Gebeth einer Kloster-Jungfrau. 569
bann würdig seyn, den eingebohrnen Sohndes himmlischen Vaters zum Bräutigam zu
> haben? Ich bins zwar ganz und gar nichtwürdig: dennoch ist es dir gefällig gewesen,
- mich armes Bettel - Mägdlein zu deiner Braut! aufzunehmen, und mir die Treue zu verspre-' chen. Ich erneuere das Band der Liebe, mits dir, und was ich dir einmal habe zugesagt, das
> sey dir hiemit wiederum versprochen. Dannich gelobe, schwöre, und verspreche dir all
i mein Lebtag den Gehorsam, Armuth, undl- Keuschheit zu halten, und deine leibeigene Die-^ nerinn zu seyn, und zu verbleiben.
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^ Cs ist auch meine aufrichtige Meynung,s ^ und herzliche Begierd, alles und jedes, was
" j ich in diesem meinem Orden thun und leiden
^ muß, nicht aus Noth oder kahler Gewohn-heit, sondern mit freywilligem Herzen, dier meinem auserwählten Schatz zu lieb zu leiden,, s und zu verrichten. Deßwegen opfere ich dir jezt
r ' für allemal, all meine leiblichen -- und geistlichen
s ^ Uebungen, all meinen Khorgang, Singen,
t Bethen, Lesen, Betrachten, Meßhören Brich-, ^ ten, und Kommuniciren. Ich nehme frey-
- : willig an, und opfere dir all meinen Gehor-
- . fam, Abtödtungen, Einsamkeit, Stillschwet-
- gen, Armuth, Strafen, Arbeiten, Hitz, Käl-
? te, Hunger, Durst, Mangel, Ungemach,i l Schmerzen, Krankheit, und Widerwärtig-
l ketten. Ich opfere dir alle Anmuthungen des
Sees