Denkmahl der Freundschaft auf Herrn Daniel Maurer kreceptor IV. Ouis. (H'mnulli L ?rof. I-inx. üsb.XL. v s n I 0 h a», n e s Ri r ch h o fe r Pfarrer in Wilchingen. Lrat vir Konus L limxii lniiümeyus Lie. !>s veritstis smrcu» Zahlreich sind zwar die Lebensgeschichten» eb- kLN am Loliegio llumsnltstis , bei welchem er zugleich die griechische Lehrstelle 21. Jahre Vica, riatsweise verwaltet hat. Mein seliger Freund war im Jahr 174; geboh- ren, und ohne eben die glänzendsten Vorzüge der Geburt, Erziehung und solcher Glüksumständen für sich zu haben, die viele schon allein so treflich begünstiget, entwikclten sich doch beizeiten schon dergleichen Keime und Anlagen bei ihm, die bereits in dem Hofnnngsvollen Jüngling, den künftigen zu seinem Vortheil sich auszeichnenden Mann nicht undeutlich voraus sehen liessen. Von einer edlen Ehrbegierde entflammt, behauptete er stets den ersten Rang unter seinen Mitschülern, und ließ wohl solche hinter sich znrük, die ihm an Alter, aber nicht an Fassungskraft und ausdau. rendem Fleiß vorgingen. Ihm folgte schon in den niedern Schulen das Lob und die Zufrieden. bett heit seiner Lehrer nach / und so wie er zur Beschäftig» ng mit höhern Wissenschaften angewiesen und reif wurde/ verrieth er nun völlig den in ihm liegenden lebendigen Trieb / in dem Gebiet der theologischen Litteratur/ deren er sich nun insonderheit gewidmet hatte / nicht allein / sondern auch in denen darzu gehörigen Hilfswissenschaften / für. nehmlich einer ausgebreiteten und gründlichen Sprachkunde / nicht bei denen Mittelmässigen sie- hen zu bleiben / sondern einer täglichen Vervollkommnung darinnen nachzustreben. Er war in dieser Absicht nicht blos der eifrigste Zuhörer in den öffentlichen Vorlesungen/ sondern er verband darmit den unermüdestcn Privatffeiß / auf den bei Jünglingen so vieles ankommt/ und der vielfältig selbst den Mangel grösserer Fähigkeiten «stiren kann. Unstreitig würde auch unser scl. Freund in sei, neu Vorbereitungsjahren in mancherley Kenntniß noch grössere Fortschritte gemachthabcn/ wenn die Gelegenheit darzu in der damaligen Zeit gün- siiger und der Unterricht / hauptsächlich in philologischer und theologischer Hinsicht nicht noch gar t» dürftig, fast möcht' ich sagen / armselig gewesen wäre. Oft psiegte daher mein unvergcsslicher Freund in spätern Jahren / und als er nun selbst )(; Leh. l6 Lehrer in der Schule und auf dem Catheder w»r, den war, zu mir zu sagen: Wie zum Beneiden glüklich sind jezt unsre jungen Leute, denen man bereits im ir und i;tcn Jahr über manches die Augen öfnet, worinnen wir zu unsrer Zeit noch Wohl im roten Jahr beinahe stokblind gewesen. So gut also mit Vorkenntnissen ausgerüstet, als es die damalige Lage der Sachen erlauben wollte, bezog der Selige im Jahr 176; die hohe Schule in Marburg, als wohn, es seit geraumer Zeit, für unsre angehenden Theologen zu ziehen, beinahe zur Sitte worden war. Hier meinte nun der nach Erleuchtung und Weißhcit heißhungriger junge Mann, was ich und vermuthlich noch mancher andre auch geträumet hat < als falle auf Universitäten die Gelehrtheit vom Himmel herab, und jeder Lehrer besize die Gabe der Eingcistung, die man nur nöthig habe sich von ihm mittheilen zu lassen. Allein bald sahe der sel. Maurer diesen Irrthum ein, und begrif völlig, daß eben auch hier, wie überall, alles einen sehr menschlichen Gang nehme. Zu dieser Zeit glänzten auch an dem