STIFTSBIBLIOTHEK a zm ST. GALLEN .&-x, ^ Je*'. te Zierde Jugend. Der Von Matthias Wchönberg/ m der Gesellschaft JEsu. - MitErlaubniß der Obern. Gedruckt , und zu finden im Fürstlichen Gotteshauß St- Gallen, 17 7 s- 5». Lsllen Die Keuschheit ist die Heldentugend des jungen Alters, und eine der erstell Pflichten des ehrlichen Manlres. Leaumonr. III SA* * * * te Schönheit ist ein Vorzug des jungen Alters, und das junge Alter ist, wie der anmüthig lachende Frühling,die Zeit der Schön- , heit; obschon diese bald wiederum, und oft in Mitte des Tages, wie / ein zarte Blume verwelket, s Es ist dieß jungen Leuten nicht unbewußt. Sie wollen auch in den Kleidern, sie wollen in allem ihrem Thun und Lassen allezeit sauber er- , scheinen; und sogar der Jung von dem geringsten Handwerker will es zu seiner Zeit dafür angesehen seyn. Eine so unschuldige, und der Jugend besonders eigene Neigung verdienet vielmehr gelobt, als getadelt zu werden; denn dieß Aeußerliche verräth nicht selten das Innere ei- | nes Jünglings; ein gut beschaffe- * nes oder niederträchtiges Gemüth. A2 Nur IV %lü f eines soll die nach Schönheit sich sehnende Jugend nicht verges- ftn, nämlich; daß sie eben so keusch sey , als schön zu seyn sie verlanget. Dieß sollen sich junge Leute nachdrücklichst merken; daß sie vor allem andern der Keuschheit beflissen seyn müssen, wenn sie doch, so wie sie es heimlich wünschen, schön, wenn sie sauber, und angesehen seyn wollen. Zu diesem Ende soll die Jugend die folgenden zwo Wahrheiten wohl und öfters bedenken. 1. wenn junge Leute keusch sind, so zieret sie diese Tugend allein mehr, als alles übrige. 2. wenn junge Leute nicht keusch sind, so verderbet an ihnen auch dieß Untugend allein schon alles übrige» su = <~Kr 4-4'4-4-4-4-4-4’4h!h^4-4-+'4-4-4'4-4--4- SKSS sw Zrster Mheil. Die einzige Tugend der Kensch- ^ heit zieret das junge Alter weit mehr, als alles übrige. §. I. was unter den Worten Reusich- heit, und keusch siyn, ver- , stände»; werde. Keusch seyn heißt nach der Lehre des englischen Civmaö 2. 2. 1 . r. in c. so viel» als die unordentliche Begierlichkeit des Fleisches mit der Vernunft bezaumen, dergestalt , daß man diesem zu Folge: Erstens, keinen dergleichen unordentlichen Wollust genüße, und nach keinem verlange: Zweitens, Daß man in Geberden, A 5 Wor- « 6 ***** Worten und Gedanken sich allezeit züchtig und ehrbar verhalte: und Drittens, Daß man allen fleischst- ' chen Vorwitz standhaft überwinde, der das Herz zur sündhaften Lust verleiten könnte; weil dieses der standmäßigen Ehrbarkeit, und eben darum auch der Vernunft und dem Gesetze Gottes zuwider ist. Hier ist der kurtz gefaßte Begriff, was keusch styn überhaupt heiße, und warum jeder Mensch, so wie es sein Stand erheischt, keusch seyn müsse; nämlich » weil die unkeusche Lust der standmäßigen , allgemeinen Ehrbarkeit, zu der wir, als vernünftige Geschöpfe berufen und erschaffen sind, gerade zuwider läuft; und weil eben darum die Un- : keuschheit von der gesunden Vernunfso- ' wohl, als von dem Gesetze Gottes verbothen ist. So häßlich nun, und über alle Maaße verächtlich dieß Laster ist: so schön, so vortreflich, so ruhmvoll und - herrlich, besonders für das junge Alter, ist die entgegen gesetzte Keuschheitstu- gend, von welcher hier allein hauptsächlich die Rede seyn wird. §- h. 7 §. II. Die Reuschheitstugend ist eine wahre Zierde. Keuschheit und Schönheit sind in ei« ^ nem gewißen Grade schier allezeit beysamen; sie führen sich einander wie zwo Schwestern gleichsam an der Hand. Auch ein arbeitsames , ein durch die Sonnenhitze schon braun gewordenes Bauernmägdchen höret deßhalben nicht auf schön zu seyn, wenn sie nur keusch ist. Und diese wackere Tochter hat sogar die Ehre mit der göttlichen Braut sich zu rühmen: (*) ich bin schwarz, aber doch schön. Warum ? weil nämlich die Keuschheit eine so schöne Tugend ist, die selbst dem Leibe eine vorzügliche Zierde giebt ; und wie eS der heilige Franciscus von Gales behauptet ; unter allen Tugenden ist es nur die Keuschheit, die ebensowohl die Tugend des Leibes, als der Seele ist. Eben dieser geistvolle, und hochge- A 4 lehr- Nigra sam, scd formosa, Caat. 1.4, 8 &A* lehrte heilige Bischof scheint noch mehr zu sagen : Nichts ist schön, als was rein ist, sind seine Worte; und nur die Keuschheit ist die Reinigkeit der Menschen. Ja, die Keuschheit allein ist es, welcher man ohne Widerrede, und durch den allgemeinen Ausspruch den schönen Ehrenname der Reinigkeit beyleget, derge- stalten, daß Keuschheit und Reinigkeit zwar verschiedene Worte, in ihrer Bedeutung aber nur eine, und die nämliche Tugend heißen. Und dieses zwar nicht nur in einem sittlichen, sondern auch in dem natürlichen , eigentlichen Verstände; denn, da die Schrift sagt : O daß die Unzucht allein eine Sünde selbst wider seinen eigenen Leib sey; da doch alle andere Sünde außer dem Leibe ist: und wiederum : (**) daß der Unkeusche durch dieses garstige Laster auch die schön- (*) Omne peccatum , quodcunque -* mo, extra Corpus est ; qui autem fotnica i. Ctr . 6. 18. tur, in corpus suumpcccat /**) jW«. 8. 9 t ♦ schönste Gestalt häßlich mache, und il feinem Leibe einen Schandfleck am .. hänge, der bis auf die Seele hinein ? . dringt ; so folget, daß, gleichwie ein ß . unkeuscher Mensch eben darum häßlich, >ie ^ und bey jedermann, wie es die Ersahen rung lehret, auch selbst bey den Unkeu- \zt schen, verächtlich wird, weil er um m keusch ist : so muß entgegen ein der ie* Keuschheit beflissener auch nur darum , nt weil er keusch ist, einen Vorzug der ,e* >. Schönheit haben, und seiner Reinigkeit lj- halber von Jedermann eine besondere Liebe und Achtung verdienen. m jl Eine so nothwendig schöne Zierde , \Xi mw eine |o zierliche Schönheit, auch zum Vortheil der Leibsgestalt ist die tv Keuschheit; und dieß zwar überhaupt ei- für alle Menschen, für alle Stände, n- Nun, wie viel mehr wird benannte k: . Tugend eben dieses für das junge Al- he ter seyn?-ja, wie könnte die >ie Jugend ohne diese so schöne Zierde schön seyn? — :a-' A5 § W. IO &A* §. III. Die Keuschheit ist die erste, und schier die einzige Tugendzierde des jungen Alters. , Sfo ist es. Die Keuschheit ist der ^ Jugend besonders eigen; eben dem jungen Alter steht diese Tugend, wie dem Joseph der bunte Rock, O am besten an. Oder aber, welche Tugend erwartet man endlich von einem jungen Menschen, von einem wohlerwognen Magdchen? — was für eine, als e- ben diese, und zwar vor allen andern nur diese: daß junge Leute keusch, daß sie züchtig und ehrbar sind? — Von dem jungen Alter kann man nicht fodern, daß es mit Starkmuth, mit Klugheit, mit Gelehrtheit und Weisheit, oder mit andern dergleichen Tugenden schon jetzt ausgerüstet sey. Nein; dieß alles sucht man gemeiniglich nur bey dem gcstandnen Manne; - und man hat den Mangel dessen der __ Iu- Gen, |7. F. q ft dl d ll w h> er dl n 11 d. n ii ii ii n ze bl m ck g' w 6 ii ii II d er m >tc im id cit en e? rn aß «it is- 'w !Y. igr e; - »er Jugend nicht übel. Aber, daß der Jüngling, daß das Magdchen keusch sey ; Dieß wohl: dieses erwartet Jedermann. Selbst die Jugend will für dieses von Jedermann angesehen seyn. Und, obschon nicht selten ein dießfalls widriges Beyspiel sich äußert» so ver- hofft man doch allezeit darüber : man erschröckt als an etwas ganz außerordentlichen , ganz abenrheurlichen. — „ Noch so jung, und dennoch nicht „ keusch, heißt es pfuy der Schande! — „ das ungewaschene Maul soll- „ te ja schamroth werden; — Er soll- „ te ja von diesem, von jenem noch „ nicht einmal wissen. — Wie ist er „ schon jetzt nichts nutz ! und was laßt „ sich Gutes von ihm annoch hoffen? " — So heißt es, und zwar bey der ganzen klugen christlichen Welt; ja, sogar bey den besser gesitteten Heyden denkt man von der Jugend eben also; wie solches aus der schönen Antwort einer jungen Lacedamoirierin erhellet. Diese wurde mit einer Art von Verachtung gefragt; ,» was sie dann ihrem Manne „ für Schatze mitbringen würde? — i, Die Keuschheit, sagte sie. " Und A 6 mit 12 mit diesem einzigen glaubte sie alles gesagt zu haben, ob sie schon sonst auch nicht arm war. §. IV. Die Keuschheit des jungen Alters ist die reine (Quelle, und der Grund vieler andrer Lugenden. Aie katholische Kirche vergleicht die ^ Seele des Gerechten mit einer Lil- ge; (*) und wiederum mit einem Palmbaum. (") Der Gerechte, sind die Worte dieser unsrer heiligen Mutter, der Gerechte wird wie ein Palmbaum blühen, und seine ersten Zweige werden wie ein Lil- ge hervorsprosten. Gleichsam als wollte sie sagen : Damit der Gerechte wie ein siegreicher Palmbaum den Glanz seiner Tugenden verbreite, und einst mit vollem Schimmer blühen könne, so muß er (*) justus gerrainabit sicut lilium. ex Os. 14, (*♦) justus florcbit sicut palraa. Pf AI. SfeA* r; er zuvor wie eine reine Lilge gewurzelt haben, und die zarten Blumen der Keuschheit müssen allezeit die Erstlinge, das ist, die ersten Sprossen seiner Tugenden gewesen seyn. Denn die silber- reine Lilge ist das glänzende Sinnbild der Keuschheit, und nur die Keuschheit ist es, durch welche man in seinen Jung- lingsjahren den ersten und nothwendigsten Grund leget, wenn man dermaleinst in allem Guten aufblühen will. Wir wollen einige dieser schönen und vielfältigen Tugenden aus dem Verhalten eines keuschen Jünglinges in der Nähe betrachten. Ich stelle dir also so einen jungen Liebhaber der Keuschheitstugend vor Augen, der sich die größte Ehre daraus machet, daß er seines Herzens und Sit- tenreinigkeit, aller bösen Anmuthung- und Reitzungen zu trotz, bisher noch allezeit ganz unversehrt erhalten habe. Er hat auch wirklich Ursache auf diese seine Tugend groß zu thun ; weil er jenes gethan hat» was andere seines Alters thun zu können oft schier für unmöglich achten. — Er liebet die stand- A 7 mäßi- 14 mäßige Reinigkeit, und man sieht es ihm in seinen keuschen Augen an ; alle seine Geberden geben hieven das schönste Zeugniß. Ist er in Gesellschaft mit andern, so sind dieß nur Leute, die seiner Frömig- keit weh! anstehen ; derer Umgang , weil er außer allem Verdachte ist, ihm Ehre machet. Niemals wird er sich bis zu den Schwachheiten verliebter Müs- siggänger herablassen. — All sein Thun und Lassen ist allezeit sittsam, ohne einzige Frechheit; weil er keusch ist. Seine Worte sind erbaulich, ohne einigen Leichtsinn; weil er keusch ist. — Er ergötzet sich, aber ohne Ausschweifung , und allezeit nur inner den Schranken der Anständigkeit. Stäts lächelt auf seiner aufrichtigen Stirne eine heitere Fröhlichkeit; weil diese die sichere Wirkung eines unschuldigen Herzens ist. Kurz: fein ganzes Betragen ist ohne Schmeicheley, und doch allezeit ganz einnehmend, und so weit von aller Verstellung entfernet, daß es vielmehr der natürlichen» und eben da- ÄA* 15 rum der schönsten Einfalt ganz nahe kömmt. — Wer wird so eine Jugend, die mit diesen Annehmlichkeiten erscheint, nicht lieben können? wenn schon nur diese keusche Eingezogenheit allein auch die einzige Tugend des jungen Alters wäre; weil ja auch dieselbe allein über alles übrige einen so anmuthvollen Reitz ausstreuet , der von allen rechtschaffenen Herzen mit einer süßen Gewalt sich den Beyfall erzwingt. So eine äußerliche Sittsamkeit war einstens schon erklecklich, daß die Hey- den, da sie den heiligen Märtyrer Ltt- cianus auch nur ansahen, sich bekehrten ; und selbst der Tyrann Maximi- nus weigerte sich den Lucianus zu sehen, weil er besorgte, die heiligen Ge- berden eines so sittsamen Mannes möchten bey ihm» auch wider seinen Willen eine Liebe und Hochachtung gegen das Christenthum rege machen. Nun, wie viel mehr wird eben diese Tugend dieses vermögen, wenn sie auch über das mit 16 JfeA* der reißenden Unschuld des junqen Alters vereiniget, in so einem edlen Tugendschmucke sich unsern Augen vorzeiget? — Wir werden aber den keuschen Jüngling nicht minder tugendhaft sehen, wenn er zu Hause alleinig ist, als wenn er bey andern wäre; den er ist eine reine Taube, die von verdächtigen Gesellschaften , und von allem, was böse ist, allezeit, wie vor dem Aas und vor den Raben flieht. Eine edle SchamhaftigkeiL ist, wie Diogenes der Weltweise sagt, allemal und überall das Kolorit senier Tugend : und seine unsterbliche «eele ist zu erhaben; sie ist ihm zu gut dazu , als daß er sie durch die Niederträchtigkeit einer fleischlichen Liebe jemals entehren sollte. Er hasset den Müssig- gang, als den offenbaren Feind der Reinigkeit, wofür sein Herz nur allezeit dre unverdrossenste Wache hält. Unmäßigkeit und Schwälgerey sind ferne von ihm , dergestalt, daß er auch %AJL 17 nicht selten von dem erlaubten etwas sich sechsten versaget, nur damit er schon in seinen zarten Jahren sich gewöhne , die Anmuthungen der bösen Natur zu bezwingen, und das Wachsthum der Tugend zu befördern, da er der Be- gierlichkeit so, wie dem Unkraute, die Nahrung entzieht. Er versplittert die kostbare Zeit nicht, wie die müßigen Liebhaber insgemein zu thun pflegen : Denn nur eine unverdorbene Seele, so wie des keuschen Jünglings seine ist, gehört dazu, um an den Berufsgeschaf- ten allein, und an dem Vergnügen der Einsamkeit Geschmack zu finden. Gleichwie nun dieser keusche Jüngling die Sauberkeit vorzüglich liebet, eben so sehr verabscheuet er die übertriebenen Feinheiten in der Kleidung und im Putze; weil er wohl weis, daß so gekünstelte Zierlichkeiten nur die Tugend der Weiber, für einen wackern Jüngling aber allezeit eine Schande sind. Und da andere seines