Einige Gedanken und Wünsche, d t e Kirchen, Schulen und ihre Diener betreffend. Seinen Mitbürgern von Stadt und Land zur Beherziguug vorgelegt, und zum Besten der Schule auf der Steig m Druk gegeben von Johann Jacob Mezger, . Professor. Schafhausen, 3u haben in der Hurterischen Buchdrukem »um Jordan, 1 7 ? s. CW--— —S8LDE— -SA Diese Bogen sind die Frucht einiget weniger Stunden. Mir war's dabey nicht so sehr um eine genaue Ausheilung zu thun, als daß die darin enthaltenen Gedanken und Wünsche desto eher in Umlauf kommen mögen. Sind gleich diese und ähnliche Wahrheiten schon oft und besser gesagt worden, was hindert s, daß sie nicht auch zu einer Zeit und an einem Orte wiederholt werden, wo sie mehr als jemals Eindruk machen können. . <' ^. 1 - . ^-TTL- / ^-7 7"'^ ' ' »,il . . 7 Äc -' '7-- 7«) 1. <>» :-7- -,7^ 5ür -?> ' ' >'» 'r< lr pl d ü>M) m-r^qd ^5 5 -»> - .^MAW- 7 -^ ö, WsrE ä-i«^ '. . .f«'^^ L-MEr») ^ Dr^^' 7 . :':-l '^ 7 ? I st n :>7 Mlr 5 -! »«'» .-v-'^'" '"' 7:r^ -.''."Lrr'^r'Lt rrr'L L, / , - ' , '«*l yrr- 7 ! ? ^ -' 4 L- ^-.-^77 ^)ie politischen Ereignisse in unserm Vater« land sind allgemein bekannt: und wie es im« wer bey ähnlichen Veränderungen zu gehen pflegte — so auch hier — die einen erwarten davon zu viel, die andern zu wenig. Welche Folgen überhaupt die grosse Begebenheit der Revolution für die Menschheit haben werde , muß die Zeit lehren ; wenn erst einmal der ausgetrettene Strom wieder in seine vorigen Ufer zmükgekehrt ist: ob er wie ein reis- srndes Waldwasser nur Trümmer zurüklassen, oder gleich dem Nil die Fruchtbarkeit des Landes befördern werde. Zur Zeit wenigstens har diese Umwäl« jung, neben vielem Unglük, auch die heilsamsten Erschütterungen in allen Ständen unh Klaffe,, verursacht, die Abstellung so mancher: Mißbrä»che, die Ausrottung so vieler ver-' jährter Vornrcheile bewirkt, und besonders die Regenten, groß und klein, gelehrt, daß A z Hury« § - co) -^ Humanität und Uneigennüzigkeit zwo der ftz ^ stesten Srüzen ihres Ansehens sind. ^ Wahr ists , daß es anfänglich schien, als r wollte man, im Sturm und Drang nach ei.« d ver neuen Ordnung der Dinge, nicht nur das. * ganze alte politische Gebäude, sondern sogar , die Religion, eben auch weil sie alt ist, über <> einen Haufen werfen: aber gar bald sahe man S ein, daß dieselbe ein unentbehrliches Mittel f zur Ruhe und Wohlfahrt eines Staates feye; Z lind Lie-Verehrung eines höchsten Wesens wur», ki de aufs neue feyerlich heschlossen. k ^ Indessen fehlte es hin und wieder nicht- ün solchen , die theils aus Mißverstäudniß , theils aus alter Abneigung gegen die Religion, den Bewohnern ganzer Länder und einzelner Städte und Dörfer Dinge andichteten, die sie selbst z»> sagen sich nicht getraueten , und die noch keinem christlichen Volke je zu Sinne kommen waren. — — b s< s ». ter denen sie herrscht, einen guten, durch die Religion gebesserten Willen haben. Die neue bürgerliche Freyheit selbst, wornach die Men, schen nun so eifrig streben, wäre ohne Relir < gion das gröste Unglük, indem ja schon so viele Schlechtdenkende dieselbe zum Dekel der Bos- ^ heit und als ein Mittel gebraucht haben, ^ andre desto ungehinderter zu kränken und zu beein'rächkigen. Za! Brüder? nur alsdann "b sind in dem tzande der Freyheit und Gleich- heil euere Häuser, euere Felder und Weinr im ^berge sicher, nur alsdann könnet ihr die Früchte on Her erworbenen Freyheit froh gemessen, wenn r ' - ( o ) - ihr selbst fromm seyd, und die, die euch umgeben, den Herrn fürchten. Laßt uns einen Augenblik annehmen , das^ was bis dahin geschehen ist, wäre unter Mn« schen geschehen, die keine Religion gehabt hätten! Ob wir wohl auch noch eine solch« Ruhe und Sicherheit gemxsM würden, di« sich, Dank sey es dieser göttlichen Menschen.' freundin ! im Ganzen bis auf diese Stunde unter uns noch erhalten hat. — Oder ihr licr ben Bürger unserer Stadt! als es darum zu thun war, daß ihr so manche eurer bishcri, gen Vorrechte und Freyheiten aufopfern, und Mit euern nunmehrigen Brudern auf dem Lam de theilen solltet — wovon sie selbst gestehen mußten, daß es nicht geringe Opfer waren — und wobey ihr dem ungeachtet eine Bereitwisi ligkeit, eine Duldsamkeit bewiesen, wodurch ihr euch den Beyfall und die Dankbarkeit aller Gutgesinnten erworben habet — Sollte dieses Betragen nur eine Wirkung der Furcht und nicht auch der Religion, der Ueberzeugung von den Pflichten gewesen seyn, die ihr Pott^ dem — ( Q ) - - dem Vaterland, und euer« Weibern und Kinder schuldig seyt ! Und ihr Bruder vom Landewas hielt wohl euch zurük, daß ihr in den grösten Stürmen, in den gefährlichen Zeitpunkten, keine von den Gewaltthätigkeiten begrenzet, wodurch andere Völker ihre erworr bene Freyheit befiekt haben ? War'S auch bloß der Gedanke an das daraus einstehende Um glük, und nicht auch zugleich die Furcht vor Gott, und der Stimme eueres Gewiß» sens? Aber, hört man hie und da sagen, die Prediger könnte man doch wenigstens entbehren , und ihre Besoldungen auf nüzlichere Am stalten verwenden. Es war zu vermuthen, . daß die Feinde dieses Standes eine so schöne Gelegenheit nicht unbenüzr lassen , und aufs neue die Frage werden auswerfen: ob die Religion nicht ohne das Predigtamt bestehen könne ? Sogar kamen einige wizige Köpfe auf den Einfall, daß man aus den Predigern eine gewisse Art Aerzte machen könnte, die nur derjenige brauchen dvrse, welcher sich mora, lisch krank fühlt. Die Sache ist zu einfältig, und ,s — ( o ) -^ und von einsichtsvollen Männern längst aufs gründlichste widerlegt worden, als daß man sich dabey verweilen sollte:— ungeachtet manr chem die ungereimtesten Dinge einleuchten, wenn er seine Privatabsichren dadurch erreii chen kann. Der Werth des Predigtamrs und feines Einflusses auf die Religion und das Wohl des Staates ist schon längst entschieden, und Kenner und Freunde des Volkes ha« ben von jeher treue und einsichtsvolle Lehrer für den gröstrn Seegen eines Landes gehal» ten. Von so vielen Beweisen für die Noth- wendigkeit bestimmter Lehranstalten nur einige! Soll etwa ein jeder sich selbst in der Religion unterrichten? Wer die Menschen kennt, der weißt, wie wenig sie aus eigener Bewegung thun. Oder woher sollten Arbeiter und Tag- löhner Zeit und Kenntniß dazu hernehmen? Und wie würde es um die Richtigkeit und Reinigkeit der Religion stehen, wenn nicht Märn ner in der Kirche wären, die die Wahrheit bei schüfen, und unverfälscht der Nachwelt überlieferten ? Könnte man doch einmal eine Probe machen, und nur für ein einziges Jahr dir - ( o ) - rr hie Kirchen in einem Lande Verschlüssen, «nd den Religions - Unterricht gänzlich einstellen! Die Folgen hieven würden kräftiger die Nuz- barkeit des PredigiamrS beweisen, als alls Prvtestalionen und Widerlegungen. Ddrr ihr, die ihr so denkt, und doch füv Volksfreunde möchtet gehalten seyn, wollet ihr, gegen die Absicht her grossen Nation, die ihr als Muster angebet, und die doch die Ehr rung des Gottesdienstes jeder Art versichert hat, den Bewohnern eines Landes gerade das rauben, was ihnen hatz Theuerste und Heiligste ist? Soll der anmuchige Klang der Gloke am Tage des Herrn die Christen nicht mehr zur gemeinschaftlichen Andacht einladen? Soll das Volk nicht weiter in Gottes Tempel durch den Vertrag eines treuen Lehrers »ach ausgestandener Arbeit erguikt, und zur Erfüllung seiner mühvvllen Pflichten aufs neue ermuntert werden? Sagt ihr Bürger «nstcer Sradr und des Landes, ob es nicht besonders in diesen Zeiten desto mehr Bedürfniß für den Menschen war, nach den Stürmen und Gefahren 12 einer