen und Kräuter aus ihrem Schoose hervorbrachte / welche auch noch fast jede Nacht mit Thau, und den 7, 8, 1?, 20, 2^, 24, 2yten mit Regen und Platzregen erfrischet wurden. Vom izten bis ryten bliesen dazu noch sanfte Süd- oder Süd-West-Winde. Den 6ten und i8ten hatten wir keine Donnerwetter. Ueberhaupt wäre der ganze Lrachmonat sehr angenehm, und Himmel und Erde j w tteiferten, wer den andern an Schönheit und Reitz i übertreffen könnte. Rrankheiten. > Die Rötheln hielten noch an, und wurden gegen End der Krankheit, oft von einem peripneumoni- schen, oder mit einem hectischen Fieber, wenn die Oberhaut schon sich abzulösen ansteng, begleitet. — i Ersteres wurde durch wiederholte Aderlässen, letzteres i durch eine mit Ziegen-Milch vermischte Abkochung der ^ Fieber-Rinde gehoben. i Intermittierende Fieber waren häufig, und rheumatische Zahnschmerzen, und langwierige Rheumatismen hie und da vorhanden. In der Nähe der Stadt Hedemore entstand jetzt ein mit Petechien begleitetes eintägiges Fieber, (zmpkimerin.i perecbiran«). Es befiel die Menschen nur sehr langsam. Sie beklagten sich anfänglich über von freyen Stücken erfolgende Müdigkeit, über Er- ^ Wagenheit in den Gliedern, wobey es ihnen war, i als wenn selbige zerbrochen wären, über Eingenoh- i menheit des Kopfes und unruhigen Schlaf, ehe das i Fieber ausbrach. Dieses befiel die Kranken mit ' M ^4 Schauer, r84 Schauer, worauf bald heftige Hitzen kamen, dabey war-er Puls geschwind, zusammengezogen und schwach, die Kranken bekamen Kopfweh mit Schwindel, Eckel, (oft erbrechen) Herzdrücken, einen unauslöschlichen Durst, und rauhe, trockne Zunge, einen dünnen und bleichen Urin, und etwann vier oder fünf Tage nach der Erscheinung des Fiebers, brachen endlich, das An gesiwt auegenvhmen, am ganzen Körper rothe ode vraunrothe Petechien hervor. Bey allen war das Ft- ver gerade im Anfang mit gänzlichem Vertuest dr Kräfte begleitet. Einige Kranke, besonders die, vel- che vollblütig waren, lagen in einer beständigen Jer- wirrung: andere lagen ganz matt und stille die gmze Krankheit über, da. Bey einigen kamen ganz mten im Rachen Schwämmchen Optier) zum Vorscheine, die eben kein Vvrbvtte der wiederkommenden Gsund- heit waren; auch war es ein schlimmes Zeichen, eir Vorholte des unausbleiblichen Todes, wenn die kranken einen kalten, klebrichten Schweiß bekamen, -rr von Beklemmniß über die Herzgrübe, zücken der Sehnen und einem schwachen und intermittierenden Puls begleitet wurde. Solche starben gewöhnlich am eilften oder vierzehenten Tage der Krankheit. Um die gleiche Zeit (und selten früher), schied sich auch die Krankheit, Sey denen, die wieder gesund werden sollten. Sie bekamen nemlich alsdenn einen lauen, über den ganzen Körper gleichmäßig sich verbreitenden Schweiß, einen trüben Harn, sie lagen ruhiger im Bett, und die übrigen Zufälle hörten endlich auch einer nach dem andern, aber fehr langsam, aus. — Die einzigen Abführungs- une Brech-Mittel, die man theils gerade im Anfang , theils auch den ganzen Verlauf der Krankheit hindurch geben konnte, thaten hier hier gute Dienste. — Auch der mit Tamarinden-Mark versetzte Sennes- Blätter« Aufguß, deme man auf ein Pfund ein oder zwey Gran nach der Schwedischen Pharmaeopöe bereiteten Spießglas-Weinstein beymisch- - te, bewiese sich hier sehr gut; indem er zngleich ein gelindes Erbrechen und hinlängliches laxieren zuwege- brachte. — Da das Geblüt immer dünn und aufgelöst war, so mußte man sich um so viel mehr vor Aderlässen, schweißtreibendem Mitteln und Alexiphar- cks hüten. H e u m o n a t. Witterung. Der Anfang dieses Monats war bis zum uten wie der vorige heiter und warm, ausgenohmen den rten, da ein stürmischer Ost-Wind blies, und den 9ten da es donnerte; die Hitze vermehrte sich daher auch von ! Tage zu Tag. Nachher ward der Himmel mit Wol- ^ ken überzogen, und es siel ein erwünschter Regen, und l so auch den ixten und 28ten. Die übrigen Tage dieses Monats hatten wir überaus schönes und beffändi- ' ges Sommerwetter, wobey, wie gewöhnlich, dieküh- i len und sanften Hunds-Tags-Winde, der West-Wind nemlich, und der Süd-Wind weheten. Rrankheiten. i Einige wurden von der Wassersucht befallen; und einige von denen, die schon vorher damit behaftet ge° t wesen, starben jetzt daran. — ES bestätigte sich auch hierinn der Ausspruch des unsterblichen -Auxham, daß nemlich bey trockner und sehr warmer Witterung die gallichten Bestandtheile des Bluts vermehrt werden, M x daß 186 daß seine stößigeren Theile verfliegen, und die dickeren zurückbleiben, undhaher Obstruktionen entstehen, welche zu einer Zerreissung der lymphatischen Gefässe, und diese hinwiederum zu Wassersüchten den Anlaß geben. Es gab wenige intermittierende Fieber, und wenig Röcheln mehr; und — welches sonderbar ist — das eintägige Flecken-Fieber, welches den vorigen Monat zu entstehen schien, verschwand nun, fast unvermerkt, gänzlich. Hingegen hatte steh bey ausserordentlich vielen, das Seitenstechen eingefunden: und in der Stadt Soe- theren zeigten fich gutartige Pocken. Augstmonat. Witterung. Die ersten acht Tage regnete es bey immer um- wölktem Himmel fast beständig, und der Wind blies dabey entweder aus West oder Süd. Den sten hatte sich zwahr der Himmel aufgeheitert, aber am roten regnete es wieder den ganzen Tag durch. Nachher war es bald schön, bald regnigt. Den uten blies ein Ost Süd Ost Wind, der fich aber bald in einen stürmischen Nord-Wind verwandelte, welcher Wolken und Kälte zu uns brachte, und bis den roten anhielt. Besonders war die Nacht des isten sehr kalt, und that in Feldern und Gärten vielen Schaden. Vom 21 bis 2?ten brachten West- und Süd- West- Winde alle Tage Regen, bis das Wetter endlich vom 28 bis ?>ten bey einem Nord-West-Winde wieder schön und helle ward. Rvank- r87 ! Rrankheiten. Noch hatte ich einige wenige an Rötheln und . Pleuresien kranke. Hingegen vermehrte sich die Anzahl der Pocken« kranken, auch auf dem Lande, um vieles. Viele bekamen denGchnuppen und Heischerkeit. Einige bekamen auf einmal bald an den Sehen« kein, bald im Gesicht, bald am Hals oder den Handen, manchmal auch am ganzen Cörper eine Windgeschwulst , welche sie für etliche Tage ins Bette legte. — Diese schienen oft in einem mitleidenswürdigen Zustand zu seyn, nicht so fast wegen der Schmerzen, i der S teistgkeit und der übrigen Beschewrden, welche die ' Geschwulst verursachte, als vielmehr wegen des ungestaltet« und scheußlichen Aussehens des Gesichts, da nemlich die Augen so aufgeblasen waren, daß sie ver- ' schloffen wurden, und der Mund offen war, und die Lippen weit von einander stuhnden. Da aber diese , Geschwulst wegen des vorhergegangenen kalten und - feuchten Wetters von gehemmter Ausdünstung herkam, so wiche sie auch sehr gerne schweißtreibenden Mit- ' teln, die man jeden andern Tag mit einem sbführen- ' den Mittel abwechselte. Herbftmonat» Witterung. , Im Anfang des Herbstmonats waren die Tage ^ sehr schön, die Nachte aber meistens so kalt, daß es ; gefror. Die Winde weheten auch bis den ,6ten aus i West oder Nord-West. Den i stell kam ein Süd-Wind rmd siit ihm zugleich abwechselnd öftere Staub- und ' Platz- i88 Platz-Regen; welches so bis zu Ende -es Monats fortwährte. Krankheiten. Diesen Monat verschwanden, Gott Lob! die Rötheln ganz. Die übrigen Epidemien giengen in ihrem Laufe fort; nur kamen noch einige neue Krankheiten hinzu/ nemlich: stüßige Zahnschmerzen/ chronische Rheumatismen/ und einige sehr wenige viertägige Fieber. W e i n m o n a t. Witterung. Den ersten Tag dieses Monats regnete es am Vormittage/ des Nachmittags heiterte es stch von Abend her auf. Der zweyte bis zum uten waren bey einem Süd-West-Wind / mäßig warm. Der zwölfte war dunkel / der Himmel mit Wolken umhängen / und bald nachher kamen Regen mit Windstürmen aus Süden. Vom i 6 ten bis 24ten hatte es sich wieder aufgeheitert/ wobey ein sanfter West-Wind die Luft in Bewegung setzte. Dann wäre den rsten ein mit Schnee begleite- teter Nord-West Wind, und vom röten bis zu End -es Monats blies ein Ost-Wind / der mit Staubregen und sehr dickem Nebel begleitet war. Krankheiten. Die Pocken häufig / aber nicht sehr tödtlich. Ziemlich viele rheumatische Zahnschmerzen/ Schnuppen/ und katarrhalische Husten. Einige (Quartan Fieber. Hier und da ein gallichtes Seitenstechen. — Diese 189 Diese Gattung von Lungen- oder vielmehr von Lun- genfaul - Fieber ward gegen das Ende des Monats zu erst beobachtet, und befiel ins besondere alte Personen, und Leute von einem phlegmatischen Temperament. ^ Es entstand ohne Zweifel von Anhäufung scharfer und zäher Feuchtigkeiten, welche die Zellen der Lungen zuerst anfüllten, dann daselbst stockten, faul wurden, und hernach sich der Masse des Geblüts beymischten: daher entstand nun ein faulartiges Fieber, und ein stechender, entzündungsartiger Schmerz in dem Rib- Lenfell.— Es fieng mit einem Fieber, engem Athem, § Husten, heftigen Schmerz, besonders in der Gegend !des Brustbeins und der falschen Ribben, an, so daß °es einer Mittel-Fells-Entzündung ähnlich sah: allein lman konnte es dennoch leicht von dieser unterscheiden, KN dem unterdrückten und weichen Puls, an der nicht bothen, sondern bleichen und schwarzgelben Gesichtsfarbe: an der grossen Entkräftung, die schon von -Anfang der Krankheit erfolgte, auch an einem stinkenden, gallichten Durchfalle, der bey den meisten nach wenigen Tagen sich einstellte. Einige wenige brachen mitj Heftigkeit Galle weg: die meisten andern hingegen hatten nur Reibungen zum Erbrechen. Am fünften oder sechsten Tag erfolgte ein Auswurf, welcher dünn und gemeiniglich gelblicht, manchmal auch mit blutigen Streifen untermischt war. Diese Krankheit war alten Leuten am meisten ge, fährlich, und sie waren gewiß des Todes, wenn der Durchkält oder Auswurf am 4 ten oder 6ten Tag der Krankheit in Stecken geriethe, wenn ein leichtes und vorübergehendes jrre seyn dazu kam, und die eine tzlSange — welches gemeiniglich diejenige von der Seite war, wo der Schmerz in der Brust sich befand — mit 192 mit einer blühend- oder dunkelrochen Farbe überzogen wurde. Bey solchen waren alle angewandten Mit* tel, wiederhatte Venäsectionen (2), antiphlogiftische Mittel/ Schröpf-Köpfe / Blasen-Pflaster, die man auf Brust und Waden legte/ vergebens. Sie starben gemeiniglich am siebenten?/ achten / oder neunten Tage. Bey der Leichenöfkiung war die Lunge/ und insbeson* dre derjenige Flügel derselbigen / in welchem der grö- sie Schmerz gewesen / mit einem schwarzen und klum- perichten Geblüt, und die Luftröhren-Aeste mit einer stinkenden und faulen Materie angefüllt befunden. Die Gedärme waren sehr von Winden ausgedehnt / an vielen Orten dunkelqelb gefärbt von Galle/ an andern schwarz und brandicht. — Bey andern besonders jungen Personen / hatte die Krankheit nicht so viel zu bedeuten : sie schied sich nemlich bey diesen gewönhlich um den siebenten oder neunten Tag durch einen häufige»/ kritischen Schweiß. — Bey der Cur bediente ich mich der gleichen Mittel / die ich sonst beym anhaltenden Faulsieber gebrauche. Ich ließ nemlich sehr wenig Blut, und nur mit Schröpfköpfen abzapfen. Ich verordnete häufig digestiv und abführende Mittel / vorzüglich, solche, die zugleich erbrechen und Stuhlgang zuwegebracbten. Statt entzündungswiedriger Mittel gab ich den Salpeter und Weinsteinrahm allein, und ließ einen Aufguß der Stengel des Hindischkrauts (OulcamL^) häufig trinken. *) Den Husten beförderte *) Ich habe diesen Aufguß oft sehr wirksam befunden, wo mein Endzweck war, das zähe und geronnene Geblüt zu Verdünnern, zu reinigen und aufzulösen. Daher gebrauche ich es sehr oft in Fiebern, besonders in enk- zündungsartigen. derte und erleichterte ich entweder mit dem Syrup des Hyssops nach der schwedischen Pharmacopöe (p, oder mit dem Meerzwiebel Sauersüß (Ox/m. lcilir.) Auf die schmerzhafte Seite der Brust ließ ich Blasen- Pflaster auflegen / und Bähungen aus den erweichenden und auflösenden Kräutern applicieren; und mit diesen Mitteln bestritt ich, bey den meisten Patienten mit gutem Erfolg, diese schlimme Krankheit. W i n t e r m o n a t. ' Witterung. Fast durch den ganzen Monat, war der Himmel in dichte trübe Wolken gehüllt. Schon von Anfang desselben entstanden sehr dichte Nebel, welche bis den r6ten Tags und Nachts blieben, wobey es bald stärker bald weniger stark regnete. Während dieser Zeit kam lvon Osten her ein kalter Wind, der aber so stille war, !daß er auch nur nicht eine Feder bewegte. Zwischen 'dem i 7 ten und roten wandte er steh zwahr ein wenig nach Norden, wobey die Luft sich aufheiterte, aber sehr kalt war, und es ein wenig schneyte: nachh^x jaber bis zu Ende des Monats, bey neblichter und un- igesunder Witterung fortdauerte. Rrankheiten. Die Pocken graßierten annoch. Der gallichte Sejtenstich verschwand in der Mitte dieses Monats nach und nach: hingegen nahmen Rheumatismen und falsche pleuresien seine Stelle ein. Auch die Windgeschwulst, deren ich im Äugst, mionat Meldung gethan, kam jetzt wieder vor. Bw her 192 «»»»»»»»»»« her glaubte ich , diese Krankheit seye nur die Folge einer unterdrückten Ausdünstung: da sie aberjetzo fast epidemisch graßierte, so bewog mich dieses zu glauben^ es möchte etwa die gleiche Krankheit gewesen seyn, welche Herr von Gorbait inden^ü>8 Karurse cu- rioloium beschreibt, die er eben daselbst auch eine wundGcschwulst nennt, und von deren er sagt sie sey bey den Oestreichern epidemisch? Es gab ziemlich viele und zwar mehrentheils feuchte Augen Entzündungen (OpkrallinL UumiciK). Einige bekamen Schnuppen und Heischerkeit; andere wurden von heftigen Anfällen von Engbrüstgikeit geplaget. Christmönüt. Witterung. Bis zum 6ten blieb die Lust noch neblicht und leucht, und der Wind wehrte aus Osten. Den ?ten stellte sich aber ein Nord-Wind, und mit ihm der Winter ein. Den yten war es sehr kalt. Den uten hatten wir Schnee. Nachher kam ein Nord West-Wind, der mit schönem aber kaltem Wetter bis den