Von Matthias v. Mchöiiberg, der Gesellschaft Jesu. Die dritte Auflage. Mit Erlaubniß der Obern. Gedruckt» und zu finden im Fürstlichen Gotteshause St. Gallen, 1781. Der Zorn des Menschen wirket nicht, was vor G-Ott gerecht ist. Jakob. r. 20. Selig sind die Sanftmüthigen, denn sie werden das Erdreich besitzen. Matt. 5. m )ir- cht Einleitung. M, be^ AMuch bey den Kleinen/ auch in ihren noch zarten Jahren äußert sich nicht selten der tzähe Zorn / besonders wenn sie dessen ein so unglückseliges Beyspiel auch nur ein oder anders- mal von den Ackern ersehen haben. A 2 Frey- IV Freylich ist der Trotz eines hen Kindes, das kaum der Wiege anz entwachsen ist, nur ein spritzen- ten der Funke, worüber etwann der spa, Vater lacht. Aber auch eben eri dieser Funke ist es, dem es jtzt nur an Materie fehlt, um ei- ^ ne Feuersbrunst zu werden, die hon man wieder auszulöschen sich aucj nach kurzer Zeit oft nur um- ven sonst bemühet. viel lern Es wird also dieser Unter- Ber richt von der christlichen Sanft- all^ muth vorderst der Jugend nu, ^n tzen ; damit diese wider das bey so h ihr auskeimende Unkraut des ga- he ^ hen- V nes hen Zornes sogleich selbst Hand ege anzulegen wisse/ und die bitten- lern Folgen davon nicht erst in der spätern Jahren zu spat bereu- ben en müsse, jtzt ei- Den Erwachsenen wird e- die bell diese Lehre dienen / damit sich auch sie nicht langer mehr jenes m- verabsäume»/ was sie dießsalls vieleicht noch niemals recht ge- lernet / und durch ihr gutes ter- Beyspiel ihre Untergebnen schon rO allezeit hatten lehren sollen. Al- uu- lm wird es taugen gegen ein bey so häßliches Uebel/wie der ga- ga- he Zorn ist / sich bestens zu ver- n- Az si- sichern; durch die edle Tugend der christlichen Sanstmuth die Ruhe ihres Herzens fest zu stel- .§-! len; den Umgang mit dem Nächsten erbaulich, und durch den schönsten Nachruhm sich sechsten ersprießlich zn machen. Der sanftmüthige Rhrist. Erstes Kapitel, was der gähe Zorn sey. gäbe Zorn ist der Sanftmuth 'W stracks entgegen ; und er ist eben darum der wichtige Gegenstand, wider welchen der Sanftmüthige mir allem Ernste sich ausrüstet, um solchen, wie A 4 (in 8 ein Abenteuer durch eine desto erhab- ist nere Tugend vollkommen zu bezwingen, tis und aus seinem edel gesinnten Herzen dr für allezeit zu verbannen. od rv< Der Zorn ist überhaupt eine innerli- fei che heftige Bewegung gegen ein wahres oder vermeintes Uebel, dem der Mensch mit Gewalt sich widersetzen will. de te> Wenn diese innerliche Bewegung der ne Vernunft vordringt, so ist sie ein gä- ch her Zorn; weil so eine Bewegung oh- de ne den Zaum der Vernunft ganz gä- en he, wie ein wildes Pferd hinlauft, und la oft, auch wider unsern eignen Willen, ge aber nicht allezeit ohne unsre eigne lic Schuld, hervorbricht; und weil diese de Vorbrüchigkeit inner oder außer uns dr gemeiniglich eine Wirkung machet, die hc wir später selbst bereuen, und beken- ge nen müssen, daß wir hiezu vielmehr von der Heftigkeit des Zorns, als von der gesunden Vernunft sind verleitet m worden. ih ch Nun so ein gäher Zorn ist allezeit ta- e> delhaft; weil er allezeit unvernünftig bi ist; - hab- ist; und er ist von darum Unvernunft gen, tig, weil sowohl der Zorn, als jede an- rzen dre Leidenschaft in uns niemals mehr oder weniger wirken soll, als nur jenes, was die gesunde Vernunft auch nach reir erli- fem Bedachte allezeit gutheißen kann. hres msch Die Lacedamomer , die ihre Kinder von der Trunkenheit abhalten wollten , stelleten ihnen nur einen betrunke- zder nen Sclaven vor. Noch weit haßli- gä- cher mag bey diesen gutgesikketen Hey- oh- den der Gähzornige gewesen seyn. Den gä- ein Mensch, der sich dem Zorne über- ünd laßt, ist vielmehr einem unvernünftigen, gen Thiere, als einem Menschen ähn- igne lich ; nicht anders, als wie ein wils >iese der Ochs, der wider eine und die an- uns dre Mücke, die ihn gähling gestochen die hat, so gleich in eine tobende Wuth ken- geräth. lehr von Fast eben so ist es mit dem Gahzor- itet nigen. Die geringste Sache kann bey ihm auch bis zur Unmuth seine innerliche Ruhe stören; und also stören, daß ta- er seiner selbst schier nimmer machng, ftig bey allen Klugen lächerlich, oder doch, ; A 5 wie 1 » wie ein scheu gewordenes Vieh, aW ler zeit häßlich und verächtlich ist. Ni ha Ja, so ein ungehaltner Mensch, ist sich und andern täglich zur Last; denn M fast niemals wird etwas schleunig ödes i gut genug, und nach seinem Gefallen seyn. Er mag loben oder tadeln, so geschieht es schier allezeit mit einer erhabenen Stimme, mit entscheidendem Tone; fast niemals mit geziemender ^ Maaß. Alles ist an ihm wild und ab- — scheulich. Er ist wie ein Thor, der al- je lezeit läuft, und nie seinen natürlichen Schritt fortgeht: und sein ungestüm wer Zorneifer, der bey ihm bereits wi schon zur Gewohnheit geworden, ist