Woche auch wieder einmal an einem isls chen Tage auszuruhen, und sich durch Gottes Wort zu frohern Gedanken und Aussichten zu erheben ? Wenn man aber mit den Worten , die Reihe ^vird auch an den geistlichen Stand kommen, sagen will , daß auch in diesem wich» tige Veränderungen gemacht, manche Mißbräu» che abgeschaft werden müssen: da sagt mam etwas, das wir Prediger schon lauge gewünscht, allein mit allen bisherigen Eerathschlagungei» und Memorialien nicht haben erzielen können. Oder sollte wohl unser Stand der einzige seyn, von dessen Mangeln und Gebrechen man nicht öffentlich sprechen dürfte? Wollten wir uns in einem Zeitalter der allgemeinsten Publizität noch immer in ein gewisses heiliges Dunkel einhüllen? Und hat nicht die Erfahrung ge* lehrt, daß es am sichersten ist , wenn jeder Stand von selbst und in Zeiten auf die Ver» befferung seiner Fehler bedacht ich? Warum sollten wir es nicht gesteben, Bruder! daß der Geist der Zeit, Las heißt der Geist der La»4 - ( 2 ) - 1 ) heit und Nnthätigkeit auch unser sich bemäch, tigt hatdaß auch wir allmählich mit andern in unserm Amte eingeschlafen sind! Auch uns hielt seit langer Zeit eine unrühmliche Furcht zurük wenns darum hu thun war, etwas anr -ufcmgen oder durchzusitzen, wodurch das Glut unserer Nebenmenschen hätte befördert werden können. Auch wir hatten bis dahin nicht Muth genug gehabt, gewissen fruchtlosen Ger schälten und Gebräuchen eine für uns und anr dere nüzlichere Einrichtung zu geben. Freylich trug zu dieser Erschlaffung nicht wenig bey, daß auch der gröste Eifer erkaltet, wenn nichts damit ausgerichtet wird. Die Verbindung bey« der Stände, wodurch allein in einem Lande etwas dauerhaft Gutes bewirkt wird, wurde nach und nach aufgelüßt; zulezt glaubte ein «in Stand den andern zur Erreichung seiner Absichten entbehren zu können, und sowohl beyde Theile, als das Wohl des Ganzen müßten darunter leiden. Und sollten wir Prediger nicht auch besom ders in diesen Zeiten den Ursachen sorgfältig nachforr 14 —- ( cr ) nachforschen, wodurch überhaupt die Achtung gegen unsern Stand immer mehr abgenommen hat. Man hat mit Recht einen Hauptgrund -er Geringschäzung des Prrdigtamls und sei- »er Diener in der grösser» Aufklärung unserer Tagen gefunden » indem unser Stand nicht mehr wie ehemals der einzige gelehrte Stand/ und das Zeitalter der blinden Verehrung längst verflossen ist. Da es also seitdem immer mehr auf eines jeden persönliche Eigenschaften ankam , wenn er selbst und durch ihn der ganze Stand bey andern seine Würde erhalten sollte, so war es freylich kein Wunder, daß diese immer tiefer sinken mußte, weil man an so manchen einzelnen Mitgliedern oft mchr Bläffen als Verdienste wahrnahm. Noch nie war indessen eine Zeit, wie die gegenwärtige, wo alle angeerbte äußerliche Vorzüge durchaus nichts mehr gelten, wo folglich auch ein desto grösserer innerer Werth, Einsicht und Treue mehr als jemals zur Erhaltung des Ansehens in jedem Stand erfordert wird. Soll also auch der Prediger in Zukunft - ( o ) - " Zukunft das Zutrauen und die Achtung seiner ^ Nebenmenschen gemessen , ft wird dazu eine eU grössere Anstrengung nöthig styu, l" > ud der Lehrer, wie der Staatsmann, wird inS ei^ künftige weniger mir Nebeugeschästen, und e* die sich mit seinem Grande nicht vertragen » h* als mir dem vorzüglich sich abgeben müssen , d, was seines Amtes ist. Es wird sürvhm mehr ^ darauf ankommen, daß ein solcher Pro «N l)k von seiner Fähigkeit das Volk geschikt z» «n» terrichren, in dem grossen Garten Gottes den ^ Saamen der Weisheit und Tugend auf dw Herzen der Menschen auszustreuen, als von ^ ftder andern Kunst und Geschiklichkeit ablege. Auch das AmfferUche d-s Predigers ist vielleicht niemals weniger gleichgültig gewesen, als gerade in diesen