Alters, die einmal der bösen Liebe zum Raube geworden , durch hundert verächtlichste Ausschweifungen verzärtelt, und durch das 18 SA* das wilde Wollustsfeuer schon vor der Zeit verzehret werden : so erstarket der Keuschheitlicbende durch eine gemäßigte Lebensart bis zu dem anhaltensten Flei- ße in allen seinen Arbeiten. Ein so reines Herz» welches der tyrannischen Liebsneigung Meister zu werden gelernet hat» genießt hievon stäts eine süßeste Ruhe; und diese Ruhe ist es, die den Verstand sowohl, als den Willen zu allen schönen Uebungen des jungen Alters nur desto aufgeklärter, geneigter und düchtiger machet. So viel Gutes enthält auch nur die einzige Tugend der Keuschheit, wenn man solche schon in seinen ersten Jahren liebet» und zum Grunde leget. — Wie vieles muß nicht den Aeltern und den Lehrmeistern daran gelegen seyn» daß sie hiezu ihre Jugend mit möglichster Sorge anleiten, und aufmuntern? Denn es ist unstreitig gewiß : damit junge Leute tugendhaft sind, dürfen sie nur keusch seyn. §- V. 19 %AJL §- V. Die Keuschheit macht junge Leute den Engeln ähnlich. Mne englische Schönheit, was könn- te schöners, was könnte reitzenders seyn? Und eben dieses ist es» womit die Keuschheitötugend den Menschen zieret; und zwar niemals mehrer, niemals besserö, als nur in dem jungen Alter. Das Gleichniß keuscher Seelen mit den englischen Geistern sagt vieles; doch, es hat auch allen Grunde. Es ist keineswegs übertrieben- Es ist nur desto richtiger»und der Jugend desto rühmlicher; weil IEsus, die ewige Wahrheit im Evangelium hievon selbst den Ausspruch gethan hat. Er saget: daß die Gerechten nach der Auferstehung deß Fleisches den Engeln ähnlich, und so, wie die Engel seyn werden. (*) Warum ? weil die Gerechten als, (•) Eriint sicut Angcli Dei. Man. iz. jo. 20 alsdann sich nimmer heurathen. (*) Das ist, wie es die heilige Völker einhellig erklären, weil alsdann die Gerechten ohne den niederträchtigen Wollust des Fleisches ein besseres Vergnügen haben, und alle allzeit vollkomen, rein, und keusch seyn werden. — Thun aber die Keuschheitliebendß Seelen nicht eben dieß schon hier auf Erde? fragen die heilige Vätter. (") So verdienen dan diese keuschen Seelen auch schon jetzt, wie die Engel geehrt, und diesen einigermaßen gleich gehalten zu werden. Sie beherrschen durch die Vernunft alle unreine Neigung, als wenn sie Menschen ohne Fleisch; und sie leben so keusch, als wenn sie ohne einen Leibe lauter Engel waren. Dcr Engel weis um keinen Wollust, er kann auch nach keinem verlangen ; e- ben darum, weil er ein reiner Geist ist. Und der keusche Mensch will um keinen Wollust wissen; weil er durch die großmüthige Verachtung desselben einer hö- _ Hern (*) Neque nubenc, neque nubentur. ibidem jitnbrefius. 1. I. dc Virgin. Hieran. Epist, *7. Cbry/oß . dc Virgin, 21 Hern und bessern Glückseligkeit, zu der er hauptsächlich erschaffen ist, theilhaftig wird. Was der Engel von Natur, und ohne seinen Verdienst ist, dieß wird der keusche Mensch durch das Verdienst, so über alle Natur ist; berge- stalten, daß, nach der Lehre des Heil. Bernardus (*) die Keuschheit der Menschen in Ansehung des Verdienstes auch weit vortrefflicher wird, als selbst jene der englischen Geister ist. — im folgenden Verstände giebt: bethet die Jungfrauschaft an. Nun aber um wie viel mehr bewähret sich alles dieses benanntlich, und insbesondere von der Keuschheit des jmr- gen Alters ? — Von dem jungen Al- ter, welches von Sünden gemeiniglich noch (♦J S. Bern Ep. tf, {**) Apprehcndite Disciplinarn, Vf. i. 22 &AX noch reiner, und fast immer die unschuldigere Zeit unsrer Lebensjahre ist ? von dem jungen Alter , welches, wie das Evangelium sagt, einen besonders sichern Zuspruch zu dem Himmel, zur Gesellschaft mit den Engeln hat; es heißt: derer ist das Reich der Himmeln. C) Selbst die himmlischen Geister wollen solches auf eine überzeugende, auf eine augenscheinliche Weise zu verstehen geben, da sie so oft, wie es die heilige Schrift erweiset, und ichier allezeit nur in der blühenden Gestalt eines Jünglinges erschienen sind; und da sie an- noch nur als reinste Jünglinge, und fast niemals anders unsern körperlichen Augen wollen vorgestellt werden. Welch eine besondere Ehre für das junge Alter? — warum aber, und woher wohl dieses? als nur darum, weil die jungen Jahre insgemein die unschuldigem sind; und weil eben nur die Keuschheit der unschuldigen Jugend vor allen andern 1*) Talium eft enim rcgnum coelorum. 2Z dern Tugenden die schönste, den Engeln die ähnlichste, und eben auch nur darum für die Engel die angenehmste ist. Ja , eben dieß ist, warum der junge Tobias zum Gesellen seiner langen Reise einen Engel sichtbarlich zu haben verdienet hat. Dieß ist die Ursache, warum die Keuschheit so vieler Jünglinge und Mägdchen oftmals selbst von den Engeln durch außerordentliche Wunder wider alle Feinde ist gerettet, beschützet, und nicht selten auch schröck- lich gerachet worden; wie wir solches von der heiligen Agnes, Tacilia, Adelgundis und andern lesen. Dieses ist endlich, warum auch die katholische Kirche den zweenenhochadelichen, und eben so tugendhaften Jünglingen Aloy- sius und Gtanislaus, wegen der ganz besondern Vortreflichkeit in der Keuschheitstugend, so schöne Ehrentitel beyleget, und sie Engel im Fleische, englische Jünglinge nennet. Aloysius war beflissen den mindesten Schatten zu vermeiden, der seiner engst- englischen Keuschheit auch nur verdäch- tiq seyn könnte. Stanislarrs aber An fiel so gar in eine tödtliche Ohnmacht j wegen eines einzigen unehrbaren Worts, j das in seiner Gegenwart gählinq geredet wurde. Dessenwegen der Vatter f ^ des Stanislaus seine adelichen Gäste ^ schon vorhinein warnete, sich von der- j r gleichen Reden sorgfältigst zu enthalten; , L.* weil man sonst seinen kleinen Engel 1 0U( ^ ( so nennte er den Stanislaus ) | aber alsbald so hoch in den Himmel entzü- | wen cket sehen würde, daß man selben auf Tu§ der Erden aufklauben müßte. Für f sche Es ist demnach so eine englische Rei- -wel< nigkeit, von der wir reden, nicht über ner die Kräfte des Menschen, daß man Fos nicht hievon auch einige Beyspiele, sor seyn gar von dem zarten Alter ausweisen kön- > ist v te; wie wir es eben gesehen haben, und und sogleich noch sehen werden. tigki ist e der' stan Sol höch V' ItAJL H. VI. -5 Die Keuschheit machet junge Leute auch den Helden gleich. eAie Keuschheittugend bärste von ih- ^ rem Werth vieles verlieren, wenn 1 sie nur schön, nur eine hübsche Zierde, ^ und nicht zugleich für das junge Alter auch eben so rühmlich wäre. Vor allem I aber würde es höchst ungereimt lassen, ! wenn Jemand so eine her.lich schöne Tugend nur als eine gewissensängstige Furchtsamkeit, oder gar für eine bäum \ sche Schamhaftigkeit ansehen wollte ; -welchesletstere niemals die Wirkung einer Tugend, sondern nur die elende Folge einer übelgerathenen Erziehung seyn mag. Nein, die edle Keuschheit > ist von einer scheinheiligen Schwachheit, und von einer so schwachen Niederträchtigkeit allezeit sehr weit entfernet. Sie ist es vielmehr, die auch dem, der in der Welt zu leben weis, auch dem ge- standnen Manne, auch dem tapfersten Soldaten sehr wohl ansteht, und zur höchsten Ehre gereichet; weil sie jene M. @. die Zierde rc. B I. 26 Tugend ist, die auch Jünglinge schon vor der Zeit zu Helden machet. Alexander der Macedonier trug einen großen Sieg über die Perser M den Ebenen bey Jssus davon. Darms ihr König ergriff die Flucht. Die Mutter dieses Prinzen, seine Gemahl linn, die man für die schönste Prinzeßin in Asien hielt, und zwo Prinzeßinnen, derer Schönheit durch den Glanz der Jugend noch mehr erhoben wurde, alles fiel dem Ueberwinder in die Hände. Alexander hatte damals noch keine Gemahlinn; er war in den Jahren , wo die Leidenschaften, besonders für einen König, wie dieser war, am lebhaftesten sind. Er war ein Heyd» und er hatte überdas die Freyheit eines Siegers. Er hatte aber damals auch eine Tugend, die, wo nicht allein, doch vor allen andern ihn der Ehre würdig machte ein Ueberwinder zu seyn; denn er besiegte sich und seine böse Liebsncigung auch in diesen so außerordentlichen Umständen mit einem eben so besondern Großmmh. Er 27 Er befahl, den gefangnen Prinzeßrn- nen mit aller Achtung und Ehrerbiethung zu begegnen, die ihrem Stande zukamen. Er ließ für ihre Keuschheit und Ehre mit allem Ernste Sorge tragen ; Er selbst aber enthielt sich sogar, daß er selbe nicht einmal sah. Nun f nur eben dieß wird von den Geschichtschreibern, als die herrlichste Heldenthat des Alexanders angerühmt, da doch seine andern, auch größten Eroberungen von den Kritickern nur schlechthin als eben so viele gewaltsame Unterdrückungen angesehen werden. Sogar Darms staunte über dieß keusche und heroische Betragen seines Feindes, und sprach ihm, wider den er wirklich zu Feld zog, das größte Lob. „ wenn die Zeit gekommen ist, " rufte er mit gegen Himmel erhobnen Händen , „ wenn die Zeit gekom- „ men ist, daß das Reich der tr Perser ein Ende haben soll, so „ gebet große Götter ! daß kein „ anderer, als Alexander aufden tt Thron gesetzt werde. " Br Um 28 Unter den christlichen Helden verdienet unstreitig der berüchtigtePrinz Eu- genins einen vorzüglichen Platz. Dieser Heersführer war in den Gefahren eben so unerschrocken als glücklich; und seine schönen Tugenden waren gemeiniglich eben so christlich als soldatisch. Sie hakten die Klugheit zur Führerinn, unv den Großmuth nebst der Hoheit der Seele zur Begleiterinn. Nun a- ber, wer dessen Lebensgefchichte mit einem unpartheyifchcn Auge lißt, der wird finden, daß dieser weltberühmte Obsieger, nach seinem eigenen Gestand- niß niemals geworden wäre, was er wirklich war, wenn er nicht eben so keusch als tapfer gewesen wäre. Er wollte sogar sich nie verheurathen; weil er sein edles Soldatenherz für zu gut hielt, als daß es dem Wollüste jemals sollte zu Theil werden. Er pflegte zu sagen: „ die Verliebten sind in „ der bürgerlichen Gesellschaft „ eben das, was die Gchwar- „ mer in der Religion sind; das „ ist, brausende Röpft. " — So 29 So thun dann keusche Jünglinge und keusche Töchtern eben jenes, durch welches sogar die Helden sind groß geworden. Sie bekämpfen sich selbsten. Mit einer mehr als männlichen Großmuth, mit einer heroischen Standhaftigkeit besiegen sie ihre äußerlichen Sinne, ihren natürlichen Vorwitz, ihre Anmuthun, gen, und den angebohrnen bösen Lust. Und dieß zwar nicht nur einmal des Tages ; und in solchen Jahren, wo die schmeichelnde Reitzungen, wo die häufigen Gefahren, wo die zügellosen Leidenschaften , wie der heilige Aerony- nms sagt, mehr als jemals am heftigsten sind. In jenen Umständen, wo manchmal auch das feige Herz.eines sonst tapfern Kriegesmannes schändlich unterliegt,und zum Sclaven wird. Auch da, und niemals herrlicher sieget der K euschheit liebende Held; und wer wird ihm den Ruhm des Heldenmuthes absprechen dürfen? — Auf so eine ruhmvolle Weise hat der hochadeliche Jüngling pelagius ge-- sieget. Schon in dem zehenren Jahre seines Alters ward er von den Mohren B z aus 3 © aus Spanien fortgeführt; und er leb/ te wirklich drey ganzer Jahre unter diesen Wilden , eben so keusch und sittsam, als wenn er unter den Engeln gewesen wäre. Seine Gestalt war von ausnehmender Schönheit, und seine Seele war überdas noch weit erhabener; besonders, da es um die Tugend der Keuschheit zu thun war; für welche er , obschon mit Fesseln beladen, dennoch bey Tage und bey Nacht allezeit mit einem heroischen Muth bewaffnet stund. Selbst dem Könige , seinem Herrn trotzte er ins Angesicht, als dieser Unkeusche auf eine unanständige Weise dem heiligen Jünglinge zu schmeicheln, und dessen männliche Tugend, die er zu wenig kannte, zu versuchen sich wagte. ,, Packe dich, „ du unreiner Hund!" sagte der tapfre pelagius, und warf zugleich dem liebkosenden Schmeichler feine königlichen Schankungen alle vor die Füsse hin, obwohl er vorsah, daß die beschimpfte Liebe des Tyrannen sich in eine Wuth verkehren, und an seiner Unschuld den schmerzlichsten Tod verüben würde. Allein der keusche Jüngling war 3i war nicht minder standhaft als uner- jchrocken; er starb als ein Märtyrer mit eben der Großmuth, die er in seinen Worten gezeiget hatte; und sogar die Barbarer wußten nicht, ob sie die Keuschheit , oder die Tapferkeit dieses so jungen Helden höher bewundern sollten Nach diesem schönen Beyspiele eiferte für die Reinigkeit auch ein anderer zu unsern letsten Zeiten in Trient studierender adelicher Jüngling, Johannes Schnltharrs mit Namen. Dieser ent- i braun von heiligem Eifer, da er gah- ling das unkeusche Gespräch eines sei- ner SchulZesellen hören mußte; und, weil die gütigen Worte, womit er ihn abmahnte, nichts vermochten, so ver- i setzte Johannes dem unsaubern Possenreißer so eine derbe Ohrfeige, daß das ungewaschene Maul wo nicht gebessert , doch gezüchtiget davon giena, und durch den unerschrocknen Muth eines so .. keuschen Jünglinges bey Jedermann zu schänden wurde. Vor allen aber verdienet es die vom B 4 Geist Z2 Geist Gottes beseelte Tapferkeit des engelreinen Nicätrrs, daß man solche zum Muster sowohl , als zur Bewunderung vorstelle. Dieser Blutzeug und ritterliche Kämpfer für die Reinigkeit, wurde mit gebundenen Händen schier gänzlich außer Stande gesetzt die Ehre seiner keuschen Unschuld zu verfechten. Was that er in so wehrlosen Umständen ? gewiß, nicht weniger als jener tapfere Kriegs- mann, von dem die Geschichte sagt, daß er bey