iften an' hielt. Darm wechselten wieder bis zu Ende des Jahres Schnee, Helles Wetter, Nord-Winde und Nord- Ost-Winde mit einander ab- Krankheiten. Die Pocken nahmen stark ab; hingegen gab es sehr viele catarrhalische Husten und Rheumatismen. Auch jetzt entstand, besonders unter dem gemeinen Volk ein erschreckliches epidemisches Fieber. Dieses war war nemlich ein eintägiges Faul-Keder(4), das die Menschen zu taufenden tddete, und bis in den Weinmonat des folgenden Jahrs fortdauerte. Dieses kam ganz gewiß vorzüglich von zwey prädisponierenden Ursachen her, welche- beyde zugleich wirkten, einerseits nemlich von der Luft/ welche das ganze letzte Viertel Jahr hindurch feucht und nebiicht gewesen, und dann von Theurung im Korn *), unter welcher fast ganz Schweden von Ende dieses Jahres, bis zu Ende des Herbstes des töufttgen Jahres seufzete. Dadurch wurden nach und nach die Fasern geschwächt, die Ausdünstung Hinterhalten, der Kreißlauf des Geblüts langsamer gemacht, und die Säfte allzuzahe: daher entstanden alsdeim Verstopfungen in den Eingeweiden, verminderte oder fehlerhafte Absonderung des Milch-Safts (clixlus) und endlich gleichsam eine allgemeine Verderbniß und Faulniß der Säfte. Die Krankheit verbreitete steh aber nicht nur aus diesen Ursachen allein, soudern auch, weil die herumirrenden N Bett- *) Diese Theurung vom Korn, kam theils von der grossen Sonnen.Hitze im Brach- und Heumonat, theils von der kalten Nacht des i;ten Augusts her. Beyde thaten dem Felde unermeßlichen Schaden: beyde waren den Menschen und dem Wehe verderblich. — Denn die Menscheu, und besonders die ärmere Classe dersel- bigen, hatte damals etliche Monate nichts zu essen, als Baum-Rinden, Heckerling, Strohhalme, gcdörr. te und wieder weich gekochte Knochen u. s. w. — Und das Vieh bekäme entweder allerhand Moose, Baum- flechten, Heidekraut (llriLs.), Tann-Kreiß, oder mußte (und so kamen viele Pferde um) aus Mangel an Furier geradezu crepieren. Bettler das ansteckende Gift allenthalben hinbrachten. Diese kamen aus den oberen Theilen von Dalecarlim hieher, und mit ihnen auch das Verderben bringende Fieber. Die Zeichen und Zufälle, womit dieses bösartigste der eintägigen Fieber begleitet war, waren folgende: Eine Entkräftung, die schon drey bis vier Tage vor dem Fieber-Anfall kam: ein Uebelbeffnden: dumpfe Kopfschmerzen: ein unruhiger Schlaff: vorübergehender Frost und Schauer, besonders den Rü- ken hinauf, und in der Lenden-Gegend. . . Darauf kam das Fieber selber mit starrendem Frost, heftigerem Kopfwehe, einer Hitze und Rothe des Gesichts, nnd einem gleichsam augenblicklichen Verlurst der Kräfte. Der Frost gieng dann bald in ein neues schauern, aufweiche alsdenn wechselsweisc ohne Ordnung Hitze und Schweiß kamen, bald aber in eine brennende Hitz, die nachher beständig blieb, über. Der Puls war meistens sehr geschwnid und klein; jedoch bey einigen war er, aber selten, voll und hart. Sehr viele beklagten sich über die heftigsten Kopf- und Rückenschmerzen: andere hingegen blos über eine Steifigkeit des Halses und einen Schmerz in den Schenkeln und Knien. Einige hatten im Anfang der Krankheit Eckel und Erbrechen; andere, und zwahr die mehreren, hatten einen häufigen, äusserst stinkenden Durchfall, der die ganze Krankheit hindurch verschiedentlich gefärbt, bald wie Galle, bald braun, bald grün, bald schwarz war. Der Schweiß roch bey den einen faulicht, bey anderen säuerlicht. Die Zähne waren mit einem weissen zähen Schleim überzogen. Die Zunge war im Anfang weiß and unrein, nachher trocken und braun, und zuletzt wnrde sie schwarz und rauch. ! rauch. Die Haut war beym befühlen weder allzutro- ken und heiß, noch allzukalt; aber am dritten, vierten oder fünften Fieber-Tag ward sie allenthalben mit , violetten, oder braunrothen Petechien bedeckt. Man fand solche am häusigsten am Hals, auf der Brust, dem Rücken und den Armen: nicht daß etwa darum an den übrigen Theilen des Körpers gar keine anzutreffen gewesen waren, denn sie brachen bisweilen allenthalben aus, und blieben oft nach der Crisis des Fiebers zurück. Der Urin war gewöhnlich roh und bleich: bey einigen war er dnnkelroth, setzte aber niemals einen Bodensatz, als gegen das Ende der Krankheit. Dieser war dannzumal weißltcht, und bildete gleichsam mehltcht-schleimichte Schollen. Einige kranken wurden von einem Husten geplaget, der bisweilen stark genug, aber niemals mit Auswurf begleitet war. — Das Fieber war aus der Classe der anhaltenden: es verschlimmerte sich allemal gegen Abend, und ließ am Morgen zwischen sechs und neun Uhr wieder ein wenig nach. Es beobachtete keinen bestimmten Typus, ^ keine gewissen kritischen Tage. Einige kranke genasen ^ wieder gegen den eilften Tag, andere erst nach einigen Wochen. Einige waren sehr verwirrt, und diese hat- ! ten rothe feurige Augen. Einige konnten fast gar ' nicht mehr reden; andere schrien und sangen, und konnten niemals stille seyn. Viele hörten während dem : Lauf des Fiebers nicht gar wohl: andere endlich empfanden unter den falschen Ribben einen über alles j heftigen Schmerz; diese bekamen bald nachher das ' Schluchzen, einen kalten Abbuchten Schweiß, eine Aufgedunsenheit (mcreorilmuz) des Unterleibs; sie , konnten nur mit ausgestrecktem Hals athmen, und ! starben endlich. u. 796 s— «MW» l!. Ueber die Witterung und Epidemien des r77Zsten Jahres. Jenner. Witterung. Die Kälte war jetzt sehr scharf: den erste« hatten wir Schnee mit Regen, den 2, ?, 4, s, und 6ten mäßig kaltes und Helles Wetter; alles dieses schien uns für diesen Monat eine trockenere und viel gesündere Witterung zu versprechen, als die der drey letzter» Monate gewesen war; allein wir wurden in dieser angenehmen Hofnung sehr betrogen, indem das feuchte Wetter schon den 7ten wieder ansteng. Diesen Tag über, wie auch den 8ten, yten, und roten regnete es ein wenig, das Eis thauete auf, und der Wind blies aus Süden, oder aus Süd-Osten. In der Nacht auf den uten gab es zum Zeichen der wiederkommenden Kälte, Eiszapfen: Diese Kälte hielt auch wirklich bey einem Nordwind, vom i2ten bis den i8ten an; darauf kam aber wieder bis zum acht und zwanzigsten ein Südwind, wobey es neblicht war, und auflhauete. Den 2ssten hatten wir Nord-Ostwind mit Schnee begleitet, und nachher kam ein ziemlich kalter Nordwind, der den ;osten und Listen anhielt. Rrankheiten. Das eintägige Faulfieber welches zuerst im Christmonat des vorigen Jahres erschienen war, hatte sich jetzt weit umher verbreitet, und so tiefe Wurzeln gefaßt, daß schon in den ersten acht Tagen dieses Monats , wohl schwerlich weder in der Stadt noch auf dem Lande ein Haus zu finden gewesen wäre, das nicht ^97 l - nicht mehrere an diesem Fieber Kranke gehabt hätte. Zugleich waren schon viele daran gestorben; es war also höchst nöthig, daß man einem so gefährlichen , Feind, zu begegnen trachten mußte. In dieser Ab- ^ ficht schickte ich den 9ten Jenner in alle Städle und Kirchspiele Arzneyen, und ließ die Verhaltungs-Regeln und Hilfsmittel, die man bey dieser Krankheit gebrauchen sollte, publicieren. Diese Anweisung that, Gott Lob! die beste Wirkung, und taufende wurden dadurch gerettet, und daher hab' ich es für dienlich erachtet, selbige hier von Wort zu Wort herzusetzen. Ich mußte, um von dem gemeinen Mann besser : verstanden zu werden, diese Verhaltungs-Regeln in ? drey Hauptstücke eintheilen, wovon das erstere dasjenige in sich begriff, was man zu Verhütung der Krankheit zu thun habe: — Das zweyte Anweisung gab, wie die nun ausgebrochene Krankheit zu behandeln sey/ und das dritte diätetische Regeln für die nun wieder gesund werdenden angab. ' /v. Ich gab folgende Vorsichts-Regeln zu l Verhütung der Rrankheit. i.) Niemand, als ^ nur die eigentlich zur Hülfe des Kranken nöthigen und ^ bestimmten Personen, sollen in die Krankenhäuser, ^ oder in die Zimmer zu den Kranken kommen, am wenigsten selbige ans blosser Neugierde besuchen, oder ' sich lange bey ihnen aufhalten. 2.) Alle gesunde soi- ; len während der kalten und neblichten Witterung mit - dicken und wohl verschlossenen Kleidern sich versehen, j ?-) Zugleich soll man darauf Acht haben, daß sowohl l in den Kammern der gesunden als der Kranken, eine immer erneuerte, gesunde Luft vorhanden seye: Dazu ist nichts besser, als w enn man die Thüren und Fenster von Zeit zu Zeit öfnet: wenn man die meiste - N z Zeit 198 Zeit durch/ brennendes Feuer im Zimmer unterhält: wenn munden Fußboden desselbigen alle Tage ein oder zwey male mit frischem Tannkreise bestreut, das man zuerst mit Weingeist oder Eßig wohl geflossen hat: wenn man in den Ecken des Krankenzimmers alle Morgen grosse Wassereimer oder andere mit frischem Wasser angefüllte Gefässe hinstellt, den Tag über da stehen läßt, des Abends das Wasser ausschüttet, und wieder frisches Herbeyschaft; und endlich wenn man das Zimmer öfters mit Eßig den man auf ein glühendes Eisen, oder in eine Kohlpfanne gießt, ausräuchert. *) **) 4.) Gesunde und Kranke sollen ihre Wäsche oft abändern, die allemal ganz trocken und mit Schwefeldampf durchräuchert seyn soll. ***) s.) Sie sollen auch, so viel möglich, unter alle ihre Speisen Weineßig mischen, und gekochtes, darnach wieder abgekältetes und eben damit sauer gemachtes Wasser trin- *) Die neueren Physiker und Chemisten, ein Muschen, broeck, priestley, Bergmann, Scheele und andere , haben bewiesen, daß das Wasser die Luft stets anziehe und einsauge. **) Der berühmte Huxham lobt den Dampf des mit Campher vermischten Eßigs sehr, um die verdorbne Luft in den Kerkern und Hospitälern dadurch zu verbessern, in seinen Oper. lileäic. Tom. I. x. 271. ***) Man erzählt von, ich weiß nicht was vor einem alt-ge- wordenen Arzte, daß er sich sein ganzes Leben durch vor der Pest nur dadurch verwahrt habe', daß er keine andere Wäsche, als solche, angelegt, die zuerst in Wasser, worein man Schwefel that, war abgekocht worden. 199 trinken. 6 .) Wenn sich jemand etwas lange in feuchter Luft oder bey Kranken aufhalten muß, so solle er die Angelika Wurzel oder Wachholder-Beeren fleif- stg kaue«/ den Mund dann und wann mit gemeinem Weineßig, oder mit dem vier Räuber-Eßig (Vmaigrs cis8 guarre Voleurx) (s) ausspÜhleN/ und damit arch die Hände waschen. 7.) Daneben sollen dieje- rige, welche den Kranken abwarten/ ßch hüten, daß fe weder mit dem Mund noch mit der Nase den von öen Kranken aufsteigenden faulen Dunst auffangen, md deßwegen sollen ste, wenn fie ihnen etwas helfen, >der sie im Bett aufheben müssen, so gut als möglich das Gesicht weghalten, und den Speichel gar richt herunterschlucken. L. Zur Cur der Krankheit schlug ich folgendes vw: Sobald man an den schon beschriebenen Zeichn erkennt, daß jemand von dieser Krankheit seye besillen worden, so solle man demselben r) ein Brechmittel *) geben, und dasselbe nach den Um- N 4 stan- *) Ich verschrieb den erwachsenen ein Brechmittel, ettweder aus der Rinde der Ruhrwurzel, oder aus dem Svießglas-Weinstein, oder aus einem Aufguß von einer Handvoll gedörrter und verschnittener Toback-Blätter, (man nennt sie gewöhnlich Disteln (Laräus)), die iber Nacht mit zwölf Unzen doppelt abgezogenen Weirgeists in warmer Asche gestanden hatten. Ich ließ das Brechmittel immer im Anfang der Krankheit geben, obsschon ich auch im ferneren Verlauf derselbe» Nntzey davon gesehen. Doch durfte ich es nicht allen Subjecten geben : ich förchtete mich davor bev Schlagflüssen, bey solchen die einen Bruch hatten, bey solchen die Blut spieen, bey Auszehrenden, 2SS ständen, d. i. nachdem der Eckel noch groß, die Zunge noch unrein, und annoch bitterer Geschmack im Munde vorhanden ist, zwey bis dreymal wiederholen. 2.) Nach dem Brechmittel, oder wenn der Gebrauch des Brechmittels durch die eine oder andere Ursache ist untersagt worden, auch gerade von Anfang der Kraßheit , soll man sehr frühe am Morgen ein Pulver aus zwey Gcrupel Rhabarber und weinfteinrahm geben, daß die Oefnung dadurch befördert werde, und dieses Pulver entweder alle Tage oder jeden andern Tag, je nachdem es die Kräfte des Kranken erlauben , wiederholen, so lange als das Fieber zunihm und sich gleich bleibt, z.) Zugleich sollen des Tagt über, d. i. von Morgens um acht Uhr, bis Abend» um zehen Uhr alle Stunden zwanzig bis dreyßig Tupfen von dem fäulnißwiedrigen Syrup der Mweli- schen Pharmacopöe (6.) mit zwey Unzen gemeinem oder Gersten-Wasser verdünnt, eingenohmen, und )a- neben Wasser mit Eßig vermischt zum gewöhnlichen Getränk häufig getrunken werden. 4.) Wenn nährend dem Fieber der Durchfall zu stark überhandnehmen , und sich weder auf den Gebrauch des Rhtbar- ber-Pulvers noch des fäulnißwiedrigen Syrups geben will, dann gebe man Morgens und Abends eir Pulver aus einer halben Drachme Weinsteinrahn und zehen Gran Brechwnrzel; oder der Kranke tarn auch ein Pulver aus vier Gran Brechwurzel, eir viertel Gran gereinigten Mohnsaft und zehen Grm Citro- nenzucker dreymal des Tags nehmen; diesis letztere Pulver wirkt gelind auf den Schweiß, u>v mäßiget daher bey Hypochondrien, hysterischen un- schwängern Weibern. 2Ol daher- mit Sicherheit die allzuheftigen Ausleerungen durch den Stuhlgang. 5-) Wenn auf den sorgfältigen Gebrauch dieser Mittel sich die Umstände des Kranken dennoch nicht bessern wollen, derselbe noch immer unruhig, verwirrt und gleichsam empßndungslos da liegt/ so soll man ihm ungesäumt entweder auf den Nacken oder auf die Waden ein grosses Vlasen- pflaster/ oder auch zwey etwas kleinere auf die Schläfe applicieren. 