Zeiten. Von den, traurigen Vorurtheil ist man fteylich langst »u- dükgekommrn, daß ein gravitätischer Gang, eine finstere Miene Zeichen grösserer tnneree Heiligkeit seyen; oder daß der Prediger keine ^ Gemeinschaft mit andern Menschen haben, und die erlaubten Freuden dieses Leben- nicht W mir mr >eN sie he vv h. 16 - (d) - lnik ihnen theilen dürfe, Ueberhanpt was sonr Lerbar ist, oder gar zu auffallend von andern unterscheidet, soll biklich vermieden und entfernt werden, weil es von jeher der guten Sache Mehr nachtheilig als beförderlich war. Aber wer glauben wollte, daß man mit der alten bürgerlichen Ordnung sofort auch alles andere abschaffen müsse, was alt und ehrbar ist, der bedenkt nicht, daß unsere ehrlichen Altvater in hundert Dingen gezeiget, wie viel besser sie den Menschen gekannt haben, als die meisten unserer rasinierenden Neuerer. Würdige unbefangene Männer haben auch schon oft die Bemerkung gemacht, daß über- all eine gewisse Eitelkeit und Nachahmung äst les dessen , was Aufsehen erwekt, sich auch ki unfern Stand allmählich eingefchlichen habe, und daß anstatt der ehemaligen steifen, rohen Sitten nun eine mißverstandene Freymüthigr keil und ein gar zu weit getriebener Modeton unter den Predigern aller Orten herrsche. Kommt doch auf die ganze äussere Manier, selbst auf die Kleidung eines Menschen sehr vieles »7 — < o ) — vieles an, wenn er unser Zutrauen gewinnen nr werden wir ja alle eher einem gestzr rn sanften Mann unser Herz öftren, als ernem nt ungestünnnen Schwäzer; wie sollte sich denn he nrcht besonders der Religionslehrer in allen >er seinen Reden und Handlungen der grösien -n Mäßigung und Klugheit befleißen, dam'.t er ere desto eher die Liebe seiner Mitmenschen ge- >er winne , rnrd grösser» Sergen durch sein Amt rer verbreiten könne, sie ien Ja Bruder', desto mehr muß uns daran gelegen seyn , alles zu entfernen , was unS Las Vertrauen anderer rauben kann, da durch ich die neue Ordnung der Dinge unsere Arbeiren >err für den Staat ein desto größeres Gewicht er« »h halten haben. Mr sind nun die Männer, ach die dafür sorgen müssen , daß nicht nur m po- be, ,irischem, sondern auch in religiösem Sinn )t" Freyheit und Gleichheit unter den Bewohnern rmsers Landes herrsche; daß die Menschen td^ pun auch desto freyer von Lastern, und an h^ Einsicht und Tugend einander ähnlicher wer. Leu. Mithin ist es nun mehr als jemals wlch- ehr tig, stes r8 — ( O ) --» tig, daß wir in unsern öffentlichen Verträgen, ^ nicht bloß durch schünklingende und hochtönende ^ Wcrte die Ohren unserer Zuhörer erschüttern, ^ und höchstens einige flüchtige Gefühle bey ihr nen erweken, sondern vor allem aus ihnen richr ^ tige Begriffe von den Pflichten und Tugenden ^ verschaffen, die ihre neue Lage crfödert. Nun ^ wird es auch mehr als jemals nöthig seyn, daß ^ der Prediger immer selbst zuerst vernünftig *v über das nachdenke, was er dem Volke vor» tragen solle, um es desto deutlicher und treft fender thun zu können Ohne daß wir uns auf der Kanzel in politische Angelegenheiten Mischen dürfen, erhalten nun, dnrch die Ver« ^ änderung der Dinge, unsere Vortrüge eine ^ eigene Wendung und Lokalität, daß wir ins künftige desto weniger werden predigen dürfen, ^ was in Berlin und Leipzig nöthig war, als ^ was das Bedürfniß unsers Orts und jeder Gemeinde erfordert. Und wie viel wichtiger ^ ist nun der öffentliche Unterricht besonders unt serer Bruder vom Lande geworden! Izt kommt ^ «ö mehr als jemals darauf an , daß Männet ^ in den Gemeinden sich finden, die durch ord» . nungsr — ( o ) — r- en, > iiungsvolle, eindringende Predigten den Verr ,de stand der Zuhörer erlauchten, und ihre Herzen ^n, erwärmen. Anstatt daß ein Lehrer bisdahm ihr durch Nachläßigkeit oder Mangel an Kenntnis* ch, sen gewissermaßen