Ermanglung der Bleykugeln sich selbst die Zähne ausgeschlagen, und solche auf den Feind losgeschossen habe. Ein gleiches, und noch mehrer hat unser Keuschheit - liebende Held gethan. Nicht nur etwelche Zähne, wie dieser Soldat, nicht nur eine Hand, wieder römische Gcävola, sondern, was zu seiner Hülfe das einzige und das kostbarste war, dieses machte er durch eine bisher unerhörte Heldenthat seiner Tugend zum Opfer, um hiedurch desto herrlicher das Laster zu besiegen. Mit 33 seinen Zähnen biß er sich selbst die Zunge ab, weiche er sammt einem Maulvoll heroischen Blutes der zur Unzucht reihenden Person ins Angesicht ausipie. — Wer andrer, als eben nur dieser stumme Held , wird der Keuschheit das Lob einer Heldentugend nachdrücklicher sprechen können? — Eine Menge Großthaten der Keuschheit-liebenden Jünglinge könnte ich bis zum Ueberfluße namhaft machen, die oftmals schier mehr zu bewunderen, als nachzuahmen sind. Beyspiele, die auch unserm Jahrhunderte, auch unsermVat- terlande Ehre machen. Da nämlich keusche Jünglinge ihre heroischen Hände entweder an den glüenden Ofen, oder über ein brennendes Licht, oder auch in das Kohlenfeuer so lang hineinge- halten, bis sie durch einen heilsamen Schmerzen die unreinen Funken der bösen Anmuthung getilget, und hieourch die geheiligten Flammen der Liebe Gottes in ihren keuschen Herzen desto heftiger entzündet, je ritterlicher sie so eine außerordentliche That unternommen haben. B 5 Ja, 34 Ja, sogar das schwächere Geschlecht ist durch die Keuschheitstugend unüberwindlich geworden. Und die katholische Kirche zeiget uns eine schier unzählbare Schaar der zartesten Jungfrauen , welche aus Liebe der Reinigkeit alle Wuth, und alles Liebkosen der grausamsten Tyrannen männlich besieget, und zur Belohnung ihres Sieges, nebst der allgemeinen Hochachtung, schon in den ersten Jahren ihrer Jugend die Krön der Märtyrer erhalten haben. Nur eines wollen wir beysetzen, welches dem Ruhm der Blutzeugen nahe kömmt, und der siegenden Keuschheit sowohl als dem schwachen Geschlechte zur besondern Ehre ist. Morgan, ein Anführer derer, die einst das spannische Amerika verwüsteten , hatte sich von der Stadt Panama Meister gemacht, und alle Arten von Grausamkeit, welche die Freyheit und die Raubbegierde ungesitteten Leuten eingeben kann, darinn verübet. In dieser Stadt befand sich eine junge und sehr keusche Spanierinn»welcher Mor- t s Morgan Gewalt anthun wollte, - weil sie auf ihn Eindruck gemacht hat- - , te, obschon diese seinem unkeuschen Ve- \( gehren immer zuwider war. „ Halt \t v . rief sie, indem sie ihn mit einem groß- \f wüthigen Ernste zurück stieß, und sich \f schleunig von ihm entfernte! „halt und » „ denke nicht, daß du mir die Ehre so st „ rauben könnest, wie du mir meine n „ Güter und die Freyheit geraubet ie „ hast. Wisse, daß ich gelerner habe i. „ für die Keuschheit zu sterben, und \t „ daß ich mich im Stande finde die Säle „ che gegen dich, und gegen mich aufs it „ äußerste zu treiben. " Mit diesen te ' Worten zog sie ein großes Messer unter ihrem Kleide hervor, welches sie dem unkeuschen Liebhaber in die Brust »ie wurde gestossen haben, wenn er ihr ü- nicht ausgewichen wäre. Morgan a-r verlohr alle Hoffnung, und mit der Hoffte- nung die Liebe ; denn er schämte sich y- billig; weil er sorgte, von einem Weibsen • bilde, die mit bloßem Gewehre auf ihn er. , losgieng, in der Tapferkeit eben so, > wie in der Tugend überwunden zu m- werden. — ;er Nein, B6 36 Nein f nicht bey furchtsamen Feigen- herzen, nicht bey Schwachen, und Niederträchtigen, sondern nur bey tapfern und großmüthigen Seelen muß man die Keuschheit suchen. Nur von diesen . kann man sicher diese Heldentugend erwarten ; nur diesen allein ist dieser glänzende Ruhm eigen und vorbehalten. Die heilige Schrift bekräftiget es, be- nanntlich von der Judith , wo es zum Lob dieser keuschen Heldinn heißt: O Du haft mit einer männlichen Stärke gekämpft, und dein Volk gerettet; weil du die Keuschheit geliebet haft. Und der weise Mann ' rüst uns in göttlicher Schrift durch einen ganz besondern Trieb des heiligen Geistes also zu : ('*) (!) wie schön ift ein keusches Geschlecht! — denn sein Gedächtniß ift unsterblich , weil es bey ©0CC, und bey den Menschen in Eh- , Fecifti virilster, eoquod caslitatcm ama- veris. Judith 15. 11. (**j O quam pulchra est casta generatio ! im. mortalis «st enim memoria illius, Lcc. Su». 4. 1. öc 1. 37 Ehren ist. wenn es vor Augen ist, so richtet man sich nach dem- selbigen, und wenn es den Augen entzogen wird, so trägt man ein Verlangen darnach. Es erhalt die Belohnung des Streites für die Reinigkeit, und tragt als Ueberwinder eure ewige Rrone davon. Es bleibt also unstreitig erwiesen, daß auch Jünglinge zu Helden werden, wenn sie nur keusche sind; und daß a ben die Keuschheit, gleichwie sie eine der ersten Pflichten eines ehrlichen Mannes, also auch die wahre Heldentugend des jungen Alters ist. — Eine Heldenthat, schon in der Jugend; — was könnte für einen wohl erzogenen Jüngling, für eine ehrliebende Tochter ruhmvollers gesaget werden? was tönte für die Blüthe der ersten Jahre noch zierlichers seyn ? — Von so einer Wichtigkeit für das junge Alter ist die Tugend der Keuschheit. Ja, von so einer ganz besondern Wichtigkeit; daß B 7 wenn 33 wenn bey der Jugend auch nur diese alleinig fehlet, so fehlet wirklich, oder nächstens, schon alles übrige; Denn die Unkeuschheit des jungen Alters verderbet auch allein alles übrige. Das leidige Unwesen, so die entgegengesetzte Untugend gleichsam in einem finstern Trauerschleppe allezeit nach sich zieht, eben dieses wird solchen zweyten Satz vollkommen beweisen. Und gleichwie eine wohl angebrachte Schattirung das Licht der Färb verstärket, und das Gemählde nur desto lebhafter machet: auf gleiche Weise wird die schimmernde Zierde der edlen Keuschheitötugend eben aus den schwarzen Folgen der Bitterkeit-vollen Unzucht auf die Augen junger Leute nur desto glänzender hervorleuchten. Zwey- 39 =©=;:= 63 =.-= 36 =; =£ 38 enn die Keuschheit des jungen Alters die schöne -Quelle der Ehre, und der Tugenden ist: so wird das entgegengesetzte Laster auch der Ursprung vieler, wo nicht aller Uebeln seyn. Und, wenn die Keuschheit allein das junge Alter weit mehrer zieret, als alles übrige: so laßt sich leicht erachten, daß eben die Unkeuschheit in der Jugend, auch allein alles übrige verderbet. Mit der Unkeuschheit kann 40 kann keine andere Tugend bestehen, sagt der heilige Hierony- mus. (*) Dieses Laster allein verderbet in allen Standen alles übrige; und dieß zwar auf eine ganz fürchterliche, auf eine fchau- ervolle Weise: Nicht anders, als das rasende Donnerfeuer, wenn es gegen einen fruchtbaren Baum aus ftinem schwarzen Gewölke daher fährt, und dessm schönste Früchte sammt aller Hoffnung auf einmal zernichtet; da es mit einer tobenden Wüthe den Stamm selbst von der Wurzel los reißt, und dessen Innerstes, wie das Mark in den Beinen, alles im Augenblicke verzehrt. Weit schrecklicher wird das wilde Wollustsfeuer die jugendlichen Pflan- (*) Quacunque vimite polleas, quibuscunquc opcribus nitc.ns, si cingulo castitatis careas, oxnnia o«r tcrram trahis. S, Hierin. XA* 4* Pflanzen eines noch zarten Alters bis in den Grunde verheeren; weil es allezeit, sogar bis in die Seele hineintringt: wenn schon et- wann die unkeusche Jugend nicht so gleich, und nicht eben so, wie die lasterhaften Bruder Her, und Onan, (*) plötzlich in ihrer Sünden dahin stirbt, und eben so von der Erde bis in die Hölle mit fortgerissen wird? — Die Unzucht ist ein sthröckliches Laster, sagt der göttliche Geist durch den Mund des heiligen Job, (**) sie ist ein Feuer, welches bis zum Verderben frißt, und alles Gewächs sammt der Wurzel ausrenket. — Ja, der ganze Mensch, der Wille nämlich und der Verstand, das (* ) Gen. j8 (**) Ignis est, usque ad perditionem dero- rans , & omnia eradicans gcnimina, jr. n. 4 * das Beste und das Einzige, so der Mensch hat/ sammt dem, was man für spätere Jahre Gutes hoffen kann, dieß alles wird auf die schlimmste Weise, und niemals so sehr, als nur durch die Unzucht, besonders in den ersten Jahren verderbet. «rfy 1 xxxx a, xxxx J va? § I. Die Unkeuschheit verderbet, was die Jugend Gutes hat; weil dieß Lasier den Verstand auf die fchlinnnsie weife verblendet. ^eufchheitliebende Seelen sind nicht ^ selten mit einer besondern Gabe der Weisheit von GOtt belohnet wor- den; wie wir es von dem jungen Joseph in Aegypten, von der tapfern Judith , von dem geliebten Apostel Johannes , und von vielen andern, sogar von den heydnischen Sibyllen aus der Geschichte wissen. Allein, weit zahlreicher sind unstreitig die Beyjpie- le derjenigen, welche das reine Licht der lehrreichen Vernunft, und den gesunden Witz einer natürlichen Scharft sinnigkeit nur durch den Wollust ersticket, oder doch geschwckchet, und entgegen eine gewisse Blöde des Geistes sich zugezogen haben, wodurch die Kraft 44 fcftdt Kraft ihres sonst vieleicht bcßten Vet^ standes zu einem höhern Erkanntnrße der sowohl natürliche als übernatürli- chen Dinge, und zu einer tiefern Einsicht der gelehrtesten Gegenstände entweder gänzlich, oder doch großen Theiles ist untüchtig geworden. Von den natürlichen Wissenschaften haben es Plato und Geneca, ob- schon sie Heyden waren, längstens erkannt, und behauptet; benanntlich dieser , da er sagt : daß der Wollust für den Verstand des Menschen vor allein und allezeit das schädlichste Gift sey. (*) Von der übernatürlichen Weisheit aber überzeuget uns selbst der unfehlbare Ausspruch GOttes (**) wo es heißt: der viehische, der fleischlich gesinnte Mensch versteht solche (*) Nihil tarn mortiserum ingeniis , quam voluptas Seneca. (**) Animalis homo non percipit ea , qu* sunt Spiritus Dci. I. Ctr. 14. %AJL 45 che Dinge nicht, die vorn Geist GOttes sind. — Galomon, dieser weiseste Regent, dieß Wunder des Witzes, und aller menschlichen Wissenschaft, wann, und wie ist er in so albere Thorheiten, und auf die schändlichsten Abgöttereyen verfallen? nicht eher, als bis er hat aufgehört keusch zu seyn- Nur der Wollust hat den Frömmsten zum Abgötte- rer, den Allerweisesten zum größten Thoren gemacht, der jemals gewesen ist, wie er es von sich selbsten gesteht, C) und der heilige Äugusiin in seinen Büchern nachdrücklichst erkläret. (**) Und durch was hatMoab (***) die klügsten Verfassungen des Israelitischen Heeres zu zernichten getrachtet? durch was hat er dieß unüberwindliche Volk Gottes haufenweis,bis zu dem unsinnigsten Götzendienste verleitet? — nur durch ftultimmu6 Prov. virorum. Rcx ille aliquando lapiens, fapicntiam , quam amorc fpirituali adeptus fuit, amorc carnali amisic. S* 1 .17. ciy. c S. 46 3feA* durch den fleischlichen Wollust. Alle jene übergroßen, jene fast unzählbaren Wunder und Wohlthaten, die das Volk mit eignen Augen selbst angesehen, und erstaunet hatte, alles wurde gleichsam auf einmal vergessen. Nur durch den Wollust wurden sie auf einmal verblendet. So gleich denkten sie nimmer an ihren so großen GOtt; und sie trugen als sinnlose Köpfe kein Bedenken, anstatt des Allmächtigen, Holz und Steine anzubethen; als hätten sie sogar ihrer selbst vergessen, daß sie Menschen waren. Man darf es nicht wundern, warum so viele unter den Heyden, und Maho- metanern das hellschimernde Licht desE- vangeliums annoch nicht erkennen, da sie doch hiezu schier von unfürdenklichen Zeiten her, so viele und bequeme Gelegenheiten haben ; Denn es ist nicht nur allein aus der Geschichte, sondern auch aus den Sendschreiben des Heil. Apostels Paulus (*) selbften ganz gewiß, __ daß (*) Trndidic illos Dcus in desideria cordis c- orum , in imnaundi-tiam » &c. Kpm. I. 17« 47 daß die Ungläubigen gemeiniglich dem Wollust sehr ergeben sind. Und eben nur dieß Laster ist vieleicht das meiste, wo nicht daß einzige, welches diese E- senden eines so hohen r und doch unumgänglich nothwendigen Erkänntnißes eben so unfähig alö unwürdig machet. Sie wurden Zweifels ohne gar leicht, und gar bald Christen seyn, wenn sie nur sich entschliessen wollten nicht wollüstig zu seyn. Die Heil. Schrift und die Vätter der Kirche lehren mich also reden. — (.*) GOtt hat sie den Gelüste«; ihres Herzens, und aller Unlauterkeit überlassen, sagt Paulus von den Heyden seiner Zeit. — Ihre Bosheit hat sie verblendet. (**) Denn die Weisheit wird in eine boshafte Seele nicht entgehen, weder in einen; Leibe wohne»;, der dei; (*) Rom. I. v, 24. (**) Excaecavit cos malitia eci'um. Sät, 1. rl. 48 den Sünden unterworfen ist. (*) be — Durch die Unzucht wird der Verstand und der Wille an: aller- Dei meisten verderbet, sagt der englische Lehrer Thomas (**) und der f e £ Heil. Gregorius behauptet: Daß hxj die Verblendung des Verstandes vo> eine der ersten Wirkungen von S der Unkeufchheit sey, (***) H che Aber auch unter den Christen einige, Hi die gegen die wahre Religion ganz wid- ££ rige Gesinnungen hegen ; die ohne Ei- /rS fer für die Ehre GOttes, ohne Sor- y ge führe ihre Seele leben, und der Andächtigen nur zu spotten scheinen: sind ’ es nicht gemeiniglich eben nur diejeni- " gen , welche der Keuschheitstugend ab- " 1 hold, oder wohl gar, der Unzucht hab »' 1 der» mit Grunde verdächtig sind? — » < GOtt gebe, daß diese die Keuschheit W von Herzen liebeten! ich wette, sie wur- “75 den (*) Quoniam in malevolam animam non in- troibit sapientia, nee habitabit in corpore subdito peccatis. S*p. >. 