6 .) Wenn aber die Krankheit sich zur Besserung neigt / und das Fieber angefangen hat ein wenig nachzulassen (welches nian mit Sicherheit daraus erkennt/ wenn der Puls voller und langsamer-/ die Zunge reiner-/ der Kranke ruhiger ist/ und der Harn einen weißlichten Bodensatz fallen läßt/) dann gebe man des Morgens zwey bis dreymal einen Scrupel Fieber-Rinde; oder lasse den Kranken um die gleiche Zeit ein Pfund eines aus folgende Art bereiteten (Quaßien-Holzaufgusses trinken: Nihm ein halbes Quentchen g raspeites Quaßien-Wurzelholz (kckgri. Kuck. ckcrLlvrn), schütte selbiges in ein Pfund siedendes Brunnen-Wasser'/ laß es kalt werden/ und trinke es dann in einigen malen aus. 7.) Endlich sotten die/ welche von der Krankheit sich zu erholen anfange»/ wenn das Fieber gänzlich gestillt ist / acht Tage hindurch / oder länger / alle Tage ein Paar Gläser voll vom Aufguß der bitteren Kräuter *) trinken. N 5 *) Nihm: Lachen-Knobläuch-Blätter (kol. Lcorckii) Krauscmünz-Blätter (kol. Nenchse crilxT) von jedem gleichviel, nach Belieben. Verschneide und gieb sie. <7- Zuletzt gab ich noch den genesenden folgende diätetische Regeln: i.) So bald ein gewesener Kranker wieder aus dem Bette aufzustehen im Stande ist, so soll er alle Tage fleißig in seinem Zimmer herumspazieren, um sich dadurch Bewegung zu geben-; dieses soll er täglich in dem Maasse immer mehr thun, als es ihm seine Kräfte zulassen. 2.) Im Essen soll er mäßig seyn, und die harten Speisen recht gut kauen. — Er soll also nicht viel Speisen auf einmal , sondern öfters wenige aber wohlgekochte genies- sen. Er soll auf einmal nicht mehr als sieben bis acht Stunden hintereinander schlafen. 4) Er soll trachten, wo möglich, alle Tage Oefnung zu haben: wenn der Stuhlgang zwey Tage lang aus bleibt, so soll er ihn zu befördern suchen. 5.) Er soll öfters rrine und trockene Wäsche anlegen. 6.) Wenn er es im Stande ist, so mag er wohl wieder an der freyen Luft arbeiten, aber er muß sich dabey recht warm ankleiden. Die Pocken hielten auch noch an, uM waren zu meiner Verwunderung gelind und gutartig. Hornung. Witterung. Den isten, 2ten und ;ten war die Kälte stark, das Wetter helle und der Wind blies aus Norden. Den vierten hatten wir West-Wind und es thauete ein wenig auf. Vom sten bis loten hielt der, West-Wind noch an; das Wetter war dabey helle und mäßig kalt. Den 1 tten — i4ten kam ein Nord-Wind, welcher uns ein wenig Schnee brachte. Den isten und i6ten wäre die Luft dicht und neblicht und der Wind blies ! blies bald aus Süd / bald aus Süd-West. Den isterr und 2oten hatten wir bey einem Süd-Wind Helles Wetter: den risten und rrsten hingegen wurde es wieder neblicht und ein scharfer Wind säusele aus Süd-Osten. Den 2zsten und 241'len schneyete es immer: Der Schnee wurde so tief, als er diesen Winter noch nie gewesen, und der Wind blies stets noch aus Osten. j)en 25, 26, 27, hatten wir bey einem Süd-West- ' Wind Helles Wetter und eine mäßige Kälte. Den 28ften Schnee und Ost-Wind: — Also auch in diesem Monat der öfteren Abänderungen der Luft und Witterung genug! ^ Rrankheiten. > Das beschriebene epidemische Fieber wüthete im höchsten Grade fort und versammelte nicht allein hier, sondern auch in der benachbarten Provinz West- > mannland sehr viele zu ihren Vätern. j Auch die pochen graßierten noch immer. — l Sonst hatten wir keine andere Krankheiten. ! März. Witterung. Der erste Tag dieses Monats war heiter und angenehm: der 2te trüb und wolkicht: an diesem blies der Wind aus Süd-Ost, an jenem aus Süden. Den z, 4, und sten Süd-Wind, Regen und Thauwetter. Nachher kam die schönste Witterung beym heitersten Himmel, wobey Süd- und Süd-West-Winde abwechselnd bliesen. Dann kam den 28, 29, und zosten ein kalter Nord- und stürmischer Pord-Ost-Wind. Den z isten Süd-Wind, feuchter Schnee und Regen Schauer. Rrank- Rrankheiten. ^ Noch haben wir die gleichen Epidemien wie die vorigen Monate, und es gesellen sich auch noch siebrische Rheumatismen dazu. . Viele beklagten sich noch über einen catarrhal ! Husten. — Andere über Zahnschmerzen/ und l noch andere über Geschwülste im Rachen und ^ Entzündung der Mandeln. " Aprill. l Witterung. ^ Vom ersten bis fünften thauete es immer auf/ ' und der Schnee des vorigen Winters WM M kleinem Regengeftöber das aus Süden sgm, fast ganz aufgeweicht und weggewaschen. Den besteht gebrauchen: und dadurch wurde der Kranke bald wieder hergestellt. Nachher hatten wir zehrn Tage lang das schönste Wetter, die gemäßigteste Witterung, und abwechselnde Süd-Ost oder Süd-Winde. Zu dieser Zeit thauete auch das Eis auf den Seen auf, und stet zu Boden. Den i/ten Süd-Weft-Wind und starker Regen: nachher bis zu Ende des Monats Nord-Wind, wobey es am Tage trocken und kalt, des Nachts aber zum vcr- frieren kalt wäre. Rrankherten. Das Faulfieber grassiert jetzt noch, doch nicht mehr so häufig, und im Verhältniß der daran sterbenden bey weitem nicht so strenge. Auch pockenkranke haben wir noch. Rheumatismen , Husten, Heischerkeit und Katarrhen sind sehr häufig. Bey Kindern trift man einen Durchkält, der bisweilen einfach, bisweilen blutig ist, an. May. Witterung. Den ersten regnete es, bey einem sehr kalten Ost- Winde. Den 2ten und zten war es Windstille und Helles Wetter. Darauf wieder Süd-Ost oder Ost- Winde bey kalter und ziemlich regnichter Witterung bis zum siebzehnten. Von diesem Tag an bis zum ein und dreißigsten blies beständig ein Süd-Wind, das Wetter war helle und warm, den 22, 2;, 27, mit einem fruchtbaren Regen, und den 29ten mit einem leichten Donnerwetter und Platzregen untermischt. Rraukheiten. Die poEen verschwinden allmählich: nur das Faulsieber wüthet noch immer gleich fort. Zu 206 Zu Anfang des Monats gab es einige Ribben- fells- und Lungm-Entzündungen und der Durch- fall, welcher sich des vorigen Monats bey Ktnderm gezeigt hatte, ist nun in eine epidemische Ruhr übergegangen *). Brach- *) Es verdient von der Ruhr noch angemerkt zu werben, daß sie im oberen Dalecarlien alle Jahr meistens in dem Brach- und Heumonat sich zeiget, und daselbst eine epidemische Krankheit ist. Wahrscheinlicher Weise hat sie alsdann folgende Ursachen: Die Einwohner gehen während diesen Monaten Mann? für Mann in die waldigten Gegenden, damit sie in d.cn Wiesen, de- ren sie in jenen Thälern und an den Be rgen eine grosse Menge haben, Heuernde halten, und selbige besorgen können. Sie bleiben daselbst zwey bis drey ganze Wochen lang, und leben während dieser Zeit von nichts anderm, als von einem halbgekochten Brey aus Gersten. und Bohnenmehl, das mit Ziegenmilch zubereitet wird, und bedienen sich dabey einer Art Brod, die entweder aus Baum-Rinden, oder aus dem ausgelaugten und ungesäurten Malz, welches beym Bier- brauen zurückbleibt, (in der Landessprache heisst es IMüe) gebacken wird. Bey ihrer Arbeit trinken sie bis genung Wasser, und bekümmern sich wenig darum, ob selbiges rein und Quellwasser, oder aber Sumpf» und Teich-Wasser sey. Wenn man jetzt noch dabey bedenkt, daß sie, um ihren Durst zu stillen, auch die Beeren des Heidel-Beerstrauchs, wo sie selbige antreffen, häuffig gemessen; und daß sie die Nächte durch — welche um dieselbige Zeit in diesen Gegenden ziem. lieh kalt sind — auf die blosse Erde sich hinlegen und schlaffen, so wird man sich gewiß nicht mehr wun« dern, daß aus einer so verkehrten Diät zuerst eine 2O7 Brachnionat. Witterung. Die zwey ersten Tage blies freylich ein angeneh- > mer und sehr warmer Süd-Wind/ der aber bald einem Nord-Wind Platz machte, welcher vom dritten bis zwölften blies, und die Temperatur der Luft so sehr veränderte, daß man hätte glauben sollen, der Winter wäre wieder vor der Thür. Den zten blies er besonders kalt, und den 4 und sten gab es Schneeflo- ken: zwischen dem sechsten und zwölften regnete es sehr oft. Nachher bis zu Ende des Monats ward es wieder aufs neue laulicht Wetter, der Süd-Wind kam wieder, und die Luft ward hell. Krankheiten. l i Diesen und die zwey folgende Monate, mähete, leider! der kalte Arm des Todes so viele Menschen dahin, daß ich noch nie eine so grosse Sterblichkeit erlebt hatte. Es starben Nemlich an der Ruhr Kinder, Jünglinge, Männer, Greisen haufenweise ohne Unterschied - dahin. Jedoch den Kinderen war sie am meisten todt- ; »ich. Sie war nicht immer mit den gleichen und ge- i wöhnlichen Zufällen begleitet, viele die damit befallen ^ wurden, hatten ein sehr starkes, bisweilen blutiges ^ Erbrechen, das andere male von einer Fieberhitze und ! geschwindem Pulse begleitet war. Ich weiß daher » nicht, ob ich diesen Vauchstuß unter die einfachen und l wahren scharfe und faulichte Materie in den Gedärmen, und von daher endlich cin gallichter Durchfalt, oder wahre Ruhr generiert werde. 2s8 wahren Rühren zählen, oder ob ich ihre Ursache in dem graßierendm Faulsieber, welches sich jetzt besonders auf die Gedärme versetzt hatte, suchen soll? O- der ob ich vielleicht beydes annehmen dörfe? Dem sey jetzt aber wie ihm wolle, genug, es war höchß nöthig zwey verschiedene Heil-Methoden einzuschlagen. Man mußte daher denen, welche Erbrechen und Fieber-Hitze hatten zu Ader lassen, und öfters schmerzstillende mit gelind stärkenden und anhaltenden versetzte Mittel geben: da man hingegen denen, welche die gewöhnlichen Zufälle hatten, mit Brech- und abführenden und endlich mit adstringierendm Mittel» zu Hülfe kommen mußte *). Einige *) Ich bediente mich gewöhnlich folgender Methode zur Lur dieser Epidemie. ,) Wo erbrechen, oder deutliche Zeichen einer zu b.förchtmden Entzündung in den Eingeweiden vorhanden war, da ließ ich an dem Arm eine Ader öfnen. 2) Gab ich ein sehr gelindes abfüh. rendes Mittel aus einem Tamarinden Decoct. ;) Ich verschrieb ein alle vier Stund zu wiederholendes Pulver aus zwey Gran von der Rinde der Brechwurzel, drey Gran Quaßien Exkract, ein Viertels Gran Möbn- saft, und fünf Gran Pichurim Bohnen. 4) Ich ließ oft ein flanellenes Tuch, das in einen lauen Aufguß von Hollunder-BIumen getaucht war, als Fomenta- livn auf den Unterleib auScgcn, und verordnete 5) häu° figes nach den Umständen einzurichtendes Getränk, entweder aus Gersten-Wasser, worinn Weinsteinrahm und Arabisches Gummi aufgelöst war, oder aus Stahlmilch (lsc cÜLlzceLcum). Wo aber die Ruhr ohne Erbrechen und Entzündungszei- chen vorhanden war, da verordnete ich 1) gleich Anfangs der Krankheit ein Brechmittel aus der Ipeca« 229 Einige Kinder wurden vom Reichhuften befallen — Einige Personen bekamen Schlagflüsse. Viele lagen noch am Faulfieber krank. — Ich selbst ward den sechsten Brachmonat damit befallen/ welches mich gar nicht Wunder nahm / indem ich sechs- zehn Tage und Nächte vorher immer auf Reisen und bey Kranken seyn mußte/ also nicht die strengste Diät beobachten konnte / und daneben am letzten Tag des vorigen Monats eine Leichendfuung gemacht hatte * *). O Den cuanha Wurzel, welches oft zum zweyten male genehmen werden mußte. 2) Nachher gab ich zwey, drey Tage lang ein abführendes Pulver aus Weinsteinrahm und Rhabarber, von jedem zwey Scrupel. Nach» her gab ich alle Morgen die halbe Desis von diesem Pulver. 4) Wenn dadurch die häufigen Stuhlgänge, Stuhlzwang und Grimmen im Bauch ein wenig gemildert worden, so gab ich alsdcnn gegen die Nacht eine Drachme Therme, oder Fracastors Lachen-Knoblauch Latwerge. *) Die Geschichte dieses verstorbenen Mannes ist so merkwürdig und sonderbar, daß ich selbige ganz herse- zen will. .Er war siebenzig Jahr alt, von starker und vollblütiger Leibes-Beschaffenheit, hatte in seiner Jugend stark gearbeitet, ward darauf Verwalter von Ei» sengruben, deren Befitzer er nachmals in seinem mittlern Alter ward , seine Lebensart veränderte er dabey in eine sitzende und müßigere, liesse sich wohl seyn, und trank häufig Coffee. Unterdessen blieb er doch bis in sein ein und fünfzigstes Jahr bey vollkommener Gesundheit: nachher bekam er unvermerkt ein Zittern dn Kopfes und der Hände, wovon das letztere von Jahr zu Jahr so sehr zunahm, daß er um das sechzigste Jahr herum nichts flüßigeS mehr zum Mund brineges Den 2, ;, 4ten Brachmonat verspührte ich eine von freyen Stücken kommende Müdigkeit, ein Uebelbefinden, Eckel und stumpfe Kopfschmerzen; Diesen Zufällen setzte ich den sten, aber ohne Linderung, ein Brechmittel konnte. Er mußte sich also der Hilfe anderer Personen bedienen, wenn er Suppen oder Getränk gemessen wollte. Zu gleicher Zeit fienq er auch an, auf eine elende Weise, krumm, und nach einer Seite gebogen einher zu gehen, und bekam noch dazu eine solche Steifigkeit in den Füß- und Knie-Gelenken, daß er ohne Hilfe von dem Orte, wo er faß nichr aufstehen konnte. Zu diesen Uebeln gesellte sich noch chic zitternde, heisere Stimme, eine grosse Hitze am .ganzen Körper, Vollblütigkeit, die oftmals unmäßiges Nasenblu, ten zuwegebrachte, und ein sehr beschwerlicher Husten. Allen diesen Uebeln setzte er nach dem Rath der geschicktesten Aerzte die vorzüglichsten Nerven-Mittel, einheimische Mineral- und das Spaa-Wasser, kalte Bäder, und Tropf-Bäder, und Aderlässen, öftere Application der Schröpf-Köpfe, kühlende, entzün- dungswidrige abführende Mittel u. s. w. aber ohne allen Nutzen entgegen. In seinem acht und sechzigsten Jahre veränderte sich endlich die* Scene ganz. Das Zittern verschwindet nun beynahe auf kinmal, so daß er wieder, wie vormals, da er gesund war, mit seinen Händen essen und trinken konnte: statt des Zit- terns aber kamen so heftige Krämpfungen, die ihn be. sonders, wenn er im Bette war, sehr plagten, daß er nicht nur einmal, sondern sehr oft die untere Wand des Bettes mit seinen Füssen aus ihrer Zusamenfügung herausstiesse. Darneben wurde der ganze Körper, der vorher gekrümmt und auf eine Seite gebogen war, nun gerade und sehr steif. Daher wurde ihm auch das einhergehen und spazieren sehr beschwerlich, so daß Mittel entgegen. Den 6 ten hatte ich einen herumir. renden Schauer: ich wiederholte heute das Brechmittel. Am 7ten des Morgens verspürte ich Fieberhitze, starken Durst, brennende und klopfende Kopfschmer- O 2 zen: er nicht anders, als wenn ein Knecht ihn mit seinen Händen vom Rücken her unter den Achseln un. terstützte, gehen konnte. Ueber dieses bekam er noch während dem gehen eine so wunderbare Bewegung in den Füssen, die mit stampfen und so geschwinden, hüpfenden und kurzen Schritten begleitet war, daß man hätte glauben sollen, der Kranke habe eine Tanzkrankheit, und zwar diejenige, welche Gauvages die ei« lende (kLeloryrds keliiusns) nennt. Im Anfang seines neun und sechzigsten Jahres kam noch eine jückende Krätze der alten (Scabies xruriens lenilis) dazu, die wenn man daran kratzte eine sehr dünne, scharfe Jauche ergoß: eine vorübergehende periodische Verwirrung, während welche« er in dem einen Augenblick vernüns. tig redte, in dem andern allerley unzusamenhängendes daher murmelte: ein heftigerer Husten, mit einem fau- lichten stinkenden Auswurf, sein hohes Alter, en kleinen Bächen kein Wasser mehr; hingegen war O 4 dcese tel rühmen, sagen, es seye am Ende der Krankheit, versteht sich, wenn die gehörigen Brechmittel und Abführungen sind gebraucht worden, ein vortrefliches schmerzstillendes und stärkendes Mittel. 