Buch 
Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen; oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einem Zusatz von dem Heiligen Maryrer Fideli, und der Feyrlichen Enthebung des Seeligen Bruder Clausen, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen, und Seeligen / <<seu>> Paradisus Sanctorum Helvetiae florum zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
Seite
84
JPEG-Download
 

84

Von dem Heiligen Gallo /

6 .

S Gall er-findet durchGöttlicheAnleitungein Qethjnr Woyi-nunglnderWüste.

Wie er dise

Wohnung

gegrüßt.

Was für«te Kund-cifft ermir einemBüren ge.macht-

Morgens vor Sonnen' Aufgangversähe sich der Ritter GOttes / nachBestich seines Führers aufdenWeeg/folgte dem : und als sie den gantzenTag herum gezogen/ spräche der Dia-kon um die neundte Stund: Vatter esist essens Zeit lasset uns mit Wasser /und Brod uns etwas erquicken / damitwir weiter fortkommen mögen / S. Galtaber antwortet/thue nach deiner Noth-turfft / es solle mir nichts in Mundkommen / biß GOtt mir den Orthmei-ner Wohnung kundbahr machet. Da-raufder Diacon / wie wir Gemeinfchafftdeß Leydens haben / also wollen wirauch deß Trosts geleben. Auf diß Ge-spräch setzten sie weiter fort / kamen attein Wasser Steinache genannt / in demhinaufgehn/ krassen sie ein Felsen an/daraus daß Flüßlein mit Gewalt ent-springt / in welchem sie vil Fisch erse-hen / wursten sie ihre Netz aus / undhaben derer vil gefangen ; ein Feur ge-macht / darbey S. Gall die Fisch ge-bratten / und Brod darneben / gelegttWeil er aber / sein Gebett zuverbrin-gen / von dem Diacono sich etwas ab-gesondert / bleibt er mit einem Fuß indem Gestreuß hangen / und fält aufdieErden : diß erficht der Diacon / eyle-te zu ihme / wolte ihm helffen. S.Gall aber künfftiger Dingen vorwissent/sagte ihm : lasse mich bleiben / daß istmein Rast zu ewigen Zeiten / da willich wohnen / dann ich habe die auf-serwöhlet. Nachdem er vom Gebettaufgestanden/ nimt er ein Stecken voneiner Haselstauden / macht ein Creutz /steckts in das Erdreich/henckt einCap-sel oder Schächtelein daran / voll vonHeylthum/etwas von der H.JungftauiMariä Gewand oder Haußrath / auchvon S. Mauritio/ und Desiderio: dadiß geschehen / ruffte er seinem Weg-weiser / und knyeten beyde zum Gebettnider. In dem gieng die Sonnen rü-der / fiengen an zu essen was sie bey-sich hätten / und giengen ein kleine weilzu ruhe. S. Gallus als er vermeintesein Gefährt were entschlaffen / ist eraufgestanden/ legt sich mit ausgestreck- >ten Armen auf die Erden für das er-zehlte Creutz / und begehrte von GOttBeystand zu seinem Vorhaben. Hier-zwischen zöge ein Bär von dem Bergherab / äse die Brofamlein / welche ih-nen in Abendmahl entfallen / fleißigauf: da S- Gallus den ersehen / sag-te er dem Bären - Ich gebiete dir MRahmen deß HErrn / nirnrne Holtz /und trage es in das Feur. Das Wildwendet sich in dessen Bestich / tragtein sehr starck Holtz herbey / und wirfftes in das Feur; S. Gallus gehet zuseiner Täfchen/gibt ihm ein gantz

Brod daraus / und spricht: In Nah-men unsers HErrenIEsu Christi / ent-lasse difes Thal / erhalte dich in denBergen / und Bühel / der gestalt /daß du weder Menschen noch Viehebesleydigest. Sein Weegweiser lasset sichmitler weil an / als ob er schliesst / saheaber wohl/ was der heilige Gallus mitdem Bären handelte; stehet auf/ fal-let Si Gallo zu Fuß / sprechend: Jetztbin ich vergwlsset / daß der HErr beydir ist / dann die wilde Thier dir auchUnderthänig seynd.

Als der Tag angebrochen/sagte S.'Gallus: Mein Sohn ich bitte dich /weil der HErr uns hat lassen finden /was wir gesucht : lasse uns auch VisenTag hier verbleiben; nimme das Netz /gehe zu dem Gumpffen/ aufdaß ehist nullich dir nachkommen / hoffe GOtt wer-de uns benedeyen / daß wir etwas fan-gen / und unserm Vatter nach Arbonbringen. Der Diacon folget; Als eraber das Garn in den Gumpffen werf-fen wolte / stehen zween böse Geister inWeibsgestalt/ gantz bloß / als wollensie baden / erhuben Stein als ob sieihn wölken werffen / thaten es auch /und schryen: du hast Visen Mann in di-se Wildnuß geführt / welcher uns alle-zeit zuverbannen pflegt : darauf derDiacon von bannen dem heiligen Gal-o zugeloffen / erzehlet deme was erge-ben / Und gehört. Da haben beydeich zum heiligen Gebett begeben / Undstr heilige Gallus hat gebetten / er sol-e bist böse Geister diß -Orths abtrei-ben / zu grösser Ehr und Erhöhung sei-nes heiligen Nahmens. Aufbiß schrit-ten sie wider zu dem Wasser / da ha-ben sich die Leuffel alsbald auf den näch-sten Berg verfertiget/ denenschryedepheilige Gallus nach: Ich gebiete euch/ihr Gespänst / durch den Gewalt derHochheiligsten Dreyfaltigkeit / verlas-set Visen Otth/ und weichet auf die ödeBerg. Darauf liessen sie ihre Garn indas Wasser / und fiengen Fisch : Alssie dise heraus gelesen / horeten sie eingroß Geschrey auf dem Berg / gleich-sam ob zwey Weiber ihre Todten be-weineten / diß lauts: Ach was thun wir /oder wo solle wir hinaus ? diser Fremd-ling verjagt uns von den Menschen /m der Wtwnuß will er uns nichts ge-statten : Nicht allein dises mahl ist dißGeschrey erschallen / sonderen es istnochwohl dreymahl gehört worden. Alsder Diacon in dem Forst dem Wildnachgieng / fragt der Trüffel vor demBerg Himmelin genannt: -ob der hei-lige Gallus noch in der Wildnuß seye/oder abgezogen ? Wie der heilige Manndas Thal durch gjenge/ und besichtig-te/

c-p.Vertreibtdie Teull«mit Gebettauß der.Wildnuß.

FangenFisch / undhören einLeüflischEeschrH-