4. (**) S. Thom. i. z. q. jj. att. s. (***) S. Gregorius Ltb. zr, mor*l. 49 L ) den gar bald, auch in Religionssachen % demüthiget, und gelehriger; sie wur- ^ den gar bald bessere Christen seyn. — tf Wir haben hierüber abermal das um 'r fehlbare Zeugniß aus dem Munde des ß heiligen Apostels Judas , O wo er ö von den Ketzern, benanntlich von den n Gimomanern , Gnostickern und Htcolatten redet. Das unverwerfli- che Zeugniß aus dem Munde des heil. e, Hieronynms, des heiligen Lhrysostomus und des heiligen * Lyrillus von Alexandrien. », Sieh, sagt der heilige Lhryso- tp „ stomus (***) sieh doch, wie der b- „ neubekehrte Heyd, wie der Bauer, % \ { „ wie der Soldat die Geheimniße der __ „ ewigen Wahrheit ohne Beschwerden eit N7.G. die Zierd e, rc. § „er- \Kt (*, Similiter 8t hi eatncm quiJcm maculant, dominationem autem spernant; Ma jestacem -7— blasphcmant. Jud. 8. in- (**) Difficile cst invenire haerctieum, qui di- vkc Jigat castitatem, etijmsi cam vcrbis com- incndct , & pratfcferat. S. Hteronjm. Üb, 1, Comment, in Osce. c. 9. (***} S. Chrys Tun. x. in 8. 9 5« erkennet! da indessen einige Christen, die mit der Schrift doch immer groß thun wollen , eben jene Wahrheiten miskennen, und treulos verleugnen; nicht darum, weil das Geheimniß zu l dunkel, oder zu erhaben ist; sondern f weil ihr böses Herz verkehrt ist; denn' „ es steht geschrieben:" Lnemebos--! hafte Seele wird die Weisheit' nicht eingehen. So redet dieser heilige Kirchenlehrer; und der heilige Lyrilkrs von Alexandrim (*) fetzt der jetzt erwähnten Schriftstelle folgendes bey : „ Das Erkanntniß unsrer Glaubensgeheimniße ist jene Weisheit, und die boshafte Seele, die sich hierzu untüchtig machet, ist die Seele des Gleißners, des Ketzers, und des Ungläubigen, welchen auch das helleste Licht schier niemals hell genug leuchtet." b li d V ei g »i h ti ei tu t g< A ft w st« Wir wollen aber alles dieses noch in einer andern ganz praktischen Stelle sehen, dessen Jnnhalt in der göttliche^ Schrift nicht allein vollkommen gegründet , S. Cyrill. Alexandrin, lib. i, in Joe den ?— sehr hart; denn hundert Zwei- >' fel werden darüber in seinem wollüsti- ! gen Gemüthe rege werden; und was ' ihm vormals ganz klar, sicher, ange- . ^ nehm und durchaus ungezweifelt war, > M eben dieses wird ihm jetzt, nachdem er vei unkeusch geworden, ganz fremd, dun- kel, verdrüßlich, und voller Ungewiß- 1 J c,! heit zu seyn scheinen. — So göttliche *. cr Dinge sind in den Augen eines so fleisch- ' slt liehen Menschen nicht anders, als wenn 00 es ihm träumte. — Sie sind zu erha- dei den, als daß er sie fassen könnte; sie er sind ihm aber auch zu schreckbar, als an! daß er sie gerne glauben wollte; und S< sie sind dennoch nur gar zu wichtig, nur der gar zu gründlich, als daß er selbe ge- wi> rade hinweg laugnen börste. — W Nämlich das Licht des lebhaften hei Glaubens verliert sich nach und nach; und wie eine reine Taube von dem übel- — riechenden Todten-aase, so weicht die ( erleuchtende Gnade von dem Unkeuschen, , je länger dieser sein unsauberes Herz an diese garstigen Gelüsten anklebet. i GOtt betheurt es, wie er es schon von der 53 der Sündfluthe gethan hat: Mein Geist wird in Ewigkeit in dem Menschen nicht verbleiben, weil er Fleisch ist; (* (**) ) das ist, weil der Mensch dem fleischlichen Wollust ergeben ist. Der Unzüchtige fangt demnach an über die geheiligsten Puncten seiner Religion ein furchtsamer Zweifler zu werden; und so ein unseliger Anfang bahnet ihm endlich den schauder- vollen Weg auch bis an die Gränzen der verfluchtesten Atheisterey , wohin er von seiner bethörenden Liebe, nicht anders als ein dummer Ochs zur Schlachtbank geschleppet wird, "ohne den Abgrund wahrzunehmen, der sich wirklich vor seinen Füßen eröffnet: Wie solches der heilige Aeronvmus (***), und abermal selbst der göttliche heilige Geist bezeuget, und der unbe- C 3 fcufc (*~) Non permanebit Spiritus meus in bomine in seternum, quia caro est. Genes 6. (**) Sequitur cam ( Ada'efient') quasi bos du- ctus ad victimam. Prenj f. zi. (***) Considcrandum est pueris , ut cafti ac pudici permaneant, —— 8c ante omnia ca- vendam a fornicatione , quae initium ad 54 Hutsamen Jugend zur Wahrnung vorsaget. O O daß ich hier das traurige Schicksal einiger schon zu unsern Zeiten durch eben dieses Laster» eben so verunglückter Jünglinge nicht hatte schildern müssen! — Doch, von diesem Seelen und landverderblichen Uebel wird die Ju-, gend zu Folge der Lehre des heiligen Hieronyrims eben nur durch die Liebe zur standmäßigen Reinigkeit am sichersten bewahret. — Und wer sieht nicht» daß die Keuschheitstuqend eben darum die beßte Zierde des jungen Alters ist; auch nur, weil sie die Jugend wider das größte Uebel, nämlich wider so eine Verblendung des Verstandes, am beßten versichert? — Ja > je keuscher und reiner die zarte Jugend ist, desto aufgeklarter und fähiger wird die Kraft ihres Verstandes seyn, um sich den Strahlen der ein- keuch- * (*) idololatriam habet, & necesle est, ut u. tntmque noverit, qui sccutus est alterutn. S. Hteron. ad Damafrm. (*) Mulicres apostatare faciunt sapientes. £«/». 19. r. fei Utl th fü B in kr, nn Ut V s0! de er» sie S no ha Ai wi m« er S er w> str 55 leuchtenden Gnade GOLtes zu eröffnen; um in ihrem noch unbemackelten Gemüthe, wie auf einem schneeweißen petv gamente , die reinsten Züge der Wissenschaften bilden zu können, und jedes Bildniß der gelehrtesten Gegenstände in ihren keuschen Herzen, wie in einem kristallhellen Spiegelglas aufs vollkommenste zu entwerfen. Da indessen der Unkeusche insgemein die ansehnlichsten Vortheile verliert, welche ihm feine sonst beßten Talente bey GOtt und bey der Welt hätten verschaffen können. Denn, wenn schon zu weilen auch ein Wollüstiger in andern Sachen verständig ist, so wurde er doch in dem Stande seiner Unschuld, eben dieses noch mehr gewesen seyn. Seine lasterhaften Vergnügungen haben ihm die Augen nicht eröffnet als nur, damit er wisse, was ihm besser gewesen wäre, niemals gewußt zu haben; und damit er zu seiner größern Strafe, seine Schand in jenem Fluchesehe, mit dem er feiner Sünde wegen ist geschlagen worden : fast eben so, wie es dem ersten Vatter der Menschen nach dem C 4 Sün- 56 fcftdt Sündefall gegangen hat, welches wir , ebenannoch büßen, und beweinen müssen. Da wurden ihre Augen aufge- than, — sie merkten, daß sie nackend wären — und darum* habe ich mich verborgen. — So seufzet der elende, der vor Schand und Schamröthe sich verkriechende Adam. (*)- nr ko n tr „ „ „ v So seufzet der vom häßlichen Dunkel seines wider ihn selbst sich empörenden Gewissens ganz niedergeschlagene Menschenvatter, den sein sündhafter Vorwitz nicht aufgeklärt, sondern nur unglücklich gemacht; und der seinen beßten Verstand durch die Wissenschaft des Bösen nicht bereichert, sondern nur beraubet hat : dergestalt, daß er die schönsten Erkänntniße, womit er gestern, fast wie ein Engel beleuchtet war, jetzt schier alle auf einmal verloren; und daß er jetzt, wie ein scheugewordenes Thier dem Allsehenden sich verbergen will, der ihm so eine Thorheit nicht anders als D di> dü thr se: bes fcfc* 57 nur mit bitterstem Höhne verweisen konnte. „ Gehet! hieß es, (*) st- „ het doch! Adam ist jetzt , wie „ ein GOtt. — Er, der alles mist „ sen wollte, der verweis sich ichon „ selbsten nimmer. — Vor Schande „ und Verwirrung weis er wirklich nicht, „ wo er, und wie ihm ist. " — §. II. Die Unkenschheit verderbet, was die Jugend Gutes hat; weil dieß Laster auch den Willen auf die schlimmste weist verkehret. Awar jede Sünde verkehret den Will- ^ len des Menschen: aber nicht jede thut eben dieses auf die schlimmste Weise : wie solches durch die Unkeuschheit, besonders bey der Jugend geschieht. Durch die Unzucht verliert man fast C5 al- (,*) Adam, ubi es t — ecce Adam, quasi u* nus cx nobis factus est, scicns botuim (c aulum. Cta. j. 58 2feA£ allen Geschmack an göttlichen Dingen; ' öft und jedes Herz , welches jemals das ' me Unglück gehabt hat von diesem vergiften ten Honig sich bethören zu lassen, jedes M giebt sich hievon, obschon eine stille, doch , Al überzeugende Probe. Wer aber dessen der die Ursache in ihrem Urgründe suchet, Kr der wird solche gar leicht finden; näm- sen lich diese: der Verstand des Unkeuschen ist , ist zu göttlichen Dingen großen Theils ihn untüchtig; er ist hierüber verblendet, wir So ist dann nothwendig auch das Herz dar eines solchen Menschen eben so abgeneigt und verkehrt; nämlich auf die ; schlimmste Weise. Das Licht der Gna- sch, de ist zum Theil, oder auch gänzlich ' ma schon erloschen ; wie könnte man einen ' sch, Geschmack ab göttlichen Dingen führ leb, len, derer man inner sich nur wenig or; dur der gar nichts von einem lebhaften Er- hat känntniße mehr findet? abe lich Es ist also kein Wunder, daß die- ßer ser Jüngling, nachdem er nimmer keusch deri ist wie zuvor, auch nimmer, wie zuvor. ^ jenen himmlischen Trost fühlet, den er ' s ehmals in seinem reinen Herzen bey An- KÖC hörung des göttlichen Wortes, bey dem öf- JfeÄ* 59 öftern Gebrauche der heiligen Sakramenten, und bey Ablesung geistlicher Bücher mit süßestem Vergnügen inniglich, und schier allezeit verkostet hat. Alles dieses ist ihm abgeschmack, seitdem er unkeusch ist. Und wie einem Kranken, bey dem sich die Galle ergossen , eben so kömmt auch ihm, was süß ist, jetzt alles bitter vor. — Es eckelt ihm ab dem Allerbeßten, obschvn es, wie bey den Jsraeliten geschehen, selbst das Himmelbrod ist. o — Dieser so elende Zustand zeiget seine schwarze Seite noch lebhafter, wenn man erwägt, daß ein so verkehrtes Menschenherz , welches ohne zu lieben nicht leben kann, jene Glückseligkeit, die es durch die Unlauterkeit einmal verlohren hat, nun anderswo zu suchen anfangt: aber eben dort, wo man solche unmöglich finden kann ; wo man zu seiner qrö- ßern Quaal nur ein peinlicheres Verderben erwarten muß. Der fleischliche Willen des Unkeu- schen ist, wie jener des unzückrigen i 6 Ga- €o Salomons, (* (**) ) eben so verkehrt als sein Verstand verblendet ist. Die quälende Wollust kann sein Herz nicht glücklich, sondern nur unruhig machen. — Er tappet allezeit nach dem Schatz ten, und findet allezeit seine Hände leer, als oft er den wahren Gegenstand seines Vergnügens erreichet zu haben meynet. — Er füllet sich, wie in der äußersten Noth ein hungriger Magen, mit den häßlichsten Speißen, ab welchen ihm selbst zuvor gegrauek hatte; (*') und er sieht den schon gegenwärtigen Tod nicht, welcher ihm doch unter so einem süßen Gift, wie den dummen und vermmftlosen Mücken wirklich zubereitet ist. — Er dürstet nach den trost- vollen Erquickungen des Geistes, wie er solche vormahls öfters verkostet hatte. Weil er aber, wie das Ungeziefer nur aus den sumpfichten Kothlacken ( w ) deö Wollustes schöpfet, so dür, (&) Cor ejus depravatum est per mulicre». J. Reg, n. (**) Qux prius nolcbat tätigere anima mea , — ntinc eibi mei sunt. job. fi 7. t*") Dereliquerunt fontem aquae vivat, 8c so. derum sibi eifternas dissipatas. Jtrem, », >Z. f 61 stet er immer, und nur desto mehr, je mehr er von diesem Wüste hinein- trinkt. — Sein verkehrtes Herz empöret sich unabläßig wider das annoch demmernde Licht seines Verstandes, und sein obschon blöder Verstand verdammet noch allezeit die Bewegungen seines unzüchtigen Herzens- — Wie muß nicht so ein innerlicher Krieg nothwendig alle Augenblicke eines unkeu- schen Lebens verbittern ? — Dessen- wegen, daß ist, nur zu ihrer Strafe, hat ihnen GOtt ihren Wollust zugelassen. Er hat sie, sagt der Apostel, (*) den Gelüsten ihres Herzens — ihren schändlichen Gelüsten — ihrem verkehrten Sinne übergeben , nämlich so, wie man den Uebel- thäter den Henkersknechten zur Folter übergiebt. — Alles in Kürze zu sagen : es ergeht dem Wollüstigen, so wie es der göttliche Erlöser von dem verlohrnen Soh- C? ne, (#) Tradidit ilios Dcus in desideria cordis eorum, in immunditiam — in padioncs ignomini* — in scnsum reprobtu», H*m, i. 62 ne, das ist, von jedem Unkeuschen,ge- so nau vorgesaget hat. tr te Dieser unqerathene und muthwillige Bursch, werl er das süße Brod der Kinder GOtles nimmer hatte, was m that er? Er, der vormals, als lang le er unschuldig war, im Ueberfluße lebte; Z jetzt, nachdem er seinen Erbtheil durch ein wollüstiges Leben muthwillig ver- tk schwendet, n dieser wünscht jetzt, auch ri nur mit den Schweinen sich satt essen a\ zu können. — Er seufzet um eine un- b saubere Speise, die nicht für einen d Menschen, sondern nur für das veracht- d lichste Vieh, für die garstigen Schwer- . ( ne sich schicket. So sehr ist jetzt sein d Herz verkehret. — Er verlanget nach d einer Speise, die ihn nur quälen, nie- st mals aber ersättigen kann. So sehr d verblendet, so betäubt ist jetzt sein Ver- u stand.