mehr seiner einzelnen Ger >en meinde schadete, erstrekt sich nun ein solcher uri Nachtheil über das ganze Land, weil wir nun ^ erst eine einzige große Familie ausmachen, lig die Unwissenheit nur eines Hausgenossen, orr die Ruhe des ganzen Hauses stören kan. -ef- ,ns ^den so kan auch die besondere Unterweisung teil ^ der Religion für unsern neu eingerichteten er« btaat ein desto größerer Seegen werden, ine st^ vernünftig und zwekmäßig eingerichtet ins Est> Prival-Unterricht ist eigentlich da- en, ^^isterstük unsers Annes, und der Pro» als öirrstein des Kopfes und Herzens eines Lehr her **rs. Keiner kan mit Nachdruk und Err gee ^9 andere unterrichten, der nicht selbst zuerst an» von der Wahrheit dessen überzeugt ist, warnt kr sagt. Welch ein schweres Geschäfte ist eS iel desonders auf dem Lande gewesen , dem rv* Erstand und Herzen solcher Kinder beyzukom» !, B a men 29 -(v) - ruerr, die bisdahin durch den Schulunterricht nicht gehörig dazu vorbereitet waren. Welche Kenntniß -es Menschen , welche Gewandtheit des Geistes, welche Bekanntschaft mit den Wahrheiten selbst wird nicht überhaupt erfordert, um nur einigermaßen bey der Jugend Eingang zu finden! Und wie wichtig ist nicht zu allen Zeiten die frühe christliche Bildung gewesen. Von dem In diesen Jahren genossenen Unterricht hangt meistens die künftige Liebe oder Verachtung d,r Religion ab. Je nach dem der Lehrer kalt oder warm, deutlich oder verworren seine Lehrlinge unterrichtet hat, wird dieser ausgestreute Saame in der Folge seine bestimmte Früchte bringen: und großentheils dem Mangel eines überzeugenden kraftvollen Volksunter- richt müssen wir es zuschreiben, dqß die Gleichgültigkeit gegen die Religion in allen Ständen so sehr überhand genommen hat. Noch nie aber war wohl «ine sorgfältige Anweisung zur Religion nothwendiger als in unsern Tagen, weil es zur Erhaltung der Ordnung und Ruhe und --- ( o ) 41 ht ^nd ZUk Abwendung mancherley Gefahren und rl- Uebel in unserm Vaterlande vor allem aus dar, j„ auf ankommen wird, ob unsere Nachkommen >ft Ehnsten seyn, und aus ihrem gegenwärtigen pt Unterrichte einen reichen Vorrarh von Crmuu, u, Irrungen zu einem arbeitsamen stillen Leben m die folgenden Zeiten mit hinüber nehmen wer, den. "E Doch die gegenwärtigen Zeittimstände er, N fordern nicht bloß eine zwekmäßigecc E-nrich, 2* tung der öffentlichen und besondern Umerwei» ^3 sung in der Religion, sondern auch überhaupt er eine Verbesserung des gesummten Schulnnrer, ne richts zu Stadt und Land. Gulgeordner? Schulen sind und bleiben einmal ein nnentbehrr >te liches Mittel zur Bildung und Beglüknng eines Staates. Wie vieles ist nicht besonders rr- in den neuern Zeiten hierüber geschrieben, und A Wie wenig noch an so manchen Orten gethan en worden. Wie viele fromme Wünsche hat man in dieser Absicht nicht auch bey uns ge« uk äussert, und doch ist alles in seinem alten i, Gleise geblieben, b- „v Einmal rr — ( o ) — Einmal es kommt zuerst auf eine gute Vorbei reitnng in den Schulen an, wenn Menschen in den reifern Jahren ihres Lebens den ernsthaftem Unterricht des Lehrers und seine öffentliche Vortrüge faßen und empfinden sollen. Und die bisherige Verwahrlosung der Jugend in den meisten Volksschulen ist die Hanptquelle von aller der Unwissenheit, dem Aberglauben und der Roheit, die immer noch unter so vielen Bewohnern unsers Landes herrschen Wenigstens darf nun der Abstand zwischen dem Bürger in der Stadt und dem nunmehrigen Landbürger nicht mehr.so grcß seyn, wie ehemals ; auch wird ins künftige nicht mehr die lateinische Schule die einzige Pfianzschule seyn, woraus die Männer genommen werden, die das Staatsruder führen sollen. Und dann fallen ja gegenwärtig alle die politischen Bcdenklich- keiten weg, als wenn durch eine allzu