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Von dem Heiligen Gallo /
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S Gall er-findet durchGöttlicheAnleitungein Qethjnr Woyi-nunglnderWüste.
Wie er dise
Wohnung
gegrüßt.
Was für«te Kund-cifft ermir einemBüren ge.macht-
Morgens vor Sonnen' Aufgangversähe sich der Ritter GOttes / nachBestich seines Führers aufdenWeeg/folgte dem : und als sie den gantzenTag herum gezogen/ spräche der Dia-kon um die neundte Stund: Vatter esist essens Zeit lasset uns mit Wasser /und Brod uns etwas erquicken / damitwir weiter fortkommen mögen / S. Galtaber antwortet/thue nach deiner Noth-turfft / es solle mir nichts in Mundkommen / biß GOtt mir den Orthmei-ner Wohnung kundbahr machet. Da-raufder Diacon / wie wir Gemeinfchafftdeß Leydens haben / also wollen wirauch deß Trosts geleben. Auf diß Ge-spräch setzten sie weiter fort / kamen attein Wasser Steinache genannt / in demhinaufgehn/ krassen sie ein Felsen an/daraus daß Flüßlein mit Gewalt ent-springt / in welchem sie vil Fisch erse-hen / wursten sie ihre Netz aus / undhaben derer vil gefangen ; ein Feur ge-macht / darbey S. Gall die Fisch ge-bratten / und Brod darneben / gelegttWeil er aber / sein Gebett zuverbrin-gen / von dem Diacono sich etwas ab-gesondert / bleibt er mit einem Fuß indem Gestreuß hangen / und fält aufdieErden : diß erficht der Diacon / eyle-te zu ihme / wolte ihm helffen. S.Gall aber künfftiger Dingen vorwissent/sagte ihm : lasse mich bleiben / daß istmein Rast zu ewigen Zeiten / da willich wohnen / dann ich habe die auf-serwöhlet. Nachdem er vom Gebettaufgestanden/ nimt er ein Stecken voneiner Haselstauden / macht ein Creutz /steckts in das Erdreich/henckt einCap-sel oder Schächtelein daran / voll vonHeylthum/etwas von der H.JungftauiMariä Gewand oder Haußrath / auchvon S. Mauritio/ und Desiderio: dadiß geschehen / ruffte er seinem Weg-weiser / und knyeten beyde zum Gebettnider. In dem gieng die Sonnen rü-der / fiengen an zu essen was sie bey-sich hätten / und giengen ein kleine weilzu ruhe. S. Gallus als er vermeintesein Gefährt were entschlaffen / ist eraufgestanden/ legt sich mit ausgestreck- >ten Armen auf die Erden für das er-zehlte Creutz / und begehrte von GOttBeystand zu seinem Vorhaben. Hier-zwischen zöge ein Bär von dem Bergherab / äse die Brofamlein / welche ih-nen in Abendmahl entfallen / fleißigauf: da S- Gallus den ersehen / sag-te er dem Bären - Ich gebiete dir MRahmen deß HErrn / nirnrne Holtz /und trage es in das Feur. Das Wildwendet sich in dessen Bestich / tragtein sehr starck Holtz herbey / und wirfftes in das Feur; S. Gallus gehet zuseiner Täfchen/gibt ihm ein gantz
Brod daraus / und spricht: In Nah-men unsers HErrenIEsu Christi / ent-lasse difes Thal / erhalte dich in denBergen / und Bühel / der gestalt /daß du weder Menschen noch Viehebesleydigest. Sein Weegweiser lasset sichmitler weil an / als ob er schliesst / saheaber wohl/ was der heilige Gallus mitdem Bären handelte; stehet auf/ fal-let Si Gallo zu Fuß / sprechend: Jetztbin ich vergwlsset / daß der HErr beydir ist / dann die wilde Thier dir auchUnderthänig seynd.
Als der Tag angebrochen/sagte S.'Gallus: Mein Sohn ich bitte dich /weil der HErr uns hat lassen finden /was wir gesucht : lasse uns auch VisenTag hier verbleiben; nimme das Netz /gehe zu dem Gumpffen/ aufdaß ehist nullich dir nachkommen / hoffe GOtt wer-de uns benedeyen / daß wir etwas fan-gen / und unserm Vatter nach Arbonbringen. Der Diacon folget; Als eraber das Garn in den Gumpffen werf-fen wolte / stehen zween böse Geister inWeibsgestalt/ gantz bloß / als wollensie baden / erhuben Stein als ob sieihn wölken werffen / thaten es auch /und schryen: du hast Visen Mann in di-se Wildnuß geführt / welcher uns alle-zeit zuverbannen pflegt : darauf derDiacon von bannen dem heiligen Gal-o zugeloffen / erzehlet deme was erge-ben / Und gehört. Da haben beydeich zum heiligen Gebett begeben / Undstr heilige Gallus hat gebetten / er sol-e bist böse Geister diß -Orths abtrei-ben / zu grösser Ehr und Erhöhung sei-nes heiligen Nahmens. Aufbiß schrit-ten sie wider zu dem Wasser / da ha-ben sich die Leuffel alsbald auf den näch-sten Berg verfertiget/ denenschryedepheilige Gallus nach: Ich gebiete euch/ihr Gespänst / durch den Gewalt derHochheiligsten Dreyfaltigkeit / verlas-set Visen Otth/ und weichet auf die ödeBerg. Darauf liessen sie ihre Garn indas Wasser / und fiengen Fisch : Alssie dise heraus gelesen / horeten sie eingroß Geschrey auf dem Berg / gleich-sam ob zwey Weiber ihre Todten be-weineten / diß lauts: Ach was thun wir /oder wo solle wir hinaus ? diser Fremd-ling verjagt uns von den Menschen /m der Wtwnuß will er uns nichts ge-statten : Nicht allein dises mahl ist dißGeschrey erschallen / sonderen es istnochwohl dreymahl gehört worden. Alsder Diacon in dem Forst dem Wildnachgieng / fragt der Trüffel vor demBerg Himmelin genannt: -ob der hei-lige Gallus noch in der Wildnuß seye/oder abgezogen ? Wie der heilige Manndas Thal durch gjenge/ und besichtig-te/
c-p.Vertreibtdie Teull«mit Gebettauß der.Wildnuß.
FangenFisch / undhören einLeüflischEeschrH-