-Hier unkeuscher Mensch! st sieh, bey dem Schweintroge, hier ist li dein Portrait, mit welchem nicht ich , (^) DilTJpavit substantiam suam vivendo lu. xuriose ; —— & cupiebat implerc ventrcm suum dc siliquis, quas porei mauducabant. — Luc, jj, 3feA* 6z sondern selbst dein GOtt , deine niederträchtigen fleischliche Lüste aufs lebhaft test geschildert hak. — Unreines Herz! hier magst du dich, und jene saubere Gesellschaften kennen lernen, bey denen du deine wollüstigen Vergnügungen zu unterhalten pflegst. — Der Schöpfer hat dich durch Mittheilung der Vernunft über alle Thiere, und durch andere Gaben, vieleicht auch über den Pöbel erhöhet. Du a- ber hast bisher, bis in die Gesellschaft , der unflättigen Schweine, bis zu dem dummen Viehe, wie die Schrift sagt, (*) dich selbst herunter gesetzet. — Ja, deine geile Liebe hat dich wohl auch verächtlicher gemacht, als die vernunftlo- sen Thiere sind; denn niemals wurde der Ochs sich mit dem Heu begnügen, und das Vieh wurde überhaupt sich dessen schämen, was jetzt der viehische Wollüstling thut, wenn nur auch das Vieh, (H) Cnm in honorc eilet , non intcllcxit , comporatus est jumentis insipjcntibus , & simiiis factus est illis. Ps. q8 — Sicut cqtnrs Lc a:ulus , qilibus non dl intcllc. ctus Ps: zu 64 so wie der Mensch eine höhere Glückseligkeit erkennete, und %u einer bessern e- ben so , wie dieser , erschaffen wäre. — Welch eine Schande! — Aber — Hat wohl jemahls auch ein anders Laster ein so niederträchtiges, ein so häßliches und allgemeines Verderbniß verursachet, als eben nur das Laster der Unzucht? — Und was kann endlich Gutes an dem Menschen noch übrig seyn, wenn einmal das Beßte, der Verstand und der Wille nämlich, auf eine so elende Weise, bis zum Gleich- niße mit den vernunftlosen Thieren verdorben , und wie der viehische Nabu- chodonosdr (*) gleichsam verstattet ist? — Nun, wie viel mehrer wird das Laster der Unlauterkeit eben diesen Gräuel der Verwüstung bey der noch zarten Jugend verursachen? — Bey der Zu- ? end, deren noch weiches Herz, da es aum zu leben anfängt, zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpfe schon so frühe, und so schändlich getheilet wird! (%J Daniel 4. jo. SfeA* 65 wird! — Bey der Jugend, deren kostbarste Seele dem verächtlichen Leibe zur Sklavinn wird, bevor sie die Herrschaft über diesen ihren Knecht zu erkennen ge- lernek hat. Kann wohl ein so unseliger Anfang was anders, als nur die bittersten Folgen für das ganze übrige Leben nach sich ziehen? — O wohl e- wig Schade! — Der edle, der schöne Jüngling! er wird nur desto häßlicher seyn, je glänzender zuvor seine reine Seele mit dem Schmucke der Unschuld, und durch diese mit so vielen anderen Tugenden sezieret war. — Dieser Engel im Fleische, welcher wie der schönste Morgenstern unter den Menschen hervorgieng; ach dieser! wie ist er auf einmal so ties gefallen, und wie ist doch sein silberrei- ner Tugendglanz so schnell» und so scheußlich verdunkelt worden? (*) — Er, der zuvor ein Held über alle seine Anmuthungen war, der ist jetzt ein Sclav derselbigen, und wirklich schämet C*j Quomodo cecidisti de coclo Lucifer, qui man« oriebaris i I/i. 14. 12.. Quomodo obscuratum est auruni, «nutatus est color oPtimus, Ihren. 4. i. /ttret er sich dessen selbst in einer traurigen Stille. — Der edle Jüngling ! der vormals in seiner aufrichtigen Unschuld von niemanden arges denkte, der ist jetzt so betäubt, daß er wie ein Gelbfiichtiger, der alles gelb sieht, auch von den ehrlichsten Leuten eben so unkeusch urtheilet , als er es selbsten ist. Und der kurz zuvor durch jeine Keusche Einge- zogcnheit, wie ein schimmerndes Liecht auf dem Leichter der Ehre aller Augen an sich zog, eben dieser ist nun auf dem Schritte so unverschämt zu werden, daß endlich alles sein Thun und Lassen nur allezeit den häßlichsten Dampf des Wollustes aushauchet, und wie ein halb ausgeloschner stinkender Brand jedem ehrbaren Gemüthe eine unerträgliche Last ist. — Und dieß ist er schon jetzt in seinen jungen Jahren, wo man die Keuschheitstugend vor allem andern bey ihm zu finden hoffte; wo das Laster der Unzucht nicht nur das schändlichste, sondern auch auf die ganze übrige Lebenszeit das allerschädlichste ist. — Was könnte man noch traurigers sagen ? — vieletcht nur jenes was gleich folget. §. !U. 6 ? §. HI. in Die Unkensthheit in dee Jugend tet verderbet, was man Gutes hof- so fen kann, betreffend die Lebens- besserung in spateren Jahren. ließ allein ist es endlich, womit sich die unkeusche Jugend schmeichelt, ;e- nämlich : daß sie in späteren Jahren von der sündhaften Liebe sich annvch en könne, und wolle losmachen. Laßt em sehen, ob nicht diese schöne Hoffnung 1 1 mehrer Schein als Wahrheit, mehret len Betrug, als Grund habe. »es ein Wenn man einen zarten Baum erst >nd nach vielen Jahren in eine bessere Erde ag- übersetzen, und ihn deßhalben ausreisn ßen, oder ausgraben wollte: so wurmn de es sich finden, daß dessen Stamm ern nur desto unbeugsamer geworden, und La- daß dessen Wurzeln nur desto tiefer ge- nd- schlagen haben, je länger er an seinem bri- ersten Orte gestanden hatte. sa- Ein solcher Baum ist überhaupt jede eich böse Änmuthung, welche in dem Her- l. zen 68 3k« zen des Menschen nur desto tiefere Wurzeln fasset i je länger und je eher sie von diesem , da es nämlich noch zart und weiche war, Besitz genommen. Es ist deßhalben jede Untugend, wessen Namens sie immer seyn mag, weit schädlicher in der Jugend, als in jedem andern Alter: am allermeisten aber ist es die Unkeuschheit; weil nur diese dem Herzen, jenem zartesten Theile des Menschen, und zwar schon in dem zartesten Alter am nähesten kömmt; und weil eben nur dieses Laster vor allen andern in das zarte Herz, wie in ein weiches Wachs den tiefesten, und eben darum den gefährlichsten Eindruck machet, welcher nach und nach allezeit mehr erhärtet , und als wäre er in Marmor eingegraben, auch in den spätesten Jahren schier unauslöschlich bleibt. Des- senwegen, sagt der heilige Thomas : „ daß die Unkeuschheit ein Laster sey, „ von welchem man so leicht nim- „ mer los wird. „ (*j Und der heilige Typrianus : „ daß dieß Laster eben da- (*) Vitium adhaesivum inapudicitia, S. Tkom. SA* (**) 69 n darum der gewiße Untergang des „ jungen Alters sey. », (*) Bezeuget aber die Erfahrung selbst nicht eben dieses? — Wir wissen es, wie sehr» und wie schändlich der zuvor weiseste Salomon durch die geile Liebe sich verlohren habe. Doch, von seiner ernstlichen» von seiner standhaften Besserung wissen wir nichts. Und da andere Laster oftmals sogleich gebessert werden, wenn es der Lasterhafte nur einmal erkennet, daß er lasterhaft ist: so geht es doch bey dem Unkeuschen allein gemeiniglich ganz anders her. Der unzüchtige Salomon erkannte seine häßliche Sclaverey; er selbst beweinte, und verdammte dieselbe. Indessen blieb er» was er durch die unlau- kerkert geworden war, ein Abgötterer ohne Gewissen, ein König ohne Ansehen t ein Mensch ohne Verstand , der größte Thor; (") und dieß alles nur al- (* ) Ruina mclioris setatis. S. Cypri*». (**) Stultifllmus virorusn. Pr»v. Z0 ». 70 allein durch das thörichte Laster der Unkeuschheit. David, der frömmste unter den Königen, dieser tapfere , gerechteste, sanftmüthigste Fürst; dieser Mann nach dem Herzen GOttes , wie ist er nicht so schnell aus einem Muster der Tugend einGleißner, einVerräther, ein Ehebrecher, und ein Todschlager, ein Inbegriff so vieler Laster geworden, und dieß zwar nur allein durch die Unzucht? — Aber was für schlimme Folgen hat nicht eben diese Unlauterkeit in diesem sonst beßten Gemüthe, auch auf die spätesten Jahre zurücke gelassen? — Unablaßig seufzete David, daß diese Sünde, die er doch nur ein einzigeö- mal begangen hatte, ihm einigermaßen annoch anhange; daß sie ihn noch allezeit beunruhige: (*) und nur durch eine reuvolle Büß für sein ganzes übriges Leben glaubte er gegen den ver- damm- Amplius lava me ab iniquitate n;ca, See. — quoniam — peccatum meum contra me est lern per. Ps. so. 71 er bammlichen Wiederfall in dieselbe sich genugsam versichern zu können. (*) en David und Galomon haben ih- e, re Jugend in der Unschuld zugebracht; ch erst in dem mannbaren, erst in ihrem HL höher» Alter sind sie durch die Wollust id bethört worden : und dennoch hat sich »e- dieser, wie es der heilige 2lugusti- w miß, der heilige Lyprianus, und ^ / der heiligeLhrysostonms dafür hak- ^ ten , niemahls mehr; jener aber nicht ► ohne immerwährende, größte Gefahr ^ und Beschwerniß davon losgerissen. — T Wie vermessentlich gottlos muß es also seyn, wenn junge Leute, bey wel- "** chen dieses hartnäckige Laster schon früh- zeitig, und eben darum desto tiefer ge- J v wurzelt hat, wenn, sage ich, so eine lY unkeusche Jugend mit einer wahren Le- bensbesserung auf spätere Jahre sich w schmeicheln, und auf so eine verwegene ! Hoffnung vieleicht auch gar zu sündigen — sich erkühnen wollte? — __Nein, (*; N« projicias mc a sack tua, M. See. ura 72 Nein, auch in dem eisgrauen Alter wird man von jenem Wege nicht abweichen, den man in stiner Jugend einmal gewöhnet hat , saget der heilige Geist. (*) Und eher will ich es glauben » daß ein junger Mensch von jedem andern Laster endlich sich losmachen werde; daß er aus einem Geitzigen freygebig , aus einem Zornigen sanftmüthig, und aus einem Hoffärtigen demüthig, niemals a- ber, daß er eben so leicht» noch in sei« nem spätern Alter keusch seyn werde, wenn er es nicht schon in seiner Jugend gewesen ist. Denn unter allen Lastern ist es hauptsächlich nur die Unzucht, von der man so leicht nimmermehr sich loßreißen wird. — Ich stufzete, bekennet es von sich der büßende Au- gustinus,(**) ich stufzete, wie einer, den man in Eisen und Retten (*) Adolescens juxu riam fuam, «tiam cun» fenucrit non rcccdet ab ca. Pro-v. aj. 6. ( ** ) Sufpirabam ligatus nor» ferroalicno, scd ftrtea mea voluntatc, S. August. I. 8 (uns (. f. 73 tt ten gefangen halt; nicht, weil mir jemand Gewalt angethan, n sondern, weil mein eigner ver- t kehrter Wille gleichsam mit eiftr- d nen Banden mich gefesselt hatte. r Wahr ist es, und es ist gewiß, daß, so lang man lebt , man durch die un- >j, endliche Gnade GOttes allezeit noch >\ f Büß thun; und, wenn man in dem a( Laster auch schon ergrauet wäre, noch >u allezeit sich bessern könne. Allein, es ; ist die Frage nicht, ob der Unzüchtige .tz sich einst noch bessern könne: sondern, n ob er auch wirklich, und standhaft sich ^ bessern werde; und dieß zwar in seinem * spätern Alter, da er doch solches in sei- / ner Jugend niemals gethan hat, und -' annoch nicht thut ; obschon in diesen zarten Jahren die böse Gewohnheit re noch nicht so groß, die Gnade GOttes tu noch häufiger, und das Werk der Bekehrung noch allezeit leichter ist. Der Unkeusche ist nämlich eben mit “ m der Hoffnung seiner spaten Besserung sed verblendet, so wie er es in andern zur M.S.dieZierde,rc. D vor 74 vor erwähnten Puncten zu seyn ist er- g wiesen worden. Er ist blind, wie x Gamson , der es durch seine bethö- zr rende Liebe mit offnen Augen weit mehr war, als er es gewesen ist, nachdem man ihm die'Men gänzlich hat ausge- - b, stochen. Ich will wieder aufste- b, hen , {*) saget dieser, durch ein wol- bl lustiges Weib zu seiner ewigen Scham h< de , und nur zum schändlichsten Gespöt- U te verkaufte israelitische H e l d, ich h< will aberma! aufstehen, und von der: Banden meiner Feinde, so * leicht als zuvor, nnch wiederum losmachen.- gc in Wie? ist nicht eben dieses die Sprm eb che der Jugend, nachdem sie unkeusch m zu seyn es einmal gewaget, und ed m wann nach einer schlechthin gemachten ke Beichte auf die gefahrvollen Wege ih- sei rer vorigen Unlauterkeit wieder zurücke ge sieht? Sie schmeichelt sich mit ei- m ner vermessentlichen Hoffnung» so, wie br Gamson : und, was könte anderes fob ar gen, nr suäic. 16 . 75 er- gen, als nur, daß sie durch das nämliche lvie Laster eben so gewiß, und eben so elend l)o* zu Grunde gehe, so, wie Gamst>n? — ehr >em Ja, man kann sich noch allezeit ver- !ge- bessern, auch damals noch, wo das ster- sie- bende Alter schon anfängt die Haare zu ooU bleichen. Aber es ist, wie wir gesehen »an- haben, höchst zu fürchten, daß es die oot# Unkeuschheit betreffend, niemals gesche- ich he t wenn es nicht sogleich in der Iu- ,sn 6end, nicht schon jetzt, ohne weitem ^ Verschob geschieht. um Wer in jungen Jahren nicht keusch gewesen, der wird es gemeiniglich auch in seinem Alter nicht seyn. Und er wird prar eben darum niemals ein getreuer Ehe- usch mann, niemals ein guter Bürger, nie- > ed mals ein nützliches Mitglied des Staa- htcn tes werden. Das Gift, welches er in e ihr seiner Jugend so unvorsichtig geschlun- ckcke gen hat, dieß wird er nimmer so leicht it ei* und niemals mehr gänzlich vom Herzen wie bringen. Dieses räudige Schaf wird z fob auch nach vielen Jahren von dieser fti- n ner scheutzlichen Krankheit nicht befrey- er, sondern nur häßlicher werden: Und D 2 die- 76 &A* dieser junge Rab, der schon jetzt seine - Lust bey dem stinkenden Aase suchet , *■ der wird, auch in dem hohen Alter wen £ der seine gräuliche Gewohnheit, noch seine schwarze Farbe verändern. — . b< O wohl Schade! und ewige Schade' für den edlen Jüngling! für diese sonst so wohl erzogene Tochter, an welchen so ^ viel Gutes, und so viele schönste Hossi ^ nungen, schier alle auf einmal verloren fei sind» alsbald sie haben angefangen um ni keusch zu seyn. Ihr wollüstiges Ge- de wissen machet ihnen immer die bittersten ar Vorwürfe; und es macht ihnen schon m> jetzt in der Blüthe ihrer Jahre auf ihr lei frühzeitiges Todtengrab die traurigste G Ueberschrift mit jenen Worten des heil. Geistes: Die Laster „ Seiner Jugend fa werden bis in be Seine Gebeine durchtringen; '/ Und sie werden mit ihm n In dem Grabe „ S chlafen. (*)_ (♦) Ossa eins implcbuntur vitiis adolescentix ejus, öc cum co in pulvere dormient. Jett. 10. ii. 77 ine • 't t ve- och rde' >nst rso ren un- Ilen hon ihr gste Nil. §. rv. Die Unkeuschheit verderbet, was die Jugend Gutes hoffen kann, betreffend den künftigen Wohlstand ihrer zeitlichen Güter. r, eiui* »icht jedes Laster pflegt der gerechte ^ GOtt noch in diesem Leben zu strafen ; wohl aber das Laster der Unrei- nigkeit. Und dieses zwar vor allen andern , auch mit augenscheinlichen, und außerordentlichen t mit schröckbarsten f mit allgemeinen Strafen ; welches alles man nicht leicht von einer andern Gattung der Sünde eben so finden wird. „ Es reuet mich, daß ich den „ Menschen erschaffen habe, " sagt GOtt von dem Unkeuschen. 