c ^ > - < . -7,' f/v -/' ^ //' // °/5. /-! //,. i // l -. / LL. LS. 7/' ^ /< - -/e ^ F L/ 7 //^ < ,1^. , . o -/ / ^ /) / <-> > ^ / <»/^ ^ ^, 7 /> ,/ . /?/^ / ^> . / , -//// > ^ --/ /r- ' L> /"V / , ) '>,/,.- /// ^ ---- >/'- 5 ^ Gcllcrts geistliche Oden und Lieder, mit einer gemeinfaßlichen Erklärung, worin der Sinn eines jeden Verses, wo möglich mit Worten der heiligen Schrift, dem christlichen Leser dargelegt wird. E i n Gebet- und Erbauungsbuch für christliche Haushaltungen und die reifere Jugend, für jeden der Anleitung bedarf i» erneuertem Nachdenken über das, was er als Kind gelernt hat. Herausgegeben durch Samuel Ziegler, Pfarrer im Gsteig bey Jntcrlacken. Bern, bey C. A. Jenni, Buchhändler. 18 2 9 . » << Nachricht von Geliert. §hristian Fürchtegott Gellert wurde zu Haynichen in Sachsen geborenden^. Heumonat 1715. Er war ein berühmter Lehrer der Wissenschaften auf -er Hochschule zu Leipzig, wo er den 13. Christmonat 1769 starb. Gellert hatte das Glück, durch seine rechtschaffenen Eltern, von früher Jugend an, zu einer wahren und herzlichen Hochachtung für die Religion geführet zu werden. Er empfand auch, zu allen Zeiten seines Lebens, ihre wohlthätige Kraft. Sein Eifer in der Abwartung des öffentlichen Gottesdienstes war außerordentlich groß, und er blieb sich hierin bis ans Ende seines Lebens immer gleich. Er besuchte die Kirche so regelmäßig und unausgesetzt, daß ihn, seines schwächlichen Körpers ungeachtet, keine noch so rauhe Witterung davon abhielt. So wichtig ihm -er öffentliche Unterricht in der Religion war, mit eben so ernstlicher Andacht nahm er an der Feyer des Abendmahls Theil, und immer erhöhete seine ungeheuchelte Andacht die Andacht aller derer, die mit ihm das heilige Mahl genossen. Eben so eifrig und gewissenhaft war er auch in seinen häuslichen Andachtsübungen, besonders im Gebete, weil er von dem Segen desselben für Frömmigkeit und Tugend die hohen Begriffe hatte, welche wahre Verehrer Gottes zu allen Zeiten davon gehabt haben. Gellert wurde-er Licblingsdichter -er Deutschen. Seine geistlichen Oden und Lieder fanden Beyfall unter Leuten aus allen Ständen. Man gab sie den Kindern zum Unterricht; fle gefielen den Gelehrten, und man weiß überall einen Theil derselben aus« wendig. Sie sind mit ungemeiner Leichtigkeit und mit der natürlichsten Anmuth geschrieben. Alles ist darin aus der Fülle -es gottseligen Herzens geschöpft. Die Bilder sind der Religion würdig / und der Ausdruck fließt nur aus der innern Empfindung. Gellerts Lieder sind die Veranlaßung gewesen/ daß man an die Verbesserung der alten geistlichen Gesänge/ und an die Abfassung von neuen gedacht hat. Bald kamen neben diesem Dichter andere, deren Ruhm sich eben ^so wenig verlieren wird. Geliert legte vor seinen Zuhörern folgendes rührende Geständniß öffentlich von sich ab: Ich habe 50 Jahre gelebt, und mancherley Freuden des Lebens genossen. Keine sind dauerhafter, unschuldiger für mich gewesen, als die mein Herz, von den sanften Fesseln -er Religion eingeschränkt, nach ihrem Rathe gesucht und genossen hat; dieses bezeuge ich auf mein Gewissen. Ich habe 50 Jahre gelebt, und mannigfaltige Mühseligkeiten des Lebens erduldet, und nirgends mehr Licht in Finsternissen, mehr Trost und Muth in den Leiden gefunden, als bey der Quelle der Religion; dieses bezeuge ich auf mein Gewissen. Ich habe 50 Jahre gelebt, und bin mehr als einmal an den Pforten des Todes gewesen, und habe erfahren, daß nichts als die göttliche Kraft der Religion die Schrecken des Todes besiegen hilft; daß nichts als der heilige Glaube an unsern Erlöser, den bangen Geist bey dem entscheidenden Schritt in die Ewigkeit stärken, und das Gewissen, das uns anklagt, stillen kann; dieses bezeuge ich, als vor Gott. An die christliche Leser dieses Buches. Aie Lieder Gellerts erscheinen hier zum ersten Male mit einer erklärenden Umschreibung, um einen Schatz christlicher Weisheit, der bereits in so vieler Tausenden Mund und Gedächtniß ist, dem denkenden Verstand und fühlenden Herzen zum ungehinderten Genuß vollends auszuschließen. Dieses Buch soll, als ein christliches Hand - und Hausbuch, dem heilsbegierigen Leser, der bey der Uebung der Andacht einen Führer sucht, Gott aus seinen Werken, und aus seiner Offenbarung in Christo recht erkennen, sein Gemüth zu Gott erheben, recht beten und danken, sich selbst prüfen, seine Sünden erkennen und bereuen, die Versuchung bekämpfen, deGHerz reinigen, den Weg Gottes gehen, sich rein bewahren, Gott durch Geduld verehren, glauben, lieben und hoffen, und endlich sich christlich zum Sterben anschicken lehren. Wer die Heiterkeit des Morgens, oder wenigstens den Sonntag und die christlichen Feste, der Schrift zu weihen das Bedürfniß fühlt, soll hier ihren Geist und Kern finden. Möge denn dieses Buch denen, die ein thätiges Christenthum und eine heitere Frömmigkeit lieben, nützlich werden, den Verstand unterrichten und nähren, das Herz bilden und erwärmen. Möge es, vermittelst des Segens, den Gott darauf legen wolle, den Leser alles, was erhaben und rührend in der Religion ist, fühlen lassen; das Heilige des Glaubens, das Göttliche der Liebe, das Heldenmüthige der Selbstverleugnung, das Große der Demuth, das Liebenswürdige der Dankbarkeit, das Edle des Gehorsams gegen Gott und unsern Erlöser/ das Glück eine unsterbliche/ zur Tugend und zum ewigen Leben erschaffne und erlöste Seele zu haben. Möge es ihn die Schändlichkeit des Lasters'/ das Thierische der Lüste und Sinnlichkeit/ das Niederträchtige des Geizes/ das Kleine der Eitelkeit/ das Schreckliche der Wollust/ mit einem Worte/ die Reizungen der Tugend und die Häßlichkeit des Lasters empfinden lassen; der Tugend/ wck ste von Gott geliebt/ befohlen/ zu unserm Glücke befohlen wird; des Lasters/ wie es vor Gott ein Aufruhr/ für uns Schande/ zeitliches Elend/ ewige Pein ist. Wirkungen dieser Art waren schon seit mehr als sechszig Jahren die köstliche Frucht der Gesänge Gellerts. Es stehet zu hoffen/ daß auch die getreue Darlegung des biblischen Geistes/ der in diesen Liedern wehet/ die starken Sprüche/ das heilige Gottes Wort/ aus dem der Dichter schöpfte/ dem Liede eine feyerliche ehrwürdige Gestalt geben/ die Wahrheiten/ Lehre»/ Verheißungen/ Drohungen der Religion in das Gedächtniß zurückrufen/ und die Vorstellung davon lebhaft erneuern werden. Wo man in Schulen von diesem Buche Gebrauch machen kann und will/ sollte das Singen der Lie« derverse mit dem Lesen der Erklärung abwechseln. Vieles wird durch den Gesang eindringender und sanfter/ und oft giebt die Melodie erst dem Liede seine ganze Kraft. I. Bitten. Gott ist unendlich gütig gegen alle Geschöpft und gegen mich. Ich darf, ich will zu ihm heten. Ich möchte lerne»/ so zu veten/ daß ich Gott gefalle, und von ihm erhört werde. Ich will Gott um Alles, was er uns in seinem Wort befohlen hat, von Herzen anrufen. Ich will mit einem genügsamen, frommen, demüthigen, gottergebenen Herzen beten. Ich will Gott, wie der weife Jüngling Sa- lomo, mehr um das bitten, was zum Heil der Seele dienet, als um irdische Güter. 1. Gott, deine Güte reicht so weit, So weit die Wolken gehen; Du krönst uns mit Barmherzigkeit, Und eilst uns bcyzustehen. Herr, meine Burg, mein Fels, mein Hort, Vernimm mein Flehn, merk auf mein Wort, Denn ich will vor dir beten. Das ist die Freudigkeit, die wir zu Gott haben, daß so wir etwas bitten, nach feinem Willen, so höret er uns. 1 Joh. Z, Ich will dir danken, Herr, unter den Völkern, ich will dir lobßngen unter den Leuten, denn deine Gnade reichet so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen. Psalm 108, L 6 . Lobe den Herrn, 1 2 meine Seele, und alles, was in mir ist, seinen heiligen Namen, der dein Leben vom Verderben erlöset, der dich krönet mit Gnade und Barmher. zigkeit. Ps. 103, 1. Ich harre, Herr, auf dich, du, Herr, mein Gott wirst mich erhören. Verlaß mich nicht, Herr, mein Gott, sey nicht ferne von mir. Eile, mir beyzustehen, Herr, meine Hüls». Ps. 38, 16 . 22 . 23. Herzlich lieb habe ich dich, Herr, meine Stärke, Herr, mein Fels, meine Burg, mein Erretter, mein Gott, mein Hort, auf den ich traue. Ps. 18, 2. 3. Herr, höre meine Worte, merke auf meine Rede, mein König, und mein Gott, denn ich will vor dir beten. Ps. 5, 2. 3. 2. Ich bitte nicht um Uebcrflnß . Und Schätze dieser Erden. Laß mir, so viel ich haben muß. Nach deiner Gnade werden. Hieb mir nur Weisheit und Verstand, Dich, Gott, und den, den du gesandt, Und mich selbst zu erkennen. Ich bitte nicht um Reichthum, denn Niemand lebt davon, daß er viele Güter hat. Luk. 12, 15. Ich bitte nicht um Reichthum, denn wir haben nichts in die Welt gebracht, darum offenbar ist, wir werden auch nichts Hinausbringen. Wenn wir Nahrung und Kleider haben, so lasset uns begnügen, l Tim. 6, 7. 8. Ich bitte mit dem weisen Azur: Armuth und Reichthum gieb mir nicht; laß mich aber mein beschie- denes Theil Speise dahin nehmen. Sprüchw. 30, 8. Ich bitte: laß mich ferner mein Brod durch Arbeit haben. Gieb mir ferner Kraft und Glück zur Uebung z meiner Pflicht. Wenn mir der Herr erschiene im Traume des Nachts und spräche: bitte, was ich dir geben soll, so würde ich, wie Salomo zu Gibeon bitten um ein gehorsames Herz, daß ich verstehen möge, was gut und böse ist. i Kön. 3, 5. 9. Wem es an Weisheit fehlt, der bitte sie von Gott, welcher allen gerne giebt, und den Bittenden nicht abweiset, fie wird ihm gegeben werden. Jakob i, 5. Leite mich in deiner Wahrheit, und lehre mich. Ps. 2S, 5. Denn das ist das ewige Leben, daß wir dich, daß du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesum Christum, erkennen. Ioh. 17, 3. Lehre ' mich Selbsterkenntniß, denn wenn einer auch alles weiß, aber unbekannt sich selbst bleibt, so kann er nicht für sein Bestes sorgen. 3. Ich bitte nicht um Ehr und Ruhm, So sehr sie Menschen rühren; Des guten RamcnS Eigenthum Laß mich nur nicht verlieren. Mein wahrer Ruhm sey meine Pflicht, Der Ruhm vor deinem Angesicht, Und frommer Freunde Liebe. Die gute Meinung, die Andre von mir fassen, soll mir eine Ermunterung zum Rcehtthun seyn. Was lobenswürdig ist, dem will ich nachstreben. Phil. 8. Aber ich will nicht eitler Ehre geizig seyn, ich will nicht Andre darum beneiden. Gal. 5, 26 . In Demuth will ich den Andern höher achten, denn mich selbst. Phil. 2, 3. Ich sehe zu, daß ich einen guten Namen behalte, der bleibt gewisser, denn tausend große Schätze Goldes. Ein Leben, so gut es auch 4 sey, währet eine kleine Zeit, aber ein guter Name bleibt ewiglich. Sir. ^ 1 , 15 . 16 . Lieber wollte ich sterben, als daß mir Jemand meinen Ruhm ver- Nichten sollte, i Kor. 9 , 15 . Das ist mein Ruhm, das Zeugniß meines Gewissens, daß ich in Gott wohlgefälliger Aufrichtigkeit und Rechtschaffenheit gewandelt habe. 2 Kor. 1 , 12 . Gott, und mein eigen Herz find mir immer die liebsten Zeugen. Siehe da, mein Zeuge ist im Himmel, und der mich kennet in der Höhe. Hiob 16, 19. Dieß kann mich beruhigen, wenn ich verleumdet werde, wenn mich die Menschen mißkennen. Die Freundschaft eines Weifen ist mir mehr werth, als die Bekanntschaft mit vielen Unweisen. Die Freundschaft eines Tugendhaften vergütet mir die Gleichgültigkeit vieler Lasterhaften. Wenn mich die Guten liebgewinnen, so lehren sie mich Gutes. H. So bitt ich dich, Herr Zebaolh, Auch nicht um lttUgcö Leben. IM Glücke Demuth, Muth in Noth, DaS wollest du mir geben. In deiner Hand steht meine Zeit; Laß du mich nur Barmherzigkeit Vor dir im Tode finden. Sollte Gott die Bitte mißfallen: Mein Gott, nimm mich nicht weg in der Hälfte meiner Tage. Ps. 102 , 25 . Ich konnte bey längerm Leben auf Erden noch durch Arbeit nützen. Phil. 1, 22. Ich habe mir vorgenommen, was ich noch lebe auf Erden, zu leben im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt, und sich selbst für mich hingegeben hat. Gal. 2 , 20 . Ich möchte noch viel auf den Geist säen, um von dem Geiste ewiges Leben zu ernten. Gal. 6, 8. Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Röm. 8. Es kommt nicht darauf an, wie lange, sondern wie gut ein Mensch gelebt habe. Laß mir die Prüfungen dieses Lebens heilsam werden. Verleihe mir Demuth in den Tagen des Glückes, damit eS mir nicht zum Fallstricke werde. Schenke mir Muth in Gefahr und Noth, denn ein starkes Herz steht in der Gefahr noch feste. Ich, Herr, hoffe auf dich, und spreche: Du bist mein Gott; meine Zeit steht in -einen Handen. Ps. 31, 16. 16. Alle meine Tage, die noch werden sollen, sind auf dein Buch geschrieben. Ps. 139, 16. Erlöse mich von allem Uebel, und hilf mir aus zu deinem himm- lischen Reiche. 2 Tim. 18. Erhalte mich, Gott, in der Liebe zu dir, und schenke mir durch-le Barmherzigkeit unsers Herrn Jesu Christi das ewige Leben. Jud. V. 21. II. Das Gebet. Ermunterung zum Beten und Anleitung dazu. 1. Dein Heil, o Christ, nicht zu vcrscherzen, Sey wach und nüchtern zum Gebet. Ei» Flehn aus reinem gutem Herzen Hat Gott, dein Vater, nie verschmäht. Erschein vor seinem Angeflehte Mit Dank, mit Demuth, oft und gern. Und prüfe dich ui seinem Lichte, Und klage deine Noth dem Herrn. 6 Gemüths Verfassung des Betenden. Willst du die Seligkeit nicht durch Leichtsinn verlieren/ so vergiß deines Gottes nicht/ und unterlaß nicht täglich zu beten. Willst du aber recht beten, so bete nicht schläfrig, sondern munter, mit offenen Sinnen. Beschwere dich vor dem Gebete nicht mit Speise und Trank. Gott hat ein Gebet mit kindlichem Sinne, in Unschuld und mit Aufrichtigkeit verrichtet, noch nie verächtlich abgewiesen. Tritt im Geiste vor den, der unsichtbar und doch gegenwärtig ist. Erinnere dich seiner Wohlthaten. Denke an seine Hoheit und deine Niedrigkeit. Bete mit freudiger Zuversicht. Untersuche dein Thun und Lassen nach den Vorschriften seines Wortes. Empfindest du Traurigkeit, so klage ihm, was dich drückt. 2. Welch Glück, so hoch geehrt zu werden, Und im Geber vor Gott zu stehn! Der Herr des Himmels und der Erden, Bedarf der eines Menschen Flehn? Sagt Gott nicht, bittet, daß ihr nehmet? Ist des Gebetes Frucht nicht dein? Wer sich der Pflicht zu beten schämet, Der schämt sich, Gottes Freund zu seyn. Beten gereicht uns zur Ehre. Daß wir vor den Thron Gottes treten, daß wir mit ihm vertraulich reden dürfen, ist das größte Glück für uns, ist die größte Ehre für uns. Gott bedarf unser nicht, aber wir bedürfen seiner. Seiner wird nicht von Menschenhänden gepfleget, als der jemandes bedürfte, so er selbst jedermann Leben und Odem allenthalben giebt. Apost. 17,25. Das rechte Gebet 7 bringt dem Beter den größten Vortheil. Es heißt ja: Bittet, so wird euch gegeben. Matth. 7, 7. Die Erhörung ist dem redlichen Beter deutlich verheißen: Wann du wirst rufen, so wird dir der Herr antworten; wann du wirst schreyen, so wird er sagen: Siehe, hier bin ich. Jes. 58, 9. Die das Gebet geringe schätzen, kennen es nicht. Man kann sich so schämen, daß man Sünde daran thut. Sir. 25. Es ist falsche, sündliche, thörichte Scham, sich des Gebetes schämen, denn beten heißt . vertraulich mit Gott reden, Gottes Freund seyn. 3. Sein Glück von seinem Gott begehren, Ist dieß denn eine schwere Pflicht? Und seine Wünsche Gott erklären, Erbebt dieß unsre Seele nicht! Sich in der Furcht deS Höchsten stärken, In dem Pertrau'n, daß Gott uns liebt, Im Fleiß zu allen guten Werken, Ist diese Pflicht für dich betrübt? Beten ist leicht und angenehm. Beten .st nicht ein mühsames beschwerliches Geschäft. Beten ist so viel als seine Gedanken auf Gott richten, ihn als die Quelle alles Guten um Segen und Gnade anrufen. Beten soll dir nicht verdrießlich seyn. Es heißt sich in kindlicher Gottesfurcht stärken, und alles Gute von Gott erwarten lernen. Das Gebet ist das beste Mittel in der Weisheit und Tugend zu wachsen. Das Gebet erwärmt gleich der Sonne den guten Saamen in unsern Herzen. 4. Bet oft in Einfalt deiner Seelen; Gott sieht aufö Herz, Gott ist ein Geist. 8 '! i Wie können dir die Worte fehlen, Wofern dein Her; dich beten heifit? Nicht Töne sindö, die Gott gefallen, Nicht Worte, die die Kunst gebeut. Gott ist kein Mensch. Ein gläubig Lallen DaS ist vor ihm Beredsamkeit. Bete mit kindlicher Einfalt. Bete ohne Kunst/ nicht mit gesuchten Worten/ nur so wie ein Kind mit seinem Vater spricht. Gott steht auf deine Gesinnung/ ob dein Herz ihn verehrt und liebt. Ein Mensch siehet/ was vor Augen ist/ der Herr aber siehet das Herz an. 1 Sam. 16, 7. Wenn dich dein Herz zum Beten dringet/ so werden sich dir schon die rechten Worte darbieten. Weß das Herz voll ist, deß gehet der Mund über. Matth. 12,3^. Nicht der Schall der Worte ist Gott angenehm, noch die Stellung der Worte, wie es die Redekunst vorschreibt. Wenn ein Kind seine Gedanken mangelhaft ausdrückt, so gilt es vor Gott so viel als die Gcschicklichkeit des Predigers oder Schriftstellers. Dich lobet froh der Mund der jungen Kinder. Ps. 8,3. 5. Wer daö, was uns zum Frieden dienet, Im Glauben sucht, der ehret Gott. Wer das zu bitten sich erkühnet, WaS er nicht wünscht, entehret Gott. Wer täglich Gott die Treue schwöret, Und dann vergißt, was er beschwur. Und klagt, daß Gott ihn nicht erhöret, Der spottet seines Schöpfers nur. Bete aufrichtig. Wer nach dem trachtet, was uns zum Heil gereicht, weil er dem glaubt, was Gott verheißt, der erweiset Gott Ehre. Wer 9 sich erfrechet um das zu bitte», was er nicht schätzt und nicht begehrt, der spottet Gottes. Wer Gott Gehorsam gelobet, aber sein Gelübd nicht im Andenken behält, und nicht erfüllt, versündiget sich an Gott, er lästert Gott. Wie kann er verlangen, daß ihn Gott erhöre, da er nicht nach Gott fragt. Was du gelobest, das halte. Es ist besser, du gelobest nichts, als daß du nicht hältst, was du gelobest. Pred. S, 6. Bet oft zu Gott, und schmeck in Freuden, Wie freundlich er, dein Vater, ist. Bet oft zu Gott, und fühl im Leiden, Wie göttlich er das Leid versüßt. Bet oft, wenn dich Versuchung quälet; Gott hortS, Gott ists, der Hülfe schafft. Bet oft, wenn innrer Trost dir fehlet; Er giebt den Müden Stärk' und Kraft. Bete unter allerley Umständen. Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist; wohl dem, der auf ihn trauet. Ps. 3^, 9. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, denn seine Güte währet ewiglich. Ps. 136, 1. In der Angst rief ich den Herrn an, und der Herr erhörete mich, und tröstete mich. Ps. 118, 5. Jede Trübsal, jeder Berlurst, jede Widerwärtigkeit weiß uns der Herr. zu erleichtern. Bete bey dem Reiz zur Sünde. Gott ist getreu, der uns nicht läßt versucht werden über unser Vermögen, sondern macht, daß die Prüfung so ein Ende gewinne, daß wir es können ertragen. 1 Kor. 10,13. Bete, wenn es dir an Freudigkeit des Gemüthes fehlet. Die auf den Herrn harren, kriegen neue 10 Kraft, daß sie laufen, und nicht matt werden, daß sie wandeln, und nicht müde werden. Jes. ^o, 31: 7. Bct oft, und heiter im Gemüthe, Schau dich an seinen Wundern satt. Schau auf den Ernst/ schau auf die Güte, Mit der er dich geleitet hat. Hier irrtest du in- deiner Jugend, Im Alter dort. Er trug Geduld, Rief dich durch Glück und Kreuz zur Tugend; Erkenn und fühle seine Huld. Erfahrungen eines frommen Beters. Wenn dein Gemüth heiter und von keinem Kummer getrübt ist, so betrachte mit Freude die Werke und Anstalten Gottes. Herr, deine Welt erfüllet mich mit Freude. Ich preise laut, was du gemacht. Wie groß sind deine Werke, Herr; wie tief die göttlichen Gedanken. Die Unvernunft steht das nicht ein; der Unbesonnene versteht es nicht. Pf. 92, S. 6.7. Sieh zurück auf deinen bisherigen Lebenslauf. Siel- auf die Strenge, steh auf die Schonung, mit der dich Gott regieret hat. Schaue die Güte und den Ernst Gottes. Röm. 11, 22. Ich irrte oft ab von der rechten Bahn, von dem Wege Gottes, schon als Kind, und in reifern Jahren. Gott verschonte mir mit der verdienten Strafe, er bewies mir Lang- muth und Nachsicht. Sowohl durch Wohlfahrt als durch Leiden ladete er mich zur Tugend ein. Ich erkenne die Güte Gottes in allen seinen Führungen. 8. Bet oft, und schau mit sel'gen Blickcn Hin in des Ewigen Kezelt, Und schmeck in gläubigem Entzücken Die Kräfte der zukünft'gen Welt. 11 Ein Glück von Millionen Jahren, Welch Glück. Doch istS von jenem Glück DaS dem der Herr wird offenbaren, Der ihm hier dient, kein Augenblick. Aussichten in die Ewigkeit. Siehe mit zuversichtlicher und freudiger Erwartung empor zu dem blauen gestirnten Himmel. Du kannst schon hienieden einen Vorgeschmack der ewigen Freude, und innige Freude über die Güter empfinden, die unser warten in einem Leben nach dem Tode. Herr, du breitest den Himmel aus wie einen Teppich. Ps. 10 ^, 2. Hebet eure Augen in die Höhe und sehet! Wer hat dieß alles geschaffen? Wer führet das große Sternenheer an dem Himmel hervor? Jes. ^o, 26. Wir sind im Himmel zu Hause. Phil. 3, 20 . Der Geist muß wieder zu Gott, der ihn gegeben hat. Pred. 12 , 7. Wir sind hier Fremdlinge und Pilger. 1 Pet. 2 , li. In unsers Vaters Hause sind viele Wohnungen. Jesus ist hingegangen, um uns dort einen Platz zu bereiten. Joh. 1 ^, 2 . 3. Herr, du thust mir kund den Weg zum Leben; vor dir ist Freude die Fülle, und liebliches Wesen zu deiner Rechten ewiglich. Ps. 16, 11. Unser ist eine ewige, über alle Maße wichtige Herrlichkeit. 2Kor. 13. Bey dem Herrn ist ein Tag wie tausend Jahre, und tausend Jahre wie ein Tag. 2 Pet. 3, 8. 9. Bet oft; durchschau mit heil'gcm Muthe Die herzliche Barmherzigkeit Deß, der mit seinem theuern Blute Die Welt, der Sünder Welt befrcyt. Nie wirst du dieses Werk ergründen; 12 Nein/ cS ist eines Gottes That. Erfreu dich ihrer/ rein von Sünde»/ Und ehr im Glaube» Gottes Rath. Das Werk der Erlösung. Betrachte mit anhaltender Aufmerksamkeit/ mit frohem Gemüthe und ohne Furcht / wie Jesus Christus unser sündiges Geschlecht mit seinem kostbaren Blute erlöset habe. Niemand hat größere Liebe, denn die, daß er sein Leben lässet für seine Freunde. Ioh. 16 , 13. Nie wirst du das Werk, das Jesus vollbracht hat, ganz einsehen. Gott versöhnet! in Christo die Welt mit sich. 2 Kor. 5,19. Der blutige Tod Jesu,Christi, reiniget uns von allen Sünden. 1 Ioh. i, 7. Die Freundlichkeit und Leutseligkeit Gottes unsers Heilandes ist erschienen, und macht uns selig nach seiner Barmherzigkeit. Tit. 3, 10. Bet oft; entdeck am stillen Orte Gott ohne Zagen deinen Schmerz. Er schließt vom Herzen auf die Worte, Nicht von den Worten auf das Herz. Nicht dein gebognes Knie, nicht Thränen, Nicht Worte, Seufzer, Psalm nnd Ton, Nicht dein Gelübd rührt Gott; dein Sehnen. Dein Glaub' an ihn und seinen Sohn. Der Beter in der Einsamkeit. Wenn du betest, so gehe in deine Kammer, schließe die Thüre zu, und bete zu deinem Vater im Verborgenen. Matth. 6, 6. Offenbare Gott, ohne knechtische Furcht, was dich bekümmert. Er beurtheilet die Worte nach dem Herzen. Ich weiß, mein Gott, daß du das Herz prüfest, und Aufrichtigkeit ist dir 1Z angenehm, i Chronik 30,17. Nicht die Gebehrde der Ehrfurcht und Demuth / nicht der Laut der stillen Betrübniß/ nicht das fcyerliche Versprechen/ nicht Worte und Lieder aus der Bibel geschöpft/ bewegen Gott zur Erhörung, sondern das aufrichtige Verlangen/ der Glaube. I I. Bet oft; Gott wohnt an jeder Stätte/ In keiner minder oder mehr. Denk nicht: Wenn ich mit vielen bete: So find ich eh bey Gott Gehör. Gott ist kein Mensch. Ist dein Begehren Gerecht und gut: so hört erS gern. JstS nicht gerecht, so gelten Zähren Der ganzen Welt nichts vor dem Herrn. Die Schöpfung ist Gottes Tempel. Gott/ der die Welt gemacht hat/ und alles was darinnen ist/ der Herr des Himmels und der Erde wohnet nicht in Tempeln mit Handen gemacht. Apost. 17/ 2.1. Wenn du wandelst in der freyen Natur/ und vor dir stehest den Berg und das Thal, Den Wald und die Flur, wenn die Sonne alles be- stralet, und dir Gottes herrliche Werke zeiget, so denke: es ist ein weiser, guter Gott, der dieß alles gemacht hat. Bilde dir nicht ein, du werdest eher erhört, wenn du in der Versammlung betest. Ist dein Wunsch erlaubt und tugendhaft, so wird er erhört. Ist er nicht gerecht, so würden die Thränen aller Menschen bey dem Herrn nichts ausrichten. 12. Doch säume nicht, in den Gemeinen Auch öffentlich Gott anzuflehn, Und seinen Namen mit den Seinen, Mit deinen Brudern, zu erhöhn; 14 Dein Herz voll Andacht zu entdecken/ Wie eS dein Mitchrist dir entdeckt/ Und ihn zur Inbrunst zu erwecken/ Wie er zur Inbrunst dich erweckt. Gebet beym öffentlichen Gottesdienste. Lasset uns unverrückt festhalten an dem Bekenntniß unsrer Hoffnung. Lasset uns aufmerksam auf einander seyn / um uns zur Liebe und zu guten Werken zu ermuntern. Nicht versäumen wollen wir unsre Zusammenkünfte/ wie es einige zu thun pflegen/ sondern erwecken wollen wir uns. Hebr.l o, 23.2^. 25. Unterlaß nicht oft in der Kirche zu erscheinen. Bete Gott auch in der Versammlung ait/ wo es Jedermann sehen kann. Bete den besten Vater im Himmel mit seinen Kindern an. Zeige / daß du dein Gemüth aus göttliche Dinge richtest. Vielleicht kannst du deine feurige Empfindung andern mittheilen. Vielleicht wird deine schlummernde Andacht durch das Beyspiel deiner Mitchristen zu neuer Thätigkeit erweckt. Wer Gottes Wort ehret, der thut den rechten Gottesdienst/ und wer es lieb hat/ den hat der Herr auch lieb. Sir. >4/ 1 5. 13 . Bist du ein Herr/ dem andre dienen: So sey ihr Beyspiel/ sey eS stets, Und feyre täglich gern mit ihnen Die sel'ge Stunde des GebetS. Nie schäme dich des Heils der Seelen, Die Gottes Hand dir anvertraut. Kein Knecht des Hauses müsse fehlen; Er ist ein Christ, und werd erbaut. Hausgottesdienst. Der römische Hauptmann Cornelius war gottselig und gottesfürchtig 15 sammt seinem ganzen Hause. Apost. 10, 3. Bist du ein Hausvater oder ein Meister/ dem Dienstboten um den Lohn arbeiten/ j>sey stets ihr Muster und Vorbild im Lernen und Thun des Guten. Versammle sie zum Gebete/ und zum Lesen der heiligen Schrift. Halte die Kinder zur Schule/ und die erwachsenen Hausgenossen zum öffentlichen Gottesdienste an. Frage sie/ was sie aus dem Unterrichte behalten haben. Kein Knecht/ keine Magd solle ausbleiben. Sie sind Christenkinder/ und sollen belehrt/ zum Guten ermuntert werden. Sie sind dir zur Leitung übergeben. Von deinen Handen wird sie der Herr fordern. Wie könnten sie bey der Unerkanntnisi ihre Pflichten recht erfüllen. Gott will/ daß alle Menschen gerettet werden/ und zur Erkenntniß der Wahrheit gelangen. 1 Tim. 2 ,4 14. Bet oft zu Gott für deine Bruder/ Für alle Menschen / als ihr Freund; Denn wir sind eines Leibes Glieder; Ein Glied davon ist auch dein Feind. Bet oft; so wirst du Glauben halten/ Dich prüfen/ und daS Böse scheu«/ An Lieb und Eifer nicht erkalten/ Und gern zum Guten weise seyn. Fürbitte. Nutzen des Gebetes. Bete nicht nur für dich / sondern auch für Andre. Bete für deine Mitchristen / sie sind deine Brüder. Bete für alle Mensche»/ denn wir sind alle unter einander verbünde»/ wie die Glieder eines Körpers. Bete auch für die/ welche dich beleidigen/ wie der sterbende Stephanus/ wie Jesus am Kreuze. Bete oft/ so 16 wirst du treu verbleiben bis ans Ende/ du wirst durch Prüfung zur Selbsterkenntniß gelangen/ du wirst die Sünde fliehen/ du wirst im Guten wachsen, du wirst dich bestreben deine Pflichten zu erfüllen, und die rechten Mittel wählen das Gute zu befördern. III. Allgemeines Gebet um geistliche und leibliche Wohlthaten, christliche Gesinnungen und Vorsätze. 1. Ich komme vor dein Angesicht, Verwirf, o Gott, mein Flehen nicht; Dcrgieb mir alle meine Schuld, Du Gott der Gnaden und Geduld. Ich will beten, und mit Gott reden. Ich will dem Allmächtigen, Allgütigen und allein Weisen meine Wünsche offenbaren. Er wird mich erhören, wenn ich aus dem Herzen bete, wenn ich andächtig und demüthig, bußfertig und gläubig bete. Meine Sund und Schuld ist groß. Ich habe oft aus Leichtsinn gefehlt, oft gar mit Vorsay gesündiget. Ich habe meinen Eltern und Lehrern, meinen Geschwistern und Mitschülern nicht immer bewiesen, was ich sollte. Gedenke nicht der Sünden meiner Iugend und meiner Uebertretung, gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit. Ps. 25, 7. 2. Schaff du ein reines Herz in mir, Ein Herz voll Lieb' und Furcht zu dir, Ein Herz voll Demuth, Preis und Dank, Ein ruhig Herz mein Lcbcnlang. Mein Herz ist rein, wenn es frey ist von aller Unredlichkeit und Falschheit, wenn es weder wollüstige, 17 noch eigennützige/ noch hoffärtige/ noch feindselige Begierden nährt. Mein Herz ist dankbar/ wenn ich bey dem Guten / das ich gcyieße, nicht kalt bleibe/ sondern erkenne/ daß es Gottes Gabe/ und daß der Geber die ewige Liebe sey. Sey mein Beschützer in Gefahr/ Ich harre deiner immerdar. Ist wohl ein Uebel/ das mich schreckt. Wenn deine Rechte mich bedeckt. Mein Leib und meine Seele/ meine Unschuld/ meine Gesundheit/ mein Leben und mein irdisches Gut können in Gefahr gerathen. Gott kann die Gefahr abwenden. Gott kann aus der Gefahr retten. Der Herr ist deine Zuversicht; und der Höchste ist deine Zustuchr. Es wird dir kein Uebels begegne»/ und keine Plage wird zu deiner Hütte sich nahen. Ps. !)l, 9 . 10. 4. Ich bin ja, Herr, in deiner Hand, Von dir cinpfieng ich den Verstand, Erhalt ihn mir, o Herr, mein Hort, Und stärk ihn durch dein göttlich Wort. Alle Geschöpfe sind in der Hand Gottes, und können sich, ohne seinen Willen auch nicht regen noch bewegen. Gottes Hand kann die Gefahr abwenden. Ich will aber auch den Verstand gebrauchen und der Gefahr ausweichen. Gott wird mir den Verstand erhalten, wenn ich ihn recht brauche, wenn ich nüchtern und mäßig lebe, wenn ich mich vor Zorn und heftiger Leidenschaft hüte. Gott wird mir den Verstand stärken, wenn ich ihn nm 18 Licht und Weisheit bitte/ und wenn ich sein Wort, die Bibel fleißig lese, lerne und höre. 5. Laß, deines Namens mich zu freu n, Ihn stets vor meinen Augen seyn. Laß, meines Glaubens mich zn freu'n, Ihn stets durch Liebe thätig seyn. Gott heißt Vater, das ist sein Name. Wenn ich stets treu und gehorsam wandle als sein Kind, so wird er auch treu als Vater an mir handeln. Mein Glaube ist, der Herr Jesus Christus könne vollkommen selig machen Alle, die durch ihn zu Gott kommen. Hebr. 7, 25. Wegen diesem Glauben heiße ich ein Christ. Dieser Glaube muß nicht träge und unfruchtbar, sondern er muß durch die Liebe thätig seyn. 6. DaS ist mein Glück, was du mich lehrst. Das sey mein Glück, daß ich zuerst Räch deinem Reiche tracht', und treu In allen meinen Pflichten sey. Gott hat mir nichts verboten, als was mir schädlich ist, Gott gebietet mir nichts, als was mir nützlich ist. Ich kann nichts Besseres erwählen und thu«, als das, was mein Gott mich lehret. Wenn ich am ersten trachte nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so dient es zu meinem Glück und Heil, und Gott will mir obendrein geben, was ich an zeitlichen Gütern bedarf. Wenn ich tre« bin in allen meinen Pflichten gegen Gott, den Nächsten und mich selbst, so wird Gott meine Treue belohnen. 19 7. Ich bin zu schwach aus eigner Kraft Zum Siege meiner Leidenschaft; Du aber ziehst mit Kraft mich an, Daß ich den Sieg erlangen kann. Eine heftige Gemüthsbewegung heißt Leidenschaft. Es ist schwer und braucht viel Kraft die Leidenschaft zu besiegen. Wir vermögen dieß nicht ohne die Hülfe Gottes. Gott will mich erhalten und stärken durch die Kraft seines heiligen Geistes/ daß ich dem Bösen kann festen Widerstand thun. Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. Phil. 13. 8. Gieb von den Gütern dieser Welt Mir, Herr, so viel, als dir gefällt; Gieb deinem Knecht ein mäßig Theil, Zu seinem Fleiße, Glück und Heil. Wir sollen die Güter dieser Welt schätzen, aber in ihrem Besitz nicht unser ganzes Glück suchen. Wir sollen nicht Armuth wählen, aber auch nicht Reichthum wünschen, wie der Geizige. Ueberstuß und Mangel können für unsre Sitten und für unser Herz leicht gefährlich werden. Wohl dem, der den Herrn fürchtet, und auf seinen Wegen gehet. Du wirst dich nähren deiner Hände Arbeit, wohl dir, du hast es gut. Ps. 128, 1. 2. 9. Schenkt deine Hand mir Ueberstuß; So laß mich mäßig im Genuß, Und dürfr'ge Brüdcr zu erfreu n. Mich einen frohen Geber seyn. Wenn ich genug und Ueberstuß habe, so will ich mich hüten, daß mein Gemüth nicht durch Schwel- 2V gerey, Trunkenheit und irdische Sorgen belastet werde. Luk. 21, 3^4. Die Armen und Dürftigen find meine Bruder. Wir sind nicht mehr nicht minder, sind alle GotteS Kinder. Ich will dem Dürftigen in seiner Noth helfen, nicht mit Unwillen oder aus Zwang, denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. 2 Kor. 9, 7. 10. Gieb mir Gesundheit, und verleih, Daß ich sie nütz und dankbar sey, Und nie aus Liebe gegen sie, Mich zaghaft einer Pflicht entzieh. Glücklicher ist der Arme, der gesund und stark ist, als der Reiche mit dem kranken Körper. Es giebt keinen größer» Reichthum als Gesundheit, und ketye Freude geht über Herzensfreude. Ein frohes Herz ist des Menschen Leben. Sir. 30, 1^,. 16. 22. Ich will meine Natur erforschen, so lange ich lebe, und ihr verweigern, was ihr schädlich ist. Sir. 37,26. Arbeit schadet der Gesundheit nicht, aber ttnmaßig- keit zog vielen den Tod zu. 11. Erwecke mir stets einen Freund, Der'S treu mit meiner Wohlfahrt meint, Mit mir in deiner Furcht sich übt, Mir Rath und Trost und Beyspiel giebt. Wer schlecht denkt, sey von mir entfernt. Kein Freundschaftsband soll ihn mit mir verknüpfen. Ps. 101, 4 Es tadle mich der Redliche, mit Liebe thut ers. Ps. t-41, S. Wer einen treuen Freund gefunden hat, hat einen großen Schatz. Der Fromme lenkt die Freundschaft so, daß wie er, auch sein Freund gegen Gott denke. Sir. 6, 17. ri ir. Bestimmst du mir ein längreS Ziel/ Und werden meiner Tage viel/ So laß / Gott meine Zuversicht/ Verlaß mich auch im Aller nicht. Ich geh einher in der Kraft des Herrn ; ich preise deine Gerechtigkeit allein. Gott/ du hast mich von Jugend auf gelehrt/ darum verkündige ich deine Wunder. Auch verlaß mich nicht, Gott, im Alter, wenn ich grau werde, bis ich deinen Arm verkündige Kindeskindern, und deine Kraft allen, die noch kommen sollen. Ps. 71, 16. 17. 18. 13. Und wird sich einst mein Ende nah'n, So nimm dich meiner herzlich an, Und sey durch Christum, deinen Sohn, Mein Schirm, mein Schild, und großer Lohn. Ob ich schon wanderte im finstern Thal, fürchte ich kein Unglück, denn du Herr, mein Hirt, bist bey mir. Ps. 23, Herr, wer wird wohnen in deiner Hütte? Der unschuldige Hände hat und reines Herzens ist. Ps. 15. Mein Herz ist vergnügt, der beßre Theil von mir voll Freude. Du giebst deinen Frommen nicht dem Untergänge Preis. Du zeigest mir den Weg ins Leben. Der Freuden Fülle ist bey dir. In deiner Rechten ew'ge Wonne. Ps. 1b, 9. 10. 11. IV. Morgen gelang. Der Christ vor seinem Gott. 1. Mein erst Gefühl sey Preis und Dank; Erheb ihn meine Seele. Der Herr hört deinen Lobgesang; Lobsivg ihm meine Seele. 22 Im Schlafe waren meine Sinnen verschlossen. Beym Erwachen haben sie sich wieder geöffnet. Ich sehe der Meinen Angesicht.. Ich höre ihren Ruf. Ich bin und lebe noch. Mein erstes Gefühl, mein erster Gedanke sey: Wie gut ist Gott, wie gut? Gott, du bist mein Gott, frühe wache ich zu dir; eS dürstet meine Seele nach dir. Deine Güte ist besser denn Leben. Meine Lippen preisen dich. Ich will dich gerne loben mein Lebenlanq, und meine Hände in deinem Namen aufheben. Ps. 63, 2. S. 2. Mich selbst zu schuhen ohne Macht, Lag ich und schlief im Frieden. Wer schafft die Sicherheit der Nacht Und Ruhe für die Müden. Ich liege, und schlafe, und erwache; denn der Herr halt mich. Ps. 3, 6. Ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, Herr, hilfst mir, daß ich sicher wohne. Ps. -i, Siehe, Gott ist mein Heil, ich bin sicher, und fürchte mich nicht; denn Gott der Herr ist meine Stärke. Ies. 12, 2. Wie köstlich, Gott, ist deine Güte. Du deckest die Menschen mit dem Schirm deiner Flügel. Die Ur. quell des Lebens ist bey dir, und deine Huld ist unser Glück. Ps. 36, 8. 10. 3. Wer wacht, wenn ich von mir nichts weiß, Mein Leben zu bewahren; Der stärkt mein Blut in seinem Fleiß, Und schützt mich vor Gefahren. Wenn ich im Schlummer nicht weiß, wo ich bin, und was um mich her geschieht, so kann ich keine Gefahr abwenden. Aber mein Hüter sehlum- 2Z mert nicht. O nein/ er schläft/ er schlummert nicht / der Hüter seiner Frommen. Ps. 121, 3. 4 Wenn ich wache und wenn ich schlafe, erhält mich deine Güte. Dein Aufsehen bewahrt meinen Odem. Hiob io, 13. Du lässest mit einer bewundernswürdigen Geschwindigkeit das Blut seinen Kreislauf vollenden, und erwärmest und belebest dadurch meinen ganzen Körper. 4. Wer lehrt das Auge seine Pflicht, Sich sicher zu bedecken? Wer ruft dem Tag und seinem Licht, Die Seele zu erwecken? Meine Augen sind zwey belle Spiegel, worinncn sich so viele prächtige Werke der Natur mit ihren mannigfaltigen Schönheiten abbilden. Ich lese damit im Buche der Natur und rufe voll Entzücken aus: Lobe den Herrn, meine Seele. Herr, mein Gott, du bist sehr herrlich; du bist schön und prächtig geschmückt. Ps. 10^, 1 . Du machest Finsterniß, daß es Nacht wird, die Augenlieder find matt und fallen zu. Sicher und geschützt durch die weiche Decke ruhet das Auge bis an den Morgen. Der Schöpfer spricht wieder: Es werde Licht. Es kömmt der Tag mit seinem Licht. Das Auge öffnet sich. Dir Seele erwacht. Neue Kraft beseelet meine Glieder. Gottes Güte wird alle Morgen neu. 5. Du bist es, Herr , und Gott der Welt, Und dein ist unser Leben. Du bist es, der cö unv erhalt, Und mir S jetzt neu gegeben. rr Der Schöpfer aller Dinge ist auch mein Herr und Gott. Laßt uns den Herrn suchen, ob wir ihn doch fühlen und finden möchten. Er ist ja nicht ferne von einem jeglichem unter uns. In ihm leben, weben und sind wir. Apost. 17, 27. 28. Gott du liebest alles, das da ist. Wie könnte etwas bleiben, wenn du nicht wolltest? Du schonest aller, denn sie sind dein, Herr, du Liebhaber-es Lebens. Weish.i i, 25. 26. 27. 6. Gelobet seyst du, Gott der Macht, Gelobt sey deine Treue. Daß ich nach einer sanften Nacht Mich dieses TagS erfreue. Schön ists, dem Herrn zu danken, mit Liedern, Höchster, dich zu preisen. Mit jedem Morgen deine Güte, und deine Vatertreu mit jedem Abend rühmen. Herr, deine Welt erfüllet mich mit Freude. Ich preise laut, was du gemacht. Wie groß sind deine Werke, Herr, wie tief die göttlichen Gedanken. Die Unvernunft sieht das nicht ein. Der Unbesonnene versteht es nicht. Ps. 92 , 2 . 3. 5. 6. 7. 7. Laß deinen Segen auf mir nch'n, Mich deine Wege wallen; Und lehre du mich selber thun Nach deinem Wohlgefallen. , Wer reine Hände hat, und läutern Herzens ist, der wird Segen von dem Herrn empfangen, gerechten Lohn, von dem Gott, der ihm hilft. Ps. 2^, 6. O wäre doch mein ganzes Leben stets dem gemäß, was du befohlen. Wie kann ein Jüngling rein von allen Lastern leben? Wenn er befolgt, was du ?5 gebeutst. Ich diene dir von ganzem Herzen; gieb, daß ich nie von deiner Vorschrift weiche. Ich präge dein Gebot mir tief ins Herz, um niemals wider dich zu sündigen. Ps. 119 , S. 9 . 10. 11 . 8. Nimm meines Lebens gnädig wahr; Auf dich hoffe meine Seele. Sey mir ein Netter in Gefahr, Ein Vater, wenn ich fehle. Zeig an mir deine Wundergüte, du Retter derer, die dir trauen. Bewahr mich, wie das Bild im Auge. Bedecke mich mit deiner Flügel Schatten. Ps. l 7 , 7 . 8 . Herr, laß meinen Fuß nicht gleiten. Behüte mich vor allem Uebel, behüte meine Seele. Ps. 121,3.7. Du, unser Gott, bist freundlich und treu, und geduldig, und regierest alles mit Barmherzigkeit. Und ob wir gleich sündigen, sind wir doch dein, und kennen deine Macht. Weil wir denn solches wissen, sündigen wir nicht, denn wir sind für die Deinen gerechnet. Dich aber kennen ist eine vollkommene Gerechtigkeit, und deine Macht wissen ist eine Wurzel des ewigen Lebens. Weish. 15 , 1 . 2. 3 . 9. Gieb mir ein Her; voll Zuversicht, Erfüllt mit Lieb und Ruhe, Ein weises Herz, dag seine Pflicht Erkenn' und willig thue. Auf Gott nur hoff', mein Herz, geduldig, er giebt, was ich von ihm erwarte. Eins hat mich Gott gelehrt, ich hab es wohl verstanden. Die Macht ist nur bey Gott. Und gnädig bist du auch, 0 Herr, du lohnest jedem so, wie ers verdienet. Ps. 62, l>. 12.13. Gott ehren ist die höchste Weisheit. Das 26 beßte Wissen denen, die es üben: es bringet unvergänglich Lob. Ps. 111, 10 . Wenn die Weisheit dir zu Herzen geht, daß du gerne lernest; so wird dich guter Rath bewahre», und Verstand wird dich behüten, daß du nicht gerathest auf den Weg der Bösen. Sprüchw. 2 , 10 . 11 . 12 . 10. Daß ich, al6 ein getreuer Knecht, Nach deinem Reiche strebe, Gottselig, züchtig, und gerecht Durch deine Gnade lebe. Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch alles, deß ihr bedürfet, zufallen. Matth. 6, 33. Wer das thut, ist der fromme und getreue Knecht, der über wenigem getreu gewesen ist, den sein Herr über viel setzen wird. Matth. 25, 21. Lebet züchtig, gerecht und gottselig in dieser Welt. Wer das thut, dem ist die heilsame Gnade Gottes erschienen, und züchtiget ihn. Tit. 2 , 11. 12. 11 . Daß ich dem Nächsten beyzustehn, Nie Fleiß und Arbeit scheue, Mich gern an Andrer Wohlcrgehn Und ihrer Tugend freue. Ich will es bey mir selber abnehmen, was mein Nächster gerne oder ungerne hat. Sir. 31, 18. Freudig will ich Andern dienen mit der Gabe, die ich empfangen habe, als ein guter Haushalter, der mancherley Gnade Gottes. 1 Pet. 10. Ich will mich freuen mit den Fröhlichen, und weinen mit den Weinenden. Röm. 12, 15. Ich freue mich nie der Ungerechtigkeit, ich freue mich aber der Wahrheit. / 27 1 Kor. 13, 6. Ich will gegen meine Nevcnmenschen seyn mitleidig., brüderlich, barmherzig, freundlich. 1 Pet. 3, 8. Das befiehlt mir Gottes Wort. Dieß muß ich thun, daß ich den Segen beerbe. 12. Daß ich das Glück der Lebenszeit In deiner Furcht genieße, Und meinen Lauf mit Freudigkeit, Wenn du gebeutst, beschließe. Freu dich, Jüngling, im Frühling deines Lebens. Genieße deine Iugendjahre froh. Versage dir keine Freude, welche die Vernunft billiget, und welche sich mit dem Gedanken an Gott und künftige Rechenschaft verträgt. Sey heiteres Geistes. Sorge für deine Gesundheit und äußern Wohlstand. Vergiß deinen Schöpfer nicht in deinen beßtcn Tagen. Pred. il, 12. Ist dann die Zeit deines Ab« scheidens vorhanden, so darfst du sagen: Ich habe nach Gottes Willen den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten. 2 Tim. 7. V. Prüfung am Abend. Gewissenserforschung vor dem Schlafengehen. Auch brauchbar zur Vorbereitung auf das heilige Abendmahl. 1 . Der Tag ist wieder hin, und diesen Theil deS Lebens, Wie hab ich ihn verbracht? Verstrich er mir vergebens ? Hab ich mit allem Ernst dem Kuren nachgestrebt? Hab ich vielleicht nur mir, nicht meiner Pflicht gelebt? 28 Wie schnell fliehet doch die Zeit? Schon wieder ist ein Tag vorbey. Er verging mir, bey meinen gewohnten Beschäftigungen/ unvermerkt. Ein Tag ist ein wichtiger Theil der kurzen Zeit, die mir zur Vorbereitung auf die Ewigkeit vergönnt ist. Jeden meiner Tage soll eine gute That bezeichnen. Den Tag, an dem ich nichts Gutes vollbringe, habe ich umsonst gelebt. Ich lebe auf Erden um tugendhaft zu sey». Ich soll streben, mit Anwendung aller Kräfte und Mittel mir das Gute zu eigen zu machen. Ich soll nicht nur meinen Vortheil und mein Vergnügen suchen, sondern es zu meiner Hauptangele- genheit machen, zu thun, was ich Gott, meinem Nächsten, und mir selber schuldig bin. 2. WarS in der Furcht des Herrn, daß ich ihn angefangen ? Mit Dank und mit Gebet, mit eifrigem Verlangen, Als ein Geschöpf von Gott der Tugend mich zu weihn, Und züchtig, und gerecht, und Gottes Freund zu seyn? Am Morgen früh soll ich zu Gott aufblicken, ihm für die Erhaltung meines Lebens danken, ihn um Leitung bitten, und den Vorsatz erneuern seinen Willen zu thun. Ich bin ja Gottes Werk, neu geschaffen durch Christum Jesum zu guten Werken. Evhes. 2, io. Die Weisheit, die von oben kommt, ist vor allem rein, denn friedliebend, billig, lenksam, voll Milde und Wohlthätigkeit, unpartheiisch, und ohne Hcucheley. Jak. 3, 17. Wer den Herrn fürchtet, der gehet auf rechter Bahn. Sprüchw. 1 -4, 2. 3. Hab ich in dem Beruf, dcn Gott mir angewiesen, Durch Eifer und durch Fleiß ihn, diesen Gott, gepriesen; 29 Mir und der Welt genutzt, und jeden Dienst gethan, Weil ihn der Herr gebot, nicht weil mich Menschen sah'n. Was dir zu thun vor deine Hände kommt, das thue, so gut du kannst. Pred. 9, 10 . In eurer Pflichterfüllung seyd unverdrossen; wirket mit Wärme des Geistes; dienet dem Herrn. Röm. 12 , 11. Ich muß die Geschäfte dessen vollziehen, der mich gesandt hat, so lange es noch Tag ist. Es kommt die Nacht, wo Niemand wirken kann. Ioh. 9, -ä. Darum bete ich allezeit, daß Gott jedes ihm wohlgefällige Gute und einen mit aller Kraft thätigen Glauben bey mir zur Vollkommenheit bringen wolle, damit mein Herr, Jesus Christus, Ehre habe an mir, und ich durch ihn. 2 Thess. l, 11. Mögen auch die Leute eS mir nicht ansehen, wenn ich Gutes thue; genug daß mein Vater es wisse, der im Verborgenen gegenwärtig ist, denn mein Vater, der ins Verborgne sieht, wird mir vergelten. Matth. 6, 18. 4. Wie hab ich diesen Tag mein eigen Herz regieret? Hat mich im Stillen oft ein Blick auf Gott gernhret? Erfreut ich mich des Herrn, der unser Flehn bemerkt? Und hab ich im Vertrau n aus ihn mein Herz gestärkt? Mehr als alles bewahre -ein Herz. Dieß ist der Ursprung aller Glückseligkeit. Sprüchw. -4, 23. Wächter über seine Neigungen und Begierden seyn, erlaubte Wünsche nähren, unerlaubte unterdrücken, ist sichere Quelle des Glücks. Ich soll meine Gedanken, Reden und Handlungen, nach dem heiligen Gesetze ordnen, wie sie ein Christ ordnet, der an Gott, an Christus, an ein ewiges Leben glaubet. 30 Der die Herzen forschet, weiß, was des Geistes Sinn sey. Nöm. 8, 27. Es ist ein köstliches Ding, daß das Herz fest werde. Hebr. 13, 9. 5. Dacht ich bey dem Genuß der Güter dieser Erden An den Mmächtigen, durch den sie sind und werden? Verehrt ich ihn im Staub? Empfand ich seine Huld, Trug ich das Glück mit Dank, den Unfall mit Geduld. Wenn du gegessen hast, und satt bist, und schöne Häuser erbauest und darinnen wohnest, und deine Rinder und Schafe, und Silber und Gold, und alles, was du hast, sich mehret; daß dann dein Herz sich nicht erhebe, und vergessest des Herrn, deines Gottes. 5 Mos. 8, 12. 13. 1^. Sprich: Wer bin ich, Herr, und was ist mein Haus, daß du mich bis hieher gebracht hast? 2 Sam. 7, 18 . Schmecke, und sieh, wie freundlich der Herr ist; wohl dem, der auf ihn trauet. Ps. 3^, 9. Nicht jeder weiß das Glück zu ertragen. Im Glücke sey nicht stolz, sondern wohl auf deiner Hut. Bemerke die Güte Gottes. Lebe, daß du der Güte würdig bleibest. Röm. 11, 20 . 22. In der Widerwärtigkeit verzage nicht. Sprich: Haben wir Gutes empfangen von Gott, und sollten das Böse nicht auch annehmen. Hiob 2, 10. Heil dem Manne, der Leiden erduldet, wenn er die Probe bestehet, so wartet seiner die Krone der Seligkeit, welche der Herr denen, die ihn lieben, verheißen hat. Jak. 1, 12. 6. Und wie genoß mein Herz des Umgangs süße Stunden? Fühlt ich der Freundschaft Glück, sprach ich, was ich empfunden? Z1 War mich mein Ernst noch sanft, mein Scherz noch unschuldSvoll? Und hab ich nichts gcrcdt, das ich bereuen soll? Wohl dem, der einen treuen Freund hat. Sir.25,12. Wie angenehm sind die Stunden, in denen wir unsre Gedanken durch Gespräche Freunden mittheilen, mit denen wir durch Hochschätzuug und Liede verbunden sind. Im Umgang mit Menschen soll ich aufrichtig, ohne Falschheit und Verstellung seyn. Bey wichtigen Sachen soll ich mich ernsthaft betragen, ohne dabey rauh und hart zu seyn. Ich darf fröhlich seyn und scherzen, aber meine Reden sollen stets rein und ehrbar seyn. Kein verderbliches Gerede komme aus meinem Munde. Ephes. 29 . Ich will stets reden, womit ich kann bestehen. Wo viel Worte sind, da gehts ohne Sünde nicht ab. Sprüchw. to, 19 . Die Weisen wagen ihre Worte mit der Goldwage. Sw. 21, 27. 7. Hab ich die Meiuigcn durch Sorgfalt mir verpflichtet, Sie durch mein Beyspiel still zum Guten unterrichtet ? War zu des Mitleids Pflicht mein Herz nichtzu bequem ? Ein Glück, das Andre traf, war dieß mir angenehm? Wir sollen durch Treue den Dank und die Liebe unsrer Hausgenossen zu verdienen suchen. Durch Aufsicht, Pflege und Erziehung werden die Acltern den Kindern theuer. Durch Freundlichkeit und Gefälligkeit werden Ehegatten und Geschwister einander werth. Noch besser, als durch Wort und Schrift kann man Andern durch Beyspiele Anleitung zur Tugend geben. Ein Menschenfreund, voll Mitgefühl bey seines Nächsten Noth, scheuet keine Mühe um ihn zu retten. Ein Glück, damit Gott Andre segnet, ist dem Menschenfreund angenehm, dem Neidischen nur gereicht es zum Verdruß. 8. War mir der Fehltritt leid, so bald ich ihn begangen? Bestritt ich auch in mir ein unerlaubt Verlangen ? Und wenn in dieser Nacht Gott über mich gebeut, Bin ich vor ihm zu stehn, auch willig und bereit? Der Rechtschaffene bereut Sünden aus Ueber«- lung, so bald er sie begangen hat, wie Petrus die Dcrläugnung Jesu, und er eilt seinen Fehler wieder gut zu machen. Die Begierde nach dem Verbotenen, die geringste Lust oder Verlangen wider irgend ein Gebot Gottes darf in mein Herz nimmermehr kommen. Wie viel gehört dazu, um tugendhaft, um ein wahrer Christ zu seyn? Wie viele Pflichten habe ich unterlassen? Wie viele Fehler begangen? Wenn mich Gott in dieser Nacht sterben ließe, wäre ich wohl bereit von ihm gerichtet zu werden? Könnte ich getrost, wie -er getreue Knecht, von der Anwendung meines Lebens Rechenschaft ablegen? S. Gott, der du alles weißt, was konnt' ich dir verhehlen ? Ich fühle täglich noch die Schwachheit meiner Seelen. Vergieb durch Christi Blut mir die verletzte Pflicht; Vergicb, und gehe du nicht mit mir ins Gericht. Herr, du erforschest mich, und kennest mich. Ps. 139, 1. Ich kann dir keinen Fehler, keine Vcr- saumniß verbergen oder Malignen. Ich fühle bey jeder Selbstprüfung meinen Leichtsinn, meine Ver- führbarkeit, meine Trägheit zum Guten. Vergieb mir, weil Christus für reuende Sünder starb. Vergieb 33 mir die Uebertretung. Verurtheile mich nicht. Verschone mir mit der verdienten Strafe. 10. Ja, du verzeihest dem, den seine Sünden kränken; Du liebst Barmherzigkeit, und wirst auch mir sie schenken. Auch diese Nacht bist du der Wächter über mir; Leb ich, so leb ich dir, sterb ich, so sterb ich dir. Ja, wenn uns die Sünden reuen, willst du gnädig uns verzeihen, willst den Schaden gern vergüten, und vor Sünden uns behüten. Bey dir ist die Vergebung, daß man dich fürchte. Ps. 130, Gnädig und barmherzig ist der Herr, geduldig und von großer Güte. Der Herr behütet alle, die ihn lieben. Ps. 1^5, 8, 20. Seyd getrost und unverzagt alle, die ihr des Herrn harret. Ps..3i, 20. VI. A b e n d l i e d. Erinnerung an empfangene Wohlthaten und Bitten. 1. Für alle Güte sey gepreiSt, Gott, Vater, Sohn und Heilger Geist! Ihr bin ich zu geringe. Vernimm den Dank, den Lobgesang, Den ich dir kindlich singe. Lobeden Herrn, meine Seele. Ich will den Herrn loben, so lange ich lebe, und meinem Gott lobsingen, weil ich hie bin. Ps. 1^6, 1, 2. Ich preise dich, Gott, Vater, daß du mich erschaffen hast. Ich preise dich, Sohn Gottes, daß du mein Leben von, Verderben erlösest. Ich preise dich, heiliger Geist Gottes, daß du mich in alle Wahrheit leitest. Ich 34 bitt zu geringe aller Barmherzigkeit und aller Treue, die du an mir gethan hast. i Mos. 32, 10 . Ich bin deiner Wohlthaten unwürdig. Höre mein Danklied. Ich bringe es dir freudig, in Einfalt des Herzens zum Opfer dar. Das wäre meines Herzens Freude und Wonne, wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben sollte. Wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich; wenn ich erwache, so rede ich von dir. Ps. 63, 6, 7. 2. Du nahmst dich meiner herzlich an, Hast Großes heut an mir gethan, Mir mein Gebet gewähret; Hast väterlich mein HauS und mich Beschützet und genähret. Gott, Vater und Herr meines Lebens, du hast wie ein treuer Vater für mich gesorgt. Du hast mich genährt, gekleidet, beschützet. Meine Seele hanget dir an, deine rechte Hand erhält mich. Ps. 63, 9. Danket alle mit mir Gott, der große Dinge thut, an allen Enden, der uns von Mutter- leibe an lebendig erhält, und thut uns alles Gutes. Er gebe uns ein fröhliches Herz und verleihe immerdar Frieden zu unsrer Zeit. Sir. 50, 22l, 26. Gelobet sey der Herr; denn er hat erhöret die Stimme meines Flehens. Der Herr ist meine Stärke; auf ihn hoffet mein Herz, und mir ist geholfen, und mein Herz ist fröhlich, und ich will ihm danken mit meinem Liede. Ps. 28,6. 7. Des Herrn Auge stehet auf die, so ihn fürchten, die aus seine Güte hoffen. Unser Herz freuet steh 35 seiner , und wir trauen auf seinen heiligen Namen. Ps. 33, 18, 21. z. Herr, was ich bin, ist dein Geschenk; Der Geist, mit dem ich dein gedenk, Ein ruhiges Gemüthe; WaS ich vermag bis diesen Tag, Ist alles deine Güte. Daß ich Mensch und Christ bin, daß ich Verstand und Willen und ein gutes Gewissen habe, Alles, was ich kann und weiß und besitze, Alles, was ich schon genossen habe, ist Beweis deiner Güte. Von Gottes Gnade bin ich, das ich bin, und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, i Kor. 15, io. 4. Sey auch, nach deiner Lieb und Macht, Mein Schutz und Schirm in dieser Nacht, Dcrgieb mir meine Sünden. Und kömmt mein Tod, Herr Zebaolh, So laß mich Gnade finden. Wende in dieser Nacht alle Gefahr von mir ab. Du wirst es thun, weil du mich liebst, und weil du Alles kannst. Wie theuer ist deine Güte, Gott, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen. Ps. 36, 8. Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Uebertretung; gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit, um deiner Güte willen. Ps. 2S, 7. Kommt mein Tod, so laß mich Vergebung und Seligkeit erlangen. In deine Hände befehle ich meinen Geist; du haft mich erlöset, Herr, du treuer Gott. Ps. 31, 6. A6 VII. Abend lieb. Ein frommer Mensch fühlt sich glücklich. 1. Herr, der du mir das Leben DiS diesen Tag gegeben-, Dich bet ich kindlich an. Ich bin viel zu geringe Der Treue, die ich smge, Und die du heut an mir gethan. Herr, mein Gott, du hast mir Leib und Seele gegeben. Du hast mir das Leben geschenkt und erhalten. Du bist mein Vater und liebst mich väterlich. Leben und Wohlthat hast du an mir gethan, und dein Aufsehen bewahret meinen Odem. Hiob 10, 12 . Ich rufe dich an mit kindlicher Zuversicht. Du, Herr, wollest deine Barmherzigkeit nicht von mir wenden, laß deine Gute und Treue allewege mich behüten. Ps. ^o, 12. 2. Mit dankendem Gemüthe Freu' ich mich deiner Güte, Ich freue mich in dir. Du giebst mir Kraft und Stärke, Gedeih« zu meinem Werke, Und schaffst ein reines Herz in mir. Ich will täglich rühmen von Gott nnd seinem Namen danken ewiglich. Ps. Ich freue mich im Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott. Ies. 61 , 10. Der Herr ist mein Licht und mein Heil. Der Herr ist meines Lebens Kraft. Ps. 27 , 1. Fröhlich laß seyn in dir, die deinen Namen lieben. Denn du, Herr, segnest den Gerechten, du krönest ihn mit Gnade. Ps. s, 12, 13 . 37 Z. Gott, welche Ruh der Seele«/ Nach deines Worts Befehlen Einher im Leben gehn. Auf deine Güte hoffen/ Im Geist den Himmel offen Und dort den Preis des Glaubens sehn. Großen Frieden habe»/ die dein Gesetz lieben/ und werden nicht straucheln. Ps. 119, 165. Prediget von den Gerechten/ daß ste es gut haben; denn fie werden die Frucht ihrer Werke essen. Jes. 3, io. Das Herz des Frommen ist getrost/ es hoffet unverzagt auf den Herrn. Ps. 112 , 7/ 8. Wie groß ist jene Seligkeit/ die du den Deinen aufbewahrest und denen/ die auf dich vertrauen/ vor allen Menschen schenkest. Ps. 31, 20 . 3. Ich weiß/ an wen ich glaube/ Und nahe mich im Staube Zu dir/ 0 Gott/ mein Heil. Ich bin der Schuld entladen/ Ich bin bey dir in Gnade«/ Und in dem Himmel ist mein Theil. Ich weiß/ wem ich geglaubt/ und weiß, wem ich mich anvertraut habe/ mein Herr und Gott. 2 Tim. 1/ 12. Wohl mir, die Uebertretung ist mir vergeben, die Sünde ist mir bedecket, denn in meinem Geist ist kein Falsch. Ps. 32, 1 , 2 . 5. Bedeckt mit deinem Segen Eil' ich der Ruh entgegen; Dein Name sey gepreist. Mein Leben und mein Ende Ist dein, in deine Hände Beseht tch, Barer, meinen Geist. 38 Gesättiget von deinen Wohlthaten/ lege ich mich zu Bette. Ich liege und schlafe ganz im Frieden / denn du, Herr / hilfst mir, daß ich sicher wohne. Ps. ^, 9. Liebet den Herrn alle seine Heiligen / die Gläubigen behütet der Herr. Ps. 31, 2^. VIII. Danklied. Erzählung göttlicher Wohlthaten: Regierung, Unterstützung, Genesung, Schutz, Lang- muth, Trost, Bewahrung, Prüfung, Erhaltung, Erlösung, das Schauspiel -er Welt, Führungen Gottes, Vorsätze. 1. Du bists, dem Ruhm und Ehre gebühret; Und Ruhm und Ehre bring' ich dir. Du, Herr, hust stets mein Schicksal regieret, Und deine Hand war über mir. Herr, du bist würdig zu nehmen Preis und Ehre und Kraft; denn du hast alle Dinge geschaffen, und durch deinen Willen haben sie das Wesen und sind geschaffen. Offenb. 2,, 11. Herr, ich bleibe stets an dir; denn du haltst mich bey meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rath und nimmst mich endlich mit Ehren an. Ps. 73, 23, 2^. Herr, du bist meine Hülfe. Laß mich nicht, und thue nicht von mir die Hand ab, Gott, mein Heil. Ps. 27, 9. 2 . Wenn Noth zu meiner Hütte sich nahte: So hörte Gott, der Herr, mein Flehn, Und ließ, nach seinem gnädigen Rathe, Mich nicht in meiner Noth vergeh». Mancherley Noth kehrt in die Wohnung des Dürftigen ein. Er ist ausgesetzt dem Hunger/.dem Durst/ dem Frost/ der Hitze, der Blöße/ dem Kummer. Aber der Herr hört das Gebet des Armen/ er laßt ihn nicht vor Mangel umkommen. Siehe/ des Herrn Auge stehet auf die/ so ihn fürchten und auf seine Güte hoffen, daß er ihre Seele errette vom Tode, und ernähre ste in der Theurnng. Unsere Seele harret auf den Herrn; er ist unsere Hülfe und Schild. Ps. 33, 18, 19 , 20 . - Z. Ich sank in Schmerz und Krankheit darnieder, Und rief: 0 Herr, errette mich! Da half mir Gott, der Mächtige, wieder, Und mein Gebein erfreute sich. Ich lag im Bette kümmerlich. Krankheit zerrüttete meinen Körper. Ich betete: Mein Gott, nimm mich nicht weg in der Hälfte meiner Tage. Ps. 102 , 25. Ich flehte zu dir, Herr, mein Gott, und du hast mich gesund gemacht. Zurückgebracht hast du mich von dem Grabe, erhalten mir das Leben, daß ich nicht in den Abgrund sank. Die ihr ihn liebet, preist den Herrn, und lobet seinen heiligen Namen. Ps. 30, 3, 4, 5. 4. Wenn mich der Haß des Feindes betrübte: Klagt i'h Gott kindlich meinen Schmerz. Er half, daß ich nicht Rache verübte, Und stärkte durch Geduld mein Herz. Es wird meiner Seele lang zu wohnen bey denen, die den Frieden hassen. Ich liebe Frieden, rede Frieden; ste überlauter Krieg. Ps. 121 , 6,7. Ich bete: Auf dich, Herr, traue ich; mein Gott hilf mir von allen meinen Verfolgern, and errette mich. Laß der Gottlosen Bosheit ein Ende werden, und fördere den Gerechten. Mein Schild ist bey Gott, -er frommen Herzen hilft. Ps. 7,2,1 o, 11 . Ich will Niemand Böses mit Bösem vergelten. Das Böse soll mich nicht überwinden. Ich werde überwinden das Böse mit Gutem. Röm. 12 , 17 , 21 . 5. Wenn ich, verirrt vom richtigen Pfade, Mit Sünde mich umfangen sah: Rief ich zu ihm, dem Vater der Gnade; Und seine Gnade war mir nah. Ich hätte schier gestrauchelt mit meinen Füssen, und mein Tritt hätte beynahe geglitten. Ps. 73, 2 . Schier wäre ich' gerathen auf den Weg der Bösen und unter die verkehrten Schwätzer, die da verlassen die rechte Bahn und gehen finstere Wege. Sprüchw. 2, 12 , 13. Ich betete: Meine Augen sehen stets zum Herrn; denn er wird meinen Fuß aus dem Netz ziehen. Wende dich zu mir und sey mir gnädig; denn ich bin einsam und elend. Bewahre meine Seele und errette mich; laß mich nicht zu Schanden werden, denn ich traue auf dich. Ps. 25, 15, 16, 20 . Weise mir, Herr, deinen Weg, daß ich wandle in deiner Wahrheit. Erhalte mein Herz bey dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Ps. 86, 11 . Gott hörte mich. Seine Hülfe ist nahe denen, die ihn fürchten. Ps. 85, 10 . 6. Um Trost war meiner Seele so bange: Denn Gott verbarg sein Angesicht. Ich rief zu ihm: Ach Herr, wie so lange? Und Gott verließ den Schwachen nicht. 41 Wie ein Hirsch schreyet nach frischem Wasser/ so schreyet meine Seele/ Gott/ zu dir. Meine Seele dürstet nach Gott/ nach dem lebendigen Gott. Ich sage zu Gott / meinem Fels: Warum hast du meiner vergessen? Warum muß ich so traurig gehen? Was betrübst du dich/ meine Seele/ und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott. Der Herr hat des Tages verheißen seine Güte / und des Nachts singe ich ihm und bete zu dem Gott meines Lebens. Ps. ^2. 7. Er half/ und wird mich ferner erlösen. Er hilft; der Herr ist fromm und gut. Er hilft aus der Versuchung zum Böse»/ Und giebt mir zu der Tugend Muth. Bis hieher hatmir der Herr geholfen. 1 Sam.7, 12 . Er wird mir ferner helfen. Stehe/ des Herrn Hand ist nicht zu kurz / daß er nicht helfen könne. Jes. 59/ 1. Es ist dem Herrn nicht schwer/ durch viel oder wenig helfen, i Sam. 1^, 6. Ich will zu Gott rufen; und der Herr wird mir helfen. Ps. 55, 17. Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft. Ps. 62 , 2. Noch hat mich keine Versuchung getroffen, die über das gewöhnliche Loos der Menschheit hinausginge; und treu ist Gott, er wird mich in keine Versuchungen kommen lassen, die meine Kräfte übersteigen; erwirb mit der Versuchung auch einen Ausgang treffen, daß ich es ertragen könne, i Kor. io, 13. 8. Dir dank' ich für die Prüfung der Leiden, Die du mir liebreich zugeschickt. 42 Dir dank' ich für die häufigern Freuden, Womit mich deine Hand beglückt. Eh ich noch leiden mußte, fehlt ich oft: nun aber halte ich dein Gebot. Mir ist es nützlich, daß ich leide; ich lerne dabey dein Gebot. Ps. 119 , 67, 71. Wenn du mich demüthigest, machst du mich groß. Ps. 18, 36. Der Gerechte muß viel leiden, aber der Herr hilft ihm aus dem allen. Ps. 34,20. Gott der Herr ist Sonne und Schild, -er Herr giebt Gnade und Ehre, er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen. Ps. 84, 12 . 