ge wie ein fressendes Feuer, welches sei- ür ne Seele verwirret, sein Herz zerna- zu get, seinen Leib austrocknet, und selbst hs wider seinen Willen aufzehret. ^ So elend ist das Schicksal eines di vom Zorne hingerißnen; so scheußlich lic läßt seine Gestalt. — Man darf ihn lic nur sehen oder hören, so muß man einen ft! Abscheu davon haben. Niemand, als ur nur etwann der eigennützige Schmeich- u alle) ler will mit ihm Umgang pflege». Niemand will mit ihm gerne zu thun haben. sder > rllen Zweytes Kapitel. , so er- was die Sanftmut!) sey. dem wer H^as Bildniß der Sanftmut!) ist nur ab- —desto schöner, nur desto reizender; e al- je häßlicher jenes des gähen Zornes ist. chen lmi- Die Sanftmuth ist jene Lugend, eits welche die Bewegung des Zorns mäßi- ist get; indem sie den Zorn der Vernunft sei- unterwirft, damit der Mensch niemals ma- zu einer seiner Pflicht widrigen Wirkung lbst ^ hingebracht werde. Nun diese edle Tugend ist es, durch nes die wir eine der schädlichsten und häßlich lichsten Anmuthungen, den Zorn nänr- ihn sich, beherrschen, und Meister von uns nen selbsten werden. Eine Tugend, die als uns selbst höchst nützlich ist, die unsern ich- Umgang allezeit und überall werth und A6 an- IL angenehm machet; denn sie ist die Näh- rerinn der Gesundheit, die Mutter des Frieden, das Probstück einer guten Erziehung, das achte, und schier das erste Kennzeichen eines guten Christen: Sie ist der göttliche Charakter erhabner Seelen. Und man wird eben darum nicht leicht sehen, daß ein Fürst oder Standesperson, die ihre hohe Stelle wohl zu bekleiden weis, in zorn- mülhige Worte ausbreche; weil so ein ungehaltenes Vergehen, so klein es auch seyn mag, dem hohen Ansehen, und sogar den Grundsätzen einer guten Erziehung zuwider wäre. Der Sanftmüthige machet sich also niemals ehrenwürdiger, niemals ansehnlicher , als eben durch die Tugend der Sanstmuth. Denn eben diese herrliche Tugend, wenn sich anders keine Heucheley damit einmischet, ist allezeit ein öffentliches, ein überzeugendes Be- weisthum, daß man auch in andern Dingen, benanntlich wider den fleischlichen Wohllust, wie es der heilige Thomas lehrt, sich sechsten zu bezwingen wisse; und daß man eben darum auch , -Z !äh- über andere zu herrschen vor vielen an- des dem würdig sey. rten das Der Sanstmüthige zeigt seine große ien: Seele auch in den kleinsten Begeben- )ab- Heiken, die ihm gähling und ganz un- da- erwartet täglich, und stündlich aufsto- urst ßen können; denn er ist auch in den ver- 'tel- drüßlichsten Zufallen allezeit sich selben- sten gleich. Kleinigkeiten sind für ihn ein zu schlecht, als daß er sich darüber auft es halte, oder hiedurch unruhig werde: en, und nur große Dinge achtet er seiner lten würdig, daß er solche mit einer vereh- rungswürdigen Großmuth, als wie die Kleinigkeiten aushalte. Kein Verdruß "so kann sein durch die Sanftmuth unteran- stütztes Gemüth aus seiner guten Verend fassung bringen. Er wird hiedurch auch b.u- m den Augen seiner Feinde groß : und ine da seine erhabene Tugend den täglichen ^tt Verdrüßlichkeiten allezeit einen tugend- ^>e- vollen Trotz bieth, so genießt hievon seine sanstmüthige Seele schier unver- änderlich die süßesten Früchte der inners sten Zufriedenheit: so wie der großmü- >en thige Löw, wenn er das Bellen kleiner ich Hündchen verachtet, ohne daß er sich A 7 war- 14 würdigem wollte, deßhalben auch um erneu Fuß von der Erde zu heben. —- Und wre könnte wohl dieser König der Thiere sich würdiger zeigen, als da er der Schwachen so großmüthig schonet; und da er seine fürchterliche starke Gewalt mit einer so königlichen Gelassenheit kann zurück halten? — Drittes Kapitel. Daß wir in verdrüßlichen Zufällen sanftmüthig sind, dieß kann seyn; weil eben solches viele andere können, und gekonnt haben. tägliche Zufalle sind es, worinn sich gemeiniglich große Männer verrathen. Hier sieht man den Menschen, wer, und wie stark er ist; wenn man zuvor, so gar bey den glänzendsten Begebenheiten der Geschichte oft nur den Lomödianten gesehen hat. Un- Unter diesen Kleinheiten sind die Beyspiele des Sanftmüthigen die ersten , wo nicht die einzigen, die zu seiner Ehre allezeit das Meiste beytragen, weil sie in seinem täglichen Umgänge immer den meisten Einfluß haben; Und man bewundert den großen Turenne nicht weniger, wenn er mitten unter seinen Bedienten Beyspiele der Bescheidenheit , und der Wohlthätigkeit giebt; als wenn er den Feinden seines Königes Gesetze vorschreibt. Beyspiele der Sariftmuth. Philipp der rr. König in Spanien ^ war einst im Begriffe auszugehen, und wählete sich zu diesem Ende ein paar leichte Stiefel, dergleichen man selbiger Zeit zu tragen pflog. Er hatte den einten wirklich schon angezogen; da die Bedienten den andern nirgends finden konnten, und eine Viertelstun- delang überall sucheten. Der