V. >,!>.- 0 zsso rn einem Schweizerischen Gottesgelehrten. St. Gallen: bey Reutiner jünger, i?8ü. Allen seinen Mitchristen nah und ferne die eine Begierde haben nach WahrheK die da ist nach der Gottseligkeit, eignet dieß Buch zu der Verfasser. Mein Vochaben,. meine Absichten, u 8 d meine Wünsche 9!echt eigentlich nach seinem Titel soll Dieß Buch ein Handbuch der christlichen Lehre für Ungelehrte, besonders Landlevte seyn. Es soll eine zierm lich vollständige Sammlung von kurzen Abhandlungen über die wichtigsten Wahrheiten, Lehren und VstichLen des Christenthurns, nach dem Alpha- LeL, enthalten. — Aurz sollten -iest Abhandlungen seyn — theils damit der Leser den ganzen Umfang einer christlichen Wahrheit, Lehr oder Pflicht desto leichter «versehn und Walten könne; theils theils aber auch damit das Buch selbst nicht allzuweitläufig und groß, und also für die, denen es allernächst geschrieben ist, nicht zu kostbar anzuschaffen werden möchte. Dem Alphabet nach gerephet, damit der Leier das, worüber er etwa besonders zu lesen verlangt, desto leichter aufsuchen und vorfinden kann. — Meine erste und eigentliche Absicht ist Hiebey, dem Ungelehrten, dem Landmann, der nicht nur bey seiner Bibel, seinem Bettbuche, und etwa einem alten Predigtbuche allein stehen bleiben will, ein erbaulichs und belehrendes Haus- Buch zu liefern, das ihn mit der christlichen Lehre seinen Pflichten und der wahren Art ihrer Ausübung bekannter machen, ihm das Nachdenken über dieselben erweken und erleichtern, und gleichsam zum Leitfaden dienen sollte — ein Buch worinn er den praktischen Theil seiner Bibel, die Hauptdogmen seines Catechismus, seine christliche Sittenlebre, den Hauptinnhalt aller Predigten, die er darüber hören kann, obgleich nur kurz, nur im Auszuge finden könnte. Nicht vn Nicht mein , sondern des Landmanns und jedes andern Lesers Nuzen bestimmte mich dazu, dieß Buch in übrigen Stunden zusammen zu schreiben. Ichzeigtees verschiednen meiner Freunden im Manuskripte, und sie glaubten mit mir, daß es seiner Absicht entsprechen, daß es diesen Nuzen erreichen würde. — Mit diesem Wunsche überließ ich's dem Herrn Verleger. — Der, von dem aller Segen herkömmt, lege ihn auch aufdieß schwache Wort! — Dieß ist was ich mir immer dringend erflehe! — Nun noch Ein paar Worte vom Herzen an alle Leser dieses Buchs. Älle die lesen, urtheilen über das Geleßne und über den, der's geschrieben hat, und alle haben das Recht dazu.— Diese Anmerkung bestimmt mich, mit drey Klassen von Lesern und Beurthei- lern dieser Schrift besonders ein Wort zu reden. — Ihr Ihr alle, liebe Leser! (das muß ich Euch zuerst und dringend bitten,) urtheilt doch nicht, bis ihr gelesen, und das Gelesene unpartheyisch geprüft habt; (Ihr mögt mich kennen oder nicht, mehr oder weniger) urtheilt nicht einseitig und nicht parteyisch — nicht gelinder und nicht härter, wenn Ihr mich kennet oder nicht kennet. — Daß bitt ich alle. (*) Gelehrte — werden mich wenige teftn — und wenn Sie's lesen, aus dem rechten Gesichtspunkt sehen — mich als einen Ungelehrten, mein Buch als ein Buch (*) »weh dem, sagt Herr Lavater irgendwo, »der das Gute oder Beßre verachtet, das » ihm von andern dargereicht wird. Aber, » wol dem der alles Gute an allen und von »allenliebt, sie mögen gut oder böse seyn, » sie mögen heissen, wie sie wollen, berühmt » oder verrufen seyn! Wer's mit der Wahr« »heil hält, der hört die Sprache derWahr- » heit, wo und wie sie immer gelehrt oder »einfältig — sprechen mag!"- Buch für Ungelehrte betrachten, mir -en guten Willen nicht absprechen § wenn ihn auch die Rraft der Ausführung mangeln sollte. — Wohl aber werden andre einsichtsvolle Und kluge Männer meine Schrift lesen, die Anspruch auf den Namen eigentlicher Gelehrter machen wollen, Freunde der Religion, Geistliche aufdem Lande, Freunde des Landvolks, Prediger des Christenthums. Und Sie bitt ich so demüthig und dringend ich kann, bey Beurtheilung meines Buchs ausfolgendes Rüksicht zu nehmen r Daß dieß meine erste Arbeit in diesem Fache ist, die ich nur darum der Presse überließ, um als Christ aufChri- sten wo und wie ich kann zu wirken, und andern auch in meiner Schwachheit zu nüzen. wenig und Nuzen bey Schwächer» und den Schwächsten ist auch ^ Muzen. Auch das Schärfgen verdient keine Verachtung , wenn es mit willigem gutem Herzen gegeben wird» — X Daß nicht alles eigne Arbeit, sondern sehr vieles aus verschiednen guten Büchern, besonders auch aus der vor- treflichen Leßischen — Tittmannischen und Mosheimischen, Moral rc. gesammelt ist. — Daß hie und da vieles, das auch hieher gehört hatte weggelassen ward , um das Buch nicht allzusehr ins weite zu dehnen und den Preis desselben nicht zu erhöhen. — Daß ich endlich einige Litte! in mein Buch aufnahm, die eigentlich keinen Theil der christlichen Lehr ausmachen, nur weil mich Nöthig bedünkte, darüber ein Wort mit Landleuten, besonders zu reden. — Hab ich irgendwo zu unbestimmt, zu undeutlich geredt — oder—finden sich sonst einige unerhebliche Fehler, so bitt ich mir dieselben gütigst zu übersehen— Von Von den Herren Rezensenten, welche auch dieß Buch finden wird, erwart ich, förcht' ich keinen eignen oder fremden, unbilligen Tadel—billigen werd ich gerne annehmen, da er mich belehren wird — und in diesem Fall bitt ich Sie um denselben. — Ihr endlich , Ungelehrigere, Landleute! Ihr jeyt es denen ich allernächst geschrieben habe. Leset! denket über das Gelernte näher nach — prüfet — forschet — leset wieder — es wird Euch viele Gedanken erweken, die Euch heilsam seyn können , und auf die Ihr ohne diesen Leitfaden vielleicht nie gerathen wäret. Leset dieß Buch mit Euern Hausgenos sen , besonders mit Euern Kindern, vor der Kinderlehr oder Unterweisung. — Leicht werdet Ihr allemal die Materie auffinden , welche da zu behandeln folgt. Ist B. die Frage von GOtt/ so suchet at und aufopferte und uns wie sein eignes Leben liebte/ würde bey seinem Hinscheid aus der Welt ein Gemäblde zurück lassen , oder jährlich auf einen gewissen Tag eine Mahlzeit für seine sämtlichen Freunde zu seinem Andenken anordnen; es wäre sein letztes Wort an dieselben : « Das behaltet / oder das thut zu meinem Andenken!" — Welcher redliche nicht undankbare Freund dieses Sterb, nden wird es sich nicht zur unverletzlichen Pflicht machen, dieß zurückgelaßne Denkmahl des Freundes oft zu betrachten und mit dankbarem gerührtem Herzen / mit der lebhaftesten Erinnerung an die Liebe und Wohlthaten des Stifters, und der herzlichsten Liebe gegen alle seine übrigen zurückgebliebenen Freunde, an dieser Mahlzeit jährlich Theil zu nehmen ? — Näher. JEsus that alles, opferie alles, so gar sein eignes Leben für uns auf. Nun Mete er das Abendmahl zu seinem Andenken. Er befiehlt es daß mans gemessen solle, und mit würdigem Genusse desselben sind sehr viele Vertheile verbunden , Stärkung des Glaubens und der Liebe, Erweckung zum rechtschaffenem Leben, Sünden, Vergebung und Verei« mguug mit dem Nächsten. Sind wir nun Freunde ZEsu , wahre , nicht nur sogenannte Lhrisien, wenn wir uns von dieser Mahlzeit äussern, Abendmahl. z äussern, sie nicht , nicht mit dem lebhaftesten Andenken an die Liebe und Wohlthaten des Stift Centers , mit Dank dafür, und mit herzlicher Liebe ^"""2«sum gegen seine übrigen Freunde gemessen ? ich denke doch, nein! gewiß nicht. Wir mögen wohl Christen heifsen, aber wir sind es nichts") das Abendmahl soll also, und soll zum Andenken der Leiden und des Todes JEsu für unsre Sünden genossen werden. Und wie noch weiter ? das bedarf nähere Bestimmung. Eh man es genießt soll man sich sorgfältig vorbereiten. — mitnithiger Ohne die nöthigen Zulüftungen erscheint doch kein ^ ehrbarer Mensch auch nur bey einer gemeinen Mahlzeit. Er wascht sich, zieht beßre Kleider an, er sucht dem Gastgeb und sich selbst Ehre zu machen. Freylich auch solche Zurüstungen müssen auf den Genuß des heil. Abendmahls gemacht werden, obschon ihm und seinem würdigen Genuß dadurch eigentlich nichts auf und nichts abgeht. — Die eigentliche Vorbereitung darauf, ist eine Herzenssache , ist die von Paulus (r Cor.Xl.) geforderte (*) Luther drückt sich sehr ernstlich dießfalls also aus : „Wer das Sacrament nicht groß achtet, und „selten brauchet, das ist eine Anzeige, daß er „keine Sünde, keinen Teufel, keine Hölle glaubt, „ob er gleich bis über die Ohren darinnen stekt, „ und zweyfach des Teufel ist. "-Wer dürste dieß heut zu Tag einem Abendmahlsverächter ins Gesicht sagen l- A 2 4 Abendmahl. mir Prüfung derte Selbstprüfung oder Selbstbewahrung, ftinrr ftwst. (Der Mensch aber bewähre sich selbst , und also esse er von diesem Brod und trinke von diesem Kelch,) und diese ist, eine genaue, unpartheyische Untersuchung seiner Gesinnungen und seines Wandels. Man muß gleichsam über sich selbst zu Gerichte sitzen. Auf der einen Seite Gebott für Gebott, Pflicht für Pflicht, Tugend für Tugend, Laster für Laster durchgehen; auf der andern Seite sich selbst fragen : „ Wo bin ich schuldig , wo unschul- „ dig ? was that ich, was nicht ? wer war ich, „ was war ich nicht, das ich hatte seyn können, „ oder sollen? was sündigte ich, wieder GOtt, den Nächsten , mich selbst, wissentlich , ohne „ Wissen, mit Vorsatz oder unvorsätzlich ! in », meinem Beruf, ausserdemselben ? —was glaubt >, ich, oder glaubt ich nicht? was will ich für die Zukunft seyn, thun , oder nicht thun? — „ u. s. w. " — Das fragen, nach seines Gewissens redlichem Ausspruch antworten, es bereuen wo man sich schuldig findt, seine Fehler bey GOtt abbitten, redliche Entschlüsse zur Besserung fassen — Das ist Selbstprüfung, wie sie leider bey vielen nicht ist, aber doch, wie sses bey allen seyn sollte! — Man soll das Abend- t Dank gemessen mit Dank und Liebe gegen Und Liebe gt.IEsum und im Glauben an ihn. — Es ist gen Jesum ein Gedächtnißmahl des Todes JEsu für unsre ^"'Sünden — also — welcher Schluß ist natür- '' licher? — also muß uns dabey Dank, Liebe, Glauben Abendmahl. f Glauben an ihn erfüllen. — Da möcht ich nun, Mitchrist! nicht einmal fragen: Sollst ? aber: Rannst du dir die Liebe ZEsu vorstellen , wor- mit er sich für dich in den Tod hmgab, dein Leben zu retten, die Liebe womit er dich zuerst geliebet hat, ohne ihn hinwieder zu lieben ? Kannst du an die Grosse der Gutthat denken, an die Gutthat deiner Wiederbringung vom ewigen Verderben und die Erwerbung der Seligkeit durch seinen Tod, und ohne Dank bleiben ? — Kannst du sehen, was er für dich that und litt und duldete, und nicht an den Leidenden und Duldenden glauben ? Rannst du das?, mehr frag ich nicht. Aber wenn du's kannst, so erbarme sich GOtt deiner verhärteten Seele, so rette Er dich vom nahen Verderben, so nehme Er das steinerne Herz aus deinem Leihe und gebe dir ein fleischernes Herz! !-^ , JEsus starb für unsre Sünden, für deine, meine und aller Menschen Sünden. Wie dich, so hat er alle bis in den Tod geliebet; wie für mich, so ist er für alle gestorben, für alle hat er sein Abendmahl eingesezt, daraus folgt: man soll es gemessen, mir wahrer Liebe gegen den wahrer Nächsten. Wir alle sind Kinder Eines Vaters. Liebe geqm Erlöste Eines Erlösers, wir alle sind —Bruder dELchkm und Schwestern, wir alle sollen einander lieben, wie Christus uns geliebet, und sollen einander verzeihen, wie GOec uns allen vergeben hat m Christus! 6 Abendmahl. Christus! Wer mit unversöhnlichem oder lieblosem Herzen zum Liebesmahl kömmt, ist des Mahls nicht werth; wer die Nebenfreunde nicht liebt, die JEsus liebt, ist der Liebe JEsu nicht werth. Nur eine einige Schriststelle, Math. V. 2z - 24. Wann du deine Gabe auf dem Altar opfern willst , und du erinnerst dich daselbst daß dein Bruder etwas wieder dich zu klagen hat; so laß deine Gabe daselbst vor dem Altar und gehe hin, söhne dich vorher mit deinem Bruder aus, und alsdann komm und opfre deine Gabe! — Wann «s Gemessen wir nun das heilige Abendmahl nossen werdet mit vorherangestellter Selbstprüfung, mit Dank, Liebe, Glauben, Andenken an JEsum und mit herzlicher Liebe gegen den Nächsten, so geschieht es Nuzen. würdig, dann wird unser Glauben an JEsum, unsre Tugend und Gemüthsruh noch mehr gestärkt und es ein Fest der Freude und des Segens für uns werden, im Gegentheil aber, geschieht Waim u». es nicht, so gemessen wirs unwürdig. In diesem Fall spricht Paulus das Urtheil in des " HErrn Namen : i Cor.XI. 27 , 2y. „ Welcher „ dieses Brod isset, oder von diesem Trank „ des HErrn trinkt, solches aber unwürdig thut, „ der wird schuldig seyn des Leibs und Bluts des » HErrn; er ißt und trinkt sich selbst das Urtheil „ und die Verdammniß, weil er den Leib des „ HErrn nicht unterscheidet, ( das Brod bey » dessen Genuß man sich den Tod des HErrn vor- Abendmahl. 7 ,, vorstellen soll , so genießt/ als ob es gemeine „ Speise wäre.) — Es gibt nur zween Wege. Einen mußt du geben / Christ! Entweder ehrst du GOti und ZEsum im Abendmahl oder — du lästerst ihn — entweder genießest du's zum Segen oder zum Fluche — entweder befestigst du dadurch deine Seligkeit oder du besiegelst dir in demstchen deine Verdammnis); einen Mittelweg giebt es nicht. — Wer das liefet / der merke es! — Nur noch einige Anmerkungen und Kitten seyen mir erlaubt / eh ich diesen Tittel schließe. Man mache nicht zu wenig aus dem heiligen Abendmahl, aber auch nicht zu viel. Man halte es nicht für eine blosse Ceremonie, aber auch für keine Handlung, wobey man, seys wie's will, erscheinen, und mit Ablaß oder Verzeihung der Sünden und Vergwisserung seiner Seligkeit wieder weggehen könne. — Man spare die Selbstprüfung nicht bis an den heiligen Abend vor dem Feste, oder gar bis an den Festmorgen selbst, und glaube dann, sie sey vollendet, wenn man noch geschwind, geschwind ein Gebett um Verzeihung der Sünden oder eine — auch die beßte — gedruckte Selbstprüfung selesen hat. — 8 Abendmahl. Man glaube nicht daß es schon genug sey, wenn man allenfalls den Feind nicht mehr hasset, oder ihm für denselben Tag vergeben hat. Man glaube nicht, wenn das Abendmahl vorbey sey, so hören seine Verpflichtungen auf. Wenn man unmöglich verzeihen kann, oder sich sonst nicht würdig genug vorbereitet hat, so bleibe man lieber für dasselbe mal zu Hause. Man vergebe nicht nur seinem Beleidiger, sondern suche auch auf irgend eine Art, Vergebung von dem Beleidigten. Man rühme sich nicht; ich bin viel zum Abendmahl gegangen, sondern frage sich: wie oft bin ich würdig gegangen? — Man entferne sich, wenn das Abendmahl gehalten wird, nicht ohne die äusserste Noth, eh gesungen wird, oder währendem Gesang nach demselben aus der Kirche. Das heißt von einem Tische gesättigt weggehen und dem Wohlthäter den schuldigen Dank entziehen, rc. rc. Aber- 9 Abcrglaub. ^^ieß Wort steht freylich nicht in der Bibel, aber von der Sache schweigt sie doch nicht ganz, und eine richtigere Kenntlich derselben kann grossen Einfluß auf unsre rechte Christenthumsübung haben. — Also immer ein Wort davon — nur weniges und nur winke, für den Haufen oder das Häuflein abergläubiger Leute, auch unter meinen Lesern. Aberglaube ist falscher, unrichtiger Glaube. Was er sey. Abweichung vorn Glauben — unvernünftiger Glaube. — Er betrift entweder Sachen in der Wie vielfach Religion, oder andre weltliche Dinge, und ist " also zweyfach. Die erstre Art des Aberglaub's, welche sich Was istAber. auf Sachen der Religion oder des Christenthums Am/ions. bezieht. Averglaub in Religronssachen, ist fachen; eine verkehrte Art GOtt zu dienen; eine irrige Meinung GOtt durch gewisse Dinge zu gefallen, und eine irrige Furckt ihm durch gewisse Dinge zu mißfallen. — Ihr denkt vielleicht wir werden Exempel. Euch hier geschwind und vor allem aus auf das Fasten , das Rosenkranzbetten , Wallfahrten, Messehören, rc. unsrer lieben Bruder der Katholiken verweisen? O nein ! wir wollen nur bey unsrer Airche und unsern Leuten stehen bleiben. IO Aberglaub. den, wo es uns an Exempeln von Aberglaub, und Abergläubischen in Neligioussachen kaum mangeln wird. Wollen, wie man sagt, erst , vor unsrer Thür wischen. Zum Exempel: Wer glaubt er könne durch fleißiges Betten und Abendmahlhalten seine Sünden ohne weiters wieder gut machen. — Wer glaubt er könne bloß durch Ergreifung des Verdiensis Christi, ohne Tugend und Recht- schassenheit GOttes Gnad erlangen. — Wer meint, eine grosse Sünde zu begehen, wenn er an einem Festtag nicht beydemal in die Kirche geht, oder nicht Fastet, und denn ohne Bedenken wenn er am Festtag zur Kirche gieng , am Nachtag ins Wirthshaus gehen zu dürfen rühmt. — Wer glaubt, wenn er nur am Sonntag zu Haufe sitze, fieissig in der Bibel lese oder gar nichts thue, so seys gut, wenn er schon die ganze Woche durch die Bibel stehn laßt wo sie steht, und in böse Gesellschaft geht, und thut , was nicht recht ist. Wer meint, wenn er nur ordentlich seinen Morgen - und Abend - Segen daher bete, so werd er fromm genug und GOtt lieb seyn, und Glück Aberglaub. 11 Glück und Stern haben, wenn er schon den Tag über dann vielleicht mehr flucht als er am Morgen gebettet hat. — Wer meint es sey ein grosses Unglück wann ihm sein Kind ungetanst sterbe, und es dann doch, wennS getauft und aufkömmt an Leib und Seel verwahrloset. — Wer sich an gleichgültigen Sachen stört — wer glaubt wenn ein Spruch der Schrift nicht Wort für Wort, Buchstabe für Buchstabe gelesen wird wie er steht — wenn er etwas änderst erklärt wird — wenn im Gottesdienst eine kleine unbedeutende Abänderung gemacht wird — wenn der Pfarrer nicht immer seinen schwarzen Rock auf'm Leib hat, und sich etwa eine unschuldige Freude erlaubt, rc. wenn er schon daneben ein würdiger Geistlicher ist — so seye die heilige Religion in Gefahr — so sey es die gröste Sünde. Der ist ein Abergläubischer, höchst eiir- faltiger Mensch , oder ein Erzheuchler der Müken seigt und Kamecle verschluckt, rc. das will ich jedem , ders will, ins Angesicht sagen — und loben will ich den, und ihn lieben , und ihm zu lieb und der Wahrheit zu ehren was ich bis- hm gesagt habe alles öffentlich wiederruffen, wo er mir für irgend eine obiger Behauptungen, jrgend einen vernünftigen Beweisgrund wird angeben können. — Aber- 12 Aberglaube Abergkaub in Religionssachen ist eine Pest für's Christenthum , die im Finstern schleicht, und die ich mehr furchte, als alle öffentlich daher fliegende Pfeile des Unglaubens — wollte nur GOtt daß diese Art Aberglaube unter uns eine Seltenheit wäre!- Wss ist Aberglaub in weltlichen Dingen ifts, ^Enn man Dinge fürchtet / die nicht sind, oder Dingen? Ulcht schaden können , oder von Dtngen Gutes hoffet / die nicht sind und nichts nützen können; wenn man Dingen Wirkungen zuschreibt die sie nicht haben können, und Dinge die aus natürlichen Ursachen entstehen, für übernatürlich ödes gar für ein Werk des Teufels halt.-- Rasend wüthete einst dieß Ungeheur, und verheerte manchen guten Kopf— und schlug manchen redlichen Mann mit Blindheit. — Es gab eine Zeit, wo die armen Menschen nicht freudig wachen und nicht ruhig schlaffen konnten ; bey Tag weissagten Vögel, und andre Thiere, das Krachen in Wanden, das Anschlagen der Glocken usw. ein Unglück zu Nacht regte sich sonst alle Augenblicke, ein Unhold, ein Gespenst, eine Hexe oder so was ! Diese Zelten sind GOtt Lob! meist vorbey, doch auch hin und wieder finden diese mürrischen Sachen hin und wieder ihre mächtigen Gönner und Vertheidiger, pflanzen sich vom Vater auf die Söhne, von der Grosmutter auf die Aberglüub. rz die Gikelinnen fort — und geben freylich Stoff zu mancher unterhaltenden Erzählung — in der Spinnsiube. Und dahin sollten sie wenn sie doch seyn müssen verbannt bleiben und nicht weiter gehen — Der Beherzte wird lachen, der Furchtsame erschrecken - der eigennützige Betrüger wird sich alle Mühe geben, den Aberglaud (wie sie hie und da noch meisterlich thun, bis er ihnen von der weisen Obrigkeit zur Rechten niedergelegt wird ) fortzupflanzen, und der Menschenfreund wird seufzen und wo er kann sich ihm entgegen sitzen» — — Dieß zu thun bin ich leider zu schwach, und Mit dem Aberglaub und Abergläubischen zu unbekannt. — Doch was ich so vom Hören sagen weiß, das hin und wieder noch geglaubt wird, will ich in einige Nähe bringen, und sie zumeder- legen suchen. — Wußt ich alles, es gab vielleicht Lin grosses Buch. — Der Teufel kann einem leibhaftig erschei- ASergläubi» nen — und einem Schaden zufügen. — Das ist nun freylich, ich gestehs, eine sub- Exempel. — tile Materie — auf der einen Seite könnte man da leicht in Verdacht eines Teufelläugners kommen ; auf der andern Seiten viel eingestehn. Man kann sich auf die Schrift prüfen, daß Teufel erschienen sind und Schaden zugejügr haben, und 14 Aberglauh. und dieß gebe ich zu. Aber ob sies noch können ? ist eine andre Frage — worüber ich aber nicht entscheiden mag — auf der einen Seite sagt uns die Erfahrung, daß wir zu kurzsichtig sind, mit unsern Blicken ins Geisterreich hineinzudringen und ihre Natur, Eigenschaften und Kräfte zu- besiimmen — und auf der andern Seite sagt uns die Schrift — „ Christus habe durch seinen Tod „ abgerhan, den der des Todes Gewalt hatte, „ d. i. den Teufel, und er sey gekommen , daß „ er auflöse, die Werke des Teufels."- Also laß ichs gestellt seyn : Der Teufel kann einem erscheinen, aber daraus folgt doch noch nicht Der Teufel ist schon erscheinen. Wenn wir freylich das Wort Teufel nach seiner Bedeu- rung im Grundwort verstehn als einen boshaften Betrüger , verlaumder, so hab ich ihn leider! schon mehr als genug selbst gesehen. — Aber wenn man darunter einen von GDrr ver, stoßnen bösen Engel oder Geist versieht; so muß ich natürlich fragen: wo sind die zuverlässigen, gewissen, sichern Nachrichten nicht von Einem; sondern von einigen glaubwürdigen Männern, die ihn gesehn haben? Also, wo ist der, ders beweisen kann als Thatsache — er ist erschienen , man hat ihn gesehen, gekannt — es war der wirkliche Teufel in Person ? -- und auch dieß muß ich fragen : warum hört man in den tezren z - 6 Jahren von keinen Teufelerscheinungen Aberglaub. if uungen mehr ! Ich denke die Antwort ist richtig: Herzhafte und verständige Leute haben angefangen es zu wagen, ihn anzupacken, und allemal wars ein Erzböswicht, oder ein Dieb — Menschen mit Teufelherzen unter Teuftlshabit ver> steckt. — Es wäre noch viel zu sagen aber — vorn Teufel — seys genug. Wer sich vor GOrc scheuht, und den Teufel fürchtet, den er nicht sieht, und der Jnnwendig zum Bösen reizt, wird keine Erscheinung und keinen Schaden von ihm zu befürchten haben !- Es giebt Gespenster, man hat ja schon gesehen. Freylich ist das Lezre wahr; so muß das Erste auch wahr seyn. Wenn man Gespenster gcseh'n hat, so müssen ja solche seyn — ausser man hat etwas für ein Gespenst angeseh'n, das es nicht war. Und das ist der Fall gewiß allemal. Ein Gespenst ist entweder etwas , oder es ist nichts. — Ist es nichts; wie kann man es seh'n , wie kann es fürchterlich seyn? Ist es etwas, was ist es denn ?- Gespenster sind verstorbner Leute Seelen, die des Nachts in den Häusern rumoren, erscheinen , oder ( und das gewöhnlich) auf den Rirchhöfen ihr Wesen haben. — Das wäre wirklich eine neue, bisher ganz unbekannte wenigstens unbewießne Sache, daß die 16 Aberglaub. die vom Menschen ausgefahrne See! eine Gestalt annehmen, auf Erden noch herum wandeln , die Leute erschrecken, und wie man etwa hört, Possen treiben und lächerliche Streiche spielen könne» Darum scheuht man also die Kirchhöfe, dieNuh- stadt so mancher frommer Männer, den Ort wo so mancher Rechtschafne in der Erde Schoos auf seine Auferstehung wartet ? weil er der Sammel- Plah guter oder böser Geister ist. — Sind es gme Geister — so dünkte mich sollte man sich freu'n sie zu sehn; und in ihrer Mitte hemm zu wandeln — sinds böse Geister — woher kommt ihnen solche Kraft und Macht — die ersten, was werben sie dir schaden wollen , die lezrern was werden sie dir schaden können , besonders, wenn du ein gutes Gewissen hast? Und abcrmal, wer hat ein Gespenst, ohne Verrückung, bey gutem Verstand , nicht im Traum , sondern sehend , nicht mit voreiliger Angst, sondern ohne Furcht gesehn — im Beyseyn von Zeugen gesehn, und darf kommen und standhaft behaupten , es war ein Gespenst, ein Geist, ein Unhold, den frag' ich beym ersten Wort: „ Guter Freund habt „ ihr untersucht? es angegriffen? ihm gedrohet? » seyd ihr ihm nachgegangen ? seyd ihr sicher, „ daß es nichts anders war? daß euch die Augen, „ das Gehör nicht trügten? " u. s. w. Könnt ich den Gespenstgläubigen nur einmal das Grab des Aberglaubens, oder das Buch von Ahndungen und Visionen zu lesen geben, da würden sie mit Aberglaud. 17 mir zu glauben anfangen, daß, was man für Gespenster ausgiebt, nichts anders als Betrug diebischer Menschen oder auch Thiere sind Wenn man doch nur erst untersuchen und dann behaupten , nicht ohne Untersuchung gerade, wcils der oder jener erzählt hüt behaupten wollte. — Eben daher seh'n sehr herzhafte Leute nie keine Gespenster, weil sie sich nicht fürchten zu untersuchen — Nur ein kleines Beyspiel: — Erst lezten Herbst gieng ich von einem Besuche eine halbe Stunde weit spät Abends nach Hause. Es war dunkel und ich — eben kein grosser Freund von Dunkelheit. — Einsmahls faßte mich von hinten zu beym Rock etwas stark an, hielt mich — und lief mir nach. Ich stand still , sah' mich um — nichts! Ich gierig meinen Schritt fort — Der unsichtbare Jemand hinter mir drein — ich lies stärker — der andre auch. — So ward ich von diesem Unhold begleitet bis zu einem Zaun , wo ich zwischen Pfählen durch mußte. — Nun wollt' ich sehn, ob er mir auch da folgen würde - Ich stand wieder stille — sah' nichts, horte nichts — ich wollte weiter und ward angehalten — ich riß — und der lange Dorn der mir anhieng verließ mich. — Hätt' ich nicht untersucht — und auf eine sündliche Weise, durchs Gebest eine abergläubische Furcht zu stillen, oder das Gespenst zu vertreiben gesucht, und der Dorn wäre von ungefähr abgefallen — so hätt ich ja mit voller Ueberzeugung eine Gespenster- Avanrün gehabt, die ihre vollkommpe Nichtigkeit B gehabt i8 Aberglauh. gehabt hätte — bis die Frag an mich gelangt wäre: — hast du untersucht?-Also doch untersucht und der Gespensterglaube wird sich bald verlieren. — Es sind einige Tage glücklich andre unglücklich, z. E. der Mittwoch ist ein unglücklicher Tag. Der Tag ist allemal glücklich den GOtt segnet, und den man mit einem guten Gewissen, mit Geben und frommen Entschlüssen anfängt und das Seinige thut — und alle andern, wo dieß nicht geschieht unglücklich. Creuz oder geistliche Spruch, oder Schriftstellen — ( an einigen Orten gar Unsinn ) aussen an die Häuser schreiben, bringt den Gegen in dieselben. Ich denke doch so viel Unsinn hat Niemand zu behaupten, daß sich GOttes Segen an ein Creuz oder so etwas binde; sondern all, mal ist ein Haus gesegnet, wenn in demselbigen gotts- sürchtige Einwohner sind, welche die geistlichen Sprüche und Schriftstellen lieber im Gedächtniß und Herzen, als aussen vor den Fenstern haben. Man muß den Talender fragen, welche Tage gut seyen, zumAkern, Säen, Aderlässen u. s. f. Der Aberglaub. 15 Der Calender ist doch wohl nicht eine Sammlung entdeckter Rathschlüsse GOttes für die Zukunft, und an ihn bindt sich GOttes Segen nicht. — Dießfalls bitt' ich, statt aller fernern Antwort die drey ersten Verse im r. Psalm zu lesen: — „ Wohl dem der nicht wandelt im Rath ,, der Gottlosen — sondern seine Lust hat am Gesez „ des HErrn und darin» wandelt Tag und Nacht; » der wird seyn wie ein Baum, der, an den Wast „ Müssen gepflanzt, Frucht bringt zu seiner Zeit, „ und seine Blatter fallen nicht ab, sondern was „ er thut, das gerathet wohl. Aber um den ,, Gottlosen steht es nicht also." — Nochmal wer mir diese Sätze zu Gunsten des Aberglaub's , mit tüchtigen Beweisgründen wird als richtig und wahr beweisen können, die ich hier als unwahr zuwiderlegen mich bemühte, dem will ich öffentlich danken, und alles öffentlich widerruffen. — Jede Art von Aberglaub ist Sünde und eine Schändlich. Quelle vieler Thorheiten — er umnebelt den Ver- kP und stand, schadet dem Christenthum, und schändet^AAh^ einen Christen der immer vernünftig denken, und nichts ohne Grund glauben, hoffen, fürchten soll, und dem eben darum der Schöpfer Sinnen und Vernunft gegeben hat, daß er damit die Wahrheit untersuche, eh' er etwas glaubt oder behauptet. — Bs Unwissen- Quellen desselben. Mittel ihm abiuhelfen. Lv Aberglaub. Unwissenheit , Leichtsinn , Leichtgläubigkeit, schwache Furchtsamkeit , ein böses Gewissen , thörichte Erzählungen und die Zuneigung zum Geheimnißvollen, sind die (Quellen desselben. Will man diesem Uebel abhelfen, so gewöhne man sich über sede Sache nachzudenken, nichts zu glauben, als was man aus Gründe!» glauben kann; alle kindische Furcht zu entfernen und alles vernünftig zu prüfen und zu untersuchen. Lehrer des Volks , Unterrichtet der Jugend, Hausvarer! steuert diesem Uebel wo Ihr könnt, und seyd nicht etwann selbst heimlich Vertheidiger dessen'. Ein Volk das abergläubisch ist, ist nie ein recht gutes , frommes Volk. — Ueber die Thüre eines jeden Abergläubigen , daß er's sähe wenn er aus-und eingienge, möcht' ich mit grossen Buchstaben schreiben: Sprach xxxiv. 14—17. „Wer den HErrn fürchtet, der entsezt sich „vor niemand; denn der HErr ist seine Lwfnung „ und Trost. Selig ist die Seele der Gvtlesfürch- „ tigen; denn auf wen verläßt er sich, oder wer „ ist seine Stärke? "- Allen aber möcht' ich sagen : Glaubt nicht alles, aber darum verwerft nicht alles l ! ( Verzeihung, daß ich so lange bey diesem Titel mich aufhielt l-) Ab- LI Abgstterey. Abgötterei) ist zwcyfach — grobe oder subtilere« Grobe Abgötterey ist, wenn man gewisse Dinge Mcrey^' ausser GOtt als GOtt, oder den wahren GOtt in Bildern verehret- — Subtilere Abgorrerey Subtilere - ist, wenn mün gewisse Dinge ausser GOtt eben sb hoch schätzt, als GOtt, und seine Glückseligkeit dämm sticht und zu finden meint. — Auch die Anhänglichkeit ans Irrdische und die allzugrosse Achtung für dasselbe ist Abgötterei). — Beyde Art der Abgötterey ist Sunde, und wird von s,eistSSnde. GOtt ernstlich vexborren. — Die erste Art - vonZott besonders im ersten und andern Gebotte. Die verbmen. leztern Arten hin und wieder im alten und neuen Destamenr— Sie entsteht aus dem Mangel Quelle», an rechter Erkenntniß GOttes und seines Worts, und des Werths und Unwerths der indischen Güter und aus allzu grosser Sinnlichkeit, und Mittel da- kann dadurch gehoben werden, wenn man sich gegen, bestrebt, sich von GOtt und seinen preiswürdigen Eigenschaften und Vollkommenheiten richtige Begriffe zu machen, wenn man sich in seinen Gottesverehrungen besonders nach dem klaren Befehl der Schuft richtet, und sich die Nichtigkeit und Vergänglichkeit irrdische,r Güter lebhaft vorstellt. — Aerger- 2.2 Aergerniß. Äergerniß — im biblischen Sprachgebrauch — Was es ist. ist alles, was einem andern Gelegenheit giebt zu irren, oder zu sündigen; alles, was ihn böser, ärger macht — jeder Verschlimmerung des Nächsten , die auf irgend eine Art veranlaßt wird. Aergertt- Aergern heißt — einem guten schwachen Menschen etwas in Weg legen, einen Stein des Anstosses, ihm Glauben und Tugend erschweren, ihm Anlaß zu irren oder zu sündigen geben. — Wer durch Worte oder Thaten einem schwächer» Anstoß giebt, ihn sündigen macht, von Wahrheit oder Tugend entfernt und in Irrthum stürzt, oder dazu auch nur entfernten Anlaß giebt, der ärgert. — Aergerniß Alles Aergerniß ist Sünde — JEsus ist Sünde, spxjcht das Weh! aus über jeden Aergernden. „ weh, der Welt der Aergerniß halben! „ wer einen kleinen, schwachen , guten, ein- „ faltigen Menschen, ein Kind ärgern würde, „ dem wäre besser, daß ein Mühlstein an „ seinen Hals gehängt und er in die Tiefe „ des Meers versenkt, mit der härtesten Todes- „ strafe belegt würde. Zwar ist es norhwen- „ dig, es kann nicht änderst seyn, denn daß „ Aergernisse kommen, Verführung zu Irr- „ thümern und Lastern sind unausweichlich, aber „ weh demselben Menschen der Aergerniß » giebt! Er ist -hne Rettung verlohren.— Noch 2 ) Aergerniß. Noch einige nöthige Anmerkungen über das Aergerniß geben und nehmen. Je vornehmer und merkwürdiger die Person ist , welche Aergerniß giebt, desto grösser ist das Aergerniß. Z. E. Wenn Regenten, Prediger, Vorgesezte es geben. — Je allgemeiner das Aergerniß und je öffentlicher es ist, desto unverantwortlicher ist es. — Man ärgere sich nicht über etwas das kein Aergerniß ist, sondern prüfe es vorher! — So laß dir's z. E. sicher Freund! keine Aergerniß seyn, .wenn ein rechtschafner Regent oder Lehrer etwann seine ernsthafte Mine und Ton ablegt; laß dich's nicht ärgern, wen» dein Seelsorger sich etwann einen unschuldigen Scherz oder eine unschuldige anständige Freude erlaubt, wenn er nicht immer zu Hause sizt und studiert, wenn er nicht immer im schwarzen Kleide stekt — und dir dabey ist was er seyn soll, und du von ihm hörest und bey ihm findest , was du suchst und wünschest — laß dich's nicht ärgern, wenn du einen für fromm haltest, und du hörst ihn etwa lachen, oder etwas lustiges erzählen—alles hat seine Zeit, Weinen und Lachen, Ernsthaftigkeit und Munterkeit. Wer nicht entweder ein unglükliches Temperament hat, oder ein Menschenfeind, oder ein Heuchler ist, wird sich nicht von allen Freuden entfernen, auch der Regent, der Geistliche, der fromme Mann nicht- — Anmerkungen: Was Aergerniß an JElu Was es ist. L4 Aergerniß. Was andre ärgert, das unterlasse man. Böses, das versteht sich von selbst — gleichgültige Sachen aber, die an sich weder gut noch böse sind opfre man wo immer möglich der Liebe gegen den Nächsten, den Umständen und der Ge- ivohnveit zu lieb auf. — Was aber an und für sich guc ist, das unterlasse man nicht und wenn Hunderte rechts und links sich ärgern sollten. Man seze sich d- über weg, und suche — oder lasse es GOtt und der Zeit über, die, .sich Aergernden zu belehren.— Man hüte sich vor Aergernissen — und mache sich's besonders nie zum Grundsaz: „Andre „ thun's doch auch — was andern recht ist, ist „nur billich!"- Und besonders Obrigkeiten, Lehrer, Vor- gesezte, Hausväter — „ Richtet das, daß niemand „ seinem Bruder eine Aergerniß gebe! Habet „ Acht auf die, welche Aergernissen anrichten! — „Und alle-— weichet von denselbigen ab! " — Römer XIV. XVI. A)om Aergerniß an IEsu noch etwas weniges. — An ihm sich ärgern heist in seiner Lehr oder in seinem Leben etwas so anstößiges finden, daß man sich dadurch vom Glauben an ihn und seine Lehre abhalten läßt. — So Aergerniß (anIEsu) 25 So ärgerte sich einst an ihm ein Theil seiner Zeitgenossen unter den Juden — und heut zu Tag einige unter den Christen ? — vielleicht, Legion! Wem die Niedrigkeit seiner Person, die Armseligkeit seines Lebens anstössig, seine Wunder verdächtig , seine Lehre zweifelhaft ist; wem sein Creuz eine Thorheit, und Glauben an einen schimpflich Hingerichteten Missethäter , wie sie's heissen, Raserey ist — was die welche ihn predigen verachtet, und die welche ihm anhangen verspottet ; wem das Wort JEsus Christus in Ohren weh thut, wer sich selbst lieber gepredigt und gerühmt hörte als ihn — und was alles mehr — der ärgert sich an rhm. Und solche sind ihrer etliche gewesen und sind noch. Die beßten Mittel sich davor zu bewahren , sind: eifriges Bestreben nach einer deutlichen Erkenntniß IEsu und seiner Lehre — Bekämpfung alles Stolzes — Unterdrückung der Sinnlichkeit in Welt - und Sünden - Liebe — Vermeidung des Umgangs mit Leuten, die sich an IEsu ärgern und ihre Schriften. — — Selig, wer sich an Christo und seinen Lreunden und Dienern nichc ärgert ! — und — verflucht wer ihn nicht lieh hat! — Match. XI. ! Lor. XVI. Allgegen- r Mittel dagegen. 26 Mgegenwart. Was sie ist. ^Ott ist allgegenwärtig , das heist, er ist nach seinem Wesen und nach seinen Wirkungen allenthalben , an jedem Ort und bey jedem Dinge zugegen. Er erfüllt Himmel und Erde — alles in allem. Er ist nicht ferne von unser einem jeden.' Er sieht uns alle, hört uns alle , ist bey uns allen. — Unsrer geheimsten Thaten ist er Zeuge. Was wir thun — allenthalben — so ist er zugegen. — GOtt ist uns nah', wir sitzen oder gehen, Ob wir an's Meer, ob wir gen Himmel flöhen, So ist er allenthalben da. — Wie wenn er uns immer zur Seite stühnde, wie wenn er uns bey jedem Schritte den wir thun, auf'm Fusse nachfolgte, so allgegenwärtig, so nahe ist uns GOtt. Er ist droben im Himmel und unten auf Erde. Wo irgend Etwas ist, da ist auch GOtt. ,, Wohin wollten wir geh'n „ vor seinem Geiste? wohin fiieh'n vor seinem „ Antlitze ? führen wir in Himmel — so wäre ,, er da; flöhen wir zur Hölle — so wäre er « auch da. Wohnten wir zu äusserst am Meere— ,, so würde seine Hand uns auch daselbst findem „ Wollten wir in die Finsterniß uns verbergen— ,, so ist die Finsterniß wie das Liecht vor ihm." — Psalm. LXXXIX. — Das ist GOrees Allgegenwart. — Wie? Allgegenwart. 27 Wie? wenn ich Euch nun, Christen! mit W«s s»s fie so himmelfester Gewißheit eben dieß von Euern «ns lehren r Regenten , Euern Lehrern, oder von irgend einem andern rechkschafnen Mann versichern könnte! wenn ich euch sagen könnte: » Thut was ihr „ wollt — wo ihr wollt — er ist immer bey „ euch , sieht euch — hört euch zu? " — —- wie wär' euch zu Muth? was würdet ihr ohne Zweifel thun ? — Scheuhen würdet ihr euch doch vor seinen Augen seine Geseze oder die Geseze der Ehrbarkeit zu übertretten. — Warum denn vor GOtt nicht? — vor GOtt dem Richter und strafenden Rächer der Uebertretter seiner heiligen Geseze. — Die Ueberzeugung von GOttes Allge- genwart erwecke uns also zur Tugend und Gottseligkeit , zum Wandel vor ihm, sie ermuntre uns nichts zu thun, zu reden, das wir nicht vor ihm — ich möchte sagen — in seiner perfon, lrchen Gegenwart reden oder thun dürften. Er ist Zeuge unsers Guten und Bösen — Zeuge und Richter desselben; dieß sey uns bey jeder That, welche wir thun, unser erste lebhafteste Gedanke. — Aber auch tröstlich sey uns der Gedanke bey unserm Gebecre , daß GOtt nahe ist allen denen, die ihn anrufen, und im Leiden, daß er bey uns ist in der Noth, und im Tode, daß, wenn wir wandeln müssen im Thal des Schatten des Todes, wir kein Unglück zu fürchten haben, da der HErr der gute Hirt bey unS ist , und sein Schutz uns tröstet.- GOtt Ll? Allmacht. GOtt ist allgegenwärtig ! — Dieß kann und soll uns zum Guten ermuntern, vom Bösen abhalten. Sollten wir GOtt weniger fürchten, als die Menschen? Oder fürchten wir auch GOcr nicht ? ? — Beweis derselben. Allmacht. Was sie ist. Äuch dieß ist nur GOttes Eigenschaft. So wie dem Menschen Ohnmacht und Einge- schränktheit eigen ist, so ist GOtt Allmacht, Besitz und Gebrauch aller Kräfte im vollkommen, sten Grade eigen. Er ist allein allmächtig, das heißt, er kann alles thun was er will,' ihm ist nichts zu schwer, bey ihm isr kein Ding unmöglich. Was wir seh'n ist GOttes Werk —> was geschieht, geschieht durch seine Kraft. — Welten schuf er Mit einem blossen Worte und Welten zerstöhrr er mit einem Worte. Er ruft dem das nicht ist, daß es sey, und es ist, und dem das ist , daß es nicht mehr seye, so ist's nicht mehr. — Welche Allmacht! Zn ihm lebt alles und ist! Wo keine Kraft hinreicht da reicht seine Kraft hin — wo tausend Hände vergeben arbeiten, kann er durch ein einiges Wort vollenden , wo Millionen Gedanken auf die Ausführung eines Werks denken, da gebietet sein Blick, so ist es ausgeführt. Wo Niemand mehr helfen kann, und wenn's der mächtigste Engel, und das ganze Menschengeschlecht / und wenn's die ganze Allmacht. 2- ganze Schöpfung wäre, da kann er helfen. Er ist mächtiger als alle seine Werke In seiner Hand ist Kraft lind Macht. Er kann thun über alles was wir bitten oder verstehen. — Wer's nicht sieht, der ist mit sehenden Augen blind, Und we?s nicht glauben will, daß GOtt allmächtig ist , der ist tief unter dem Heide, der's erkennt, daß kein Allmächtiger sey, dann nur der HErr. — GOtt kann alles — aber doch mit Einschränkung , die ich zu merken bute, er kann nichts tvas unvollkommen, rundlich, ungereimt ist. Wenn GOtt allmächtig ist , wem wollen Wozu sie wir vertrauen , wen wollen wir fürchten? ver- welchen bessern Tröster und Scbuz in Noth und Unglür uns auswählen? auf wen hoffen bey Geben und Arbeit, bey Dulden und Leiden, im Leben und Sterben? auf wen als auf ihn den Allmächtigen? — Ja, Christ! an ihn, an ihn dich fest gehalten und es wird dir gelingen und du wirst nie unglücklich seyn. Kein Sperling fällt Ja, ohne leinen Willen; Sollst du dein Herz nicht mit dem Troste stillen, Daß seine Hand dich immer halt? Ist GOtt dein Schuz Will er dein Retter werden : So frage nichts nach Himmel und nach Erden Und biete selbst der Hölle Truz! All- Allmosm. Was sie Ällmosen sind Gaben, die man Armen und seyen. Dürftigen giebt, um ihnen ihre Nothdurft oder ihr Elend zu erleichtern. Man soll sie Man soll Allmosen geben. Es ist GDr- e/ist GOt. Befehl, daß man Allmosen gebe, daß man tes Befehl, sich der Elenden und Dürftigen erbarme, daß man dem Hungrigen sein Brod breche, daß man den Durstigen tränke, den Nakenden bekleide, den Kranken beherberge, daß man dem gebe der uns bittet, daß man wolzuthun und mitzutheilen nicht vergesse, und gutthätig sey gegen jeder- Und die mann. — Und auch die Menschenliebe erfordert. MenschenliebMes was wir wollen, daß uns die Leute thun, erfordcrtS. E ihnen auch thun, ist die erste Regel der Menschenliebe, die Summe aller Pflichten des Gesazes und aller Lehren der Propheten. — Und: Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst. — Wenn ihr einen Armen, Elenden sehet, fraget euch, was ihr in gleichem Fall von ihm erwarten würdet. - Oder wenn ihr euch selbst helfen könntet, ob ihr es nicht thun würdet! Gerade das thut einem andern, der so arm und elend er seyn mag, den- Wer soll noch euer Bruder ist. — Jeder Mensch ist zum Allmosm Allmosen geben verbunden. — Der Reiche * von seinem Ueberflusse, der im Mittelstände von seinem Gewerb , Handarbeit oder Fürschlage. Der Allmosen. zi Der Arme sogar gebe—wo schon nicht viel doch wenig , was er geben kann, einen Pfennig, ein Stük entbehrliches Brod, oder guten Rath, Mitleid, Hülfe, Trost. — Geben kann immer etwas, wer geben will. Der Arme kann immer noch ärmern geben — Der Wittwe Scharflein ist GOtt so angenehm, als der Reichen Gold- sink. — Aber wem soll man Allmosen geben? Wem so« und wie? Dazu will ich nur folgende Regeln """sebe«? geben : Man mache beym Allmosen geben keinen Unterscheid bey den Rationen — keinen Unterscheid bey der Religion, keinen Unterscheid bey den Ständen, bey den Leidenschaften, oder bey den Personen! Man gebe aber doch vorzüglich denen die einer Religion, eines Glaubens mit uns sind! Man gebe nur den dürftigen, würdigen. Armen ! ( sehet Arme. ) damit man nicht die Zahl der Bettler und Müssiggänger vermehre. Man richte sein Augenmerk immer mehr auf die sogenannten Hausarmen, als auf die Gassen, Bettler. Man gebe mit willigem Herzen. Man gebe ohne eitle Absichten, Stolz oder Ruhmsucht! Man gebe unermüdet! — Man Beweggründe. ZL Allmosen. Man gebe nach Vermögen, ohne sich zu entblössen oder selbst arm zu machen. Man gebe von seinem rechtmässigen Eigenthum. Man gebe ohne erst allemal genau und mit Ängstlichkeit die Würdigkeit des Empfängers zu untersuchen, wenn man sieht, daß er die Gabe bedarf. Man gebe mit nöthiger Vorsicht und Klugheit. Man werfe dem Armen nie eine gegebne Gutthat vor. Man vermeide so viel möglich alles Aufsehen und sehe nicht allemal nach dem Dank. Wer so Allmosen giebt, wird sie ziemlich würdig , auf rechte Art und Weise geben , das Allmosen wird einen Werth haben und gesegnet seyn. — Es sind viele Beweggründe zum Allmosen geben. Nebst dem, daß wir durch die Stimme GOttes und der Menschlichkeit ( sehet oben ) dazu aufgefordert werden, soll uns dazu die grosse Ehre ermuntern, GOtt ähnlich zu seyn, der auch jedem giebt der ihn bittet — und der Gedanke, daß , was wir den Armen geben, wir GMc selbst geben und was wir einem der geringsten Brudern JEsu thun, wir ihm selbst thun, daß solcher Allmosen. zz solcher milden Geber GOtt und Engel sich freun', daß die Empfänger der gegebnen Gaben uns einst am Throne GOttes noch dafür danken und uns segnen, daß jede kleine Wohlthat, die im verborgnen geschah, einst in reichem Masse und öffentlich solle vergolten werden.- Und bey solchen Beweggründen sollten wir, ihr Brüder und Swestern — Christen heissen. Nicht Arme kleiden, tränken, speisen? Wir sollten gute Menschen seyn, Und dürft'ge Brüder nicht erfreu'n — Nicht denen geben , die nur fleh'n ? — Ach Brüder'. dieß soll nichtgescheh'n! — Gern wollen wir, von unsern Schätzen, Stets Retter der Bedrängten seyn, Und lieber minder uns ergötzen, Als sie mit Gaben nicht erfreu'n! Mitchrist! mit christlichem, mitleidigem Herzen, sieh' auf die flehenden Armen um dich her, lies — und sprich: Amen! — C Allwissen- )4 Allwissenheit. Las sie ist. Allwissenheit ist diejenige Eigenschaft GOttes, vermittelst deren er alles aufs genauste kennt wa's ist, war, und seyn wird. Sie ist die Erkenntniß aller vergangenen, gegenwärtigen und zukünft tigen Dingen. „Vor GOtt ist kein Ding/ selbst » die Tiefe des Herzens nicht unsichtbar, son- „ dern alles ist bloß und gänzlich entdeckt vor „ seinen Augen. " ( Hebr. IV. ) Er sieht ins öffentliche und ins verborgne. — Geh'n wir, er sieht uns — reden wir, er hört uns. „ Kein „ Wort ist auf unsrer Zunge, daß er,derHErv „ nicht alles wisse." (Ps.LXXXlX.) denken wir, er weiß, was wir denken; handeln wir, er sieht das handeln, jede geheime Absicht unsrer Thaten ist ihm bekannt. „ Seine Augen sehen „ auf den Weg der Menschen und auf alle seine -- Wege. " ( Zob. XXXIV.) „ Er hat unser „ aller Herzen gestaltet, er kennt alle unsre Werke." ( Ps. XXXIII. ) Nichts von und nichts in uns können wir vor ihm verbergen. So gar die Gedanken unsrer Herzen sind ihm offenbar. Was ist und war ^m Himmel, Erd' und Meere Das kennet GOtt, und seiner Werke Heere Sind ewig vor ihm offenbar. Er ist um mich — Er weiß was ich stets denke, rede, thue, "Und er erforschet mich und dich! — Das Allwissenheit. zs Das ist GOttes Allwissenheit. — Und da^^ dar mögt' ich wiederholen , was ich oben von GOttes aus. Allgegenwart sagte : Schämt man sich vor menschlichen Zeugen Böses zu thun, kann oft das Wesen oder die Gegenwart eines blossen rechtschafnen Menschen uns davon zurück halten , sollten wir uns vor GOrc nichr scheuhen zu sündigen, der alles weiß und sieht und richten wird ? — Und wenn wir verlassen und elend sind, und tief im Herz nur der Jammer und Kummer nagt — GOtt weiß alles — und hilft aus allem! welch ein Trost! wenn ich nur an ihn denke, er weiß es, wenn ich nur leise seufze, er hvrt's — und wenn ich nicht mehr laut beten kann, er vernimmt die Sprache des Herzens und hilft. — Statt fernerer Ermunterung bitt' ich jeden aufmerksamen Leser folgende Schriftsteller, näher zu beherzigen. (Jvb.XXXlV.2i.L2.) „ Die Augen des „ HErrn seh'n auf den Weg der Menschen, und „ auf alle seine Gänge; es ist keine Finsterniß „ noch diker Schatte, der die Uebelthäter vor „ ihm verbergen möge." ( Jesajä. XXIX. 15.16.) „ Weh denen die sich tief verstecken ihre Rathschläge „ vor dem HErrn zu verbergen, die ihre Anschläge „ in der Finsterniß verbergen , und sprechen: wer „ sieht uns, oder wer kennt uns. O euer's verkehr- „ tes Wesen! Eben als wenn das Werk zu „ dem der es gemacht hat, sagen sollte: Er hat C 2 mich z6 Allwissenheit. ^ mich nicht gemacht, oder ein irrdenes Gefäß „ zum Hafner sprechen sollte: Er versteht es nicht." (i Petri. III. r 2.) „ Die Augen des HErrn seh'n „ auf die Gerechten, und sein Angesicht auf die, „ welche Böses thun. " ( i Mos. XVII. 1.) „ Ich bin der GOtt der Stärke, wandle stets „ vor mir und sey fromm! " Und noch etwas zum Schluß, aus der tziede eines frommen Mannes : „ Gewährt mir, sagt'er, diese einige Bitte! „ Entweder sündigt nicht mehr und fürchtet den „ Allwissenden ; oder wenn ihr sündigen wollet, „ so wählet dazu einen Ort, wo ihr von ihm „ nicht gesehen werdet! Aber diesen Ort findet „ lhr weder im Himmel noch auf Erde, weder „ lm Meere, noch in der Hölle."- Anbettung. Sehet Gebett. Gottesdienst. Andacht. Was sie ist. Ändacht (wie viel wird dieß Wort gebraucht, ausgesprochen, gehört, wie wenig oft verstanden, angewandt!) Andacht ist eine Sammlung der Gedanken, Erhebung des Herzens, Aufmerksamkeit und ernstes Nachdenken, welches GOtt und sein Wort zum Gegenstand hat. — Also nicht Andacht. Z7 nicht der ist andächtig, der nur aus blosser Neugier , oder seines Amts und Berufs wegen; oder aus Gewohnheit sich mit Betrachtung GOttes und seines Worts beschäftigt , ohne daß das Her; daran Antheil nimmt; so wenig als der Heuchler/ der nur den Schein der Andacht hat, ohne ihren Geist zu haben. Denn Andacht ist nicht leeres Wort , mcht todter Buchstabe; sondern Geist und Leben — sondern der ist andächtig , der abgezogen von allen Zerstreuungen, mit gesammelten Gedanken , seine ganze ernsteste Aufmerksamkeit und all sein Nachdenken auf die Betrachtung oder Anhörung des göttlichen Worts verwendet. Wer sich nicht nur gerne und oft von GOtt, sondern oft mir GOtt, als ob er vor ihmstühnde, auf das ernstlichste unterhalt, der ist das — was heut zu Tag, GOtt erbarm's l bald zum Spott und Schimpfname in vieler Leute Mund zu werden anfängt, der ist ein Andächtiger — wohl unterscheiden von einem Andachrler, der seine Andacht nur in Mine, Geberde, Stellung, nur äusserlich sucht, nur ^den Schein eines Andächtigen hat. — Andacht muß geübt werden hauptsächlich Andacht muß beym Gottesdienste, wovon sie ein Theil ist — aeübtwerden. beym Gebette; da ist Andacht das, was die Seele dem Leib ist, beym Lesen und Hören des göttlichen Worts, sonst ist alles leerer Ton, todter Buchstab' ohne Geist — Saame ohne Frucht. — Die ?8 Andacht. Hindernissen Die Andacht wird oft gehindert , durch derselben, unartige Gewohnheit, durch falsche Vorstellungen , durch sündliche Schamhaftigkeit, durch fremde Gedanken, durch Sorgen und Weltliebe, durch Unmässigkeit und flüchtigen Leichtsinnn. — B-förde- Hingegen befördert wild die Andacht, durch rungsmittel, Sammlung des Gemüths, Entfernung von Sorgen und Zerstreuungen, durch Einsamkeit und Stille, durch Mässigkeit und Gebett. — Und da sollten sich ja Christen alle Mühe geben , die Andacht zu erwecken und zu üben, denn sie Nutzen der hat ihren grossen Nutzen. Andacht befördert den Andacht. Wachsthum der Tugend und Gottseligkeit , des Glaubens und der Liebe, des Eifers im Guten und der Abneigung gegen das Böse. Sie bildet uns zu rechtschafnen Menschen und guten Christen; sie macht das Herz einem guten Aker gleich, wo der Saame des göttlichen Worts dreyssig, sechszig, hundertfältige Früchte bringt; sie macht uns endlich mit GOtt vertraut , und seinem Willen ergeben. Scheuh's nicht Christ und wenn auch unter vielen, der Einzige Andächtige zu seyn. Laß Dich's nicht anfechten, wenn der Spötter mit boshaftem Lächeln mit dem Finger auf dich deutet und sagt: „ Der ist auch ein Heiliger! " — Denke nur es sey deine Pflicht, deren Ausübung einen Nutzen hat, den kein Spötter wegspot- ten kann. — An- 39 Anfechtung. Sehet Leiden. Trübsal. Verfolgung. Anrufung. Sehet Gebett. Gottesdienst. Arbeit. Arbeiter. Arbeitsamkeit. Arbeit sey , kann keinem unbekannt seyn. Was fie ii». Die Arbeit ist die Verrichtung, das Thun , die Beschäftigung mit einer Sache, die zu unserm oder andrer Nutzen und Erhaltung dienet. —. Arbeiter sind die welche, s besonders für andre) seyen." " eine Arbeit verrichten. Arbeitsamkeit ist Liebe Was Arbeit» zur Arbeit, öftere Bemühung etwas nützliches ^kett sey. zu schaffen. Wer gern und fieiffig arbeitet, den heißt man arbeitsam. Ich möchte darum auch über diesen Vttel etwas sagen, weil ich als richtig behaupten zu dürfen glaube. „ Arbeiten gehört mit zu dem „ Christenthum — und ein Müsstgganger „ kann unmöglich ein guter Christ seyn." — Die Arbeit ist zwcyfach. Sie ist noth. wendig. Wer soll arbeitt»? 40 Arbeit. Arbeiter. Arbeitsamkeit. Die Arbeit wird entweder mit dem Gemüthe, mit dem Verstände, oder mit den Händen verrichtet, die erstere heißt Ropf - Arbeit, die leztere aber Hand - Arbeit. — Beyderley Arbeit ist nothwendig. GOtt befiehlts daß man arbeiten soll. Schon dem Ersten Menschen befahl er zu arbeiten. — »Mit Müh sollst du, sagte er ihm, » deinen Unterhalt suchen." -- » Sechs Tage, „ lautet eins der zehen mosaischen Gesehen, sechs Tage, sollt du arbeiten und alle deine Werke ,, schaffen. — Und dieß Gesetz wird oft in der Schrift wiederhollt. — Au dem — woher wollten wir uns ernähren, kleiden, ergötzen?— »Wer » nicht arbeitet, sagt die Schrift, der soll auch » nicht essen, der hat nichts zu essen. Hingegen , » der Mensch, kann sich von seiner Arbeit er- » nähren. — Fleiß giebt Nahrung und Unter- „ hakt. — Wo man arbeitet, da ist genug." — Und endlich — Arbeit ist der Zweck unsers Daseyns , ist das, was alle vernünftige Wesen thun. GOtt selbst ist nie müssig — JEsus war nie unthätig, die Engel und kein vernünftiges Wesen kann ganz ohne Beschäftigung seyn. Also richtig, so richtig als etwas — wer GOrr gehorsamen , sich ehrlich nähren und den Zweck seines Daseyns erfüllen will, sott arbeiten. Jeder Mensch soll arbeiten, jeder Mensch — aber soll denn der Reiche der Geld und Vermögen genug hat, auch arbeiten? — Antwort: Ich denke: Arbeit. Arbeiten. Arbeitsamkeit. 4? denke: das weiß doch keiner ob er für sich und die Seinigen sein Lebtag genug hat, um ehrlich sich durchgingen zu können. Und gesezt auch — den Reichsten kann Unglück oder Diebe in einer Nacht zum armen Manne machen; würde er dann nicht wünschen er hätte sich an's Arbeiten gewöhnt, da es ihm unstreitig sauer werden müßte, an andrer Leute Durft zu kommen , und vom Betteln oder andrer Wohlthaten sich zu ernähren , zu dem kann auch gewiß kein Mensch ohne irgend eine Arbeit ein angenehmes Leben führen. Ein reicher Müssiggänger hat das elendste Leben auf dem Erboden. — Jeder Mensch soll arbeiten, der Reiche wie der Arme, der Städter wie der Landmann , der Hausvater und Handwerksmann, der Gewerbe- und Kaufmann und der Taglöhner, der König und Regent und Prediger. — „ Arbeitet denn ein König , ein Regent, „ein Prediger auch, frägt jemand, oder denkcs „ vielleicht wenn er nicht frägt: er ist ja fast im- „ mer auf seiner Audienz - oder Studierstube, „und steht weder des Tages Last noch Hize aus? „ was thut er denn? O gewiß nicht viel. " — O gewiß sehr viel, lieber Fragender! vielleicht mehr als du und drey andre, einer von ihnen allein« Er arbeitet genug , wenn er mit Klugheit und Gewissenhaftigkeit ein ganzes Land oder einen Theil 42 Arbeit. Arbeiter. Arbeitsamkeit. Theil desselben regieret, oder eine Gemeine rechtschaffen und treu besorget. Frag ihn — es wird ihm sauer genug. Wenn du gearbeitet hast und der Feyerabend da ist, und du müde bist, kannst hingey'n in deine Kammer und ruhig und unbesorgt schlafen, bis der Morgen wieder da ist. — Und weil du wol schläfst , muß der König, oder Regent oft wachen, und Entwürfe zu deinem Besten und deiner Sicherheit machen, und der Prediger harren noch bey seiner Arbeit, oder warten ob er nicht da oder dorthin gerufen wird, u. s f. Guter GOtt! wie manchen Kummer, wie manche Sorge, wie manchen unverschuldeten, herznagenden Verdruß, wie manche unruhige schlaflose Nacht haben der rechtschafnesKönig, Regent, Prediger — daß es ihm oft lieber wäre eine Handarbeit zu haben, daß er wenn sie gemacht ist, unbekümmert sich schlafen legen könnte — aber die Rechenschaft ! die Rechenschaft! — Kurz, es dünkt mich, ihm ist so wie Lucher sagt: „ Wenn ein Bauer recht „wüßte die Gefahr , Müh und Sorgen eines ^Fürsten ( oder Seelsorgers) würde er GOtt nicht genug danken können, daß er ihn hat las- „ sen einen Bauer werden!