216 diese Witterung dem reifwerden vielerley Gartten-Ge» säms sehr günstig. Rrankheiten Endlich fängt die Ruhr, Gott Lob! an, erin we nig abzunehmen, wenigstens wird ste etwas gellinder und hat nicht mehr so viel traurige Folgen, w)ie dt> vorigen Monate. Hingegen scheint das Faulfieber zwar nicht allenthalben, aber -och hie und da unter dem gemeinen Volk wieder aufzuleben. Es kamen in diesem Monat auch einige herrbitli che dreitägige Fieber zum Vorschein, die manch mal doppelt waren, und alsdann unsre jungen Sterile und Wundärzte sehr an der Nase herumfülhrter. Der eine Paroxismuskam nemlich am Morgen des/r- sten Tags, der andere am Abend des darauf folg,enlen u. s. w- was diese Herren aber am meisten inVe.'rvir- runq setzte, war das, daß die Anfälle so veränderlich waren, indem ste nemlich oft um drey oder vier Sunden früher kamen, und manchmal nicht mit eiiem Schauer, sondern mit einem heftigen Kopfschme-zen, Ohnmachten, starkem Drücken über der Herzgrube den Anfang machten, worauf erst alsdann Hitzen k-men, der Puls voller wurde, und zuletzt ein saurer Shweiß ausbrach. Noch wurden einige von Zahnschmerzen und Rheumetismen sehr geplaget. W e i n m o n a t. , Witterung. Die jetzigenSüd- und Süd-West-Winde, macht« daß das Barometer bald stel, worauf den 2, 4, und 217 und slen bald kleine Regen erfolgten. Zwischen dem 6 und i8ten war das Wetter bey einem Nord- oder Nord-Ost-Winde wieder helle und etwas kühl. Den 19, und roten weheten Ost-Winde, und die Witterung war wolkicht, neblicht und trüb. Den 21 bis zu Ende des Monats bliesen meistens Ost-Winde, es war immer etwas regnicht und die Luft mit dichtem Nebel verdunkelt. Nur den 26ten wehete eiu Süd-Wind, und den dreyßigsten ein stürmischer Süd-Ost-Wind. Krankheiten. Schnuppen und Husten waren in diesem Monat häufig. Die Ruhr hatte gänzlich aufgehört, und nur einige wenige lagen noch am Faul-und dreytaglgen Fieber krank. W i n t e r m 0 n a t. Witterung. Dieser Monat steng mit eben der feuchten und neblichten Witterung an, mit welcher der vorige geendet hatte, und bis zum 2;ten blies beständig ein gelinder, mit Regen begleiteter Süd-Wind. Die Luft war jetzt also sehr ungesund, allenthalben war viel Gewäs- ! ser, und der Boden bis auf eine grosse Liesse leimicht und kothig. Endlich den 2;ten kam ein kalter Nord- Ost-Wind, worauf es die folgende Nacht und den kommenden Tag sehr kalt war. Den 2sten blies der Nord-Wind und das Thermometer fiel sechszehn Grade unter den Gefrierpunkt. Den 26ten hatten wir Nord-West-Wind niit ein wenig Regen begleitet. Den 27tsn und28ten regnete es bey einem Süd-West-Wind, Den 29ten fiel ein feuchter Schnee, wobey der Süd- O 5 Wind 2l8 Wind wehete; aber den zoten war es wieder helle/ kalt, und der Nord-Wind brauste. Rrankheiten. Diele hatten noch Schnuppen und Husten: andere wurden von Engbrüstigkeit geplaget. . . . Viele bekamen auch heftige Anfälle von der Bräune, die oftmals mit Vereiterung der grossen Ohrdrüsen begleitet waren. Einige wenige hatten stechende rheumatische Schmerzen. Chriftmonat. Witterung. Es schneyte zwar bis zum neunten alle Tage ein wenig, und ein kalter Süd-Ost-Wind -urchsausete die Lüfte, aber dennoch hatte steh der Winter noch nicht recht eingestellt, sondern es war vielmehr am roten rechtes Herbst-Wetter. An diesem Tage, so wie auch den lo, ii und 12 und izten thauete es immer auf, und der Süd-Wind verursachte dicke Nebel. Vom is bis 2sten herrschte der Ost-Wind wieder. Nachher kam ein Nord-Wind, der bis zu Ende des Jahres von schönem und kaltem Wetter begleitet war, obschon das Barometer noch nicht unter 24 Grade und z5 Linien herunter gefallen war. Rrankheiten. Gleich zu Anfange des Monats entstand unter der wohlhabender» Classe von Leuten ein anhaltendes Catarrhal Fieber, bey welchem ein grimmiger Schmerz im Rücken und den Gliedmaassen verspührt wurde. .'wurde. — Es gieng demselben allenral einige Tage lang ein trockener Husten und ein Schnuppen vorher/ worauf es sich alsdann schnell einstellte; man konnte !es also leicht von einem fiebrischen Rheumatismus welcher zu gleicher Zeit steh zeigte / unterscheiden. — Dasselbe war dnrch Aderöfnungen, Abführungen/ durch Fomentationen von Haberkernen / die man mit Milch bis zur Brey-Consistenz einkochte / leicht zu heben/ und dauerte auch niemals langer als sieben Tage lang. Die Epidemien vom Wintermonat hatten noch nicht aufgehört, und eine bald sixebald zurücktretten* de Gicht schien sich zeigen zu wollen. 0) Der Ritter Rosen kam von der Beobachtung, daß ein Bandwurm / den man mit kaltem Wasser be» gießt, in eben demselben Augenblick zu Boden sinke/ und gleichsam wie tod da liege / auf die Gedanken:, ! daß er ihn wohl wurde abtreiben können / wann er jdem Kranken ein abtreibendes. Mittel gäbe/ und ihn, >eben wenn dies seine Wirkung äussern sollte / eine , Menge klaren Wassers nachtrinken liesse. Herr Assessor DareliuS/ Lindhult und Pros. Sidren haben ihm Beobachtungen mitgetheilt/ die diesen Gedanken einen hohen Grad von Wahrscheinlichkeit geben. Und van den Losch (ttilior. conüitur. epiä. verminolse. I^ugZ. Lsr. S. ?sr) berichtet / daß ei- ! nige Leute Wider die Spuhlwürmer nach eingenohme- z neu starken Purgiermitteln mit Vortheil eine Menge ' kaltes Wasser nachtränken. . . . Mich dünkt aber er habe sehr recht/ wenn er zuletzt sagt: » Wäre „ es möglich, daß das Wasser im Magen und in den „ den Gedärmen eine halbe oder ganze Stunde seine „ Kalte behielte/ oder wäre es möglich, die Zeit so „ abzupassen, daß das Wasser eben, wann das Pur- „ gier-Mittel seine völlige Wirkung leisten will, ge- „ trunken würde, und bald aus dem Magen in die „ Gedärme liefe, so würde dieses Mittel niemals fehl „ schlagen. „ Jedermann steht leicht ein, wie viel Bedingnisse Hiebey angegeben werden, und wie schwer ja oft unmöglich jedes einzelne derselben werde zu erfüllen seyn. Wären diese Hindernisse nicht, so glaube ich selbst, daß diese Methode eine der vortreflichsten, wahrscheinlich die beste gegen alle Arten von Würmern seyn würde. Bey gegenwärtiger Bewandtniß der Sachen aber halte ich das Mittel für höchst zweifelhaft, und auch dann nur in seltenen glücklichen Fällen für nützlich, wenn man selbiges nach R. Räch zu mehr malen anwendt. Ueberhaupt wird der Gebrauch des kalten Wassers in Wurmkrankheiten, auch in der Abficht in den meisten Fällen grossen Nuzen leisten, weil es die Gedärme stärkt, und dardurch die Erzeugung des zähen Schleims, des liebsten Aufenthalts der Würmer, hinderlich ist. — L 5 . Rosen von Rosenstein von den Kinderkrankheiten, übersetzt von Murray. 8 Götkingen und Gotha. 1774- S. 504.507. — (2) Möchten hier nicht die widerhollten Venä- sectionen mehr geschadet als genützt haben?-und warum geschieht hie, die Vesicatorien ausgenohmen, anderer als antiphlogistischer Mittel gar keine Meldung ? — (z) Irre ich nicht, so ist dieses der 8yrupus fcilliricus der neueren schwedischen Pharmacopöe (die ältere habe ich nicht bey Handen). Derselbe besieht aus: 8yUl1lE 22 ! yr 8^uiÜX xrsepLrLrse uncisin unäm,;l ! koliorum blsssoxi unciss ckuäs. 2inriberis nnciam lemis. Incisa maceremur in vale clauio, per NsQrhe- merum cum ^lguse bksssopi unciis iex Lc rriZinra. (tolarura exprsstä, Lc per luklickemiam ckepu. iLtg 6i6o1v3nrur Laccksii glbillimi uncise lex Lc rriginra. k4) ^mpklmerina xurriäa. Ich Wußte für die von den Alten entlehnte Benennung kein schicklicheres deutsches Wort aufzufinden als eintägiges Fieber. Man findet diese Benennung ausser Sauvages, bey den neueren Aerzten nur selten. Sie bedeutet ein anhaltendes Fieber/ das täglich mit neuer Heftigkeit wieder kommt / und zwahr jedesmal mit einem Froste / wodurch es sich nach einigen Schriftstellern von der sebri huoriäiÄNL conrinus unterscheidet: diese täglichen Anfälle find insgemein von der doppelt dreytägigen Art / so daß fie wechselsweise heftiger und schwächer find/ und auf diese Weise der erste und dritte Tag / der zweyte und vierte u. s. w. wiewohl nicht immer in Uebereinstimmung stehen. — ' (s) Das Recept dazu findet man m Unzers Handbuch/ und in den meisten Pharmacopöen unter dem Titul: i^cerum smcilspricurn karilienimm. Eine verbesserte und ziemlich abgekürzte Formel steht in Kickerii kbarmaciL rarionalis, pag. st. nc>. 270. unter dem Tittul tVcerum xroxhslLÜicum- Sie be* steht aus yr ksckicis ^ngelicse ^ kelsssrickis ans rmcias rrsb. ^erdse Lcoickii Kurse Kurse ans iei^u^uncism. Lorricum Lirri unciss gusruor. lVl^rrkse oprimse OrscliMLS iex. ^ceri Vini Kilrras iex. lienr in äigeüione, äonec ^cerum isturL- rum fuerir, blcrecur cum exxressione, Lc poties a66e, CsmpkorL uncism äimiäism, IVIucilägine Oum- mi ^rslrici iolurse. (6) Dessen Zusammensetzung ich meinen Lesern gern sagen wollte, wennZich selbige nur wüßte! . Warum muß ich doch die ältere Edition der schwedischen Pharmacopöe nicht bey Handen haben! Anmerkungen d. Uebers. Tabelle aller in dem Amt Hedemore im Jahr 177; gestorbener. dlL. Den 1 Januar desselbigen Jahrs zahlte man daselbst 16042 Seelen. Innert zehrn vorhergehenden Jahren, starben sonst jedes Jahr ohngefähr 4°° Personen. Alter der Versterbe' neu. Am Faulficber An der Ruhr An Pocken nnd ! Masern. An verschied- nen Krankheiten. Summe I A A K 8 zwischen r D" I. - 2 3> 27 14 19 I u. 3. 7 9 42 43 30 14 3 - 9- - 6 4i 29 22 18 9 - 10. 8 5 60 41 7 -4 1O - 15. - IO 3° 18 1 2 15 - 2O. 6 8 2O IO 20 - 25. 9 9 9 1 ! r; . Zo. 9 12 5 7 zo - z;. 9 9 10 1O 39 -40. 13 7 2 40 - 4;. 19 -9 8 lo 4? - 9°. ,8 42 n 12 90-99. 16 18 12 7 95 - 60. 9 > >9 12 11 60-69. 12 20 1O l6 6? - 70. 4 9 ,6 12 70»7;, 7 19 '4 21 7; - 80. 1 2 ? 9 Lumina 8« ' 8?/ 4 4 Gum- 8? -yo.. I >narum. 40.>00 I I-4Z. i98Ht^,.12-8.1 74.1 63.1:91. 289 - 224 Der Uebersetzer an den Leser. ! Da die in vorstehender vortreflicher Abhandlung vorkommenden lateinische Namen der Winde/ meistens ! sehr unbestimmt/ und bald bey diesem Schriftsteller j sv/ bey einem andern anders verstanden werden/ so hab ich mich im Text allemal der kürzesten bedient/ und glaubte nichts überflüßiges zu thun/ wenn ich zuletzt folgende Tabelle beyfügte / in deren erster Columne die vorkommenden lateinischen Namen der Winde: in der zweyten diejenigen teutschen Namen / deren ich mich in der Uebersezung bedient; in der dritten / die naher bestimmten deutschen Namen/ und in der vierten/ der Abstand eines jeden Windes von einer der vier Hirn- ! melsgegenden bestimmt wird. Lvreas. Nord. Nord. u, o' von rliord. a^uilo. Lsecias, Helles. Nord. Nord-Nord-Ost > 22, xomius. Zolanus, 8udsols- rm8chxc- Nord-Ost. Ost-Nord-Ost. 67 , liotes. Ost. Ost. o - v/ von Osten. i Lurus. 2, Vultui- NU8. Lüster, .. Ost. 2. SÜd. Ost. Ost-Süd-Ost. 22 , dlvtU8. Süd. Süd. o , c>/ vonSüden 1vlbonotu8 Süd-West Süd-Süd-West. 22 , I.il)8. 2epkyru8 Süd West West. Süd-West. 67 , s'LV0MU8. ärZestss, Citurus, Lorv8, West. Nord- West West. 0 ,'ostvvnWestcn. Venn Lee- Nord Ost. Hundstaq West-Nord-West 22 / ;o^. sti. lVlesebchu- Winde. Nord-Ost-Nord. 1 ; » roaqm'Io- Nord-OM NLris Lu- ronoMb. Süd-Ost.) unbestimmt. XV. XV. Adolph Murrap von einer Anbohrung der Urinblase. L------ --^ , r» hat eine dreyfache Art und Weise, wie matt den Harn aus der Blase zu schaffen pflegt, wenn der natürliche Ansführungsweg auf eine gar nicht zu behende Weise verstopft ist, und die daher entstehenden Zufalle dem Kranken den Tod drohen. Die erste Art - die Blase zu durchbohren, welche schon in den ältesten Zeiten gebräuchlich war, und auch noch heut zu Tage ihre Vertheidiger findet, wird in der Gegend des Mittelfleisches; die andre, welche Sharp sehr rühmt/ über den Schaambeinen: und die dritte, welche Fleurant erfunden hat, durch den Mastdarm hindurch vorgenohmen. 