König, der seinen sonst von Natur hatten, und ernsten Charakter, so wie seine Unterthanen beherrschen wollte, machte 16 sich diese kleine Begebenheit zu Nutzen; Denn er blieb in so einer verdrüßiichen Verfassung die längste Zeit unverdrossen sitzen, ohne ein einziges Zeichen der Ungeduld von sich spüren zu lassen. Rarl der VI. König in Frankreich, war zur Sanftmuth und Billigkeit höchst geneigt. Und als einer bey ihm verklagt wurde, daß er von feiner Majestät sehr schlecht gesprochen habe, gab der Monarch MlAntwort: „ Dieß ist „ nicht möglich; ich habe ihm Gutes „ gethan. " — „ Gehet ein bischen weiter, " sagte einst der König Antigonus zu einigen , die er in Geheim wider ihn murren hörte, " gehet ein bischen weiter; „ damit ich nicht genöthiget werde euch „ zu strafen. " Bey der Belagerung der Gränzfe- stung Gtralsund in Schweden befand sich ein Eslonel, welcher nach einem langen Gefechte, aus Müdigkeit sich auf eine Banke geleget, um eine Stunde zu schlafen; er wurde aber ge- ruf W saü nä» Xl UNI es M ihr wi ler un er. wc we un te fü> K de: ßen; lchen dros- r der erch, zkeit ihm Ma- gab tzist utes rgte eini- nur- ter; euch 'Lebe- »ei- kcit eine ge- 17 rufen» baß er auf dem Walle auf die Wache ziehen sollte. Er schlief sodann sachte fort» und fluchte auf die Hartnäckigkeit seines Königs Rarls des Xll. auf die vielen unerträglichen, und unnützen Strapazzen. Der König der es hörte» lief auf ihn zu » nahm seinen Mantel ab, und breitete solchen vor ihm hin: »» Ihr könnet nicht mehr fort» „ mein lieber Colonel; sagte er» ich »» habe eine Stunde geschlafen; ich bin »» munter; ich will für euch auf die »» Wache ziehen : schlafet nur» ich will ,» euch wecken , wenn es Zeit ist. », Er wickelte ihn hierauf wider seinen Willen in den Mantel, ließ ihn schlafen, und zog auf die Wache, ttitt. üe ki- errs!e par. lVl. cke V. Ein Gelehrter lobete einst in Gegenwart Ludwigs des xiv. eine Schrift, welche doch der König selbst getadelt und verworfen hatte. Einige Hofleute wollten diese Freyheit des Gelehrten für ein Verbrechen auslegen, und den König wider ihn aufbringen. Aber der große Ludwig, dessen Seele e- -8 ben so viele Sanfkmukh, als Hohheii hatte, that für die Wahrheit auch wir der sich sechsten den Ausspruch, und sagte: „ Der Man hat Recht, er ver- „ steht es besser , als ich. " Als man dem berühmten italiänischen Dichter Tasso sagte, daß nun eine gute Gelegenheit wäre, sich an einem Manne zu rächen, der aus Neid und Eifersucht ihm hundert schlimme Dienste erwiesen hat, antwortete Tasso: „ Ich will diesem Neidischen, we- „ der das Leben noch die Ehre, son- „ dern durch meine Tugend nur den „ bösen Willen nehmen. " Auf den französischen Minister sie ligkeit. Ihr beyde habt eure Obrigr fast keit. Keiner ist befugt sich selbsten zu chei- rächen, iehe ver- Wenn aber dein Beleidiger zugleich 2 dein Unterthan ist ; so sieh zu, ob nicht die Hitze deines unmäßigen Zor- «es dich selbst strafmäßig mache, so, wie es jener ist, den du jtzt strafen willst. Denn, wie kannst du ohne Schande über andere herrschen wollen , E wenn du dich selbst, deinen unmäßigen v" Zorn nämlich, zu beherrschen nicht ein- ^ mal fähig bist ? — So denket der . Sanftmüthige, und das Licht der ge- M funden Vernunft allein lehret ihn also van denken; denn wir müssen sanftmüthig seyn, auch nur darum, weil wir ver- ^ nünftige Menschen sind ; und weil wir td" vielleicht niemals vernünftiger sind, als als nur, wo wir sanftmüthig sind. Ja, M. S. Sauft»,. Christ. B dieß 26 L-KL dieß ist der achte Gebrauch von der Vernunft, wenn man durch die Tugend der Sanftmuth seiner voreiligen Heftigkeit den Zügel kurz hält; und dergestalt sich sechsten, so, wie ein unvorsichtig wüthiges Pferd durch den Zaum, zu bezwingen» und in den Schranken der Mäßigkeit zu leiten weis. Fünftes Kapitel. Daß wir janftmüthig sind, dieß muß stylt, wett wir Christen sind. du P- unl nie! der Ge Ch lich Ch nac ster selb , n c n S HQenn wir tugendhaft leben, weil sol- " z ches das natürliche Licht der Ver- n ? nunft uns lehret, so ist es zwar gut. " t Doch für einen Christen ist diese Beweg- " n Ursache allein noch nicht gut genug; denn so leben auch die wohlgesitteten n Heyden, und Christus könnte aber- n v mal auch zu uns sagen : Mas thut „ I ihr dann mehr als andere; thun ^ dieß (-! 27 8er- dieß nicht auch die Heyden, und fug- publicanen? (*) ^ Der sanftmüthige Christ also liebet, „m übet die Tugend der Sanftmuth ' nicht nur, weil ihn die Vernunft, sondern vornämlich, weil das christliche Gesetz ihn solches lehret; weil er ein Christ ist, und weil er nicht nur außer- lich, sondern in der That selbst ein Christ seyn will. Er erinnert sich demnach öfters auf die Grundsätze des Christenthumes, und saget gleichsam zu sich >ieß lEmr ' „ GOtt hat mich erschaffen, daß ich „ allezeit und in allen Dingen seinen „ göttlichen Willen anbethe und voll- sol- " siehe. — Wie kann ich aber den 8er- " Willen Gottes thun, wenn es groß- gut. n tentheils, oder auch allezeit nur nach weg- " meinem Willen gehen soll ? — !eten n Wie kann mich GOTT prüfen » rber- „ wenn er mit keine IViderwär- Hut „ tigkeiten begegnen laßt? — Hirn B 2 „ Und ß (H Llsrc. 