0,0: betheuert zugleich : ,, daß sein gött- „ liches Herz von den; Grauel „ ab diesen; Laster ganz durch- „ gedrungen und erfüllet sey, " D Vlur ein Mensch, den der heftig- _D^z__ ste \*) Prenitet mc secilTe eos. Gen. 6. (**) Tactusdoloie cordi» intrinsecus, Gen. 6. 78 ste Schmerz aufs äußerste bringet, f< kann also rede». — Doch, auch Gott, Ä der keiner Leidenschaft, und keiner Ver- > k< önderung unterworfen ist, auch GOtt sc redet also, da er von dem Laster der v ai Unkeuschheit redet; damit, wie es der - w heilige Ambrosius (*) anmerket, w nur damit er uns begreifen mache, was unbegreiflichen Abscheu das JJ allsthende Aug Gottes gegen den K unkeufchen Sünder trage. Nie- « mals hat GOtt wider eine andere Sün- ri de seinen bittern Zorn so nachdrücklich Z erkläret; aber auch niemals hat er wi- 2 der eine andere Sünde die fürchterli- g chen Schätze seines allmächtigen Grimmes auf die Menschenkinder so häufig herabgestürmet. w % Das donnernde Rachfeuer, welches m wider die Unzüchtigen fünf Städte (**) u vom Himmel fiel; und die wüthende w Wasserfluth, welche in den unkeufchen d. Zeiten des Noe die weite Welt er- te isäufte; ("') Diese schauervollen Strm te fen lo (*J S. Ambros. tt, Nicht nur ganze Gemeinden und Böller- ^ ker, sondern das ganze menschliche Ger )tt schlecht von dem unmündigen Kinde bis der . auf den alten Greis; so gar das Vieh, der' welches keiner Sünde fähig ist; so gar ’t, die Früchte der Erde, und alles Ger he, räth, welches zum Dienste des Menr schen nützlich seyn konnte; alles, nur ^ die acht unschuldigen Seelen nebst dem, was sie in der Arche bey sich hatten , »e- nur diese allein ausgenommen, alles übr um rige insgesamt mußte aus gerechtestem sich Zorne GOttes wider die Unzucht des wir Menschen, im Grunde verderbet und rrsir getilget seyn. — nmr nfig GOtt machte es dießfalls, schier wie wir es machen mit einem, der an der Pest gestorben ist; was ein solcher imr hes mer am Leibe gehabt, oder berührt hat- C*) te, dieß alles muß zugleich verbrannt mde werden: nur mit diesem Unterschiede, chen daß wir aus Vorsorge wider die weir er- tere Gefahr, GOtt aber nur aus bittre tersten Haße gegen die Sünde der Unr n lauterkeit auf so eine schreckliche Werfe —- r» handeln pflegt. D 4 So I 8 -» So streng verfuhr GOtt vormals mit einer ganzen Welt der Leute, weil », sie unkeusch waren: obschon diese die- ^ ses Verboth des göttlichen Willens zu c erkennen annoch kein anderes Mittel, . als nur allein das natürliche Licht der h Vernunft, folglich annoch kein Gesetz h des Moysts, kein Evangelium, und schier kein Beyspiel anderer frommen Menschen hatten, welches sie vom Bö- i sen abhalten, und zum Guten hätte ö aufmuntern können. Dennoch so streng, ft und eben so gerecht hat GOtt mit ih- u nen verfahren. r, u Wer sieht nicht hieraus, daß das La- r , Aer der Unzucht vor GOtt ganz was an- xt deres und etwas weit größeres seyn müsse, als wir es vieleicht bisher geachtet haben? — Wer sieht aber nicht £ auch, daß die Unkeuschheik, als eine g pestilenzische Seuche so einen Fluch von L GOtt herabziehe, der sich auch über un- ^ sere Glücksgüter dergestalten verbreitet, daß wir, besonders durch diese Sünde,, a auch jenes verlieren» was wir für un- > J fern zeitlichen Wohlstand Gutes je- - mals haben hoffen können? — Wenn Sfejfe* N >ls Wenn der büßende David (*) sei- eil ne ungerathene Kinder beweinet, und iv wegen des unseligen 2lbstrle'M unter ZU einer schier erdrückenden Schmerzenlast ganz ohnmächtig dahin sinke: so hat >er hierzu nur die Sünde der Unkeuschheit etz den trauervollen Anfang gemacht, nd en Wenn man den zuvor auch bis zum 'ör Ueberfluße bereichert^ Galomon(**) tte auf einmal mit dem allgemeinen Haße seiner Unterthanen beladen, über seine ih- und der (einigen Dürftigkeit seufzen höret ; so ist dieß in seinem Urgründe allezeit die bittere Wirkung, und eine ge- .a- rechte Strafe nur seiner Unzucht ge- m- wesen. yn ch^ Wenn man den ehmals ruhmvollen Gamjon, (***) diesen Helden seiner Zeit, jetzt vor Schimpf und Verach- tung unter den Handen seiner Feinde schmachten sieht; so ist dessen abermal nur die Unlauterkcit mit einem liederli- chen Weibsbilde die vergällte Quelle tn- ' < 7 \ e na, {*) i. Reg. ij, & l8. (**) z. Reg. ik. t*"- Judic. 1 6 . I 8r gewesen. Alles dieß zeitliche Unheil, - vbschon es zuweilen etwas späters er- < folget, hat allezeit nur von einer fund-- ] haften Wollust seinen leidigen Ursprung i genommen. i i Werden wir aber nicht auch eben die- > ses wahrnehmen, wann wir das heutige Schicksal unserer Zeiten erwägen? — Unstern in den Kindern ? Unglück , mit den Ehehalten, Feindseligkeiten mit i der Nachbarschaft, Krankheiten und , Misverständniß selbst unter den Ehe- \ leuten, nebst andern dergleichen wid- , eigen Zufällen von Feinden und Be- < freundten: sind nicht diese die Verdruß- - j vollen Einwohner» die man in nicht j wenigen Privathaushaltungen, lei- j der! fast täglich sehen, und antref- c fen kann? — } Woher doch so viele traurige, wo- x her so schwarze Tage? und dieß zwar auch unter zwoen Personen, die in ihrem noch ledigen Stande sich einander 4 so sehnlich gesuchet, die sich einst so. fi zärtlich geliebet haben? — Sie waren * anfänglich mit allem Nothwendigen aufs * r Vti l&# n w tu »? \d nit nd -e- i&# Zeucht tu ef- so- >ar ihrer so. rcn jen 85 aufs Beßte versehen , vieleicht so gar auch reichlich ausgerüstet; und jetzt äußert sich wirklich schon das schwindende Glücke, ein mageres Gewerb, ein in ihrem Hauswesen überall bedrohende Dürftigkeit. — Woher doch eine so leidvolle Aenderung? — Sind vieleicht diese Drangsalen nur eine heilsame Prüfung einer auseror- dentlichen Gnade und Vorsichte GOt- tes» so wie es bey einem Job und Tobias (*) war, und für alle Gerechten allezeit zu seyn pflegt ? - O wie gerne will ich von jedem den dieses glauben ! wie herzlich will ich hierüber GOtt loben, und wie sehr wollte ich einer so heiligen, in allem diesen Unglücke höchst- gesegneten Haushaltung Glücke wünschen, als zu einem unfehlbaren Kennzeichen der ewigen, ganz besondern Gna- denwahle GOttesl Wenn aber das Gewissen so einem Hausvatter oder Hausmutter die Tage ihrer leichtsinnigen Jugend vorhält, und deshalben sie von der Zahl jener D 6 Ge- * (*) Job i. Tob, u. 84 fcfc* Gerechten zur Gesellschaft der Büßen« den abweiset: wie? sind es nicht groß« tentheils , und gemeiniglich eben nur die Sünden wider die standmaßige Keuschheit , wegen welchen sie alles dieses zeitliche Unheil , als ein spates Nachwehe schon in ihren jüngeren Jahren verschuldet zu haben befürchten müssen ; so wie es GOtt dem reumüthigen David, auch nachdem er ihm die Schulde schon vergeben hatte, sogleich durch den Propheten hat ankündigen lassen? O — Ja, und wir müssen es GOtt zur Ehre gestehen, daß es höchst billig sey, wenn der Wollüstige die bitteren Früchte seines süßen Giftes, wenigst in seinen spateren Jahren zu verkosten gezwungen wird ; nachdem er die kostbaren Erstlinge seines anfangenden Lebens so muthwillig seinem Schöpfer gerau- vet; selbe zur geilen Liebe verschwendet, und nur dem häßlichen Fleischteufel hingeopfert hat. Der junge Tobias (**) fragte den En- (*) i. Reg. n, (**) Tob. t. 85 Engel Raphael , diesen seinen himmlischen Gelettsmann, warum doch die sieben Ehemänner der Sara alle sogleich und so gds)er selbst durch die Hand des / bösen Geistes dahin gestorben wären ? Worauf der Engel antwortete: weil diese sieben Männer den Ehestand nicht mit keuscher Meynung angetretten haben; denn über solche Leute, sagte der Engel (selbst ein Engel vorn Himmel saget es) über solche Unkeusche hat der Teufel Gewalt. — Um wie viel mehrer aber wird dieser leidige Geist früher oder später, eben diesen, oder doch einen gleichen Gewalt über jene haben, welche sogar außer dem Ehestände, schon in der ersten Jugend eine gleiche, oder auch noch boshaftere Gesinnung in ihrem unreinen Herzen herumgetragen, und längere Zeit ernähret haben? (*) — D 7 Zwei- (•) Gcstißiier Wese will ich hier jenen unglücksü- gen Jüngling Vorbeygehen^ welchen vor beylanf, tig hundert Jahren gleich nach verübtem Laster der 86 Zweifelsohne hätte dieser höllische Würger jene sieben Männer nicht unger- ne länger leben lassen, wenn er sie statt dessen nur mit andern peinlichen Krankheiten und zeitlichen Drangsalen desto schmerzlicher hätte hinrichten können; wie solches bey einigen, ihrer wollüstigen Jugend zur Strafe, aus gerechtem Urtheile GOttes vieleicht noch heut zu Tage geschieht. Oder» sollte man glauben , daß eben diejenigen minder gestraft werden, derer Unzucht nur desto straf- mäßiger ist, je größer die Gnade des Evangeliums gewesen, und je länger sie solche schon in ihrem jungen Alter mis- braucht haben? — Es darfalso ein Jüngling, der in seiner Jugend unkeusch gewesen, sich es nicht der rasende Teufel erwürget/ und an die Lieger' stakt solk anfgrhenkt haben; wie solches die un« verwerflichsten Zeugen/ die zu gleicher Zeite ge- iedel haben/ bcrheuren —- So fein belohnet der zur Sünde reihende Teufel seine Günstlinge! — Doch / ich will keine solche Trauergeschich« ten zum Grunde nehmen ; weil ich in dieser Ab» Handlung aus besondern Ursachen, und zumUe. berfluß nur an die Vernunft/ und an die Schritt allein mich zu halten enlschloffen habe. JWdt 87 nicht wundern, wenn er in spätern Jahren nicht nur kein guter, sondern auch kein glücklicher Bürger ist; denn er hat schon in dem ersten Alter für die künftigen Zeiten sich den reichlichsten Fluch gesammelt. Jenen Fluch, den wir ohnehin schon wegen der Sünde vom A- dam ererbet haben ; wo es heißt: O die Erde sey verflucht. — Disteln und Dörner soll sie dir hervorbringen, rc. Eben diesen Fluch mehret und häufet der Unkeusche auf seinem Halse am allermeisten ; weil man gemeiniglich nur durch die Unzucht seine Sünden am allermeisten vermehret, und allezeit am spätesten, oder gar nie verbessert. Wie wird nun der Wollüstige annoch, und im Ernste sich schmeicheln dorfen mit jenen verwegenen Worten: wir haben gejAndiget: und sehet, was ist uns dann Leides begegnet? (**) — Gewißlich von Leuten; derer Herz und 88 und Sinne, wie der Apostel saget''*) durch die Unzucht einmal verkehret sind, von solchen ist mir so eine albere Ver- messenheit nichts unerwartetes. Und was ist es Wunder, wenn der Blinde das tödtliche Gift nicht sieht, welches ihm in seiner Speise aufgetischet wird? wenn er die Grube nicht wahrnimt, in welcher er sogleich den Halse bricht? — Die unreinen Liebhaber sind erbärmlich verblendet; sie sehen ihr ewiges und zeitliches Unheil nicht» auch damals nicht, wo sie es zum Theil schon empfinden ; und sie scheinen, wie ein Pharao, annoch darüber unempfindlich zu seyn, bis sie ihrem äußersten Untergänge , da dieser sie schon wirklich foltert, auf ewig nimmer entfliehen können. — Ist nicht eine so erboßte Un- empfindlichkeit, eine so muthwillige Blindheit, auch nur diese allein, die allergrößte Straf für die Unkeuschen? als welche nur gar zu wohl wissen, daß sie strafmäßig sind, und zwar höchst strafiuäßtg , auch nur darum, weil sie un- (>£) Tradidit illos Deus in scnsum rcprobum. R*m. I, tS, 89 unerachtet der langmüthigen Geduld und Einsprechung GOttes dennoch, auch bis jetzt noch keine wahre Büßer sind ? Ihre eigene Bosheit hat sie blind gemacht: (*) Aber nur zu ihrer Strafe, nicht ohne ihre selbst eigene, und zwar allergrößeste Schulde. — Allein, es würde mir eben so leicht zu stehen kommen, wenn ich die zeitlichen Dragsalen im späteren Alter deS Unkeuschen, als eine ganz natürliche Folge der Unkeuschheit, auch nur aus pur natürlichen Ursachen erweisen wollte. Und Niemand wurde es in Abrede stellen, daß die geile Liebe, vieler und zwar der schändlichsten Kranckheiten eine gifttrotzende Mutter sey; gleichwie die Unschuld gesegnete Säugamme der Gesundheit ist. Die Arzneyerfahrnen würden dieser nämlichen Wahrheit einhälligdas Zeugniß geben, und mitGnarinon, einem vortreflichen königlichen Leibarzte in sei- (*- Sap. z. zi. 9® SA* seinem Buche von dem Untergänge des menschlichen Geschlechts f') es bejahen -- „ daß weder eine Pest zur Ver- „ derbung der natürlichen Leibskräfte, „ noch einige Krankheit zur Schwäch- „ ung der Jugend, und zur Abkürzung „ des menschlichen Lebens so vieles bey- „ trage, als eben nur die geile Lie- „ be. „ Gleichwie im Gegentheil (sind die Worte dieses berühmten Medi- cus) „ auch kein besseres Mittel ist, „ die Kräfte des Leibes, die Dauer „ der erwünschten Gesundheit» die „ Stärke und die Blühte des besseren „ Alters lange zu erhalten, als eben „ nur die Mäßigkeit und die Unschuld „ eines keuschen Lebens. „ Godefried von Buillon, jener siegreiche Held ein König zu Jerusalem und in Syrien, dieser wurde einst gefragt: woher er doch die un- * überwindlich große Stärke seiner Arme , womit er Feinde und Freunde in Verwunderung setzte, erhalten hätte? Er antwortete: „ daß dieses die Kraft n der l*) Lib. 5. c, 60 &A* 9i n der Reuschheit sey; weil er näm- „ lich seine reinen Hände allezeit von „ allem Wollust und Unreinigkeit ent- „ halten habe. „ Eben so ruhmvoll und anmüthig sind die Beyspiele eines auch bis in die begreisten Zeiten des bejahrtesten Alters nur durch die