thcologr, schen Himmel in Marburg eben keine Sterne der ersten Grösse. Der schweizerische dorthin bcruffe« ne ne Gottesgelehrte Daniel Wyttcnback, um dessen willen Mmburg von jungen Schwcizerthcologen hauptsächlich besticht wurde, war zwar der recht, schaffcnste, unverdrossenste Lehrer, und ein in der That schwer gelehrter Mann; allein sein dunkler lateinischer Vertrag, verbunden mit schulgerech, tcr, steif wolfianischcr Methode und einer über, ängstlichen Orthodoxie hinderte gar sehr den Nuz, -cn seiner Unterweisungen. Lehrreicher und in einem liberaleren Geist waren die Vorlesungen eines damahls noch sehr jungen Manns, Herrn Carl Wilh. Roberts, eines würdigen SchülerS von Michaelis, der aber nun lange schon, ich weiß nicht aus welchen Gründen, den theologischen mit dem juristischenLehrstuhl verwechslet hat. Je mehr nun nnser verewigte Maurer gerade von Robert hörte und an seinem eigenen Beispiel sahe, wie vieles derselbe seinem grossen Lehrmei, ster in Göttingen zu verdanken habe; desto mächtiger regte sich in ihm der Drang, diesen und an. dre mit recht berühmte göttingsche Docenten selbst tu hören, um, wie er nicht zweiffelre, durch sie im Reich der Wahrheit neue und hellere Aufschlüsse zu erhalten. Er reißte also im Jahr i?6S ungefragt auf eigenen Trieb nach Göttingen ab, )(4 und und ob er schon wußte, daß erdißfallS mit verschiedenen Schwierigkeiten und Vorwürfen werde zu kämpfen haben; so siegte doch fein Entthu, siasmus für Wahrheit und Erudition über alle diese Hindernisse; auch hat er diesen, wenn schon etwas gewagten Schritt in seinem ganzen übrigen Leben nicht nur,nicht bereuet,sondern icte Stünde seines Aufenthalts in Göttingcn gesegmt, da es ihm, so drükle er sich oft gegen mich daselbst aus wie Schuppen von den Augen gefallen, und sein Blick tn das göttlich-schöne Feld von Men- schenrand geläuterter Wahrheit mit jedem Tag er, wettert worden. Immer sprach der Selige noch mit Entzüken von seinem Lehrer Michaelis, dem Mann, der so manches Talent geweckt, der jd kräftig mitgcwürkct, in dem zuvor verworrenen Lchrsystem aufzuräumen, und milder Fakel orientalischer Gelehrsamkeit weit um sich her Licht zu verbreiten , und der vielleicht noch mrnches Dank, opfer mehr verdienet hätte, wenn ihm jeder, wie unser Maurer, die volle Gerechtigkeit hätte wie, Verfahren lassen. Ein besonders glüklicher Zufall für meinen besten nun schlaffcnden Freund, war unter andcrm für ihn in Göttingen die gemachte Bekanntschaft und 1 und bis zu seinem Tod erhaltene sehr nahe Verbindung mit dem iczigcn Herrn CorMoriairath Hascncamp in Mitteln, mit dem er nach gleichem Ziel strebte, und die sich wechsclswciß anspornten, aus der Bahn frcper Untersuchung der Wahrheit mit unverwandtem Blik fortzuschreiten. Em Br, M- ß der genausten Verbindung dieser beedcn Männer auch nach ihrer weiten Entfernung von einander ist, daß Maurer seinen Freund Hasen? camp vor einigen Jahren zum Taufparhcn eines seiner Kinder ervcttcn hat, und nichts laßt mich zweifle«, daß dieser Edle beider Todcsbothschast seines vicljährigcn Busenfreunds ihm eine Thräne der Wehmuth weihet. Im Spätjahr 1767 kehrte der Verstorbene von Göttingcn zurük. Kurz vorher war ich in Marburg angekommen. Hier besuchte mich Maurer, blieb ein paar Tage bet mir, und da entstund nun Las selige Frcundschaflsbündniß, welches bei glei. cherScelenstimmung 27 Jahre fortgcdaurct, und das nun zwar