2. Wenn wir diese Operaticmsarten alle einzeln um tersuchen, und die Vortheile, welche einer jeden derselben eigen find, betrachten, so werden wir nicht lange über die unter denselben zu treffende Auswahl zweifelhaft bleiben können. Denn nicht allein die vom Ileurant selbst sondern auch von dem berühmten Schmucker O) angeführten Zeugnisse überführen? daß der Weg durch den Mastdarm in die Blase weit kürzer und ficherer sey, als jeder andre. Da indessen Fälle kommen können, wo weder die Durchbohrung P des 226 -es Mittelfleisches, noch des Mast-arms, ohne die gröste Lebensgefahr unternehmen werden kann, oder wo die Vortheile , welche anfangs dadurch erlangt worden find, bey fortdauerndem und täglich zunehmenden Hindernisse in der Harnröhre oder dem Hals der Blase sehr bald wieder verschwinden, so dörfen wir die Durchbohrung der Blase in der Unterbauchgegend nicht, wie einige zu thun pflegen, so sehr tadeln. Vertrankst beweiset es auf das unwieder- sprechlichste, daß diese Operation das einzige Mittel sey, das Leben des Kranken zu verlängern, wenn sich an dem Halse -er Blase eine schwielige Geschwulst erzeugt hat. Und ich selbst weiß aus der Erfahrung, daß dieselbe in dem von Vertrankst angeführten Falle mit dem besten Erfolge angewendet worden sey. Der Fall, welcher den Anlaß zu gegenwärtiger Streitschrift gegeben hat, ist kürzlich folgender: Zu Zürich in der Schweiß wurde ein starker ungesunder sechztgjähriger Bauer, nachdem er vorher herumirrende rheumatische Schmerzen gehabt, mit einer hartnäckigen Harnstrenge befallen, die manchmal zwar in Zwischenzeiten nachließ, aber doch schon überhaupt drey Jahre lang gedauert hatte. Er bediente sich gegen diese Beschwerden vieler Arzneymittel, die aber niemals von anhaltendem Nutzen waren; denn wenn man den Urin durch Bäder und erweichende Mittel wegzuschaffen im Stande war, so stillten steh zwar die Schmerzen auf einige Tage, aber nur um bald desto heftiger wieder zu kommen. Der Kranke glaubte, der Körper, welcher ihn am Urinlassen verhüt- 227 hinderte / seye auf einen so kleinen Ort eingeschränkt- daß er ihn mit den Fingern berühren und zeigen könnte: In diesen Umstanden suchte er, nach der Gewohnheit dieser untersten Classe von Leuten, wegen Forcht vor dem Messer, keine Hülfe beym Wundarzt, als bis er den Urin gar nicht mehr lösen konnte, der Unterleib sehr gespannt, und die Schmerzen äusserst heftig wurden. Endlich sah' er doch ein, daß sein Leben in Gefahr ftühnde, wenn er länger zauderte; er gieng also um sich helfen zu lassen in die Stadt And ward in das Hospital daselbst aufgenohmen. Hier wurde er der Besorgung des dasigen sehr geschickten Wundarzts, Herren Meyer, anvertraut, der ihm Aderlässen, erweichende Clystiere, und Ueberschläge auf den Unterleib verordnete, und auch die in dergleichen Fällen sonst so nützliche Bäder und Halbbäder anwandte. Er selbst versuchte es zu wiederholten Malen, aber jederzeit vergebens, das Wasser durch Hülfe des Catheters abzuzapfen. Wenn er mit dem Instrumente bis an die Blase gekommen war, so fühlte er allemal daselbst, einen demselben wieder- flehenden Cörper, und wann er dann das Instrument wieder herauszog,, so flössen einige Tropfen Blut nach. Indessen nahmen die mit der Verhüttung des Harns und der Entzündung der Blase gemeiniglich verbundene Zufälle so sehr überhand, daß man sich gezwungen sah seine Rettung durch eine etwas gewagte Operation zu versuchen. Der Unterleib war nemlich aufs äusserste gespannt: Der kranke verspührte im ganzen Bauch einen sehr heftigen Schmerz, er fror am ganzen Körper, bekam Fieber, hatte einen unordentlichen, geschwinden und kleinen Puls, das Gesicht war roth, seine Glieder zitterssen, er dürstete, und sein Schweiß P 2 fleug L28 steng schon zum deutlichen Zeichen einer entweder schon vorhandenen, oder wenigstens bevorstehenden Resorbtion, an, nach Urin zu riechen. Bey solchen Umständen hatte man nicht viel Zeit zu Berathschlagungen übrig, es mußte thätlich geholfen werden. Hr. Meyer glaubte aber mit desto grösserem Recht, es werde nöthig seyn, einen Einschnitt in den Damm (peiinseum) zu machen, da er sich gegründete Hofnung machen dorfte, daß alsdenn der vorher gefühlte Körper auch in Suppuration übergehen , und so vernichtet werden würde. Da er nicht vermuthete, daß die Geschwulst so dick seyn würde, wie er sie nachher fand, so glaubte er, er würde am leichtesten mit seinem Troikar wie FautMt ihn zum Steinschneiden gebraucht, in die Blasenhöle eindringen können. Allein so beschwerlich und schmerzhaft auch dieses durchstechen war, so verfehlte es dennoch seinen Zweck. Der Wundarzt dorfte es nicht wagen einen Einschnitt in die so weit in die Blase hinauf gehende Geschwulst zu machen: er versuchte es also durch den Mastdarm dieselbige mit der krummen Nadel des Fleurant zu durchstechen, weil er meinte fühlen zu können, daß sie hier zwar breiter, aber nicht so dick seye. Aber auch dieser Versuch schlug fehl, denn es flössen dabey nur einige Tropfen Blut, und kein Urin heraus. Die Geschwulst war auch so hart, und wiederstand dem Instrument so sehr, daß es vergebene Mühe gewesen wäre, wenn man hier eine Zertheilung hätte bewirken wollen: und daneben sah' man wohl ein, daß wenn auch die Operation hier noch gelingen würde, sie dennoch den Kranken nur für eine kleine Zeit Erleichterung verschaffen würde. Man konnte also wo nicht zur Erhaltung, doch wenigstens zur 229 zur Verlängerung des noch so nothwendigen Lebens des Kranken, nicht besser behülflich seyn, als wenn man in der Unterbauchgegend, nahe bey der weißen Linie, einen Einschnitt machte. Der Patient unterzog sich auch sehr gerne dem Willen des Hrn. Meyer: und es wurden ihm darauf zu seiner gröften Erleichterung mehrere Pfunde eines sehr scharfen, bräunlicht — gelben und stinkenden Urins abgezapft. Man machte bey dieser Operation zuerst einen leichten Einschnitt in die Haut und stieß alsdenn über dem Schaamknochen einen Troikar durch die Musceln und durch die Blase durch. Bald nach der Operation liessen alle vorerwähnten Symptome nach, der Puls wurde freyer, das zittern der Gliedmassen hörte auf, der ganze Körper wurde wieder natürlich warm, der Uriy floß reichlich: Alles dieses ließ hoffen, daß der Kranke seine Verlorne Gesundheit wieder gänzlich erlangen werde, aber freylich durch den künstlichen Weg den Urin werde lassen müssen. Bey der Untersuchung konnte es nun Hr. Meyer mit Gewißheit fühlen, daß der fremde Körper den ganzen Theil der Urinblase, welcher im kleinen Becken liegt, einnahm, und daß die neue Oefnung, bey so heftig ausgedehnter Urinblase ganz nahe am obern Rande der Geschwulst selbst seye gemacht worden. Die Wunde ward darauf zum vernarben gebracht, und unter der Heilung wuchs die Blase da, wo sie angebohrt worden, mit der Wunde fest, und ihre Fasern schlössen sich so ordentlich um die Röhre herum zusammen, daß gleichsam eine neue Harnröhre gebildet wurde. Auch bekamen die Fibern der Urinblase, die bey einer allzubeftigen Ausdehnung oft paralytisch werden , ihre Verlornen Kräfte wieder in einem solchen P; Grade i Grade/ daß ein gewisses drängen ihn/ wenn die Rohrs verschloss!« / nach Verstuß von ein paar Stunden daran ermnerte, daß er den Stöpsel ausziehen müsse. Man ließ iy'.n nun eine in die Oefnung passende elfenbeinene Röhre machen/ die mit einem Zapfen verschlossen war, und die er ohne grosse Ungemächlichkeit davon zu verspühren Tags und Nachts trug. Ich sah den Kranken ein Jahr nach der Operation / und konnte seinen Zustand untersuchen. Er befand stch damals recht wohl/ und war so gut bey Kräften, daß er vor wie nach > täglich feine Geschäfte verrichten konnte. Alle vier Stunden zog er den Stöpsel heraus, und füllte alsdann eine ordentliche Schüssel mit Urin; die Wunde selbst aber, hatte stch allenhalben um die Röhre herum so sehr zusammengezogen, daß fie nur nicht einmal mehr roth war. Wenn man die Röhre herauszog, so sahe man daß die Haut nicht allein an dem äußern Rande der Oefnung, sondern auch den ganzen Gang hindurch vernarbt war. st- Diesem eben erzählten Falle werde ich einige praktische Beobachtungen beyfügen, welche zwar keinen Reiß der Neuheit mehr haben, allein doch bey der Abhandlung dieses Gegenstandes nicht ganz überflüßig zu seyn scheinen. Wenn wir den zarten Bau der Harnblase, ihre Empfindlichkeit und Verrichtung überlegen, so werden wir die Krankheiten dieses Theils, dem einstimmigen Urtheile der alten Aerzte und der täglichen Erfahrung zu folge, unter die gefährlichsten und schmerzhaftesten rechnen müssen. Daher finden wir auch, daß die Aerzte in der Beschreibung und Untersuchung keines ^ andern andern Eingeweides so weitläuftig, und bey der Beobachtung besonderer in diesem Theile vorgekommener Krankheiten so genau und sorgfältig gewesen sind/ als bey der Harnblase. Denn so wie das unterbrochene Vermögen / den Harn aufzunehmen, zu verändern, aufzubewahren/ und auszusondern/ andre/ und wieder andre Krankheiten macht / eben so verdient auch jede derselben eine besondre Aufmerksamkeit. Unter diesen so mancherley Krankheiten verursacht die verhinderte oder gänzlich unterdrückte Aussonderung des Harns die mehrsien Schmerze»/ weil die Ursachen und Entstehung -er Krankheit sehr oft ausserhalb der Harnblase zu suchen ist/ und dieselbe nur vermöge der Mitleidenschaft zugleich mit angreift. So leiden z. V. alsdann bisweilen die Nieren/ und bisweilen die Harngänge und Harnröhre. 5 . Man findet in den Schriften der Aerzte viele Beyspiele / daß von einer Anhäufung des Blutes nach den Nieren / und Harngängen / von einer Entzündung/ Vereiterung, Stein, einer besondern Lähmung, ja sogar von der Verwachsung dieser Theile Harnverstopfungen entstanden sind. Es ist aber um so nöthiger, diese Arten von Harnverstopfungen von denjenigen zu unterscheiden, deren Ursachen in der Blase selbst liegen, je verschiedener die Heilmethode ist, welche beyde erfodern. Ich würde mich zu weit von meinem Ziele entfernen, wann ich hier die Kennzeichen, wodurch sie von einander unterschieden werden können, anzeigen wollte. Auch würde ich zu weitläufig seyn, wann ich diejenigen Arten der Harnverstopfungen anführen wollte, welche von Wür- P 4 mern. szr - mern, von gestopften Durchfallen, von unterdrücktem Schweisse und unmerklicher Ausdünstung / oder auch vom Ohrenffufle (o^srKggiL), herrühren. Meine Absicht erfodert es vielmehr, diejenigen Arten genauer durchzugehen, welche in der Harnblase selbst ihren Sitz haben. 6 . Einige Arten derselben können auf keine Weift ohne die Durchbohrung oder Durchschneidung -er Blase geheilt werden: und unter diese gehört mit Recht diejenige Harnverstopfunq, weiche von einer Verstopfung der Harnröhre, sie mag nun von einer in dem Mittelsieische befindlichen Geschwulst, oder einem Steine der Harnblase, oder einem schwammigen oder scirrhöse» Auswüchse, welcher sich bald in dem Zellgewebe ausserhalb der Harnblase, bald in der innern , sogenannten nervigen Haut erzeugt, oder endlich von einer nicht ganz zertheilten Entzündung aller Häute entstehen, hervorgebracht wird. Andre geben, wenn sie etwas lang anhalten, alle Kennzeichen von sich, daß der abgesonderte Harn wieder angesaugt werde, und erfodern daher oft die nem- liche Behandlungsart, ob sie gleich auch bisweilen durch gelindere Mittel gehoben worden sind. So kann Schleim, oder geronnenes Blut, welches nach dem Goldaderfluß gemeiniglich zurückbleibt, und die Blase ausfüllt, oder auch Eiter, welches durch seine, die Blase reihende Scharfe die Oefnung derselben verschließt , durch das von einem berühmten Wundärzte zu Florenz, Cellai, erfundene Instrument, ohne einen Einschnitt in die Blase zn machen, herausgebracht werden. So kann ferner die krampfhafte Zusammen- Ziehung ziekmng der Blase und des Blasenhalses, welche von zurückgetriebener arthritischer oder rheumatischer Materie , von zurückgetriebenem Goldaderstusse oder sonstigen Ausschlage entstanden ist, oftmals durch Bla- senpffaster, Brennen am heiligen Beine, Bäder und andre Mittel vollkommen gehoben werden. Wenn aber alle diese Mittel vergeblich angewendet worden sind, so muß man dem bevorstehenden Tode durch die Durchbohrung der Blase zuvorzukommen suchen. Die Blasenpflafter müssen, wenn ste einigen Nu- zen schaffen sollen, theils groß seyn, theils aufs heilige Bein gelegt werden, damit die zu der Blase gehenden Nerven gleich bey ihrer Entstehung gereiht werden. Man kann auch nach Pouteaus Rathe die Mora bey hartnäckigen Harnverstopfungen auf eben diesen Theil legen. Ich habe hiervon in Paris im Hotel Die» eine alle Begriffe beynahe übersteigende Wirkung entstehen gOhen. Einem Kranken ward sechs ganze Jahre hindurch der Harn täglich zweymal mit einem Catheter abgezapft, und alle nur ersinnliche Mittel gegen dieses Uebel vergeblich angewendet worden. Auf Pouteaus Anordnung wurde ihm Moxa aus Baumwolle in der Grösse eines ganzen Thalers auf die Schaambetngegend gelegt, allein auch dieser Versuch blieb ohne Wirkung. Man wiederholte denselben auf dem heiligen Beine, worauf der Kranke sogleich den Harn zu lassen anfieng, und nachher auch, wie die Wunde wieder zugeheilt war, dieses Vermögen behielt. Es entstehen aber auch oftmals von andern Ursachen Harnverstopfuligen, wo die chirurgische Operation mc?,i nur nichts helfen, sondern auch bisweilen sebr g offen Schaden anrichten würde. Denn wenn P 5 die 2Z4 die Blase entzündet, wenn sie wegen einer allzulancf verschobenen Ausleerung des Harns gelahmt ist/ wenn sie endlich durch verhärtete Exkremente / durch eine im Mastdarm befindliche Geschwulst/ durch den Druck der Frucht auf den Blasenhals / wegen der monatlichen Reinigung / wegen eines Muttervorfalls / (auch gehört / wie Tode in seiner vortreflichen medicinisch- chirurgischen Bibliothek/ Bd. vm. St. I. S. 89. sehr gut anmerkt/ die Zurückschlagung der Gebärmutter hieher. Denn oft nimmt die Blase und die Harnröhre wegen der ungewöhnlichen Lage der Gebärmutter eine falsche Richtung/ oder die Gebärmutter drückt den Blasenhals oder die Harnröhre dergestalt gegen die Schaambein-', daß der Katheter unmöglich in die Blase kommen kann.) und wegen der Wassersucht sich des Harns nicht entledigen kann / so sieht ein jeder leicht ein / daß hier die Durchbohrung derselben das unschicklichste Mittel, die Harntzerstopiüng zu heben / seyn würde. Die Abzapfung desselben vermittelst des Katheters kann sich alsdenn ganz allein einen glücklichen Ausgang versprechen. 