— Indeß obgleich man zur Arbeit verbunden ist; Wi« muß so jst's doch nicht gleich viel, wie man arbeite. Wen Und dazu geb ich folgende Regeln: Fange Arbeit. Arbeiter. Arbeitsamkeit. 4 z Fange die Arbeit mit Gebe« an! Warte derselben mit möglichstem Fleiß und Treu ab! Werde nie hinlässig! Arbeite nicht unnützer Weise; sondern immer nur in deinem Berufe! Arbeite so viel du kannst und magst! Ueberlade dich nie aus Gewinnsucht mit allzu vieler oder zu schwerer Arbeit! Arbeite zur rechten Zeit! Geht dir die Arbeit glüklich von statten, so seze es nicht auf Rechnung deiner Kräften oder Gejchiklichkeit, sondern der Güte und des Segens GOttes! Geht sie dir aber nicht glüklich von statten/ so werde nicht verdrüßlich, oder neidisch, träg, oder muthlos; sondern bethe desto mehr, daß dir's GOtt gelingen lasse! Zieh' keinerlei) Arbeit — das äusserste Nothwerk ausgenommen — dem Gottesdienste vor! — Arbeit, die nach diesen Regeln geschieht , muß ihre Früchte haben. — Die Arbeit ist wirklich eine Wohlthat GOttes , und hat ihren vielfältigen Nuzen.— Sie 44 Arbeit. Arbeiter. Arbeitsamkeit. «UM der Sie ist ein Hülfsmittel zur Tugend, sie Arbeit, verhindert viel Böses. Sie befördert die Gesundheit und den Schlaf und schaft Zufriedenheit und Ruh des Herzens. Sie verfchaft uns Unterhalt und ein angenehmes Leben. — Noch mehr, sie bringt aus GOttes Liebe, Wohlgefallens, zeitlichen Segen und ewige Belohnung zuwege ! Noch ein Wort von den Arbeitern. Ent- b V*' ""der haben wir Arbeiter/ oder wir sind Arbeiter, gn r er er. ^ beydem Fall haben wir besondre Pflichten. Haben wir Arbeiter , so müssen wir sie nicht umsonst arbeiten lassen, sie nicht drücken; sondern nach dem Verhältniß der mehrern oder wenigem, schwerern oder leichtern Arbeit belohnen, und ihnen den Lohn zur rechten Zeit geben. Wir müssen sie nicht mit allzu vieler Arbeit beschwehren, ihren ttwannigen Klagen mit Sanftmuth begegnen, aber sie auch nicht zu Müßiggängern gewöhnen, in welchem Fall wir dem Nächsten schaden würden. — Pflichten der Sind wir Arbeiter, so müssen wir Arbeit Arbeitet, suchen , sie mit Fleiß und Treu verrichten , nicht unbilligen Lohn fordern, nicht murren oder klagen ,, sondern mit dem bestimmten Lohn für bestimmte Arbeit zufrieden seyn. „ Arbeiten und sich mit dem Seinigen he- »gnügen lassen, ist ein süß, lieblich Leben." Syrach. Ära- 45 Argwohn. Argwohn ist arger, böser, falscher Wahn von Was « ist, den Absichten oder Handlungen eines andern; oder die Gewohnheit von einem andern böse Absichten und Handlungen zu vermuthen und zu befürchten. Der Argwöhnische traut keinem Menschen , seinen besten Freunden nicht, auch denen nicht, die noch nie einen Verdacht auf sich erregt haben — auch in unrichtigsten Dingen traut er nicht und vermuthet allenthalben Treulosigkeit und Tücke, wo keine sind, und quält andre ehrliche Leute mit dem schimpflichsten Verdacht. Der Argwohn ist ein schändlicher und Er ist schär», schädlicher Fehler. Der Argwöhnische stört die Glückseligkeit derer Menschen, die mit ihm in ' ' Verbindung steh'n. — Er ist der menschlichen Gesellschaft zur Last — verbreitet Furcht und Aengstlichkeit um ihn her — jeder rechtschafne Mensch muß sich vor ihm scheuen, da er stets besorgen muß bey ihm in Verdacht zu gerathen. Er ist ein Stöhrer seiner eignen Glückseligkeit. Er ist nie ruhig — kann mit keinem Menschen nachkommen, weil er bey jedem etwas unredliches u. s. w. ahndet. Er ist unfähig zu allen nützlichen Geschäften, wo wechselseitiges Zutrauen erfordert wird. Er verliehrt die Lieb und Achtung seiner Mitmenschen , und verstößt wieder das allgemeine Gebott: Liebe deinen Nächsten als dich selbst. - Wie Arme. Armuth. WaS ist Armuth? Woher entsteht sie? 4 § Wie nöthig ist es also sich vor Argwohn zu hüten; und zuerst über sich selbst zu wachen und die Redlichkeit seiner Absichten und Handlungen sorgfältig zu prüfen , eh' man andre in Verdacht der Unredlichkeit nimmt — dazu wird auch besonders nöthig seyn , daß man sich selbst kennen lerne, daß man nach richtigen Urtheilen über das Betragen andrer strebe, was einer verschuldet nicht alle entgelten lasse — sich zur Menschenliebe gewöhne/ und besonders seine Ohren vor Klatsche- reyen, Zuträgereien und Verläumdungen müssi- ger, niederträchtiger/ oder satanisch boshafter Menschen - und Händelstifter verschliefst ! — O Vater! Hilf mir von ganzem Herzen meine Brüder lieben. Laß keinen, auch den Schlechtsten nicht, nur wissentlich betrüben. Am wenigsten , sonst gute, treuerfundne Seelen durch Argwohn quälen. Arme. Armuth. Ärmuth ist Mangel an irrdischen Gütern, an Vermögen, und den Bedürfnissen, die man nur durch dasselbe stillen kann, an Nahrung, Kleidern , rc. rc. kurz - Mangel an dem, was man zum Leben bedarf. Arm sind die, welchen die Bedürfnissen dieses Lebens mangeln. — Die Armuth entsteht entweder durch die Geburt; wenn Arme. Armuth. 47 wenn man arm geboren wird, oder durch Un- glük, Krankheiten, Landplagen, rc. Solche Armuth hcist man unverschuldete Armuth. — Sie entsteht auch durch Müssiggang oder durch Verschwendung und ein lasterhaftes Leben, und diese heist man verschuldete Armuth. — Beyderley Arme stehen oft vor unsrer Thür — und wir machen oft zwischen beyden kein Unterschied. Aber wahrlich, jedes Stück Brods , jeder Pfenning einem Müßiggänger, oder durch Verschwendung oder Lasterhaftigkeit in Armuth gerath- neu Menschen hingegeben , ist — Diebstahl am ^diae würdigen Armen. Und würdig ist d e r Arme, Arme. den unverschuldete Armuth trift.- Man soll Armen Gutes thun. Das den befihlt GOtt, das fordert die Menschenliebe. — re/zu"huü' ( Sehet auch unter dem Tittel Allmosen.) GGtk befihlks- — „ Wenn dein Bruder „ verarmet > sollt du ihm Hüls schaffen. Wenn * „irgend einrr deiner Brüder arm ist bey dir, sollt „du dein Herz vor ihm nicht verschließen, sondern „ du sollt ilm deine Hand aufthun und reichlich „geben, ncch dem er mangelt! Gieb dem, der „ dich bittet! Wohlzuthun und mitzutheilen vergesset nichi, denn an solchen Opfern hat GOtt „ ein Wohlgefallen.III. Mos. XXV. Match. V. Hebr.XIll. — Eben dieß fordert auch die Di« M-n. Menschenrebe. Was wünschtet ihr, wenn ihr sckenttebe arm 48 Arme. Armuth. arm wäret , daß euch andre thäten ? —- Alles was ihr wollet — O! doch diese Regel, die Summ aller unsrer Pflichten gegen den Nächsten nie vergessen. —„Alles was ihr wollet, daß euch andre „thun sollen, das thut auch ihr ihnen!" — Wie soll Allein wie soll man Armen gutes thun ? MSN Arm-I-Die Regeln Hiebey sind beynahe die gleichen, die jch oben unter dem Wort Allmosen schon angezeigt habe. (Mehrers sehet unter Wohlthätigkeit.) Beweg. Mer wollet ihr Beweggründe, so sind es nächst gründe. (HAttes Befehl diese, der daher entstehende Beyfall des Gewissens. Gutes thun den Armen , schaff eine herrliche Empfindung, ist eine Freude für die Seele. Gewiß wenn ihr einem Armen redlich geholfen habt, versucht's, und es wird euch wohl um's Herz. — Was thut GOtt uns ? — Er giebt und giebt reichlich jedem der bedarf, gebetten und ungebetten, mehr als er bedarf. Ist es nicht eine Ehre, wonach wir alle streben sollten. GGcc ähnlich zu seyn ? — Was sollen wir GDer thun ? Ihm wieder geben , und wir können's, wenn wir arme Brüder erfreu'n; — „ was man den Armen giebt, das giebt „man dem HErrn." Und eben dieser wird es auch lohnen mit Segen für hier und dort.— Von ihm und dem lPebenmenschen dürst ihr Wolgefallen, Huld und Hülfe erwarten — Ihr werdet damit zeigen, daß lhr Christen, d. i. Nachfolger Christi seyd. Die Armen werden Arme. Armuth. 49 euch als ihre Erretter preisen und für euch betten und euch — ich möchte fast sagen — in Himmel tragen. O welchen Dank, 0 welchen Segen ! Brmgt's/ Arme pflegen ! ! — Für dich Unerbittlicher, Liebloser, Un- An Unlmm. ! barmherziger, der du Hand und Herz vor dei- j nem Rebenmenschen, der arm ist, verschließest , und dieß vielleicht liesest — für dich sind diese lezten obigen Linien nicht geschrieben. — Wie wird's dir seyn, wenn einst jene Armen und Elenden , die unbeholfen und ungetröstet, mit leerer Hände von deiner Thür seufzend und weinend weggiengen, dich dem Richter verklagen, und dir fluchen werden! — Eine einige eingestellte Sauf - oder Spiel-Gesellschaft, ein einiges kostbares Kleid, eine einige Lustparthey, ein einiger Jahrmarkts - oder Kilbe - Besuch , ein einiger Kcgclschub, ein einiger Hurenlohn weniger — hätte schon einem armen Bruder, vielleicht zween, dreyen ein wenig geholfen. — O dieß Wort: — „ Ein unbarmherziges Gericht wird über die „ ergehen, welche nicht Barmherzigkeit ge- „übt haben" — jmer schmetternde Donner des Ausspruchs JEsu an jenem Tage. — „ weicher „ von mir, ich hab' euch nie gekannt! " — vermag ö denn nicht mehr über euer Lelsenherz? GOtt gchr euch ein fleischernes Herz ! D Noch so Arme. Armuth. Ein Wort an Noch ein Wort an Euch ihr Arme; wenn Armr. ihr cttvann , wie ich hoffe diese Schrift zu lesen bekommt. — Ihr seyd zu bedauern — auf welche Art ihr auch um euer Vermögen gekommen seydt! — Aber nicht verzagt! Ihr kennt ja den Vater droben, der kein's seiner Kinder verlohren geh'n läßt. Zuerst an seiner Thüre euch gemeldt! Gebettet! gesucht! angeklopft ! — Er wird euch helfen , helfen durch andre. -- Aber so lang ihr's doch irgend noch zu machen wißt- so schonet doch euerer Obrigkeit, Nachbarn, eurer Gemeine, euer» Nebenmenschen! — Immer giebt's dürftigere —' so lang' ihr nicht dürftig seydt, entzieht ihr's jenen. — Wenn ihr euch an irgend jemand wenden müßt, so wendet euch erst an eure Verwandten, erst dann an andre, wenn diese an Kraft oder Willen zu helfen erschöpft sind. — Seyd dann, wann man euch hilft doch nicht undankbar! Undank schändet jeden Menschen, den Armen im höchsten Grade! Ich weiß es leider GOtt wol! und es schmerzt mich in der Seele, daß viele das Allmosen gemessen, ohne daran zu denken, woher es kommt; daß viele es für eine Schuldigkeit anseh'n — jammern bis sie's haben, und wann sie's haben nicht mehr daran denken, wie arme Tröpfe sie wären, wenn sie's nicht hätten — und wol gar das Allmosen zur Ueppigkeit anwenden. Ich weiß es leider, wol, daß mancher Arme der Erste ist, der wider seme Wohlthäter das Maul braucht! Ungeheur — die 51 Arme. Armuth. die gerechte Strafe verdienten! — Seyd also doch nicht undankbar! Beweiset euern Dank durch frommen Wandel und herzliche Fürbitte , für euern Wohlthäter be» GOtt! — ( Besonders ihr Arme unsers Zürchergebiees ! Erkennt's was l eure gute Obrigkeit für euch thut! Es ist nicht i eitler Ruhm, sondern gerechtes Lob, meine ; Pflicht, wenn ich euch sage: „Geht so weit ihr ^ „wollt, selten werdet ihr eine Obrigkeit finden , „ und eine Stadt die so viel und so gut für die „Erhaltung und Verpflegung ihrer Armen sor- „ get wie die nnstige. '' Darf ich jeden Leser nur an die Theurung An. 1771. erinnern, was für grosse Summen da ausgelegt wurden! —- 40000. Personen beynahe ganz zu erhalten dünkt mich doch kein Kleines: Also Dank, Dank den Vätern und Wohlthätern eines Landes! Dank und Gebett für sie, vom Armen zuerst und dann von jedem rechtschafnen Untergebenen!) GOtt sey euer Schutz ihr Arme — zu ihm hin — er erhebt den Armen aus dem Koth — er wird euch nicht lassen und euch gar mcht verlassen. — Rieb uns 0 GOtt! unser tägliches Brod! 52 Auferstehung (JEsu) Was ist ste? Christus, nachdem er von seinen Feinden am Kreuze getödet und von seinen Freunden begraben worden, stand am dritten Tage nach seinem Begräbnisse wieder aus dem Grab auf. — Dieß sagen uns seine Lebensbeschreiber. Matthäus XXVIII. r , ro. Markus XVI. i , iz. Lukas XXIV. , 12. und Johannes XXI. i -18. An der Gewißheit der Auferstehung Christi, wird wills GOtt, keiner meiner Leser zweifeln. Seine Feinde wie seine Freunde, Engel wie die Menschen zeugen davon — und wer's läug- nen wollte, müßte die Wahrheit der Geschichte läugnen, die uns sagt: » Er seye Verschiednen „ zu verschiednenmalen lebendig erschienen. " — Genug JEsus ist wahrhaftig auferstanden — und dieß ist eine höchst merkwürdige und wichtige b°uv'^m-rs! Begebenheit — überhaupt. — Sie hat ihres wmdl§ und glichen nicht. So ist noch keiner auferstanden, wichtig, wie JEsus, so herrlich und prächtig — und doch vorher so schwächlich getödet. — Sein Grab war verschlossen, bewachet, versperrt,, versiegelt, doch erstand er. — Die Erde erbebte. Engel kamen vom Himmel, das Grab öfnet sich, die Wächter des Grabs fallen ohnmächtig nieder, -er tod war, geht lebendig heraus, und zeiget sich den Lebendigen-nun sind alle Anschläge seiner Feinde, denen JEsus Christus ( und ach wie manchem noch auf den heutigen Tag! ) ein Dorn Auferstehung (IEsu.) 5z Dorn im Auge war, zu schänden gemacht. — Gern hatten sie's geheim gehalten, gern einen Betrug vorgeschützt — aber da half nichts, er zeigte sich und die Wächter erzähltens, und 500. Druschen sah'n ihn und erzähltens auch, und so ersiumpften mit einmal alle Pfeile ihrer Bosheit. Nun mußten sie , sie wogten wollen oder nicht wollen — mußten sie, wo nicht sagen, doch denken : „ Wahrhaftig! dieser Mensch war , „ was er sagte, GOrres Sohn!" —. — Und so , als den zeigt er sich durch seine Auferstehung der ganzen Welt. Und darum ist sie eme höchst-- merkwürdige und wichtige Begebenheit für uns Christen besonders. Durch sie ward er erwiesen besonder-tür als der Sohn GOttes in der Kraft , als unser d" Christen. HErr, als unser vollkommne Erlöser. Sie ist der Beweis, der vollendeten Erlösung von Sünden. Er siegte über Sünd und Tod. Ist das nicht, so ist unser Glaub an ihn eitel — ist das nicht, so sind wir noch in unsern Sünden, ist das nicht, so müssen wir nun in diesem Leben auf ihn hoffen, so sind wir elender als alle Menschen. -O wir wird unser Glück an ihn gestärkt, da es gewiß ist, er ist auferstanden , um unsrer Gerechtsprechung willen, wie wird unser Herz zur Liebe gegen ihn erwärmt, unsre Hofnung gewiß , daß auch wir einst, wie er aufersteh'« sollen. — O nichts , nichts müsse Pflichten, diesen Glauben in uns schwächen , nichts unsre Liebe gegen ihn, nichts diese Hofnung uns rauben. 54 Auferstehung (IEsu.) ben Wir wollen, wie wir sollen im Glauben, mit Liebe und dankerfülltem Herzen gegen den Auferstanden, leben und sterben, und hier schon aufersteh'n vom Tod der Sünden, zu einem rechtschafnen und frommen Leben! denn Wollen wir der Frommen Lohn In GOttes Reich einst sehen; So müssen wir hieniden schon Von Sünden auferstehen. Der lebt nicht, den die Lust der Welt, Der Sünde noch gefesselt hält. Nach reiner Tugend streben, Nur das heist wirklich leben '. A Auferstandner '. welch ein Segen Erwartet uns, wann wir auf Wegen kinhergehn, die dein Fuß betrat! Unnennbare Seligkeiten, Die ewig währen, sind die Beuten, Die nur dein Sieg errungen hat — Bald sind sie unser Theil, Bald krönet uns das Heil Deines Lebens! — Hallelujah! Bald ist der Tag des Sieges da! Auferstehung (allgemeine) 55 Ach! christlicher Bruder oder Schwester! Glaub in den schimpflich getödteten und herrlich auferstandnen Erlöser! Behalte was du hast., daß niemand die Krone dir raube ! Halt im Gedächtniß IEsum Christ, Der von dem Tod erstanden ist ! Auferstehung (allgemeine) Einst wird ein Tag seyn, an demselbigen wird Was sie fty r JEsus Christus groß und herrlich die Todten durch das Wort seiner Allmacht erweken, und sie werden lebendig aus ihren Gräbern herfürgehn und Seele und Leib werden mit einander wieder vereiniget werden und ewig leben. —Das ist der Tag der allgemeinen Auferstehung — Sie ist unbeqreif. freylich unbegreiflich. Tod — Staub — Auf- Lösung, Zerstreuung aller Theile des Leibs und Wiederbelebung und Auferwekung desselben; das können wir eben nicht begreifen. Aber dennoch ist sie möglich. Alle Jahre seh'n wie die Natur Möglichkeit, sterben , und allemal lebt sie wieder aus. Unbegreiflich und doch gewiß» — Die Raupe ist tod, und doch entsteht ein Vogel daraus. Unbegreiflich und doch wahr. Das Saamenkorn erstirbt, verfault, und doch entsteht bald Aehre und Frucht daraus. Unbegreiflich, aber doch richtig ! — Wer dieß alles in der Natur bewirken kann, sollte der die Auferstehung eines todten Menschenleibes nicht 56 Auferstehung (allgemeine) nicht bewirken können? Wer eine ganze Welt erschaffen, erhalten, regieren kann, nnt einem einzigen Winke der Allmacht, sollte es dem unmöglich seyn, ein Todter und Millionen wie Einen aus'm Staub zu erweken? — Ich sehe nicht die mindeste Unmöglichkeit, nichts das der Vernunft wiederspräche. Freylich die unschik- Unschikklicbe liche Vorstellung muß dabey auf die Seite gs- vM der°Auf ^ werden, daß die zerstäubte Asche unsers Leibs erstehung. wieder aus allen Theilen der Welt sich vereinigen , daß jene Millionen Theile unsers aufgelösten, durch tausend andre Geschöpfe durchgegangem Leiber dennoch sich wieder sammeln, und denselben Körper wie er jzt ist wieder herstellen sollten; daß eben dasselbe Fleisch und die Haut, womit wir jzt umgeben sind sich so wieder zusammenfügen und das gleiche Ganze ausmachen werden. -- Ich finde auch keine Spur dieser Vorstellung in der heiligen Schrift. -- Im Gegentheil dünkt mich Paulus r. Cor. XV. zz. etwas ganz anders zu Gewißheit lehren. — Genug! Es ist nicht nur möglich, es der Anferste- ist gewiß, daß die Todten auferstehen werden , düng. ZEstis lehrt das , als eine Offenbarung von GOtt seinem Vater. „Es kömmt die Stunde, in wel- -> eher alle, die in den Gräbern sind des Menschen- „ sohns Stimme hören werden, und werden her- „ für kommen." Joh. V. 28. — „ Ich bin die „Auferstehung und das Leben, wer in mich „ glaubt, ob er schon stürbe, der wird doch leben." „Joh. XI. 25.— „Ich lebe, und ihr werdet leben." Auferstehung ( allgemeine) 57 ,, leben." Joh. XIV. 1 y. — Auch die Apostel verkündigen nach der Lehre ihres Meisters und nach dem Antrieb des Geistes GOttes eine künftige Auferstehung. Paulus unter anderm : „ Wir „wissen, daß wenn unser indisch, s Haus dieser „ Hütte zerbrochen wird, wir ein von GOtt bereitetes Haus haben werden. " 2 Cor. V. 1. — Ueberdem ist uns die Auferstehung JEsu Bürge dafür , daß auch wir auferstehen werden. „ Ist keine Auferstehung der Todten „so ist auch Christus nicht auferwekr worden." 2. Cor- XV. i z. — Das ganze Evangelium, alle Lehren, alle Verheißungen desselben gehen auf ein zukünftiges Leben. Ist keine Auferstehung, so ist das Evangelium unwahr, die darauf gebaute Religion falsch und unsre ganze Rechtschaffenheit vergeblich. Ist keine Auferstehung, so ist unser Glaube an einen Auferstandnen, Auferweker, Aberglaube und Thorheit, so ist die ganze Lehre JEsu falsch und er ein — — ein Mensch der uns mit eitlen, nie zu erfüllenden Versprechungen abspeisen will.— So lang aber seine Lehre eine wahre Lehre, und unsre Religion die wahre Religion, und unser GOtt ein wahrhaftiger GOtt bleibt, so lange steht die Gewißheit der künftigen Auferstehung fest und unerschütterlich — Ja — eher werden Himmel und Erde vergehen eh' ein einiges Wort von JEsu vergehen oder unerfüllt bleiben wivd!- s 3 Auferstehung ( allgemeine) Troff au« O es wär schlimm ein Mensch zu seyn , dm-k Lehre, ohne diese gewisse Hofnung! Was ist elender als er, wenn er nur leben müßte, um wieder zu sterben , wenn er erschaffen worden wäre, um einst nach durchgekämpften Tagen der Mühseligkeit wieder für immer zernichtet zu werden! und o wie glüklich ein Mensch, der diese Hofnung hat und nährt. Er genießt die Freuden dieses Lebens doppelt froh, da sie ihm von jenes Lebens Freuden ein Vorschmak sind, und fühlt die Leiden dieses Lebens doppelt weniger, da er weiß daß sie in ewige Freuden verwandelt werden. Er ist immer ruhig und zufrieden und richtet sein Aug immer auf jene Seite des Grabes. — Und wenn seine Freunde ihm auf Erden entrissen werden — „ O sie sollen, denkt er, einst wieder leben und „ich mit ihnen ewig! " Und wenn er selbst stirbt — „ O ich werde, denkt er, nur für kurze „Zeit abgerufen in den Staub, um zurükgerufen zu werden, in ewiges Leben." — Ungleiches Aber ungleich wird das Gchrksal der Schiksal der Auferstandnen seyn. — Der Gottlose — ja er Auferstand. Mche GOtt danken, wenn er nicht auferstehen, sondern in ewigem Nichts bleiben müßte, denn er muß auferstehen zur ewigen Schmach, Schand und Strafe. — Der Fromme hingegen ersteht zur Erndte des Lohns seiner Tugend. Das eine wie schreklich, das andre wie freudig. Mehr will ich nicht sagen. Ich muß, ich muß mich ein- Auferstehung ( allgemeine) 59 einschränken. — Wol dem , der durch einen frommen Wandel sich getrosten kann der Auferstehung zur Freude! der stets mit dem Gedanken daran sich beschäftigt, und sich dadurch zum Fleiß in der Tugend erwekt! Durch diese Hofnung gestärkt wird er geduldig kämpfen und leiden, überwinden und gekrönt werden. — O welch ein Gedanke voll süsser Beruhigung und Erquikung, welch eine Hofnung , welch ein Wort für den, der's mit gutem Gewissen aus- sprechen kann: Tag des Danks, der Freudenthränen Tag ! Du meines GOttes Tag! Wenn ich im Grabe genug geschlummert habe, Erwekt er mich ! Wie dem Träumenden wird dann mir seyn. Mit JEsu geh' ich ein Au seinen Freuden! Der müden Pilger Leiden Sind dann nicht mehr. — Ach! ins Allerheiligste führt mich Mein Mittler dann — lebt ich Im Heiligthume, zu seines Namens Ruhme ! Hallelujah! — » GOtk Wa- sie sey. Aufrichtigkeit gegen GQtt. Aufrichtigkeit gegen Le,«Nächsten 6o Aufrichtigkeit» „ GOtt erwekt! Ach! GOtt erwekt! „ Sey im Sterben, wie im Leben „An hie Liebe hingegeben ! » GOtt erwekt! Ach! GOtt erwekt!" Lieblich tönt vorn HErrn herab Diese Rede mir, dem Müden Und verbreitet ew'gen Frieden Auf mein Leiden, auf mein Grab'! — Auffahrt. Sehet Himmelfahrt. Aufrichtigkeit. ^on aussen nichts anders scheinen wollen, als man innerlich ist, sich äusserlich mit Geberden, Worten und Werken so erweisen, wie man im Herzen gesinnet ist, das ist überhaupt Aufrichtigkeit. Wer so redet und handelt/ wie er denkt/ der ist aufrichtig. — Es gut mit GOrc meynen, ihm zu gefallen suchen / mit rechtschafnem Herzen vor ihm wandeln / nicht frömmer / besser / christlicher gesinnter scheinen wollen, als man ist, das heißt Aufrichtigkeit gegen GDtt. — Es gut mit andern Menschen meynen; unter'm .Schein des Guten keine Bosheit verbergen, nach Trieb seines Herzens mit ihm reden und handeln , ihm nicht mehr Gunst und Liebe erzeigen. 61 Aufrichtigkeit. gen , als man wirklich für ihn hat, zu ihm , von ihm, vor ihm, hinter ihm nichts reden, als was wahr ist , nichts zu lieb und nichts zu leid, in allem schlecht und recht, treu und redlich seyn, das heist Aufrichtigkeit gegen den Nächsten. — Von allen seinen Eigenschaften und Vor- Aufrichtig, zögen, von seiner Gemüthsbeschaffenheit, seinen ^ Handlungen, nach der strengsten Wahrheit urtheilen ; ist Aufrichtigkeit gegen sich selbst. — Wenn irgend eine Tugend ist, die in unsern Tagen — ich möchte fast sagen — in Abgang kam, so ist's die Aufrichtigkeit — „ein guter „ehrlicher, redlicher Mann " ist beynahe ein Ueber- name. Und doch wenn irgend eine Tugend um Sie ist norh. GOttes Befehls und Wohlgefallens, und um »endig, unsers eignen Glücks willen nothwendig ist, so ist's diese Tugend. Ge verleiteten den David zum Ehbruch und Todschlag, Galomon zur Abgötterei) , Petrus zur Verläugnung seines HErrn. Sie schwächen Verstand und Körper, sie verderben das Herz, sie erschweren und hindern die Tugend, sie verbittern uns das Leben, sie stürzen uns in's Unglük. — Leser! wisset ihr keine eigner! Erfahrungen davon auszuweisen?- Wol Begierden. 69 Wol dem, der Meister seiner Begierden ist, Regeln zum und die bösen unterdrücken kann ! — Dazu wirdSieg über die die Beobachtung folgender Regeln jedem wol zu Begierden, statten kommen : Man suche seinen Verstand aufzuklären, und lerne das was man begehrt oder verabscheuht, richtig beurtheilen. Man bedenke die Nichtigkeit und Eitelkeit der Dingen die man begehrt. Man bedenke ihre schädlichen Folgen. Man bestrebe sich die Begierden der Ver- nunft zu unterwerfen, also nie ohne vorhergegangne ruhige und vernünftige Ueberlegung eine Begierde, in eine Handlung ausbrechen zu lassen. Man mässtge dieselben auch da, wo sie unschuldig und erlaubt wären, und schlage sich dann und wann , die Befriedigung einer an sich unschädlichen Begierde ab. Man stelle sich die Fortdaur der Seele nach dem Tode des Leibs vor. Man gehe allemal auch mit der Religion zu Rathe. Man wache und bette. „wachet und bettet aufhast ihr nicht in „ Versuchung eingehet, der Geist ist oft ge- »neigt, das Fleisch aber ist schwach. " — ,, Laßt Wa« iff De. leidigung k 7O Begierden. „ Laßt euch nie vorn Bösen überwinden, „ sondern überwindet das Döse mit Gurem!'' „U)iderstehc dem Teusel und er wird ,,evc!) fliehen! " Bekehrung. Sehet Busse. Bekenntniß ( des Glaubens.) , Sehet Glaube. Bekenntniß (der Sünden.) Sehet Busse. Sünde. Beleidiger. Beleidigte. Beleidigung. ^Beleidigung ist alles das, was dem Nächsten Verdruß macht, ihn kränkt, ihm Schaden zufügt. Wer einem andern durch Worte oder Werke Verdruß macht, ihn kränkt, ihm Schaden zufügt , ihm etwas zu leid thut, der beleidigt. Was geschieht öfter als dieß und was ist Christen unanständiger und GOttes Gebott zu widerlau- fender als dieß? — Wo lebt ein Mensch, der nicht auch schon beleidigt hat oder beleidige ward, der nicht schon kränkte oder gekränkt ward, ein Beleidiger oder Beleidigter? Ein brüderliches Wort an sie Beyde. — Habt Beleidiger. Beleidigte. Beleid. ?r Habt ihr senden hat schon einen so christlichen Schritt gethan?- Bist du beleidigt worden, so vergieb,AnBeleidigte vergieb nach Christi Befehl, auch wo die Vergebung nicht gesucht wird! Räche dich nicht! Halte nicht gerade alles für Beleidigung! Nimm eine wirkliche Beleidigung nicht allzuhohe auf! Thu den ersten SchrittGeh' zum Beleidiger, frag' ihn: „ Wie hast du's gemeint ? Mir „ kömmts höchst unbrüderlich vor, was du mir „thust! Sey ein Christ! Ich bin bereit dir zu „ verzeih'» ! Hier meine Hand! In Zukunft hüte „ dich! Fehl' ich so warne mich brüderlich!" u. f. f. Alles redt von Christenthum aber von Hunderten die davon reden, welcher hat es in diesem Fall ausgeübt? wer herzlich und aufrichtig eine Beleidigung vergeben und vergessen ? — Immer hundert Fälle gegen Einen, wo Beleidigung mit Gegenbeleidigung vergolten wird, wo der erste Gedanke d er ist ! „Er kömmt mir auch „ wieder! 72 Beleidiger. Beleidigte. Beleid. „wieder! — Ich will ihm dran denken! Ich „will ihm's eintränken! Es soll ihm auch noch „ eins werden! "-Und dieß, wie offenbar wieder die Regel des Christenthums: „Rächet „ euch selbst nicht! ihr Geliebten! — und — vergebe je eines dem andern seine Fehler! " Wer dem Nächsten nicht vergiebt, dem wird GOtt nicht vergeben! ( Sehet Versöhnlichkeit.) Beleidiger und Beleidigte, die ihr dieß leset, nur noch dieß einige Wort, wo möglich, an euer Herz. — Ach , Sünderdem nach Rache glüht Im heuchlerischen Herzen, Der noch sein Wohlgefallen sieht, An seiner Feinde Schmerzen: Die Stimme GOttes schalle dir Durch deine ganze Seele: „ Wie du vergiebst, vergiebt GOtt dir!" Erwäg' es! und dann — wähle! — Beschneidung (Sehet Sacrament.) Besserung (SehetBusse.) Betten ( Sehet Gebett.) Betrug. 7Z Betrug. Betrug ist, wenn man den Nächsten hinter's Was Betrug Licht führt, und ihn durch allerley Kunstgriffe ^ * um das Seinige bringt. So bekriegt z. E. ein Exempel. Räufer, wenn er durch niedrige Kunstgriffe den Werth der Sachen unter das, was sie den Eigenthümer tosten, sezt; wenn er sich des andern Unwissenheit oder Unachtsamkeit bedient, die Waaren unter dem billigen Preis zu bekommen. — Der Verkäufer bekriegt, wenn er einer Sache den Preis übersezt, wenn er schlechte Waar für gute giebt, wenn er sich des andern Unwissenheit oder Unachtsamkeit oder Zutraulich- lichkeit bedient, ihm die Sache in höherm Preis zu geben, als billich ist, wenn er ihn im Gewichte vervortheilt. — Ein Arbeiter bekriegt wenn er nicht treu und nach seinem Vermögen arbeitet, in Erstattung seines Diensts saumselig ist, und doch vollen Lohn annimmt, u. s. f. Alle diese und andre Arten der Betrüger heist man Betrug in Werkm. " Werken. (Sehet auch den Titel Diebstal.) Man übt auch Betrug in Worten , wenn Betrug in man falsche Zeugniß giebt, verkehrte Räthe dorten, ertheilt, scheinbare Gerechtigkeitsliebe in seinen Worten vorgirbt, um die Ungerechtigkeit damit zubedeken. Versprechen nicht halten, u.s.f. — Beynahe ist's unmöglich alle Arten von Betrug 74 Betrug. anzuführen, die unter den Menschen im Schwang gehn. Wenn Türken Juden, und Juden Christen bekriegen , laßt's sich's begreifen, aber daß Christen Christen, und Landleute Landleute, Bürger/ Bürger, und Brüder, Brüder, Freunde ihre Freunde, und Gatten Gatten, daß Glükliche, Unglükliche, und Reiche Arme bekriegen, das scheint unbegreiflich — aber nur so lange, bis man in die Welt hinaus schauen, Menschen kennen lernen , und ihre Handlungen beobachten kann. - Man wird immer aufgeklarter zum Guren , und immer leider steigt mit fast gleichem Schritte die Feinheit zum Bösen. — Und der Ausdruk: „ Ein feiner Mann " wird bald zum unverdienten Ehrenrittel eines schaamlosen Betrügers. — Wenns immer so fortgeht und immer steigt — gute Nachwelt! was wird aus dir werden! — dünkt mich doch — wer lachen kann , mag lachen — immer wahr, was ich neulich las: Wir sind einmal nach langen Jahren Weit schlechter, als die Väter waren Verschlimmert durch den Zeiten Lauf.— Bald wächst vielleicht auch unsre Jugend Entfernt von GOtt und von der Tugend Noch schlimmer als die Väter auf!— Und dann — doch, den Finger auf den Mund! — Betrug Betrug. 75 Betrug ist und bleibt doch immer der größte Schaden für die bürgerliche Gesellschaft über- B-trugs? Haupt und für jeden Menschen der sich ihm ergiebt. Immer kömmt der Betrug an's Licht — und der Krug geht zum Brunn bis er zerbricht. — Und grosse Sünde ist der Betrug. Er ist gerade zu Sünde, wieder GOttes Wort, der gesprochen hat: „Du „ sollt deinem Nächsten nicht Unrecht thun! Ihr sollt »nicht fälschlich handeln einer mit dem andern! „Halte was du geredet hast und handle nicht „ betrüglich mit deinem Nächsten! Eine falsche „Waag ist dem HErrn ein Greuel! Niemand „übersteige seinen Bruder oder vervortheile ihn „ im Handel, dieweil der HErr ein Rächer ist »über dieses alles." — Betrug ist wieder alle natürliche und brüderliche Liebe. — Ich füge nichts mehr bey, als das Wort des HErrn. (Jes. bVI. Sprüchw. XV.) „Haltet Billich- „ keicund thut Recht! wer die Gerechtigkeit „ lieb hac, den hat der HErr lieb! Bibel. Seher Schrift. Böses. Sehet Sünde. Busse. 76 «r Busse. -<^usie ( das bekanntere und allgemeinen gebrauchte Wort, wofür ich immer lieber das Wort Besserung oder Bekehrung gebrauchen Wasi-BuMtnüchte.) Busse ist nach den Aussprüchen ussrer Bibel nichts anders als : Haß des Bösen , Liebe zum Guten, aufhören Uebels thun, lernen recht thun, den HErrn furchten ihm gehorsamen, seine Gebotte halten, in seinen Wegen wandeln, sein Leben und Verhalten nach seinen Befehlen einrichten , aus einem bösen und ungebesserten ein guter gebesserter, rechtschaffner , frommlebender Mensch werden. Das ist Busse, Besserung , Bekehrung, Wiedergeburt, Erneuerung, Heiligung. — Busse tbnn — da sollte man denk' :ch nicht mehr weitläufig sagen , was das ist oder richt ist, aber doch um einiger Leute willen, die Buchstab mit Geist, und Schein mit Sachr, aus Schwachheit oder Unwissenheit , o>er aus Was heißt Heuchelet) und Bosheir zu verwechseln geneigt nicht Busse sind, muß ich's doch anmerken — Busse thun thu» r heist nicht: Einige betrübte Bewegunger in sich verspühren und ihnen den Lauf lassen, nist blosse Wehmuth und Traurigkeit und Reu üler seine grosse und schweren Sünden in sich unterhalten; nicht bloß obenhin an Christum glaroen — nicht bloß einige Stunden sich der Welt md den Gesstäften Busse. 77 Geschäften entzieh'n und ein Bußgebett lesen; ' nicht bloß eine finstre Mine annehmen — am Bußtag zwey - oder dreymal in die Kirche geh'n, und Abendmahl halten , nicht bloß ein GOtt sey mir Sünder gnädig! nicht bloß sein Sündenregister sich verlesen und ^hränenströme vergießen und sich dann vor GOtr oes dämmen; nicht bloß fasten, seufzen, weinen, wehklagen, und GOtt das Beste versprechen.-O ihr guten Leute — vielleicht rede ich Hunderte und taufende an — all das heisc noch nicht Busse thun. Freylich seine Sünden erkennen aber sie ^ auch GOtt bekennen, freylich sie bereuen und Busse thu»? bey GOtt abbitten, aber sie in Zukunft unterlassen , freylich in Christum glauben, aber diesen Glauben durch Rechtthun bescbeinen —freylich sich vor GOtt demüthigen, aber diesem GOtt gehorsam seyn, freuUch betten, aber mit dem Herzen nicht ferne seyn von dem zu dem man bettet ; freylich Gelübde thun, aber sie auch halten ; freylich fasten von Herzbeschwe- rendem Ueberlast von Speise und Trank, aber auch fasten von bösen Thaten ; freylich seine Unarten ablegen, aber im Guten wachsen, das heiße Busse thun. — Und es ist höchst nothwendig, daß man Nothwendig' Busse thue, daß man sich anfange bessern /"tderDusse. oder fortfahre sich zu bessern, wennman bereits ange- 78 Busse. angefangen hat. — („ Wer seine Hand an den „ Pflug legt und sieht zurüke der ist nicht bequem „ zum Reiche GOttes." ) Wie oft laße GOtt uns durch seine Propheten zur Büß auffordern, wie oft wiederholte JEsus Christus diese Aufforderungen ! Wie oft tönt uns aus seinem und der Aposteln Munde die Stimme entgegen, die uns zur Busse ruft!— Wie oft werden den Unbußfereigen die Gerichte GOttes gedroht! wie oft wurden sie schon an solchen vollzogen ! Wie gnädig will G(L>cc die Büß annehmen ! Engel sollen sich drüber freuen! Wie gnädig will GOtt und JEsus denen die ihn bitten dazu die Hände bieten! Wie viel richtet wahre Busse aus! Sie vermag alles über das Vaterherz GOttes und das Bruderherz JEsu ! Busse, möcht' ich sagen, erweicht dasselbe zu Gnaden und Segnungen. Busse verschaft Vergebung der Sünden, macht würdig und cheilhaft der Seligkeit. — Christen! was könnten wir seyn durch die Busse, was werden durch dieselbe? — Aufschub -cr Und wann soll man denn Busse thun ? Busse. Heute — alle Tage, da wir GOttes Stimme noch hören, da wir noch leben, wer weiß wo wir Morgen sind, heute da GOtt uns noch hört, heute, els noch der Richter erscheint und unwiderrufliche Urtheil über uns ausspricht — wer weiß ob er nicht Morgen schon kömmt. Wann ' Busse. 7s 26ann furchtbar GOttes Donnerschall Und der Posaunen Wiederhat! Der Erde Grund erschüttern; Wann JCsus zum Gericht erscheint, Sich Unschuld freut, das Laster weint, Mann alle Seelen zittern — Dann ist nicht mehr zur Busse Zeit Noch Hofnung auf Barmherzigkeit. — Ich denke doch wenn ein Mensch die Gewißheit des kommenden Todes - und Gerichtstages, und die Ungewißheit der Zeit der Zukunft derselben sich recht oft vorstellt, er sollte aufwachen vom sichern Sündenschlafe und eilen seine Seele zu retten, und die Busse da sie durch Aufschub ungewiß, schwer und unnüz wird. — Keinen Augenblik mehr verschieben. Verschieben. . . . Guter GOtt wie viel hätten wir da zu reden , zu klagen,, zu vermahnen , zu strafen? — Doch ich sage darüber nur dieß: Wer seine Busse aus Unwissenheit und Sicherheit, darum weil er sich zuwol traut, und den Tag seines Todes und der Zukunft Christi noch ferne glaubt, aufschiebt, der ist ein Thor, deNj, wird es gereuen al^r zuspät und es wird ihm ein unersezlicher Schade seyn. Aber wer seine Busse 8o Busse. Busse muthwiliiger Weise verschiebt, und sagt: „ich will meine Busse noch aufschieben — konLnt „mein Tod oder das Gericht, so lebt GOtt „ noch , er ist gnädig , er wird mir, mir schon „ verzeihen." — Und so GOttes Langmuth zur Sünde mißbraucht, der ist ein gottloser Mensch. Denn alles was Unverstand und Bosheit, Muth- will und Verachtung GOttes heist , fließt in diesen Worten zusammen. — GOtt erbarme sich solcher elender Menschen! — Christen! o daß wir Busse thäten ? — doch was soll ich? Sie haben Mosen und die Propheten, sie haben Christum und die Apostel, sie haben ihre Lehrer und Prediger — so sie diese nicht hären, wer wird mich armen selbst noch von Sünde und Schwachheit gefangenen Menschen hören!- Heilige du sie alle, si> werden sie ge- heiligec, alle die noch ferne von dir sind! Bekehre du uns alle, so werden wir bekehret ! — Ahrist. ^iei Wort ist eine- der ehrwürdigst«, und heiligsten, der oft gebrauchtesten, und oft ver- schwendtesten und mißbrauchtesten. — Und was bezeichnet er ? wer ist ein Christ, nach dem eigent- Christ. 8i eigentlichen Sinn des Worts. Ein Christ ist ein Mensch der sich zur Lehre Christi bekennt, sie glaubt und sie zur Regel seines Lebens und Wandels macht. Ein Jünger , Nachfolger, Bruder Christi. Der ähnlichste ihm — Ein Leib und ein Geist mit ihm. — Luther (den ich so gern in seiner nachdrüklichen Sprach reden höre) beschreibt den Christen also: „ Ein Christ ist ein » Kind GOttes, ein Bruder Christi, ein Tempel „des heiligen Geistes, ein Erb des Reichs, ein „Gesellschafter der Engel, ein Herr der Welt, „ ein Ebenbild GOttes - ein Theilnehmer an der „göttlichen Natur. Seine Ehr ist Christus im „Himmel, und er ist Christi Ehr auf Erden. „ Er ist ein Kind GOttes mit der Gerechtigkeit „Christi angezogen, in heiliger Furcht und willi- -- gem Gehorsam vor seinem Angesichts wandelnd, „ein Licht der Welt, eine Rose unter den Dor* „nen; ein schönes Geschöpfe GOttes, dessen die „Engelsich freuen und es allenthalben mit Fwu- „den begleiten. Er ist ein Wunder der Welt, „ein Schreken der Teufeln, die Zierd der Kirche, „ein erwünschter Bewohner des Himmels, voll „Feuer ist sein Herz, seine Augen voll Wasser, „voll Seufzer sein Mund, voll guter Werke „seine Hände." — Wie ganz änderst lautet die Beschreibung von den Personen, die man heut zu Tag ohne Unterscheid Christen heist und an die dieser Name F vee* Wer ist ei» Christ r 82 Christ. verschwendet wird— Ein Christ , heist bald nichts, als ein / auf den Namen Christi getaufter Mensch, der die Religion JEsu in seiner Jugend kennen gelernt hat, sich vor den größten Sünden und Lastern hütet und die Uebungen des Christenthums' gelegentlich mit macht!- „Uebcrmeben! übertrieben! ruft ein Leser! — „ o es giebt auch noch Christen -> wir sie seyn „ sollen" Recht! das hoff' ich auch. — Aber wo sind sie! wie stm k ist ihre Zahl? Zeh'n, neun, acht — von fünfzig oder Hunderten? Zeh'n, neun, acht, in einem Stadtviertel oder Dorfe? Vielleicht da und dort! — Aber — sichtbar unter dem Schwärm von blossen Namenchrisien , Mauuyristen — Unchristen — Legionen? das was sie scheinen? oder das was sie seyn wollen? O wie viel liesse sich fragen, seufzen — wie viel Seufzer und Klagen, und Spott und Hohnlächeln erregen. — G Ott anheimgestellt geschwiegen und gebettet : Ach mein GOtt! gieb mir Gnad mich ernst-- lich zu befleißen ein wahrer Christ zu seyn , und nicht nur so zu heiffen! — Denn welcher führt den lTtamm nicht mit der That zugleich Der kömmt genüßlich nicht zu dir ins Himmelreich ! — Christ. 8; Hier das Bild eines wahren Christen, aus dem Munde Christi und seiner Apostel. — Ein Christ, wie er seyn soll/ ist Andächtig — arbeitsam — arm im Geist, aufmerksam auf das Wort Christi — aufrichtig. Barmherzig — brüderlich — bußfertig. Christlich gesinnt — Christlich redend —. Christlich wandelnd — Christo ergeben. Dankbar demüthig — dienstfertig — duldsam. Ehrbar in allen Dingen — ehrlich — eifrig — «inbrünstig — einfältig — einträchtig — ernsthaft. Friedliebend — fröhlich — fromm — für- sichtig. Geduldig — gerecht — gläubig — gottes- förchtig — gottergeben — gottselig — gutthätig. Himmlischgesinnet. — Keusch — Klug. Langmüthig — Liebevoll. Milde — mitleidig. Nüchtern. Ordentlich. Rein im Herzen und Leben — reuvoll. F 2 Sanft- 84 Christenthum» Sanstmüthiz — standhaft. Treu, tugendhaft. Unsträflich — unterthänig — unverdrossen. Wachsam — wahrheitsliebend. Züchtig. Mes Haupteigenschaften eines Christen — alle in Einer Person vereinigt — vielleicht eine Seltenheit unsrer Zeiten. Hilf,o HErr! denn die Heiligen haben abgenommen! Christenthum. ein Wandel nach der Lehre Christi — das Verhalten eines rechtschafnen Christen — oder die Lehre Christi selbst. Sehet Religion. §hristus. Sehet IEstrs» Lreuz. Sehet Leiden. Trübsal. Unglük. Dank- 8s Dankbarkeit. giebt eine Dankbarkeit gegen GOtt, und eine Dankbarkeit gegen die Menschen. Von diesen beyden Arten der Dankbarkeit nur das hauptsächlichste und vornehmste. Die Dankbarkeit gegen GOtt besteht in Was ist einer lebhaften Erkenntniß seiner Woltharen, in AgenGOttr gehörigem Lob für dieselben und dem Bestreben , ihm seine Erkenntlichkeit dafür durch den Fleiß in guten Werken an den Tag zu legen. Diese Dankbarkeit gegen GOtt, so selten sie leider unter den Menschen seyn mag, ist dennoch eine höchst noch- Sie istnoth- wendige Christenpflicht — nothwendig um des wenrig. Befehls GOttes, um unsers Christenthums und unsers Glüks willen. Daß sie GOtt befihlt GOtt be. darf ich nicht erst beweisen — alle Blatter unsrer sie. Bibel, besonoers die Psalmen und der apostolischen Briefe sind Zeugen davon. — Unser Lhri- unser Chr,, stenthum erfodert sie — ohne Dankbarkeit kann stentbumer- keine andre Tugend oder Pflicht des Christen- 6'' thums recht erfüllt werden. Alles beruht hieben darauf, daß wir GOtt für den Vater und Urheber aller unsrer Glükseligkeit ansetzn — so muß dann Dankbarkeit und mit ihr Liebe, Ehrfurcht, Vertrauen, Gehorsam und alle andre Tugenden entsteh'n -- oder sie muß uns doch die Ausübung andrer Christentugenden und Pflichten erleichtern, Sie wegqründe dazu. 86 Dankbarkeit. Sie dient zu Sie dient auch zu unserm Glük. Wir werden unsmnGlükt dadurch fernerer Wohlthaten GOttes würdig, ihm angenehm und zu hohem Seligkeiten ge- Fernere Be. schikt. — Wollet ihr mehr Beweggründe zur Dankbarkeit; so sind es: die Grösse und Manig- faltigkeit der Wohlthaten GOttes — Unsre eigne Unwürdigkeit deren ungeachtet, sie uns doch immer in reichem Maaße zufließen — und die natürliche Billigkeit des Dankes.- Ach, doch nur nie vergessen, Christen! „Alle gute Gaben und alle vollkommne „Geschenke, kommen von oben herab vom „ Varer der Lichter ! " Ohne GOtt haben wir nichts, sind wir nichts — von ihm ist was wir haben und sind. — „ Säger GOtt dem Vater „allezeit Dank um alles, das heist: „Alles „was ihr thut mit Worten oder Werken, „das thut alles im^kamen desHErrnIEsu „ Christi, also daß ihr GOtt und dem Vater „ danket durch ihn!-" Dankbarkeit Dankbarkeit gegen den Nächsten ist das gegen den Andenken an empfangne Gutthaten vom Näch- Nächsten, sien , verbunden mit der Begierde sie zu vergelten , und bey gegebnem Anlaase wirkliche Vergeltung. Verbindlichkeit. Auch zu dieser Dankbarkeit verbindet uns die Natur derselben und die guten Folgen die daraus entsteh«. Einem dankbaren Menschen erweist man Demuth. 87 ma» immer lieber Wolthaten als einem undankbaren Menschen — und jede Wolthat die uns der Nächste erweist ist eine Wolthat von GOrc und also werden wir durch die gleichen Beweggründe dazu verbunden."" — „Danket um alles!- Demuth. Demuth v so vielen Reichen und Angeseh- uen — so vielen die sich Christen zü seyn dünken unbekannte Tugend — vergessen, verachtet von der Welt, von dir so geschäzt, Drmüthigster der Demüthigen, JEsus Christus — Demuth be- Was sie sey. steht darum , daß man Ehre gebe, dem Ehre gebührt , daß man seine eignen llnvollkommen- heiten , Schwachheiten, seine Ohnmacht und Dürftigkeit in Rücksicht auf GOtt und andre Menschen einsehe, seine Vollkommenheiten und Vorzüge, die man vor andern aas, oder mit andern gemein hat, zwar nicht verkenne noch verachte, aber als Geschenke GOttes ansehe, und sie ihm allein zuschreibe und verdanke; daß man nicht mehr von sich selbst halte als billig P. — Das ist Demuth. — Demuth hat ihre Beziehung entweder auf Was ist De- GOrc und dann ist sie die lebhafte Empfindung unsrer gänzlichen Unwürdigkeit und Abhänglich- kett Demuth ge- qen den Nächsten. Sie ist n»th> wendig. Nuzen der Demuth. 88 Demuth. keit von GOtt, und die daher entstehende Unterwerfung in seinen Willen , oder sie bezieht sich auf den Nächsten und dann besteht sie in einer bescheidnen Beurtheilung seiner selbst, in einer gesitteten Niedrigkeit — ( Niedrigkeit, nicht in kriechender Niederträchtigkeit) und im Vorsaz andre Menschen hoch zu schäzen, wenn sie gleich niedriger sind, als wir. — Die Demuth ist eine höchst nothwendige Christenmgend. Wie oft bestraft GOtt in seinem Worte den Stolz, und wie oft befahl er und sein Sohn JEsus Christus dieselbe — und wie herrlich übte er sie selbst aus. — Wie wol gefallt sie GOtt und ihm! — Sie hat grossen Einfluß in die Besserung der Menschen. Ohne sie kann man kein rechter Christ seyn, sie ist die Haupteigenschaft eines solchen. Sie ist von dem wichtigsten Nuzen. Sie giebt allen andern Tugenden wahren Werth. Sie bewahrt uns vor vielen Sünden. Sie macht uns der Barmherzigkeit, Gnad, Lieb und Huld GOttes und der Hochachtung und Liebe aller rechtschaffen Menschen würdig. Sie dekt unsre Fehler und verringert sie; sie verursacht Heiterkeit und Ruhe des Gemüths. Sie macht uns GOtt ähnlich und JEsu Christo. Sie macht uns der Menschenliebe empfänglich und ist einst unsre ewige Erhöhung. — Die Demuth. 85 Die besten Erweckungs - und Beförde- rungsmir'e! der Demurh sind : die lebhafte Erkenntnis' von GOttes Hoheit und unsi-er ZTliedrigkeir, die Betrachtung der Demuth JEsu, di Ueberzeugung daß unsre Gaben und Vorzüge nicht unser Eigenthum sondern GOttes Geschenk sind, daß es also Thorheit wäre, auf etwas entlehntes stolz zu seyn,, die Betrachtung unsrer vielen Schwachheiten wnd Unvollkommen- heilen und endlich der Vergänglichkeit aller irdischen Güter, gegenwärtigen Zustands. — Und nun noch für den Stolzen oder Demüthigen der diese Schrift lesen mag — auf dieß alles das Siegel aus GOttes eignem Worte: „ GDtt widersteht den Hoffartigen - ,»aber den Demüthigen gibt er Gnade! " „ Wer sich selbst erhöhet, der soll erniedriget werden, und wer sich selbst ernie- „ driget, der soll erhöhet werden." „ Selig sind die Armen im Geiste, denn „ ihrer ist das Himmelreich! " §hristrn'. lernt doch von JEsus Christus denn er war von Herzen demüthig ! — ...- — -- — Btsikdt« rung-mittel derDmiuth. Diebstahl 5)2 Diebstahl. W-« l-»> Dl-bstal ist diqrmge lasterhafte Handlung, da man sich etwas anmasset, wozu man kein Recht hat, nehme mans nun öffentlich, mit Gewalt oder heimlich durch feine Ranke zu seinen Handen — EristSünde. Diese Handlung ist Sünde, denn sie ist von GOtt in seinem Geseze verholten — sie ist wieder alles Naturrecht, das uns befiehlt, jedem das Seine zu geben und zu lassen. — Sie ist schändlich - schändlich — denn nicht allein die Offenbarung, sondern auch die Vernunft selbst verdammt sie, und nachdem sie in grösserm Grade oder unter gewissen Umständen begangen wird, ist sie nach göttlichen und menschlichen Gesezen im höchsten strafbar — Grade strafbar^ Entschuld!. Ich weiß wol, man nimmt es in Ansehung gungen des des achten Gebotts da und dort nicht so genau, Diebstals. mcm hat immer feine scheinbaren Entschuldigungen. — Man glaubt z. E. wenig gestohlen, wolle nicht viel sagen. — Ein wenig Gelt, ein Stück Brod, ein wenig Obst gestohlen sey von keinem Belang. „ Es mag mir sagt man, » schon was bringen. Der dem ichs genommen habe, hmhrts nicht einmal» Er hat Ueberfiuß, Diebftahl. §i „ es schadt ihm nichts. Etliche Groschen — etliche „ Birren oder Apfelln, ein Slück Brods mehr „ oder weniger wird) nicht alles ausmachen und „ich kanns doch so wol brauchen , u. s. f." — Aber da möcht' ich- dock dieß bemerkt wissen: Daß Sünden so kieun sie sind allemal zu grösser», führen und dann zuilezt den Menschen stürzen in den Untergang und in das Verderben. Eine Brunnq'ielle wird freylich keinen Schaden anrichten , es kömmt noch eine dazu , es wird ein Bächlin — auch dreß wird keine Verwüstungen anstellen — Bey seinem Laufe kommen nach mehrere darzu — nach und nach wird das , was im ersten Anfang eine kleine Quelle war, ein Strohm, der fürchterlich daher rollt, dessen Gewalt niemand widerstehen mag, und der wo er hinkömmt, alles verwüstet und mit sich fortreißt. So der kleine Anfang zu grossen Sünden, diese zum gänzlichen Verderben. -- „Aber die Noth dringt mich zum Stabilen. — Arbeiten kann ich nicht, betteln mag „ich nicht, mich sonst zu erhalten ist mir unmög- „ lich. " — So spricht jeder Räuber. Aber sey einmal ein treuer Hausvater — ein guter Christ, vertrau auf GM. G Ehe. 98 Ehe. Ehegatten. Ehestand. Was ist die 3)ie Ehe , der Ehestand ist eine rechtmäßige Ehe? — heilige Verbindung zwoer Personen verschieden endjwek. Geschlechts, zu dem Endzweke vollzogen, vernünftigen und unsterblichen Geschöpfen ihr Daseyn zu geben und sie zu nüzlichen Menschen und guten Christen zu erziehen; sodann sich gegenseitige Hüls und Beystand zu leisten, die Lasten des Lebens zu erleichtern und die Freuden desselben zuvervielfäl- tigen und zu vergrößern und endlich zu unserm und der ganzen Gesellschaft Bestem zu arbeiten. «Stifter. Der Stifter der Ehe ist GOtt selbst. Von ihm wird die erste Ehe geschlossen. Sehet i Mos. II. i8. Mrpflich. Personen die eine Haushaltung ernähren tung MEbe.xönnen, die gesund und zur Fortpflanzung ge- schlkt sind, find zum Ehestand verpflichtet, weil die Ehe eine wichtige mit grossen Absichten ver- bundne Ordnung GOttes ist, und weil die Ursachen und Folgen ihrer Unterlassung größrentherls unedel und strafbar sind. Pflichte» für Wer in die Ehe wetten will beobachte folgende ftch mEl Regeln vor allem aus : chenwviirn. ^ , Mache dich mit den Absichten der Ehe bekannt, und entschließe dich sie zu erfüllen! Eile Ehe. Ehegatten. Ehestand. 99 Eile nicht, überlege vorher — warte das rechte Alter ab! Bitte GOtt daß er deine Neigung lenke! Sieh' bey Auswahl eines Gatten nicht auf Schönheit, oder Reichthum zuerst, sondern auf Tugend, Mäßigkeit und Arbeitsamkeit — und seine ganze Aufführung! Sieh', ob ihr euch werdet ehrlich erhalten können ! Gehe mit den Eltern und Freunden zu Rathe! Ueberlege alles wol und kaltblütig — erst dann treue in GOttes Namen tn den Ehestand, und es wird dir glücken ! — Die aber schon im Stand der Ehe leben, der sollen vor allem aus den Zwek des Ehestandes Ehegatte», erfüllen und also sich ehliche Freundschaft, Liebe, Achtung, Nachsicht, Treu und Friedfertigkeit erzeigen, in Ehrbarkeit, Mäßigkeit / Keuschheit und Frvmmkeit andern ein Muster und einander das Leben nicht nur verbittern, sondern versüßen. Der Mann hat zwar von GOtt und Natur das Pflichten des Vorrecht erhalten, daß er Herr und Oberhaupt seiner Frau seyn soll, allein er soll dieß Vorrecht nicht mißbrauchen, wol es mit Weisheit / Sanstmuth und Liebe behaupten; er soll seine G» Gattin ivQ Ehe. Ehegatten. Ehestand. Gattin lieben , für sie sorgen , sie beschüzen , ihr Vermögen erhalten/ und überhaupt ihre Ruh, Zufriedenheit und Glükseligkeit auf alle mögliche Pflichte» der Weise befördern. Die Frau soll dagegen ihren Trau. lieben, ihm in allem was recht und gut ist unterthänig und treu seyn , eine gute Hausmutter, keusch, ehrbar, verschwiegen, häuslich, soarsam und ordentlich und so seine Arbeiten und Geschäfte ihm durch Sorgfalt und Gefälligkeit erleichtern und seine Achtung und Liebe zu gewm- r.en suchen. — Leset hierüber Ephes. V. Colos. UI. rTimoth.ll. Z. r Corinth.vn. Sprüchw.XXXI. (Sehet unten den Titel Ehftau. Ehmann.) slükderEhe. Bey treuer Beobachtung dieser Pflichten werden gewiß Ehleute glüklich seyn! Sind sie's nicht wo fehlts, als eben da daß sie obange- führte Regeln und Pflichten nicht beobachten. Ach! Gatten! Gattinnen,wenn ihr unglükliche Ehen habt, so schreibt die Schuld euch selbst zu! Indeß — ihr seyd zu bedauren , denn ich glaube es redlich: » Eine mißvergnügte Ehe ist eine Hölle „ auf Erden!" — Bettet GOtt um Vergebung, um Gnade zur Geduld, und um Verbesserung oder Leichterung euers Schicksals. — Und ihr zufrieden lebenden Ehgatten! wie glüklich seyd ihr: denn ich glaube eben so redlich : ,, Eine zu- , ftiedne Ehe ist ein Himmel aus Erden!"— Ehebrechen.Ehebrecher.Ehebr. ror Äas was man liebt, geliebt besizen können, I n einem treuen Arm sich seines Lebens freu'n — Ist, Mensch '! dieß kein Glück zu nennen, So muß gar keins auf Erde seyn! -— — — allein sich so vermahlen Wie viele thun, das heist nicht lieben — nein! Das heißt mit weitgetrennten Seelen Ein Leib in einem Hause seyn!