der Tod meines Lieben für eine Zeitlang unterbrochen, aber wahrlich nicht für immer aufgelöset hat. Nach seiner Rükkunft ins Vattcrland und einer rühmlichst bestandenen Prüffung wurde der )( 5 V 0 N von uns Geschiedene in den Predigcrstand aufge- nomnici,, i» welchen, er seine gcsammleten Kennt« uissc gcmcinuüzig zu machen, den ernstlichen Für- saz hatte. Weil steh aber hierzu nicht so geschwinde Veranlassung darbot; so nahm er indessen eine in Ncuschatel sich g issucte Hauslehrer,Stelle an, deren er ein paar Jahre lang mit solcher Treue und Beflissenheit vorgestanden, daß ihm auch nach seinem Weggehen die völlige Gewogenheit derer , denen er seine Dienste geleistet/ zur gewünschtesten Belohnung naebgefolgel ist. Nun hielt er sich wieder an seine Vaterstadt, und nuztc mit seiner Gaabe in und ausser derselben , wo und wo«- mit er immer konnte. Als deßwegen im Jahr 1772 dcrPrediger einer unsrer anschnlichstcnLaud- meinc gestorben, und bis zum Antritt des neu bc, russcnen Seelsorgers ein Stellvertreter erforderlich war, so übernahm unser sel. Maurer dieses für einen inngen Mann allerdings grosse und mühsame Geschäft, in dem er sich aber mit so viel Eifer und Geschiklichkeit betragen, daß diese sonst nicht so leicht zu befriedigende Gemeinde ihm durch thätige Beweißthümcr ihren »»geheuchelten Dank und Zufriedenheit beschcinct hat. Diese kurze Amtsvcrwaltung hatte aber für den Scl'.gen noch eine andre höchst wichtige Folge. Sie bah», tt Ik te ihm den Weg zu feiner ersten Ehcverbindung mit der Schwester der vcrwittwetcn Frau Pfar, reri», zu deren Behuf er an jener Gemeine gcar, beitct. Diese gewählte Freundin seines Herzens, Iqfr, Barbara Magdalcna Swckar vor. Neuforn harte ich die Freude ihm den 29. Aprill 177; an. zutrauen. Er durchlebte mit ihro frohe und glük- lichc Tage, und würde Vater von mehreren Kin, dern, deren sorgfältige Ausbildung er sichs zur angelegensten Pflicht machte. Dieses häuflUche Glük wurde ihm jedoch auf die traurigste Weise gestört, da ihm seine zärtlichst geliebte Gattin, als sie ihm gerade zu einem neuen Liebcspfand Hoffnung machte,durch eine bösartige Pokcnkr.r.ik- heir entrissen wurde. Um diese Wunde noch ties- fcr zu schlagen, vcrlohr er bald darauf an der Zeichen Krankheit seinen ältesten Sohn, von dem er bereits die süssesten Erwartungen hatte. Tiefdraug jezt der Schmerz über diesen gedoppelten, sich so schnell folgenden Verlust in das gefühlvolle Herz unsers guten Maurers, und es schörte eine ziemliche Frist darzu, um ihn auS derNiedergeschlagen, hcit und Muthlostgkcit wieder bis zu seinem ihm sonst natürlichem Frohsinn und Heiterkeit zu er. heben. Lau. Lange mit sich uneins, worzu er sich entschlief sen solle, hielt ers endlich doch am rathsamsten zur Begünstigung des Hauswesens und Erziehung der noch zu minderjährigen Kinder in eine zweite Eheverbindung zu tretten. Diese schloß er denn auch mit Igfr. Barbara Elisabctha Pcycr im Hof, dieser nun so tiefgebeugten Wittwe, an deren erlittenen Kränkung jeder den unzwcydcu- tigsten Antheil nehmen wird, der einiges Gefühl darfür hat, was es auf sich habe: Muter von; lebenden unerzogenen Kindern zu seyn, das 6tc unter beklemtem Herzen tragen, und Mann und Vater verlohrcn zu haben. O möge eine weise und gütige Vorsehung, die Licht in Dunkelheit bringen, und ccntner schwere Lasten erleichtern kann, das beklagenswürdige Schiksal dieser hart geprüften