9. Dir dank' ich für die Güter der Erden, Für die Geschenke deiner Treu. Dir dank' ich; denn du hießest sie werden, Und deine Güt' ist täglich neu. Danket dem Gott vom Himmel, denn seine Güte währet ewiglich, der allem Fleisch Speise giebt, denn seine Güte währet ewiglich. Ps. 136 , 25, 26. Aller Augen warten auf dich, und du giebst ihnen ihre Speise zu seiner Zeit, du thust deine Hand auf, und erfüllest alles, was lebet, mit Wohlgefallen. Ps. 145, 15, 16. Du machst das Land voll Früchte, die du schaffest. Du lässest Gras wachsen für das Vieh und Saat zu Nutz den Menschen, daß du Brod aus der Erde bringest. Ps. 104, 13, 14. 10 . Dir dank' ich für das Wunder der Güte; Selbst deinen Sohn gabst du für mich. Von ganzer Seel und ganzem Gemüthe, Von allen Kräften preis ich dich. 4Z Danket dem Herrn; denn er ist freundlich, und seine Güte wahret ewiglich. Es sagen nun die den Herrn fürchten, seine Güte wahret ewiglich. Der Herr ist mit mir, mir zu helfen. Es ist gut auf den Herrn vertrauen. Ps. 118, 1, ^i, 7, 8. Danket dem Herrn um seine Güte und um seine Wunder, die er an den Menschenkindern thut; daß er sättiget die durstige Seele und füllet die hungrige Seele mit Gutem. Ps. 107, 8, v. Also hat Gott die Welt geliebet, daß er uns seinen Sohn gab. 11. Erhebt ihn ewig, göttliche Werke! Die Erd' ist voll der Huld des Herrn. Sein, sein ist Ruhm und Weisheit und Stärke; Er hilft und er errettet gern. Ihr Könige auf Erden und alle Leute, Fürsten und alle Richter auf Erden, Jünglinge und Jungfrauen , Alte mit den Jungen, sollen loben den Namen des Herrn, denn sein Name allein ist hoch; sein Lob gehet so weit Himmel und Erde ist. Ps. 1^8, II, 12, 13. 12. Er hilft. DeS Abends währet die Klage, DeS Morgens die Zufriedenheit. Nach einer Prüfung weniger Tage Erhebt er uns zur Seligkeit. Gelobet sey der Herr täglich; Gott leget uns eine Last auf, aber er hilft uns auch. Wir haben einen Gott, der da hilft, und den Herrn, der vorn Tode errettet. Ps. 68, 20, 21. Sein Zorn währet einen Augenblick, und er hat Lust zum Leben; den Abend lang währet das Weinen, aber des Morgens die Freude. Ps. so, 6. 44 1Z. Vergiß nicht deines Gottes, o Seele: Vergiß nicht, waS er dir gethan. Verehr und halte seine Befehle, Und bet ihn durch Gehorsam an Das sey ferne von uns, -aß wir den Herrn verlassen sollten. Der Herr unser Gott hat Großes an uns gethan und uns behütet auf unserm Wege. Wir wollen dem Herrn unserm Gott dienen und seiner Stimme gehorchen. Josua 2-L. IX. Weihnacht 6 lied. Im vierten Jahrhunderte, in den Zeiten des ersten christlichen Kaisers, Konstantin des Großen, stetigen die Christen an das Andenken der Geburt ihres Heilandes feyerlich zu begehen. Sie wählten zu diesem Feste den fünfundzwanzigsten Tag des letzten Monats, des Decembers, der jetzt Christ- monat heißt, und begiengen es mit frommen Freu- denbezeugungen. Im Deutschen hat man es Weihnachten oder die geweihte, geheiligte Nacht genannt, in welcher nämlich die Geburt Christi den Hirten verkündigt worden war. Die frohe Erinnerung an die Geburt Christi hat die Gewohnheit hervorgebracht, -aß man bey Annäherung dieses Festes Kindern Geschenke austheilet. Man wollte sie dadurch gewöhnen, alles Gute, was sie genießen, Gott zuzuschreiben, und insonderheit die Mensch, werdung seines Sohns als die Quelle von allem Segen und Wohlergehen für sie, als Christen, in der Zeit und in der Ewigkeit zu betrachten. 45 Inhalt -es Liedes: Empfang des neugebornen Heilandes. 1. Rechte Gemüthsstimmung zur Weihnachtsfeyer. 2. Die Liebe des himmlischen Vaters. 3. Die Liebe Jesu. Wie wird Jesus mein Heiland? S. Wie danke ich mit der That? 6. Würde des Erlösers. 7. Lobpreisungen. 1. Auf, schicke dich, recht feyerlich Des Heilands Fest mit Danken zu begehen r Lieb ist der Dank, der Lobgesang, Durch den wir ihn, den Gott der Lieb, erhöhen. Wir sollen uns mit stillem Nachdenken, Gebet und Selbstprüfung auf den Genuß des heiligen Abendmahls vorbereiten. Wir sollen das Fest mit häuslichem und öffentlichem Gottesdienst feyern. Du schmückest dich mit reinlichen Kleidern, um vor deinen Mitchristen anständig zu erscheinen. Reinige auch dein Herz. Der Herr steht aufs Herz. Der Herr kennet die Seinen. 2 Tim. 2, 19. Sprich mit Maria: Meine Seele erhebet den Herrn und mein Geist freuet stch Gottes meines Heilandes. Luk. i, ^6, -!7. Sprich mit David: Ich danke dem Herrn von ganzem Herzen, im Rath der Frommen und in der Gemeine. Ps. m, 1. Aber bringe Gott nicht nur die Lobopfer der Lippen, sondern die innige Gegenliebe des dankbaren Herzens. 2 . Sprich dankbar froh: also, also Hat Gott die Welt in seinem Sohn gcliebct. O, wer bin ich, Herr, daß du mich So herrlich hoch in deinem Sohn geliebet. Sey dankbar, und liebe den höchsten Wohl- I 46 thater über alles. Sey froh/ und erkenne dein Glück. Gott hat Geduld mit uns und will nicht, daß jemand verloren werde. 2 Petr. 3, 9 . Gottes Liebe ist allgemein. Wer glaubt, der wird selig werden. Mark. 16 , 16. Was ist -er Mensch, daß du seiner gedenkest, und -es Menschen Kind, daß du dich seiner annimmst. Ps. 8, 5. Wer hat dem Herrn etwas zuvorgegeben, -aß ihm werde wieder vergolten. Röm. 11 , 35. z. Er, unser Freund, mit unö vereint, Zur Zeit, da wir noch seine Feinde waren; Er wird uns gleich, um Gottes Reich Und seine Lieb im Fleisch zu offenbaren. ' Jesus spricht: Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben lässet für seine Freunde. Ihr seyd meine Freunde, wenn ihr thut, was ich euch gebiete. Ich sage hinfort nicht, daß ihr Knechte seyd, denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr thut. Euch habe ich gesagt, daß ihr Freunde seyd, denn alles, was ich habe von meinem Vater gehört, habe ich euch kund gethan. Joh. 15, 1 ^, 15, 16. Paulus schreibt: Gott preiset seine Liebe gegen uns, daß Christus für uns gestorben ist, da wir noch Sünder waren. Röm. 5, 8. Der Sohn Gottes nahm wahre menschliche Natur an sich, und ward uns, seinen Brüdern, in allem gleich, ausgenommen die Sünde. Johannes sagt: Das Wort ward Fleisch, und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingebvrnen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Joh. 1 , 1 ^. 47 4. An ihm nimm Theil, er ist das Heil; Thu' täglich Büß und glaub an seinen Namen. Der ehrt ihn nicht, wer Herr, Herr spricht, Und doch nicht sucht sein Beyspiel nachzuahmen. So wie das Brod und der Kelch im Abendmahl jedem dargereicht werden, dem Geringsten, wie dem Größten, so wird auch die Gnade Gottes in Christo jedem angeboten. Höret alle, die ihr nach Trost und Glückseligkeit durstig seyd, kommet zum Wasser; die ihr Geld nicht habet, kommet, kaufet und esset; kommet, kaufet ohne Geld und ohne Zahlung Wein und Milch. Warum gebt ihr euer Geld hin, für das, was doch nicht zur Speise dienet, warum bemühet ihr euch um Dinge, die doch keine Sättigung geben. Höret doch, und folget mir; genießet das Gute, sättiget euch mit Vergnügen an den edelsten Speisen. Jes. SZ, 1 , 2. Dieweil wir nun solche Verheißung haben, so lasset uns reinigen von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes. 2 Korinth. 7 , 1 . Wer rechtschaffen ist, der übe ferner, was recht vor Gott ist, und -es Guten Freund sey ferner nur dem Guten hold. Fürwahr, ich komme schnell; Vergeltung kommt mit mir, für einen jeglichen nach seinem Thun. Offenb. 22, 11, 12. Jesus spricht: Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen thun meines Vaters im Himmel. Matth. 7 , 21. Paulus schreibt: Es trete ab von -er Ungerechtigkeit, wer den Namen Christi nennet. 2 Tim. 2, 19. 48 5. SluS Dank will ich in Brudern dich/ Dich/ Gottessohn/ bekleiden/ speisen / tränken; Der Frommen Herz in ihrem Schmerz Mit Trost erfreu'N/ und dein dabey gedenken. Herr, wie bezahle ich nun meine große Schuld der Dankbarkeit, was kann ich dir für deine Wohlthat geben? Er hat mich angewiesen, an wen ich die Schuld bezahlen solle. Das würde mir ein angenehmes Dankfest seyn, wenn du Drod dem Hungrigen mittheilen, wenn du angstvolle Flüchtlinge in dein Haus aufnehmen, wo du einen Nackenden erblickest, ihn bekleiden, und von deinem Mitgeschöpf dein Angesicht nicht abwenden wolltest. Ies. 58,7. Jesus spricht: Was ihr gethan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir gethan. Matth. 25, ^o. Es ist eine schöne christliche Sitte, beym Hinzugehen zum heiligen Abendmahl eine Liebesgabe auf den Tisch des Herrn zu legendamit etwa ein durch die Last der Jahre gebeugter Greis erquickt, oder eine Dulderin, die auf dem langwierigen Krankenlager schmachtet, unterstützt werden könne. Es gebe jeder, den Gott gesegnet hat, nach freyem Herzenstriebe, nicht mit Unwillen, oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. 2 Kor. 9, 7. Auch wer sein Drod nur durch Arbeit seiner Hände hat, bringe sein Schärflein dar. 6. Rath, Kraft und Held, durch Leu die Welt Und alles ist, im Himmel und auf Erden. Die Christenheit preißt dich erfreut. Und aller Knie soll dir gcbeuget werden. Ein Kind wird uns gekoren, ein Sohn wird uns gegeben, der das Regiment auf seinen Schultern trägt; sein Name ist wunderbar/ Rath/starker Gott/ Vater immerdar/ Friedefürst. Jes. 9 , 5 . Gott belehret uns in diesen Tagen durch seinen Sohn / den er zum Herrn über Alles gemacht/ durch den er auch die Welt erschaffen hat; der als ein Abglanz seiner Herrlichkeit und Ebenbild seines Wesens/ alles nach seinem kraftvollen Willen regieret. Hebr. 1/ 2, 3 . Gott hat Jesum erhöhet/ und ihm eine Würde gegeben/ die alles/ was Würde heißt/ übersteigt; daß der Würde Jesu die Knie Aller im Himmel und auf Erden nnd unter der Erde steh beugen/ und alle Zungen bekenne»/ daß Jesus Christus der Herr sey zur Verherrlichung Gottes des Vaters. Phil. 2, 9 / 10, 11. 7. Erhebt den Herrn/ er hilft unö gern/ Und wer ihn sucht/ den wird sein Name trösten. Allelujah, Allelujah, Freut euch des Herrn / und jauchzt ihm ihr Erlösten. Gott hat Jesum gesalbet mit dem heiligen Geist und Kraft/ der umhergezogen ist, und hat wohlgethan. Apost. 10, 38 . Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. Hebr. 13 , 8 . Der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, daß er ihm dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für Viele. Matth. 20, 28. Ich werde gesucht von denen, die mich nicht suchten, und zu den Heiden, die meinen Namen nicht anriefen, sage ich: Hie bin ich, hie bin ich. Jes. 06 , 1 . Ehre sey Gott in der Höhe, auf so der Erde Frieden, und Freude Gottes am Menschengeschlecht! Erbarmen und ewige Liebe. Lnk. 2,1t. X. Wethnachtslied. Der längst verheißene Messias ist gekommen. Pie Geburt Jesu Christi stehet mitten zwischen der alten und neuen Zeit. Nachdem die Christen einen Tag zum jährlichen dankbaren Andenken an die Geburt ihres Heilandes eingeführt hatten, zählten ste auch genau die Jahre, welche seit dieser großen Begebenheit verflossen waren. Es wurde üblich, bey allen Zeitbestimmungen, in Gesetzen, Gcschichtbüchern und andern schriftlichen Aufsätzen die Jahre nach der Geburt Christi anzugeben. 1. Dieß ist der Tag, den Gott gemacht; Sein werd in aller Welt gedacht. Ihn preise , was durch Jesum Christ Im Himmel und auf Erden ist. Der schönste der Tage, der Chrtsttag. Moses verordnete für sein Volk ein Fest, und sprach: Ihr sollt dem Herrn des Jahres das Fest halten. Das soll euch ein ewiges Recht seyn bey euern Nachkommen. An diesem Tage sollt ihr fröhlich seyn vor dem Herrn euerm Gott. 3 Mos. 23, ^o, 4l. Dieß könnte man alles mit dem größten Recht von dem Weihnachtsfeste sagen. Oder: Dieß ist der Tag, den der Herr macht, laßt uns freuen und fröhlich seyn. O Herr, hilf, o Herr, laß wohl gelingen. Gelobet sey, der da kommt im Namen 51 des Herrn. Wir segnen euch, die ihr vom Hause des Herrn seyd. Ps. 113, 2^, 25, L6. Dieß läßt sich auf keine Begebenheit eher anwenden, als auf die Geburt Christi, über die sich die seligen Verklärten freuen, und die Bewohner der Erde, als über die Ursache ihres Glückes oder ihrer Hoffnung freuen. 2. Die Völker haben dein geharrt, Bis daß die Zeit erfüllet ward; Da sandte Kort von seinem Thron DaS Heil der Welt, dich, seinen Sohn. Das Harren der Völker. Die Verheißung, die Abraham erhielt: Durch deinen Saamen sollen alle Völker gesegnet werden, < Mos. 22, 18 oder die Verheißung, die David erhielt: dein Königreich soll beständig seyn ewiglich, 2 Sam. 7, 16 mußten große Erwartungen erregen. Die Zeiten des Irrthums, des Sittenverfalls und der Unterdrückung mußten Sehnsucht nach der Erlösung erwecken. Wir finden auch von dieser Sehnsucht öftere Spuren. Der Prophet ruft: Ach, daß du den Himmel zerrissest, und führest hinab. Jes. 6^, 1. Die Hoffnung des Priesters Zacharias rvar: Bald werden wir erlöset aus der Hand unsrer Feinde, ihm dienen ohne Furcht, in Heiligkeit und Gerechtigkeit, die ihm gefällig ist. Luk. i, 7-l, 76. Der Greis Simeon wartete auf den Trost Israels. Luk. 2, 25. Alle diese Hoffnungen erfüllte und übertraf der, dessen Geburt wir feyern, Jesus. 52 z. Wenn ich dieß Wunder fassen will: So steht mein Geist vor Ehrfurcht still; Er betet an, und er ermißt, Daß Gottes Lieb unendlich ist. Die Menschwerdung. Gott sendet seinen Sohn in die Welt, daß die Welt durch ihn selig werde. Joh. 3, 17. Der Sohn Gottes wird Mensch, lebt, stirbt für uns, wird ein Opfer zur Tilgung unsrer Sünden. ' Dieß ist von allen Wundern, durch die sich Gott uns geoffenbaret hat, das größte. Er hat große Dinge an mir gethan, der da mächtig ist, und deß Name heilig ist. Luk. i, 49. Ausgebreitet, unermeßlich, unergründlich, erhaben, weit über alle unsre Erkenntniß hinaus- reichend ist die Liebe Gottes. Ephcs. 3, 18. 4. Damit der Sünder Gnad erhält, Erniedrigst du dich, Herr der Welt, Nimmst selbst an unsrer Menschheit Theil, Erscheinst im Fleisch, und wirst uns Heil. Die Erniedrigung. Der Herr der Welt erniedrigt fich, setzt steh selbst herab, wird wie ein Knecht, ganz den Menschen gleich, in seinem Aeus- sern, wie jeder andre Mensch. Phil. 2, 8. Wie Kinder einen sterblichen Leib haben, so hat er ebenfalls einen solchen angenommen. Hebr. 2, 14. Er' mußte in Allem seinen Brüdern gleich werden. Er wurde selbst durch Leiden geprüft. Hebr. 2, 17, 18. Und wozu geschah dieß alles? Damit er sich, als Mittler zwischen Gott und den Menschen, selbst gebe zur Errettung für Alle. i Tim. 2 , 5. 5. Dein König/ Zion, kommt zu dir. , »Ich komm, im Buche steht von mir; »Gott, deinen Willen thu' ich gern. Gelobt sey, der da kömmt im Herrn. Der Messias erkannt. Als Jesus in die Hauptstadt Jerusalem einzog, rief das Volk das voranging und nachfolgte laut: Hofianna! Heil dem Sohne Davids! Gepriesen sey der da kommt im Namen des Herrn. Heil ihm vom Himmel herab. Matth. 21 , 9 . Es hatte recht das freudige Volk. An fichern Merkmalen konnte man in Jesu den Verheißenen erkennen. Es heißt in einer Stelle, wo der Messias vorgestellt wird, der in die Welt kommen sollte: Opfer und Speisopfer gefallen dir nicht, du willst weder Brandopfer noch Sündopfer. Da sprach ich: Siehe, ich komme, im Buch ist von mir geschrieben; deinen Willen, mein Gott, thue ich gern, und dein Gesetz habe ich in meinem Herzen. Ps. -40, 7, 8, 9 . Ich erkenne hier den, dessen Speise es war, zu thun den Willen dessen, der ihn gesandt hat, und zu vollenden sein Werk. Joh. 3L 6. Herr, der du Mensch geboren wirst, Jmmanuel und Friedefürst, Auf den die Vater hoffend sühn, Dich, Gott Messias.' bet ich an. Jmmanuel. Siehe, eine Jungfrau wird einen Sohn gebären, und man wird ihn Jmmanuel heißen, weiches in unsrer Sprache heißt: Gott mit uns. Jes. 7, 1^. Uns ist ein Kind geboren, uns ist ein Sohn gegeben. Sein Name heißt Frie 54 densfürst. Die ausgebreitete Herrschaft und der Friede werden kein Ende in feinem Reiche haben, das er durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis auf ewig befestigen und erhalten wird. Jes. 9, 5, 6. Durch Jesum sind diese Weißagungen erfüllt. Glücklich, wer in den Tagen des neuen Bundes lebt. Viele Propheten und Gerechte haben begehrt zu sehen, was ihr sehet, und Habens nicht gesehen. Matth. 13, 17. 7. Du, unser Heil und höchstes Gut, Vereinest dich mit Fleisch und Blut, Wirst unser Freund und Bruder hier, Und GotteS Kinder werden wir. Jesus nnfer Brnder. Der Sohn des Allmächtigen, das höchste Gut, der Besitzer und Geber der beßten Gaben nimmt wahre menschliche Natur an. Er nennt uns mit den zärtlichsten Namen der Blutsfreundschaft. Wer den Willen thut meines Vaters im Himmel, derseibige ist mein Brnder, Schwester und Mutter, Matth. 1 2 , so. Er hat uns, die wir an seinen Namen glauben, die Macht gegeben, Gottes Kinder zu heißen. Joh. 1, 12. Gott hat uns das Vorrecht der Kindschaft ertheilt, zum Preis seiner herrlichen Gnade, die er uns so huldreich erwies, in dem Geliebten. Eph. 1, S, 6, 8. Gedanke voller Majestät.' Du bist es, der das Herz erhöht, Gedanke voller Seligkeit! Du bist es, der das Herz erfreut. Die Menschheit erhoben. Hochgepriefen sey Gott, der Vater unsers Herrn Jesu Christi , 55 -er uns mit geistigen Wohlthaten aller Art für den Himmel durch Christum gesegnet hat. Hochgepriesen sey er/ daß er schon vor Anfang der Welt uns in ihm erwählet hat/ daß wir heilig und uutadelhaft vor ihm lebten. Röm. 8, 17. 9 . Durch Eines Sünde fiel die Welt. Ein Mittler istS, der fie erhält. Waö zagt der Mensch, wenn der ihn schützt, Der in des Vaters Schoose fitzt? Adam und Christus. Durch einen Menschen kam die Sünde, und durch die Sünde Tod und Elend in die Welt, und Tod und Elend verbreitete sich über alle Menschen, weil alle sündigten. Gottes Gnade und unverdiente Wohlthat hat sich durch die Liebe eines einzigen Menschen, Jesus Christus, reichlich über Viele verbreitet. Röm. 5, 12, 15. Zage nicht, wenn dich die Sünden kränken. Es ist noch Hoffnung da. Jesus kann und will dir helfen; er wird dir, wenn du dich an ihn wendest, zur Besserung und Vergebung verhelfen. 10. Jauchzt, Himmel, die ihr ihn erfuhrt, Den Tag der heiligsten Geburt; Und Erde, die ihn heute ficht, Sing ihm, dem Herrn, ein^neues Lied! Die Engel und wir. Wenn bey den Engeln Gottes Freude ist über einen Sünder, der sich bekehret Luk. 15, 10 , welche Freude mußte dann nicht bey ihnen seyn, als der Heiland der Sünder geboren wurde. Wirklich lobte eine Schaar himmlischer Wesen Gott bey der Geburt Jesu. Allein wir habe» weit mehr Ursache zur Theil- 56 nähme/ zur Freude, als die Engel. Denn fürwahr nicht der Engel, sondern gläubiger Menschen nimmt er sich an. Hebr. 2,16. 11. Dieß ist der Tag, den Gott gemacht; Sein werd in aller Welt gedacht! Ihn preise, was durch Jesum Christ Im Himmel und auf Erden ist! , Das Glück ein Christ zu seyn. Was waren wir, hätte Gott uns nicht Jesum zum Erlösey geschenkt. Wir wären noch was unsere Vorältern, Heiden, wir säßen in Finsterniß, in Todesnacht. Matth. ^,16. Wir wollen uns betragen, wie Menschen, welche wissen, was Wille -es Herrn ist. Eph. 5, 17. XI. Am neuen Jahre. Betrachtungen, Dank, Bitten, Fürbitten. 1. Er ruft der Sonn' und schafft den Mond, Das Jahr darnach zu theilen; Er schafft eS, daß man sicher wohnt, Und heißt die Zeiten eilen; Er ordnet Jahre, Tag und Nacht; Auf! laßt unö ihm, dem Gott der Macht, Ruhm, Preis und Dank ertheilen. Wie schön, wie nützlich dem Menschen ist der Wechsel der Zeiten im wandelnden Jahre. Der Frühling bringt Leben und Freude der wiederer- wachten Natur. Herrlich pranget die Erde mit frischem Grün und Blumen von mancherley Farben, als wäre sie mit einem Feyerkleide angethan. Die 57 heißen Tage des Sommers bringen im Thals köstliche Ernten zur Reife, und öffnen dem Vieh die treffliche Weide der Alpen. Im mildern Herbste sammeln wir noch mancherley Früchte auf der nah- rungsprossenden Erde. Gebt dem Winter auch sein Lob. Zwar herrscht Kälte durch die ganze Flur, aber geschützt ist Saat und Wiese durch die Decke des Schnees. Uns wärmt das Kleid, wir sind geborgen unter dem Dache unsrer Häuser, und im warmen Zimmer vor dem brausenden Sturm und dem starren Froste. Unter mancherley Geschäften und bey traulichen Gesprächen verschwinden schnell die kurzen Tage und Abende. Wohlthätig ist diese Jahreszeit besonders den Kindern, denen der heilsame Unterricht in der Schule täglich zu Theil wird. Wenn wir bedenken, wie die Erde in 2^4 Stunden herumrollt, und einmal erleuchtet und verfinstert wird; wie sie in 365 Tagen ihren Kreislauf um die Sonne durch die weiten Räume -es Himmels zurücklegt; wie aus dem Strahlenmeere der Sonne Licht und Wärme mit mehr als Blitzesschnelle zu uns komme; wie der sanfte Mond unsre Nächte mit seinem Schimmer erhellet; so sollten wir ausrufen: Es ist ein Gott, ein guter Gott, der diese Welt regieret; er hat alles wohlgemacht; seine Güte ist alle Morgen bey uns neu. 2. Herr, der da ist, und der da war! Von dankerfüllten Zungen Sey dir für das verfloßne Jahr Ein heilig Lied gesungen! Für Leben, Wohlfahrt, Trost und Rath 58 Für Fried' und Ruh, für jede That, Die uns durch dich gelungen. Wer kann die großen Thaten des Herrn ausreden und alle seine löbliche Werke preisen? Ps. 106, 2. Ich erstaune, wenn ich über die Haushaltung des allgemeinen Vaters ehrfurchtsvoll nachdenke. Bey tausend Millionen Menschen auf dem Erdboden, und die Heere der Thiere in den Lüften, auf dem Lande und im Wasser, nähret, sättiget der Herr täglich. Er ist unendlich reich. Im Hause des himmlischen Vaters find viele Wohnungen. Joh. 1-L, 2. Hier ist die Pflanzschule für die bessere Welt. Wer hier reif geworden ist für die Ewigkeit, verpflanzt er, eins nach dem andern, in dieselbe. Ein Geschlecht vergeht, das andere kommt. Pr. i, -4. Zwar ist hier nicht der Ort vollständiger Vergeltung oder ungestörter Glückseligkeit, aber manche Freude, manche Erquickung mischt Gott in die Mühe des irdischen Lebens. Ich danke dir, Herr, König, und tobe dich, Gott, meinen Heiland. Ich danke deinem Namen, daß du mein Schutz und Hülfe bist. Ich danke dem, der mir Weisheit gab. Ich fetzte mir vor darnach zu thun, und mich zu fleißigen des Guten , und ich ward nicht zu Schanden darüber. Der Herr hat mir eine Zunge gegeben, damit will ich ihn loben. Sirach 51, i, 2, 23, 2^, 30. Z. Laß auch dieß Jahr gesegnet seyn, Daß du uns neu gegeben. Verleih uns Kraft, die Kraft ist dein, In deiner Furcht zu leben. 59 Du schützest uns, und du vermehrst Der Menschen Glück, wenn sie zuerst Nach deinem Reiche streben. Wir wünschen uns selbst und unsern Freunden Glück und Segen. Gott theilt aber seinen Segen nicht nach blinder Willkühr und regelloser Gunst aus. Wer auf Gottes Wegen geht und seinen Willen thut, dem giebt Gott Heil und Segen. Ps. 128. Auf den Wegen der Tugend blühet Zufriedenheit. Wohl denen, die das Gebot halten und thun immerdar recht. Ps. 106 , 3. Wenn wir vor allen Dingen nach der Gerechtigkeit und nach dem Reiche Gottes trachten, so wird Gott auch unser irdisches Glück vermehren. Hat jemand ein Amt, so warte er des Amts. Röm. 12, 7. Dienet einander, ein jeglicher mit der Gabe, die er empfangen hat. 1 Petri ^,10. Reichet dar in der Gottseligkeit brüderliche Liebe, und in der brüderlichen Liebe gemeine Liebe. 2 Petri i, 7. Wenn ihr recht thut in eurem Stande und Beruf, in eurem Gewerbe, eurer Haushaltung, bey eurer Kinderzucht, so werdet ihr, wenn ihr auch viel Schwierigkeiten zu besiegen hattet, euch doch am Ende des Gelingens und -es Segens des Höchsten erfreuen. 4. Gieb mir, wofern cS dir gefällt, DeS Lebens Ruh' und Freuden. Doch schadet mir das Glück der Welt: So gieb mir Kreuz und Leiden. Nur stärke mit Geduld mein Herz, Und laß mich nicht in Noth und Schmerz Die Glücklichern beneiden. 60 Vergiß nicht des Gesetzes deines Gottes, und dein Herz behalte seine Gebote. Denn sie werden dir langes Leben, und gute Jahre und Frieden bringen. Gnade und Treue werden dich nicht lassen. Zur rechten Hand der Tugend ist langes Leben und zu ihrer Linken ist Reichthum und Ehre. Ihre Wege sind liebliche Wege, und alle ihre Steige sind Friede. Sie ist ein Baum des Lebens allen, die sie ergreifen, und selig sind, die sie halten. Sprüchw. 3,1,2)3,16,17,18. Wir können also bey der Ausübung der Tugend Ruhe und mannigfaltiges Glück des Lebens hoffen. Aber freylich nicht lauter Freuden ohne Zusatz von Beschwerden und Leiden. Die Bewährung unsrer Tugend, und unsre Vorbereitung auf die Ewigkeit erfordern, daß wir durch mancherley Trübsale und sogar durch unverschuldete Leiden geprüft werden. Leidest du nach Gottes Willen, so beneide nicht den Glücklichern , so empsieh! dem treuen Schöpfer dein Schicksal, fahre fort im Rechtthun, hoffe Gott werde alles zum Besten wenden. 5. Hilf deinem Volke väterlich In diesem Jahre wieder. Erbarme der Verlaßnen dich, Und der bedrängten Glieder. Gieb Glück zu jeder guten That, Und laß dich, Gott! mit Heil und Rath Auf unsre Obern nieder. Herr gedenke unser nach der Gnade, die du deinem Volke verheißen hast; beweise uns deine Hülfe, daß wir sehen mögen die Wohlfahrt deiner Auserwählten, und uns freuen, daß es deinem 61 Volke wohl gehet/ und uns rühmen mit deinem Erbtheil. Ps. 106, 5 . Hilf deinem Volk/ und segne dein Erbe/ und weide sie/ und erhöhe sie ewiglich. Ps. 28 , 9. Die Vorgesetzten ziere Recht- schaffenheit und Gemeinsinn, sie seyen des Volkes Muster und würdige Führer. Der Lehrer mache sich zum Lehren geschickt und lehre durch Wort und Beyspiel. Dem Greis erheitre der Kinder und Enkel Glück den Abend des Lebens. Der Vater, die Mutter führe der Kinder Jugend als Gottes Eigenthum. Dem Waisen erwecke Gott einen Menschenfreund, der ihn aufnehme um Jesu willen, dem Armen einen theilnehmenden Berather, dem Kranken einen mitleidigen Pfleger. Dem Rechtschaffenen gelinge die gute That. Gottesfurcht bewahre die Unschuld vor der Verführung. Das Leiden des Gerechten werde in Freude verkehret. Die gute Sache siege. Das Recht, die Wahrheit, das Evangelium siege. Gott gebe uns viel Gnade und Friede durch die Erkenntniß Gottes, und Jesu Christi unsers Herrn. 2 Petr. t, 2. 6. Daß Weisheit und Gerechtigkeit Auf ihrem Stuhle throne; Daß Tugend und Zufriedenheit In unserm Lande wohne; Daß Treu und Liebe bey uns sey; Dies, lieber Vater! dies verleih In Christo, deinem Sohne! Möge das Vaterland, in dessen Schoose wir friedlich ruhen, seine weise Verfassung, seine innere Ordnung und äußere Sicherheit behalten. Möge 62 die Obrigkeit ungestört unser Wohl berathen/ den Bösen Scheil/ den Guten Zuversicht durch Gerechtigkeit und Wohlthun einflößen. Die Gewaltigen find nicht den guten Werken, sondern den bösen zu fürchten. Röm. 13, 3. Wir beten für alle Obrigkeit, ailf daß wir, unter ihrer Regierung, ein ruhiges und stilles Leben führen mögen, in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit. 1 Timoth. 2,2. Ach, daß ich hören sollte, daß Gott der Herr redete, daß er Friede zusagte seinem Volke. Doch ist ja seine Hülfe nahe denen, die ihn fürchten; daß in unserm Lande Ehre wohne. Daß Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen. Daß Treue auf der Erde wachse, und Gerechtigkeit vom Himmel schaue. Psalm', 85, 9, io, ii, 12. XU. Passionslied. Die Frühlingswoche, welche mit dem Palmsonntage anfängt, heißt die heilige Woche, oder die Eharwoche. In dieser Festzeit werden die Auftritte der letzten Leiden Jesu Christi am Grün- donstage und Charfreytage, seine Seelenangst, Gc- fangennehmnng, Anklage, Verurtheilung, Mißhandlung, Kreuzigung, Tod und Begräbniß, in den PassionSpredigten dem christlichen Volke in Erinnerung gebracht, um den Trost der Erlösung un- heilsame Entschließungen aufs neue zu beleben. 1. Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken, Mich in das Meer der Liebe zu versenken, Die dich bewog, von aller Schuld des Bösen UnS zu erlösen: 63 Herr/ mein Heiland/ ich will deine Leiden, ihre Ursachen, ihre Umstände und Folgen betrachten. Segne meine ernsthafte, gläubige Betrachtung. Eine unergründliche Liebe, und menschenfreundliches Erbarmen brachte dich zu der Entschließung, uns von dem Elend zu befreyen, worein die Sünde stürzt. 2 . Vereint mit Gott, ein Mensch gleich uns auf Erden, Und bis zum Tod am Kreuz gehorsam werden; An unsrer Statt gemartert und zerschlagen, Die Sünde tragen; Jesus Christus, obgleich er göttlicher Natur war, bestand nicht darauf Gott gleich zu seyn; sondern er setzte steh selbst herab, wurde wie ein Knecht, ganz den Menschen gleich, auch in seinem Aeußeren, wie jeder andere Mensch. Er erniedrigte sich selbst, und ward gehorsam bis zum Tode, ja bis zum Kreuzestode. Phil. 2, 6, 7, 8. Er ist um unsrer Missethat willen verwundet, und um unsrer Sünden willen zerschlagen. Jesajas 53, 5. 3. Welch wundervoll hochheiliges Geschäfte! Sinn ich ihm nach: so zagen meine Kräfte, Mein Herz erbebt; ich seh und ich empfinde Den Fluch der Sünde. Das Werk der Erlösung, das Jesus Christus vollbracht hat, stellt sich mir als ein Wunder vor, wo der Verstand viel fragen, aber nicht darauf antworten kann, als ein Geheimniß, das uns erst die Ewigkeit ausschließen wird. Begleite ich Jesum auf seinem Leidensweg, so ergreift mich Beben bey diesen schaudervollen Begebenheiten. Nur so viel 61 sehe ich ein, und fühle es/ daß die Sünde der Leute Verderben / der Fluch der Menschheit sey. 4. Gott ist gerecht/ ein Rächer alles Bösen. Gott ist die Lieb , und läßt die Welt erlösen. Dies kann mein Geist/ mit Schrecken und Entzücken/ Am Kreuz erblicken. Was stehet am Kreuze Jesu geschrieben/ wie liesest du? Lies mit Schrecken: Gottes Zorn wird geoffenbaret vom Himmel über alles gottlose Wesen und Ungerechtigkeit der Menschen. Röm. 1/ 18. Lies mit freudigem Entzücken: Gott hat Geduld mit uns/ und will nicht/ daß jemand verloren werde/ sondern daß sich jedermann zur Buße kehre. 2 Petri 3/ 9. 5. ES schlägt den Stolz und mein Verdienst darnieder/ Es stürzt mich tief/ und eS erhebt mich wieder; Lehrt mich mein Glück/ macht mich auS Gottes Feinde Zu GotteS Freunde. Weil alle gesündiget und des Wohlgefallens Gottes sich unwürdig gemacht haben, so werden sie unverdient, durch seine Gnade, gottgefällig/durch die Erlösung, die er durch Jesum Christum bewirkt hat. Röm. 3, 23, 2^. So laßt der Glaube der Christen dem Stolze keinen Vorwand. Wenn wir, da wir noch Feinde Gottes waren, durch den Tod seines Sohnes ihm versöhnt wurden, wie vielmehr werden wir jetzt als Versöhnte, durch sein Leben Beseligung erlangen. Röm. 2, 10. Der Glaube der Christen erhebt mich zum Freunde Gottes. 6. O Herr, mein Heil, an dessen Blut ich glaube, Ich liege hier vor dir gebückt im Staube, 65 Verliere mich mit dankendem Gemüthe In deiner Güte. Ja, über alles groß ist die Gnade unsers Herrn, die mit dem Glauben und der Liebe mir zu Theil ward. O eine gewisse, aller Annahme würdige Lehre, daß Jesus Christus in die Welt kam, um Sünder zu retten. Auch ich fand Erbarmen, auch an mir erzeigte Jesus Christus seine ganze Langmuth. i Tim. 1, 1^—16. 7. Sie übersteigt die menschlichen Gedanken; Allein sollt ich darum im Glauben wanken? Ich bin ein Mensch; darf der sich unterwinden, Gott zu ergründen? Ausgebreitet, unermeßlich, unergründlich, erhaben, weit über alle unsere Erkenntniß hinaus- reichend ist die Liebe Christi, durch die wir der ganzen Fülle der Segnungen Gottes in vollem Maaße theilhaftig werden. Er kann überschwenglich mehr thun, als wir bitten oder verstehen, nach seiner in uns wirksamen Kraft. Ephes. 3, 18,1 9 , 20 . 8. Das Größt' in Gott ist Gnad und Lieb erweisen; Uns kommt eö zu, sie demuthsvoll zu preisen, Zu sehn, wie hoch, wenn Gott uns Gnad erzeiget, Die Gnade steiget. Was ist göttlicher als verzeihen und wohlthun? Die Gnade des Herrn währet von Ewigkeit zu Ewigkeit über die so ihn fürchten. Ps. 103, 17. Herr, thue meine Lippen auf, daß mein Mund deinen Ruhm verkündige. Ps. 50, 17 . 9. Laß deinen Geist mich stets, mein Heiland, lehren, Dein göttlich Kreuz im Glauben zn verehren; 5 66 Daß ich, getreu in dem Beruf der Liebe, Mich christlich übe. Die Anstalten Gottes, wie thöricht fle scheinen, übertreffen doch die Weisheit der Menschen; und wie schwach seine Mittel uns dünken, sie vermögen doch mehr als Menschenwerke. Die Lehre von dem gekreuzigten Christus ist göttliche Kraft und göttliche Weisheit denen, welche die Einladung annehmen. Darin zeigt sich die Liebe, daß Gott uns, die wir ihn nicht geliebt hatten, liebte; und seinen Sohn als Versöhnopfer für unsre Sünden sandte. Lasset uns ihn lieben, denn er hat uns zuerst geliebt, i Joh. 10 , 19. 10. Das Gute thun, das Böse fiiehn und meiden, Herr, diese Pflicht lehrt mich dein heilig Leiden. Kann ich zugleich das Böse mir erlauben Und an dich glauben? Wenn wir vorgeben, daß wir mit ihm in Gemeinschaft stehen und doch noch in Finsterniß wandeln; so lügen wir und handeln nicht rechtschaffen. Wandeln wir hingegen im Lichte, so wie Gott im Lichte ist; so stehen wir mit einander in Verbindung, und der blutige Tod Jesu Christi reiniget uns von allen Sünden, i Joh. 1, 6, 7. 11. Da du dich selbst für mich dahin gegeben, Wie könnt ich noch nach meinem Willen leben? Ünd nicht vielmehr, weil ich dir angehöre, Zu deiner Ehre? Ich lebe, doch nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir. Was ich noch lebe auf Erden, das 67 lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes , der mich geliebt, und sich selbst für mich hingegeben hat. Diese Gnade Gottes achte ich nicht gering. Gal. 2, 20. 12. Ich sollte nicht, wenn Leiden dieser Erden, Wenn Kreuz mich trifft, gelafineü Herzens werden; Da du so viel für uns, die wirs verschuldet, Liebreich erduldet. Das macht gottgefällig, wenn man aus Gewissenhaftigkeit vor Gott Widriges erduldet, und unverdient leidet. Das bringt euer Christenberuf mit sich. Denn auch Christus duldete euch zum Beßten, und hinterließ euch ein Muster zur Nachfolge. 1 Petri 2, 19, 21. 1Z. Für welche du dein Leben selbst gelassen, Wie könnt' ich sie, sie meine Bruder hassen? Und nicht, wie du, wenn sie mich untertreten, Für sie noch beten! Da wir noch Feinde Gottes waren, wurden wir ihm versöhnt durch den Tod seines Sohnes. Röm. 5, 10. Ich sehe in denen, die mich beleidigen, Bruder, ich hoffe Versöhnung. Und wenn sie mich auch unter die Füsse treten wollten, will ich für sie beten: Vater, vergieb ihnen. 14. Ich will nicht Haß mit gleichem Haß vergelten, Wenn man mich schilt, nicht rächend wieder schelten. Du Heiliger, du Herr und Haupt der Glieder, Schallst auch nicht wieder. Jesus Christus hatte keine Sünde gethan, keine Unwahrheit war aus seinem Munde gekommen, und dennoch gelästert, lästerte er nicht wieder, 68 'mißhandelt, drohete er nicht, sondern stellte es dem anheim, der gerecht richtet. 1 Petri 2, 22 , 23. Ueberwinde das Böse durch Gutes. Röm. 12 , 2t. 15. Ein reines Herz, gleich deinem edlen Herzen, Dieß ist der Dank für deines Kreuzes Schmerzen. Und Gott giebt uns die Kraft in deinem Namen, Dich nachzuahmen. Seyd gütig, erbarmen-, nachsichtsvoll gegen einander, so wie auch Gott in Christo sich gütig und schonend euch erwies. Ahmet Gott nach, als seine geliebten Kinder, und wandelt in der Liebe, so wie auch Christus uns geliebt, und sich selbst für uns hingegeben hat. Eph. 5, 1 , 2 . 16 . Unendlich Glück, du littest uns zu gute. Ich bin versöhnt mit deinem theuren Blute, Du hast mein Heil, da du für mich gestorben, Am Kreuz erworben. Gnade uns und alles Gute von dem, der ist, und der war, und der kommen wird, und von Jesu Christo, dem treuen Zeugen , der uns geliebt, und durch sein Blut von unsern Sünden gereiniget hat. Ihm sey Preis und Macht in Ewigkeit. Amen. Offenb. 1 , 5, 6. 17. So bin ich denn schon selig hier im Glauben? So wird mir nichts, nichts meine Krone rauben? So werd ich dort, von Herrlichkeit umgeben, Einst ewig leben? In Hoffnung sind wir selig. Wir hoffen, was wir noch nicht sehen, und erwarten es mit standhafter Geduld. Röm. 8 , 2 ^, 25. Ich bewahre, was ich habe, damit mir Niemand meine Krone nehme. Offenb. 3/ 11. Schon jetzt sind wir Gottes Kinder/ noch ist es aber nicht enthüllt/ was wir seyn werden/ doch sind wir gewiß/ daß wenn es sich enthüllen wird/ wir ihm gleich seyn werden, i Joh. 3, 2 . 18. Ja/ wenn ich sietS der Tugend Pfad betrete/ Im Glauben kämpf/ im Glauben wach und bete: So ist mein Heil schon so gewiß erstrebet/ Als Jesus lebet. Wer will die Geliebten Gottes anklagen? Gott spricht sie frey. Wer will verdammen? Christus starb/ ja er stand wieder auf/ und zur Rechten Gottes ist er und führet unsere Sache. Röm. 8, 3^. 19. Lockt böse Lust mein Herz mit ihrem Reize: So schrecke mich dein Wort/ das Wort vom Kreuze. Und werd ich matt im Laufe guter Werke: So sey mirs Stärke. Jesus sprach zu seinen Jüngern: Will mir Jemand nachfolgen/ der verläugne sich selbst/ und nehme sein Kreuz auf sich / und folge mir. Was hülfs dem Menschen / wenn er die ganze Welt gewönne/ und nehme doch Schaden an seiner Seele. Matth. 16, 2 ^, 26 . 20 . Sch ich dein Kreuz den Klugen dieser Erden Ein Aergerniß und eine Thorheit werden: So seyS doch mir/ trotz alles frechen Spottes, Die Weisheit Gottes. Es giebt Menschen/ die klug sind, irrdifche Vortheile zu erwerben, denen das Kreuz Christi verächtlich ist, und denen es dem gesunden Verstände zuwider scheint, von einem Gekreuzigten sein 7 « Heil zu erwarten. Ich halte es, des verwegenen Spottes ungeachtet / für eine weise Anstalt Gottes. 21 . Gott/ eile nicht/ sie rächend zu zerschmettern; Erbarme dich / wenn einer von den Spöttern Sich spät bekehrt/ und den/ den er geschmähet/ Um Gnade siehet. Herr/ Gott/ reich an Langmuth, verschone, zerschmettre die Frechen nicht mit deinen Blitzen. Mehr als einer wird noch sein Unrecht erkennen, im Alter vielleicht noch seinen Sinn ändern, tu Jesu noch den Richter erkennen, und zu dem einst Verspotteten rufen: Herr, erbarme dich meiner. 22. Wenn endlich, Herr / mich meine Sünden kränken, So laß dein Kreuz mir wieder Ruhe schenken, Dein Kreuz, dieß sey, wenn ich den Tod einst leide, Mir Fried und Freude. Auch euch, die ihr ehemals durch die Gesinnung, die in euer» bösen Werken sich zeigte, fern von dem Herrn und wider ihn wäret, euch hat er nun durch den Tod, den er an seinem Leibe erlitt, ausgesöhnt, um euch als heilige, untadelhafte und unsträfliche Menschen ihm darzustellen; wenn ihr anders im Glauben fest gegründet und beständig bleibt, und euch durch nichts die Hoffnung rauben lasset, die euch das Evangelium giebt, Kol. i, 21,22, 23, 71 XHI. Passionslied. Rührende Erzählung der Todesleiden Jesu nach dem Evangelio, verglichen mit den Wetßagungen. 1. Erforsche mich, erfahr mein Herz, Und sieh, Herr, wie ichs meine. Ich denk an deines Leidens Schmerz, An deine Lieb, und weine. Dein Kreuz sey mir gebenedeit! Welch Wunder der Barmherzigkeit Hast du der Welt erwiesen! Wenn hab ich dieß genug bedacht, Und dich aus aller meiner Macht Genug dafür gepriesen? Wenn ich gedenke der Marterlast, der Todesqualen meines Heilandes, so durchdringt mich tiefer Schmerz. Ich weine mit den Töchtern Jerusalems, die dem Verurtheilten nachfolgten. Luk. 23, 27. Ich schlage an die Brust mit dem Volke, das den Schuldlosen sterben sah. Luk. 23, ^7. Herr Jesu, du wolltest sterben, um die zerstreuten Kinder Gottes in einer Gesellschaft zu vereinigen. Joh. 12 , 52. Du wolltest sterben auch für mich. Ich weine dir meinen Dank. Vergeß ich dein, so werde mein in Ewigkeit vergessen. 2. Rath, Kraft und Friedefürst und Held! In Fleisch und Blut gekleidet, Wirst du das Opfer für die Welt, Und deine Seele leidet. Dein Freund, der dich verräth, ist nah. Des Zornes Gottes Stund ist da, 72 Und Schrecken strömen über. Du zagst und fühlst der Höllen Weh: JstS möglich, Vater, o so geh Der Kelch von mir vorüber. Wer ist -er, der dort in Gethsemane große Bangigkeit und drückende Angst überwältiget? Er klagt: Jetzt ist meine Seele betrübt. Und was soll ich sagen: Vater, hilf mir aus dieser Stunde: doch darum bin ich in diese Stunde gekommen. Ioh. 12 , 27. Er betet: Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch mir vorüber. Matth. 26,3«-. Er warnt: Auf, lasset uns gehen. Sehet, mein Verräther ist da. Es ist der, welcher heißt: Wunderbar/Rath, Kraft, Held, Friedefürst. Jes. 9,6. Der ist das Sühnopfer, auf das die Schuld der Menschen übergetragen wird. 3. Dein Schweiß wird Blut; du ringst und zagst, Und fällst zur Erden nieder; Du, Sohu des Höchsten, kämpfst und wagst Die erste Bitte wieder. Du fühlst von Gott gestärkt im Streit, Die Schrecken einer Ewigkeit, Und Strafen sonder Ende. Auf dich nimmst du der Menschen Schuld, Und giebst mit göttlicher Geduld Dich in der Sünder Hände. Todesangst ergriff ihn wieder, und driugender war sein Gebet: Vater, wenn es dein Wille ist, so nimm diesen Kelch von mir. Sein Schweiß war wie Blutstropfen, die auf die Erde fielen. Da erschien ihm ein Engel vom Himnrel, der ihn stärkte. Luk. 22, Fürwahr damals trug er 7Z unsre Krankheit, und lud auf sich unsere Schmerzen. Die Strafe liegt auf ihm , auf daß wir Friede hätten. Ies. 53, 5. 4. Du trägst der Missethäter Loh», Und hattest nie gesündigt; Du, der Gerechte, KotteS Sohn! So warS vorher verkündigt. Der Frechen Schaar begehrt -ein Blut, Du duldest, göttlich groß, die Wuth, Um Seelen zu erretten. Dein Mörder, Iesuö, war auch ich; Denn Gott warf aller Sund auf dich, Damit wir Friede hätten. Der Niemand Unrecht gethan hat, in dessen Mund kein Betrug gewesen ist, hat sein Leben zum Schuldopfer gegeben. Mein Knecht, der Gerechte wird Viele gerecht machen, denn er tragt ihre Sünden. Er hat sein Leben in den Tod gegeben, und ist den Uebelthätern gleich gerechnet, und hat für die Uebelthäter gebeten. Da er gemartert ward, that er seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführet wird. Wir giengen alle in der Irre wie Schafe. Aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn. Ies. 53. 5. Erniedrigt bis zur KncchtSgestalt, Und doch der Größt im Herzen, Erträgst du Spott, Schmach und Gewalt, Voll Krankheit und voll Schmerzen. Wir sahn dich, der Verheißung Ziel; Doch da war nichts, das uns gefiel, Und nicht Gestalt noch Schöne. Don dir, Herr, unsre Zuversicht, 74 Verbarg man selbst das Angesicht; Dich schmäh« des Bundes Söhne. Bis zur Aehnlichkeit mit einem Sklaven erniedrigte sich der Vortrefflichste vor dem, der die Herzen kennet. Voll Wunden und Schmerzen ertrug er die grausamste Mißhandlung, den Hohn der Frechen, den Spott der Schadenfrohen. Wir sahen den, auf den die Propheten hinwiesen, aber der Lehrer der Wahrheit im Kleide der Armuth mißfiel. Das Volk wollte einen Messias, der ein weltlicher König wäre. Die Israeliten, deren Vater Gott in seinen Bund aufgenommen hatte, wendeten sich verächtlich weg von ihm. 6. Ein Opfer nach dem ew'gen Rath, Belegt mit unsern Plagen, Um deines Volkes Missethat Gemartert und zerschlagen, Gehst du den Weg zum KreuzeSstamm, In Unschuld stumm, gleich als ein Lamm, Das man zur Schlachtbank führet. Freywillig, als der Helden Held, Trägst du, aus Liebe für die Welt, Den Tod, der uns gebühret. Jesus Christus hat sich einmal als Opfer dargebracht, um vieler Menschen Sünden zu tilgen. Hebr. 9, 28. Dieses durch den Rathschluß des Ewigen ausersehene Opfer wurde belastet mit unsern Strafen. Auf dem Weg zum Tode schwieg er, seine Unschuld sprach für ihn. Unerschrocken, heldenmüthig gieng er dem Martertode entgegen, henn er liebte die Seinigen bis ans Ende. Joh. 13, i. 75 Die Welt sollte erkennen / daß er den Vater liebe. Joh. 1^, 31. 7. „Sie haben meine Hände mir, »Die Füsse mir durchgrabcn, - »Und große Farren sindS, die hier »Mich, Gott, umringet haben. »Ich heul, und meine Hüls ist fern. »Sie spotten mein; er klagü dem Herrn, »Ob dieser ihn befreyte! » Du legst mich in des Todes Staub. »Ich bin kein Mensch, ein Wurm; ein Raub »Der Wuth, ein Spott der Leute. Sie haben mir Hände und Füße durchbohrt. Ergrimmte Thiere haben mich umgeben. Ich weine kläglich. Mein Gott ist ferne von mir; Angst ist nahe, und es ist hie kein Helfer. Er klage es dem Herrn, der helfe ihm aus und errette ihn, hat er Lust zu ihm. Du legst mich in den Todesstaub. Ich bin ein Wurm, der sich im Staube unter dem Fußtritt krümmt, ein Spott -er Leute und Verachtung des Volks. Ihren Rachen sperren sie auf wider mich, wie ein brüllender und reißender Löwe. Ps. 22. 8. »Ich ruf, und du antwortest nie, »Und mich verlassen alle. »In meinem Durste reichen sie »Mir Essig dar und Galle. „WieWachs zerschmelzt in mir mein Herz, »Sie sehn mit Freude» meine» Schmerz, »Die Arbeit meiner Seelen. »Warum vcrläßst du deinen Knecht? »Mein Gott, mein Gott, ich leid und möcht »All mein Gebeine zähle». 76 Mein Gott, des Tages ruf ich / doch du schweigst; des Nachts allein ich finde keine Ruhe. Ps. 22 . Fremd bin ich meinen Anverwandte»/ verkannt von meinen Brudern. Vergebens seh ich mich nach Mitleid um. Ich finde Niemand / der mich tröstet. Gift reicht man mir zur Speise/ und Essig meinen Durst zu stillen. Ps. 69 . Wie Wachs wird mir das Herz und schmilzt in meinem Leibe. Sie blicken hin auf mich und sehen es mit Lust. Mein Gott/ mein Gott/ warum verlassest du mich ganz; entfernt mir beyzustehen / mein Angstgeschrey zu hören. Die Zunge klebt mir an dem Gaumen. Ich könnte jeden Knochen zählen. Ps. 22 . 9. Du neigst dein Haupt. ES ist vollbracht. Du stirbst! Die Erd erschüttert. Die Arbeit hab ich dir gemacht. Herr/ meine Seele zittert. WaS ist der Mensch/ den du befreyt? O wär ich doch ganz Dankbarkeit! Herr/ laß mich Gnade finde». Und deine Lieble dringe mich Daß ich dich wieder lieb / uud dich Nie kreuzige mit Sünden. Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! und neigte das Haupt / und verschied. Joh. 19/ 30. Der Hauptmann/ und die bey ihm waren und benxchreten Jesum, da fie sahen das Erdbeben und was da geschah, erschracken sie sehr und sprachen: Wahrlich dieser ist Gottes Sohn gewesen. Matth. 27, 54. Mein Erlöser kann sagen: Ja, mir hast du Arbeit gemacht durch deine Sünden, und mir hast du Mühe 77 gemacht durch dein wiederholtes Unrecht. Ich, ich tilge deine Uebertretungen um meinetwillen, und gedenke deiner Sünden nicht. Jes. ^3, 2^, 25. Ich bete: Herr, was ist der Mensch, daß du noch sein gedenkest. Ps. 8. Erbarm dich mein nach -einer Gnade. Reinige von meinen Sünden mich. Tilge alle meine Schuld. Ps. 51. Den Herrn erhebe meine Seele; er ists der alles dir vergiebt. Ps. 103. Die Liebe Christi dringe mich von nun an zu jeder j Pflicht. 2 Kor. 5, 1L Es ist unmöglich, diejenigen, welche hie himmlische Gabe des Christenthums kosteten, und die kraftvollen Wirkungen der frohen Gotteslehre aus Erfahrung kennen lernten, wenn sie dennoch abfallen, noch einmal zu bessern Menschen umzuschaffen, sie, die für ihre Person den Sohn Gottes zum zweyten Mal kreuzigen und beschimpfen. Hebr. 6, 5, 6. io. Welch Warten einer ewgen Pein Für die, die dich verachten; Die, solcher Gnade werth zu seyn, Nach keinem Glauben trachten! Für die, die dein Verdienst gesteh», Und dich durch ihre Laster schmäh», AIS einen Sündendiener! Wer dich nicht liebt, kommt ins Gericht. Wer nicht dein Wort hält, liebt dich nicht; Ihm bist du kein Versöhner. Sündigen wir vorsätzlich, nachdem wir einmal zur Erkenntniß der Wahrheit gelangt sind, so ist kein Sühnopfer mehr übrig; sondern unserer wartet ein schreckliches Gericht, ein Feuereifer, der die Widerspenstigen verzehren wird. Hebr. io, 26 , 27. Wenn wir bey all unserm Verlangen durch Christum Gott wohlgefällig zu werden, selbst noch als Sünder befunden würden; so wäre denn Christus ein Beförderer der Sünde? Das sey ferne. Gal. 2 , 17. 11. Du hastS gesagt. Du wirst die Kraft Zur Heiligung mir schenken. Dein Blut tsts, das mir Trost verschafft, Wenn mich die Sünden kränken. Laß mich im Eifer des Gebers, Laß mich m Lieb und Demuth stets Vor dir erfunden werden. Dein Heil sey mir der Schirm in Noth, Mein Stab im Glück, mein Schild im Tod Mein letzter Trost auf Erden. Wandeln wir im Lichte, so wie Gott im Lichte ist, so stehen wir mit ihm in Gemeinschaft, und der blutige Tod seines Sohnes, Jesu Christi, reiniget uns von allen Sünden. 1 Joh. 1, 7. Ja, Kinder, bleibet mit ihm verbunden, damit, wenn er erscheinen wird, wir freudige Zuversicht haben, und nicht zu Schanden werden vor ihm bey seiner Ankunft. 1 Joh. 2, 28. XIV. Trost der Erlösung. Betrachte oft das Glück ein Christ zu seyn. Besonders kann dir diese Betrachtung nützlich werden zurVorbereitung auf das heilige Abendmahl. i. Gedanke, der uns Leben giebt, Welch Herz vermag dich anözudenkcn! 79 Also hat Gott die Welt geliebt, Uns seinen Sohn zu schenken. Also hat Gott die Well geliebet, und also hat er sich der sündigen Menschen erbarmet, daß er seinen eingebornen Sohn gab, ihn zum Erlöser schenkte, ihn sogar in den Tod dahingab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern Vergebung ihrer Sünden erlangen, und das ewige Leben haben mögen. Ioh. 3, 16. Ist das nicht ein trostreiches Evangelium? Kann eine Lehre trostreicher, erfreulicher, willkommener seyn? Es sollte uns zu Muthe seyn wie einem, der der Todesgefahr durch die Hülfe eines großmüthigen Retters entronnen ist, wie einem Verurtheilten, wenn ihn sein König begnadiget. 2. Hoch über die Vernunft erhöht, Umringt mit heil'gen Finsternissen, Füllst du mein Herz mit Majestät, Und stillest mein Gewissen. Allerdings ist die Lehre von der Erlösung, die durch das Leiden und Sterben Christi vollbracht worden ist, eine geheimnißvolle Lehre. Die Offenbarung beantwortet nicht alle Fragen, die unsre Vernunft auswerfen möchte. Jetzt umgiebt noch ein heiliges Dunkel diese Lehre. Nur die Ewigkeit kann uns den Rathschluß Gottes zum Heil der Sünder ganz erklären, so daß wir einsehen werden, warum Gott dieses Mittel erwählte, Jesum für uns in den Tod zu geben. Aber mein Herz empfindet jetzt schon, daß die Erlösung durch Christum eine göttliche Anstalt ist. Jetzt schon empfindet 80 mein Gewissen Beruhigung -abey, wenn es mich bekümmert, -aß ich das begangene Böse nicht ungeschehen machen, -as versäumte Gute nicht einbringen kann. Z. Ich kann der Sonne Wunder nicht, Noch ihren Lauf und Bau ergründen; Und doch kann ich der Sonne Licht Und ihre Wärm empfinden. Ich kann eine Wohlthat Gottes genießen, ohne -aß ich ihre innere Beschaffenheit und die Art und Weise, wie sie mir zu Theil geworden, naher zu kennen brauche. Die Sonne sendet mir ihre wohlthätigen Stralen, sie leuchtet mir zu meinen Verrichtungen, sie erwärmet, belebt, erfreut mich, sie entzückt mich, indem sie mir Gottes Werke zeigt. Ich brauche nicht zu wissen, was für ein Weltkörper sie sey, wie weit sie von uns entfernt sey, wie sie auf uns Einfluß habe. 4. So kann mein Geist den hohen Rath DeS Opfers Jesu nicht ergründen; Allein das Göttliche der That Das kann mein Herz empfinden. So wie in den Werken Gottes in der Natur vieles unergründlich ist, so ist es auch in den Anstalten der Gnade. Ich brauche auch wirklich den Rath Gottes nicht zu ergründen. Ich soll ihn vielmehr dankbar annehmen und fleißig benutzen. Daß es eine der höchsten Güte würdige That sey, Verirrte auf den rechten Weg zu bringen, zu suchen und selig zu machen, das verloren war, empfindet jedes Herz, das noch menschlich fühlt. 81 L. Nimm mir den Trost, daß Jesus Christ Am Kreuz nicht meine Schuld getragen, Nicht Gott und mein Erlöser ist: So werd ich angstvoll zagen. Es ist ein theures werthes Wort/ daß Jesus Christus in die Welt gekommen ist/ die Sünder selig zu machen, i Tim. i, 15. In ihm findet sein Heil jeder/ -er es bey ihm sucht, aber außer ihm ist kein Heil. Könnte mir jemand die Ueberzeugung rauben, die mir das Evangelium giebt, daß Jesus für mich gelitten habe, daß er die Schuld, die auf mir lag, auf steh geladen habe, so konnte ich der Anklage und den Vorwürfen des Gewissens nichts entgegensetzen; ich müßte verzagen. 6. Ist Christi Wort nicht GotleS Sinn: So werd ich ewig irren müssen, Und, wer Gott ist, und was ich bin, Und werden soll, nicht wissen. - Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Joh. 1^, 6. Die Heiden leben in der Finsterniß, uns Christen leuchtet ein himmlisches Licht. Wäre Jesus Christus nicht gekommen, so wäre auch bey uns noch Irrthum und Aberglauben. Wir kennten den einigen wahren Gott nicht. Wir dienten noch den Götzen, wie unsre heidnischen Voreltern den Götzen dienten. Wir hätten keinen Begriff von der Vortrefflichkeit der Meuschennatur, keine Hoffnung zu einem Leben nach -ein Tode. 7. Nem, diesen Trost der Christenheit Soll mir kein frecher Spötter rauben; Ich suhle seine Göttlichkeit, Und halte sest am Glauben. 6 82 Als der Sohn des Ewigen kam, nahmen ihn die Seinen nicht auf. Joh. 1, 11 . Einigen war seine Armuth und Niedrigkeit anstößig, fie verkannten das Göttliche im Kleide der Sterblichkeit. Einige lästerten sogar den Heiligen und Gerechten , und spotteten frech des Gekreuzigten. Noch heut zu Tage ist der Glaube der Christen dem Frevler ein Spott. Aber ich kehre mich nicht an die Reden, die ihnen der Leichtstnn und die Bosheit eingiebt. Ihres Spottes ungeachtet bleibt mir das Evangelium heilig. Ich halte fest an Jesu, wie der Gerettete am Retter seines Lebens. 8. Des Sohnes Gottes Eigenthum, Durch ihn des ewgen Lebens Erbe, Dieß bin ich: und das ist mein Ruhm, Auf den ich leb und sterbe. Ich bin nicht mein selbst eigen. Ich bin mit Leib und Seele, im Leben und im Sterben meines Herrn Jesu Christi eigen. Er hat mich theuer erkauft. Ich habe sein Blut gekostet. Wie sollt ich nun eines andern seyn? Er ist mein treuer Hirt. Ein guter Hirt lässet sein Leben für seine Schaafe. Er kennet die Seinen, und ist bekannt den Seinen. Denen, die seine Stimme hören und ihr folgen, giebt er das ewige Leben. Joh. 10 , 1^, 27, 28. So viele ihn aufnehmen, denen giebt er Macht Gottes Kinder zu heißen. Joh. 1, 12. Sind wir Gottes Kinder, so find wir auch Erben seiner Seligkeit. Röm. 8, 17. Das ist mein Glaube, meine Hoffnung, mein Ruhm. Darauf leb und sterbe ich. 83 9. Er giebt uns seinen Geist, das Pfand, Daran wir seine Liebe merken, Und bildet uns durch seine Hand Zu allen guten Werken. Die Erwartung der Seligkeit ist dem wahren Christen eine zuverläßige Hoffnung. Jesus versichert uns durch seinen heiligen Geist des ewigen Lebens. Der verheißene heilige Geist ist das Pfand unsers Erbes. Ephes. 1, Wer Chistt Geist nicht hat, der ist nicht sein. Röm. 8, 9. Aber wem er seinen Geist gab, wer sich vom Geiste Christi leiten läßt, wen dieser Geist Christi erneuert, erleuchtet, bessert, heiliget, zu allen guten Werken bildet, dessen Seligkeit ist gewiß. 10. So lang ich seinen Willen gern Mit einem reinen Herzen thue; So fühl ich eine Kraft des Herrn, Und schmecke Fried und Ruhe. So lange ich thue, was Gott will, und meissen Willen dem Willen Gottes unterwerfe, so lange ich dem Beyspiele meines göttlichen Vorgängers folge und in seine Fußstapfen trete, so gehe ich einher in seiner Stärke, von seiner Kraft belebt. Ps. 71, 16. Wie hat es doch der Mensch so gut, der Gutes liebt und Gutes thut; wie wohl ists ihm im Herzen. i l. Und wenn mich meine Sünde kränkt, Und ich zu seinem Kreuze trece: So weiß ich, daß er mein gedenkt, Und thut, warum ich bete. Ein rruender Sünder, der neben Jesu am 84 Kreuze hieng, sprach zu ihm: Herr, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst, und erhielt die Versicherung: Heute noch wirst du mit miL im Paradiese seyn. Luk. 23, ^2, -L3. Jesus Christus ist heute wie gestern eben derselbe Retter, Besserer der Sünder. Wenn mir also meine Sünde von ganzem Herzen leid ist, und ich trete mühselig und beladen vor den Gekreuzigten, so wird er mein Flehen erhören und mich meiner Schuld entladen. 12. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, Daß ich erwecket aus der Erde, Wenn er sich zum Gericht erhebt Im Fleisch ihn schauen werde. Der am Kreuze für mich starb, ist wieder auferstanden, der Auferstandene hat sich zum Himmel emporgeschwungen, der Erhöhete, mein Heiland wird als Richter einst wieder kommen. Die in den Gräbern sind, werden seine allmächtige Stimme hören, und lebendig hervorgehen. Joh. 5,28. Dann wird sich meine unsterbliche Seele mit meinem verklärten Leibe vereinigen. Dann werde ich den Stifter meiner Seligkeit sehen mit unaussprechlicher Freude. Was jetzt die Seele glaubet, das schauet alsdann das Auge. 1Z. Kann unsre Lieb im Glauben hier Für den, der uns geliebt, erkalten? Dieß ist die Lieb, 0 Gott, zu dir, Dein Wort von Herzen halten. Wie das Feuer Nahrung bedarf, um nicht zu erlöschen, so bedarf der Glaube Nahrung, so bedarf die Liebe Nahrung. Die Feste, die Abend- 85 mahle/ die wir zur Ehre des Erlösers feyern, solle» dem Glauben an ihn, der Liebe zu ihm neue Nahrung geben. So lange wir empfangen sein Brod, trinken aus seinem Kelche, bleibt uns sein Andenken unvergeßlich, so lange wir- die Liebe zu dem nicht erkalten, dessen Tod unser Leben ist. 14. Erfüll mein Herz mit Dankbarkeit, So oft ich deinen Namen nenne, Und hilf, daß ich dich allezeit Treu vor der Welt bekenne. Die Dankbarkeit gegen Jesum soll nicht als eine Gesinnung, deren wir uns zu schämen hatten, im Herzen verschlossen werden; sie soll mich zum freymüthigen öffentlichen Bekenntniß meines Christenthums und zur Feyer des heiligen Abendmahls ermuntern. Ferne sey in den heiligen Tagen der Communion von uns eitle Zerstreuung, noch mehr Streit und Zank. Lebe- du mit deinen Neben- menschen im Frieden; hast du dich mit Gebet und Selbstprüfung gehörig vorbereitet; begehrest du je länger je mehr deinen Glauben zu stärken, und dein Leben zu bessern, so komm und empfange christlich das Sakrament der Versöhnung, eingedenk der Verheißung des Herrn: Wer mich bekennet vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater. Matth. 10, 32. 15. Soll ich dereinst noch würdig seyn, Um deinetwillen Schmach zu leiden: So laß mich keine Schmach und Pein Von deiner Liebe scheiden. Es ist eine leichte Forderung, wenn uns Jesus 86 zur Pflicht macht: Thut das zu meinem Gedächtniß. So oft ihr von diesem Brod esset und ron diesem Kelch trinket/ sollt ihr des Herrn Tod ver. kündigen. 1 Kor. 11/ 2 S, 26 . Säume nicht ren Namen Jesu mit den Seinen mit deinen Drüdrrn zu erhöhn. Wenn wir die leichte Pflicht nicht erfüllten / wie sollten wir dann fähig seyn / eine schwere Pflicht zu erfüllen. Wenn wir uns nicht zu Jesu vor dem Volke seiner Gläubigen bekennten/ würden wir uns wohl vor Feinden seines Namens zu ihm bekennen/ würden wir es/ wie die Apostel und Märtyrer thun/ wenn das Bekenntniß mit Gefahr des Lebens verbunden wäre. Der Herr erhalte seiner- Gemeine den Frieden! Aber sollte Verfolgung über die Bekenner des Evangeliums ergehen / so soll mich weder Schmach noch Pein von seiner Liebe scheiden. 16. Und soll ich, Gott, nicht für und für Des Glaubens Freudigkeit empfinden: So wirk er doch sein Werk in mir, Und rein'gc mich von Sünden. Wer will die Geliebten Gottes anklagen? Gott spricht sie frey. Wer will verdammen? Christus starb, ja er stand wieder auf, und zur Rechten Gottes ist er, und führt unsre Sache. Wer will die Liebe Christi uns rauben? Trübsal, oder Angst, oder Verfolgung, oder Hunger, oder Blöße, oder Gefahr, oder gewaltsamer Tod? Voller Sieg wird uns über dieses alles durch ihn, der nns geliebet hat. Ja, ich bin fest überzeugt; weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegen- 87 wart noch Zukunft, weder Gewalten, noch Höhe lder Tiefe, noch irgend ein anderes Geschöpf wird in Stande seyn, uns von der Liebe Gottes zu trmnen, die er in Christo Jesu, unserm Herrn, uns geschenkt hat. Röm. 8, 33—38. Dieß ist die Sprache des freudigen starken Glaubens. Manchem Schwachgläubigen würde fie noch nicht geziemen. Zu eurem Troste, schwache Anfänger im Christenthum, sage ich: Schwacher Glaube kann wahrer Glaube seyn. Er ist es, wenn er dich bessert, dich von Sünden reiniget. Wenn du das Wort Jesu haltest, so liebest du ihn. Der freudige Muth, die unerschütterliche Zuversicht wird die Frucht, der Lohn fortgesetzter Treue seyn. 17. Hat Gott uns seinen Svhn geschenkt; So laß mich noch im Tode denken! Wie sollt un6 der, der ihn geschenkt, Mit ihm nicht alles schenken! Gott, Vater, Gott der Liebe, wir dürfen Alles von deinem Vatrrßnn, von deiner erbarmende» ewigen Liebe hoffen. Seit dem du uns deinen Sohn gesandt hast, fett dem dein Sohn die Menschheit angezogen, seitdem er das Werk der Erlösung am Kreuz vollbracht hat, seitdem ist es gewiß, daß du nicht willst den Tod des Sünders, sondern seine Rettung, sein Leben. Steh, wir nehmen deinen Sohn als unsern Retter an, wir glauben an seinen Namen; o nimm uns nun auch als deine Kinder an, und laß uns am Tische unsers Herrn aus seiner Fülle schöpfen Gnade um Gnade. Amen. 88 XV. Ofterlied. Freude über die Auferstehung Jesu. Wir feyern das Osterfest am ersten Sonnt«g nach dem ersten Vollmond im Frühlinge. Es ist schön, daß eben zu der Jahreszeit, wo die ersten purpurnen und goldnen Frühlingsblumen dir nahe Auferstehung der Natur verkünden, auch das Osterfest der Christen, das Fest der Auferstehung und Unsterblichkeit gefeyert wird. 1. Erinnre dich, mein Geist erfreut Des hohen Tags der Herrlichkeit; Halt im Gedächtniß Jesum Christ, Der von dem Tod erstanden ist. Ich erinnere euch, lieben Brüder, des Evan- gelii, das ich euch verkündiget habe, welches ihr auch angenommen habt, in welchem ihr auch stehet, durch welches ihr auch selig werdet, daß Christus gestorben sey für unsere Sünden nach der Schrift; und daß er begraben sey, und daß er auferstanden sey am dritten Tage nach der Schrift, und daß er gesehen worden ist von den Zwölfen. Darnach ist er gesehen worden von mehr denn soo Brüdern auf einmal, i Kor. 15, i—6. 2. Fühl alle Dankbarkeit für ihn, Als ob er heute dir erschien, Als sprach er: Friede sey mit dir! So freue dich, mein Geist, in mir. Am Abend des Ostertages, da die Jünger versammelt und die Thüren verschlossen waren, aus Furcht vor den Juden, kam Jesus, und trat mitten 89 ein, und spricht zu ihnen: Friede sey mit euch. Als er ihnen das sagte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, daß sie den Herrn sahen. Joh. 20, 19, 20. 