- Daß die Geseze der Ehe je länger je mehr geringgeschäzt und verachtet werden, dessen — erbarme sich GOtt! -- Nur noch dieß einige Wort Paulus, das doch einmal geschrieben steht und nicht weg — verachtet werden kann. — „ Die Eh' ist ehrlich bey allen und das „ Ehberr unbefleckt; aber Hurer und Ehebre, „ cher wird GOtt richten!" — Ehebrechen. Ehebrecher. Ehebruch. Ehebruch; jenes im siebenden der zeh'n Gebotte W«« ist GOttes verbottne Laster , ist ein unzüchtiged^bebruch r Umgang einer verehlichten Person mit einer ledigen , oder verheuratheten Person des andern Geschlechts. Ehebrechen heist mit einer solchen unzüchtigen Umgang haben — oder auch nur unzüchtige Begierden gegen solche nähren oder äusser». — Sehr lO2 Ehebruch. wir» »o» Sehr oft wird dieß Laster von GOtt ver- bomn? - botten, so wie auch die ernstliche Straft auf — gestraft, dasselbe gesezt ist. — „ Wer — das ist sein eignes Gebott — wer »mit jemandes Weib die Ehe bricht, soll sterben, „ beyde der Ehebrecher und die Ehebrecherin." — Die Beyspiele in heiliger Schrift von Leuten an denen diese gedrohte Strafe vollzogen war sind nicht selten. — Heut zu Tag wird der Ehebruch nur mit Leibesstraft, oder Gefangenschaft und öffentlichen Schande bestraft — Wäre die Straft härter, so wär's mit größtem Rechte, weil er Er istSünde.Ljne der größten Sünden und ein's der ver- fluchenswürdigsten Laster ist, das selbst die rohste Er ist eine ^kmunft mit innern» Abscheuh verwerfen muß, Quelle and. und weil er eine (Quelle von andern Sünden rrr Sünden, und des unersezlichen Schadens für Zeit und Ewigkeit ist. Denn was entsteht aus dem Ehebruch anders, als Sicherheit und Gottlosigkeit, Meineid, Treulosigkeit, Bruch der heiligsten Bande, Diebstahl, Betrug — und so gar Mord und Todschlag, wovon wir noch nicht veraltete trau- Er ist Md. xjge Exempel haben. Und welch ein Schaden dieses Lasters ! Das Glük der Haushaltungen wird auf die traurigste Art zerrüttet, das Vermögen verringert. Schimpf und Schande sich und andern aufgeladen, er und andre ins größte Elend gesezt — welche Gewissensbisse, welche Unruh — und welche Verantwortung einst vor GOtt, Ehebruch. ioz GOtt, der Hurer und Ehebrecher auf das ernst, liche richten wird; „ sie werden das Himmelreich » nicht ererben. " — Ist dieß Laster in unsern Zeiten selten? — Rann es selten seyn, wenn man seinen (Quellen nachdenkt. Diese sind: — immer höher steigende Liebe zum Sinnlichen, Weichlichkeit der Lebens, art, Müßiggang, allzufreyer Umgang, verführerische Bücher und Beyspiele — und allermeist Irreligiosität und Gleichgültigkeit gegen die heiligsten und wichtigsten Befehle und Ordnungen GOttes. — Fürchterliches aber wahres Bild unsrer Zeiten — Dank jeder christlichen Obrigkeit die diese Quellen zu verstopfen sucht — und die daraus entstehenden Laster mit Ernst züchtigt. Zum Beschluß dieses Titels, noch eine Stelle aus einem Briefe / die ich allen, die sich des Lasters deß Ehebruchs viel oder wenig bewußt sind, mit grossen Buchstaben über ihre Kammer- thüre oder Bethstelle schreiben zu können wünschte: ,, O ihr Ehebrechenden, ihr Verführer! wie „ viel Unheil verbreitet ihr durch Befriedigung „ eurer Lüsten auf der Welt! O wenn einer von „ euch stirbt und in dem Augenblike, da ihr vor'm „ Richrer steht und seinen Ausspruch erwartet „ steigt der Fluch oder der Seufzer einer von euch „ gekränkten Unschuld, mit ihren Kindern zum „ Richter auf -> welch Entsezen muß euch dann „ergreifen und in die elendeste Verzweiflung » stürzm." — Dazu Quelle», is4 Ehfrau. Eh werd. Dazu bitt' ich noch die Stelle Sprüchwörter Salomon VI. zr. ZZ. zu beherzigen: „ Wer „ mit einem Weib die Ehe brich:, der ist ferner .. Vernunft beraubet; wer dieß thut ist sein eigner „ Mörder , Unglück und Schande werden sein „ Theil seyn, und seine Schaam mag nimmermehr „ ausgetilget werden." Ehfrau. Ehtveib. ( Sehet Ehe. Ehegatten.) ^^iesen und den nächstfolgende» Titel sollen Schriftsteller, einige Schriststellen ausmachen, welche einige wichtige Pflichten enthalten und Stoff geben, zum ernsthaften Nachdenken. „ Die Weiber sollen Unterthan seyn ihren „eignen Männern, auf das so etliche nicht ge- „ horsamen, dieselben durch der Weibern Wandel „ ohne Wort gewonnen werden : welches Zierde „ nicht auswendig im Haarflechten und umlegen „ des Golds und Anlagen der Kleidern seyn soll, „ sondern der verborgne Mensch des Herzens in der „ Unzerbrüchlichkeit eines sanftmüthigen und stillen „ Geistes, der vor GOtt köstlich ist. Denn also „ haben sich auch vor Zeiten die heil. Weiber ge- „ zieret, die ihre Hofnung aus GOtt sezten und „ den Männern Unterthan waren, wie die Sara » dem Abraham gehorsam war, als die ihn „ einen Ehfrau. lof „ einen Herren nannte, deren Töchter ihr worden „ seyd, so ihr Gutes thut und euch nicht vor „ einem Schreken fürchtet. „ Ein weises Weib baut ihr Hause; aber ein thörichtes kehrt es mit ihren Händen um. „ Ein tugendreiches Weib ist ihrem Mann „ eine Krone, die sich aber schändlich haltet ist »eine Fäulung in seinen Gebeinen. „ Wie ein goldnes Kleinod am Rüssel eines „ Schweins steht, so ist ein schönes Weib, das » unzüchtige Geberden hat. » Der Werth eines braven Weibs ist weit „ über Perlen. Denn ihr Ehmann kann ihr sein » Herz anvertrauen, es wird ihm auch an Hab »und Gut nichts mangeln. Sie wird ihm ihr „Lebenlang seinen Nuzen fördern und seinen „Schaden wenden. Sie wird fieissig Wollen „ und Flachs spinnen suchen und mit ihren Hän- „ den mit Lust arbeiten. Sie ist gleich einem Kauf- „ mannsschiffe, sie wird ihre Nahrung von Fleiß „ herbringen. Sie steht zu Nacht schon auf, daß „ sie ihrem Hausgesinde Nahrung.gebe und das „bestimmte ikren Mägden. Sie trachtet nach „ Felde und bekömmt es und pflanzt ihren Wein- „ garten mit dem, was sie mit ihrer Hände ge- » winnt. Sie umgürtet ihre Lenden mit Stärke » und IO6 Ehfrau. „ und stärket ihre Hände. Und wenn sie erfährt, „ wie nüzlich ihr Gelverb sey, so läßt sie ihr Licht „ ganze Nächte nie löschen. Sie legt ihre Hand » an die Spindel und haltet mit ihren Händen „ dre Kunkel. Sle beutet ihre Hand dem Elenden „ und ihre Hände dem Dürftigen. Sie fürchtet „ sich ihrer Gesinde halben ob keiner Winterkälte, „ denn sie sind alle mit Wolgefüttertem bekleidet. „ Sie macht ihr selbst Teplche und Leinwand und „ verkauft sie; auch Bänder, die sie den Krämern „ giebt. Sie ist mit Dapferkeit und Ehre beklei, „ dek , deren sie sich auch m ihrem Alter freut. „ Sie redt weislich mit ihrem Munde und richtet „ihre Zunge nach dem Gesez der Güte. Sie „ schauet flüssig, wie es in ihrem Hause zugehe; „ sie ißt auch ihre Speise nicht mit Faulheit. ,, Ihre Kinder stehen und preisen sie selig, auch ihr „ Ehmann haltet sie werth. Viel Töchtern sind „ die Reichthum überkommen, aber eine solche ist „ über alle. Es ist ein falsches Ding um Freund- »lichkeit und ein eitels Ding um Schönheit; „ aber ein gottesförchtiges Weib ist aller Ehren „ werth. — Gebet derselben von der Frucht ihrer „ Hände. Diese loben ihre Werke in den »Thoren! "- Ehmann. IO7 Ehmann. (Sehet Ehe. Ehegatten.) „ ^Lhr Männer! liebet eure Weiber. Wer sein Weib lieb hat, der liebet sich selber. Hat auch » jemals jemand sein eigen Fleisch schaffet; nein, „ sondern er nährt und pflegt es. „ Wohnt bey euern Weibern mit Vernunft, »und gebt dem Weiblichen als dem schwächer« ^ Geschirr die Ehr, als auch Miterben des ewigen » Lebens, auf daß euer Gebe« nicht verhindert » werde! Seyt nicht bitter gegen sie! »Der Mann ist des Weibes Haupt. Er » gestatte nicht daß sie über ihn herrsche und gebe » seine Stärke nicht dem Weibe! „Die jungen Männer sollen mässig seyn: »Selig ist ein Mann der den HErrn fürchtet ,, und in seinen Wegen wandelt, du wirst dich ,, nähren mit deiner Händen Arbeit, du wirst selig „seyn und es gut haben. Dein Weib wird seyn „ wie eine fruchtbare Weinrebe; deine Kinder wie die Oehlzweige um deinen Tisch her. Siehe »also wird gesegnet der Mann , der den HErrn »förchttt! " — _ Ehre loS Ehre. WLsisi Thrr.Hnttt dem Wort Ehre versteht man überhaupt die Achtung welche andre Menschen für uns tragen, die guten und vortheilhaften Urtheile die sie von unsern Eigenschaften, Tugenden und Handlungen fällen und die 'Aeusserungen, wodurch sie diese Achtung und guten Urtheile an den Tag legen. Werth der Kraft dieses Begrifs hat die Ehre einen ge- Ehre. wissen wetrh. Sie wird in der Bibel selbst, als etwas wünschenswürdiges vorgestellt. — Alle Christen und Menschen werden da ermuntert, alle das zu thun, was ihnen Ehre verschaffen kann. — So gar, sie wird von GOtt selbst den Frommen als eine Art irrdischer Belohnung verheißen. Sie ist eine Reizung zu guten Thaten , und ein Mittel zu Ausübung solcher Tugenden die uns der Welt nüzlich machen, und unsre irrdische Wolfahrt befördern. Pflicht sie zu Es ist also unchristlich und so gar sündlich, suchen, die Ehre schlechterdings zu verachten oder dagegen gleichgültig zu seyn. Wenigstens, dünktS mich, es ist übel verstandne und allzuweit getriebne Demuth, wenn man durchaus nichts in der Absicht thun will, sich bey andern eine gute Meinung zu erweken oder sich Ehre zu erwerben. Nein! Regeln bey wir dürfen und sollen Ehre suchen, jedoch dabry dem Suchen folgende Regeln beobachten: Wir müssen sie bey " unsern IO- Ehre. unsern Handlungen nie zum Hauvtzweke machen; ( Denn ihr Werth ist doch sehr gering : denn Jbr Mkth sie ist unzuverlässig, sie hat häufige nach- theilige Folgen und ist sehr eingeschränkt und vergänglich/) sondern wir sollen sie wegen der durch sie zu erreichenden Abfiel ren begehren. Auch sollen wir unsre Ehre nicht bloß auf äußern Schein, oder auf andre zufällige Gründe, sondern auf wahre und bleibende Vorzüge gründen, und dabey den stillen Beyfall unsers Gewissens und die Empfindung rechtschaffen gehandelt zu haben, höher schäzen, als alle Sichtung der Welt, am meisten aber Ehre bey (6-Orr zu erlangen, d. i. seiner Huld und Gnade, seines Beyfalls und Wolgefallens würdig zu werden suchen. Sind wir aber im Besiz der Ehre; ge- messen wir die Achtung und den Ruhm unsrer Ehre. Nebenmenschen, so müssen wir von allem Stolze fern seyn — uns Müh geben dieselbe wirklich zu verdienen, derselben je länger je würdiger zu werden trachten, und nie den Gedanken aus unserm Herzen verlieren : Daß alle Ehre von Menscher» o hne die Ehre von GOtt weder Werth noch irgend ^ einen wahren Nuzen für uns hat.- ,, Im übrigen , ihr Brüder! was wahrhaft, «. ehrbar, gerecht, rein, was lieblich ist und was „wol lautet; ist irgend eine Tugend, irgend eirr Lob, dem denkt nach; so wird der GOtt der Friedens mit Euch seyn! „Sey» ' HO Ehre. » Seyd sürsi'chtlg, ehrbare Dinge zu thun , ,, nicht allein vor dem HErrn , sondern auch vor ,, den Menschen! — ,, Ein guter Name ist besser als ein köstliches „Salb. ,, Die Weisen werden Ehre erben. „ Der HErr giebt Gnad' und Ehre. »Wer-ihn ehret, den will er auch ehren. »Darinn wird aber GOtt geehret, daß «ihr viele Frucht bringt und rechtschaffen vor „ihm wandelt.— Und »Lasset uns nicht eitler Ehre begierig seyn! »Thut nichts durch eitle Ehre!"—-und — kränket auch niemand an seiner Ehre l- Ehrgeiz. Ehrsucht. Was iSTHr. Ehrgeiz, Ehrsucht, Ruhmsucht, ist ein ' übermäßiges, zu weit getriebnes Bestreben nach ' Ehre und Würden, eine hohe, falsche Einbildung von sich selbst und die Begierde sich immer über andre zu erheben. — Mit Vernunft und gebührend nach Ehre vor der Welt trachten, ist recht und gut. (S. Ebre.) Das Gute darf man immer an sich erkennen und nach Beyfall trachten; allein sich Vorzüge einbilden, die man nicht hat, seine vermeinte eigne Vollkommenheit immer und am liebsten s Ehrgeiz. Ehrsucht. m liebsten im Auge haben ; sein liebes Ich allem andern vorzieh'n; andre liviz verachten, nur ! immer um Ruhm sich Mühe geben, ihn zum ! ersten und lezten Zweke ferner Handlungen machen, j das ist Ehrgeiz, Ehrsucht. — ein gemeines, aber ^ zugleich ein schändliches und schädliches Laster, «ine der größten Thorheiten, derer ein Mensch fähig ist. Wir haben ja doch nicht die geringste Ursache uns selbst zu erheben und auf unsre Vvr- ' züge stolz zu seyn. Sie sind nicht allemal so groß ! als wir denken; sie sind nicht unser Eigenthum; / wir haben nichts, daß wir'S nicht empfangen haben und sollen uns also nicht rühmen, als hätten wir's nicht empfangen. Welchen Erniedrigungen muß nicht der Ehrgeizige sich aus- ; sezen, welche verächtlichen und oft beschimpfenden , Mittel muß er anwenden, seinen Zwek zu errei- j chen, und wie tausendmal sind diese Mittel ver- - gebens!-Wie viel Laster entsteh'» aus dem EhrgeizeWelch eine Quelle von Neid, Haß und Zank ist er nichtWie viele hat er nicht schon gestürzt und unglüklich gemacht! Davon redt die Erfahrung aller Zeiten laut genug. Sie , zeugt laut genug für das Wort IEsu: „Wer j --sich selbst erhöhet,wird erniedrigt werden!" — - Wol dem der gerne niedrig ist und nicht nach - hohen Dingen strebt, der seine größte Ehre darinn suchet ein rechtschafner Mann zu seyn! Er wird erhöhet werden vor GOlt und zu GOtt... . Laßt Er ist schad, lich uns schändlich. 112 Eid. „ Laßt uns also gesinntt seyn, wie JEsus „Christus auch war. Er hat sich selbst erniedrigt, „ darum hat ihn GOtt auch über alle Massen er- ,, höhet. " — „ So demüthiget euch nun, daß GOtt euch seiner Zeit erhöhe!" Ehrlichkeit. Seher Aufrichtigkeit. Ehstand. Sehet Ehe. Eid. ^Eid ^ Eid ist eine Religionshandlung, wo man ' unter wolbedächtlicher Anrufung GOtteS des Allwissenden, Heiligen und Gerechten, der uns strafen soll, wofern wir nicht die Wahrheit reden oder Versprechen halten, m wichtigen Angelegenheiten und mit völliger Ueberzeugung etwas be- theuret, bekräftigt oder verspricht. Das ist der ächte, wahre Eid. — Seist erlaubt. Alle Eidschwüre, wenn die Ehre GOltes dadurch befördert und die Wahrheit dadurch an den Tag gebracht wird, sind nicht nur erlaubt, sondern wirkliche Pflichten der Religion gegen GOtt und die menschliche Gesellschaft. Sie sind im göttlichen Geseze gebilligt, mit vielen Exempeln aus dem alten Testamente bestätigt, und ein End alles Zanks und Widerspruchs. — * Die Eid. 11; Die Absicht jedes Eids ist doppelt; auf Absicht de« Seite des Schwörenden , ihn zu etwas zu ver- Eid?» binden, oder seine Verbindlichkeit zu vergrößern, durch beydes seinem Gewissen einen desto starkem Antrieb zu geben und dann auch die allgemeine und besondre Wolfahrt zu sichern. Hier einige Anmerkungen und Regeln fürAnmerk„ngc.r Eid-fordernde und Eid-schwörende: Man fordre und thue keinen Eid wegen^schwöm^ Kleinigkeiten, auch wenn man Recht hat; sondern nur in wichtigen Dingen , wo die Ehre GOttes und die Wolfahrt der Menschen dadurch befördert und die Wahrheit nicht änderst entdekt werden kann. — Man anerbiete sich nicht lei'chtsinmg zu einem Eide! Man schwöre nie, als bis man vorder oft die Wichtigkeit des Eids so wol, als die Sache selbst worauf man schwören soll, auf das ernsthafteste und mit der strengsten Unparthcylichkeit geprüft hat. Man erkläre also den Schwörenden allemal vorher die Wichtigkeit des Eids und der zu beschwörenden Sache. Wenn man einen Eid gethan hat, so erfülle man denselben aufs genaueste und wenn es auch l mit dem größten Verluste im Zeitlichen geschehen i solle. (S. Meineid.) H Einen ii4 Eigenliebe. Einen Eid einem Menschen von ungleicher Religion oder Religionsparthey gethan, ist man schuldig zu halten, so auch einen leichtsinnigen Versprechungseid. — Man schwöre nur bey dem einigen wahren GOtt, der allein das Herz steht und die Ueber- tretter strafen kann! Daß nur der Eid nicht allzugrmein, zu gering geachtet/ und wenn er übertretten wird zu gelind gestraft werden möchte!- Eigenliebe. War sie ist.(§igenirebe, Selbstliebe / ist die gehörige Werth- schäzung unser selbst und das Verlangen und Bemühen uns glüklich zu machen. — Sie ist Pflicht Dich Eigenliebe ist Pflicht sür einen Men- sür den schen — so gar der Jnnbegriff aller Pflichten Menschen, sich selbst. Liebe deinen Nächsten! ist die Summ aller Pflichten gegen ihn — und: Liebe dich selbst! ist die Summ aller Pflichten gegen fleh selbst. GOtt gebietet die Eigenliebe ausdrüklich, so wol durch die Natur/ als durch die Offenbarung. — Wir sollen den Nächsten lieben / wie Ans selbst; also ist ja darin« der Befehl eingeschlossen , daß wir uns selbst lieben sollen. Wer nicht Eigenliebe. ris nicht in gewissem Grade sich selbst liebt, den muß ich mir als den seltsamsten Menschen auf dem Erdboden vorstellen. Hat nicht jeder Mensch einen hohen Werth, eine vorzügliche Würde? Sie nicht erkennen wollen hiesse undankbar gegen den . Schöpfer seyn. Jeder Mensch hat ein Verlangen nach Glükseligkeit — dieß nicht haben wäre Un- sinn und hiesse aufhören ein Mensch zu seyn. Sich selbst nicht lieben , heist ein undankbarer, rasender Thor seyn —und die Eigenliebe schlechterdings aus dem Christenthum verbannen, heist §eben so viel. — Allein bey der Eigenliebe bedarf's grosse L-nschränf. Vorsicht. Man kann sie zu weit treiben. Also ""sei. bemerke man folgende Einschränkungen: Man liebe sich nicht allzusehr! — Man seze die Liebe GOttes und des Nächsten dabey nicht aus den Augen! — Man lasse seine Eigenliebe nie in Stolz und Eitelkeit ausarten, sondern : Man bleibe immer in den Schranken einer gesitteten Demuth und Bescheidenheit. — ! Geschieht dieß nicht, so wird sie schädlich und strafwürdig, und ein Mensch der's in der Eigenliebe zu weit treibt, das heist, dem sein Ich am liebsten ist, der sich selbst immer am liebsten hört, sich alle Vorzüge anmaßet, für nichts mehr besorgt ist, als für sich selbst — der .ist der unerträglichste , häßlichste, thörichtste Mensch in der Menschengesellschaft. H L Sehet r l§ Eigennuz. Sehet ihn — ihr habt Anlaas genug — und gebt auf seine Reden und Handlungen acht/ und ihr werdet leicht von der Häßlichkeit und Schändlichkeit einer zu weit getriebenen Eigenliebe überzeuget werden!- (S. auch Hochmuth. Stolz.) Eigenmrz. Was er ist. ^igennu; — eine Folge der übertriebnen Eigenliebe — ist die Neigung nur immer auf seinen eignen indischen Nuzen zu sehen und nur immer sein eignes Beßtes zu befürdern / ohne sich darüber zu bekümmern : ob etwa ein andrer vielleicht Bild eine« darunter leiden müsse. — Ein Mensch der ihm er- EigrSujMn.^En ist, hält ihn für sein Beßtes. Alles was ihn zum Augenmerk hat, ist ihm erlaubt und löblich. GOtt, der Nächste, das Vaterland, seine Wichten kommen bey ihm nur in so fern in Betrachtung, als sie zu diesem Endzweke beytragen. Er denkt alles sey nur für ihn geschaffen. Alles andre vergißt er darüber — frägt nur: „Tragr's mir was ein? "Und nach der Antwort auf diese Frage richtet er seine Handlungen ein. — ( S. mehr unter dem Titel Geiz.) Eine Krankheit eben so gefährlich als ekelhaft, eben so schädlich als gemein- Einig- 117 Einigkeit. Eintracht. Einigkeit, Einkracht oder Friedfertigkeit ist Was ist fur diejenige Tugend, da alle nach Einem Endzweke der Gbäckseligkeit trachten. Wenn Menschen die in Einer Gesellschaft oder in Einern Hause leben, ihre Meinungen , Gesinnungen und Handlungen und ihr ganzes Betragen gegen einander so einrichten , daß Ruh und Frieden und Wolfahrt unter ihnen befördert wird , so sagen wir, daß sie einträchtig leben. Die Eintracht entsteht aus der Liebe des Quellen. Nächsten , die uns verbindet uns - als Kinder Eines Vaters, als Brüder und Schwestern an- > zusehen. Und groß und dringend sind die Ausfor- Auffordern«. , derungen zur Einigkeit. Leset die Evangelien, sm La»u. die Briefe eines Paulus und Petrus vorzüglich, und ihr werdet viele Stellen antreffen, worinn sie den Christen empfohlen wird — Betrachtet das Beyspiel IEsu, des Einträchtigsten, Friedlie- bensten— Den Endzwek des heil. Abendmals, der auch der ist, Liebe unter Christenbrüdern zu ^ stiften. — Alle als Christen sind wir verbunden l zu wandeln in Sanftmüthigkeit und Langmüthig- keit, auch zu behalten die Einigkeit, das Band des Friedens. — Und welche Vortheile stnd mit Vortheile. § dieser Tugend-Ausübung verbunden. Sie macht ' uns GOtt und JEsu ähnlich und gefällig. — Wo n8 Einigkeit. Eintracht. Wo Haß und Zweytracht uns bey jedermann verächtlich machen , da bringt uns die Eintracht jedermanns Lieb und Huld zuwegen; wo jene unvermeidlichen Schaden, Krankheit, Verdruß und Verderben nach sich zieht, da erwekt uns diese tausend Freuden , macht uns ruhig und zufrieden , die Erde zum Paradise, und wird auch in jenem Leben ihren vollen Lohn haben. — Kurz sie ist die Quelle unsrer ganzen Glükseligkeit. Ja! Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden GOttes Kinder heissen. — Was die linke Hand der rechten ist, das ist die Eintracht jedem Stande! Band der Vollkommenheit ! Und Unfrieden Oehl ins Feuer, das alles aufreibt und verzehret. — — Nur der Mensch selbst ist der Menschen größte Plage. — Befürde. Durch Geduld, Nachsicht, Vermeidung aller ^^' Unduldsamkeit, Veränderlichkeit , Eigensinns , Empfindlichkeit und auffahrenden Wesens, als der Quellen des Unfriedens und durch fieissiges Gebe» kann die Eintracht am besten befördert werden. — Ja Amen! schenk uns, HErr! der Eintracht Glük! Treibe Zank und Streit zurük! Laß durch Liebe uns in Zeiten Auf den Himmel vorbereiten! — Elend. 119 Elend. Elende. Sehet Unglük. Unglükliche. Eltern. ^§in wichtiger Titel! Väter und Mütter werden ihn lesen. — Verzeiht mir, wenn ich bey allem guten willen nicht reden kann, wie ich sollte; Euch nicht rühren oder ermuntern kann, wie ich gern möchte — daß ich mich immer der Kürze befleißen muß — und verachtet nicht das Wenige und Schwache. — Ich will gerade von den Hanprpftichren der Eltern anfangen: Eltern sollen ihre Kinder, theils als theure PflMen Geschenke GOttes, theils endlich als einen Segen ^ der Welt höher als andre Güter, als ihr kostbarstes Gut auf Erden schäzen und lieben, ihre gute, christliche Erziehung und Pflege nicht als eine Last, sondern als ein zwar schweres aber wichtiges und heilsames Geschäft betrachten, wodurch sie sich nicht allein um ihre Kinder, sondern auch um die Welt und den Himmel verdient machen , dessen Bürger sie werden sollen, und dabey sich einer ganz besondern Vorsehung unsers allgemeinen Vaters, so wol in Absicht auf sie selbst, als auch in Absicht auf ihre Kinder, nnd desto mehrere Belohnungen in jener Welt für Ihre sauren Bemühungen, beschwerlichen Sorgen 122 Eltern. Sorgen und vielen empfindlichen Einschränkungen getroste«. Denn dieß wird in jener Welt gewiß vor allem andern belohnt werden. — inAbgckt der Ihre geistliche wolfahrt und Glükselig- <,c,st!ich-n keil soll das erste seyn, was ihnen am Herzen "liegt. Sie sollen ihre Kinder fleissig zu GOtt und seinem Worte zieh'n; sie frühzeitig darinn unterrichten ; sie anhalten zur Furcht und Liebe GOttes. — Sie sollen ihnen mit gutem Beyspiel vorgeh'n / sie zu christlichen Gesinnungen gegen GOtt und Menschen und sich selbst gewöhnen ; sie in Absicht auf ihr Leben und ganzes Verhalten , zum Gehorsam, zur Demuth, zur Aufrichtigkeit und andern Christentugenden, besonders auch zum Gebette anführen , sie endlich durch wachsame Aufsicht und Bestrafungen von allem Bösen abhalten und GOtt für sie bitten. in Absicht der In Ansehung der leiblichen wolfahrt der leiblichen Kinder, sollen Eltern für ihr Leben, ihre Gesund- Wolfahrt — Bildung zu nützlichen Menschen sorgen. Sie sollen ihnen eine Lebensart bestimmen , für ihr zeitliches Fortkommen bemüht seyn, und trachten von ihrem Erworbnen ihnen Etwas, wenigstens einen guten Namen zu hinterlassen. Eltern! ligt Euch etwas daran, und woran kann euch mehr liegen als daran? — Eure Kinder rechtschaffen zu erzieh'n, und Eure Pflichten als Eltern recht und leichter erstatten zu können; so Eltern. irr so sorgt vor allem aus , daß sie Euch gehorsam seyen , Euch lieben und ehren. Laßt sie doch nie etwas an Euch erblicken , das Euch diese Erweisungen rauben könnte. Gewöhnt sie mit Ernst dazu , aber nicht mit Harte ! Ihr seyd Eltern nicht Tyrannen ; sie Minder, nicht Sclaven. Hütet Euch vor Schimpfnamen und Flüchen! Wählt nicht immer Leibesstrafen ? Straft nicht im Zorn und in der ersten Hize! Behaltet den Zorn nicht lange! So lange Freundlichkeit und vernünftige Vorstellungen noch helfen, greift nicht zu Strenge und Strafen ! Zeigt ihnen daß ihr durch all euer Verhalten gegen sie nur ihre Wol- fahrt befördern woüet.- O Eltern ! Eltern ! die ihr Sure Pflichten unM aus der Acht lasset, welche Sprache drükt die ^ Strafen und den Fluch aus, der Euer in jener Welt und schon hier wartet. (Denn die gewissenlose Eltern möcht' ich doch sehen, die bey schlechter Kinderzucht glücklich sind, auf denen nicht der Fluch und Zorn GOttes — das heisc mir, die Entziehung des Segens und der Gnade GOttes — ruht.) O! den Segen eurer Ehe, die Frucht eurer Lenden, die Gabe von GOtt, dem Satan zu opfern und in d-ie Hölle zu stürzen, wer mißt das S chrekliche dieser Handlung ? O! die Stunde der Rechenschaft ! Und -dann die Stimme Eurer verwahrlosten Kinder, die über Euch das Weh! ruft und Euch mit tausend Seufzern i22 Eltern. zern und Verwünschungen verdammt, die Stimme schreklicher als kein Donnerschlag — stellet sie Euch vor : „ So steht ihr dann auch da, Nlchtswürdige! „ einst meine Eltern , vor euerm und unserm „ Richter! Weh uns! Weh euch ! Ihr, ihr „ seyd Schuld an unserm Unglüke! Ihr stürztet „uns in das Verderben, das unser jezt wartet! „ Ihr sagtet uns nicht was gut und böse sey! „ Ihr empfahlt uns nie das Gute und straftet nie „ an uns das Böse! Ihr verführtet und stärktet „ uns selbst zum Bösen ! Von ihnen o Richter! „ von ihnen fodre du unsre Seelen ! Sie strafe, „ zerschmettre — vertilge, da du uns um ihrent- „ willen vertilgest ! Kennst du mich? Bösewicht! „ einst mein Vater? du Gottlose! einst meine „ Mutter? Kommt! An meiner Seiten sollt ihr „ den Last des Jammers tragen mir helfen, wor- „ ein ihr mich, Unmenschen! gestürzt habt! Hier „ seht die Hölle offen , für euch und mich ! „ Verflucht sty die Stunde. Vater! da du mich „gezeuget! Verflucht sey, Mutter! der Tag, „ da du mich geboren käst!" Und dann der Richter beyde donnernd anredt: „ Fort von mir, Vers „ fluchte! an den Ort ewigen Jammers!" Ungerechte! gewissenlose Eltern! wenn ihr etwa dieß leset und zittert und es euch eine Thräne der Schäam und Reu abloten kann und ihr euch bessert. O wie wollt ich um alles Welt Gut nicht, daß ich dieß wenige nicht geschrieben hätte! Eltern Engel. i2z Eltern beßrer Art! welche Sprache beschreibt Glük recht- den Segen, der Euer in jener und dieser Welt schaffn-r wartet , der Anblik Eurer Kinder wird Euch er- heitern, ihr Umgang Euch vergnügen, ihr Trost Euch erquiken , ihr Segen Euch nachfolgen in die Ewigkeit. O vor GOttes Rlchterthron werdet Ihr sie erbliken, sie umarmen und Ewigkeiten mit ihnen dann durchleben, in voller Freude, die zur Rechten GOttes ist! O GOtt wie muß dieß Glük erfreu'», Der Retter einer Seel' zu seyn! — End ( der Welt.) Sehet Gericht. Engel. muß freylich eh' wir von Engeln reden, er- Es giebt wiesen werden, daß es Engel gebe. Und das Engel, wird ausser Streit seyn und keines Beweises bedürfen , für jeden, der die heilige Schrift liest und glaubt, wo uns verschiedne Nachrichten von Engel - Erscheinungen mitgetheilt und wo sie uns beschrieben werden. Sie sind vollkommne selige Was fle Geister, mit Verstand und Willen begabt, un- seyen, sterblich zum Dienste GOttes und des Menschen erschaffen. Die heiffen gute Engel. Ihre Anzahl und Ordnungen ist uns ausser dem was uns Paulus Ephes. 1. und Cvloffer I. (ich bitte selbst nachzusuchen) davon sagt, unbekannt. Ihre Der- 124 Engel. Verrichtungen sind GOtt dienen , seinen Willen vollbringen, ihn loben , die frommen Menschen beschüzen und ihre Seligkeit gemessen. Ob sie menschliche Körper annehmen und den Menschen erscheinen können? Diese Frage beantwortet sich von selbst. Konnten sie es Einmal; so können sie es nach dem Befehl GOttes noch immer. Von Engel - Erscheinungen heut zu Tage, ihrer Wirklichkeit, Möglichkeit und Nothwendigkeit red' ich nicht. Aber das denk ich doch: Wir haben Mosen und die Propheten, ZEsum und seine Apostel — hören wir diese nicht / so würden wir auch einen Engel nicht hören.— Wol uns, wenn wir sie zum Muster für uns nehmen — GOtt loben, wie sie; seine Befehle so gerne, so geschwinde, so vollkommen, so demüthig auszurichten suchen wie sie; so rein und heilig zu werden trachten wie siel — Böse Engel sind die, welche ihre aner- schaffne Heiligkeit und Vollkommenheit verloren haben und von GOtt verflossen worden sind. — ( S. den Titel Teufel.) - Enthaltsamkeit. Sehet Fasten. Erbarmmig. Sehet Mitleid. Erblichkeiten. Sehet Freude. Erkennt- Dl Erkenntniß. (GOttes.) Natürliche Lrkrimtnjß GOMS. 'ie Erkenntniß GOrres ist die Kenntniß, War istfie? die Ueberzeugung von seinem Daieyn, Wesen, seinen preiswürdigen Eigenschaften und Vollkom- rncrrheiten — richtige, deutliche, reine, gewisse Vorstellungen von ihm haben, das heist GOrr erkennen. Und dazu gelangen wir durch die Bewach- Wie gelangt rung der Natur, des Menschens, des Gewis- sens, der Aussprüchen der Heiden selbst. Dies heist die natürliche Erkenntniß GOrres. — Die Natur, alles was wir um uns seh'n, wenn wir es mit Nachdenken betrachten, führt uns auf die Ueberzeugung, daß ein GOtt sey, der allmächtig, weise, gütig sey. Jeder Nstensch hat ein Verlangen nach diesem GOtt, als dem höchsten Gute. Das Gewissen lehrt uns, es ist ein BelsHner des Guten, und ein Bestrafe: des Bösen, wenn es uns anklagt oder entschuldigt. Durch- d^st Mittel gelangten die -Helden selbst zu emee gewissen Erkenntniß GOt- tes. "in.- ihrer weMenMänner,Cicero,spricht: „Kein Volk auf dcm Erdboden, so wild und „grausam es immer seyn mag , ist, daß es nicht »einen GOtt glaubt, ob es schon nicht weiß „welchen/ — Allein diese Erkenntniß ist unvollkommen. Vollkommen ist die geoffenbarere Er- geoffenbarte kenn miß GOrres — durch sem Wort, besonders durch 126 Erkenntniß. ( GOttes) durch die Aussprüche seines Sohns lernen wir ihn auf die deutlichste Art kennen, kennen als unsern liebenden Vater, als den Regierer unsrer Schiksalen, als die Quelle alles Guten, als unsern Trost im Leben und im Sterben.- Nothwendig. §§ jst nöthig, daß wir uns durch aufmerk- keit derselben jaim Betrachtung der Natur, besonders durch andächtiges und fieissiges Lesen der heil. Schrift, um eine rechtschafne Erkenntniß GOttes Mühe geben. Denn ohne sie ist kein Glauben an ihn, keine Liebe zu ihm, keine Ehrfurcht vor ihm—kurz, keine einzige Pflichterstattung gegen ihn möglich. Ohne sie ist unser Glaube tod, unser Gottesdienst vergebens , unsre ganze Religion nichts — Ohne sie dürfen wir nicht auf ewiges Leben hoffen. — Ist dieß wahr, wie es wahr ist, so muß uns auch die rechte Erkenntniß GOttes von dem höch- Nuzen. sten Nuzen seyn; sie muß uns die Erstattung aller Pflichten gegen GOtt leicht machen, sie muß uns zum ewigen Leben führen.— Beschaffen, Aber ihr fraget: was ist denn eine rechte heft. Erkenntniß GOttes? — wie muß sie beschaffen seyn? — Sie muß sich nicht auf ein blosses Wissen gründen , denn auch die verworfensten Menschen , auch die Teufel erkennen , daß ein GOtt ist , sondern sie muß seyn gründlich, sie muß auf wahrer Ueberzeugung beruhen, sie muß seyn lebendig und thätig, sie muß auf alle unsre Reden und Thaten Einfluß haben und uns bessern, sie Erkenntniß (seiner selbst.) 127 sie muß täglich zunehmen. Erst dann kann und wird sie für uns nüzlich und heilsam seyn. Ich will nichts weiter beyfügen, als nur dieß einige: ,, Das ist das ewige Leben, daß 7, man erkenne dich, den einigen wahren GOtt » und den du gesandt hast ZEsum Christum. — » Wachset in der Erkenntniß GOttes und unsers > 7, HErrn und Heilandes JEsu Christi! Wir 7, bitten GOtt für euch, daß er euch gebe den »Geist der Weisheit und der Offenbarung in i »seiner Erkenntniß!— Erkenntniß ( seiner selbst.) Aie Erkenntniß seiner selbst (Selbsterkenntniß) Was ist sie r ^ besteht in einer genaue», und richtigen Erkenntniß ^ seines Wesens , seiner Bestimmung, seiner Nei- ^ Zungen , seiner Kräfte, seiner Pflichten , und ' seiner Fehler, woraus dann die richtige Beurtheil , lung seiner selbst entsteht. Auch dieß ist für jeden ^ Menschen eine höchstnorbwendige Pflicht. Sie ist noth« Denn ohne dieselbe ist keine Bekehrung noch wendig. LebenSbefferung möglich. Man hält sich immer für besser, als man ist, man lernt seine Fehler , nicht kennen, also auch nicht verbessern. Ohne dieselbe lernt man seine Bedürfnissen nicht kennen, ohne dieselbe lernt man nicht seine Zuflucht zu GOtt und ZEsu nehmen und seine Leidenschaften nicht bezähmen, ohne sie kann man weder tugendhaft W«< sie ist. Wodurch wird sie er« langt? i28 Erkenntn iß (der Sünden.) haft noch ein Christ werden. Sie ist so nöthig, daß die Heiden selbst es zu einer Hauptvvrschrist des Lebens machten: Erkenne dich selbst!- Und glüklich ist, der diese Pflicht beobachtet, er wird grosse Schritte in seinem Christenthum, also grosse Schritte zu seiner Glükseligkeit thun. Wo fehlts wenn wir so oft irren, so oft im Guten zurük bleiben, so oft fallen, als eben daran, daß wir uns selbst nicht kennen? Tausend Fehlern und Schwachheiten , tausend Verlegenheiten und Verdrusses würden wir überhoben seyn, wenn wir uns selbst besser kennen lernten. — Ja! glüklich wer sich selbst recht erkennt und sich und was an und in ihm ist, und von ihm kömmt recht beurtheilt. — Erkenntniß (der Sünden.) Aie Erkenntniß der Sünden ist eine Ueberzeugung von der Grösse und Mannigfaltigkeit seiner Sünden, eine Kenntniß seiner Abweichungen von GOttesGebotten. Sie ist ein Hauplstück der Busse , und wird erlangt aus genauer und unpartheyischer Vergleich ung seiner Handlungen mit dem göttlichen Geseze, welches einem Spiegel gleich ist, worinn man seine Unreinigkeit erkennen kann. — „Durch das Gesez kommt die Erkenntniß der Sünde." — Erlöser. Sehet IEsirs. Er- 129 Erlösung. ie Erlösung ist die durch Christum durch sein Leben, Leiden und Sterben bewirkte Erleuchtung , Besserung und Heiligung der Menschen, die Wiederherstellung des Friedens mit GOtt, die Befreyung von der Macht der Sünde und der Strafen der Sünde,Erwerbung des ewigen Lebens. ist fic? Diele Erlösung war unstreitig nothwendig. Nothwen- Der Mensch lag in Sünde, war ganz verderbt von GOtt abgewichen , von GOtt entfernt, *' fein Zorn ruhte auf ihm , GOttes Gerechtigkeit forderte Genugthuung ; des Menschen Zustand Erleuchtung und Rettung - kein Mensch konnte dieß ins Werk sezen — kein Bruder den andern erlösen, noch GOtt für ihn bezahlen, kein Schuldiger konnte für Schuldige verbürgen - kein Unheiliger, Unheilige heiligen, kein Sterblicher, Sterblichen die Unsterblichkeit und Seligkeit erwerben l Es war also der weise Rath GOttes, ZEsum seinen Sohn in die Welt dahin zu geben, auf daß ein jeder der an ihn glauben würde, nicht verloren gienge, sondern hätte, das ewige Leben, Laß er alle von GOtt Entfernten, GOtt näher brächte: alle Sündigenden entsündigte, alle Uner- leuchtcten erleuchtete, alle Unheiligten heiligte, alle geistlich ^Todten belebte, allen hvfnungslvsen Hos- nung und Gewißheit der ewigen Seligkeit ertheilte. Wie Wasser dep Leib reinigt, so sollte sein 3 Blut izO Erlösung. Blut die Seele von Sünden reinigen. Der Gerechtigkeit GOttes sollte ein vollkommnes Genügen geleistet werden. — Und es geschah. Der Sohn des ewigen GOttes kam auf Erde und lebte und lehrte, und litte und starb , und die Erlösung ward GtEnt vollendet —und durch ihn haben wir Frieden mit — nun ist keine Verdammniß mehr in '.-cnen , dre durch ihn erlolel ihn — nemlich »n denen die nicht nach dem Fletsche, sondern nach dem Geiste wandeln. — Wahr ist's freylich und Wo"-,-«' tröstlich wahr, Christus ist für alle gestorben , tze dr s ibrn^de,. an seiner Erlösung Theil haben , wann er will. Äber ich wünschte doch , daß von dieser Mißbrauch Wabrheil, weniger, als leider geschieht. Miß- dessen, brauet, gemacht werden möchte; daß man sich nicht immer nur bey allen seinen Sünden damit trösten und führen mögte, daß man durch Christinn erlößt sey. — Denn die Erlösung ist, nach geradem Sinne, und wie ich's in der Schrift finde, gar keine wirkliche Befreyung von Sünden , schlechterdings für jeden Menschen der iht immerfort dient und sie nicht überwinden will § sie ist nicht ein Trost desjenigen, der zu träg ist an seiner Seligkeit zu arbeiten , oder eine Befreyung von unsrer eignen ernstlichen Seelfvrge, sie ist gar nicht die lezte Zuflucht eines Welt- Menschen der nur immer seinen Lüsten folgt — es ist für den muthwilligen Sünder schlechterdings kein Trost wenn er tausendmal sagt: „ ich bin i» erlöst! Christus hat sein Blut am Creuz für »mich Erlösung. rzi „ mich vergossen; o dieß reinigt von aller Sünde!" Nein! neindie Erlösung JEsuist eben die heiligste Verpflichtung der Sünde abzusterben/ der Gerechtigkeit zu leben ; sie ist nur für denjenigen eine wirkliche Lossprechung von der Sünden- Schuld, der voll Haß gegen die Sünde, voll Reu über seine Vergebung , voll Eifer besser zu werden, diese Liebe GÖttes, erwiesen in der Sendung und Hingebung seines Sohns in Leiden und Tod, sich dankbar und demüthig zueignet. Gewiß durch die Erlösung ist das Wort: „ Thut „ Busse und bekehret euch, auf daß eure Sünden „getilget werden!" nicht aufgebebt, vielmehr bekräftigt. — Gewiß wenn wir freywillig, muth- willig sündigen, fö wartet uns ungeachtet der Erlösung ZEsu, dennoch das schrecklichste Gericht unh der Zvrneifer GOttes, der die Wiederwär- ligch verzehren wird. — „ Dazu ist Christus gestorben , auf daß die „so da leben, nicht mehr ihnen selbst, sondern „ ihm leben. Dazu hat er gelitten, daß er ihm ,, heiligte ein rechtschafnes Volk, eifrig zu guten „ Werken. Dazu hat er gelitten, daß wir als „ Erlöste ihm alle Tage unsers Lebens in Heiligo „ keit und Gerechtigkeit dienten. " — » Ihr seyd theur erkauft, Geliebte! „darum so preiset GOtt mit LNund und » Herz, mit den Werken euers Leibs und „ eurer Seele — Beyde sind GOcees!" 37 Erneuerung. Erneuerung. SO« Busse. Erziehung. S. Eltern. Rinderzucht. Evangelium. Sehet Schrift. Ewigkeit. Sehet ewiges Leben. Falschheit. «SE ste? T-alschheit — ein gemeines Laster — ist eine solche Gesinnung, da man sich gut stellt und doch böse denkt und handelt/ da man änderst mit dem Munde redt / als man es im Herzen meint; da man seinem Nächsten das , was zu seinem wahren Nuzen dient verheelet, arglistiger Weise verschweigt und unterlaßt; kurz da man nicht redlich mit seinem Nächsten umgeht; Honig im Munde und Galle im Herzen hat. Gi- ist ein Die Falschheit ist ein sehr schändliches schändliches Laster, ja ein Jnnbegriff vieler Laster; es liegt Laster, so viel häßliches und niederträchtiges, daß sich seiner ein vernünftiger Mensch , geschweige denn ein Christ schämen sollte. GOtt hasset es und straft es auf die ernstlichste Weise. Ein Falscher ist ein Abscheuh GOttes und aller recht- schafnen Menschen. Satan ist der erste Urheber GEkik desselben. — Und wie schädlich dieß Laster sey, davon siebt dir Erfahrung traurige Beweise genug. Em Fasten. rzz Ein falscher Mensch ist gefährlicher, als ein offenbarer Mörder. Ich füge nichts weittt bey, als das Work und die Vermahnung des HErrn durch David: Wol dem Menschen in dessen Geist kein » Betrug ist ! „ Behüte deine Zunge vor dem Bösen und „ deine Lefzen, daß sie nicht falsch reden ! » Der HErr hat einen Greuel ab den ^Falschen!" Bitte übrigens meine Leser, den Titel Aufrichtigkeit zu lesen und sich das Gegentheil von allem was darunter steht, zu denken und so auf diesen Titel anzuwenden! — Fasten. Ä)(ags vielen meiner Leser seltsam dünken , daß ich hier vom Fasten reden will vom Lasten, wovon wir Reformierte beynahe gar nichts Wissen, und seltsam genug beynahe glauben, es mache uns Ehre davon nichts zu wissen , weil andre zu viel und zu zwecklos fasten. — Aber eben darum, weil michs dünkt , daß wir eben mehr mit dem achten christlichen Fasten bekannt seyn sollten, darum will ich davon reden. Lasten heist sich von Speis und Trank und Was ist rs andern, sinnlichem Genusse eine Zeitlang enthalten — und zwar darum enthalten, daß man zum Nachdenken, Gebette und andern christlichen Uebungen desto geschikter werde. — Freylich i;4 Fasten. Freylich sind wir reformierte Christen, weder durch den ausgedrukten Befehl Christi, noch durch obrigkeitliche oder kirchliche Geseze an ein bestimmtes Fasten gebunden, es ist unsrer christlichen Frey- Nochwcndia heit überlassen. — Aber Christus empfihlt doch eitdesselben.^ Fasten durch Verheißungen und er sezt es in die Classe der wichtigen Christenthumsübungen, neben Gebet und Wohlthätigkeit; und wer das VI. Cap. Mathäi ließt, sollte denk ich nicht glauben , daß Fasten nicht nöthig sey. — Und wer Nuren. kann am Nuzen desselben zweifeln, der es einmal versucht hat? — Wie viel tausend Sünden entstehn daher, daß man im Essen und Trinken sich nichts zu versagen gewöhnt ist, daß man nie in der Enthaltsamkeit sich geübt hat. Hingegen bey Massigkeit und Enthaltsamkeit, wenn man sich dann und wann etwas abbricht, wie viel zeschikter wird man zum Gebete, zur Hörung des göttlichen Worts , zum Widerstand gegen die Sünde, u. s. f. Ich meine JEsus und seine Apostel und andre haben es mit ihrem eignen Beyspiele erwiesen. — Und wein es darum zu thun ist, den Werth und Nuren eines achten Fastens einzusehn, der mache redliche Versuche — der gewöhne sich, sich dann und wann etwas abzuschlagen, sich oft von Speise und Trank zu enthalten und neben einem frommen Wandel sich der strengsten Enthaltsamkeit in allem zu befleißen? Denn das heiße ich achtes christliches Fasten. Feind. IZ5 Feind.' -88enn es wahr ist — und wahr ist's — daß ein jeder Mensch seine Feinde habe; so wnd's wo! nicht überflüssig seyn, ein Wort von Feinven und behnders vym Verhalten gegen Feinde zu reden. — Ein Feind ist der , welcher den Frieden mit uns bricht indem er uns haßt und mit Vorsaz beleidigt und uns wo er kann schabt oder doch zu schaben und unsre Glükseligkeit zu stören sucht. — Unser Verhalten gegen sie soll folgendes seyn : Wir sollen allererst suchen sie zu Freunden zu gewinnen, und dieß kann am beßten geschehn, durch Frommkeit, wenn wir ihnen keinen Anlaß geben uns zu verlästern, durch gefälliges Betragen , sogar durch Gutthaten gegen sie; durch Freundlichkeit und Demuth/ durch Anleitung des Friedens, und durch Geduld und Auswartung der Zeit/ die vieles vergessen machtr— Können wir sie aber nicht gewinnen/ so sollen wir sie nicht verachten oder hassen / sondern als Mit- brüder und Mitmenschen und Mitchristen lieben / ihnen Gutes wünschen und thun / ihnen das Wol- wollen nicht entziehn, ihre Beleidigungen vergessen , wir wenn sie nie geschehn wären, uns nicht rächei und wenn wir schon den bequemsten AnlaaS Mas ist ein Feinde — Verhalte» gegen sie iz6 Feind. Anlaas dazu hätten, für sie u GOttt bitten — und kurz ihr Glük mit redlioem Hmzen wünschen. — Das ist der Befehl COttes mnd JEsu, bestätigt durch sein eignes vortreiiches Beyspiel. — Vrröütimg Uebrigens müssen wir unk hüten uns nicht " durch unsre eigne Schuld Fände zu machen; dem Frieden immer nachzutrochten, nachgiebig zu seyn , und der Feindschaf gerade in ihren Anfängen zu wehren. — rrost i» Haben wir Feinde — so beruhige uns immer Feindschaft, her Gedanke, daß sie, wie wr unter der Hand und Regierung GOttes steh'r., der sie nie uns zu mächtig werden, uns nie von ihnen unter- drükt werden lassen wird — daß sie uns nur betrüben, unser Glük und unsrr Ruh und Zufriedenheit eine Zeitlang stöhren, aber nie ganz un- glüklich machen können. — Ist uns GOrr unser Freund, ist er für uns, wer mag wieder uns seyn, wer kann uns schaden, stürzen, unglük- lich machen? — Ich finde nicht nöthig weiter etwas beyzufügen. Die Schriftstellen, die ich anführen könnte sind jedem hoffentlich bekannt — und das mehrere, was in diese Materie einschlägt, kann unter den Titeln Beleidiger, Fürbitte, Ganftmuth und Versöhnlichkeit gelesen werden. — Fluchen. ^luchei?hei6kse> Fluchen. men Nächsten oder sich selbst von Was es sey. GOtt oder beyGOtt allerleyBoseswünschen.— Es ist eine grosse Sünde. Denn GOttes Name Es ist grosse wird dadurch entheiligt, er hat es an vielen Orten Sunde, der heil. Schrift, besonders auch im dritten der heil. X. Gebotten verkokten; er droht es ernstlich zu bestrafen.-Zudem ist es sehr schänd- E^schänd. lich und schädlich. — Fluchen ist eine Raserey, schädlich, wodurch die Rache GOttes erregt wird. Es streitet wider die Vernunft und die Menschenliebe , der rechtschafne Nächste wird dadurch sehr geärgert, mancher verführt, und die Ungläubigen immer verstokter gemacht und wider die christliche Religion immer mehr eingenohmen. Der Zorn GOttes über die leichtsinnigen Flucher wird nicht ausbleiben; es wird eine Zeit kommen, wo gewiß jeder derselben wünschen wird, daß er stumm geboren worden wäre. — Sie werden aus ihren Worten gerichtet werden. — Unsegen wird über sie und ihre Flüche über ihren eignen Kopf kommen. Wie jede Sünde, so hat auch das Fluchen Entschuld,. gungen die« ses Lasters. feine Entschuldigungen: «Ich kann nicht änderst, ich bin mich so „ gewohnt , ich meine es nicht so böse. — Ich „ thu es oft in unverdachtem Muth. Wer will » im Zorne seine Wort abwägen ! "- Kahle, rz8 Fluchen. Kahle, kahle Entschuldigung für einen — ich will nicht einmal sagen, Christen — sondern «ur — für einen vernünftigen Menschen... Ich kann nicht änderst! — Probier es! du kannst es gewiß. Ich bin mich so gewohnt! Ist es vernünftig eine Gewohnheit annehmen, deren Sund, Unsittlichkeit, und schlimme Folgen man doch beym ersten Blike einseh'n muß? Ich meyne es nicht böse! es kann seyn! Aber es ist doch Sünde — und ist böse, sey er gemeint, wie es will. Ich thu es oft in »»verdachtem Muth» Man kann im Zorne seine Worte nicht abwägen. Ein einfältiger Mensch ist der, welcher etwas ohne Nachdenken redt, und ohne Ueber- legung thut. Und ein Rasender der, der sich so weit von Zorn übernehmen läßt, daß kein Nachdenken und keine Ueberlegung mehr statt bey ihm findet. Armer Mensch ! der nicht einmal seiner Zunge Meister ist, wie will er seiner Begierden Meister und also ein Christ seyn können? — Andre thun es auch! Ein elender Schluß: Weil andre sündigen, so darf ichs auch thun, weil andre für ihre Sünden gestraft werden sollen, so will ich die Strafe mit ihnen theilen. — Mxin Fluchen. iZ9 Mein Hausgesind folgt mir sonst nicht. Urschriftliches Hausgesind, das sich durch Fluchen besser als durch sanfte Worte , regieren läßt — und »«christlicher Hausvater, der dieß gottlose Mittel ergreift. — Aber doch gewiß muß man fluchen, um das Vieh zu bändigen. — Hatte das Vieh Verstand , so würde es selbst die UnW- ständigkeit des Fluchens einsehen, da es aber keinen hat, kann es ja nicht wissen, was ein Fluch ist. —- Fürchtet es sich, so rührt seine Furcht von dem rauhen Ton her, und nicht vorn Fluche, und von der Peitsche, die gemeiniglich dem rauhen Tone nachfolgt. — u. s. f. Keine — und wmns noch zehen geben sollte, keine einzige, vernünftige Entschuldigung läßt sich für's Fluchen angeben. — Heil dir, christliche Obrigkeit, wenn du mit dem GOtt, der dich gesezet hat, gemeinsame Sache machst, und diesem Laster, ohne Ansehen der Person steuerst ! Wo nicht, du must selbst darunter leiden , und deine Unterthanen würden dir vielleicht zulezt selbst fluchen. — Heil euch, christliche Eltern, wenn ihr eure Kinder vor diesem Laster vergaumet, und sie schärfer, als um andre Vergebungen züchtiget? Wo nicht, eure Kinder würden euch vielleicht zulezt selbst fluchest. — i4o Freude. Heil euch , christliche Hausvater, die ihn dieß Laster an euern Diensten nicht leidet, sondern es ernstlich bestraft! Wo nicht, der Fluch würde vielleicht zulezt auf euern Häusern ruhn l Heil jedem , der dieß Laster bestraft, wo er's findet, und sich selbst davor, wie vor einer Schlange HüterWo nicht — GOtt würde ihn zu/ezt selbst verfluchen und ihn im Zorne verdammen . — Freude. Was sie istr ^le Freude ist eine frohe Empfindung/ da wir bey Erhaltung und Genuß eines wahren oder scheinbaren Gutes vergnüget werden. — Sie ist zwey- giebt eine gedoppelte Freude. Eine fach. geistliche und eine irrdische, eine Freude an GOtt/ oder eine Freude an irrdischen Dingen. — Dir geistliche Freude oder die Freud an GOtt , ist die, da wir ihn für die Quelle alles unsers Vergnügens halten, da wir uns in ihm vergnügen / weil er uns von allem Uebel erlöst und uns alles Gute erworben hat. — Zu dieser Freude werden wir oft in der heil. Schrift aufgefordert — und sie hat wirklich ihre diekEud-Sryssen Vorzüge. Ihr Gegenstand ist GOtt 'selbst; sie ist der Endzwek wozu wir erschaffen sind / also höchst befriedigend. Sie läßt kernen Ekel zurük, und kann nie übertrieben werden. Sie daurt in Ewigkeit. — Geistliche Freude. Die Freude» i Die Lrrdi'sche oder rnMicke Freude- Ver- Mische gnügungen, brgörlichkeiten sind ebenfalls erlaubt. Denn GOtt hat sie uns Lamm gegeben, daß wir sie gebrauten sollen Es sind ibree beynahe unzählige Freuden der Sättigung durch Speis j und Trank, Freuden der ichönen Natur; Freuden j der Arbeit - der Rübe, der Gesellschaft, der Kurzweil; Freuden angenehmer Auftritte, Freuden über den Anblik, der Freudigen, Freuden des Freudemachens, des Nüzllch Werdens, des ! Mitgenusses, der Freundschaft , und des häus- j lichens Lebens. So wie wir aber diese Freuden ^ alle geniessen dürfen, müßen wir dennoch in Absicht l ihres Gebrauchs vorsichtig seyn. Dazu gehört Reckte« G«> ! die Beobachtung folgender Regeln; ^ Siehe zu ob die Freuden und Ergözlichkeiten i sich mit den Pflichten deines Standes und Berufs, mit der Anständigkeit und den Gesezen des Christenthums vertrage»», damit keins derselben dadurch verabsäumt oder übertretten werde. ^ Der Genuß der Freuden sey unschuldig , weder mit Sünde verbunden, noch dazu reizend ; oder verführend. « ^ Er sey mäsirg und in Schranken. § Man gedenke dabey »mmer daß man nicht ^ für diese Welt und ihre Freuden allein geschaffen l sey, sondern eine wichtigere Bestimmung habe. ' Man 142 Freude. Man gebe sich also immer zuerst um die reinere geistliche Freude Mühe und betrachte die andern immer als Nebensache. Man bedenke die Unvollkommenheit silbischer Freuden. Sie entstehen oft aus einer unreinen sündlichen Quelle; sie haben oft schädliche Folgen, sie sind flüchtig , ungewiß und von kurzer Dauer. Man nehme also kurz, bey allen seinen Freuden und Erblichkeiten Rüksicht auf GOtt den Allwissenden und sein Gesez, auf die Regeln der Anständigkeit, und die Folgen die sie nach sich ziehen können! — Jede Freude die nicht nach diesen Regeln genossen wird ist sündlich und unerlaubt. » Gebrauchet diese Welt, doch so daß ihr sie „ nicht mißbrauchet! „Freuet euch und laßt euer Herz guter Dinge „ seyn; aber denket dabey, daß euch GOtt einst » für sein Gericht stellen wird! „ Freuet euch mit den Frölichen! „Freueteuch im HErrn allezeit! » Das sey eure Freude, daß ihr euch bey allen »andern Freuden an GOtt haltet! — Diese »Freude wird niemand von euch nehmen!" Freygebigkeit NR-rUH !4Z Freygebigkeit. S. wolthätigkert. Friede. Friedfertigkeit. Sehet Einigkeit. Eintracht. Fromme. Frommkcit. frommkeit, Gottseligkeit — fromm seyn — Tusche «e- Diese Worte alle sind sehr unrichtigen Begrift E* d«v»n. fen unterworfen. Der eine meint, Frommkeit und Gottseligkeit sey höchstens eine sorgfältige Bemühung, vor den Menschen ehrbar und lügend« hast zu handeln; der andre, sie sey bloß ein schönes Wort, sie bestehe bloß im äußern Schein, im Mitmachen der äußerlichen Religionshand- lungrn. Der eine glaubt, fromm und gottselig könne nur der seyn, der den Kopf hängt, die Freude haßt und beständig niedergeschlagen und traurig ist; der andre meint, Frommkeit und Gottseligkeit beziehe sich nur auf die Handlungen der Religion und höre da auf, wo die Geschäfte des Lebens anfangen. — Alle diese haben höchst unrichtige Begriffe von der Frommkeit und Gottseligkeit. Der einige richtige Begriff davon ist richtig« der, den uns die Bibel davon macht. Und nach Begriffe, diesem ist sie eine beständige Richtung des Gemüths auf den lieben GOtt, das eifrige Bestreben alles was wir thun, nach seinem Worte, Ms Gehorsam und Liebe gegen ihn zu thun. — Fromm Bild eines Fromme«. Werth und Vortheile derselben. k44 Fromme. FrommkeLt. Fromm und gottselig seyn, heist nichts anders als seine Christenpflichten recht beobachten, ein wahrer Christ seyn. Sehet hier das Bild eines frommen und gottseligen Menschen: Bey herzlicher Liebe gegen GOtt vermeidet er das Böse. Er liebt den Nächsten herzlich und aufrichtig. Er thut alles, redt alles, denkt alles zur Ehre GOttes. Er sucht immer nur dem Allmächtigen zu gefallen. Er prüft sich immer nach seinem Gewissen, darum ist er auch ohne Zeugen fromm. Im Unglük ist er gelassen, im Glük bescheiden und wohlthätig. Er sieht bey allen seinen Handlungen nur immer auf das Unsichtbare und Ewige und sucht nicht Ruhm vor der Welt, sondern vor GOtt. Er zeigt es in seinem ganzen Betragen, daß ihm GOtt und sein Wolgefallen das liebste ist, und richtet sein ganzes Leben nach GOttes Vorschrift ein. — Er scheint wenig und ist viel — und duldet allen Spott über seine Frommkeil um GOttes willen — So ungefehr ist der Fromme beschaffen« s S. Christ.) Diese Frommkeit und Gottseligkeit haben den größten Werth und die seligsten Vortheile. — Sie ist von GOtt befohlen — ohne sie ist man GOtt nicht angenehm, seiner Liede rrnd seines Segens nicht fähig. Durch sie hingegen höchst glüktich. — Sie ist keiner Veränderung fähig, sie verschönert jede Freude, sie versüssek jede- Fromme. FrommkeLt. 145 jedes Leiden ; sie verläßt im Tode nicht. — Durch sie schreiten wir zu immer grossem Vollkommenheiten fort. Sie hat die Verheißung leiblicher und geistlicher, zeitlicher und ewiger Segnungen und dort im Himmel ihren vollen Lohn! Dieß sind zugleich die Beweggründe zur Fromm keik und Gottseligkeit. — „Die Frommen werden gesegnet seyn! GQtt „beschirmet die Frommen ! Ihnen geht das Licht „ auf in der Finsterniß Sie werden vor seinem „ Angesr'chte bleiben! Sie bekommen Trost von „ dem HErrn Ihr Weg ist wol gebahnet und „wird bestehen! Sein Haus wird grünen! Die Gottseligkeit ist zu allen Dingen nüze/ und hat „ die Verheißung des jezigen und des zukünftigen „ Lebens ! Wer fromm wandelt und recht thut, „ der wird nicht entregt werden ewiglich!" u- s. w. So redt die Schrift, solche Verheißungen giebt sie! So ein Lohn wartet die Frommkeit! So glüklich sind die Frommen und Gottseligen! — Wer also die Frommkeit und Gottseligkeit nicht lieb hat / sich derselben nicht befleißt, der stöst sein Glük mit Füssen. Und solcher sind leider viele. — Uebertrieben war's freilich zu sagen, daß fromme Leute eine so grosse Seltenheit waren. O GQtt hat immer noch, otz wo man sie am wenigsten vermuthet, seine wahrhaftigen Anbetter und Christus seine guftichtig'n Verehrer und Freunde; aber wahv K ist's 146 Fürbitte/ ist's doch immer: „ Die Heiligen haben abge- « nomrnen und nehmen immer mehr ab:" „ Hilf o HEcr!" Fürbitte. Da« fke ftyr^^ie Fürbitte ist das Geben welches wir theils für die geistliche und leibliche Wolfahrt aller Menschen überhaupt, theils für die welche in llnglük, Noth, oder Krankheit sich befinden, oder für die mit welchen wir in Verbindung stehen, z. E. für Obrigkeiten, Lehrer, Eltern, Kinder, u. s. f. besonders verrichten. — Das erstere heist allgemeine — das leztere besondre Fürbitte. «ie ist unsre Diese allgemeine und besondre Fürbitte ist V-icht. «ine wichtige Pflicht gegen den Nächsten. Sie ist nicht nur ein Theil, wenigstens ein Beweis der wahren Menschenliebe ; sondern auch das beste Mittel sie zu erwerben und zu veredeln. — GOtt hat sie ausdrüklich gebotten. r Timoth.ll. r. 2. „ Ich ermähne, daß man Fürbitte thue." 2 Thess. III. r. „ Zhr Brüder bettet für uns !" Elches. VI. rz. „ Wachet mit Anrufung für alle „ Heiligen!" Match. V. 44. „Bittetfür die, so „euch beleidigen und verfolgen!" JEsus und die Apostel haben sie mit ihrem Beyspiele empfohlen. ^ Sie ist GOtt vorzüglich angenehm, i Timoch. II. ' r--4. und uns selbst porcheilhaft und nüzlich. Die Gebett. 