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Des Vitruvius zehn Bücher über Architektur / übers. und durch Anmerkungen und Risse erläutert von Franz Reber
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191
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Achtes Kapitel.

Don den unterirdischen Räumen, den Gewölben und den Gebäuden, welcheauf Pfeilern aufgeführt werden.

1. Die Gebäude, welche man ohne unterirdische Räume auf-führt, werden bis zu hohem Alter unwandelbar sein, wenn ihr Grund-bau so gemacht worden ist, wie dieß von uns in früheren Büchernüber Stadtmauern und Theater auseinandergesetzt worden ist. Wennman aber unterirdische Räume und Gewölbe anlegen wird, so mußder Grundbau derselben dicker gemacht werden, als das Mauerwerkim Hochbau sein wird, und die Wände, Pfeiler und Säulen desletzteren müssen, dem massiven Grundbau entsprechend, senkrecht aufdie Mitte desselben gestellt werden; denn wenn die Lasten der Wändeund Säulen nicht aus dem massiven Grundbau aufliegen, sondernschweben, so können sie keine immerwährende Festigkeit haben.

2. Wenn man außerdem unter den Schwellen zwischen die frei-stehenden und mit der Mauer verbundenen Pfeiler vertheilt Pfostenunterstellen wird, so wird das keineswegs nachteilig sein: dennwenn die Schwellen und Balken von Mauerwerk belastet sind, sokrümmen sie sich im Mittelraum hinab und, allmälig beschädigt,machen sie das Mauerwerk bersten. Wenn aber Pfosten untergestelltund daruntergekeilt sind, werden sie nicht gestatten, daß die Balkensich senken und jenes (das Mauerwerk) beschädigen. 3. Ferner istes so einzurichten, daß Bogensprengungen mit dem Keilschnitt ihrerSteine und deren nach dem Mittelpunkte (des Kreisbogens) gerich-teten Fugen die Last der Wände erleichtern; denn wenn über dieBalken und Schwellen, vor deren Enden einsetzend, Bogen mit keil-förmigen Steinen gesprengt sein werden, so wird erstlich das Bauholzbei erleichterter Last' sich nicht biegen, und dann wird man, wennetwas durch Alter schadhaft zu werden anfängt, dieß, ohne Stützenanbringen zu müssen, leicht durch Neues ersetzen.

4. Ferner müssen auch, wenn die Gebäude auf Pfeilern aufge-führt und nach dem Keilschnitt und mit nach dem Mittelpunkte ge-richteten Fugen Bogen darüber gespannt werden, die äußersten Pfeiler