3 . Schau über dich, und bet ihn an. Er mißt den Sternen ihre Bahn; Er lebt und herrscht mit Gott vereint, Und ist dein König und dein Freund. Dazu ist Christus auch gestorben und auferstanden und wieder lebendig geworden, daß er über Todte und Lebendige Herr sey. Wir werden alle vor den Richterstuhl Christi dargestellt werden. Nach dem geschrieben stehet: So wahr als ich lebe, spricht der Herr, mir sollen alle Knie gebeuget werden, und alle Zungen sollen Gott bekennen. Röm. 14 , 9 , 10, 11. 4. Macht, Ruhm und Hoheit immerdar Dem, der da ist, und der da war! Sein Name sey gebenedeit, Von nun an bis in Ewigkeit. Gott hat Jesum Christum erhöhet, und hat ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist. Daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind; und alle Zungen bekennen sollen, daß Jesus Christus der Herr sey, zur Ehre Gottes des Vaters. Phil. 2, 9, 10, 11 . 5. O Glaube, der das Herz erhöht Was ist der Erde Majestät, Wenn sie mein Geist mit der vergleicht, Die ich durch GotteS Sohn erreicht. 90 Daß Geheimniß, das verborgen gewesen ist von der Welt her und von den Zeiten her, ist nun geoffenbaret in seinen Heiligen; welchen Gott gewollt hat kund thun, welcher dasey der herrliche Reichthum dieses Geheimnisses unter den Heiden, welcher ist Christus in euch, der da ist die Hoffnung der Herrlichkeit. Kol. 1 , 26, 27. 6. Vor seinem Thron, in seinem Reich, Unsterblich, heilig, Engeln gleich, Und ewig, ewig selig seyn; Herr, welche Herrlichkeit ist mein. Die, welche würdig seyn werden, jene Welt zu erlangen, und die Auferstehung von den Todten, die können hinfort nicht sterben; denn sie sind den Engeln gleich und Gottes Kinder, dieweil sie Kinder sind der Auferstehung. Luk. 20, 35, 36. 7. Mein Herz erliegt froh unter ihr, Lieb und Verwundrung kämpft in mir, Und voll von Ehrfurcht, Dank und Pflicht, Fall ich, Gott, auf mein Angesicht. Ueber acht Tage waren abermals seine Jünger darinnen und Thomas mit ihnen. Kommt Jesus, da die Thüren verschlossen waren, und tritt mitten ein und spricht: Friede sey mit euch. Darnach spricht er zu Thoma: Reiche deine Finger her, und siehe meine Hände; und reiche deine Hand her, und lege sie in meine Seite, und sey nicht ungläubig sondern gläubig. Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott. Spricht Jesus zu ihm: Dieweil du mich gesehen hast, Thoma, SL so glaubest du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Joh. 20, 26—29. 8. Du, der du in den Himmeln thron-, Ich soll da wohnen, wo du wohnst. Und du erfüllst einst mein Vertraun In meinem Fleische dich zu schaun. Jesus sprach zu seinen Jüngern: Euer Herz erschrecke nicht. Glaubet ihr an Gott, so glaubet ihr auch an mich. In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenns nicht so wäre, so wollte ich zu euch sagen: Ich gehe hin euch die Stätte zu bereiten. Und ob ich hingienge euch die Stätte zu bereiten, will ich doch wieder kommen und euch zu mir nehmen, auf daß ihr seyd, wo ich bin. Joh. 1^, 1 , 2, Z. 9. Ich soll, wenn du, des Lebens Fürst, In Wolken göttlich kommen wirst, Erweckt aus meinem Grabe gehn, Und rein zu deiner Rechten stehn. Er selbst, der Herr, wird mit einem Feldge- schrey und Stimme des Erzengels, und mit der Posaune Gottes hernieder kommen vom Himmel, und die Todten in Christo werden auferstehen zuerst; Darnach werden wir hingerückt werden in den Wolken dem Herrn entgegen in der Luft, und werden also bey dem Herrn seyn allezeit, 1 Thess. -L, 16 , 17 . 10. Mit Engeln und mit Seraphim, Mit Thronen und mit Cherubim, Mit allen Frommen aller Zeit Soll ich mich freu» in Ewigkeit. > Ich sah den Herrn sitzen auf einem hohen und 92 erhabenen Stuhl. Seraphim standen über ihm, und einer rief dem andern zu: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll. Jes. 6, t,2,3. Hiskia betete und sprach: Herr Zebaoth, der du über dem Cherubim sitzest; du allein bist Gott über alle Königreiche auf Erden. Jes. 37, 15, 16. Ihr seyd gekommen zu der Stadt des lebendigen Gottes, zu dem himmlischen Jerusalem, und zu der Menge vieler tausend Engel, und zu der Gemeine der Erstgebornen, die im Himmel angeschrieben sind. Hebr. 12, 22, 23. 11. Zu welchem Glück, zu welchem Ruhm Erhebt uns nicht Las Christenthum! Mit dir gekreuzigt Gottes Sohn, Sind wir auch auferstanden schon. Hochgepriesen sey Gott, der Vater unsers Herrn, Jesu Christi, der uns mit geistigen Wohlthaten aller Art für den Himmel durch Christum gesegnet hat. Ephcs. 1,3. Mit Christus bin ich gekreuzigt. Ich lebe, doch nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir. Gal. 2, 19, 20. Das Gesetz hat keine Forderung mehr an mir, die in demselben gedrohete Strafe ist vollzogen worden. Die Auferstehung ist mir so gewiß, als ob ich sie schon erfahren hatte. 12. Nie komm es mir aus meinem Sinn, Was ich, mein Heil, dir schuldig bin, Damit ich mich, in Liebe treu, Zu deinem Bilde stets erneu. Alles, was zu einem gottseligen Leben dient, hat die göttliche Macht uns geschenkt, durch die 93 Erkenntniß -essen, -er uns nach seiner herrlichen Gna-e berief, und uns dadurch die größten und köstlichsten Verheißungen verlieh, damit ihr den verderblichen Lüsten entsagen, und göttlicher Natur theilhaftig werden möchtet, i Petri i, 3, 1Z. Er istS, der alles in unö schafft, Sein ist das Reich, sein ist die Kraft. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, Der von dem Tod erstanden ist. Wohlan denn, meine Geliebten, seyd folgsam, wie ihr es immer wäret, lasset es euere ernstlichste und dringendste Sorge seyn, selig zu werden; denn Gott ist es, der in euch das Wollen und das Vollbringen nach seiner Güte bewirkt. Phil. 2,12,13. Halte im Andenken Jesum Christum , der aus dem Tode auferstand, wie ihn das Evangelium darstellt, das ich verkündige. 2 Tim. 2 , 8. XVI. OsLerlied. Die Erniedrigung und Erhöhung Christi. 1. Freywillig hab ichs dargebracht, Und Niemand nimmt mein Leben. Es selbst zu lassen, hab ich Macht, Macht, wieder mirs zu geben. Und darum liebt mein Vater mich, Daß ich mein Leben laß, und ich Für meine Feind es lasse. Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt läßt sein Leben für die Schafe. Darum liebt mich der Vater, weil ich mein Leben lasse, auf-aß ich es wieder nehme. Niemand entreißt es mir, sondern 94 ich gebe es freywillig hin. Ich habe Macht es hinzugeben und wieder zu nehmen. Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen. Jvh. 49, 10. Philippus spricht zu Nathanael: Wir haben den gefunden, von welchem Moses im Gesetz und die Propheten geschrieben haben: Jesum von Nazareth. Joh. l, >45. Taufet ste im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes. Matth. 28, 19. Glaubet ihr an Gott, so glaubet ihr auch an mich. Joh. l>4, i. Machet die Kranken gesund, reiniget die Aussätzigen, wecket die Todten auf. Matth. io, 8. Ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, welcher auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen seyn. Apostelg. i, 8. 6. Kämpft für mein Evangelium, Und freuet euch der Leiden. - Kein Engel und kein Fürstenthum, Nichts soll euch von mir scheiden. Man wird euch hassen und euch schmähn. Euch todten; dennoch sollS geschehn, Daß eure Lehre sieget. Schäme dich nicht des Zeugnisses unsers Herrn. Leide dich mit dem Evangelio. 2 Tim. 1, 8. Leide dich als ein guter Streiter Jesu Christi. 2 Tim. 2,3. Selig sind die um der Rechtschaffenhett willen Verfolgung leiden; für sie ist das Himmelreich. Selig seyd ihr, wenn man. euch um meinetwillen beschimpft, verfolgt und allerley Böses fälschlich euch nachredet. Freuet euch und frohlocket. Groß wird eure Belohnung im Himmel seyn. Matth. 5, io, 11, 12. 7 98 Freuet euch, so oft ihr Leiden mit Christo theilet. Denn ihr werdet auch jauchzen und euch freuen bey seiner herrlichen Erscheinung. Wenn ihr verhöhnt werdet, weil ihr Christen seyd, wohl euch! denn -er Geist der Herrlichkeit und Gottes ruhet auf euch; von jenen wird er gelästert, von euch gepriesen. Leidet einer von euch, als ein Christ, so schäme er sich nicht; vielmehr danke er Gott für dieses Loos. 1 Petri ^!, 13, 1^, 16. Um deinetwillen werden wir getödtet den ganzen Tag und find geachtet wie Schlachtschafe. Aber in dem allem überwinden wir weil durch den, der uns geliebet hat. Ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstenthum, noch Gewalt, uns mag scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist. Röm. 8, 36—39. 7. Herr, unser Heil! sie hat gesiegt, Und siegt in allen Landen, Und zeuget, daß dein Wort nicht trügt, Und zeugt, du bist erstanden. Dein Kreuz, an das man dich erhöht, Verwandelt sich in Majestät; Du gehst aus deinem Grabe. Mit großer Kraft legten die Apostel von der Auferstehung des Herrn Jesu Zeugniß ab. Groß war der Segen über sie alle. Avostelg. 33. Die Gemeinden hatteu Ruhe, erhielten Wachsthum, wandelten in der Furcht des Herrn und wurden mit dem Troste des heiligen Geistes erfüllt. Apostelg. 9,31. Die Völker werden herzulaufen, und viele Heiden werden gehen und sagen: Kommt, laßt uns 99 hinauf zum Berge -es Herrn gehen und zum Hause des Gottes Jakobs, daß er uns lehre seine Wege, und wir auf seiner Straße wandeln, denn aus Zion wird das Gesetz ausgehen, und des Herrn Wort aus Jerusalem. Mich« , 2. Christus schien ein schwacher Mensch zu seyn, als er gekreuzigt wurde, aber jetzt lebt er durch Gottes Kraft. 2 Kor. 13 , 2 ,. 8. Gehaßt in deiner Niedrigkeit, Warst du ein Ziel des Spottes, Und zeigtest doch zu gleicher Zeit An dir die Hoheit Gottes Dein Kreuz schien zwar der Welt ein Grenl; Doch sterben für der Feinde Heil, Dieß ist die höchste Tugend. Die vorbey gieugen beschimpften ihn, schüttelten ihre Köpfe, und sprachen: Rette dich selbst! Bist du Gottes Sohn, so komm herab vom Kreuze. Die Priester spotteten: Andern hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen. Matth. 27, 39, 2j0, 2 , 1 . Der eine Missethäter sprach zu Jesu: Herr, gedenke meiner, wenn du in dein Reich kommst. Jesus antwortete ihm: Wahrlich ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradiese seyn. Luk. 23,^2, ^3. Als der Hauptmann und mit ihm die Wache bey Jesu das Erdbeben und die übrigen Vorfälle sahen, erschracken sie sehr und sprachen: In der That, Gottes Sohn war dieser. Matth. 27, 5^. Schwerlich stirbt Jemand für einen Unschuldigen, für einen Wohlthäter möchte vielleicht Jemand sein Leben wagen. Gott hat seine Liebe gegen uns dadurch bewiesen, daß Christus für uns gestorben 1V« ist/ -a wir noch Sünder waren. Da wir noch Feinde Gottes waren / wurden wir durch den Tod seines Sohnes ihm versöhnt. Röm. 6, 7, 8,io. 9. Dein Reich war nicht von dieser Welt/ Dein Ruhm nicht Menschen Ehre. An Demuth groß/ an Lieb ein Held/ Und göttlich in der Lehre; Geduldig/ und von Sünden rein/ Gehorsam/ bis zum Kreuze, seyn, Dieß war des Heilands Größe. Jesus antwortete dem Pilatus: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Ich ward darum geboren, und kam dazu in die Welt, daß ich die Wahrheit lehre; wer es mit der Wahrheit hält, der giebt mir Gehör. Joh. 18, 36, 37. Wenn ich, als Herr und Lehrer, euch die Füße gewaschen habe, so sollet auch ihr einander euch die Füße waschen. Ich habe euch ein Beyspiel gegeben, damit ihr euch so gegen einander betraget, wie ich mich gegen euch betrug. Joh. 13, 13, i^. Ein solcher Hohenpriester war uns Bedürfniß, welcher heilig, schuldlos, rein, nicht aus der Zahl der Sünder, und über die Himmel erhöhet ist. Hebr. 7, 26 . 10. Du starbst am Kreuz. Doch war dir nicht Die Kraft des Herrn gegeben? Wer gab den Blinden das Erficht? Den Todten selbst das Leben? Und wem gehorchte Wind und Meer? Und wem der bösen Geister Heer? Du warst von Gott gekommen. Johannes schickte zwsy seiner Jünger an Jesum, und ließ fragen: Bist du derjenige, der da kommen 101 soll/ oder müssen lE noch auf einen andern warten? Jesus antwortete: Gehet und erzählet Johannes/ was ihr gesehen und gehört habt: Die Blinden sehen, die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein, die Tauben hören, die Todten stehen-auf, und den Armen wird frohe Nachricht verkündigt. Und wohl dem, der an mir keinen Anstoß nimmt. Matth. 1 t, 2 —6. Nikodemus sprach zu Jesu: Rabbi! Wir wissen, daß du ein von Gott gekommener Lehrer bist; denn Niemand vermag solche Zeichen zu thun, wie du, es sey denn Gott mit ihm. Joh. 3,2. 11. Nun irren mich nicht Schmach und Spott, Noch deines Kreuzes Schanden. Du bist mein Herr, du bist mein Gott; Denn du bist auferstanden. Du bist mein Heil, mein FelS, mein Hort, Der Herr, durch dessen mächtig Wort Auch ich einst ewig lebe. Paulus schreibt: Ich schäme mich des Evangeliums nicht: es ist eine Kraft Gottes zur Bese- ligung für jeden, der daran glaubt. Röm. 1, 16. Gott habet ihr es zu danken, daß ihr verbunden seyd mit Jesu Christo, welcher uns von Gott gegeben wurde, daß wir durch ihn Weise, Gottgefällige, Heilige und Erlösete werden. Wer fich demnach rühmen will, der rühme sich des Herrn, i Kor. 1,30. Als ich zu euch kam, um euch die göttliche Lehre zu verkündigen, kam ich nicht mit hoher Rednerkunst und Weltweisheit; denn ich hielt es für gut von nichts anderm bey euch zu wissen, als allein von Jesu undzwar dem Gekreuzigten, i Kor. 2, 1 , 2 . 102 Mächtig schallte die Stimme Jesu durch das Grab: Lazarus, komm heraus. Der Verstorbene kam heraus. Joh. 11, ^3, Es kommt die Zeit, wo die Todten die Stimme des Sohnes Gottes hören, und die ste hören aufleben werden. Joh. 5,25. 12. Wir sind nun göttlichen Geschlechts, Durch dich deö Himmels Erben. Dieß ist die Hoffnung deines Knechts, In dieser will ich sterben. Wie du vom Tod erstanden bist; So werd auch ich, Herr Jesu Christ, Am jüngsten Tag erstehen. Durch Gott haben wir Leben, Bewegung und Seyn. Schon ein heidnischer Dichter hat gesagt: Wir sind seines Geschlechtes. Ja, wir sind göttlicher Abkunft. Apostelg. 17, 28. Die Christum aufnahmen und an ihn glaubten, denen gab er das Vorrecht, Kinder Gottes zu werden. Joh. i, 12. Der Geist Gottes giebt unserm Geist die feste Ueberzeugung, daß wir Kinder Gottes sind. Sind wir nun Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Milerben Christi. Röm. 8, 16,17. Wenn der Geist -essen, -er Jesum vom Tode erweckte, euch beseelt, so wird der, welcher Christum vom Tode erweckte, auch euere todten Körper beleben; weil sein Geist in euch wohnt. Röm. 8, 11. XVII. OsLerlied. Frohe Hoffnung der Unsterblichkeit durch Jesum. Jesus lebt, mit ihm auch ich. Tod, wo sind nun deine Schrecken? Er, er lebt, und wird auch mich 10Z Von den Todten auferwecken. Er verklärt mich in sein Licht; Dieß ist meine Zuversicht. Iesus lebt. Am ersten Tage nach dem Sabbate sehr frühe kamen die Frauen aus Galiläa zum Grabe. Sie fanden den Stein von der Gruft weggewälzt. Sie giengen hinein ins leere Grab, fanden aber den Leichnam Jesu nicht. Da sie nun darüber sehr verlegen waren, siehe, da standen zwey Männer in glänzenden Kleidern neben ihnen. Sie geriethen in Furcht und schlugen ihr Angesicht zur Erde nieder. Da redeten jene sie an: Warnm suchet ihr den Lebenden unter den Todten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Lukas 2^, 1—6. Jesus lebt, mit ihm auch ich. Er ist von den Todten auferstanden, und kann die Todten erwecken. Er lebt, und kann lebendig machen. Er kam aus dem Grabe siegreich zurück, und brachte Leben für alle mit. So sprach Jesus in der letzten Rede an seine Jünger von seinem Tode und Auferstehung: Ich werde euch nicht verwaiset lassen; ich komme zu euch. Es ist noch kurze Zeit, so stehet mich die Welt nicht mehr; ihr aber werdet mich sehen; denn ich lebe, und auch ihr werdet leben. Alsdann werdet ihr einsehen, daß ich mit meinem Vater, und ihr mit mir, und ich mit euch innigst vereinigt bin. Joh. i^L, 18, 19 , 2ü. Tod, wo sind nun deine Schrecken? Glorreich hat der Held gerungen, hat mächtig unsern Tod bezwungen, von allen Schrecken uns befreyt. Es ist in Erfüllung gegangen, was bey Jesajas ge- 104 schrieben stehet: Auf ewig besiegt ist der Tod! Wo ist dein Stachel, Tod? Wo ist dein Sieg, o Todten- reich! Des Todes Stachel ist die Sünde; der Sünde Macht ist das Gesetz. Aber Dank sey Gott, der uns den Sieg verlieh, durch Jesum Christum unsern Herrn. 1 Kor. 15,55—57. Er, er lebt, und wird auch michvon den Todten auf- erw ecken. Weil wir denselbigen Geist des Glaubens haben, nach dem geschrieben stehet: Ich glaube, darum rede ich, so glauben wir auch, darum reden wir auch. Und wissen, daß der, so den Herrn Jesum hat auferwecket, wird uns auch auf- erwecken durch Jesum, und wird uns darstellen sammt euch. 2 Kor. -4, 13 , 1-4. Er verklärt mich in sein Licht; dieß ist meine Zuversicht. Der erste Mensch, Adam, wurde ein lebendes Erdengeschöpf; der spätere Adam ein belebender Geist. Aber nicht der geistige Körper ist der erste, sondern der thierische; darauf wird der geistige folgen. Der erste Mensch aus Erde, -er Erde ungehörig; der andere Mensch Herr himmlischen Ursprungs. Wie der irdische Adam, so die irdischen Menschen; und wie der himmlische, so die himmlischen Menschen. Wie wir das Bild des Irdischen trugen, so werden wir auch das Bild des Himmlischen tragen, t Kor. 15, -45—-49. 2. Jesus lebt, ihm ist daS Reich Ueber alle Welt gegeben; > Mit ihm werd auch ich zugleich Ewig herrscheu, ewig leben. 105 Gott erfüllt, was er verspricht; Dieß ist meine Zuversicht. Jesus lebt/ ihm ist das Reich über alle Welt gegeben. Nach den Abschiedsreden erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sprach: Vater/ die Stunde ist da; verherrliche deinen Sohn / damit dein Sohn auch dich verherrliche. Hast du ihm doch Vollmacht über alle Sterbliche gegeben, daß er allen, die du ihm übergabst, das ewige Leben ertheile. Ich habe auf Erden dich verherrlichet/ ich habe das Werk vollendet/ das du mir aufgetragen hast. Nun Vater/ verherrliche auch du mich bey dir mit der Herrlichkeit/ die ich/ schon ehe die Welt war/ bey dir hatte. Joh. 17, 1 / 2,^,5. Mit i h m w e r d a u ch ich zu - gleich ewig herrschen/ ewig leben. Das ist wahr und gewiß: Sterben wir mit ihm, so werden wir auch mit ihm leben; dulden wir mit ihn»/ so werden wir auch mit ihm herrschen; verleugnen wir ihn / so wird er uns auch verleugnen. 2 Tim. 2, 11, 12. Gott erfüllt, was er verspricht; dieß ist meine Zuversicht. Werden wir untreu, er bleibt doch treu, er kann sich selbst nicht verleugnen. 2 Tim. 2, 13. Gott ist nicht ein Mensch, daß er lüge, noch ein Menschenkind, daß ihn etwas gereue. Sollte er etwas sagen, und nicht thun? Sollte er etwas reden, und nicht halten. ^ Mos. 23, 19. Es sollen wohl Berge weichen, und Hügel hinfallen; aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer. Jes. 5^, 10. 106 3. Jesus lebt, wer nun verzagt/ Lästert ihn und Gottes Ehre. Gnade hat er zugesagt/ Daß der Sünder sich bekehre. Gott verstößt in Christo nicht; Dieß ist meine Zuversicht. Jesus lebt/ wer nun verzagt/ lästert ihn und Gottes Ehre. Mit Glauben und Vertrauen können wir Gott ehren. Durch Zweifel und Mißtrauen würden wir Gott lästern. Gott hätte uns nicht deutlichere und stärkere Zeichen/ Siegel und Pfänder seiner Gnade geben können/ als er uns gegeben hat. Wehe denen / so au Gott verzagen/ und nicht festhalten. Wehe den Verzagte»/ denn sie glauben nicht. Sirach 2, 1^, 1 Z. Gnade hat er zugesagt/daß derSünder sich bekehre. Da wir nun durch den Glauben begnadigt sind; so haben wir Friede mit Gott durch unsern Herrn Jesum Christum. Ihm haben wir es auch zu verdanken/ daß wir durch den Glauben Zutritt zu der Gnade erhielten/ in deren Besitz wir uns jetzt befinden. Röm. S, i, 2 . Sehet wohl zu/ meine Bruder, daß Keiner aus euch durch Abfall von dem lebendigen Gott ein böses / ungläubiges Herz zeige. Hebr. 3/ 12 . Gott verstößt in Christo nicht/ dieß ist meine Zuversicht. Meine Schafe hören meine Stimme/ ich kenne sie und sie folgen mir. Ich gebe ihnen das ewige Leben; nimmer sollen sie verloren gehen/ und Niemand wird sie meiner Hand entreißen. Joh. io, 27, 28. So ist nun nichts verdamm- 107 liches an denen, die in Christo Jesu sind, die nicht die Lüste des Fleisches vollbringen, sondern nach dem Geist wandeln. Röm. 8, i. 4. Jesus lebt, sein Heil ist mein; Sein sey auch mein ganzes Leben. Reines Herzens will ich seyn, Und den Lüsten widerstreben. Er verläßt den Schwachen nicht; Dieß ist meine Zuversicht. Jesus lebt, sein Heil ist mein, sein sey auch mein ganzes Leben. Ich fühle mich durch die Liebe Christi gedrungen, denn ich denke so: wenn Einer für Alle gestorben ist, so sind sie alle gestorben; und er ist eben darum für Alle gestorben , auf daß die, welche leben, nicht sich selbst leben, sonderndem, der für sie gestorben und auferstanden ist. 2 Kor. 5, 14, 15. Reines Herzens will ich seyn, und den Lüsten widerstreben. Wer diese Hoffnung zu ihm hat, der reiniget sich, wie er rein ist. Ihr wisset, daß er erschienen ist, damit er uns von der Sünde befreye, wie er selbst von Sünden rein ist. i Joh. 3,3,5. Wir wissen, daß Christus, da er von den Todten auferstanden ist, nicht stirbt; der Tod hat über ihn keine Macht mehr. Denn daß er gestorben ist, geschah in Hinsicht auf die Sünde; einmal für immer, daß er aber lebt, lebt er Gott zu Ehren. So haltet auch ihr euch wie todt für die Sünde, aber lebend für Gott, in der Verbindung mit Christo Jesu. Die Sünde herrsche nicht mehr in eurem sterblichen Leibe, so daß ihr ihr Folge leistet, auch 108 gebet eure Glieder nicht der Sünde hin, zu Werkzeugen des Bösen, sondern wie Neubelebte weihet euch Gott; und bietet eure Glieder zu Werkzeugen der Tugend dar. Röm. 6,9 — 13. Er verlaßt den Schwachen nicht; dieß ist meine Zuversicht. An Jesu erfüllte fich, was der Prophet Jesajas sagt: Siehe, mein Diener, den ich mir ausersehen habe; mein Geliebter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Auf ihm wird mein Geist ruhen, und er soll den Völkern die beseligende Lehre verkündigen. Das zerknickte Rohr wird er nicht vollends brechen, und das glimmende Docht nicht auslöschen, bis die beseligende Lehre wird gesiegt haben. Dann werden die Völker auf ihn vertrauen. Matth. 12 , 17—21'. 5. Jesus lebt, ich bin gewiß, Nichts soll mich von Jesu scheiden, Keine Macht der Finsterniß, Keine Herrlichkeit, rein Leiden. Er giebt Kraft zu dieser Pflicht; Dieß ist meine Zuversicht. Jesus lebt, ich bin gewiß. Jesus zeigte sich nach seinem Leiden den Aposteln wieder lebendig, und zwar mit vielen überzeugenden Beweisen; indem er sich vierzig Tage vor ihnen sehen ließ, und von dem göttlichen Reiche sprach. Apost. 1,3. Nichts soll mich von Jesu scheiden, keine Macht der Finsterniß, keine Herrlichkeit, kein Leiden. Wenn uns Jesus, wie einst seine Schüler, fragte: Wer, sagt ihr, daß ich sey? So wollte ich mit Simon Petrus antworten: Du bist 109 der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes. Matth. 16, 15, 16. Wenn uns Jesus, wie einst die Zwölfe fragte: Wollet ihr von mir gehen? so wollte ich mit Petrus antworten: Herr, zu wem wollten wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir glauben und erkennen es, daß du der Heilige Gottes bist. Joh. 6, 67— 69 . Er giebt Kraft zu dieser Pflicht; dieß ist meine Zuversicht. Ich halte Alles für Schaden gegen die Alles übertreffende Erkenntniß Christi Jesu meines Herrn, um deßwillen ich auf Alles Verzicht gethan habe, damit ich Christum gewinne, und mit ihm ganz vereint werde. Phil. 3, 8. 6. Jesus lebt, nun ist dcr.Tod Mir der Eingang in das Leben. Welchen Trost in Todcönoth Wird er meiner Seele geben, Wenn sie gläubig zu ihm spricht: Herr, Herr, meine Zuversicht. Ich weiß, wem ich geglaubt und weiß wem ich mich anvertrauet habe; mein Herr und Gott! Auf dein Geheiß entfleucht die finstere Nacht am Grabe. So eilt nur hin, des Lebens kurze Stunden. Ich habe dich gesucht, ich habe dich gefunden. O du der alles neu erschafft, schon jetzt giebst du der Seele Kraft steh über Er- und Zeit emporzuheben. Und wenn mein Aug im Tod erlöscht, ich weiß, daß du mir Licht und Leben und Heil und Auferstehung bist. Wann Berge weichen, Hügel wanken, wann Meeresfluth aus ihren Schranken fich drängt, -ein Wort bleibt unbewegt. Die Hand, die Erd 110 und Himmel trägt, sie hält ihn hoch empor, des Glaubens Preis; und heiter wirds im dunkeln Grabe. Ich weiß, wem ich geglaubt und weiß, wem ich mich anvertrauet habe. 2 Tim. 1 , 12. xvm. Auf die Himmelfahrt des Erlösers. Vierzig Tage nach Ostern, in dem Frühlingsmonate May, wenn die Erde in erneuerter Gestalt und als wie im Feyerkleide prangt, wenn die Wiesen mit bunten Blumen geschmückt sind, wenn die Bäume in der Blüthe stehen, wenn die Saat auf dem Felde schon hoch empor wallt, wenn der Wald grün belaubt ist, und die Vogel singen, feyern wir das Fest der Himmelfahrt. Und wenn uns auf dem Weg znr Kirche beyfallt: O wunderschön ist Gottes Erde, und werth darauf vergnügt zu seyn; so wollen wir hiezu denken: Der Himmel droben, das Paradies, wohin Jesus eingegangen ist, wohin ihm seine Gläubigen nachfolgen, muß noch schöner seyn. Lasset uns streben, dahin zu gelangen. 1. Jauchzt, ihr Erlösten, dem Herrn; er hat sein Werk vollendet; Deß müsse sich der Erdkreis frcnn! Er fährt verkläret hinauf zu dem, der ihn gesendet, Und nimmt die Himmel wieder ein. Dem Herrn jauchze alle Welt. Verehret ihn mit Freuden, kommt vor ihn mit Frohlocken. 111 Ps. 100 , 1. Er hats vollbracht. Ioh. 91, 30. Er h>at vollendet das Werk, das ihm der Vater gegeben hatte, das er thun sollte. Ioh. 17, L Jetzt hat ihn der Vater verkläret. Er wurde vor den Jüngern verkläret, daß sein Angesicht leuchtete, wie d ie Sonne. Matth. 17, i. Er ist vom Vater ausgegangen und gekommen in die Welt; wiedrum verläßt er die Welt, und gehet zum Vater. Ioh. 16,28. Heil dir, des Himmels Pforten schließen vor dir sich auf, des Vaters Sohn. 2. Der Herr, nachdem er das Heil und unvergänglich Leben Auf Erden an das Licht gebracht, Den Weg zu Gott uns gelehrt, sich selbst für uns gegeben, Fährt auf zur Rechten seiner Macht. Jesus Christus, unser Retter, hat dem Tode seine Macht genommen, und Leben und Unsterblichkeit ins Licht gesetzt durch das Evangelium. 2 Tim. 1, 10 . Jesus Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, als nur durch ihn. Ioh. i^, 6. Jesus Christus, hat sich für uns aufgeopfert, um uns von allen Sünden zu befreyen. Tit. 2 , 1 ^. Jesus Christus hat sich vor den Augen der Jünger erhoben, und eine Wolke entzog ihn ihren Blicken. Apost. i,y. Da sprach der Herr zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße lege. Ps. iio, i, 2 . Z. Sein, sein ist alle Gewalt im Himmel und auf Erden, Und »nS hat er das Heil verdient. 112 Wer sein Wort glaubet und hält, soll nicht verloren werden; Er hat die Welt mit Gott versöhnt. Alles ist ihm von seinem Vater ülergeben. Matth. 11, 27. Er regieret alles mit seinem kraftvollen Willen. Hebr. 1, 3. Mit seimr Kraft kann er steh Alles unterwerfen. Phil. 3, 21. Er kann vollständig diejenigen beglücken, die durch ihn zu Gott sich führen lassen. Hebr. 7, 25. Das ist der Wille deß, der ihn gesandt hat, daß wer den Sohn stehet, und glaubet an ihn, habe das ewige Leben. Ioh. 6, ^o. So wir seine Gebote halten, so bleiben wir in seiner Liebe. Ioh. 15, io. Er ist die Versöhnung für unsre Sünden; nicht allein für die unsern, sondern auch für der ganzen Welt. i Ioh. 2 , 2. 4. Hoch über alle. Vernunft besiegt er ihr Verderben, Und seine Lieb' ermüdet nie. Ein unvergängliches Glück den Menschen zu erwerben, So heiligt er sich selbst für sie. Wie voll das Maaß der Sünde auch war; so bewies dennoch die Gnade sich in einem noch weit größeren Uebermaaße. So daß gleichwie die Sünde durch Tod und Unglück herrschte, so auch die Gnade durch die Gottgefälligkeit, die sie uns gewährt, herrschet zu ewig beglückendem Leben durch Jesum Christum unsern Herrn. Röm. 5, 20, 21. Der Hirt geht dem Verlornen Schafe nach bis er es findet. Luk. 15, Er opferte sich selbst auf für die Seinen, damit auch sie in der Wahrheit gehei- liget werden. Ioh. 17, 19. 11Z 6. Jauchzt ihr Gerechten dem Herrn, und preiset seinen Namen! Ihm danken, das ist unsere Pflicht. Wir sind glückselig in ihm. Sein Wort ist Ja und Amen; Und Gott ist unsre Zuversicht. Ich danke dem Herrn von ganzem Herzen, im Rath der Frommen und in der Gemeine. Ps. 111,1. Der Sohn Gottes, Jesus Christus der unter euch durch uns geprediget ist, der war nicht Ja und Nein, sondern es war Ja in ihm. Denn alle Gottes Verheißungen sind Ja in ihm und sind Amen in ihm, Gott zu Lobe durch uns. 2 Kor. 1, 19 , 20 . 6. Preist, ihr ErlöSten, den Herrn, und rühmet all ihr Frommen! Er fährt gen Himmel, als ein Held, In Wolken fahrt er hinauf; so wird er wieder kommen, Ein Herr und Richter aller Welt. Die Gerechten müssen sich freuen und fröhlich seyn vor Gott, und von Herzen sich freuen. Singet Gott, lobsinget seinem Namen. Machet Bahn dem, der da sanft herfährt; er heißt Herr, und freuet euch vor ihm. Der ein Vater ist der Waisen, und ein Richter der Wittwen. Der Wagen Gottes ist viel tausend mal tausend; der Herr ist unter ihnen. Der in die Höhe sich erhob, bewies sich als Sieger -er Gefangenen, und theilte den Menschen Geschenke aus. Ps. 68, 6, 6, 18, 19 . Gott der Herr, der Mächtige, redet, und rufet der Welt vom Aufgang der Sonne bis zum Niedergang. Unser Gott kommt und schweiget nicht. 8 114 Er ruft Himmel und Erde/ daß er sein Volk richte. Und die Himmel werden seine Gerechtigkeit verkündigen/ denn Gott ist Richter. Ps. 50, 1 , 3 ,4,6. 7. Dieß ist des Gläubigen Trost, verklärt ihn einst zu schauen, Und seiner Liebe sich zu freun. Dieß ist des Gläubigen Pflicht, ihm ewig zu vertrauen, Und sich durch Tugend ihm zu weihn. Geliebte, schon jetzt sind wir Gottes Kinder, noch ist es aber nicht enthüllt, was wir seyn werden; doch find wir gewiß, daß wenn es sich enthüllen wird, wir ihm gleich seyn werden, denn wir werden ihn sehen wie er ist. Wer nun diese Hoffnung zu ihm hat, der reiniget sich, wie er rein ist. i Joh. 3, 2, 3. s. Wer des Erlösers sich schämt, deß wird auch er sich schämen; Den wieder ehren, der ihn ehrt. Laß uns das Leben von dir und Gnad um Gnade nehmen, Herr, dessen Herrschaft ewig währt! Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch seyn. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren. Joh. 12, 26. Wer sich meiner, und meiner Worte schämet, unter diesem sündigen Geschlecht, deß wird sich auch des Menschen Sohn schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters, mit den heiligen Engeln. Mark. 8, 38. Die Herrlichkeit -es eingebornen Sohns vom Vater ist voller Gnade und Wahrheit. Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. Joh. i, 14, 16. 115 9 . Ich bin ein irrendes Schaaf, du weisest Mich zurechte, Und leitest mich nach deinem Rath; Machst mich vom Knechte der Welt zu einem deiner Knechte, Und tilgest meine Missethat. Meine Schafe sind zerstreut, als die keinen Hirten haben, und gehen irre hin und wieder, und ist niemand, der nach ihnen frage, oder ihrer achte. Darum höret des Herrn Wort. So spricht der Herr: Ich will mich meiner Heerde selbst annehmen, und sie suchen, und will das Verwundete verbinden, und des Schwachen warten, und will ihrer pflegen, wie es recht ist. Ich will ihnen einen einigen Hirten erwecken, der sie weiden soll. Ihr Menschen sollt die Heerde meiner Weide seyn, und ich will euer Gott seyn, spricht der Herr. Ezech. 34. 10. WaS ist die Hoheit der Welt? Sie rührt den Christen wenig. Du kleidest ihn mit Ruhm und Pracht. Was ist die Hoheit der Welt? Zum Priester und zum König Bin ich durch dich vor Gott gemacht. Gnade euch und alles Gute von dem, -er ist, und der war, und der kommen wird, und von Jesu Christo, dem treuen Zeugen, dem Erstling der Auferstandenen, dem Herrn der Erdenkönige, der uns geliebt, uns durch sein Blut von unsern Sünden gereiniget, und uns zu einem Königreiche, zu Priestern vor Gott, seinem Vater, gemacht hat. Ihm sey Preis und Macht in Ewigkeit. Amen. Ossenb. i, 4—6. 116 11. Dank sey dem Heiland der Welt! Er hat sein Werk vollführet! Frohlock ihm, Volk der Christenheit; Er sitzt zur Rechten des Herrn. Er lebet und regieret Don Ewigkeit zu Ewigkeit. Ich will singen von der Gnade des Herrn ewiglich, und seine Wahrheit mit meinem Munde verkündigen für und für. Wohl dem Volke, das jauchzen kann, Herr, sie werden im Licht deines Antlitzes wandeln. Sie werden über deinem Namen täglich fröhlich seyn, und in deiner Gerechtigkeit herrlich seyn. Ich habe einen Held erwecket, der helfen soll, und habe erhöhet einen Auserwählten aus dem Volke. Er wird mich nennen also: Du bist mein Vater, mein Gott und Hort, der mir hilft. Ich will ihn zum ersten Sohne machen, allerhöchst unter den Königen auf Erden. Ich will ihm ewiglich behalten meine Gnade, und mein Bund soll ihm fest -leiben. Nachkommen soll er ewig haben, sein Thron soll stehen, so lang der Himmel steht. Ps. 89,2, 16, 17 , 20 , 27 , 28 , 29 , 30 . XIX. Am CommutiionsLage. Ehrfurchtsvolles und gläubiges Gespräch des Christen mit seinem Erlöser bey dem heiligen Abendmahl. 1 . Ich komme, Herr, und suche dich, Mühselig und beladen. Gott, mein Erbarmet, würd'ge mich Des Wunders deiner Gnaden. 117 Ich liege hier vor deinem Thron, Sohn Gottes und des Menschen Sohn, Mich deiner zu getrosten. Ich fühle meiner Sünden Müh; Ich suche Ruh, und finde sie Im Glauben der Erlösten. Sündenbekenntntsse. Jesus spricht: Kommt her zu mir alle. Matth, 11, 28. Ich antworte: Ich komme, Herr, und suche dich. Ich erinnere mich wohl der Ermahnung: Suchet den Herrn, weil er zu finden ist; rufet ihn an, weil er nahe ist. Ies. 55 , 6 . Ich erinnere mich wohl der Verheißung: So ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen. Irrem. 29, 13 , Ich komme mühselig und beladen. Denn so spricht der Herr: Meine Hand hat alles gemacht, was da ist. Ich sehe aber an den Elenden, und der zerbrochenes Geistes ist, und der fich fürchtet vor meinem Wort. Ies. 66 , 2 . Gott, mein Erbarmer, würdige mich des Wunders deiner Gnaden, j Ich verlange nichts als Gnade. Ich berufe mich bey meinem Flehen, das ich zu deinen Füßen lege, nicht auf meine guten Werke, sondern auf deine große Barmherzigkeit. Daniel 9 , 18 . Die Gnade thut große Dinge, sie thut Wunder. Der Sohn des Höchsten wird Mensch. Der Unschuldige leidet, ^ stirbt für die Schuldigen. Durch Jesum sollen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden, empfangen. Apost. 10, ^ 3 . Laß mich auch dieser Wohlthat theilhaftig werden. Ich liege hier 118 vor deinem Thron, Sohn Gottes, und desMenschen Sohn, mich deiner zu getrosten. Unser Hohenpriester sitzet zur Rechten auf dem Stuhl der Majestät im Himmel. Hebr. 8, 1. Er kann helfen. Unser Hohenpriester kann Mitleiden haben mit unserer Schwachheit, weil er versucht worden ist allenthalben, gleich wie wir, doch ohne Sünde. Hebr. iä. Er will, er wird helfen. Ich fühle meiner Sünden Müh. Ich habe oft unterlassen, was mir Gottes Gesetz vorschreibt, ich habe mich vom Zorn hinreißen, von der Sünde verblenden, vom Stolze aufblähen, von der Wollust verführen lassen. Unrein ist mein Herz, und befleckt ist mein Wandel. Ich suche Ruh und finde sie im Glauben der Erlösten. Das Evangelium von Christo ist eine Kraft Gottes, die da selig macht alle, die daran glauben. Röm 1, 16 . Das ist mein Trost. 2. Dich bet ich zuversichtlich an, Du bist das Heil der Sünder. Du hast die Handschrift abgethan, Und mir find Gottes Kinder. Ich denk an deines Leidens Macht, Und an dein Wort: ES ist vollbracht! Du hast mein Heil verdienet. Du hast für mich dich dargestellt. Gott war in dir, und hat die Welt In dir mit sich versöhnet. Glaubensbekenntnisse. Dich bet ich zuversichtlich an, du bist das Heil der Sünder. Ich habe gute Zuversicht zu Jesu, denn er sagt: Alles was mir mein Vater giebt, 119 das kommt zu mir; und wer zu mir kommt den werde ich nicht hinausstossen. Ioh. 6, 37. Du hast die Handschrift abgethan, die gegen mich zeugte. Koloss. 2, 14. Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen ? Gott ist hie, der gerecht macht. Wer will verdammen? Christus ist hie, der gestorben ist, ja vielmehr der auch auferwecket ist, welcher ist zur Rechten Gottes, und vertrittet uns. Röm. 8,33,34. Und wir sind Gottes Kinder. Aus Liebe beschloß er uns durch Jesum Christum das Vor» recht der Kindschaft zu ertheilen. Ephes. 1, 6. Alle, die durch Gottes Geist sich leiten lassen, sind Gottes Kinder. Gottes Geist selbst giebt unserm Geist die feste Ueberzeugung, daß wir Kinder Gottes sind. Röm. 8, 14, 16. Ich denk an deines Leidens Macht, und an dein Wort: Es ist vollbracht. Ioh. 19, 30. Du hast mein Heil verdienet. Da Christus vollendet ist, ist er geworden, allen die ihm gehorsam stnd, eine Ursache zur ewigen Seligkeit. Du hast für mich dich dargestellt. Christus hat uns gelie- bet, und stch selbst dargestellt für uns zur Gabe und zum Opfer. Ephes. S, 2. Gott war in dir, und hat die Weltiudir mit sich versöhnet. 2 Kor. 5, 19. Gott hat seine Liebe gegen uns dadurch bewiesen, daß Christus für uns gestorben ist, da wir noch Sünder waren. Wie vielmehr werden wir jetzt, da wir durch seinen blutige» Tod begnadiget find, durch ihn von der Strafe befreyt seyn. Denn wenn wir, da wir noch Feinde Gottes waren, durch den Tod irv seines Sohnes ihm versöhnt sind/ wie vielmehr werden wir jetzt/ als Versöhnte durch sein Leben Beseligung erlangen. Röm. s, 8, 9/ 10. 3. So freue dich/ mein Herz / in mir! Ex tilget deine Sünden, Und läßt an seiner Tafel hier Dich Gnad um Gnade finden. Du rufst/ und er erhört dich schon/ Spricht liebreich: Sey getrost / mein Sohn! Die Schuld ist dir vergeben. Du bist in meinen Tod getauft. Und du wirst dem/ der dich erkauft/ Von ganzem Herzen leben. Empfindungen eines Begnadigten. So freue dich mein Herz in mir/ er tilget deine Sünden. So spricht der Herr: Du hast mir Arbeit gemacht durch deine Sünden / und hast mir Mühe gemacht mit deinen Missethaten. Ich tilge deine Uebertrettung um meinetwillen/ und gedenke deiner Sünden nicht. Ies. -L3, 2^, 2L. Der Geist des Herrn treibet mich, denn er hat mich gesalbet den Gedemüthigten Gutes zu verkündige»/ er hat mich gesandt/ verwundete Herzen zu verbinden, alle Traurigen zu trösten, den Trau- renden Schätze auf die Zukunft zu sparen; ihnen Schmuck für Asche zu geben, Freudenöl für Traurigkeit, und Feyerkieider für einen betrübten Geist. Hoch freue ich mich über den Herrn; meine Seele ist fröhlich über meinen Gott, denn er hat mich losgesprochen, und dabey mit prächtigen Kleidern beschenkt, wie ein Bräutigam in Pracht gekleidet, und wie eine Braut in ihrem Brautschmuck. Ies 61, 121 1, 2, 3, 10 . Und läßt an seiner Tafel hier dich Gnad um Gnade finden. Gott beschloß, daß wir dem Bilde seines Sohnes ähnlich seyn sollten. Und über welche er das beschloß, die ließ er auch zu diesem Glücke berufen, und welche er berufen ließ, die hat er auch begnadiget, und welche er begnadigte, die führt er auch zur Herrlichkeit. Röm. 8, 29, 30. Von allen diesen Wohlthaten ist uns das Abendmahl ein Unterpfand. Da nehmen wir von seiner Fülle Gnade um Gnade. Joh. 1, 16. Du rufst und er erhört dich schon. Ehe fie rufen, will ich antworten, und hören, wenn fie noch reden. Jes. 65, 2^. Sollte Gott nicht retten seine Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, wenn er auch verzieht? Ich sage euch, er wird ihnen bald Rettung verschaffen. Luk. 18, 7, 8. Spricht liebreich: Sey getrost, mein Sohn, die Schuld ist dir vergeben. Was er zn dem Krankgewesenen am Teiche Bethesda sprach: Siehe zu, du bist gesund geworden, sündige hinfort nicht mehr, auf daß dir nicht etwas ärgeres widerfahre. Joh. 5,1^. Das spricht er noch bey seinem Abendmahl in das Herz des reuenden Sünders. Du bist in meinen Tod getauft, und du wirst dem, der dich erkauft, von ganzem Herzen leben. Wisset ihr nicht, daß alle, welche sich bey ihrer Taufe zu Jesus Christus bekannten, mit ihm zu sterben sich entschlossen? Ist es Pflicht für ihn zu sterben, so muß es auch Pflicht seyn, für ihn zu leben. Röm. 6, 2 , 8. irr 4. Dein ist das Glück der Seligkeit; Bewahr eS hier im Glauben, Und laß durch keine Sicherheit Dir deine Krone rauben. Sieh, ich vereine mich mit dir; Ich bin der Weinstock, bleib an mir: So wirst du Früchte bringen. Ich helfe dir, ich stärke dich; Und durch die Liebe gegen mich Wird dir der Sieg gelingen. Vermahnungen zur Treue. Dein ist das Glück der Seligkeit; bewahr es hier im Glauben. Sey bis zum Tode treu; des Lebens Krone geb ich dir. Offenb. 2, 10 . Ich komme schnell! Behalte, was du hast, damit dir niemand deinen Kranz entreiße. Offenb. 3, 11 . Wer beharret bis aus Ende, der wird selig. Matth. 24, 13. Wohl denen, die beharren, wenn Sünde lockt und Welt; wohl denen, die beharren beydem, was Gott gefällt. Und laß durch keine Sicherheit dir deine Krone rauben. Nur durch den Glauben stehest du; so sey nicht stolz, sondern wohl auf deiner Hut. Bemerke die Güte und den Ernst Gottes; seinen Ernst gegen die, welche gefallen find; seine Güte gegen dich, wenn du der Güte würdig bleibst. Röm. 11 , 20, 22. Wer fest zu stehen glaubt, der sehe zu, daß er nicht falle. 1 Kor. 10, 12. Sieh, ich v ereine mich mit dir, ich bin der Weinstock, bleib an mir, so wirst du Früchte dringen. Ich bin der Weinstock, ihr seyd die Reben. Wer M mir bleibet, und ich in ihm, der bringet viel irr Frucht. Wer nicht in mir bleibet/ der wird weggeworfen/ wie eine Rebe und verdorret. Ioh. 15/ 5 , 6. Wir find durch den Glauben mit Christus vereiniget/ wie die Rebzweige mit dem Weinstock, wenn anders unser Glaube selber ein Leben aus Gott hat. Ein todter oder ein bloßer Wortglaube kann uns nicht mit Christus vereinigen. Der Glaube muß thätige Liebe werden, und die Liebe ists, die uns stets inniger mit Christus vereiniget. In dieser Vereinigung werden wir von dem Einfluß seiner Gnade belebt, und bringen die Früchte guter Werke, wie der Weinstock, gute, schmackhafte Trauben hervor. Ich helfe dir, ich stärke dich; und durch die Liebe gegen mich wird dir der Steg gelingen. Fürchte dich nicht; ich bin mit dir; erschrecke nur nicht, ich bin dein Gott; ich stärke dich, ich helfe dir, ich unterstütze dich mit meiner gerechten Macht. Jes. -Ll, io. Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. Phil. 13. Was von Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. 1 Joh. 5, L. Ja, Herr, mein Glück ist dein Gebot; Ich will eö treu erfüllen, Und bitte dich, durch deinen Tod, Um Kraft zu meinem Willen. Laß mich von nun an würdig seyn, Mein ganzes Herz dir, Herr, zu weihn, Und deinen Tod zu preisen. Laß mich den Ernst der Heiligung Durch eine wahre Besserung Mir und der Welt beweisen. 124 Entschließungen zur Treue. Ja, Herr, mein Glück ist dein Gebot. Ich kann nichts Besseres wählen, als was du mir befiehlst. Dein Joch ist sanft, und deine Last ist leicht. Match. 11, 30. Wer meine Gebote hat, und halt fie, der ists, der mich liebet, wer mich aber liebet, der wird von meinem Vater geliebet werden. Joh. i^i, 21. Ich will es treu erfüllen. Ich will thun, was Gott befiehlt, und unterlassen, was Gott verbietet. Ich schwöre, und wills halten, Laß ich die Rechte deiner Gerechtigkeit halten will. Ps. 119, 106. Und bitte dich, durch deinen Tod, um Kraft zu meinem Willen. Christus duldete euch zum Beßten, und hinterließ euch ein Muster zur Nachfolge. An seinem eignen Körper duldete er am Kreuze die Strafen unsrer Sünden, damit wir abgestorben den Sünden für die Tugend lebten, i Petri 2, 21, 2^. Ich denke: Jesus hat das Größte für mein Heil gethan, und ich soll nicht das Geringste für dieß mein Heil thun? Sein Wille soll mir nicht lieber als die Sünde seyn, da ihm doch mein Seelenheil lieber als sein Leben war. Laß mich von nun an würdig seyn, mein ganzes Herz dir Herr zu weihn, und deinen Tod zuprei- sen. Keiner ist unter uns, der im Leben oder im Tode sein eigner Herr wäre. Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. So mögen wir denn leben oder sterben, so gehören wir dem Herrn an. Röm. l^L, 7, 8. Ihr seyd theuer erkauft, darum so preiset Gott 125 an eurem Leibe, und an euerm Geiste, welche sind Gottes, i Kor. 6 , 20. Laß mich den Ernst der Heiligung durch eine wahre Besserung mir und der Welt beweisen. Wer sich täglich Fehler abgewöhnt und Gutes übt, dem ist es Ernst mit der Heiligung. Wendet allen Fleiß an, und zeiget bey eurem Glauben Tugend, bey der Tugend Klugheit, bey der Klugheit Selbstbeherrschung, bey der Selbstbeherrschung Geduld, bey -er Geduld Frömmigkeit, bey der Frömmigkeit Christenltebe, bey der Christenliebe Menschenliebe. Wenn sich dieses alles und zwar reichlich bey euch findet, so läßt die Erkenntniß unsers Herrn Jesu Christi euch nicht träge oder unfruchtbar seyn. 2 Petri 1, s— 8 . XX. Wider den Aufschub der Bekehrung. Warnungen vor Unbußfertigkeit, Ermunterungen zur Tugend, Widerlegung verderblicher Vorurtheile. 1. Willst du die Buße noch, die Gott gebeut, verschieben: So schändest du sein Wort, und mußt dich selbst nicht lieben. Ist deine Besserung nicht deiner Seele Glück? Und wer verschiebt sein Heil gern einen Augenblick? Gott spricht zu den Sündern: Thut euer böses Wesen von meinen Augen; lasset ab vom Bösen, lernet Gutes thun. Jes. 1, 16, 17 . Sehet zu, thut rechtschaffene Früchte der Buße. Matlh. 3 , 8 . Wenn du nun, aus Trägheit, die Besserung deines 126 Sinnes und Wandels/ von einem Tag zum andern aufschiebst/ so handelst du dem Worte Gottes vorsätzlich entgegen. Du bist wider -ich selber. Denn wer ist der gut Leben begehret und gern gute Tage hätte? Laß vom Bösen und thue Gutes; suche Friede und jage ihm nach. Ps. 3^, 13, 15. Welcher Verständige wird fich lange besinnen / wenn es nur auf ihn ankömmt/ glücklich zu seyn. 2. Allein/ wie schwer istS nicht/sein eigen Herz bekämpfen, Begierden widersteh», und seine Lüste dämpfen? Ja, Sünder, es ist schwer; allein zu deiner Ruh Ist dieß der einz'ge Weg. Und dem entsagest du? Sich verleugnen, seinem eignen Willen absagen, die Lüste nicht zum Ausbruch kommen lassen, sie unterdrücken, das kostet Mühe. Aber ohne Selbstbeherrschung keine Besserung, ohne Besserung keine Ruhe. Die Gottlosen haben nicht Frieden. Jes. 57, 21 . Uud eiuen Vortheil, wie den Frieden im Gewissen wolltest du aufgeben? 3. Ist deine Pflicht von Gott, wie kannst du sie vergessen ? Nach deinen Kräften selbst hat er sie abgemessen. Was weigerst du dich noch? Ist Gott denn ein Tyrann, Der mehr von mir verlangt, als ich ihm leisten kann? Unbußfertiger, du hältst deine Pflicht für unwichtig, sonst könntest du sie nicht vergessen. Und doch hat Gott sie dir vorgeschrieben. Sie sollte dir darum heilig, unverletzlich seyn. Warum zeigst du so viel Abneigung zu thun, was Gott fordert? Gott ist ja kein harter, grausamer Herrscher. Welchem viel gegeben ist, bey dem wird man viel suchen. 127 Luk. 12, ^8. Jesu Joch ist sanft, und seine Last ist leicht. Matth. i t, 30. Sprich selbst: gewinnet Gott, wenn ich ihm kindlich "" diene, Und seiner werth zu seyn, im Glauben mich erkühne? Wenn du die Tugend übst, die Gott dein Herr gebeut, Wem dienst du, ringst du nicht nach deiner Seligkeit? Kann wohl ein Mensch Gott nützen! Der Fromme nützt sich selbst? Hat der Allmächtige Vortheil, wenn du ohne Schuld und Gewinn, wenn du unsträflich lebst? Hiob 22, 2, 3. Gott wird nicht seliger durch unsre Anbetung und Tugend. Wenn du das Gute thust, und durch Uebung zur Fertigkeit im Guten gelangest, so ringest du darnach, daß du durch die enge Pforte eingehest. Luk. 13, 2^, und der Glaube giebt dir Muth würdig zu werden Gottes Kind zu seyn. 5. Was weigerst du dich noch das Laster zu verlassen? Weil eS dein Unglück ist, befiehlt es Gott zu hassen. Was weigerst du dich noch, der Tugend Freund zu seyn? Weil sie dich glücklich macht, befiehlt sie Gott allein. Gott befiehlt: der Gottlose verlasse seinen Weg Jes. 55, 7, weil die Sünde der Leute Verderden ist Sprüchw. l^L, 3^, weil sie eine Schlange ist, die dich sticht, wenn du ihr zu nahekommst. Sir. 21, 2. Gott befiehlt: Uebe dich in der Gottseligkeit, weil die Gottseligkeit nütze ist zu allen Dingen, und die Verheißung hat dieses und -es zukünftigen Lebens. 1 Tim. -1, 2. 6. Eon beut die Kraft dir an, das Gute zu vollbringen, Soll er durch Allmacht dich ihm zu gehorche» zwingen? 128 Er gab dir die Vernunft, und du verleugnest sie? Er sendet dir sein Wort, und du gehorchst ihm nie? Unbußfertiger, du hast keine Entschuldigung. Gott gab die Kraft zum Guten, und durch Gebet und rechten Gebrauch kannst du von Gott noch mehr Kraft bekommen. Rossen und Maulthieren, die nicht verständig sind, muß man Zaum und Gebiß ins Maul legen. Ps. 32, 9 . Diesen Thieren wirst du doch nicht ähnlich seyn, du wirst dich zum Gehorsam nicht zwingen lassen wollen. Der Gehorsam muß freywillig seyn, wenn er soll belohnt werden. Gott schenkte dir Vernunft um einzusehen, wie aus der Ursache die Wirkung kommt, und du handelst, als ob du keine Vernunft hättest. Gott offenbaret dir in der Schrift seinen Willen. Wenn du nun nicht nach Gottes Willen thust, so zeigst du dich ungehorsam, widerspenstig, unverbesserlich. 7. Sprich nicht: Gott kennt mein Herz; ich hab es ihm verheißen, Mich noch dereinst, mich bald vom Laster loszureißen; Jetzt ist dieß Werk zu schwer, doch diese Schwierigkeit, Die heute dich erschreckt, wächst sie nicht durch die Zeit? Beschönige den Aufschub der Bekehrung nicht. Sprich nicht, ich habe Besserung gelobet. Der Allwissende ist Zeuge dieses Vorsatzes. Wenn du Gott ein Gelübde thust, so verziehe nicht es zu halten. Es ist besser, du gelobest nichts, als daß du nicht hältst, was du gelobest. Prcd. 5, 3, Sprich nicht, ich will mich bald bessern. Thue es lieber jetzt sogleich. Sag nicht: Es ist mir zu 129 schwer. Dem redlichen Willen ist unter Gottes Beystand nichts zu schwer. Die Schwierigkeit nimmt zu. Je älter eine Gewohnheit, desto schwerer tsts fie abzulegen. 8. Je öfter du vollbringst, was Fleisch und Blut beföhlen, Je stärker wird der Hang, die That zu wiederholen. Scheust du dich heute nicht, deö Höchsten Feind zu seyn: Um wie viel weniger wirst du dich Morgen scheu« r Je öfter du thust, was dich gelüstet, und was -einen fünf Sinnen gefällt, desto stärker wird der Trieb das Verbotene wieder und abermals zu thun. Und das ist das Laster, wenn man öfters mit Vorsatz eine böse That begeht. Wenn du dir heute kein Bedenken machst ein ausdrückliches Gebot Gottes wissentlich zu übertreten, so wirst du morgen noch frecher seyn. Wisset ihr nicht: Wer der Welt Freund seyn will, wird Gottes Feind seyn. Jac.^. Fleischlich gefinnet seyn ist eine Feindschaft wider Gott. Röm. 8, 7. 9. Ist denn die Büß ein Werk von wenig Augenblicken? Kann dich kein schneller Tod der Welt noch heut entrücken? Ist ein Geschrey zu Gott, ein Wunsch nach Besserung, Und Angst der Missethat, die wahre Heiligung. Die Buße, die Reinigung vom Bösen, das Wachsthum im Guten ist nicht das Werk einer Stunde, sondern die Arbeit des ganzen Lebens. Der Tod kann plötzlich erscheinen, und dich unge- bessert vor das Gericht Gottes stellen. Schrecklich ist das Sterbebette des Unbußfertigen. Der, der nie gezittert, ward plötzlich durch dm Tod erschüt« 9 130 tert. Das Schrecken einer Ewigkeit, ein Richter, der als Gott ihm fluchte, ein Abgrund, welcher ihn schon zu verschlingen suchte, zerstörte allen Wahn tollkühner Sicherheit. 10 . Isis gnug zur Seligkeit, des Glückes der Erlösten, Wenn uns der Tod ergreift, sich sicher zu getrosten; Ist das Bekenntniß gnug, daß unS die Sünde reut, So ist kein leichter Werk als deine Seligkeit. Die den Willen thun des Vaters im Himmel werden in das Himmelreich kommen. Matth. 7,21. Dazu ist keine Zeit mehr vorhanden, wenn der Tod frühe, unvermuthet kommt, oder wenn Krankheit dem Sterbenden gar die Besinnung raubt. Ueberdieß sagt das Wort Gottes: Den unnützen Knecht werfet hinaus in die äußerste Finsterniß. Matth. 25, 30. Wenn ein Seufzer in der Todesnoth, ein Wunsch durch den Tod des Erlösers vor dem Höchsten gerecht zu seyn, zum Seligwerden hinreichte, so wäre nichts leichter zu erlangen als die Seligkeit. 11. Doch fordert Gott von uns die Reinigkeit der Seelen; Ist keine Seele rein, der Glaub und Liebe fehlen; Ist dieses dein Beruf, Gott dienen, den du liebst: So zittre vor dir selbst, wenn du dieß Werk verschiebst. Gott will daß wir von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes uns reinigen, um seiner Verheißungen theilhaftig zu werden. 2 Kor. 7, i. In Christo Jesu gilt nichts als der Glaube, der durch die Liebe thätig ist. Gal. 6, 6. Und das ist die Liebe zu Gott, das wir seine Gebote halten. 131 1 Ioh. 5, 3. Wenn du nun die ReiniguD, die Uebung des Glaubens und der Liebe aufschiebst, so zittre, dein Heil schwebt in Gefahr. 12 . Der Glaube heiligt dich, ist dieser dein Geschäfte? Nein, Mensch.' und du verschmähst des Geistes Gottes Kräfte? Erschreckt dich nicht sein Wort? Giebt in verkehrten Sinn Den Sünder, der beharrt, nicht Gott zuletzt dahin? Der Glaube reiniget vom Bösen, stärket zum Guten, aber du trachtest nicht nach dem Glauben. Es kommt der Glaube aus der Predigt, aber du hörst die Predigt selten. Das Predigen kommt durch das Wort Gottes, aber du liesest das Wort Gottes nicht. Röm. io, 17. Der Vater im Himmel will den heiligen Geist geben denen, die ihn darum bitten. Luk. ii, 13. Aber du verschmähest den Beystand des Geistes, du bittest nicht dafür. Die Drohung sollte dich doch erschrecken: Wie sie es nicht der Mühe werth hielten, sich Erkenntniß von Gott zu verschaffen, so überließ sie Gott ihrem verkehrten Sinne. Röm. 1, 28 . 13. Hat Christus uns erlööt, damit wir Sünder bleiben. Und sicher durch sein Blut, das Laster höher treiben? Gebeut uns Christi Wort nicht Tugend, Recht und Pflicht: So ist e§ nicht von Gott, Gott widerspricht sich nicht. Die wohlverstandene Lehre von der Erlösung macht vicht sorglose und verruchte Leute. Das sey ferne, daß wir sollten fortfahren zu sündigen, auf daß die Gnade desto kräftiger sich zeige. Röm.6,i. 132 Es bleibt dabey: Gott ist heilig. Du bist nicht ein Gott , dem gottloses Wesen gefällt. Ps. 5, 5. Wenn das Evangelium Christi nicht Tugend gebietet, so kann es nicht göttlich seyn. Gott kann nicht das eine Mal erlauben, was er das andere Mal verboten hat. 14. Noch heute, weil du lebst, und seine Stimme hörest, Noch heute schicke dich, daß du vom Bösen kehrest. Begegne deinem Gott, willst du zu deiner Pein Dein hier versäumtes Glück nicht ewig noch bereun. Gott bestimmte eine Frist den Sündern, wenn er sagen laßt: Heute da ihr seine Stimme höret, so verhärtet eure Herzen nicht. Hebr. -i, 7. Schicke dich, eile, denke nicht: ein ander Mal. Verziehe nicht fromm zu werden, und harre nicht mit der Besserung deines Lebens bis in den Tod. Sir. 18, 22 . Begegne deinem Gott. Er kommt dir als Vater entgegen; seine Arme sind schon ausgebreitet das reuende Kind zu empfangen. Luk. 15, 20 . Jetzt ist die gelegene Zeit. Das hier versäumte Glück kann man dort nicht einbringen. Reue bringt Pein, wenn fie zu spät ist, und man niemand anklagen kann als stch selbst. 15. Entschließe dich beherzt, dich selber zu besiegen; Der Sieg, so schwer er ist, bringt göttliches Vergnügen. Was zagst du? geht er gleich im Anfang langsam fort; Sey wacker! Gott ist nah, und stärkt dich durch sein Wort. Fasse du nur muthig den Vorsatz, dir ein sünd- liches Vergnügen zu versagen, oder eine schwere Pflicht zu erfüllen. Kein Sieg gewährt so viel 1 ZZ Freude als Selbstbeherrschung. Es ist dem Gerech-. ten eine Freude zu thun, was recht ist. Spruch. 21, 15 . Gesetzt dein Wachsthum im Guten sey noch langsam, sey nur fest und standhaft; Gott steht dich arbeiten und kämpfen. Seine Kraft ist in den Schwachen mächtig. 2 Kor. 12, 9. 16. Ruf ihn in Demuth an; er tilget deine Sünden, Und läßt dich sein Gesetz erst ihren Fluch empfinden; So widerstreb ihm nicht; denn Gottes Traurigkeit Wirkt eine Reu in dir, die niemals dich gereut. Ruf ihn an; er ist nahe denen, die ihn mit Ernst anrufen. Ruf ihn in Demuth an: Vater, ich bin nicht werth dein Kind zu heißen. Er tilget deine Sünden, er will jede Spur davon auslöschen. Die Traurigkeit des Bußfertigen wird in Freude verwandelt. Er erschrickt über die Strafen, die das Gesey drohet. Er meidet die Sünden, die Gott so sehr mißfallen. Er widerstrebet nicht mehr seinem Gott, sondern er folgt ihm kindlich. Die Traurigkeit, die Gottes Beyfall hat § wirkt eine nie zu bereuende Sinnesänderung, die zur Seligkeit führt. 2 Kor. 7 , 10. 17. So süß ein Laster ist, so giebts doch keinen Frieden, Der Tugend nur allein hatt Gott dieß Glück beschieden. Ein Mensch, der Gott gehorcht, erwählt das beßte Theil. Ein Mensch, der Gott verläßt, verläßt sein eignes Heil. Verbotene Frucht dünkt reizender, das Verbot erregt oft die Lust. Die Rache, die Unkeuschheit dünken süß. Aber mit Schmerz, der nachfolgt, erkauft, ist die Wollust viel zu theuer. Die Gott- 134 losen haben.keinen Frieden, sie sind wie ein ungestüm Meer, das nicht stille seyn kann. Jes. 57,20. Aber großen Frieden haben, die Gottes Gesetz lieben, und werden nicht straucheln. Ps. 119, 165. Geistlich gefinnet seyn ist Leben und Friede. Röm. 8, 6. Der Segen und der Fluch ist uns vorgelegt. 5 Mos. 11, 26. Wer Gott gehorcht erwählt den Segen. 18. Die Buße führe dich nicht in eine Welt voll Leiden; Gott kennt und liebs dein Glück; sie führt zu deinen Freude»; Macht deine Seele rein, füllt dich mit Zuversicht, Giebt Weisheit und Verstand und Muth zu deiner Pflicht. ^ Das Leben eines Christen ist nicht freudenleer, ^ es gewährt herzliche Freud in Gott durch Christum. > Bey einem guten Gewissen hat man Zuversicht. Gottesfurcht giebt uns den Muth, anch neben Bösen z gut zu seyn. Was Gott fordert macht dich glück- j lich, er ist die Liebe. 1 Ioh. -1, 8. Auch die Buße führt durch Schmerz zu Freuden. Die Rene bringt Schmerz, aber die Begnadigung Freude. 19. Sprich selbst: Ist dies kein Glück, mif ruhigem Gewissen Die Güter dieser Welt des Lebens Glück genießen, Und mäßig und gerecht in dem Genusse sey«, Und sich der Seligkeit schon hier im Glauben freu». Werde fromm! Der Fromme ist glücklich. Er genießt mäßig, nnd ohne Vorwurf des Gewissens, die mancherley Güter, die uns Gott zum Genusse darreicht. Er freut sich seiner Jugend, sein Herz erfreut sich der blühenden Jahre. Aher sei»? Fren< 135 den sind rein. Er ist gerecht im Genuß/ und entziehet nichts seinem Nächsten. Er ist mäßig im Genuß und setzt ihm weislich Schranken. Von der Hand/ die ihn jetzt labet und sättiget/ hoffet er noch höhere Wohlthaten. Er ist schon selig / doch in der Hoffnung. Röm. 8, 2 ^i. XXI. Büßlied. Worin ein Bußfertiger Reue/ Vertrauen und Vorsätze ausspricht. 1. An dir allein/ an dir hab ich gesündigt/ Und übel oft vor dir gethan. Du stehst die Schuld / die mir den Fluch verkündigt/ Sieh Gott auch meinen Jammer an. So wir sagen/ wir haben keine Sünde/ so verführen wir uns selbst / und die Wahrheit ist nicht in uns. 1 Joh. 1 / 8 . Ich will dem Herrn meine Uebertretungen bekennen. Ps. 32, 5. An dir allein, in deiner Gegenwart, die mich hätte abschrecken sollen, habe ich gesündiget. Ps. Sl, 6. Ich habe was dir mißfällt gethan. Ich habe an mir selbst und dem Nächsten oft übel gethan. Ich kann das begangene Böse nicht ungeschehen machen, das versäumte Gute nicht einbringen. Ich kenne den Ausspruch eines gerechten Herrn: Der Knecht, der seines Herrn Willen weiß, und hat sich nicht bereitet, auch nicht nach seinem Willen gethan, der wird viel Streiche leiden müssen. Luk. 12,^7. Meine Seele ist sehr erschrocken. Wende dich, Herr, und errette meine Seele. Ps. 6,^, 6. 1Z6 3. Dir ist mein Fleh», mein Seufzen nicht verbergen/ Und meine Thränen sind vor dir. Ach Gott, mein Gott, wie lange soll ich sorgen? Wie lang entfernst du dich von mir. Ich bin so müde von Seufzen, ich schwemme mein Bette die ganze Nacht, und netze mit meinen Thränen mein Lager. Ach, du Herr, wie so lange. Ps. 6, 7. Herr, warum trittst du so ferne, warum verbirgst du dich? Ps. io, 1 . Herr, vor dir ist alle meine Begierde, und mein Seufzen ist dir nicht verborgen. Ps. 38, io. Höre mein Gehet, Herr, und vernimm mein Schreyen, und schweige nicht über meine Thränen. Ps. 39, 13. 3. Herr, handle nicht mit mir nach meinen Sünden, Vergilt mir nicht nach meiner Schuld. Ich suche dich, laß mich drin Antlitz finden Du Gott der Langmuth und Geduld. Durch Halsstarrigkeit und ein der Besserung widerstrebendes Herz häufrt sich der Sünder nur seine Strafe, auf jenen Tag der Strafe, wo Gott sich als gerechter Richter wird zeigen. Röm. 2 , 5. Ich will auf der Hut seyn, daß es nicht bey mir sich zeige, daß ich mich verspätet habe. Hebr. -4, i. Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht -er Herr, nämlich Gedanken des Friedens und nicht -es Leides. Ihr werdet mich anrufen, und mich bitten, und ich will euch erhören. Ihr werdet mich suchen und finden. Denn so ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich Mich von euch finden lassen. Jerem. 29, 11—1-4. Mein Herz hält dir vor dein Wort; ihr sollt mein 1Z7 Antlitz suchen. Darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz. Ps. 27, 8. 4. Früh wollst du mich mir deiner Gnade füllen, Gott, Vater der Barmherzigkeit. Erfreue mich um deines Namens willen; Du bist ein Gott, der gern erfreut. O wie ist die Barmherzigkeit des Herrn so groß, und läßt sich gnädig finden denen, so sich zu ihm bekehren. Sirach, 18, 28. Laß mich früh hören deine Gnade, denn ich hoffe auf dich. Thue mir kund den Weg, darauf ich gehen soll; denn mich verlanget nach dir. Ps. 143, 8. L. Laß deinen Weg mich wieder freudig wallen, Und lehre mich dein heilig Recht, Mich täglich thun nach deinem Wohlgefallen, Du bist mein Gott, ich bin dein Knecht. Herr, zeige mir deine Wege, und lehre mich deine Steige. Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich; denn du bist der Gott, der mir hilft. Der Herr ist gütig, und ist treu: darum zeigt er Fehlenden die rechte Bahn. Er lehrt die Folgsamen nach seiner Vorschrift handeln. Ps. 25,4,5,8,9^ 6. Herr, eile du, mein Schutz, mir beyzustehen, Und leite mich auf ebner Bahn. Er hört mein Schrey«, der Herr erhört mein Flehen, Und nimmt sich meiner Seelen an. Verlaß mich nicht, Herr; mein Gott, sey nicht ferne von mir. Eile mir beyzustehen, Herr, meine Hülfe. Ps. 38, 22, 23. Ich ft-rach: Mein Fuß hct gestrauchelt, aber deine Gnade, Herr, hielt 1Z8 mich. Ich hatte viel Bekümmerniß in meinem Herzen; aber deine Tröstungen ergötzten meine Seele. Ps. 94, 18,19. XXII. Lied am Geburtstage. Der Tag im Jahre, an welchem du bist geboren, und derjenige, an welchem du durch die Taufe zum Christenthums bist geweihet worden, soll dir vor andern Tagen wichtig seyn. Ueberlege, wie wett du im Guten gekommen seyest, und feyre ihn mit einem herzlichen Dankgebete. 