47. 28 „ Und wie kann er mich belohnen, wenn „ ich in widrigen Zufallen gemeiniglich, „ oder auch allezeit einen Widerwillen „ zeige? — Luc ri. f*») c. Z 7 . v. 15. § „ Ich weis unfehlbar, daß mir kein „ Haar am Kopfe gekrümmet, daß „ mir nichts, auch nicht das Geringste „ begegnen kann, ohne Verordnung os „ der Zulassung Gottes: und daß all „ so die Menschen nur der Werkzeug „ in der Hand Gottes find. — War „ rum dann zörne ich wider den Stein, „ der mich etwann getroffen hat? und „ warum schaue ich nicht vielmehr nur ,, auf die väterliche Hand Gottes zm „ rück, die diesen harten Stein gervor- „ fen, oder doch eben diesen, gewiß ,, nur zu meinem Nutzß geleitet hat?-" „ was soll ich sagen, sind die „ Worte des Propheten Jsaias, (**) oder was wird er mir des hat lich, „ i // /, ,/ /, // s antworten, weil nur er, na«m „ lich GOTT selbsten es gethan hat? — Die », di N! gl er ol tf st in w st dl st enn ich, Uen kein daß gste z o« al« eug Va« ein, und nur zuvor« miß die is, nir mi« -all ie 29 Die schöne Lehre und das Beyspiel des großen heiligen Lhrysostomus hat in diesem Falle etwas ganz vorzügliches. Er saget: „ Haft du wo „ immer her ein Uebel erlitten : „ jo steht es in deiner willkuhr, „ daß solches aufhöre ein Uebel „ zu styn. Danke deinem GOtt „ dafür, und sogleich wird das „ Uebel, für dich eine Gutthat „ seyn. „ Wenn ein schon gestandener Mann „ die ersten Grundsätze des Glaubens n noch niemals recht gelernet, oder „ gänzlich wieder vergessen hatte, daß „ er z. E. das Areuz nicht machen, ,» oder das Vater unser nicht bett then könnte: würde er sich dessen nicht „ schämen müssen, indem es jedes Kind »»in der Kinderlehre herzusagen weis ? „ — Nun aber der gähe Zorn läuft „ wider die ersten Grundsätze des Chrir », stenthums, und die Sanftmuth ist in », der Schule Christi gleichsam die er- n ste Tugend, die er will, daß wirken Bz „ neu ;o L-KL „ nen sollen, da er sagt: Lernet von Aus „ mir, daß ich janftmüthig, und ^ „ von Herzen demüthig bin. (*)" ^ „ Ja, als hätten wir von allem, k „ was ein Christ wissen soll, noch „ nichts erlernet, als lang wir sanft-- L „ wüthig zu seyn nicht gelernet haben, , „ so saget Christus weiter : Aus die- p^rz „ stm wird man es erkennen, We, „ daß ihr meine Jünger seyd , der „ wenn ihr euch einander lie- zum „ bet (**) Denn er redete damals N „ von einer nicht nur natürlichen Lies „ be: Nicht nur von einer Liebe gegen M „ die, die uns wohl wollen, weil dieß ^ », auch die Heyden thun : sondern er Her „ redete von einer wahren Liebe der muß „ Feinde, welche allezeit die Sanft- man „ muth zum Grunde hat." mut , . könr Erne nicht ungleiche Erwägung machet zur über die jtzt erwähnten Worte des Er- ljch lösers der heilige Angusti». ("*) Chri- erhc _stus, man klztt. II. ^osn. iz. A"*) Leim. iv, cle Verbir Voini«i'. L-KS zr stus, als wahrer GOTT, hat uns in Wahrheit eine göttliche Lehre gegeben. ^ „ Er hat uns ganz göttliche Dinge geleh- ^ ret. --- Lernet von mir, sagt die- ^ ser göttliche Lehrmeister, lernet von mir; nicht, wie man eine große Welt erschaf- ' A fen, wie man die sichtbaren und unsi'cht- ,' baren Dinge ergründen, oder selbe aus ihrem finstern Nichts ans Tagelicht her- ^ vorziehen könne; nicht, wie man die / Welt mit Wunderthaten anfüllen, or 'd, der die schon morschen Körper wieder lie- zum Leben aufwecken könne: Nein, .„sä dieß alles ist noch zu gering: etwas Größers, das weit Göttlicher ist, sollt E ihr von mir lernen, dieses nämlich: Dieß Daß ich stmftrimthig, und von , er Kerzen demüthig bin. (*) Ma»r der muß also, schließt der heilige Augusim, M man muß Durch die Tugend der Sanft- muth von seiner Größe sich herablassen können, wenn man bis zur wahren, bis chet zur vollkommenen Größe unsers gött- ,Ey lich erhabenen Christenthums sich selbst hw erhöhen will. Nur dieß ist, womit ^, man des Namen» den man als Christ B 4 von (H) ülstt. II. na» sch! ber Z2 von Christo tragt, sich wahrhaft würdig machet. Die Heyden zu 2llexandrien hatten einst einen frommen Christen seines Glaubens wegen mit vielen Unbil- err den verunglimpfet; und endlich fragten Ze sie ihn spottweis, was für ein Wunder ^ er dann von dem Christen GOtt anst fer- weisen könne? „ Dieses vor allen, ant- ve> „ wortet der Christ, welches Christus , »m „ eben jtzt gewirket hat, nämlich: Daß jez „ ich über euere Unbilden weder rachgie- ^ de „ rig noch ungeduldig geworden." V V sä Sechstes Kapitel. ' ^ Wie, Ulld durch welche Mittel ^ fe man in