147 Die Ehre GOttes und ZEsu wird dadurch befördert , unsre Liebe zum Nächsten erwärmt, unser Glaube gestärkt, und wir selbst GOttes Hülfe versichert. Ueber dieß aus finde ich nicht nöthig weiter etwas beyzufügen, als etwa die Vermahnung jenes frommen Liederdichters: ,, Bett oft zu GOtt für deine Bruder, Für alle Menschen als ihr Freund! Denn wir sind Eines Leibes Glieder; Ein Glied davon ist auch dein Feind! Solch Flehen ists, was GOtt gefällt Und was dein Herz der Tugend treu erhält!" Fürbitte (fürFeinde.) Sehet Feind. Furcht (GOttes.) S. Gottesfurcht. Gebett. hebert ist der Ausdruk unsers Bedürfnisses, unsrer Ohnmacht es selbst zu befriedigen und unsrer den r Sehnsucht nach Befriedigung, dem GOtt vorgetragen , von dem wir wissen und glauben er könne und werde es befriedigen. Betten heist sein Herz zu GOtt erheben und es. vor ihm ausschütten — GOtt seine Noth Ks und r48 Gebett. und Anligen im Vertrauen klagenvon Hm Hüls und alles was man bedarf durch JEsirm Christum begehren, von Hm alles erwarten, ihm für alles von Herzen danken und ihn dafür preisen. — Es ,s ein« Das Gebett ist eine nothwendige Pflicht notvn>cndi,e ssx uns. — Wicht. ' Sie wird uns von GOtt befohlen. (Ich bitte die angeführten Schnittstellen selbst nachzuschlagen. ) Ps. b. 15. Jef bv. 6 . Match. VII. 7. XXVI. 41. Rom. Xll. ir. Cphes. VI. r8. Philip. IV. 2» i Thess. v. 17. i Timoth. II. i. Jacobt l. s. V. 16. u. s.f. Das Gebett ist ein Trieb unsrer Natur. Wir müssen das, was wir nickt in uns haben, was wir nur nicht geben können, ausser uns suchen. Unsre eigne Noth und Dürftigkeit, und die Ohnmacht ihr abzuhelfen lehrt uns also betten. Wie viel bedürfen wir täglich das uns schlechterdings niemand geben kann, als GOtt. Wie «nothwendig ist's also, daß wir uns an ihn wenden! Das Gebett ist nöthig zur Ausübung aller pflichten; es ist das beßte Befürderungsmittel des Glaubens, der Liebe, des Gehorsams, des Vertrauens , der Demuth, Gemüthsruh und aller andren Tugenden, und also eine wahre wohlthat für uns; ein kräftiges Mittel alle nothwendige Gaben von GDrc zu erlangen, denn es ist ' die Bedingung unter welcher uns GOtt das um ru Oehett. 149 zu unserm Wohl nöthige Gute mittheilen will. Luc. IX. y. « Bittet so wird euch gegeben werden'— „wer bittet de. empfängt! " — 1J0H. v. 14. „ So wir etwas nach GOttes Willen bitten, « so erhört er uns-" — GGtt bezeugt darüber sein besonders Wolgefallen. Sprüchw. XV. 8. « Daß Gebett der Frommen gefällt GOtt wol!" 1 Dmoth. II. i. «ES ist gut und angenehm vor- GOtt unserm Heiland." — Die frömmsten und klügsten Menschen jederzeit haben gebettet. Z. E. Daniel, David, Elisa, Esra, Hiskias, Jonas, Ionathan, Nehemias, Samuel, Salvmon, Tobias, Judith, Hanna, Cornelius, Paulus, Petrus und andre!- besonders IEsus Christus! — Der Endzwek des Gebetts ist keineswegs rndjw-kdes GOtt einen Dienst zu leisten, oder dadurch alles det>m-. zu erhalten was man will, oder mehr als er sonst gäbe, oder ihn von unsern Bedürfnissen zu belehren. — Nein! Er ist ganz darauf gerichtet, die grossen und herzerhebenden Wahrheiten des Christenthums dadurch in Gefühl und Empfindungen zu verwandten, daß wir uns gewöhnen den GOtt der Liebe uns immer als gegenwärtig zu gedenken , ihm alle unsre Anligen und Empfindungen mitzutheilen, von ihm alles zu wünschen, ihm alles zu verdanken — und uns so durch das Gebett zu beseligen. Kurz es soll nichts anders seyn, als ein Heilsmittel für euere Seelen. — Es Gebett. Fehler beym Es würde freylich unbillig seyn, wenn man Gebelle, überhast unsern Christen den Vorwurf von Verachtung oder Verabsaumung des Gebens machen würde. Aber wie wird gebettet? und was wird gebettet, sind zwar wichtige Fragen, bey deren Beantwortung man wol einige wo nicht allge- Irwine , doch öfters begangne Fehler noth» wendig ahnden muß. — Der erste ist Andächte- ley und Heuchele»)/ wenn man mit dem Gebett, oder den Stellungen beym Gebette, oder mit dem Fleiß im Gebette Aufsehen machen und den Ruf Der Heiligkeit erschleichen will; und der andre ist: gedankenloses Geschwür, wenn man ohne Andacht bettet, nur Umgebettet zu haben, wenn man geschwind bettet daß man eher fertig sey und wieder zur Welt und zu ihren Geschäften zurük kehren könne. Wenn man nur mit dem Munde bettet, ohne nachzudenken was man bettet, wenn man viel bettet ohne sich zu bekümmern, wie man bete; wenn man Gebettbücher von Anfang bis zum Ende ausbettet, ohne sich darum zu bekümmern , ob sich das Gebett auf unsern Zustand schike oder nicht ; wenn man Sachen bettet die man nicht versteht; wenn man das Gebett eher als ein Muß, als eine wolchar betrachtet; wenn man in der einen Stunde bettet und in der andern durch Lasterthaten GOtt lästert; wenn man die gleiche Gebettsformel beständig wiederholst , bis sie einem so geläufig wird, daß man zulezt gar nichts mehr denkt, sondern dem lieben GOtt GebeLt. if» GOtt Worte vorplaudcrt , an denen das Herz keinen Antheil hat, < wir es — beyläufig gesagt, leider bey dem Unser Vater geschieht, das in einem Tag« vier bis sechs und in einem Monate mehr als hundertmal wiederholn wird und das uns JEsus, wenn ich seine Meinung verstehe, gar nicht um der Worten willen, sondern als ein Beyspiel gegeben hat, als ein Muster, wie man sich in seinem Gebette einer geistreichen Kürze dcfleisscn und denrselbtti einen vernünftigen Znn- halt geben soll.) Diese hauptsächlichsten Fehler, wie könnt es änderst seyn, berauben das Gebett aller seiner Kraft und Nuzens , der so bettet hat seinen Lohn dahin, wie die Gleichster die um von den Leuten gesehen zu werden betten, und wie die Heiden, welche um ihrers vielen Schwäzens willen erhört zu werden glauben. — Wer erhörli'ch betten will, muß vorzüglich folgende Regeln beobachten : Bereite dich zum Gebette vor l Bette so viel möglich in der Einsamkeit ! Bette mit wahrer Andacht und Demuth des Herzens! Berte im Glauben! Bette vernünftig ! Bette anhaltend! Bette Regeln zum «ehKilichr» Gebette» »52 Gebett. Bette mit heiligem und mit versöhnlichem Herzen! Nuzcn bes Dies Gebett wird dann seinen grossen rechtschafncnrrruzen haben. Es wird von GOtt erhört — Gebet«. EK erleuchtet und erhebt den Christen — es erinnert ihn an erquikende Wahrheiten — es versichert ihn seines Gnadenstandes — es giebt ihm Kraft und Starke zum Guten — es tröstet und beruhigt ihn im Unglük, im Leiden und Tode — es wird ihm zur Quelle vielfältigen Segens im leiblichen und im Geistlichen. — Wer wird sich nicht diesen Nuzen wünschen, wer nicht gerne und nach obbeschriebnen Regeln betten lernen wollen! — Zur Ermunterung und Erbauung für alle, besonders für die unter meinen Lesern, welche die vortreflichen und höchst faßlichen und erbaulichen Gellertschen Lieder nicht kennen oder besizen, schreibe ich eins derselben -- das Gebe« des Lhnsten — her: 5^ein Heil, o Christ ! nicht zu verscherzen, Sey wach und nüchtern zum Geben! Ein Flehn, aus reinem gutem Herzen Hat GOtt, dein Vater ! nie verschmäht. Erschein vor seinem Angesichts Mit Dank, mit Demuth oft und gern, Und prüfe dich in seinem Lichte, Und klage deine Noth dem HErrn! Welch Ge-ett. isz Welch Glük , so hoch geehrt zu werden, Und im Gebet« vor GOtt zu steh'n! Der HErr des Himmels und der Erden, Bedarf der eiirs Menschen Fleh'n? Sagt nicht GOe: Bitter, daß ihr nehmet ? Ist des Gebetvs Frucht nicht dein! Wer sich der Pficht zu betten schämet, Der schämt sich GOttes Freund zu seyn.' Sein Glük von s:inem GOtt begehren, Ist dieß denn «ine schwere Pflicht! — Und seine Wünsche GOtt erklären, Erhebt dieß unsre Seele nicht? Sich in der Furcht des Höchsten stärken — In dem Vertrau'n, daß GOtt uns liebt 7 Im Fleiß zu allen guten Werken — Ist diese Pflicht für dich betrübt? — Bett' oft in Einfalt deiiner Seelen ; GOtt sieht aufs Herz; GOtt ist ein Geist! Wie können dir die Worte fehlen, Wofern dein Herz drch betten heißt? Nicht Tone sinds, die GOtt gefallen, Nicht Worte, die die Kunst gebeut; GOtt ist kein Mensch! — Ein gläubig Lallen— Das ist vor ihm Beredsamkeit Wer das, was uns zum Frieden dienet Im Glauben sucht, der ehret GOtt. . Wer das zu bitten sich erkühnet, Was er nicht wünscht, entehret GOtt. Wer rs4 Gebett. Wer täglich ihm die Treue schwöret; Und dann vergißt, was er beschwur, Und klagt, daß GOtt ihn nicht erhöret , Der spottet seines Schöpfers nur. Bett' oft zu GOtt, und schmek in Freuden: Wie freundlich er, dein Vater, ist,! Bert oft zu GOtt, und fühl' im Leiden, Wie göttlich er dein Leid versüßt ! Bett' oft, wenn dich Versuchung quälet; GOtt hört's, GOtt ist's , der Hülfe schaft! Bett' oft, wenn innrer Trost dir fehlet; Er giebt den Müden Stark' und Kraft! Bett' oft, und heiter im Gemüthe Schau dich'an seinen Wundern satt; Schau auf den Ernst, schau auf die Güte, Mit der er dich geleitet hat! Hier irrtest du in deiner Jugend, Im Alter dort. — Er trug Geduld, Rief dich durch Glük und Creuz zür Tugend, Erkenn' und fühle seine Huld! — Bett' oft und schau mit sel'gen Büken Hin in des ewigen Gezelt, Und schmek in gläubigem Entzüken Die Freuden der zukünft'gen Welt! Ein Glük von Millionen Jahren, Welch Glük! doch ist's von jenem Glük Das dem der HErr wird offenbarm, Der ihm hier dient -- kein Augenblik! Bett Gebett. iss Bett' oft, durchschau mit heiligem Muthe Die herzliche Barmherzigkeit Deß, der mit seinem theuren Blute Die Welt, der Sünder Welt besteht! Nie wirst du dieses Werk ergründen — Nein! es ist eines GOttes That! Erfreu dich ihrer, rein von Sünden, Und ehr im Glauben GOttes Rath! Bett oft, entdek an stillem Orte GOtt ohne Zagen deinen Schmers. Er schließt vom Herzen auf die Worte, Nicht von den Worten auf das Herz. Nicht dein gebognes Knie, nicht Thränen, Nicht Worte, Seufzer, Psalm und Thon, Nicht dein Gelübd rührt GOtt — dein Sehnen, Dein Glaub an ihn und seinen Sohn. Bett oft! GOtt wohnt an jeder Statte, In keiner minder, oder mehr. Denk nicht: wenn ich mit vielen bette: So find ich eh bey GOtt Gehör. GOtt ist kein Mensch. Ist dein Begehren Gerecht und gut; so hört ers gern. Jsts nicht gerecht; so gelten Zähren Der ganzen Welt nichts vor dem HErrnl Doch säume nicht in den Gemeinen Auch öffentlich GOtt anzuflehn, Und seinen Namen mit den Seinen, Mit deinen Brüdern, zu erhöhn; Dein i s5 Gebett. Dein Herz voll Andacht zu entdeken, Wie es dein Mtchrist dir entdekt , Und ihn zur Jnnbrunst zuerweken. Wie er zur Jnnbrunst dich erwekt! Bist du ein Herr, dem andre dienen, So sey ihr Beyspiel, sey es stets! Und feyre täglich gern mit ihnen Die sel'ge Stunde des Gebens! Nie schäme dich des Heils üer Seelen , Die GOttes Hand dir anvertraut! Kein Knecht des Hauses müsse schien , Er ist ein Christ, und werd' erbaut l Bett oft zu GOtt für deine Bruder Für alle Menschen , als ihr Freund! Denn wir sind eines Leibes Glieder/ Ein Glied davon ist auch dein Feind. Bett oft / so wirst du Glauben halten, Dich prüfen und das Böse scheuh'n / An Lieb und Eifer nicht erkalten Und stets zum Guten weise seyn! — ( Gern möcht ich , jedem der recht betten lernen will, das recht schöne und zugleich wolfeile Gebett--Buch Herr Prediger Dapps das besonders für Landleute eingerichtet ist, zum Lesen und Gebrauch empfehlen.) Gebott Sehet Gesaz. "" Geburt. Geburt (Christi.) <<>ie Geschichte der Geburt JEsu lesen wir in den vier Evangelien weitläufiger. — Sie erfolgte nach den Weissagungen der Propheten, gerade zur schicklichsten Zeit , da es unter Juden und Heiden am elendsten und erschreklichsten aussah. — Die Geburt JEsu legte die Grundlage zu ^ ^ ^ unsrer Erlösung. — Ware Christus nicht auf^und zuun- die Erde gekommen und geboren worden , so k-ättesrerEriösunz. er kern wahrer Mensch werden können; wär er nicht ein Mensch geworden, so hätte er nicht den Menschen die neue, beste himmlische Lehre verkündigen, nicht für sie leiden und sterben— sie also auch nicht GOtt näher führen nicht erlösen können. — Es ist Sesnahen unsre Pflicht, daß wir Pflichten g» uns der Geburt JEsu, ohne welche wir noch in sm dieselbe, unsern Sünden und verloren wären, von Herzen freuen, und GOtt dieselbe, der sie mit weiser Güte veranstaltet hat, und dem Sohn GOttes, Her güttg und freywillig dieser Anstalt sich unterwürfen und sie ausführen half, von Herzen verdamm — 158 Geburt ( Christi.) TeburtsftK, Zu diesen Aeusserungen der Freude und des slm Egcfeytt Danks ist in der Christenheit ein besondrer Festwerte. Tag geordnet , der das Geburcs - Fest oder Weihnächte, Fest heist— und dieß feyern wir also am zwekmWgsten und christlichsten , und also auch am heilsamsten, wenn wir an demselben besonders ( denn andre Tage sind nicht ausgeschlossen ) uns der grossen Wolthat und des Segens der Geburt unsers HErrn andächtig erinnern, uns derselben recht innig freuen, uns dadurch zur Liebe gegen den Sender und den Gesendeten , gegen den Vater und den Sohn erwärmen lassen, wenn wir kindlich und demüthig an ihn glauben und mit Herz und Mund, besonders auch durch ein christliches Leben uns dankbar erzeigen, und diese Tage auch öffentlich zur Vermahnung unsrer eigenen Erbauung, und zur Erwekung und Vermehrung der Erbauung unsers Nächsten, in den Tempeln des HErrn und bey seinem heiligen Tische feyern. Dieß und was mehr sich über diese Materie sagen liesse, das haben meine Leser schon oft aus dem Munde ihrer Lehrer jährlich an Weyh- nachtstagen gehört, und Werdens weiter hören , kräftiger und besser als ich es sagen könnte— daß es nur seine erzwekte, heilsame Wirkung beh alten denen die es hören, haben möge! Geduld 159 Geduld. Geduld ist gar keine Härte, keine Unempfind, War fi-ist. lichtete gegen das Niedrige in der Welt und in unsern Umständen insonderheit — sondern ste ist, diejenige Gemüthsverfassung, die wir alle Widerwärtigkeiten , Leiden, Trübsalen, wie sie immer Namen haben mögen, in der Ueberzeugung daß sie von GOtt herrühren und die weisesten Absichten haben, uns aus Gehorsam gegen GOtt gefallen lassen, ohne Murren, demüthig und standhaft sie ertragen, und einen glüklichen Ausgang derselben zuversichtlich hoffen. Die Geduld ist eine Pflicht groß und Sie >,?«»« schwer, weil sie unsern Wünschen und Nrigun- gen entgegen ist und ein hohes Maß von vielen andern Tugenden voraus ftzt, aber doch bey allen Schwierigkeiten dennoch möglich. GOttes Befehl fordert sie von uns. Sprüchw.III. 11.12. »Laß den Muth nicht sinken, mein Sohn, wenn » du von dem HErrn gezüchtigt wirst! "Lucxxi. 19. »Besitzet eure Seelen durch Geduld!" Röm. XU. iL. Seyd geduldig in Trübsalen! — Die heiligsten Menschen und unser HErr selbst gehen uns mit dem herrlichsten Beyspiele vor. — OlM Geduld wird uns jede einfache Last versicben- facht, und jedes Leiden vervielfältigt und schwerer zu tragen. — Hingegen groß ist der Nuzen, Nuzcn. wichtig sind die Vortheile der Geduld. Das Leiden i6o Geduld. Leiden wird uns erträglicher, wir werden JEsu ähnlich und GOtt wohlgefällig, wir geben dadurch einen deutlichen Beweis unsrer Liebe zu ihm. „Willt du wissen , sagt ein gewisser frommer „Mann, vb du GOtt liebest,so merke ob du „ auch alles Creuz und Leiden, Trübsal und „Elend mit Geduld von GOtt aufnimmst) ohn „ alle Ungeduld in Worten, Werken und Geber- „ denThust du das, so ist kein Zweifel, du „ liebest GOtt. Jst's änderst, so liebst du GOtt „nicht rein , sondern liebest mehr das deine, „dann GOtt; wie wol nichts dein ist, als deine „ Sünde, das andre ist GOnes" — Geduld hat endlich die herrlichsten Verheißungen von GOtt, und ist , mit einem Wort, für den, der sie übt in Zeit und Ewigkeit Heilsani. — „Es ist „gut , sagt Jeremias (Klagt. m.) daß man „warte und in der Stille auf das Heil des HErrn „ harre. Es ist einem Menschen gut, daß er das „Joch von seiner Jugend auf trage. Er sitzet „ allein und schweiget, weil er dasselbe auf ihn „geleget hat. Er steket seinen Mund in den „ Staub, ob ihm doch irgend eine Hofnung „ kommen möchte. Der HErr wird nlcht ewiglich verlassen, denn ob er gleich bekümmert, „so ist er doch nach dem Ueberfluß seiner Er- „ barmde wieder gnädig, denn er plaget und „verstößt die Kinder der Menschen nicht von » Herzen! " — Um Geduld.' I6l Um die selige Tugend der Geduld zu erlernen, beobachte man folgende Regeln : Man bedenke, daß Leiden und Widerwärtiges in dieser Welt unvermeidlich sind. Man bedenke, daß sie von GOtt herrühren. Man bedenke, daß sie oft nicht so groß sind, als wir uns vorstellen. Man bedenke, daß sie allemal eine weise Absicht haben. Man bedenke, daß sie gegen die Freudenden Ausharrenden in jenem Leben bestimmt, in keine Vergleichung kommen. Man bedenke, daß kein Leiden in der Welt so groß ist, daß wir nicht mit GOtt ertragen können, und aus Gehorsam gegen ihn ertragen müßten. Man gewöhne sich zum Gebett, welches eine grosse Erleichterung ist. Man sehe oft auf das Beyspiel JEsu Christi, und andrer. Man suche seine Begierden einzuschränken, und sie vornemlich aufs Ewige zu richten! — L Gehorsam. Gehorsam» >uin? gehorsam überhaupt ist die Vollziehung des Willens und der Befehl andrer, die über uns gesezt sind. — grgin Gort. Gehorsam Fegen GOtt ist die Vollziehung des Willens und der Befehl Gattes, die er uns in seinem Worte geoffenbart hat. — Es ist eine >st eine nöthige Pflicht für den Christen. Denn GOtt ^Mcht^hat ihm befohlen und gefodert. 5. Mos. XII. ?2» „ Alles was ich euch gebiete, sollt ihr halten!" Match. Vll. 21. „ Nicht ein jeder der zu mir „ sagt: HErr'. HErr ! wird eingehen in das » Reich der Himmeln , sondern wer da thut den Willen GOttes der in Himmeln ist. Ioh. XV. 14. 22. „Ihr seyd meine Freunde, so ihr alles „ wun werdet, was ich euch gebiete. — Liebet „ lyr mich, so haltet meine Gebotte." GOtt hak also Wolgesallen an demselbigen; er hat denen die ihm gehorsamen seinen Segen verheißen und denen die ihm ungehorsam sind den Fluch gedroht; w-e Mr das aus hundert Schriftstellen ersehn können. EigenAiastm Soll aber der Gehorsam rechter Art seyn, so i L woh.en muß er folgende Eigenschaften haben: Er muß Erholsam-, seyn gläubig, genau, willig, demüthig, uneingeschränkt, thätig und beständig , wie der Gehorsam der Engel im Himmel beschaffen ist und wie des Gehör- gehorsam. 16z Gehorsam aller Fronmen jederzeit beschaffen war, besonders der Gehorsam JEsu, den wir uns zum Muster unsers Gehorsam wählen sollen. Die Betrachtmg der Majestät GOttes, daß er unser HErr md Vater ist, und die Beher- zigung des grossen Lrhns des Gehorsams in Zeit und Ewigkeit, sind die besten Beweggründe, die uns zum Gehorsam gegen GOlt ermuntern ^ können. — Auch JEsu, s-klen wir gehorsamen, wie Geh«ran,-e- GOtt, besonders auch in Rücksicht dessen, daß er so viel für uns gethan und sein Leben für uns gelassen hat. Gehorsam gegen die Menschen ist die Befol-- schorsam gung aller der Vorschriften und Pflichten, welche uns die, welche ob uns sind so wol, als auch das Wort GOttes und die Natur vorschreibt. Die Gegenstände dieses Gehorsams sind Eltern > Obrigkeiten , Lehrer, Fürgesezte, Herrschaften rc« Sehet Eltern, Obrigkeit, Lehrer, Rinder, Dienste, Unterthanen, Zuhörrer rc. Nlsdenn bin ich GOtt angenehm, Wenn ich Gehorsam übe. Wer die Gebotte hält, in dem Ist wahrlich GOttes Liebe. L ä' Geist l64 Geist. Gottheit Äus den göttlichen Namen, Werken und Eigen- reffel»en. schaften, die in der heil. Schrift, dem heil. Geiste zugeschrieben werden ist deutlich genug zu beweisen, daß er ein göttliches Wesen und mit dem Vater und dem Sohn und wie der Vater und der Sohn wahrer GOtt seye. Er ist also auch ein einiges ewiges, unsichtbares, unendliches und allmächtiges Wesen. — Amr vcssel- Sein Amt bey den Menschen ist daß er b«n. sie lehrt und zum Guten unterrichtet und stärkt, daß er sie in allen Anfechtungen tröstet, daß ersie Wirkun-en. heiliget , erleuchtet , erneuert ,. bessert. Er wirkt ' also auf unterschiedliche Weise auf die Menschen. Jeder gute Gedanke, jeder heilsame Entschluß, jede innere Tröstung, jedes Bestreben nach Frommreit und Heiligung , jede Vermeidung des Bösen und jedes Anhangen ans Gute ist sein Werk, rührt von ihm her. Ohne ihn mögen wir nichts Gutes thun. Alle Tugenden wirkt er in uns. Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmuth, Keuschheit, sind Früchte des Geistes GOttes. Gal.v. 22. Aber dieß alles wirkt er nur bey denen, die ihn in sich wohnen lassen, die ihm ihr Herz öfnen, die sich als seinen Tempel darstellen, die Freunde GOttes sind, die mit demüthigem Danke seine Wirkungen erkennen, die ihn nicht muthwillig auslöschen. W» Geist. r6f Wo außerordentliche Liebe zu ihm ist, da wirkt er auch außerordentlich, wer an ihm Theil nehmen will, der kann. — Und glücklich ist ein . Mensch in dem GOttes Geist wohnt und wirkt. Er ist ein Kind GOttes, ein Erbe der Seligkeit. „ Löschet den Geist nicht aus! Betrübet nicht „ den Geist GOttes! der Geist ist es der da leben- ,, dig machet. Welche GOttes Geist treibt, die «sind GOttes Kinder! Wer Christi Geist nicht «hat, der ist nicht sein! " — Diesen Geist sandte ehmal unftr HErr am^^N zehnten Tage nach seiner Himmelfahrt ( am ellstesten. Matth. Xll. 14. „ Luc. VI. i k. XI. 14-22. Xll. z r-zz. Marc.lll. ! Zo - zr. — Heiliger Geist ist der wunder- z „ rharigs GOrt > der gegenwärtig/ augenschein- ^ „ lich wirkende GOtt ^ den lästern / den zum > „ Satan machen, die allerwolthätigsten Wirkun- ! ^ gen der Allmacht, dem Satan , der Bosheit „ selbst , der Bosheit in Person , möcht' ich. „ sagen/ zuschreiben — die hülfsbedürftigeMensch- „ heit dem gegenwärtigen Göttlichen Helfer aus ^ „ den Händen herauslästern wollen. Siehe da/ „ die eigentliche / vollständige Lästerung des heil. > ^ Geistes — die unverzeihliche Sünde — die- l » wahre Todsünde für die man nicht bitten, j „ dass / wogegen alle andern Sünden / wie j „ sYressiich sie auch seyn mögen, verzeichlich sind. i »Dieser ,68 Geist. „Dieser Sünde nähern sich also alle, die gegen „ ihre eigne innere Ueberzeugung etwas wahrhaft „ Göttliches, das ihnen als ftlches einleuchtet, als „ etwas Unsinniges Böses, satanisches verlästern." So weit Herr Lavater. Leser! prüft! du magst diesen rechtschaffnen Mann kennen oder nicht kennen, viel oder wenig von ihm gehört haben ! Bist du ihm gewogen, so nimm es darum noch nicht an; bist du ihm nicht gewogen; so verwerfe es darum nicht, machs nicht, wie so viele, sondern prüfe unpartheyisch! — Was ist er. -^er Geiz ist eine unordentliche Begierde und Liebe zu Reichthum und irrdischen Gütern. Er . aussen sich im Verlangen nach Reichthum, in Aeusserung«. unersättlichen Begierde nach den Dingen dieser Welt; in dem Erwerben desselben, wenn man unerlaubte Mittel und Wege einschlägt Vermögen zu erlangen, zu erhalten und zu vermehren; im Besiz desselben , wenn man karg gegen sich selbst ist und nicht Herz genug hat, das was man besizt,zu gebrauchen, wenn man nichts zu Werken der Liebe anwendet, seine Glükseligkeit darum sucht und sein Vertrauen darauf sezt. Die 169 Geiz. Die (Quellen des Geizes sind: Mangel an Quellt». Menschenliebe, an rechter Schäzimg der irrdischen Güter, Unersättlichkeit, Mißtrauen gegen GOtt und Menschen und eitles Vertrauen auf Reichthum. —- Der Geiz ist ein schändliches und schad- Scl'äEch- liches Laster, das die Seel zur Sclavin eines niederträchtigen Gewinnsund garstigen Wuchers ' macht, das unser Herz vor der größten Tugend der Bruderliebe verschließt, alle unsre Begierden auf die Welt richtet, ein Laster das uns GOtt und JEsu mißfällig macht, der es in seinem Wort ernstlich verbotten hat. (Luc. XII. iz. „Seht zu „ und hütet euch vor dem Geiz, denn keines Leben „ besteht in seinen Gütern, daß er daran Ueberfiuß „ hat. " — Ephef. V. z. „ Geiz werde unter den „Heiligen nur nicht getrennt!"— Colvß. III. 5. „ Tödet die Glieder die auf Erden sind—Geiz."— Hebr.xm. 5. „Euer Wandel sey ohne Geiz! „ Laßt euch begnügen an dem das gegenwärtig „ ist." ) Ein Laster, das uns an Ausübung der Religion hindert und uns zu Handlungen verleitet, die ihr gerade zu entgegen sind, ein Laster das sich nie befriedigen läßt, sondern im Gegentheil mit den Jahren wächst, und viele Menschen unglük- !ich macht. Ein Laster, das (Qbrigkeiren verleitet , das Recht zu verkaufen, Hausvater ihre Familie aufzuopfern, den Soldaten Ervressungen, Ge- walthätigkeitm und Grausamkeiten zu begehen, falsche i7o Geiz. falsche Zeugnisse zugeben, meineidig zu werden, u. ft ft kurz, ein Laster, das dem Judas den Strik um den Hals warft — Daher nennt eS Paulus mit einem Wort, das alles Schändliche und Schädliche desselben genug ausdrükt , djy Wurzel alles Bösen. Ein geiziger Mansch ist zu allen Schandthaten fähig. Wenn er nur Geld sieht, so achtet er nicht mehr Religion und Tugend, nicht mehr GOtt und Vaterland, nicht mehr die heiligsten und engsten Verbindungen. — und das Schlimmste dabey ist dieses: er kann einUngeheur des Geizes seyn, ohne es zu wissen; wenn man mit Fingern auf ihn zeigt, so glaubt er noch nicht daß Er's seye. Allein ein solcher Mensch, der dem Geiz ergeben ist, kann unmöglich selig werden. — Ich denke das sind doch Beweggründe genug den Geiz zu fliehen und wol auf seiner Hut zu seyn, daß man nicht nach und nach in seine Sinke verwikelt werde — Beweggründe genug -' immer GOtt zu bitten : Laß Geiz stets ferne von mir seyn , Die Wurzel alles Bösen! Von Unruh und Gewissenspein Mag Reichthum nicht erlösen; Hilft in der Todesstunde nichts, Hilft nicht am Tage des Gerichts Schüzt nicht vor Noth und Trübsal. -- Mein 4 L?r Mein GOtt; erhalte mich dabey, Daß ich mir g'nügen lasse, Geiz ewig als Abgötterei) Von Herzen flieh' und hasset Ein weises Herz, ein froher Muth Sey meines Lebens höchstes Gut! — Gelassenheit. Seher Geduld. Gelüste. Seher Begierden. Gerechtigkeit. Gerechte. Gerechtigkeit GGttes ist diejenige Voll-Gerechtigkeit kommenheit desselben , da nichts böses an ihm ist, TOrres. da er jedem Recht widerfahren läßt, und jedem nach seinem Thun vergütet. Verschiedene Aussprüche der Schrift sagen uns dieses und unsre eigne Erfahrung bestätigen diese Aussprüche. Die Gerechtigkeit der Menschen ist dst-Gerechtigkeit jenige Tugend, da sie jedem Recht widerfahrendeMenschcn. lassen, jedem zukommen lassen, was ihm gehört. — Zur Gerechtigkeit fodern uns auf GOttes B,wMrün. Befehl. Jes. I.VI. i. „ Haltet Billigkeit und dr dazu. „ Recht!" — 2 Thimoth. II. ry. „ Es weiche ab „ von der Ungerechtigkeit, wer den Namen Christi »nennt!—GOtteS Wvlgefallen an derselben. Ps. 172 Gerechtigkeit. Ps. XI. 7. „ Der HErr hat die Gerechtigkeit lieb." Ps. XXXIII. 5. Er liebet die Gerechtigkeit." — Die Nothwendigkeit dieser Tugend, die mit Recht die Seele eines Lands genennt wird , ohne welche ein solches nicht bestehn kann. GOtt straft die Ungerechtigkeit und belohnt die Gerechtigkeit. Sprüchw. XIV. Z4. „ Die Gerechtigkeit erhöht „ ein Volk! " Jes.Iil. 12.,, Sagt dem Gerechten „ es stehe wol um ihn, denn sie werden die Früchte „ ihrer Werken gemessen." — und endlich die Beyspiele gerechter Menschen. — Abel, Noah Abraham , David , und andere , werden uns als Muster solcher vorgestellt.- Sonst werden unter dem Titel Gerechte in der heil. Schrift die Frommen verstanden. Sehet Lrommkeit. Gericht (jüngstes, leztes) jüngste, lezte Gericht, ist der leztc Tag ""'richt/' der Welt, wo GOtt den Werth oder Unwert!) eines jeden Menschen bestimmen, alle ihre auch die geheimsten Gedanken, Reden und Thaten werden geoffenbart, und nach Beschaffenheit derselben belohnt oder gestraft werden. — Gewißheit. Ein solches Gericht ist gewiß. — Das sagt uns die Vernunft ; Gute und Böse leben hier unter einander verrutscht, die Guten werden oft hier Gericht. 17 z hier nicht belohnt, die Bösen nicht gestraft, was ist also vernünftig, als daß einst eme Scheidung zwischen biyden vorgehe ? — Das Gewissen selbst zeuct von einem künftigen Gerichtstage. Warum st ein gutes Gewissen immer ruhig , ein b öses Gewissen immer unruhig, als weil es zukünftige Entdeckung , Belohnung oder Strafen ahndet? — Die Gerechtigkeit, Weisheit und Heiligkeit GOttes ist uns Bürge für die Gewißheit eines zukünftigen Gerichtstages : GOtt kann keim Geseze geben ohne darauf zu halten, er kann dem Guten und Bösen unmöglich zusehen, ohne dieses zu strafen und jenes zu belohnen. — Am allerdeutlichsten aber belehren uns die Aussprüche der heiligen Schrift davon, so wol im Alten als im Neuen Testament. — Ps. HXXXIX. 15. Pred. XII. 14. Daniel XII. 2. Math. XXV. Zi. u. s. f. Joh. V. 28, 29. Apostelg. X. 42. Ebr. IX. 27. Röm. II. 16°. II Cor.V. lo» I Petri I. 17. II Petri III. io. Dieses Gericht wird gehalten werden , an r-s dem uns unbekannten aber von GOtt festgesezten Gerichts, iezten Tage der Welt. Doch werden einige be- Anzeige der stimmte Merkmale der Nähe desselben uns bekannt Nähe des- gemacht. Matth. XXIV. Marc.Xlll. Luc. XXI. ^en. Der Rührer wird seyn JEsus Christus, g^chter. den GOtt dazu verordnet hat, dieser wird gerecht, rinpartheyisch, und mit göttlicher Macht richten. Seine r?4 Gericht. ' Zukunft. Seine Zukunft wird majestätisch und prächtig seyn. Zurichtende Die welche sich vor diesem Gerichte Menschen, stellen werden, werden alle Menschen seyn, die je gelebt haben oder leben werden, Verstorbne und noch webende. Gerechte und Ungerechte. — Alle Merschen. Zu richtende Gerichtet, geoffenbam , belohnt oder ge- Dinge, werdet, dann alle geheimen oder öffentlichen , bekannten oder unbekannten, guten oder schlachten Gesinnungen Handlungen oder Reden des Menschen. Urtheil. Jedem wird das Urtheil gesprochen und ungesäumt vollzogen werden, den Guten und rechtschaffen erfnndnen Leben in Freude und Gllrk-> feligkeit für alle Ewigkeit — den Bösen aber Leben in Nnglük , und Qual in Jammer, Schande und Elend. — Die Geschichte, wie dieß Gericht mit allen Umständen werde gehalten werden, erzählt uns unser HErr selbst Match. XXV. Freude über Freudig wird dieser Tag den Frommen und Liefen Lag. Gerechten seyn, denn er lst ihnen ein Tag ewiger Erlösung von allem Uebel, und des Anfangs aller Seligkeit. Schreken —- Schreklich wird er den Gottlosen seyn, weil er ihnen ein Tag der Verzweiflung am Anfang alles Elendes und Jammers seyn wird. — Ist' Oevicht. L77 Ist dieser Gerichtstag gewiß , und die Zeit Pachten in. desselben ungewiß , so sollen wir eine so wichtige Absicht die. Erwartung tief zu Herzen nehmen und uns bewe- gen lassen einen solchen Wandel gegen GOtt und Menschen zu führen, davon wir einst die Rechenschaft mir unerschroknem und freudigem Gewissen ablegen können , und besonders auch unsern geheimen Wandel so einrichten, daß uns einst die Offenbarung desselben nicht mit Schimpf und Schande überschütte.— „Wachet,und seyt bereitet, dann ihr wisset »weder den Tag noch die Stunde, da der Sohn „ des Menschen kommen wird!" — „ Hütet euch, daß eure Herzen durch keine bösen Gesinnungen oder Handlungen beschweret werden, und nicht etwan unversehlich über euch «komme derselbige Tag! — §aß, ZEsu! dein Gerichte Uns stets vor Augen seyn, Und drüke sein Gewichte Tief unsern Seelen ein! — Laß jeden frommlich wandeln Vor ow, zu aller Zeit, Und wie ein Mensch soll, handeln, Der fernen Richter scheuht! — . Gesez. l?6 Geftz. Mas ist das GesezGOttes, die göttliche Gebotte sind vesejGottrs?h^ uns von GOtt gegebnen und in der heiligen Schrift geoffenbarten Befehle nach denen wir unser Leben und unsern Wandel einrichten sollen, um hier und dort glüklich zu werden. Diese Vorschriften und Befehle, dieses Ge- sez finden wir durch die ganze heilige Schrift in einzelnen Lehren und Beyspielen sowol, als in ganzen Erzählungen und Geschichten; die Kirchen- geseze und Ceremoniengeseze, auch die bürgerlichen Geseze des alten Testaments verbinden uns meist nicht mehr/ aber dagegen die Sittengeseze — die in dem mosaischen Geseze der heil. X Gebotten enthalten sind. Diese verbinden uns hauptsächlich und enthalten die hauptsächlichsten Pflichten gegen GOtt, den Nächsten und uns selbst, deren Hauptsumm die Liebe ist, sie verbinden uns hauptsächlich auch darum, weil sie JEsus durch seine Lehr und sein Leben gleichsam wieder in neues Leben und Gang gebracht und bestätiget hat. — Von der Beobachtung derselben fließt uns NuM. der wichtigste Nuzen zu. Wir werden dadurch von unsern Sünden und von unserm Elend über, zeugt, wir werden gebessert, GOtt wolgefällig und von ihm als gehorsame Kinder gesegnet. Ob Gesez. 177 Mb wir das Gesez GMttes halten müssen? das kömint, denk ich, in keine Frage; bey Christen, die von der Oberherrschaft ihres GOttes über sich überzeugt sind. Die über* zeugt sind, daß GOtt diese Geseze nicht um seinetwillen , sondern um unsertwillen gegeben hat, daß wir dadurch glüklich werden, und baß er die Uebertretter derselben auf's ernstlichste strafen wirb. VB. Mos. XXVll. 26. Aber ob wir das Gesez haben können? das ist eine andre Frage. — Denn man hört häufige Klagen über die schweren Forderungen desselben, die für unsre schwache Natur zu halten unmöglich seyen. Selbst sonst fromme Menschen führen diese Klagen. — Und da ist's freylich wahr; unsre Natur ist zi^ schwach ; die bösen Begierden, die Sünde beherrschet uns allzusehr, als daß wir sie alle halten könnten. Wir fehlen oft — oft haben wir das Wollen zum Guten, aber das Vollbringen: mangelt uns. — Aber das alles ersezt JEsuS Christus und Glaube an ihn. — Er kam dazu in die Welt die Menschen zu erleuchten durch Geist und Lehre, sie zu heiligen und zu bessere an ihrem innwendigen Menschen — durch seinen Gehorsam das Gesez zu erfüllen und durch sein Leiden und seinen Tod unsre Sünden zu tilgen. — „Wer an ihn glaubt, der hat das ewige Leben, „ der wird nicht gerichtet. Wie viel ihn annehmen- „ denen giebt er Gewalt GOttes Kinder zu heiffen.' Er sizt zur Rechten GOttes und bittet für uns« M ..GOtt r?8 Gesez. „GOtt versöhnt in Christo die Welt mit ihm „selbst, und rechnet uns die Sünden nicht zu, „und richtet unter uns auf das Wort der Ver- „ söhnung." Durch ihn erhalten wir Kraft zur Tugend und Gottseligkeit, durch ihn wird uns alles schwere leicht, durch ihn vermögen wir alles; seine Kraft ist in den Schwachen mächtig. — „Wo die Sünde mächtig ist, da ist die Gnade „noch mächtiger!" O nur Glaube! Glaube, daß GOtt keinem mehr auflegt, als er tragen mag; und wenn er auflegt, so stärkt er zu tragen. Wenn er einen Befehl giebt, ist er allemal unsern Kräften angemessen. — Saget also nie, daß das Gesez schlechterdings nicht gehalten werden könne. Probiert, strebet nach der Haltung desselben — es wird euch gelingen und euer wird der Segen seyn, den GOtt den rechten Ausübern seiner Geholten verheißen hat! — Die Ausübung aber oder der Gehorsam gegen dieselben muß herzlich, willig, kindlich, demüthig und genau und vollkommen seyn, das heist, es muß sich auf alle Gebotte ohne Ausnahme erstreken. Gewissen. «»»«.Das Gewiss-» ist das inneie Eeftchi des Werthes , den unsere Handlungen in den Augm GOttes und guter Menschen haben; jener geschwinde Beyfall, den wir uns nicht versagen können , Gewisien. 179 können, wenn wir unsrer Pflicht gemäß handeln, und jenes verdammende Urtheil, das wir unvermeidlich über uns selbst sprechen müssen wenn wir so unglüklich sind, von derselben zu weichen; jene Gedanken die sich in uns unter einander anklagen oder entschuldigen. Wem sein Herz sagt, daß er recht gehandelt Gutes Ge. hat, der hat ein gutes Gewissen; ein böses Gewissen aber hat der, dem sein Herz sagt, "wissen. ' daß seine Thaten unrecht sind. — Alle Lehren von der Zufriedenheit des Gemüths kommen in der Regel zusammen: Bestrebe dich nach dem Zeugniß eines guten Gewissens! — denn ein gutes Gewissen ist der Glük eines Tugendhaften größtes Glük; es ist sein bestän- diger trosivvllster Gefährte; sein herrlichstes Kleinod; die Quelle aller Zufriedenheit ; durch dasselbe werden ihm alle Wiederwärtigkeiten erleichtert, das Unglük erträglicher, das Glük genießbarer — die Leiden leichter, die Freuden schmakhafter, es versichert ihn der Gnade GOt- les, es beruhigt ihn im Tode, es verspricht ihm im künftigen Leben besondre Vergeltungen und herrliche Vortheile. — Ein böses Gewissen hm- unMk eines gegen ist das größte Unglük. Immer ist er un- ruhig, immer quält es seinen Besizer, alle Heiterkeit seiner Seele löscht es aus; es erfüllt ihn mit Angst und Schreken über Vergangenheit und M s Zu- IFQ Gewissenhaftigkeit. Zukunft; es beraubt ihn der Gnade GOttes, der Freudigkeit und Ruh im Leben und im Tode, der Hofnung alles Segens in jener Welt.- Wie wol thut der Mensch , der mit Paulus sich selbst allezeit übt, ein gutes, unbeflecktes Gewissen zu haben , beydes vor GOtt und den Mittel ritt Menschen'. — Die Mittel dazu sind: Aufmerk- SllteLGewls. samkeit auf seine Handlungen, Prüfung derselben; ftn zu be. Aufmerksamkeit auf die Stimme des Gewissens wahren» Befolgung derselben ; besonders ein nach GOttes Wort eingerichtetes Leben, und flüssiges Gebetk. — Kurz die Gewissen» Heftigkeit. Gewissenhaftigkeit. Was sre ik : -^iefe ist die Gewohnheit oder Fertigkeit, nie etwas zu thun oder zu reden; auch nicht einmal zudenken, was wir für Unrecht erkennen, sondern vielmehr allemal und in allen Dingen , so zureden, zu handeln und zu denken , wie es vor GOtt und Menschen recht ist, es koste auch was «s wolle. — Beweg. Die Beweggründe dazu sind die schuldige «runde. Ehrfurcht gegen GOtt und unsern Erlöser, und unsre eigne Ruh und Glükseligkeit. — Glaube. Glaube. Glaube überhaupt ist der vernünftige Beyfall/ Was ist den wir allen ausörükiich von GOtt geoffenbar- G^ube r ten Lehren geben; eine gewisse zuversichtliche Erwartung der Glückseligkeit an ihn und der unausbleiblichen Erfüllung seiner Verheißungen uns glücklich zu machen. — Dieser Glaube gründet sich auf die Treu Gründ« und Wahrhaftigkeit GOttes, auf unsre eigne desselben. Schwachheit und auf die Beschaffenheit der Lehren selbst / die uns GOtt geoffenbart hat. — Der seligmachende Glaube / Glaube an Glaube an JEsum ist / das freudige Vertrauen auf seine Hülfe, Macht, Güte und Verdienst, die zuversichtliche Hofnung seiner erworbnen und imEvan- gelio verheißnen Gnade GOttes. — Dieser be- West» steh: vornehmlich in einer lebendigen Erkenntniß desselben. JEsu , in festem Zutrauen , in einem sehnlichen Verlangen nach seiner Gnade, in reiner Demuth, in Gehorsam und ausharrender Beständigkeit. — Aber dieser Glaube muß nicht bloß eine Herzenssache seyn; man muß ihn durch die Werke zeigen. Er muß nicht nur das Herz beleben, er muß es bessern; er muß die Gesinnungen veredeln, muß unsre Begierden heiligen , unsern eignen Willen lüden, uns zum Guten erwecken, muß machen, daß 182 Glaube. daß wir alles was wir thun, mit Rücksicht auf GOtt und Christum, um seinetwillen, zu seiner Ehre thun. — Sonst ist es unzulänglicher, todter Glaube, ohne Werth und Vortheile. — Ist er aber so beschaffen, so schaft er dem der ihn Vortheile, hat , die seligsten Vortheile; die Gnade und das Wolgefallen GOttes und JEsu, Vergebung der Sünden, Besserung, Vereinigung mit dem Geglaubten, Hülfe, Trost, Gnade desselben, und ewige Seligkeit. — «»Wer glaubt der wird „ selig werden , wer aber nicht glaubt der wird „ verdammt werden." — JEsus und seine Apostel dringen immer diesen Glauben an und machen ihn zur Bedingung der Seligkeit. — Glaube vermag alles — vermag Berge zuverseizen, das heist, die grösten Schwierigkeiten zu überwinden. Glaube anhaltender, fester Glaube giebt uns alles — was wir zur Glückseligkeit bedürfen. Er ist die kräftigste Kraft der Seele, das Leben des Lebens, er überwindet Welt, Zeit, Sünde, Leiden und Tod. Ein gläubiger Mensch ist der reinste, weiseste, rechtschaffenste Mensch, wer dieß nicht ist, hat den Glauben nicht. Das Christenthum besteht im Glaube und in Werken des Glaubens, wer nicht glaubt ist kein Christ und wenn er tausendmal die schönsten Thaten thut. „ Was nicht aus Glauben geht, das ist „ Sünde." -- O wie viel, viel liesse sich vom Glauben reden und schreiben, aber mit reden und schreiben , werben wir keinem ihn geben können, Glük. Glükseligkeit. ,8; können - der ihn nicht hat — ihm wirds seyn, wie wenn wir in einer fremden Sprache zu ihm redten — GOtt muß ihn wirken durch seinen Geist und durch sein Wort. Beherzigung seiner Mittel r«tv. Utientbehrlichkeit, Gebett, Lesen, Hören und Thun des göttlichen Worts, dir heiligen Sakramente, Vermeidung der Ungläubigen und Freundschaft mit den Gläubigen , dieß allein sind die Mittel wodurch wir den Glauben in unser Herr hekommen. — Selig ist der da glaubt! „ Glaub: an den HErrn ILsum LhrL- „stum, so wirst du und dein Haus selig wer- „ den ! Alle die an ihn glauben werden nicht „verloren gehen, sondern das ewige Leben „haben. Ohne Glauben ist es unmög- „ lich GLPtt zu gefallen." — O doch zuerst diese und andre Stellen aus dem Testamente weggethan, und dann erst über den Glauben gespöttelt oder ihn für eine entbehrliche Sache erklärt, vorher nicht ! — „ HErr mehre uns den Glauben ! „ Hilf unserm Unglauben!" — Glük. Glükseligkeit. ^ie Meinungen von der Glükseligkeit der Menschen sind sehr verschieden, jeder lauft darnach , alle Handlungen der Menschen haben Glük zum Endiwek; i84 Glükseligkeit. Endzwek; es ist das Triebrad das täglich Millionen Menschen von Ausgang bis zum Niedergang in Bewegung sezt, das Zieht wornach alle laufen, vom Könige bis zum Bettler und das so wenige erreichen, werk sie es meist auf einem unrechten Wege suchen, „was ist Glük? " — so fragen tausend — und tausend antworten, aber ganz verschieden. — „I. von i oo keine Frucht schaft, so müssen wir mit Betrübniß schließen, daß er von diesen 80. oder 62. andern, nicht mit Vor» bereitung, Andacht, Aufmerksamkeit, Nachdenken , Anwendung besucht worden ist. Und «den dieß ist die traurige Klage mancher rechtschaf- nen Lehrer — ja traurig genug ! zum wenigsten so traurig , als wenn ein Akermann hingeht auf feinen Aker früh und spät, und schwijt und friert, hungert und durstet, wenn er sein Feld pflüget und besäet — und der Saamen fällt auf Felsen- boden und erstikt, oder an Weg und wird theils von den Vögeln aufgefressen, theils vorn Wandrer zertretten, oder unter die Dorne, geht auf und verbrennt, oder auf guten Grund und schieß; auf und gewinnt Halmen und Aehren — dann kömmt das Hagelwetter und schlägt alles darr,je, der und er hat — ach! — umsonst gearbeitet. — Das Lezte das Schmerzlichste! — doch er ist nicht Schuld! — Er säete redlich aufdm Boden, wie er ihn antraf. — Doch bittet er GOtt um beßre Zeiten. — So wollen wir's auch machen , Christenbrüder! wollen GOtt um beßre Zeiten oder vielmehr um beßre Menschen bitten, und selbst daran jeder für sich darauf arbeiten, daß wirs werden, und den öffentlichen Gottesdienst auf ob- deschriebne rechte Weise besuchen. N lk« Entschuldigungen derer die sich vom Gotteedienst äußern. 194 Gottesdienst. Es giebt gewisse Leute (ich kenne selbst solche) die sich vom Gottesdienste äuffem. Sey nun die Ursache welche sie will — ich masse mirs nicht an, irgend einen durch meine Schrift dazu bereden zu können, so wenig als ich mich darüber betrüben oder gramen möchte, wenn zween, drey sich davon entäusserten. (*) Zwingen möcht ich keinen, wenn ichs auch könnte; gezwungner Eid ist GGtt leid ! sagt das Sprüchwort, und auch gezwungner Gottesdienst kann GOtt nicht lieb seyn. Wer den Nuzen nicht zu bedürfen glaubt, oder ihn nicht will, oder nicht im Stand ist ohne sich zu versündigen in die Kirche zugehen, oder sich selbst dessen nicht würdig achtet, oder gern durch Aergernissen und Besonderheiten Aufseht, machen will, da er's durch etwas Gutes oder Löbliches nicht kann, der mache es — auf seine Rechnung! — Zwey Mittel bleiben übrig, die ich allein gebrauchen würde — Viedeu und Schweigen! — und alles andre GOtt anheim stellen.-— (^) Aber ( *) Im Gegentheil wünscht ich oft in einer Kirche, daß einige um das Maaß ihrer Sünden nicht noch da zu vergrössern wegbleiben möchten. ( »») Dem schäzbaren und gewissenhaften Prediger in R"* ward letzthin geklagt , daß ein gewisser Gemeindsge« noß sich über das Fest vom heil. Abendmahl geäußert habe. Er sagte nichts weiterS und dieß kaltblütig, als: „ §S scheint er hab- sich des heil. MalcS nicht »würdig gefunden , da ist'S ra besser, er sey wegge« »bleiben i"- Gottesdienst. 195 Aber Doch möcht' ich ( wo möglich zur Belehrung des einen und andern) einige Gründe anführen mid beantworten , womit mar gemeiniglich , die Entfernung vom GottesdiensC zu entschuldigen sucht: Das Rirchengehen ist eine bloße Ceremonie. Heist das Ceremonie, was GOtt befohlen und was ZEsus und seine Apostel mit ih-em eignen Beyspiele bestätigt haben, die doch ftnst alle unnvthige Ceremonien abschaffen? — Man lernt in der Mircbe nichts neues. Freylich nichts das man nicht wissen könnie,wenn man wollte Aber darrst du sagen, du wissest alles, w^s GOttes Wort dir befihlt? (ziemlich stolz, wenn du'S sagst und recht girr wenn du'ö weißst! ) Aber gesezt auch du wissest clles — lebst du darnach? so weißst du auch Saß die Schrift sagt : 7, Wer aus GOtt ist dcr hört „ GOttes Wort! Laßt uns die Versammlungen „ nicht verlassen!" — Und wenn ich eine Sache weiß, und noch so wol weiß, so hör' ich sie doch gerne wiederholten, weil ich bey jeder Wieder- hollung derselben fester Sarinn werde. Leb denke JEsus wußt' alles wol besser als die jüdischen Gesezlehrer, und doch besuchte er die Versammlung? Muß man lange rathen warum? - Uedri- gens rst's gewiß: „ Unser Mffm ist Srnkwerk; N 2 „Wachset i§6 Gottesdienst. „ Wachset in der Erkenntniß GOttes und JEsu »Christi." Die Erbauung wird unter so vielen Menschen, die oft unandachn'g sind — gestört ; man wird in der Lärche zerstreut und geärgert. — GOtt will dir nicht zurechnen, was andre thun. Warum läßt du dich stören ? warum lässt du dich ärgern und zerstreuen? warum siehst du auf andre? Ware nicht schön, wenn du eben durch deine Andacht andern ein ermunterndes Beyspiel gäbest ? Wie mag's wol in den jüdischen Versammlungen zugegangen seyn, die JEsus besuchte und seine Apostel? Sie kannten den geringen Werth und etwannigen Verfall derselben, und doch besuchten sie dieselben, und besserten vielleicht manchen durch ihr Beyspiel, und das schon hatte seinen grossen Nuzen. — Wenn du doch so andächtig und fromm bist , jst's lieblos und unbarmherzig gegen deinen Nächsten gehandelt, wenn du nicht dein Licht vor ihm leuchten lassest und durch dein Beyspiel ihn zu bessern suchst. — Sünder und gottlose Menschen kommen auch in die Rieche. Bist du etwa kein Sünder? Bist du fromm, so danke GOtt, und bitte daß er die Gottlosen bekehre. JEsus war oft mit Sündern und gottlosen Menschen an einem Tische — er aß jv gar in Gesellschaft der Gottlosesten Gottesdienst. 197 losesten das Abendmal. — Was ausser dem Menschen ist, das mag ihn nicht verunreinigen? Wer durch die Gesellschaft, durch das Sizen neben einem Gottlosen sich zu verunreinigen glaubt, ist — Pharisäerart. — Ich kann zu Hause auch betten, u.sf. Aber gewiß nicht mit der Andacht, wie wenn du mit andern gemeinschaftlich bettest. Du kannst in einem erbaulichen Buche lesen — aber das heist dann nicht in der Gemeine GOttes Work hören. — Der Gottesdienst ist schlecht bestellt! — Ist das Stolz oder nichtige Ausflucht ? Beydes zugleich. Siehe zuerst ob du's besser, schiklicher einrichten könntest. Magst du den Prediger vielleicht nicht wol leiden ? — Solls denn GOtt entgelten ? Hat etwa dein Lehrer einen unangenehmen Vortrag? Einfältig, wenn dir bey Anhören einer Predigt, die erste Frag ist: wie und nicht was predigt er? Immer wird er GOttes Work predigen , immer wo nicht dir allein, doch allen insgemein etwas sagen, das euch wolkömmt, wenn ihr's thut. — Und gesezt auch du hättest Ursache das ein und andre zu tadeln — so frage dich ob es vor GOtt und deinem Gewissen recht ist, daß du GOtt um deswillen eine schuldige Pflicht versagest? — 198 Gottesfurcht. Alles elende Ausflüchte - ihr Grund -- Einfalt oder Bosheit, Liebe zum Sonderbaren oder geistlichen Stolz, Hartnäckigkeit vderTroz? Eins von diesen !- Gottesfurcht. ««-ist. '4 ie Gottesfurcbt ist das , was wir sonst Ehrfurcht gegen GOtt nennen, eine solche Emvfin- > ^ iq ul.d Ueberzeugung von der Grösse und Hooeit G Otres welche macht, daß uns der Gedanke an GOtt der ernsthafteste und ehrwürdigste umer allen wird, daß wir uns vor ihm scheuhen Böses zu thun, und die uns antreibt unser ganzes Leben und alle unsre Handlungen nach seinem Willen und Wolgefallen einzurichten. Jkire Leos. Die Gottesfurcht muß sich also in unsren seumgei,. Gesinnungen, Grundsätzen und Empfindungen , bev der aussern Gvttesverchrung, in unserm ganzen Leben und in allen unsern Handlungen aussern, wenn sie rechter Art seyn soll. — Pewi>§§rüin Die Beweggründe, welche uns zur Aus- de dazu. Übung der Gottesfurcht antreiben sollen sind hauptsächlich — die Eigenschaften GOttes, seine Hoheit und Majestät, seine Allmacht und Gerechtigkeit — sein eigner Befehl dazu 5. Mos. x. 20. „Du sollst den HErrn deinen GOtt fürchten!" Ps. XXXIII. 8. „ Alle Welt fü'chtet sich vor dem >, HErrn." i Petri II. r 7. .. Fürchtet GOtt ! " - Die Gottesfurcht. 199 Die Vortreflichkeit der Gottesfurcht selbst und ihr mauigfaltiger Nuze / ihr Segen für ^ und Ewigkeit — Die Erempel der Gortesfür tigen — GOttes strenges Gericht über die welc ihn nicht fürchten, u. s. w. — Dieß sollte uns antreiben uns der Gottes furcht zu befleißen — denn ohne dieselbe ist kein Glük weder für Zeit noch für Ewigkeit zu erwao ten. Die Erfahrung bezeugets ja genugsam daß ohne GOttesfurcht hier schon keine Glükselig- keit seye. — Sehet rechts und links, das Elend, die Plagen, die Verwirrungen, die bösen Händel, das Unglük, den Unsegen, der so viele Menschen trift — wo ist die Ursache zu suchen, als im Mangel der Gottesfurcht? — Und daß es auch für die Ewigkeit, solchen Menschen, welche von der Gottesfurcht entfernt sind, nicht wol gehen werde, sagt uns die Schrift an tausend Orten. Wir wollen nicht klagen über den Mangel i der Gotteefürchrigen in unsern Tagen, wie wir's l mit Recht könnten, vielmehr wollen wir bitten ! GOkt! laß uns deine Furcht regieren, i Das Auge stets auf dich gerichtet seyn! Dieß müsse uns zur Weisheit führen, Und machen daß wir stets das Böse scheuh'n; Ja wol dem, der dich kindlich scheuht! Dich fürchten HErr! ist Seligkeit. — Gottes- 2OO Gotteslästerung. Was ist sie. Gotteslästerung ist dasjenige Laster, da man wider GOtt und die Religion auf eine frevelhafte und vermeßne Weise schimpflich denkt, «chjnd- redt, schreibt oder handelt. Diese abscheuliche lichkett. Sünde ist im dritten Geborte ernstlich verbvtten und ward von GOtt ernstlich bestraft. — Sie Quellen, entspringt entweder aus unbesonnenem Leichtsinne, oder aus wirklicher Absicht und entschloßner Bos- Behandlung heit. Menschen die sich dessen schuldig machen muß her Götter- man zu belehren oder zu bessern suchen und wenn lästern, sie sich nicht bessern lassen wollen, als schädliche Glieder der menschlichen Gesellschaft, der Obrigkeit anzeigen, welche dann wol thun würde, sie entweder ernstlich zu bestrafen, oder zu entfernen! Gottlose. Gottlosigkeit. W-e sind Gottlose sind, die ohne GOtt in der Welt Gottlose r Kben, die vorsezlich und muthwillig wider GOttes Gebotte sündigen, ein böses lasterhaftes Leben führen. — Was istsott. Gottlosigkeit ist der Jnnbegriff aller Sün- losigkeit r den und Laster, die wider GOttes Gebotte begangen werden. — Sie Güte (GOttes.) 2Qr Sie ist von GOtt ernstlich verbotten; er bezeugt darüber sein ernstliches Mißfallen, und sezt auf dieselbe zeitliche und ewige Strafe. Dieß sind die vornemsten Beweggründe sie zu meiden. Bmeggrün. ( Sehet Sünde. Sünder. ) beiden" Gottseligkeit. Sehet Frommkeit. Güte ( GOttes.) Güte GOttes ist diejenige Eigenschaft Was is sie? GOttes, vermittelst deren er an und für sich selbst gut ist und allen seinen Geschöpfen Gutes erweiset. — Sie ist unendlich groß, und zeigt sich Wie sie sich in der Schöpfung, Erhaltung und Regierung puffert, aller Dingen, in der weisen Leitung unsrer Schik- sale, in der Sendung seines Sohns, mallen Gutthaten die er uns erweiset, sogar seine Züchtigungen sind Beweise seiner Güte— Wir können keinen Athemzug thun, unsern Blik nicht aufheben, daß wir nicht von der Güte GOttes überzeuget werden müssen. Daß wir sind, ist GOttes Güte. Alles in uns, um uns, ausser uns, ruft uns immer zu: GOtt ist gut — und diese Güte ist allgemein und erweist sich gegen Fromme und Gottlose, gegen Dankbare und Undankbare — und hört nie auf, so lange GOtt ist und GOtt ist ewig. P «licht. Sie haLcn keineil wah« ren Wertb. Sie sind schädlich. 