1. Dir dank ich heute für mein Leben; Am Tage, da du mirS gegeben, Dank ich dir, Gott, dafür. Durch freye Gnad allein bewogen, Hast du mich aus dem Nichts gezogen; Durch deine Güte bin ich hier. Unter allen Wohlthaten Gottes ist das Leben die erste. Gott gab mir durch meine Eltern das Leben. Gott schenkte mir die denkende vernünftige Seele, und ihr Werkzeug, ihr Wohnhaus, den wohlgebildeten Leib mit seinen Gliedern und Sinnen. Ich danke Gott, daß ich Mensch bin. Ich danke meinem Schöpfer, daß ich verstehen, begreifen, fassen, lernen, mich erinnern, wollen, wählen, verwerfen, mich entschließen, vergleichen, unterscheiden , urtheilen kann. Ich danke dem Urheber meines Wesens, daß ich sehen, hören, riechen, schmecken, fühlen, stehen, gehen, mich nach Will- IZ9 kühr bewege»/ arbeiten und mancherley verrichten kann. Deiner Hände haben mich gearbeitet/ und gemacht/ was ich um und um bin; du hast mir Haut und Fleisch angezogen / mit Beinen und Adern hast du mich zusammengefügt. Leben und Wohlthat hast du an mir gethan/ und dein Aufsehen bewahret meinen Odem. Hiob 10, 8 , 11, 12. 2 . Du hast mich wunderbar bereitet/ An deiner Rechten mich geleitet/ DiS diesen Augenblick. Du gabst mir tausend frohe Tage/ Verwandeltest selbst meine Klage Und meine Leiden in mein Glück. Wir können uns nicht selbst regieren / nicht selbst durchs Leben führen. Aber der treue Schöpfer nimmt uns an seine rechte Hand/ und leitet uns durchs Leben. Er giebt uns Eltern / die sich unsrer Schwachheit annehmen/ und uns mit Liebe erziehen. Er schenkt uns Lehrer/ die uns den Weg der Tugend znr Glückseligkeit weisen. In der un- schuldvollen Kindheit/ in der frohen Jugend/ in den Jahren der reifern Thätigkeit können wir schmecken und sehen/ wie freundlich der Herr ist, Ps. 3 ^, 9. Wie so viele Freuden genießen gute/ genügsame / friedfertige / fromme/ tugendhafte Menschen. Wie viele Tage der Gesundheit gegen eine» der Leiden und des Schmerzeus. Und selbst was uns wehe thut / ist oft Vorbereitung / Hülfsmittel zu unserm Glück / wie bittere Arzney Gesundheit wirkt, 3. Ich bin der Treue zu geringe/ Mft dsr d»/ Herrscher aller Dinge/ 140 StttS über mich gewacht. O Gott, damit ich glücklich werde Hast du an mich, mich Staub und Erde, Von Ewigkeit her schon gedacht. Wir können oft die Abstehlen der Menschen errathen, wenn wir ihre Anstalten bemerken. Gott hat mir den Wunsch, den Trieb nach Glückseligkeit eingepflanzt, er hat mir Sinn und Empfindung für das Gute und Schöne gegeben. Er muß also mein Bestes wollen. Meine Tugend und Wohlfahrt muß sein Ziel seyn. Welche unverdiente, freye Güte. Was ist der Mensch, daß du seiner gedenkest, und das Menschenkind, daß du dich seiner annimmst. Ps. 8,5. Ich bin zu geringe aller Barmherzigkeit und Treue, die du an mir gethan hast. 1 Mos. 32. 4. Du sahst und hörtest schon mein Sehnen, Und zähltest alle meine Thränen, Eh ich bereitet war; Und wogst , eh ich zu seyn begonnte, Eh ich zu dir noch rufen konnte, Mir mein bescheiden Theil schon dar. Gottes Augen sahen mich, da ich noch unbe- reitet war; es waren alle meine Tage auf sein Buch geschrieben, die noch werden sollten, als derselben noch keiner da war. Ps. 139, 16. Zum voraus hat mir Gott diesen Antheil an den Gütern des irdischen Lebens beschieden und bestimmt. Zum voraus hat er mir dieses Maaß von Fähigkeiten und Talenten des Geistes angewiesen. Wer hat dem Herrn etwas zuvor gegeben, daß ihm werde wieder vergolten. Röm. 11, 35. Eure Haare auf 14L dem Haupte sind alle gezählet. Matth. 10, 30. Gewiß ist auch alle meine Begierde vor dem Herrn, und mein Seufzen ist ihm nicht verborgen. Ps. 38 , 10. 5. Du ließst mich Gnade vor dir finden, Und sahst doch alle meine Sünden Vorher von Ewigkeit. O welche Liebe, welch Erbarmen, Der Herr der Welt'sorgt für mich Armen, Und ist ein Vater, der verzeiht. Der Allwissende sah alle die Sünden voraus, womit wir seine Gesetze übertreten würden. Er sah auch alles das Elend voraus, das die Sünde über die Menschen bringen würde. Er erbarmte sich unsers Elends und beschloß uns einen Erlöser zu schenken. Wir haben Ursache Gott unablässig zu danken, daß er uns von Anfang erwählte, durch Heiligung des Geistes, und durch Glauben an die Wahrheit selig zu werden. 2 Thessal. 2, 13 . Schon vor Anfang der Welt hat er uns in Christo erwählt, daß wir heilig und untadelhaft vor ihm lebten. Aus Liebe beschloß er uns durch Jesum das Vorrecht-er Kin-schaft zu ertheilen, nach dem freyen Wohlgefallen seines Willens. Ephes. 1 , -L, 5. Wie er uns von jeher kannte, so beschloß er auch, daß wir dem Ebenbilde seines Sohnes ähnlich seyn sollten, damit er der Erstgeborne unter vielen Brüdern sey. Und über welche er dieß beschloß, die hat er auch berufen, und welche er berufen hat, die hat er auch begnadiget, und welche er begnadigte , die führet er auch zur Herrlichkeit. 14S 6. Für alle Wunder deiner Treue/ Für alles, dessen ich mich freue, Lobsinget dir mein Geist. Er selber ist dein größt Geschenke; Dein ists, daß ich durch ihn dich denke, Und dein, daß er dich heute preist. Wenn die Speise, die den Leib nähret, das Klei-, das den Leib bedecket und wärmet, schätzbare Geschenke sind, wie vielmehr denn -er Leib selber, wie vielmehr noch die darin wohnende Seele. Sie ist das Edelste, das Vortrefflichste, das es auf Erden giebt. Durch sie sind wir der Erkenntniß, der Verehrung Gottes fähig. Sie trägt des Schöpfers Ebenbild, wenn sie zur Weisheit und Tugend ausgebildet wird. Durch sie sind wir göttlichen Geschlechts. Apost. 17, 28. Was hülfe es -och dem Menschen, wenn er auch die ganze Welt gewönne, und würde indessen um das Glück und die Würde seiner unsterblichen Seele gebracht. Matth. 16, 26. 7. Daß du mein Leben mir gefristet, Mit Stärk und Kraft mich ausgerüstet, Dieß, Vater, dank ich dir; Daß du mich wunderbar gcführet, Mit deinem Geiste mich regieret, Dieß alles, Vater, dank ich dir. Wie viel Tausende in meinem Geburtsjahr Geborne, sind längst schon aus dieser Zeitlichkeit verschwunden. Manches holde Kind sank hin, und ward des Todes Raub, wie eine Blume abgemähet wird. Auf allen Stufen des Alters raffen Krank- 113 heiten und Unglücksfälle Unzählige hin. Ich bin und lebe noch. Ich fühle noch zur Arbeit Lust, zur Arbeit Kraft. Noch durchdringt das Gefühl der Gesundheit meine Glieder. Noch sagt mir Gottes Wort was gut sey, und was der Herr von mir fordere. Micha 6, 8. Noch erinnert er mich durch das Gewissen an meine Pflicht. Wie lebhaft sollte für diese Erhaltung mein Dank, wie willig und froh mein Gehorsam seyn. 8. Soll ich, o Gott, noch länger leben: So wirst du, was mir gut ist, geben; Du giebstS, ich hoff auf dich. Dir, Gott, beseht ich Leib und Seele. Der Herr, Herr, dem ich ste befehle, Der segne und behüte mich. Soll ich dieses Jahr auf Erden durchleben, soll ich noch eine Reihe von Jahren hier zubringen, so wird der Vater meines Lebens, der Regierer meiner Schicksale, von mir abwenden, was mir schädlich, und mir schenken, was mir gut ist. Nur muß ich trachten, seinen Rath zu versteh». Nur muß ich befolgen das Gesetz, das er mir gab zu meinem Glück. Herr , weise uns deinen Weg, und leite uns auf richtiger Bahn. Ich glaube, daß ich sehen werde das Gute des Herrn im Lande der Lebendigen. Mein Herz hält dir vor dein Wort, ich soll dein Antlitz suchen. Darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz. Harre des Herrn, sey getrost, unverzagt, meine Seele, harre des Herrn. Ps. 27, 8, 11, 13, 1^. 144 XXIII. Preis des Schöpfers. Die Betrachtung des Himmels und der Erde/ der Jahreszeiten und des Menschen ermuntern uns Gott zu preisen. 1. Wenn ich, o Schöpfer, deine Macht, Die Weisheit deiner Wege, Die Liebe, die für alle wacht, Anbetend überlege: So weiß ich, von Bewundrung voll, Nicht wie ich dich erheben soll, Mein Gott, mein Herr und Vater. Was meinest du, mein Kind, wenn du betrachtest diese Wiesen, diese Blumen, diese Bäume; wenn du erblickest das Getreide auf den Aeckern, die Fische in den Wassern, die Böget in der Luft, die Sonne am Himmel; ist dieß alles von ungefehr entstanden? Nein, dieß zu glauben, wäre die größte Thorheit. Alles hat seinen Ursprung von Gott, welcher der Schöpfer aller Dinge ist. Er ist der Urheber des Himmels, der Sonne, des Mondes, der Gestirne; des Feuers, der Luft, des Wassers und der Erde; der Menschen, der vierfüßigen, fliegenden, schwimmenden und kriechenden Thiere; der Gräser und Kräuter, der Gesträuche und Bäume; der Meere und Flüsse, der Berge und Thäler; der Steine und Metalle. Daß ein Gott sey, wissen wir aus seinen unzähligen Werken. Wie vielfach, Herr, sind deine Werke; wie hast du alle sie mit Weisheit angeordnet; die Erd ist voll von deinen Schätzen. Psalm 104, 2^,. Heilig, heilig, heilig 14 '» ist Gott -er Allherrscher, -er war, und ist und-er kommt. Du Herr, -er auf dem Throne sitzt, -er Ewiglebende, bist würdig zu nehmen Preis, Ehr und Macht; denn -u hast alle Dinge geschaffen, und -urch deinen Willen waren und sind sie. Offenb. 't, 8, 10, 11. 2. Mein Auge lieht, wohin es blickt, Die Wunder deiner Werke. Der Himmel prächtig ausgeschmückt, PreiSt dich, du Gott der Stärke. Wer hat die Sonn an ihm erhöht ? Wer kleidet sie mit Majestät? Wer ruft dem Heer der Sterne. Der reine Lufthimmel ist eine Zierde in der Höhe, der ganze Himmel zeigt Gottes Majestät. Durch ihren Anblick verkündiget die Sonne, wie herrlich Gott ist, sie ist ein bewundernswürdiges Werk des Höchsten. Am Mittag trocknet sie die Erde, wer kann ihre Glut ertragen? Mit ihren Straien blendet sie die Augen. Groß ist der Herr, der sie machte, auf dessen Befehl sie ihre Bahn durchläuft. Auch der Mond erscheint zur bestimmten Zeit. Er dient zum Zeitmaß, nach ihm rechnet man die Feste. Sein Licht nimmt ab, bis es sich verliert. Der Monat hat nach ihm seinen Namen. Er nimmt in wunderbarer Abwechselung zu. Der Sterne Glanz verschönert den Himmel, ein glänzender Schmuck an der erhabenen Wohnung des Höchsten. Auf Gottes Befehl stehen sie in ihrer Ordnung und werde» auf ihren Wachen nicht müde. Sirach -43, 1 — io. 10 146 3. Wer mißt dem Winde seinen Lauf? Wer heißt die Himmel regnen? Wer schließt den Schooß der Erde auf, Mit Verrath uns zu segnen? O Gott der Macht und Herrlichkeit, Gott, deine Güte reicht so weit, So weit die Wolken reichen? Ich weiß, daß der Herr groß ist, und unser Herr vor allen Göttern. Alles, was er will, das thut er, im Himmel, auf Erden, im Meer und in allen Tiefen. Der die Wolken läßt aufgehen vom Ende der Erde, der die Blitze sammt dem Regen macht, der den Wind aus heimlichen Oer- tern kommen laßt. Psalm 135, 5, 6,7. Du feuchtest die Berge von oben her; du machest das Land voll Früchte, die du schaffest. Du lässest Gras wachsen für das Vieh, und Saat zu Nutz den Menschen; daß du Brod aus der Erde bringest. Daß der Wein erfreue des Menschen Herz, und das Brod des Menschen Herz stärke. Ps. 10 ^, 13, l^i, 15. Er giebt Schnee, wie Wolle, er streuet Reif, wie Asche, er wirft seinen Hagel in Stücken; wer kann bleiben vor seinem Frost? Er spricht, so zerschmelzet es; er läßt seinen Wind wehen, so thauet es auf. 4. Dich predigt Sonnenschein und Sturm, Dich preist der Sand am Meere. Bringt, ruft auch der geringste Wurm, Bringt meinem Schöpfer Ehre. Mich, ruft der Baum in seiner Pracht, Mich, ruft die Saat, hat Gott gemacht; Bringt unserm Schöpfer Ehre. 147 Die mit den Schiffen auf dem Meer fuhren, und trieben ihren Handel in großen Wassern; die des Herrn Werke erfahren haben, und seine Wunder im Meer, wenn er sprach, und einen Sturmwind erregte, der die Wellen erhob, und sie gen Himmel fuhren und in Abgrund fuhren, daß ihre Seele vor Angst verzagte; daß sie taumelten und wankten wie ein Trunkener, und wußten keinen Rath mehr; und sie zum Herrn schrien in ihrer Noth, und er sie aus Aengsten führete, und sttllete das Ungewitter, daß die Wellen sich legten, und sie froh wurden, daß es stille geworden war, und er sie zu Lande brachte nach ihrem Wunsch: die sollen dem Herrn danken um seine Güte und um seine Wunder, die er an den Menschenkindern thut. Psalm 107, 23—31. Wollt ihr mich nicht fürchten, spricht der Herr, und vor mir nicht erschrecken? Der ich dem Meer den Sand zum Ufer setze, darinnen es allezeit bleiben muß; und ob es schon wallet, so vermags doch nichts; und ob seine Wellen schon toben, so müssen sie doch nicht darüber fahren. Lasset uns doch den Herrn, unsern Gott, fürchten, der uns Frühregen und Spatregen zu rechter Zeit giebt, und uns die Ernte treulich und jährlich behütet. Jeremias 5, 22', 2^. 5. Der Mensch, ein Leib, den deine Hand So wunderbar bereitet; Der Mensch, ein Geist, den sein Verstand Dich zu erkennen leitet; Der Mensch, der Schöpfung Rnhin und Preis, Ist sich ein täglicher Beweis Bon deiner Gut und Größe. 148 Gott hat den Menschen geschaffen aus der Erde, und machte ihn wieder zur Erde, und bestimmte ihnen die Zeit ihres Lebens, und machte fie nach seinem Bilde. Er gab ihnen, daß alle Geschöpfe fie fürchten mußten, und sie herrschen sollten über Thiere und Vogel. Er gab ihnen Vernunft, Sprache, Augen, Ohren und Verstand, und Erkenntniß. Und zeigte ihnen beydes, Gutes und Böses. Und hat sie vor andern Geschöpfen sonderlich angesehen, ihnen zu zeigen seine große Majestät. Er hat sie gelehret, und ein Gesetz des Lebens gegeben. Er hat einen ewigen Bund mit ihnen gemacht, und seine Rechte geoffenbaret. Sie haben mit ihren Augen seine Majestät gesehen, und mit ihren Ohren seine herrliche Stimme gehöret. Und er sprach zu ihnen: Hütet euch vor allem Unrecht; und befahl einem jeglichen seinen Nächsten. Alle ihre Werke sind vor ihm so offenbar wie die Sonne, und seine Augen sehen ohne Unterlaß alles ihr Wesen. Sir. 17. 6. Erheb ihn ewig, o mein Geist, Erhebe seinen Name«. Gott, unser Vater, sey gepreist, Und alle Welt sag Amen. Und alle Welt fürcht ihren Herrn, Und hoff auf ihn, und dien ihm gern! Wer wollte Gott nicht dienen? Durch das Wort des Herrn bestehet alles. Wenn wir gleich viel sagen, so können wirs doch nicht erreichen. Kurz: Er ists gar. Wenn wir gleich alles hoch rühmen, was ist das? Er ist L4S -och noch viel höher, als alle seine Werke. Der Herr ist unaussprechlich groß, und seine Macht ist wunderbarlich. Lobet und preiset des Herrn so hoch ihr vermöget; er ist doch noch höher. Preiset ihn aus allen Kräften, und lasset nicht ab; noch werdet ihrs nicht erreichen. Wer hat ihn gesehen, daß er von ihm sagen könnte? Wer kann ihn so hoch preisen, als er ist? Wir sehen seiner Werke das Wenigste; denn viel größere find uns noch verborgen. Denn alles, was da ist, das hat der Herr gemacht, und giebts den Gottesfürchtigen zu wissen. Sirach ^3, 28—37. XXIV. Die Ehre Gottes aus der Natlm Blick auf Himmel und Erde. Ausblick zum Schöpfer der Welt. 1. Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre , Ihr Schall pflanzt seinen Namen fort. Ihn rühmt der Erdkreis, ihn preisen die Meere; Vernimm, o Mensch, ihr göttlich Wort. Die Gestirne des Himmels erzählen uns die Herrlichkeit -essen, der vor allen Dingen ist. Dan- ket dem Herrn aller Herren, der große Wunder thut allein, der den Himmel weisheitsvoll gemacht hat, der große Lichter gemacht hat, die Sonne, dem Tage vonustehn, den Mond und die Sterne, der Nacht vorzustehn. Pf. 136, 3 —9. Bringet her dem Herrn, ihr Gewaltigen, bringet her dem Herrn Ehre und Stärke. Bringet dem Herrn die 150 Ehre seines Namens, betet an den Herrn in heiligem Schmuck. Der Donner des Herrn tönt über den Fluthen, der Glorreiche donnert auf mächtigen Fluthen. Der Donner des Herrn gewaltig, der Donner des Herrn voll Pracht. Der Donner des Herrn streut flammende Blitze. Der Herr ist ewig Könkg. Ps. 29. Dem Herrn gehört die Erde, und was sie füllet, der Erdkreis, und wer ihn bewohnet. Er hat an Meeren ihren Grund gelegt, an Strömen sie erbaut. Ps. 2 ^, 1, 2. Der Himmel selbst, 0 Herr, erhebet deine Wunder; der Heiligen Versammlung deine Treue. Gott, Allgewaltiger, wer ist wie du: ein Gott voll Kraft und Treue um ihn her? Das stolze Meer beherrschest du, besänftigst es, wenn seine Fluth sich thürmt. Dein ist der Himmel, dein die Erde: die Welt, und was sie hat, hast du geschaffen. Mittag und Mitternacht hast du hervorgebracht. Ps. 89 , 6 , 9 , 10 , 12 , 1 Z. Mensch, lies im Buche der Natur. Auch die Natur ist Offenbarung Gottes. 2. Wer trägt der Himmel unzählbare Sterne? Wer führt die Sonn aus ihrem Zelt ? Sie kömmt, und leuchtet, und lacht uns von ferne, Und läuft den Weg, gleich als ein Held. Zu Abraham geschah das Wort des Herrn. Der Herr hieß ihn hinausgehen, und sprach: Siehe gen Himmel, und zahle die Sterne, kannst du sie zählen. Abraham glaubte dem Herrn. 1 Moses 15 , l,S. Lobet den Herrn, denn un- 151 fern Gott loben, das ist ein köstliches Ding; solches Lob ist lieblich und schön. Der Herr zählet die Sterne, und nennet sie alle mit Namen. Unser Herr ist groß, und von großer Kraft, und ist unbegreiflich, wie er regieret. Ps. E, 1,-4, 5. Die Himmelskörper schweben in der Luft, wer macht, daß sie nicht fallen? Das thut der allmächtige Schöpfer, er trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort. Hebr. 1, 3. Der Himmel rühmt die Ehre Gottes, und der gestirnte Raum preist seiner Hände Werk. Ein Tag rufts laut dem andern zu, und eine Nacht lehrt es die andere. Lehrts nicht in Reden, nicht in Worten, die nicht verständlich wären. Dem ganzen Erdenrund tönt ihrer Saite Klang; ihr Loblied dringt, so weit der Erdkreis reicht, bis hin, wo er das Zelt dem Sonnenglanz bereitet. Gleich einem Bräutigam stralt er hervor aus seinem Zimmer; und munter, wie ein Held, durchläuft er seine Bahn. Von einer Htmmelsgränze geht er aus, den Kreislauf durch, bis zu der andern, und alles fühlet seine Glut. Ps. 19, 2-7. z. VernimmS, und siehe die Wunder der Werke, Die die Natur dir aufgestellt! Verkündigt Weisheit und Ordnung und Stärke Dir nicht den Herrn, den Herrn der Welt. Sieh und betrachte, wenn du im Thal und aus der Höhe lustwandelst, die herrlichen Werke Gcttes, welche dir die Natur vor Augen legt. Dazu hast du gesunde Sinne und Verstand bekommen, 152 daß du sie sehest und betrachtest. Da kannst du wahrnehmen eine Weisheit, die alles wohlge-- macht hat, eine Ordnung, wo jedes Ding am rechten Orte ist , und zur rechten Zeit geschieht, und eine Starke, welche die Kraft-es Menschen weit übertrifft. Suche den Hern der Welt iu der Natur, du wirst ihn fühlen und finden. Apost. 17, 27. Herr, deine Welt erfüllet mich mit Freude. Ich preise laut, was du gemacht. Wie groß sind deine Werke, Herr. Wie tief die göttlichen Gedanken. Die Unvernunft sieht das nicht ei»; der> Unbesonnene versteht es nicht. Ps. 92 , ö, 6, 7. Es herrscht der Herr, mit Ruhm bekleidet; bekleidet, angethan mit Macht. Fest steht der Erdkreis, wanket nicht, von jeher stehet fest dein Thron: von Ewigkeit bist du. Ps. 93, 1, 2 . 4. Kannst du der Wesen unzählbare Heere, Den kleinsten S.'aub fuhlloö beschaun? Durch wen ist alles? O gieb ihm die Ehre. Mir, rufe der Herr, sollst du vertraun. Kannst du die leblosen und die lebendigen Geschöpfe, die Thiere und die Pstanzen, die niemand vor der Menge zählen kann, und die doch in Klaft sen und Gattungen, und Arten, wie Kriegsheere geordnet sind, so gleichgültig, wie die Thiere, ansehen? Nein, von ungefähr ist nichts. Alles muß einen Urheber haben, Ich erkenne Gott aus seinen Werken, Fürwahr, es ist ein Gott! so ruft mir die Natur. Es ist ein Gott, der alles thun kann, was er will, der mein ganzes Vertrauen verdient. 1ZZ s. Mein ist die Kraft/ mein ist Himmel und Erde; An meinen Werken kennst du mich. Ich bins, und werde seyn/ der ich seyn werde/ Dein Gott und Vater ewiglich. Gottes ist das Reich; sein Gebiet/ sein Eigenthum ist Himmel und Erde. Gottes ist die Kraft / er hat das Vermögen, große Dinge aus- jurichten. Obschon ich Gott nicht sehe/ so liebe ich ihn doch, denn ich kenne ihn aus seinen Werke». Dir danken deine Werke, Herr! Und deine Frommen preisen dich. Sie rühmen deines Reiches Glanz, erzählen deine große Macht: den Menschen deine Wunder zu verkünden, und deines Reiches Pracht und Glanz. Dein Reich ist aller Ewigkeiten Reich, und deine Herrschaft geht auf alle Zeiten. Ps. 1^5, 10 , 11, 12, 13. Gott er- schien dem Mose am Berge Horeb, und sprach zu ihm: Gehe hin, ich will dich zu Pharao senden, daß du mein Volk Israel aus Egypten führest. Moses sprach zu Gott: Siehe, wenn ich zu den Kindern Israel komme, und spreche zu ihnen: der Gott eurer Vater hat mich zu euch gesandt; und sie mir sagen werden: Wie heißt sein Name? Was soll ich ihnen sagen? Gott sprach zu Most: Ich werde seyn, der ich seyn werde. Also sollst du zu den Kindern Israel sagen: Ich werde seyn, Jehova, der hat mich zu euch gesandt. 2Mos. 3, io, 13, i^. 6. Ich bin dein Schöpfer, bin Weisheit und Güte, Ein Gott der Ordnung und dein Heil: Ich binö! Mich liebe von ganzem Gemüthe, --Wd nimm an meiner Gnade Theil. 154 Dem Herrn jauchze alle Welt. Verehret ihn mit Freuden. Kommt vor ihn mit Frohlocken. Erkennet , daß der Herr allein Gott ist. Er schuf uns, wir find sein, sein Volk, die Heerde, die er weidet. Ps. 100 , 1 , 2 , 3. Herr des Lebens, Urquell ist bey dir, und deine Huld ist unser Glück. Ps. 36, 10 . XXV. Gottes Macht und Vorsehung. Eigenschaften und Vollkommenheiten Gottes. 1. Gott ist mein Lied! Er ist der Gott der Stärke; Hehr ist sein Nam, und groß find seine Werke, Und alle Htinmel sein Gebiet. Von Gott will ich reden; Gottes Lob will ich verkündigen. Denn so spricht der Herr: der Gelehrte rühme fich nicht seiner Gelehrsamkeit, und der Held rühme fich nicht seiner Stärke, und der Reiche rühme fich nicht seines Reichthums. Sondern wer fich rühmen will, der rühme fich, daß er von mir wisse, und mich kenne, daß ich, der Herr, Erbarmen, Recht und Gerechtigkeit auf Erden übe, denn daran habe ich Wohlgefallen. Jerem. 9 , 22 , 23. Ich danke dem Herrn von ganzem Herzen im Rath der Frommen und in -er Gemeine. Groß find die Werke des Herrn, und wer ihrer achtet, der hat seine Lust daran. Was er ordnet, das ist löblich und herrlich. Heilig und hehr ist sein Name. Ps. lll, 1, 2, 3, 9. 155 Der Himmel ist allenthalben des Herrn, aber die Erde hat er den Menschenkindern gegeben. Ps. 115, 16. 2. Er will und sprichtS; So sind und leben Welten. Und er gebeut, so fallen durch sein Schelten Die Himmel wieder in ihr Nichts. Alle Welt fürchte den Herrn, und vor ihm scheue sich alles, was auf dem Erdboden wohnt. Denn so er spricht, so geschieht, wenn er gebietet, so steht es da. Ps. 33, 8, 9. Die Welten, die Himmelskörper von lebendigen und vernünftigen Creaturen bewohnt; die Erde, dieses bequeme und mit Ueberstuß versehene Wohnhaus für viele tausendmal Tausende von Menschen und Thieren sind auf den Wink und Befehl des Allmächtigen entstanden. Und der die Welt gemacht hat, der erhaltet sie noch bis auf die heutige Stunde, und von einem Jahr zum andern. Die Macht, die schuf, und die erhält, die könnte auch zerstören und vernichten. Verbirgest du dein Angesicht, so erschrecken die Geschöpfe, du nimmst weg ihren Odem, so vergehen sie, und werden wieder zu Staub. Du lässest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen, und verneuerst die Gestalt der Erde. Ps. 10 ^, 29, 30. Die Säulen des Himmels zittern und entsetzen sich vor seinem Schelten, vor seiner Kraft wird das Meer plötzlich ungestüm. Hiob 26, 11. 3. Licht ist sein Kleid, Und seine Wahl das Beste; 1-6 Er herrscht als Gott, und seines Thrones Feste Ist Wahrheit und Gerechtigkeit. Wenn Finsterniß den Erdkreis deckt/ so sind die herrlichen Werke Gottes deinem Auge verborgen. Aber wenn er seine Sonne am hohen Himmel aufgehen läßt / wenn diese Quelle des Lichtes und der Warme dir durch die reine Luft ihre Stralen sendet/ oder durch die Wolken dringt, dann erblickst du den Himmel und die Erde, den Berg, der hoch zum Himmel strebet, das tiefe Thal zu seinen Füßen, und den See, der ihn spiegelnd zeigt. Den Schöpfer selbst siehest du nicht, er wohnt in einem Lichte, da niemand zukommen kann. l. Timoth. 6, 16. Aber das Licht zeigt deinem Auge die Geschöpfe, und dein Verstand sagt dir, der müsse ein mächtiger Herr seyn, der dieß alles hervorgebracht habe. Betrachte nur aufmerksam die Geschöpfe, so wirst du den Ausspruch des Schöpfers selbst bestätigen. Als er vollendet hatte die Schöpfung aller Dinge, sah er an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. 1 Mos. 1, 31. Gerechtigkeit und Gericht ist deines Stuhles Festung; Gnade und Wahrheit sind vor deinem Angesicht. Ps. 89, 15. Gott hat sein Reich auf Wahrheit gebaut, und auf Gerechtigkeit gegründet, darum ist es unerschütterlich und kann nicht umgestoßen werden. Er erfüllet seine Verheißungen und Drohungen; er giebt seinen Gesetzen Nachdruck, indem er die Belohnungen nach der Würdigkeit und die Strafen nach der Schuld bestimmt. 157 4. Unendlich reich, Ein Meer von Seligkeiten, Ohn Anfang Gott, und Gott in ew'gen Zeiten! Herr aller Welt, wer ist dir gleich? Wie sollen wir Gott würdig genug verehren. Ihm ist niemand gleich; er ist groß und sein Name ist groß, und er kann es mit der That beweisen. Herr, wer ist dir gleich, der so mächtig, heilig, schrecklich und wunderthättg sey. 2 Mos. 15, ii. Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. Joh. 1, 16 . Nach der Kraft, die da in uns wirket, kann er überschwenglich thun über alles, was wir bitten oder verstehen. Ephes. 3, 10 . Wo nimmt es Gott doch alles her, was er giebt und mittheilt. Sein Vorrath von Gütern muß unerschöpflich seyn, wie das Meer. Herr, Gott, du bist unsre Zuflucht für und für. Ehe denn die Berge geworden, und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Ps. 90 , 2 . Gott, dem ewigen König, dem Unvergänglichen und Unsichtbaren und allein Weisen, sey Ehre und Preis in Ewigkeit. 1 Timoth. 1, 17. 5. WaS ist und war, Im Himmel, Erd und Meere, Das kennet Gott, und seiner Werke Heere, Sind ewig vor ihm offenbar. Keine Kreatur ist vor Gott unsichtbar; es ist alles bloß und entdeckt vor seinen Augen. Hebr.4,13. Er kennt und weiß zu unterscheiden das Gegenwärtige, das jetzt vorhanden ist, und das Ver- 158 gangene, das einst da war/ und das Zukünftige/ das einst werden wird. Er kennt die Bewohner des Himmels / und was auf Erden lebt / und was sich in den Abgründen des Meeres bewegt. Alles ist vor ihm. Die Millionen Wesen vom Engel bis zum Menschen, vom Menschen bis zum Wurme. Alles ist vor ihm, wenn es langst vom Menschen vergessen/ in der Welt verschwunden/ aus dem Gedächtniß verloren ist. Wie wichtig sind mir deine Gedanken.' und ihre Summe/ Gott/ wie groß/ und ihre Zahl/ wie stark. Wollt ich sie zahlen/ jie sind an Zahl noch mehr als Körnchen Sand/ am Ufer ausgebreitet. Ps. 139/ 17, 18. 6. Er ist um mich, Schafft, daß ich sicher ruhe; Er schafft / was ich vor oder nachmals thue, Er erforschet mich und dich. Gott ist nicht ferne von einem jeglichen unter uns. Apost. 17, 27. Gott, ein Menschenhüter. Der dich behütet, schlaft nicht. Siehe, der Hüter seines Volkes schlaft und schlummert nicht. Der Herr behütet -ich vor allem Uebel, er behütet deine Seele. Ps. 121. Ich liege und schlafe ganz im Frieden, denn du, o Herr, hilfst mir, daß ich sicher wohne. Ps. -4, 9. In Gott leben, weben und sind wir. Apost. 17, 28 . Von Gottes Gnade bin ich, das ich bin. 1 Kor. 16, io. Was könnte ich ausrichten, wenn mir Gott nicht das Vermögen dazu gäbe? Wenn mir ein gutes Werk wohl gelingt, so will ich dem die 15S Ehre gehen, der mich dazu stärkte, mir dazu Gelegenheit gab. Gott weiß, wie viel ich vermag: und wem er viel gab, von dem wird er viel fordern. 7. Er ist dir ifith, Du sitzest oder gehest; Ob du anS Meer, ob du gen Himmel flöhest: So ist er allenthalben da. Herr, du erforschest mich, und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißest du es, und verstehest meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich, und siehest alle meine Wege. Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, Las du, Herr, nicht alles wissest. Wo soll ich hingehen vor deinem Geist? Und wo soll ich hinfliehen vor deinem Angesicht? Führe ich gen Himmel; so bist du da. Bettete ich mir in der Unterwelt, siehe, so bist du auch da. Nähme ich Flügel -er Morgenröthe und bliebe am äußersten Meer; so würde mich doch deine Hand daselbst führen, und deine Rechte mich halten. Sprache ich, Finsternisse mögen mich decken; so muß die Nacht auch Licht um mich seyn. Denn auch Finsterniß nicht finster ist bey dir, und Nacht leuchtet wie -er Tag, Finsterniß ist wie das Licht. Ps. 139 , 1—7—12. Daß Gott mich steht, ihm nichts entflieht, dieß heilige mein Leben! Er ist mir nah: Wie könnt ich da -er Sünde mich ergeben? 8. Er kennt mein Flehn Und allen Rath der Seele. 160 Er weiß, wie oft ich Gutes thu und fehle, Und eilt, mir gnädig beyzustchn. Was fehlt dir, Leidender, bey dem Gedanken: Mein himmlischer Vater weiß, was ich bedürfe- Math. 6, 32. Er hört meine Seufzer, er zählt meine Thränen. Ps. 56, 2. Er bemerkt jeden Kummer, jede Thräne. Wo wir nicht wissen, was, und wie wjr beten sollen, so versteht er, der die Herzen durchblickt, das Verlangen des Geistes. Röm. 8, 26, 27. Siehe da, mein Zeuge ist im Himmel, und der mich kennet, ist in der Höhe. Hiob 16, 19. Der Höchste kennet mich, wenn Menschen mich verkennen. Dadurch können wir unser Herz vor Gott stillen, daß so uns unser Herz verdammt, daß Gott größer ist, denn unser Her;, und erkennet alle Dinge. 1 Joh. 3, 19, 20. Wenn wir fehlen, so kennet Gott auch unsre Redlichkeit bey aller Schwäche, unsre Buße nach dem Fall, unsre Wehmuth über unsre Berge- hungen. Keine gute That geht verloren. Sie wird aufbewahrt im Buche des Allwissenden. Wie glücklich ist der, von dem eine große Reihe vieler guter Thaten darin verzeichnet werden kann. 9. Er wog mir dar, Was er mir geben wollte, Schrieb auf sein Buch, wie lang ich leben sollte, Da ich noch unbcrcitet war. Jeder Mensch hat sein Maß von Kräften, Gaben und Talenten. Der Herr gab dem einen Knechte fünf, dem andern zwey, dem dritten ein Pfund. Match. 25, 1^—30. O Gott, mein Innerstes 161 hast du gebildet, umkleidet mich in meiner Mutter Schooß. Dir dank ich meine wundervollen Glieder; denn wunderbar sind deine Werke, und ehrfurchtsvoll betracht' ich sie. Ganz unverholen war dir mein Gebein, als ich gebaut an einem dunkeln Ort, geformt ward in dem Schooß der Erde. Im Keime sah'n mich deine Augen schon; da waren sie schon in -ein Buch gezeichnet, die Tage, die mir werden sollten, und deren ersten noch nicht da war. Ps. 139, 13—16. 10 . Nichts, nichts ist mein, Daß Gott nicht angehöre. Herr immerdar soll deines Namens Ehre, Dein Lob in meinem Munde seyn. Alles, was ich bin und habe, Leib, Sinnen Und Glieder, der Geist und dessen Kräfte sind meines Gottes. Nach seiner Vorschrift will ich sie gebrauchen. Alles, was wir haben, das sind Gottes Gaben. Was sind wir doch, was haben wir auf dieser ganzen Erd', das uns, o Vater, nicht von dir allein gegeben werd'. Danket dem Herrn, und prediget seinen Namen, verkündiget sein Thun unter den Völkern; singet von ihm, und lobet ihn; redet von allen seinen Wundern; rühmet seinen heiligen Namen, es freue sich das Herz derer, die den Herrn suchen; fraget nach dem Herrn und nach seiner Macht; suchet sein Antlitz allewege. Ps. 106,1—4. 11. Wer kann die Pracht Von deinen Wundern fassen? Ein jeder Staub, den du hast werden lassen, Verkündigt seines Schöpfers Macht. 11 162 Den Herrn erhebe meine Seele. Sehr groß bist du, o Herr, mein Gott, mit Pracht und Majestät bekleidet. Ps. ioL, 1. Ja Herr, wie groß, wir gut bist du, wie schön ist deine Welt, gieb, daß ich dir zu lieb auch thu, was dir, mein Gott, gefällt. Herrlich ist die Sonne. Wie groß, wie herrlich muß der Schöpfer der Sonne seyn. Der Herr ist groß auch im Kleinen. Schauet die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen. Ich sage euch, daß auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist, als derselben eine. Matth. 6, 29, 30. Nicht bloß durch Moses und Elias, durch Jesus und seine Apostel hat Gott große Wunder gethan. Er thut Wunder noch heut zu Tage vor unsern Augen. Wenn er die zarten Gewächse unter Schnee und Eis unversehrt erhält; wenn er durch Sonnenschein, Wind, Regen und Thau den Schooß der Erde öffnet, uns mit einer neuen Ernte zu segnen; wenn stch der ausgestreute Same vervielfältiget, wenn aus Wenigem Vieles wird, ist dieß nicht ein Wunder? 12. Der kleinste Halm Ist deiner Weisheit Spiegel. Du, Luft und Meer, ihr Auen, Thal und Hügel, Ihr sevd sein Loblied und sein Psalm. Der schwache schlanke Halm trägt die Aehre. In seinen zarten Röhren steigt -er Nahrungssaft aus der Wurzel empor, um die Frucht zu bilden. Gott hat alles wohl gemacht. Die süße Traube hängt am Wetnstock. Die Früchte gelb und roth reifen am Baume. Gott will uns sättigen mit 16Z Freude. Die Luft/ die wir einathmen/ ist um uns her ausgegossen. Das Wasser brauchen wir vielfältig. Gott gab es uns im Ueberflusse. Wie hat Gott die Menschen so lieb. Das Meer, das so groß und weit ist, da wimmelts ohne Zahl, beydes große und kleine Thiere. Ps. 104 , 2S. Die Ehre des Herrn ist ewig. 18. Du trankst das Land, Führst uns auf grüne Weiden; Und Nacht und Tag, und Korn und Wein und Freuden Empfangen wir aus deiner Hand. Singet um einander dem Herrn mit Danken, und lobet unsern Gott, der den Himmel mit Wolken verdecket und giebt Regen auf Erden; der Gras auf Bergen wachsen läßt; der dem Vieh sein Futter giebt, -er dich sättiget mit dem besten Weizen. Ps. 147, 7, 8, 9, 14. Du suchest das Land heim, und wässerst es, und machest es sehr reich. Du lässest ihr Getreide wohl gerathen, denn also bauest du das Land. Du tränkest seine Furchen, und feuchtest sein Gepflügtes, mit Regen machst du es weich, und segnest sein Gewächs. Du krönest das Jahr mit deinem Gut. Die Hügel umher sind lustig. Die Auen stehen dick mit Korn, daß man jauchzet und singet. Ps. 66, io—14. Dir Sonne weiß ihren Niedergang. Wenn aber die Sonne aufgehet, gehet der Mensch aus an seine Arbeit, und an sein Ackerwerk, bis an den Abend. Ps. io4, 19 — 2 ^. 14. Kein Sperling fällt, Herr, ohne -einen Willen; 164 Sollt ich mein Herz nicht mit dem Troste stillen, Daß deine Hand mein Leben hält. Der Herr ist gegen alle lebendigen Geschöpfe gütig, und erbarmet sich aller seiner Werke. Aller Augen warten auf dich, und du giebst ihnen ihre Speise zu seiner Zeit. Ps. 1^6, 9, 15. Kauft man nicht ein Paar Sperlinge um einen Pfenning? Und doch kommt keiner von ihnen um, ohne eures Vaters Willen; an euch aber sind sogar die Haare eures Hauptes alle gezählt. Fürchtet euch also nicht, ihr sey- ja besser als viele Sperlinge. Matth. i o, 29,30,31. Die Thiere dienendem Menschen. Wenn Gott für die Thiere sorget, so wird er noch vielmehr die Menschen ernähren und kleiden. 15. Ist Gott mein Schutz, Will Gott mein Retter werden: So frag ich nichts nach Himmel und nach Erden, Und biete selbst der Holle Trutz. Gott ist unsre Zuversicht und Starke, eine Hülfe in den großen Nöthen, die uns getroffen haben. Darum fürchten wir uns nicht, wenn gleich die Welt untergienge und die Berge mitten tn's Meer sänken. Wenn gleich das Meer wütete und waltete, und von seinem Ungestüm die Berge einfielen. Ps. ^6, 2, 3, Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Theil. Ps. 73, 25, 26 . 16S XXVI. Vertrauen auf Gottes Vorsehung. Der Christ glaubt an einen unsichtbaren allmächtigen Vater / der für ihn sorgt/ der ihn erhaltet und regiert. Er erwartet von ihm sein Glück, er hofft, dieser himmlische Vater werde alles Uebel, das er ihm zuschickt, ihm zu gut wenden, und ihn versorgen. 1. Auf Gott, und nicht auf meinen Rath, Will ich mein Glücke bauen, Und dem, der mich erschaffen hat, Mit ganzer Seele trauen. Er, der die Welt allmächtig hält, Wird mich in meinen Tagen Als Gott und Vater tragen. Ich will mich nicht auf meine Einsicht und Ge» schicklichkett, auf meine Erfahrung und Klugheit verlassen. Mein Glück mnß einen festen Grund haben, ich will es also auf meinen Schöpfer und seine Vorsehung bauen. Wer sich aus feinen Verstand verläßt, ist ein Thor. Sprüchw. 28, 26 . Verlaß dich anf den Herrn von ganzem Herzen, und verlaß dich nicht auf deinen Verstand. Sprüchw. 3, 6. Meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Ps. 121 , 2 . Der allmächtige Regterer der Welt ist um seines Sohnes Christi willen mein Gott und mein Vater, auf welchen ich also vertraue, daß ich nicht zweifle, er werde auch für mich sorgen. Das ist meine Freude, daß ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze aus 166 den Herrn. Ps. 73, 28. Mein Gott, ich warte stets auf Leine Hülfe. Mein Gott, du hast mich von Jugend auf erzogen: noch immer rühm' ich -eine Wunder. Auch im Alter, auch bey grauen Haaren verlässest du mich nicht. Hoch, wie der Himmel, Gott ist deine Güte. Dn bists, der große Dinge thut. O Gott, wer ist, wie du? Ps. 7l, 14, 17, 18, 19. 2. Er sah von aller Ewigkeit, Wie viel mir nützen würde, Bestimmte meine Lebenszeit, Mein Glück und meine Bürde. Was zagt mein Herz? Ist auch ein Schmerz Der zu des Glaubens Ehre Nicht zu besiegen wäre ? Gott regiert mein ganzes Schicksal nach seinem ewigen Rath und nach seiner Fürsehung. Was mir wir- gut und nöthig seyn, das sieht mein Gott am besten ein. Euer Vater weiß, was ihr bedürfet. Matth. 6, 8. Gott hat mir mein Theil längstens zugemessen. Gelobet sey der Herr täglich. Gott leget uns eine Last auf, aber er hilft uns auch. Wir haben einen Gott, der da hilft, und einen Herrn, der vom Tode errettet. Ps. 68, 20, 2i. Meine Zeit stehet in deinen Händen. Ps. 31, 16. Was bist du ganz in Traurigkeit versunken, und zagst unruhig, meine Seele? O hois auf Gott. Ich werd' ihm einst noch danken, ihm, meinem Helfer, meinem Gott. Ps. 42, 6. Wer will die Liebe Christi uns rauben? Trübsal, oder Angst , oder Verfolgung, oder Hunger, oder Blöße, oder 167 Gefahr, oder gewaltsamer Tod? Voller Sieg wird uns über dieß Alles durch ihn, der uns geliebet hat. Ja, ich bin fest überzeugt: daß weder Tod noch Leben, weder Gegenwart noch Zukunft im Stande seyn wird, uns von der Liebe Gottes zn trennen, die er in Christo Jesu, unserm Herrn, uns geschenkt hat. Röm. 8, 35, 37, 38. Es ist kein Verlust den die Geduld nicht ertragen, kein Schmerz, den sie nicht besiegen könnte. Der Glauben an eine Vorsehung, die alles wohl mit uns macht, können wir nicht deutlicher beweisen als durch Geduld. Z. Gott kennet, was mein Herz begehrt, Und hätte, was ich bitte, Mir gnädig, eh ichs bat, gewährt, Wenns seine Weisheit litte. Er sorgt für mich stets väterlich. Nicht, was ich mir ersehe, Sein Wille, der geschehe. Der Herr kennet mich, er verstehet meine Gedanken von ferne. Ps. 139, 1, 2. Der Herr thut was die Gottesfürchtigen begehren, und hilft ihnen. Ps 1^5,19. Gott würde unsre Wünsche auch ohne Gehet erfüllen, wenn das Gebet nicht so nöthig wäre, das Andenken an Gott in uns lebendig zu erhalten. Gott liebet mich gewiß nicht weniger als ein Vater seine Kinder. Gott sorgt für mich, daß mir kein wahres Gut fehlen möge. Gott weiß um besten, was mir werde gut und nützlich seyn. Ich will mich niemals weigern gegen Gottes Willen. Sir. ^1,6. Ich will mich meinem Gott je länger j< mehr unterwerfen. Ich will meinem eignen Willen- 168 absage«/ und Gottes allein gutem Willen ohne alles Widersprechen gehorsamen. Ich will mit meinem Heilande beten: Mein Vater/ nicht wie ich will, sondern wie du willst. Matth. 26, 39. 4. Ist nicht ein ungestörtes Glück Weit schwerer oft zu tragen/ AlS selbst das widrige Geschick/ Bey -essen Last wir klagen? Die größte Noth hebt doch der Tod; Und Ehre/ Glück und Habe Verläßt mich doch im Grabe. Glück ist schwerer zu tragen als Unglück. ES ist schwerer im Glücke demüthig zu bleiben / als in der Widerwärtigkeit gelassen/ standhaft und geduldig zu seyn. Ich möchte/ wenn ich zu viel hätte, ein Gottesläugner, wie Pharao, werden, und sage«: wer ist der Herr. Sprüchw. 30, 8. Ich möchtr, wenn ich reich wäre, immer mehr haben wolleit, je mehr ich hätte, in Versuchung und Fallstricke und mancherley thörichte und verderbliche Begierden fallen, welche die habsüchtigen Menschen in El-nd und Perdammniß stürzen. 1 Timoth. 6, 9. Ich möchte stolz werden, und dann zu Grunde geben. Sprüchw. 16, 18. Der Weg zur Ewigkeit wird mir leichter, wenn ich mit der Last des Zeitlichen nicht zu sehr beschwert bin. Wenn mir -er Herr meines Lebens den Tod sendet, so erlöset er mich durch denselben von allem Uebel der Erde, und hilft mir aus zu seinem himmlischen Reiche. 1 Timoth. 6,7. Vermögen, Reichthum, Ehrenstellen, was man irdisches Glück nennt/ verläßt mich wenn ich sterbi» 169 muß. Wir haben nichts in die Welt gebracht, wir werden auch nichts mit Hinausnehmen. 1 Timoth. 6/ 7. Der Mensch läuft einem Schatten nach, macht ein Geräusch um Tand, häuft Güter auf, und weiß noch nicht, für wen. Ps. 39, 7. 5. An dem, waS wahrhaft glücklich macht, Läßt Gott eS keinem fehlen; Gesundheit, Ehre, Glück und Pracht Sind nicht das Glück der Seelen. Wer Gottes Rath vor Augen hat, Dem wird ein gut Gewissen Die Trübsal auch versüßen. Wem es an Weisheit fehlet, -er erbitte sie sich von Gott, welcher Allen gerne giebt und den Bittenden nicht abweiset, sie wird ihm gegeben werden. Jak. 1, 5. Gott schenkt uns gerne die wahren, die edelsten Güter, die Güter der Seele. Pracht in Kleidung und Hausgeräthe ist von der Welt, und vergeht mit -er Welt. i Joh. 2, 17. Der Mensch lebt nicht davon, -aß er viele Güter hat. Luk. 12 ,15. Es ist besser ein Armer, der in seiner Frömmigkeit gehet, denn ein Reicher, der in verkehrten Wegen gehet. Sprüchw. 28 ,6. Haltet euch nicht zu solchem, das nichts ist; fällt euch Reichthum zu, so hänget das Herz nicht daran. Ps. 62,11. Selbst ein gesunder Leib macht erst denn den Menschen glücklich, wenn eine gesunde Seele darin wohnet. Vergiß nie, daß Gott allemal unser Glück will, aber daß er uns auf mancherley Wegen zum Glücke führt. Ein gutes Gewissen kann dir die Bitterkeit -es Leidcnskelches versüßen. Unser Trost ist der, daß wir ein gutes 170 Gewissen haben, und befleißigen uns guten Wandel zu führen bey allen. Hebr. 1>1, 18. 6. Was ist des Lebens Herrlichkeit? Wie bald ist sie verschwunden. WaS ist das Leiden dieser Zeit? Wie bald ist'S überwunden. Hofft auf den Herrn! §r hilft uns gern: Send fröhlich, ihr Gerechten, Der Herr hilft seinen Knechten. Der Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blühet, wie eine Blume auf dem Felde. Wenn -er Wind darüber gehet, so ist sie nimmer da, und ihre Statte kennet sie nicht mehr. Ps. loz, i^, 15 . Die Trübsal, die uns hier trifft, ist vorübergehend und erträglich. 2 Kor. -4, 17. Hoffe auf den Herrn und thue Gutes; bleibe im Lande, und nähre dich redlich. Habe deine Lust an dem Herrn, der wird dir geben, was dein Herz wünschet. Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf thu, er wird's wohl machen. Sey stille dem Herrn, und warte auf ihn. Das Wenige, das ein Gerechter hat, ist besser, denn das große Gut vieler Gottlosen. Der Herr kennet die Tage der Frommen, und ihr Gut wird ewiglich bleiben. Von dem Herrn wird -er Gang des Gerechten gefördert, und hat Lust an seinem Wege. Fällt er, so wird er nicht weggeworfen ; denn der Herr erhält ihn bey der Hand. Laß vom Böser,, und thue Gutes, und bleibe immerdar. Denn der Herr hat das Recht lieb, und verlässet seine Heiligen nicht, ewiglich werden fie bewahret. Harre auf den Herrn und halte seinen 171 Weg, so wird er dich erhöhen. Bleibe fromm und halte dich recht, denn solchen wird's zuletzt wohl gehen. Ps. .37, Z, s, 16, 18, 23, 2^, 27, 28, 3-4, 37. XXVII. Versicherung der Gnade Gottes. Der Christ hält sich am Worte Gottes, und fühlt sich glücklich. Er ist der Huld und Liebe Gottes gewiß. Er ist überzeugt, daß Gott geneigt sey, ihm zu verzeihen und wohl zu thun. 1. So hoff ich denn mit festem Muth Auf Gottes Gnad und Christi Blut; Ich hoff ein ewig Leben. Gott ist ein Vater, der verzeiht, Hat mir daö Recht zur Seligkeit In seinem Sohn gegeben. Mit unerschütterlichem Vertrauen erwarte ich Gutes von Gottes Güte. Ich hoffe die gnädige Vergebung meiner Sünden. Das Blut Jesu Christi wurde vergossen für Viele zur Vergebung -er Sünden. Matth. 26 , 28. Ich hoffe ein seliges Leben, nach dem Tode des Leibes. Wenn mir Gott das zeitliche Leben nimmt, so giebt er mir dafür ein ewiges Leben. Gott ist mein Vater, und liebt mich väterlich. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmet, so erbarmet sich der Herr über die, so ihn fürchten. Ps. 103, 13. Gott hat mich um Christi willen zu seinem Kinde angenommen. Als ein Kind Gottes habe ich ein Recht zur Seligkeit. 172 Sind wir Kinder Gottes/ so sind wir auch Erben Gottes und Miterben Christi. Röm. 8, 17. 2. Herr/ welch ein unaussprechlich Heil/ An dir, an deiner Gnade Theil, Theil an dem Himmel haben. Im Herzen durch den Glauben rein, Dich lieben, und versichert seyn Von deines Geistes Gaben. Gott, du bist allezeit meines Herzens Trost und mein Theil. Das ist meine Freude, daß ich mich zu Gott halte, und meine Zuversicht setze auf den Herrn. Ps. 73, 26, 28 . Ist Gott für uns, wer mag wider uns seyn. Welcher auch seines eigenen Sohnes nicht hat verschonet, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben; wie sollte er uns mit ihm nicht Alles schenken. Röm. 8, 31, 32. Ein jeglicher, der solche Hoffnung hat zu ihm, der reiniget sich, gleich wie er auch rein ist. 1 Joh. 3, 3. Die Frucht -es Geistes ist Liebe, Freude> Friede» Gal. 5, 22 . Z. Dein Wort, das Wort der Seligkeit, Wirkt göttliche Zufriedenheit, Wenn wir es treu bewahren. Es spricht uns Trost im Elend zu, Versüßet uns des Lebens Ruh, Und stärkt uns in Gefahren. Heil denen, die den Unterricht des Herrit befolgen; die, was er gebietet, halten, die ganz nach seiner Vorschrift wandeln. Verordnungen hast du ertheilt, daß man mit Eifer auf sie halte. O wäre doch mein ganzes Leben stets dem gemäß, was du 173 befohlen. Ps. 119,1—Z. Wenn deine Lehre nicht mein Trost gewesen wäre, so wäre ich vergangen in meinem Elend. Ps. 119, 92 . Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten. Ps. 27, 1. Ein Gerechter fällt siebenmal und steht wieder auf, aber die Gottlosen versinken im Unglück. Sprüchw. 24, 16. 4. Erhalte mir, o Herr, mein Hort, Den Glauben an dein göttlich Wort, Um deines Namens willen; Laß ihn mein Licht auf Erden seyn. Ihn täglich mehr mein Herz erneu'n, Und mich mit Trost erfüllen. Laß meinen Glauben an dein Wort rechtschaffen erfunden werden. Laß mich das Ende meines Glaubens davon bringen, nämlich der Seelen Seligkeit, i Petri i, 7, 9. Dein Wort sey mir eine Leuchte, die meinen Pfad erhellt. Ps. 119 ,105. Ich habe den Herrn allezeit vor Augen, du thust mir kund den Weg zum Leben. Ps. 16, 8, 11. XXVIII. Die Güte Gottes. Gottes Güte offenbaret sich uns in der Schöpfung, Vorsehung und Erlösung. Sie fordert Liebe, Dank, und Gehorsam. 1. Wie groß ist des Allmächtigen Güte! Ist der ein Mensch, den sie nicht rührt? Der mit verhärtetem Gemüthe Den Dank erstickt, der ihr gebührt? Nein, seine Liebe zu ermessen, , Sey ewig meine größte Pflicht. Der Herr hal mein noch nie vergessen; Vergiß mein Herz auch seiner nicht. Die Güte, die Gott den Menschen erzeiget, ist unaussprechlich, allgemein und unermüdet. Gnädig und barmherzig ist der Herr, geduldig, und von großer Güte. Der Herr ist allen gütig, und erbarmet sich aller seiner Werke. Es sollen dir danken, Herr, alle deine Werke, und deine Heiligen dich loben. Ps. 1^5, 8, 9, 10. Ein Mensch, den die Güte Gottes nicht zum Dank bewegt, ein Mensch, der den Dank nicht ausspricht, der dem Wohlthäter gebührt, ist fühllos und unempfindlich. Das Vieh kennt seinen Hirten, das Thier liebt oft seinen Wohlthäter, der Undankbare wird vom Thiere beschämt. Ferne sey von mir der Undank. Die Menge, den Werth der Wohlthaten Gottes zu erkennen, ist mir eine theure, angenehme Pflicht. Der Herr hat des Tages verheißen ferne Güte, und des Nachts finge ich ihm, und bete zu dem Gott meines Lebens. Ps. -42, 9. Wenn wir des Namens unsers Gottes vergessen hätten, das möchte Gott wohl finden; er kennt ja unsers Herzens Grund. Ps. -L4, 21, 22. 2. Wer hat mich wunderbar bereitet? Der Gott, der meiner nicht bedarf. Wer hat mit Langmuth mich geleitet? Er, dessen Rath ich oft verwarf. Wer stärkt den Frieden im Gewissen? Wer giebt dem Geiste neue Kraft? Wer läßt mich so viel Glück genießen? Jst's nicht sein Arm, der alles schafft? 175 Die Güte meines Gottes ist groß. Deine Hand hat mich gemacht, und bereitet, unterweise mich, daß ich deine Gebote lerne. Ps. 119 , 73. Du bedarfst meines Dienstes nicht, aber ich bedarf deiner. Die Güte meines Gottes ist groß. Ich habe dich je und je geliebet, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte. Jerem. 31, 3. So kann Gott auch zu mir sprechen. Aber ich war oft ein ungehorsames, widerspenstiges Kind, ich verwarf oft seinen treuen, seinen väterlichen Rath. Die Güte meines Gottes ist groß. Wer gerecht durch den Glauben geworden ist, der hat Frieden mit Gott. Röm. 5, i. Wer Kräfte hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben. Matth. 25, 29 . Die Güte meines Gottes ist groß gegen mich. Erziehung und Unterricht, Leitung und Bewahrung verdank ich ihm. Wie soll ich dem Herrn vergelten alle seine Wohlthat, die er au mir thut? Ps. 116, 12. 3. Schau, o mein Geist! in jenes Leben, Zu welchem du erschaffen bist; Wo du mit Herrlichkeit umgeben, Gott ewig sehn wirft, wie er ist. Du hast ein Recht zu diesen Freuden; Durch Gottes Güte sind sie dein. Sieh, darum mußte Christus leiden, Damit du könntest selig seyn. Um die Güte Gottes ganz zu erkennen, steh nicht nur auf das gegenwärtige, sondern auch auf das zukünftige Leben. Du bist nicht erschaffen um nur die kurze Zeit von wenig Jahren auf Erde zu 176 lebe»/ und dann zu vergehe«', sondern -aß du einst in einer ewigen Seligkeit mit Gott lebest. Selbst -ein Leib soll auferstehen und verklärt werden. Die reines Herzens sind, sollen Gott-schauen. Diese Erwartung ist eine sichere zuverläßige Hoffnung. Der Geist Gottes giebt Zeugniß unserm Geist, daß wir Kinder Gottes sind. Sind wir denn Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi. Röm. 8, 14, 17. Christus ist einmal geopfert, wegzunehmen Vieler Sünden. Zum andern Mal aber wird er ohne Sünde erscheinen, denen, die auf ihn warten zur Seligkeit. Hebr. 9, 28. 4. Und diesen Gott sollt ich nicht ehren? Und seine Güte nicht versteh»? Er sollte rufen; ich nicht hören? Den Weg, den er mir zeigt, nicht gehn? Sein Will' ist mir in'S Her; geschrieben; Sein Wort bestärkt ihn ewiglich. Gott soll ich über alles lieben, Und meinen Nächsten gleich als mich. Ist Gott der gütigste Vater, so soll ich ihn mit kindlichem Gehorsam verehren. Will Gott selbst mich unterrichten, mir rathen, mir die rechten Wege zeigen, so soll ich freudig gehen seine Bahn. Ich soll mit meinem ganzen Leben mich dankbar gegen Gott für seine Wohlthaten erzeigen. Ich sollte schon aus einem natürlichen Gefühle die Forderungen des Gesetzes erfüllen. Was das Gesetz fordert ist in mein Herz geschrieben. Röm. 2 ,14,15. Es ist dem Menschen deutlich genug gesagt, was 177 gut ist/ und was der Herr von uns fordert; näm- lich Gottes Wort halten, und Liebe üben, und demüthig seyn vor Gott. Mich« 6, 8. Was ihr redet oder thut, es geschehe alles, wie Jesus, der Herr, es will, und danket Gott, dem Vater, durch ihn. Kvlvss. 3,17. 5. Dieß ist mein Dauk, dieß ist sein Wille. Ich soll vollkommen seyn, wie er. So lang ick dieß Gebot erfülle, Stell ich sein Bildniß in mir her. Lebt seine Lieb' in meiner Seele: So treibt sie mich zu jeder Pflicht. Und ob ich schon aus Schwachheit fehle, Herrscht doch in mir die Sünde nicht. Ich ermähne euch, Bruder, bey diesem Crbar» men Gottes, daß ihr euch selbst zu einem lebendigen, tadellosen und Gott wohlgefälligen Opfer darbringet; dieses sey euer vernünftiger Gottesdienst. Bildet euch nicht nach der jetzigen Welt; sondern werdet durch Umbildung eures Sinnes andre Menschen: so daß ihr prüfet, was Gottes Wille, was ihm wohlgefällig und vollkommen sey. Röm. 12 , 1,2. Der beßte Dank, den wir Gott für seine Wohlthaten beweisen können, ist wenn wir den Willen Gottes gehorsam, gern und treu, erfüllen. Ich rathe den Menschen zum Guten, und übe mich selbst im Guten. Ich fühle mich durch die Liebe Christi dazu gedrungen. 2 Kor. 5, ii, i^. Das ist die Liebe zu Gott, daß wir seine Gebote halten; und seine Gebote find nicht schwer. 11oh. 6,3. So lange mich die Liebe Gottes zu jeder Pflicht 12 178 antreibt, kann ich zwar aus Unwissenheit und Ueber- eilung fehlen, aber ich werde nie lasterhaft werden. 6. O Gott, last deine Güe und Liebe Mir immerdar vor Augen seyn. Sie stärk in mir die guten Triebe, Mein ganzes Leben dir zu weih'n. Sie tröste mich zur Zeit der Schmerzen; Sie leite mich zur Zeit des Glücks; Und ste besieg in meinem Herzen Die Furcht des letzten Augenblicks. Deine Güte, o Gott, sey mir unvergeßlich, und deine Wohlthaten müssen mir mein Lebenlang vor Augen und im Herzen seyn. Dann werde ich mich hüten, daß ich in keine Sünde willige, noch thue wider dein Gebot. Tobias -4, 6. Dann werde ich gedenken an meinen Schöpfer in meiner Jugend, und ehe die bösen Tage kommen. Pred. 12 , i. Das Andenken, was deine Güte an mir that , wird in mir die guten Vorsätze und Entschließungen der Treue und des Gehorsams starken. Deine Güte soll mich mit Hoffnung starken, in den Tagen der Leiden. Der Herr heilet die zerbrochnes Herzens sind, und verbindet ihre Schmerzen. Ps. 1^7, 3. Deine Güte soll mich führen, und vom Irrwege bewahren, wenn es mir wohl geht. So spricht der Herr, dein Erlöser, der Heilige: Ich bin der Herr, dein Gott, der dich lehret, was nützlich ist, und leitet dich auf dem Wege, den du gehest. O daß du auf meine Gebote merktest, so würde dein Friede seyn, wie ein Wasserstrom, und deine Wohlfahrt wie Meereswellen. Jes. ^8,18. Deine 17g Güte, die ich mein ganzes Leben hindurch erfahren habe, soll in mir die Furcht des Todes überwinden. Denn ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben uns mag scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserm Herrn. Röm. 8 , 38 , 39. XXIX. Vom Worte Gottes. Bon dem wichtigen Inhalt und hohen Werthe der heiligen Schriften der Bibel alten und neuen Testamentes. 1. Gott ist mein Hort! und auf sein Work Soll meine Seele trauen. Ich wandle hier, mein Gott, vor dir, Im Glauben nicht im Schauen. Glauben an Gottes Wort. Ich glaube dem Verständigen, dem Rechtschaffenen, warum sollte ich denn Gott nicht glauben! Ich glaube dem Freunde, dem Lehrer, dem Vater, warum sollte ich denn nicht das Wort Gottes für wahr halten. Die Rechte des Herrn sind wahrhaftig, allesammt gerecht, fie sind köstlicher denn Gold und viel feines Gold; sie sind süßer denn Honig und Honigseim. Auch wir- -ein Knecht durch sie erinnert; und wer sie hält, -er hat großen Lohn. Ps. 19, 9, 10, j>. Ich glaube, wenn ich schon nicht allemal die Gründe einsehe, auf denen die Wahrheit beruhet. Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunkeln Wort, denn aber von Angesicht zu Angesicht. Wie wenn man etwas nur durch ein dunkles Glas sieht, oder in einem sinn- 180 reichen Spruch hört/ so erkennen wir jetzt die künf- ttgen himmlischen Dinge nur in Bildern, einst werden wir sie näher kennen lernen, i Kor. 13, 12. Wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen. 2 Kor. 5, 7. Einst wird das Vollkommene kommen/ und das Stückwerk aufhören. 1 Kor. 13, 10. Die Hoffnung wird in Besitz und Genuß verwandelt werden. Kind Gottes/ glaube Gott/ und wandle vor Gott. 2. Dein Wort ist wahr: laß immerdar Mich seine Kräfte schmecken. Laß keinen Spott, 0 Herr, mein Gott, Mich von deur Glauben schrecken. Festhalten an dem Worte Gottes. Was Gott offenbaret ist wahr und gewiß. Was er gebietet ist gut. Was er verbietet ist schädlich. Was er verheißt, wird erfüllet. Er drohet nicht vergebens. Das Wort Gottes hat Kraft, die Sünder zu warnen, die Frommen zu ermuntern, die Unwissenden zu lehren, die Schwachen zu stärken, die Traurigen zu trösten, die Folgsamen zu jedem guten Werke geschickt zu machen. 2 Timoth. 3, 16, 17. Leben und Kraft hat Gottes Wort. Hebr. 12. Wenn deine Lehre nicht mein Trost gewesen wäre, so wäre ich vergangen in meinem Elend. Ps. 119,92. Hast du diese Erfahrungen auch schon gemacht? Wie fest würdest du denn am Worte Gottes halten? Es giebt Spötter, die unsers Glaubens und der Tugend spotten. Es giebt freche Menschen, die über die Christen Hotten, weil sie an einen Heiland glauben, der am Kreuz gestorben ist. Laß dich durch keinen Spott von dem Glauben abwendig mache». Z. Wo härt' ich Licht, wofern mich nicht Dein Wort die Wahrheit lehrte? Gott, ohne sie verstühnd ich nie, Wie ich dich würdig ehrte. Anleitung zur Gottesverehrung. Wenn wir unter den schwarzen Negern in Afrika, oder unter wilden Völkern in Amerika aufgewachsen wären, so wüßten wir nichts von Gott, vom Hei* land, vom ewigen Leben. Die Heiden leben im Irrthum, im Aberglauben, und in der Finsterniß. Das Wort Gottes ist uns auf unserm Lebenswege ein Licht. Ihr thut wohl, wenn ihr auf dieses Licht achtet. Ich danke Gott, daß ich ein Christ bin, und nicht ein Heide. Die Heiden, und selbst die meisten Jfraeliteu verstuhnden es nicht, wie sie Gott würdig ehren könnten. Sie brachten viele Opfer und Geschenke von Thieren und Früchten, und legten sie im Tempel auf den Altar. Und i manche meinten, dieß sey nun alles, was sie der Gottheit schuldig wären. Wir sollten billig besser i verstehen, was zur rechten Gottesverehrung gehöre. ^ Der Herr Jesus hat uns gelehrt, was für Anbeter ! der himmlische Vater haben will. Gott ist ein Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geiste und in der Wahrheit anbeten. Joh. 2^. 4. Dein Wort erklärt der Seele Werth, Unsterblichkeit und Leben. Zur Ewigkeit ist diese Zeit Von dir mir übergeben. Werth der Seele. Das Wort Gottes erkläret mir den Werth der Seele. Gott hat sie durch seines Sohnes Blut so hoch erkaufen lassen. Was hülfe es doch dem Menschen/ wenn er die ganze Welt gewönne/ und nähme Schaden an seiner Seele. Matth. 16, 26. Gottes Wort versichert mich von der Seele Unsterblichkeit/ es macht mich des ewigen Lebens gewiß. Der Geist gehet zu Gott, der ihn gegeben hat/ wenn der Leib zur Erde kommt, wie er gewesen ist. Pred. 12 , 7. Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib tödten, denn sie können die Seele nicht tödten. Matth. < 0 , 28. Christus hat das Leben und ein unvergängliches Wesen an daS Licht gebracht, durch das Evangelium, 2 Tim. 1 , 10 , Das Wort Gottes belehrt mich, diese Zeit sey mir zur Vorbereitung auf die Ewigkeit angewiesen. Was der Mensch hier säet, das wird er dort ernten. Gal. 6, 7. Wie hier die Thaten, so dort der Lohn. 5. Dein ew'ger Rath, die Missethat Der Sünder zu versöhnen; Den kennt ich nicht, wär mir dieß Licht Richt durch dein Wort erschienen. Die Erlösung. Ohne das Wort Gottes müßte ich den Trost der Erlösung gänzlich entbehren. Daß Gott in Christo war, und in ihm die Welt mit sich versöhnte, indem er den Menschen ihre Sünden nicht zurechnet, das wüßten wir nicht, hätte er uns nicht die Lehre von der Versöhnung gegeben. 2Kor, 6, 19. Das Wort Gottes sagt i8r mir: So wahr ich lebe, spricht -er Herr, ich habe keinen Gefallen an dem Tode des Gottlosen, sondern daß sich der Gottlose bekehre von seinem Wesen und lebe. Ezech. 33, 11 . Das Wort Gottes sagt mir: Es ist nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind, die nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist. Röm. 8, 1. Dieses Licht, diesen Trost hätte ich nicht, wenn ich ein Heide wäre. 6. Nun darf mein Herz, in Reu und Schmerz Der Sünden nicht verzagen; Nein, du verzeihst, lehrst meinen Geist Ein gläubig Abba sagen. Die Kindschaft Gottes. Die Unbnßfer- ttgen, welche ihre Sünden nicht bereuen, müssen verzagen, wenn der Richter kommt. Wer seine Sünden bekennt, und sie herzlich bereut, der darf nicht verzagen. Das hat David erfahren: Ich sprach, ich will dem Herrn meine Uebertretungen bekennen, da vergäbest du mir die Missethat meiner Sünde. Ps. 32, 5. Es ist kein Geist der Knechtschaft, den ihr empsienget, als hättet ihr euch wiedrum zu fürchten, sondern den Geist der Kind- schaft habt ihr empfangen, in welchem wir Abba, lieber Vater, rufen. Röm. 8, 15. 7. Mich zu erneun, mich dir zu weihn Ist meines Heils Geschäfte. Durch meine Müh vermag ichs nie Dein Wort giebt mir die Kräfte. Besserung. Mein Heil erfordert, daß ich den alten Menschen mit seinen bösen Werken ausziehe. 184 Mein Heil erfordert, daß ich den neuen Menschen mit allen Tugenden anziehe. Koloff. 3, 9, 10 . Mein Heil erfordert, daß ich mich dem Herrn weihe und mich ihm zu einem lebendigen Dankopfer darstelle. Röm. 12 , 1. Zu diesem schweren Werke der Heiligung verspricht mir das Wort Gottes höhere Hülfe. Gott ist es, der in euch das Wollen und das Vollbringen nach seiner Güte bewirkt. Phil. 2 , 13. Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen. 1 Kor. 1S, 10. 8. Herr, unser Hort, laß unv dieß Wort, Denn du hastS uns gegeben. Es sey mein Theil, es sey mir Heil Und Kraft zum civ'gen Leben. Liebe zu Gottes Wort. Ist der Inhalt des Wortes Gottes so vortrefflich, so köstlich, so ist es wohl billig, daß wir es aufrichtig lieben, daß wir auf dasselbe merken, und so wie es uns gebeut die Wege der Gerechtigkeit wandeln. Es ist billig, daß wir uns des Evangelit von Christo nicht schämen, wenn es eine Kraft Gottes ist, die da selig macht alle, die daran glauben. Röm. i, 16. Herr, erhalte meinen Gang auf deinen Fußsteigen, daß meine Tritte nicht gleiten. Ps. 17, 5. Ich gelobe dir fleißigen Gebrauch, und treue Befolgung deines Wortes, damit unser Leuchter nicht weggestoßen werde von seiner Stätte. Offenb. 