7. Nachdem ich nunmehr die in der Blase selbst befindlichen Ursachen der Harnverstvpfung angeführt, und gehörig auseinander gesetzt habe / so wird es nicht schwer seyn, die Heilmethode darnach zu bestimmen. Denn wenn das Hinderniß von einer solchen Beschaffenheit ist, daß es in einem kürzern Zeitraum nicht gehoben werden kann, so kann man von Fleurant's sonst sinnreich erdachten Operation sich blos nur eine Augenblicklich Hülfe versprechen. Ja, ich förchte, daß 2Z5 daß die Röhre/ ohngeachtet sie biegsam ist, doch durch ihren beständigen Reist und Druck, wenn sie etwas lange in der Wunde gelassen wird / die Ränder derselben schwieligt mache / und das wieder Vermuthen insgeheim Fistelgänge erzeugt werden/ welche so in dieftn äusserst schlaffen Theilen zu förchten sind/ und daß der Abfluß des Harns durch diese Röhre dergestalt zur Gewohnheit werde / daß derselbe / wenn auch das Hinderniß am Blasenhalse gehoben ist / doch noch immer durch die neue Oefnung abfließe/ und die Zusam- menwachsung der Wunde gänzlich verhindere. Auch dann / wenn die Häute der Harnblase durch ein Geschwür so zerfressen werden / daß der Harn zu den nahegelegenen Theilen dringen kann / so werden die Geschwüre endlich nur sehr schwer eine feste Narbe bilden. Und wenn auch dieses Zusammenwachsen von einer ausserordentlich mäßigen Menge Eiters nicht verhindert würde / so würde doch der Harn durch seine Schärfe das neue Fleisch so reisten/ daß es hart werden und eine schwielige Beschaffenheit annehmen müßte. Die Methode der Alten / welche nach den Vorschriften der neuern eingerichtet ist/ würde daher hier vor allen andern empfohlen werden müssen. Nemlich die Haut/ die Musceln und Blase wird zwischen der Rath des Mittelfleisches und der Hervorragung des Sitzbeins mittelst eines Faubertschen Troikars durchstochen und denn die kleine Wunde durch ein auf der an der Röhre -es Troikars angebrachten Rinne fortgeführtes Messer, so wie beym Steinschnitte, so erweitert, daß man frey in die Harnblase kommen kann. Wenn alsdenn zugleich die Geschwulst durch wiederholte Skaristka- zionen so gerecht wird, daß sie in Eiterung übergeht, so haben wir einige Hoffnung, daß der Harn, wenn die 2Z6 di- Wunde wieder zuheilt, den gewöhnlichen / nicht mehr verstopfte«/ Weg wieder nehmen werde. Einige Wundärzte verbieten zwar jeden an scirr- Hosen Geschwülsten angebrachten Reitz, weil ste gar zu leicht krebsartig zu werden pflegten. Aber den Beobachtungen eines Bonnet/ des berühmten Steinschneiders Colot, und selbst eines Platners zufolge/ welchen wir die vortresiichsten Vorschriften in Ansehung -er Krankheiten der Harnblase zu verdanken haben/ darf man ßch vor der Skarifikazion oder Ausschneidung einer scirrhösen Geschwulst in der Harnblase nicht allzusehr förchten. Durch diesen Schnitt bekommen wir auch Gelegenheit/ die Auswüchse der Harnröhre/ welche bisweilen den ganzen Canal verstopfen, durch atzende Mittel wegzuschaffen. Diese letztere Absicht zu erreichen, ist es oftmals auch schon hinreichend, wenn man, nach Colots Rathe, eine Hohlsonde bis zu derjenigen Stelle, wo man ein unüberwindliches Hinderniß vorstndet, in die Harnröhre bringt, und den Schnitt von ihrem Ende anfängt, welcher aber, nachdem man vorher durch die Wunde bis in die Harnblase eine andre Sonde hineingebracht hat, nach Er- -wderniß der Umstände durch die Zwiebel der Harnröhre (k»3ll)38 urerbis?) und Vorsteherdrüse hindurch verlängert werden muß. Die blosse Durchbohrung des Mittelfleisches scheint mir schon um deswillen unnütz und verwerfbar zu seyn, weil wir das Hinderniß auf diese Weise, wenn es ein mechanisches ist, nicht zu heben im Stande sind, und die kleine durch den Troikar verursachte Wunde nach Herausziehung des Röhrchens äusser-ordentlich bald wieder zufällt. Ueberdies ist diese Operation sehr schmerzhaft, und ihren Ausgang kann, wegen tausend andrer Umstände, selbst der geschickteste 2I7 teste Wundarzt nicht bestimmen. Die Durchbohrung der Blase durch den Mastdarm hat an und für steh gar keine Gefahr / und ist so leicht / daß fie auch von Anfängern der Wundarzneykunst ohne Gefahr eines unglücklichen Ausgangs unternommen werden kann. 8 . Die von Steinen entstandene Harnverstopfung kann einzig und allein durch die Operation gehoben werden; es müßte denn jemand ein neues untrügliches steinaustöfendes Mittel entdecken, da wir nunmehr durch Bergmanns Bemühungen die Natur der Steine genauer kennen gelernt haben. 9 . Morgagni hat viele Beyspiele in seinen Werken gesammelt/ wo grössere schwammige/ schwielige und scirrhöse Auswüchse um den Hals und die ganze Höhlung der Harnblase herum den Ausgang des Harns nicht blos schwerer machten / sondern auch bisweilen ganz unterdrückten: und der oben von mir selbst angefahrte Fall dient zur fernern Bestätigung dieser Behauptung. Zu welcher Grösse aber oft schwammige Auswüchse in der Harnblase gelangen / läßt fich aus der Abbildung ersehen / welche sich von einem solchen Schwamm in Zubers gelehrter Streitschrift äe ve- liLX urinanL moidis, Hrgenr. 1771. findet. Diese können allerdings durch keine innern Mittel aufgelöst und fortgeschast werden/ und wir sind einzig und allein das Elend solcher Kranken nach des Herrn Meyers Methode zu lindern im Stande. 2Z8 IO. Was aber diejenigen Schwämme anbetrift, welche nach palucci's Meynung von einem besondern Auswüchse der Gefässe entstanden sind / so kann man ihre Gegenwart sowohl durch die Untersuchung, bey welcher man auf einen weichen / weniger Widerstand leistenden, und schwammigen Körper stößt, als auch durch einen darauf folgenden und unvermutheten Blutstuß entdecken. Oftmals befinden sie sich in der Bla- senböle/ und bringen Zufalle hervor/ welche sich sonst beym Stein einsinden. Aus Cardan's / Niolan's, Zacutus Lusitanus / Doleus / und des im vorhergehenden Paragraphen angeführten Zuber s Beobachtungen erhellt auch / daß diese Schwämme sehr oft aus der Vorsteherdrüse entstehen/ und so sehr an Grösse zunehmen / daß sie die ganze Blase ausfüllen. Wenn überdies ein Schwamm in der Harnblase zugegen ist, so wird bisweilen die organische Bildung der Blase so verändert, daß die Bedeckungen selbst an Dicke zunehmen, und eine unförmliche Fleischmasse vorstellen. Dergleichen besonders Fleischigwerden der Harnblasenhäute kann man auch in andern Fällen, besonders wenn ein Stein an der Blase angewachsen, oder in einen Sack eingeschlossen ist, wahrnehmen. — All? diese widernatürlichen Beschaffenheiten wird sich niemand zu heben einfallen lassen. Man muß über- dem befürchten, daß eine gewisse ansteckende Schärfe bey denselben zum Grunde liege, welche neue Uebel erregen möchte/ wenn man die Geschwulst wegzuschaffen suchte. ir. 2Z9 n. Wenn aber Widerstand thuende Geschwülste/ die eine sehr breite Grundfläche haben, in welche die Vorsteherdrüse mit eingeschlossen ist/ (an welcher Stelle dergleichen Geschwülste gemeiniglich zwischen den Mündungen der Harngänge zu entstehen pflegen /) vorhanden find / so hat man Hofnung / daß so wie ste zunehmen / auch die Harnblase von dem Harne ausgedehnt / und auf diese Weise die Weite derselben / ohne daß der Ton ihrer Fibern dabey leidet, vergrös- sert werde. Man hat daher auch nicht zu beidrehten, daß die Röhre, wenn man steh der von Sharp vorgeschlagenen Operation bedient, während der beym Harnlassen nothwendigen Zusammenziehung der Blase Lurch dieselbe hindurch gehen, und der Harn steh entweder in die Bauchhöle, oder in das schlaffe um die Blase herumliegende Zellgewebe ergießen möchte. 12 . Durch diese neue Ausdehnung wird aber die natürliche Gestalt der Blase dergestalt verändert, daß nunmehr der obere Durchmesser dem untern gleich, ja bisweilen noch grösser ist, da ste vorher von ihrer Grundfläche an bis zu ihrer Spitze, aus welcher das Blasenband herausgeht, und welche von einigen Zergliederen« mit Unrecht der Blasengrund getrennt wird, nach und nach in Ansehung ihrer Wette immer mehr und mehr abnahm. Daher kommt's, daß die untern Muskelflbern in diesen Krankheiten der Zusammenstellung den obern Widerstand leisten, und die Blase gelähmt werbe, wenn man der Natur nicht zu Hülfe kommt. Wenn 2HD Wenn wir überdies auf den vierten Grundsatz Rücksicht nehmen, welchen Felix Fontana *) in Absicht auf die Nutzbarkeit auf eine so sinnreiche Art bestätiget hat, daß nemlich ein Muskel, welcher lange Zeit ausgedehnt oder gedrückt worden ist, seine Nutzbarkeit verliert, so werden wir noch leichter einen Grund von dieser Schwäche der Harnblase anzugeben im Stande seyn. Denn er hat durch Versuche dar- gethan, daß die auf den höchsten Grad mit warmem Wasser ausgedehnte Harnblase einer Katze, eines Lamms, und Hundes kein Zeichen von zusammenziehender Kraft mehr von sich gegeben habe, wenn sie auch gleich in dem noch lebenden Thiere mit einer Nadel oder einem elektrischen Funken gerecht wurde. Er beobachtete ferner, Laß die durch die Harnröhre eingespritzte Feuchtigkeit von den Thieren nicht durch die eignen zusammenziehenden Kräfte der Harnblase ausgeführt werden konnte, wenn man dieselben nach angestellten Versuchen leben ließ. Auf die nemliche Weise Verlieren die Därme und das Herz ihre Nutzbarkeit , und werden zu ihrer Bewegung ungeschickt, wenn sie durch irgend eine Feuchtigkeit oder auch durch die blosse Luft allzusehr ausgedehnt werden. Wie diese Erscheinung aber entstehe, ob durch den beständigen Druck die kleiner« Bestandtheile der Fibern so verlängert, und ihre innere Verbindung dergestalt zerstört werde, daß sie das angebohrne Zusammenzie- hungsvermögen verlieren, oder ob noch eine andre, uns unbekannte, Eigenschaft in den Muskeln überhaupt und in der Blase vorzüglich, verborgen liege, dieses *) Man sehe dessen KiLsrelie klotokcke toxrs In kiücs anlinals. birenrs. 1,1, 177;, S. 6s. — - - - »fl-t dieses ist bey so vieler Dunkelheit ohnmöglich zu bestimmen. So viel laßt sich beobachten/ daß die Fibern der Harnblase/ welche so in einander geflochten erscheinen / daß sie sich fast gar nicht beschreiben las« sen *)/ geschwinder als andre muskelartigen Aus- spannungen durch das Ausdehnen geschwächt werben. Es ist daher hinreichend / wenn man weiß / daß die Ursache der Lähmung der Harnblase von dem Verluste der zusammenziehenden Kraft der Nucfte'chbnn/ und in ihrem ungleichen Widerstände zu suchen ftue, welcher von einer allzustarken Ausdehnung des Harns herrührt» i). In dem vorhergehenden habe ich zwar angemerkt- daß die Fleurantische Operationsmethode in dem Falle/ wo die Durchbohrung der Harnblase statt findet - unter allen die leichteste und sicherste sey. Allein deswegen ist sie nicht bey jeder krampfartigen Zusammen- ziehung der Blase zu geschwind anzuwenden. Denn wiederholte erweichende Bäder/ ölichte Umschläge und wiederholte Aderlässe haben oftmals bey den gefährlichsten Zufällen Hülfe geleistet: Die Aderlässe sind nach *) Ihre vorzügliche Richtung ist folgende: daß sie in dem obern Abschnitte ihrer Wölbung selten und netzförmig geflochten sind / unten aber nach der Länge hinlaufen, und dadurch in Verbindung mit dem aufhebenden und dem Schließmuskel des Afters / und den Treibmuskeln (bulöo cavernoli) nach Art der entgegenwirkenden Muskeln die Stelle eines Schließmuskels verwetten. vhngeachtet kein wahrer SchlikßmM kel zugegen ist- Q 242 nach petersens Rathe bis zur Ohnmacht fortzusetzen/ wodurch oftmals die Krämpfe auf eine bewundernswürdige Art gehoben werden. Allein die Kranken fallen wegen des heftigen / bey Harnverstopfungen gegenwärtigen Schmerzens späth in Ohnmacht. Ich habe einen Kranken einmal bey einem eingeklemmten Bruche/ da er steh schlechterdings nicht znr Operation des Bruchschneidens bequemen wollte/ ;6 Unzen Blut weglassen gesehen / ehe derselbe diesen Verlust merkte, und in Ohnmacht fiel. In diesem Zustande erschlafte der Bauchring sogleich / uud die ausgetrettenen Därme konnten mit leichter Mühe zurückgebracht werden. Wenn also die Aderlaß einigen Nutzen stiften soll / so muß der Wundarzt nicht auf die Menge des weggelassenen Bluts/ sondern auf die Wirkungen sehen. - 4 - Es ist in der That eine sonderbare Erscheinung, welche die sorgfältigsten Beobachter der Natur angemerkt haben/ daß unsre Blast/ welche überhaupt hinter den Schaamknochen liegt, ausserordentlich viele Veränderungen zuläßt. Ich meine hier nicht die Verschiedenheit der Blase in der Frucht, wo fie länger ist, und dergestalt über das Schaambein hinaufsteiget, daß fie auch sogar den Nabel erreicht. Sie ist als- denn einer Walze sehr ähnlich. Bey einem erwachsenen Menschen zieht sie sich dergestalt zusammen, daß ihre Ränder, wenn fie nicht vom Harne ausgedehnt sind, das kleine Becken einzunehmen scheinen. Sehr *) Siehe dessen Streitschrift: Lssus ilcduri» ex materls xaä^rLe» sä vyheM ästses, Arzem. 177!?» 24S Sehr klein pflegt sie bey denen zu seyn , deren Nieren nach Selters Beobachtung durch ein Geschwür zerstört / oder so mit Steinen angefüllt sind, daß die Absonderung des Harns dadurch verhindert wird. Ferner wo durch einen mechanische», beständig anhal- ! tenden Reitz die fleischige Substanz so zunimmt / daß ! die Höhle dadurch, so weit sie auch vorher war, doch immer mehr verengert wird. Dergleichen Harnblasen hat man besonders bey Steinkranken wahrgenommen, dergleichen auch Müller in seiner Streitschrift (rsra ^ cie calculo veücL oblei-vacio. Hißenr.) beschreibt, und Nuysch in dem vierten Theile des rbeLr snZ- rom. auch bey sonst gesunden Menschen angetroffen zu haben versichert. Haller bemerkt in dem siebenden Bande seiner grösser» Physiologie, daß sie bis zur Grösse einer Nuß zusammengeschrumpft sey. So wie aber ihre Grösse auf die eben beschriebene Art abnehmen kann, so kann sie auch wiederum durch Verschiedene Umstände bisweilen ausserordentlich erweitert werden. Weiber, und zwar solche, welche schon mehrere Kinder gebohren haben, besitzen gemeiniglich wegen des beständigen Drucks, den dieser Theil während der Schwangerschaft ausstehen muß, grössere Harnblasen, und ich weiß Beyspiele, wo sie in der Grösse eines Kopfs vder Magens in die Bauchhöhle hinaufreichten. Vornemlich wird sie aber bey hartnä- kigen Harnverstopfungen dergestalt erweitert, daß sie nunmehr eine außerordentliche Menge Harn in sich fassen kann, da sie im natürlichen Zustande nur für i oder 2 Pfund Raum hatte. Calot versichert, eine Blase gesehen zu haben, welche 8 Pfund in sich enthielt. Bartholm erzählt von Blasen, welche 8 und ro Pfund, Helwig von einer, welche I? ein halb Q 2 Pfund, 244 Pfund / palisneri von einer welche 16 Pfund/ ja Haller sah bey einem starken Trinker eine, welche 20 Pfund zu fassen schien. Von einer solchen allzuhef- tigen Ausdehnung aber pflegt gemeiniglich eine unheilbare Schwache zu entstehen, theils weil die Krankheit zu lange anhält/ theils weil die Fibern dieses Theiles ihre Reitzbarkeit verlieren. Desto seltener ist daher der folgende Fall / welcher zeigt/ daß die Blast/ ihrer außerordentlichen Ausdehnung ungeachtet / doch bisweilen ihr Zusammen- ziehungsvermögen wieder erhält. Ich habe diese Frau/ welche ?4 Jahre alt war / selbst, mit dem geschickte» Wundärzte?