202 Güter (irrdische, zeitliche) „ Die Erde ist voll, der Güte des HErrn , „seine Güte reichet so weit der Himmel ist, und „ währet ewiglich. — Ich denke, darf es keinem vernünftigen, nachdenkenden Menschen erst beweisen, daß GOtt gütig ist, aber jeden darf ich doch der Pflicht erinnern , die GOtteß Güte von uns erfordert, der Pflicht nemlich, dieselbe recht zuerkennen und seine Erkenntlichkeit dafür durch Liebe und Gehörsinn gegen ihn an den Tag zu legen, da wir ausser Stand sind, dieselbe zu vergelten. — Güter. (irrdische, zeitliche) -xHrrdische, zeitliche Güter, Vermögen, Reichthum , Ehre, Macht u. s. f. werden oft von den Menschen für etwas sehr grosses und köstliches angesehen, allein sie haben keinen wahren Werth. Denn sie sind unbeständig und vergänglich , mit der Erwerbung derselben ist grosse Müh und Sorge verbunden, im Besiz derselben ist man vielen Versuchungen ansgesezt; sie sind dem Menschen der sie besizt sehr gefährlich und sehr oft recht schädlich. Sie hindern den Menschen an Erstattung seiner Pflichten gegen GOtt und den Nächsten, sie stören seine Ruhe, sie verleiten ihn zum Geiz und zur Ungerechtigkeit, oder zur Verschwendung und Ueppigkeit, und stürzen ihn zulezt, wenn sie ihm entrissen werden in Verzweiflung. — Güter (indische, zeitliche) 22 z Sie sind freylich zur Erhaltung des Lebens nothwendig, und dem Menschen zur Freude und rechten Gebrauch von GOtt gegeben. Aber unter Hunderten die sie besizen, wissen sie kaum Zehen recht zu gebrauchen, sondern sie mißbrauchen dieselben vielmehr, und dieß geschieht, wenn man nicht denkt, woher sie kommen, wenn man sich freye Gewalt über dieselben anmasset, da man doch nicht Herr, nur Verwalter derselben ist, wenn man allzusehr sein Herz an dieselben hängt, daß man das Ewige darüber vergißt, und nur sie zum Gegenstand aller seiner Bemühungen und Sorgen macht, wenn man darauf stolz ist, wenn man endlich sich um derselben willen alles erlaubt, und sie uns für sich und nicht zum Besten andrer anwendet. — Um sie recht zu gebrauchen dient die Beobachtung folgender Regeln: Bey Erwerbung derselben sey gottesfürchtig, fieissig und zufrieden. Beym Besiz derselben sey vorsichtig ! Bedenke ihre Vergänglichkeit,ihre Gefahr, rc. Siehe sie nie als dein Eigenthum an! Sey nicht stolz darauf! Bedenke vo^wem du sie hast und wem du Rechenschaft ablegen mußst. Rechter Gebrauch Arbeite 2O4 Güter (indische, zeitliche) Arbeite nichts desto weniger! Erlaube dir nichts desto mehr! Mache dir damit die Menschen zu Freunden, das heist, thu ihnen Gutes- Wen GOtt mit indischen Gütern gesegnet hat, dem möcht' ich folgende Reimen, zum täglichen Betten empfehlen: AErr! lehr mich doch gewissenhaft Mein zeitlich Gut verwalten! Gieb mir doch Weisheit, gieb mir Kraft Damit so hauszuhalten Wie es mir nüzt und dir gefällt . Damit ich nicht in jener Welt An ew'gen Gütern darbet Was hülfe mir die ganze Welk Mit allen ihren Schäzen; Verleitete mich Gut und Gelt, Sorglos hintanzusezen Was meiner Seelen Heil begehre. Und mir ein ewig Glük gewährt ? Wie strafbar würd' ich handeln! Mein größtes Trachten sey allhzer Nach deines Geistes Gaben ! Wie reich bin ich, v GOtt in dir. Wenn ich nur die kann haben ! Hab' Güter (indische, zeitliche) 205 Hab ich nur, Höchster! deine Huld, Bin ich voll Gkuben und Geduld, Was fehlt dem meiner Seele ? Den Geiz laß f-rne von mir seyn Die Wurzel alles Bösen! Von Unruh und Gewissenspein Kann Rerchrbum nicht erlösen. Er hilft in Todesängsten nichts, Und nichts am Tage des Gerichts, Da schäzt er keinen Sünder. Laß mich in weiser Sparsamkeit Die Güter nie verschwenden, Die du mir gabst in dieser Zeit, Sie nüzlich anzuwenden ! Gieb mir nur Klugheit, daß ich hier Dadurch dem Nächsten, so wie mir. Des Lebens Müh erleichtre! Es kömmt der Tag der Rechenschaft, Den laß mich stets bedenken, Und mein Gemüth gewissenhaft Zur heilgen Sorgfalt lenken. Also die Güter dieser Zeit Zu nüzen, daß ich einst erfreut Noch Segen davon erndte! Gutes. Gutes. Was ist ^)ures ist überhaupt alles was unsern Zustand d vervollkommnet. Besonders helsl das Gutes, was mit dem Geseze GOttes übereinkommt, dieß Gutes thun. ausüben, heist Gutes rhun. Pflicht dM. Dazu verbindet uns der Befehl GOttes und JEsu an verschiednen Ortender H. Schuft, sein Wolgefallen am Guten, die Erinnerung an die zukünftige Welt, wo auch das geringste Gute reichlich belohnt, hingegen die Unte lassung desselben bestraft werden und den Verlust der Seligkeit nach sich ziehen wird. Regeln Gutes Die Regeln zum Gmesrbun , und die zu thun : Mittel wodurch wir uns dasselbe erleichtern können , sind hauptsächlich folgende: Man handle immer mit Ueberlegung! Man fasse gute Vorsäze und bestärke sich in denselben durch Gebe« ; Man prüfe täglich seine Handlungen! Man suche die Gelegenheit Gutes zu thun, und ergreife jede dargebottne Gelegenheit! Mün schiebe das Gute nicht auf! Sollst du das Gute wol verschieben ? Nein! deine Zelt es auszuüben Ist kurz und sie verfliegt geschwind! Man ZaA. 207 Man thue also las Gute bald und gern! Man thue eS mirZieiß und Treue, beständig r Man thue es ncht aus Eigennu;! und Man verlange licht auf der Stelle Belohnung dafür, sondern erwarte der Zeit der Gna- denvergeltung! Wer auf diese Weise Gutes thut und sich täglich darinn übet, dem wird sie nicht fehlen. „ Wer Gutes säet wird Gutes erndren! „ Laßt uns nicht müde werden Gutes zu ,, thun!" >. „ wer da weiß Gures zu thun und thut »es nicht dem ists Sünde! " Gutthaten. S. wohlthaten. Gutthätigkeit. S. Wohlthätigkeit. Haß. ^aß ist eine sinke Abneigung gegen eine Person N.« j, „! oder Sache, krüft deren man die Vereinigung mit derselben Met. Dieß Dewr-qrün- öe ihn zu meiden. Wo« ist heilig? 208 Heiligung. Dieß Laster muß von den Menschen verabscheuet werden. Man soll niemand hassen, auch den ärgsten Feind nicht. s S. Feind. ^ Es ist von GQtt verbotten, der die Liebe selbst ist, und ist auch besonders un: seiner schändlichen und schädlichen Folgen willen verabscheuhungöwürdig. Denn Haß ist die Quelle , woraus die schrek- lichsten Handlungen, sogar Mordthaten entstehen können. Wer ein Herz voll Hasses hat, kann GQtt nicht lieben, kaun kein rechter Christ seyn; wer seinen Nächsten hasset ist einem Todschläger gleich und wir wissen, daß ein solcher das ewige Leben nicht hat in ihm bleibend, daß er weder Anspruch noch Hofnung auf Seligkeit hat. — Nur das Böse sollen wir hassen und ver- abscheuhn, nach dem Beyspiel GOttes — nur was er hasset, das dürfen auch wir hassen, und sollen es um seinetwillen. Häuslichkeit. S. Sparsamkeit. Heiland. S. IEsus. Heilig. Heiligkeit. Heiligung. Ä)as von aller Unrernrgkeit abgesondert, oder einer gewissen Person oder Sache eigen ist, nennt man heilig. Heiligung. 22- Heilig, wen» es von Menschen gebraucht wird, heist, von aller Ungerechtigkeit und Gottlosigkeit, von allem, was ihn verunreinigen kann abgesondert, und allein GOtt und dem Guten ergeben und gewiedmel. — (S. Fromme. ^ GOrr ist heilig heist er kann nie etwas Heiligkeit anders thun, als was gut und fernen grossen GOtte«. Vollkommenheiten seiner Weisheit, Güte, Gerechtigkeit gemäß ist. — Heiligkeit der Menschen ist entweder die Heiligkeit innere Ergebung an GOtt und der Vorsaz ikmierMensche«, alle seine Kräfte zu wiedmen und sein ganzes Leben nach seinem Willen einzurichten; oder die äußerliche Wirkung dieses Vorfazes, ein tugendhaftes Leben. — Ohne dieses macht ein Mensch »ergebnes auf die Heiligkeit Anspruch. Die Heiligung ist das Bestreben nach der Heiligung. Heiligkeit. GOtt wirkt die Heiligung in den Menschen, und er macht sie zu einer Bedingung, ohne welche sein Wolgefallm nicht, seine Seligkeit nicht erlangt werden kann. Darum ist die Heiligung die Pflicht eines jeden Menschen, wodurch ^ besonders durch Gebest und Aufmerksamkeit auf seine Handlungen geschickt werden kann. Q Jaget Lis Heuchele^. Zeuchlee. »Jaget nach der Heiligung! Ohne Heiligung wird niemand den HErrn sehen!" Die Heiligung erfordert Müh, Du wirkst sie nicht, Givtt wirket sie. Du aber ringe stets nach ihr, Als wäre sie ein Werk von dir! HErr. Sehet GOtL. IEsirs. Heircheley. Heuchler. Das rs ^eucheley ist dasjenige Laster, da man die Heuchelcy r Lasterhaftigkeit unter dem Schein der Tugend und Religion verbirgt. Wer äusserlich fromm und tugendhaft scheint und inwendig böse und lasterhaft ist, der ist ein Heuchler. «knnzkichrn Die Kennzeichen der Heuchler sind Häupter Heuchler-sächlich diese: Viel Redens von Religion und Tugend, und wenig Thuns. Saure oder andächtelnde Miene, Stellung und Betragen, pünktliche Genauigkeit in Beobachtung äußerlicher Gebräuche —-Nachlässigkeit im Wesen derselben. Viel Seufzen über den Verfall des Christenthums und der Menschheit — und keine B<- rvMng sie zu bessern. Heucheley. Heuchler. 211 Viel Aufsehen machens und Scheins, wenig wesentliches, nur Ruhmsucht/ Stolz und Eitelkeit.— Viel Eifer für GOtt und Tugend — unter dem Schein desselben Ausübung der größten Schandthaten. -- Pünktliche Beobachtung des Rleinen — Vernachlässigung des Grossen. — Aengstliche Gewissenhaftigkeit im Minder, wichtigen — unverantwortliche Gewtssenlosig, keit im Allerwichtrgsten. — Aeusserlicher Schein der Heiligkeit — innere Beherbergung der niederträchtigsten Gesinnungen und Absichten. — Strenge Beurtheilung und Verdammung andrer — selbstgefällige, gute, gelmde Beurtheilung und Seligpreisung seiner selbst. — Heruntersezung und Verachtung andrer — Hervorziehung und Hochschäzung siiner selbst. — Math. VI. XXIII. Luc. XI. Die Heuchelet- ist sehr schändlich, sie ist GchSndlick. die größte Gewissenlosigkeit / ein Betrug , eine kett der förmliche Verspottung der Religion, eine Lüste- Hechele-, rung GOttes , der sie so oft verbotten hat. — Sie lst schädlich. Sie nimmt allen gottesdienst, liehen Handlungen ihren Werth / sie verhärtet das Gewissen/ sie verführt andre/ sie macht den O 2 Menschen Li2 Himmel. Menschen vor GOlt zum Gmel, ist ein Jnnbe- griff aller Laster , beraubt den Menschen alles zeitlichen Segens, stürzt ihn hier schon in Schande und Unglük und wird dort mit Verdammmß gestraft. — »Dre Hofnung der Heuchler wird verloren seyn! Weh ihnen!" „Weichetvon „mir, wird ihnen JEsus einst „ichhabe » euch nie gekannt!" — Ich denke dieß sötte uns anreizen, alle Heuchelet) ernstlich zu meiden , und uns davor zu bewahren, welches am beßten geschehn kann wenn wir uns angewöhnen, unsre auffern Handlungen mit den innern Gesinnungen sorgfältig zu vergleichen , und zu sehen ob unsre Frömmigkeit rechtschaffen genug ist und ob uns Demuth und Liebe GOttes und des Nächsten dabey leitet. — Himmel. «a< ist bei ^^er Himmel ist der Ort wo GOtt seine VolL-- Himmer? kommenheiten und seine Majestät in der größten Herrlichkeit geoffenbäret, und wo einst die aufcr- wekten Frommen bey ihm in höchster Freude und Seiigkeit wohnen werden» Wo dieser Himmel sey, ob über uns oder unter uns, wie groß und herrlich er sey, das können wir nicht wissen. Himmel Z»Lmne!fahrt (ICfu.) 21z Himmeil Hessen wir sonst auch die grosse Wölbung über uis, die Ausdehnung, das Firmament , der Lrftraum, worinn die Wolken schweben, den Lsst - Himmel, — Himmel tvbd auch für die Seligkeit des Himmels , oder für GOtt selbst gesezr. — Sehet Seligkeit. — Himmklfarth (JEsu.) Zum Andenken an die Himmelfahrt JEsu wird unter uns Christen, ein besondrer Festtag gefeyert, Den man das Aussarrthsfest heißt. Die Himmelfarth JEsu war diejenige M« ist fit r Begebenheit, da er am Hosten Tag nach seiner Auferstehung, wahrhaftig mit seinem Leibe, von einer Wolke in den Himmel aufgenommen ward. Die Geschichte derselben erzählt uns Matthäus XX vm. Mare. XVI. Luc. XXIV. und Apostel. Gesch. I. — Sie ist gewiß geschehen , da sie auf dem Gewißheit. Augen Zeugnisse der Apostel und ihrem Bekenntnisse vor alter Welt beruhet. Sie hatte die herrlichsten Lolgm und'Nuz-N^barkertm. barkeicm. IEsus 214 Himmelfahrt (IEsu) JEstts ward dadurch für seine Leiden be- lohnt, auf ewig erhöhet, in die Regierung seines Reichs eingesczt, die Vollkommenheit seiner Erlösung ward dadurch wie seine GOttheit bestätiget. — Die Apostel wurden durch dieselbe der Erleuchtung, des verheißnen Geistes theilhaftig, von ihren Vorurtheilen zurükgeführt, im Glauben an ihn als den erhöhten HErrn und Christus gestärkt, und in ihrer Standhaftigkeit befestnet, ihn als solchen Juden und Heiden zu verkündigen. Die ganze Christenheit war überzeugt von der Macht und Hoheit ihres HErrn, von seiner Sorgfalt für seine Kirche, von der künftigen Auferstehung und Seligkeit. — Mcht. Es ist also dießfalls unsre Pflicht, JEsum als unsern HErrn zu erkennen und ihm zu gehorsamen, ihm zu glauben, uns zu freuen, daß er uns eine Wohnung im Himmel bereitet hat, zu trachten nach dem das droben ist, und so zu leben, daß wir einst zu ihm in den Himmel aufgenommen werden mögen. — Hochmuth. Sehet Stolz. Hölle. Hölle. Ä^an macht sich gewöhnlich von der Hölle ss verkehrte Begriffe, daß es kein Wunder ist, wenn die Phantasie daran mehr Theil nimmt, als das Herz, wenn diese Vorstellungen entweder gar keine oder verkehrte Eindrüke auf die Menschen machen, oder sie am Ende gar auf Zweifel und Unglauben leitet.— Was ist die Hölle? Kein Gemählde der Was i-fle Phantasie müßt ihr also da abwarten. Ich kenne alle die morgenländischen Ausdrüke — Feuer — Gchwefelgefuhl — Heulen — Zähnklapfen. Wurm der nicht stirbt — und glaube daß es Bilder sind — die den allgemeinen Gedanken schmerzhafter und langwieriger Empfindungen andeuten, aber dabey die Art und Weise der Sache keineswegs entscheiden. — Wenn man die bilder- losen, eigentlichen Ausdrüke der Schrift zusammen nimmt, und damit die Begriffe von Sünde und Laster verbindet, so heisc Hölle der natürliche Zustand ( denn GOtt ist kein Folterer) einer, an einem uns unbekannten Ort, beysamen lebender Menge lasterhafter Unsterblicher, wodurch ihre Sünden bestraft werden. — Daß es einen solchen Zustand gebe, beweisen viele Schriftstellen so deutlich, daß man keinen Augenblick daran zweifeln kann. — Worinn die Qual der Hölle eiaent- Was ist ste Sie ist Sünde. 216 Solle. eigentlich bestehe. S. Verdammte. Hölle be- deutet auch sonst 'Tod und Grab, Angst und Gefahr. — Um der Hölle zu entgehen, muß man rechtschaffen leben — und bey allen seinen Handlungen gedenken, daß sie ihren Richter finden und von demselben entweder belohnt oder gestraft werden sollen. — HofttUNg. Sehet Vertrauen. Hmerey. Sehet auch Unkeuschheit. Unzucht. r^urerey ist überhaupt jede Art von Unreinrgkeit, besonders aber wird die fleischliche Vermischung zwoer lediger Personen von ungleichem Geschlechts so genennt. — Dieß Laster ist eine grosse Sünde. Denn GOtt verbietet es, und wird es ernstlich strafen. Der Mensch welcher also ihm ergeben ist, versündigt sich an GOtt, er versündigt sich aber auch am Nächsten, er ärgert und verführt ihn, er bricht die Geseze der Obrigkeit, und beleidigt das gemeine Wesen , und an sich selbst, er verunreinigt sich, er macht sich vor der ganzen ehrbaren Welt verächtlich ^ schlägt seine Ehre in den Wind, und bringt sich um Seele und Seligkeit. Eben Hurere^. 217 Eben dich ist also dem Menschen schon in ni- ist dieser Welt böchst schädlich. — Er fezt sich der schädlich ? Strafe der Obrigkeit aus , der Schande vor aller ehrbaren Welt, er verhindert sein eigen Glück, die Ruhe seines Gewissens; er schwächt seine Leibs und Verstandskräfte; er ladt die Flüche und Verwünschungen vieler Personen auf sich, er macht andre unschuldige Geschöpfe un- glüklich. Von den schändlichen und fürchterlichen Krankheiten red ich nicht einmal, welche solche Menschen zum Lohn ihrer Sünde oft erhalten können. — aber noch weit mehr macht sich ein solcher Mensch in jener Welt unglüklich. Im alten Testamente ward die Hurerey mit dem Tode bestraft. Im neuen Testamente — ich verweise euch Leser, auf folgende Stellen i Cor. VI. 18. „ Eine jede Sünde, die ein Mensch thun mag / „ ist aussen dem Leib, wer aber huret, der sün- „ diget wiöer sein eigen Leib." Ephes. V. 5. „Kein Hurer oder Unreiner hat Erbe an dem » Reiche GOttes." Hebr. XIII.4. »Hurerund „ Ehbrecher wird GOtt richten." Sind das etwa leere Drohungen ? Nein gewiß die Hurer werden das Reich GOttes nicht ererben, sie wird GOtt richten. — Und mich wundert, warum dieß Laster von so vielen, vielen Menschen so gering geachtet wird, warum mancher Hurer und manche Hure sich ihrer Fehltritte nicht einmal schämt, oft gar noch sich damit groß macht, und für einen Ehren» Menschen will gehalten seyn, dessen nicht zu gedenken 218 Aurerey. denken was heimlich geschieht, warum solche die dieses Lasters überwiesen sind, oft noch geehrt, geliebt, hervorgezogen werden. — Nun! GOtt sey Richter! — Eben läse ich in einer Predigt den Grundsaz. Je nachlässiger die „ Menschen werden diese Sünde zu achten und „ zu bestrafen, desto zorniger wird GOrr dar- „ über; und Sünden die hier nichts geachtet ,» werden , werden in der Ewigkeit desto härter „ bestraft! "- Quellen der. Welches sind aber die Hauptquellen dieses selbe» ? Lasters, unstreitig ; Unwissenheit junger Leute im Christenthums — schlechte Kinderzucht — Müssiggang — böse Gesellschaft — Lesen schlüpfriger Schriften — Unmässigkeit — allzufreyer Umgang mit Personen des andern Geschlechts — böse Beyspiele — Geringschäzung dieses Lasters, ausbleibende oder doch sehr gelinde Bestrafung desselben. — Mittel ba- wicder r, Die Mittel diesem Laster Schranken zu sezen, sind hauptsächlich diese: Von Seiten der Obrigkeit — ein wachsames Auge auf diese Art Lasterhafte, Bestrafung und öffentliche Beschämung derselben — von Seiten der Eltern — Aufmerksamkeit auf das Reden und Thun, auf die Gesellschaft ihrer Kinder — Auferstehung zur Gottesfurcht — Warnung — Bestraffung — gutes Beyspiel. Von Seiten der Lehrer — Aufmerksamkeit Zurerey. 21- merksamkeit auf die Jugend — Strafen, Vermahnen , es sey zur rechten Zeit oder zur Unzeit — Vorstellungen dieses Lasters von der schändlichsten und schädlichsten Seite — von Seiten der Jugend selbst — Andenken an GOttes Mge- genwart, die Vorstellung daß nicht bloß menschliche Gcseze dieß Laster, sondern daß es die göttlichen zuerst verbieten / daß nicht nur menschliche Richter es jlrafen — sonder daß es GDrc strafen wird, wenn es der Welt unbekannt und vor derselben ungestraft oder ungeahndet bleiben sollte — Andenken also an die Schändlichkeit und Schädlichkeit dieses Lasters und der Folgen derselben — Gebett — Massigkeit — Arbeitsamkeit — Vermeidung böser Gesellschaft — behutsamer Umgang mit Personen des andern Geschlechts — Bestreitung seiner Lüste — und Vermeidung alles dessen was dazu Anlaas geben kann. - Ich weiß nicht ob ich über dieß Modelaster unsrer Zeiten mehr sagen soll ? — Man hört es r>ich< gerne, wenn man auf einen solchen Punkt zu reden kömmt, wovon man lieber hätte, daß geschwiegen würde. — Möchte vielleicht auch der ein und andre das Buch weg legen oder sprechen. ,, Gehe für bießmal hin ! " — Und sich auf die andre Seite kehren. — Und hier — und mit so schwachem und wenigem was ich sagen kann, darf ich auch nicht hoffen rm Ganzen zu bessern. GOtt 220 Hurerey. GOtt beßre! Und jeder rechtschafne Regent, und jeder rechtschafne Vater, jede rechtschafne Mutter bessere! Und jeder christliche Lehrer und jeder gute Hausvacer bessere, und jeder Jüngling, jede Tochter bessere! O wenn diese alle gemeine Sache machen würden, wie bald würde geholfen seyn. — Mein Wunsch zu GOlt— » Schreibe ihnen, daß sie sich derHurerey enk- „ halten ! — Fliehet die Hurerey ! Wer huret der „sündiget wider seinen eignen Leib lHurerey werde „unter euch nicht nur genennet! das ist der Wille „GOtKs, daß ihr euch der Hurerey enthaltet! — „ Mit dem Hurer sollt du nicht essen, keinen ver- „ traulichen Umgang haben! Hurerund Ehbrecher „werden das Reich GOttes nicht ererben , sie „ wird GOtl richten!" So redt die Schrift, so die Apostel des HErrn, so GOtt durch sie ? — Wer glaubt ihren Predigten? — Fürchtet ihr auch GOtt nicht? — Darf ich euch nach den Allsehenden- Allwissenden - Allrichrenden, Allgerechten, und noch — Godoma und Gomorrha nennen? JEsus. Was ist ^HEsus heist ein Seligmacher, ein Heilbringer. ^T,us? Dieser Name deutet besonders den eingeboren Sohn GOttes, den GOre, der einst von Maria zu Bethlehem geboren ward, der als ein grosser Lehrer Lehrer auf Erde im jüdischen Land lebte und eine beßre Religion einführte, die er mit göttlichen Wundern bekräftigte, der endlich von den Zudrn gekreuzigt und getödet ward, aber wieder auferstand und in Himmel fuhr. Vier heilige Männer glaubwürdige Augen-undOhrenzeugen von seinen Lehren und Thaten beschreiben uns seine Lebens, Geschichte in gewissen Büchern, die vier Evangelien heissen» — JEsus heist sonst auch Christus, Messias, Ein Gesalbter, weil er von GOlt zum Prophet, zum Lehrer und HErrn der Menschen geweyht ward. Es war der im alten Testament verheißne Messias, der ein beßres Reich auf Erden ausi- h, ten sollte, und der es durch seine Lehre wirklich aufrichtete» Er ist der Sohn (öDeres GOtt über alles gebenedeyet in Ewigkeit, ein GOtt in Menschen- Gestalt. Sein Leben, seine Lehre und Thaten lassen uns daran im geringsten nicht Zweifeln. Er ist der Erlöser der Menschen« -—> Auch dieß zeigt uns seine Lehre und besonders seine eigne Versicherungen , vom Endzwek seiner Zukunft und seines Leidens auf die unläugbarste Weise. — Als solcher ist er also der Grund unsrer Seligkeit. In keinem andern ist daL Heil zu suchen oder zu finden. Kurz er ist — GOttes L22 IEsirs. GOttes Sohn, unser Erlöser, unser Helfer fezt noch, unser Fürbitter bey GOtt, der Stifter unsrer Religion, der würdige Gegenstand unsers Glaubens, unsrer Liebe und Anbettung, das Muster unsers Lebens und der Erwerber unsrer Seligkeit — So stell ich mir ZEsum vor -7 als solcher verdient er meine ganze Hochachtung und Anbettung, meine ganze Liebe, meinen kind, lichsten Gehorsam, mein unumschränktestes Zutrauen — als solcher ist er die Quelle aller memer Beruhigung und Hvfnung, alles meines Glüks für Zeit und Ewigkeit. Und so will er angesehen seyn. Mag der Unglaube und die Zweifelsucht in unsern erleuchteten Zeiten ihn mit andern Augen ansehen, mag sie lachen über den Glauben und den Glaubenden an den armen Nazarener — es wird einst ein Tag seyn, wo es sich zeigen wird, ob es besser war, zu glauben oder zu zweifeln, anzunehmen oder zuv-rwerfen, festzuhalten oder zuverspotten ? Nimm dem Christen seinen Christus, so ist er nichts ; gieb ihm sonst alles und er hat nichts! und ihn licht. O wenn er eine Sittenlehr: gepredigt hätte die dem Menschen alles erlaubt httte — 0 wie lieb wär der ZEsus Christus — wer da er den Menschen tugendhaft haben wil, da er seine Begierden einschränkt - will es niemand mit ihm halten. Man haßt ihn um seine strengen Lehre willen. — Unglaube verwerfe—Cpottsucht spotte, Irrende. 22z Einfalt oder S>atanswiH lache — über ihn — wir wollen ihm glauben, leben sterben. — Er sey uns alles in a llem. — »Das ist das ewige Leben, daß man er- „ kenne dich den einigen wahren GOtt und den « du gesandt haft JEsum Christum!" .. Wer den HErrn ICsum Christum nicht „liebhat, der sey ein Fluch! " ,, Wer nicht glaubt wird verdammt werden!" Wenn diese Schriftstellen aus der Bibel weggethan werden könnten? — Irrende. Irrgläubige. Irrthum. ^§in kurzes Wort von dem Verhalten gegen Irrende , ( Irrgläubige) gegen die welche vor?^" ° ' der Wahrheit abweichen , und die wir mit dem Namen Rezer belegen — seys nun daß sie mit ihrem Vorwissen irren, oder daß sie den Irrthum ererbt haben , ihn blindlings annehmen, nicht kennen, keines bessern belehrt werden. Es würde nicht schon lauten, das Betragen zu erzählen, das man sich gegen Irrgläubige ehmals erlaubt hatte, und das man sich vielleicht da und dort noch erlauben mag. Es brachte der 224 Irrende. der Menschlichkeit wenig Ehre, auf die Geschicht jener Zeiten zurük zu gehen , wo Religionskriege, Mord — Beraubung — Unterdrükung Marter, die Mittel waren , wodurch man andre die Irrgläubig waren oder als solche angesehen wurden, ihres Irrthums überzeugen — bestrafen — eines bessern belehren wollte — wo um eines einigen Worts willen, die blutigsten Auftritte entstanden, wo man GOtt einen Dienst zu thun glaubte, wenn man einen Irrenden unter dem Titel Mezer berauben, verfolgen, von Land und Heimach jagen, martern, zum Tvd verurtheilen, enthaupten , verstümmeln, verbrennen konnte. Seit ein paar Jahrhunderten , da die Menschlichkeit doch GOtt Lob ! mit der Vernunft wieder empor zu keimem anfieng, fangt man nun freylich an sich dieser Unmenschlichkeiten zu schämen. Aber doch wüthet im Stillen der Haß gegen Irrende und gegen offenbare Kezer, gegen die so gar welche in minderwichtigen Religionspunkten änderst denken , noch immer fort. Noch immer herrscht der irrige Grundsaz — Irrende — Kezer — änderst denkende — Juden — Papisten — Lutheraner — Reformierte — darf man , soll mau hassen und verfolgen — oder sie doch auf alle mögliche Art beleidigen. Und dieß thut man ffeissig, und dieß thun Leute, die Christen und fromm seyn wollen , und eben um deßwillen gewiß den Namen frommer Christen nicht verdienen. Denn solche Grundsäze sind der sanften fticL, Irrende. 22c friedlichen Lehre JEsu Christi unsers HErm ganz zuwider. Wie viel Irrende, Kezer, Sektierer aller Art, waren zu seiner und seiner Jünger und Apostel Zeiten, aber wo befahlen sie irgend einmal durch Beyspiel oder Lehre, daß man solche fassen, verfolgen, ihnen böses wünschen oder thun, sie verdammen, töden müsse ? Nirgends. — Wenn wir alles zusammen nehmen, was die ganze Schrift dich falls sagt, so ergeben sich folgende Regeln, in derer Befol- Re^ln der gung das rechte christliche Verhalten gegen Irr- Verh>urcns gläubige und Kezer besteht. — -cunäejen Man untersuche mit unpartheyischem Blicke zuerst die Quelle, Grösse, Schädlichkeit oder Unschädlichkeit ihres Irrthums! Man suche sie mit vernünftigen Gründen, auf die geduldigste, liebreichste Weise zur Wahrheit zurük zu führen! Ist dieß nicht möglich so hasse man sie nicht! Man habe Mitleid mit Ihnen ! Man liebe und dulde sie als Brüder ! denn wir müssen ja für das was sie glauben oder nicht glauben nicht Rechenschaft ablegen. Ihren Umgang meide man freylich so viel als möglich, damit mau nicht von ihren Irrthümern angestekt werde! P Indessen 226 Irrende. Indessen bitte man GOtt für ihre Erleuchtung und Bekehrung.— Das heist christliche Duldsamkeit, Toles ranz, die durch GOttes Gnade nach und nach von vielen rechtschafnen Männern wieder ins Leben zmük geruffen wird. Mir bleibt nichts übrig, als der Wunsch aus dem frommen Herzen und der Feder Herrn Diacon Lavaeers : — Du Dulder aller! Gieb den Geist der Lieb' uns, die uns dulden heißt! — Vereinign der Menschenherzen! Was du noch Neb hast, sey uns lieb! — Erweke Fürsten! Bilde Lehrer Voll weiser Menschenfreundlichkeit! Entwafne schonend den Zerstörer, Der lieblos frommer Liebe dräut! Gieb je dem Menschen Angesicht Der Strahlen mehr von deinem Lischt r Wer deinen Namen nennt, der bitte Dich heiß er jeden Tag: „ Es weich' „ Unglaube, Haß! Mit schnellem Schritte Verbreite sich der Liebe ROH! „Und jeder Christusehrer sey „Von jedem Joch und Laster frey!" Daß . Jugend. 227 Daß Ein Hirt nur und Eine Herde Geführt an deiner Liebe Band , Aus allen Gvttesehrern werde, Steht JEsus Christin deiner Hand! Du nur machst alle Nächte hell! Vollend', o Allvollender, schnell!! — Jugend. fugend heissen wir diejenige Zeit unsers Lebens, Was ist die die von dem l 5 Jahr bis ins zo verfließt, von Tugend r der Kindheit bis zum männlichen Alter. Die Jugend sind alle diejenigen, die zwischen 15 oder zo Jahr alt sind und noch ausser dem Ehstand leben. Die pflichten der Jugend sind vornemlich Pflichte« diese: — Jugend. Sie sollen ihre Jugendjahre wol anwenden, sie sollen sich der Gottseligkeit und Tugend befleißen — sich zur Arbeit gewöhnen — GOtt und Menschen Gehorsam erzeigen — mässig seyn, keusch und ehrbar leben und die Lüste der Jugend fliehen, bey allem an den Tag der Rechenschaft gedenken. Pred. Sal. XI. y. Wo sie dieß thun so wird ihr künftiges Haus und Ehestand gesegnet seyn. — Pr Jüngster L28 Jüngster Tag. Sehet Gericht. Keuschheit. Was sie sey. ^^ie Keuschheit ist eine vernünftige Mässigung des Geschlechttriebs, da man sich vor allen wollüstigen Gedanken, -Begierden, Empfindungen, Worten, Geberden und Thaten auf das sorgfältigste hütet. vroHwen. Die Nothwendigkeit der Keuschheit erhell- vigkrit. ^ hauptsächlich daraus. Sie wird als eine vorzügliche Christenpflicht von GOtt befohlen. — Math. V. 8. r Thess.IV. 3-7. Sie ist die Stüze der allgemeinen Wolfahrt. Sie befördert nemlich die weisen Absichten GOttes in Erhaltung und Fortpflanzung des menschlichen Geschlechtes, erhält die gegenseitige Liebe, Freundschaft und häusliche Eintracht, und erzeugt weise und rechtschaffne nützliche Menschen. Sie ist endlich ein Mittel zur Wolfarth jedes einzelnen Menschen, zur Erhaltung der Gesundheit des Leibs und der Seele, der Ruhe und Zufriedenheit, des zeitlichen und ewigen Glüks. «rittet sie Die Mittel die Reuschheir zu erhalten und -ewahrm.zu bewahren sind: Das Andenken an GOttes Allgegenwatt. Be- Keuschheit. 229 Bewahrung der Einbildungskraft vor un- keuschen Bildern und Vorstellungen. Unterdrükung unkeuscher Gedanken. Mässigkeit in Absicht auf Speise, Trank und Erblichkeiten. Arbeitsamkeit. — Schamhaftigkeit. Vermeidung böser Gesellschaften und jeden Anlas zur Unkeuschheit. Behutsamer Umgang mit Personen des an- dern Geschlechts. Flüssiges Gebett zu GOtt um die Gnade der Reinigkeit. Erwägung der Schändlichkeit und Schädlichkeit der Hurerey und Unkeuschheit. S. Eh- druck). Hurerey. Unkeuschheit. Durch Beobachtung dieser Mittel wird man nebst GOttes Gnade in Stand gesezt werden, sich selbst, nach Paulus Vermahnung rein zu bewahren. Es ist nicht zu schwer, mit redlichem Wollen und mit Erstehung des göttlichen Beystands kann man alles vollbringen. „Was keusch und ehrbar ist, demselben »jaget nach!" Kezer. Sehet I rrende. Kinder. Kinder. Minder — das seyd ihr alle die ihr noch Vater pflichten : und Mutter oder eins von beyden noch am Leben habt — Kinder die ihr etwan auch diese Schrift lesen werdet, euch mögt ich die pflichten kurz anzeigen, welche ihr euern Eltern schuldig seyt. Vor allem aus gehört dahin Liebe, das ist herzliche Zuneigung gegen dieselbigen. Ehrerbietung und Achtung, die sich in Mienen, Geber- dcn, Worten und euerm ganzen Betragen zeigen soll. Die blosse Gegenwart eurer Eltern , muß euch still und sittsam machen, nie müßt ihr ihnen widersprechen, nie sie tadeln oder verspotten, nie unwillig oder mürrisch gegen sie seyn. Ihr müsset ihnen gehorsamen, bereit und willig alles thun, was sie von euch fordern, wenn es euch auch noch so nngelegen und schwer wäre. Ungehorsam gegen die Eitern, ist Ungehorsam gegen GOtt. — Ihr müsset dankbar gegen sie seyn , weil sie sehr viel von der ersten Stund euers Lebens an, sür euch thaten und immer thun. Und diese Dankbarkeit , müßt ihr durch Wohlthätigkeit gegen sie an den Tag 'legen. Ihr müßt alles verhüten was ihnen ihr Leben verbittern, und alles thun, was es ihnen versüssen und erleichtern kann; besonders wenn sie arm und dürftig sind, müßt ihr sie unterstützen und euch lieber selbst etwas abbrechen, als sie Mangel leiden lassen. Es ist nur Amdev. Lzi eine Vergeltung im Rleinen, was sie im Grossen an euch thaten. Und weh dem Sohn oder der Tochter die ihre Eltern verachten, vernachlässigen oder darben lassen! — Diese Pflichten zu beobachten , verbindet VeweMün« euch der ausdrükliche Befehl EOeres: Ephes. »e dM r VI. 2. „Ihr Kinder seyd gehorsam euern Eltern »im HErrn , denn das ist billig; ehre deinen „ Vater und deine Mutter, auf daß es dir wol »gehe! " Coloß.III. 20. „IhrKinder! seyd den ^Eltern gehorsam in allen Dingen, denn das „ ist dem HErrn wolgefällig !" — Die Natur selbst, durch welche ihr mit unzertrennlichen Banden an die Eltern festgeknüpft styt, und auch die Billigkeit, weil Eltern an euch so viel thun, als kein Mensch am andern thut. Wie viele Müh, wie viel Sorge und Angst, wie viel Aufwand und Kosten müssen sie anwenden bis ihre Kinder erzogen sind! Die natürliche Schuldigkeit erfordert also, daß mans vergelte, und Vergeltung oder eine Art der Vergeltung ist Erstattung obiger Pflichten , und die Freude, welche dadurch den Eltern erwekt werden muß. — Kinder, welche diese Pflichten beobachten, Ek der sind höchst glüklich. Es wird ihnen nicht nurKmder^sie schon hier auf Erden wol gehen, sie werden nicht, nur der Liebe, Fürsorge und Wolthaten ihrer Eitern würdig und theilhaft werden, auch andre recht- Lzr Rinderzucht. rechrschafne Menschen werden sie lieben und ehren- ihre einstweilige Ehe wird glüklich seyn - sie werden an ihren eignen Kindern Freud erleben, GOtt wird an ihnen Wolgefallen haben, sie segnen und einst in der Ewigkeit sie vollends belohnen. — Einmal ich glaube, daß nichts auch auf Erde schon so sehr von GOtt belohnt oder gestraft wird, als das gute oder schlechte Verhalten gegen die Eltern. — Und selten werden wir Kinder sehen, die ihre Pflichten gegen ihre Eltern verabsäumt und vernachlässigt haben, denen es glüklich und wol geht. — Von beyden zeugt die Erfahrung einem jeden, der drauf merken will. — Möge dieß gute Kinder ermuntern — gottlose Kinder bessern ! Und derer sind leider! viele, die ihre Eltern über sie seufzen machen und sie mit Schmerzen in's Grab bringen : GOtt erbarme sich solcher und beßre sie! — Eltern können ihr Beßres thun, ihre Kinder gut und rechtschaffen zu machen, durch die Erziehung (S. Elrern) oder die Kinderzucht. Und da bitte Ich Eltern hauptsächlich folgend« Regeln dazu :Regeln zu bemerken: Suchet vor allen Dingen Euch die Liebe eurer Kinder zu erwerben!— Machet Rinderzucht. 2z z Machet bey allem, was Ihr mit ihnen vornehmt, einzig und allein ihr wahres Beßte zur Absicht! — Sorget für ihre Gesundheit! — Gebt ihnen nicht gerade alles was sie wollen! Sorget für ihren Verstand — durch Unterricht in der Kirche, Schul und bey Haus ! — Sorget für ihr Herz — macht sie früh mit der Tugend und Gottseligkeit bekannt! — Haltet sie zum Gebette an! -- Geht ihnen mit einem guten Beyspiele vor! Laßt ihnen nichts Böses und auch keine Unarten zu — habt sie deswegen fleissig um euch! — Führet sie zur Wolanständigkeit und guten Sitten an! — und haltet sie besonders vom Müßiggang ab, welcher die Quelle vieler Sünden ist.— Dieß alles thut, wenn Eure Kinder noch jung sind, wo alles leichter auf sie Eindruk macht!, thut es mit nöthiger Klugheit und Sorgfalt, thut es mit Sanfcmuth und Ernst (S. Eltern.) Dieß ist Kinderzucht, wie sie von GOtt befohlen, und wie sie für Euch und eure Kinder von dem größten Muzen und Segen ist. Denn würdet ihr die Kiniderzucht verabsäumen, so würdet 2Z4 Aleidung. det Jhr nicht nur keine Freude an Cuern Kindern erleben, nicht nur würde der Staat euch verwünschen , dem Ihr unnüze Mitglieder geliefert hattet / nicht nur würden alle Menschen über Euch schreyen , welche von solchen ungezognen Kindern geschädigt/ beleidigt, gekränkt werden , nicht nur würden Eure Kinder Euch selbst fluchen, sondern Ihr würdet Euch vor dem Richterstuhle GOttes die größte Verantwortung und das schwerste Strafgericht zuziehen! — Eltern! gebt Eure Kinder GOtt — Er hat sie euch gegeben, von Eurer Hand wird er sie fordern! Wol dir Vater, wol dir Mutter, wenn du einst vor dem Weltrichter, mit deinen Kindern umgeben, wirst sagen können: „ Siehe „HErr, hie bin ich und die Kinder, die du mir „gegeben hast, ich habe, durch meine Schuld, „keins von ihnen verwahrlost und verloren! " Und dann der Richter: ,, Geht ein zu euers « HErrn Freude! " — Kirche. Sehet Gottesdienst. Kleider. Kleiderpracht. Zicistthö»^)iL Kleiderpracht'ist etwas sehr thörichtes Mdlich! und schädliches eitles. Denn die Kleidung giebt uns keinen Werth, den wir nicht haben. Wir werden dadurch weder von GOtt noch Menschen ange- Bleidung. 2Zf angesehner und geachteter, im Gegentheil, wir sezen uns dadurch eher dem Spott der Verachtung und dem Neid andrer aus , ärgern sie und verschwenden ohne Noth, einen Theil unsers Vermögens, den wir zu irgend etwas nützlichem hätten anwenden können. Besonders ist die Rleiderpracht in der Rirche anstößig und ärger-Kleidervracht lich. Man kömmt ja hieher um sich vor GOtt'"^Kirche, zu demüthigen, nicht seinen Staat und Puz zur Schau zu stellen. An einem heiligen Orte, sich durch gar zu prächtige oder gar schlechte Kleidung mit Fleiß auszeichnen, ist beydes höchst einfältig. GOtt sieht aufs Herz, nicht auf die Rleidung, und jeder vernünftige Mensch wird seinen Mann, nicht nach dem Rok den er trägt, nicht nach dem puz, sondern nach seinem Charakter, nach seinen guten Eigenschaften schätzen. Ein lasterhafter Mensch , ein Betrieger, ein Ungerechter, ist was er ist, wenn er im Sammt und Seiden einhcr- geht und der ehrliche Mann ist was er ist, im Tuch - Roke oder im BaumEttel. Der rechte Gebrauch der Kleidung be- Rechter Gesteht überhaupt in Beobachtung folgender Regeln: brauch der Kleidung. Man suche seine Zierde nicht in kostbarer, prächtiger Kleidung, sondern in tugendhaften Vorzügen! Man suche in der Kleidung nie etwas besonders , oder meyne einen Vorzug dadurch vor GOtt oder rz6 Krankheit. oder vernünftigen Menschen zu erhalten! ( denn den oder die heiße ich unvernünftig der die Person nach dem Rleide schätzt und beurtheilt.) Man richte die Kleidung nach den Umständen , nach Zeit, Stand, Beruf, Ort, Vermögen ein! Man kleide sich so , daß dadurch niemand geärgert und weder die Keuschheit, Gerechtigkeit oder Wvlanständigkeit verlezt, oder die Wolthä- tigkeit und Arbeitsamkeit gehindert wird! „ Reines Zierde sey auswendig im Haar- ^flechten, im Umlegen des Goldes oder „ Anziehen der Rlerder, sondern der verborgne „ Mensch des Herzens in der Unzerbrüchlich- „ keic eines sanftmüthigen und stillen Geistes , „ der vor GVrr köstlich ist. Denn also haben „ sie vor Zeiten die Heiligen gezieret! " Knecht. Sehet Dienste. König. Sehet Obrigkeit. Krank. Krankheit. Ursprung. Krankheiten der Menschen entstehen meisten- aus einem unordentlichen Leben , aus Unmäßig- keit, Trägheit, Wollust, und allzu öftern Ausbruch 2Z7 ^ Rrankheit» ! bruch der Leidenschaften, sie sind also eigentliche Folgen der Sünde, und werde» von GOtt aus weisen Absichten zugelassen. Sie sollen die Men- Absichten irischen an die gewaltige Hand GOttes, an ihre Krankheiten, eigne Ohnmacht und Hinfälligkeit erinnern , und ' ihnen ein Wink seyn, sich auf den Tod vorzubereiten. Für die Frommen sollen sie eine liebreiche Züchtigung GOttes, eine Uebung des Glaubens, der Tugend, der Geduld und Ergebung in den göttlichen Willen, der Demuth und Standhaf- tigkeit, der Weltverläugnung , der Dankbarkeit und Erkenntniß der göttlichen Wolthaten, besonders des hohen Werths der Gesundheit seyn. Den Gottlosen sollen sie an seine Sünden, an die Abscheulichkeit seines Lebens erinnern, ihn strafen, erweken, bessern, und so von» ewigen Verderben retten.' Entspricht man diesen wohlthätigen Absichten GOttes, so müssen ja nothwen- l dig, die Krankheiten von dem grösten Lenzen Nvzen. seyn. — Das rechte Verhalten eines Rrankkn, Verhakn» besteht also darinn; daß er sich recht mit den ^Kranker« Absichten GOttes bey seiner Krankheit bekannt ^ mache und ihnen entspreche, zu GOtt bitte, und i sich dabey der Räthe und Arzneyen eines versiän- ! digen, rechtmässigen Arzts ( nicht eines Quak- salders oder Stümpers, eines gewissenlosen Großsprechers, der die ^eme um »hr gut Geld betricgt, elend macht, oder gar ins Grab liefert) bediene. Das - 2Z8 Langmuth. D-chalten Das Verhallen gegen kranke besteht gegen«ranke.dgxinn , daß man für sie zu GOtt bittet, sie besucht , sie aus GOttes Wort tröstet, sie mit Rath und That unterstützt, lhien gebührend abwartet , und dabey geduldig und in GOttes Willen ergeben ist, möge die Krankheit sich enden wie sie wolle! — Langmuth. Langmuth Langmuth GOttes besteht in seiner Güte GOttes. langer Verschonung des Sünders, in seinem heiligen Willen, alle Mittel der Bekehrung bey demselben anzuwenden, und mit seinen Strafen Beweise, über sie inne zu halten. Die Beweise von der Langmuth GOttes finden wir in der Geschichte des jüdischen Volks, in der Geschichte aller Zeiten, und auch in unserm eignen Leben. — Tausendmal müssen wirS einsehen und bekennen: » GOtt ist doch langmüthig, er schont lange, er »will nicht, daß jemand verloren gebe, er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und » vergiltet uns nicht nach unsern Missethaten ! " Ä'sstcht-n. Die Absichten seiner Langmuth, sind theils den Gottlosen zu gewinnen, ihm Zeit zur Busse zu geben, seine Seele zu retten, damit er keine Entschuldigung habe, und ihm zu zeigen, daß er nicht an seinem Verderben Schuld sey, theils auch, zu schaffen daß der Fromme nicht mit den Gottlosen zu Grunde gehen müsse. Durch LanAkimth. 259 Durch die Langmuth GOttes nicht stolz And sicher werden, sondern sich durch dieselbe zur Busse leiten lassen , oder vielmehr dieselbe beschleunigen , das ist der rechte Gebrauch derselben. Denn die Langmut!) GOttes hat auch ihr Zieht, oft schon in dieser Welt, da er den hart- näkigen Sünder im Zorne heimsucht; gewiß aber in jener Welt, wo das unveränderliche Straf- Urtheil über alle Sünder ausgesprochen werden wird.- Getreuer GOtt! wie viel Geduld Erzeigest du uns Armen! Wir häufen täglich unsre Schuld, Du häufest dein Erbarmen. Was ist der Menschen Lebenslauf? Er ist verderbt von Jugend auf, Und deinem Wink entgegen. Und dennoch, Vater! suchst du ihn Langmüthig davon abzuziehn, Zur Beßrung zu bewegen. — Laß diese Langmuth und Geduld GOtt ! unsre Herzen rühren, Nie müsse deine Vaterhuld Zur Sicherheit uns führen! -- Trag uns erbarmend fernerhin, Doch gieb dabey uns auch den Sinn, Daß wir die Sünde hassen, Und uns noch in der Gnadenzeit Durch Reichthum deiner Gütigkeit Zur Busse leiten lassen! — Rechter Gebrauch Lästern. Lästern. Sehet Gotteslästerung. Laster. S. Gottlosigkeit. Sünde.' Lasterhafte. S. Gottlose. Sünder. Leben. (§s giebt ein zeitliches und giebt ein ewiges Leben. A-Mch-s Das zeitliche Leben, ist das Leben auf Lebm. djHr Erde - das ewige Leben ist das Leben in jener Welt. — Nichtigkeit Das zeitliche Leben ist nichtig, kmz und «nv §lüch. flüchtig , und zwar in Nüksicht auf die Zeit, da wir eigentlich für den Zwek desselben wirksam seyn können , denn wenn wir die Stunde alle abrechnen , welche wir zum Essen und Trinken, zum Schlaf, zur Arbeit, zu Vergnügungen gebrauchen , so bleibt uns wenig mehr übrig. — Es ist auch kurz und flüchtig in Rüksicht auf die lange Lebenszeit unsrer Vorväter, und in Rük- ficht auf die lange Ewigkeit. Unsre Tage laufen schnell dahin, sie bestehen nicht, und eh wir's nur merken, befinden wir uns schon am Grabe , an den Pforten der Ewigkeit. Nur der jezige Augen- blik ist unser, der folgende steht schon nicht mehr Ceben. 24* in unsrer Gewalt, wir wissen nicht , ob wir ihn erleben werden. Daher die heil. Schrift dieß Leben mit einem Schatten , mit Blumen, mit Gras, mit einem Rauch , mit einem Weberspuhl, u. s. w. vergleicht, eben um die Nichtigkeit , Kürze und Flüchtigkeit desselben anzuzeigen. —- Eben dieß Leben ist auch mühselig, (trübselig Mühseligkeit, elend, ein Jammerthal, dieß möcht' ich nicht überhaupt sagen, weil der Mensch meist selbst an den Leiden Schuld ist, die ihm dieß Leben trübselig machen, und weil es höchst undankbar gegen GOtt wäre, der uns tausend Freuden in demsel- bigen aufbehalten hat. ^ Aber mühselig ist dieß Leben. Man mag den Menschen betrachten in welchem Stand und in welcher Lage man will, so ist Mühe und Arbeit, Sorge und Unruhe sein ' Theil. Er hat innere und äussere Feinde, mit denen er zu kämpfen, größre und kleinere Schwierigkeiten, die er in demselben zu bestreiken bat. — Daher vergleicht es die Schrift mit einem Streite, mit einer beständigen Wahlfahrt. Aber eben diese Mühseligkeit ist höchst nüzlich für uns, wir lernen uns dadurch nach einem bessern Leben sehnen, und uns auf dasselbe hier vorzubereiten. Ungeachtet der Mühseligkeit hat indeß das menschliche Leben doch seine tausendfachen Freuden, seinen Freuden, grossen Werth. Wir können da viel Gutes lernen, viel Gutes thun, viel Gutes gemessen, wir empfangen unendlich viel Gutes von GOtt, und können uns da zum Thun und zum Genusse Q größrer 242 Leben. größrer und beßrer Dinge in jener beßern Welt vorbereiten. — Anwendung Die rechte Anwendung unser» Lebens des Lebens- besteht in Beobachtung folgender Regeln. Schäze dein Leben als ein theures Geschenks Gottes hoch, und suche es so lang als möglich zu erhalten , jedoch liebe es nichr so schr, daß du nicht mit Freuden bereit seyst, es wieder ru lassen, wenn GOtt es gebietet! Erfülle die Absichten deines Lebens; das heist: Lebe deinen Pflichten getreu, die dir Gottes Wort vorschreibt! Befördre die Wolfahrt deines Nächsten! Laß keinen Tag, keine Stunde vorbey gehen, -aß du nicht etwas Gutes thuest! Bewahre ein gutes Gewissen! Denke oft an jenes Leben! Leide darum in Hoffnung desselbigen gern und gedultig, was dir GOtt auflegt! Bemühe dich hier Schätze auf die Ewigkeit zu sammeln , und Gutes zu säen, damit du auf den Tag der Ewigkeit Gutes erndten könnst. Kurz: Lebe wie du , wann du stirbst, wünschen wirst gelebt zu haben! Damit du auf die Theil- nahm an jenem zukünftigen bessern ewigen Leben gewisse Hvfnung haben könnest! Lehrer. r4Z Das ewige Leben ist das Leben nach diesem Twigesre^n Leben , in einer andern Welt. Zu diesem ewigen Leben, werden alle Menschen gelangen , es wird nur eine Fortsetzung des gegenwärtigen seyn. Wer hier rechtschaffen gelebt hat, wird einst dort glük- lich leben, wer hier gottlos lebte, wird dort unglüklich leben. — Sonst wird auch durch das Wort Ewiges Leben der selige Zustand des Frommen in der Ewigkeit bezeichnet. — — ( S. Seligkeit.) Lehrer. Unter diesem Titel verstehe ich die, welche ganzen Gemeinden vorstehen, und dieselben unterrichten sollen zur Erkenntniß und Ausübung der heilsamen Wahrheit, die da führet zur Seligkeit, die Lehrer und Prediger christlicher Gemeinen. Ihr Amt ist sehr wichtig und hat grossen ^de des Werth. Es beruht freylich nicht auf ausserlichen Vorzügen, aber auf den Nutzen den er schaffen soll, und dieser ist: Religion, Glauben, Tugend, Ruh und daurhafte Glückseligkeit so wol bey ganzen Gemeinen als bey jedem besondern Mit- gliede desselben zu erhalten und zu vermehren. —> Schon deswegen verdienen christliche Lehrer, Ehrfurcht , Hochachtung und Gehorsam, besonder Q - aber 244 Lehrer. aber wenn man die Mühe und Schwere ihres desselben. betrachtet. Sie müssen nicht nur wöchentliche gewisse Stunden predigen, nicht nurkatechi- sieren, nicht nur die Heil. Sakramente zu dienen, nicht nur Kranke besuchen, sondern auch die Ersten und die besten, die Frühsten und Spatster,, die Wächter, Hirten, Aufseher ihrer von GOtt und der Obrigkeit anvertrauten Gemeinen seyn, keine Mühe sparen das Gute zu pflanzen, keinen Verdruß und kerne Feindseligkeiten scheuhen dem Bösen zu wehren, und das Schwerste von allem, sie müssen am Tag des Gerichts von jedem ihrer anvertrauten Zuhörern GOtt Rechenschaft geben. — Sie sind nicht nur Prediger, sondern auch Seelsorger. Und wer nicht glauben will, daß es schwer ist ein rechtschafner Seelsorger zu seyn , den wünschte ich nur eine Woche an eines solchen Stelle sezen zu können. — Wie viel Redens und Schreibens, wie viel Vermahnens und Straftns, wie viel Sorge und Kummer, wie viel unruhige Tage, und wie viel schlaflose Nächte, wie viel Verdruß und Feindseligkeiten, wie viel Spott und Verachtung, die ein recht, schaffner Seelsorger dulden muß, wofür ihn aber GOtt einst m reichem Masse belohnen wird! Bild kiiks Hier der Entwurf vom Bilde eines recht- "^°^"schaffnen Lehrers. Er muß die heilsame Lehre der Wahrheit, lauter und rein , mit Andacht, Ernst und Eifer verkündigen. Die Sünder ohne Anseh'n Lehren 245 Anseh'n der Person bestrafen — Die Traurigen trösten. — Die Bekümmerten beruhigen — Die Trägen erwecken. — Den Schwachen aufhelfen. Den Frommen ermuntern. — Die Irrende zurechtweisen. — Die Strauchelnden warnen. — Die Ungebessertcn zu bessern suchen. Die Kranken besuchen — Die Unglücklichen trösten, ein Vater und gewissenhafter Verpfleger der Armen, ein wahrer, immer zu rathen und wo er kann zu helfen bereiter Freund, eines jeden aus seiner Gemeinde seyn. — In seinem ganzen Wandel, soll er em Beyspiel eines frommen Mannes seyn, des uneigennützigen Eifers in Erfüllung seiner Pflichten. Der Massigkeit — Sanftmuth — Demuth - Wohlanständigßeit —- Sittsamkut Du-stfer- tigkeit — Liebe und Wohlthätigst und alles dessen was zur gesellschaftlichen und hausuchen Fromm- keit gehört. In seinem Umgang, soll er f iedfertig, liebreich und leuthselig, lehrreich, unterrichtend und gelassen seyn. Ein solcher ist dann recht glüklrch, Glük eines seine Gemeine wird ihn ehren und lieben, sein solchen. Gewissen wird heiter und ruhig seyn , sein GOtt wird ihn lieben und segnen in Zeit und Ewigkeit. Denn wird er leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reiche! Weß ist dieß Bild ihr Bruder im HErrn? Unser aller? HErr! hilf auf unsern Schwachheiten! ! -- Leiden' 246 Leiden. beiden, heißen Kreuz, Noth, Trübsalen, Widerwärtigkeiten, alles was unsern Zustand Ursprung, verschlimmert. Sie sind nicht ein Werk des Zufalls/ sondern sie entstehen von GOtt, der sie verhängt oder wenigstens zuläßt, regiert / leitet, und zum Veßten lenket. Die Leiden sind entwe- der allgemeine , z. E. Krieg, Theurung, Pest, Besondre, schlimme Zeiten, u. s. f. oder besondere , als z. B. Schmerz, Krankheit, Verfolgung, Verlust unserer Freunde oder Güteru. s. f. — Alle Leiden sind eigentlich Wohlthaten GOttes , Absichten, well sie die wolthätigsten, beßten Absichten haben. Sie sollen nichts anders als Erweckungen unsrer Tugend, väterliche Züchtigung und Zurechtweisungen , Beßrungsmittel für den leichtsinnigen, stolzen, eiteln, übermüthigen und gottesvergeßnen Menschen seyn, sie sollen uns fühlbar gegen GOtt rind die Noth andrer machen , sie sollen uns die Güter dieser Erde und jene künftige Freuden recht schätzen und unsre Begierden mässigen, lernen. Sie sollen uns die Tröstungen der Religion recht wichtig machen und uns auf den Tod vorbereiten; Sie sollen Bewahrungsmittel vor grösser» Uebel, kurz, Beförderungsmittel unsrer Glükseligkeit seyn — Und dieß sind sie wirklich. Sie kommen ja von GOtt, der nichts thun oder zulassen kann , als Eeiden. 247 als was gut und heilsam ift. Dieß lehrt JEsus selbst sehr oft. Ausdrükliche Versicherungen her heil. Schrift bezeugen, daß sie nicht Zeichen seiner Ungnade, sonder der Liebe, nicht Strafen, sondern Woithaten seyen. Hebr.XH.6. „Welchen „ der HErr lieb hat, den züchtigt er! " u. s. f. Jacvbi I. r 2 . „ SeliA ist der Mann, der die Ver- „ juchung erduldet, Denn nach dem er bewährt ist, „ wird er die Krön des Lebens empfangen." — i Petri IV. 16. „Leidet jemand als ein Christ, so „ preise er GOtt!" — Eben das bezeugt die Erfahrung aller, die jemals auf den Gang und Ausgang der Leiden, die sie treffen aufmerksam waren. Jeder muß am Ende sagen : „GOtt hat „ doch alles wohl gethan. Alle Leiden dienen dem „Menschen zum Beßten, werden dem, der durch „sie geprüft ist, eine friedsame Frucht derGerech- „ tigkeit.'' — Alle Leiden sind bitter und schwer zu tragen der menschlichen Natur, und darum ists nöthig, um sie standhaft und zu seinem eignen Heile tragen zu können, zu lernen, wie man sich vor denselben und in denselben betragen müsse, und dazu wird die Beobachtung folgender Regeln dienen: Man bereite sich auf die Leiden und Trüb-Reg-in zum sale, die uns treffen können, recht und christlich vor; dash eist, man hüte sich für Vorwitz und Leide«, neugierigem Erforschen der Zukunft. Man 248 Leiden. Man stelle sich die Leiden immer als nahe vor, hüte sich also vor übermäßiger Furcht so wol, als vor Sicherheit und Sorglosigkeit. Man lerne die Dinge dieser Erde recht beurtheilen , und suche sein Herz zu bessern! Man sey wachsam, man bete und wafne sich mit christlicher Standhaftigkeit und uner- schroknem -Muthe Im Leiden selbst stelle man sich vor, daß GOtt dieselben aus weisen j Absichten verhängt habe! Man hüte sich also vor allem Mißtrauen, vor Klagen und Murren gegen GOtt! Man übe sich in Geduld! Man bete zu GOtt um Erleichterung derselben, doch so, daß man ihm nichts vorschreibe! Man denke, daß sie nicht ewig sind, und mit den Freuden der Ewigkeit womit sie vergolten werden sollen, in keine Vergleichung kommen! Man spüre den Absichten nach , die GOtt bey Zulassung derselben hatte, und suche sie bestmöglich zu erreichen ; durch Armuth, z. B. lasse man sich zur Arbeitsamkeit, durch Krankheit zur Weltverlaugnung und zum Andenken des Todes, durch Verachtung zur festen Zuversicht und Anhänglichkeit an GOtt, durch Verläumdung zu einem unanstössigen Wandel, u.s.w. leiten ! Besonders Eetden. 249 Besonders aber ergebe man sich in den weifen Willen GOtteö, und bete immer mit kindlicher Demuth: MeinJEsu, wie du willt, so laß mich allzeit wollen! Wenn Leiden, Trübsal, Noth, mich hier betreffen sollen, So gieb, daß allezeit dein Wille werd erfüllt , Ich leb' ich sterbe dir, mach's JEsu, wie du willt ! Woher sind nur Die Leiden so fürchterlich, als darum, weil sie uns unvermuthet treffen, weil wir uns nicht auf dieselben vorbereiten, und warum sind sie uns so unerträglich, als darum, weil wir uns mit den Absichten GOttes bey denselben, nicht genugsam bekannt machen ? O! wer obige Regeln ( es sind nur die vornemsten die ich anführte) beobachten wollte, würde dieselbigen weder allzusehr fürchten, noch in denselben trostlos und verzagt seyn. Der gröste Trost aber im Leiden ist die Ueberzeugung von einem gnädigen GOtt durch JEsum Christum, von einem guten Gewissen und das Bewußtseyn, daß die Leiden nicht durch eigne Schuld auf eine sträfliche Weise selbst veranlaßt worden sind. — Trost im Leiden. 252 Leiderr. „ Hat jemand etwas L ei'denr unter Euch, „ der bitte! Nemnner zum Exempel des Leidens „ und der Geduld die Prophe ten, die im Nam- „men des HErrn geredr haben. Siehe wir „ preisen die selig die da erdulden. — Ich halte „ dafür alles Leiden dieser Zei t, sey nicht werth „ der Herrlichkeit die an Gottes Lindern soll „ geoffenbaret werden. — Leide dich, als ein „ guter Streiter IEsu Christi. Niemand „ wird gekrönt, er kanipfe dann recht, wir „wissen , daß denen die GGrr lieben, alle „ Dinge zum Beßren dienen müssen. " Leiden (JEsu.) Was sind fier ^nter dem Leiden IEsu verstehen wir alle das, was er von seiner Jugend an, mühseliges, unangenehmes und schmerzliches ausgestanden hat. — Armuth, Widerspruch, Verachtung, Verfolgung , Lästerung, besonders aber am Ende seines Lebens , Bande, Schmerzen, Geißlung und Kreuzestod. Absichten. Dieß alles litte JEsus freywillig, weil es so im Rathe Gottes beschlossen war, weil es die Propheten vorher verkündigten, zum Beßten der Menschen sie zu heiligen, um sie von Sünden und der Straf derselben von Fluch und Tvdzu erlösen, und 251 Leiden (IEsu.) und ihnen die Verlorne Gnade und Frieden Gottes wieder zuerwerben, nebst der Hofnung auf ewige Seligkeit. Das Leiden IEsu ist also höchst nüzlich für uns. Es ist uns nicht nur eine starke, dringende Anweisung zur Gedult in unserm Leiden, sondern auch ein grosser Trost, der beste Trost im Leben und im Sterben. Wir wissen nun wohin wir uns in allen unsern Dünden und Schwachheiten wenden dörfen, wissen daß GOtt uns gnädig seyn will, wissen daß wir Frieden mit ihm haben , daß einer im Himmel ist, der Gedult hat mit unsern Schwachheiten , bey dem wir Verzeihung unsrer Sünden erlangen können. Aber freylich dieser Trost ist nicht für jeden, nicht für den beharrlichen, auf Gnade hin sündigenden, nicht für den sichern , und sorglosen Sünder, sondern nur für den bußfertigen, glaubenden, reuenden, an IEsu festhangenden Sünder, für den welcher bey ihm Gnade und Vergebung sucht, und im Leben und Leiden, dem Vorbilde seines Erlösers nachfolgt, der sich durch sein Leiden bessern und heiligen läßt. Denn Busse und Sündenvergebung , Heiligung und Versöhnung, lassen sich schlechterdings nicht trennen, wo das eine nicht ist, da ist alle Hofnung auf das andre eitel und vergeblich. Christus hat durch sein Leiden nur dre erlößt, welche sich der Erlösung durch ein heiliges Leben würdig machen : » nur- die welche ihre Nuze». » 2s2 Liebe (GOttes.) „ihre Sünden bekennen und davon abstehen, „erlangen Gnade durch das Blut des versöh- „ nenden Mittlers ZEsu Christi!" Leidenschaften S. Begierden. Liebe (GOms.) WasistLicbe.