2, 5. 18 Z XXX. Ermunterung die Schrift zu lesen, und Anleitung sie mit Nutzen zu lesen. 1. Soll dein verderbtes Herz zur Heiligung genesen, Christ, so versäume nicht daS Wort des Herrn zu lesen; Bedenke, daß dieß Wort daS Heil der ganzen Welt, Den Rath der Seligkeit, den Geist aus Gott enthält. Die Kranken bedürfen des Arztes. Matth. 9 ,12. Dein Herz ist krank, zu schwach sich selbst zu heilen. Wenn du willst, daß es gesund, gebessert, gehet- liget werden solle, so unterlaß nie aus Trägheit oder Gleichgültigkeit die Schrift zu lesen. Das Wort Gottes ist lebendig und kräftig. Hebr. 12. Das Buch der Bibel faßt Kostbares in sich wie die Schale den Kern. Es enthält die frohe Botschaft von der Erlösung der Sünder, den besten Rath, die eigne Anweisung Gottes, wie wir können selig werden. Die Schrift ist vom Geiste Gottes den Propheten und Aposteln eingegeben. 2. Merk auf, als ob dir Gott, dein Gott gerufen hätte; Merk auf, als ob er selbst zu dir vom Himmel redte. So lies, mit Ehrfurcht lies, mit Lust und mit Vertrau'», Und mit dem frommen Ernst in Gott dich zu erbau'». Richte deine Sinnen und Gedanken auf die Worte der Schrift, als ob dir Gott, wie einst dem Abraham gerufen hätte, als ob Gott selbst, wie einst vom Berge Sinai, oder bey der Taufe Jesu, oder bey seiner Verklärung zu dir vom Himmel herab redte. Lies die Schrift mit Scheu vor dem Allmächtigen, freudig und gerne. Ueberlaß dich der 186 Führung -eines Gottes. Laß es dir angelegen seyn im Guten Fortschritte zu machen. Z. Sprich fromm: o Gott, vor dem ich meine Hände falte, Gieb, daß ich dein Gebot für dein Wort ewig halte; Und laß mich deinen Rath empfinduugSvoll versieh», Die Wunder am Gesetz, am Wort vom Kreuze sehn. Bete: Thue wohl -einem Knechte, daß ich lebe, und -ein Wort halte. Oeffne mir die Augen, -aß ich sehe die Wunder an deinem Gesetz. Ich bin ein Gast auf Erden, verbtrge -eine Gebote nicht vor mir. Ps. 119, 17—19. Ich halte nicht nur die Verheißungen der Schrift, sondern auch ihre Gebote für dein Wort. Laß mich mit geübtem Wahrheitsstnn das Göttliche, das Menschenkraft und Weisheit übersteigt, im alten und im neuen Testamente sehen. 4. Er, aller Wahrheit Gott, kann dich nicht irren lassen. Lies , Christ, sein heilig Buch, lies oft, du wirft eS fassen, So viel dein Heil verlangt. Gott ifts, der Weisheit giebt, Wenn man sie redlich sucht, und auS Gewissen liebt. Gott, selbst wahrhaftig, der Wahrheit Beförderer, kann dich nicht von der Wahrheit ab und in den Irrthum führen. Lies, überlege, vergleiche, beherzige das heilige Buch -er Bibel, du wirst diese Gottesschrift lernen, du wirst so viel daraus verstehen und behalten, als zum Seligwerden nöthig ist. Gott giebt die Weisheit, die den beßten Theil erwählt, dem lernbegierigen Jünger Jesu, der sie aus reiner Absicht sucht, und aus innerm Gefühl sür's Gute liebt. 187 5. Lies, frey von Leidenschaft und ledig von Geschäften, Und sammle deinen Geist mit allen seinen Kräften. Der beßte Theil des TagS, des Morgens Heiterkeit, Und dann der Tag des Herrn, der sey der Schrift geweiht. Lies in der Schrift, wenn dein Gemüth nicht bewegt ist, wenn dein Blut nicht heftig in dir wallt, wenn du von den Arbeiten und Pflichten deines Berufes frey bist. Sammle deine Gedanken aus der Zerstreuung. Strenge die ganze Kraft deines Verstandes und deiner Vernunft an. Bestimme zum Bibellesen die erste Morgenstunde, wenn bey frohem Erwachen dein Geist von keinem Kummer getrübt ist. Den Sonntag kannst du nicht besser heiligen, als wenn du Gottes Wort zu Hause liesest, und in der Kirche durch den christlichen Prediger verkündigen hörest. 6. Rührt dich ein starker Spruch: so ruf ihn dir zum Glücke, Des TagS oft in dein Herz, im Stillen oft zurücke. Empfinde seinen Geist, und stärke dich durch ihn, Zum wahren Edelmuth, das Gute zu vollzieh». Da Jesus seine Rede vollendet hatte, war das Volk gerührt durch seine Lehre, denn er predigte gewaltig. Matth. 7, 28, 29. Da Johannes der Täufer die Buße predigte, waren die Zöllner, die Kriegsleute, und das Volk gerührt, und fragten ihn: Was sollen wir thun? Luk. 3, 10. Da Petrus predigte: der Gekreuzigte sey auferstanden, so gieng es den Leuten durch's Herz. Apost. 2, 37. Trifft dich ein starker Spruch, so bewahre den Eindruck, erinnrc dich daran in der Einsamkeit, empfinde 188 seinen ganzen, tiefen Sinn. Oft laßt sich mehr davon empfinden, als man erklären kann. Der starke Bibelspruch sey dir Antrieb Gutes zu thun. Nach Gottes Willen Gutes thun ist wahrer Edelmuth. Kein Mensch ist edel und groß, der den Begierden gehorchet, noch frey, wofern er dem Schöpfer nicht dient. 7. Um tugendhaft zu seyn, dazu find wir auf Erden. Thu, was die Schrift gebeut: dann wirst du inne werden, Die Lehre sey von Gott, die dir verkündigt ist, Und dann das Wort versteh», dem du gehorsam bist. Wer das Gute liebt und übt, ist tugendhaft. Der Mensch ist dazu geschaffen, -aß er tugendhaft werde. Jesus spricht: Meine Lehre ist nicht mein, sondern deß, der mich gesandt hat. So Jemand will deß Willen thun, der wird inne werden, ob diese Lehre von Gott sey, oder ob ich von mir selbst rede. Joh. 7, 17. Ich will die Gebote halten, die mir Gott in der Schrift vorgeschrieben hat, denn werde ich erfahren, die christliche Lehre, die mir gepredigt wird, sey göttlich. Ein gutes Kind thut was sein Vater will, ohne zu fragen warum er es will, und erfährt nachher, daß der Wille des Vaters gut^sey. 8. Spricht sie geheimnisvoll: so laß dich dieß nicht schrecken. Ein endlicher Verstand kann Gott nie ganz entdecken; Gott bleibt unendlich hoch. Wenn er sich dir erklärt: So glaube, was er spricht, nicht was dein Witz begehrt. Findest du in der Bibel dunkle Stellen, so soll dich dieß nicht vom Glauben abwendig machen. Dir 18S Schranken des menschlichen Verstandes find enge. Er kann das Wesen Gottes nie ganz erkennen. So spricht der Herr: So viel der Himmel höher ist, denn die Erde, so find auch meine Gedanken höher, denn eure Gedanken. Ies. 55, 9. Wenn Gott fich offenbart, so lerne, glaube, gehorche. Urtheilen, entscheiden, absprechen in göttlichen Dingen geziemt uns nicht. 9. Sich seines schwachen LichkS bey Gottes Licht nicht schämen, Ist Ruhm; und die Vernunft alsdann gefangen nehmen, Wann Gott sich offenbart, ist der Geschöpfe Pflicht; Und weise Demuth ist, das glauben, was Gott spricht. Der Mond ist ein schwaches Licht gegen die strahlende Majestät der Sonne. Mein Verstand ist ein schwaches Licht in Vergleichung mit der Weisheit Gottes. Meine Vernunft soll keine Einwendung machen gegen eine Offenbarung Gottes. Wir ver- stören die Anschläge, und alle Höhe, die sich erhebet wider das Erkenntniß Gottes, und nehmen gefangen alle Vernunft unter den Gehorsam Christi. 2 Kor. 10, 5. Der Demüthige lernt aus Gottes Unterricht, und wird weise. Der Stolzö will weiser seyn als Gott, und wird ein Thor. io. Drum laß dich, frommer Christ, durch keine Zweifel kränken. Hier bist du Kind; doch dort wird Gott mehr Licht dir schenken. Dort wächst mit deinem Gluck dein Licht in Ewigkeit; Dort ist die Zeit des Schanens, und hier des Glaubens Zeit. 190 Laß dich die Verschiedenheit der Meinungen -er Menschen nicht beunruhigen. Ein Zweifler gleicht -er Meereswoge, die vom Winde hin und her geworfen wird. Einem Zweifler fehlt es an Einheit des Sinnes/ und er ist schwankend in all seinem Thun. Jak. 1,6/8. Glaube kindlich, was du noch nicht verstehest. Als ich Kind war, redete ich wie in Kind, dachte wie ei n Kind, und hatte kindische Begriffe; als ich aber Mann wurde, legte ich das Kindische ab. Jetzt sehen wir noch dunkel, wie durch eine dunkle Scheibe; dereinst aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt noch ist unsere Erkenntniß unvollkommen; dann aber werde ich erkennen, so wie ich erkannt werde. 1 Kor. 13, 11, 12. 11. Verehre stets die Schrift; und siehst du Dunkelheiten, So laß dich deinen Freund, der mehr als du sieht, leiten. Ein forschender Verstand, der sich der Schrift geweiht, Ein angefochtneö Her; , hebt manche Dunkelheit. Achte die Bibel höher, als alle menschlichen Bücher. Findest du Sprüche und Stellen, die der Erklärung bedürfen, so frage Freunde, die mehr Einsichten haben, als du; frage christliche Lehrer. Wenn du Sprüche mit Sprüchen vergleichen und nachdenken lernst, wenn du dir das Bibellesen zum täglichen Geschäfte machest, wenn du bey den Freuden und Leiden des Lebens mancherley Erfahrungen machest, so wird dir vieles Dunkle klar und deutlich genug werden. 12 . Halt fest an Gottes Wort; es ist dein Glück auf Erden, Und wird, so wahr Gott ist, dein Glück im Himmel werden. 191 Verachte christlich groß des BibelfciudeS Spott; Die Lehre, die er schmäht, bleibt doch das Wort aus Gott. Ein Weiser läßt ihm Gottes Wort nicht verleiden. Ein verständiger Mensch hält fest an Gottes Wort, und Gottes Wort ist ihm gewiß, wie eine klare Rede. Sir. 33, 2, 3. Wir haben ein festes prophetisches Wort; und ihr thut wohl, daß ihr darauf achtet, als auf ein Licht, das da scheinet in einem dunkeln Orte, bis der Tag anbreche. 2 Pet. 1,19. Deiner Sache gewiß achte nicht der Spott des Ungläubigen. Die Lehre die der Spötter schmäht, ist denen, die berufen sind, göttliche Kraft, und göttliche Weisheit. 1 Kor. i, 24. XXXI. Der Schutz der Kirche. Christus schützt seine Gemeinde vor Verfolgern und Wahrheitsfeinden. Jesus Christus war der Stifter unsrer heiligen Religion, -es göttlichen Christenthums. Er unterrichtete selbst zwölf Männer in seiner Lehre der Wahrheit zur Gottseligkeit. Nach seinem Abschiede sandte er diese seine Jünger als seine Gesandte oder Apostel aus, und ließ das Evangelium von der heilbringenden Gnade Gottes zuerst den Juden, hernach aber auch den Heiden verkündigen. Gott war mit den Aposteln, und so brachten sie durch ihre Predigt in wenig Jahren viele Tausende zum Glauben an den einigen wahren Gott und an den Heiland, den er uns gesandt hat, Jesum Christum. 192 Es entstanden in Städten, Flecken und Dörfern Gesellschaften von Menschen, die sich vereinigten die christliche Religion zu lehren und zu lernen, zu bekennen und auszuüben. Jerusalem war die erste Stadt, wo eine solche Gemeinde errichtet wurde. Zur Zeit der Bekehrung Pauli waren Jünger zu Damascus. Zu Antiochia, der Hauptstadt von Syrien, lehrte Paulus viel Volks. Daselbst wurden die Jünger zuerst Christen genannt. Zu Ko- rinth, einer prächtigen Handelsstadt in Griechenland, zu Thessalonich und Philippi in Macedonien, zu Ephesus und Kolossä und in der Landschaft Gala- tien in Asien, ja in Rom selbst, der Hauptstadt des ganzen römischen Reiches, waren ansehnliche christliche Gemeinden, an welche Paulus seine Episteln oder Briefe schrieb. Die Offenbarung Jo- hannis enthält Sendschreiben an die Gemeinden von Ephesns, Smyrna, Pergamon, Thyatira, Sardes, Philadelphia und Laodicäa. Petrus schreibt an die Christen in Ponto, Galatia, Cappadocia, Asia und Bithynia. Auch nach dem Tode der Apostel erhielt sich die Lehre, die sie kräftig vorgetragen, durch Wunder bestätiget, und durch ihre Tugenden ehrwürdig gemacht hatten, und breitete sich immer weiter aus. Sie bildete überall bessere Menschen. Man glaubte daher, daß eine Religion, deren Bekenner so tugendhaft lebten, vortrefflich seyn müsse, und ergab sich ihr oft deswegen. Dem ungeachtet wurden die Christen, in den ersten 3oo Jahren nach Christi Geburt, von den Heiden oft verfolgt. Sie fielen über die Christen her, um 19Z ihnen Freyheit/ Vermögen/ oder gar-das Leben zu rauben. Aber die Christen dieser Zeiten waren so standhaft/ daß fie lieber Gefängniß/ Elend und Dürft tigkeit/ die ärgsten Peinigungen und die grausamsten Todesarten erduldeten / als daß sie ihre Religion verläugnet hätten. Jünglinge / Männer und Greift/ Gelehrte und Ungelehrtt/ Vornehme und Geringe/ sogar Weiber und Kinder bezeigten einerley Freudigkeit um ihres Glaubens willen alles zu ertragen. Diesen Muth/ diese unüberwindliche Stärke des Geistes hatte ihnen Gott selbst durch ihre Religion geschenkt. Sie sahen auf das Beyspiel ihres Erlösers/ und hofften auf die verheißenen Belohnungen in jener Welt. Unter den heidnischen Zuschauern waren viele/ welche erkannten / daß eine Religion/ die ihre Bekenner so getrost unter Martern und bis in den Tod machte / wohl werth sey von ihnen angenommen zu werden. So vermehrte sich die Zahl der Christen täglich während den Verfolgungen. Wir erkennen/ daß Christus seine Gem/lne oder Kirche schützt. Sie stehet ftstgegründet da/ wir leben im neunzehnten Jahrhunderte seit ihrer Stiftung. Die ansehnlichsten Völker des Erdbodens bekennen sich zum Christenthum. Die Verbreitung der Bibel in allen Sprachen/ und die Missionen zur Unterweisung heidnischer Völker lassen hoffe«/ die Lehre des Heils werde mit immer reicherm Segen weiter fortgepflanzt/ und bis an das Ende der Tage erhalten werden. Weder die leichtsinnigen Spötter noch die lasterhaften Gegner und Widersacher werden die Lehre und Gemeine Christi erschüt- 13 194 lern oder stürzen können, weil Christus seine Kirche schützt. 1. Wenn Christus seine Kirche schützt: So mag die Hölle wüten. Er/ der zur Rechten Gottes sitzt, Hat Macht ihr zu gebieten. Er ist mit Hülfe nah; Wenn er gebeut, stehtS da. Er schützet seinen Ruhm, Und hält daS Christenthum: Mag doch die Hölle wüten. Wenn Christus seine Kirche beschützt, so mag sie die Bosheit in wilder Hitze oder mit tückischer Hinterlist angreifen, wir fürchten uns nicht. Der Herr hat gesagt: Auf einen Felsen will ich bauen meine Gemeine. Die Hölle soll sie nicht überwältigen. Matth. 16,18. Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Matth. 28, 18. Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße lege. Ps. 110, 1. Der Herr hat die Macht genommen dem Teufel. Hebr. 2, 14. Er ist bey den Seinen alle Tage bis an der Welt Ende. Matth. 28, 20. Sein ist die Macht Gottes. Was er will, geschieht. Was er gebeut, steht da. Ps. 33, y. Er trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Worte. Hebr. 1, 3. Der Herr hält sein Werk, seine Stiftung. Ist das Werk aus Gott, so könnet ihrs nicht dämpfen. Apost. 5,39. Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, darum fürchten wir uns nicht. Ps. 46, 2 ,3. 2. Gott sieht die Fürsten auf dem Thron Sich wider ihn empören; 1SS Denn den Gesalbten, seinen Sohn, Den wollen sie nicht ehren. Sie schämen sich des Worts, Des Heilands unsers HorkS; Sein Kreuz ist selbst ihr Spott; Doch ihrer lachet Gvtt. Sie mögen sich empören. Der Herr schauet vom Himmel herab, und siehet alle Menschenkinder; er lenket ihnen allen das Herz; er merket auf alle ihre Werke. Ps. 33, 13, 15. Er sah den König Josaphat, wie sein Herz muthig ward in den Wegen des Herrn. Darum bestätigte ihm -er Herr das Königreich. 2 Chron. 17, 6, 6. Er sah, wie sich versammelt haben über sein heiliges Kind Jesum, welchen er gesalbet hat, He- rodes und Pontius Pilatus, mit den Heiden und dem Volk Israel. Apost. -ä, 27. Er siehet wie die Könige im Lande sich auflehnen und die Herrn rath- schlagen mit einander wider den Herrn und wider seinen Gesalbten: Lasset uns zerreißen ihre Bande und von uns werfen ihre Seile. Ps. 2, 2, 3. Er steht, daß der gekreuzigte Christus jenen ein Aergerniß, diesen eine Thorheit ist. 1 Kor. 1, 23. Er siehet solche, die sich Christi und seiner Worte schämen. Mark. 8, 38. Er sieht Abtrünnige, die hinter sich gehen, und fort nicht mehr mit Jesu wandeln. Joh. 6, 66. Aber der Herr im Himmel lachet ihrer, der Herr spottet ihrer. Ps. 2 , 3. Der Frevler mag die Wahrheit schmäh»; UnS kann er sie nicht rauben. Der Unchrist mag ihr widersteh«; Wir halten fest am Glauben. 196 Gelobt sey Jesus Christ! Wer hier sein Jünger ist/ Sein Wort von Herzen hält/ Dem kann die ganze Welt Die Seligkeit nicht rauben. Der muthwillige Verächter der Lehre mag sie schmähe»/ der Ungläubige mag sich verblenden, uns soll es nicht irre machen. Der Herr hat zuvor bezeuget: Wer Arges thut, der hasset das Licht, und kommt nicht an das Licht, auf daß seine Werke nicht gestraft werden. Joh. 3, 20 . Ich weiß, an welchen ich glaube. 2 Tim. 1 , 12 . Weil ich Jesum liebe, so halte ich seine Gebote. Joh. 1 ^, 15. Weil ich seine Gebote halte, so bleibe ich in seiner Liebe. Joh. 15, 10 . Weil ich seine Stimme höre, und sie kenne, und ihr folge, so giebt er mir das ewige Leben. Joh. 10 , 27, 28. Der Herr ist treu, der wird mich stärken und bewahren vor dem Argen. 2 Thess. 3, 3. Auf, Christen, die ihr ihm vertraut, Laßt euch kein Drohn erschrecken. Der Gott, der von dem Himmel schaut Wird uns gewiß bedecken. Der Herr, Herr Zebaoth Hält über sein Gebot, Giebt uns Geduld in Noth, Und Kraft und Muth im Tod; Was will uns denn erschrecken. Fürchtet euch nicht vor der Gottlosen Trotz, denn ihre Herrlichkeit ist Koth und Würmer. Heute schwebt er empor, morgen liegt er danieder, und ist nichts mehr, so er wieder zur Erde geworden 197 ist, und fein Vornehmen ist zu nichte geworden. Derhalben, lieben Kinder/ seyd unerschrocken/ und haltet fest ob dem Glauben. 1 Maccab. 2,62,63, 6^. Die überschwengliche Kraft ist Gottes, und nicht von uns. Wir haben allenthalben Trübsal, aber wir ängsten uns nicht; uns ist bange, aber wir verzagen nicht; wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen, wir werden untergedrückt, aber wir kommen nicht um. 2 Kor. 7, 8, 9. XXXII. Der Kampf der Lugend. 1. Oft klagt Lein Herz, wie schwer es sey, Den Weg des Herrn zu wandeln, Und täglich seinem Worte treu, Zu denken und zu handeln. Wahr ists, die Tugend kostet Müh, Sie ist der Sieg der Lüste; Doch richte selbst, was wäre sie. Wenn ste nicht kämpfen müßte? Du klagest oft, es sey so beschwerlich auf dem Wege zu wandeln, auf dem uns unser Herr und Heiland vorangieng, an seinem Evangelium so fest zu halten, daß man nicht von seiner Vorschrift abweiche, so gestnnet zu seyn, und immer so zu reden und zu handeln, wie es einem-Nachfolger Jesu gezieme. In der That, die Tugend erfordert Anstrengung, Gewöhnung, Arbeit und Mühe; ste ist die Ueberwindung der Leidenschaften. Allein bedenke, wie könnte sie sich beweisen und belohnens- werlh zeigen, wenn ste nicht gegen die Versuchung 1S8 kämpfen müßte. Kämpfe den edeln Glaubenskampf; ergreife das ewige Leben. 1 Tim. 6, 12 . Kein Wettkämpfer erhält den Siegeskranz, wenn er nicht gekämpft hat , wie fich's gehört. 2 Tim. 2 , s. 2. Die, die sich ihrer Laster freu'n, Trifft die kein Schmerz hienieden? Sie sind die Sclaven eigner Pein, Und haben keinen Frieden. Der Fromme, der die Lüste dämpft, Hat oft auch seine Leiden; Allein der Schmerz, mit dem er kämpft, Verwandelt sich in Freuden. Es verdroß mich, da ich sah, daß es den Gott. losen so wohl gierig. Sie sind nicht in Unglück, wie andre Leute, und werden nicht wie andre Menschen geplaget. Siehe, das sind die Gottlosen, die sind glückselig in der Welt, und werden reich. Ps. 73, 3, 5, 12 . Erzürne dich nicht über die Bösen; sey nicht neidisch über die Uebelthäter. Sey stille dem Herrn und warte auf ihn. Erzürne dich nicht über den, dem sein Muthwille glücklich fortgeht. Ps. 37, 1, 7. Beneide den Lasterhaften nicht, denn wer Sünde thut, der ist der Sünde Knecht. Ioh. ^i, 3-j. Wisset ihr nicht, daß ihr Knechte desjenigen seyd, in dessen Dienst ihr euch begebet. Ihr dienet der Sünde zu eurem Verderben. Röm. 6, 16. Die Gottlosen find wie Spreu, die der Wind verstreuet. Ps. 1 , 4. Die Gottlosen sind wie ein ungestüm Meer, das nicht stille seyn kann. Ies. 57, 20 . Ein Frommer, der seine Leidenschaften nicht befriediget, sondern sie vielmehr wie ein Feuer auslöscht, ist allerdings auch nicht frey von zeitlichen Leiden. Er kann auf die Gedanken kommen: Solls denn um. sonst seyn, daß mein Herz unsträflich lebet, und ich meine Hände in Unschuld wasche. Nur neue Plage bringt mir jeder Tag, und jeder Morgen andre Noth. Ps. 73, 13, 1^. Allein der Rechtschaffene ist nicht unglücklich, auch wenn er es zu seyn scheint. Und seine Leiden werden in Freuden verwandelt. Lazarus hatte in seinem Leben Böses empfangen. Als er starb wurde seine Seele von den Engeln ge. tragen in Abrahams Schooß und er wurde getröstet. Luk. 16, 22 , 25. Die Trübsal, die uns hier trifft, aber vorübergehend und erträglich ist, bringt uns eine ewige, alles überwiegende Herrlichkeit. 2 Kor. ^,17. Z. Des Lasters Bahn ist Anfangs zwar Ein breiter Weg durch Auen; Allein sein Fortgang wird Gefahr, Sein Ende Nacht und Grauen. Der Tugend Pfad ist Anfangs stell, Läßt nichts als Mühe blicken; Doch weiter fort führt er zum Heil, Und endlich zum Entzücken. Gehet durch die enge Pforte! denn weil ist die Pforte und breit die Straße, die zum Verderben führt; und Viele gehen sie. Wie enge ist dagegen die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Le» ben führt; und Wenige finden ihn. Matth. 7,13, l^i. Der Weg des Lebens gehet überwärts, auf daß man meide die Hölle unterwärts. Sprüchw. 15, 2^. Jeder Fortschritt in der Tugend ist größere Entfernung von Unglück und Untergang. Der Gerechten 200 Pfad glänzet wie ein Licht, das da fortgeht, und leuchtet bis auf den vollen Tag. Der Gottlosen Weg aber ist wie Dunkel und wissen nicht, wo fie fallen werden. Sprüchw. -4, 18, 19 . Der Gerechte weiß, wo er hingeht, und lebt ficher, wie einer, -er am hellen Mittag reiset; -er Sünder ist nirgends sicher, wie einer, -er in einer dunkeln Nacht reiset. Bey jedem Schritt muß er Sturz befürchten. Stärket die müden Hände und erquicket die strauchelnden Knie. Sagt den verzagten Herzen: Seyd getrost, fürchtet euch nicht. Sehet euern Gott, der kommt. Gott der da vergilt kommt und wird euch helfen. Und es wird daselbst eine Bahn seyn, und ein Weg, welcher der heilige Weg heißen wird. Die Erlöseten des Herrn werden wiederkommen, ewige Freude wird über ihrem Haupte seyn, Freude und Wonne werden ste ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird weg müssen. Jes. 33, 3, 8, 10 . 4. Nimm an, Gott hätt' eS u»S vergönnt, Nach unsers Fleisches Willen, Wenn Wollust, Neid und Zorn entbrennt, Die Lüste fren zu stillen; Nimm an, Gott ließ den Undank zu; Den Frevel, dich zu kränken; Den Menschenhaß; was würdest du Von diesem Gölte denken? Setze den Fall, Gott hätte uns erlaubt, nach den sinnlichen Trieben, wenn unkeusche Lust, Verdruß über andrer Wohlfahrt, Unwille bey Beleidigungen sich entzündet, die Leidenschaften, ohne Scheu der Strafe, durch Unzucht und Feindselig- 201 ketten zu befriedigen; setze den Fall/ Gott erlaubte Gutes mit Bösem zu vergelten/ er erlaubte der Bosheit dich zu beleidigen und dir Herzeleid zu verursachen/ er erlaubte die Feindschaft/ würdest du von diesem Gölte denken/ daß er gerecht und heilig sey/ würdest du ihn verehren und lieben können? L. Gott will, wir sollen glücklich seyn, Drum gab er uns Gesetze. Sie sind eS, die das Herz erfreu'«, Sie sind deS Lebens Schätze. Er rcdl in unS durch den Verstand, Und spricht durch das Gewissen, WaS wir, Geschöpfe seiner Hand, Flieh», oder wählen müssen. Gott will, daß wir ruhig und sicher, froh und zufrieden leben sollen, darum gab er uns Vorschriften zur Einrichtung unsers Verhaltens. Die Befehle des Herrn sind richtig, sie erfreuen das Herz. Die Rechte des Herrn sind allesammt gerecht. Sie sind köstlicher denn Gold. Ps. 19, 9, io, 11. Gott redet in uns durch den Verstand, welcher Gutes und Böses unterscheidet, und durch das Gewissen, welches befiehlt und verbietet, ermuntert und warnt. Gott sagt seinen vernünftigen Geschöpfen, was sie thun und was sie unterlassen müssen. Die Forderung des Gesetzes ist in die Herzen der Menschen geschrieben; indem ihr Gewissen ihnen Zeugniß giebt, und die Gedanken sich unter einander anklagen, oder auch entschuldigen. Röm. 2, 15. 6. Ihn fürchten, das ist Weisheit nur, Und Freyheit istS, sie wählen. ror Ein Thier folgt Fesseln der Natur, Ein Mensch dem Licht der Seelen. Was ist des Geistes Eigenthum? WaS sein Beruf auf Erden? Die Tugend? WaS ihr Lohn, ihr Ruhm? Gott ewig ähnlich werden. Gott ehren ist die höchste Weisheit; das beßte Wissen denen, die es üben: es bringet unvergäng« lich Lob. Ps. 11t, io. Freyheit ist der Zustand, wo man etwas thun oder unterlassen darf; Freyheit ist da, wo kein Zwang Statt findet. Der rechte Gebrauch der Freyheit ist die Weisheit erwählen. Mensch, dir ist Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt, daß du das Leben erwählest, ö Mos. 30, 19. Ein Thier ist ein vernunftloses Geschöpf, darum folgt es seinen Trieben, und wird Sclave des Menschen. Seyd nicht wie Rosse oder Maulthiere, die nicht verständig sind, welchen man Zaum und Gebiß muß in's Maul legen. Ps. 32, 9. Menschen, die verständig sind, lassen sich nicht treiben. Das Auge ist des Leibes Leuchte, der Verstand die Leuchte der Seele. Matth. 6, 22 . Tugend ist ein Eigenthum des Geistes, das sich der Mensch erwerben, und das ihm Niemand rauben kann. Tugendhaft zu werden dazu sind wir geschaffen. Gott ähnlich werden ist der Lohn der Tugend. Die Menschen werden den Vater im Himmel preisen, wenn sie eure guten Werke sehen. Matth. 5, 16. Seyd vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist. Matth. 5, -18. 7. Lern nur Geschmack am Wort deS Herr» Und seiner Gnade finden, 2 20Z Und übe dich getreu und gern, Dein Herz zu überwinden. Wer Kräfte hat, wird durch Gebrauch Don Gott noch mehr bekommen; Wer aber nicht hat, dem wird auch Das, was er hat, genommen. Du fragst, wie kann ich tugendhaft werden? Ein kräftiges Tugendmittel ist die fleißige Lesung der heiligen Schriften. Wer nicht von sich selbst eingenommen ist, wer gern besser wäre, wer lern» begierig und folgsam ist, findet am Lesen der Bibel Vergnügen. Wer da dürstet, der komme; wer nur will, der nehme Wasser des Lebens umsonst. Offenb. 22 ,17. Ein Mittel tugendhaft zu werden ist Verleugnung. Versage deinem Herzen, was du nicht ohne Sünde thun und genießen kannst. Wer mit dem wuchert, was er hat, der bekömmt, was er nicht hat. Treue in kleinen Gaben, wird belohnt mit großen. Untreue wird doppelt gestraft, be, kommt kein neues Talent und verliert das schon gegebene. Matth. 25, 29 . 8. Du streitest nicht durch eigne Kraft, Drum muß es dir gelingen. Gott ist cS, welcher beydcS schafft, Das Wollen und Vollbringen. Wenn gab ein Vater einen Stein Dem Sohn, der Brod begehrte? Bet oft, Gott mußte Gott nicht seyn, Wenn er dich nicht erhörte. Im Kampfe der Tugend hast du Gott zum Ge« hülfen, zum Kampfgenossen, darum wirst du siegen. Gott ist es der in dir das Wollen und das Vollbringen des Guten bewirkt. Phil. 2 , 13 . Bitte Gott um Gnade zum Rechtthun. Gott müßte nicht Gott, nicht allgütig, nicht Vater, nicht die Liebe selbst seyn, wenn er dich nicht erhörte. Wo wäre wohl ein Vater unter den Menschen, der seinem Sohne, wenn er ihn um Brod bäte, einen Stein gäbe. Luk. 11, ii. 9 . Dich stärket auf der Tugend Pfad Das Beyspiel sel'ger Geister; Ihn zeigte dir, und ihn betrat Dein Gott und Herr und Meister. Dich müsse nie des Frechen Spott Auf diesem Pfade hindern; Der wahre Ruhm ist Ruhm bey Gott, Und nicht bey Menschenkindern. Das Beyspiel der heiligen Engel soll dich zur Tugend ermuntern. Sie richten treulich und willig aus, was Gott will, und das ist Tugend. Die Engel sind Gottes Boten, Vollstrecker seines Willens, die sein Gebot gehorsam ehren. Ps. 103, 21. Das Beyspiel unsers Erlösers soll uns zur Tugend ermuntern. Er ist gekommen, nicht daß er seinen Willen thue, sondern deß, der ihn gesandt hat, und das ist Tugend. Joh. 6 , 38 . Es giebt Freche, die halten deS Herrn Wort für einen Spott, und wollen seiner nicht. Jer. 6 , 10. Was gehen dich diese Spötter an, gehe du nur getrost deinen Weg fort. Die Ehre, die von Gott allein ist, suchen und erlangen die Spötter nicht. Joh. 5 , 10. Sey stark, sey männlich allezeit, Tritt oft au deine Bahre; 205 Vergleiche mit der Ewigkeit Den Kampf so kurzer Jahre. DaS Kleinod, das dein Glaube hält Wird neuen Muth dir geben; Und Kräfte der zukünft'gen Welt, Die werden ihn beleben. So seyd denn fest, geliebte Bruder, und unerschütterlich ; mit vollem anhaltendem Eifer arbeitet an dem Werke des Herrn; wisset ihr ja, daß euer christliches Bemühen nicht vergebens ist. i Kor. 15, L8. Säume nicht, dich in der Gottseligkeit zu üben, reich bey Gott zu werden, dann darfst du nicht erschrecken, wenn man auch schon diese Nacht deine Seele von dir fordern sollte. Luk. 12 , 20 . Ich halte dafür, daß der Kampf und die Leiden dieser Zeit mit der Herrlichkeit, die künftig an uns offenbar werden wir-, gar nicht zu vergleichen seyen. Röm. 8, 18. Ich habe gekämpft den edeln Kampf, vollendet die Laufbahn, ich habe den Glauben behalten. Was noch meiner wartet ist die Krone der Tugend, welche der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tage mir geben wird. 2 Tim. 7, 8. Von allen Seiten werde ich bedrängt, aber ich werde nicht muthlos; ich komme in Verlegenheiten, aber ich verzweifle nicht; ich leide Verfolgung, aber ich sehe mich nicht verlassen; ich werde zu Boden geworfen, aber ich komme nicht um. 2 Kor. -1, 8, 9. 11. Und endlich, Christ, sey unverzagt, Wenn dirs nicht immer glücket; Wenn dich, so viel dein Herz auch wagt, Stets neue Schwachheit drücket. S06 Gott ficht nicht auf die That allein, Er sieht auf deinen Willen. Ein göttliches Verdienst ist dein! Dieß muß dein Herze stillen. Werde nicht muthlos, du Jünger und Nachfolger Jesu, wenn du noch bisweilen aus Uebereilung und Schwachheit fehlest, wenn du deine redlichen Vorsätze noch nicht ganz ausgeführt hast. Wenn herzliche Bereitwilligkeit da ist, so ist Jeder Gott wohlgefällig , wenn er nach seinem Vermögen thut. 2 Kor. 8, 12. Unsre Bildung kennet der Herr, weiß daß wir Staub nur sind. Ps. 103,1^. ES ist nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind, die nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist. Röm. 8, 1. XXXIH. Von der Quelle der guten Werke. 1. Wenn zur Vollführung deiner Pflicht Dich Gottes Liebe nicht beseelet: So rühme dich der Tugend nicht, Und wisse, daß dir alles fehlet. Wenn Vortheil, Wollust, Eigensinn Und Stolz dir nur das Gute rathen: So thue noch so gute Thaten; Du hast vor Gott den Lohn dahin. Wenn dich zur Beobachtung dessen, was du thun sollst, nicht Dankbarkeit gegen Gott antreibt, so rühme dich nicht, daß du tugendhaft seyest. Es fehlet dir denn noch alles, was zum wahren Christenthum erforderlich ist. Wenn zeitlicher Gewinn, 207 sinnliches Vergnügen/ die Neigung bey deinen Meynungen zu beharren/ und Ruhmsucht dich zu etwas ermuntern/ was dem Gesetze gemäß ist/ so magst du noch so schöne und gute Thaten verrichten; den Lohn hast du schon empfangen, wenn du deine Absicht erreichest, und hast weiter keinen Lohn von Gott zu erwarten. Achtel wohl darauf, daß ihr nicht vor den Leuten Gutes thut, um von ihnen gesehen zu werden, sonst habt ihr keine Belohnung von eurem himmlischen Vater zu hoffen. Matth. 6, i. 2. Sey durch die Gaben der Natur Das Wunder und das Glück der Erden! Beglückest du die Menschen nur, Um vor der Welt geehrt zu werden; Erfüllt die Liebe nicht dein Herz: So bist du bey den größten Gaben, Bey dem Verstand, den Engel haben, Vor Gott doch nur ein tönend Erz. Wenn du wegen deiner Fähigkeiten und Talente, wegen der Kräfte, die dir der Schöpfer verliehen hat, bewundert wirst, und Viele glücklich machen kannst; du beförderst aber die Wohlfahrt Andrer nur um Ruhm von Menschen zu erlangen; bewegt die Liebe nicht -ein Herz, so bist du bey vortrefflichen Talenten, bey mehr als gewöhnlichen Einsichten, vor dem, -er untrüglich den Werth der Menschen kennt, geachtet, wie eine Glocke, die einen Klang von sich giebt, der weit umher gehört wird. Wenn ich alle Sprachen redete; alle Geheimnisse wüßte; alle Kenntnisse besäße: und es fehlte mir an Liebe, so wäre ich doch nur ein tönendes Erz, oder eine klingende Schelle, i Kor. 13, i, 2 . 208 3. Bau Häuser auf, und brich dein Brod, DaS Volk der Armen zu verpflegen; Entreiß die Wittwen ihrer Noth, Und sey der Waisen Schutz und Segen! Gieb alle deine Habe hin! Noch hast du nichts vor Gott gegeben. Wenn Lieb' und Pflicht dich nicht beleben: So ist dir alles kein Gewinn. Wir ehren das Andenken der Männer, die Spitäler, Waisenhäuser, Krankenhäuser gestiftet haben, wo gebrechliche Arme Zuflucht finden, elternlose Kinder wohl erzogen werden, Kranke alle nöthige Pflege finden; wir schätzen die Versorger, Erzieher, Vormünder und Pflegeväter der Unmündigen und Verlassenen hoch; wir bewundern die Wohlthätigkeit der ersten Christengemeine.zu Jerusalem/ die keines ihrer Mitglieder Mangel leiden ließ. Apofl. 4, 34. Der Herr erforscht das Herz, und sieht ob die Gaben aus herzlichem Erbarmen Herfließen. Paulus bemerkt: Wenn ich mein ganzes Vermögen zum Unterhalt der Armen hingäbe, und es fehlte mir an Liebe, so hülfe es mir nichts, i Kor. 13, 3. 4. Thu Thaten, die der Heldenmuth Noch jemals hat verrichten können; Vergieß fürs Vaterland dein Blut, Laß deinen Leib für Andre brennen! Beseelet dich nicht Lieb' und Pflicht; Bist du die Absicht deiner Thaten: So schütz' und rette ganze Staaten; Gott achtet deiner Werke nicht. Unverzagt zieht der Held in die Schlacht, und wagt für Andre sein Leben. Schön und rühmlich ro9 ist es für das Vaterland zu sterben. Theurer als das Leben war Recht und Wahrheit Johannes dem Täufer, dem Stephanus und Jakobus, dem Petrus und Paulus. Unerschütterlich treu ihrer Ueberzeugung von der Göttlichkeit des Christenthums blieben die Märtyrer im Kerker, auf dem Blutgerüste, auf dem Scheiterhaufen. Paulus versichert: Wenn ich meinen Leib brennen ließe, und es fehlte mir an Liebe, so hülfe es mir nichts. 1 Kor. 13, 3. Den Werth der Thaten der Menschen beurtheilt Gott. Er sieht bey seinem Urtheil auf die Absicht. Ist es nur darauf abgesehen, daß man dich rühme, so könntest du als weiser Regent, als Kriegsheld, Länder und Völker beschützen und retten, Gott würde dich so wenig dafür belohnen, als ob er dein Thun nicht bemerkt hätte. 5. Lag ihm an unsern Werken nnrr So könnt er uns, sie zu vollbringen, Sehr leicht durch Fesseln der Natur, Durch Kräfte seiner Allmacht zwingen. Vor ihm, der alles schafft und giebt, Gilt Weisheit nichts, nichts Macht und Stärke. Er will die Absicht deiner Werke, Ein Herz, das ihn verehrt und liebt. Wenn Gott nur an unsern Werken gelegen wäre, und nicht noch vielmehr an unsrer Gesinnung, so könnte er uns mit Gewalt vom Bösen abhalten, und zum Guten anhalten. Er könnte uns durch innere Gefühle und Triebe und durch äußere Zwangsmittel nöthigen das zu thun, was wir thun sollen. Vor Gott, dem Schöpfer und Geber aller Gaben, 14 riü kann Verstand, Kraft, hoher Stand keinen Werth und Verdienst haben. Er will, -aß wir Gutes thun, weil es gut ist, weil wir ihn kindlich fürchten und dankbar lieben. Wer hat dem Menschen den Mund geschaffen, oder wer hat den Stummen, oder Tauben, oder Sehenden, oder Blinden gemacht? Hat es nicht der Herr gethan. 2Mos. 11 . 6. Ein Herz, von Eigenliebe fern, Fern von des Stolzes eitlem Triebe, Geheiligt durch die Furcht des Herrn, Erneut durch Glauben zu der Liebe. Dieß istS, was Gott von uns verlangt. Und wenn wir nicht dieß Herz besitzen: So wird ein Leben uns nichts nützen, DaS mit den größten Thaten prangt. Gott verlangt von uns ein reines Herz. Selig sind die reines Herzens sind. Gott will ein Herz rein von Eigenliebe, vom Stolze. Lasset uns nicht nach eitler Ehre jagen. Gal. 5, 26. Die Furcht des Herrn heiliget das Herz. Wir wollen uns rein halten von Allem, was Leib und Geist beflecken kann, und in Ehrfurcht vor Gott nach immer vollkommnerer Heiligung streben. 2 Kor. 7, i. Durch den Glauben wird das Herz erneuert und mit Liebe erfüllt. Zeiget bey eurem Glauben Tugend, Klugheit, Selbstbeherrschung, Geduld, Frömmigkeit, Christenliebe, Menschenliebe. 2 Petri ö, 6, 7. So ein reines, geheiligtes, erneuertes, Gott und Menschen liebendes Herz verlangt Gott von uns. Und wenn wir nicht ein solches Herz haben, so wird uns ein Leben, das durch den Glanz schöner 211 Thaten die Aufmerksamkeit der Menschen erregte/ doch keinen Vortheil bringen. 7. Drum täusche dich nicht durch den Schein/ Nicht durch der Tugend bloßen Namen. Sieh nicht auf deine Werk' allein; Sieh auf den Quell/ aus dem ße kamen. Prüf dich vor GotteS Angesicht/ Ob seine Liebe dich beseelet. Ein Herz / dem nicht der Glaube fehlet/ Dem fehlet auch die Liebe nicht. Betrüge dich nicht durch das äußere Ansehen der Tugend. Nicht alles ist Tugend/ was Tugend heißt. Sieh nicht nur darauf/ ob deine Werke gesetzmäßig seyen/ sondern auch ob du sie aus reiner Absicht verrichtet habest. Wenn sich Jemand einbildet etwas zu seyn/ und -och nichts ist/ der betrügt sich zu seinem eignen Schaden. Gal. 6, 3. Erforsche dich unpartheyisch/ ob dich Liebe gegen Gott regiere. Wo Glaube»/ da Liebe. Des Geistes Frucht ist Liebe / Freude / Friede / Geduld / Milde / Tätigkeit/ Treue/ Sanftmuth/ Enthaltsamkeit. Gal. 5, 22 . 8. Wohnt Liebe gegen Gott in dir: So wird sie dich zum Guten stärken. Du wirst die Gegenwart von ihr An Liebe zu dem Nächsten merken. Die Liebe/ die dich schmücken soll/ Ist gütig; ohne List und Tücke; Beneidet nicht deS Nächsten Glücke; Sie bläht sich nicht/ ist langmuthsvoll. Die Liebe gegen Gott stärkt zum Guten. Wenn wir Gott liebe»/ so sollen wir auch seine Gebote 212 halten. Denn das ist die Liebe zu Gott, daß wir seine Gebote halten. 1 Joh. 5, 2/ 3. Wo Liebe des Nächsten, da Liebe Gottes. Geliebte, lasset uns einander lieben, denn die Liebe ist göttlichen Ursprungs, wer daher Liebe hat, ist Gottes Kind, und kennet Gott. Wer keine Liebe hat, der kennt Gott nicht, denn Gott ist die Liebe. 1 Joh. 4, 7, 8. Die Liebe, die dich Gott gefällig machen soll, ist gütig, freundlich, und stets bereit andern zu dienen, und Wohlthaten zu erzeigen; sie ist ohne List; sie bedient sich nicht Andern verborgener Mittel zu Erreichung ihrer Absichten; sie ist ohne Tücke; sie sucht nie Andre heimlich zu hintergehen, und ihnen zu schaden; sie blähet sich nicht, wie der Stolze, der Prahirr; sie ist langmuthsvoll, und wartet aus Besserung. 9. Sie deckt des Nächsten Fehler zu, Und freut sich niemals seines Falles. Sie suchet nicht bloß ihre Ruh; Sie hofft und glaubt und duldet alles. Sie ists, die dir den Muth verleiht, Des Höchsten Wort gern zu erfüllen, Macht seinen Sinn zu deinem Willen, Und folgt dir in die Ewigkeit. Die Liebe -eckt der Sünden Menge zu. i Pet. 4, 8. Sie legt alles gut aus, und entschuldiget die Handlungen, oder doch die Absicht des Fehlbaren. Sie ist nicht schadenfroh, sie freut sich nicht des Falles ihres Feindes. Sprüchw. 24, 17. Sie ist nicht eigennützig. Sie sieht nicht nur auf das, was ihr, sondern auch auf das, was dem Andern gut ist. riz i Kor. 10 , 24. Die Liebe hofft und glaubt alles/ und sieht Jedermann für so redlich an/ als sie selber ist. Sie duldet alles, was ihr von der Hand Gottes aufgelegt wird. Sie giebt uns Muth und Freudigkeit zum Rechtthun. Sie unterwirft unsern Willen dem allein guten Willen Gottes. Glaube, Hoffnung, Liebe bleibt, hört nie auf, reicht bis ins andre Leben hinüber, i Kor. 13,13. XXXIV. Der Weg des Frommen. Der Fromme erfüllet eifrig seine Pflichten, weil sie Gott geboten hat. Der Fromme und der Gottlose wandeln auf sehr verschiedenen Wegen. So verschieden ihr Verhalten ist, so verschieden sind auch ihre Schicksale. Ihr jungen Leute seyd im Guten noch nicht gehörig befestiget. Es werden Versuchungen über euch kommen, und ihr werdet am Scheideweg des Lasters und der Tugend oft unentschlossen stehen. Ihr bedürfet treue Wegweiser, fortgesetzten Unterricht, und die Gesellschaft guter Menschen. Wie wird ein Jüngling seinen Weg unsträflich gehen? Wenn er sich halt nach deinen Worten. Ps. 119, 9. 1. Wer Gottes Wege gebt, nur der hat großen Frieden, Er widersteht der bösen Lust; Er kämpft, und ist des Lohns, den Gott dem Kampf bcschieden, Ist seiner Tugend sich bewußt. Wohl dem Menschen, der das Gute liebt und thuc 7 das uns Gott geboten hat, der keine Begierde, 214 keine Lust in sich aufkommen läßt, die wider irgend ein Gebot Gottes streitet. Er muß zwar sein Le- Lenlang gegen die Versuchungen zum Bösen kämpfen; rr kennet aber auch die Belohnung, die Gott dem standhaften Kämpfer angewiesen hat, er hat ein gutes Gewissen und Trost und Freude. Großen Frieden haben, die dein Gesetz lieben, und werden nicht straucheln. Ps. 119, 16S. 2. Er merkt auf seinen Gang, geht ihn mit heil'gem Muthe, Wächst an Erkenntniß und an Kraft, Wird aus der Schwachheit stark, und liebt und schmeckt das Gute DaS Gott in seiner Seele schafft. Der Leichtsinnige pflegt ohne Ueberlegung zu handeln, aber der Fromme hat Acht auf sich selbst, er richtet Sinne und Verstand auf sein Thun und Lassen, um genaue Kenntniß davon zu bekommen. Durch fortgesetztes Lernen nimmt er zu an Erkenntniß, durch Uebung an Kraft. Anfangs mußte er oft unten liegen, jetzt ist er stark zum Siege. Mit innigem Wohlgefallen nimmt er sein Wachsthum im Guten wahr. Tugend giebt Heiterkeit und Freude. Auch die Tugend ist Gottes Gabe. Gott giebt uns Kraft stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen. Ephes. 3, 16. 3. Ihn hat er allezeit vor Augen und im Herzen, Prüft täglich sich vor seinem Thron, Bereut der Fehler Zahl, und tilgt der Sünden Schmerzen Durch Jesum Christum feinen Sohn. t' ris Der fromme Christ denkt immer an Gottes Allwissenheit und Allgegenwart. Er liebet Gott aufrichtig und vertrauet ihm. Er fragt sich: ist es wohl vor Gott recht, was ich thun will, oder habe ich, was ihm mißfällt, gethan. Seine Fehler sind ihm leid, aber er verzaget nicht, weil ihm die Vergebung durch Jesum versichert ist. 4. Getreu in seinem Stand, genießt er Gotteü Gaben, Wehrt seiner Seele Geiz und Neid, Und ist, wenn Andre gleich viel WeiuS und Kornes haben, In Gott bey Wenigem erfreut. Der Fromme bleibt gerne bey seinem Berufe und thut darin, als ein getreuer Knecht Gottes, was er soll. Er ist gutes Muths in aller Arbeit, die er thut. Pred. 5, 17. Am guten Tage ist er guter Dinge. Pred. 7, 15. Den Geiz, wo man sein Eigenthum nicht benutzt, und den Neid, wo man sich betrübt über das Gute, das Andern zu Theil wird, verbannt er aus seinem Gemüthe. Nie sieht er darum scheel, daß Gott so gütig ist. Matth. 20, 15. Er spricht: Gott du erfreuest mein Herz, ob jene gleich viel Wein und Korn haben. Ich liege und schlafe ganz mit Frieden. Ps. 8, 9. Wer zufrieden ist, hat genug. Gott gebe mir nur jeden Tag, was ich bedarf zum Leben. L. Schenkt seine Hand ihm viel: so wird er vielen nützen, Und, wie sein Gott, gntthätig seyn, Deö Freundes Glück erhöhn, verlaßnc Tugend schütze», Und selbst den Feind in Noth erfreu'». 216 Wenn Gott dem Frommen viel Vermögen un> Vorrath in die Hände legt/ so wird er vielen seine: Nebenmenschen mit den empfangenen Gaben dienen,, er wird die Kranken laben/ hinfällige Greise unterstützen, fähige Jünglinge ein Handwerk, Kunst oder Wissenschaft erlernen lassen/ dem Fleißigen leihen, um einen Vorrath zur Arbeit zu haben, dem Redlichen, um ihn aus einer unverschuldeten Noth zu retten. Er ist die Zuflucht -er Wittwen und Waisen, der Verlassenen und Bedrängten. Er giebt auch wo er nichts wieder erwarten kann. Auch gegen Feinde ist er barmherzig, und wird fie in Hunger, Blöße und Krankheit erquicken. Hiob konnte sagen: Habe ich den Dürftigen ihre Begierde versagt, und die Augen der Wittwe lassen verschmachten? Habe ich meinen Bissen allein gegessen, und hat nicht der Waise auch davon gegessen? Denn ich habe mich von Jugend auf gehalten wie ein Vater; und von meiner Mutter Leibe an habe ich gerne getröstet. Habe ich jemand sehen umkommen, daß er kein Kleid hatte; und den Armen ohne Decke gehen lassest? Hiob 31, 16— 19 . 6. Ihm ist eS leichte Last, die Pflichten auszuüben, Die er dem Nächsten schuldig ist; Die Liebe gegen Gott heißt ihn die Menschen lieben; Und durch die Liebe siegt der Christ. Was man gerne thut, kommt einem nicht schwer an, Dem frommen Menschenfreund ist die Gerech, tigkeit, die Billigkeit, die Wohlthätigkeit, die Wahrhaftigkeit nie beschwerlich und lästig. Weil der Fromme Gott liebet, so muß er auch die Menschen 217 als Kinder Gottes lieben. Die Liebe macht stark, sie besieget alle Schwierigkeiten, alle Einwendungen der Trägheit und -es Eigennutzes. 7. Er kränket nie dein Glück, schützt deinen Ruhm, dein Leben; Denn er ehrt Gottes Bild in dir. Er trägt dich mit Geduld, ist willig zum Vergeben; Denn Gott, denkt er, vergiebt auch mir. Der Fromme verletzet niemals deine Gesundheit, dein Eigenthum, deinen guten Namen, dein häusliches Glück. Er rettet deine Ehre gegen Verleumder, er wagt sich in Gefahr um dein Leben aus den Fluthen oder Flammen zu retten. Für den geringsten Menschen hat er Achtung, weil er mit Vernunft begabt, und dadurch Gottes Ebenbild ist. Deine Fehler erträgt er, ohne aufgebracht zu werden. Wenn man ihn beleidiget, so ist er versöhnlich und vergiebt. Er denkt es wäre widersprechend, das von Gott zu bitten und zu erwarten, was wir unsern Mitmenschen versagen und abschlagen. 8. Sein Beyspiel sucht dein Herz im Guten zu bestärken, Er nimmt an deiner Tugend Theil; Denn alle sind von Gott gezeugt zu guten Werken, Und haben einen Herrn, ein Heil. Der fromme Christ sucht dich durch sein Vorbild in der Weisheit und Tugend zu befestigen; er nimmt durch Vermahnung und Warnung an deiner Tugend Theil; er geht dir voran auf dem guten Wege, oder begleitet dich darauf; denn wir sind alle, wir seyen arm oder reich, groß oder klein, geschaffen zur Tugend; wir sollen aufmerksam auf 218 einander seyn, um uns zur Liebe und zu guten Werken zu ermuntern, Hebr. 10,2^; wir haben einen Herrn, der will, daß wir alle selig werden. 9. Dieß Heil der Ewigkeit, daö hier der Fromme schmecket, Erhöht sein Glück, stillt seinen Schmerz, Giebt ihm Geduld und Muth. Kein Tod, der ihn erschrecket! Im Tode noch freut sich sein Herz. Was in keines Menschen Herz gekommen ist, hat Gott denen, die ihn lieben, bereitet. 1 Kor. 2,9. Von dieser ewigen Freude empfindet der Fromme schon hienieden einen Anfang. Der Vorgeschmack der himmlischen Seligkeit vermehrt sein irdisches Glück, und besänftiget den Schmerz der Leiden. Er kann getrost sagen: Der Herr ist meine Hülfe, nicht fürchten will ich mich. Hebr. 13 , 6 . Sei» Tod ist sanft, ein Einschlummern in den Armen Gottes, der sein Vater ist. So spricht zum Front- wen der, der todt war und lebet: Ich kenne dein Thun, deine Trübsal und Armuth, doch du bist reich. Fürchte nichts von dem, was du noch leiden wirst. Sey nur getreu, bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. Den Ucver- winder soll der zweyte Tod nicht treffen. Offenb. 2, 8—11. XXXV. Der thätige Glaube. 1. Wer GottcS Wort nicht hält, und spricht: Ich kenne Gott! der trüget; In solchem ist die Wahrheit nicht, Die durch den Glauben sieget. 21S Wer aber sein Wort glaubt und hält, Der ist von Gott, nicht von der Welt. Wer das Wort Gottes nur liest und hört, lernt und behaltet, aber nicht anwendet und befolget, der hintergeht sich selbst. Das Christenthum muß sich durch die That zeigen. Seyd Thäter und nicht bloß Hörer der Lehre, sonst täuschet ihr euch selbst. Jak. 1, 22 . Der Glaube, wenn er sich nicht durch Thaten beweiset, ist an und für sich todt. Jak. 2,17. Die Wahrheit siegt, wenn man sie fest glaubt. Wie der Glaube in uns der Anfang des göttlichen Lebens ist, so ist er auch der Ueberwinder alles Ungött- lichen, also auch der Kämpfer wider alles Ungött- liche. Ohne Glaube kein Kampf, ohne ihn kein Steg. Der lebendige Glaube vergegenwärtiget sich stets das Heilige, und eben diese Vergegenwärtigung weckt den Geist zum Widerstand wider alles Unhei- lige. Der Allsehende, der Allvergeltende sieht mich in jeder, also auch in der Stunde des Kampfes: Christus hat vor mir auf diesem Kampfplätze siegreich gekämpft; der Geist Christi giebt mir Stärke; die Ewigkeit ist mein Zeuge; die Engel sind meine Zuschauer; alle rechtschaffenen Christen sind meine Mitstreiter; die unverwelkliche Herrlichkeit ist meine Siegespalme. Der lebendige Glaube hat den sich stets erneuenden, und in jedem Siege sich bewährenden Vorsatz: Was ich vor Gott soll, was ich mit Gott kann, das will ich auch, streiten und siegen. Daran können wir wahrnehmen, daß wir Gott kennen, wenn wir seine Gebote beobachten. Wer sagt: Ich kenne ihn, und hält seine Gebote rro nicht, der ist ein Lügner, und ihm fehlt noch die rechte Erkenntniß. Wer aber seine Lehre befolgt, in dem zeigt sich mit Wahrheit die Liebe Gottes, und dieß ist der Beweis, daß wir mit ihm verbunden sind. 1 Ioh. 2 , 3, 5. Jeder, der zu Gottes Kindern gehört, überwindet die Welt; und was ihm den Sieg über die Welt verschafft, das ist unser Glaube, i Ioh. 5, 2. Der Glaube, den sein Wort erzeugt, Muß auch die Liebe zeugen. Je höher dein Erkenntniß steigt, Je mehr wird diese steigen. Der Glaub' erleuchtet nicht allein; Er stärkt das Herz und macht es rein. Wenn das Wort Gottes recht vorgetragen und recht angehört wird, so bringt es den Glauben hervor. Glaube setzt Unterricht, Unterricht aber göttliche Belehrung voraus. Röm. iv, 17. Der christliche Glaube bringt die Liebe zum Guten, die Liebe Gottes und des Nächsten hervor. Glaube und Liebe, Weisheit und Tugend sollen gleiche Fortschritte machen. Lasset uns der Wahrheit in Liebe ergeben, in allen Stücken zu dem Hinanwachsen, der das Haupt ist, Christus. Ephes. 15. Der Glaube erleuchtet wie die Sonne, so daß man alles deutlich sieht. Der Verstand des Gläubigen erlangt durch Uebung Fertigkeit in der Unterscheidung des Wahren von dem Falschen. Hebr. 5, 1^. Der Glaube stärkt das Herz, der Unglaube schwächt es. Der Glaube reiniget das Herz, der Unglaube befleckt es. Haltet euch an die einzige ewige Ordnung alles Heils. Dieser Ordnung zufolge zeuget das Wort Gottes, im Geiste eines Apostels vorgetragen, den Glauben, der Glauben zeuget die Liebe, die Liebe zeuget gute, heilige Werke. Das ist -er Stammbaum der Gerechtigkeit. Die göttliche Weisheit pflanzt zuerst den guten Baum, dann kommen die guten Früchte von selbst nach; die menschliche Thorheit fängt von den Früchten an, und kommt nie weder zum guten Baum, noch zu den guten Früchten. Z. Durch Jesum rein von Missethat, Sind wir nun GotteS Kinder. Wer solche Hoffnung zu ihm hat, Der flieht den Rath der Sünder; Folgt Christi Beyspiel als ein Christ, Und reinigt steh, wie er rein ist. Die Sünde vergeben, den Sünder vom Joche der Sünde befreyen, das Gemüth mit göttlicher Liebe und mit göttlichem Frieden füllen, das kann nur Gott. Er allein kann den Menschen, der von ihm getrennt ist, wieder mit fich vereinigen. Das war auch sein ewiger Rathschluß. Dazu ist der Sohn Gottes erschienen. Alle, die das Heil bey ihm suchen, werden von Sünden rein, vom Fluche frey, und selig in Gott. So wir im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft unter einander, und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde. 1 Joh. 1, 7. Sehet, welch eine Liebe hat uns -er Vater erzeiget, daß wir Gottes Kinder sollen heißen. 1 Joh. 3, i. Der neu gebesserte Mensch 222 soll nie wieder mit groben Sünden befleckt, und von allen auch geringern Befleckungen immer reiner werden. Wer solche Hoffnung der Vergebung und Seligkeit hat, trägt nicht ein Joch mit den Ungläubigen; denn was hat die Tugend mit dem Laster gemein? Wie kann stch Licht mit Finsterniß vereinigen. 2 Kor. 6, i-i. Er wird ein untadelhafter, rechtschaffener Mensch, ein fleckenloses Gottesrind, mitten in einem verkehrten und verdorbenen Zeitalter, in welchem er, wie ein Himmelslicht in der Welt leuchten soll. Phil. 2, 15. Er folgt Christi Vorbild, als sein Jünger und Nachfolger. Er ist gesinnet, wie Jesus Christus es war. Phil. 2, 5. Er lernet von Jesu sanflmüthig und von Herzen demüthig seyn. Maith 11, 2S. Er hall stch von allem rein, was Leib und Geist beflecken kann. Er strebt in Ehrfurcht vor Gott nach immer vollkomm- nerer Heiligung. 2 Kor. 7, 1. Wie der heilig ist, der ihn zum Christenthum berief, so wird auch er heilig in seinem ganzen Wandel. 4. Alsdann bin ich Gott angenehm, Wenn ich Gehorsam übe. Wer die Gebote hält, in dem Ist wahrlich Gottes Liebe. Ei» täglich thätig Christenthum/ Das ist des Glaubens Frucht und Ruhm. Der himmlische Vater will gehorsame Kinder haben, die willig und treulich thun, was fie thun sollen. Das Gesetz stehet fest. Jede Uebertretung, jeder Ungehorsam findet die gerechte Strafe. Wie wollen wir der Straft entfliehen, wenn wir eine 22Z so große Seligkeit nicht achten. Hevr. 2, 2, 3. Gehorsam tst besser/ denn Opfer, i Sam. 15/ 22. Deinen Willen/ mein Gott/ thue ich gern/ und dein Gesetz habe ich in meinem Herzen. Ps. -Lo, 9 . Meine Speise tst die/ daß ich den Willen Gottes thue. Joh. ^ 3^. Wer Jesum liebt/ der wird nach seiner Lehre handeln. Wer ihn aber nicht liebt/ der thut nicht nach seiner Lehre. Joh. i^/ 23, 2 ^. Die Erkenntniß unsers Herrn Jesu Christi soll uns nicht träge und unfruchbar seyn lassen. 2 Petri 1/ 8. 5. Der bleibt in Gott/ und Gott in ihni/ Wer in der Liebe bleibet. Die Lieb' istS/ die die Cherubim/ Gott zu gehorchen treibet. Gott tst die Lieb'; an seinem Heil Hat ohne Liebe niemand Theil. Wir haben die Liebe Gottes gegen uns erkannt/ und find von ihr vollkommen überzeugt. Gott ist die Liebe/ wer in der Liebe verharret/ der bleibet mit Gott und Gott mit ihm vereint. 1 Joh. --L/16. Ein lauteres/ gebietendes/ kräftiges Wohlwollen gegen alles / was Mensch ist / macht den Menschenfreund Gott ähnlich / oder zum Kinde Gottes. Dieser Menschenfreund gönnet den Menschen alles Gute/ das sie haben/ wünschet ihnen alles wahre Gute, das sie noch nicht haben/ und theilet ihnen alles Gute mit/ das er mittheilen kann. So wie bey den Engeln Gottes Freude ist über einen Sünder/ der sich bessert/ so freut sich auch der Menschenfreund über des Nächsten Rettung und Heil. Nicht 224 Zwang, sondern Liebe zu Gott treibet die heiligen Engel an, ihm zu gehorchen. So ist auch der Gehorsam des Menschenfreundes und thätigen Christen freywillig und freudig. Selbstsucht, Eigennutz trennen Menschen von Menschen und entfernen von Gott. Reine, aufrichtige, treue Liebe verbinden Menschen mit Menschen und mit Gott. Wo Liebe, da Seligkeit. Ohne Liebe kein Antheil an dem Heil Gottes. Die Liebe Gottes sey mit uns. XXXVI. Demuth. Wie lernt ein Christ Demuth? 1. Herr, lehre mich, wenn ich der Tugend diene, Daß nicht mein Herz des Stolzes sich erkühne, Und nicht auf sie vermessen sey. Herr, lehre mich, wie oft ich fehle, merken. Was ist der Mensch bey seinen besten Werken? Wenn sind sie von Gebrechen frey? Herr Jesus, mein Meister, du Vorbild der liebenswürdigsten Demuth, lehre mich, daß ich mich, wenn ich der Tugend mein Leben weihe, nicht selbst erhebe, daß ich nicht die Kühnheit habe, mehr von mir zu rühmen, als wahr ist, daß ich mich nicht in dem Maße meiner eignen Kräfte irre. Ich will wachen, und auf mich selbst recht achten. Laß mich -och gewahr werden, wie oft ich mich übereile, wie oft ich aus Schwachheit fehle. Ich habe das Ziel noch nicht ergriffen. Meinen besten Werken mangelt noch viel zur Vollkommenheit. Herr, wer kann merken, wie oft er fehlet? Verzeih mir die verborgenen Fehler. Ps. 19, 13. 225 2. Wie oft fehlt mir zum Guten selbst der Wille? Wie oft, wenn ich auch dein Gebot erfülle, Erfüll ichs minder, als ich soll.' Sind Lieb' und Furcht stets dre Bewegungögründe Der guten That, der unterlaßnen Sünde? Und ist mein Herz des Eifers voll? Ich muß es bekennen, oft fehlt es mir sogar an -er Lust, am Vorsatz meine Pflicht zu thun. Oft thue ich das, was mir obliegt nur unvollständig, kaum zur Hälfte. Die Liebe Christi sollte mich dringen. 2 Kor. 5,1^. Was kann ich dem Herrn vergelten? Das Andenken an Gott sollte mich warnen. Gott sieht es, es mißfällt Gott. Die Schrift sagt mir: Sey- nicht träge, was ihr thun sollt. Seyd brünstig im Geist. Röm. 12, 11. Aber ach! ich bin leider oft undankbar, und unachtsam, und lau. Z. Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend, Gedenke nicht der unvollkommnen Tugend Der reifern Jahre meiner Zeit. Wenn ich noch oft aus Stolz nach Tugend strebe, Ans Menschenfurcht mich Lastern nicht ergebe; Was ist denn meine Frömmigkeit? Sey nicht der Fehler meiner Jugend, nicht meiner Sünden eingedenk; sey meiner eingedenk mit Gnade. Ps. 25, 7. Ich bekenne dir den Leichtsinn meiner Jugend. Ich hätte billig, wie Jesus, mit dem Alter zunehmen sollen an Weisheit. Luk- 2 ,52. Ich hätte billig, wie Paulus, da ich Jüngling und Mann ward, abthun sollen, was kindisch war, 1 Kor. 13, 11, aber in vielen Stücken blieb ich 15 226 durch meine Schuld/ Kind am Verständniß/ 1 Kor, 1^,20, verführbar/ wie ein Kind/ ein schwacher Anfänger im Guten. Wenn ich meine Kraft für das Gute verwende/ aber nur/ daß ich von den Leuten gepriesen werde/ wenn ich Laster meide/ aber nur aus Furcht vor den Vorwürfen und Stra, fen der Menschen, ist denn meine Gerechtigkeit besser, denn die der Schriftgelehrten und Pharisäer. Matth. s, 20, Thun die Heiden nicht auch also. Matth. 5 , ^ 6 . 4- Wenn ich den Geiz aus Furcht der Schande fliehe, AuS Weichlichkeit mich wohlzuthun bemühe, Und mäßig bin, gesund zu seyn; Wenn ich die Räch aus Eigennutz« Haffe, Der Ehrsucht Pfad aus Trägheit nur verlasse; WaS tst an dieser Tugend mein? Von einem Kargen redet die ganze Stadt übel, und man sagt recht daran, Sirach 31 , 29. Ich scheue die üble Nachrede, und meide den Geiz, der verächtlich macht. Ich gebe, ich. leihe, weil ich schwach bin, weil ich nichts abschlagen kann, weil ich mich mißbrauchen lasse. Ich halte Maß im Essen und Trinken, in Freuden und in Schlafenszeit, weil diese Ordnung meiner Gesundheit zuträglich ist. Ich vergelte nicht Böses mit Bösem, um mir Feindschaft zu ersparen, Ich verlasse die Bahn -es Ehrsüchtigen, sie ist mir zu mühsam, ich liebe Rübe und Bequemlichkeit. Was ist bey diesem allem mein Verdienst? Was kann mir davon zur Belohnung zugerechnet werden? Was verdiene ich für Dank? Eben dasselbe thun auch viele ganz 227 gewöhnliche Mensche». Das ist für wahr nichts Sonderliches. 5. Und, Gott, wie oft sind unsre besten Triebe Nicht Frömmigkeit, nicht Früchte deiner Liebe, Nur Früchte der Natur und Zeit. Wenn fühlen wir der Tugend ganze Würde? Wenn ist dein Joch uns eine leichte Bürde, Und dein Gebot Zufriedenheit? Ich bekenne: was mich in Bewegung setzt, und zu meinen Handlungen antreibt, ist nicht die Scheu vor dem Heiligen, ist nicht dankbare Liebe gegen Gott. Es ist etwas das aus der Einrichtung meines Wesens von selbst kommt. Es ist etwas das mit der Zeit von selbst geschehen muß. Ich fühle noch selten den innern Werth der Tugend, und denke mehr nnr an ihre äußern Vortheile. Ich habe noch nicht erfahren, was Jesus verheißt: Mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht. Matth. li, 29 . Ich kann noch nicht so recht mit David sagen: Ich habe Lust an deinen Geboten, und sie stn- mir lieb. Ps. I i9, ^7. Dir auferlegte Pflicht scheint mir noch oft so schwer. Ich muß wohl nur ein schwacher Anfänger in der Tugend seyn. 6. Doch, Herr, mein Gott, wenn auch zu deiner Ehre Mein Herze rein, rein meine Tugend wäre, Weß ist denn dieses Eigenthum? Wer ließ mich früh zur Tugend unterrichten, Mein Glück mich sehn in meines Lebens Pflichten, Und im Gehorsam meinen Ruhm? Wenn dein Herz unschuldig, wenn dein Wandel unbefleckt, untadelhaft ist, so darfst du dich wohl 228 -essen freuen. Aber sprich demüthig mit Paulus: Von Gottes Gnade bin ich, was ich bin, und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen. 1 Kor. 15, 10. Du wärest der Liebling deines Vaters, zärtlich geliebt von deiner Mutter, und erhieltest diesen Unterricht: Höre, mein Kind, nimm an, was ich dir sage, so wirst du viel glückliche Jahre durchleben. Ich zeige dir die Weisheitsstraße: ich führe dich auf den geraden Weg. Gehst du auf demselben, so wirst du nicht gehindert, laufst du, so wirst du nicht fallen. Folge unabläßig meiner Anweisung, und bleibe dabey, denn fie ist dein Glück. Der Ungerechten Pfad betritt nicht: wandle nicht auf der Bösen Weg. Verlaß ihn, und gehe Nicht darüber: weiche ihm aus und gehe vorbey. Sprüchw. 3, 11—15. 7. Wer gab mir Muth, Herr, dein Gebot zu lieben? Wer gab mir Kraft, es freudig auszuüben, Und in Versuchung Schild und Sieg? Weß ist der Quell, der mich mit Weisheit tränkte? Und weß der Freund, der mich zum Guten lenkte? Und mir den Fehler nicht verschwieg? Ich fürchte beym Rechtthun keine Schwierigkeiten und Gefahren. Ich gehe einher in der Kraft des Herrn. Ps. 71, 16. Deine Furcht schützt mich beym Gelüst nach dem Verbotenen, bey dem Reiz zur Sünde, wie einst den Joseph, vor dem Fall. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott, Ps. ^2, 3, und die göttlichen Schriften löschen diesen Durst. Ich irrete ab von der rechten Bahn, aber ein Gerechter schlug mich freundlich er strafte mich, das that mir so wohl, Ps. 141, 6, bald besann ich mich wieder. Ich erkenne demüthig die Führungen Gottes. 8. Du triebst mich an, daß ich das Gute wählte, Und riefst mich oft, wenn ich des WegS verfehlte, Durch Stimmen deines Geists zurück; Zogst mich durch Kreuz, durch Wohlthat auch von Sünden, Ließst, wenn ich rief, mich wieder Gnade finden- Und gabst zu meiner Bcßrung Glück. Unterweisen will ich dich, dir die rechten Wege zeigen; rathen will ich dir, wachsam für dich sorgen. Ps. 32, 8. So lautet die Verheißung. Ich bin Zeuge wie Gott ste erfüllet. Ich fühlte die leitende Hand. Ich hörte die warnende Stimme. Ich schaute die Güte und den Ernst Gottes. Röm. 1 t, 22. 9. Was ist der Mensch, daß du, Gott, sein gedenkest, Gerechtigkeit in deinem Sohn ihm schenkest, Und zur Belohnung selbst ein Recht? Und wenn ich nun durch deines Geistes Gabe, Des Glaubens Kraft, und alle Werke habe, Wer bin ich? Ein unnützer Knecht. Wie wenig verdiene ich, daß Gott so für mich sorgt, daß er mich, meiner Mängel ungeachtet, als einen Gerechten behandelt, weil ich Christo angehöre, daß er mir durch die deutlichsten Verheißungen Ansprüche auf Belohnung giebt. Wer von uns hat dem Herrn etwas zuvor gegeben, das ihm werde wieder vergolten. Röm. ii, 35. Das soll mich demüthigen, daß ich durch Gott bin, was ich bin, und daß ich bey Gott nichts verdienen kann, wett 23V er meiner nicht bedarf. Wenn ich auch den Glauben habe/ der durch Liebe thätig ist/ wenn gute Werke des Glaubens Früchte sind, so bin ich ein unnützer Knecht, der Gott keinen Vortheil bringt, «ukas 17, 10. XXXVII. Geduld. 