^icou in St. Maurice/ wo er sich aufhält / und seine Kunst auf die glücklichste Weise ausübt/ besucht. is. Diese Frau/ welche einen zarten Körperbau hatte/ bemerkst/ ohne irgend eine vorhergegangene oder gegenwärtige Krankheit/ daß ihr Unterleib anfieng/ etwas dicker zu werden/ und schmeichelte sich daher/ daß ste schwanger wäre. In kurzem aber verschwand diese Freude/ weil der Unterleib geschwinder/ als es bey der Schwangerschaft zu erfolgen pflegt/ aufzuschwellen anfieng, und die Füsse bis zu den Schenkeln hinauf von einer wässerigen Geschwulst bis -zum zerplatzen aufgetrieben wurde». Das sonst hagere Gesicht und die obere Gliedmassen wurden nunmehr auch dicker / so daß die Ursache dieses Aufschwellens auch der Kranken selbst nicht mehr verborgen seyn konnte. Die Spannung des Unterleibs nahm täglich zu/ verhinderte ein freyes Athemholen / und drohte mit Erstickung. Unter diesen Umständen wurde Hr. Nicou Ln t 24s ^ zu Hülfe gerufen. Er schlug sogleich das Abzapfe» ' des Wassers vor, weil er beym schlagen auf den Unterleib die wellenförmige Bewegung des Wassers sehr deutlich wahrnahm. Er verordnete ihr unterdessen einige abführende Mittel, und in diesem Zeitraums wurde die Kranke ? Tage lang von einer Harnver- stopfung dergestalt geplagt, daß der Arzt geschwinder, als er dachte, umzukehren genöthiget wurde. Der Unterleib war prall, hart, und so ausgespant, daß die zurückführenden Blutadern auf der Oberfläche sehr ausgedehnt erschienen. Hr. Niesn bemerkte indessen nach vorne hin eine sehr spitzige Geschwulst. ^ Er hielt es daher für zuträglich, die Blase noch i, vorher, ehe er das Wasser abzapfte, mit dem Kathe- ; ter auszuleeren. Wie'erstaunte er aber nicht, als er auf diese Weise i8 Pfund von einem wäßrigen Harne ausleerte, und zugleich wahrnahn;, daß eine äusser- ordentliche Geschwulst des Unterleibs von einer derge- ^ statt ausgedehnten Harnblase entstanden sey. Denn sowohl Hr. Nicou, als ich, konnten das Herabsin- keu der vorher bis zur Herzgrube reichenden Geschwulst während des Harnabflusses durch die auf den Unterleib gelegte Hand sehr leicht entdecken. Den Tag darauf wurden auf die nemliche Weise 12 Pfund abgezapft , und nun verschwand die Geschwulst sowohl der obern Gliedmassen, und des Gesichts, als der untern Gliedmassen dergestalt ^ daß binnen 8 Tagen diese - Theile ihre natürliche Grösse schon wieder erlangt hatten. Diese allgemeine Wassersucht (gn^/cg) war also blos zufällig, und ließ sich, nachdem das auf die Blase drückende Hinderniß gehoben war, leicht heben. Q z Wer 246 Wer hätte aber je geglaubt, daß die Harnblase den durch diese entsetzliche Ausdehnung verlohrnen Ton wieder erlangen würde? Und dem vhngeachtet sahe ich, daß nach Verlauf von 8 Tagen die Schnellkraft der Blase durch Umschläge von kaltem Wasser in so weit wieder hergestellt wurde, daß die Kranke, nachdem ihr ; Pfund durch den Katheter abgezapft worden waren, die übrigen 2 oder 4 Pfund von selbst lassen konnte. Was ste alsdenn für ein Schicksal gehabt habe, und ob ste vollkommen wieder hergestellt worden ist, dieses hab ich nicht erfahren können. 16. Aus der oben erzählten Geschichte lernen wir, daß die Harnblase bisweilen ohne irgend ein vorhergegangenes Hinderniß des Harnabflusses, oder eine spasmo- dische Zusammenziehung des Blasenhalses nach und nach und ganz verborgen erweitert und vergrößert werde. Ferner sehen wir hieraus, daß wir bey der Abzapfung des Wassers in der Wassersucht erst den Katheter einbringen müssen, wenn einige Schwierigkeit, den Harn zu lassen, vorhergegangen ist, damit wir nicht etwa die traurige Erfahrung, die Harnblase durchssochen zu haben, zu späth machen, und derselbe in die Bauchhöle ausflieste, und daselbst traurige Folgen anrichte. Auch haben wir hier wieder einen neuen Beweis, wie geschwind die Ansaugung vor sich gehe, und wie leicht stockende Säfte durch den Harn ausgeführt werden. Die stärkende Kraft des kalten Wassers, welche durch so viele Beyspiele bestätigt worden ist, kann nunmehr mehr keinem Zweifel mehr ausgesetzt seyn. Seine in I diesem Falle geschwindere Wirkung scheint aber aus das deutlichste zu beweisen , daß die Ursache der von einer allzugrossen Ausdehnug verlohrnen Nutzbarkeit keineswegs in der Auseinanderweichung der kleinsten Tbeilchen der Muskelfaser, und in einer in ihrem organischen Baue bewirkten Unordnung liegen könne. Denn wie wollte die Kalte so viele und grosse Zerrüttungen wieder zu verbessern im Stande seyn ? Es wird mir daher wahrscheinlich, daß eine jählinge Ausdehnung der Muskelstbern eine mcheilbare Erschlaffung verursachen werde; daß man hingegen eine von einer langsamen und mäßigen Ausdehnung entstandene Schwäche durch schickliche Mittel einigermassen heben, oder wenigstens doch lindern könne. 17 . Da Satzar in seinem Krankheitssysteme (1776. S. 167.) bey Hererzählung der Arten der Bauclnvas- sersucht (Zicircs) diejenige, welche von dem Magen entsteht, die Magen-Bauchwassersucht (alcires ttomachLÜg) nennt, und besonders betrachtet, her- nachmals auch von derjenigen, welche aus dem Netze entspringt olcires omenraiis) , und von der Harn- Bauchwassersucht handelt, bey welcher der, aus der zerplatzten oder zerfressenen Blase in die Bauchhöle auegeflossene Harn, eine Art der Wassersucht macht, und endlich von einer Mutter-Bauchwassersucht (livikromerra aicirics) redet, wenn die Gebärmutter uemlich durch Wasser ausgedehnt wird: so weiß ich nicht, ob wir nicht mit gleichem Rechte eine übermäs- sigc Ausdehnung der Blase, welche einer Bauchwassersucht gleichkommt, für eine besondre Gattung dieser Q 4 Krank- 448 Krankheit annehmen, und sie die Blasen- Bauchwassersucht olckes veuLLlis) nennen müssen. ^ ^ Da sich der §. 2 erzählte Fall zu Zürich zugetragen, so glaubte ich, es meinen Lesern schuldig zir seyn, mich naher darum zu erkundigen, und wollte ihnen besonders den ferneren Verlauf und die Section des Cadavers, wo möglich, vorlegen. Es glückte mir dieses auch über die Maassen. Denn der erfahrne und geschickte Wundarzt, Hr, Ioh. Conrad Meyer, welcher selbst die drey verschiedenen Operationen verrichtet hatte, und an welchen ich mich dieser Sache wegen wandte, hatte die Gütigkeit mir nicht nur die ganze Beobachtung so wie er selbst sie aufgesetzt hatte, sondern auch den Stein welchen mau nach dem Tode in der Blase dieses Mannes gefunden hatte, mitzutheilen, und erlaubte mir öffentlichen Gebrauch davon zu machen, wofür ich ihm auch öffentlich danke, und vermuthlich wird keiner meiner Leser seyn, der ihm nicht mit mir danken, und den die umständlichere Erzählung dieses merkwürdigen Falles nicht sehr intreßieren wird, Ich theile sie darum in excenln mit, weil sie in mehreren Stücken von der des Verdienstvollen Hr. Pros. Murray abweicht, welcher selbige nur von Hr. Meyer hat erzählen gehört. I. B. von Urdorf, vier und stebenzig Jahre alt, litte schon seit zwey Jahren je zu Zeiten Beschwerden von Hinterhaltung des Harns, welche sich aber allemal, ohne daß er Hilft dagegen suchte, von selbst Wieder verlvhren. Allein diese Beschwerde vermehrte sich je langer je mehr, und schon seit geraumer Zeit gienq 249 gieng sein Urin beym Harnen nicht mehr Bogenweise fort/ sondern er siel gerad wenn er aus der Harnröhre kam / herunter. Den i9ten Merz 1774. bekäme selbiger wiederum eine gmzliche Verstopfung des Harns/ suchte aber keine Hilft/ weil er hoste, daß sich das Harnen, wie die andern Male, schon wieder von selbst bey ihm einstellen mirde. Allein dießmalen hofft er vergebens , und sah.sich den roten gezwungen, Hilft zu suchen. Beym Besuch fanden wir den Unterleib in der Schaamgegend sehr ausgedehnt: ich suchte den Catheter hineinzubringen, fand auch die Application sehr leicht, und glaubte wirklich in der Blase zu seyn, aber es flösse kein Harn heraus: ich ließ es vor heute dabey bewenden, lind verordnete ihm Einschmierun- gen aus Altheasalb, erweichende Umschläge auf den Unterleib, Clyftiere und eine Aderlässe. Den Listen versuchte ich wieder den Catheter zu applicieren - konnte selbiges wiederum sehr leicht bewerkstelligen, fand auch an seinem Ende keinen Wie- derstand, sondern konnte selbigen wenden wie ich wollte, als wenn er in der Blase wäre: die Vermuthung, ob ich nicht etwa mit demselben einen falschen Weg gemacht hätte, fand darum nicht statt, weil ich bey der Application auch nicht die geringste Gewalt angewendet hatte, uud weil ich beyder Untersuchung durch den Mastdarm fand, daß der Catheter über den Schliesset des Blasenhalses müsse eingedrungen seyn. Beym Herausnehmen desselbigen floß ziemlich viel Blut und Eyter, aber kein Harn nach. Es wurde daher mit den vorigen Arzney-Mitteln fortgefahren, und der Kranke, weil man den Fall für wichtig ansah, den rrsten in das hiesige Krankenhaus ge- Q s bracht bracht/ wo er in allen Absichten viel besser konnte besorget werden. Den 22sten befand sich der Kranke in den nämli- lichen Umstanden/ der Unterleib wäre stärker aufge- trieben / die Schmerzen heftiger / der Puls geschwind und voll, der Durst stark; er hatte abwechselnde Hi- zem und Frost/ Zufalle einer vermehrten Entzündung. Man machte ihm eine starke Aderlässe. Des Nachmittags versuchte es.mein Vater (der würdige Hr. Stadtarzt Nleyer) auch wieder den Catheter zu applieieren, allein es zeigte sich wieder die nemltche Erscheinung.. Da uns also kein ander Mittel mehr übrig blieb den Kranken zu retten / so entschlossen wir uns, die Blase durch einen Stich zu öfnen, wozu wir poutcau's Methode auswäbl- ten. Wir brachten also den KrankUt in die Lage, wie wenn man den Stein durch den Seitenstich operieren will, untersuchten — durch den Maftdarm die Bla- sengegend, allein wir fühlten da nichts angespanntes, wie man es sonst bey stark ausgedehnten Blasen antust, sondern statt dessen eine sehr harte Geschwulst. Jezt entstuhnd bey uns natürlich die Frage, ob es uns glücken würde durch diese Geschwulst durchzudringen ?.. Da wir aber überlegten, daß wir auf der Geschwulst selbst wären, so hosten wir eher durch dieselbe in die Blase Hineinzugelangen, als wenn wir im Mtttelfleisch die Oefnung machen würden; denn da man mit dem Catheter in eine Höhle der Blase kam, so mußte das Gewächs unten gegen dem Blasenhalse zu noch einigen Raum gelassen haben, und selbiges also etwas entfernter von dem Mittelsteische liegen. Wir wählten uns deßwegen einen langen, geraden Troicar, der länger war als der den man zu Abzapfung des Un- !-1" '!"»»» Lsr Unterleibs braucht (den krummen Flemantschen hatten wir nicht): alsdann brachte ich den Drittelund Zeigefinger der linken Hand in den Mastdarm, gegen den Ort, wo ich mit dem Troikar durchstechen wollte, brachte solchen zwischen diesen beyden Fingern hinein, hielte ihn alsdenn vermittelst dieser zwey Finger gegen den Ort fest, und stieß ihn so tief als möglich hinein, wobey ich ziemlich viel Kräfte anwenden mußte. Ich zog nun das Stilet aus der Ca- nüle heraus, allein es kam kein Harn, sondern Blut nach. Wir hatten zwar, wie oben gesagt, ziemlich gute Gründe gegen die Oefnung im Mittelfleisch, allein da uns die vorige Operation fehl geschlagen, so wollten wir, dennoch diese auch versuche«. Denn wie leicht konnten wir in diesem Fall nicht geirret haben, da wir keine auszeichnende, charakteristische Zeichen von der Art der Krankheit hatten, und wo so wohl die Erfahrung, als die Zufalle, höchstens uns Muthmaßungen über die eigentliche Beschaffenheit der Ursache dieser Harnverhaltung zuließen?.. Ich machte daher den Stich an dem gewöhnlichen Ort, aber mit gleichem Erfolg, und das darauf aus einer Blutader entstandene Bluten war ziemlich stark. Auch über das Fehlschlagen dieses zweyten Handgriffs liessen wir die Hoffnung noch nicht finken, und versuchten es zum zweyten male den Stich durch den Mastdarm zu machen: Ich führe dabey so tief hinein, als es nur immer möglich war, aber auch jetzt käme kein Harn, sondern eine wässerichte Feuchtigkeit, die nur etliche Tropfen ausmachte, heraus... So verschiedene vergebliche Versuche machten uns glauben, -aß die Geschwulst in der Blase sehr groß seyn müsse, und und daß wir durch ähnliche Operationen nichts aus, richten würden. Wir liessen ihn hierauf ins Bett liegen, und er befand sich ein wenig erleichterter als vor der Operation welches wahrscheinlich von dem ansehnlichen Blutverlust herrühren mochte/ welche die Spannung der Theile und also auch die damit verbundenen Schmerzen ein wenig minderte. Es wurde ihm heute noch eine starke Aderlässe verordnet/ und mit der Salb und den Umschlägen fortgefahren. Ein paar Stunden nachher bekam er einige Stuhlgänge/ wo mit dem Unrat- geronnenes Blut weg- gienge. Die folgende Nacht schlief er ziemlich viel/ beklagte sich über wenige Schmerzen: der Unterleib war etwas starker aufgetrieben / und er hatte einen natürlichen Stuhlgang ohne Blut. Den aasten versuchten wir es wieder/ aber eben so vergebens wie die andern Male/ den Catheter hineinzubringen. Wir wollten nun sehen/ ob wie nicht mit Kerzen einen Weg öfnen könnten / und applicier- ten deßwegen alle drey Stunden frische. . Gegen Abend hatte er einen Reitz den Harn zu lösen / allein es gierig nur wenig fleifchfarbigtes Wasser weg. Man liesse ihm noch einmal zur Ader'/ und wiederholte die Ueberschlage und Eiuschmierungen. Unter der Haut des Hodensacks und des Mittelsteisches zeigte sich ex- travasiertes Geblüt. Die folgende Nacht war sehr erträglich. Den 24sten am Morgen hatte er auf ein Clystier einmal Oefnung ohne Blut. Die Suggillation an den benannten Theilen vermindert sich, das Fieber ist nicht stark; aber ein Husten der ihn befiel / erneuerte allemal die sonst erträglichen Schmerzen. Man versuchte suchte es nochmals/ aber ohne Erfolg den Catheter zu üpplicieren. Der Kranke bekam einige male Harndrang/ aber es gienge nichts als Blut weg. Der Unterleib ist