^.^b ist eine herzliche Zuneigung , zu etwas, vermittelst deren man etwas hochschäzt, es für sein Glück hält, dazu Sorg trägt, sich im Besiz desselben freut und sich beständig in demselben zu erhalten sucht. LiebeGsttes. Die Liebe gegen GOtt besteht in einer herzlichen Zuneigung gegen GOtt, in Hochschäzung GOttes, in Freude an ihm , in dem Verlängert ihm wvlzugefallen und seiner Gnade zu gemessen. Beschaffen. Soll die Liebe gegen GOtt rechtschaffen seyn, ö"*' so muß sie über alles gehen, das heist GOtt muß uns lieber seyn, als irgend etwas anders; sie muß herzlich, uneigennüzig, kindlich, eifrig und feurig, ausharrend und beständig seyn. (*) GOtt Kennzeichen. (*) Die Aennzeiche» dieser Liebe sind »ornemlich , Liebe M seinem Wart, Gehorsam gegen dasselbe, und besonders auch Liebe gegen den Nächsten. I Liebe (GOttes.) 25z GOtt verdient diese Liebe, denn er ist das B'weg-- »ollkommenste, beste, liebenswürdigste und liebe- , vollste Wesen, die Liede selbst, und wir stehen mit ? ihm in der nächsten Verbindung, als seine Ge- ! schöpfe, Kinder, Erlösten. GOtt befiehlt diese f Liebe. 5 Buch Mos. VI. z.X. 12. Math. XXII. 37. u. s. f. Er hat wolgefallen an dieser Liebe. — , Hohelied. VI. 6 . Sprüchw. XXUI. 26. Diese ^ Liebe ist die Summ aller Pflichten gegen ihn. — ^ Er lohnt sie mit Wolthun , mit Gegenliebe, mit Seelenruh und mit Seligkeit. Diese Liebe wird erwekt und befördert, wenn man GOtt, als das liebenswürdigste und liebevollste Wesen erkennt, und auf seine väterliche Führungen achtet, wenn man sich Mühe giebt, seine Gesinnungen und Neigungen mit den Seini- E gen übereinstimmend zu machen, wenn man sich endlich an emen flechsigen Umgang mit ihm durchs Geben gewöhnt. Besonders erwäge man auch die grosse Liebe GOttes (gegenuns.) Die sich auf tausendfache Weise äussert. Er gab uns unser Leben, Nahrung, Kleider, Gesundheit, Unterricht, Vermögen, Kräfte, alles was wir haben, über unser Bitten und Verstehen; besonders aber zeigte sich seine Liebe darum, daß er dahingab m den Tod seinen Sohn den Einge- bornen. Worinn sie besteht Rechte Be- schaffenhrit, 254 Liede GOttes ( gegen uns.) dornen, um uns vorn Verderben zu retten, worinn wir uns durch die Sünden gestürzt hatten, und uns das ewige Leben durch ihn erwerben zu lassen. Verdient diese Liebe nicht die feurigste Gegenliebe? Mensch, du bist kein Mensch, wenn dich der blosse Gedanke nicht zur Liebe gegen GOtt ermuntert. „ Er hat mich zum ersten geliebet!" Liebt doch jeder Zöllner und Sünder, die welche ihn lieben! »Laßt uns GDrr lieben, denn Er ,»hat uns zum ersten geliebet. Dieß ist aber „ die Liebe GDttes, daß wir seine Geborte „ halten, und auch die Bruder lieben!" Liebe (desNächsten.) wie Liebe gegen GOtt der Jnnbegriff aliee Pflichten gegen GOtt ist, so ist die Liebe gegen den wachsten. Die allgemeine Menschenliebe, die Summ aller Pflichten gegen den Nächsten. Sie besteht in einer aufrichtigen, herzlichen Zuneigung gegen unsre Mitmenschen, vermöge welcher wir jeden hochschätzen, ihm wo wir können Gutes thun und seine leibliche und geistliche Wohlfarth best unsers Vermögens befördern. Diese Liebe, wenn sie rechtschaffen seyn soll, muß seyn — allgemein, sie muß keinen Menschen, wer und was und wie er immer seyn mag, ausschließen — herzlich und aufrichtig , wie die Liebe zu uns selbst, unpartheyisch beständig, uneigennüzig, duldsam und wohlthätig. Keinen Liebe (desNächsten.) rz-p Keinen Menschen nie betrüben, Hässer segnen, Feinde lieben; 'Für Verfolger, die uns fluchen Brüderlich Erbarmung suchen — Lieber leiden, als die kränken. Die uns nur zu schaden denken — Lieber Unrecht schweigend tragen, Als sich rächen oder klagen. Lieber geben als empfangen, - Still in sanfter Liebe ruhn: Mit der Liebe selbst nicht prangen, GOtt gleich — andern Gutes thun. Stets auf andre zärtlich seh'n- Das ist Liebe, das ist schön. Lavarer. Die allgemeine Liebe ist eine höchstnorh- Notbwm. wendige Tugend. Das Christenthum gebie- d'M*' tec sie als eine höchstvorzügliche Pflicht. ( Match. XXII.gy.) „Du sollst deinen Nächsten lieben, »als dich selbst !" Er macht sie zum eigenthümlichen und nothwendigen Charakter wahrer Christen , treuer Freunde und Nachfolger JEsu» ( Zoh- XIII.) „ Ein neu Gebott geb ich euch, daß „ ihr einander liebet!" „ Dabey wird jedermann „ erkennen, daß ihr meine Jünger seyd, so ihr ,, Liede gegen einander habet!" Unsere eigne t^amr fodert uns dazu auf. Denn wir sind Kinder Eines Vaters, Geschöpfe Eines Schöpfers, Mitbürger Einer Welt, Erlöste 256 Liebe (des Nächsten.) löste Eines Erlösers, Erben Einer Herrlichkeit, also Bruder so nahe als keine. Unsere und der welr Wolfarrh erfordert sie. Einer bedarf des andern Beystand und Hülfe. Ohne sie ist weder Glaube noch Tugend, noch Liebe zu GOtt, noch überhaupt Christenthum möglich , da sie das Wessen desselben ausmacht. Ohne sie kann man hier nicht ruhig zufrieden und glücklich leben, und dorr nicht an der Seligkeit Theil nehmen, i Joh. HI. „ Wer seinen Bruder nicht liebt , der „ bleibt im Tode!" Die Liebe des Nächsten hat auch die herrlichsten Vortheile. Sie macht uns für die Zeit und für die Ewigkeit glüklich. Sie ist das Band der menschlichen Glückseligkeit. Sie macht uns GOtt ähnlich, und seiner Liebe, Gnade, seines Wolgefallens und Segens theilhaftig, und wird dort reichlich belohnt werden. rCor.ll.y. »Was »kein Aug gesehen und kein Ohr gehört, und was in keines Menschen Herz aufgestiegen ist, hat » GOtt denen bereitet,. die ihn lieben! " Sie macht die Erde zum Paradies, so wie fie Lieblosigkeit zur Hölle macht. Wäre mehr Liebe unter den Menschen, wär nicht bald^beynahe ein Mensch des andern Teufel, wären nicht beynahe immer zwey darauf bed-cht den dritten zu stürzen, würden Menschen sich nicht schämen Menschen zu seyn, würde jeder den andern als Bruder . Liebe (derFeinde.) 257 Bruder betrachten und als Bruder mit ihm bandeln - o wie unendlich viel besser stühnd es um die Menschen!- „ wandelt irr der Liebe! Dulder ein* ^ ander in der Liebe! Alle eure Dinge ge* „ schehen in der Liebe! Laßt uns nicht bloß „ mit Worten , sondern in der That und „ Wahrheit lieben, wer liebet, hat das ganze „Gesa; erfüllet, die Liebe ist des Eesezes „Erfüllung ! '' — Die brüderliche Liebe «bleibe ! '' — Ach! heilige du selbst, HErr! unsrer Seelen Triebe Durch deine Lieb' und Furcht zur wahren Menschenliebe! „ wer nicht den Nächsten liebt, geht nicht zum Himmel ein." Laß diese Wahrheit, GOkt, uns stets vor Augen seyn! — Liebe ( seiner selbst.) S. Eigenliebe. D. Liebe (derFeinde.) ^ie Leindesliebe ist ein Vorsaz den Schaden, Was ist sie; den uns andre wünschen oder zufügen, nicht mit Haß oder Beleidigung zu vergelten, sondern auch denen , die uns unglüklich machen wollen, oder R gemacht 2s8 Lob (GOttes.) gemacht haben, zu ihrer wahren Glükseligkeit nach Vermögen behülflich zu seyn. — Dieß wird uns Math. V. 44. als eine nothwendige Pflicht des Christenthums befohlen: „ Liebet eure Feinde — „auf daß ihr Kinder seyd euers Vaters der in „Himmeln ist.! S. Beleidiger. Feinde. Liebe (der Welt.) ist eine unmästlgc Anhänglich- keit an die Welt, an die Güter und Lüste dieser Welt, an das Jrrdische, da der Mensch darinn seine Glükseligkert sucht. — S. Güter. Liegen. S. Lügen. Lob (GOttes.) es ist. ^)as Lob GOttes bestehet in einer Erhebung des Herzens zum Preis des Wesens, der Werken und Eigenschaften GOttes — Lob GOttes unterunterschied scheide sich darinn von der Dankbarkeit, daß Dankbar" es das Wesen und die Eigenschaften, diese aber Wk Wohlthaten GOttes zum Gegenstand hat. — Beschaffe«. Zum Lob GOttes gehört also, daß man GOttes Wesen, Werke und Eigenschaften recht erkenne, daß man ihn im Herzen dafür erhebe, mit dem Munde, mit Gebetten u nd Gesängen, und Eob ( GOttes.) 259 und besonders auch mit einem heiligen Leben , besonders und öffentlich preise. GOtt loben ist unsre Pflicht. Er hat sie PstM dazu. selbst befohlen. Ps. LXXVll. i r. „ Lobe v Zion, „ deinen GOtt! " Es ist ihm angenehm: Ps. XLH. 2. „ Es ist ein gutes Ding den HErrn „loben." Hebe.Xkll. rz. „Laßtuns GOtt all- „zeit aufopfern, die Opfern des Lobs, denn an „solchen Opfern hat GOtt ein Wolgefallen!'' — Er verdient es um seiner Herrlichkeit und Gütig- keit willen. Auch andre sollen dardurch zur Erkenntniß seiner hohen Tugenden und Eigenschaften geführt werden.— „ Die ihr den HErrn furchtet lobt den „HErrn!" „Alles was Athem hat, lobe den „HErrn!" Lügen. §ügen heist änderst reden, als man denkt; Was es ist. etwas sagen, das sich nicht so verhält. Lügen sind Aussagen oder Worte, die mit der Wahrheit der Sache oder den Gedanken des Herzens nicht übereinstimmen. Es giebt r erschledne Arten der Arten. Lügen — wissentliche und vorsezliche, leichtsinnige und boshafte, grobe und subtile — R» Dienst- 260 Lügen. Dienstlügen, da man aus Gefälligkeit lügt — ^schlügen, dadurch man einem zum Spaß etwas aufzubinden sucht — Gchandlügen und Bosheirslügen, da man den Nächsten ver- läumder und durch Lügen in Schande zu bringe» sucht — Religionslügen, da man unter dem Schein der Religion unwahr redet. Zu den Lüge» zähl ich auch alle (Dbreirbläsereyen, Zmrage- reyen, Schmeicheleyen, alle falsche Höflich, keitserzeigungen und Lomplimenre, und alle Großsprechereyen und pralereyen. SüLndlici, Alles Lügen ohne Ausnahme ist höchst kett und schändlich und schädlich. Es läßt sich auf keine Schädlichkeit^^ entschuldigen. Es verräth eine niedrige, noch ganz ungebesserte Gemüthsart. Die Vernunft und die Schrift verdammet — GOtt hasset und strafet es. Ps. V. 7. „ Du bringest die „Lügner um." Ps. LXIX. l6z. „ Ich hasse die „Lügen undverabscheuhe sie. " Sprüchw. XlX. 8 -- y. „ Wer Lügen redt, wird nicht entrinnen „ mögen, wer Lügen ausbläset, wird umkom- „ wen." Man wird dadurch dem Teufel ähnlich. Es bringt einen um alle Wolfahrt im Leiblichen, um Freundschaft, Liebe, Ehre, guten Namen, Zutrauen, es stürzt einen in Schande , Verachtung, Feindschaft, und im Geistlichen um Gnade GOtteö, um Segen und Seligkeit. Gleichwol 261 Lugen. Gleichwol ist es eins der allergemeinsten Laster, das wenig geachtet und höchst selten, bestraft wird. — „Uns Demscben, sagt Luther, » hat bisher keine Tugend so hoch gerühmet und ,, so hoch erhoben , als daß man uns für treue, » wahrhafte und beständige Leute gehalten , die „ nicht gelogen und betrogen ! " Aber damcüS müssen die Zeiten noch wol besser gewesen seyn, aks die Unfeinen. Letzt sind die Zeiten Hosäa wieder Ammen, da es hieß: » Lügen yat über- „ Hand genohmen!" Zeiten, da man die Klage Jerem. IX. 5. wiederholen muß: „ (Zu haben „ sich mit ihren Jungen zum Liegen gewöhnt. " Denn man giebt sich Mühe, ohne Scheu , mit einer gewissen Artigkeit, recht geschikt und künstlich zu lügen : so daß es wol zulezt noch artig und schön heißen wird. — Wer an diesem Uebel krank ligt — und sich Derivat davon heilen — oder sich davor bewahren will Mnzsimttel.r der beobachte folgende Regeln: Man sey behutsam in seinen Reden! Man sehe auf die Allgegenwart und Allwissenheit GOttes und auf die zukünftige Rechenschaft ! — Man nehme sich den Wahrhettliebenden IEsus zum Muster! Man 262 Lügen. Man entschließe sich ernstlich allemal, kost' es was es wolle, die Wahrheit zu reden ! Man gebe Achtung auf sein Herz und seine Worte! — Man fliehe die Gesellschaft der Lügner und Verläumder! — Man bestrafe es ernstlich, besonders an der Jugend! Wol dem / der Lügen hasset. Und der, so oft er spricht, So seine Reden fasset, Daß er die Wahrheit nicht Mit Vorbedacht verlezet Und der an allem Ort, Sich dieß vor Augen sezet: „ GiDtt merkt auf jedes Wort! Lüste. S. Begierden. Macht. S. Allmacht. Mann. S. Ehmann. Mässig- 26z Mässigkeit. ^ie Massigkeit ist die Gewohnheit in allen War fit iß. Dingen , besonders auch im Genuß der Speise und des Tranks, Ziehl und Maß zu halten, und alles so zu gebrauchen, wie es der Gesundheit zuträglich , der Tugend unschädlich und dem Vermögen gemäß ist. — Auf Gesundheit, Tugend und Vermögen, soll man also bey dem Gebrauch der von GOtt empfangenen leiblichen Gaben immer Rücksicht nehmen, besonders beym Essen und Trinken. Die Mässigkeit ist eine nothwendige Nothwen. Tugend. Denn GOtt befihlt sie sehr oft. Sie ist dem Christen unentbehrlich zum Gebete und Nuzm. zur Uebung andrer Christentugenden, durch sie wird auch die Gesundheit erhalten und das Leben verlängert. — Die Nothwendigkeit der Mässigkeit wird am allerdeutlichsten aus dem Schaden der Unmassigkeit erkennt. S. Unmassigkeit. Meineid. Äleineid ist, wenn man etwas bey GOtt und W«r er iß seinen Eigenschaften betheuret, das seiner innern Ueberzeugung nicht gemäß ist, indem man daran zweifelt, oder das Gegentheil für wahr hält, oder wenn man etwas verspricht, das man nicht zu halten gedenkt, oder in der Folge durch eigne Verschuldung nicht hält. — Dieß L64 Meineid- Schändlich. Dieß Laster ist höchst schandlick. GOtt k"t. hat es verbotten. lll. B. Mos. XU 72. „Ihr „sollet nicht falsch schwören bey meinem Namen!" Malach. III. Z. „ Ich will ein schneller Zeug seyn „ wieder die, die falsch schwören! " Es ist eine Ver- läugnung Gottes, ein Mißbrauch der Religion, eine Verspottung der ailerheiligsten Wahrheiten. Schädlichkeit^ Es ist aber auch höchst schädlich. GOtt wird es ernstlich strafen. Ein Meineidiger schadet seiner eignen Wohlfahrt und der menschlichen Gesellschaft , da er das Ansehen der Obrigkeit schwächet, und die Bande wodurch die menschliche Gesellschaft bestehen kann, zerreist , da er alle Treu und Glauben, ja selbst das Ansehen der Religion aufhebt.— Wer betheurt und weiß das es unwahr ist, wer vor GOtt verspricht und nicht halten will, wer einen falschen Eid schwört , der sagt vor GOtt und seiner Obrigkeit: „ Ob ich gleich weiß, ,, daß du o GOtt im Himmel sitzest und jezt alles „ siehst und hörst, so wag ichs doch hier öffent- „ lich und mit Vorbedacht , mit Wissen und „Willen meinen Richter und meinen Nächsten „ zu betrügen. Ob ich gleich weiß, daß du , o „ Allerheiligster, alle Ungerechtigkeit hassest , so „ so bin ich doch herzhaft genug in diesem Augen- » blick die allergrößte zu begehen ; Ob ich gleich »weiß, (*) Eine Handlung, die selbst Heiden für verfluchungs- würdig hielten. Meineid. 265 „ weiß, daß du mich ewig verdammen kannst; „ so wag ichs doch, dich zur Rache gegen mich „aufzufordern ; ich wag' es so gar um einer kurzen Straf zu entgehen mich selbst auf ewig „deinem Fluch zu überantworten. " Läßt sich etwas erschrecklichers sagen oder denken?? — Die Mittel wieder dieß Laster sind diese: Mittel wider. Man stelle sich die Eigenschaften GOttes , seine Allmacht, Allwissenheit — Heiligkeit — Gerechtigkeit, beständig und lebhaft vor! — Man erwäge die Wichtigkeit des Eids — ( S. Eid.) und die Abscheulichkeit des Meineids! Man denke, daß man dadurch in keinem Fall etwas gewinnt, hingegen sich ins gröste Elend stürzt! daß die Vergebung dieses Lasters schwer sey, und daß es sich durch gar nichts entschuldigen lasse! — S. Eid. Menschenliebe. S. Liebe. Menschwerdung. S, Geburt. Messias. S. IEsus. Missethat. S. Sünde. Mitleid. 266 Was «S ist. Beweg. gründe. Folgen. Mitleid. ^as Mitleid besteht in der herzlichen und thätigen Theilnahm an der Traurigkeit, der Noth und dem Elend andrer Menschen. Es besteht also nicht in blossen Worten, »sondern es muß im Herzen seinen Sitz haben, und sich durch helfende Thaten ausser». Man muß es also von blosser weichherzigkeic unterscheiden.— Zur Ausübung dieser Christentugend soll uns anreizen der Befehl GOttes: r Petr. III. 8. „Seyd mitleidig, brüderlich, inniglich, barm- „ herzig! " — Das Beyspiel unsers HErrn; die welr in der wi* leben , wo eine Menge Gegenstände sich befinden, die unsers Mitleids würdig sind; die Natur dieses Elend, die Menschen sind wie wir, unsere Brüdern und Schwestern — unsre eigne Natur, in welche die Empfindungen des Mitleids tief eingegraben sind. — Das Vergnügen, welches aus dem Mitleid entsteht und die heilsamen Folgen die es mit sich führt, ein ruhiges Gewissen , Aehn- lichkeit mit GOtt, Wohlgefallen GOttes und seine ewige Belohnung. ( Sehet auch Barmherzigkeit. ) Müssig- 267 Müsfiggang. ÄHüPggmig bi Gott und angeordnet hat. Ein fürtreflicher, wich- geordnet. , nothwendiger und wolthäriger Stand. Der obriff. Lürrreflrch , weil ihn GOtt emsezte , weil kcitl. Stand Odrigketten das Mittel sind , wodurch er andre 'stturnest,weil sie in der heil. Schrift die schönsten Namen führen: Väker des Landes, Hirten , Häupter Dbrigkeit. 275 Häupter, Gesalbte des HErrn / Dienerinnen GOttes. — Wichtig, weites schwer ist eine — wichtig, rechtschafne obrigkeitliche Person seyn. Sie soll ( das worauf man , wenn man selbst das Recht hat Obrigkeiten wählen zu helfen, allemal und allein sehen sollte ) fromm — aufrichtig — dem Geiz feind, klug, unpartheyisch, gerecht, friedliebend, sanftmüthig, demüthig, gedultig, thätig, unermüdet , unbestechbar und frey von aller Menschenfurcht seyn. — Wichtig aber auch ist der obrigkeitliche Stand, weil einer obrigkeitlichen Person sehr viele und wichtige Sachen, ja gar über das Leben zu richten vorkommen, und weil sie sich, je gerechter und unpartheyischer sie ist, viele Feinde macht. — Nothwendig— notkwen- und wohlthätig , weil eine regierende Macht zum Glük der Gesellschaft, so unentbehrlich ist, als ein Steurmann zum Schiffe. Wer würde das Eigenthum schützen — Frieden und Sicherheit unterhalten, Ordnung und Einheit im Ganzen befördern, die Laster verhüten, welche die allgemeine Glükseligkeit stöhren, wenn keine Obrigkeiten wären. — „ Wo nicht gute Rathschläge „sind, sagt Salomon , da zerfallet das Volk, „wo aber viel Räthe sind, da wird es erhalten." Sprüchw. Xl. 14. — Uebrigens ist es auch glücklich und mit wichtigen Vortheilen verbunden, eine rechtschafne obrigkeitliche Person zu seyn und — bciksam dadurch wird die schwere Last die dieser Stand.^^^^^ mit sich führt, um ein ziemliches erleichtert. — S r Eine 276 Prozesse. Eine rechtfchafne obrigkeitliche Person, hat beständiges Vergnügen, indem Bewußtseyn, viel Gutes geschaft zu haben. Sie kann auf GOttes Beystand, Licht, Kraft, Gnade, Liede und Segen zuversichtlich hoffen. Sie erhaltet den Gehorsam der Liebe und Fürbitte ihrer Unterthanen , guten Nachruhm im Tode, und einst den Gnadenlohn der Seligkeit. Pflichten gegen sie. S. Unterchanen. Osterlamm. S. Sacrament. Ostern. S. Auferstehung IEsir. Pfingsten. S. Geist. Prediger. S. Lehrer. Prozesse. ^inen rechtmäßigen Prozeß führen, sein Rech! auf die gehörige Weise vor Gericht suchen ist erst« sind laubr, weil GOtt selbst befohlen hat Richter zu stzen, Partheyen und Zeugen zu verhören, Urtheile abzufassen und seinem Volke selbst eine gewisse Gerichtsordnung gegeben hat. Zndeß wenn man dieselben vermeiden kann, so ists besser man vermeide sie; leide lieber ein kleines Unrecht, als daß man durch strenges Suchen des Rechts den andern Prozesse. 277 andern erbittre und um sein Geld bringe. Man beobachte dabey also folgende Regeln : Regeln. Man versuche vorher eh' man einen Prozeß anfängt, alle gelinden Mittel. Verfangen diese nichts, erst dann wende man sich an den Richter. Man fange nicht aus Haß , nicht in der Absicht einem andern zu schaden / nicht mit Freunden / Armen und Unbedachtsamen / nicht in Kleinigkeiten einen Prozeß an / sondern lediglich nur in grossen und wichtigen Dingen / im äussersten Nothfalle '. - Man unterwerfe sich dem Ausspruch des Richters und sey damit zufrieden, ohne daß man die Gegenparthey hasse. Denn wer »„nöthige, vermeidliche Prozesse anfängt, der handelt wider GOttes Gebott und wider die Liebe, die dem Nächsten nicht Böses thut. Und doch ist, wer sollte es denken? mancher Christ, dem nicht recht wol ist, wann er nicht prozeßiren kann, obschon die Erfahrung zeigt, daß nichts schadlichers ist, als Prozesse führen. Schädlich-- Sie stvhren die Gemüthsruh, sie verhindern die kett. christliche Liebe, sie bringen ums Geld und schaden dem Christenthum. — „ Denn, wo viel Rechnens und prozeßierens ist, sagt jemand, da »ists eine gewisse Anzeigung, daß da nicht »viele Christen sind!" — ^ Rache. 278 Rache. Rachsucht. Was sie ist deiche ist die Ahndung eines empfangnen , wählen oder vermutheten Unrechts. Die Wider- geltung des Bösen mit Bösem. Rachgier, Rachsucht , ist die heftige Begierde Räch zu üben, ein empfangnes Unrecht zu ahnden und zu vergelten. — Die Begierde dem Nächsten weh zu thun , der uns wehgethan, den zu beleidigen der uns beleidigt hat, u. s. w. dem Feind zu schaden. Schädlichkeit So gemein dieß Laster ist, so schändlich und Schändend schädlich ist es. Es ist von GOtt und JEsu verbotten. III. B.Mos XIX. i8. „ Du sollst dich „ nicht rächen! " Röm. XIII. y. u. f. ,, Rächet „ euch selbst nicht, ihr Geliebten." — Es ist also höchst unchristlich und wird von GOtt ernstlich gestraft werden. Ps. VIII. z. „ Du vertilgest den » Feind und den Rachgierigen. " — Ein Rachsüchtiger greift in die Rechte GOttes: Röm.XII. iy. „ Mir gehört die Rache, ich will es wider- „ gelten, spricht der HErr!" in die Rechte der Obrigkeit Röm.XIIi.4.„Sie ist eine Rächerin »zur Strafe über den der Böses thut! " — Es ist ungerecht gegen die öffentliche Ruh und Wolfahrt, gegen sich selbst und seinen Feind, er handelt also unmenschlich und höchst grausam. „Rachgier, sagt ein englischer Prediger, kann »nur einem Teufel oder einem Menschen von „eben Rache. Rachsucht. 279 „ eben so verfluchter Gemüthsart angenehm seyn. ,, Teufel ergözen sich daran , wenn sie Seelen un- „ glüklich machen. Bey Rachgier wird Barmherzigkeit vergessen, Gerechtigkeit nicht gehört, „ die Geseze JEsu mit Füssen getretten. — Kein „ Unglük ist dem Rachgierigen zu groß, wenn es „ nur in seiner Gewalt steht. Nie sind die Güter, „ nie das Leben eines andern sicher / wenn sie der „Arm desselben erreichen kann. Er trägt über „ nichts Bedenken, wenn es auch so niedrig, noch „ so entehrend, noch so ärgerlich, schlecht und „grausam ist."- Die Mittel diesem Laster vorzubeugen, be- Mittel stehen in Beobachtung folgender Regeln: ""d" Man betrachte den Befehl und das Beyspiel GOttes und ZEsU/ der allen so viel vergiebt, und auch dem Bösesten wol thut! Man sehe die Beleidigungen nicht für so groß an und stelle sie in Vergleichung mit denen Sünden, womit man täglich GOtt beleidigt! Man bedenke wie mißfällig, GOtt und den Menschen unerträglich man durch die Rache wird! Man dulde einander und vergebe einander die Beleidigungen, schweige, weil man mit Rache mehr verderbt als verbessert! Ist aber die Beleidigung und das erlittene Unrecht groß, so überlasse man die Rache GOtt und der Obrigkeit.'- „Wer rga Reiche. Reichthum. „ wer sich rächet, sagt Sirach, an dem „ wird sich der HErr wieder rächen und ihm „seine Sünden behalten; darum rächet euch „ selbst nicht, ihr Geliebten! Rechtschaffenheit. S. Fromyikeit. Regent. S. Obrigkeit. Reiche. Reichthum. War er ist. Reichthum ist ein Ueberfluß an zeitlichem Vep mögen. Reiche sind/ die Reichthum besitzen. Reichthum an und für sich hat keinen Werth. Werth, sondern es ist ein nakender Vorzug , ohne alle wahre Verdienste, ein blosser Zufall des Glüks. Er ist irrdisch — vergänglich und unbeständig / und eben daher auch ganz unfähig den Menschen frömmer, weiser, geehrter, ruhiger und Gefahr des. slükltcher zu machen. Er ist gefährlich. Er verleiben. dirbt das Herz der meisten Menschen, er hindert sie an Ausübung ihrer Christenpflichten, er macht sie stolz und karg, verächtlich, ungerecht gegen andre, verschwenderisch und überhaupt ungküklich. Ich sage meist. — Er ist auch mit einer schweren Rechenschaft verbunden, da er nicht Eigenthum der Menschen, sondern von GOtt ihm zum rechten Gebrauch gegeben ist, wodurch er erst einen wahren Reiche. Reichthum. 281 wahren Werth bekommt. — Dieser rechte Ge- R«ch„r brauch des Rechthums aber besteht darin», daß Btbrauch, man ihn zur Befriedigung der eignen und andrer nothwendiger Bedürfnissen/zu Wohlthaten u. s. f. und denn auch zur Bequemlichkeit und erlaubten Vergnügen anwende. — Aus diesen Gründen nach Reichthum mit Anwendung unsündlicher Mittel streben, ist einem Christen erlaubt. Uebri- Strebt» gens ist es besser sich beym Mittelstand begnügen darnach, lassen, mit wenigem zufrieden seyn, die Reichen weder verachten noch beneiden , den Reichthum zur wahrenlGlükseligkeit für entbehrlich, Schäze der Tugend und Religion aber für unentbehrlich halten. —Wem aber Reichthum zu theil wordMPflichten de» ist, der Hütte sich vpr Stolz und Uebermuth, vor Reiche». Geiz oder Verschwendung, troze und baue nicht auf denselben, weil er nicht sein Eigenthum ist, und gebrauche ihn nach den Absichten GOttes, andre und mit ihnen sich selbst glüklich zu machen. Zerem. IX. 2z. „ Der Reiche rühme sich nicht „seines Reichthums!" I.-Thimvth. VI. 17 - iy. „ Den Reichen dieser Welt gebeut, daß sie nicht „stolz seyen, noch auf den ungewissen Reichthum „ hoffen, sondern auf den lebendigen GOtt, der „ uns alles reichlich zu gemessen giebt; daß sie gut- „ thätig seyen, an guten Werken reich werden, „ freygebig seyen und gemeinnützig; sich für die „ Zukunft einen guten Schaz sammeln, daß sie das ewige Leben ergreifen!- Mensch, 282 Religion- Mensch, laß dich doch das Geld nicht blenden Und hänge nie dein Herz daran! Der Reichthum schmilzt oft in den Handen, Der Reich wird oft ein armer Mann; Darum sey du ein weiser Christ, Deß größter Schaz im Himmel ist! — Reinigkeit. S. Reuschheit. Religion. Religions - Bekenntniß. — Duldung. — Eifer. — Spötterey. — Verachtung. Religion ist nichts anders, als die Art und Weise GOtt zu verehren. Kein Volk in der Welt ist ganz ohne Religion — nur in der Form Wie viele derselben gehen sie von einander ab. Es sind vier Haupt-Religionen in der Welt. Die christliche, die jüdische, die heidnische und türkische.— die Beßre. Unter diesen ist die Christliche die Beßre. — Denn sie hat den allerheiligsten Stifter — sie hebt die ersten Gründe der menschlichen Erkenntniß nicht auf, man darf seinen Verstand vollkommen dazu gebrauchen — sie bringt uns die erhabensten und anständigste Begriffe von GOtt bey — sie bezieht sich nicht nur auf dieß sondern auch auf das zukünftige Leben — sie giebt den Menschen die besten Mittel an die Hände mit GOtt versöhnet zu werden — sie beruht auf GOttes ReligionsBekenntniß. 28z GOttes eigner Offenbarung und ziehlt auf die Verherrlichung GOttes und die Glükseligkeit des Menschen ab. — Sie macht wirklich die Menschen die sich nach ihrer Vorschrift richten allein höchst glücklich. Sie lehrt die Seligkeit nicht nur durch Wissen oderThun, sondern sie verbindet die Erkenntniß GOttes und die 'Ausübung seiner Vorschriften beständig mit einander. Alles Kennzeichen der beßten und der christlichen Religion. Diese Religion, muß die Hauptfach eines Religion Christen seyn. ( Denn die Religion ists , die seinen ganzen Vorzug und seine ganze Bestimmung deEnsten ausmacht, und auf welcher sein ganzes Wohl für Zeit und Ewigkeit beruhet. ) Das heißt: er muß sich bemühen sie in ihrem ganzen Umfange kennen zu lernen, er muß seine Erkenntniß auf alle Weise zu vermehren suchen und sich so oft als möglich mit ihren Wahrheiten beschäftigen. Am allermeisten aber muß er sich Mühe geben, nach seiner Ueberzeugung die er von ihrem hohen Werthe hat zu handeln, und so in seinem rechtschaffen Wandel zeigen, daß er von ihrer Wahrheit und Göttlichkeit innigst überzeugt und gerührt sey. Religionsbekennttiiß. ^in Christ ist auch schuldig seine Religion, Was es in durch Worte und Thaten zu bekennen, und wenn ^ ^et. der Fall kommen sollte, daß er entweder bey Reli-- gi onsverfolgungen, die Wahrheit mit dem Irrthum zu 284 Religionsduldung. zu vertauschen genöthiget , oder vo» einer Obrigkeit, die einer fremden Religion zugethan ist, um seinen Glauben befragt würde, so ist er, vermög der Belehrungen der Schrift und andrer Pflichten verbunden , sich auch mit Verlust seiner Güter, seines Amtes und seines Leben zu feiner Religion öffentlich und freymüchig, jedoch vorsichtig und bescheiden zu bekennen. Sehet Match. X. 16,zy. XVI. 24. r PetrilV. rz-iy. rThimoth.il. n« u. s. f. Religionsduldung. Ap-Seist? (§in Christ ist schuldig Leute von einer andere Religionsparthey zu dulden, sich christlich und sanft gegen sie zu betragen , und ihnen nichts in Weg zu legen. Dieß ist den Grundsätzen des Christenthums/dem Betragen JEsu und seiner Apostel gemäß, der wahren Religion nicht nur unschädlich, sondern so gar befürderlich und dem Staate nüzlich, da hingegen Intoleranz, Unduldsamkeit oder Religionsverfolgung, unvernünftig, ungerecht, grausam, der Religion nachtheilig und den Absichten und Verfahren ZEsu und seiner Apostel ganz zuwider ist. Match. X. i. Xlll. 24- 32. XXIlb. 29 - zy. Luc. lX.gr-Zb. Röm. XIV. z - ü.-- Sehet Irrende. Religionseiftr. Was er ist. Christ ist schuldig für seine Religion zu eifern, das heist: sie mit Liebe, Schonung und Duld- Relrgtonseifer. 28f Duldsamkeit am allermeisten aber durch einen ihr gemäßen Wandel zu vertheidigen, und im Fall der Noch alles zu wagen ihre Ehre und Wahrheit zu verfechten. Aber es muß nicht in eine aufgebrachtexalschEli. ungestümme Gemüthsbewegung ausarten / die den sionsrtfcr. andern um einer andern Meinung oder um einer Kleinigkeit willen mit Grimm und Wuth verfolgt. Dieß heist man einen falschen, blinden Reli- gionseifer, und dieser rührt meistens aus Irrthum, Heuchelei) oder Aberglauben her, und ist höchst schädlich und schändlich. Man lese nur^^^eit die Geschichten der vorigen Zeiten , und man wird-"w GchZ- d' finden, welche Uebel er gestiftet hat. Er Hai Häuser, ' seib-)acrament heissen von GOcr selbst ange-Wa§ sie sinv. ordnete heilige Religionshandlungen, die uns irgend einer Wolthat, von ihm erinnern und uns zu besondern Pflichten gegen ihn ermuntern sollen. Sacramente sind auch gewisse von GOrc verordnete Zeichen und Siegel seiner Gnad und Liebe gegen die Menschen. Im alten Bunde, vor Christi Geburt, waren Wie viele, zwey Sacramente. Die Beschneidung, die jedem israelitischen Knäblein am achten Tag nach seiner Geburt zugedient werden mußte. Dadurch sollten die Kinder der israelitischen Kirche einverleibet, von allen andern Völkern unterscheiden , und zugleich Theilnehmer an dem Bund werden, den GOtt mit Abraham aufgerichtet hat. — Sie ward von GOtt d em Abraham angegeben , ungefehr im Jahr nach Erschaffung der Welt 20^8. i Mos. XVll. 7-1,3' Das Osterlamm, oder der T 2 Ueber- L92 Sanftmuth. Ueberschritk. Dieß Sacrament bestand dämm , daß zu bestimmter Zeit jeder israelitische Hausvater ein Lamm schlachten und essen mußte, zur Erinnerung , wie GOtt ihre Voreltern aus der Dienstbarkeit Aegyptens befreyt hätte. — Im neuen Bunde, nach Christi Geburt, haben wir auch zwey Sakramente, die er ein- gesezt hat, die Taufe und das Abendmahl. — S. Abendmahl und Taufe. Sanftmuth. WasiA siet sanftmuth ist diejenige Tugend , da man den Zorn, auch den rechtmäßigen Zorn mässigt und zurückehält, des Nächsten Schwachheiten und Fehler mit Geduld erwägt und seine Lang- muth in Worten und Verhalten gegen ihn äussert. Bewea- Zur Sanftmuth soll uns bewegen, die Begründ«. fehle GOcces: Ephes. IV« 2. „ Wandelt in aller ,, Sanftmuth!" Tit- III. 2.,, Man erzeige Sanft-- „ muth gegen alle Menschen!" — Die Beyspiele des sanftmüthigsten ZEsus und andrer die uns in der heiligen Schrift vorgestellet werden. Die Nouh«ile. Liebenswürdigkeit und die Vortheile der Sanftmuth. Man wird dadurch GOtt und JEsu ähnlich, lieb und wolgefällig — man macht sich selbst ein ruhiges Leben, erspart sich viel Verdruß, und entgeht vielen Widerwärtigkeiten. — Sanft- Schelten. 29 z Sanftmurh ist das beßte Mittel die Feinde zu beschämen und zurük zu bringen und wird einst ihren Lohn im Himmel haben. „ Christen! seyt Nachfolger IEsu Christi „und lernet von ihm, denn er war im hoch-« „sten Grade sanfrmüthig! Selig sind die „ Ganftmürhigen, sie werden das Erdreich „ ererben!" — Satan. S. Teufel. Saufen. S. Trunkenheit. Schelten. Schimpfen. Schmähen. schelten ist ein gemeines Laster, dessen Schändlichkeit und Sünde wol selten recht erkannt wird. Also immer ein Wort davon: Schelten heisr mit Schmähwvrten, mit rauhen groben Worten Schuldige oder Unschuldige hart angreifen. — Dieß ist nun sehr schändlich und schädlich, also eine grosse Sünde. Es streitet wider GOt- tes und JEsu Gebotl und Exempel, und wider die Liebe des Nächsten, der dadurch selten gebessert, wol aber aufgebracht und zur Sünde gereizt wird, zu Gegenscheltung, zu Zorn, Prozessen, oft zu Mord und Todschlag. Durch Schelten verräth Was es ist. «Fände desselben. 294 Schmeichele^. verräth man eine wilde Gemüthsart und schadet feiner eignen Gesundheit und Ruh, macht sich bey Menschen verhaßt und der Strafe GOttes würdig. Math. V. 22. „ Wer seinen Bruder einen „Gottlosen, oder Ketzer schilt, ist des höllischen „ Feuer schuldig!" r Joh. III. i A. „ Ein jeder der „seinen Bruder hasset, ist ein Todschläger!'' — Mittel sich Dieß oft und ernstlich bedenken, alle An- davor zu Ee wo man dazu verleitet werden könnte, Spiel, Ea ren. Schwelgen, Geiz, u. s. f. meiden, mehr auf sich als auf andre sehn, über sein Herz wachen, seine Zunge meistern lernen. dieß sind die beßten Mittel wodurch man sich vor diesem Laster bewahren kann.— Zum Aufschlagen dienen folgende Stellen: 1 Petri II. rz. III. 8-18. 1 Cor. IV. 12. iz. Syrach XXIII. 20. Schmeicheley. Was es ist. gehört zu den Lügen und der Falschheit, und ist diejenige Unart, da man einen andern wider besser Wissen und Gewissen lobt, oder was würklich lobenswürdig ist, übermässig erhöht — das Kleine vergrößert, und das was zu tadeln wäre verkleinert, zu gefallen redt oder Quellen, schweigt. — Es entsteht meistens aus Eigen- nuz, aus Falschheit und schändlicher Gewohn- Schändlichk.heit; und ist ein schändliches Laster, daß einen Menschen SlhvLft. 29 s Menschen rech t schäide. Denn ein Schmeichler ist der n jeder tt'ächtyst Mensch von der Welt. Um einen Pfenninc, )eist es, wider die Vernunft und seine Uebrzeigung, weiß schwarz, und Laster Tugend, u nd Tugend Laster — und stürzt dadurch manchen Mnchen in das größte Unglük, in Mißkenntniß ode Nichtkenntniß seiner selbst. Auch streitet dieß Later wider die einem Christen höchstnothwendiZe Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit. — Spruch». XlX. 5. Wer seinem „ Nächsten schmeichelt/ der spannt ein Nez für „stine Füsse." Schrift. ' ^^ie heilige Schrift, die Bibel., ist eine Was sie ih. Sammlung heiliger Lücher, von heiligen, von GOtt erleuchteten, von seinem Geiste belebten Männern , Moses, den Propheten, Evangelisten und Aposteln verfaßt, worinn theils angenehme und lehrreiche Geschichten, die Geschichte der Erschaffung der Welt, des Volks Israels, u.s. f. Die Geschichte JEsu und stiner Apostel, theils verschleime Weissagungen verschiedner Propheten , theils auch besondre erhabne Lehren und Verhaltungsregeln, nebst Mitteln zu einem hier und dort in Ewigkeit glüklichen Leben mitgetheilt und geoffenbart sind — die ersten heissen Ge- schichtbücher, die andern prophetische - die Drilten Lehrbücher — Kurz die heil» Schrift ist 2 und 296 Schrift. und soll seyn, eine nähere Offenbarung des Willens und der Befehle GOttes zur Erlangung unsrer zeitlichen und ewigen Glückseligkeit. — G-tttichkeir. Sie ist Göttlich — würklich GOttes Wort — von GOtt eingegeben — 2 Thimot. III. 16. „ Die ganze Schrift ist von GOtt einge- „geistet." 2 Petri 1 .21. „ Die heiligen Männer „ GOttes haben geredt aus Trieb des h. Geistes!" Dieß beweisen hauptsächlich die darinn enthalt- uen verheissungen, womit alle übrige Lehrsäze, Pflichten, Drohungen und Geschichten genau übereinstimmen — ihre Weissagungen, denn die Geschichten , die sie erzählt, sind beynahe nichts anders, als Erfüllung der Weissagungen — aus ihren Wundern — Geheimnissen — aus der herrlichen Uebereinstimmung aller ihrer Verfassern — aus den darinn enthaltnen vortreflichen Lehren, die wir sonst nirgendswo finden — aus derselben Rraft und Nachdruk — aus ihrer wun- BMoin. derbaren Erhaltung — aus ihrer Oollkommen- menheit. htzir, weil alles, ganz alles , was zur Vervoll- kommung unsers sittlichen Zustand und zur Erlangung der ewigen Glükseligkeit führen kann, ausdrüklich darinn enthalten ist—aus ihrer Hei- Dcutlichkeit terkeit oder Deutlichkeit — weil alles ( mit Beding , alles was zu unserm Heil dient) in derselben, klar, deutlich und verständlich angetroffen Wlihrhaf. wird — aus ihrer Wahrhaftigkeit, weil alles, uzt-«, wag darinn enthalten ist, höchst wahr ist, so daß es Schrift. 297 es nur ein unsinnige oder boshafter Mensch zu läugnen nur versuchst darf — aus ihrem grossen lenzen (r Thimott. III. rf. 16.) denn sie ist das Nuzm. allerbeßte Lehrbuch - kein Buch in der Welt lehrt uns den Weg zur Älükseligkeit wie sie — keine kann uns so trösten in allen Fällen und wahrhaftig beruhigen — keine unsre Seelen so mit lebendigen und erqukenden Hofnungen erfüllen — keine uns so zum Giten ermuntern und vom bösen abschreken, wie sie. — Ich denke das sind doch Gründe genug /Pflicht m m- warum wir sie recht hochschäzen, sie GOtt von 1>cht dcrselb ganzem Herzen verdanken, sie oft, andächtig, mit Ernst und Nachdenken, mit Aufmerksamkeit und Ehrerbietung lesen, und damit umgehen sollen , als mit GOrtes, nicht als mit Menschen Wort. Forschet also , Christen! in der Schrift, dem theursten Schaze den euch GOtt anvertraut hat, prägt dieselbe nicht nur dem Gedächtniß, sondern dem Herzen ein, macht euch nicht groß damit viel Cchriftstellen auswendig zu wissen, dieß hat keinen Werth, wenn ihr nicht darnach lebe. — Laßt euch durch die Schrift unterweisen zur Seligkeit! Schworen. 298 Schwören. W«Slß es,^^^^ heist E Sache leichtsinniger Weise betheuren s sey' es beym Himmel, oder bey GOtt, oder seiner Seele, u. s. f. ES ist grosse Es ist eine grosse Sünde, (Math. V. ZZ.) Sunde. ^ j-^Elie vieler Sünden. Ein Schwörer verliert nach und nach alles Ehrfurchtsgefühl gegen GOtt, Religion und Tugend. Er wird zu Lügen und Betiügereyen verleitet — und zum Meineid fähig gemacht — alles Heilige wird ihm gleichgültig und lächerlich. — Es gehört unter eine Classe mit dem Fluchen, (S. Fluchen.) und ist also eine Sünde wider das dritte Gehott, welche GOtt ernstlich strafen wird. — Quellen. Die Duellen dieser Sünde sind '. Mangel an Hochachtung gegen GOtt und göttliche Dinge, Gedankenlosigkeit, ein verwildertes Gemüth, eiy böses Herz, böse Beyspiele, Gewohnheit. — Entschuld». Man entschuldigt auch dieß Laster : „Ich will darmic nur meine Reden und « Aussagen bekräftigen — und glaubwürdig machen. " So seyd ihr also so sehr den Lügen ergeben, daß euch auf euer blosses Wort niemand mehr trauen und glauben darf. — « Ich schwöre nie, weder wenn ich so «zornig bin, und nicht mehr weiß was ich «rede!" Schwören. 299 „rede! — Das reiß ich einen Fehler mit dem andern entschuldign. Handelt auch jemals ein vernünftiger Menfh, ohne Ueberlegung, und läßt sich von einer Leudmschaft zum Unsinn hinweisen? „ Es ist so d«er Gebrauch in der grossen U)elt „ jener Grosse , jener Herr, u. s f. schwören „ auch , und es iß ihnen ja nicht aufheblich , „ sie können ja dessen ungeachtet zu Ehren- „ stellen gelangen!" — Ist es dir darum nicht Sünde, wenn du dem andern eine Sünde ablernest , hört Süld auf Sünde zu seyn, wenn ein Grösserer als du bist sie auch begeht? — „Stellet euch nicht gleich dieser Welt! " — Weissest du das? — „Es ist einmal so meine Gewohnheit!" O schlimm , wenn dir das Sündigen gar zur Gewohnheit worden ist! Ich dachte eine Gewohnheit die so schimpflich, so GOtt entehrend, so strafwürdig und menschenfeindlich ist, solltest du obliegen und dir Gewalt anthun sie dir zu ent- reissen. — (S. Fluchen.) Also doch keine Entschuldigung für kein Laster. Laster bleibt Laster, das GOtt strafen wird und das sich selbst straft, und wenn die ganze Welt ihm ergeben wäre.— „ Eure ganze und höchste Betheurung „sey ja , ja, oder nein, nein, jede andre di.e „ drüber ist, ist Sünde!" — Seele. ZOO Seele. W«s sie ist. von dem Leib verschleime Wesen in dem Menschen, welches die', Ursach von den verschleimen Wirkungen ist, die wir in uns wahrnehmen, durch innerliche Empfindung. Das Wesen, welches in uns denkt, überlegt, Entschließungen faßt, u. f. Vortref. Sie hat eine hohe Würde und ist vorrreflich llchkeit. und edel. Sie hat ihren Ursprung von GOtt, sie ist ein geistiges Wesen , sie hat die fürtreflich- sten Eigenschaften, Verstand und Willen und dauert ewig fort, sie überlebt den Körper, das heist, sie ist unsterblich. — Die Beweise ihrer UnsterSlichk. Unsterblichkeit sind hauptsächlich folgende r_ '' Aus der Vernunft. Die Unsterblichkeit der Seele bezieht sich auf unsre eigne Empfindung. Wir scheuhen nichts so sehr, als die gänzliche Zernich- mng und wünschen nichts so sehr als unsre Fortdauer. Die Unsterblichkeit der Seele ward auch bey allen Völkern für die wichtigste Wahrheit gehalten. — Diese Lehre stimmt mit den herrlichsten Eigenschaften GOttes, mit seiner Güte und Gerechtigkeit, Allmacht und Weisheit und mit der uns so natürlichen Grundwahrheit, vom Unterschied des Guten und Bösen , der Hofnung und Furcht , überein. Sie befördert die allgemeine und besondre Glükseligkeit. — Die Unsterblichkeit der Seele erhellet aus dem Wesen der Seele. Sie Seele. zoi Sie ist ein Geist. Ein Geist aber ist ein einfaches, unkörperliches, unteilbares und unsterbliches Wesen — und aus der keil. Schrift: Predb. ?. XII. 7. Hebr. IX. 27. Math. XII. 28. XXH.Z2. Luc. XII.20. XVI. 2z. Zoh. XI. 25. XIV. iy. 2Thimvch. I. 9. Tit. II. n. Hebr. II. 3-5. VII. r6. 19. VIII. 6. IX. IZ.X. r. Act. XVII. ZO,;i. i Ioh. II. rs. u. s.w. Diese Stellen alle reden von einem künftigen Zustande der Wieder- Vergeltung und Auferwekung, welches nicht möglich wäre, wenn die Seele nicht unsterblich wäre. Ist nun unsre Seele unsterblich, so müssen Pflichten wir den Werth und die Hoheit derselben erkennen , ihre Kräfte vernünftig und fleiffig, christlich und ordentlich gebrauchen und anwenden, und dieselben ru vervollkommen, selbst so viel möglich zu bewahren suchen, damit wir dadurch eines vollkvmmnern Zustandes in jenem Leben fähig werden mögen. — (Legen. Sehet Wohlthaten. Selbsterkmiitniß. S. Erkenntniß. Selbsterniedrigung. S. Demuth. Selbstliebe. S. Eigenliebe. Selbst- Z02 Selbstmord. Was er j/r. Selbstmord ist eine Handlung , wodurch sich der Mensch seines Lebens beraubt. — Dieß kann nun geschehen auf subtilere Weise, durch allerley Sachen , die den Tod beschleunigen , durch Un- mäsfigkeit und Schwelgerey , durch Gram und Verdruß, durch Zorn und auffahrende Wuth , durch Unterlassung der Pflege des Leibes , durch Begebung in unnöthige Gefahr, durch Versau- mung nöthiger Hülfs oder Heilungsmittel, u. s. f. auf gröbere Weise aber / wenn man selbst Hand an sich legt und sich das Leben nimmt, seys nun durch Gift, Dolch, Geschoß, Strick, Wasser oder dergleichen. Qiikllm. Der Selbstmord hat verschiedne (Quellen^ Ein dickes Blut und Verirrung des Verstandes, unbefriedigte Leidenschaften, Geiz, Hochmuth, Wollust und anders. — Ungeduld oder Furcht wegen gegenwärtiger oder bevorstehender Leiden. Vermeidung der Schande. — Uneinigkeit — Schwärmerey — Unwissenheit — oder gar vermeinte Pflicht und dergleichen. — Sünde. Der Selbstmord ist höchst schändlich und siundlich. Er ist dem Gebotte GOttes zuwieder, besonders dem sechsten Gebotte, wo unter dem Wm Todschlag der Selbstmord verbotten ist, es ist eine Undankbarkeit und ein Ungehorsam gegen Selbstmord. zoz gegen GOtt, der uns das Leben gegeben hat. Ein Selbstmörder will GOtt entlaufen, greift ihm vor, und wirst alles Vertrauen auf GOttes Gnade und Barmherzigkeit weg. Er Übertritte! das Gesez der allgemeinen Selbstliebe und der Natur, welche uns die Erhaltung unsers Lebens befiehlt; er bringt sich um alle Vortheile dieses Lebens; er sezt sich in die fürchterliche Gefahr bey mißlingender That in den fürchterlichsten Schmerzen und Schande fortzuleben ; er wird von Schimpf und Schande begleitet; er schändet seinen Leib ; er betrübt seine Verwandten ; er ärgert andre und läuft einem sehr zweifelhaften Schicksale in jenem Leben entgegen. Selbstmörder werden auch wirklich in der Bibel als häßliche Leute geschildert. Ahitopfel , Judas , Saul, Simson. Jedoch es können Fälle seyn , wo sich diese Strafbarkeit vermindert oder gar aufgebebt wird, wenn z. E. ein Schwermüthiger, Hypochondrischer oder Verrükter sich selbst Gewalt an thut, der an seiner Krankheit keine Schuld hat. Daher zwar soll freylich ein jeder Christ den Selbstmord von ganzem Herzen verabscbeuhen, andre aber die so unglücklich waren ihn zu begehen , in Absicht ihres Charakters, Zustands und ihrer Absichten, besonders auch ihrer künftigen Seligkeit liebreich zubeurthrilen. „ Wer bist du, mag es auch in diesem Fall heißen, der „ du einen fremden Knecht richtest, er steht und -- fallt seinem eignen HErrn!" Mit Z04 Selbstmord. Mit Schwermütigen oder andern, bey denen man in Sorgen stehen muß, daß sie sich selbst Gewalt anthun möchten, gehe man l ochst sanft und liebreich um, stelle ihnen mit Behutsamkeit die Grausamkeit, Schändlichkeit und Sünde des Selbstmords vor; man wende die gehörigen Arzneymittel an, suche sie zu zerstreuen, räume ihnen alle Gelegenheiten zum Selbstmord hinweg, gebe fleissig auf ihren Umgang acht, lasse sie nie alleine, und tröste sie mit GOttes Wort und Gnade! — Oeffentlicher Schimpf und Schande sollte ein Mittel seyn, wodurch dem Selbstmorde Schranken gesezt werden können. Ich füge über diesen Punkt nichts mehr bey, als die einige Anmerkung die ich unlängst irgendwo las: „ Sollte man nicht Mühe haben , diese „Schande für möglich zu halten, wenn man ihre „Wirklichkeit nicht (je länger je mehr) aus Er- „ fahrungen wußte! Bey der schlimsten Meinung „von den Sitten des Menschen sollte man diese „ Niederträchtigkeit kaum vermuthen können. — „ Wir beklagen es indeß, daß noch Leute vor- „ Handen sind, die dieß schändliche Laster (münd- „lich und in Schriften und durch Schriften ) „nicht nur zu vertünchen und zu verbeten suchen, „ sondern es wohl gar für ein Zeichen eines Helden- „wüthigen Geistes erklären!!" Selbst- Selbstprüfung. S. Abendmahl. Seligkeit. Seligkeit', ewiges Leben , Himmel , ewige Was ist sie? Freude, Reich des Himmel u. s. f. ist die Vollendung der Glückseligkeit der frommen Christen ick jenem Leben, in der Ewigkeit. Daß es eine Seligkeit gebe , zeugt dieSinst gewiß. Schrift an verschiedenen Orten, (z. E. Daniel XII. 2. „ Viele die im Staub der Erden schla- „ fen, werden erwachen, etliche zum ewigen Leben?' Match. XX V. 46. „ Die Gerechten werden ins „ ewige Leben eingehen! " so auch Joh. X. 27. i Cor. II. 9. u s.f.) Auch die Unsterblichkeit der Seele und ihr sehnliches Verlangen nach einem glüklichen Zustand jenseits des Grabes ist uns Bürge dafür. IVorinn die Seligkeit oder jener voll- kommne Zustand der Frommen in der Ewigkeit. ^ bestehe, das können wir mit unserm beschränkten Verstände nicht ganz beschreiben, aber nach unsern Begriffen von Glükseligkeit und dem was wir in der Bibel davon lesen, müssen unstreitig hauptsächlich folgende Stücke dazu gehören: Befreyung von aller Noth, Uebel und Elend. — s Thimoth. IV. i 8 .. » Der HErr wird sie von U allen zos Seligkeit. ,> allen bösen Werken erlösen." Genuß alles des Besten das wir uns hier unmöglich vorstellen, mit keiner Sprache beschreiben können Anschauen GOttes und JEsu, nähere Verbindung und grössere Gemeinschaft mit ihm. Gesellschaft des Engel und der heiligsten und besten Menschen. Wiedervereinigung mit unsern frommen verstorbnen Geliebten, ein beständig gutes Gewissen; Vervollkommnung unsrer Seelenkräften / Verklärung unsers Leibs. Fortdauer alles dessen bis in Ewigkeit. — Mittel dar»: Die Mittel zu dieser Seligkeit zu gelangen ist Glaube, d. i. Erkenntniß und wahres Vertrauen auf JEsum Christum, das sich in einem heiligen Wandel äussert. Joh. III. 36. Wer an „ den Sohn glaubt , der hat das ewige Leben." Act. XVI. 31. „ Glaub an den HErrn JEsum, „ so wirst du selig werden! " — Darum nennt Petrus I. Br. r. 8- y. ,, Die Seligkeit das ,, Ende, die Folgen des Glaubens." — „ Glaube Christ an den HErrn JEsum, „ der uns diese Seligkeit erworben hat, so wirst „ du selig werden! " —- Sohn (GOttes.) S.IEftrs. Sonntag. Z07 Sonntag. ^)a GOtt die Welt in sechs Tagen erschaffen hatte, ruhete er am siebenden Tage, d. i. er schuf an demseibigen nichts neues mehr. Und diesen Tag segnete er, er verordnete , daß ihn auch die Menschen als einen heiligen Ruhtag ansehen soll« ten. Er gab dießfalls wirklich ein besonders Gesez das in den zehen Geborten mit innbegriffen ist: Gedenke des Sabbalhtags — — — heiliget ihn. — Diesem Geborte lebten die Juden nach; indem sie den siebenden Wochentag , den Sonn- Abend ( Samstag ) also feyerten / daß sie an dem- selbigen keine Arbeit verrichteten, sich in Tempel oder den Synagogen (Versammlungen / Gebett- Häusem) rinfanden, und den Tag mit Gebett und Andachtsübungen zubrachten. — JEsus selbst unterwarf sich diesem Gesez seines Vaters auf's gewissenhafteste. — Nachher fanden die Apostel für gut den ersten Wochentag mit ihren Anhängern zu feyern / um theils am jüdischen Sabbat kein Aufsehn zu machen / wenn sie sich absonderten und eine eigne Versammlung hielten, theils auch um sich der Auferstehung ihres HErrn, dieser freudigsten Begebenheit zu erinnern. Das thaten sie / aber bestimmten nichts als Gesez. Erst nachher ward durch obrigkeitliche Geseze der Sonntag den sie feyerten / zum Sab- bathtagr für die Christen bestimmt. Und densel- U r bigen Geschichte der Komi- tagsfeyer. zo8 Sonntag. Schuldigkeit bigm sind wir also zu feyern schuldige theils aus ihnjuftyern.Gehorsam gegen unsre Obrigkeit/ theils weil wie GOtt einen Tag der Woche zu seinem Dienste zu feyern schuldig sind, und weil uns der erste Tag der Woche nicht allein durch die Schöpfung, sondern auch durch die Auferstehung JEsu, zu deren Andenken er vorzüglich begangen werden soll, merkwürdig und erfreulich worden ist. — Absichten Die Absichten der Sonntagsfeyer sind der dieser Feyer -öffentliche und besondere Gottesdienst, (S. Gottesdienst) und die Ruh und Erhellung. Denn der Sonntag ist ein Tag der Ruh und Erhollung für Leib und Geist, und also eine grosse Wolthat. sr«h am Wjx müssen also an demselbigen von unsern ge- onntag. wohnlichen Arbeiten ruhn; doch giebt es Falle, wo wir mit gutem Gewissen «ine Arbeit verrichten dürfen, nemlich wenn es der Sonntagsfeyer nicht hinderlich sondern befürderlich, wo nothwendige, dringende, unverschiebliche Geschäfte sind und besonders wo wir dem Nächsten in der Noth helfen können. Auch dürfen wir uns an dem Sonntag Vergnügn», durch anständige Ergözungen erhöhen. Dieß "hellet, so wol aus der Sabbathfeyer des alten ' Testament, wo die Juden gewöhnlich Sabbaths- Mahlzeiten hielten — und aus dem Beyspiel JEsu, der selbst bey solchen Mahlzeiten gegenwärtig war, als auch daraus: weil dergleichen Erholungen uns zu unsern Berufsgeschäften fähiger und williger machen. Man ergöze sich also immerhin an einem Sonntage, Sonntag. zaz> Sonntage , aber nehme dabey folgende Regeln Regel»: in Acht : Man mache die Ergözungen nicht zur Hauptabsicht des Sonntags, daß man sich nur um derselben willen auf denselben freue! — Man genieße sie nicht eher, als bis man die wichtigsten Absichten des Sonntags erfüllt hat! — Man wähle anständige, unsündliche Vergnügungen , die den Absichten des Sonntags nicht nur hinderlich, sondern befürderlich sind I z. Ep. Spaziergänge, Lcftn eines guten Buchs, freundschaftliche Gespräch , Musik, rc. — Man seze aber auch diesen Ergszungen die gehörigen Schranken! — Diesen oben angezeigten Absichten auf ange- Heiligung zeigte Weise entsprechen, heist dann den Sonntags Sontags. heiligen — (obschon das was an diesem Tag Sünde ist es an einem andern auch ist, aber an diesem doppelt) ihnen nicht entsprechen, heist ihn entheiligen. Und diese Entheiligung ist eine grosseEntheiligung Sünde und sehr schädlich. Man widerstrebt GOttes und der Obrigkeit heilsamen Ordnungen und beraubet sich selbst allen Segens, den man von der Feyer desselben sonst hätte haben können. — Wie nöthig hat doch jeder Christ GOtt zu bitten : Hilf, zio Sorgen. Hilf, GOtt , mir stets bedenken, Wie heilig dieser Tag! Was sündlich , tief versenken, Damit ich ruhen mag! Erwek die Lust in mir, Ihn christlich zu begehen! Laß mich dein Antliz sehen, Und zeuch mein Herz zu dir'. — Sorgen. sind eine Bekümmerniß über eine Sache, wie sie zu erlangen, zu bewahren oder abzuwenden sey. Es giebt erlaubte und unerlaubte Unerlaubte : Sorgen. Unerlaubte Sorgen sind alle bloß irrdischen, auf die weite Zukunft hinaus gehenden , geizigen, gar zu ängstlichen und mißtrauischen Sorgen. Diese sind in GOttes Wort verholten. Phil. IV. 6. „ Sorget nichts! ". i Thim. VI. 8 . ,, Wenn wir Nahrung und Deke haben, „ sollen wir uns dessen genügen lassen." Sie sind vergeblich und unnöthig : Ps. LXXVII. 2. >, Es ,, ist umsonst daß ihr früh aufsteht und spat nieder- ,,geht, und esset euer Brod mit Sorgen!'' — Sie sind ein Eingriff in die Fürsorge GOttes und ein wahres Mißtrauen in dieselbe: Math. VI. 27. »Welcher unter euch kann mit Sorgen „ eine einige Elle zu seiner Länge hinzuthun ? " Sie sind thörricht: Math. VI. —- Schädlich und der Ruh und Glükseligkeit der Menschen nachteilig. Math. VI. 25.— Erlaubte Sparsamkeit. zu Erlaubte Sorgen sind die Sorge für unsre Erlaubt! Seele, ihre Besserung und ihre Vervollkommnung, .und die Sorge für unsre irrdische Wolfahrt. — Für Gesundheit, Ehre und guten Namen, Vermögen , u s. f. Dieß erfordert die Absicht GOttes mit uns und seine Einrichtung auf Erden so wol, als auch das allgemeine Beste seines Reichs und das zeitliche und ewige Wohl unsrer Seele. Doch müssen wir bey diesen Sorgen uns wol vorsehen, daß wir beyde mit einander verbinden und nicht das Irrdische dem Geistlichen, das Zeitliche dem Ewigen vorziehen; aber dem HErrn unsre Wege befehlen und auf ihn hoffen , weil er alles wol macht, auf ihn vertrauen und unsre Sorgen auf ihn werfen , da er für uns sorget — ( S« Vertrauen.) glauben und sagen: GOrr sorgt für mich, was will ich sorgen ? Er ist mein Vater, ich sein Kind. Er sorgt für heut, er sorgt für morgen: So daß ich täglich Spuren sind,. Wie GOtt die Seinen väterlich Erhält und schüzt — GOtt sorgt für mich! — Sparsamkeit. Sparsamkeit (Häuslichkeit) ist diejenige Was ist ff: Tugend, da man dasjenige sorgfältig zu Rathe hält, seine Ausgaben nach feinem Vermögen und seinen Bedürfnissen einschränkt, ßine Güter zu behalten und auf eins anständige erlaubte Weise zu vermehren sucht. Allein ziL Sparsamkeit. Allein da die Sparsamkeit leicht in ängstliche Sorge, Geiz, Ungerechtigkeit oder Eigennuz ausarten kann, so bemerke man dabey hauptsächlich Regeln: folgende Regeln : Man spare nicht mit kümmerndem Gemüth, als wenn man alle Augenblicke in Gefahr stühnde zu verarmen! — Man thue durch Einschränkung seiner Ausgaben niemand unrecht! — Man spare nicht bloß damit man reich werden oder in Wollust leben, sondern damit man andre unterstüzen könne! — sie ist Pflicht. Diese Sparsamkeit ist eine Pflicht, nothwendig und nüzlich. — Sie wird von der Religion nicht nur erlaubt, sondern (besonders auch durch das Beyspiel GOttes und JEsu selbst) befohlen.