große Aufklärung die Menschen in der Entdekung gewisser Mißbräuche zu scharfsichtig würden; da es nun nicht mehr darum zu thun ist, Män- gel und Gebrechen zu verheelen , sondern ein Geschlecht anzupflanzen, das dieselben verbeßern kan« ( o ) — LZ kan. Nur der Gutumerrichlete kan die Vor» theile und Freuden in den verschiedenen Verhältnissen seines Lebens geniessen , lind nur ein solcher wird am besten begrerffen, was dem Slaate nüzlich oder schädlich , was thunlich «"d nicht thunlich ist. 3»hr werdet nun also leicht begriffen, liebe Mitbürger zu Sradl und Land! daß der Um terricht, den eure Kinder in Zukunft genießen sollen, nicht mehr in dem bloßen gedankenlosen Auswendiglernen des Katechismus und einiger Psalter, und der bisherigen meist sehr dürftigen Anleitung zum Rechnen und Schreiben bestehen dürfe, sondern daß vor allem aus der K opfund das Herz des jungen Staatsbürgers gebildet, und eine richtige Kenntniß von soft He« Dingen ihm beygebracht werde, wodurch er einst desto bessrr und treuer die Pflichten gegen sein Vaterland erfüllen kan^ Und weil eben die Zeitumstände es mir sich ' Gingen, daß auch weibliche Geschlecht ins künftige mit größerm Eifer das Seinige z»m Wohl 24 — ( v ) -»-» Wohl des Ganzen wird.beytragen ; daß Häuslichkeit , Eingezogenheit und eine gute Kinder- zucht von nun an den Hausmüttern angelsr gentlichere Pflichten als bis dabin seyn muß sen: so ist es um so viel nothwendiger, auch unserer vermachten Tochterschule emmal eine solche Einrichtung zu geben , wodurch jene Tugenden befördert werden können. Wenigstens wenn auf dem Land der von Knaben und Märchen bisdahm gemeinschaftlich genossene Unter-, richt forrdauren soll — so wären die leztem daselbst besser daran, als unsere jungen Stadt- bürgerinnen, weil jene mit den Knaben an allen vorzunehmenden Schulverbcfferungen Antheil haben^ Ueberhaupt aber war bey uns die Erziehung der Mädchen in jedem Stande äusserst fehlerhaft und dürftig. Diesen Mau- gel fühlten auch besonders in unsern Zeiten viele, und fielen, um ihn zu ersezen, unglkk- cher Weise auf das Lesen solcher Bücher, die ihnen Gesinnungen und Grundsäze beybrachten, die noch schlimmer waren, als alle ihre bisherige Unwissenheit. Wie wenig Anweisung zum vernünftigen Denken und Empfinde» Ar U »r sich n« u> II- ör crr m ttr !«r iis i-e ui- den erhielten nicht im Ganzen die Töchter» unserer Stadt ! Wie war es nicht ein besoiv deres Glük , wenn je einige derselben eine bessere Bildung erhielten! Aber dafür mußten sse auch oft die unbilligsten Urtheile von ihren Milschwestern über sich ergehen lassen, eben weil sie sich zu sehr vor andern zu ihrem Vorr theil auszeichneten. Einmal so unausstehlich eine sogenannte Gelehrte ist, so wird doch hvssentlich niemand zweifeln, daß Verstand und Gefühl dem andern Geschlecht zu seiner Ehre und Glükseligkcit eben so nothwendig sty als dem unsrigen , und daß nur alsdann Müi- ter dem Staate geschikre und edle Bürger err ziehen, und das häusliche Glük befördern können, wenn sie selbst zuerst vernünftig und tugendhaft sind. Wenn nun aber die Verbesserung aller L'ie Schulen für unsere Zeiten ein so dringendes ch, Bedürfniß ist, so wird es auch mehr als je» ^ Mals nöthig seyn, dieselben keinen andern als ,rir Zeschikcrn und treuen Lehrern anzuvertrauen. ^ Einmal alle noch so schöne Vorschläge und -6 — ( o ) — Plane helfen durchaus nichts, wenn nicht Männer da sind, die Einsicht und Muth genug haben, dieselben auszuführen und zu befolgen. Allein bisdahin ließ man es in dieser fo wichtigen Sache auf ein bloßes Gerathewohl ankommen, und meistens wurden solche zu Schuilehrern berufen , die alles eher als die Kunst verstunden, Kinder gehörig zu unterrichten. Wie kan man auch z. V- von einem Manne 'erwarten, der sein ganzes