Dulderin auf so eine Weise mildern, daß sie darinnen die Spuren der wohlthätigsten Führung in dankbarer Anbätnng zu verehren gedrungen werde. Es war im Anfang des Jahrs 1779. als unser vollendete Freund bcuRuf als Lehrer der rtenClaß §n unsere lateinischen Schule erhielt, in deren er nach wenigen Jahren bis zur 4ten Claß vorgcrüket, nachdem er 6 Jahre zuvor die Stelle eines Cate, chctea chrten bei der Kirche zum h. Geist verwaltet hatte. Als Catechet versähe er zugleich die Hauslehrer Stelle, in einem der angesehensten Häuser allhicr, von dem er bis ansEnde seincsLebens hochgeachtet, geschärt und geliebt wurde. So geschärt und ge. ,irlt, daß sein ehemaliger Zögling, seine gewählte Gattin, sich nur von seinem Iugendführer wollte antrauen lassen. Innig freute er sich auf diesen Anlaß, konnte sich beim Anfang seiner Krankheit lange nicht ausreden, diese Handlung sechsten verrichten ;»können, allein der Tag der Trauung, lvar der Tag seines Todes. In dem gleichen Jahr wurde ihm auch das Professorat in der hebräische,, Sprache aufgctragcu, nachdem er schon *""ge Jahre vorher statt unsers hochverdienten Mitbürgers, des izigen Kais. Königl. wirklichen Herrn Staatsrath von Müller, die griechische Lehrstelle bekleidet, und sich in dieser Gat- iung Wissenschaften als geübter Mann hinlänglich erprobet hatte. Beedes als Schullchrer und als Führer studierender Iünglinae nabnr zwar Mauser seiner Obliegenheiten treulich wahr, ohne sich jedoch, als welches seinem freieren Geist unmöglich war, an Itsezliche Vorschriften sclavisch zu binden. Er liebte liebte in allem Zwauglvsigkeit, und so wollte ee seine Lehrübungen nurzu angenehmen Unterhaltungen machen, worbei er wohl gar für einen Au. gcnblik den sonst auch erforderlichen Ernst aus der Acht ließ. Wer indessen Lernbegierde hatte, der fand gewiß an ihm, den eben so gefälligen als einsichtsvollen Lehrer, dem es Herzensfreude war, aus feinen Schäzen andre zu bereichern. Mir we« nig ihm die gute Lehrgabc ganz gemanglet habe, davon ist fein hinterlassncr ältester Sohn ein sprechender Bcwciß. Dieser Hoffnungsvolle junge Mensch, auf dem ganz feines Vaters Geist ruhet, und für den ich als fein Taufzeuge selbst vätterliche Wünsche in meinen» Herzen nähre, empficng voll Kindheit auf die Anleitungen feines Vaters, des. sen Liebling er war, und wurde von ihm so weit gebracht, daß er nicht nur den völligen Beifall, fbndcrn fast die Bewunderung seiner übrigen Lehrer sich erworben hat. Sehr nüzlich machte sich gewiß auch unfe Verstorbene hauptsächlich durch seine philologischen «nd exegetischen Vorlesungen. Dies war von je her sein Lieblingsfach gewesen, worinnen er sich unablässig übte. Mehrere unsrer jüngern Theologen werden ihm auch das Zeugniß geben, daß sie ihm in diesem Stük manches zu verdanken ha, den, indem er sie auf den Weg einer freyen Prüf- fung und des eigne» Forschens geleitet, und sie mehr zum ordentlichen Selbsidenkcn, als einem kläglichen Nachlallen angezogen hat. Wer von seinen Schülern kein gar zu eingeschränkter Kopf war, der erhielt öfters weit gehende Winke von ihm, und er führte ihn allmahlig mitten in taS Heiligthum der Wahrheit. Vielleicht daß man ihm vorwerffcn möchte, er sey bisweilen in der Mittheilung seiner Ideen und Vorstellungen nur iu offen und freigebig gewesen; ein Fehler, der doch noch wohl verzeihlicher ist, als wenn man hinter einem geheimnißvollcn Wesen einen blähenden