— GOttes Gutthaten soll man nicht verschwenden. — Sparsamkeit ist anständig. — Der Christ ist immer ein guter Haushalter der mancherley Gaben GOttes. Sie ist auch höchst Nuzen. nüzlich. — Wir werden durch sie vielen Sünden entgehen, wozu uns Verschwendung oder Geiz, verleiten kann; wie werden in der Welt zu etwas kommen können und in Stand gesezt werden, uns redlich zu erhalten , andren Menschen besonders unsern Kindern und den Armen Gutes zu thun, und so Schäze für den Himmel zu sammeln; wir werden nie Armuth, Mangel und Verachtung sörchtm Spielen. ziz förchten müssen , sondern für die Zukunft ohne Sorgen seyn können. — „Ein sorgloser Haushalter macht den „ größten Reichthum zu nichte. " Sprüchw. Xlll. 2Z. — Spielen. lieber dieß begnüge ich mich nur dieß wenige zu Ist an sich sagen. — Spielen an und für sich, wenn es ohne Leidenschaft, ohne Zeitverlust, ohne Aufwand vielen Gelds, bloß zum Zeitvertreib, ohne Absicht des Gewinns und ohne Schwören, Fluchen und Zanken, zu einer erlaubten Zeit, ohne Aegerniß, geschieht, kann niemand für stündlich halten, es dient zur Erhollung und ist nicht selten ein Verwahrungsmittel gegen viel Böses. — Aber da man dabey selten diese Schranken beobachtet, wird es zum schädlichsten und schändlichsten Laster, b wird Es verursacht oft grossen Zeitverlust , grossen Auf- 'schändlich" wand, der besser hätte angewendet werden können; und den oft unschuldige Kinder ermangeln müssen, und wenn es zur Leidenschaft wird , führts zu den grösten Lastern und die fürchterlichsten Abwege. — So bald man von einem Menschen sagen kann: ,»er ist ein Spieler, " so ist genug , so ist alles gesagt, und umfaßt alle Arten von Ausschweifungen , Betriegereyen, Ungerechtigkeiten, u. s. f. Denn ein Spieler ist zu allem fähig. — Spotten. Z!4 Spotten. Ist Sünde, spotten , das ist , andre durchziehen , lächerlich machen , höhnisch verachten, sich über sie lustig machen, ist an und für sich selbst für einen jeden Menschen höchst schändlich und thörricht, aber besonders, wenn man sich über Religion und religiöse Menschen (S.Religionsspöcrer) über Leidende, Arme, Unglükliche, Alte, Einfältige re' zu spotten erlaubt, eine grosse Sünde, so wol gegen GOtt, als den Nächsten selbst und immer eine sichre Anzeige eines thörichten, müssigen und fürwitzigen, eines unbescheidnen, fühllosen, stolzen oder boshaften und schwerlich zuverbessernden Menschen ; ein grosser Fehler wieder das allgemeine Gebott der christlichen Liebe und Duldung, den GOtt nicht ungestraft lassen wird. — Gründe genug warum wir uns vor Spottsucht hüten AI, Ver. sollen. — Müssen wir aber unter dem Spott und Miete, ^adel andrer leiden, so laßt uns sie nicht hassen, sondern Mitleid mit ihrer Thorheit haben und sie lieben — besonders aber laßt uns schweigen und thun als achte man es nicht, so wird der Spötter von selbst müde und beschämt werden. — Laß sie spotten, laß sie lachen GOtt dein Heil, Wird in Eil Sie zu schänden machen ? Wollen Sterblichkeit. z?f Wollen wir aber vor Spott verwahrt blei- Verwahr, ben, so laßt uns die Gemeinschaft mit solchen ungsmiml: Leuten fliehen, ihnen keine Gelegenheit zum Spotten geben, und dabey ihnen die schuldige Achtung und Liebe erweisen ! — Stählen. S. Diebstal' Sterben. S. Tod. Sterblichkeit. Äie Sterblichkeit ist die Möglichkeit und um Was ist sie ? vermeidliche Nothwendigkeit zu sterben. — EinWas bcisr sie Christ soll seiner Sterblichkeit sich oft erinnern, bedenken r oft bedenken, daß er sterben müsse, und dieß geschieht auf eine rechte und heilsame Art, wenn man folgende Reg eln recht beobachtet: Regeln: Man lerne den Tod recht kennen! (S.Tod.) Man bedenke die Gewißheit des Todes, und die Ungewißheit der Zeit, da er erfolgen wird i Man stelle sich die grosse Veränderung vor, welche vor ihm und in ihm und nach ihm mit uns vorgeht; man mache sich rechte Begriffe von dem folgenden Leben, in welches er uns herüber bringt, von dem Gerichte, und der Vergeltung die alsdann folgen werden und von der grossen Glük- seligkcit oder Unglükseligkeit, die uns dann zugetheilt werden wird! Man z 16 Sterblichkett. Man betrachte seme Lebenszeit als eine Vorbereitung auf die Ewigkeit, und lebe rechtschaffen und tugendhaft, daß man die Folgen des Todes nicht fürchten müssen Der Tugend seine Tage weyhn, Heist eingedenk des Todes seyn. hlben^' Dieß wird denn von sehr grossem V7u;en seyn. Es wird uns lehren unsre Neigungen und Begierden , unsre Anhänglichkeit an die Welt mäffigen — unsern Leichsinn zerstören — manchen bösen Vorsaz zernichten — uns ernster und weiser machen — die wilden Freuden verlaiden, die wahren erhöhen — Geduld im Leiden lehren — die Todesfurcht vertreiben —Sehnsucht nach einem bessern Leben erweken — und überhaupt uns ermuntern von unserm Leben den weisesten und bebten Gebrauch zu machen, wie uns der liebe selige Herr Gellere in einem seiner fümefiichen Liedern sagt, woraus ich das hieher gehörige, für die, welche dieselben nicht eigen besizen, ausschreibe : Der Tod soll , Christ, dich nicht erschreken , Doch, dich zur Weisheit zu erweken, Soll er dir stets vor Augen seyn, Er soll den Wunsch zu leben mindern, Doch dich in deiner Pflicht nicht hindern , Vielmehr die Kraft dazu verleih'«. Ermattest du in deinen pflichten, So laß den Tod dich unterrichten. Wie Sterblichkeit. zi7 Wie wenig deiner Tage sind! Sprich : „ Soll ich Gutes wol verschieben? » Nein, meine Zeit es auszuüben „ Ist kurz und sie verfliegt geschwind!" Denk an den Tod, wenn böse Triebe, Wenn Lust der Welt und ihre Liebe Dich reizen; und erstike sie. Sprich: „ Kann ich nicht noch heute sterben ? »Und könnt ich auch die Welt ererben , „ Begieng ich doch solch Uebel nie! " Denk an den Tod wenn Ruhm und Ehren Wenn deine Gchaze sich vermehren. Daß du sie nicht so heftig liebst ! Denk an die Eitelkeit der Erden, Daß, wenn sie dir entrissen werden , Du dann dich nicht ß> sehr betrübst! Denk an den Tod bey frohen Tagen! Kann deine Lust sein Bild vertragen, So ist sie gut und unschuldsvoll. Sprich, dein Vergnügen zu versufsen: « Weich Glük werd' ich einst dort gemessen „ Wo ich unendlich leben soll!" Denk an den Tod, wenn deinem Leben Das fehlt, wornach die Beichen streben ^ Sprich: ,, Bm ich hier um reich zu seyn, „ Heil mir, wenn ich in Christo sterbe, ,, Dann ist ein unbefiektes Erde, » Dann ist des Himmel Reichthum mein!*'. .Denk zi8 Sterblichkeit. Denk an den Tod / wenn Leiden konrmen ; Sprich: „ Alle Trübsal eines Frommen „ Ist zeitlich und im Glauben leicht. ,, Ich leide. — Doch von allem Bösen », Wird mich der Tod bald, bald erlösen: » Er ists, der mir die Krone reicht! " Denk an den Tod, wenn freche Rotten Des Glaubens und der Tugend spotten; Und Laster stolz ihr Haupt erhöhn. Sprich bey dir selbst: ,, GOtt trägt die Frechen; Doch endlich kömmt er sich zu rächen, „ Und plözlich werden sie vergeh»! " Denk an den Tod zur Zeit der Schreken, Wenn Pfeile GOttes in dir steten; Du rufst und er antwortet nicht. Sprich: „ Sollte GOtt mich ewig hassen? ,, Er wird mich sterbend nicht verlassen? ,, Dann zeigt er mir sein Angesicht!" So suche dir in allen Fällen Den Tod oft lebhaft vorzustellen; So wirst du ihn nicht zitternd scheun; So wird er dir ein Trost in klagen, Ein weiser Freund in guten Tagen, Ein Schild in der Versuchung seyn! Sprich nicht: „ ich denk in Glük und Noth -> Im Herzen oft an meinen Tod." Der, den der Tod nicht weiser macht , Hatinie mir Ernst an ihn gedacht. — - Stolz. ZIA S tolz. Seher Hochmuth. Strafe. S. Sünde. - Sünde. Sünder. ^r v^ünde ist eine Thätigkeit s Urtheil, Neigung, Begierde , Empfindung, Handlung) eines Menschen , die von irgend einem Geseze der Vernunft Und der Offenbarung und insonderheit auch von JEsu Vorschriften und Muster abweicht, die also GOttes Gest; und Willen zuwieder ist. Und da fragen wir: „ Was ist wider GOttes Gesez und „ Wille ? "' — und antworten: „ Alles das, was s, unsrer und unsrer Mitmenschen Wohlfahrt und --Glückseligkeit schadet!" Sünde ist also alles das, was für unsre und unsre Mitmenschen Wohlfahrt und Glükseligkeit nachtheilige Folgen hat, was sie aufhält, in Gefahr sezt, oder raubt. — Wer Sünde thut den bristen wir einen Sünder. — Wiederhollung der gleichen Sünde, heissen wir Laster. — Wer die gleiche Sünde zum öfter« begeht, den nennen wir lasterhaft. — - Jede Sünde, sie mag nun Namen haben wie sie immer will, lst GOtt zuwieder und wird von ihm zeitlich und ewig gestraft. — Die Gas ist Süritzi? ZLO Sünde. Sünder. Zeitliche Die zeitlichen Strafen der Sünde , find Strafen, nichts anders als die Folgen der Sünde, die Uebel die daraus entstehen müssen. Sie sind besonders , ksondre — z. E. Wenn der Verschwender arm, der Trunkenbold krank, der Müßiggänger verachtet wird , so find das zeitliche Strafen seiner Sünde. — Die Sünde stöhn den Grund unsers Glüks, Glauben und Tugend und das Glük selbst, die Gemüths- Ruh, Gesundheit, Ehre, rc. Sie überschüttet ihre Knechte mit Schaam und Reu und zieht ihnen ein ganzes Heer von Plagen und Unglük zu, welche die Freuden des Lebens in Qual und die Erde in eine Hölle verwandeln. — Die Sünden welche von Bewohnern ganzer Städte oder Länder begangen aü-emeine -werden, ziehen auch allgemeine üble Folgen oder Strafen nach sich: Krieg, Hunger, Pest, Wassersnoth, u. s. f. — rwise — In jenem Leben wird die Sünde mit Ver- dammniß und Unseligkeit bestraft. Je mehr ein Mensch sündigt, desto grösser wird denn auch der Grad der Verdammniß seyn. — Kurz, die Sünde ist, wie Salomvn sagt: der Menschen Verderben. Da also die Sünde den Menschen so höchst un- glüklich macht, so sieht man, daß die strengen Verbotte der Sünden nichts weniger als etwa bloß ivillkührliche Vorschriften, oder bloß in der Absicht gegeben sind, uns ein hartes Joch aufzulegen, sondern uns vor dem Unglük und dem Verderben zu bewahren. — Wie Sünde. Sünder- 321 Wie sehr ist es also nöthig, sich vor Sünden Verwahr. ( so viel möglich ) zu bewahren. Und dieß kann u«ssmttret: am beßten geschehen; wenn man über sich selbst wachet, sich vor den kleinen Anfängen grosser Sünden förchtet, zu GOtt bittet, sich recht mit den Vorschriften der Offenbahrung bekannt macht und sich vor dem Umgang mit Sündern hütet. — In einer Minute kann man ein Sünder werden, wo es Jahre braucht, um wieder davon los zu werden. — Saget nicht — ,, ich bin aber ein Ausflüchte : „ armer Sünder! Ich kann nicht recht thun, meine „ Natur ist schwach, die Erbsünde klebt mir an." u. s. f. O! ihr könnet euch gewiß vor Sünden hüten, wenn ihr nur recht wollt, und GOtt dabey zu Hülfe nehmt und euch an JEsum Christum anschließet. Freylich habt ihr von Adam her, die Neigung zum Sündigen ererbt, sie hat sich bis auf uns durch schlechte Beyspiele fortgepflanzt, aber von JEfu Christo sollten wirs gelernt und geerbt haben , die Neigungen zur Sünde zu unterdrüken und überwinden. Vollkommenheit erwartet niemand , GOtt selbst nicht, von unvollkommnen Menschen, aber ich denke der Beyspiele haben wir viele, wie weites ein Mensch in der Sündenvermei- düng bringen kann, wenn er nur recht und mit GOtt will. — Sollte es uns unmöglich seyn, was so viel andern möglich war? — GOtt hilft gewiß wo er Ernst sieht — und wer JEsum mit Ernst bittet, der thut gewiß keine Fehlbitte? — Warum wollte uns GOtt die Vermeidung der L Sünde zLr Sünde. Sünder. Sünde gebieten, wenn er nicht wüßte, daß wirs könnten? — Also doch keine Ausflüchte / daß man sich der Sünden nicht enthalten könnte. — Und doch auch keinen Leichtsinn beym Sündigen! Kein falsches Vertrauen auf die Vergebung der- Vergebung, selben , durch JEsum Christum , die man oft nur durch dir gewohnte, oft mißbrauchte Bitte: „ GOtt „ sey mir Sünder gnädig! " erhalten zu können glaubt- Sündigen ist leicht, aber Vergebung zu erlangen , ist dieß etwa mit bloßen Reden gethan ? O nein! wer durch JEsum Vergebung der Sünden, das ist, Entlassung von der Straf derselben hoffen will, der muß sich wirklich bessern, und die Sünden meiden, die er gethan hat. Denn Christus ist darum gestorben, auf daß die so da leben, nicht mehr ihnen selbst , der Sünde leben, sondern ihm, der für sie gestorben und auferstanden ist. Wie ein Vater seinem Kinde einen Fehler vergiebt, wenn es sich vor demselben in Zukunft hütet, also vergiebt uns GOtt durch JEsum die Sünden nur in so fern, als wir sie in Zukunft meiden und nicht mehr zu denselben zurükkehren. Denn , wo das geschieht, da wird das lezte arger als das erste, und dann ist keine Verguttung der Sünde mehr übrig, sondern ein schrekliches Warten der göttlichen Strafe. — Und doch auch endlich keine Sünde für kleid geachtet, die er in den Augen der Welt scheint. Vor GOtt sind» alle Sünden groß und alle werden gestraft, schon in dieser Welt; von keiner Wahrheit vest zeugt die Erfahrung so laut, als von dieser. Sünder Tanzen. — Taufe. zrz Sünder also, die Hr etwa schon die Strafen der Sünden empfundm habt, sündigt nicht mehr, auf daß euch nicht etwas ärgers wiederfahre! — Tanzen. ^as Tanzen ist an und für sich, zu rechter Zeit, Ist erlaub« an einem ehrbaren Ort, unter guten Freunden, als eine unschuldige Ergözlichkeit zur Bildung und Bewegung des Körpers erlaubt — allein Mißbrauch desselben macht es zur Sünde; wenn es nemlich an öffentlichen Orten, auf eine unehrbare Kau» un«. Art geschieht, wo er einen allzuvertrauten Umgangs" werden, mit dem andern Geschlechte veranlast, verführerische Leidenschaften erwekt, der Gesundheit, den Geschäften und der Tugend schadet. Besonders sollte es als eine an sich höchst unanständige Gonn- tagsfreude an gar keinem Orte nicht geduldet werden. Besser ists also man unterlasse es, damit man nicht zum Mißbrauch desselben verleitet werde. — Taufe. ^ie Taufe ist ein Sacrament, von Christo ein- Was fle «st. gesezt, eintheilige gottesdienstliche Handlung, da man ein neugebohmes Kind in der Kirche, vor christlichen Zeugen , mit Wasser begießt, und ihm unter Gebet und Anrufung GOttes den Namen giebt. — Die Einsezungsworte der Taufe lesen wir Math. XX VIII. da JEsus zu seinen Jüngern L» sagte: Z24 Taufe. sagte: „ Gehet hin und machet zu Jüngern alle „ die Völker und taufet sie im Namen des Vaters, » des Sohns und des heiligen Geistes; " — oder verpflichtet sie durch die Taufe jum Bekenntnisse und zur Verehrung des Vaters , des Sohns und des heilrgen Geistes. Durch die Taufe werden wir also zur Verehrnng GOttes und des heil. Geistes, besonders JEsu Christi, als des Heilandes der Welt verpachtet (diese Verpflichtung nennen wir gewöhnlich Taüfbund) und daher indie Gesellschaft der Verehrer derselben, d.i. der Christen aufgenommen und aller Vortheilen und Seligkeiten der Christen und des Christenthums theilhaftig. Die Taufe ist also keine willkürliche Ceremonie, sondern eine dankwürdige Gutthat unsers GOttes, die nur ein Unchnst oder ein rasender Mensch verachten oder für unnüz erklären kann. Sie ist ein heilsames SruM. Mittel uns zu rechtschafnen Christen zu machen, uns im Glauben an JEsum zu stärken und uns seiner Gnad und Seligkeit zu versichern, nemlich , Bedingung« wenn wir theils die Vortheile recht gebrauchen , d»e wir in der Gemeinschaft des Christen gemessen, theils wenn wir, weil wir schon von unsrer Geburt an zu Bekennern und Nachfolgern JEsu verpflichtet worden sind, auch solche Verpflichtung nachher beym Abendmal erneuert und bestätigt haben, uns solches eine tägliche Ermunterung seyn lassen, so zu denken und zu handeln, wie es Be- kennem und Verehrern GOttes, JEsu Christi und des heiligen Geistes zukömmt.— Taufe. Z2f In Absicht dr Taufe will ich nur noch fol- V-rmischte gende 2lnmerkyNten beyfügen: Anmerkung?. Man verache die Taufe nicht! — Man glaube aber auch nicht, daß sie uns Mein selig machen könne! — Man glaube nicht, daß man durch dieselbe Trost oder Verzeihung der Sünden erhallen könne, ohne daß man die Pflichten ausübe, wozu sie uns verbindet! — Eltern! Verschiebet die Taufe nicht ohne Noth, nür damit etwa das Kind am Sonntag getauft werden und eure Gevatterleute desto besser scheinen können ! — Betrübt euch aber auch nicht drüber, wenn H ein Kind, ohne eure Schuld nicht zur Taufe ge- t langen kann! — Sehet bey Auswahl der Taufzeugm, oder Gevattern, nicht nur einzig auf Leute von vornehmem Stand oder solche von denen ihr viel Geschenke bekommen könnet, sondern Allererst auf fromme, rechtschafne Menschen, die ihre Ge- ^ vatterpflichten recht erfüllen! — Verköstet euch nicht mit sogenannten Tausmählern, wo es oft nicht nur ungebunden zugeht, ^ sondern wobey ihr oft viel aufopfert, wol gar in ^ Schulden gerathet, und euern Kindern viel entzieht! ^ . (Dank An Tauf. zeugen : -26 Taufe. (Dank unsrer weisen lieben Obrigkeit die aus Sorgfalt auch für die häusliche Glükseligkeit ihres Volks, diese Unkosten durch besondre Befehle eingeschränkt hat!) Besonders aber erinnert eure Kinder, wenn ste zu dem verständigen Alter kommen ihres Taufs- gelübds, und zieht sie von Jugend an so, daß ste dasselbe desto leichter und besser erfüllen können !— Bettet für sie! — Taufzeugen! seist was ihr eigentlich seyn sollet — nicht nur Zeugen, daß das Kind getauft sey, nicht nur Wohlthäter desselben, oder viemehr seiner Eltern, sondern auch Mitväter und Mit- mütter. Beobachtet also die Pflichten, die euch bey der Taushandlung eingeschärft werden treulich. Vermahnt eure Gevatterleute, die^ ihre Kinder schlecht erziehn, daß sie sich bessern —und sorget für eure Pathen, wie wenn sie euer eigen wären, besonders bettet für sie!-Werdet ihr von schlechten Leuten für diesen Liebesdienst ersucht, so weist sie nicht ab — eben da könnt ihr einen Gottslohn thun, da könnt ihr bessern und den Kindern wol thun. Indeß in solchen Fällen haltet die Geschenke zurüke und sparet sie den armen Kindern auf! — Sehet überall bey den Taufgeschenken, auf eure und der andern Umstände und Vermögen, und besonders auch auf ihre Anwendung!- Teufel. Z27 Teufel. Teufel, Satan . das erste bedeutet in der heil. Was « ist. Schrift einen Veläumder, Lastrer, das lezte, einen Feind und Widersacher. Ueberhaupt aber verstehen wir unter diesem Namen das Haupt der gefallnen Engel, den boshaften Geist und Feind der Menschen. — Daß es Teufel gebe, wird §» gibt niemand läugnen können, da es in der heil. Schrift Teufel, deutlich genug gesagt wird. Und wer der Schrift nicht glauben will, den ists nicht Ort, hier zu überzeugen. — Aber was der Teufel für Graste Kräfte, und Wirkungen habe, das ist eine subtile Materie. Einige haben dem Teufel mehr Kraft und Gewalt zugeschrieben, als ihm zukömmt, und sich vor »hm mehr, als vor GOtt selbst gefürchtet. Andre läugnen dagegen seine Wirkungen und Kraft. Noch andre lachen über die Lehre vom Satan und seinen Wirkungen. Und alle drey Classen sind auf Abwege gerathen. Am beßten ists, die Mittelstrasse behalten, und dieß geschieht, wenn wir nur bey dem bleiben, was uns die heilige Schrift selbst davon berichtet. Und dieß ist hauptsächlich folgendes: Es giebt einen Teufel — der Teufel ist ein böser Geist — er ist von GOtt verstoßen — er ist ein Feind der Menschen — er hat, laut Exempeln, viel Böses in der Welt gestiftet — Christus hat ' »hm seine Macht genommen.- Z28 Tcd. Erscheinunge Ob er den Menscher erscheinen könne? — S. Aberglaube. Seltsan, daß die den Teufel am wenigsten fürchten, mit denen er — ich möchte sagen — auf, und niedergeht. — Fürchte nur GOtt recht, und du wirst ihn nicht fürchten müssen, und siehe dich vor, daß du selbst kein Teufel werdest, und das wirst du durch Unglauben, durch Feindseligkeit, gegen GOk und Menschen, durch Bosheit, Lästerung und Verläumdung. — — Tod. Was er ist. Tod ist die Trennung des natürlichen Bandes zwischen Leib und Seele, das Ende des gegenwärtigen zeitlichen Lebens. Der Tod ist das allgemeine Schiksal das alle Menschen trift, dem keiner entfliehen kann, der Sünde Sold, durch die Sünde in die Welt gekommen. Aber dessen ungeachtet dör- Tr ist nicht fen wir ihn nicht forchten; denn seit dem ihm JEsus fürchterlich. Christus durch seinen Tod und Auferstehung seine Macht nahm, ist er nun gar nicht mehr schreklich, sondern vielmehr freudig. Er ist nicht das Ende, sondern ein Anfang des geistlichen Lebens, nicht eine völlige Zernichtung des Leibes , sondern ein Mittel zur Vervollkommung desselben — nicht ein Scheiden von der Welt, sondern ein Hingang zum Vater in eine beßre ewige Welt—also nicht Strafe, sondern Wohlthat, so wie uns dieß in der heil. Schrift an sehr vielen Orten beschrieben wird. Freylich hat er auch seine Bitterkeiten in den Augen- ZL9 Tod. Augenbliken, da er einbricht / Schmerz und Trennung von den Unsrigen hauptsächlich / aber der Gedanke an da s, was hier auf Erde war und die Hofnung auf das / was nach dem Tode sehn wird / und Glauben an JEsum Christum, durch den wir Wunsch ;u alles überwinden. Dieß macht lins denselben zur sterben, freudigsten Begebenheit. Wir dürfen uns also den Tod um seiner seligen Folgen willen, nie aber aus . Verzagtheit, Furcht, Ungeduld und Mißtrauen gar wol wünschen , besser aber wir überlassen unsern Wunsch GOtt, und sprechen: HErr, wie du willst, so machs mit mir, Zm Leben und im Sterben! „HErr! GOtt! nicht mein ; sondern dein „W°-S-sch-h-!" Die wichiigftm pflichten die wir m Anst. hung unsers Todes zubeobachten haben, und die nur ihn allein freudig machen können, sind das rechtschafne Andenken an denselben. (S. Sterblichkeit. ) Die rechtschafne Vorbereitung auf denselben und das christliche Betragen bey demselben* Die Vorbereitung auf den Tod besteht in tung zum Beobachtung folgender Regeln: Tod. Man mache sich überhaupt vom Tod richtige Vorstellungen! Man bemühe sich um ein gutes Gewissen, um eine solche Verfassung des Gemüthes und Lebens, daß der Tod komme er wann er wolle, man keine nachthei li.gen Folgen desselben zu fürchten habe! — Man Tod. Man lebe also fromm und rechtschaffen, sep wachsam und prüfe seine Handlungen recht! — Man geniesse und brauche die Güter dieses Hebens mit Massigkeit, da sie uns im Tod nichts mehr nützen, sondern entrissen werden. — Man tröste sich mit der Gnade ZEsu Christi ! Nur ein Herz das Gutes liebt,. Nur ein ruhiges Gewissen, Das vor GOtt dir Zeugniß giebt, Wird dir deinen Tod versüßen. Dieses Herz von GOtt erneut Ist des Todes Freudigkeit. Besonders versöhne man sich mit seinm Feinden! — Man bezahle seine Schulden! — Vlan erstatte das unrechte Gut! — Man mache die nöthigen Einrichtungen, die auf unsern Sterbefall in Absicht auf die Unsrigen und unsre Verlassenschaft nöthig sind! — Und dieß alles thue man beyzeiten, weil man nicht weiß, wie bald der Tod erfolgt, und ob man denn noch Zeit hat an dieses zu denken. — Betragen Beym Tod selbst, wenn er kömmt, sollen im rvd. wir nicht aus Zwang , sondern aus Gehorsam gegen GOtt, mit der entschlossensten Bereitwilligkeit, mit Dank gegen GOtt und mit Freuden sterben, und durch Worte und Beyspiel auch andern unsern Tod nüzlich machen. — Beym Tod. zzi Beym Tod der Unsrigen oder andrer ist er MM beym unsre allgemeine Pflicht, uns der Nothwendig- T°d der keiten des Todes, seiner Ursachen und Folgen leb- haft zu erinnern, und besonders uns durch die Art und Umstände ihres Todes zu guten Betrachtungen ermuntern zu lassen, besonders aber müssen wir ihren Tod mässig beweinen, und uns trösten, Trost, theils mit der Aufsicht GOttes über das Leben eines jeden Sterblichen mit seiner weisen Vorsehung , die alles wol macht, theils mit dem Gedanke, daß sie durch den Tod vielem Uebel entgangen und zu GOtt kommen seyen, und endlich mit der frohen Hofnung des einstweiligen Wiedersehens und ewigen Vereinigung mit ihnen. — Ein schneller Tod, ist für den frommen eine Schnekcr grosse Wohlthat, die beste und glüklichste Art des Tod. Todes, die man mehr wünschen als förchcen sollte. - Ein früher Tod ist ein Werk GOttes, tvo-xrührr Lob. bey er allemal die weisesten und besten Absichten hat, in so fern er nicht durch seine eigne Schuld beschleunigt wird. Daß man auf seinem Todbett einen Prediger Predig« beruft ist oft sehr nöthig und allemal nüzlich, abe«?*v"^m** glauben, daß man ohne die Gegenwart eines Predigers nicht selig sterben könne, ist ein Vorurtheil, und ihn erst dann rufen lassen, wenn der Tod schon da und der Kranke sejner Sinnen nicht mehr mächtig ist, das ist vergebne Mühe — wie es Vorurteil Tod (IEsu.) theil und vergebne Mrhe ist , zu glauben und zu hoffen, daß man durch fleissige Gebe« auf dem Todbette alles gut machen wolle. O gewiß Ein Seufzer in der lezten Noch Ein Wunsch — durch des Erlösers Tod Vor GOttes Thron gerecht zu seyn, Dieß macht uns nicht von Sünden rein Und führt uns nicht zum Himmel ein. — Wer dieß liefet, der merke es! — Nur die rechte Vorbereitung zum Tod macht das Ende gut.- Tod ( IEsu.) ^lles was von dem Leiden IEsu gesagt worden ist, das giltet auch von seinem Tode. (S. Leiden IEsu.) - Aber besonders hat der Tod IEsu die Herr» Vortheile: lichsten Vortheile. — Er war ein Beweis von der geschehenen Bezahlung unsrer Schulden, und des vollendeten Erlösungswerks — Er befreyte uns von der Ungewißheit unsers künftigen Schiksals, indeme er Leben und Unsterblichkeit an das Licht brachte. — Er versicherte uns auch, daß unsre Seligkeit nun gewiß sey. — Todes- Todesfurcht. ^iele Menschen sehen den Tod als ein Uebel an, und förchten sieb vor demselbigen. Und diese Furcht entsteht aus verschiednen Ursachen, aus schlechten Quellen Begriffen von dem Tod, aus einem bösen Gewissen , aus Abneigung gegen denselben , aus allzu- groffen Anhänglichkeit an das Jrrdische, u. s. f. Und viele nehmen um sie zuvertreiben, zum Aber- glaub oder Unglaub ihre Zuflucht. Die sichersten Mircel aber die Todesfurcht zu vertreiben sind diese: Man mache sich richtige Vorstellungen vvm Mittet 4a. Tod, und beurtheile ihn recht! — ' Man denke oft an ihn und bereite sich recht auf denselben vor! — Man denke an die Unvermeidlichkeit des Todes — Man überlege oft die Unsterblichkeit der Seele und die Auferwekung des Leibes und die Freuden jenes Lebens! — Man glaube, wache und bette! — Todschlag. Aodschlag, wenn man einem Mischen, sich selbst er D oder einem andern, mit Gewalt vder List, heimlich oder mittelbar das Leben nimmt; ihn tödet, oder umbringt,) ist eine grosse Sünde. GOtt ZZ4 Todschlag. verbietet sie im sechsten der zehen Gebotten so wol als auch in andern Stellen der heil. Schrift, und sezt zeitliche und ewige Strafen auf dieselbe. — i Mos. IX. < 5 . » Wer Menschenblut vergießt, dessen » Blut soll auch durch Menschen vergossen wer- den! '' 2 Mos. XXI. 14. »Wer seinem Bruder „mit List todt, den soll man auch töden!" — Math. XXVI. 52. » Wer das Schwerd nimmt, „ soll auch durchs Schwerd umkommen! " — Offenb. XXI. 8 . Dem zeigt sich die Sündlichkeit und Schändlichkeit des Todsschlags auch aus den Quellen, ländlichen und schändlichen Duellen, woraus er meist entsteht, nemlich aus Neid, Haß, Zorn, Rachsucht, Zank, Feindschaft, Trunkenheit, u. s f. welches alles in GOttes Wort verbotten ist. Sich vor diesen Quellen ernstlich Hütten , heist weise handeln, und dem größten Unglük beyzeiten entfliehen. — Erlaubter Eine hohe Obrigkeit, als Handhaberinn der Todschlag Änlichen Gesezen, darf und soll in gewissen Fällen den Menschen das Leben nehmen, indeß thut sie's nie ohne Noth, und mit der größten Vorsicht und Gewissenhaftigkeit. — Auch darf ein Mensch einen andern umbringen , der ihn mörderischer Weise anfällt, allein , nur dann, wenn kein ander Mittel sein Leben zu retten mehr übrig bleibt. — S. Selbmord. Rachgier. Haß. u. f. Treu. Treu. <^ie Treu ist Diejenige Tugend, da man seine M«- ^ ^ - Zusagen und Versprechungen hält. Treu GGrkes ist die genaue, gewisse Er-rreu Gottes, füllung seiner Verheißungen. Die Treu gegen GOrr ist diejenige Tugend Treu gegen da man seine Gelübde und gethanen Zusagen gegen ihn redlich erfüllt, und nicht davon abweicht. — Zu dreier Treu sind wir durch GOttes eignen Befehl verbunden, sein Beyspiel und seine Verheißungen , wie auch der grosse Nuzen der Treu, ohne welche das Christenthum nicht bestehen kann, muntern uns dazu auf. — Die Treu gegen den Nächsten besteht da-- rinn, daß man andern, alls das halte, was man versprochen hat. Dazu verbindet uns nebst obigen Gründen, das Recht der Natur und das Wohl der menschlichen Gesellschaft, welches ohne Treu unmöglich bestehen kan. ( S. Aufrichtigkeit.) Trost. Tost, heissen wir dir Auflichtung und Erqui- „„ „ kung, welche man Leidenden und Unglüklichen ertheilt. GGtt tröstet die Menschen, durch seinen guten Geht und durch sein Wort, welches dem Menschen die besten Beruhigungsgründe in Widerwärtigkeiten und Leiden an die Hände giebt. — Men, z Z6 Trübsal. — Trunkenheit. Menschen trösten Menschen, wenn sie denselben die Tröstungen GOttes mittheilen, mit ihrer Noch Mitleid haben, ihnen sanfte Vorstellungen machen, und ihnen nach Vermögen Hülfe schaffen. Da- Pflicht zu zu ist ein jeder Mensch, besonders aber Lehrer und trösten. Prediger verbunden. Es ist GOttes eigner Befehl ( Jes. XI.. i. „Tröstet, tröstet mein Volk.) u s. f. Der durch sein eignes und JEsu Beyspiel bestätigt wird, und eine Pflicht der allgemeinen Bruderliebe. Doch ists nöthig bey seinen Tröstungen die groste Vorsicht und Behutsamkeit zu gebrauchen, beson, ders bey übermässig Traurigen oder Schwcrmü- thigen, bey welchen oft kein Trost haften will ! Trübsal. Trübsal ist alles das, was den Menschen in seinem Herzen betrübt, traurig , verlegen macht. ( Sehet Elend. Leiden. Unglük.) Trunkenheit. Was ist sie? Trunkenheit ist die Gewohnheit mehr zu trinken, als man bedarf, sich mit Wein oder andern starken Getränken zu überladen. Dieß (leider Schändlich, nur zu gewöhnliche) Laster ist sehr schändlich und kc-t und schädlich. GOtt hat es (besonders den Priestern) Schädlichkeit^ verholten. 3 Mos. X. 9. l Thimoth. III. 2. Ephes.v. l8. Jes.v.6. Röm. XlH. u. f. Es beraubt den Menschen des göttlichen Ebenbilds und Trunkenheit. zz/ und erniedrigt ihn unter das Thier herab, welches selten zu viel zu sich nimmt. Es ist eine Quelle vieler Sünden, zur Unzucht, des Zorns, derZweytracht, des Tvdschlags, der Verschwendung, u. s. f. es beraubt den Menschen seines Verstandes , seiner Gesundheit, seines Vermögens, seiner Schönheit, es stiftet Händel in Haushaltungen , zerreißt die Bande der menschlichen Gesellschaft, hindert am Gebett, an Glaube, an Wachsamkeit und allem Guten , es entehrt die Menschheitswürde, es stürzt den Menschen in unaussprechliches Elend, macht ihn lächerlich und verächtlich, zu seinem Amt oder Beruf untüchtig; es ist eine Verschwendung der Gaben GOttes , eine Erniedrigung der Menschheit zur Thierheit — und stiftet mehr Uebel als tausend Bücher oder Menschenzungen sagen können, und das meiste von allem, es bringt den Menschen um Seel und Seligkeit. — Man darf um von der Schändlichkeit dieses Lasters überzeugt zu werden, das Bild eines Trunkenbolds betrachten. — Wie unanständig, wie auffallend unartig ist alles an ihm. Die zitternden Kme, das gedankenlose Geschwäz, das blosse Gesicht, der Ton womit er alles überschreist, sich um Nichts zankt, unerhörte Grobheiten ausübt und seine Geschichte zehenmal wiederholst. Wie er alles entdekt, herausplazt, wie er sich, sein Weib und seine Kinder in Armuth bringt, und sich unzählige Krankheiten aufiadt und früh zum Grab reif D wird. zz3 Trunkenheit. wird. Können wol solche Menschen, die sich zu dcn Hunden erniedrigen Bürger des Reichs GOtteS seyn ?,, Wer in Trunkenheit lebt, und seine Gedan- „ ken aufVöllerey richtet, ist ein Sclave Satans! „und wer einen andern zur Trunkenheit verleitet, „ der sündigt eben so sehr, als wenn er ihn tödte. »Denn Vvllsauftn tödet die Seele! Man lese doch einmal was Jesajas im VI. Capitel sagt: „Weh denen, die sich früh auf- „machen, der Völlerey zu pflegen, und sitzen bis „ in die Nacht, bis sie der Wein anzündet. — „Weh denen, welche Helden sind Wein zu saufen „und tapfre Männer Trunkenheit anzurichten!" und Salomon Sprüchw. XXM. „ Wo lermet „man? wo schreyt man? wo ist Gezänk? wo „ ist eitles Geschwäz ? wo sind Wunden, die frefent- ,, lich geschlagen werden ? wo sind rothe Augen ? — „Bey denen, die sich beym Wein verspäten und „ kommen starken Getränken nachzufragen? — Die Vertrunkenen werden das Reich GDttes nicht ererben! — Sauft euch nicht voll Weins, in welchem ein liederliches Wesen ist, sondern werdet voll Geists! — Eine Stelle noch aus einer Predigt des vortreflichen Zürcherischen Antistes Gualrhers : „Die Saufgelage, die Gewohnheit sich voll zu „trinken, sind in unsern Zeiten so allgemein, und „ ein so alter Schade, daß es beynahe unheilbar scheinen Trunkenheit. zz- »scheinenmöchte. Man wählt keine Magistrats- »Personen, ohne Zechgelage; man schwört nicht „auf gute Geseze, daß nicht bald Mahlzeiten drauf „folgen/ wo man jene bey Unmaß undUngebun- „ denheit wieder vergißt. Kein Vertrag wird geschlossen, daß man nicht Weinkauf trinke — »keine Hochzeit vollzogen, daß nicht die meisten » Gäste benebelt seyen. Eltern, die ihre Kinder » Christo in der Taufe darbringen, rüsten beynahe «in derselben Stunde ein Mahl zu, wo keine »Schranken der Mässtgkeit beobachtet werden. »Viele machen es wie einst die Thrazier, und »saufen sich bey Leichenbestattungen voll. — Und „ all das geschieht zu Zeiten, wo uns GOtt durch »tägliche Beyspiele zur Nüchternheit und ernster „Lebensbeßrung auffodert. — Was läßt sich nun »von einem Staate, (von einer Gemeine, oder „Haushaltung) noch gutes hoffen, da wir lesen , „daß schon seit vielen Jahrhunderten, durch »Schlemmerey und Trunkenheit,auch die mächtigsten Königreiche zu Grund gerichtet worden „sind?"- Mittel wider die Trunkenheit sind diese : Man fange keinen Tag ohne Gebett an , Man begebe sich ohne Noth nicht an Oerter oder in Gesellschaft, wo man Anlaas zum trinken hat! Man hüte sich vor Müssiggang! Dr Man zio Tugend. Man seze sich eine Portion an, wie viel man trinken wolle, und trinke nie mehr, als recht ist! Man trinke nie nüchtern, oder vor dem Mittagessen Man denke an EOttes Allwissenheit und Allgegenwart, und an die schädlichen Folgen der Trunkenheit! Tugend. War in ist. Tugend überhaupt ist eine Fertigkeit im Guten. Christliche Tugend, ist eine Fertigkeit und Bereitwilligkeit dem HErrn zu gehorchen und aus Glauben und Gehorsam gegen ihn, seinen Vorschriften gemäß zu denken und zu handeln. Ihr Werth. Sie hat grossen Werth, der uns ermuntern soll sie auszuüben. GOtt befihlt sie, sie gefällt ihm und ist ein Mittel wodurch er die Menschen glüklich macht, sie wird zeitlich und ewig belohnt. Sie ist also ohne Einschränkung gut und nüzlich. Sie verliert nie ihren Werth, sie hängt nicht, wie andere Dinge, von Stand und Verhältnissen ab; sie macht uns besser, als alles andre, sie macht uns GOtt ähnlich und folgt uns in die Ewigkeit nach; sie ist nothwendig zur Seligkeit eine der Bedingungen unter welchen sie uns verheissen ist. „ Ohne Heiligung mag niemand den HErrn sehn/' d. i.ohne Tugend kann niemand auf die Seligkeit Anspruch macken. —- Wie Tugend. Z4i Wie höch st rothwendig ist also die Tugend für jeden Men scher und wie glüklich ist durch sie jeder Mensch hier und dort.— Denn wenn wi: stets der Tugend Pfad betretten Im Glauben kämpfen, wachen, betten, So ist des Heil uns so gewiß erstrebet, Als IEfus lehrt.-S. Frommkeit. Man bemühe sich tugendhaft zu leben, sey Regeln aber doch auf seine Tugenden nicht stolz, denn GQtt ists der sie giebt und wirkt! Man sehe nichts für Tugend an, was nicht aus Glauben und Gehorsam gegen GOtt geschieht! Man schäze die Tugend auch an andern hoch! Man erwarte nicht immer zeitlichen Lohn der Tugend! Man halte auch die Seligkeit nicht für eine verdiente ewige Vergeltung der Tugend! Man lasse sich durch keine Schwierigkeit auf dem Weg der Tugend aufhalten ! Man halte die Tugend nie, um anscheinender Gründe willen, für unmöglich, und entschuldige sich nie mit der Schwachheit der mensch- Uchen Natur und der schweren Ausübung der Tugend. — Wer nur recht will, der kann. GOtt fodert keine Unmöglichkeit. Er weiset uns selbst den Weg zur Tugend und erleichtert uns dieselbe durch die Lehren seines Sohns und den Beystand seines Geistes. -. Un- Z42 Unbarmherzigkeit. w«s flk ist. ^)ie Unbarmherzigkeit ist eine solche Härte der Seele , nach welcher man mit dem Nächsten nach der äussersten Strenge verfährt, da es uns doch frey stühnde Güte und Gelindigkeit zu beweisen ; sie ist Fühllosigkeit gegen die Noth und das Elend andrer. Schändlich. Sie ist ein schändliches Laster, weil es Schädlichkeit^^ selbst verboten hat und weil sie wider alle Menschlichkeit und Bruderliebe im höchsten Grade streitet, und ist schädlich, weil sie von jedem rechtschafnen Menschen verabscheuht wird, weil sie zu einer Menge von Seufzern und Verwünschungen Anlaas giebt, und die Strafe GOtteS für Zeit und Ewigkeit nach sich zieht. Ein unbarmherziges Gericht wird über den ergehn, -er nicht Barmherzigkeit geübt hat. Zakob II. iz. Man lese nur das Gleichniß JEsu Mach. XVIII. 2Z- Z5. — S. Barmherzigkeit. Unbußfertigkeit. Mr fit ist. ^)le Unbußfertigkeit ist ein Leben ohne Busse, ohne Bekehrung und Besserung. Sie ist Sünde mißfällt GOtt und wird von ihm ernstlich gestraft, da sie eis Mißbrauch seiner Langmuth und gleichsam eine Lästerung gegen ihn ist. — (Man lese den Titel Busse und mache davon den Gegensaz auf die Uwank. Z4Z die Unbußfertigkeit—md dieß thue man auch bey einigen folgenden Titm, wo sich ein solcher Gegen- jaz zwischen einer Dgend und einem Laster befindet. S. auch Vertokung. —) Sie stürzt den Menschen ins größte Unglük hier schon, und beraubt ihn dort jener Seligkeit. — Ein dringender Beweggrund ur Busse! — Uidank. Undank überhaupt ist Mangel an Dank, an Was«ist. Erkenntlichkeit für enpfangne Wohlthaten. — Undank gegen GEtt besteht in Mangel an Uudank se« Dankbarkeit für die »ns von ihm erwiesne Wol- 2*" ^Ott. thaten , in Geringschäzung und Verachtung derselben. Ihre (Quellen sind: Unachtsamkeit auf Quellen r seine vielen und grossen Gutthaten — unrichtige Beurtheilungen derselben — Unzufriedenheit — und ein üppiges, eitles und zerstreutes Leben. — Sie ist ein wirkliches Laster und sehr schändlich und Ist Sünde, schädlich. — GOtt gebietet und fodert die Dankbarkeit mit dem größten Rechte, da er uns unendlich viel Gutes beweist. Ein Undankbarer handelt also wider GOttes Gebott, und ist widerspennstig; zeigt eine wahre Verachtung seiner Wolthaten, ruchlosen Frefel und sträflichen Unglauben. Er wird sich auch dadurch nicht nur der fernern Wolthaten GOttes zulezt berauben, sondern sein Mißfallen und seine Strafen auf sich laden. — Wie sehr sollte man sich also vor dem leider nur allzu- gewöhn- Z44 Undank. gewöhnlichen Laster des Undanks gegen GOtt hüten und sich der Dankbarkeit befleißen! — ( S. Dankbarkeit.) Undank gegen Undank gegen den wachsten besteht dar« denMchsten. jnn , daß man die Gutthaten, Gefälligkeiten , Dienstleistungen, welche andre uns oder der Welt erweisen nicht erkennt, schäzt und mit Liebe und Quell«». Gefälligkeit erwidert.—Dieß Laster entsteht aus einem sehr leichtsinnigen , rohen und unempfindlichen Herzen, aus Neid, Haß und Eifersucht — Sünde, und wird schon durch das natürliche Gefühl verdammt, da selbst die Thiere ihren Wolthätern auf eine gewisse Art dankbar sind- Zu dem beraubt sich der Undankbare fernerer Wolthaten, schadet also sich selbst, und wird von jedermann verachtet. Wer gegen GOtt oder den Nächsten undankbar seyn kann, ist ohne weiterS Zeugniß ein schlechter Mensch — denn auch Heiden schon erklärten den Undank für das häßlichste Laster, daher jener sagte: „Nennt man einen Menschen undank- „ bar, so brauch ich nichts weiter von ihm „ zu wissen. Mir diesem einigen Worte ist „ alles schlechte von ihm gesagt. "— Uneinigkeit. Unfriede. Sehet Zweytracht. Unge- ?4s ^ngehwrßam Ungehorsam. l ist die Verweigerung des Gehör- ^„i-. sams gegien die, weiche ihn von uns federn können , eine We rachtung, Vernachlässigung, Ueber- trectung iihrer Befehle. Wiederspännigkeit gegen die, welche >vb uns sind, und uns zu befehlen haben, sey e s nun GOtt, die Obrigkeit, Eltern, Lehrer, ui.s.f. Ungehorsam ist eine grosse Sünde, Sünde, wie jede Sünde Ungehorsam ist; denn GOtt hat den Gehorsam gebotten so wol gegen ihn selbst, als gegen Obrigkeiten, Eltern , Lehrer, u. s. f. s Sehet u nter diesen Titeln ) und wird also auch den Unge horsam ernstlich bestrafen , wie wir an Adam und Eoa , an Loths Weib, an Saul und andern Beyspiele haben. Es ist auch wirklich wider die natürliche Empfindung, denen sich zuwieder sezen, welche uns zu gebieten haben, da wir doch von jedem dem wir zu gebieten haben Gehorsam erwarten, und die Ungehorsamen strafen. (Sehet Gehorsam.) Ungerechtigkeit. ^ie Ungerechtigkeit ist das Gegentheil von Was fie ist. der Gerechtigkeit ( S- Gerechtigkeit.) und besteht darinn, daß man dem Nächsten das nicht giebt und wiederfahren lässet, was recht ist, ihn vervortheilet, und die Pflichten der Gerechtigkeit gegen ihn aus den Augen sezt, die jedem giebt, was Z4§ Ungerechtigkeit. was ihm gebührt. Es giebt verschiedne Arten von Arten k Ungerechtigkeit. — Ungerechtigkeit vor Gericht ; wenn Richter eine Sache nicht recht und gehörig untersuchen und doch drüber absprechen, wenn sie dem Unrechten Recht sprechen, und den Unschuldigen verurtheilen, besonders um zeitliches Vortheils willen, oder wenn sie bey Bestimmung der Strafen alle Billigkeit und Menschlichkeit aus den Augen sezen und grausam werden. Wenn Kläger ihre Sache nicht gewiß sind und doch ihre Sache vor der Oberkeit behelligen ihnen Recht zu schaffen , wenn sie eher mit Gaben, als mit Klagen vor dem Richter erscheinen ; wenn sie die Klagen ins Weite dehnen und durch grosse Kösten den andern müde machen, daß er ihnen zwar das Recht lasse, dabey aber zu GOtt über sie seufzen' muß: wenn sie die Sache zwar vor Gericht ver- liehren aber dagegen auf eine andre Rache gegen den Nächsten denken Wenn Fürsprecher, Sachwalter, Advokaten, das Recht in Unrecht und das Unrecht in Recht durch allerley Ränke zu verwandten suchen , wenn sie also die Vertheidigung solcher Partheyen auf sich nehmen, von denen sie wissen, daß sie Unrecht haben ; wenn sie aus Gewinnsucht die streitenden Partheyen gegen einander aufhezen, und die Prozesse muthwillig verlängern. Wenn Zeugen oder Rundschafren falsche Zeugniß geben , und die Worte oder Sachen änderst aussagen , als sie geredt worden und geschehen sind, oder wenn sie das verschweigen, was zur Rettung Ungerechtigkeit. 547 Rettung und Erweisung der Unschuld des Nächsten dienen kann. Ungerechtigkeit im gemeinen Leben, im Handelund Wandel istö, wenn z.B. Vornehme und Reiche ihr Ansehen und ihren Reichthum dazu mißbrauchen, andern weh zuthun , wenn anvertraute fremde Güter untreu verwaltet werden; wenn der Nächste betrogen und vervortheilt oder gar bestohlen wird. S. Diebstal. Betrug. Das alles ist Ungerechtigkeit und alles andre wodurch dem Nächsten sein Recht gekränkt oder weh gethan wird. — Alle Arten von Ungerechtigkeit sind, so wenig es leyder von den meisten geglaubt wird, eine grosse Sünde. Denn sie ist eine Uebertrettung des Sündr. achten Gebotts und streitet überhaupt wieder das Hauptgebott der christlichen Liebe, und wird von GOtt ernstlich gestraft, der allein über das, was des Nächsten ist, das höchste Recht hat, und uns über unser Verhalten gegen das Eigenthum des Nächsten zur Rechenschaft fvdern kann. Dieß zeigen verschiedne Schriftstellen. Zu dem ist die Ungerechtigkeit der Wohlfahrt der menschlichen Gesellschaft nachteilig in dem sie die allgemeine Sicherheit stöhret, und das natürlichste Eigenthumsrecht aufhebt. (Sehet Becrug. Diebstal.) „ GDeres ZoriB wird einst vom Himmel „ geoffenbart werden über alle Bosheit und „ Ungerechtigkeit der Menschen. Die Unge- „ rechten werden d.ns Reich GDttes nicht er- „ erben. 348 Unglaub. „ erben. Darum trecre ab von der Ungerech- „ tigkeir, wer den Namen Christi nennt." — Röm. I. i Cor. VI. 2 Thimoth. II. Unglaub. Was er ist. Unglaube ist, diejenige böse Gemüths- Beschaffenheit, nach welcher man den Lehren und Wahrheiten der Religion nicht glaubt , keinen Beyfall giebt, sie in zweifel zieht, oder auch den erkannten Lehren und Wahrheiten zuwieder denkt und handelt. Quellen. Der Unglaube entspringt aus schlimmer Erziehung, aus Stolz auf menschliche Einsichten,, aus Liebe zur Sünde, aus Mangel genügsamer Religionskenntniffs, aus den daher entstehenden Vormtheilen, aus Nachlässigkeit im Gebrauch der Besserungsmittel, gröstentheils aus Ehrgeiz — Unwissenheit und Lasterhaftigkeit, schlechten Schriften und Aberglaub. Schot» daraus weil er so sündliche Quellen bände, , erhellet dass er grosse Sünde sey. Aber auch daraus zeigt sich die Schändlichkeit und Schädlichkeit desselben, weil er die schändlichste Heuchelei) und Gottlosigkeit wnkt, die Sitten verschlimmert und ein ganzes Heer von Uebeln erzeuget, weil er von GOtt ernstlich verbotten , und mit den schwersten Strafen bedrohet wird. — »AVer Unglaube Z49 „ wer nicht glaubt, wird verdammt „ werdenl" Um nicht in die Sünde des Unglaubs zu ver- Verwahr, fallen: ungsmiml Hüte man sich vor allem Stolz und traue seinen Einsichten nie zu viel. Man vermeide die Sündenliebe! Man gebe sich Mühe zur rechten und gründlichen Erkenntniß der Religionswahrheiten zu gelangen ! — Man hüte sich vor bösen Vorurtheilen und ungläubigen Gesellschaftern und Büchern, welche ihm das Wort reden! Man bette um den Geist GOttes, daß er uns führe auf ebner Bahn! Man stelle sich die fchreklichen Folgen des Unglaubens, die Seligkeit eines Glaubenden und das Elend eines Ungläubigen, auf seinem Todbette , vor GOttes Gerichte und in der Ewigkeit oft lebhaft vor. ( Sehet Glaube.) Man lese besonders die göttlichen Schriften oft mit Andacht und Aufmerksamkeit! Je gemeiner der Unglaub in unsern Zeiten zu werden anfängt/, und je weniger er sich schämt, auch öffentlich aufzmtretten, desto mehr laßt uns am wahren Glaub-en fest halten! UebrigrnS „Sehe Zso Unglük. ,, Seht zu, IhrBrüder! daß nicht etwa „ in jemandem unter Euch selbst ein arges Herz „ des Unglaubens sey, in dem er von dem „lebendigen Gd)ec abtrirret, denn der Zorn „GOcres kömmt einst über die Rinder des „ Unglaubens! ' Unglük. alles das was uns widriges begegnen kann. Alles was unter dem Titel Leiden gesagt worden ist, das giltst auch von dem Unglüke. Verhalten Nur folgende Regeln in Rükficht unsers gütliche!" Verhalten gegen Unglükliche: Man sey gegen ihre Noth nicht gleichgültig oder unempfindlich l Man urtheile nicht lieblos von den Ursachen ihres Unglüks ! Man vermehre ihr Unglük also nicht durch neue Drangsalen ! Man behandle sie sanft und lindre ihre Noth so gut man kann, auch wenn ihr Unglük verschuldet ist! Man handle ohne Ansehen der Person! dessen Wicht. Dazu verbindet uns die Natur. — Jeder mWgkeit r Unglükliche ist ein Mensch wie wir. Wir können auch in Unglük gerathen, worinn wir uns eine gute Unglük- ZsL gute Begegnung von andern wünschen. Auch das Christenthum verbind! uns dazu. Denn durch Liebe gegen Ungleiche werden wir GOtt ähnlich; seinem Befehle gehorsam und legen dadurch einen deutlichen Beweis ab , daß wir Christen seyen , deren Hauptgesez ist: „ Liebe deinen Nächsten, „ wie dich selbst " Das gröste Unglük. Die Quelle alles Unglüks ist eigentlich die Sünde. Sie ist der Menschen Verderben. — Sich vor Sünden hüten, ist also das Mittel, wodurch man viel zeitlichem, gewiß aber dem ewigen Unglük entgehen kann. Aber darum läßt sich gar nicht schließen, der oder dieser ist un- glüklich, darum muß er ein grosser Sünder seyn. Dieß hiesse in sehr manchem Falle lieblos urtheilen. Denn auch Unglük ist eine wirkliche wohlthat des GOttes und hat seinen grossen lTluzen. Es macht den Menschen weise, thätig, verschönert die bessern Schiksale, veredelt das Herz, erinnert an die Vergänglichkeit aller irrdischen Dingen und lehrt an GOtt glauben und auf ihn Vertrauen. Unkeuschheit. ^ie Unkeuschheit besteht in jeder zwekwidrigen Endlich. Anwendung des gegenseitigen Geschlechttriebes, so kett und wol in als ausser der Ehe, und kann eben so durch Gedanken, Begierden und Empfindungen, als durch Worte, Geberden und Handlungen verübt werden. Dieß zsL Unkeuschheit. Dieß Laster welches GOtt oft und nachdrük- lich, besonders auch im siebenden Gebotte verbietet ist ein sehr schändliches und schädliches Laster und um desto gefährlicher und abscheulicher je mehr es durch die Kunst verstekt und durch gemäßigte Namen gemildert, je mehr ihm durch die Stärke des Beyspiels und die Nachlässigkeit in Bestrafung desselben viel Schande entzogen wird. Es ist ein Greuel der Gottheit, eine Pest der Menschheit. Wer ihm ergeben ist, dessen Gesundheit wird zerstöhrt, die Seelenkräfte werden zer- stöhrt, das Leben verkürzt, Ruh und Zufriedenheit zernichtet. Sie stürzt ihn in Armuth / in Schande und Verachtung, sie verlezt sein Gewissen, sie bringt Schreken und Entsezeu vor GOtt, sie macht ihn zum Feind aller Tugenden und stürzt ihn in viele Laster / sie hindert das Glük seiner jezigen oder künstle vergiftet tigen Ehe / sie vergiftet seine Nachkommenschaft , seine Nach. sie schließt ihm den Himmel zu. — Kurz Unkeusch- kvmenschast. verheeret ganze Generationen und macht die Welt zur Mördergrube. — „Wenn auch, sagt Luther, nicht mehr Werke „ gebotten wären, als die Keuschheit allein, so hätten „wir alle genug zu schaffen daran; jo ein gefährlich „und wüthendes Laster ist die Unkeuschheit, denn es «in allen Gliedmassen tobt, im Herzen mit Gedan- „ ken, in den Augen mit dem Gesicht, in den Ohren „ mit dem Gehör, im Mund mit den Worten, in „ Händen, Füssen und im ganzen Leibe mit Wer- ,,ken!" - Die ^ Unmassigkeit. Zsz Die besten Verwahrungsmittel vor dieser D-rwahr- schreklichrn, ach! nie, nie genug unsrer Jugend ungsmiml: genug zu verladenden Sünde sind hauptsächlich diese: Vermeidung des Müssiggangs — des Lebens Herz und Sitten verderbender Schriften — der Unmassigkeit, böser Gesellschaften und aller Gelegenheit zur Unkeuschheit. Bewahrung der Scham- haftigkeit, der Ehrfurcht gegen sich selbst, der Achtung gegen unschuldige reine Seelen, der Ehrfurcht gegen GOtt und JEsum, das Andenken an die zukünftige Rechenschaft , Wachsamkeit über sich selbst und seine Begierden und Gebett. — Eltern! Kinder! Lehrer der Eltern und Kinder! Jünglinge, Töchter, verhütet doch dieß Leib und Seelen verderbende, verdammende Uebel so gut ihrs könnt! Und GOtt helfe Euch; sonst könnt jhr's nicht! Zu groß ist der Strohm, zu klein unsre eigne Kraft. GOtt helfe uns ! (S. Reuschheit.) Unmässigkeit. Unmassigkeir ist ein ausschweifender, Zielst M-- ^ iß. und Maßüberschreitender Gebrauch der Speise und Getränke. Dieß ist ein Laster, welches für einen vernünftigen Menschen höchst schimpflich ist, in- ^ un. dem durch dasselbe der Verstand geschwächt und vernünftig, benebelt, die übrigen Gemüthsfähigkeiten verdorben , und der ganze Mensch zur wahren Weisheit ungeschikt gemacht wird. Die Unmassigkeit ist auch Z sehr schändlich. schädlich. Werth und Glük der Unschuld. zs4 ' Unschuld. sehr schändlich. Sie entspringt aus den schädlichsten Quellen, aus thierischer E innlichkeit, Wollust, Müffiggang und schlechter Gesellschaft, und verleitet zu vielen Reden und Handlungen, welche die Religion und die Menschheit beschimpfen, ihr folgt immer Ekel, Schaam und Reu auf dem Fusse nach, und lauft dem Gesez GOttes gerade zuwider , welcher die Massigkeit so ernstlich gebietet. ( S. Massigkeit.) — Sie ist endlich auch höchst schädlich. Sie zerstört die Gesundheit, das Vermögen , das Leben des Menschen, sie bringt ihn um seine Ehr, stürzt ihn und die Seinigen in Mangel, in Schande und Verachtung, und ist ihm für seinen künftigen Zustand unaussprechlich nachtheilig. — Ihr Ende ist die Vrrderbniß. — Ein Unmässiger wird das Reich GOttes nicht ererben. — ^S. Massigkeit.) Unschuld. Unschuld ist der Zustand eines Menschen, worinn er sich keiner Abweichungen und Verlezungen seiner Pflichten schuldig weißt — wo er den Trost eines guten Gewissen besizt. (S. Gewissen. Aufrichtigkeit. Lrommkeir.) Ein solcher Zustand ist höchst glüklich und wird durch Aufmerksamkeit auf die göttliche Geseze und auf seine eignen Handlun- lungen erworben. — Einer" unsrer rechtschafnm jungen Prediger und Dichter beschreibt ihr Glük und ihren Werth sehr richtig also: Unschuld Unschuld. 5sz Unschuld zieret Mmschenseelen , Unschuld, Unschuld kann nicht fehlen. — Zittert auch de ganze Welt/ Unschuld stehet wie ein Held. Unschuld ist mit Temuth froh, Darum sinkt sie nicht also. Sie vertilget keine Plage/ 'Keines Lügners falsche Klage; Ruhig bleibt sie, wie sie ist , Ohne Argwohn / ohne List. Fröhlich ist sie und zufrieden, Was der Welken HErr entschieden. Immer hängt ihr froher Sinn Fest an GOtt, und schaut auf ihn.- Und Gellere : Erfülle dich, scheinst du zu wanken, Oft mit dem mächtigen Gedanken: Die Unschuld ist der Seele Glük! Einmal verscherzt und aufgegeben. Verläßt sie mich im ganzen Leben Und keine Reu bringt sie zurük. — Unschuld hat auch die herrlichsten Versicherungen der heil. Schrift; an ihr hat GOtt Wol- gefallen, ihr wird er die höchsten Belohnungen hier und dort ertheilen. Muß gleich die Unschuld hier oft unten liegen, muß gleich der Gerechte hier viel leiden, o der HErr hilft ihm aus diesem allen! — Welche Beweggründe uns der Unschuld und Reinigkeit zu befletssen! — »Selig zs6 Unterthanen. „Selig sind die rein am Herzen sind, „ denn sie werden GOtt anschauen! " — Unsterblichkeit. Sehet Auferstehung. Leben. Seele. Unterthanen. «a« find finUnterchanen hrissen alle und jede Glieder eines gemeinen Wesens, ausser dem Fürsten, alle die unter einer obrigkeitlichen Gewalt und Herrschaft Pflicht«», stehn. — Diese nun sind verbunden ihre Regenten und 'Obrigkeiten zu ehren , ihren Befehlen willig und geschwinde zu gehorchen, ihre geforderten rechtmässigen Steuren und Abgaben zu entrichten, auch das Unrecht das ihnen etwa als einzeln Gliedern widerfährt, willig zu dulden, ihre Liebe und Sorgfalt aber mit Dank zu erkennen , und das alles ohne Rüksicht auf ihre ^ewegzründeRelrgion, Regierung , und Charakter. Denn GOtt hat die Obrigkeiten zum Glük der menschlichen Gesellschaft geordnet und bestimmt, selbst in fernem Worte unser Verhalten gegen dieselben: (Rom. XM. r -7. * Petr. il. 13 - 17. Math. XXII. 2l. 1 Thimvth.II. r.) Zu dem verpflichtet sich jeder zu Beobachtung dieser Pflichten durch einen Eid, so bald er in die bürgerliche Gesellschaft trittst; auch wird GOtt den Ungehorsam gegen die Obrigkeiten ernstlich besirafen.