1. Ein Herz, o Gott, in Leid und Kreuz geduldig, Das bin ich dir und meinem Heile schuldig. Laß mich die Pflicht, die wir so oft vergessen, Täglich ermessen. Die Pflicht der Geduld, bey dem Verlust der Meinigen, und beym Leiden um der Gerechtigkeit willen, bin ich Gott schuldig, der mir das Leiden, aus weisen Ursachen auflegt, und meinem eignen Heile, denn Geduld im Leiden giebt Himmelsfreuden. Ich will täglich die Beweggründe dieser Pflicht bedenken, damit ich sie desto leichter ausüben könne. 2. Bin ich nicht Staub, wie alle meine Vater? Bin ich vor dir, Herr, nicht ein Ueberlreter? Thu ich zu viel, wenn ich die schweren Tage Standhaft ertrage? Ich bin aus Erde geschaffen, wie alle meine Voreltern. Vor dem Herrn, der ins Verborgene stehet, bin ich ein Sünder. Ich thue nicht mehr, als meine Schuldigkeit, wenn ich die Leiden ohne Mutlosigkeit ertrage. Haben wir Gutes empfangen von Gott, und sollten das Böse nicht auch annehmen? Hiob 2 , io. SZ1 z. Wie oft, o Gott, wenn wir das Böse dulden, Erdulden wir nur unsrer Thorheit Schulden, Und nennen Lohn, den wir verdient bekommen, Trübsal der Frommen! Oft, wenn wir Widerwärtigkeit ertragen, leiden wir die schlimmen Folgen unsrer Unbesonnenheit und Uebereilung, und wenn wir die Strafen ertragen, deren unsre Thaten werth sind, so geben wir vor, wir leiden um der Tugend willen. 4. Ist Dürftigkeit, in der die Trägen klagen, Sind Haß und Pein, die Stolz und Wollust tragen, Des Schweigers Schmerz, des Neids vermißte Freuden, Christliches Leiden? Wer die Arbeit scheut, gerath in Armuth und Mangel, der Hochmüthige macht sich Feinde, Seuchen werden die Plage des Wollüstigen, wer viel hinunterschlingt zieht sich Schmerz zu, der Neidische muß viele Freuden entbehren, die der Menschenfreund bey andrer Glück genießt. Alle diese Uebel sind natürliche Folgen der Sünde, nicht Leiden, die der Christ als Nachfolger Christi leidet. 5. Ist deren Qual, die deinen Rath verachtet, Nach Gottesfurcht und Glauben nie getrachtet, Und die sich jetzt in finstrer Schwermuth qnälen, Prüfung der Seelen? Menschen, die nicht nach Gott fragen, die nach Gottes Reiche und seiner Gerechtigkeit erst zuletzt, oder gar nicht trachten, gerathen oft, durch die Vorwürfe, die ihnen ihr Gewissen macht, in anhaltende große Traurigkeit, sie sehen die Dinge nicht mehr in ihrer wahren Gestalt, als wenn es finster um sie wäre. Dieß ist Strafe, nicht Prüfung. 23? 6. Doch selbst, o Gott, in Strafen unsrer Sünden Läßst du den Weg zu unserm Heil uns finden, Wenn wir sie uns, die Missethat zu hassen, Züchtigen lassen. Auch wenn Gott straft, so will er nicht das Verderben des Sünders, sondern daß er den Weg finde, der durch Besserung zur Seligkeit führet. Wenn wir uns durch die scharfe Zucht erziehen und bilden lassen, wenn wir die Sünde als die Ursache alles Uebels hassen, so beweisen wir uns als neuen Gehorsam erzeigende Kindermund Gott als treuer Vater. 7. Jag ich nur nach dem Frieden im Gewissen: Wird alles mir zum Besten dienen müssen. Du, Herr, regierst, und ewig wirkt dein Wille Gutes die Fülle. Wenn ich trachte und mich übe zu haben ein nn- verletztes Gewissen allenthalben, beydes gegen Gott und den Menschen, so muß alles, was mir wider« fährt, zu meiner wahren Wohlfahrt dienen. Mein Schicksal lenket Gott, und es fehlt ihm nicht an Mitteln und an Wegen zu meinem Glücke. 8. Ich bin ein Gast und Pilger auf der Erden, Nicht hier, erst dort, dort soll ich glücklich werden; Und gegen euch, waS sind, ihr ew'gcn Freuden, Dieser Zeit Leiden? Ein Pilgrim bin ich nur bey dir, ein Fremdling, so wie alle meine Väter. Ps. 39, 13. Mein Leben gleichet einer Reise. Kein Wunder, wenn ich schon mancherley Beschwerlichkeit erfahren muß. Jetzt bin ich in der Fremde. Mein Vaterland ist im Himmel. Dort ist mir Wonne lind Seligkeit verheißen. Die Leiden der Zeit sind nicht- in Ber- gleichung mit den Freuden der Ewigkeit. 9. Wenn ich nur nicht mein Elend selbst verschulde; Wenn ich als Mensch,-als Christ hier leid und dulde: So kann ich mich der Hülfe der Erlösten Sicher getrosten. Wenn ich mir nur nicht mein Unglück als Strafe oder natürliche Folge zuziehe, wenn ich leide, was jeden Menschen treffen kann, oder weil ich thue, was ich als Christ thun sollte, so kann ich mir die Verheißungen zueignen, in denen Gott den Seinen Hülfe verspricht. Fürchte dich nicht, ich bin mit dir, weiche nicht, denn ich bin -ein Gott. Jes. -!i, 10. 10. Ich bin ein Mensch, und Leiden müssen kränken; Doch in der Noth an seinen Schöpfer denken, Und ihm vertrau'«, dieß stärket unsre Herzen Mitten im Schmerzen. Ich bin nicht von Stahl oder Stein, sondern ein Geschöpf das empfindet, und Leiden müssen mir, meiner Natur nach, wehe thun. Doch im Drang, in der Gefahr zu dem, der mich geschaffen hat, aufblicken, und von ihm Hülfe und Linderung erwarten, dieß tröstet und erquicket. 11. Schau über dich, wer trägt der Himmel Heere? Merk aus, wer spricht: Bis hieher, zu dem Meere? Ist er nicht auch dein Helfer und Berather, Ewig dein Vater? Hebe deine Augen in die Höhe, und sieh, wer hält die Gestirne in der freyen Luft, daß sie nicht 2Z4 sinken; wer spricht zum Meere und seiner Fluch: Bis hieher sollst du kommen/ und nicht weiter. Hier sollen sich legen deine stolzen Wellen. Hiob 38,11. Es ist der Allmächtige, -er Schöpfer und Herr meines Lebens, der durch Christum mein Vater ist, von dem erwarte ich Rath und Hülfe. 12 . Willst du so viel, als der Allweise, wissen? Jetzt weißt du nicht, warum du leiden müssen; Allein du wirst, was seine Wege waren, Nachmals erfahren. Nur der Allwissende kennt alle Ursachen und alle Folgen aller Dinge. Nur Gott weiß, in welcher Absicht du jetzt leidest. In der Zukunft, oder in der Ewigkeit, wirst du einsehen, was Gottes Ziel gewesen sey, als er dir diese Leiden zuschickte. 1Z. Er züchtigt uns, damit wir zu ihm nahen, Die Heiligung des Geistes zu empfahcn, Und mit dem Trost der Hülfe, die wir merken, Andre zu stärken. Mein Kind, verzage nicht, wenn du von dem Herrn scharf gehalten wirst. Wen der Herr lieb hat, den erzieht er strenge, und gerade den Sohn halt er strenger, dem er wohl will. Er erziehet uns zu unserm wahrem Besten, damit wir heilig werden wie er ist. Hebr. 11 , S, 6, 10 . Wenn dich der Herr züchtiget, so suche seine Gnade, bessere deinen Wandel. Als neuer gebesserter Mensch wirst du göttlichen Trost verspüren, und ein Tröster deiner Brüder werden. 14. Das Kreuz des Herrn wirkt Weisheit und Erfahrung; Erfahrung giebt dem Glauben Muth und Nahrung. M Ein starkes Herz steht in der Noth noch feste. Hoffe das Beste. Wir rühmen uns auch der Trübsale/ dieweil wir wissen / daß Trübsal Geduld bringet; Geduld aber bringet Erfahrung; Erfahrung aber bringet Hoffnung; Hoffnung aber laßt nicht zu Schanden werden. Röm. 5,3, 5. Ein Geduldiger ist besser/ denn ein Starker/ und der seines Muthes Herr ist./ denn der Städte gewinnet. Sprüchw. 16/ 32. Das Ende eines Dinges ist besser/ denn sein Anfang. Ein geduldiger Geist ist besser/ denn ein hoher Geist. Pred. 7, 9. XXXVIII. Gelassenheit. 1. Was istS/ daß ich mich quäle? Harr seiner/ meine Seele/ Harr/ und sey unverzagt! Du weißt nicht/ was dir nützet; Gott weiß eS/ und Gott schützet/ Er schützet den/ der nach ihm fragt. Was hilfts/ daß jeden Morgen/ mich Sorg' und Kummer quält? Was nützt es / daß ich mich gräme/ daß ich dem Unmuth nachhänge. Warte auf die Hülfe Gottes. Werde nicht muthlos. Du weißt nicht/ was für dich das Beste sey / aber der dein Schicksal lenket/ der weiß es. Der himmlische Vater weiß es/ was ihr bedürfet. Matth. 6, 32. Wenn wir nicht wissen/ was und wie wir beten sollen / so spricht der Geist für uns. Röm. 8, 26 . Du/ Herr/ bist der Schild für mich/ und der mich 2Z6 zu Ehren setzet, und mein Haupt aufrichtet. Ich rufe an mit meiner Stimme den Herrn, so erhöret er mich. Ich jiege, und schlafe, und erwache; denn der Herr hält mich. Bey dem Herrn findet man Hülfe. Ps. 6, ^—b. Der Herr ist deine Zuversicht ; der Höchste ist deine Zuflucht. Es wird dir kein Uebels begegnen, und keine Plage wird zu deiner Hütte sich nahen. Ps. 91, 9, lo. 2. Er zählte meine Tage, Mein Glück und meine Plage, Eh ich die Welt noch sah. Eh ich mich selbst noch kannte, Eh ich ihn Vater nannte, War er mir schon mit Hülfe nah. Der Mensch hat seine bestimmte Zeit, die Zahl seiner Monden siehet bey dir. Hiob 1^, 5. Mancher läßt es ihm sauer werden, und eilet zum Reichthum, und hindert sich nur selber damit. Dagegen thut mancher gemach, der wohl Hülfe bedürfe, ist dazu schwach und arm; den stehet Gott an mit Gnaden, und hilft ihm aus dem Elend und bringet ihn zu Ehren, daß sich seiner viele verwundern. Es kommt alles von Gott, Glück und Unglück, Leben und Tod, Armuth und Reichthum. Sirach i i, i i—i^. Du hast gesehen, wie dich der Herr dein Gott getragen hat, wie ein Mann seinen Sohn trägt. 5 Mos. 1, 31. Gott ist der rechte Urheber meines Lebens. Er gab mir das Leben durch meine Eltern. Er pflanzte ihnen die Liebe und Zärtlichkeit in's Herz, daß sie sich meiner schwachen Kindheit annahmen. In Gott leben wir. 237 2. Die kleinste meiner Sorgen Ist dem Gott nicht verborgen/ Der alles steht und hält; Und waS er mir beschieden, Das dient zu meinem Friede,,/ WärS auch die größte Last der Welt. Seyd nicht ängstlich bekümmert um Speise und Trank für euer Leben/ oder um Kleidung für euern Leib. Hat nicht das Leben mehr Werth, als die Nahrung, und der Leib mehr Werth als die Kleidung. Ihr sollet nicht ängstlich sorgen und sagen: Was werden wir essen? was werden wir trinken? womit werden wir uns kleiden? Alle solche Sorgen machen steh die Heiden. Sorget nicht ängstlich für den folgenden Tag; der folgende Tag wird schon für fich seine Sorge haben. Genug, daß jeder Tag seine eigne Plage hat. Matth. 6, 2S, 31, 3^. Alle eure Sorge werfet auf Gott, denn er sorget für euch. 1 Petri 5, 7. Was Gott mir bestimmet hat, dienet zu meiner Wohlfahrt, und wäre es auch Armuth, Krankheit, Verfolgung. Dein Schicksal überlaß dem Herrn; vertrau' ihm, er führt alles aus. Ps. 37, S. 4. Ich lebe nicht auf Erde», Um glücklich hier zu werden; Die Lust der Well vergeht. Ich lebe hier, im Segen Den Grund zum Glück zu legen. Das ewig, wie mein Geist, besteht. Sammelt euch nicht Schätze auf Erde, die von Motten und Rost verzehrt, und von Dieben durch Einbruch geraubt werden; vielmehr sammelt euch 238 Schätze für den Himmel, die weder von Motten noch Rost verzehrt, auch nicht von Dieben durch Einbruch geraubt werden können. Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz seyn. Matth. 6 , 19, 20, 21 . Liebet nicht die Welt, noch das, was in der Welt ist. Wer die Welt liebt, in dem ist noch nicht die Liebe des Vaters. Denn alles Weltliche: Fleischeslust, Augenlust, Prachtliebe, rühren nicht vom Vater her, sondern von der Welt. Die Welt vergehet mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes thut, der bleibt in Ewigkeit. 1 Joh. 2, 1 S, 16, 17 . Was der Mensch säet, das wird er auch ernten. Wer für den Geist säet, der wird vom Geiste ewiges Leben ernten. Lasset uns nicht ermatten Gutes zu thun, denn ernten wir zu seiner Zeit, wenn wir nicht ermatten. Gal. 6 , 7 , 8 , 9, 5. Was dieses Glück vermehret, Sey mix von dir gewähret! Gott, du gewährst es gern. Was dieses Glück verletzet, Wenns alle Welt auch schätzet, Sey, Herr, mein Gott, mir ewig fern. Was mein ewiges Glück befördert, das werde mir von Gott ertheilt. Ich beuge meine Knie vor dem Vater unsers Herrn Jesu Christi, dem gemeinschaftlichen Vater aller im Himmel und auf Erden, daß er nach seiner Alles vermögenden Herrlichkeit mir verleihe, daß ich dem innern Menschen nach, durch seinen Geist kräftig gestärkt werde, daß Christus durch den Glauben in meinem Herzen wohne, und daß ich durch die Liebe tiefe Wurzel und festen Grund fasse. Ephes. 4 , 14 — 18 . Gott gewähret uns gern das wahre Gute. Jesus spricht: Ihr werdet in meinem Nacken bitten; ich säge euch nicht, daß ich den Vater für euch bitten werde, denn der Vater selbst hat euch lieb. Joh. 16,26,27. Was mein ewiges Glück verletzet sey mir fern. Es giebt mancherley thörichte und verderbliche Begierden, welche die Menschen in Elend und Verdammniß stürzen, denn der Geiz ist eine Wurzel alles Bösen, und schon sind einige, die sich ihm ergaben, vom Christenthum abgeführt worden. Die Welt schätzet oft, was uns an unserm wahren Glück und ewigen Heil schadet. Bildet euch nicht nach der jetzigen Welt. Werdet durch Umbildung eures Sinnes andre Menschen. Prüfet, was Gottes Wille, was gut, was ihm wohlgefällig und vollkommen sey. Röm. 12,2. 6. Sind auch der Krankheit Plagen, Der Mangel schwer zu tragen, Noch schwerer Haß und Spott r So harr ich, und bin stille Zu Gott, denn nicht mein Wille, Dein Wille nur, gescheh, 0 Gott. Die Plagen der Krankheit sind schwer zu ertragen. Der Kranke seufzet: Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe, und ist kein Friede in meinen Gebeinen. Ps. 38 , - 4 . Der Mangel ist schwer zu ertragen. Der Dürftige muß meistens im Schweife seines Angesichtes sein Brod essen, l Mos. 3 , 19. Schwerer als Dürftigkeit und schwerer als Krankheit ists verfolgt, gehaßt, verspottet werden. Es Wird meiner Seele lang zu wohnen bey denen, die den Frieden hassen. Ps. 121,0. Aber meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft. Denn er ist mein Hort, meine Hülfe, mein Schutz, daß mich kein Fall stürzen wir- / wie groß er ist. Ps. 62, 2, 3. Hoffet auf ihn allezeit, lieben Leute, schüttet euer Herz vor ihm aus; Gott ist unsre Zuversicht. V. 9. 7. Du bist der Müden Stärke, Und aller deiner Werke Erbarmst du ewig dich. Was kann mir widerfahren, Wenn Gott mich will bewahren; Und er, mein Gott, bewahret mich. Warum sagst du: der Herr siehet nicht darauf, wie es mir gehet, und denkt nicht daran, mir Recht zu verschaffen. Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der Herr, der ewige Gott, der die Enden -er Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt; sein Verstand ist nnerforschlich. Er giebt dem Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden. Die Knaben werden müde und matt, und die Jünglinge fallen. Aber die auf den Herrn harren, bekommen neue Kraft, daß sie laufen, und nicht matt werden, daß sie wandeln, und nicht müde werden. Jes. ^o, 27—31. Dem Gerechten muß das Licht immer wieder aufgehen, und Freude den frommen Herzen. Ps. 97, 11. XXXIX. Zufriedenheit mit seinem Zustande. 1. Du klagst, und fühlest die Beschwerden Des Stands, in dem du dürftig lebst; «1 Du strebest glücklicher z« werden, Und siehst, daß dn vergebens strebst. Der Mensch ist ein empfindsames, fühlendes Geschöpf. Er empfindet Lust und Freude, er fühlt aber auch Leid und Schmerz. Es kann nicht anders seyn, unsre Natur bringet es so mit fich, Leiden müssen kränken. Soll und kann ich unempfindlich und gleichgültig werden, gegen die Beschwerden meines Standes? Nein, das fordert Gott nicht. Klage, Leidender, aber übertreibe -eine Klagen nicht. Klage über die Beschwerden -eines Standes, aber vergiß auch der Erleichterungen nicht, die du erfährst. Klage, aber versäume nichts von dem, was deine Beschwerden mildern, oder ihnen abhelfen kann. Kranker, du bedarfst des Arztes. Der Herr läßt die Arzney aus der Erde wachsen, und ein Vernünftiger verachtet fie nicht. Sir. 38, Armer, suche du die Arbeit, wenn fie dich nicht sucht. Dem Fleiße folgt Segen. Der du angefeindet wirst, versuche, ob du nicht das Böse mit Gutem überwinden könnest. Röm. 12, 21 . Auf, Menschen, macht euren Zustand besser. Mehr, als ihr oft glaubet, hängt von euch ab. Und ist denn euer Zustand gebessert, so wird auch Zufriedenheit in euer Gemüthe zurückkehren. Und scheint das Streben euren Zustand zu bessern umsonst, so lernt warten. 2. Ja, klage! Gott erlaubt die Zähren; Doch denk im Klagen auch zurück. Ist denn das Glück, das wir begehren, Für uns auch stets ein wahres Glück. 16 242 Bedrängter, klage deine Noth. Cs giebt noch Menschenfreunde, die sich der. Dürftigen annehmen. Ps. 41, 2. Bedrängter, klage deine Noth. Es lebt ein Gott, dem dein Seufzen nicht verborgen iß. Ps. 38, 10. Bedrängter klage, und laß nur deinen Thränen freyen Lauf. ChrtKus hat in den Lagen seines Erdenlebens Gebet und Flehen mit starkem Geschrey und Thränen geopfert zu dem, der ihm von dem Tode konnte aushelfen, und er ist auch erhöret, darum, daß er Gott in Ehren hatte. Hebr. 5, 7. Aber wenn du Leidender dein Leiden deinem Gott klagest, und dein Herz vor ihm ausschüttest, Ps. 62, 9, so denke auch an die Er« fahrungen deines Lebens zurück. Vielleicht fällt es dir denn bey: das Glück, das wir verlangen, sey oft nur ein Scheinglück. Oder: das Unglück sey ein Glück, wenn wir durch Unglück weiser werden. Oder das Bekenntniß: Ehe ich gedemüthtget ward irrte ich, nun aber halte ich dein Wort. Ps. 119,67. 3. Nie schenkt der Stand, nie schenken Güter Dem Menschen die Zufriedenheit. Die wahre Ruhe der Gemüther Ist Tugend und Genügsamkeit. Glaubet ja nicht, daß die Glückseligkeit und Zufrredenheit an einen hohen Stand und an den Besitz vieler Güter gebunden sey. Es giebt Unzu- friedene unter den Reichsten. Wie freudig und sorgenfrei) treibt mancher arme Hirt seine Heerde zur Weide. Der Genügsame denkt: meine Zinse habe ich bezahlt, für den Winter habe ich Vorrath von Speise, meine Ehegattin hat mich lieb, meine 245 Kinder sind folgsam, mit den Nachbarn lebe ich im Frieden, mein Gewissen macht mir keine Vorwürfe. Und dieser Genügsame sollte nicht ohne Reichthum, in seinem Mittelstände, recht ruhig leben können? Das Wenige, das ein Gerechter hat, ist besser, als das große Gut vieler Gottlosen. Ps. 37,16. Tugend, wenn wir unsre Pflicht, als vor Gottes Angesicht, treu erfüllen, muß uns glücklich machen. Tugend und Freude find ewig verwandt, es knüpfet sie beyde ein himmlisches Band. Werde tugendhaft, und du wirst zufrieden seyn. 4. Genieße, was dir Gott beschieden, Entbehre gern, was du nicht hast. Ein jeder Stand hat seinen Frieden, Ein jeder Stand auch seine Last. Du Reicher, dem Gott Güter gegeben hat, folge nicht dem geizigen Thoren nach, sondern genieße, was dir Gott beschieden. Gehe hin, und iß dein Brod mit Freuden, denn dein Werk gefället Gott. Brauche des Lebens, so lange du das eitle Leben hast, das dir Gott unter der Sonne gegeben hat, denn das ist dein Theil. Pred. 9, 7, 9. So kannst du, Begüterter, zufrieden seyn. Und du, Armer, sieh um dich her auf die Vielen, die auch arm, wohl noch weit armer als du, sind, die arm und zugleich krank, blind, lahm, verlassen sind, alldieweil du zwar arm, aber gesund bist, dein Brod durch Arbeit haß, und einen treuen Gehülfen und Gefährten des Lebens zur Seite hast. Denn wirst du bey ehrlicher Armuth vergnügt seyn. Sprich: hat Gott nicht erwählet die Armen, dte ri« im Glauben reich find. Jak. 3/ L. Entbehre nur gerne, was du nicht hast. Diese Entbehrung soll deine Zufriedenheit nicht stören. Jeder Stand hat sein ihm eignes Gute. Der deS Reichen, daß er kann geben, behülflich seyn. Der des Armen, daß er um so viel sichrer lebt, da er weniger Vergängliches hat, das er verlieren kann. Jeder Stand hat auch seine ihm eignen Uebel. Der Stand deS Reichen, daß ihn oft Schmeichler verderben, daß er nicht allen Forderungen Genügen thun kann, die man an ihn macht, daß er leicht in die Fallstricke der Ueppigkeit geräth. Sey zufrieden mit deinem Stande. Suche Frieden und jage ihm nach, so wirst du ihn auch in deinem Stande finden. Ps. 3^, 15. L. Gott ist der Herr, und seinen Segen Vertheilt er stets mit weiser Hand; Nicht so, wie wirS zu wünschen pflegen, Doch so, wie erS uns heilsam fand. Gesundheit und Krankheit, Reichthum und Armuth, dein größerer oder kleinerer Antheil an den Hütern dieser Erde kommt nicht von ungefähr, sondern von dem, der die Welt regieret. Reiche und Arme müssen untereinander seyn, der Herr hat fie alle gemacht. Sprüchw. 22, 2. Murre nicht gegen den Hausvater. Er spricht: habe ich nicht recht zu thun, was ich will, mit dem Meinen? Siehest du darum scheel, daß ich so gütig bin. Matth. 20 ,15. Gott vertheilt seine Gaben weislich unter seine Menschenkinder. Dir fehlt, was andre besitzen, du hast, was andre entbehren. Das mußte so seyn, damit wir einander dienen, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat. 1 Petri -i, 10. Gott vertheilt sein« Gaben freylich nicht nach unsern Wünschen. Diese sind gar oft unbescheiden. Wir wünschen Ueber- fluß, und eine ununterbrochene Reihe heiterer Tage. Gott vertheilt seine Gaben / wie er es heilsam fand. Für den einen findet er Krankheit, für den andern Mangel heilsam, für ein Mittel, das ihm zu seiner Seligkeit dienen muß. 6. Willst du zu denken dich erkühnen, Daß seine Liebe dich vergißt? Er giebt uns mehr als wir verdienen, Und niemals, was uns schädlich ist. Der Wandel sey ohne Geiz, und lasset euch begnügen an dem, was da ist, denn er hat gesagt: Ich will dich nicht verlassen noch versäumen. Hebr. 13,5. Gott hat sich selbst nicht unbezeuget gelassen, er hat uns viel Gutes gethan. Apost. 17,1^. Er ist gütig auch über den Undankbaren und Boshaf« tigen. Luk. 6, 3Z. Gott weiß am beßten, was uns nützet, und giebt es uns. Was Gott giebt ist uns nützlich, und kann nur durch Mißbrauch schädlich werden. Wir haben alle Ursache z,ur Zufriedenheit. 7. Verzehre nicht des Lebens Kräfte Ju träger Unzufriedenheit; Besorge deines Stands Geschäfte, Und nütze deine Lebenszeit. Nur der Zufriedene hat zur Arbett Lust, zur Arbeit Kraft. Der Unzufriedene wird träge und verzehret durch Müßiggang Kräfte, die durch Arbeit könnten vermehrt, geübt, und erhöhet werden. 246 Es ist nichts Besseres für den Menschen, denn daß er fröhlich sey in seiner Arbeit, denn das ist sein Theil. Pred. 3, 22. Wer stets Geschäfte vor sich steht, die ihm obliegen, und die er nicht besorget, wird mißvergnügt. Gelungene Werke bringen die edelsten Freuden. Wem eine reiche Saat guter Werke zur Ernte in der Ewigkeit reifet, muß der nicht zufrieden seyn. Was der Mensch säet, das wird er ernten. Gal. 6, 7. s. Bey Pflicht und Fleiß sich Gott ergeben, Ein ewig Glück in Hoffnung sehn, Dieß ist der Weg zu Ruh und Leben. Herr, lehre diesen Weg mich gehn. Thue, nach -einer Pflicht, mit allem Fleiß, was dir zu thun gebühret, wozu dich dein Beruf in deinem Stande führet. Hat jemand ein Amt, so warte er des Amts. Röm. l 2 , 7. Hast du eine Haushaltung, so stehe ihr treulich vor. Hast du Kinder, so führe fie dem Herrn zu. Treibst du ein Handwerk, so bleibe in der Werkstätte; dienest du, so arbeite treulich. Dann kannst du deine Seele Gott ergeben, und dich sein immer freu'n. Dann wandelst du getrost den Weg durchs Erdenleben, und gelangest sicher an das gute Ziel. Dann kommst du zu dem, dem du nachfolgest, dessen Speise es war zu thun den Willen deß, der ihn gesendet hatte, und zu vollenden sein Werk. Joh. 2,, 3>L. Giebt es wohl ein besseres Mittel der Zufriedenheit als die Uebung in der Gottseligkeit? ?47 XI.. Das Glück eines guten Gewissens. 1. Besitz ich nur Ein ruhiges Gewissen; So ist für mich, wenn Andre zagen müssen, Nichts schreckliches in der Natur. Wenn wir wissen, daß wir, was recht und gut ist, redlich gewollt und ausgeübt haben, und daß wir vorsätzlich nichts Böses begangen haben, so haben wir Gott zum Freunde. Beym Ungewitter, beym Erdbeben, beym Sturm auf dem Meere, in der Feuersbrunst und Wasserfluth, lm Getümmel der Schlacht, in naher drohender Todesgefahr, können wir die Furcht besiegen, und hohen Muth fassen, und dürfen nie mit den Gottlosen verzagen. 2. Dieß sey mein Theil! Dieß soll mir Niemand rauben. Ein reines Herz von ungefärbtem Glauben, Der Friede Gottes nur ist Heil. Ich will mich nicht betrüben, wenn mir ein kleiner Antheil von irdischen Gütern zugemessen ist. Das gute Gewissen sey mein Erbtheil, mein Eigenthum. Dieß soll mir kein Verführer rauben. Selig sind die reines Herzens sind. Matth. 5, 8. Rein bleibe mein Herz von Wollust, Eigennutz, Hoffart und Rache. Liebe aus reinem Herzen und gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben sey mein Christenthum. 1 Tim. i, s. Der Friede Christi regiere in meinem Herzen. Kol. 5, 15. Z. Welch ein Gewinn, Wenn meine Sünde schweiget; 248 Wenn Gottes Geist in meinem Geiste zeuget Daß ich sein Kind und Erbe bin. Heil dem Menschen, dem der Herr kein Vergehen zurechnen darf, dessen Geist frey ist von Trug. Ps. 32. Er ist mit Christo verbunden, und es ist an ihm nichts Strafwürdiges. Gottes Geist selbst giebt seinem Geiste die feste Ueberzeugung, daß er ein Kind Gottes sey. Ist er nun Kind, so ist er auch Erbe, nämlich Gottes Erbe und Miterbe Christi. Röm. 8, 1, 16 , 17. Fürwahr ein größerer Gewinn, als wenn einer die ganze Welt gewönne mit allen ihren Schätzen. 4. Und diese Ruh, Den Trost in unserm Leben, Sollt ich für Lust, für Lust der Sinne geben? Dreß lasse Gottes Geist nicht zu! Ich sollte die Ruhe des Gemüthes, den Vortheil froh an Gott zu denken, und keinen Menschen scheuen zu müssen, wie so mancher leichtfinnige Thor, verkaufen, vertauschen, um eine flüchtige, eitle, vorüberrauschende, augenblickliche Lust eines meiner fünf Sinne? O wie würde es mich reuen mein Kleinod für ein Nichts hingegeben zu haben. Gottes Geist warne mich, wenn mich Sünder locken. Enthalte dich der sinnlichen Lüste; sie streiten wider die Seele. l Petri2, i i. 5. In jene Pein, Mich selber zu verklagen, Der Sünde Fluch mit mir umher zu tragen; In diese Kürzt ich mich hinein. Ich würde mich stürzen in einen Abgrund von Elend, in die Pein der Reue. Wril ich keinem 249 Andern die Schuld beymessen könnte, so müßte ich mich selber verklagen, ich müßte die unausbleiblichen Strafen der Sünde in meinem Innern herumtragen. Die sich zu dienstfertigen Werkzeugen der Ausschweifungen und des Lasters Hingaben, was haben fie nun davon für Frucht? Sie müssen sich schämen. Elend und Verderben ist das Ende davon. Rdm. 6, 19 , 21. 6. Laß auch die Pflicht Dich selber zu besiegen, Die schwerste seyn! Sie ists; doch welch Vergnügen Wird sie nach der Vollbringung nicht. Will mir Jemand nachfolgen, der verleugne steh selbst. Matth. 16, 24. Wenn dich dein Auge zum Bösen verführt, so reiß es aus, und wirft von dir. Matth. 18, 9. Die Pflicht der Selbstbeherrschung ist schwer, allein fie gewahrt Siegesfreude. Wer seines Muthes Herr ist, ist besser, als der Städte gewinnet. Sprüchw. 16,32. Wer sich bewahrt, darf sprechen: Gekämpft hab ich den edeln Kampf. 2 Tim. 4, 7. 7. Welch Glück! zu sich Mit Wahrheit sagen können: Ich fühlt in mir des Bösen Lust entbrennen; Doch, Dank sey Gott! ich schützte mich. Wie froh, wie vergnügt muß ein Mensch seyn, der die Versuchung überwunden hat. Die Schmei- chelreden des Verführers entzündeten die böse Lust im Herzen, aber er löschte schnell den ersten Funken, er dachte an seine Pflicht, und an Gott. Er sprach mit Joseph: Wie sollte ich ein solch großes Uebel thun, imd wider Gott sündigen. 1 Mos. 39,9. rso «. Und welch Gericht! Selbst zu sich sagen müssen: Ich konnte mir den Weg zum Fall verschließen; Und doch verschloß ich mir ihn nicht. Wenn das Gewissen in Unruhe ist, so hält Gott Gerichtstag. Vor der That warnt das Ge- wissen, nach der That spricht es das Urtheil. Da Kam seinen Bruder Adel getödtet hatte, verlor er den Muth seinen Acker zu bauen. Unflat und flüchtig ward er auf Erden. 1 Mos. -4. Da Judas Jesum Verrathen hatte, gerieth er in Verzweiflung, und gieng hin, und tödtete sich selbst. Matth. 37. S. WaS kaun im Glück Den Werth des Glücks erhöhen? Ein ruhig Herz versüßt im Wohlergehen Dir reden frohen Augenblick. Ein gutes Gewissen macht uns die guten Tage noch kostbarer, noch angenehmer. Wer unschuldig lebet, der lebet sicher. Sprüchw. 10, 9 . O Jüngling! genieße fröhlich deiner Jugend, laß dieser blühenden Jahre sich dein Herze freuen, versag dir keinen der Wünsche, nichts was deinen Augen gefällt, doch wisse, dich wird Gott führen vor sein Gericht um alles, was du gethan hast. Ohne Gram sey das Herz, es nahe dem blühenden Körper keine Plage; denn bald ist er hin der Morgen des Lebens. Pred. 11 , 9 , 10 . /'10. Was kann im Schmerz . Den Schmerz der Leiden stillen; < Im schwersten Kreuz mit Freuden dich erfüllen? . ^ Ein in dem Herr» zufriednes Herz. rsi - Nichts kann so den Schmerz besänftigen, den unverschuldete Leiden verursachen, und dabey sogar Hoffnung und Muth einflößen als ein unschuldiges, Gott liebendes und von Gott geliebtes Herz. Bewahret ein gutes Gewissen, damit eure Verläumder, wenn sie euch als Lasterhafte anschwärzen, beschämt werden durch euren guten christlichen Wandel. Ist es doch besser, ihr leidet, wenn es Gott so will, um guter als um böser Thaten willen. 1 Pet. 3,16,17. 11. Was giebt dir Muth Die Güter zu verachten, Wornach mit Angst die niedern Seelen trachten? Ein ruhig Herz, dieß größre Gut. Mit einem guten Gewissen genießest du das höchste und vortrefflichste Gut. Es verleihet dir die Stimmung des Gemüthes, in der du die vergänglichen zeitlichen Güter verachten kannst, welche irdischgesinnte Menschen, die nichts höheres kennen, mit Mühe erwerben, und mit Kummer bewahren. Haltet euch nicht zu solchem das nichts ist; fällt euch Reichthum zu, so hänget das Herz nicht daran. Ps. 62, 11. 12. Was ist der Spott, Den ein Gerechter leidet? Sein wahrer Ruhm! denn wer das Böse meidet, Das Gute thut, hat Ruhm bey Gott. Das macht gottgefällig, wenn man aus Gewissenhaftigkeit vor Gott Widriges erduldet, und unverdient leidet. Denn wäre es Ehre für euch, wenn ihr wegen Vergebungen übel behandelt würdet, und es ertragen müßtet? Nein, wenn ihr wegen eines 2S2 rechtschaffenen Verhaltens leidet und es geduldi- traget/ das erwirbt euch Beyfall bey Gott. 1 Pet. 2, 19, 20 . 1Z. Im Herzen rein, Hinauf gen Himmel schauen, Und sagen: Gott.' du, Gott, bist mein Vertrauen! Welch Glück, o Mensch, kann größer seyn? Der Unschuldige darf sein Haupt aufrichten und beten: Herr, vernimm mein Gebet, das nicht aus falschem Munde gehet. Sprich du in meiner Sache, und schaue du aufs Recht. Du prüfest mein Herz und läuterst mich, und findest nichts. Erhalte mei- nen Gang auf deinen Fußsteigen, daß meine Tritte nicht gleiten. Beweise deine wunderliche Güte, du Heiland derer, die dir vertrauen. Behüte mich, wie einen Augapfel im Auge; beschirme mich unter dem Schatten deiner Flügel. Ps. 17,1,2,3, S, 7, 8. 14. Sieh, alles weicht, Bald wirst du sterben müssen. WaS wird alsdann dir deinen Tod versüßen? Ein gut Gewissen macht ihn leicht. Sieh, alles verschwindet, alles Zeitliche wird dir aus den Handen gerissen, diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern. Luk. 12, 20 . Was wird dir dann die Bitterkeit des Todes überwinden helfen? Ein gutes Gewissen gewahrt einen guten, leichten, sanften, seligen Tod. Unschuld ist des Himmels beßte Gabe. Wohl dem, der sein Herz ihr weiht. Wohl dem, der sich bis zum Grabe seiner Unschuld freut. 15. Heil dir, 0 Christ! » Der diese Ruh empfindet; 2SZ Und der sein Glück auf das Bewußtseyn gründet/ Daß nicht- verdammlichS an ihm ist. ES ist mein Gebet / daß eure Liebe mit Erkenntniß und mancherley Erfahrung noch immer mehr zunehme; so daß ihr zu prüfen wisset, was gut oder verwerfllich sey, damit ihr rein und tadellos werdet für jenen Tag Christi, reich an Früchten der Tugend, die gewirkt werden Gott zu Ehre und zum Preise. Phil. 1 , S, 10 , 11 . 16. Laß Erd und Welt, So kann der Fromme sprechen, Laß unter mir den Bau der Erde brechen! Gott ist eS dessen Hand mich hält. Mit heiligem Wandel und frommem Sinne müsset ihr erwarten und ersehnen die Ankunft des Tages Gottes, wo die Himmel in Feuer zergehen und die Elemente im Brande zerschmelzen werden. Denn wir warten nach seiner Verheißung eines neuen Himmels und einer neuen Erde, wo Gerechtigkeit wohnen wird. 2 Petri 3,12,13. XI.I. Die Wachsamkeit. i. Nicht, daß ichs schon ergriffen hätte; Die beßte Tugend bleibt noch schwach; Doch, daß ich meine Seele rette, Jag ich dem Kleinod eifrig nach. Denn Tugend ohne Wachsamkeit Verliert sich bald in Sicherheit. Der Apostel Paulus legt das merkwürdige Bekenntniß ab: Nicht daß ich es schon ergriffen habe, 25L oder schon vollkommen sey/ ich jage ihm aber nach/ ob ich es auch ergreifen möchte/ nachdem ich von Christo Jesu ergriffen bin. Meine Brüder/ ich schätze mich selbst noch nicht, daß ich es ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich zu dem was davornen ist, und jage nach dem vorgesetzten Ziel, nach dem Kleinod, welches vorhält die himmlische Berufung Gottes in Christo Jesu. Phil. 3, 12, 13,1>L. So spricht ein rechtschaffener Verehrer Gottes und Christi aus langer Erfahrung, nach dem Zeugniß seines Gewissens, mit unverstellter Demuth. Mein Herz sagt mir, ich fehle noch so oft aus Unwissenheit, Uevereiluug und Schwachheit, es hält mir vor, wie wenig ich noch meinem Heiland im Guten ähnlich sey. Darum will ich mir selbst nicht zu viel trauen, ich will wachen, und auf mich selbst Acht haben. 2. So lang ich hier im Leibe walle, Bin ich ein Kind, das ürauchelnd geht. Der sehe zu, daß er nicht falle, Der, wenn sein Nächster fällt, noch steht. Auch die bekämpfte böse Lust Stirbt niemals ganz in unsrer Brust. ' So wie der noch schwache Gliederbau eines unmündigen Kindes keine feste Tritte verstattet, wie das Kind über jedes Hinderniß, das ihm auf dem Wege begegnet, hinfällt, ja oft auf ebenem Wege strauchelt, so schwach ist die Tugend des Menschen, so lange er diesen Körper trägt, so lange er ein Pilger der Erde ist. Freylich ist der eine 2SS geübter, stärker als der ändre, aber keiner ganz fest, keiner vor dem Falle sicher. Wer sich läßt dünken er stehe, mag wohl zusehen, daß er nicht falle, i Kor. 10, 12. Die Sünde nimmt durchs Verbot Deranlaßung allerley Gelüste in mir zu erregen. Röm. 7 , 8 . Ich muß also vor der Net« gung zur Sünde in mir selbst auf der Hut seyn. 3. Nicht jede Besserung ist Tugend; Oft ist sie nur das Werk der Zeit. Die wilde Hitze roher Jugend Wird mit den Jahren Sittsamkeit; Und was Natur und Zeit gethan, Sieht unser Stolz für Tugend an. Nicht jede Veränderung in -er Gesinnung und in der Lebensart ist Besserung, nicht jede Besserung ist die wahre Bekehrung. Das ist nicht Bekehrung, wenn die Sünde den Sünder verläßt, wenn der Sünder die Sünde, die er noch liebt, nicht mehr zu begehen Kraft hat, oder Anlaß findet. Das ist nicht Bekehrung, wenn sich endlich die Stürme wilder Leidenschaften legen, weil nichts mehr sie anregt, wenn der, welcher als Jüngling tobte, jetzt, als Greis, gesetzter ist. Es wäre Verblendung und Hochmuth eine solche Veränderung für Besserung anzusehen. Nur das ist Besserung, wenn der Sünder die Sünde verläßt; wenn er fliehen kann, vor ihr fliehet; und wenn er nicht fliehen kann, dagegen streitet. 4. Oft ist die Aenderung deiner Seelen Ein Tausch der Triebe der Natur. Du fühlst, wie Stolz und Ruhmsucht quälen, rs« Und dämpfst sie; doch du wechselst nur; Dein Herz fühlt einen andern Reiz, Dein Stolz wird Wollust, oder Geiz. Wenn der Mensch ein Laster an das andre vertauscht, so ist dieß freylich eine Veränderung in seinen Sitten, und wird nicht ohne Folgen für sein Schicksal bleiben. Wer wird aber dieß Besserung nennen? Wenn dem Stolzen sein Prahlen Spott zuziehet, wenn Selbsterhöhung empfindlich mit Erniedrigung bestraft wird, so steht er vielleicht seine Thorheit ein, und rühmet fich nicht weiter selbst. Was ist damit gewonnen, wenn sein schwaches Herz einer andern Sünde nachgiebt, wenn es fich an irdische Güter hängt, oder der unkeuschen Wollust dienstbar wird? 5. Oft ist es Kunst und Eigenliebe, Was Andern strenge Tugend scheint. Der Trieb des NeidS, der Schmähsucht Triebe Erweckten dir so manchen Feind: Du wirst behutsam, schränkst dich ein, Fliehst nicht die Schmähsucht, nur den Schein. Behutsamkeit, Zurückhaltung kann zwar Aergernisse und Ausbrüche des Bösen verhindern, aber ohne die Quelle der Sünde in den bösen Neigungen des Herzens zu verstopfen. Wem die Schmahworte, womit er fich an des Nächsten Ehre vergriffen, Verantwortung, Abbitte, Verdrießlichkeiten zugezogen, hält wohl ein andres Mal in Gesellschaft seine Zunge besser im Zaum, aber, wie wenig ist damit gebessert, wenn er noch Haß und Feindschaft, Neid und Schadenfreude im Herzen duldet. 2S7 6. Dn denkst, weil Dinge dich nicht rühren, Durch die der Andern Tugend fällt: So werde nichts dein Her; verführen; Doch jedes Herz hat seine Welt. Den, welchen Stand und Gold nicht rührt, Hat oft ein Blick, ein Wort verführt. Mancher schlechte, unzuverläßige, zweydeutige Mensch hat seinen Preis, um den er feil ist. Er ist bestechlich, wenn man ihm genug giebt, wie die Juden dem Judas, so wird er ein Werkzeug zum Bösen. Weil er reich werden will, so fallt er in Versuchung und Stricke. Der Geiz ist ihm eine Wurzel alles Uebels. 1 Tim. 6, 9, 10. Wie nöthig ist daher das Gebet: Neige mein Herz zu deinen Zeugnissen und nicht zum Geize. Ps. 119, 36. Einen andern beherrschet der Eigennutz nicht, aber die Lust des Fleisches und der Augen Lust ist für ihn verführerisch. 1 Joh. 2, 16. Herr Gott, behüte mich vor unzüchtigem Gesichte, und wende von mir alle bösen Lüste. Laß mich nicht in Schlemmen und Unkeuschheit gerathen, und behüte mich vor unverschämtem Herzen. Sirach 23, s, 6. 7. Oft schläft der Trieb in deinem Herzen. Du scheinst von Rachsucht dir befreyt; Jetzt sollst du eine Schmach verschmerzen, Und steh, dein Herz wallt auf und dräut, Und schilt so lieblos und so hart, Als er zuerst gescholten ward. So wie der Saame, der Keim im Winter in der Erde schlaft, und erst bey der Wärme des Frühlings sich regt und hervorwächst, so schlummert oft 17 258 -ie Rachgier im Herzen des Menschen. Aber bey einer neuen Beleidigung wallt das Blut; der Zorn entbrennt; und der Zornige schilt so lieblos/ als ihn sein Gegner schalt. Rächet euch selber nicht/ meine Liebste»/ sondern gebet Raum dem Zorn; denn es stehet geschrieben: Die Rache ist mein/ ich will vergelte«/ spricht der Herr. Laß dich nicht das Böse überwinden/ sondern überwinde das Böse mit Gutem. Röm. 12, 19, 21. s. Oft denkt, wenn wir der Stille pflegen, DaS Herz im Stillen tugendhaft. Kaum lachet uns die Welt entgegen: So regt sich unsre Leidenschaft. Wir werden im Geräusche schwach, Und geben endlich strafbar nach. Wenn wir in der stillen Kammer zu dem Vater beten, der in das Verborgene stehet, wenn wir einsam wandeln durch die freye Natur, und an Gott und die Ewigkeit denken, da nehmen wir uns so manches Gute vor; mäßig, gerecht, und gottselig zu leben in dieser Welt, Tit. 2,12; uns von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes zu reinigen, 2 Kor. 7 , 1 ; nicht zu folgen der Menge zum Bösen. 2 Mos. 23 , 2. Aber nun reizt die Lustbarkeit unsern schwachen Sinn, wir gerathen in die Gesellschaft leichtsinniger oder verdorbener Menschen; ihr Beyspiel, ihr Zureden, ihr Spott führet uns in Versuchung; wir thun einigen Widerstand, lassen uns zuletzt vom Strome, dahinreißen, und geben strafbar aus Menschenfurcht und Menschengefällig- kelt nach, und thun, was unser Gewissen mißbilliget. 259 9. Du opferst Gott die leichtern Triebe Durch einen strengen Lebenslauf; Doch opferst du, willS seine Liebe, Ihm auch die liebste Neigung auf? Dieß ist das Auge, dieß der Fuß, Die sich der Christ entreißen muß. Aus Liebe zu Gott und aus Gehorsam gegen sein heiliges Gesetz erfüllest du die Pflichten/ deren Ausübung dir leicht ist, und keine große Ueberwindung kostet. Das ist ein erfreulicher Anfang christlicher Tugend. Doch deine Frömmigkeit kann auf neue und schwere Proben gesetzt werden. Wenn es von dir gefordert wird/ so sollst du um Gottes willen das Schwerste thun, das Liebste fahren lassen. Ihr habt noch nicht bis aufs Blut widerstanden über dem Kämpfen wider die Sünde. Hebr. 12, ^4. Jesus spricht: Wer Vater oder Mutter mehr liebet, denn, mich, der ist .«einer nicht werth, und wer Sohn oder Tochter mehr liebet, denn mich, der ist meiner nicht werkst. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt, und folget mir nach, der ist meiner nicht werth. Match. 10, 37, 38. Vermagst du diese Verleugnung zu üben? Jesus spricht: So deine Hand oder dein Fuß dich ärgert, so haue ihn ab, und wirf ihn von dir. Es ist dir besser, daß du zum Leben lahm oder ein Krüppel eingehest, denn daß du zwo Hände, oder zwey Füße habest, und werdest in das ewige Feuer geworfen. Match. 18, 8. Vermagst du diese Selbstbeherrschung zu üben, und deiner Lieblingssünde zu entsagen? 10. Du fliehst, geneigt zu Ruh und Stille, Dir Welt, und ltebst die Einsamkeit; 260 Doch bist du, fordert» KotteS Wille, Auch dieser zu entflieh» bereit. Dein Herz haßt Habsucht, Neid und Zank; FliehtS Unmuth auch, und Müßiggang? Du fliehest die Welt und liebest die Einsamkeit. Gott und dein eigen Herz sind dir die liebsten Zeugen. Du bist eingezogen und begnügst dich mit der Gesellschaft deiner Hausgenossen. Du denkst: Ich handle vorsichtig und redlich bey denen, die mir zugehören, und wandle treulich in meinem Hause. Ps. 101, 2. Dieß ist sehr gut, bis dich Gott auf eine höhere Stelle ruft, und Viele durch dich lehren oder regieren will. In der Einsamkeit, sagst du, lebe ich im Frieden; das was ich habe ist mir genug; ich neide Niemand, und werde nicht beneidet. Gut, die Einsamkeit hat große Vortheile, aber auch ihre Gefahren. Man hängt darin oft dem Unmuth nach, oder ergiebt sich dem Müßiggang. 11. Du bist gerecht; denn auch bescheiden? Liebst Mäßigkeit; denn auch Geduld? Du dienest gern, wenn Andre leiden; Vergiebst du Feinden auch die Schuld? Von allen Lastern sollst du rein, Zu aller Tugend willig seyn. Du giebst jedem ohne Zwang aus freyem Triebe das Seine. Unter deinem Vermögen befindet sich kein unrechter Pfenning. Gut, weiche ferner nie einen Finger breit von der Gerechtigkeit. Du issest, damit du lebest, und lebst nicht um zu essen. Gut, sey und bleibe nüchtern und mäßig. Du thust deine Hand auf zum geben. Gut, fahre nur fort wohl 261 zu thun rind mitzutheilen. Vergiß nur über der Uebung dieser Tugenden nicht andre Pflichten / nicht die Bescheidenheit/ die sich nie des Guten überhebt, nicht die Geduld/ die Gott auch in der Trübsal ehrt/ nicht die Großmuth, die den Feinden Gutes thut. So Jemand das ganze Gesetze hält/ und sündiget an einem/ der ists ganz schuldig. Jak. 2, 10 . 12. Sey nicht vermessen.' Wach und streite; Denk nicht, daß du schon gnug gethan. Dein Herz hat seine schwache Seite, Die greift der Feind der Wohlfahrt an. Die Sicherheit droht dir den Fall; Drum wache stets, wach überall. Alle diese Betrachtungen sollen uns die Wachsamkeit lehren. Behüte dein Herz mit allem Fleiß; denn daraus gehet das Leben. Sprüchw. -i, 23. Wie der Feind das Land da angreift/ wo es am schwächsten ist/ so greift der Verführer dein Herz auf seiner schwachen Seite an. Der Leichtsinn kann im Augenblick dir des Herzens Ruh und Glück raube»/ und dir dafür nichts als Reu und Gram zurücklassen. Halte/ was du hast, daß Niemand deine Krone nehme. Offenb. 3, ii. XI.H. Die Liebe des Nächsten. 1. So jemand spricht: Ich liebe Gott! Und haßt doch seine Bruder, Der treibt mit Gottes Wahrheit Spott, Und reißt sie gänz darnieder. Gott ist die Lieb', und will, daß ich Den Nächsten liebe, gleich als mich. 262 Die Liebe des Nächsten stießt aus der Liebe GotteS her. Wir lieben die Geschöpfe um -es Schöpfers willen. Die Liebe Gottes und die Liebe des Nächsten müssen beysammen seyn. So jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasset seinen Bruder, der ist ein Lügner; denn wer seinen Bruder nicht liebet, den er siehet, wie kann er Gott lieben, den er nicht siehet? Und dieß Gebot haben wir von ihm, daß wer Gott liebet, daß der auch seinen Bruder liebe, l Joh. 20 , 21. Wer seinen Bruder hasset, der ist in Finsterniß und wandelt in Finsterniß, und weiß nicht, wo er hingehet, denn die Finsterniß hat seine Augen verblendet. 1 Joh. 2 ,1 1 . Ihr Lieben, lasset uns einander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott, und wer lieb hat, der ist von Gott geboren und kennet Gott. 1 Joh. 7. 2. Wer dieser Erde Güter hm, Und sieht die Brüder leiden, Und macht den Hungrigen nicht satt, Läßt Nackende nicht kleiden; Der ist ein Feind der ersten Pflicht, Und hat die Liebe Gottes nicht. Die Liebe gönnt nicht nur dem Nächsten Gutes, sie erzeigt es ihm auch. Lasset uns nicht lieben mit Worten, noch mit der Zunge, sondern mit der That, und mit der Wahrheit. 1 Joh. 3,18. Brich dem Hungrigen dein Brod, und die so im Elend sind, führe ins Haus; so du einen nackend siehest, so kleide ihn, und entziehe dich nicht von deinem Fleisch. Jes. 58, 7. So ein Bruder oder eine Schwester bloß wäre, und Mangel hätte an der 26Z täglichen Nahrung, und jemand unter euch spräche zu ihnen: Gott berathe euch, wärmet euch, und sättiget euch; gäbet ihnen aber nicht, was deS Leibes Nothdurft ist, was hülfe ihnen das. Jak. 2 , 15, 16. Wenn jemand dieser Welt Güter hat, und sieht seinen Bruder darben, und schließt sein Herz vor Hm zu; wie bleibt die Liebe Gottes bey ihm. 1 Joh. 3,17. Wer seinen Nächsten darben steht, alldieweil er genug und Ueberfluß hat, der gebe nach freyem Herzenstriebe, nicht mit Unwillen, oder aus Zwang, denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. 2 Kor. g, 7. Z. Wer seines Nächsten Ehre schmäht. Und gern sie schmähen höret, Sich freut, wenn sich sein Feind vergebt, Und nichts zum Beßren kehret; Nicht dem Verleumder widerspricht; Der liebt auch seinen Bruder nicht. Verleumdung, Schadenfreude, Gleichgültigkeit sind der Liebe des Nächsten zuwider. Die Ehre, die gute Meinung Andrer von eines Menschen Recht- schaffenheit ist den Guten ein schätzbares Eigenthum. Wo möglich sollen wir den guten Namen des Nächsten durch verdientes Lob befördern. Des Nächsten Ehre durch Erdichtung von Fehlern, durch Lügen, Schmähworte und Lästerungen angreifen, zeigt ein feindseliges Herz an. Hörest du was Böses, das sage nicht nach, denn Schweigen schadet dir nicht. Und offenbare es nicht, wo du es ohne böses Gewissen thun kannst. Denn man höret dir wohl zu, und merket darauf, aber man hasset dich gleichwohl. 264 Sirach 19, 6 — 9 . Freue dich nicht -es Falls deine- Feindes, und dein Herz sey nicht froh über seinen, Unglück. Sprüchw. 24, 17. Wer alles zum Beßten ausleget, der machet ihm viel Freunde, und wer das Beßte zur Sache redet, von dem redet man wieder das Beßte. Sirach 6, s. 4. Wer zwar mit Rath, mit Trost und SchstH Den Nächsten unterstützet, Doch nur aus Stolz, aus Eigennutz, Aus Weichlichkeit ihm nützet; Nicht auü Gehorsam, nicht aus Pflicht; Der liebt auch seinen Nächsten nicht. Der Pharisäer gab Allmosen vor den Leuten, daß er von ihnen gesehen werde. Matth. 9, 1 . Das ist nicht die rechte Liebe des Nächsten. Ein Andrer giebt, damit er das doppelte und dreyfache wieder bekomme, das ist ein Handel, nicht Liebe -es Nächsten. Noch einer kann keine Bitte, am wenigsten die des Unverschämten, des Zudringlichen abschlagen; das ist Schwachheit, nicht Liebe des Nächsten. Die wahre Liebe kommt weder vom Stolz, noch aus dem Eigennutz, noch aus der Weichlichkeit; sie gehorcht dem Gebote, sie folgt dem Beyspiele Jesu. 5. Wer harret, bis, ihn anzuflehn, Ein Dürft'gcr erst erscheinet, Nicht eilt, dem Frommen beyzustehn, Der im Verborgnen weinet; Nicht gütig forscht, obs ihm gebricht; Der liebt auch seinen Nächsten nicht. Der Menschenfreund giebt dem, der ihn bittet. Matth. 6, 42. Aber er thut mehr. Er sucht den 265 Dürftigen in seiner abgelegenen Hütte, den Kranken auf seinem Schmerzenlager auf, und bringt ihm Labsal und Arzney. Die bescheidensten Armen sind wohl die würdigsten. Diese sucht er auf, tröstet ste, hilft ihnen, erkundigt steh sorgfältig, woran es ihnen fehle, überlegt, wie er ihrer Noth abhelfen, oder sie lindern könne. Wohl dem, der sich des Dürftigen annimmt: den wird der Herr erretten zur bösen Zeit. Der Herr wird ihn bewahren und beym Leben erhalten, und es ihm lassen wohl- gehen auf Erden. Ps. -41, 2, 3. Wer nun hie und da einem Armen, der an seine Thüre klopft, eine Gabe zuwirft, was thut der Sonderliches. Er giebt, aber vielleicht nicht aus Liebe, vielleicht nur um des Bittenden los zu werden. 6. Wer Andre, wenn er sie beschirmt. Mir Härt' und Vorwurf quälet, Und ohne Nachsicht straft und stürmt, Sobald sein Nächster fehlet; Wie bleibt bey seinem Ungestüm Die Liebe Gottes wohl in ihm? Wer den Bittenden erst lange trostlos stehen läßt, wer ihm mit manchem harten Wort die Armuth vorwirft, wer ihm seine Schulden vorzählt, wer ihn gebietrisch anfährt, wer ihm verdiente und unverdiente Vorwürfe macht, wen man oft um Gottes willen flehen muß, wer erst dann anfängt sich zur Hülfe zu entschließen, in dem ist die Liebe Gottes nicht; denn diese Liebe ist freundlich, ste treibet nicht Muthwillen, sie blähet sich nicht auf. 1 Kor. 13, 266 7. Wer für der Armen Heil und Zucht Mit Rath und That nicht wachet, Dem Uebel nicht zu wehren sucht, Das oft sie dürftig machet; Nur sorglos ihnen Gaben giebt, Der hat sie wenig noch geliebt. Der Arme bedarf nicht nur deiner Gaben; diese können ihm nur für den Augenblick helfen. Er bedarf auch guten Rath, wie er sein Brod verdienen, sich vor Mangel schützen, seine Haushaltung einrichten solle. Frage also seinen Umstanden nach, damit du ihm klugen Rath ertheilen könnest. Vielleicht hat ihn Leichtsinn oder Verschwendung, vielleicht Müßiggang und Trägheit in mißliche Umstände versetzt. Oft wenn die Ursache eines Uebels entdeckt ist, so ist damit auch das Mittel der Rettung gefunden. Lerne die Umstände dessen kennen, dem du helfen willst, zeige ihm den Weg der Rettung. Reiche ihm freundlich die Hand. Und folgt er treuem Rath, so gieb ihn nicht auf, rette ihn ganz. 8. Wahr ist es, du vermagst eS nicht, Stets durch die That zu lieben. Doch bist du nur geneigt die Pflicht Getreulich auszuüben, Und wünschest dir die Kraft dazu, Und sorgst dafür: so liebest du. Auch der Arme kann sich als Menschenfreund beweisen. Kann er gleich nur sein Schärflein einlegen, alldieweil die Reichen viel steuern, so weiß er, daß Gott das Wenige und Geringe reichlich segnen kann. ES kommt auch um Gott zu gefalle» weniger auf dle Summe der Gabe, als auf das Gemüth des Gebers an. Hast du viel, so gieb reichlich, hast du wenig, so gieb auch das Wenige, mit treuem Herzen. Tob.-i, v. Arbeite, spare, lerne ordentlich haushalten, du kannst durch den Segen Gottes wohl in so glückliche Umstände kommen, daß du, ohne den Deinen etwas mangeln zu lassen, noch hie und da einem Dürftigen aus seiner Noth helfen mögest. Auch der Arme kann eines Verunglückten barmherziger Samariter seyn, und ihm das größte Gut, das Leben, retten. 9. Ermattet dieser Trieb in dir: So such ihn zu beleben. Sprich oft: Gott ist die Lieb', und mir Hat er sein Bild gegeben. Denk oft: Gott, was ich bin, ist dein; Sollt ich, gleich dir, nicht gütig seyn. Wenn wir Undank erfahren, wenn etwa unser Vertrauter, unser Freund unser ärgste Feind wird , wenn wir böse Menschen kennen lernen, die uns der Liebe nicht würdig zu seyn scheinen, so kann - unsre Menschenliebe erkalten. Dann müssen wir ihr neues Leben geben, durch die Betrachtung -er vornehmsten Wahrheiten unsers heiligen Glaubens. Dann sollen wir denken: Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott, und Gott in ihm. t Ioh. >6. So ihr nur liebet, die euch lieben, was werdet ihr für einen Lohn haben? So ihr nur zu euren Brüdern freundlich thut, was thut ihr Sonderliches? Darum sollt ihr vollkommen seyn, gleich wie euer Vater im 268 Himmel vollkommen ist. Matth. 5, ^6, ^7, ^8. Was ich habe/ ist Gottes. Was kann ich dem Herrn vergelten? Ich will wenigstens den Kindern Gottes Gutes thun. 10. Wir haben Einen Gott und Herr»/ Sind Eines Leibes Glieder; Drum diene deinem Nächsten gern; Denn wir sind alle Bruder. Gott schuf die Welt nicht bloß für mich; Mein Nächster ist sein Kind, wie ich. Will die Liebe des Nächsten bey dir ermatten, so denke: Wandelt in aller Demuth und Sanftmuth, mit Geduld, und vertraget einer den andern in der Liebe; und seyd fleißig zu halten die Einigkeit im Geist, durch das Band des Friedens. Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seyd, auf einerley Hoffnung eures Berufs. Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater unser aller, der da ist, über euch alle. Ephes. -L, 2—6. Oder: Wir sind Schwestern, Bruder; unser Vater Gott. Oder: Haben wir nicht alle Einen Vater, hat uns nicht Ein Gott geschaffen. Malach. 2 , io. Oder: Gott laßt seine Sonne aufgehen über die Bösen und über die Guten, und lässet regnen über Gerechte und Ungerechte. Matth. 5, ^S. 11. Ein Heil ist unser aller Gut. Ich sollte Bruder hassen, Die Gott durch seines Sohnes Blut So hoch erkaufen lassen? Daß Gott mich schuf, und mich verführ,!, Hab' ich dieß mehr, als sie, verdient? 269 Will die Liebe des Nächsten in dir erkalte»/ so denke: Jeder Mensch hat einen unendlich hohen Werth in den Augen Gottes. Diese Seele ließ er um den theuersten Preis, durch das Blut Jesu Christi seines Sohnes erkaufen. Daß mich Gott aus dem Nichts gezogen, daß er mich versöhnet mit ihm selber, habe ich so wenig, als mein Nächster verdient. Wen Gott liebt, den soll ich auch lieben. Es ist nicht schön, daß Knechte, die einem gnädigen Herrn dienen, gegen einander strenge find. Matth. 18 , 28—35. Die der Vater Jesu zum Lohn seiner Leiden gegeben hat, sollen alle Eins seyn. Joh. 17. 12. Du schenkst mir täglich so viel Schuld, Du, Herr von meinen Tagen l Ich aber sollte nicht Geduld Mit meinen Brudern tragen? Dem nicht verzechn, dem du vergiebst, Und den nicht lieben, den du liebst? Gott hat Geduld mit uns, und will nicht, -aß jemand verloren gehe, sondern daß sich jedermann zur Buße kehre. 2 Pet. 3, 9. Habe auch Geduld mit deinem fehlenden Nächsten, hoffe und warte auf seine Besserung. Deine ganze große Sünden- schuld will dir der Allbarmherzige erlassen. Und das Beding dieser Vergebung sollte dir zu schwer seyn: So ihr den Menschen ihre Fehler vergebet, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Matth. 6, 1^. Solltest du dich nicht erbarmen über deinen Mitknecht wie ich mich über dich erbarmet habe. Matth. 18 , 33. 270 iZ. Was ich den Frommen hier gethan, Dem Kleinsten auch von diesen, Das steht Er, mein Erlöser, an, Als hätt' ichs ihm erwiesen.' Und ich, ich sollt ein Mensch noch seyn, Und Gott in Brudern nicht erfreu'«? Will die Liebe -es Nächsten beychir erkalten, so belebe sie mit dem Gedanken: Wer sich des Armen erbarmet, der leihet dem Herrn, -er wird ihm wieder Gutes vergelten. Sprüchw. 19 ,17. Oder: Wohl dem, -er barmherzig ist, und gerne leihet, und richtet seine Sachen aus, daß er Niemand Unrecht thue, denn er wird ewiglich bleiben, des Gerechten wird nimmermehr vergessen werden. Ps. 112, Z, 6. Oder: Wer dieser Geringsten einen nur mit einem Becher kalten Wassers tränket, in eines Jüngers Namen, wahrlich, ich sage euch, es wird ihm nicht unbelohnt bleiben. Matth. io, ^2. Oder: Wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Naw n, der nimmt mich. auf. Matth. 18, 5. Oder: ?->as ihr gethan habt einem unter diesen meinen geringsten Brudern, das habt ihr mir gethan. Matth. 25, 4o. 14. Ein unbarmherziges Gericht Wird über den ergehen, Der nicht barmherzig ist, der nicht Die rettet, die ihn flehen. Drum gieb mir, Gott, durch deinen Geist Ein Herz, das dich durch Liebe preist. Will die Liebe des Nächsten bey dir schwach werden, so belebe, erneure sie wieder. Du kannst dieß, wenn du an die Strafe der Lieblosigkeit denkest. 271 Wenn -ie Barmherzigen selig sind, wenn ihnen Barmherzigkeit widerfahren wird, so hat der Unbarmherzige kein Erbarmen, keine Seligkeit zu hoffen. Matth. 6, 7. Der König wollte mit dem unbarmherzigen Knecht keine Geduld weiter haben; er warf ihn ins Gefängniß, bis daß er bezahlte, was er schuldig war. Matth. 18 , 30. Der Glaube, wenn er nicht Werke der Liebe hat, ist todt an ihm selber. Jak. 2 , 17. Es wird ein unbarmherziges Gericht über den gehen, der nicht Barmherzigkeit gethan hat. Jak. 2,13. O Jesus, wir kennen nun deinen Willen, und den Sinn deines Gebotes: Du sollst deinen Nächsten lieben, als dich selbst. O möchten wir einander so lieben, wie du gelehret, und wie du uns geliebet hast! XI.HI. Die Liebe der Feinde. Inhalt des Liedes. V. 1, 2 . Vorsätze. V. 3, Das Beyspiel Jesu. V. 6. Schwierigkeit der Feindesliebe. V. 6, 7. Auch Feinde können uns nützlich seyn. V. 8, 9 . Wie rächet sich der Christ. V. io. Gebet unter Verfolgungen. i. Nie will ich dem zu schaden suchen, Der mir zu schaden sucht. Nie will ich meinem Feinde fluchen, Wenn er aus Haß mir flucht. Der verdient gewiß den Namen unsers Feindes, der nie satt und nie müde wird uns zu schaden, uns zu kränken, uns entgegen zu arbeiten, uns Abbruch zu thun, uns das Leben zu verbittern, 272 der unsre Ruhe in einemfort störet, und uns stets mit Beleidigungen verfolgt. Aber wir sollen es ihm nicht machen, wie er es uns gemacht hat. Wir sollen ihn nicht wieder kränken und beleidigen, wenn wir schon dazu Gelegenheit haben. Den» Jesus spricht: Thut wohl denen, die euch hassen. Matth. 5, Und Paulus: Rächet euch selber nicht, meine Liebsten. Und: Laß dich nicht das Böse überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Röm. 12, 19, 21. Und: Sehet zu, daß Niemand Böses mit Bösem vergelte. 1 Thess. 5, 15. Und: Es ist ein Fehler unter euch, daß ihr mit einander rechtet. Warum laßt ihr euch nicht vielmehr Unrecht thun. Warum laßt ihr euch nicht viel lieber vervortheilen. 1 Kor. 6, 7. Es thut uns gewiß recht wehe im Herzen, wenn wir einen Menschen kennen, dem unsre Person, unsre Ehre, unser Glück, unsre Tugend verhaßt, hingegen unsre Schande, unser Unglück, unsre Fehltritte erwünscht find. Aber wir sollen ihn nicht entgegenhassen und anfeinden. Wir sollen nicht aufhören, den zu lieben, der uns nicht liebet. Wir sollen durch alle mögliche Dienstleistungen und Gefälligkeiten seinen Haß zu überwinden suchen. Wir sollen jede Gelegenheit ergreifen ihm eine Freude zu machen, ihm einen Vortheil zu verschaffen; ihm zu einem Glücke zu verhelfen. Paulus spricht: So deinen Feind hungert, so speise ihn, dürstet ihn, so tränke ihn. Röm. 12, 20. Man denkt etwas abscheuliches, wenn man, da man selbst nicht genug zu plagen fähig ist, die Rache Gott befiehlt. Ich will nie 27Z die Rache Gottes über den Feind herausfordert. Ich will mir nicht einmal den geheimsten Wunsch erlauben meinen Feind von Gott gestraft zu sehen. Freue dich nicht des Falls deines Feindes, und dein Herz sey nicht froh über seinem Unglück. Es möchte es der Herr sehen, und ihm übel gefallen. Sprüchw. 2^t, 17, 18. 2. Mit Güte will ich ihm begegnen, Nicht drohen, wenn er droht. / Wenn er mich schilt, will ich ihn segnen; Dieß ist des Herrn Gebot. Wir müssen jeden Menschen lieben, auch den Feind. Wir müssen keinen Unterschied zwischen Menschen und Menschen machen, denn jeder Mensch ist unsers gleichen. Wir müssen gern und mit Freuden thun, was wir vermögen, um des Feindes Wohlfahrt zu erhalten, zu befördern und zu vermehren. Gott spricht: Du sollst nicht rachgierig seyn, noch Zorn halten gegen die Kinder deines Volkes. 3 Mos. 19,18. Setzet dem Zorn Sanft- muth, der aufgeregten Leidenschaft Gelassenheit entgegen. Ein zorniger Mann richtet Hader an, ein geduldiger aber stillet den Zank. Sprüchw. 15, 18. Alle Bitterkeit, und Grimm, und Zorn, und Lästerung sey ferne von euch, sammt aller Bosheit. Ephes. 4, 31. Weß das Herz voll ist, deß gehet der Mund über. Matth. 12, 3^. Der Haß ergießt sich in Scheltworts, die Liebe in Segenswünsche. Ihr sollt nicht widerstreben dem Uebel. Ihr sollt an dem, der euch Unrecht thut, keine Rache üben. Matth. 5, 39. Vertrage dich mit deinem Gegner 18 274 bald, während du noch auf dem Wege mit ihm bist. Matth. 5, 25. 3. Er, der von keiner Sünde wußte, Vergalt die Schmach mit Huld, Und litt, so viel er leiden mußte, Mit Sanftmuth und Geduld. Als Judas durch einen Kuß den Feinden das Zeichen gab, welcher unter der Jünger Schaar Jesus sey, so sagte er ihm bloß: Freun-, warum bist du gekommen? Matth. 26, 50. Da Jesus vor Pilatus von den Priestern hart verklagt ward, antwortete er auch nicht ein Wort, also daß steh der Landpfleger verwunderte. Matth. 27, 12—1^. Da Petrus Jesum mit dem Schwert vertheidigen wollte, so sprach er zu ihm: Stecke -ein Schwert in die Scheide. Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat. Joh. 18,11,12. Dem von Petrus verwundeten Knechte des Hohen» Priesters, Malchus, der vermuthlich bey seiner Ge» fangennehmung vor andern geschäftig war, rührte er sein Ohr an, und heilte ihn. Luk. 22 , 51. 4. Will ich, sein Jünger, wiederschelten, Da er nicht wiederschalt? Mit Liebe nicht den Haß vergelten, Wie er den Haß vergalt? Auch Christus hat für uns gelitten, und uns ein Vorbild gelassen, daß ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; welcher keine Sünde gethan, und ist auch kein Betrug in seinem Munde erfunden worden; welcher nicht wiederschalt, da er gescholten wurde; nicht drohete, da er litt, er stellete es aber 275 dem heim, der da recht richtet. 1 Petrt 2, 21 , 23. Lasset uns aufsehen auf Jesum, den Anfänger und Vollender -es Glaubens. Gedenket an den, der ein solches Widersprechen von den Sündern wider sich erduldet hat. Hebr. 12 , 2, 3. 5. Wahr istS, Verleumdung dulden müssen, Ist eine schwere Pflicht. Doch selig, wenn ein gut Gewissen Zu unsrer Ehre spricht! Es ist gewiß eine der empfindlichsten Beleidigungen, die uns von unserm Feinde widerfahren kann, wenn er durch schmähsüchtige Verleumdungen unsre Ehre verletzet, wenn er nicht nur unsre wirklichen Fehler aus der Verborgenheit hervorziehet, und öffentlich darstellet,, sondern sie auch vergrößert, und mit erdichteten vermehrt. Die Worte des Ver- leumders sind Schläge, und gehen einem durchs Herz. Sprüchw. 