sehr ausgedehnt. Mit den Kerzen und übrigen Mitteln wurde fortgefahren. Die folgende Nacht war sehr unruhig; der Un- ! lerleib stärker ausgedehnt und sehr schmerzhaft; das Fieber vermehrt; die Kräfte aber noch immer ordentlich. Den 2ssten hielte man ein Lonlulrum z-lsclico- ekirurZicum , worinn man bey bemeldten Umständen, da alle andere Hülfsmittel nichts ausgerichtet hatten, beschloß, daß nun kein anderes Mittel mehr übrig sey, als die Oefnung der Blase oberhalb der Schaam-Knochen. Nur fragte es steh annoch, ob die mit dieser Operation verbundenen, gemeiniglich verdrießlichen Folgen, dem Kranken nicht noch mehr Schmerzen verursachen würden, als seine jetzigen wären? Die Operation selbst, wenn sie mit gehöriger Behutsamkeit gemacht wird — wir erwählten dazu vollkommen die Art von Operation mit der hohen Ge- räthschaft (kaur -ippareil) — ist ganz ohne alle Gefahr , und die Gründe warum wir sie anstellten, so triftig, daß, wenn sie auch nicht schon von mehreren andern Wundärzten wäre angerathen und versucht worden, wir sie dennoch nm nichts unversucht zu lassen hätten vornehmen müssen... Die Folgen anbelangend, so fände man, daß hier diejentgeu nicht alle zu befürchten wären, welche sonst bey einem würklich in der Blase befindlichen Stein erfolgen; das wichtigste, was man hier befürchten mußte, war, daß der Harn aus der Blase in das Becken oder die Zeilhaut ausfliesten, und dort Eitergeschwüre verursachen fachen möchte; ein Zufall der sich sonst oft Vey dieser Operation einfindet, und desto leichter bey der unsri- gen sich einsinden konnte, weil der natürliche Weg für den Harn gänzlich und auf immer verschlossen war, da er doch in den andern Fällen wieder dadurch konnte excerciert werden. Hiergegen waren andere Gründe vorhanden welche uns Hofnung zu einem glücklichen Erfolg machten, indem i. hier der Einschnitt in die Blase nicht so groß gemacht, die Oef- nung der Blase durch das zurückgelassene Röhrgen verschlossen, und dadurch dcm Harn ein freyer Ausgang verschaft wird. 2. Dürfte man fast glauben, Laß die entleerte Blase nicht mehr in das Becken herabfallen könnte, da sie wahrscheinlich durch die Entzündung und das lange Anliegen an den obern Theilen mit denselbigen verwachsen wäre, uud endlich beruhigte uns auch noch der Gedanke, daß wenn der Kranke auch dadurch nicht beym Leben erhalten würde, wir ihm wenigstens doch Erleichterung und ein ruhigeres Ende verschaft hätten. Man schritte daher folgender Massen zur Operation : Der Kranke ward auf ein Brett so gelegt, daß sein Kopf niedriger lag als der Unterleib, und gehörig fest gemacht. Dann hob man die äusseren Bedeckungen auf der weiffen Linie, gerade oberhalb der Schaamknvchen-Vereinigung in die Höhe, und schnitte selbige vier bis fünf guerfinger breit durch — darauf wurde die Fetthaut bis aus die Aponevrose der Banchmuscel durchschnitten, diese wurde sodann auch geöfnet, und die pyramidenförmigen Muscel mit den Fingern von einander abgesondert, so daß ich nun die blosse angespannte Blase fühlte. Auf diese setzte ich den ZeWjmger der linken Hand, brachte ei- nen kurzen Troikar "unter demselben, gerade oberhalb der Schaamknochen-Bereinigung hinein, und hiesse ihn in die Blase, worein er gerade ohne einigen Wiederftand zu bemerken, wie in eine Höle, fiele. Sobald ich den Stilet aus der Röhre herauszog, floß eine Menge bräunlicht-blutiger Harn heraus; diesen ließ man nach und nach herauslaufen, und al° les betrug gegen fünf Pfund: darauf ward die Röhre verstopft, um den Unterleib befestiget, gehörig mit barpey unterlegt, die Wunde bedeckt, und der gewöhnliche Verband angelegt. — Der Kranke befände steh ungemein erleichtert, ohne Schmerzen, selbst wenn man auf den Unterleib drückte. Eine Stunde nachher bekam er heftige Schmerzen: der Verband war nach fünf Stunden ganz durchnäßt und beym Verbinden giengen wohl wieder vier Pfund eines, bellen Harns durch das Röhrgen ab, niit grosser Erleichterung des Kranken. Die Schmerzen über dem Herzen (nach seinem Ausdruck) und im Unterleib hatten sich verrohren ; man legte ihm noch einen erweichenden und zertheilenden Ueberfchlag von warmer Milch und Seife über, und Nachts um io 1/2 Uhr verbände man ihn noch einmal, wobey wieder drey bis vier Harngläfer voll Urin weggiengen. Die folgende Nacht schlief er ziemlich ruhig. Den rösten verbände man ihn wieder des Morgens um io Uhr. Der Verband war wieder durchnäßt, aber durch das Röhrchen floß nur wenig Harn, und dennoch mit Erleichterung, weg. Um eilf Uhr stellten fich die Schmerzen wieder ein, da man ihn aber aufs frische Verband, verlohren fich solche. Es schiene also daß so wie im natürlichen Zustande eine angefüllte Blase einen Reiy verursacht, auch hier die Schmer- 2^6 l.— Schmerze» nur rann erregt würden / wann die BZlaft wieder angefüllt/ und es Zeit wäre, dieselbe zu entleeren. Er bekäme leichte Fröste und ziemlichen Drnrst. Gegen vier Uhr kamen die bisher besänftigte Schnmer- zen wieder/ hörten aber nach dem Verband wüieder auf/ die Fröste blieben aus / der Durst wurde nweni- ger. Man spritzte ganz laues Wasser in die BlZlase. Da man des Abends spath noch verbunden/ so brauchte er die Nacht bis gegen Morgen ziemlich ruhig zum. Den 2/sten war er auf den Verband wioieder ziemlich erleichtert. Mit den Kerzen hatte mau n bisher noch allezeit fortgefahren/ da man fie diesen AAbend herausnahm / so waren fie voll Eiter / und selbst st aus der Ruthe flösse ein solcher heraus. Nachdem , aus dem Röhrgen der Harn ausgeflossen / flösse sehr r viel zäher Schleim nach. Die Sugillation.am MNittel- fleisch und Hodensack hat sich verlohren / aber derer Husten verursacht ihm grosse Beschwerden» Den 28sten.. Die Nacht war ruhig: es er erzeigten sich die nemlichen Erscheinungen wie gestern. ,. Da er über kneipen im Unterleib klagte/ und seit gegestern verstopft war / so applicterte man ihm ein Clyslyftier, welches zwey male wirkte. Den29sten. Die Nacht war wieder ruhig,. Der Husten läßt nach: das Fieber ist ganz gering: : man fährt mit den Einspritzungen und Kerzen fort. Den zosten befand er sich wohl. Nur flüeßießt de» Harn ziemlich neben dem Röhrgen heraus: nnitnit der Einspritzungen sehr viel Schleim weg. Den Listen wie gestern. Man nahm darsms alt, Röhrgen» das ganz schwarz wäre/ und an nvc welche, sich ein erdichter Stoff angesetzt hatte/ herams/ts/ trn! steckte ein kürzeres hinein. De Den ersten ApriU. Wie gestern. Bisher war noch allezeit mit den Kerzen fortgefahren worden, da man aber nun stehet, daß man mit denselbigen nichts ausrichtet, so wird man sie könftig weglassen. Den kten. Das Röhrchen gienge heut bey einer Bewegung die der Kranke machte, heraus. Man brachte es aber ohne grosse Mühe wieder hinein. Den sten. Patient befindet sich wohl. Die Wunde schließt sich, dennoch aber fließt der Harn neben und durch das Röhrchen heraus. Den raten. Die Kräfte kommen je langer je besser: er kann sich einige Zeit ausserdem Bette aufhalten. Heute applicierte man ihm eine Röhre von Horn, die vorne mit einem Stöpsel beschlossen wird, wodurch der Harn meistens abgeht. Den isten. Die Wunde schließt sich immer mehr. Den 2ssten. Der Kranke befindet sich wohl. Er läßt des Tags drey male, weich er verspührt daß die Blase angefüllt ist, den Harn selbst weg. Der untere Theil der Wunde, ist bis an das Röhrgen zu vernarbt. Den 27sten. Heut wurde ein neues Röhrgen hineingethan : Das alte ist von dem Harn gar nicht angegriffen. Den zlen May machte ich folgenden Versuch: Ich steckte einen Catheter durch die Wunde in die Blase, und fühlte hernach in dem Mastdarm ob ich ihn nicht bemerkte? — Nachdem ich in demselben mit dem Zeigefinger über die Härte gekommen war, fühlte ich ihn. Diesen Catheter ließ ich sodann in der Blase, und applicierte einen zweyten durch das männliche Glied, fand aber wieder den nemlichen Wiederstand. Darauf ließ ich den ersten gegen den R Bla- 258 Blaftnyals lenken, und forcierte den zweyten Carthe- ter etwas starker, bis er endlich durchdrang und Mnz deutlich an den durch die Wunde hinein gebrackhten Catheter anstieß : durch diesen letztem floß zmerst Harn, hernach Blut ab. Ich nahm nun beyde Ca- theters wieder heraus, steckte die Röhre wiederr in die Wunde hinein, und befahl dem Kranken, dasß er den Stöpsel nicht herausnehmen, sondern weinn er fühlte daß die Blase voll wäre, sich bestreben sodllte, den Harn durch den natürlichen Weg abgehen zu lassen. Den 4 ten. Der Kranke folgte zwar dem gegebenen Rath, aber es wollte kein Harn durch den natürlichen Weg abgehen. Ich appltcierte jetzt den Catheter wieder mit leichter Mühe, und zapfte: damit drey Harngläser voll Harn ab, applicierte als- denn einen biegsamen Catheter, und liesse solchen! den Tag über in der Blase liegen, worauf auch der Hharn dadurch abflösse. Des Nachts nahm ich ihn Heraaus, und der Harn flösse wieder wie vorher den künnstli- chen Weg. Den sten zapfte ich das Wasser wieder durchh den Catheter ab, und sprützte durch denselbigen und dtmrch die Röhre ein reinigendes Decoct hinein, wo mvenn man das Wasser oberhalb der Schaamknochen ^ einspritzte , dasselbige den natürlichen Weg, vernnitittelff des Catheters herauskam, und spritzte man durchh den Catheter hinein, so käme es oben durch die Rstöhre heraus. Den 6ten versuchte ich nichts, denn der duirckch die vorigen Versuche verursachte Reiß hatte die TLHetle schmerzhaft und geschwollen gemacht. Den -! 259 Den sten hatten sich Schmerz und Geschwulst gelegt, so daß ich den Catheter wieder applicieren dorfte, durch welchen der Harn auch abgieng. Da bisher , ausgenohmen mit Hülfe des Cache- ters nichts durch den natürlichen Weg abgehen wollte, und man aus mehreren leicht einzusehenden Gründen nur gar zu sehr an der Nadicalcur zweifeln mußte, Und die tägliche Abzapfung durch den Catheter sehr unsicher/ unbequem/ und schmerzhafter als die durch das Röhrgen war/ so wollten wir den Kranken nicht länger vergebens mit der Application des Catheters plagen/ sondern behandelten denselben fernerhin Palliativ / wobey er sich sehr wohl befand an Leib und Kräften augenscheinlich zunahm / auch nachher wenig Beschwerden verspührle,. vollkommen wohl war, und sich fast den ganzen Tag ausser dem Bette aufhielt» Aber kein Tropfen Urin geht durch den natürlichen Weg ab, sondern alles durch den künstlichen, und die Wunde bat sich so gut um das Röhrgen herum vernarbt , daß nicht das geringste neben demselben her- aussiießt» Und-so waren die Umstände der Krankheit beschaffen, als am 24ten Jenner 177s der vordere Theil des Röhrgens abbrach, und wahrscheinlich in der Urinblase zurückblieb. Jedoch konnte ich nichts mit der Sonde entdecken, und brachte ein neues hinein« Bon dem untersuchen bekam er einiche Schmerzen, die sich aber bald verlohren. Den ersten Hornung bekäme er den Tag vorher Schmerzen: hierauf erfolgte ein ziemliches bluten zu der Wunde heraus, mit Erleichterung der Schmerzen- R 2 Den Deu isleri erfolgte der nervliche Zufall, und vcopon diesem Tag an ward er ohne weitere Zufälle wiedieoer gänzlich gesund. Im August darauf ward er als ein Hauskind imins Hospital aufgenohmen, (d. i. er bekam für seine köniins- tige Lebenszeit im Hospital uuentgeldlich, SpeiAß, Trank, Kleider, Bett und Wohnung) wo er fiickch ziemlich frey befände, nur daß man in deu letztesten Monaten kein Röhrgen mehr, auch selbst wenn mcaran es kürzer machte, hineinbringen konnte, indeme ssosol- ches immer wieder herausgestossen wurde. Bey swlol- chen Umständen trachtete man nur allein die äusserrern Theile vor dem Wundwerden zu verwahren. Endlich verstarb er den 2ten Hornung 1777/ nacchch- dem ihn ein Fieber befallen hatte, welches ihn innewert acht Tagen von allem ausgestandenen und noch amsis- zustehenden Elend befreyte. Bey der Leichenöffnung fände ich, daß die Harmn- blase selbst leer, zusammengezogen, und klein waw r, und gerade bey der Vereinigung der Schaamknoch«eren lag. Die Vorsteherdrüse war einer kleinen Faust grwß'ß, angeschwollen und ihrer Conststen-z nach ganz spe-ckck- artig. Da man die Blase öffnete, so fände man, deasaK der widernatürliche Gang in dieselbe, der oberwär'trts durch die Punctur war gemacht worden, ganz callöis s, und wie der innwendige Theil einer Harnröhre Verschaffen wäre. Die natürliche Oeffnung der Harnn- röhre wäre mit einem Stein verschlossen, dessen Spntzitze gerade in die Oeffnung der Harnröhre hineirrpaßne x, in seinem ausgehölten Theil aber läge ein schwammichh- ter Auswuchs der Vorsteherdrüse, die durch den Eimm- schniitttt schnitt in die Blast gienge. Ehe nun dieser Stein zugegen wäre (wozu augenscheinlich erst das den 24ten Jenner 1774 abgebrochene Röhrgenstück die erste Anlage , oder den sogenannten Kern ( nucleus ) gegeben hatte) drückte die angeschwollene Drüse den Blasen- hals zusammen, nnd der innere Auswuchs legte fich vor die Oeffnung desselbigen. Allein hernach verdrängte das abgebrochene Stück von dem Röhrgen die Geschwulst, legte stch für die Oeffnung der Harnröhre, und wurde von einer steinartigen Materie überzogen, wo denn nach der Beschaffenheit der Blase der vorher beschriebene Herzförmige Stein entstehen mußte. Aehnliche Fälle stndet man bey blorgaßni Ze leäikus Lc cauil8 rnorborum per ^nsrornen incka- xslis. III. Lxili. XXXlV: /^rr. 7. I'om. Ik. paß» 47. (Läir. kol. Venerüs, rypis Kemonämis- ni8 1761) Lc ^pili. XII. ^rr» 6. lom. II. pag. i^k. Lc. ibicl. ^rr. IZ. P3Z. 1 /z. — Bey Lbriii. 2 über cle IVIorb>8 Velicse urinarise. 4. ^rZenlorarj. 1771. . Bey weitz Auszüge aus chirurgischen Disputationen VI. Bd. S. 181. Und in I-,uä wiZii MverlärÜ8 me- clico — xra(tici8. Zusatz und Anmerk. des Uebersetzers. R; Erklä- 262 Erklärung des Kupfers. Das svitze in den Blasenhals passende Ende „ , des oben beschrtebnen Steines. D« Das ausgehölte, einwärts gegen die Blase gekkessehrte Ende/ worein der schwammichte Auswuchs s der Vorsteherdrüse paßte. cZ M Zürich, gedruckt mit Zteglertschm Schriften. -i-r »LMr^s