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8. Unsere Ahnen aber haben zuerst die alte Zahl angenommen,und zehn Kupfermünzen auf einen Denar eingeführt, und daher be-hält der Denar bis auf den heutigen Tag seine Benennung; auchnannten sie den vierten Theil, weil er aus dritthalb Aß bestand,Sestertius. Nachdem sie aber später wahrnahmen, daß beide Zah-len, sowohl sechs, als zehn, vollkommen seien, fügten sie beide in einezusammen und machten Sechzehn zur vollkommensten. Als Belegdafür stellten sie den Fuß hin; denn wenn man von der Elle zweiHandbreiten wegnimmt, so bleibt ein Fuß von vier Handbreiten übrig,die Handbreite aber hat vier Zoll, und so geht daraus hervor, daßder Fuß sechzehn Zoll und der Denar in Kupfer ebensoviele Assehabe.
9. Wenn man also einig ist, daß die Zahl nach den Gliedernder Menschen erfunden worden sei und daß von den gesondertenGliedern ein der gesammten Körpergestalt entsprechendes Maßver-hältniß eines bestimmten Theiles bestehe, so folgt daraus, daß wirdiejenigen bewundern müssen, welche auch bei der Errichtung derTempel der unsterblichen Götter die Glieder ihres Werkes so geord-net haben, daß durch Proportion und Symmetrie ihre Gliederunggesondert und im Ganzen betrachtet sich einheitlich entwickelte. —
Zbmtes Kapitel.
Die iieven Tempelgattungen.
1. Die Hauptgattungen der Tempel nun, auf welchen ihreäußere Gestalt beruht, sind folgende: der Antentempel, welcher aufgriechisch Naos en Parastasi (Pfeilertempel), dann der Prosty-lcs, der Amphiproftylos, der Peripteros, der Pseudodipteros, derDipteros und der Hypäthros. Diese aber werden in folgender Arthergestellt.
2. Ein Tempel wird ein Antentempel sein, wenn er an derStirnseite vorspringende Pfeiler hat an den die Cella umschließen-den Wänden, und zwischen den Pfeilern in der Mitte zwei Säulenund darüber einen Giebel nach den symmetrischen Verhältnissen er-richtet, welche sich in diesem Buche beschrieben finden werden. Ein