Magisterstolz, oder, was oft der Fall seyn möchte, baare Unwissenheit verborgen hält. Zu den Amtsverrichtungen des Seligen gehörte auch eine an jedem 4. Sonntag ihm zugckom, tnene Predigt. Ihm hatte nun zwar die Natur das höhere Redncrtalcnt gcwissmnassen versagt. Gebehrdensprache und leichter anmuthigcr Fluß srrdr, gehörte ntchr m Vollkommenheit zu sei, nem oratvnschcn Erbtheil. Er ließ deßwegen die- jenigen leicht »»befriediget, die nur von dem Sinnlichen abhänge»,, und die in dem Prediger lieber den den gewandten Actcur als den gründlichen und kcruhasten Lehrer bewundern. Mehr Genugthuung leistete hingegen Maurer solchen Zuhörern, die die christlichen Versammlungshäuser besuchen' um nicht blos zum Zeitvcrtricb amüstrt, sondern über irgend einen wichtigen Gegenstand wahrhaft belehrt und mehr geistig als sinnlich befriediget zu werte». Einen den Zuhörer auf diese Weise nährenden Redner sollte man doch lieber hören, als einen andern , dessen durchwässcrte Vortrage und gar mit unter nonsensicalische Aeusserungen, Verstand und Herz gleich unbcfriediget lassen. Obschon unser Hmweggcgangcne Freund nit alö Schriftsteller aufgctrctten ist; so hätte er doch das Gcschik barzu weit mehr gehabt als hundert andre, die durch ihr ewiges Geschreibsel, worin« nen keine Spur des,Geistes ist, sich und der wahren Litteratur gleich wenig Ehre machen. Mau« rer hatte von dem Schriftstellerbcruf, einen viel zu erhabenen Bcgrif, als daß er es für etwas leichtes hielt, denselben zu übernehmen, besonders zu einer Zeit, wo bereits die Welt mit einer Sündfluth von Schriften, die noch täglich höher steigt, gänzlich überschwemmet ist. Er zog daher das bescheidene Verdienst, in seinem engern Wik Wirkungskreis nach Möglichkeit zu nüzen, einem andern vor, das sich zwar geräuschvoller an« kündiget, ohne darum immer für die Menschheit fruchtbarer zu seyn. Aus diesem nur flüchtigen Entwurf der litterarischen Seite des Verstorbenen, wird man doch den in der That achtungswchrten Mann nicht ganz verkennen können. Noch licbens und verch- rungswürdiger muß uns aber derselbe werden, kenn wir einen unparthciischen Blik, auf den ihm "gen gewesenen sittlichen Charakter werfen. Ich könnte diesen fast mir einem Zug darstellen, wenn ich von ihm sage, was alle, die ihn etwas ge« nauer gekannt, mit mir bezeugen werden: er war *in Mann, in dem kein Falsch war. Redlichkeit, gerader, ungekünstelter Biedersinn bezeichnete sei« "e Reden und Handlungen so sichtbar, daß er jeden , mit dem er zusamcn traf, augcnbliklich für sich gewinnen mußte. Nichts war ihm fremder und unbekannter als Verstellung und Ziererey. Die Sprache seines Mundes war auch die Spra« M fttnes Herzens. Aus dieser edlen Grundlage des Herzens, entsprang denn auch jene Freymüthgkeit in der Re« )( ^8 de und Urtheil, die etwa,,,, nur denen nicht gefallen kann, die nicht auch so rein von allem Argett sind. Wahr ists, nach dem herrschenden Geist/ dieser Zeit schadet man sich gemeiniglich mit nichts mehr, als mit einer gar zu grossen Offenheit, und wenn man geschwind jedem Ding seinen eigentlichen Namen gibt. Dies wissen die vortrcf- lich, die, um Mehreren zu gefallen, bald diese bald eine andre Spräche führe», und allerlei Schilde in Bereitschaft haben, um nach Bedürfniß heute diesen und morgen wieder einen andern vor sich auszuhängen. Aber so etwas wieder- strtt ganz der Dcnkensart und denr Seclengang