(S-Obrigkeit.) »Ein t Unversohnlichkeit. 557 „Ein jeder Mensch sey dem obrigkeit- „kichen Gewalt unterthanig! wer sich dem- „ selben widersezet, der widerstrebet GDtres „ Ordnung: die aber widerstreben, werden „ihnen selbst ein Urtheil empfangen! " — Röm. XIII. 1,2. Unversöhnlichkeit. ^nversohnlichkeir ist die Widerlichkeit, Un-W^sje jß, geneigtheit, dem der uns beleidigt oder Schaden zugefügt hat, seine Fehler zu verzechn und ihm unsre Liebe wider zu schenken. — Dieß ist nun, wie Haß und Rachsucht, ein höchst schändliches und schädliches Laster, das von der Seligkeit ausschliesset. S. Haß. Rachsucht. Sie macht uns unfähig der Erdarmung GOttes und der Freud und Ehre des Versöhnlichsten. Wer nicht vergiebt, dem wird nicht vergebm. Wir verlieren die Achtung des Nebenmenschen und stürzen uns in Unglük und Schande. Man sucht zwar dasselbe zu entschuldigen, aber alle Entschuldigungen sind- vergebens und Entschuld«, ohne das mindeste Gewicht. „Ich bin zu hizig, gungen.. „sagt der eine, und zu empfindlich. — Die „Beleidigung ist zu groß,sagt der andre, als „daß ich sie vergeben und vergessen konnte." Aber im ersten Fall — heist uns nicht GOtt alle Rachsucht und Bitterkeit aus unsern Herzen verdünnen^ Zs8 Unwissenheit. bannen, und kann man ohne ihn zu lästern sagen, daß er etwas unmögliches von uns fordre? — im andern Fall — ist die Beleidigung wirklich so groß, als wir sie uns in der ersten Hitze vorstellen, und gesezt auch wirklich sie sey noch so groß, so ist es dennoch unsre Pflicht sie zu vergeben und zu vergessen, wie EOlt auch uns die allergrößten Beleidigungen vergiebt und vergißt. Ueberhaupt sind die unrichtigen Begriffe, die sich viele Menschen von der Versöhnlichkeit machen, an der Unversöhrüichkeit Schuld. (S. versöhnlichkeit.- Unversöhnliche! Ihr seyd GOttes Geschöpfe, und Unterthanen, wenn Er gegen euch so handeln wollte ,wie ihr gegen eure Beleidiger handelt, wie würdet ihr besteh» ?-„ Seyd „ GtOttes Nachfolger! — vergebet , so wird »euch vergeben ? wo ihr den Menschen „nicht vergeben werdet ihre Fehler, so wird „ GOtt auch eure Fehler nicht vergeben!" — Unwissenheit. Was sie ist. Unwissenheit in geistlichen Dingen besteht in dem Mangel der Erkenntniß derselben , und ist ein gemeiner Fehler vieler Christen. Mancher der sonst in weltlichen Dingen scharfsinnig, wizig und nachdenkend genug ist, ist oft in geistlichen Dingen so unwissend, so kurzsichtig daß er kaum die ersten Gnrndsäze der christlichen Religion weiß, daß er der» Unterricht den man ihm darum giebt nicht Unwissenheit. Z59 nicht fassen kann, oder bald wieder vergißt, daß er gar keinen Grund seiner Hofnung und seines Verhaltens gegen GHlt angeben kann, daß es ihm sehr sauer wird, eine Minute lang von Wahrheiten der Religion zu reden, ob er gleich die Schwazhaftigkert selbst ist. — Und woher mag wol diese Unwissenheit entstehn? — Sind etwa die Lehreu der Religion zu dunkel? oder zu schwer? oder nicht wichtig genug um darüber nachzudenken ? oder haben wie nicht Ver stand genug? oder nicht Unterricht genug? — O nein! gewiß nichts von dem allem ; soMkkl sie entsteht aus einer Quellen - unseligen Trägheit des Verstandes — aus eiuem dummen Stolze — aus verkehrtem Betragen beym Gottesdienst—aus angenommnen Vorurteilen - aus verderbter Kinderzucht — aus Unaufmerksamkett und aus ungöttltcher Abneigung gegen die ernsthafte Tugend und die demüthigende Wahrheit der Religion. — Diese Unwissenheit ist nicht nur . an und für sich einem Christen, dem nichts heiliger seyn soll, als seine Religion und kerne Wissenschaft lieber und nöthiger als die Erkenntniß ihrer - Wahrheiten, die uns zur Glükseligkeit führen, höchst schimpflich, sondern , sie hat auch die schädlichsten Folgen. — Sie ist dem Wachsthum §olgm - der Ehre GOltes hinderlich — sie sieht der Liebs GOrces im Wege — sie veranlaßt den Aberglauben und verleitet zu den gröbsten Lastern — sie läßt uns in der Versuchung unbewafnet, im Leiden und im Tod ohne Trost und Beruhigung — sie- z6o Unwissenheit. sie entfernt uns von GOtt und beraubt uns unsrer geistlichen Glückseligkeit. — Wie sehr sollte man sich also Mühe geben, zu wachsen in der Erkenntniß der Religion, wie sleissig dem Religionsunterrichte, wo man kann beywohnen und auch die Jugend dazu anhalten! Ihr Eltern! kommet selbst, und lasset eure Kinder und Hausgenossen zu JEsu, in seine Schule, wo seine Lehre gepredigt und wo die Jugend darinn wie aus seinem Munde unterrichtet wird, kommen, und wehret es ihnen nicht, denn für euch alle, und für sie besonders ist die Lehre JEsu, das Reich GOttes! — O wann wir täglich aufunsern Knien lagen, wir könnten GOtt nicht genug danken , daß er uns die Erkenntniß unsrer Religion, besonders auch in unsern Tagen so gar leicht gemacht hat, daß keiner unwissend bleiben muß, wenn er nicht mit allem Fleißj es bleiben will — und keinem keine Entschuldigung übrig gelassen ist, wenn er es bleibt. — Ein unwissender Mensch ist auch gewiß kein guter Christ — Wissen und Thun muß in unserm Christenthum nothwendig mit einander verbunden werden. Unzucht. §ur Unzucht gehören alle wirklichen Handlungen der Unkeuschheit. —Sehet Ehbruch.Hurey. Unkeuschheit. — Urtheilen Z6k Urtheilen. om lieblosen Urtheilen sehet Richten. Verachtung ( des Nächsten.) ^)le Verachtung des Nächsten besteht darinn, Worinn sie wenn man von seinem Stand Vermögen, An- sehn, Gaben schlecht und spöltlich spricht, und ihn wegen verschuldeter oder unverschuldeter Unvoll- kommenheiten für ein nichtswürdiges Geschöpf hält und ihm schlecht begegnet — mit Geberden, Worten oder in der That. (Ein leider oft gewöhnlicher Fehler—selten der Reichsten und Angesehensten — aber der Leuten die etwas mehr als andre besizen , reicher, angesehner, geehrter, klüger- sind, als andre.) Dieß Laster entsteht aus Stolz Quellen, und Unwissenheit von seinem eignen Werthe, allermeist aus Unverstand — und ist dem Menschen, der sich keine Vorzüge selbst gegeben hat, höchst schimpflich, schändlich und schädlich, indem es Schändlich, mit der Würde des Menschen, mit den Gestzen^!^^ JEsu und besonders mit dem Hauptgesez der allgemeinen Menschenliebe streitet — und viel Neid, Zank, Verdruß und andre Unannehmlichkeiten erwekt. — S. Hochmuth. ,, Was richtest du deinen Bruder? oder was „ verachtest du ihn? wir werden alle für den Rich- terstuhl Christi gestellt werden. Was hast du s »Mensch, 46r Verdammmß. „ Mensch, daß du nicht empfangen habest? Mit » Ehrerbietung kommt einander zuvor! -- Einen Menschen verachten , heist seinen Schöpfer ver- » achten ! lTkur ein Sünder, sagt Salonion - » verachtet seinen Wachsten! " — Verdammniß. Was ist fi«r^)ie Verdammniß ist der höchst unglükselige Zustand lasterhafter und gottloser Menschen in der Beschaffen» Ewigkeit. Solcher besteht in der Ausschliessung von allem Gmen und dem Empfang alles Bösen. Ein Verdammter wird von seinem Gewissen und von der Erinnerung an sein böses Leben immerdar gemartert. Er wird mit lauter gottlosen Menschen umgeben seyn, ausgeschlossen von Gnade, Liebe und Huld GOttes, die Hölle wird fein Aufenthalt seyn. Beständige Angst , Unruh, O.ual - Schmerzen werden ihn foltern, und ihn in Verzweiflung stürzen. Das ist nur etwas von den Strafen der Verdammten , die keine Menschen- Zunge beschreiben kann, aber es ist Aewiß und keine blosse Erfindung. Wer mit der heil. Schrift auch nur wenig bekannt ist, wird davon überzeugt werden, indem sie die schreklichsteu Bilder braucht, um den unglükseligen Zustand der Verdammten zu schildern. Ob und in wie weit GOlt die Strafen der Verdammten mildern oder aufheben werde, gehört zu den subtilern Fragen, worauf ich mich, ohne Roch nicht gerne einlassen möchte, da ohnehin Verführung. ;6z hin nichts damit ausgerichtet wird. Unstreitig redt die Schrift von der Dauer der Höllenstrafen, in solchen Ansdrüken/die uns nicht zweifeln lassen, daß sie ewig seyn werden. Indeß wir wissen jede Sünde wird gestraft, und jeder Gottlose wird in der Ewigkeit unglüklich, wenn wir uns nur vor der Verdammniß Hütten, so ists genug ! — „ Laßt uns nicht von denen seyn , dre da weichen „ und verdammt werden, sondern von denen die „ da glauben und errettet werden!" Hebr. X. — Sehet Holle. Gottlose. Verführung. ^)ie Verführung ist eine Abführung vom rich- Was sie sey. tigen Weg zum unrichtigen, von der Wahrheit zum Irrthum, von der Tugend zum Böfen, geschehe sie nun auf irgend eine Weise, durch Berrdungen, Verwände, Lehr oder Beyspiel. Wer einen andern zum Bösen verleitet, der Wahrheit ungetreu macht, der ist ein Verführer. — Die Verführung ist ein höchst schändliches und schädliches Laster. — Schändlich« Ein Verführer sündigt nicht nur für sich, sondern kar und er macht auch andre sündigen. Er verschlimmerL^^E"* das Herz der Menschen, und raubt ihm seine Ruhe. Er macht andre zu Verführern, rottet die Tugend aus und macht das Laster herrschend — er ist also eine Pest der Welt. — Ein solcher Mensch wird aber der strafenden Gerechtigkeit GOttes nicht entgeh?.. Seine Ehre wird hier zu schänden, Z64 Vergebung. schänden, er wird allen rechtschafnen ein Abschcn und Schrecken werden. - GOtt wird ihn einst gänzlich verderben. — „ So jemand den Tempel »GOttes verderbet, den wird GOtt auch ver- » derben, denn der Tempel GOttes ist heilig, »welcher ihr seyt." (rCor.Ills Miu-ek da. Man nehme sich also vor Verführung und wider: Verführern wol in Acht; und dieß kann am beßten dadurch geschehn, daß man den Umgang mit ihnen ausweicht, ihre Reden nicht hört, ihre Schriften nicht list, die göttliche Wahrheit ehrt und hochhaltet, und GOtt um seinen Geist bittet , daß er uns führe auf ebner Bahn! Seht euch vor, vor den falschen Propheten, »vor den Verführern — sie gehn zwar in Schafskleidern , innwendlg aber sind sie räudige Wölfe. »Ihr werdet sie an thren Furchten erkennen. — »Verwahrt euch, daß ihr nicht durch ruchlose » Menschen verführt werdet, denn mit ihnen wirds »immer ärger, sie verführen und werden verführt." (Math. VII. 2 Thimvth. lll. 2PetriI!I.) Vergebung. Wa« ist si« ?^§ine Verzeihung dessen, wodurch wir beleidigt worden sind , kraft deren man es nicht ahndet, noch straft, viel weniger mit Strenge rächt, sondern alles was geschah ansieht, als ob es nicht geschehn wäre. Sehet Beleidigung. Versöhnlichkeit. Liebe der Feinde. Ver- Z6s Vergebung der Sünden. Vergebung der Sünden ist nichts anders, als eine, auf Besserung gegründete und durch Besserung möglich und daurhaft gemachte Aufhebung und Erlassung der Strafen der Sünde, d. h. der Uebel welche sie nach sich gezogen hat. — GOtt vergibt die Sünden — durch JEfum Christum , welcher uns durch seine Lehre und fein heiliges Beyspiel die Besserung erleichtert, und durch völlige Sündenlosigkeit und sein Leiden und Sterben uns von Sünden freygemacht hat — immer aber nur unter Der Bedingung, wenn wir gut und rechtschaffen leben, unsre Sünd uns leid seyn lassen und bey GOtt und JEsu um Vergebung derselben bitten. Jeder der diese Bedingungen erfüllt, wird Vergebung der Sünden erlangen — sonst nicht. Und es ist ein verderbliches Vorurtheil vieler Leute, die glauben ohne Besserung, ganz nur auf einem Seufzer, auf ein Ge- betchen, auf ein Sündenbekenntniß hin, durch JEfum Christum, den Sündenvergeber, in einem Augenblike von Millionen Sünden los zu werden. — Besserung! Besserung ! Neues Leben! Frommkeit! Nur dann kann JEsus Christus die Strafen vergeben, die mit der Sünde unzertrennlich verbunden sind — was GOtt zusammengefüget hat, hebt GOtt nicht mehr auf. Eher also um Besserung gedetten, um die Gnade recht zu ' thun, Was iß si« ? z66 Verläumdung. thun, und erst dann um die Vergeben; der Sünden. — „ Ohne Heiligung mag nienand „den HErrn sehn!" — VergnüglichkeLt. S. ZufriedenLeic. Verläumdung. Was sie ist. ^^erlaumdung ist die böse Gewohnheit/ nur immer von den Fehlern und Mängeln andrer zu sprechen, oder gar zu erdichten und sie unbefugter Weise, mit boshafter Schadenfreude bekamt zu machen und auszubreiten. Quellen. Die (Quellen derselben sind Armuth des Verstandes, Leichtsinn, Hochmuth, Haß, Müssig- gang und Geschwazigkeit. — Dieß Laster ist eins Schändlich, der allerschändlichsten und schädlichsten. Es keil und widerspricht geradezu den ersten und vornehmsten EchadlichkeitA^h^M der Religion. ( S. Ephes. IV. zi.f. Coloß. III. 12-15. Jak. I. 26.) Es streitet mit den natürlichen Empfindungen der Menschlichkeit und Nächstenliebe — es ist eine Versündigung wider GOtt (Jak.V. n. f. z Mos. XIX. >6. Sprüchw. X VII. 5.) und verursacht für Zeit und Ewigkeit den größten Schaden. — Ein Verläum- der stürzt seinen Nächsten in die größte Verlegenheit/in Kummer und Verdruß ,in Zank, Haß, Verachtung und Schande und macht ihn oft für sein Lebtag' unglüktich. Er verführt und ärgert andre. Verlaiimdmrg» Z67 andre. Er berawbt sich seiner Gewissensruh. Er verliert das Zuwaren und die Ehrfurcht andrer, wird allgemein Maßt, geflohen, verachtet, und empfängt einst in der Ewigkeit die größten Strafen. Ps. O. „ Der s«eiren Nächsten heimlich verläum- „det, den wird GOtt vertilgen, (i Cor. V. n. VI. 10. Ps.I.. 19,22. I.XlV. 4. 8 . n.) Man denke aber doch nicht, daß nur der ein W->§ sind Verläumder sey, welches etwas Böses von demDcuLumder? Nächsten heimlich redt, das nicht wahr ist, sondern auch das ist Verläumdung , wenn man öffentlich mit Wolgefalien und Absicht Böses von dem Nächsten sagt, wenn man seine guteh Absichten , seine gute Seite immer verdekt, oder in Schatten stellt, und ihm dagegen allerley Fehler aufmuzt und uns immer die schlechte Seite ans Licht stellt , wenn man seine gleichgültigen Handlungen lästert, wenn man die widrigen Schik- sale, die ihn treffen für Folgen seiner Sünden ausgiebt, wenn man ihn beschuldigt etwas gesagt oder gethan zu haben, das er nicht geredt und gethan hat, u. s. f. Wer das thut, mit Absicht und Wolgefalien, ist ein Verläumder. Gegen Verläumder und in Verläumdung M^hatteu halte und schüze und tröste man sich durch Beobach- gegen Ve» tung nachfolgender Regeln: iänmder : Man gebe den Verläumdern kein Gehör, glaube nicht gerade alles was sie sagen — und denke der Mmsch sey nicht so böse als er scheine Man z68 Verläumdung. Man vermeide die Neuigkeitstrager und Zei- tungrbringer, Ohrenblaser, männlichen oder weiblichen Geschlechts/ und lasse sie in keiner Haushaltung einnisten! Man hüte sich vor Geschwäzigkrit! Man verläumde den Verlaumder nicht wieder sondern fodre Beweise von ihm! Man schäze sich gegen die Verläumder durch einen unanstössigen Wandel, und suche sich. den Beyfall eines guten Gewissens zu erhalten / der immer genug Trost giebt und schweige! Mm lasse sich also durch Verläumdung nicht von der Tugend abhalten / sondern vielmehr dazu ermuntern! Man vertraue auf GOtt, der die Unschuld einst ans Licht bringen wird ! Wird man verläuwdet, so denke man daß vernünftige Leute es nicht glauben werden, daß GOtt die besten Absichten dabey habe, gehe in sich selbst und sey desto fürsichtiger in seinem ganzen Wandel! — (Da man einst dem weisen Heiden plaro sagte, daß seine Feinde sehr nachteilig von ihm sprechen, und ihn häßlich verläumdeten, gab er zur Antwort: „ Es hat gar nichts zu bedeuten, »ich will mich schon so aufführen, daß ihnen „ Niemand glauben soll ! " ) Ver- Z69 Versammlung. Sehet Gottesdienst. Rieche. Verschwendung. Worinn sie gen Anwendung seines Vermögens, wodurch man besteht, es der Wollust, dem Stolze oder irgend einer andern Leidenschaft aufopfert und es nicht zusammen hält. Dieses Laster, welches nicht nur im Grossen, sondern auch im kleinen, nicht nur von Reichen , sondern auch von Armen begangen werden kann, ist höchst sündlich, m dem es GOtt ernstlich verbothen hat. ( Sprüchw. V. 9. XXIII. iy.) Also auch höchst schändlich und wegen seiner Schändlich. Folgen höchst schädlich. Ein Verschwender ver- ^ und schwendetnicht sein Eigenthum, sondern das, was^^ ihm GOtt zu vernünftigem und zweckmässigem Gebrauche dargeliehen hat, er wird also von GOtt einst zur Rechenschaft gezogen werden, und wie wird er sie ablegen können ? Ein Verschwender begeht also die gröste Ungerechtigkeit, und wird zu vielen Sünden verleitet, wenn die Mittel zu seiner Verschwendung aufhören oder noch vorhanden sind im lezten Fall zu Müssiggang, Wollust, Hurerey, Trunkenheit, rc. im Fall aber zu Diebstal, Betrug, List, Niederträchtigkeiten, u.s.f. Er beraubt sich der Achtung und des Vertrauens aller Menschen, in stimm Hause entsteht Unordnung, Zank, Vor- Aa würfe, Verschwiegenheit. Z7Q würfe, Armuth und Elend ohne Mitleid, in seinem Körper Zerrüttung, in seinem Verstand Schwäche, in seinem Gewissen Unruhe , sein Alter wird ihm irngefreut und lästig, sein Sterbebett eine Hölle, und nach diesem Leben wird er erst für seine Sünden büssen müssen. Sehet Luc. XVI. 19. u. s. f. Dieß sind die wichtigsten Gründe, die einen Menschen antreiben sollen sich vsr dem Laster der Verschwendung zu hüten , wodurch schon Haushaltungen, Städte, Reiche und Länder zu Grunde gerichtet worden sind. < Sehet Sparsamkeit.) Verschwiegenheit. War sie sey. ^^ie Verschwiegenheit ist diejenige Tugend, da ein Mensch in seinen Reden fürsichtig ist, und nie zu viel redet, und besteht darinn, daß man theils nie von Geheimnissen spreche, theils es vermeide Geheimnrsie zu erfahren. — Dieß ist nun Dorttlflich. eine schöne Tugend, die GOtt selbst befohlen keitverseiben.hat JakobI. ,y. „Jedermann sey langsam zum „ Reden !" weil sie recht vortreflrch ist, und auf die Ruh, Zufriedenheit und Glükseiigkeit des gesellschaftlichen Lebens grossen Einfluß hat, da hingegen die Schwazhastigkeit sehr vielen Verdruß, Unruh und Schande zuzieht. (Sprüchw. X. 19. XIV.z. XXI. z. XXV. 9.) Da Vevstokung. Z7i Da wäre wol vielen, vielen Menschen nöthig in ihre tägliche Gebette nachfolgenden Seufzer einfliessen zu lassen: Ach, laß zu allen Zeiten Mich deiner Weisheit Licht, O GOtt der Liebe! leiten — Damit ich meine Pflicht Mit Klugheit üb' und wisse, Wenn ich für andrer Wohl Und für mich reden müsse, Und — wenn ich schweigen soll! — Uebrigens nehme man folgende Regel wol in Acht: Man schweige nie wo man reden soll — und rede nie wo man schweigen sollt! und reden soll man, wo durch Reden , und schweigen soll man, wo durch Schweigen, die Ehre GOttes, unsre oder des Nächsten Wol- fahrt befürdert werden kann. — Verstellung. S. Heuchele)?. Verstokung. ^ie Verstokung ist die Verhärtung des Her- Was Se ist, zens gegen die göttlichen Wahrheiten und Befehle , feindseliger Widerstand gegen seinen Willen , Unempfindlichkeit gegen seine Warnungen und Strafen. Ein Mensch der verstokt ist, hat kein Gefühl für die Wahrheit die zur Glükseligkeit lei- Aa - tet — Z7L Versuchung. tet — er ist für alles Gute, Edle, Gütliche ersterben — er ist sinnlos, unempfindlich gegen alles, untheilnehmend an allem was recht ist — er häuft Sünden auf Sünden und nchts kann ihm die Augen öfnen und ihn von fettem bösen Wege zurükführen. Er kommt zulczr so weit, daß er nicht mehr weiß , was gut oder böse, wahr oder falsch ist. Entweder zweifelt er an allem oder es ist ihm alles gleichgültig. —Der Zusand eines «ngiük. solchen ist nun höchst unglüklich. GOt überläßt seligkeir. solche Menschen zulezt ihrem Leichtsinn, sie werden in einen verkehrten Sinn dahingegeben, daß sie der Lüge glauben. „ Weil sie die Liebe der Wahr- „heit nicht aufgenommen haben, so sendt ihnen »GOtt kräftige Irrthümer, auf daß alle gerichtet »werden, die der Wahrheit nicht geglaubt haben." (r Theß. II.) „ Ermähnet Euch selbst alle, alle Tage, »so lang es heut heist, daß nicht jemand ,, unter euch durch den Betrug der Sünde » verstokt werde!!" — Hebr. III. Versuchung. War sie ist. Versuchung ist alles das, was einem Menschen Anlaas z«m Abfall von GOtt, der Religion, dem Glauben, der Wahrheit giebt, was ihn davon entfernt, auf irgend eme Weise, und was es sey, die Welt, die bösen Menschen, ihren Beyspielen oder die eignen bösen Gelüste.— Versuchung. Z7Z Die «Queller der Versuchung sind nicht Quellen, ausser uns , in GOtt sind sie auch nicht. — GOtt kann weder sersuchen noch versucht werden, nemlich zum Böser, und wenn es heist: GOtt versuche die Meischeu, so heist das nur, er stellt sie auf die Probe, er prüft ihren Glauben, ihre Liebe, ihren Gehorsam, u. s. f. und wenn man sagt : Die Menschen versuchen GOtt, so heist es , sie steilen GOtt auf die Probe, ob er helfen, und reuen will, sie sind mißträuisch gegen ihn, und fodern unnöthige Beweise seiner Eigenschaft von ihm, sondern sie sind meist in uns selbst zu suchen, wie Jacob sagt, nemlich in der Lust zur Sünde, welche man in sich rege werden laßt, da man nicht wachsam genug auf die Dinge ist, welche sie erregen ; solche sind ein ungesunder Körper — dikes Blut — erhizte Einbildung— ein verdorbner Verstand — schädliche Schriften — böse Gesellschaft — Beyspiele — Zureden — Hofnung eines Gewinnsts, rc. Die Mittel die Versuchung zu überwinden, Mittel sie ;» sind diese, daß man diese Quellen verstopfe, d. i. vermeide» daß man für die Gesundheit seines Körpers Sorg "win "en.^' trage, über seine Einbildungskraft wache, für die Aufklärung seines Verstands sorge, sich vor schädlichen Schriften, böser Gesellschaft und bösen Beyspielen hüte, seine Neigungen, Fehler und Sünden kennen lerne, und besonders die Kraft zum Guten durchs Gebett, Einsamkeit und Enthaltsamkeit 574 Versöhnlichkeit. haltsamkeit suche, wie uns das JEsus Christus durch sein eignes Beyspiel gelehrt hat! GOtt! Vater! wache über meine Seele, Daß der Versuchung giftiger Pfeil sie fehle! Und schikst du Kampf, so laß mich nicht erliegen, Hilf selbst mir siegen! — Versöhnung. S. Erlösung. Versöhnlichkeit. Was fttist. >^je Versöhnlichkeit ist diejenige Tugend, da man den Beleidigern ihre Beleidigungen vergibt und vergißt, und sie liebt und ihnen Gutes thut. (S- Beleidiger.) Da einer dem andern seine Vorige Huld und Liede schenkt und Frieden machet. Notywen« Die Versöhnlichkeit ist eine höchst Nothwendigkeit. dige Tugend, denn GOtt und JEsus haben sie sehr oft und nachdrüklich befohlen ( der Stelle sind sehr viele) und mit ihrem eignen Beyspiele bestätigt, sie ist eine Haupteigenschaft eines Christen, und eines vernünftigen Menschen, der die andern alle als seine Brüder betrachtet, sie hat unendlich grossen Nur«». Nuzen, indem sie die Bedingung ist, unter welcher GOtt uns unsre Sünden vergeben will, und weil sie uns die Achtung und Liebe GOttes und des Menschen erwirbt und unser Leben ruhig und glük- lich macht. Man kann dem Menschen nichts öfters genug Vertrauen. Z7f genug sagen, als dieß: Wie du kränkst, wirst du gekränkt; wie du haffst, wirst du schaffet; wie du vergibst , wird dir vergeben; wie du liebst; wirst du geliebt! — Die Versöhnlichkeit aber, wenn sie rechter Art seyn soll, muß allgemein, herzlich, thätig und beständig seyn. — ( S. Liebe der Feinde.) „ Vergebet, so wird euch vergeben— „wenn ihr den Menschen vergeben werdet, „ ihre Fehler, so wird auch GOtt euch eure „ Fehler vergeben. Vergebe je einer dem an- „ dern,, wie GOtt uns allen vergeben hat „in Christo!" — Vertrauen. Vertrauen aufGOtt ist eine Geneigtheit Was er kff in allen Fällen, mit vollkommner Beruhigung seiner Seele von GOtt das Beste zu erwarten, welche aus rechter Erkenntniß GOttes und seiner Vorsehung entsteht, nur dem Bewußtseyn nem- Quelle», lich , daß er alles wol mache, alles aus Liebe thue, alles wahre Gute allein kenne, aller Menschen Wolfahrt suche, daß er ihnen Mittel dazu selbst gebe, daß er alles regiere und leite. Dieß Vertrauen erweißr sich in allen Gesinnungen, in allenLrweifungen Handlungen und Umständen des Lebens, so daß man immer alles für gut haltet, alles Gute erwartet und sich immer beruhigt. Die Gründe dieses Ver- Gründe. trauens Z7§ Vertrauen. tranens sind GOttes Verheißungen und Befehle. Jerem. XVII. 7. »Wol dem Menschen der auf „ den HErrn vertraut und dessen Hofnung der „ HErr ist! " Klagl. III. 25. „ DerHErristgut » denen die auf ihn hoffen ! " Mittel dazu. Die Mittel zu diesem Vertrauen zu gelangen, sind die Ueberzeugung von seiner grossen Weisheit und gränzenlosen Liebe, womit er alles wol mit dem Menschen macht , (zu dieser Ueberzeugung können wir durst) Aufmerksamkeit auf die Leitung unsrer und andrer Schiksaleerlangen.) Aufrichtige Besserung des Herzens, Wachsthum im Glauben und Nuzen : der Tugend — Andenken an die grossen lTuzbar- keiren dieses Vertrauens. Es ist der Grund aller unsrer Zufriedenheit, Ruh und Glükseligkeit. Es wird von GOtt reichlich belohnt, es macht der besondern Fürsorge GOttes fähig, bewahrt vor un- nüzen Sorgen, vor Unzufriedenheit und Verzweiflung , es macht bey den Geschäften dieses Lebens, in Glük und Unglük und auch im Tode heiter und getrost. Dieß lehrt uns die heil. Schrift indem sie uns sagt: » GOtt sey ein Schild aller derer, die auf »ihn vertrauen, keines von ihnen werde zu Schan- „ den werden, wer auf den HErrn vertraue werde »selig seyn, u.s.f." „wol dem Menschen der aufden HErrn » vertraut und dessen Hofnung der HErr ist, » der wird seyn, wie ein Baum der an den ,, Wassern gepflanzt ist , dessen Wurzeln sich »an Vorsehung. Vorsorge. z?7 „an die Bache erstreken/ der die Hize, wann „ sie kömmt nicht empfindet, sondern dessen „ Blätter grün sind und sorget nicht, wenn „ ein dürres Jahr kömmt, hört auch nicht auf „Früchte zu bringen ! " — Wol dem, der sprechen kann: GOtt auf dich will ich vertrauen, Ich bin dein , nie soll mir gereuen; Immer will ich dich umfassen, Immer mich auf dich verlassen! — Der wird dann auch sagen können : Nun bin ich in jeder Noth Ruhig, denn GOtt ist mein GOtt! Verzeihung. S. Vergebung. Versöhnlichkeit. Vorsehung. Vorsorge. göttliche Vorsehung ist die Verbindung Was sie ist. GOttes mit der Welt, da jedes Geschöpfe in jedem Augenblike, samt allen seinen Kräften, Schiksalen und Veränderungen von ihm abhängt und zum weisesten Zwek regiert wird. Sie gründet sich auf das Wesen GOttes , als des Allmächtigsten , Allweisesten, Allgütigsten und Allgegenwärtigen. Die Lehre von der Vorsehung ist im XL. XLI. u. LXXXIX. Psalm und im VI. u. X. Capitel des Evangelium Matthäi enthalten. Von der Wirk--'^eweift,daß lichkeit einer alles leitendenVorsehung überzeugt zu ^ ^ werden/ z?8 Vorsehung. Vorsorge. werden, dörfen wir nicht allein auf die Begebenheiten der Natur, sondern auch auf die Schiksale und Führungen unsers Lebens hauptsächlich aufmerksam seyn, welche alle auf die weiseste Art geleitet werden, alles muß zu Einem Zweke mitwirken , alles zum rechten Ziehle führen, wenn es auch wirklich davon entfernet scheint. — Die grösten Dinge, müssen oft durch die kleinsten Mittekursachen ausgerichtet werden. Unglük muß ofp Glük und Schmerz, Freude erzeugen, eine unsichtbare Hände leitet auch die kleinsten, wie die grösten menschlichen Angelegenheiten gleich Wasserbächen, wohin GOtt will, und allemal gewiß gut, wenn ihnen nur der Mensch nicht entgegen arbeitet! — was will ich beweisen und womit? — Der Mensch ist gewiß ein thörichter, auf seine Schik- sake höchst' unaufmerksamer, leichtsinniger Mensch, dem es aus eigner Erfahrung nicht schon erwiesen ist: Es ist eine Vorsehung die alles leitet! — Man lese die heilige Geschichte — Mosis — Josephs — Davids, und andrer.—Diese Lehre DieLebre vonvon der Vorsehung ist höchst heilsam und tröst- r?" lich. Sie lehrt uns recht glauben, recht leben, sam und und recht betten. Sie befreyt uns von ängstlicher tröstlich. Furcht und Sorge — stärkt uns im Fleiß unsers Berufs — macht uns freudig im Leben — geduldig im Leiden, getrost im Sterben. Sie giebt uns dir frohsten Hvfnungen, erhebt uns zum himmlischer? Sinn, und versichert uns der Seligkeit. — S. Sorge« Vertrauen» Wach§ ?7S Wachsamkeit. Äle geistliche Wachsamkeit ist die genaue W» ist si-1 Aufmerksamkeit auf seine Handlungen, Reden und Gedanken. Dazugehört denn eine sorgfältige und ernstliche Prüfung seines ganzen Zustandes, eine ernstliche und unausgesezte Uebung seiner Christenpflichten, eine sorgfältige Vermeidung alles dessen, was die uns geschenkten Gnadenkräfte hindern oder unwirksam machen kann. — Diese Wachsamkeit ist einem Christen höchst Nothwrn. nothwendig, denn JEsus befihlt sie sehr oft, wir digkciu werden einst Rechenschaft von allen unsern Handlungen , Reden und Gedanken ablegen müssen , und wissen nicht, wann die Stunde der Rechenschaft erfolgt. — Wie es nöthig ist, daß ein Hausvater wachsam sey, vamit sein Haus von keinen Dieben geplündert w erde, so ist es nothwendig, daß ein Christ wache, damit er seine Seele nicht - verliere, und am Tag der Rechenschaft nicht zu schänden werde. — Wahrhaftigkeit. Ä^ahrhaftigkeic ist Liebe zur Wahrheit und Was fit ist. besteht darinn,daß man in seinen Unterredungen, Erzählungen und Versprechungen so strenge sey, daß man nie anders spreche, als man denkt, und stets so denke, wie es nach der Wahrheit recht und ZFQ Werke. Rsttzwen. und billig ist. — GOtt befihlt selbst die Wahr- digkert. Heftigkeit Zach. VIII. 16. „ Ein jeder soll mit seinem „Nächsten die Wahrheit reden." — Sprüchw. XXll. 23. „ Suche Wahrheit — und versuche sie „nicht! " — Christus und allerechtschafnen Men- fchen beflissen sich jederzeit der Wahrhaftigkeit, sie macht den Menschen seinen Mitmenschen angenehm , und ist ein Kennzeichen eines Christen, eines weisen und für das gemeine Wohl besorgte Menschen. Man lese den XV.Psalm.(S.Lügen.) Werke. sind diejenigen Handlungen welche ^ute Werke Welches find gurr Werke? Elu rechtschafner Mensch nach dem Befehl GOt- teß, aus kindlichem Gehorsam gegen ihm ausübt. Sie müssen also mit dem Willen GOttes übereinstimmen , aus einer redlichen Absicht entspringen, einen guten Endzwek haben, die Ehre GOttes und die Erbauung des Nächsten, sie müssen mit der Vorschrift ZEsu übereinkommen,und zur rechten Zeit geschehn. Hat eine Handlung diese Eigenschaft an sich, so ist sie ein christlich gutes Werk. srothwen. Jeder Christ ist zur Ausübung guter Werke Ligkeit. verbunden. Denn es ist GOttes Befehl sie auszuüben (Jes. I. 17. Ephes. I. 4. II. io. iv. 1» Joh. XiH. 34. 1 Theß. IV. z. ) Sie sind eine Haupteigenschaft eines Christen, ohne sie sind alle unsre Religionsübungen vergebens — sie haben grossen Wiedergeburt. ?8r grossen Werth und tHuzen. An und für sich haben die gute n Werke keinen Werth, weil sie nicht ganz unser Thun , immer unvollkommen , unsre Schuldigkett uns Pflicht sind, wofür wir also keine Belohnung foSe m dürfen — aber sie zeigen doch unsre kindliche Gesinnung gegen GOtt, bringen uns einen daurhaften guten Namen zu wege, sie sind unserm Nächsten ungemein nüzlich und reizen ihn zur Nachahmung, sie machen uns GOtt angenehm und werden einst von ihm, indeß nur aus freyer Gnade belohnt werden in jenem Leben. „ Laßt uns fruchtbar seyn in guten Wer- „ Den — Der HErr aber bereite uns voll- „kommenlich zu allem guten Werke- „ Ihm sey die. Ehre! " — ( S. Gutes.) Wiedergeburt. Wiedergeburt ist eigentlich die Wirkung War sie ist. GOttes, wodurch der Mensch den Glauben an Christum und die Kraft zum Guten erhält, und darinn unterhalten, befestiget und gestärkt wird, so daß er wie ein neuer Mensch, ganz umgeschaf- fen und geändert wird. --Diese Wiedergeburt ist Norme»- zum ewigen Leben, zur Seligkeit höchst noth- Si-keir. wendig, wenn jemand nicht geboren wird durch Wasser und Geist, mag er nicht in das Reich GOttes eingehn — denn zur Seligkeit zu gelangen ist es nothwendig mit GOtt vereinigt zu seyn, um k82 Wille. um mit GOtt vereinigt zu seyn ist es nothwendig, von Sünden rein zu seyn — und dazu ist Gruben und Tugend nothwendig. — Dich giebt die Wiedergeburt. Wer an den Sohn glaubt der hat das Leben. — GOtt und JEsus wirket die Wiedergeburt durch den heiligen Geist und die heil. Sakramente und die Predigt des göttlichen Worts. Diese müssen wir zwekmässtg gebrauchen / und um jenen demüthig »lud unablässig bitten und seinen Trieb willig folgen. — (S. Busse.) Was er ist. Wille. ^)er Wille GDrres (der gesezgebende Wille) heist jede Anweisung die GOtt dem Menschen zur Glükselrgkeit giebt — seit» Thun und Lassen darnach einrichten / heist den Willen GOttes thun. Und dich ist höchstnothwendig, und eine Haupt- erfordniß von einem Christen/ der selig werden will. Wer den Willen GOttes thut, der bleibt in Ewigkeit , geht ein in das Reich des himmlischen Vaters / und ist ein Bruder JEsu Christi. Der Wille GOttes, sein regierender Wille heist alles / was GOtt in Beziehung auf den Gang der Weltbegebenheit überhaupt und der Schiksale eines jeden Menschen insbesonders beschlossen hat. Da ist es dann des Christen Pflicht sich Wille. Z8Z sich diesem Willen zu ergeben. Ergebung in denxrgMngm Willen GOttes ist denn die gänzliche Unterwer-GomsWikc. fung unsers Willen oder unsrer Wünsche, Hof- rmngen und Empfindungen in den Willen GOrres und besteht darinn, daß man alles was er gethan hat oder noch thut und thun wird für gut halte, nie muren, und auch das bitterste willig und gerne sich gefallen lassen. Dieß foderk GOrr von uns und er ist dazu Nochwen, durch seine Weisheit und unsre Ohnmacht berech- b'skeit. tigt. Nach jener sieht er alles ein, was uns gut ist, durch diese werden wir ausser Stand gesezt unsre Schiksale zu regieren. GOtt verdient es auch durch seine Liebe, indem er dadurch unsre Leiden mildern und unsre Freuden erhöhen will. Unser eigner Wille ist unvollkommen, der Wille GOttes hingegen ist ganz vollkommen. Um die Ergebung in den Willen GOttes zu lernen , gebrauche man folgende Mittel: Miml dar»: Man überzeuge sich von der Oberherrschaft GOttes über uns von seiner grossen Weisheit, Macht und Güte und von unsrer Abhängigkeit von ihm, von seiner wunderbaren aber allzeit guten Regierung unsrer Schiksale! Man mässige seine Wünsche, Empfindlichkeit und Begierden! Man betrachte das Beyspiel JEsu! Man Z84 Wollust. NUM r Man erwäge den Nuzen der daraus entspringt, Ruhe der Gemüths-Zufriedenheit, Erleichterung der Leiden, Gnade GOttes, Seligkeit! Man mache sich mit den wolthätigen Absichten bekannt, in denen uns GOtt Leiden auflegt! Man lerne die Leiden recht abmässen l Man bette und arbeite! O HErr und GOtt, durch den wir sind und leben, Gib daß wir uns in deinen Rath ergeben! Laß ewig uns den willen dein Und was du thust, stets theuer seyn! Wollust. Was sie sey. 26olluft in weitläufigerm Sinne ist jede unordentliche Begierde, die Sinne zu belustigen, in engerm Verstände versteht man darunter alle Befriedigungen des thierischen Geschlechtstreibs, sie mögen Namen haben, wie sie wollen. Sünde der- Die Wollust ist Sünde. Die Schrift eifert leiden, stark dagegen. ( I Thess. IV. Z - Z. Ephes. V. z - 6. Koloß. III. 5-6. i Cvr. V. y-12. u. s. f.) Sie ist auch den Gesezen der Natur entgegen, sie verleitet uns zu vielem Bösen und hat die schädlichsten Folgen r Folgen. (Duellen und Müssiggang, Reichthum, Quellen: böse Gesellschaft, schlechte Bücher und Lieder. —- Sie schwächt und zerrüttet die Gesundheit, sie raubt die Ehre, sie kostet viel Geld und Zeit, sie verdirbt Wollust. ZZf Verdirbt die Seele, sie zerstört das ehliche Glüe und die Eintracht, verleitet zu den gröstenUnaerech- tigkeiten, vertreibt alle Gottesfurcht und Tugend, sie stürzt viele Menschen in Unglük und Schande, macht ihre Sclaven vorGOtt und Menschen verächtlich und wird einst in jenem Leben gestraft. — Man lese das Gleichniß JEsu. Luc. XVI. ig-zr. Die Mittel dawieder sind hauprsächlichMittcl folgende : wider Man suche Herr über feine Begierde zu werden! Man kämpfe wieder den ersten Anfall der Leidenschaft! Man vermeide alle Gelegenheiten zur Wollust , hizige Getränke, unzüchtige Bücher, Gespräche, Gesellschaft, lärmende Ergözlichketten, Einsamkeit^ u. s. f. Man befleisse sich der Arbeitsamkeit und Mässigkeit! Man bette ost und fleisstg, denke an den Allgegenwärtigen , und überlege oft die schädlichen Folgen dieses Lasters. Ich glaube abermal denen meinen Leser die Gellerts Lieder nicht besitzen, einen Gefallen zu erweisen , wenn ich Ihnen seine Warnung vor der Wollust hier mittheile, wie gut, wenn die Jugend sie nicht nur ihrem Gedächtnisse, sondern auch ihren Herzen tief einprägen würde! Bb Der z8§ Mollust. Der Wollust Reiz zu rviederstreben, Dieß, Jugend, liebst du Glük und Leben, Laß täglich deine Weisheit seyn! Entflieh der schmeichelnden Begierde, Sie raubet dir, des Herzens Zierde, Und ihre Freuden werden Pein. Laß, ihr die Nahrung zu verwehren. Nie Speis und Trank dein Herz beschwehren Und sey ein Freund der Nüchternheit! Versage dir, sie zu besiegen, Auch öfters ein erlaubt Vergnügen, Und steure deiner Sinnlichkeit! Laß nicht dein Auge dir gebieten, Und sey, die Wollust zu verhüten, Stets schamhaft gegen deinen Leib. Entflieh des Wizlings freyen Scherzen, Und such im Umgang edler Herzen Dir Beyspiel, Wir und Zeitvertreib! Der Mensch, zu Fleiß und Arbeit träge. Fällt, auf des Müßigganges Wege, Leicht in das Nez des Bösewichts. Der Unschuld Schuzwehr sind Geschäfte, Entzieh der Wollust ihre Kräfte Im Schweiße deines Angesichts! Erwacht ihr Trieb, dich zu bekämpfen, So wach auch du, ihn früh zu dämpfen, Eh er die Freyheit dir verwehrt! Ihn bald in der Geburt erstiken, Ist Wollust. Z87 Ist leicht — schwer ists, ihn unterdrüken, Wenn ihn dein Herz zuvor genährt. Oft kleiden sich des Lasters Triebe In die Gestalt erlaubter Liebe, Und du erblikst nicht die Gefahr; 'Ein langer Umgang macht dich freyer Und oft wird ein verboltnes Feuer Aus dem, was anfangs Freundschaft war. Dem fühlend Herz wird sichs verzeihen; Es wird des Lasters Ausbruch scheuhen, In dem es seinen Trieb ernährt. Du wirst dich stark und sicher glauben, Und kleine Fehler dir erlauben, Bis deine Tugend sich entehrt. Doch nein, du sollst sie nicht entehren, Du sollst dir stets die That verwehren. Ist drum dein Herz schon tugendhaft? Ists SünÄ nur, die That vollbringen?? Sollst du nicht auch den Trieb bezwingen, Nicht auch den Wunsch der Leidenschaft? Begierden sind es, die uns schänden, Und ohne, daß wir sie vollenden, Verlezen wir schon unsre Pflicht, Wenn du vor ihnen nicht erröthest, Nicht durch den Geist die Lüste tödest, So rühme dich der Keuschheit nicht! Erfülle dich, scheinst du zu wanken, Stets mit dem mächtigen Gedanken: Bb s „Die Z88 Wollust. ,, Die Unschuld ist der Seele Glük — „ Einmahl verschärzt und aufgegeben - --Verläßt sie mich im ganzen Leben, „Und keine Reu bringt sie zurük. " Denk oft bey dir: „ Der Wollust Bande „ Sind nicht nur dem Gewissen Schande, „Sie sind auch vor der Welt ein Spott „Und könnt ich auch in Finsternissen „Den Greul der Wollust ihr verschließen, „ So sieht und findet mich doch GDcrl" Die Wollust kürzt des Lebens Tage, Und Seuchen werden ihre Plage, Da Keuschheit Heil und Leben erbt. Ich will mir dieß ihr Glük erwerben, Den wird GOtt wiederum verderben, Der sttnen Tempel hier verderbt. Wie blühte nicht des Jünglings Äugend! Doch — er vergaß den Weg de?*Tugend Und seine Kräfte sind verzehrt. Verwesung schändet sein Gesichte, Und predigt schreklich die Geschichte Der Lüste, die den Lerb verheert. So rächt die Wollust an den Frechen, Früh oder später, die Verbrechen, Und züchtigt dich mit harter Hand. Ihr Gift wird dein Gewissen quälen; Sie raubet dir das Licht der Seelen, Und lohnet dich mit Unverstand. , wohlthat. Z89 rSie raubt dem Herzen Muth und Stärke Raubt ihm den Eifer edler Werke, Den Adel, welchen GOtt ihm gab; Und unter deiner Lüsten Bürde, ^ Sinkst du, von eines Menschen Würde, l Zur Niedrigkeit des Thiers herab! i Drum fliehe vor der Wollust Pfade, ' Und wach und rufe GDrr rün Gnade, Und Weisheit in Versuchung an, Erzittre vor dem ersten Schritte, ' Mit ihm sind schon die andern Tritte, Zu einem nahen Fall gethan!— > (S.Unkeuschheit. Unzucht.) Wolthat. ist alles, was man einem andern-.Was sie ist. aus freyem Willen, aus Güte und Gewogenheit Gutes ertheilt. — wolchaten GVttes heissen alle unverdienten, von GOlt aus lauter Gnad und Liebe uns ertheilten Segnungen, die er im allgemeinen allen Menschen, ganzen Völkern oder Ländern , oder besondern Menschen im Geistlichen odsk Leiblichen erweiset. — Ihrer sind unzahlich viele, die man bey mittelmassiger Aufmerksamkeit auf die Führungen GOttes mit uns erkennen kann — und alle sind groß und verdienen, daß wir unfte Pflichten Z92 wolthätigkeit. Pflicht für Pflichten gegen dieselbe erstatten. Diese sind: daß wir den Geber derselben , unsre eigne Un- Würdigkeit, und ihren hohen Werth kennen — Absichten, die Absichten ihrer Mittheilung einsehen und erfüllen lernen, welche immer unsre Besserung, unsre und des Nächsten Glückseligkeit sind — daß Dank dafür, wir sie im Herzen, mit dem Munde, und allermeist durch einen Gottgefälligen Wandel ver- Rechtmässig. danken. Dazu werden wir von GOtt selbst an keit dieser sehr vielen Orten der heil. Schrift aufgefodert. — W'chr. (Ps.xxxm.5- XU r. xcvn. 22. c.4. Nuzen dcr. exi.vil.7. u. f.) Die Erstattung dieser Pflicht selben, macht daß wir zu andern Tugenden, zur Liebe, zum Vertrauen gegen GOtt, zum Gehorsam ermuntert und gestärkt werden. Eben dadurch werden wir denn auch die Wolthaten GOttes selbst verdoppeln.—So ist also die Ausübung dieser Pflicht uns höchst Vortheilhaft und nüzlich. — Wolthätigkeit. «gas ste ist. wolthätigkeit, die stets wirksame Geschäftigkeit andern wo man kann, Wolthaten zu Rothwt». erweisen — ist eine höchst nothwendige Christen- digkrtt. Pflicht, ein Hauptstük der wahren Liebe des Nächsten. Sie wird von GOtt gebotten: „ Wolzuthun „ und mitzutheilen vergesset nicht! Laßt uns gegen »jedermann gutthätig seyn! Thut Gutes denen, „ die euch hassen! " u. f. — GOtt und IEsus geht uns selbst mit seinem Beyspiel vor.— Sie ist IDolthärigkeit. 391 ist höchst nüzlich. Sie erhebt uns zur Aehnlich- Nme» r keit mit GOtt — sie verschaft uns den Beyfall GOltes und die Achtung, Liebe und Fürbitte des Nächsten — sie bringt uns göttliches Vergnügen. Kennst du des wolchuns Freude nicht, S» kennst du keine Freude! Wolthun ist nicht nur Christenpflicht, Sie ist Natur und Freude. Man giebt und weiß nicht, daß man giebt, Man liebt und weiß nicht, daß man liebt; Doch kömmt durch frohes Geben Viel Freud und neues Leben Aus dessen Schoß in uns herab, Der allen Herzen Liebe gab. — Lavater. Sie wird endlich von GOtt reichlich vergolten : „ Wer Gutes säet, wird Gutes erndten." GOttes Heiligkeit und Gerechtigkeit fodert, und die heil. Schrift versichert dieß, (Hebr. VI. 10. Sprüchw. XIII. 21. Math. VI. 4. Ps. XXXVII. 21-26. Ps. XU. 2-4.) und man wird selten einen Beweis haben, daß es Menschen, welche Wolthäter ihres Nächsten waren, übel gegangen sey. — Die rechte Erstattung dieser Pflicht besteht Rechte Tritt Beobachtung folgender Regeln: stattung die. ser Pflicht. Man sey wolthätig mit willigem guten Herzen! Man sey wolthätig ohne eitle Absichten! Man Z92 wolthätigkeit. Man sey es unermüdet! Man sey wolthatig aus dankbarer Liebe und Gehorsam gegen GOtt! Man sey es mit nöthiger Vorsicht und Klugheit! Man sey wolthätig gegen jedermannohne Unterschied der Personen, ihrer Religion, des Standes, des Volks'. Man sey es zu rechter Zeit, wenn die Wol- thaten recht angewendet sind! Man sey es aus seinem rechtmäßigen Eigenthum ! — Nur dann haben die Woltharen gegen andre einen wahren Werth — und erhalten ihre gewisse Vergeltung! — Erhalt uns, GÖtt! die Triebe Der mitleidvollen Liebe! Wie du an uns gethan, So laß um deinetwillen, Uns andrer Nothdurft stillen, So oft als man sie stillen kann! Latz uns hier reichlich säen. Denn das., was hier geschehen Folgt uns in jene Zeit! Wer hier gern hilft und giebet Und sich im Wolthun übet, Der erndtek dort die Seligkeit! Wort Z9Z Wort (GOttes.) S. Schrift. Worte. (§s ist eine grosse Wolthat GOttes, die wir vor Werth der allen andern Erdengeschöpfen aus, haben, daß Worte, wir unsre Zunge brauchen/reden oder durch Worte andern unsre Gedanken , Endschlüsse / Räthe, Befehle mittheilen und auch so die Ehre GOttes, unsre und andrer Glükseligkeit befördern können. Allein es ist gar nicht gleich viel, wie wir unsre Zunge gebrauchen, welche Worte wir reden. — Denn auch in Absicht derselben müssen wir Rechenschaft vor GOtt ablegen (Math.XIl.zb.) RechenschG jedes unnüze sündliche Wort, das mit der Ehrer- bietung gegen GOtt nicht besteh« kann, das seine Ehre verlezt, seine Wahrheit verlästert, der Gottseligkeit widerspricht, andre ärgern oder sündigen macht, kränkt oder beleidigt oder ihnen schabt, macht uns GOttes Strafe fällig, zieht uns seine Ungnade und seinen Zorn zu. — Böse Worte, ein böses Herz! Die Worte sind die Ebenbilder der Gedanken! Wer seine Worte nicht abwiegt, der wird auch seine Tbaren und Gesinnungen uicht abwägen — der ist gewiß ein schlechter oder unweiser Mensch. „Wer aber in der Rede nicht „fehlet, der ist ein vollkommner Mann, mächtig, „ auch den ganzen Leib im Zaum zu halten. Keine »faule Rede gehe aus unserm Munde, sondern „ welche Z94 wünsche. „ welch« gut ist, und zu nothwendiger Erbauung „dienet, daß es angenehm ftye, denen, die es „ hören! " Jakob III. „was ihr thut, mit Worten oder „Werken, das thut alles im Namen JEsu „ Christi, und zur Ehre GDrtes! — Wünsche. Wa«fie stnd.^^ünsche sind ein Verlangen nach einer Sache, die wir weder uns noch andern geben können. Sie Ihr Werth, sind eigentlich von keinem Werthe , eben weil wir sie nicht zu erfüllen vermögen, aber doch immer ein Zeichen eines redlichen, theilnehmenden und liebevollen Herzens. Wir können sie nur ausser», nur GOtt kann sie erfüllen , und will sie erfüllen, Rechte Be. wenn sie recht beschaffen sind. Und ihre rechte schassenheit. Beschaffenheit besteht darinn: Sie müssen mit Gottesfurcht und Tugend übereinstimmen, sie müssen etwas wahrhaft Gutes zum Gegenstand haben, mit Menschenliebe verbunden seyn. — Aus redlichem, liebevollem Herzen geschehn, sie müssen bescheiden seyn und nicht mehr in sich fasten, als was unser Stand und unsre Lage erfordert, sie müssen endlich dem Willen GOttes unterworfen werden. Dann werden sie gewiß erfüllt werden, insofern, welches oft der Fall seyn könnte, die Erfüllung der- selben nicht unser Unglük befördert. Wunder. Z95 Wunder. (§in Wunder ist eine übernatürliche und also göttliche Wirkung , die mit den äussern Sinnen nicht kaun begriffen werden , deren Hauptabsicht aber dahin geht, daß es uns zu einer sichtbaren Probe einer unsichtbaren Wahrheit dienen möge. Solche Wirkungen waren die Wunder, welche uns in der heil. Schrift von IEsu und seinen Aposteln hauptsächlich erzählt werden, und woraus wir IEsu Gottheit, und der Apostel göttliche Sen- durrg erkennen können. Was nicht göttlich ist, und nicht die Ehre der Gottheit und das Glük der Menschen zur Absicht hat. ist kein Wunder. Heur zu Tag thut GOtt keine Wunder mehr, sie erwarten oder fodern darf man auch nicht, weil sie nicht Man darf sie nöthig sind. Alle Wunder die GOtt that, dienen zurErwekung seiner Erkenntniß, oder zur Bestäti- fMrn. gung einer göttlichen Wahrheit. Nun mangelt uns keins von beyden. Wir haben Mosen und die Propheten , JEsum und die Apostel — glauben wie diesen nicht, so würden wir auch keinem Wunderwerke glauben. Würde es GOtt nöthig finden, so würde er gewiß auch heut zu Tage noch Wunder wirken. Uebrigens dünkt mich immer das Wort des Evangelisten merkwürdig: JEsus that Daselbst keine Zeichen um ihres Unglaubens willen. — Zank. S. Zweytracht. Zauberey. Z96 Jaubercy. Länderey ist die Bemühung durch allerley uner- , laubte Mittel Dinge zu bewerkstelligen, die über dir ^ natürlichen Kräfte sind. Sie ist von GOtt ver- s botten, heut zu Tag aber nicht mehr im Schwange. ( S. Aberglauben. ) i Zorn (GOttes.) Was er ist. lauter dem Zorn GOttes kann unmöglich etwas ' anders verstanden werden, als sein grosses Miß«» - fallen an der Sünde, und die Strafe» , die er darauf folgen läßt. Es ist eine menschliche Redens, art, wie Hand, Aug, Ohr GOttes, die aufeine . GOtt anständige Weise verstanden werden muß. j Zorn ist eine menschliche Leidenschaft, etwas un- ^ artiges, böses, schädliches, das also GOrc nie-' mals zukommen kann. — Zorn. War «ist, Zorn ist eine heftig! Gemüthsbewegung a welche aus der Vorstellung einer wirklichen oder bloß anscheinenden Beleidigung , die uns selbst oder andern wiederfuhr, entsteht, und wodurch man gereizet wird, sie zu ahnden, zu strafen oder Folgen r zu rächen. Die Folgen des Zorns sind gemeiniglich , Haß, Feindschaft, Rache, Unversöhnlich^, Schändlich, und in solchem Fall ist es höchst schädlich und für SchädUchkeittincn Christen höchst schändlich. Jeder unmässige - Zorn Zufriedenheit Z97 Zorn aber ist einem vernünftigen Menschen höchst unanständig. Daher ist es nöthig, die Vermähr nung Jakobs zu befolgen: »Ein jeder Mensch ,, sey langsam zum Zorn , denn ein zorniger » Mensch thut nicht was vor GM tt recht ist. (Sehet Haß, Rachsucht.) Zufriedenheit. ^)ie Zufriedenheit ist diejenige Tugend, da man Was si- LK. seinen Zustand für gvt hält und alles widrige für gut ansieht. Sie entsteht aus einer guten Beschaffenheit des Herzens, welche die unmittelbare Quelle Quelle : derselben ist, und die Ursachen dazu , aufwar che Weise vervielfältigt.Ie besser das Herz beschaff. » ist, desto grösser ist die Zufriedenheit. Ps. LXiX. 165. Sprüchw. III. 17. XIV. y. Jef. Xl.VIIl. 2. Sie ist höchst nothwendig, weil sie ein Beweis unsers Christenthums und unsers Glaubens und ^ " Vertrauens auf die göttliche Vorsehung, und ein kräftiges Mittel zu einem ruhigen und glüklichen Leben ist. — Die Mine! dazu zu gelangen sind^"el dar», folgende; Man suche sich von der Wahrheit zu überzeugen , daß GOtt alles weislich leitet und alles wol macht! Man lerne die Dinge des gegenwärtigen Lebens recht beurtheilen Man sey demüthig und unterwerfe sich GOtt! Man zs8 Zufriedenheit. Man sey bescheiden in Beurtheilung seiner selbst! Man «lässige seine Begierden und schränke seine Bedürfnisse ein ? Man mache sich nie einen festen Plan seines Glüks, sonder halte das Unglük für möglich, so gar für gewiß ! Man vermeide das, was Verdruß und Unzufriedenheit verursachen kann, z. E. Feindschaft, Streit, Mißgunst, rc. Man sey gleichgültig gegen alle neidische Vortheile die man entbehren kann, ohne.aufzuhören glüklich zu seyn. — Nie schenkt der Stand, nie schenken Güter Dem Menschen die Zufriedenheit; Die wahre Ruhe der Gemüther Ist Tugend und Genügsamkeit! Geniesse was dir GOtt beschieden, Entbehre gern, was du nicht hast, Ein jeder Stand hat seinen Frieden, Ein jeder Stand auch seine Last! Bey Pflicht und Fleiß sich GOtt ergeben Ein ewig Glük in Hofnung seh'n, Dieß ist der Weg zu Ruh und Leben GOtt lehre diesen Weg uns geh'n! Zuhörer. Z99 _-_ Zuhörer. Pflichten der Zuhörer gegen da s Wort wel-2hreMM» ches sie hören, und die Prediger, welche es ihnen verkündigen, sind hauptsächlich folgende: — Sie sollen das Wort GOtteS andächtig und mit Aufmerksamkeit anhören, demselben glauben — es in einem feinen guten Herzen bewahren, ihm nachdenken und es auf ihr Herz und Leben anwenden, in der Lehre treu bleiben , den Lehrer selbst um seines heiligen Amts und des Nuzens willen den er fchaft, hochschäzen und lieben, ihm Gutes thun, sein mühsames Amt durch Gehorsam und Folgsamkeit,durch Lernbegierde und Dienstfertigkeit erleichtern, und sie damit erfreuen; seine etwanige Schwachheiten und Fehler übersehen, und allermeist für ihn zu GOtt betten!- Zukunft Zhristi. S. Geburt. G ericht. Zun ge. Seher W orte. Zuversi cht. S. Glaube. Ver trauen. Zweytracht. §rveytrachr ist jede Erbittrung des Gemüths, Was sie U. gegen einen andern, sie enrstehr aus falschen Ein- HEin ' bildungen und Urtheilen, aus Veränderlichkeit, Empfindlichkeit, Stolz, Eigensinn, auffahrendem Wesen, allzuweitgetriebnen Forderungen, aus den schändlichsten Quellen, und kann also nicht änderst 4OO Zweytracht. als höchst schändlich seyn» Alle Zweytracht ist dem Christenthums, der Liebe zuwieder;sie Schädljchkcirwird dadurch aufgehoben, ist also von GOtt ver- botten, und etwas wodurch seine Strafe auf sich geladen wird. Und so wie jede Sünde ihre schädliche Folgen. Folgen hat, so hat es auch die Zweytracht. Furcht und Schreken, Mißtrauen, Verdacht, Argwohn, Spott, Schmähungen, Krankheiten, schimpfliche Handlung, Elend, Unruh, Verwirrung, Unglük, Mord und Todschlag sind ihre Gefährten. — Ein Christ soll sich also vor diesem Laster ernstlich hüten und lieben lernen nach dem Beyspiel seines HErrn, was an ihm ist, Friede halten gegen Jedermann. (S- Beleidigung. Feinde. Haß. Rache.) A unerträglich schwerer Schmerz , Des Zanks nie sicher seyn! Nein! Ein empfindlich Menschenherz Kennt keine größre Pein! O Elend! wie vor Ungewittern Vor Menschen zagen und erzittern! O Qual! wenn täglicher Verdruß Das süffe Leben uns verbittern, Den Tod erwünscht uns machen müß! Q Vater des Friedens! o Quelle der Liebe! Entferne der Zweytracht zermalmende Kraft! Entzünd in den Herzen uns liebende Triebe Und Friede nur sey unsre Leidenschaft ! — Nach- 4OI Nachschrift. ^ch durchsah das Manuscript zum zweytenmale und machte die nöthigen Verbesserungen. Recht tief fühl' ich oa- dey, wie viel noch verbessert, hinzugefügt , mehr auseinander gefezt werden sollte und könnte, wenn nur die Grösse des Buchs es zulassen würde—doch hab' ich so viel möglich das wichtigste und nöthigste darin» zu sagen mich bemüht, und nichts dahin aufgenommen, was nicht mit der H. Schrift und mit meiner Ueberzeugung übereinstimmte. Und so Leg' ich denn die Feder nieder — in der frohen Hofnung, daß, wer Wahrheit sucht, sie finden, wer Belehrung und Erbauung sucht, belehrt und erbaut werden, und das Ganze seines Zweks nicht verfehlen werde. — Die 4or Nachschrift. Die Gnade unsers HErrn IEsu Christi und die Liebe des Vaters der Wahrheit, nebst der Kraft seines lehrenden und tröstenden Geistes, sey und vermehre sich bey uns allen. — den r^NWeinmonarZ » 7 8 5 . rEÄ»^^ Äk-äE 1W>H «L-i- ^ —Ä-^V MEL?< XÄÄ SW »Ä MHW ^s<--«! ^MWW ?».- ^.» ^>.5' .>.. MMLÜN WL«W MM MMM .«V«>!-->. '«M.V AMOM LA-W MsM WMMM -MAZL? MM 1 SKM