Bälde sanftmüthig ni seyn könne. j ^ g «Nachdem man jenes, was schon ge- h meldet ist worden, öfters und ernst- h kich erwogen hat, so wird, was jtzt h folget, sehr nützlich seyn, um die be- ^ nanm zz nannte Tugend der Sanftmuth desto schleuniger zu erwerben, und sicherer zu bewahren. i. Muß man einen allgemeinen und ernstlichen Vorsatz machen, zu jeder Zeit, in allen Gelegenheiten, es möchte was wichtiges oder geringes betreffen, ohne Ausnahme der Personen und der Umstände, die Tugend der Sanft- muth zu üben, oder doch derselben allezeit mit allem Ernste sich zu befleißen: dergestalten, daß man von solchem Vorsätze unter was immer für einem Vorwande niemals abzuweichen entschlossen sey. Auch der Sanftmüthige kann und muß die Fehler seiner Untergebenen strafen. Und eben diese Bestrafung wird niemals nützlicher, niemals vernünftiger geschehen, als wenn sie von der Tugend der Sanftmuth geleitet, und begleitet ist. Ja, man wird gemeiniglich durch eine Gattung der Unbescheiden- heit sechsten strafwürdig, als oft man bey der Bestrafung die Tugend der Sanftmuth vergißt. B; Je- Z4 Jener allgemeine Vorsatz ist von größ- ter Wichtigkeit; und man muß fest darauf halten, wenn man nicht von seiner Eigenliebe sich betrügen, und von einer unmäßigen Zornhitze, so wie zuvor wieder sich hingerissen sehen will. Die Stelle der heiligen Schrift, wo es heißt: Zörnet und sündiget nicht (*) steht nicht für den gühzorni- gen, und sie ist dem jtzt benannten Vorsätze auf keine Weise entgegen. Denn eben diese heilige Schrift saget, und zwar ohne Ausnahme saget sie es: Der Zorn des Mannes wirket die Gerechtigkeit GL>ttes nicht;,(**) daß also die erstere Schriftstelle entweder nur von dem heiligen Zorne wider die Sünde, oder aber nur von einem gerechten Zorne, der mit Sanftmuth gemäßiget ist , und ohne welche der Zorn schier allezeit Sünde ist , verstanden muß werden; worüber der heilige und gelehrte Bischof Franciscus von Gales saget : „ Es ist leichter gar nicht (*) plA!lD, 4. iLLi-bi r». N n n S be ch re or bi tze Ul rc 2 ! ri ft ei er m b< U r si »» öß- ar- ner aer >ie- wo set ni- rr- n» nd er e-- w- er m th m m i ld » ir HA „ nicht zörnen, als im Zorne die gehö- „ rigen Schranken der Bescheidenheit », beobachten." Das 2 te Mittel zur Erhaltung der Sanftmuth besteht bannn, daß man bey sich sechsten gleichsam ein Gesetz mache , nichts zu reden, und nichts zu unternehmen , so lang man im Zorne ist; oder daß man wenigst so lang innhalte, bis man auf einen der obigen Grundsätze von der Sanftmuth zurück denken, ! und sich selbst befragen könnte: Bin > ich wohl über diese meine heftige ! Anmuthung selbst vollkommen ! Meister ? — Nur eine solche Verr l fassung kann den Gahzornigen wider i eine voreilige Wirkung bewahren, die er nachgehends allezeit selbst bereuen ! muß; weil sie nur ihm sechsten, und besonders seiner Ehre höchst nachthei- lig ist. Der große Kaiser Augnstus, und der weise Gocrates haben eben dieses zu eben diesem Ende gethan. " Ich würde dich schlagen, wenn ich nicht B 6 „ im Z6 „ im Zorne wäre, " sagte Gocvates zu seinem Sclaven, als dieser ihn heftig erzürnet hatte. Und jener römische Kaiser, wann er in Zorn gebracht wurde , pflog so lang zu schweigen, bis er das griechische Alphabet!) in Gedanken durchgelaufen war, nur damit er hiedurch die erste Zornhitze unterdrücken, und der Vernunft zur Ueberlegung Platz geben könnte. Auf solche Weise wurde er höchst gütig und leutselig. Er war das Vergnügen des Volks, so wie das Volk wiederum das seinige war. , Wenn man nun zu diesen jtzt gemeld- ten zweyen Mitteln ein eifriges Gebeth zu GOtt, und eine kurze particular Erforschung seines täglichen Verhaltens beygesellet, so wird die erwünschte gute Wirkung davon endlich ganz unfehlbarerfolgen. Die Ehre aber, und das Verdienst wird für uns nur desto größer seyn, je theurer uns etwann diese edle Tugend der Sanftmuth ist zu stehen gekommen. In was hast du heut dem Leben tes fesche >ur- l er ' an- er 'en, latz ur- oar )as ?ld- eth lar ms gu- chl- >as >rö- vie- zu Le-- 37 den gebessert? — wie, und wie oft haft du heut deinen Zorn besieget ? — mit solchen Worten erforschte sich selbst täglich der edle Gextus ein tugendliebender Heyd, wie es Geneca in seinem Buche vom Zorne bezeuget. — Welch ein schönes Beyspiel für den Gähzornigen! — Oder thut man vielleicht zu viel, wenn man uns jenes zu thun einräth, was so gar die Heyden gethan, und zu thun für unumgänglich nothwendig erachtet haben? — Siebendes Kapitel. Nach welchem Mufter man sanft- müthig seyn solle? e^>ie guten Beyspiele der Heyden m§- ^ gen zwar nicht selten zu unsrer Beschämung taugen, aber zur Nachahmung sind sie in ihrem innern Werthe und Wesenheit für einen Christen alle- B 7 Zeit z8 zeit nur zu schlecht, und gar zu unvolk „ kommen. „ Die Tugend des Christen