unsers Maurers. Unbekümmert: was sagen die Leute darzu? redte er nach Empfindung und Ueberzeugung , »vorbei er doch nichts weniger beabsichtige , als jemand geflissentlich avcchr zu thun. Als ein Älann von raschem Temperament, verstieß er den leicht einmal gegen eine Klugheitsund Wohlstandsregel, welches er aber bald auf empfangenen Wink wieder gut zu machen wußte. Nicht unempfindlich gegen das Urtheil andrer übe»? ihn, achtete er doch mcht auf jeden unberuffeness Richter, und hüllte sich zulezt gern in das Gewands seiner ihn stets begleitenden Rechtschaffenheit ein.' Treu 1 Hreu an seinen Freunden, dienstfertig und zu« vorkommend war er in mehr als gemeinem Sink geliebt, von allen , mtt denen er nähern Umgang Pilog. Zeugen hicvon mögen vorzüglich feine gewesenen Milmvcilcr seyn. Man weiß -a sonst Wohl daß cotlegialischc Freundschaft eben nicht um tcr die AUlagsphacnomeen gehört: aber so herz» lich und eiumüthig ist vielleicht lange kein öffent« lichcr Lehre; vo» seinen College» bei seinem Tod bttrauret worden, als unser Maurer betrautet wurde, dessen Verlust bald jeder so betrachtete, ob es nur sein eigener wäre. Aber die auch wir seltener um ihn waren, vermissen gewiß derv innigen ungern, der, was nur wenigen gegeben Allen allerlei zu werden wußte. Nicht leicht wird man einen frohern, heiterern und ermmr' ternden Gesellschafter finden, als Maurer es gewesen war. Wo er hin kam, brachte er Leben und Fröhlichkeit mit sich. Durch die passendsten Einfälle und wizigstcn Bemerkungen unterhielt er einen, aus noch g, ungleichartigen Gliedern bestehenden Cirkcl. Ohne Müh' accommandirte er sich nach jedem, und Niemand verstund vielleicht bessrr als er, die nicht gewöhnliche Kunst: Mlk- cere ^lci. Ohn alle arrogante Anmaffung beneidete er Niemand im Ernst um seine Vorzüz- )( s lich» lichkeiten, und künstelte keinen Augenblik daran, die scmigen in das vorthcilhaftestc Licht zu stellen-.' So ließ er auch gern jedem seine Privatmeinung, drang die ftinigen Niemand auf, wollte aber eben so wenig stch etwas aufdringen lassen , wovon ev sich nicht zu überzeugen wußte. Er war ein ächter Protestant, der die Freiheit der Untersuchung und des Urtheils männlich behauptete. Als Vater und Vorsteher einer zahlreiche» Familie — er hinterläßt 8 Kinder, und das ytt reift noch unter mütterlicher Brust dem Erden- leben entgegen—mußte der Selige nothwendig auch manche häusliche Sorge fühlen : dieses trug er aber stille, und erfüllte Gattcn-und Vaterpffichl mit lobeuswürdiger Gewissenhaftigkeit. Unk wenn ich — dies hab' ich ihn mehr als einmal sagen gehört — und wenn ich noch so viele Kinder habe, so ste mir an Geist und Körper unverkrüpp. let sind, das übrige wird sich schon geben: ich traue der Vorsehung. Uebcrhaupt darf man sagen : so wenig Maurer Religiosität, zur Schau getragen; so hatte er doch warme Rcligionsgc, fühle, und er hielt sich genau an die Anweisung seines grossen Meisters: Gott im Geist und in der Wahrheit zu verehren. Bet so entschiedenen Vorzügen des Geistes und des Herzens, wer hätte nicht dem Mann das höchste Lebensziel gcgönned von dessen Gcmcmsinn rastlosem Forschen nach Wahrheit und nnzlichce Thätigkeit sich noch manche schöne,' und immer rciffere Früchte hätten erwarten lassen. Allein im Buch des Schiksals stund es anders geschrieben. Wohl eher schon hatten Maurers Freunde seiner Gesundheit und seines Lebens halber geheime