Tugend der Keuschheit verlängerten Lebens. Z. B. der heilige Franciscus von Paula hat fein ehrwürdiges Alter bis auf 92. Jahre erstrecket; der heil. Remigius auf 96. Der heilge Antomus auf 105. Der heil. Simesn StMtes auf 109. Der heil. Paulus, der Einsiedler §uf uz. und der heilige Romuald sogar bis auf 120. Jahre. Lauter kostbaren Früchte eines mäßigen, eines nach den Grundsätzen der evangelischen Keuschheit vollkommenen Lebens; welches zur Beschämung der unkeuschen Jugend sogar unter den eisgrauen Haaren annoch so reitzend blühet. Da indessen die Wollüstigen oftmals schon halb tode sind, wo sie zu leben kaum haben angefangen ; weil ihre 92 JfeA* lasterhaften Ausschweifungen gemeiniglich ihre selbst eignen Scharfrichter sind, von denen man nichts, als nur das traurigste Ende seiner Tage, auch durch die schändlichsten Krankheiten und oft schon in der Blühte der Jahre ganz unselig erwarten muß. Freylich nihmt GOtt zuweilen auch den Unschuldigen noch in seiner Jugend, und im zärtesten Alter aus diesem Leben zu sich. Aber eben dieses nur allezeit zu dessen größerem Vortheil und Nutze: Nur darum, weil der Allwissende es unfehlbar vorsieht, daß die Bosheit böser Beyspiele den Verstand des Unschuldigen zu dessen zeitlich und ewigem Untergänge noch in späteren Zeiten verkehren wurde. O Lang genug gelebt, wenn man nur, wie die Keuschheit liebenden, gut genug ge- lebet hat. Keusche Seelen haben es gelernet, großmüthig wie die Helden zu sterben z weil sie es schon gewöhnet sind, großmüthig, wie die Helden (*) Raptus est , ne malitia tnucarec intclk- fcA* 93 für die Tugend zu kämpfen, und zu siegen. Als Rar! der XII. König in Schweden noch ein Knab war, ließ er sich bey Anhörung der Lebensgeschichte des großen Alexanders verlauten, daß er diesem Makedonischen Helden ähnlich seyn möchte. Aber, sagte man ihm : „ Alexander hat nur zz. Iah- „ re gelebt." — „ Nun ist das nicht „ genug» erwiederte der Prinz, wenn „ man Königreiche erobert hat? „ Ja, wie viele Siege und Eroberungen schon in seiner Jugend könnte ein keuscher Jüngling nicht zahlen? — Siege über seine äußerliche Sinne; Siege über das menschliche Ansehen, über das so mächtige böse Beyspiel; Siege über sich sechsten, und zwar in einem noch zarten Alter, wo die Anmuthun- gen am heftigsten, die Gelegenheiten nicht selten, und die Gegenstände am meisten reitzend sind. Alles dieses hat der keusche Jüngling mit 94 SA* mit wahrem Heldenmuthe noch allezeit besieget. Und er kann eben darum weit getröstet sagen : lang genug gelebt, nachdem ich so oft gesieget; nachdem ich Königreiche, den Himmel, so ein e- wig dauerndes Reich, so oft und so ritterlich erobert habe; von dessen voll- kommnem Besitze ich nun bereitsjfür allezeit versichert werd, da ich die göttlich kostbaren Früchte meines Sieges schon jetzt, so geschwind, und zwar auf ewig genießen kann. — Welch ein süs- ser Trost! welch ein unsterblicher Ruhm für die keusche Jugend ! — Ganz anders verhält es sich mit dem Wollüstigen. Auch das einzige Andenken des Todes machet ihn zittern; weil er ein Weichling ist, und weil er wohl weis, daß die Ursache seines frühzeitigen Todes O großen Theils nur seine unkeusche Unmäßigkeit ist. Er weis zugleich , daß durch seine lasterhaften Vergnügungen auch feine besten Talente , wie der beste Wein in den schärfsten Eßig verkehret worden, und daß er (*) Stimulus mortis k>O»»tum cst. i. Cer. &&X 95 selbst hiedurch alles, was die sonst an- muthvolle Jugend Schönes, was sie Gutes hat , und hoffen kann, schier alles schon in seinem noch zartem Alter elend verderbet habe. Er weis es, und zwar unfehlbar weis er es aus der heiligen Schrift : (*j daß die Unzucht, wie ein rasendes Feuer ist, welches bis auf den Grund.alles aufzehret, und sogar die zartesten Pflanzen, nämlich die schönsten Hoffnungen , alles sammt der Wurzel ausreutet. — Welch ein bitterer, welch ein schreck- voller Gedanke für die sonst so heitere, für die jo wackere Jugend! welche, ob- schon sie nach etwann geschehenen Falle auch sogleich zur Besserung schreit, dennoch niemals mehr seyn wird, was sie geworden wäre» wenn sie niemals wäre unkeusch gewesen. Immer wird sie in ihrem Verstände und in ihrem Wille die traurigsten Ueberbleibsel der Sünde fühlen, welche ihr für das ganz übrige Leben, wie der nagende Rost allezeit 96 ankleben, und auch bis in das Innerste der Seele sich einzudringen pflegen. — wohl ewig Schade! — * * * HHon so einet Wichtigkeit ist die Tu- gend der Keuschheit. So vieles, ja alles ist daran gelegen, daß junge Leute keusch sind: daß sie die Keuschheitstugend, als den edlen Schmuck ihres zarten Alters schätzen, und inniglich lieben; wenn ihnen anders sogar ihr zeitliches Glück für die spatere Jahre lieb ist: wenn sie anders etwas Schönes in ihrer Jugend haben; etwas Gutes für ihr folgendes Alter hoffen , und nicht durch die Geringachtung dieser nothwendigsten Tugend schon jetzt den gefahrvollen Grund zu ihrem künftigen allgemeinen Unheile legen wollen. Die schöne Tugend der Keuschheit zieret die jungen Jahre am allerschön- sten. Diese edle Tugend bewahret das zarte Alter wieder die größten Unheile am jur gei un> sie her für ru all. ger Fr. gen Ke bey nur de du säh alle als dir ter Ke N &A& 97 ^ am allerbeßten. Sintemalen, wenn junge Leute von dem Wege der Tugend jemals abgewichen, und hiedurch M unglücklich geworden sind: so haben * sie gemeiniglich nur durch ein Vergehen wider die Keuschheit diesen ersten fürchterlichen Schritt gewaget, und , -u ihrem allgemeinen Verderben schier allezeit nur da den unseligen Anfang ^ gemachet. \ Flieh also liebe Jugend! flieh die rck Freundschaft des Unkeuschen. — Schon W genug, wenn du merkest, daß er der ar Keuschheit nicht beflissen ist. Flieh! w bey so einer ansteckenden Luft fällt es tö nur gar zu schwer seine Unschuld gesunr et- de zu erhalten. — Flieh! als wenn du eine Schlange (*) aus der Hölle ng sähest, deren vergifteter Athem auch on allein dir den Tod anhauchen könnte. !M — Du bist deinem Untergänge nahe, en alsbald die Liebe zur Keuschheit von dir ferne ist. — Dein blühendes Al- eit ter muß vor allem anderen mit der °w Keuschheit gezieret seyn, wenn du in >üe S. die Zierde, rc. E spä- (*) Quasi a facie colubri fuge pcccatum. £((//, ti. r, 98 spateren Jahren von den größten Uebeln , von den bittersten Folgen willst befreyet seyn. — O!wie viele Aeltern sind in ihren Kindern schon so oft, und so sehr unglücklich geworden, nur darum , weil diese schon in ihrer Jugend unkeusch gewesen ? und wie viele Kinder würden in denen spateren Jahren niemals der Trost ihrer Aeltern geworden seyn, wenn sie in ihrem zarten Alter weniger keusch gewesen wären ? und wenn sie nicht eben nur durch die Unschuld ihrer keuschen Jugend den beßten Grund zu ihrem künftigen Glücke gelegt hätten? — Dessen Hände md?t beflecket sind, und dessen Herz rein ist, — dieser wird von GOtt gesegnet werden. — (*) So vieles, und alles ist daran gelegen, daß junge Leute der Keuschheit beflissen sind. Ja, um schön, um tugendhaft, um dermaleinst glücklich zu seyn, darf die Jugend nur keusch seyn. — (*) Innoccns manibus 8c mundo corde, — hic accipict bcncdtctioacm a Domino. PßL tt. Von 2 Von den Mitteln zur standmaßigen Reinigkeit. E L WW Durch was wird der Jüngling feine Weege verbeßern? — Nur durch die Erfüllung deiner Worte , mein GOtt! In quo corrigit adolescen- | tior viam suam ? — in cu-. stodiendo fermones tuos. j| Psalm. n8. ö f. b ei b li si ' L IOI §. I. Erstes Mittel. Aendere den Gegenstand. (*) A?NtSNlttS, der heilige Einsiedler , ^ dieser berühmte Kampfer und Be, Zwinger der Hölle , pflegte den Seini- gen eine eifrige Liebe gegen IEsinn Christum einzurathen, als das kräftigste und sicherste Heilsmittel wider alle Gattung der Anfechtungen, benant- lich des Wollustes. Und dieß zwar mit allem Grunde; allezeit npt bestem Erfolge ; wie solches die Erfahrung noch heul zu Tage, besonders bey den Verehrern des heiligsten Herzens IEsir beweiset. Den die Liebe, auch die sinnliche ist nicht gar so blinde, daß sie nicht für ihren Gegenstand das Beßte und Liebenswürdigste wähle, wenn sie nur E z des- (*) Convertere Ursel ad vominum Deutn tuum. Of 14, t. 102 ftAjK dessen habhaft zu werden im Stande ist- Nun aber ist JEsus der Sohn GOttes. Er ist es, der von sich selb- sten saget : ich bin gekommen ein Feuer, nämlich das Feuer der schönen Liebe, auf die Welt zu bringen. (*) — Er ist von Gestalt der schönste unter allen Menschenkindern, wie es der heilige Geist bezeuget. (**) Er ist holdselig und unbeschreiblich schön ; und die göttlich glänzende Schönheit seiner heiligsten Menschheit übertrifft ohne Vergleich allen Rer'tz und allen Anmuth des schönen Geschlechtes. (***) Er ist so schön, daß seine Anschauung allein die Engel und die Menschen seelig machet. — Er ist die Schönheit selbst, nach der wir uns (*) Ignem vcni niittcre in terram. Luc. It, {**) Spcciolus sormu prae filiis hominuw. P/kl. 44 . (**•; Decoius nimis & amabilis super amo- rem mulkrum. 1. Res. 1. 16 . 103 uns sehnen ; und er ist ein Ursprung alles dessen, was ein erschaffenes Aug schönes sehen, was ein Menschenherz schönes wünschen kann. — Wer IEstrm recht kennet, der muß ihn lieben ; und wer ihn recht liebet , der wird ihm zu Liebe, wie Paulus der Apostel, alle andere Liebe allezeit gerne verachten. Alle Dinge achte und verachte ich, wie das Roth, nur damit ich Christum gewinne. (*) Die wahren Liebhaber IEstr, nur diese verstehen so eine Sprache.- So liebreich ist IEsus, auch bey aller seiner Hoheit und Majestät. — So siegreich, und so entzückend ist seine Liebe, bey welcher allein man niemals weder ein Misvergnügen» noch einen Ecke! zu befürchten, niemals eine Untreue zu besorgen hat. -— Aber diese Liebe ist auch eben so keusch, Mein E4 Ge- (*) Omnia — arbitror utstercora, ut Chri- stum luciifacianu Philips. g. io 4 Geliebter ist mein, und ich bin U sein; er weydet unter den Lügen. le C) Nur bey dieser Blume der Keusch- heit hat IEsttS seine Lust , und sei- nett Aufenthalt. — Ein einziger Blick ; seiner keuschesten Augen tödtet alle un- ^ keusche Anmuthung; und auch die ge- " ringste Mackel an seinen Liebhabern ist der reinsten Heiligkeit dieses gött-' lichen Geliebten allezeit äußerst entqe- gen. Er weydet unter den Lil- ^ gen- fc di Es ist also so eine Liebe gegen die b< allerheiligste Menschheit JESU ,' m auch bis zum Ueberfluße schon erklecklich i um alle unreine Leidenschaft , so wie die Finsterniße, und wie die schwarzen Nachtvögel durch das aufgehende Sonnenlicht plötzlich verschwinden zu machen. Und gleichwie ein mit Disteln y und Dörnern besetztes unfruchtbares Feld durch das Feuer allein am beßten * und am schleunigsten gereiniget wird, I eben so wird auch das Herz von dem _Urr- (*_) Dilcctus meus mihi, Sc ego illi, qui pa- scitur intcr Lilia. Ctmt, r. i4, bin cn. fth- (eit ilick; un- ' ge- ern ött- ' :qe; ifo die l ,' eck- so aride zu ein re$ ten rd, ■ em pa- SWfc* 105 Unkraute der wilden Wollust niemals leichter, und niemals geschwinder gesäubert, als nur durch das schöne Feuer dieser göttlichen Liebe. Weil man aber auf diese vollkomm- ne Stuffe einer so heiligen Liebe gemeiniglich so schnell sich nicht erschwingt, wenn man nicht zuvor auch andere, und zwar solche Mittel anwendet, welche etwas mehr von unsrer eignen Mitwirkung und Fleiße abhängen: so er- fodert unsere Pflicht, daß wir eben diese Mittel embsig aufsuchen» und selbe mit allem Ernste uns zu Nutze machen. §. n. Zweytes Mittel. verwirfdie bösen Vorurtheile. (*) an muß die Tugend zuvor kennen lernen, wenn man solche wahr- E 5 haft (* ) Aufcrtc malum eogitationum vcstrarum ab oculis mcis, IJ. i. 16. 10 6 haft lieben will. Demnach, wer keusch zu seyn verlanget, der muß vorderft ti dahin bedacht seyn» daß sein Verstand von der Vortreflichkeit und Nutzbarkeit dieser Tugend, so viel es möglich, , jj und allezeit mehrer überzeuget sey ; ' a wozu vonnöthen ist: Daß man öfters dasjenige lese - und » bedenke, wodurch die Liebe und Hoch- £ fchätzung gegen die Keuschheitstugend * befördert wird. Doch, welches wohl zu merken: Dieses Lesen, oder Betrachten muß auf solche Weise geschehen, das n man praktische Schlüße daraus zieht; > 2 das ist, das man aus dem Gelesnen '' eine und die andere Wahrheit, die uns besonders eingeleuchtet, oder gerühret h zu haben scheint, auswähle, um sich derer, als eines kurzen Denkspruches nachmals öfters zu erinneren: benannt- lich in gewißen, gefährlichen Gelegenheiten , wo eine böse Neigung verspüret wird, und wo der Verstand durch die Vorurrheile des Wollustes pflegt . geblendet zu werden. Von dergleichen ' praktischen Wahrheiten könnten die folgenden seyn. i. Der sch rft nd atf ch, ); nd ch- nd zu en as ns ref ich es \U mt it f ch gt r en ' >U 107 r. Der Wollust ist zu niedrig für mich. — 2. Der Wollust kann mein Herz nur unruhig, niemals aber glücklich machen. 3. Zu einem hohem und bessern Vergnügen ist mein unsterblicher Geist erschaffen. 4> Nur eine niederträchtige Seele muß es seyn, welche ihren eignen, so verächtlichen Schwachheiten so leichtsinnig unterliegen mag. 5. Wo eine unreine Neigung ist, dort ist der Geist Gottes nicht. 6 . Ein wollüstiges Herz ist jenen Bestien ähnlich, welche es schon gewöhnet haben, sich in, und von dem U)uste zu nähren.^*) 7. Die unreinen Neigungen sind wie E 6 das {*) Qui nutrJebantur in croceis, ampicxati iünt stcrcora, Thrat. 