voriges Leben mit Feld- und Handarbeiten zugebracht hat, erwerbe nun , wenn der Ruf an ihn zur Schule komm-, auf einmal.ohne die mindeste Vorbereitung zu einem Geschäfte tauglich seyn , wozu so viele Geschiklichkeit und Uebung erfordert wüd. Alles in der Welt, sagt man, will gelernt seyn: . warum denn nicht auch die schwere Kunst Kinder vernünftig zu unterweisen. Wie gut wäre es gewesen, wenn man schon ehemals be-, der Prüfung eines Lehrers, anstatt ihn oft mit allerley zauberischen Aufgaben aus der Kopula kitlü und zu plagen, denselben auf - der — ( 2 ) — r? der Stelle sein Probest«? hätte machen lassen, vb er der Mann seye, der nickt nur die gehör rigen Kenntnisse, sondern auch, was das wichtigste ist, die Gaabe besize, Kindern dieselben auf eine faßliche Weise beyzubringen. Um nun desto gewisser dergleichen geschikte und er» fahrne Schulmeister zu bekommen , hat man schon an mehrern Orten Pflanzschulen angelegt , worin unter der Aufsicht und Anweisung erfahrner Männer eine Anzahl junger Leute nicht nur aufs sorgfältigste in mancherley nüz- lichen Kenntnissen, sondern auch zugleich in der Kunst andere zu lehren , unterrichtet werden, aus deren Mitte alsdann einzig und allein die Lehrer für die Schulen des ganzen Landes genommen werden. So vielen Schwierigkeiten auch die Einführung einer solchen Anstalt unterworfen ist, so wird doch jeder Sachkundige gestehen müßen , daß ohne dieselbe nicht leicht die Volksschulen in einem Lande auf einen festen und beßern Fuß gesezt werden können. Mögen indessen auf diese oder eine andere Weise den Schulen in der Folge dergleichen gei schikt« »8 ( o ) — schifte und brauchbare Männer gegeben werden^ so wird man sie nun auch nach Beschaffenheit der Umstände, das heißt, besser als bisdahin für ihre Arbeit belohnen müssen. Man kan mit Wahrheit behaupten, daß nächst guten Füyl sien und Obrigkeiten sich niemand mehr um tes Staat verdient macht, als einsichtsvolle treibe Lehrer> Aber! wie verächtlich wurden sie an manchen Orten behandelt, wie kärglich belobet ! Und eben diese elende Besoldung war auch mit ein Grund, Laß an manchen Orten entwr- der gar niemand sich zu diesem undankbaren Ger schäfte verstehen wollte, oder wenn eS auch einer aus Noth oder einer «welchen Ehrbrr gierde übernahm, daß er unmöglich dasselbe mit gewissenhafter Anstrengung und Treue verrichten konnte. Gewiß ist ein Lehrer, der für feine Mühe nicht hinlänglich belohnt wird, in jeder Absicht in einer bedaurenswürdigen Lage. Ist er rechtschaffener Mann , und er soll nur so viel Kisten als er Einkommen hat, so macht sein Gewiß 29 en» >eÄ )>» an ir- es !i,e an o9 >ch vr» Zeich hr- nit chr hr cht :i- iel :in - ( o ) - Gewissen ihm darüber Vorwürfe: thnt er hingegen was in seinen Kräften ist, so muß es ihn lief kränken, daß seine Verdienste so wenig gesckäzt werden. Oder wie kan ein Lehrer seine Pflicht erfüllen, wenn er, um nicht zu verhungern, noch manche andere Dinge treiben muß , die ihn von seinem Hauptgeschäfte ab- tzichen? Wie kan ein Mann froh und heiter seinem Beruf obliegen, wenn stete geheime Nahrungssorgen an seiner Seele nagen? und wie muß es nicht den Muth auch des wärmsten Kinderfreundes darniederschlagen, wenn er nicht einmal wie ein Taglöhner für seine so wichtige «nd schwere Arbeit bezahlt wird. Zur völligen Verbesserung der Volksschulen gehört endlich auch noch eine bequemere Einrichtung der Schulgebändc. Einmal die Erfahrung hat schon längst bewiesen, daß eine geräumige heitere Wohnung nicht mir auf die Gesundheit und die Heiterkeit des Gemüths, sondern sogar auf den Charakter der Menschen einen großen Einfluß habe. Indessen hat man Semeiniglich geglaubt, jeder Plaz, jedes Gebäude zs — ( o ) —. ä bände seye zu einem Schulhaus schön und gut b genug , und achtere