begnüget " sich nicht, daß sie sich äußerlich zeige. A Sie tilget das Laster vom Grunde sammt der Wurzel aus. Da entgegen die philosophischen Lugenden der Hey- den größtentheils nur Scheintugenden to waren, die sich mit dem Aeußerlichen ne befriedigten, um dadurch vor den Augen der Welt glänzen zu können. Pk Ueber diese verdammliche Eitelkeit der füs Heyden seufzet der heilige Augusiin kos mit folgenden Worten: (*) Man !o- de» bet sie, wo sie nicht sind, und wo M sie wirklich sind, da werden sis U jtzt auf ewig gepeimget. ^ ^ wir Socrates selbst verwies es dem mit Philosophen AntisteneS/ da dieser in dar seiner zerrißnen Kleidung ein desto stz. größeres Ansehen sich machen wollte: „ Mein r.suie Sanftmuth war das scheinbarste ^ Merkmaal des liebvollesten Herzens JESU. Diese Tugend hatte in alle seine Worte und Werke den süßesten Einfluß. Diese glänzte aus allem seinem Thun und Lassen, als der wahre göttliche Charakter hervor ; und durch diese vollkommenste Ausübung der Sanftmuth war die allerheiligste See- 44 Seele Christi allezeit weit mehr erhaben, als der Gipfel eines hohen Ber- ges ist, welcher auch in Mitte des stürmenden Ungewitters von der heitersten Sonne beleuchtet wird, weil er über das schwarze Gewölk dieser Unbilden allezeit noch weit hinausraget, und auf den tobenden Tumult, der unter seinen Füßen lärmet, nur immer, gleichsam in voller Ruhe herabsieht. 2. In dem alten Testament zeigte GOTT auch gegen sein auserwähltes Volk eine so fürchterliche Gewalt, daß die Israe'nten an den Moyses bitt- weis gekommen; (*) nicht dieser schreckbare GOtt, sondern nur er möchte zu ihnen reden. Nun aber, eben dieser mit Allmacht bewaffnete GOtt, IEsus Christus, da er als Mensch selbst unter uns Menschen wanderte, wie vielmal hat er nicht auch über die gröbsten Unbilden, und über die undankbarsten Grobheiten gänzlich geschwiegen; nur damit er durch HA er, Wirten der )en ruf ren am zte ^es aß tt- er ur Ht s, :n- Ht nd -z- ch 45 fein eignes Beyspiel uns die Sanft- muth lehrete? -- Er- hat geschwiegen, da er doch wider seine Verleumder alle Gewalt in Händen hatte. — Er hatgeschwiegen, da er allezeiteine Weiss heitsvolle Antwort in Bereitschaft hatte, wodurch er zu seiner größten Ehre alle seine Feinde gar leicht hakte können zu Schanden machen. — Dennoch, aller dieser Vortheile unerachtet» hat er geschwiegen, und die einzige Ausübung Der Sanftmuth vorgezogen. — z. IEsus hatte schon bereits mehr, als die halbe Welt mit Wundern und mit Erstaunung erfüllet, und dennoch sagten ihm die neidischen Pharisäer öffentlich ins Angesicht, daß er vom Teufel besessen sey. — Die Aaphar- naiten ließen ihn sogar, wie den schlechtesten Menschen, auch nicht einmal in ihre Stadt hinein; sondern sie sperre- ten ihm, so zu sagen, die Thüre vor der Nase zu: worüber auch die sonst guten und einfältigen Jünger dergestalt böse wurden, daß sie die Unbilde zu rächen, das Feuer vom Himmel fallen ru 46 zu machen bey ihm um Erlaubniß am hielten. Und was sagte der göttliche Lehrmeister dazu? — Zu den boshaften Pharisäern sagte er nur diese wenige, aber Lehr-und sanftmuthvolle Worte: Ich habe keinen Teufel, sondern ich ehre meinen himmlischen Vater. (*) Den Jüngern aber, die ihren Meister mit Blitze und Donner wider die Kapharnaiten rächen wollten, antwortete dieser sanftmüthige Erlöser: (**) Ihr wisset nicht, wessen Geistes daß ihr seyd. Als wollte er sagen: „ Nicht mit dem Geiste des „ Zorns und der Rache, sondern mit „ dem Geiste der Sanftmuth müsset ihr „ zeigen, daß ihr Kinder Gottes, und „ daß ihr meine Jünger seyd. Nur auf „ so erne Weise müsset ihr die Grob- „ heiten dieser Leute beschämen, und „ mir Ehre machen. " 4. Ein andersmal steilsten die Pharisäer Christo eine Ehebrecherinn vor; aber nur darum, weil sie wußten, daß er, er, nid sel öff ho! Er unl ein Lo , se bor G< wa te! bis mit seir me> the ner sen ein dur ten der MU (*) I-23». 7. (**) L.uc. an- che >aft ve- or- Barett der rnt- w: »ei- er des mit ihr ind auf ob- md -a- or; )aß k 47 er, seiner bekannten Sanftmukh halber nicht so leicht zugeben würde, daß diese Sünderinn, wie das Gesetz befahl^ öffentlich gesteiniget werde; und also Hoffeten sie, auch die Sanfrmuch des Erlösers als ein Laster anzuschwärzen, und Hiedurch den Heiland selbst, als einen Uebertreter des Gesetzes, zum Lode verdammen zu können. Dem allwissenden IEsirs konnte diese Bosheit der pharisaev nicht verborgen seyn. Er, der als GOtt und Gesetzgeber allein von der Sünderin» war beleidiget worden, klagte und Körnte wider sie alleinig nicht. Ja, schier bis zum Nachtheile des Gesetzes, und mit größter, augenscheinlicher Gefahr seines eignen Lebens und guten Namen sprach er das sanftmüthige Urtheils Er both wirklich aller Kraft seiner göttlichen Weisheit auf, die in diesen Umständen allein erklecklich war, um ein Mittel ausfindig zu machen, wodurch er das strengste Gesetz der gerechten Todesstrafe nicht verletzen, und von der Uebung seiner gewöhnlichen Sanft- muth nicht abweichen möchte. 