4. s. io8 das Ungeziefer; man wird davon nur desto mehr beunruhiget, je mehr man ihnen nachgiebt. — 8. Ein schwaches U)eib, und ein blindes lLupidokind sind das gewöhnliche Bildniß der fleischlichen Liebe; weil nur ein kindisches, oder ein weibisches, niemals aber ein manliches, ein wahrhaft großes Herz von dem Wollüste sich täuschen, und bezwingen Läßt. — 9. Was tapfere Jünglinge, was schwache Jungfrauen, was viele auch unter dem geringen Pöbel vermocht haben; sollte ich eben dieses nicht auch tönen ? — ich, zu meiner ewigen, und größten Schande, ich sollte es nicht können? — Eben so redete der heil. Augustinus bey seiner Bekehrung sich selbsten zu. Doch, unter allen Grundsätzen, womit ein tugendliebendes Gemüth von der Sclaverey des Wollustes sich losreißen , oder wider selbe sich versichern soll, muß der Grundsatz von der wah- 109 rett Demuth des Herzens allezeit der erste seyn: besonders über jene Dinge, so die Religion betreffen. — Wer hoffartig ist, der wird, wie jener, der in; Gebethe nachläßig ist, entwe- der niemals keusch seyn, oder doch es nicht lang verbleiben. Selbst die göttliche Schrift lehret es also, C) und die Vernunftlehre bekräftiget eben dieses; denn, weil das Laster der Unzucht auf eine besondere Weise etwas viehisches hat, und für eine unsterbliche Seele eben darum das schändlichste ist ; so ist es auch vor allen anderen das tauglichste, und das gewöhnliche, womit der gerechte GOtt die Hoffärtigenzu demüthigen pflegt: indem er sie von dem verächtlichen Fkeischteufel desto öfters versuchen, und dergestalten gleichsam geiseln läßt, daß sie ihres niderträchtigen Wollustes wegen sich allezeit auch vor sich selbsten schämen müssen, wenn sie anders noch nicht gänzlich unverschämt sind. E 7 Weil In ip('a enmi (JüperbU) initium sumpsit omnis perditio, Tob. v. 14. IIO JfeA* C) Weil aber das angewöhnte Laster (was man immer entgegen saget) fast allezeit angenehmer vorkömmt; und die hierüber einmal eingeschlichnen bösen Vorurtheile(") den Verstand des Uns _ kem (*) Ut sdvi •— quoniam alitcr non possem esse continens , nisi Deus det, - adii Dominum. Sap. 8, u. (**) Unter Diese Vonirtheile gehört vorzüglich je. ner Favorit. Spruch der Unzüchtigen: natura» iia non sunt turpia. .. das natürliche läßt nie, ,v innig schändlich. Was von der Natur ist, n Dessen Darf man sich nicht schämen, ,, — Dieß ist das gewöhnliche, womit die nnve, schäm. ttn.Venusknechke ihre unsauderen Freyheiten be. schönen wollen- — Allein, wenn man diesen so uneingeschränkten Sakkelspruch in dem verkehr, ren Sinne des Wollüstigen nehmen will: so wer. den sich hieraus sogleich die scheutzlichsten Folgen zeigen Und, man wird bey dem vernünftigen Menschen, so wie bey dem garstigen Hunde, end. lich auch die ärgsten Unflätereyen gleichgültig du!» den müssen- Heißt dieß aber nicht, die verwor. mie und selbst von den Heyden verworfene Seckt der viehischen Cyniker, sogar in Mitte der Christen wieder wollen aufleben machen ? ——- Ja, könnte noch was schandvollers seyn, als, da man unter dem Deckmantel der Vernunft nnver« schämt ist, und dergestalt alle Reinlichkeit' und selbst die Schamhaftigkeit aus dem Reiche der Tugenden verbannen will 1 — Nein, es ist dieses nicht die Sprache der Verminst' sondern des Wollusiesz nur die Sprache eines verkehrten III keuschen nicht selten gewaltig verdunkeln, oder doch verwirren, dergestalt, daß dieser zuweilen auch durch die gründlichsten und klarsten Wahrheiten weder überzeuget, noch gerühret wird: so ist in solchen Umständen anfänglich schier kein anderes Mittel übrig, als nur ein demüthiger Glaub, wodurch man wider seine eigene verkehrte Einbildungskraft ohne vorwitziges, und allezeit höchstschädliches Nachsinnen sich sogleich wider sich selbsten nur für jene Wahrheiten erkläret, die das Evangelium, und die gesunde Vernunft dem Laster entgegen stellet; und überhaupt für gewiß hält: Daß es weit besser und weit glückseliger sey vom Wollüste , und von finnlichen Gelüsten sich enthalten, als solche genießen. (*) — Der Herzens, eines verblendeten Verstandes ist es. Es ist eine neue Probe dessen, was ich schon zuvor von den Unkemchen erwiesen habe; und wer unter den Christen so unverschämt redet; wer so viehisch denket, der verdienet die Ehre nicht einer weillauftigeren Wiederlegung — (*, Beatior autcm erit , si sie permanserit se* cundum meum Consilium. I Cer. 7, JBcati lmindo corde. Matt, 5 . 8. II 2 Der unkeusche muß dieses nur glauben ; weil er es anfänglich weder begreifen , noch, ohne beständigen Widerspruch seiner sündhaften Phantast^ es klar genug erkennen wird, bis endlich sein Verstand, den die Wollust mit falschen Vorstellungen immer täuschet, durch die öftere Uebung der Tugend sich nach und nach aufkläret, und wiederum einfindet. Die Heyden, welche gegen die Wahrheit annoch blinde sind: Die Witzlinge, welche über die Glaubenswahrheiten so großsprechend vernünfteln, und die Um keuschen, die von ihrer Begierlichkeit sich so elend betäuben lassen, alle diese gehören dießfalls, so zu reden, in das nämliche Fach ; denn auf alle diese passet ganz genau das nämliche, was Christus saget: daß eine vollkommene Unterwerfung des Verstandes, und ein de- müthiger Glaub wider den eigenen Dünkel für die Seligkeit dieser Leute das erste und nothwendigste Mittel sey. — " wer nicht glaubet, — der „ wird gewiß zu Grunde geben, n rr n 3 hen, " (*) — „ Wer nicht glaubet, der ist schon jetzt ver-- „ urtheilet, " sagt die ewige Wahrheit. (**) Alles andere wird allezeit unnütz seyn. Und wie bey einem Blinden, dem man umsonst eine Brille geben, oder mit dem Lichte vorgehen wollte : eben so wird der Heyd ohne die Unterwerfung seines Verstandes allezeit ein blinder Heyd; und der böse Christ, ohne die demüthige Ablegung seiner bösen Vorurtheile, wird allezeit ein aberwitziger Christ, allezeit ein elender Sclav seiner viehischen Gelüste seyn. §. m. Drittes Mittel. Züchtige deinen Leib. (***) Machdem nun der Verstand zu dem wahren Erkänntniße eines höhern und (*) Qui non crediderit, condemnabitur. M.trc. 1 6, 16. (**) Qui non Credit, jam judicatus est. Joetn 3. 19. Castigo corpu* raeum. 1, Cer. 9. 17. 114 und bessern Vergnügens dergestalt vorbereitet ist ; so sind zwey Dinge, durch welche der Wille vom Bösen abgezogen» und an das Gute nach und nach muß gewöhnet werden, nämlich: eine frey- willige Abstrafung seiner eignen» auch geringeren Fehler. Zweytens eine öftere, obschon kleine Ueberwindung seiner selbst, aus Liebe zur Tugend der Keuschheit. Diese zwo heylsamen Uebungen scheinen vor allen, die sonst angerühmt zu werden pflegen, die auserlesensten und kräftigsten zu seyn: doch also, daß man, welches ohnehin unumgänglich nothwendig ist, daß man überhaupt und schon zum Voraus die feste Entschließung habe, auch eine läßliche Sünde wider die standmäßige Reinigkeit; wenigst mit vollkommnem Bedachte, niemals zu begehen. Denn, nur umsonst hoffet der jenige keusch zu seyn, o- der keujch zu verbleiben, welcher, besonders in Sachen, die das sechste Geboth betreffen, ein geringes Vergeht» nur gering achtet; und es schon zufrieden ist, daß jenes, was er thut, nur JfeAJt ^5 keine Todsünde ist. Ein solcher wird sich dießfalls allezeit, aber nur zu spät betrogen finden; weil er es dem göttlichen Geiste nicht geglaubet hat, der da saget: wer das Geringere ver- nachlaßiget, der wird nach und nach in ftin Verderben dahin falle«;. (*) — Und nur deswegen wurde dem Befehle, von der verbothnen Frucht nicht zu essen, sogleich jene heilsame Warnung beygesetzt: daß Adam selbe auch nicht einmal berühren sollte. (**) Man muß also auch die kleineren Fehler , die der standmäßigen Reinigkeit zu wider sich eingeschlichen haben, aufs bäideste an sich selbsten abstrafen; und so eine fteywillige Abstrafung könnte bey der täglichen Abendserforschung zweifelsohne gar füglich geschehen, o- der doch eben da etwas gewißes auf den andern Tag eben zu dieser Absichte bestimmet werden. Da man z. E. wegen ei- (*) Qui fpernit modica, paulatim dccidet. Eccl. ip. r. (**) Et nc tangeremus illud, Gen. j, ii 6 einer befundnen Nachlässigkeit in Aus- h schlagung wollüstiger Gedanken; oder f wegen eines unanständigen Vorwitzes d seiner äußerlichen Sinne; oder sonst wegen einiger Frechheit rc. die der Reinigkeitstugend nachtheilig seyn möchte, „ sich selbst etwas weniges entzieht, oder , zu entziehen vornimmt, entweder von , seinen gewöhnlichen Ergötzlichsten, t vom Trunke, von der Speise, oder in ,1 einer andern Bequemlichkeit rc. , Keuschheit liebende Seelen pflegen auch nach der Zahl, und nach der Größe der begangenen Fehler ihrem Leibe mit etwelchen streichen, bescheidener , Weise, .einen Schmerzen anzuthun. , Sie schärfen diese Bestrafung, wie bey , einer Medicin, da man eine doppelte , Dosis nimmt, wenn eine geringere die erwünschte Wirkung nicht thut. i Der Schmerz, den sie Hiebey empfin- » den, machet ihnen von dem ewigen We- , he» mit welchem der Leib des Wollu- , stes wegen in der Hölle gepeiniget wird, , einen weit lebhaftern Begriff, als eine nur in Gedanken sich lang darüber aufhat- 117 haltende Betrachtung. Sie ermähnen sich jselbst bey so einer Gelegenheit mit dergleichen folgenden Ueberlegungen. „ Wie, mein Leib! dieser gegenwär- „ tige dieser geringe Schmerz, scheint ,, dir in die Länge ganz unerträglich! „ — Wie wurde dir aber seyn, wenn „ du eben einen solchen, und noch un- „ zahlbare andere, ohne Vergleich grö- „ ßere Schmerzen allezeit, ohne Maas „ und ohne Ende, solltest leiden müs- „ sen?- „ Viele hundert deines gleichen sind n des Wollustes wegen wirklich in die- », ser Peine; und sie werden ohne die „ mindeste Hilf oder Linderung allezeit, „ auf ewig eben so elendig seyn.- „ Wenn ich also meinen Leib wahr- „ hastig liebe, so muß ich ihn wider „ diese allergrößte Gefahr, wider die- „ se ewigen Schmerzen, und eben darum „ auch wider den Wollust auf alle Wei- „ se sicher stellen. So machen es die, welche wahrhaft ger- n8 %AX gerne keusch seyn, und ihr Seelenheil ß dießfalls mit Ernste versichern wollen. u Und es ist gar gut, daß man von der- £ gleichen heil. Beyspielen, Gedanken d und Uebungen wenigstens etwas wisse, 2 obschon man dieselbe nachzuahmen an- Menge der heiligsten Leute, diese hieb An ten eine solche Schärfe wider ihren auch ueb keuschen Leib für nothwendig. Sie Ach züchtigten ihren Leib. Der Unkeusche E entgegen achtet ein solches Mittel wider * sein obschon muthwilliges Fleisch für von gar 7 * (#) Pegigi soedus cum oculis mcis, ut ne co» giutcm quidem de Vtrginc. i. Job.ji. i. gar zu strenge. Er will lieber von seinem Leibe gezüchtiget werden; und er / will lieber wie ein dummer Jochochs, 9 von diesem seinem eignen Knechte in einer niederträchtigsten Dienstbarkeit sich it gegeiselt sehen. — !" Oder wer wird wohl eine so heroische Entschließung , eine dergleichen stand- n hafte Ueberwindung und Bezwingung il ferner sechsten von einem Wollüstigen I) Herzen jemals erhalten können? — „ Niemand, als nur eine ganz besonder ^ Gnad JEsu Christi, welcher man durch k inständiges Gebeth, und durch einen demuthvollen Glauben an die Wahrheiten des Evangeliums großmüthig, \t und standhaft mitwirken muß. Ohne r dieses wird der Unkeusche auch die heil- e samsten Mittel, wovon jetzt geredet wor- {( den, allezeit nur als zuchthausmäßige h Uebungen ansehen; und er wird dessen e nicht gedenken wollen, was seiner lln- c lauterkeit halben weit schmerzlichers t in Bälde über ihn kommen wird: wo- r von der heilige Geist saget: (*) ich ab, ICH ini> eine ?ey - k t tl oa chei I2Z mals aufhören wahr zu seyn, ob- schon der Unkeusche solche zu glauben, und nach denselben zu leben auch schon wirklich hat aufgehöret. — Himmel und Erde werden vergehen, a- der meine Worte, sagt GOLt, (*) müssen unfehlbar erfüllet werden : — Die Wahrheit des Herrn bleibt ewig wahr. (**) (*) M*tt. »4. Zs. (**) Veritas Domini man« in «ternum» fs. nt. a. XXXX xxxx FM. txxxxx LKK5 e^» «^» Kurzer Vegrif Ueber die vorgehende Abhandlung, Die Zierde der Jugend. ; Nrster Z,heil. Die einzige Tugend der Keuschheit zieret das junge Alter weit mehr, als alles übrige. §. i. - Was unter den Worten Keuschheit, und keusch seyn, verstanden werde. 5. §. II. Die Keuschheitstugend ist eine wahre Zierde. 7. §. in. Die Keuschheit ist die erste» und schier die einzige Tugendzierde des jungen Alters. io. §. IV. Die Keuschheit des jungen Alters ist die reine Quelle» und der Grund vieler andrer Tugenden. 12. §. V. Die Keuschheit macht junge Leute den Engeln ähnlich. 19. §. VI. Die Keuschheit machet junge Leute auch den Helden gleich. 25. 83 Zwey- Wweyter Kheil. Die Unkeufchheit in der Jugend verderbet auch allein schon alles übrige. 39» §- l- Die Unkeufchheit verderbet, was die Jugend Gutes hat; weil dieß Laster den Verstand auf die schlimmste Weise verblendet. 4z. §. II. Die Unkeufchheit verderbet , was die Jugend Gutes hat; weil dieß Laster auch den Willen auf die schlimmste Weise verkehret. 57. §. in- Die Unkeufchheit in der Jugend verderbet, was man Gutes hoffen kann, betreffend die Lebensbesserung in späteren Jahren. 67. §. IV. Q. Wi n §. IV. Die Unkeuschheit verderbet, was die Jugend Gutes hoffen kann, betreffend den künftigen Wohlstand ihrer zeitlichen Güter. 77. Von den Mitteln zur standniäßigen Reinigkeit. Ivl. §. i. Erstes Mittel. Aendere den Gegenstand, tz. ii. Zweytes Mittel. Verwirf die bösen Vorurtheile. 125. §. m. JfeA* §- m- f Drittes Mittel. t Züchtige deinen Leib. uz., ! Beschluß. 119., Alles zur grösser» Ehre t GOttes. »AS