Besorgnisse. Seine bisweilen verdächtige Gesichtsfarbe / verbunden mit einem auch nicht das Beste verkündigendem Hüstgcn , liessen bcinahcm wenigstens auf einen zweideutigen innern Zustand Schliessen. Indessen seine fast ununterbrochne Heiterkeit und Frohsinn machten / daß man jene Zweifel leicht wicderfahren ließ / und lieber den Mann fstr gesünder hielt / den man gern nie trank scschen hätte. Diese seit einiger Zeit Plaz genommene Sicherheit wurde aber plözlich auf die bestürzcnkstr Weise unterbrochen, als ncmlich der Selige, der an vergangenen Ostertag. noch in der Münster« k'rch dtt Abendpredigt ohne einige Hinderniß ge. ^llcn, lmd zwar wie viele es versichern, mit sonst ungewöhnlich starker Slnnm und Ausdruk, Tags darauf van einem ungewöhnlichen und st hatten Zufall ergriffen wurde, der/ da er sich in kurzem;um zweitenmal erneuerte / schon feinet« wegen die gerechteste Furcht crw-kcn mußte. Zwar bot einer unsrer ersten und erfahrensten Aerzten seiner ganzen bekannten Heilwissenschaftauf / um der, zu reiten, den er gewiß selbst fchäztc und werth hielte. Wirklich schien auch ein gluklichcr Erfolg, diese sorgfältigsten Bemühungen krönen zu wol' len. DieHofnung, auf die der arme Sterble« che sich so gerne stüzct, die Hoffnung den, den znan so herzlich liebte, kür einmal wieder gerettet zu sehen, bemächtigte sich schon nach und nach , des bangen Herzens, thcilnchmender Freunde. Viele von diesen, auch ich mit ihnen , nahctcn sich, wenn schon halb zitternd, doch nicht völlig verzagt, dem Krankenlager des Lieben und Gu« ten. Wir sahen ihn da, freilich sehr geschwächt und mit blassem Angesicht; doch behielt er noch immer seine gewohnte heitere Miene und sein freundliches Lächeln. Brüderlich bot er jedem die Hand—ach es war sein lczrer Händcdruk in der sterblichen Hülle — und schmeichelte sich und ,,ns mit der gewünschtesten Aussicht, bald wie« der in unsrer Mitte zn seyn. Aber wie schnell da, httjiehrndes schwarzes Gewölle, die glänzendstes stcn Sonnenstrahlen verdunkelt und den Tag in Mitternacht verwandlet; so verdunkelten sich auch Mit einmal unsre gefaßten freudigern Hofmuigen, Wiederholte Ausäste stürmten mit unwiederstehll, chcr Gewalt auf dasLcbrn unscrsGeliebten.Er lag unter, und entschlief frühe am 6. Man in den Armen eines seiner trautesten Freunden und Schulwegen dessen betäubender Schmerz sich vermuthlich so bald noch nicht bei ihm verlieren wird. Das Lcichbcgängniß des Seligen wurde den 8. Dw) gehalten, unter drin zahlreichsten Geleit w Bürgern stus asten Classen. Ihm floß man- che liste Thräne nach. Kinder weinten um ihren Vat«v, Schüler um ihren Lehrer, Freunde um ihren freund, und ledcr Gutgesinnte um den Redlichen j,n Lande. So erhielt Maurer, der im Leben von vielen verkannt war, im Tode die vollkommenste und eine unvergleichliche Genugthuung. Und nun Friede sey mit deiner Asche Edler, Unvergeßlicher! Empfange aus der Hand der ancinwir Menschen recht und unparteilich würdiget, die Vergeltung derer, die da richtig vor sich gcivandlcl haben. Dein die Wahr, heil brünstig liebender Geist, erwärme sich je;t ün dem Licht, das nicht mehr täuschet, VZ Wehe und Nebel zerstreuet, das so rein ist, wt der, von welchem es ausgehet; Dein Andenke,t ruhe unter uns im Segen ! Auf deiner traurcn den Gattin und verwalteten Kindern, aber ruh, der Schuz und die Fürsorge des einigen und iten Vaters, bis sie und wir dich wieder sehen.