5. JE- 48 L-KK 5« IEsus hatte überhaupt mit ei- wid nem dummen, und ungeschliffnen, mit gröl einem nur auf das Zeitliche bedachtem Volke zu thun: mit Verstockten, und 7 aus Neidsucht verblendeten Pharisä- dW ern» die ihm aus beflißner Bosheit im- arg, mer widersprachen; ihm alles Uebel sten ausdeuteten, und nur desto boshafter Iu! zu werden schienen, je geduldiger, leu- dem seliger, und sanftmülhiger er ihnen be- lezei gegnet hatte. dies 6. Bey seiner Gefangennehmung im den Garten, gab er seinen Feinden seine All- wiä macht nicht nur einmal handgreiflich zu Fre erkennen; da er mit zweyen Worten: net Ich bins, (*) die ganze Kriegsrotte lam augenblicklich also entkräftete, daß die- ftin se zu zweymalen alle, als wären sie vom gen Donner getroffen, zurück, und wie die letzl Todten hinfielen. Doch wollte sich der riscl Heiland zu eben diesem Ende nur allein Arr dieser sanftmüthigsten Worte gebrau- thei chen: Ich bms; uns nämlich zur Leh- ! St re, daß eben nur die Sanftmuth, auch ge! wi- __ N i.' Josnk. ik. 4 , ei- wider die ärgsten Todesfeinde oft die mit größte und kräftigste Wirkung thue. tem nnd 7. Mit welch einer erstaunungswür- W digen Sanftmuth hat nicht IEsirs den mu arglistigen Meyneid, und die gottlosere! sten Heimlichkeiten des verratherische» fter Judas übertragen, dessen innerste Gele»- danken feinem allsehenden Auge doch al- be- lezeit offen stunden? — Er hat aber diesem Treulosen deßhalben niemals einen harten Vorwurf gemacht. Er hat ! M den guten Namen dieses stillen Böse- Alu wichtes, auch bey seinen vertrautesten ) M Freunden möglichst und allezeit gescho- ten: net: Und er hat ihn eben durch seine otte langmüthige Sanftmuth nur immer von die- ftinem Untergänge aufbessere Gesinnun- 00m gen zu leiten gesuchet. Noch bey dem e die letzten Zeitpunkte einer so gottesmörde- der rischen Missethat sah dieser Gütigste mit llein Augen voll der Liebe auf seinen Verra- raw kher hin, und sprach mit sanftfließender Ah- Stimme: Freund! zu was bist du auch gekommen? (*) ' M.G. der simftm. Christ. A 8. zo 8. Ja» selbst von jener Zeit» voi welcher er es vorgesagt, daß er nicht » mehr als ein Erlöser, sondern nur zu ? , richten, zu strafen, und die Unwürdis s A gen von seinem großenHochzeitmahle his nauszustoßen kommen werde, selbst da U stellet sich IEsus uns wiederum nm xom mit dem Charakter der anmüthigsten dero Sanftmuth vor; denn eben jenen, web Wo chen er ohne Hochzeitkleide sah, und deßhalben in das äußerste Finsterniß ^ auf ewig zu verwerfen befahl, auch dies sen verbannten Bösewicht, auch in dies vey sen Umständen, redet er nur mit größs euc ter Gelassenheit an. Er sagte abermal: wil Freund! wie bist du da herein gekommen ? l*) nämlich uns abers ^ mal zur Lehre; daß er nur wie ein van Freund, dem die Bestrafung seines vors Uns maligen Freundes selbst wehe thut» sah daß er nur gezwungner Weise uns stra< glei fe; und daß wir, auch bey der schärfes unl sien Bestrafung unserer Feinde, uns der He sanftmüthigsten Worte gebraucht sollen, gut - vol 9 . Daß aber die zuvor erwähnten gro, — ' - (*) rr. große und viele Unbilden, daß die, bey nickt dummen, und verstockten Leuten ohne »Frucht verwendte, und gar oft nur mis- brauchte gütigste Sanftmuth des Erlö- le bb ^ auch diesem liebsten Heilande alle- st ba ^it zur größten Last gewesen , und tie- «... kest ru Herzen gegangen sey: solches konnte er selbst nicht bergen, da er in gsten dergleichen Umstanden einst mit diesen weis Worten bitterlich seufzete: — (!) du '2 ungläubiges, und verkehrtes Ge- Ä siecht, wie lang soll ich noch ! die- bey euch seyn ? wie lang soll ich ;röß< euch noch dulden? wie lang noch mal: wird ich dich übertragen ? (*) rein aber- Niemals hat ein Mensch größere Un- » ein dankbarkeiten, Grobheiten, Unbilden, ' vor- Ungerechtigkeiten und Armseligkeiten er- hut, fahren; als IEsus: und niemals ist zuist» gleich ein Mensch erhabner, ansehnlicher ärfe- und gerechter gewesen ; niemals ist ein s der Herz aufrichtiger, sanftmüthiger, und >llm. gutthätiger gewesen, als eben nur das - vollkommenste Herz des Erlösers. — >nten C 2 Nie- ro- '- User.ülstt. 