18, 8. Verleumdung dulden ist schwer. Den Verleumder noch lieben ist schwer. Allerdings sträubt sich die Natur, das Fleisch wider dieses Gebot, aber nicht der Geist. Allerdings ist es dem sinnlichen Menschen unmöglich den Feind zu lieben, aber nicht dem geistigen, der an Gott hanget, und mit Gott lebet. Besser Unrecht leiden, als Unrecht thun. Das ist Gnade, so jemand, um -es Gewissens willen, zu Gott, das Uebel verträgt, und leidet das Unrecht. 1 Petri 2, 19. Ob ihr auch leidet um der Gerechtigkeit willen, so seyd ihr doch selig. 1 Petri 3, 1-L. Es ist besser, so es Gottes Wille ist, daß ihr von Wohlthat wegen leidet, als von Uebelthat wegen. 1 Petri 3, 17. 276 '6. Dieß will ich desto mehr bewahren; So bessert mich mein Feind, Und lehrt mich weiser nur verfahren, Indem erS böse meint. Ich kann mich leicht über die Anklagen des Feindes beruhigen, wenn mich mein Gewissen freyspricht. Welch eine vortreffliche Sache das gute Gewissen sey, erfährt man erst recht, wenn man unschuldig verlästert wird. So uns unser Herz nicht verdammt, so haben wir Freudigkeit zu Gott. i Joh. 3, 2l. Ich übe mich zu haben ein unverletztes Gewissen allenthalben, beydes gegen Gott und den Menschen. Apost. 2^, 16. Da wird die Schrift erfüllet: Denen, die Gott lieben, müssen alle Dinge zum Beßten dienen, wenn mir die Verleumdung das Gewissen schärft, mich treu im Kleinen wie im Großen, wenn sie mir den Beyfall Gottes über alles theuer macht. 7. Ich will mich vor den Fehlern hüten, Die er von mir ersann; Und auch die Fehler mir verbieten, Die er nicht wissen kann. Die Angriffe des Verleumders sollen mich vorsichtig und behutsam machen. Ich will ihm keine Blößen geben, wo er mich verletzen könnte. Ich will mich vor Vergebungen hüten, öffentlich, und im Verborgenen. Seyd ohne Tadel, und lauter, und Gottes Kinder, unsträflich mitten unter dem verkehrten Geschlecht. Phil. 2 , 16. Ich handle vorsichtig und redlich bey denen, die mir zugchören, und wandle treulich in meinem Hause. Ich nehme 277 mir keine böse Sache vor. Ps. 101 , 2, 3. Wer ist, der gut Leben begehret, und gern gute Tage häM? Behüte deine Zunge vor Bösem, und deine Lippen, daß sie nicht falsch reden. Laß vom Bösen, und thue Gutes, suche Frieden, und jage ihm nach. Ps. 3^, 13—15. Wer ist, der euch schaden könnte, so ihr dem Guten nachkommet. 1 Petri 3, 13. 8. So will ich mich durch Sanftmuth räche», An ihm das Gute sehn, Und dieses Gute von ihm sprechen; Wie könnt er länger schmäh«. Edel ist es niemand betrüben; edler sich im Wohlthun üben; doch am edelsten auch Feinde lieben. Redet Vortheilhaft von eurem Verleumder. Schweiget von seinen Vergehungen, so lange euch höhere Verpflichtungen erlauben zu schweigen. Rechtfertiget ihn gegen jede Anklage, wo ihr ihn mit gutem Gewissen rechtfertigen könnet. Entschuldiget ihn, wo sein Fehler eine Entschuldigung leidet. Kaum wird -er Feind so schlimm seyn, daß er nicht auch seine gute Seite haben sollte. Suche diese kennen zu lernen, und lobe, was Lob verdient. So kann der Feind wohl noch dein Freund werden. Dann hättest du deinen Bruder gewonnen. Matth. 18, 15. Dann müßte dir der Feind das Zeugniß geben, wie Saul dem David: Du bist gerechter dann ich. Du hast mir Gutes bewiesen, ich habe dir Böses bewiesen. 1 Sam. 2^, 18. Laß -ich nicht das Böse überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Röm. 12 , 21 . L78 s. In seinem Haß ihn zu ermüden. Will ich ihm gern verzeih«, Und als ein Christ bereit zum Frieden, >, Bereit zu Diensten seyn. Wenn der Feind seinen Fehler einsieht und be- kennt, wenn er dem Beleidigten demüthig abbittet, so wird ihm wohl mancher großmüthig vergeben. Aber, wenn es dem Feinde gar nicht leid thut, i uns feindselig behandelt zu haben, wenn sich keine ! Spur von Reue über sein Betragen an ihm zeigt, ^ wenn er im Gegentheil entschlossen ist, seine Feindseligkeiten fortzusetzen, so wir- die Anzahl derjenigen nicht groß seyn, die einen solchen Feind immerfort, wie sich selbst, lieben, ihn segnen, ihm wohlthun, und für ihn beten werden. Und doch will Jesus eben dieß von uns haben, wenn er spricht: Liebet eure Feinde. Die Liebe soll dir andre Waffen in die Hand geben, als der Haß dem Feinde. Du sollst ihm Versöhnlichkeit, Friedfertigkeit, Dienst- fertigkeit entgegensetzen. Du sollst die Endigung der Feindschaft aufrichtig wünschen. Du sollst diese deine Gesinnung dem Feinde zu erkennen geben, und ihn zu gleicher Gesinnung geneigt machen. Du sollst billige Bedingungen zu Endigung des Zwistes anbieten, und auch einige etwas harte Bedingungen annehmen. Du mußt dich nicht schämen den ersten Schritt zu thun. Der Klügste giebt nach. Nicht sieben Mal, sondern siebenzig Mal sieben Mal sollst du deinem Bruder vergeben. Matth. 18 , 22. Jaget nach dem Frieden gegen jedermann. Hebr. 12, 1^. Nütze, diene auch dem Feinde, wo du kannst. Wir 27S alle sind eines Leibes Glieder. Ein Glied davon ist auch dein Feind. 10. Und wird er, mich zu untertreten, Durch Güte mehr erhitzt: Will ich im Stillen für ihn beten, Und Gott vertrau'«; Gott schützt. Die rohen Philister wurden durch Jsaks Sanft- mulh zu Freunden gewonnen. 1 Mos. 26 , 28. Saul wurde durch Davids verschonende Großmuth wenigstens zum Bekenntnisse seines Unrechts gebracht. Es sind nicht viele Unmenschen, in dem Grade, daß sie durch Menschlichkeit nicht noch sollten erweicht werden. Doch gesetzt der Feind sey unversöhnlich, gesetzt er möchte dein Glück und Leben in den Staub treten, so bete. Bete nicht wider, sondern für deinen Feind. Vergieb selbst dem Feind mit aufrichtigem Herzen, und rufe auch Gott an, daß er ihm seine Sünden vergeben, und ein besseres Herz schenken wolle. O was für ein rührender Anblick wäre es nicht in den Augen Gottes und aller Engel, wenn du von deinem Feinde, der dich eben beleidiget hat, stillschweigend weggiengest in dein Kämmerlein, und zum Vater im Himmel riefest: Vater, vergieb ihm, er weiß nicht, was er thut. Luk. 23, 3L Rechne ihm das Unrecht, das er mir zugefügt hat, nicht zur Sünde an. Apost. 7, 5y. Fahre fort ihm Gutes zu erzeigen, wie du ihm bisher erzeiget hast. Ich fürchte keinen Feind, denn Gott ist selbst mein Freund. 280 XI-IV. Das natürliche Verderben des Menschen. 1. Wer bin ich von Natur, wenn ich mein Innres prüfe? O wie viel Greu'l läßt mich mein Herze sehn! Es ist verderbt; darum verbirgt mirs seine Tiefe, Und weigert sich die Prüfung auSzustehn. Was ist der Mensch/ der sich selbst überlassen ist? Was müßte aus einem Menschenkinde ohne Auferziehung und Unterweisung werden? Welcher Bösewicht wird der Lasterhafte/ wenn er sich nicht bekehrt/ sondern vom Bösen zum Aergern fortgeht? Wer bin ich/ wenn ich meine Gesinnung recht genau und gewissenhaft erforsche? Ich entdecke Vieles in mir/ das nicht so seyn sollte/ ja Vieles das Gott zuwider ist/ das Abscheu verdient. Mein Herz ist verderbt und zum Bösen geneigt, es ist sündhaft, und hat sich seit den Tagen meiner Kindheit verschlimmert. Mein Herz ist wie ein Abgrund, dahin man nicht kommen kann. Wer kann das Herz ergründen? Jer. 17, 9. Mein Herz sucht Ausflüchte, wenn das Gewissen mein Betragen richten will. Es muß verderbt seyn, daß es die Prüfung fliehet. Wer Arges thut, der kommt nicht an das Licht. Jvh. 3, 20. 2 . Der Weisheit erster Schritt ist, seine Thorheit kennen; Und diesen Schritt, wie oft verwehrt mirs ihn.' Voll Eigenlieb' und Stolz will sichS nicht strafbar nennen, Der Reu entgehn, doch nicht den Fehler flieh». Die Weisheit will glücklich werden, und gebraucht die rechten Mittel, die zum wahren Glücke führen. 281 Die Thorheit will auch glücklich werden/ über sie gebraucht keine, oder unzureichende und verkehrte Mittel zum Glück. Der erste Schritt, den der Schüler der Weisheit zu thun hat, ist also der, er muß einsehen lernen, er habe sich in der Wahl der Mittel zu seinem Glücke geirrt. Aber oft verhindert mich mein Herz diesen Schritt zu thun. Mein Herz schätzet sich selbst zu hoch, und Andre zu geringe. Es will nie bekennen, daß es gefehlt habe, daß es schuldig und strafwürdig sey. Es möchte wohl den Vorwürfen des Gewissens über das begangene Böse entfliehen. Es will aber nicht das Mittel anwenden, um sich diesen Schmerz zu ersparen, es will nicht im Kleinen und Großen treu, vorsichtig, wachsam und gewissenhaft seyn. 3. Wahr ists, ich find' in mir noch redendes Gewissen, In der Vernunft noch Kenntniß meiner Pflicht. Ich kann mein Auge nie der Tugezz- ganz verschließen, Und oft scheint mir ein Strahl von ihrem Licht. Allerdings schläft und schweigt mein Gewissen nicht immer, ich vernehme oft seine Stimme. Ein innerlich Gefühl beurtheilt jede That, ermähnet, tadelt, warnet, und ist der Seele Rath. Ich besitze in meiner Vernunft eine.höhere Kraft zum Denken, die richtig unterscheidet, was ich thun und lassen soll. Ich bin nicht ganz blind, um das was anständig, was rechtschaffen, was rein, was liebenswürdig, was tugendhaft ist, nicht mit Wohlgefallen erkennen zu können. Oft trifft ein Strahl von der Majestät und Herrlichkeit der Tugend mein inneres Auge. 282 4. Doch schwaches Licht, das mir den Reiz der Tugend zeiget, Und vom Verstand nicht biS zum Herzen dringt! Vergebens lehret er, das Herz bleibt ungebeuger, Hat sein Gesetz, und folgt ihm unbedingt. Das Licht der Vernunft ist ein schwaches Licht, wenn es mir zwar den Werth, die Vortrefflichkeit, die Schönheit der Tugend zeiget, aber mit seinen Strahlen nicht das Herz erwärmt, daß das Herz lieb gewinne, was der Verstand als gut erkennt. Umsonst unterrichtet, versichert der Verstand, wenn das Herz hart, verstockt, fühllos und unempfindlich ist. Und dieß ist die Weise des menschlichen Herzens, bis es die göttliche Gnade erneuert, es folgt seiner Neigung mehr, als dem Rathe und Gebot der heiligen Pflicht. 5. Ein Richter in mir selbst stört oft des Herzens Ruhe; Er klagt mich an. Ich steh erschrocken still, Und billige nichr mehr das Böse, das ich thue, Und thue nicht das Gute, das ich will. Wenn schon kein Prophet Nathan zu mir kommt, mir wie dem David geheime Vergehungen vorhält, und zu mir spricht: Du bist der Mann, der dieß Unrecht gethan hat. 2 Sam. 12, 7. Wenn mich auch kein Apostel Paulus mit einer Predigt von der Gerechtigkeit, von der Keuschheit, und vom zukünftigen Gericht, erschreckt, Apost. 2^, 25, so stört doch das Gewissen, durch seine Urtheile, die Ruhe des Herzens, es klagt mich als Sünder an; ich besinne mich; ich kann das begangene Böse nicht entschuldigen, und thue doch das Gute nicht, wie ich es mir vorsetze. 28Z 6. Verstellung / die ich doch an meinem Nächsten hasse/ Erlaub ich mir/ und halt e6 für Gewinn/ Wenn ich im falschen Licht mich Andern sehen lasse/ Und scheinen kann/ was ich mir selbst nicht bin. Ich verabscheue an meinen Nebenmenschen Verstellung/ Heuchelei) und Falschheit / alle äußern Handlungen/ die dem innern Zustand des Herzens widerspreche»/ und ihn verbergen sotten. Ich fordre von Andern Redlichkeit/ ich liebe in ihrem Betragen die Aufrichtigkeit. Wenn ich nun selbst mir gegen Andre verstellte Freundschaft und leere Versprechungen erlaube/ wenn ich mich in der erborgten Farbe der Unschuld zeige/ wenn ich Vortheile davon erwarte/ für etwas gehalten zuwerden/ wovon ich selbst weiß/ daß ich es nicht sey / bin ich denn nicht verkehrt/ muß ich denn nicht meine eigne Falschheit verabscheuen? 7. Ich weiß / daß der Besitz der Güter dieser Erden Der Seele nie das wahre Glück verleiht; Doch bleiben sie mein Wunsch; und um beglückt zu werden/ Erring ich mir die Last der Eitelkeit. Ich weiß es wohl/ daß Reichthum nicht Zufriedenheit mittheilt / und kenne den Spruch: Mancher ist arm bey großem Gut / und mancher ist reich/ bey seiner Armuth. Sprüchw. 13, 7. Und doch ist Reichthum mein höchster Wunsch/ und in der Meinung mich glücklich zu machen/ erwerbe ich mir/ mit beständiger Mühe/ eine Last/ die mich drückt/ einen eitlen Dunst/ der bald vergeht. Viele Christen wagen auf der Bahn der Tugend einen Schritt/ und sehn darauf nach ihren Lüste» / und nehmen ihre Lüste 284 mit. Beschwert mit diesen Hindernissen / weicht bald ihr träger Geist zurück; und auf ein sinnlich Glück beflissen, vergessen sie die Müh um ein unendlich Glück. 8. Ich weiß, wie groß eS sey, aus Ucberlegung handeln, Und handle doch aus sinnlichem Gefühl. Durch falschen Schein getäuscht, eil ich, ihm nachzu- wandeln, Und Leidenschaft und Irrthum steckt mein Ziel. Ich weiß, wie rühmlich es sey mit Vorbedacht und Klugheit handeln, und doch handle ich oft wie Kinder, oder gar wie Thiere, nach sinnlicher Begierde, nach dem in mir aufsteigenden Gelüst. Der Schein betrügt mich. Ich halte unvorsätzlich ein Ding für das andre. Ich gehe einem Irrlicht nach. Heftige Gemüthsbewegungen geben meinem Streben die Richtung. Wer ist weise und klug unter euch, der erzeige mit einem guten Wandel seineWerke. Jak. 3 , 13 . 9. Ein gegenwärtig Gut versäum ich zu genießen, Flieh, was mich sucht, und suche, was mich flieht; Im Glücke bin ich stolz, verzagt in Kümmernissen, Und ohne Ruh um Ruhe stetS bemüht. Das viele Gute, was schon da ist, versäume ich, aus Unachtsamkeit, Undank und Geiz zu genießen. Ich verachte wohlfeile Freuden, die man in jedem Stande genießen kann, wenn man Aufmerksamkeit auf die Werke Gottes in der Natur, und Gefühl für die Freundschaft guter Menschen hat. Ich suche theure Freuden, die mir mein Stand versagt, die sich nur die Reichen verschaffen können. Wenn es mir wohl- geht, so bin ich verwegen, gehet es mir nicht nach Wunsch, so werde ich muthlos. Ich erwerbe rastlos, 285 ich arbeite und spare, um zu genießen, und genieße doch nicht. So verkehrt und widersprechend ist mein Betragen 10. MrinNächstcr hat ein Recht auf viele meiner Pflichten; Doch wird dieß Recht so oft von mir entweiht. Versagt er mir die Pflicht/ so eil ich/ ihn zu richten; Und sein Versehn ist Ungerechtigkeit. Mein Nächster kann mancherley Pflichten von mir fordern. Ich bin ihm Liebe, Gerechtigkeit und Billigkeit, Wahrheit und Treue, Barmherzigkeit und Wohlthätigkeit, Freundlichkeit und Dienstfertigkeit, Geduld und Sanftmuth schuldig. Ich muß gestehen, daß ich diese Pflichten nicht nach ihrem ganzen Umfang erfüllt, und nicht selten verletzt habe. Wenn nun aber mein Nebenmensch eine dieser Pflichten gegen mich nicht beobachtet, so beurtheile ich ihn strenge. Jede Uebereilung wird als eine vorsätzliche Beleidigung angesehen. Warum siehest du den Splitter in deines Bruders Auge, bemerkest aber den Balken in deinem eigenen Auge nicht? Matth. 7, 3. 11. Nicht Liebe gegen Gott heißt mich dem Nächsten dienen, Mehr Eigenlieb' und niedrer Eigennutz. AuS ihnen fließt Betrug, Verstellung; und in ihnen Findt Neid und Haß, und Stolz und Härte Schutz. Ich soll den Nächsten lieben, weil so viele Wohlthaten Gottes durch Menschenhände gehen, weil er ein Kind Gottes und mein Bruder ist. Aber oft, wenn ich dem Nächsten diene, liebe ich nur mich selbst, es ist darauf abgesehen, -aß er mirs vielfach wieder gebe. Aus der niederträchtigen Denkungsart des Eigennutzes kommt der Betrug, welcher übervortheilet; der Neid, 286 welcher mißgönnt; der Haß/ welcher beleidigt; die Falschheit, die sich verstellt; der Stolz, der Andre verachtet; und die Härte, die sie mißhandelt. Für jede Ungerechtigkeit weiß der Eigennutz eine Entschuldigung. 12. Gott ehren ist mein Ruf. Wenn ich den Ruf betrachte, Was find ich da für Märigel meiner Pfiicht! Die Wunder der Natur, die Gort zu Lehrern machte, Stehn vor mir da, und diese hör ich nicht. Gotteserkenntniß erhebt die Menschen über das Thier. Religion ist des Menschen Bestimmung. Wenn ich an meinen Beruf, Gott zu verehren, gedenke, so finde ich bey mir viel Versäumnisse meiner Pflicht. Die Werke der Allmacht, die Gottes Daseyn bezeugen, sind vor mir zur Schau aufgestellt, und ich würdige sie keiner Betrachtung, ich gehe gedankenlos Sey ihnen vorüber. Nur die Thoren sprechen in ihrem Herzen: Es ist kein Gott. Ps. l^i, 1 . Die Menschen sollen wissen, daß Gott sey; denn Gott hat es ihnen geossenbaret. Sein unsichtbares Wesen, seine ewige Kraft und Gottheit wird aus seinen Werken, nämlich aus der Schöpfung der Welt erkannt. Röm. l, 29. 13. Und heißt ihr Anblick mich auf seine Weisheit schließen, Auf Güt' und Macht: so schließt nur mein Verstand. DaS Herz bleibt ungerührt, betäubt bleibt daS Gewissen, Und Gott, mein Herr und Vater, unbekannt. Wenn der Anblick der Wunder der Natur mich auf den Gedanken führet, der muß allweise, höchst gütig und aller Dingen mächtig seyn, der dieß alles hervorgebracht, uns geschenkt und zum Nutzen der Menschen eingerichtet hat, so schließt nur mein Ver- 287 stand: so ists, so muß eS seyn. Das Herz wird nicht gerührt zum Dank, das Gewissen ist betäubt und seiner Empfindung beraubt/ und Gott/ mein Herr und Vater, unbekannt/ ungeliebt/ ungepriesen. 14. Er schenkt mir so viel Guts. Gebrauch ich seine Güte Zu meinem Glück; und geb ich ihr Gehör? Nein, durch den Mißbrauch selbst verschließ ich mein Gemüthe Der Dankbarkeit und Liebe desto mehr. Gott schenkt mir unendlich viel Gutes, damit ich zufrieden und glücklich sey, damit ich andern da» von mittheile, und den himmlischen Geber verehre und liebe. Aber ich wende die Wohlthaten Gottes nicht zu dieser Absicht an. Ich achte nicht auf das, was mich die Güte Gottes lehren will. Ich mißbrauche oft die Gaben Gottes dergestalt, daß sie, anstatt zu nützen, mir und andern schädlich werden. Daher kommt es, daß die Dankbarkeit sich nicht zeigen kann, und sogar meinem Herzen fremd bleibet. 15. Oft sagt mir mein Verstand, daß des Allmächt gen Gnade DaS größte Gut, der Trost des Lebens ist, Und welche Schulden ich auf mein Gewissen lade, Wenn sie mein Herz für Menschengunst vergißt! Der Verstand lehrt mich, den allmächtigen Herrn meines Lebens zum Freunde und zum Vater zu haben, das müsse unter allen Gütern das größte seyn. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nicht nach Himmel und nach Erde. Ps.73, 25. Doch ziehe ich mir, als wie vorsätzlich Reue zu, und vernachlaßige die Gnade Gottes, damit ich mir Menschen gewogen mache, oder mir nicht den Spott, den Tadel, den Widerstand der Menschen zuziehe. 288 16. Unddoch, o Gott! wie oft geb ich dieß Glück der Seelen, Dir werth zu seyn , für kindischen Gewinn, ^ Für einen Ruhm der Welt/ für Lüste, die mich quälen, Für Eitelkeit, und für ein Nichts dahin! Ich bin so thöricht, das wahre Glück, die Ueberzeugung von Gott geliebt zu seyn, zu verkaufen für Kleinigkeiten, für Schmeicheleyen, für Lüste, die mit Schmerz erkauft werden müssen, für Fleischeslust, Augenlust und Hvffarth des Lebens, für etwas Vergängliches, für etwas das keinen Werth hat, für etwas das mir sogar verderblich ist. 17. Gott ist der Herr der Welt; auf seine Hülfe bauen, Ist meine Pflicht. Doch, wenn gehorch ich ihr? Bald bebt mein Herz vor Furcht, und bald ist daS Vertrauen, Das mich beseelt, nur ein Vertrau'» zu mir. Auf Gott sollte ich mein Vertrauen setzen. Ich sollte sprechen: Meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Ps. 121. Ich sollte getreulich das Meinige thun, und denn den Segen von Gott erwarten. Allein bald ist mein schwaches Herz verzagt, und bald ist es stolz und trotzig, es hegt eine große Meinung von meiner Kraft und Geschicklichkeit. Ich ziehe mein Vertrauen von Gott ab, um es auf mich selbst zu setzen. Wer sich auf seinen Verstand verläßt, ist ein Thor. Sprüchw. 29, 26. 18. Dieß ist des Menschen Herz. Wer hat dieß Herz verheeret? So kam eö nicht, o Gott! aus deiner Hand. DerMensch durch eigne Schuld hat seineWürd' entehret; Und beydeS fiel, sein Herz und sein Verstand. 289 So verkehrt und verderbt ist das Herz des Men- scheu. Es kam nicht so aus der Hand des Schöpfers, denn Gott hat den Menschen nach seinem Bilde ge. schassen. Der Mensch hat sich selbst seiner Zierde beraubt, er hat selbst Gottes Bild entstellt und verdunkelt. Er wurde ein Sünder; er fiel; der Verstand fiel in Jrthum, das Herz fiel in die Neigung zum Verbotenen. 19. Doch so verderbt wir find, so schwach, uns selbst zu / heilen; So fteuret Gott doch der Verdorbenheit, Läßt durch sein heilig Wort uns neue Kraft ertheilen, Licht der Vernunft, dem Herzen Reinigkeit. Die Kranken bedürfen des Arztes, sie sind unvermögend ihre Gesundheit selbst herzustellen. Die Verdorbenheit der Menschen ist so groß, daß eine höhere, allmächtige Hülfe nöthig ist, um uns daraus zu retten. Wirklich will Gott dem sittlichen Verderben Einhalt thun. Er will nicht den Tod des Sünders, darum gab er uns Sündern einen Heiland. Gott will durch sein Wort und Geist die Menschheit erneuern, den Verstand erleuchten, das Herz reinigen. 20 . Und du willst dicser Kraft, o Mensch! dich widersetzen? Sie beut sich an, du aber wehrest ihr? Und willst des größten Glücks dich selber unwerth schätzen? Erkenne Gott, noch steht dein Heil bey dir! Empöre dich nicht gegen die wohlthätige Kraft, die dir Hülfe verspricht. Laß dich leiten. Schlage das Glück nicht aus, das dir dargeboten wird. Erkenne doch, wie gut es Gott mit dir meint. Du kannst 19 296 noch gerettet werde»/ und ganz glücklich seyn, wenn du nur willst. Es kommt jetzt alles auf deine Ent« schließung an. Ich nehme Himmel und Erde heute über euch zu Zeugen. Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt/ daß du das Leben er« wählest. Daß ihr den Herr»/ euren Gott liebet/ und seiner Stimme gehorchet/ und ihm anhanget. Denn das ist dein Leben, s Mos. 30 , 19, 20. XI.V. Wider den UebermuLH. 1. Was ist mein Stand, mein Glück, und jede gute Gabe? Ein unverdientes Gut. Bewahre mich, 0 Gott, von dem ich Alles habe, Vor Stolz und Uebermnlh. Der Stand der Reichen und Vornehmen ist hoch. Der Stand der Bauern und Handwerker heißt Mittelstand. Der Stand der Armen ist niedrig. Wenn man Güter erbet, oder im Handel Geld gewinnst so Heißt man es ein Glück. Mein Stand, in dem ich lebe, mein Glück, das ich genieße, ist eine Gabe und ein Geschenk Gottes. Ich habe so viel Gutes gewiß nicht verdient. Gott giebt uns mehr als wir ver. dienen. Was hast du, Mensch, das du nicht empfan- gen hast? So du es aber empfangen hast, was rühmest du dich des, als der es nicht empfangen hätte. 1 Kor. 7 . Bewahre mich, 0 Gott, vor dem Stolz, denn die Schrift sagt: Wer zu Grunde gehen soll, der wird zuvor stolz, und stolzer Muth kommt vor dem Fall. Sprüchw. 16 , 18 . Hochmuth thut nimmer gut, und kann nichts denn Arges daraus erwachsen. Sirach 3 , 30. 291 2. Wenn ich Vielleicht -er Welt mehr als mein Nächster nütze; Wer gab mir Kraft dazu? Und wenn ich mehr Verstand/ als er besitzt/ besitze; Wer gab mir ihn/ als du? Ein träger Müßiggänger, ein fauler Tagedieb nützt seinem Nebenmenschen nichts. Die Welt ver- verliert nichts, wenn ein solcher stirbt. Ich will etwas Rechtes lernen, damit ich durch meine Arbeit -er Welt nütze, und ein brauchbares Mitglied der menschlichen Gesellschaft werde. Das ist meine Pflicht und Schuldigkeit; denn dazu gab mir Gott gesunde Glieder, Kraft und Fähigkeit, Kopf nnd Verstand. Einige Menschen haben wenige Gaben empfangen. Es fällt ihnen schwer etwas zu fassen und zu begreifen, zu lernen und zu behalten. Andre Menschen haben einen hellen Verstand, und ein treues Gedächtniß. Wenn ich mehr Verstand habe, als andre Leute besitzen, so soll ich Gott demüthig dafür danken, mehr als andre lernen, und den Verstand nur zum Guten anwenden. Wenn mir ein größer Glück, als ihn erfreut, begegnet; Bin ich dein bcßrer Knecht? Giebt deine Giftigkeit, die mich vor Andern segnet, Mir wohl zum Stolz ein Recht? Wer den Willen Gottes am beßten ausrichtet, der ist der treuste Knecht Gottes. Wenn ich viel habe, so bin ich darum nicht besser. Wenn mein Nächster weniger hat, so ist er deßwegen nicht schlechter. So spricht der Herr: Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich 292 nicht seiner Stärke/ ein Reicher rühme sich nicht seines Reichthums. Jerem. 9/ 23. Abraham war reich / und Gottes Güte hatte ihn vor Andern mit Uebcrfltlß gesegnet. Aber er blieb in der Demuth und betete: Ich habe mich unterwunden mit dir/ o Gott/ zu reden/ der ich Staub und Asche bin. 1 Mos. >8, 27. David wurde ein mächtiger König/ aber er blieb in der Demuth/ und betete: Was bin ich/ Herr/ und was ist mein Haus/ dast du mich so weit gebracht hast? 2 Sam. 7, 18. 4. Wenn ich, geehrt und groß/ in Würden mich erblicke; Gott/ wer erhöhte mich? Ist nicht mein Nächster oft/ bey seinem kleinern Glücke/ Viel würdiger/ als ich? Wem Vieles anvertrauet ist/ wer Aemter ver« waltet/ und Würden bekleidet/ der ist hoch/ und man erzeiget ihm Ehre. Andre sind gegen ihn niedrig. Das kömmt von Gott. Er erhöhet/ und erniedriget. Unter den Niedrigen und Armen giebt es Leute/ die beten und Gott vertraue»/ die arbeiten und sparen, die sich ehrlich ernähren, und ihre Kinder zum Guten erziehen. Diese sind eines größer» Glückes werth, und würdiger, als viele Reiche. . 5. Wie könnt ich mich/ o Gott! des Guten überheben/ Und meines schwachen Lichts? WaS ich besitz ist dein. Du sprichst.' so bin ich Leben; Du sprichst! so bin ich nichts. Auf schöne Leibesgesialt, auf Kleiderpracht, oder auf das Geld soll ich mir nichts einbilden. Wegen meiner Geschicklichkeit und meinem Verstand will ich mich nicht überheben. So lange ich irre und fehle, will ich in -er Demuth wandeln. Ich war einmal nicht. Der Schöpfer wollte, -aß ich sey, und ich ward. Durch deine Hand, Herr, bin ich, was ich bin. So bald Gott es will, werde ich sterben. Als sterblicher Mensch will ich in Demuth leben. 6. Von dir kömmt das Gedcihn, und jede gute Gabe Von dir, du höchstes Gut! Bewahre mich, o Gott, von dem ich Alles habe, Vor Stolz und Uebermuth. Alle gute Gabe kommt von oben herab, von dem Vater -es Lichts. Gott ist das höchste Gut, der Ursprung alles Guten. An Gottes Segen ist Alles gelegen. Bete: Segne, Vater, meinen Fleiß. So spricht der Hohe und Erhabene: Ich wohne in der Höhe und im Heiligthum, und bey denen, die demüthigen Geistes sind. Jes. 57, 15. XI.VI. Warnung vor der Wollust. Die Religion warnet vor der Wollust, sie lehret dieses Lasier sey für den Leib und für die Seele schädlich, ja verderblich, wir sollen sie daher mit allem Ernste meiden und fliehen. i. Der Wollust Reiz zu widerstreben, Dieß, Jugend, liebst du Glück und Leben, Laß täglich deine Weisheit seyn. Entflieh der schmeichelnden Begierde; Sie raubet dir des Herzens Zierde, Und ihre Freuden werden Pein. Die, welche dem Reiz zur Sünde folgen, sind thöricht. Durch Schmerz erkauft ist Wollust viel zu 294 theuer. Die, welche dem Reiz zur Sünde widerstehen, find weise. So handelte der fromme und keusche Jüngling Joseph. Er riß sich los von dem Weibe, welches ihn zur sündlichen Wollust reizte und sprach: Wie sollte ich ein so großes Uebel thun und wider den Herrn meinen Gott sündigen, i Mos. 39, 9. Dieser Jüngling liebte und erlangte Glück und Leben. Er bewahrte seine Unschuld und Reinigkeit und wurde glücklich. Ein Schmeichler sagt uns, was wir gerne hören. Die Begierde sagt uns, die Unkeuschheit werde uns nicht schaden, aber sie lügt. Wir sollen ihr kein Gehör geben, sollen ihr entfliehen. Die ttn- keuschheit raubet uns die Zierde, den schönsten Schmuck des Herzens, die Unschuld. Sie giebt zwar Freuden, aber nur kurze Freuden, und diese Freuden verwandeln sich in die Pein -er Reue und des bösen Gewissens. 2. Laß, ihr die Nahrung zu verwehren, Nie Speis' und Trank dein Herz beschweren, Und sey ein Freund der Nüchternheit- Versage dir, dich zu besiegen, Auch öfters ein erlaubt Vergnügen, Und steure deiner Sinnlichkeit. „ Wer mäßig lebt, weiß, was er thut, und die vernünftige Seele regiert seinen Mund, und alle seine Glieder. Wer unmäßig ißt und trinkt, ist nicht mehr Meister über sich. Die böse Begierde wird stärker.als sein Verstand. Er wird ausgelassen, unbändig, zu» gellos, wild und frech. Gebet auf euch selbst Acht, daß nicht durch Schwelgerey und Trunkenheit eure Gemüther belastet werden. Luk. 21, 3^. Berauschet euch nicht mit Wein, das führt zu Ausschweifungen. 295 Ephes. 5, 13. Ich soll nicht alles thun, was mich gelüstet, wie die Thiere. Ich darf mir ein Vergnügen zur Erholung erlauben, aber wenn ich darüber eine Pflicht versäume, so soll ich es mir versagen. Wir haben fünf Sinne: das Gesicht, das Gehör, den Geruch, den Geschmack und das Gefühl. Durch diese fünf Sinne genießen wir viele Freuden. Aber einige Freuden sind sündlich. Darum müssen wir nicht immer thun, was die fünf Sinne verlangen, sondern unsrer Sinnlichkeit wehren und steuren. Laß nicht dein Auge dir gebieten; Und sey, die Wollust zu verhüten, SterS schamhaft gegen deine» Leib. , 1, Entflieh deS WitzlingS freyen Scherzen, Und such im Umgang edler Herzen Dir Beyspiel, Witz und Zeilvertrieb. Das Auge verlangt das Schöne. Aber wer schön von Angesicht ist, der ist nicht allemal treu, fromm, und gut von Herzen. Absalom war schön, aber böse und lasterhaft. Wir sollen uns niemals auch nicht vor unsern Hausgenossen auf eine unanständige Weise entblößen. Die Schamhafttqkeit ist die Wächten» der Keuschheit. Viele sind au Sonntagen aus Hoffart, an Werktagen aus Nachläßigkeit recht ärgerlich gekleidet. Der Witzling will andre mit seinem Witze belustigen. Dieß verleitet ihn oft zu Reden, die andre ärgern. Schamloses Gerede dürfet ihr euch nicht erlauben. Ephes. 5, Bey frechen Menschen kann man auch frech und ausgelassen werden. Bey sittsamen, stille», eingezogenen Menschen wird oder bleibt man reut und gut. Sage du mir, mit wem du um- 296 gehst/ so will ich dir sage»/ wer du bist. Edle/ tugendhafte Menschen geben dir gute und nachah- mungswürdige Beyspiele. 4. Der Mensch/ zu Fleiß und Arbeit träge/ Fällt auf des Müßigganges Wege Leicht in das Netz des Böseivichts. Der Unschuld Schutzwehr sind Geschäfte; Entzieh der Wollust ihre Kräfte Zm Schweiße deines Angesichts. Man fängt die Böget und die Fische mit ausgespannten Netzen/ worein sie stiegen oder schwimmen. Aber weim schon Tausende in Netzen gefangen werden/ so werden die andern doch nicht klüger. Wenn Andre beym Müßiggänge verführt worden sind/ so sollen wir uns warnen lassen. Müßiggang ist aller Laster Anfang. Durch Nichtsthun lernen die Menschen Böses thun. Was stehet ihr hier den ganzen Tag müßig? Matth. 20 ,7. Was steht ihr am Wege so müßig und träge? Munter zur Arbeit / ihr Schwestern und Brüder. Bey der Arbeit/ wenn wir die Geschäfte unsers Berufes zu Hause oder auf dem Felde verrichten/ werden wir zu nichts Böses verführt/ und bleiben unschuldig. Die Schanze dient zur Sicherheit der Stadt gegen die Feinde/ und die Arbeit dient zur Schutzwehr der Unschuld gegen die Verführer. Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brod essen. 1 Mos. 3, 19 . Deine Kraft gehört der Arbeit und nicht der Wollust. 5. Erwacht ihr Trieb/ dich zu bekämpfen/ So wach auch du, ihn früh zu dämpfen/ Eh er die Freyheit dir verwehrt. 297 Ihn bald in der Geburt ersticken, Ist leicht; schwer istü, ihn unterdrücken, Wenn ihn dein Herz zuvor genährt. Bey dem Kinde schläft noch der Trieb der Wollust. Bey der erwachsenen Jugend erwacht er. Sobald der Trieb erwacht, so muß man ihn mit den Waffen der Tugend und Religion bekämpfen. Wenn man diesen Trieb duldet, und befriediget, so ist man nicht mehr frey, man kann nicht mehr thun, was man will, man wird der Sünde Knecht, und ihr Sklav. Ioh. 8, 3^. Wenn der Trieb zur Wollust entsteht, so ist er noch schwach, alsdenn kann man ihn leicht ersticken. Wenn unser Herz diesem Trieb zur Wollust Nahrung giebt, so wird er stark, und wächst, und dann ist es schwer ihn auszurotten, oder zu unterdrücken. Die Arbeit ist ein kräftiges Mittel, diesen Trieb zu unterdrücken. Willst du das Böse überwinden, so laß dich niemals müßig finden. 6. Oft kleiden sich des Lasters Triebe In die Gestalt erlaubter Liebe, Und du erblickst nicht die Gefahr. Ein langer Umgang macht dich freyer, Und oft wird ein verbotnes Feuer AuS dem, was Anfangs Freundschaft war. Gott hat aus weisen Ursachen zwey Geschlechter unter den Menschen erschaffen. Er hat die Ehe selbst angeordnet, damit das Menschengeschlecht fortgepflanzt, und unsterbliche Seelen durch eine gute Erziehung von den Eltern zum Himmel vorbereitet werden. Die Liebe, welche die Ehe stiftet, ist daher erlaubt; aber nicht eher, als bis man im Stande 1 298 ist Sie Pflichten eines Hausvaters oder einer Hausmütter^» erfüllen. Der Umgang mit Personen des andern Geschlechts kann sehr leicht auch für gute Menschen verführerisch und gefährlich werden. Er soll daher nur unter den Augen der Eltern und Verwandten, und nie in einsamen Kammern Statt finden. Hinweg mit den Werken der Finsterniß, . und angethan die Rüstung des Lichts. Anständig, wie es am Tage fich ziemet, lasset uns leben, nicht in Nachtschwärmer!, nicht in Unzucht. Röm. 13,12,13. 7. Dein fühlend Herz wird fichS verzeihen; ES wird des Lasters AuSbruch scheuen, Indem eS seinen Trieb ernährt. Du wirst dich stark und sicher glauben, Und kleine Fehler dir erlauben, BiS deine Tugend sich entehrt. Man wird nicht auf einmal gut, und nicht auf einmal böse, sondern nach und nach. Der Dieb und der Unkeusche fangen bey kleinen Sünden an, und hören bey schweren Vergehen auf. Gott verbietet nicht nur unkeusche Thaten, sondern alles, was den Menschen dazu reizen kann. Man soll im ledigen Stande und im Ehestand keusch und züchtig leben. Der Unkeusche lebt als wie ein Heide und nicht als lvie ein Christ, oder als wie eine Christin. Es find schon Tausende, die so verständig als ich waren, verführt worden. Ich will daher stets klug und vor- stchtig, ich will wachsam und auf meiner Hut seyn. Halte nichts für eine Kleinigkeit, was nur im Geringsten wider die Ehrbarkeit ist. Denke ja nicht, nur dieses will ich thun, sonst nichts anders. Oder nur diesesmalund dann nicht mehr. O du würdest immer verwegener werden/ rmd immer tiefer und tiefer in die größten Laster hineinkommen. Wenn -u audre fallen siehst/ so spotte nicht. Laß es dir viel' mehr zur Warnung seyn. Lerne Demuth/ erkenne deine Schwachheit/ habe Mitleid. Hoffart geht vov dem Fall. 8. Doch nein/ du sollst sie nicht entehren, Du sollst dir stets die That verwehren; Ist drum dein Herz schon tugendhaft? IstS Sünde nur/ die That vollbringen? Sollst du nicht auch den Trieb bezwinge«/ Nicht auch den Wunsch der Leidenschaft? Wer dir schmeichelt/ der meinls nicht redlich mit dir/ der verachtet dich als ein eitles Geschöpf/ verachte auch du ihn. Wenn dir ein muthwilliger Mensch etwas verspricht/ so betrügt er dich. Er wird nicht Wort halten; er hat das nämliche schon vielen versprochen. Was kannst du von einem Menschen erwarten/ der Gott nicht fürchtet? Wie kann er dir den Verlust deiner Ehre und Tugend ersetzen / die er dir durch sein Versprechen rauben will? Doch es ist nicht genug/ daß du eine That unterläffest, die dir Ehre und guten Namen kosten würde. Es gehört vielmehr dazu um rein und keusch/ um fromm und tugendhaft zu seyn. Es soll nicht die geringste Lust oder Gedanken gegen Gottes Gebot in unser Herz kommen. In einem Christen sollen die bösen Lüste des Fleisches nicht regieren. Geliebte / ich bitte euch / enthaltet euch der sinnlichen Lüste/ welche wider die Seele strchcn. iPrtri 2 , 11. 1 Z00 9. Begierden sind es, die lins schänden, Und ohne daß wir sie vollenden, Verletzen wir schon unsre Pflicht; Wenn du vor ihnen nicht erröthcst, Nicht durch den Geist die Lüste tobtest; So rühme dich der Keuschheit nicht! Die Menschen wissen freylich nicht, was wir denken, wünschen und begehren. Aber -er allwissende Gott weiß es. Herr, du erforschest mich, und kennest mich. Leg ich mich, steh ich auf, du weißt es; von ferne prüfst du, was ich denke. Ps. 13s. Gott sieht nicht auf die That allein, er sieht auch auf den Willen; ob er rein, oder unrein, gut oder böse sey. Wer nur eine Person des andern Geschlechts ansieht mit der Begierde verbotenen Umgang mit ihr zu haben, ist vor Gott unkeusch. Malth. 5, 28 . Wenn uns etwas unanständiges und unsittliches in den Sinn kommt, so sollen wir uns vor Gott und uns sechsten schämen, und darüber schamroth werden. Wir sollen durch den Geist und durch die Religion die Lüste des Fleisches ertödten. Sind die Gedanken und Begierden einmal böse, so ist es auch der ganze Mensch, denn das Herz gießt die Sünde in den ganzen Menschen, wie das Blut in den ganzen Leib aus. 10. Erfülle dich, scheinst du zu wanken, Oft mit dem mächtigen Gedanken: Die Unschuld ist der Seele Glück. Einmal verscherzt und aufgegeben, Verläßt sie mich im ganzen Leben, Und keine Reu bringt sie zurück. Mancher junge Mensch wanket, wenn ihn die Sünder locken. Er weiß nicht, ob er seinem Lehrer 301 und seiner Bibel, oder dem Verführer glauben soll. Er stehet am Scheidewege, und ist unentschlossen, ob er auf dem Weg der Tugend, oder auf dem Weg des Lasters wandeln will. Menschen, die ihren Lüsten dienen, verführen durch Schmeicheley und schöne Worte die Herzen der Arglosen. Röm. 16, 18. Lasset euch niemand verführen, in keinerley Weise. 2 Thess. 2, 3. Glaube bösen Menschen nicht, die sagen, dieses oder jenes sey nicht Sünde, was doch wider die Ehrbarkeit ist. Sey vorsichtig und ernsthaft, wenn sich dir ein Verführer, ein böser Mensch nähert. Widersteh gleich anfangs mit ganzem Ernste. Flieh, reiß dich los. Deine Ehre und Unschuld soll dir werther seyn, als -ein Leben. Wer unschuldig lebt, der lebt sicher. Sprüchw. 10 , y. Viele Mädchen sind zu sehr und zu voreilig auf ihre Versorgung durch Heirath bedacht, und werden eben deßwegen unversorgt bleiben, weil sie unrechte Mittel anwenden. Führe dich gut auf, und laß fürs übrige Gott ssorgen, er sorgt gewiß auch für dich. Das ist der Wille Gottes, daß ihr heilig werdet, daß ihr der Unzucht euch enthaltet, und jeder darauf sehe, daß er seinen Leib unbefleckt und in Ehren halte. 1 Thess. ^1, 3, Begieng ich einmal eine Sünde wider die Reinigkeit, so würde ich sie durch keine Reue widerrufen, oder ganz austilgen können. Der Leichtsinn raubt im Augenblick, uns oft des Herzens Ruh und Glück, und läßt dann Reu und Gram zurück, drum wachet über euer Glück. O wacht, ihr Lieben, wacht. 11. Tenk oft bey dir: der Wollust Bunde Sind nicht nur dem Gewissen Schunde, Sik find auch vor der Nett ein Shoit. Und könnt ich auch in Finsternissen Den Grcn'l der Wollust ihr verschließen: So sieht und findet mich doch Gott. Die Sünde führet den ttnkeuschen an eisernen Fesseln gefangen herum. Wisset ihr nicht/ daß ihr Knechte desjenigen seyd/ in dessen Dienst ihr euch begebet. Rom. 6 / 16 . Daß diese Sklaverey schändlich sey/ kann das Gewissen des Unreinen nicht ^b» leugnen. Die Unkeuschheit gereicht dem Jüngling auch vor -er ganzen ehrbaren Welt zum Spott. Ein Jüngling/ der sich vergangen hat/ eine Tochter, die ihren Kranz verloren hat, finden selten Anlaß zu einer vortheilhaften Heirath, weil sie verachtet find. Der Unzüchtige giebt den Fremden seine Ehre unfeine Jahre den Grausamen. Fremde sättigen fich von seinem Vermögen und seine Arbeit ist in eines andern Hause. Hernach muß er seufzen, wenn er seinen Leib und Gut verzehret hat, und sprechen: Ach, wie habe ich die Zucht gehastet, und mein Her» die Strafe verschmähet, und habe nicht gehorchet der Stimme meiner Lehrer, und mein Ohr nicht genciget zu denen, die mich lehreten. Ich bin schier in alles Unglück gekommen vor allen Leuten, und allem Volk. Sprüchw. 5 , 9—1^. Wehe denen, die verborgen seyn wollen vor dem Herrn, ihr Vornehmen zu bet« hehlen, und ihr Thun im Finstern halten, und frechen : Wer siehet uns ? und wer kennet uns? Jes. 29, 15 . 12. Die Wollust kürzt des Lebens Tage, Und Seuchen werde» ihre Plage, Da Keuschheit Seil und Leben erbt. Ich will mir dieß-ihr Glück erwerbe«,, Den wird Gott wiederum verderben, sj Der seinen Tempel hier verderbt. Die Unzucht hat viele blühende Jünglinge und Jungfrauen, welche die Lust ihrer Elteru waren, in ein frühes Grab gestürzt. Viele Unzüchtige tragen ein kraftloses Leben zur Schau, und wandeln abgezehrt wie Schatten, wie Todtengerippe herum. Die Keuschheit erhält die Gesundheit des Leibes und der Seele. Mein Kind, vergiß meines Gesetzes nicht, und dein Herz behalte meine Gebote. Denn sie wer. den dir langes Leben, und gute Jahre, und Frieden bringen. Sprüchw. 3, 1, 2. Ich will keusch und züchtig leben, dann wird meine Jugend und mein Alter glücklich seyn. Der Unzüchtige sündigt an sei« nem Leib, darum erntet er die Früchte der Unzucht zuerst an einem siechen, häßlichen, kraftlosen und geschändeten Körper ein. Wie blühte nicht dcS Jünglings Jugend, Doch er vergaß den Weg zur Tugend , Und seine Kräfte sind verzehrt. 4 Verwesung schändet sein Gesichte, Und predigt schrecklich die Geschichte T>er Lüste, die den Leib verheert. , Es war einmal ein'wohlerzogener Jünglinge schön von Gestalt und Angesicht. Er blühete lieblich?» wie eine Blume im Garten. Man hoffte er werde ein geschickter und rechtschaffener Mann werden. Aber man irrte sich. Er gerieth in böse Gesellschaft. Er wurde verführt, und bald selbst ein Verführer. Da wurde er schwach, und kränklich, und blaß, und 301 glich einer verdorreten Blume. In Krankenhäusern und Spitälern kann man lernen, wie schrecklich schon in dieser Welt die Strafe eines unzüchtigen, lieber- lichen Lebens sey, und was darauf zuletzt für schreckliche Krankheiten und schmerzhafte Plagen folgen. Manche Leute würden nicht einen so frühzeitigen und elenden Tod leiden dürfen, und manche Alte würden nicht gekrümmt und gelähmt mit den schwersten Plagen des Alters beladen seyn, wenn ste sich vor den Sünden der Wollust gehütet hätten. 14 . So rächt die Wollust an den Frechen Früh oder später die Verbrechen, Und züchtigt dich mit harter Hand. Ihr Gift wird dein Gewissen quälen; Sie raubet dir das Licht der Seelen Und lohnet dir mit Unverstand. Die Unkeuschheit ist nicht nur etwa ein kleiner Fehler, sondern ein schweres Vergehen. Sie ist von Gott vermaledeit. Er will sie strafen hier und dort. Wenn die ganze Strafe nicht sogleich erfolgt, so bleibt sie doch nicht aus, wofern sich der Mensch nicht bessert. Bedenket daß jeder Unkeusche von allem Antheil an dem Reiche Gottes ausgeschlossen ist. Ephes. 5, 5. Unzucht ist ein langsames, aber tödliches Gift. Es ist eine Qual, wenn man,zu sich selbst sagen muß, ich bin an meinem Unglück Schuld. Die Unzucht raubet der Seele das Licht des Verstandes. Ein Wollüstiger verliert mit der verschmelzten Lebenskraft das Gedächtniß, und die Vernunft sinkt zu einer beynahe viehischen Dummheit herab. 15 . Sie raubt dem Herzen Muth und Stärke, Raubt ihm den Eifer edler Werke, Den Adel, welchen Gott ihm gab; Und unter deiner Lüste Bürde Sinkst du von eines Menschen Würde Zur Niedrigkeit des Thiers herab. Der keusche Jüngling hat zur Arbeit Kraft, und in der Gefahr Muth. Nützliche Werke unternimmt er mit Eifer, und setzet sie mit Fleiß fort. So beweiset er, daß er göttlichen Geschlechtes sey. Die Wollust raubt dem Menschen diesen Adel, diese Vorzüge. Das Göttliche verschwindet bey einem solchen Elenden, nur das Thierische bleibet. Der Mensch ist ein vernünftiges unsterbliches Geschöpf, erschaffen nach Gottes Bilde, das ist seine Würde. Er ist hoch und herrschet, und das Thier ist niedrig und dienet. Die Unzucht macht den Menschen zum Vieh, das alles thut, was es gelüstet, ohne sich zu schämen. 16 . Drum fliehe vor der Wollust Pfade, Und wach, und rufe Gott um Gnade, Um Weisheit in Versuchung an. Erzittre vor dem ersten Schritte; Mit ihm sind schon die andern Tritte Zu einem nahen Fall gethan. Fleuch die Lüste der Jugend. 2 Tim. 2,22. Entsaget den verderblichen Lüsten -er Welt. 2 Pet. 1,^. Fliehet die Unzucht. Alle Sünden, die der Mensch begeht, treffen nicht so unmittelbar seinen Körper; aber der Unzüchtige versündiget sich an seinem eignen Körper. 1 Kor. 6, 18. Fliehe vor der Sünde, wie vor einer Schlange; denn wo du ihr zu nahe kommst, so sticht sie dich. Sir. 21, 2. Fliehe die Buhlerin, daß du nicht in ihre Stricke fallest. Siehe nicht nach 20 306 -en Mägden, daß du nicht entzündet werdest gegen sie. Sir. 9, 3, 2. Bete um Bewahrung: Gott, Vater und Herr meines Lebens, behüte mich vor frechen Blicken, entferne von mir böse Begierden; bewahre mich vor Trunkenheit und Wollust, und laß mich nicht in Unverschämtheit gerathen. Sir. 23, 5. Wen» man einen Fein- in der Nähe hat, so wachet man, und wenn man sich nicht getrauet ihn allein zu besiegen, so sucht man Hülfe bey einem andern. So suche du, im Kampfe der Tugend mit der Wollust, im Gebete Hülfe bey Gott. Wenn du am Abhang eines Berges stehest, so kannst du dich bey dem ersten Schritte noch halten, wenn du willst. Aber, wenn du einmal angefangen hast zu laufen, so wirst du immer schneller laufen müssen, und immer weniger im Stande seyn stille zu stehen. So ist es auch, wenn man einmal dem Laster nachgegeben hat. Der Weg desselben gehet Berg ab. Jeder Schritt, den man vorwärts thut, erschwert das Stillestehen, und man stürzt immer tiefer hinab. Ist gleich die erste Sünde klein, die zweyte wird schon größer seyn. Und leider folget, leider, ach, die »weyle leicht der ersten nach. Xl,VII. Wider den Geiz. Sey sparsam, mache keinen Aufwand, ohne zu überlegen, ob das, was du ausgeben willst nöthig, ob es nützlich, ob es deinem Vermögen angemessen sey. Halte alles wohl zu Rathe, halte Ordnung in deinem Hauswesen. Gewöhne dich nicht an kostbare Speisen und Getränke, kleide dich nicht zu kostbar, vermeide A07 den Aufwand unnützer Gesellschaften, hüte dich vor Verzärtelung deines Leides; richte dein Leben so ein, daß du wenig zum Leben nöthig habest. Aber hüte dich vor dem Geiz, denn die Sparsamkeit kann leicht in Habsucht und Geiz ausarten. Der ist geizig, der die irdischen Güter um ihrer selbst willen liebt, anstatt sie anzusehen als Mittel, die ihm Gott gab, um vergnügt davon zu leben, und andern wohl zu thun. Fällt euch Reichthum zu, so hänget das Herz nicht daran. Ps. 62, it. Sehet zu, und hütet euch vor dem Geiz, denn niemand lebet davon, daß er viele Güter hat. Luk. t2, 1 S. i. Wohl dem, der beßre Schätze liebt, AlS Schätze dieser Erden! Wohl dem, der sich mit Eifer übt, An Tugend reich zu werden; Und in dem Glauben , deß er lebt, Sich über diese Welt erhebt! Glückselig ist der Mensch, der Wahrheit, Weisheit, Tugend mehr liebt, als irdische Güter, Waa- ren, Geld und Vorrath. Ihr sollt euch nicht Schatze sammeln auf Erden, da sie die Motten und der Rost fressen, und da die Diebe nachgraben und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel. Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz. Matth. 6 ,19, 20, 2t. Glückselig ist der Mensch, der sich mit Ernst und Anstrengung übt, reich zu werden an guten Werken, und den für sie aufgehobenen Belohnungen. Gebet gerne, seyd behülflich, wo ihr könnt, sammelt Schätze euch selbst einen guten Grund aufs Zukünftige, daß ihr ergreifet das ewige Lehen. 1 Tim. 6 , 308 18 , 19 , Glückselig ist der Mensch, der fich durch den Glauben, den er bekennt, leiten läßt, und sich vorn Sichtbaren zum Unsichtbaren erhebt. Der Gerechte wird seines Glaubens leben. Röm. 1, 17. Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. 1 Joh. 5, 2. Wahr ist eS, Gott verwehrt uns nicht, Hier Güter zu besitzen. Er gab sie uns, und auch die Pflicht, Mit Weisheit sie zu nützen. Sie dürfen unser Herz erfreu'«, Und unsers Fleißes Antrieb seyn. Gott verbietet uns freylich nicht auf Erden Güter zu erwerben, sie zu verwalten und zu vermehren. Reiche und Arme müssen unter einander seyn, der Herr hat sie alle gemacht. Sprüchw. 22 , 2 . Gott ist der Geber so vieler guter Gaben. Er will, daß wir sie mit Mäßigkeit genießen. Sie sollen uns laben, erquicken, ergötzen, erfreuen, sättigen. Ich sehe es für gut an, wenn man isset und trinket, und gutes Muths ist in aller Arbeit. Pred. 5, 7. Der Faule begehrt, und kriegts doch nicht, aber die Fleißigen kriegen genug. Sprüchw. 13, -ü. Wer seinen Acker bauet, wird Brod genug haben, wer aber dem Müßiggang nachgehet, wird Armuth genug haben. Sprüchw. 28, 19. z. Doch nach den Gütern dieser Zeit Mit ganzer Seele schmachten, Nicht erst nach der Gerechtigkeit Und Gottes Reiche trachten; Ist dieses eines Menschen Ruf, Den Gott zur Ewigkeit erschuf? ZÜS Geiz ist etwas ganz anderes als Fleiß und Sparsamkeit. Der Geiz ist ein sehnliches Verlangen, ein unersättlicher Hunger und Durst nach sichtbaren, vergänglichen Gütern. Wer Geld liebt, wird Geldes nimmer satt. Pred. 5 , 9 . Der Geiz ist Habsucht, er will haben um zu haben, er will immer mehr haben. Der Geizige macht es sich gewiß nie zur Hauptsache ein wahrer Christ zu seyn und selig zu werden, er denkt wohl erst zuletzt an seine höhere Bestimmung zur Unsterblichkeit, er lebt als ob er immer auf Erden leben sollte. Gott spricht zu dem reichen Sammler: Du Thor, diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; für wen wir- es dann seyn, was du gesammelt hast? So gehet es, wenn man bloß für sich Schätze sammelt, aber nicht reich ist bey Gott. Luk. 12, 20, 21. 4. Der Geiz erniedrigt unser Herz, Erstickt die edlern Triebe. Die Liebe für ein schimmernd Erz Verdrängt der Tugend Liebe, Und machet, der Vernunft zum Spott, Ein elend Gold zu deinem Gott. Der Geiz verderbt das menschliche Herz, er macht es niederträchtig, eigennützig, betrügerisch. Die Liebe für Gold und Silber nimmt in dem Herzen den Platz ein, den die Liebe für die Tugend hätte einnehmen sollen. Der Geiz ist eine Wurzel alles Uebels. 1 Tim. 6 , 10. Der Geiz macht, im Widerspruch mit der gesunden Vernunft, Gold, das nichts weiter als todtes Metall ist, zu seinem Gott, auf den er sein Vertrauen setzet. Ein frommer Mensch denkt: Der Herr ist deine 3L0 Zuversicht, der Höchste ist deine Zuflucht. Ps. 91,9. Aber der Geizige stellet Gold zu seiner Zuversicht, und zum Goldklumpen sagt er: Mein Trost. Hiob3i,2L 5. Der Geiz, so viel er an sich reißt, Läßt dich kein Gut genießen; Er quält durch Habsucht deinen Geist, Und tödtet dein Gewissen, Und reißt durch schmeichelnden Gewinn Dich blind zu jedem Frevel hin. Obschon der Geizige durch Gewalt oder unter dem Scheine des Rechten viel an sich reißt, so darf er doch es nicht genießen, er will nur sparen und aufbewahren. Mancher ist arm bey großem Gut. Sprüchw. 13,7. Das heftige Verlangen zu erwerben beunruhiget den Geist. Wachen nach Reichthum verzehret den Leib, und darum sorgen läßt nicht schlafen. Sir. 31, 1. Der Geiz lähmt das Gewissen, daß es sich dem Unrecht nicht widersetzen kann, er nöthiget den durch Hoffnung zeitlicher Vortheile verblendeten Menschen zu jeder Ungerechtigkeit. Wer Geld lieb hat, der bleibt nicht ohne Sünde; und wer Vergängliches sucht, der wird mit vergehen. Sir. 31, 5. Die da reich werden wollen, fallen in Versuchung und Stricke und viel thörichter und schädlicher Lüste, welche versenken den Menschen in's Verderben und Verdamm- niß. 1 Tim. 6, 9. Aus Geiz wurde Judas ein Verrather an seinem Herrn. 6. Um wenig Vortheil wird er schon AuS dir mit Meineid sprechen: Dich zwingen, der Arbeiter Lohn Unmenschlich abzubrechen; Er wird in dir der Wittwen Flehn, Der Waisen Thränen widersteh«. Der Geizige ist fähig das Anvertraute wegzuleugnen, oder zu schwören, daß er bezahlt habe, wenn er sich schon noch schuldig weiß. Es bedarf keiner großen Summe, um ihn zu einer schlechten That zu bewegen. Er ist grausam genug den Dienstboten, Taglöhnern und Handwerkern ihren Lohn zu schmälern. Sehet, es schreyet gegen euch der Lohn, den ihr den Arbeitern, die eure Felder ernteten, entzogen habt, und die Klagen der Schnitter sind zu den Ohren des Allherrschers gedrungen. Jak. 5, Der Rechtschaffene schaffet Recht dem Waisen und dem Armen, und hilft dem Elenden und Dürftigen zu Recht. Ps. 82, 3. Aber der Geizige ist unerbittlich gegen Verlassene, er ist fähig Wittwen und Waisen zu über- vortheilen, daß sie zu Gott schreyen müssen. 2 Mos. 22, 22, 23. 7. Wie könnt ein Herz, vom Geize hart, Der Wohlthat Freuden schmecken, Und in des Unglücks Gegenwart Den Ruf zur Hüls entdecken? Und wo ist eines Standes Pflicht, Die nicht der Geiz entehrt und bricht? Der Geiz macht das Herz hart, so fühllos, wie ein Stein. Der Menschenfreund empfindet es mit ' Lust: Geben sey seliger als nehmen. Apost. 20, 3S. Selig seyen die Barmherzigen. Matth. S, 7. Von diesen Freuden des Wohlthuns weiß der Geizige nichts. Er geht vor dem Unglücklichen gleichgültig vorbey wie der Priester und der Levit. Er hört nicht den Schrey Zir des Nothleidenden wie der barmherzige Samariter. Luk. lo, 30—35. Jeder Stand hat seine Pflicht, der Stand eines Vaters, eines Richters, eines Lehrers. Der Geizige übertritt vorsätzlich alle diese Pflichten. 8. Du bist ein Vater, und auö Geiz Entziehst du dich den Kindern, Und läßest dich deS Goldes Reiz, Ihr Herz za bilden, hindern; Und glaubst, du habst sie wohl bedacht, Wenn du sie reich, wie dich, gemacht. Eiw geiziger Vater entzieht seinen Kindern die Wohlthat einer guten Auferziehung. Er sollte den Verstand der Kinder durch Unterricht, ihr Herz durch Ermahnung und Beyspiele bilden. Aber dazu findet er nicht Zeit. Das verführerische Geld zu gewinnen nimmt seine ganze Zeit ein. Er glaubt indessen seine Kinder wohl versorgt zu haben, wenn sie seinen Reichthum erben, wenn sie schon unwissend, unbrauchbar und lasterhaft sind. 9. Du hast ein richterliches Amt; Und du wirst dich erfrechen, Die Sache, die das Recht verdammt, AuS Habsucht recht zu sprechen; Und selbst der Tugend größter Feind Erkauft an dir sich einen Freund. Ein geiziger Richter ist fähig, wenn er Recht sprechen und Prozesse entscheiden soll, einen Handel, gegen die Gesetze und die Billigkeit Recht zu sprechen, um Geschenke zu bekommen, und ein Bösewicht kann sich an ihm durch Bestechung einen Gönner und Beschützer erkaufen. Jethro sprach zu Mose: Siehe dich um nach redlichen Leuten, die Gott fürchten, wahr. hastig, und dem Geiz feind sind, die setze über das Volk. 2Mos. 18,21. Wer die Unschuld unbestechlich schützt, dem wirds niemals fehlen. Ps. lö, 5 . 10. Gewinnsucht raubt dir Muth und Geist, Die Wahrheit frey zu lehren; Du schweigst, wenn sie dich reden heißt, Ehrst, wo du nicht sollst ehren, Und wirst um ein verächtlich Geld Ein Schmeichler, und die Pest der Welt. Einem geizigen Lehrer, der auf Geschenke steht, fehlt die Unerschrockenheit, das Pflichtgefühl , um die Wahrheit treffend auszusprechen. Aus Menschenfurcht und Menschengefälligkeit schweigt er, wo er reden sollte, und lobt, was Tadel verdiente. Um des schnö- den Geldes willen wird er Schmeichler, der auf verstellte Art freundlich thut; er verbreitet Ansteckung und Verderben. Wehe denen, die Böses gut, und Gutes böse heißen, die aus Finsterniß Licht, und aus Licht Finsterniß machen. Jes. 5 ,20. Wir tragen das Evangelium vor, nicht um Menschengunst zu erwer- den, sondern um Gott zu gefallen, der unser Inneres durchschauet. Da wird nie ein Schmeichelwort geredet, das müsset ihr bezeugen, da ist auch nicht ein Schein von Gewinnsucht. 1 Theff. 2, 5 . 11. Erhalte mich, o Gott! dabey, Daß ich mir gnügcn lasse, Geiz ewig als Abgöttern», Don mir entfern und hasse. Ein weises Her; und guter Muth Sey meines Lebens größte» Gut. ZL4 Ich will zufrieden seyn mit Wenigem, mit dem Notdürftigen. Mein Wandel sey ohne Geiz. Ich will mir begnügen lassen an dem, was da ist. Hebr. 13,5. Wenn ich Nahrung und Kleider habe, so will ich mich begnügen lassen. 1 Tim. 6, 6. Ich will den Geiz, als Abfall von dem wahren Gott auf ewig aus dem Gemüthe verbannen. Zeige mir, Herr, den Weg deiner Rechte, daß ich sie bewahre, bis ans Ende. Unterweise mich, daß ich bewahre dein Gesetz, und halte es von ganzem Herzen. Führe mich auf dem Steige deiner Gebote, denn ich habe Lust dazu. Neige mein Herz zu deinen Zeugnissen, und nicht zum Geiz. Ps. 119, 33—36. Es sey dein liebstes Gut ein frommes weises Herz. Dieß mehre deine Lust, dieß mindre deinen Schmerz; dieß sey dein Stolz, dein Schatz, dein höchstes Ziel auf Erden. Sonst alles, nur nicht dieß, kann dir entrissen werden. Zu wissen, es sey dein, zu fühlen, daß du's hast, dieß Glück erkaufst du nicht um aller Güter Last; und ohne dieses Herz schmeck noch so viel Vergnügen. Es ist ein Rausch, und bald, bald wird der Rausch verfliegen. Trost eines schwermüthi- gen Christen. Schwermüthige sind Leidende, die am Gemüthe krank, die traurig, niedergeschlagen und ängstlich sind. Die Schwermutb kann gutmüthige fromme Menschen befallen, denen gründliche Erkenntniß der Religion fehlt, und die unfähig sind, sich selber zu belehren. Diese Aengstlichkeit führt eine vierfache, quälende Un 3L5 grwißheit mit sich, die Ungewißheit über Gesetz, über Sünde, über Buße, über Seligkeit. Der Aengßliche weiß nicht, ob diese oder jene Handlungen geboten oder verboten seyen; ob er ein Gebot übertreten habe, oder nicht; ob die Uebertretung eine schwere oder geringe Sünde sey; ob er sie herzlich genug bereut habe, oder nicht; was er in Absicht auf sein Schicksal in der Ewigkeit zu hoffen oder zu fürchten habe. Dieser Zustand ist lästig und peinlich, denn dem ängstlichen Gemüth ist auch die Aussicht auf Erlösung daraus verschlossen. Die Schwermülhigen soll man mit vieler Schonung behandeln, man soll liebevoll und geduldig mit ihnen umgehen. Die Religion Jesu enthält so vieles, das sie zurechtweisen und trösten kann, und darauf muß man sie aufmerksam machen. 1. Du klagst, o Christ! in schweren Leiden, Und seufzest, daß der Geist der Freuden Von dir gewichen ist. Du klagst und rufst: Herr, wie so lange? Und Gott verzeucht, und dir wird bange, Daß du von Gott verlassen bist. Wer am Leibe krank ist, verdient Mitleiden, Theilnahme, Trost und Hülfe, wer am Gemüthe krank ist, noch viel mehr. Der Schwermnthige ist ein Unglücklicher , dessen Gemüthskräfte durch anhaltende Traurigkeit niedergedrückt sind. Er klagt: Ich bin so müde von Seufzen, ich schwemme mein Bette die ganze Nacht, und netze mit meine» Thränen mein Lager. Meine Gestalt ist verfallen vor Trauern, und ist alt geworden, denn ich werde allenthalben geäng- stiget. Ps. 6, 7, 8. Mein Gott, mein Gott, warum ZL6 hast du mich verlassen. Ich heule, aber meine Hülfe ist ferne. Mein Goll, des Tages rufe ich, so antwortest du nicht, und des Nachts schweige ich auch nicht. Ps. 22, 2, 3. 2. Sind meine Sünden mir vergeben; Hak Gott mir Sünder Heil und Leben In seinem Sohn vcrlichn: Wo sind denn seines Geistes Triebe? Warum empfind ich nicht die Liebe, Und hoffe nicht getrost auf ihn? Der Schwermüthige klagt: Ich kenne das Evangelium: Also hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Ioh. 3, 16 . Aber ich lese auch den Spruch: Welche der Geist Gottes treibet, die sind Gottes Kinder. Röm. 8, 1^. Und ich verspüre diesen Antrieb des Geistes Gottes nicht. Ich finde den j Spruch: Die Liebe Gottes ist ausgegasten in unsre ' Herzen durch den heiligen Geist, welcher uns gegeben ist. Röm. 5, 5. Und ich empfinde diese Liebe nicht. Die Schrift sagt: Wir rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben will. Röm. L, 2. Und ich hoffe nicht getrost, ich fürchte, ich zweifle. 3. Mühselig, sprichst du, und beladen Hör ich den Trost vom Wort der Gnaden, Und ich empfind ihn nicht; Bin abgeneigt, vor Gort zu treten; Ich bet, und kann nicht gläubig beten; Ich denke Gott, doch ohne Licht. Ich höre die Einladung zum heiligen Abendmahl: Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seyd, ich will euch erquicken. Ich ckomme zum Tische des Herrn renmüthig, bußfertig. Aber ich empfinde keine Erquickung. Matth. it, 28 . Ich höre die Verheißung: Der Herr ist nahe allen/ die ihn anrufen, allen, die ihn mit Ernst anrufen. Ps. i45,18. Aber ich bin -och furchtsam und schüchtern beym Gebete; ich kann mich nicht so recht, wie ich sollte, an der Verheißung halten, ohne an ihrer Erfüllung zu zweifeln; ich denke an Gott, aber ohne deutliche Erkenntniß von Gott, ohne Freude an Gott zu hgben. 4 . Sonst war mirs Freude, seinen Willen Von ganzem Herzen zu erfüllen; Sein Wort war mir gewiß. Jetzt kann ichs nicht zu Herzen fassen, Und meine Kraft hat mich verlassen, Und meinen Geist deckt Finsterniß. Ach, wie ist es mit mir so ganz anders geworden. Sonst war ich gehorsam. Ich durfte sagen: Deinen Willen, mein Gott, thue ich gerne, und dein Gesetz habe ich in meinem Herzen. Ps. 40, 9 . Vormals habe ich mich gänzlich auf das Wort Gottes verlassen. Ich sagte immer: Des Herrn Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiß. Ps. 33, 4. Jetzt kann ich das Wort Gottes nicht auf mich anwenden, kann es mir nicht zueignen, ich fühle mich schwach, ich habe keine frohe Ausficht in die Zukunft. 5. Oft fühl ich Zweifel, die mich quälen, Heul' oft vor Unruh meiner Seelen; Und meine Hüls ist fern. Ich suche Ruh, die ich nicht finde; In meinem Herzen wohnt nur Sünde, Nur Unmuth, keine Furcht deS Herrn. 318 Oft beunruhigen mich Zweifel. Ich weiß nicht gewiß/ ob ich recht oder unrecht handle. Ich weiß nicht/ ob die Verheißung Gottes nur Andre/ oder auch mich angehet. Ich weiß nicht/ ob ich mich zu den Begnadigten rechnen darf/ oder ob ich zu dem Haufen der Verworfenen gehöre. Die Angst meiner Seele bricht oft in lautes Geschrey aus. Ich finde das Vollbringen des Guten nicht. Ich thue das Böse/ das ich mißbillige. Das Böse liegt mir näher/ als das Gute. Trübsinn herrscht in mir/ keine kindliche / nur eine knechtische Gottesfurcht. 6. Zag nicht/ o Christ! denn deine Schmerzen Sind sichre Zeugen beßrer Herzen/ Als dir das deine scheint. Wie könntest du dich so betrüben/ Daß dir die Kraft fehlt / Gott zu lieben, Wär nicht dein Herz mit ihm vereint? Fürchte dich nicht/ die Angst/ die dich martert/ ist ein Beweis einer bessern Gefinnung/ als dir die -einige zu seyn scheint. Deine Bekümmerniß, ob wohl Gott mit dir zufrieden sey / ist ein zuverläßiges Kennzeichen von deiner Liebe zu Gott / und von der Huld Gottes gegen dich. Dein Herz liebt Gott/ es ist Gott ähnlich/ weil es das Gute will/ darum bist du in Traurigkeit versunken / -aß du Gott deine dankbare Liebe nicht mit der That beweisen konntest. 7. Kein Mensch vermag Gott zu erkennen, Noch Jesum einen Herrn zu nenne»/ Als durch den hcil'gcn Geist. Hast du nicht Liesen Geist empfangen? Er ists, der dich nach Gott verlangen. Und sein Erbarmen suchen heisst. 