nicht darauf, wie feucht, L ungesund und finster es auch immer seyn mochte. l< Und wie enge find nicht an den meisten Orten 8 die Schulstuben, wie gepreßt müssen da die zi Kinder mehr aneinander kleben als fizen. Es' d ist nicht zu sagen, zu wie vielen Unordnungen d dieses schon Anlaß gegeben hat, und wie nach« n theilige Folgen für die Lehrer und Minder dar« st aus entstanden find. — Gewiß hat es auch E manchem Prediger seine Pflicht, die Schulen g zu besuchen, nicht wenig erschweret, daß er nicht mit der Freude in einem solchen Kerker sich verweilen konnte, die er in einem freyern ^ und anmuthigern Orte empfunden hätte. Ein« ^ mal wenn irgend eine Ausgabe in einem StaatS ^ gut angewendet ist , so ist es diese, die man ^ auf die Anlegung besserer Schulhäuser verwen« bet. Und wenn besonders euch, Eltern vom ^ Lande, die Gesundheit und Unschuld eurer Kin« ^ der am Herzen liegt, so solltet ihr an jedem ^ Orte in jeder Gemeinde gerne das eurige dazu ^ beytragen , daß auch diesem Mangel so bald als möglich abgeholfen werde. y, Diese und noch viele andere hieher gehörige T Vorschläge und Wünsche ins Wrrk zu richten, dc erfordert allerdings viel Zeit und Arbeit, und Ni ist mit grossen Schwierigkeiten und Ausopfe« "t rnngen verbunden — Aber eben deswegen sind 6c schon manche herrliche Anstalten unterblieben, ^ «eil die Menschen immer mehr nur an die Linder« - ( o ) - ZI Hindernisse, als an das Große «md Nüjlickie dachten, das dadurch könnte gestiftet werden. Oder wer sollte sich nicht gerne alles gefallen lassen, wenns darum;» thun ist, Einsicht unv Rkchlschaffenheik unter seinen Nebenmenschen zu verbreiten , und das Glük seines Vakerlanr des zu befördern. Können wir gleich in anr dern Fällen nicht zeigen, daß wir unsern Vär lern ähnlich sind, so wollen wir doch wenig? stens der Welt beweisen, baß wir den alten Eifer für die Beförderung der Religiyn und. guter Sitten nicht ganz verlohren haben. Ausgezeichnete edle Thaten waren freylich langst nicht mehr unsere Sache. Aber nun können wir eine Pcobe ablegen , daß doch we- nigstens der Fond von jenen gemeiunüzigen Gesinnungen und Gefühlen noch vorhanden seye, woraus alle die herrlichen Stiftungen und Anstalten geflossen sind , die unsere würdige Vorführer gemacht haben, und deren Wohlthätigkeit wir alle bis auf diese Stunde empfinden Und sollte es nicht auch unter andern ein» von den großen Absichten seyn , warum die Vorsehung uns solche Auftritte erleben laßt . damit an vielen Orten die Menschen auch einmal aus ihrer bisherigen Schlafsucht erwachen, und ein neuer Geist der Thätigkeit fürs Gute sie belebe! Wenigstens sind durch die Beger theilen unserer Tage in den Herzen vieler. Z2 —( 2 ) — solche Gedanken und Vorsäze erwekt worden, die alles Lesen und Predigen nie, oder doch nicht in dem Grade hätte bewirken können. Noch nie hat eine Zeit so laut die Eitelkeit ^ und Vergänglichkeit menschlicher Glüksgürcr verkündigt! noch nie hat der Vornehme wie der Geringe die Erhabenheit der Weisheit und Tugend über Ehre und Gold besser kein j uen gelernt ! und noch nie haben Eltern es tiefer fühlen müssen, wie nöthig es sehe, ihren Kindern eine bessere Erziehung zu geben, und ihnen solche Schäze und Vorzüge zu verschaff fcn, die keine Zeit und Revolution uns raw den kan. , . Aber eben deswegen sollte es auch für uns alle desto leichter seyn, jene gute Ab' stcht an »ins nnd andern zu erreichen. Wenn «nick gleich der Staat zur Zeit an äusserm An< sehen und Vermögen verliere» sollte, so kan ek Lurch solche nüzliche Anstalten desto mehr aN innerer Kraft und Güte gewinnen , und nut vi Die dadurch erzielte größere Kenntniß und Frön»' ^ rrngkeit vieler einzelnen Mitglieder desselben, kan uns und unsern Nachkommen eine bessert Zukunft bereiten» - <2