319 Höre mir zu, ich will dich unterweisen / warum du Muth fassen/ und der Gnade Gottes versichert seyn darfst. Die Schrift sagt: Niemand kann Jesum als Herrn bekennen/ als wer vom heiligen Geiste erleuchtet ist. 1 Kor. 12, .3. Nun aber sehnet sich ja deine Seele und schmachtet nach Gott/ du wendest dich an seine Barmherzigkeit/ und bittest um Vergebung/ du wünschest sein folgsames Kind zu seyn. Diesen Wunsch kann niemand anders gewirkt haben, als der heilige Geist. Er wohnt also in dir, er wirkt in dir, er hat dich auf den Weg des Heils geführt. Also bist du ein Kind Gottes. 8. Vertrau auf Gott. Er wohnt bey denen. Die sich nach seiner Hülfe sehnen; Er kennt und will dein Glück. Er höret deines Weinens Stimme; Verbirgt er gleich in seinem Grimme Sich einen kleinen Augenblick. Du kennest Gott noch nicht recht. Er kommt dir vor als ein drohendes Wesen. Aber er ist freundlich, er ist die Liebe. So spricht der Herr: Der Himmel ist mein Stuhl, und die Erde meine Fußbank. Meine Hand hat alles gemacht, was da ist. Ich sehe aber an den Elenden, und der zerbrochenes Geistes ist, und der sich fürchtet vor meinem Wort. Jes. 66,1,2. So spricht, der dich gemacht hat, der Herr Zebaoth, dein Erlöser, der Heilige, der aller Welt Gott genannt wird: Ich Habe-ich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. Ich habe mein Angesicht im Augenblicke des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will 320 ich stiich -einer erbarmen, spricht der Herr, dein Erlöser. Ies. L-i, 5, 7, 8. Gott hat uns nicht gesetzet zum Zorn, sondern die Seligkeit zu besitzen, durch unsern Herrn Jesum Christum. 1 Thess. 5, 9. Der Herr will nicht, -aß jemand verloren gehe. 2 Pet. 3,9. Wirf doch das Vertrauen zu einem solchen Gott nicht weg. Hebr. 10, 35. 9. Gott ließ so manchen seiner Frommen In dieß Gefühl des Elends kommen, Und stuhnd ihm mächtig bey. Du sollst dein Nichts erkennen lernen, Sollst das Vertrau n auf dich entfernen, Und sehn, was Gottes Gnade sey. Schon mancher Redliche, mancher Verehrer Gottes gerieth in tiefe Traurigkeit, durch Gottes weise Zulassung. Aber jeder, der seine Zuflucht zu Gott nahm, hat seine Hülfe erfahren. Du sollst dein Unvermögen, dir selbst zu helfen, einsehen lernen, du sollst den. Stolz, die Vermessenheit ablegen, und erfahren, wie unentbehrlich dir die Gnade Gottes sey. Laß dich also die Widerwärtigkeit, die dich prüfen soll, nicht befremden, als widerführe dir etwas Seltsames. 1 Petrt -L, 12 . 10. Vor Sicherheit dich zu bewahren, Läßt er dich seine Streng' erfahren, Und schickt dir diese Last. Er reinigt dich wie Gold im Feuer, Macht dir das Heil der Seele theuer, Damit du haltest, was du hast. Gottes Rath ist Liebe. Er will dich vor dem Leichtsinn bewahren, darum verhängt er über dich diese 321 scharfe Züchtigung, darum legt er dir diese Last auf. Freue dich/ der du auf kurze Zeit durch mancherley Prüfungen leidest/ damit dein Glaube viel herrlicher/ als das vergängliche Gold / welches auch im Feuer bewährt wird, aus der Prüfung hervorgehe, t Pet. 1, 6, 7. Dein Heil ist um einen theuern Preis erworben/ dein Heil kostet dich noch manchen harten Kampf. Halte / was du hast / daß niemand deine Krone nehme. Offenb. 3/ il. 11. So wie ein Vater über Kinder/ Erbarmet Gott sich über Sünder/ Die seine» Namen scheu'». Dein Seufzen ist ihm nicht verborgen. So fern der Abend ist vom Morgen, Läßt er von dir die Sünde seyn. Wie gütig Gott Fehler verzeihet, wie gnädig er die Strafen mäßigt, sagt dir aufs deutlichste sein Wort. So hoch der Himmel über der Erde ist , läßt er seine Gnade walten über die so ihn fürchten. So fern -er Morgen ist vom Abend, läßt er unsre Ueber- tretung von uns seyn. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmet, so erbarmet sich der Herr über die so ihn fürchten. Ps. 103, il, 12, 13. 12. Zwar ist um Trost dir jetzo bange; Denn alle Züchtigung, so lange Sie da ist, scheint uns hart. Doch nachmals wird sie friedsam geben Frucht der Gerechtigkeit und Leben Dem, der durch sie grübet ward. Gott erziehet uns zu unserm wahren Veßten, damit wir heilig werden, wie er ist. Freylich ist jede 21 strenge Erziehung, so lange man sie fühlt, nicht angenehm., sondern schmerzlich, aber in der Folge bringt sie denen, die dadurch geübt sind, die beglückende Frucht der Rochtschaffenheir. So stärke denn wieder die ge« sunkenen Hände, und die gelähmten Knie, und wandle die gerade Bahn. Hebr. 12, 10, 11, 12, 13. 1Z. Fahr fort zu bercn und zu wachen. -Gott ist noch mächtig iu den Schwachen, Ist Güte für und für. Laß dir an seiner Gnade gnügcu. Sein Wort ist wahr, und kann nicht trügen: Ich stärke dich, ich helfe dir. Thue das Deine, wache, bete, kämpfe, und stelle denn getrost dein Schicksal dem Herrn anheim. Der Herr spricht^ Laß dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft zeigt sich in der Schwachheit am mächtigsten- 2 Kor. 12, 9. Der Herr erhält alle, dir da fallen, und richtet auf alle, die niedergeschla- gest sind. Pstt liäö, Er heilet die zerbrochnes Herzens find, 1 und verbindet ihre Schmerzen. Ps. 147,3. 14. Auf, fasse dich in deinen Nöthen.' »^Sprich: wollte mich der Herr auch todten? ^harr ich dennoch sein. Mr bleibt daö Erbcheil der Erlösten; Und will mich Gott nicht eher trösten, Wird er mich doch im Tod erfreu'n. Äphlan, sey stark, und fasse Muth. Harre nur zum Herrn. Du kannst wohl noch des Herrn Güte im Lände des Lebens empfinden. Ps. 27. Herr, wenn Trübsal da ist, 10 sucht man dich; wenn du sie züchtigest, so rufen sie ängstlich. Jef. 26,16. Zch danke dir, 323 daß du mich demüthigest, und hilfst mir. Ps. 118,21. Was betrübst du dich, meine Seele, und btst"so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, daß er meine Hülfe und mein Gott ist. Ps. ^2, 12. XI.IX. Um Ergebung in den göttlichen Willen. 1. O Herr, mein Gott, durch den ich bin und lebe, Gieb, daß ich mich in deinen Nach ergebe; Laß ewig deinen Willen mein, Und was du thust, mir theuer seyn. Gott, mein Schöpfer, mein Erhalter, ich will mich geduldig darein finden, was du beschlossen hast, ich will, was du mir auflegst, willig ertragen. Mein Vater, nicht wie ich will, sondern wie du willst. Matth. 26, 39. Des Herrn Wille geschehe. Apost. 21, 1^. Er ist der Herr; er thue, was ihm wohl- gefällt. 1 Sam. 3, 18. 2. Du, du regierst, bist Weisheit, Lieb' und Stärke. Du, Herr, erbarmst dich aller deiner Werke. Was zag ich einen Augenblick? Du bist mein Gott, und willst mein Glück. Siehe, des Herrn Hand ist nicht zu kurz, daß er nicht helfen könne, und seine Ohren find nicht dicke geworden, daß er nicht höre. Jes. S9,1. Der Herr ist allen gütig, und erbarmet steh aller seiner Werke. Ps. 1^5, 9. Wch wissen, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Beßten dienen. Röm. 8, 28. 324 z. Von Ewigkeit haft du mein LooS entschieden. Was du bestimmst, daS dient zu meinem Frieden. Du wogst mein Glück/ du wogst mein Leid/ Und was du schickst/ ist Seligkeit. Mein Schicksal ist vorher angeordnet. Meine Freuden und Leiden find genau bestimmt. Wie froh und glücklich kann ich unter der Aufsteht meines Got« tes leben! Ich bleibe stets an dir/ denn du hältst mich bey meiner rechten Hand. Du leitest mich nach deinem Rath, und nimmst mich endlich mit Ehren an. Ps. 73, 23, 2L 4. Gefällt es dir: so müsse keine Plage Sich zu mir nahn; gieb mir zufriedne Tage. Allein verwehrtS mein ewig Heil: So bleibe nur dein Trost mein Theil. Herr, wenn du es gut findest/ so laß mich um gestörtes Glück genießen. Es müsse mir kein Uebels begegnen, und keine Plage sich nahen zu meiner Hütte. Ps. 91 /10. Er gebe uns ein fröhlich Herz / und verleihe uns immerdar Frieden zu unsrer Zeit. Sir. 50, 25. Kann ich nicht ohne Leiden bewahret werden und einst die Krone des Lebens empfangen / nun Herr/ so müsse deine Gnade mein Trost seyn / wie du deinem Knechte zugesaget hast. Ps. 119, 76. 5. Du giebst aus Huld uns dieser Erde Freuden; Aus gleicher Huld verhängst du unsre Leiden. Ist nur mein Weh nicht meine Schuld: So zag ich nicht. Du giebst Geduld. Wir schmecken und sehen es täglich wie freundlich -er Herr ist. Aber eben die Güte / die uns sättiget und erfreuet, lässet auch unsre Leiden zu. Wenn nur r?5 meine Trübsal nicht selbst verschuldet ist, so ist fie leichter zu ertragen. Das macht gottgefällig, wenn man aus Gewissenhaftigkeit vor Gott Widriges erduldet, und unverdient leidet, l Petri 2, 19. 6. Soll ich ein Glück, das du mir gabst, verlieren, Und willst du, Gott! mich rauhe Wege fuhren; So wirst du, denn du hörst mein Flehn, Mir dennoch eine Hüls ersehn. Soll ich Personen und Güter verlieren, an denen ! mein Herz hängt, so will ich mit Htob sprechen: Der ! Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen, der Name des Herrn sey gelobet. Hiob l, 21. Willst du mich, Herr, auf mühsamen Pfaden durchs Leben führen, so will ich mit dem frommen Dulder sprechen: Haben wir Gutes empfangen von Gott, und sollten das Böse nicht auch annehmen? Hiob 2, 10. Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft. Denn er ist mein Hort, meine Hülfe, mein Schutz, daß mich kein Fall stürzen wird, wie groß er ist.. Ps. 62, 2, 3. 7. Vielleicht muß ich nach wenig Tagen sterben. Herr, wie du willst! Soll ich den Himmel erben. Und dieser ist im Glauben mein, Wie kann der Tod mir schrecklich seyn? Mein Leben ist Christus, und Sterben mein Gewinn. Aber bey längerem Leben könnte ich durch Arbeit noch nützen; daher weiß ich nicht, was ich vorziehen soll. Ich habe Lust abzuscheiden, und bey Christo zu seyn, das wäre bey weitem das Bessere. Phil. l, 21, 22, 23. 326 I.. In Krankheit. 1. Ich hab iu guttu Stunden Des Lebens Glück empfunden, Und Freuden ohne Zahl: So will ich denn gelassen Mich auch in Leiden fassen; Welch Leben hat nicht seine Qual? Ich will über den Beschwerden meiner Krankheit das viele Gute nicht vergessen, welches ich bisher genossen habe. Täglich konnte ich schmecken und sehen, wie freundlich der Herr ist. Ps. 34, 9. Ich erlebte viel gute Tage, an denen ich guter Dinge war. Pred. 7, 1S. Ich war gesund; ich konnte viel Gutes verrichten und viel Angenehmes erfahren. Ich liebte gute Menschen und wurde von ihnen geliebet. Jetzt erführe ich die Unbeständigkeit des irdischen Glücks, ich befinde mich schwach, unfähig zu den Arbeiten meines Berufs- und leide Schmerzen. Aber fern sey von mir Unzufriedenheit und Klage. Haben wir Gutes'empfangen von Gott, und sollten das Böse nicht auch annehmen. Hiob 2, io. Oft werden die beßten, edelsten Minschen von großen Leiden heimgesucht. Krankwerden ist kein Zeichen einer besondern Ungnade Gottes. Er läßt uns wehe geschehen, um uns wohl zu machen. Er meint es mit den Kranken so gut, wie mit den Gesunden. Besser ein Kranker, der demüthig zu Gott aufschaut, als ein Gesunder, der im stolzen Erwarten sich selbst und seinen Gott außer Acht läßt. 2. Ja, Herr, ich bin ein Sünder, Und stets strafst dn gelinder, L. Z27 ?llö e- der Mensch verdient. Will ich, beschwert mit Schulden, Kein zeitlich Weh erdulden, Das doch zu meinem Beßre» dient / Ich fühle es wohl, daß ich noch nicht so hin, wre ich seyn soll. Anhänglichkeit an das Gut der Erde, an die Lust des Fleisches, an die Ehre der Menschen befleckt noch meinen Geist. Ich bedarf der Reinigung meines Sinnes und Wandels, und die Krankheit soll mich reinigen von der Sünde, die mir noch anklebet. Wie groß ist die Nachsicht und Langmuth Gottes bey unsern Fehlern. Wo seine Kinder mein Gesetz verlassen und meine Gebote nicht halten; so will ich ihre Sünde mit der Ruthe heimsuchen, und ihre Missethat mit Plagen; aber meine Gnade will ich nicht von ihm wenden, und nicht ändern, was aus meinem Munde gegangen ist. Ps. L 9 , 31—35. Gerne will ich in die Hand des Herrn fallen, denn seine Barmherzigkeit ist groß. 2 Sam. 2 ^, 1^. Und wenn ich mir auch durch keine mir bewußte Sünde meine Krankheit zugezogen habe, so bin ich doch nicht so rein§ hgß der Blick des Heiligsten nichts Unreines an mir erblicke. Er muß an mir etwas zu.reinigen finden, wenn ich auch keine besondre Unlauterkeit an mir erblicke. Das Wort Gottes verheißt und die Erfahrung der Gottseligen lehret: Zeitlich Wehe diene dem Menschen zum Beßten. Wir rühmen uns auch der Trübsale, dieweil wir wissen, daß Trübsal Geduld bringet; Geduld aber bringet Erfahrung; Erfahrung aber bringet Hoffnung; Hoffnung aber läßt nicht zu Schanden werden. Röm. 5, 3—5. 328 Z. Dir will ich mich ergeben, Nicht meine Ruh, mein Leben, Mehr lieben, als den Herrn. Dir, Gott, will ich vertrauen, Und nicht auf Menschen bauen; Du hilfst, und du errettest gern. An dem Krankenlager des Christen soll man sehen, was die Gottseligkeit vermag. Sie kann freudig ster«; den. Wenn die Krankheit den Tod herbeyführen soll/ so giebt Gott seinen Freunden Muth nnd Zuverstcht, daß fie den Tod nicht fürchten, und lehrt ste selig sterben. Gott kann auch aus der Gefahr erretten. Wenn man alle Dinge in Gottes Vaterschooß legt, so muß man auch die Ungewißheit, ob die Krankheit Todesgefahr, und den Tod selbst mitbringe oder nicht, in denselben Schooß hineinlegen. Mein Sohn,; wenn du krank bist, so versäume dich nicht, sondern bitte den Herrn, und er wird dich gesund machen; laß ab von der Sünde, und leite deine Hand zum Guten, und reinige dein Herz von aller Sünde. Darnach laß den Arzt kommen, denn er ist vom Herrn geschaffen, und laß ihn nicht von dir, weil du seiner doch bedarfst. Sirach 38, 9— 12 . Doch verlaß dich nicht auf die Geschicklichkeit des Arztes und auf die Kraft der Arzney. Dein Vertrauen soll allein auf Gott ruhen. Es ist gut auf den Herrn vertrauen, und stch nicht verlassen auf Menschen. Ps. 118, 8. 4. Laß du mich Gnade finden, Mich alle meine Sünden Erkennen und bereu n. Jetzt har mein Geist noch Kräfte; Sein Heil laß mein Geschäfte, Dein Wort mir Trost und Leben scvn. Einer ist der rechte Arzt, an den sich alle traurigen, um ihre Seligkeit bekümmerten Gemüther wenden sollen, Jesus. Mag es mit dem Leben des Leibes gehen, wie es Gott will; Jesus erlöset mich von Finsterniß, Sünde und dem Geistestode, wenn ich mich seiner Leitung unbedingt anvertraue. Jesus Christus vergiebt mir meine Sünden, er schenkt mir seinen Geist und mit ihm Friede und Freude, wenn ich ihm mein Herz ergebe. Forthin will ich keine offenbare und keine geheime Verbindung mit der Sünde, keine Feindschaft gegen Gott und seine Wege in mir dulden. Wer mit seinem Gewissen, mit seinem Gott, mtt seinem Hause die Rechnung geschlossen hat, der kann mit einem Blicke auf die ewige Erlösung sich sanft auf das Sterbekissen niederlassen. Ich will die gegebene Stunde so benutzen, daß ich, wenn der Herr des Lebens mich zu sich rufen sollte, nicht Ursache hatte, vor seinem Rufe zu zittern. Es muß viel geschehen; aber da uns der Herr überall entgegen und zuvorkommt, so wird das Schwerste von ihm gethan, und ich darf ihn nur walten lassen. 5. Wenn ich in Christo sterbe: Bin ich des Himmels Erbe. Was schreckt mich Grab und Tod? Auch auf des Todes Pfade Vertrau ich deiner Gnade; Du, Herr, bist bey mir in der Noth. Wer an einen Erlöser glaubt, der vom Tode auferstanden ist, und über Tod und Verwesung gebieten kann, und die Seinen, auch wenn sie sterben, nicht sterben laßt, der zittert vor dem Tode nicht. Der ZLS Herr/ rnein Hirt/ führet mich auf rechter Straße Ob ich schon wanderte im finstern Thal/ fürchte ici krik Unglück / denn du bist bey mir. Ps. 23, i, 3, ^ Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet/ s, best du -och/ Gott/ allezeit meines Herzens Trost Ps. 73.-26. 6.-Jch will dem Kammer wehren/ Kokt durch Geduld verehren/ Hin Glauben zu ihm gehn. ,. ^ g-Lch will den Tod bedenken. / .' Der Herr wirb alles lenken; ' Und was mir gut ist, wird geschehn. Gott hat dich in das Leben hereingeführt; er haj dich geführt bis hieher; er wird dich auch hindurch- führen; er ist und bleibt dein Gott; wenn du auch stirbst/ dsnn er ist ein Gott den Lebendigen. Die Liebe/ dgs ewige Leben/ das er dir geschenkt hat, stirbt nicht; du stirbst nicht. In seinem Hause find viele Wohnungen. Glaube nur/ bis du schauen kannst. Ertrage dw Turze Plage des Pilgerlebens: bald ists ausgewallt; dann bist du daheim / und dann giebt es keine Pilgerfahrt mehr. Acngstige dich nicht über die be- vMehende schmerzhafte Auflösung. Der Geist kommt zu Gott / es mäg -er Körper so oder so zerrüttet werden. Asus Christus stärkt die Seinen/ die an ihn glauben und ihn von Herzen lieben/ zu jeder Todeöart. L.I. Vorn Tode. 1. Meine Lebenszeit verstreicht/ Stündlich eil ich zu dem Grabe, Und waS ists, das ich vielleicht/ Das ich noch »u leben habe? ALI Denk, o Mensch! au deinen Tod; " Saume nicht; denn Eins ist noth. ; Der Sterbliche / der auf Gräbern wandelt- bet! Hunderte sterben sah/ zu seiner Rechte», Hunderte z» seiner Linken, vergißt doch nichts leichter^ als seine Sterblichkeit. Herr, lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, aufdaß wir klug werde«. Pf. 9»,12. So wie der Strom unaufhaltsam fortfließt, und dem Meere zueilt, so fließt dieZeit unsers Lebens dem Meere der Ewigkeit zu, und kommt nimmer zurück. .So laßt uns denn Sorge tragen, daß wir nicht d^czrößten :Theil unsers Lebens mit Schlafen, mit Spiel,,-nit lGeschwätz, mit Müßiggänge verlieren. Wer den ge-, -fqngenen scheuen Vogel in freyer Luft fliegen lasst, -wird ihn schwerlich wieder erhäschen, ^o ist.eS.Yttt !der Gelegenheit zum Guten. Man muß ste, ergreifen, -und festhalten. Vielleicht kommt sie nie wiede^zarück^ ^Die Zeit zögert nie^ sie schreitet imilier.fp^. ^ö ^muß ich denn auch in ihrer Benutzung, in ihrer An-. ! Wendung nicht stille stehen. Meine Zejt stehet in Got- ^ teS Händen. Ps. 51, t 6. Ob mir der UnerfyrschlM ! noch Jahre, oder nur Monate, Wochen uyh.Tage l zugemessen habe, kann ich nicht ergründen. ÄerH.ute inoch frisch, roth, gesund, stark ist, kann morgen' krank seyn, oder auf die Bahre gelegt werden. Die Gesundheit und das Leben des LeibeS ist vergänglich, ^ wie die Blume deS Feldes. Sie pranget mit lieblichen Farben, aber bald kommt der Mann mit der ^ krummen Sense, mähet die Blume ab, sie verdorret, und man kennet die Statte nicht mehr, da sie stuhnd. Ist nun das gegenwärtige Leben so vergänglich, so ungewiß, so eile, rette deine Seele / spare deine Buße nicht. Heute/ da du Gottes Stimme hörest / so verhärte dein Herz nicht. Hebr. 3, 15. Eins ist Noth. Luk. 10 , ^>2. Versicherung der Gnade deines Gottes. Und wie gelangest du zu diesem einen Nothwendigen ? Durch Buße, Besserung, Glaube, Gehorsam. 2. Lebe, wie du, wenn du stirbst, Wünschen wirst, gelebt zu haben. Güter, die du hier erwirbst, Würden, die dir Menschen gaben; Nichts wird dich im Tod erfreu n; Diese Güter sind nicht dein. , Wenn ich noch einmal von vornen anfangen, wenn ich noch einmal jung werden könnte, denkt mancher, wie viel anders wollte ich nicht mein Leben einrichten? Wie vieles wollte ich unterlassen, das mir Reue, Scham und Schmerzen zugezogen hat? Wie vieles wollte ich thun, das ich auch aus Leichtsinn und Trägheit versäumt habe? O Mensch, bedenke das Ende, so wirst du nimmermehr Uebels thun. Sir. 7, Lebe so, wie du, wenn dich der Tod vor Gottes Gericht hinrückt, wünschen wirst gelebt zu haben. Lebe so, wie hier die Menschen leben müssen, wenn sie sich hier, und einst bey Gott im Himmel freuen wollen. Lebe mäßig, gerecht und gottselig in dieser Welt, das wird dich nicht gereuen. Gedenke a« deinen Schöpfer, in deiner Jugend, ehe denn die bösen Tage kommen. Pred. 12, 1. Das wird dich nicht gereuen. Streue beyzeiten guten Samen aus, auf die Ernte in fernen Tagen. Das wird dich nicht gereuen. Die Güter, die du von deinen Vorfahren erbtest, oder mit der 5äZ Arbeit deiner Hände, mit Geschicklichkeit und Sparsamkeit erwarbest, können dich im Tode nicht erfreuen. Du mußt fie alle zurücklassen. Wir haben nichts in diese Welt gebracht, wir können auch nichts aus derselben mit uns nehmen. Suche etwas Besseres. Die Ehreristellen, die du bekleidetest, die Aemter, welche Menschen dir anvertrauten, können dich im Tode nicht erfreuen. Der Tod kennet den Unterschied der Stande nicht. Nach dem Tode können die Ersten die Letzten seyn. Matth. 20, 16. Suche darum etwas Bleibendes. 3. Nur ein Herz, das Gutes liebt, Nur ein ruhiges Gewissen, DaS vor Gott dir Zeugniß giebt, Wird dir deinen Tod versüßen; Dieses Herz, vor Gott erneut, Ist des Todes Freudigkeit. Welche Güter sind nun bleibend und ewig? Was folget mir aus der Zeit zum seligsten Gewinn in die Ewigkeit nach? Was kann mir der unerbittliche Tod selbst nicht entreißen? Den Sinn für das Wahre und Gute; die Weisheit und Tugend; den Reichthum an guten Werken. Ja, die Gottseligkeit hat die Verheißung dieses und des zukünftigen Lebens. 1 Tim. ^,8. Der Gerechte ist auch in seinem Tode getrost. Sprüchw. 1^, 32. Sein Gewissen macht ihm keine Vorwürfe seines bisherigen Lebens halber. Hiob 27, 6. Sein Gewissen giebt ihm das Zeugniß, daß er aufrichtig vor Gott in der Welt gewandelt habe. 2 Kor. i, 12. Gottes Geist zeuget in feinem Geiste, daß er sein Kind und Erbe sey. Röm. 8,16. Der Tod kann ihn nicht von der Liebe Gottes scheiden. Röm. 8,38. Der Tod 5S4 ist bitter^ aber das gut« Gewissen versüßet ihn. Der sterbende Christ halt sich an die Verheißung: Selig sind, die reines Herzens sind, denn sie werden Gott schauen. Matth. 5, 8. Sollte sich das Angesicht deS Sterbenden nicht erheitern, wenn er hofft, bald werde ich Gott schauen, wenn er es fühlt'/ bald werde ich selig seyn. Verkaufe nur dein gutes Gewissen um keine Sivuenlust, so ist dein Tod einst heiter, so scheidest du einst im Frieden. 4. Wenn in deiner letzten Noth Freunde hülflos um dich beben: Dann wird über Welt und Tod Dich dieß reine Her; erheben; Dann erschreckt dich kein Gericht; Gott ist -eine Zuversicht. Um Jakobs Sterbebett stuhnden zwölf Söhne und viele Enkel, die ihn ehrten und liebten. Sein Gebet erstehet« ihnen den Segen. Sie vermochten ihm keine Hälft;u leisten. Die Hülfe kam von oben. Am Kreuze Jesu! stuhnd die zärtliche Mutter Maria, and der edle Jünger Johannes. Mitleid und Schmerz durchdrang sie beym Anblick seiner Leiden. Anstatt Trost geben zu können, bedurften sie ihn selbst, und erhielten ihn auch. So stehe» Freunde hülstos um des sterbenden Christe»! Lager. Ihre Theilnahme kann ermuntern, ihre Luve kann pstegen, kann manches Labsal dem Leidenden reichen. Aber der wahre Trost muß aus reinem Herzen quellen. Die Hülfe muß von dem komme», der von allem Uebel erlösen, und zum himmlischen Reiche uns aushelfen kann. 2 Tim. l 8. Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwindet. 1 Joh. 5, >4. Wer hier Gott treu gedient hat- kartn ausrufen: Tod, wo ist dein Stachel. 1 Kor. 15, SSL Wer will 'den verdammen, für den Christus gestorben ist. Röm. 8,3-i. Wer Gott verläßt, muß einst verzagen;-getrost wird der seyn, -er ihm glaubt. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und nach Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost/ und mein Theil. Ps. 73, 25, 26. 5. Daß du dieses Herz erwirbst, Fürchte Gott, und bet und wache. Sorge nicht, wie früh du stirbst; Deine Zeit ist Gottes Sache. Lern nicht nur den Tod nicht scheu'n, Lern auch seiner dich erfren'n. Du sprichst: Wie kann ich ein gutes Gewissen erwerben und damit Freudigkeit im Tode erlangen?' Fürchte Gott, meide das Böse, halte Gottes Geboten Wandle vor dem, der in das Verborgene stehet- Lernen Gutes thun und Böses dulden, um des Guten willen^ Bete, daß dich Gott regiere. Wache und Vemerkvi<. was in dik,ANd um dich her vorgeht. Du magst mitst David beten: Mein Gott nimm mich nicht weg inNr ^ Hälfte meiner Tage. Ps. 102,25. Noch besser ists'-b wenn du mit Jesus sprichst: Nicht Wie ich will-.soiii- dern wie du willst. Matth.26,39. Oder mit Paulus - Unser keiner lebt ihm selber, und unser keiner stirbt ihm selber. Leben wir,, so leben wir dem Herrn-/ sterben wir, so sterbe« wir dem Herrn; darum, wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Röm. i^> 7, 8. Der Tugend nachzustreben sey -eine Sorge auf - 1 ZZ6 der Welt. Wie lange du leben sollst, stelle Gott an. heim. Wer wohl und gut gelebt hat, der hat lange genug gelebt. Wahres Christenthum lehrt uns nicht nur den Tod nicht fürchten, es kann sogar ein Verlangen, ein Heimweh nach dem himmlischen Vaterlands hervorbringen, daß wir sagen: Sterben ist mein Gewinn. Sterben führet uns zum Leben. Ich habe Lust abzuscheiden, und bey Christo zu seyn. Phil. i, 23. Wir sehnen uns nach unsrer Behausung, die vom Himmel ist. 2 Kor. ö, 2. Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. Hebr. 13, l^>. 6. Ucberwind ihn durch Vertrau n, Sprich: Ich weiß, an wen ich glaube, Und ich weiß, ich werd. ihn schau'» Einst in diesem meinem Leibe. Er, der rief: ES ist vollbracht! Nahm dem Tode seine Macht. Die Schrift nennt den Tod einen König des Schreckens, Hiob 18, 1^, und den letzten Feind. 1 Kor. 1S, 26 . Aber fie giebt uns auch die Waffen, mit denen wir diesen Feind überwinden können. Es ist der Glaube an Jesum den Versöhner, den Todes- überwinder. Sprich: Ich weiß wem ich geglaubt, und weiß, wem ich mich anvertrauet habe. 2 Tim. i, 12. Wie schön spricht nicht schon Hiob seinen Glauben an Unsterblichkeit und Wiederherstellung des Körpers aus: O wenn doch das, was ich jetzt sagen will, aufgeschrieben würde, wenn es doch jemand in ein Buch setzte. O wenn es doch mit eisernen Griffeln in Steine ein- gegraben, und znm Zeugniß für mich in Felsen L. ^ 337 eingehauen wäre. Ich weiß, -aß mein Erlöser lebt, und vom Grabe werde ich ganz anders wiederkam« men. Meine Haut wird eine andre Haut werden, aus diesem meinem Körper werd' ich Gott sehen. Mit Vergnügen werde ich ihn sehen, als meinen Retter, meine Augen werden ihn sehen, und er wird mir nicht mehr so fremd seyn, als jetzt. Hiob 19,23—27. Jesus Christus sah das Sterben für kein Sterben, er sah das, was man Sterben nennt, für ein fortgesetztes ewiges Leben an. Der Tod des Frommen ist eigentlich kein Tod; denn das unfichtbare Leben ist die Hauptsache, das unsichtbare Leben macht den Frommen aus, und dieß stirbt nicht. Aber das sichtbare stirbt. Laßt es nur sterben, was liegt daran? Es ist ja nicht auf immer verloren: am allgemeinen Vergeltunqstage steht auch dieses Leben wieder auf, nur unaussprechlich herrlicher. Bis dahin können wir es leicht ent- behren, und wenn wir es herrlicher zurückbekommen, so mag es wohl im Grabe modern. Wir verlieren gar nichts, und gewinnen recht viel. 7. Tritt im Geist zum Grab oft hin, Siehe dein Gebein versenken; Sprich: Herr, daß ich Erde bin, Lehre du mich selbst bedenken; Lehre du michs jeden Tag, Daß ich weiser werden mag. Um die Todesfurcht zu besiegen, müssen wir uns den Tod oft im Lichte der Religion vorstellen. Was in die Sinne fallt, ist freylich alles sehr traurig; aber was der Glaube lehret, ist höchst erfreulich. Ihr denket nur immer an die brechenden Augen, und die 22 338 blauen Lippe«/ und die kalte Hand, und das harte Röcheln, und den Geruch der Verwesung, und den letzten Odemzug, und das Weinen der Freunde um das Sterbebette herum, an den Laut der Sterbeglocke, und das schwarze Grab, und das Einsenken der Leiche ins kühle Erdreich, wenn ihr an den Tod denket. Denket, wie die Frommen den Tod ansahen. Simeon, der ehrwürdige Greis, sah ihn für eine Heimfahrt im Frieden an. Luk. 2 ,29. Paulus für einen Auszug aus einem baufälligen Hause in ein besseres, ewig daurendes Gotteshaus. 2 Kor. 5 ,1. Petrus für ein Verlassen der lang bewohnten Hütte. 2 Petri 1, 1^. Jesus sagt: Wer da lebt, und glaubt an mich, der wir-nimmermehr sterben. Joh. 11, 26. Das unsichtbare Leben des Menschen, die Erkenntniß und Liebe Gottes und seines Gesandten, dieses wahrhaft göttliche Leben von dem Geiste Gottes in uns erzeuget, dieß wahrhaft ewige Leben dauert fort, und stirbt ewig nicht, geht mit ihm zu Christus überrund wird immer vollkommener, reiner, göttlicher; indem sich der Glaube in ein Schauen, die Hoffnung in Besitz, die Liebe in Genuß verwandelt, und die treue Anhänglichkeit des Geistes an Gott, innigstes Einsseyn mit Gott wird. LII. Betrachtung des Todes. 1. Wie sicher lebt der Mensch, der Staub! Sein Leben ist ein fallend Laub; Und dennoch schmeichelt er sich gern, Der Tag deü Todes sey noch fern. Gott der Herr machte den Leib des Menschen aus einem Erdenkloß. 1 Mos. 2, 7. Nachdem der Mensch gesündiget hatte/ so sprach Gott zu ihm: Du wirst wieder zur Erde werden / davon du genommen bist. Denn d» bist Erde/ und sollst zur Erde werden, i Mos. 3, 19. Durch die^Sünde ist der Tod in die Welt gekommen / und zu allen Menschen -urchgedrun- gen. Röm. 5/ 12. Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras / er blühet/ wie eine Blume auf dem Felde. Wenn der Wind darüber gehet/ so ist sie nicht mehr, und ihre Stätte kennet sie nicht mehr. Ps. 103,15/16. Wohlan/ ihr, die ihr saget: Heute oder morgen wollen wir in diese oder jene Stadt reisen / wollen dort ein Jahr zubringen/ Handel treiben und gewinnen. Ihr/ die ihr nicht einmal wisset/ was morgen sich ereignen wird! Denn was ist euer Leben? Ein Dunst ist es/ -er einige Augenblicke sichtbar ist/ und dann wieder verschwindet. Statt/ daß ihr sagen solltet: Wenn der Herr will und wir leben/ wollen wir dieses oder jenes thun. Jak. ^ 13,1^, 15. Wie im Herbst die reife Frucht oder das gelbe Laub vom Baume fallen muß, so muß der hochbetagte Greis sterben. Aber so wie manche Blüthe/ manche unreife Frucht vom Baume fällt/ so stirbt auch mancher Mensch in der Kindheit/ in -er blühenden Jugend/ oder in den Jahren / die sonst voller Kraft sind. Wer sich darauf verläßt/ daß er noch lange leben werde, versagt sich nicht selbst die Wahrheit, wie ein redlicher Freund; er sagt sich eine Lüge vor/ als wie ein Schmeichler. 2. Der Jüngling hofft des Greises Ziel, Der Mann noch seiner Jahre viel. 340 Der Greis zu vielen noch ein Jahr, Und keiner nimmt den Irrthum wahr. Die Tage unsers ganzen Lebens, kaum fiebenzig Jahr enthalten sie; und achtzig höchstens nur bey dem, der stärker noch als andre war. Ps. 90, 10. Jüngling, der du wünschest alt zu werden, stürme nicht auf die Natur, als wäre sie von Stahl und Stein; beschirme sie mit kluger Vorsicht. Mann, der du noch deiner Jahre viel hoffest, prüfe, was deinem Leibe gesund ist; und stehe, was ihm ungesund ist, das gieb ihm nicht. Denn allerley dienet nicht jedermann. Sir. 37,30,31. Mache dich nicht selbst traurig, und plage dich nicht mit deinen eigenen Gedanken. Denn ein fröhliches Herz ist des Menschen Leben, und seine Freude ist sein langes Leben. Traurigkeit tödtet viele Leute, und dienet doch nirgend zu. Eifer und Zorn verkürzen das Leben, und Sorge macht alt vor der Zeit. Einem fröhlichen Herzen schmeckt alles wohl, was er isset. Sir. 30, 22, 23, 25, 26, 27. Vergiß meines Gesetzes nicht, und dein Herz behalte meine Gebote, denn sie werden dir langes Leben, und gute Jahre, und Frieden bringen. Wohl dem Menschen, der Weisheit findet, langes Leben ist zu ihrer rechten Hand. Sprüchw. 3, 1,2, 13, 16. Graue Haare sind eine Krone der Ehren, auf dem Wege der Tugend findet man sie. Sprüchw. 16,31. Wir hoffen länger zu leben, weil wir es wünschen. Gott hat uns selbst die Liebe zum Leben eingepflanzt. Liebe das Leben, aber scheue den Tod nicht. Keine menschliche Stärke ist vor dem Tode versichert. Herr, lehre doch mich, daß es ein Ende 341 mit mir haben muß/ und mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muß. Siehe, meine Tage sind einer Hand breit bey dir und mein Leben ist wie nichts vor dir. Wie so gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben. Ps. 39, 5, 6. z. Sprich nicht: Ich denk in Glück und Noth Im Herzen oft an meinen Tod. Der, den der Tod nicht weiser macht, Hat nie mit Ernst an ihn gedacht. Ein flüchtiger Gedanke an unsre Sterblichkeit, wenn es uns in Freuden oder Leiden beyfällt, wir werden dem allgemeinen Schicksal der Menschen nicht entgehen, ist noch nicht die rechte Betrachtung des Todes. Wenn wir die wichtigen Folgen des Todes überlegen, so werden wir desto mehr Fleiß anwenden, den Zweck unsers irdischen Lebens zu erreichen. 4. Wir leben hier zur Ewigkeit, Zu thun, was uns der Herr gebeut, Und unsers Lebens kleinster Theil Ist eine Frist zu unserm Heil. Fasse doch die große Bedeutung unsers Daseyns auf Erden. Dieses gegenwärtige Leben ist in der genauesten Verbindung mit dem zukünftigen. Was der Mensch säet, das wird er ernten. Gal. 6, 7. Den frommen und getreuen Knecht, der über wenigem getreu gewesen ist, will der Herr über viel setzen. Den unnützen Knecht läßt er in die äußerste Finsterniß hinauswerfen. Matth. 25, 23, 30. Der Tag, an dem du nichts Gutes thust, ist für die Ewigkeit verloren. Laß nie einen Tag vergehen, ohne daß was Gutes geschehen. Säen will ich hier mit Fleiß 342 zu der Ernte jenes Lebens. S wie glücklich, daß ich weiß, es geschehe nicht vergebens. Ewig freut sich seiner Saat, wer hier reichlich Gutes that. 5. Der Tod rückt Seelen vor Gericht; Da bringt Gott alles an das Licht, Und macht, was hier verborgen war, Den Rath der Herzen offenbar. Es ist dem Menschen gesetzt einmal zu sterben, darnach aber das Gericht. Hebr. 9,27. Die Gottes- fürchtigen trösten sich unter einander also: Der Herr merket es und höret es; und es ist vor ihm ein Denk- buch geschrieben für die so den Herrn fürchten. Sie sollen, spricht der Herr, des Tages, den ich machen Will, mein Eigenthum seyn; und ich will ihrer schonen, wie ein Mann seines Sohnes schonet, der ihm dienet. Ihr sollt sehen, was für ein Unterschied sey zwischen dem Gerechten und Gottlosen, zwischen dem, der Gott dienet, und dem, der ihm nicht dienet. Mal. 3,16,17,18. Wenn der Herr kommt, so wird er an's Licht bringen, was im Finstern verborgen ist, und den Rath der Herzen offenbaren, i Kor. -4, 5. 6. Drum da dein Tod dir täglich dräut, So sey doch wacker und bereit; Prüf deinen Glauben, als ein Christ, Ob e ° durch Liebe thätig ist. Lasset eure Lenden umgürtet seyn, und eure Lichter brennen. Und seyd gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten, auf daß, wenn er kommt und anklopft, sie ihm bald aufthun. Selig sind die Knechte, die der Herr, so er kommt, wachend findet. Wie ein großes Ding ist es um einen treuen und klugen Haus- 34Z Halter / welchen der Herr setzt über sein Gesinde / daß er ihnen zu rechter Zeit ihre Gebühr gebe. Selig ist der Knecht/ welchen sein Herr findet also thun / wenn er kommt. Luk. 12,35,36,37,-12,^3. Seyd gleich den fünf klugen Jungfrauen. Sie nahmen Sel in ihren Gefäßen, sammt ihren Lampen. *Matth. 2S, 7. Ein Seufzer in der letzten Noth Ein Wunsch, durch des Erlösers Tod Vor Gottes Thron gerecht z« seyn, Dieß macht dich nicht von Sünden rein. Was heißt ihr mich Herr, Herr, und thut nicht, was ich euch sage. Wer zu mir kommt und höret meine Rede und thut sie, der ist gleich einem Menschen der ein Haus bauete, und legte den Grund auf den Fels. Luk. 6, -16, ^7, ^8. Ringet darnach, daß ihr durch die enge Pforte eingehet; denn viele werden, das sage ich euch, darnach trachten, wie sie hineinkommen, und werden's nicht thun können. Wenn einmal der Hausvater die Thüre abgeschlossen hat, und ihr dann noch draußen stehet, an die Thüre klopfet und saget: Herr, Herr, mache uns auf! dann wird er euch antworten: Ich weiß nicht wer, und woher ihr seyd. Entfernet euch alle von mir, ihr Uebelthater. Luk. 13, 2^, 25, 27. 8. Ein Herz, das Gottes Stimme höre, Ihr folgt, und sich vom Bösen kehrt, Ein gläubig Herz, von Lieb' erfüllt, Dieß ist eS, was in Christo gilt. Welche ich lieb habe, die strafe und züchtige ich. So sey nun fleißig, und thue Busse. Stehe, ich stehe vor der Thür und klopfe an. So jemand meine 344 Stimme hören wird/ und die Thür aufthun/ zu dem werde ich eingehe»/ und das Abendmahl mit ihm halten / und er mit mir. Offenb. 3, 19, 20. S. Die Heiligung erfordert Müh; Du wirfst sie nicht/ Gott wirket sie. Du aber ringe stets nach ihr/ Als wäre sie ein Werk von dir. Nach dem der euch berufen hat/ und heilig ist/ seyd auch ihr heilig in allem eurem Wandel. Denn es stehet geschrieben: Ihr sollt heilig seyn, denn ich bin heilig. Weil ihr den als Vater anrufet, -er ohne Ansehen der Person richtet, nach eines jeglichen Werk, so führet euren Wandel, so lange ihr hie wallet mit Furcht. 1 Petri 1, 15,16, 17. Richtet auf die läßi- gen Hände und die müden Knie, und thut gewisse Tritte mit euren Füssen. Jaget nach der Heiligung, ohne welche niemand wird den Herrn sehen. Und sehet darauf, daß nicht jemand Gottes Gnade versäume. Hebr. 12, 12—16. Gott ists, der in euch wirket beydes das Wollen und das Vollbringen nach seinem Wohlgefallen. Phil. 2, 13. Aber auch eure Arbeit ist nicht vergeblich. Darum, meine Brüder, seyd fest, unbeweglich, und nehmet immer zu in dem Werk des Herrn. 1 Kor. 15, 68. Wachet, stehet im Glauben, seyd männlich, und seyd stark. 1 Kor. 16,13. 10. Der Ruf des Lebens, das du lebst, Dein höchstes Ziel, nach dem du strebst, Und deiner Tage Rechenschaft Ist Tugend in des Glaubens Kraft. Laßt uns die Hauptsumma aller Lehre hören: Fürchte Gott, und halte seine Gebote; denn das ge- 34S hört allen Menschen zu. Denn Gott wird alle Werke vor Gericht bringen/ das verborgen ist, es sey gut oder böse. Pred. 12, 13, 1L Das Böse flieh, und übe Gutes, so bleibst du immer ungestört. Dann das, was Recht ist, liebt der Herr, verlässet seine Freunde nicht; sie werden ewiglich erhalten. Des Frommen Mund spricht Weisheit, und seine Zunge sagt, was recht ist. In seinem Herzen trägt er Gottes Lehre, und seine Tritte wanken nie. Bemerk den Redlichen, gib auf den Guten Acht. Zuletzt ist er ein Glücklicher. Ps. 37, 27, 28, 30, 31, 37. 11. Ihr alle seine Tage weihn, Heißt eingedenk des Todes seyn; Und wachsen in der Heiligung, Ist wahre Todserinnerung. Es ist euch bekannt, Brüder, daß der Tag des Herrn unvermuthet kommen wird. Lebet nicht in der Nacht, daß jener Tag euch, wie ein Dieb überfallen sollte. Ihr seyd alle Kinder des Lichtes und des Tages: nicht mit der Nacht und mit Finsterniß haben wir es zu thun. Lasset uns denn nicht schlafen, wie jene andern; sondern wachen und nüchtern seyn. 1 Thess. 5, 2, 2,, 5, 0. 12. Wie oft vergeß ich diese Pflicht! Herr, geh mit mir nicht ins Gericht; Drück selbst des Todes Bild in mich, Daß ich dir wandle würdiglich. Ihr müsset mit heiligem Wandel und frommem Sinne erwarten und ersehnen die Ankunft -es Tages Gottes. Suchet mit friedlichem Geiste, unbefleckt und tadellos von Gott erfunden zu werden. Z46 Haltet die Langmuth des Herrn für ein Mittel zur - Rettung. Hütet euch, daß ihr nicht, mit fortgerissen vom Irrthume der Gottlosen, eure eigne Festigkeit verlieret. Wachset vielmehr in -er beseligenden Erkenntniß unsers Herrn und Heilandes Jesu Christi. 2 Petri 3, 12—18. 1Z. Daß ich mein Herz mit jedem Tag Vor dir, o Gott! erforschen mag, Ob Liebe, Demuth, Fried und Treu, Die Frucht des Geistes, in ihm sey. So spricht der treue und zuverläßige Zeuge: Ich weiß um dein Thun, daß du weder kalt noch warm bist. O daß du kalt oder warm wärest. So aber, da du lau und weder warm noch kalt bist; werde ich dich aus meinem Munde speien. Ich rathe dir: kaufe bey mir im Feuer erprobtes Gold, damit du reich werdest, und weiße Kleider, damit du -ich bedecken könnest. Offenb. 3, 1^, 1S, 16, 18. 14. Daß ich zn dir um Gnade fleh, StetS meiner Schwachheit widersteh, Und einstens in des Glaubens Macht Mit Freuden ruf: ES ist vollbracht! Herr, du prüfest mein Herz, und läuterst mich. Erhalte meinen Gang in deinen Fußsteigen, daß. meine Tritte nicht gleiten. Errette meine Seele von den Leuten dieser Welt, welche ihr Theil haben in ihrem Leben. Ich aber will schauen dein Antlitz in Gerechtigkeit; ich will satt werden, wenn ich erwache- nach deinem Bilde. Ps. 17. ri7 I^II. Beständige Erinnerung des Todes. 1. Was sorgst du ängstlich für dein Leben? ES Gott gelassen übergeben, Ist wahre Ruh und deine Pflicht. Du sollst es lieben, weislich nützen, ES dankbar, als ein Glück, besitzen, Verlieren, als verlörst du'S nicht. Sorge mit Fleiß und Klugheit für die Erhaltung deines irdischen Lebens, aber ohne ängstliche Veküm- merntß. Thue treulich das Deine, und überlaß den Erfolg deiner Bemühungen dem Regierer deines Schicksals. So thust du, was du als Christ thun sollst, und sorgest am beßten für deine Zufriedenheit. Du sollst das zeitliche Leben lieben. Es ist ein köstliches Geschenk der Vorsehung. Du kannst für dich und für Andre große Vortheile davon ziehen, wenn du es wohl anwendest. Aber wenn du empfindest, daß dir Gott dieses Leben nehmen wolle, so betrübe dich nicht. Du sollst es ja nicht ohne Ersatz verlieren. Gott will dir dafür ein besseres, ewiges Leben schenken. Hänget euer Herz an nichts in -er Welt allzusehr. Die Vereh- lichten seyen stets gefaßt ihre Ehegatten einzubüßen; die Traurigen betrüben sich aber nicht allzusehr; die Fröhlichen freuen sich nicht zu ausgelassen; die, welche Güter besitzen, erhalten in sich die nöthige Gleichgültigkeit um sie ohne Bekümmerniß verlassen zu können; denn die jetzige Einrichtung der Welt ist der Veränderung und Vergänglichkeit unterworfen. 1 Kor. 7, 29 , 30 , 31 . 318 2. Der Tod soll dich nicht traurig schrecken; Doch dich zur Weisheit zu erwecken, Soll er dir stets vor Augen seyn. Er soll den Wunsch zn leben mindern, Doch dich in deiner Pflicht nicht hindern, ' Vielmehr die Kraft dazu verleibn. Was Fleisch ist, veraltet wie ein Kleid; denn seit undenklicher Zeit steht das Gesetz: Du sollst sterben. Wie ein grüner Zweig auf dem belaubten Baume, einige Blätter abwirft, und andre treibt; so das ganze Menschengeschlecht. Diese sterben, andre werden geboren. Sir. 1^, 17, 18. Gleich wie Blätter im Walde, so stnd die Geschlechte der Menschen; Blätter verweht zur Erde der Wind nur, andre treibt dann ' wieder der knospende Wald, wann neu auflebet der Frühling: so der Menschen Geschlecht, dieß wächst, und jenes verschwindet. Betrübe dich nicht, daß du sterben mußt. Der Tod ist nothwendig, er ist die allgemeine Ordnung Gottes in der Natur, er ist eine wohlthätige Einrichtung. Vermeide den Gedanken des Todes nicht, mache dich vielmehr damit bekannt und vertraut. Verlange nicht länger zu leben, als Gott es will, aber bestrebe dich Gutes zu wirken, so lange es Tag ist. So handelst du weise. Z. Ermattest du in deinen Pflichten: So laß den Tod dich unterrichten, Wie wenig deiner Tage sind. Sprich: Sollt ich Gutes wohl verschieben? Nein, meine Zeit, eS auszuüben, Ist kurz, und sie verfliegt geschwind. Ihr, lieben Brüder, werdet nicht verdrossen Gutes zu thun. 2 Thess. 3,13. Lasset uns Gutes thun 349 und nicht müde werden. Gal. 6, 9 . So lange wir Zeit haben/ lasset uns Gutes thun an Jedermann. Was du heute thun kannst/ verschiebe nicht auf morgen. Schiebe nichts Gutes auf/ am wenigsten deine Besserung. Frisch angefangen / ist schon halb gethan. Was säumst du? Wag es auf der Stelle weise zu seyn. Wer recht zu leben eine Stunde nur versäumt/ gleicht jenem Thoren/ -er am Fluße geduldig stehen blieb/ und warten wollte/ bis das Wasser abgeflossen wäre. Thor/ die Zeit/ die du verlierst/ wie dort -er Strom/ fließt fort/ und fließt und immer wird sie fließen/ nur nicht zurück. 4. Denk an den Tod, wenn böse Triebe, Wenn Lust der Welt und ihre Liebe Dich reizen; und ersticke sie. Sprich: Kann ich nicht noch heute sterben? Und könnt ich auch die Welt erwerben, Begieng ich doch solch Uebel nie. Liebet nicht die Welt. Die Welt vergeht mit ihrer Lust. 1 Joh. 2,15,17. Fliehe die thörichte verderbliche Begierde nach Reichthum. Sie könnte dich in Elen- und Verdammniß stürzen. 1 Tim. 6, 9 . Um keinen Preis thue, was vor Gott und deinem Gewissen unrecht ist. Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne, aber an seiner Seele Schaden litte. Matth. 16, 26 . Gut hilft nicht am Tage des Zorns, aber Gerechtigkeit errettet vom Tode. Wenn der gottlose Mensch stirbt, ist die Hoffnung verloren, und das Harren der Ungerechten wir- zu nichte. Sprüchw. 11 , -i, 7. 5. Denk an den Tod, wenn Ruhm und Ehren, Wenn deine Schätze sich vermehren, 35V Daß du sie nicht zu heftig liebst. Denk an die Eitelkeit der Erden, Daß, wenn sie dir entrissen werden, Du dann dich nicht zu sehr betrübst. Der Mensch läuft einem Schatten nach; macht ein Geräusch um Tand; häuft Güter auf, und weiß noch nlcht'für wen> Ps. 39,7. Menschen sind doch ja nichts, große Leute fehlen auch; sie wägen weniger denn nichts, so viel ihrer ist. Haltet euch nicht zu solchem, das nichts ist; fällt euch Reichthum zu, so hänget das Herz nicht daran. Ps. 62 , 10 ,11. Wenn man deine Seele von dir fordert, weß wirds seyn, das du bereitet hast? Also gehet es, wer ihm Schätze sammelt, und ist nicht reich in Gott. Luk. 12,20,21. 6. Denk an den Tod bey frohen Tagen. Kann deine Lust sein Bild vertragen: So ist sie gut und unschuldSvoll. Spnch, dein Vergnügen zu versüßen: Welch Glück werd ich erst dort genießen, Wo ich unendlich leben soll. Bey erlaubten Irdischen Freuden, die wir in Unschuld genießen, dürfen wir wohl an den Tod und die Ewigkeit denken, denn sie sind uns ein Vorgenuß und ein Unterpfand -er ewigen Freuden. Die ewige Seligkeit ist ein Mahl. Denn, wenn schon das gute Gewisser^ auf Erden ein stetes Freudenmahl ist, so wird wohl das ewige Leben selber ein ewiges Freudenmahl seyn, um so mehr, da alle Kinder Gottes an einer Tafel essen, und kein Leid, keine Trennung, keine Sünde, kein Tod die Freude in Gott mehr wird stören können. Herr, du zeigest mir den Weg 351 in's Leben; der Freuden Fülle ist bey dir, in deiner Rechten ew'ge Wonne. Ps. 16 ,11. 7. Denk an den Tod, wenn deinem Leben Das fehlt, wornach die Reichen streben; Sprich: Bin ich hier, um reich zu seyn? Heil mir, wenn ich in Christo sterbe, Dann ist ein unbeflecktes Erbe, Dann ist der Himmel Reichthum mein. Hat Gott nicht erwählet die Armen auf dieser Welt, die im Glauben reich sind. Jak. 2, 5 . Der- scheuche die Sorgen, die Feinde deiner Ruhe. Sprich, was will ich mich denn quälen? Kann mich der Tod sobald entseelen, was nützt mir alles Glück der Welt? Um froh zu sterben will ich leben. Der Herr, der alles Fleisch erhält, wird mir, so viel ich brauche, geben. Ihm werth zu seyn, der Tugend nachzustre« ben, dieß sey mein Kummer auf der Welt. 8. Denk an den Tod, wenn Leiden kommen; Sprich: Alle Trübsal eines Frommen Ist zeitlich, und im Glauben leicht. Ich leide, doch von allem Bösen Wird mich der Tod bald, bald erlösen; Er iftS, der mir die Krone reicht. O Tod, wie wohl thust du dem Dürftigen, der da.schwach und alt ist, der in allen Sorgen steckt, und nichts bessers zu hoffen noch zu gewarten hat. Fürchte den Tod nicht. Gedenke, daß es also vom Herrn geordnet ist über alles Fleisch, beydes, derer die vor dir gewesen sind, und nach dir kommen werden. Sir. -Li, 3 , -L, Z. Die Armen, Bedrängten, die nie ein weiches Leben, und auch kein müßiges ge- 352 führt haben, leiden am geduldigsten, und sterben am frohesten. Armuth ist für viele Menschen ein unschätzbares Kapital, wenn ein frohes Sterben ihr Zins ist. 9. Denk an den Tod, wenn freche Rotten Des Glaubens und der Tugend spotten, Und Laster stolz ihr Haupt erhöhn. Sprich bey dir selbst: Gott trägt die Frechen; Doch endlich kommt er, ste zu rächen, Und plötzlich werden sie vergeh». Ich habe gesehen einen Gottlosen, der war trotzig, und breitete sich aus, und grünete wie ein Lorbeer- bäum. Da man vorübergieng, siehe, da war er da« - hin, ich fragte nach ihm, da ward er nirgend gefunden. Ps. 37, 35, 36. Ich gieng in das Heiligthum Gottes und merkte auf das Ende der Gottlosen. Du setzest sie aufs Schlüpfrige, und stürzest sie zu Boden. Sie werden so plötzlich zu nichte. Sie gehen unter, und nehmen ein Ende mit Schrecken. Ps.73,17, 1 8, iy. io. Denk an den Tod zur Zeit der Schrecken, Wenn Pfeile Gottes in dir stecken; Du rufst, und er antwortet nicht. Sprich: Sollte Gott mich ewig hassen? Er wird mich sterbend nicht verlassen; Dann zeigt er mir sein Angesicht. David beschreibt das innige Gefühl, welches er von den göttlichen Züchtigungen habe, und dem er fast unterliege, mit den stärksten Bildern: Schon tief sind deine Pfeile eingedrungen, und schwer ist -eine Hand auf mich herabgesenkt. Ps. 38, 2. Mein Gott, des Tages rufich, doch du schweigst; des Nachts: allein ich finde keine Ruhe. Ps. 22 , 2 . Paulus erzählt ZZZ seine Leidell mit folgenden Worten: Daß ich mich nicht überhebe, ist mir gegeben ein Pfahl in's Fleisch. Gott hat mir so schmerzhafte Leiden zustoßen lassen, als wenn ich mit spitzigen Pfählen oder Stacheln gestochen würde. Dreymal habe ich den Herrn gestehet, daß er von mir weiche. Und er hat zu mir gesagt: Laß dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig, i Kor. 12,7, 8 ,9. n. So suche dir in allen Fällen Den Tod oft, lebhaft, vorzustellen; So wirst du ihn nicht zitternd scheu'»; So wird er dir ein Trost in Klagen, Ein weiser Freund in guten Tagen, Ein Schild in der Versuchung seyn. Stelle dir den Tod recht oft deutlich und richtig vor, so wie ihn die Religion dir zeiget. Erinnere dich, daß du sterben werdest bey der Erfüllung -einer Berufspflichten, in der Versuchung, im Wohlstände, beym Genuß der Freuden, unter den Entbehrungen der Armuth, in der Widerwärtigkeit, unter Beyspielen des Bösen, und in der schweren Stunde der Anfechtung. Durch diese Erinnerung wirst du bekannt, ja vertraut mit dem Tode werden. Du wirst lernen, daß der Tod des Frommen ein sanftes Einschlummern -es Müden in der Zeit, und ein seliges Erwachen in der Ewigkeit sey. Bringe, Herr, den Glauben an die Unvergänglichkeit recht an's Licht, damit wir leben als Kinder der Ewigkeit. 23 354 l,IV. Trost des ewigen Lebens. 1. Nach einer Prüfung kurzer Tage Erwartet uns die Ewigkeit. Dort, dort verwandelt sich die Klage In göttliche Zufriedenheit. Hier übt die Tugend ihren Fleiß; Und jene Welt reicht ihr den Preis. Gott hat uns auf rieft Erde gesetzt, daß wir uns hier erzeigen sollen, wer und was wir seyen. Hier ist unser erste Uebungsplatz. Wir verleben jetzt unsre Lernjahre. Hier ist der Ort der Vorbereitung, dort das Land der Vergeltung. Säe jetzt reichlich für die Zukunft auf Hoffnung, einst wirst du ernten ohne Aufhören. Selig ist der Mensch, der in der Prüfung bestehet, wenn er durch ein gottgefälliges Verhalten, bey allem Wechsel der Freuden und Leiden dieses kurzen Lebens, wir- bewähret seyn, wird er die Krone -es Lebens empfangen, welche Gott verheißen hat denen, die ihn lieb haben. Jak. 1,12. Wer im Guten bis an's Ende beharret, der wir- selig. Matth. 1 o, 22 . Wenn ihr leidet um der Gerechtigkeit willen, so seyd ihr selig. 1 Petri3, 1-1. Du Frommer, der du um der Gerechtigkeit willen verfolgt wirst, sey fröhlich und getrost, es wird dir im Himmel wohl belohnet werden. Matth. 5, 12. Den Abend lang währet das Weinen, am Morgen der Ewigkeit die Freude. Ps. 30, 6. Der Herr hat sein Angesicht ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will er sich deiner erbarmen. Jes. 5 ^, 8. Uebe dich nur unverdrossen in der Gottseligkeit. Dein Fleiß bleibt nicht unbelohnt. Die Gottseligkeit hat die 3Z5 Verheißung dieses und des zukünftigen Lebens. 1 Tim. 8. 2. Wahr ists, der Fromme schmeckt auf Erden Schon manchen sel'gen Augenblick; Doch alle Freuden, die ihm werden, Sind ihm ein unvollkommnes Glück. Er bleibt ein Mensch, und seine Ruh Nimmt in der Seele ab und zu. Der Fromme empfindet schon jetzt den Anfang der ewigen Freude in seinem Herzen. Er ist schon jetzt ein Kind Gottes, obschon es noch nicht erschienen ist, was wir einst seyn werden, i Joh. 3, 2 . Sein unverletztes Gewissen, beydes gegen Gott und den Menschen, würde er nicht um alle Güter dieser Welt hingeben. Apost. 2^L, 16. Er liebet Gott, und Gott lieben ist Seligkeit. Er übt sich im Wohlthun, er hilft und giebst, und geben ist seliger als nehmen; es ist Seligkeit, wenn man durch Wohlthun trösten, retten, beglücken kann. Er schmeckt und siehet es, wie freundlich der Herr ist. Ps. 3^, 9. Wenn das Lob Gottes allezeit in seinem Munde ist, so muß er sich glücklich fühlen. Ps. 3^, 2 . Doch sind alle Freuden, die den Frommen hier zu Theil werden, noch unvollkommen; sie sind dem Wechsel, der Unterbrechung unterworfen, so lange er auf Erden ist. Die Ruhe nimmt im Gemüthe ab und zu. Wehmuth und Freude können oft so schnell wechseln, wie Regen und Sonnenschein. Z. Bald stören ihn des Körpers Schmerzen, Bald daS Geräusche dieser Welt; Bald kämpft in seinem eignen Herzen Ein Feind, der öfter siegt, als fällt; 356 Bald stnkt er durch des Nächsten Schuld In Kummer und in Ungeduld. Frömmigkeit schützt nicht vor Krankheit. Auch Fromme hört man seufzen: Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe. Meine Kraft hat mich verlassen. Ps. 38. Auch Fromme lockt die Welt. Daher die Warnung: Fliehet die vergängliche Lust der Welt. 2Petri 1, -L. Brauchet der Welt, daß ihr derselbigen nicht mißbrauchet. 1 Kor. 7, 31. In des Frommen, wie in andrer Menschenkinder Fleisch wohnet nichts Gutes. Wollen hat er wohl, aber Vollbringen das Gute findet er nicht. Das Gute, das er will, das thut er nicht, das Böse aber, das er nicht will, thut er. Röm. 7, 18, 19 . Des Frommen Seele wird oft lange zu wohnen bey denen, die den Frieden hassen. Ps. 1 20 ,6. Durch ungerathene Kinder kann der Fromme in Kum- mer, durch streitsüchtige, boshafte, eigenfinnige, undankbare Menschen kann er in Ungeduld finken. 4. Hier, wo die Tugend öfters leidet, Das Laster öfters glücklich ist, Wo man den Glücklichen beneidet, Und des Bekümmerten vergißt; Hier kann der Mensch nie frey von Pein, Nie frey von eigner Schwachheit seyn. Es find Gerechte, denen gehet es, als hätten fie Werke der Gottlosen, und Gottlose, denen gehet es, als hätten fie Werke der Gerechten. Pred. 8, 1^. Schier hätte, mit Assaph, mancher Fromme gestrauchelt, den es verdroß, da er sah, daß es den Gottlosen so wohl gieng. Ps. 73, 2 ,3. Nicht selten dringt sich dem Frommen der Gedanke auf: Soü's denn 357 umsonst seyn, daß mein Herz unsträflich lebet, und ich meine Hände in Unschuld wasche, und bin ge- plaget täglich. Pf. 73 , 13 , i^. Ist der Mensch glücklich, so stehet der Neid scheel dazu, daß Gott gegen ihn so gütig ist. Matth. 20, 15 . Der unschuldige Jüngling Joseph wird Jahre lang im Kerker von dem undankbaren Mundschenk vergessen, i Mos. ^o, 23 . Unbemerkt liegt Lazarus hungrig und voller Schwüren an der Thür des schwelgerischen Reichen. Luk. 16,20,21. Es ist freylich besser, so es Gottes Wille ist, daß wir leiden, wir leiden unschuldig, als schuldig. Aber immerhin müssen Leiden kränken. Tröste dich, leidender Frommer. Gott vergütet dir überschwenglich alle Leiden im ewigen Leben. 5. Hier such ichs nur, dort werd ichs finden; Dort werd ich heilig und verklärt, Der Tugend ganzen Werth empfinden, Den unaussprechlich großen Werth; Den Gott der Liebe werd ich sehn, Ihn lieben, ewig ihn erhöhn. Ja, frommer Verehrer Gottes, die Lehre der Schrift vom ewigen Leben ist unaussprechlich trostreich. Es ist Gabe Gottes in Christo Jesu unserm Herrn, aber diese Gabe ist Preis des Glaubens, Gnadenlohn der Tugend, ste wird dem treuen Nachfolger Christi, dem standhaften Kämpfer gegen das Böse, zu Theil. So wenig, weit weniger noch als Paulus, könnten wir uns rühmen, daß wir das Ziel schon ergriffen haben, oder schon vollkommen seyen. Aber laßt uns gleich ihm dem Ziel nachjagen ^ ob wir es auch ergreifen möchten. Phil. 3 ,12. Wenn der 358 Geist von den Flecken der Sünde wird gereiniget seyn, wenn Christus deinen Leib verklären wird, daß er ähnlich werde seinem verklärten Leibe, Phil. 3, 21 , wenn dir die Krone der Gerechtigkeit wird beygeleget seyn, 2 Tim. 8, dann wirst du den unaussprechlich hohen Werth empfinden, den die Tugend in den Au» gen des ewigen Vergelters hat, dann wirst du einsehen, daß sie jeder Anstrengung, jeder Entbehrung, jedes Kampfes werth sey. Dein Gefühl wird denn bestätigen, was die Schrift so kurz, so wahr, so schön sagt: Gott ist die Liebe. 1 Joh. 8. Die reines Herzens sind werden Gott schauen, seines Umgangs gewürdiget werden. Er wird sie lieben als Vater, sie ihn als Kinder. So werden sie in seiner Liebe selig seyn. 6. Da wird der Vorsicht heil'ger Wille Mein Will' und meine Wohlfahrt seyn; Und lieblich Wesen, Heil die Fülle Am Throne Gottes mich erfreu'«. Dann läßt Gewinn stets auf Gewinn Mich fühlen, daß ich ewig bin. Dann hast du erfahren, daß alle Wege Gottes, ob sie auch rauh schienen, nur Güte seyen. Ps. 25. Dann siehst du ein, wie weise das Gebet sey, das uns Jesus in den Mund legt: Dein Wille geschehe. Dann wirst du Gott auch für die Leiden danken, durch die er dich demüthigte. Ps. 119, 71. Dann erkennst du, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Beßten dienen, Röm. 8, 28 ; -aß strenge Erziehung, so schmerzlich sie ist, denen, die dadurch geübt find, die beglückende Frucht der Rechtschaffen- 359 heil bringt, HeVr. 12 , 11 ; daß vor ihm Freude die Fülle sey, und liebliches Wesen zu seiner Rechten ewiglich, Ps. 16, 11; daß Gott aus seinem Meer von Seligkeiten Freuden genug für den Genuß des Lebens unbegränzter Zeiten geben könne. 7. Da werd ich das im Licht erkennen, WaS ich auf Erden dunkel sah; DaS wunderbar und heilig nennen, Was unerforschlich hier geschah; Da denkt mein Geist mit Preis und Dank Die Schickung im Zusammenhang. Dann fassest du , wie aus diesen Ursachen diese Wirkungen entstehen mußten, wie diese Wege zu diesem Ziele, diese Leiden zu diesen Freuden führten. Dann sind die Räthsel erklärt, die Knoten gelöset. Dann bist du von Vorurtheil und Irrthum frey. Dann siehst du die Dinge nach der Wahrheit ein. Dann wird aus dem Schimmer der Dämmerung volles Licht des Tages, das dir alles entdeckt. Dann betest du die Tiefe der Weisheit Gottes in deinen Schicksalen an, und bekennest lobpreisend, er hat alles wohl mit mir gemacht. 8. Da werd ich zu dem Throne dringen, Wo Gott, mein Heil, sich offenbart; Ein Heilig, Heilig, Heilig singen Dem Lamme, das erwürget ward; Und Cherubim und Seraphim Und alle Himmel jauchzen ihm. Wie die Seraphim einer zum andern rufen: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll, Jes. 6, 3, so du. Wie die En- ZL0 gel um den Stuhl/ deren Zahl ist viel tausend Mal tausend, mit großer Stimme sprechen: Das Lamm, das erwürget ist, ist würdig zu nehmen Kraft und Reichthum, und Weisheit und Starke, und Ehre und Preis und Lob, Offenb. 5, 12, so du. Du wirst in die Lobgesänge der Seligen einstimmen. Du wirst aufgenommen werden unter das Volk, das von Gottes Licht bestrahlt vor seinem Antlitz wallet. Ps. 89. 9. Da werd ich in der Engel Schaaren Mich ihnen gleich und heilig sehn, DaS nie gestörte Glück erfahren, Mit Frommen stets fromm umzugehn. Da wird durch jeden Augenblick Ihr Heil mein Heil, ihr Glück mein Glück. Die Seligen werden hinfort nicht sterben, sondern den Engeln gleich seyn. Luk. 20 , 36. Sie kommen zu Christus in die Stadt -es lebendigen Gottes, tn das himmlische Jerusalem, zu der Menge der viel tausend Engel, zu den Geistern der vollkommenen Gerechten. Hebr. 12, 22 , 23. Welch eine Wonne stets mit Weisen und Tugendhaften umzugehen, die Reden der Weisheit zu hören, die Beyspiele des Guten zu sehen. Unsre Voreltern, unsre Eltern, und Kinder, und Anverwandte, die durch Jesum die Seligkeit erlangten, unsre Freunde, die vor und nach uns in den Himmel eingehen, werden wir alle da wieder finden. Wir werden uns wieder sehen, und unser Herz wird fich freuen, und unsre Freude soll Niemand von uns nehmen. Joh. 16, 22. Wir werden nicht mehr durch den Tod getrennt, nicht mehr in unsrer Liebe und gemeinschaftlichen Freude gestört werden. 361 10. Da werd ich dem den Dank bezahlen, Der Gottes Weg mich gehen hieß, Und ihn zu Millionen malen Noch segnen, daß er mir ihn wies; Da find ich in des Höchsten Hand Den Freund, den ich auf Erden fand. Dort werden die Lehrer leuchten, wie des Himmels Glanz, und die so viele zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne, immer und ewiglich. Dan. 12, 3 . Da wird das Kind dem Vater, der Mutter den Dank bezahlen, die es in der Vermahnung zum Herrn erzogen haben. Da wird der Schüler dem Lehrer, der Zuhörer dem Prediger danken, der ihn den Weg Gottes gehen hieß, ihm auf dem Wege Gottes mit frommem Beyspiel vorangieng. Da wenden sich fromme glückliche Eltern an de errn und sprechen: Die du mir gegeben hast, die hao ich bewahret, und ist keiner von ihnen verloren. Joh. 17 ,12. 11. Da ruft, 0 möchte Gott es geben! Vielleicht auch mir ein Sel'ger zu: Heil sey dir! dann du hast mein Leben, Die Seele mir gerettet; du! O Gott! wie muß dieß Glück erfreu'«, Der Retter einer Seele seyn! Ich kann mir kein größeres Glück denken, als in der Hand der Vorsehung hier ein Werkzeug zu seyn, um Unwissenden Erkenntniß des Heils mitzutheilen, Verirrte zurechtzubringen, Sünder zu bekehren, und die Früchte dieser Bemühungen einst zu sehen, welche in die Ewigkeit hinüber reichen. Lieben Brüder, so Jemand unter euch irren würde von der Wahrheit, und Jemand bekehrete ihn, der soll wissen, daß wer * 362 den Sünder verehret hat von dem Irrthum seines Weges, der Hat einer Seele vom Tode geholfen. Jakob s, 20. 12. Was seyd ihr, Leiden dieser Erden, Doch gegen jene Herrlichkeit, Die offenbart an uns soll werden, Von Ewigkeit zu Ewigkeit? Wie nichts, wie gar nichts gegen sie, Ist doch ein Augenblick voll Müh! Was kann tröstlicheres seyn, als die Gabe Gottes das ewige Leben in Christo Jesu unserm Herrn? Unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schaffet e ewige und über alle Maße wichtige Herrlichkeit uns, die wir nicht seyen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare, denn was sichtbar ist, das ist zeitlich, was aber unsichtbar ist, das ist ewig. i Kor. 17,18. Ich halte dafür, daß dieser Zeit Leiden der Herrlichkeit nicht werth sey, die an uns soll geoffen- baret werden. Röm. 8 , 18 . Wenn ich einst von jenem Schlummer, welcher Tod heißt, aufersteh, und von . dieses Lebens Kummer frey den schönren Morgen seh, o dann wach ich anders auf, schon am Ziel ist dann mein Lauf. Träume sind an deinem Morgen, großer Tag des Pilgers Sorgen. X8 68>_ c 1829 ÄMd E