17. / 52 Niemand hat mehr gelitten, niemand hat es schmerzlicher empfunden als er: und niemand hat sich weniger beklaget als er» — Er that nämlich selbst, und auf die vollkommenste Weift that er es, was er uns zu thun eingerathen und ges heißen hatte; das ist: Was ihm imer schmerzliches oder widriges begegnete, dieß betrachtete er, nicht als eine Wirkung von der Dummheit, Thorheit, Hinläßigkeit oder Bosheit der Menschen , sondern sah es nur in so weit an, als ein Schicksal von der allwissenden und vorsichtigen Hand GOt- tes, gegen die wir uns allezeit dankbar neigen müssen, wenn sie auf was immer für eine Weise unsre Tugend zu prüfen sich würdiget. * r^o machte es LhnstlrS/ unser sanft- ^ wüthigste Erlöser; und so lehret er uns, daß auch wir Christen ihm es nachmachen sollen; weil nur er das ächte te, de> oh bei be m gc w m ge ih Zr fei te br tu be fe vi re ai L-kL §r uand te, und das vollkommenste Muster ist, Z er: dem wir ähnlich seyn müssen, wenn wir läget ohne Trügerey als Christen von ihm ' und den Namen tragen wollen. Ich halb aes be euch das Beyspiel gegeben, dämm "ut ihr eben dieß thut, was ich nete, gethan habe, sagt er, (*)Denn, Wir- wenn ich, da ich doch euer HErr hert, und Meister bin, euch die Füße weil gewaschen habe, so sollet ja auch llwis- ihr euch einander diesen Dienst 8Ot- Zu thun euch nicht weigern, sind dank- seine Worte, was id zu Und was könnte wohl unter dieser Fußwaschung Christo gefälligeres verstanden werden als nur, wenn wir um ZU' tereinander einer des andern seine Gebrechen , seine Mängel oder Fehler gütigst entschuldigen, und sanftmüthig ü- ' vertragen? welches doch der Erlöser selbst vor allen andern zu lernen unS sanft- vorhält; und welches er, als das wah- ehret re Kennzeichen eines Christen vor allen m es andern von uns erfordert; wovon er z äch- Cz auch, te (*) sosiln. n. 54 auch» da er auf dieser Welt war, allezeit selbst die schönsten Beyspiele uns gegeben hat. Ja, giebt er uns nicht wirklich, täglich und stündlich noch eben so viele» e- ben solche Beyspiele der Sanftmuth? — Oder ist es nicht der Erlöser, welcher täglich und persönlich in unsern Kirchen auf uns wartet» ohne daß wir ihn daseibsten» wie wir sollten» öfters besuchen? —Ist es nicht dieser liebste Erlöser, der uns, oft Tage und Woche lang die Gnade der Versöhnung anträgt , ohne daß wir um solche uns bewerben» oder selbe auch nur annehmen? -— Ist es nicht eben nur dieser sanftmü- thigste IEsirs, der uns täglich viele hundert Gnaden erweist» ohne daß wir derselben auch nur gedenken? und der uns durch seine he--samen Einsprechung? so oft zu Herzen redet»ohne daß wir ihn gerne auch nur einmal anhöreten? — Dieses — und dieses ha-! du gethan, und ich — dein GOtt, ich habe dazu geschwiegen. (*) ... Wir, (*) U»c frLtüi . . Lielä!. 49. ri. , L-KK 55 cke- i Wir, — die wir Staub und Asche lins find; — gegen den Sohn GOttes - ; der mit seinem allmächtigen Winke die Himmel biegt, und was nicht ist» aus äg- Nichts, wie, und wo er will, zum Ge- , er horsamehervorgehen machet?—- Doch, h? Dieser Allmächtige schonet uns, er dul- sel-- det unsere Mängel, er vergißt auch iir- gerne so gar unsrer Bosheiten; er la- Dir det uns annoch gütigst zu sich, weil er ers uns annoch Beyspiele seiner liebvollen ,ste Sanftmuth geben will, und zwar all- Zo- tägliche Beyspiele, damit wir täglich cmr ihm nachfolgen sollen. — Sieh mein be- Christ! ob deine Eigenliebe in Aus- n? Übung der Sanftmuth annoch eine Ent- iü- schuldigung verwenden, oder eine Aus- ele nähme machen darf ? — )er Bey dem Kaiser Antonitt dem ge Frommen, beklagte sich jemand wr- hu der die ungestimme Grobheit des So- phisten polemon ; weil dieser ihn aus e- dem Hause gejagt. Der Kaiser fragte ch den Klagenden: " Um welche Zeit war „ es , da dich polemon fortjagte? „ — Es war Mittag antwortete dies - ^ C4 uftr. 56 „ ser." Ey nun „ erwiederte Anto- ^ „ nLn, da ich noch proconsul war, - „ hat mich polemon um Mitternacht „ aus seinem Hause gejagt, und ich x, habe es mir gefallen lassen." Könnte nicht der göttliche Erlöser, da wir wider die Unbilden unsers Nach- 1 sten klagen, uns allezeit ein Gleiches antworten ? — Aber was großer Trost ? welch eine Ehre für uns, daß ein so großer HERR, wie der Sohn Gottes ist, uns mit seinem Beyspiele eben so, und zwar so oft und täglich vorgeht ? Diesem thu es nach, wer du immer so gerne groß thun willst; denn die Sanftmuth ist niemals ohne Großmuth; und nur dieß ist die wah- . re Großheit der Seele, wenn man nach ; fo einem großen Beyspiele sich sechsten beherrschet; wenn man durch die erhar bene Sanftmuthstugend sich großmü- . thig herab läßt, und dergestalten sich ' über sich sechsten zu erhöhen weis. Dir Kurzer Begriff Ueber die vorgehende Abhandlung. Einleitung. Der sanftmüthige Christ. Erstes Kapitel. 23as der gähe Zorn sey. 7 . Zweytes Kapitel. Was die Sanftmuth sey. ri. Drittes Kapitel. Daß wir in verdrüßlichen Zufällen, sanftmüthig sind, dieß kann seyn; weil eben eben solches viele andere können, und gekonnt haben. 14. Beyspiel der Sanftmuth. 15. Viertes Kapitel. Daß wir sanftmüthig sind, dieß muß seyn ; weil wir vernünftige Menschen sind. 2Z. Fünftes Kapitel. Daß wir sanftmüthig sind, dieß muß seyn, weil wir Christen sind. - 26. Sechstes Kapitel. Wie, und durch welche Mittel man in Bälde sanftmüthig seyn könne. 32. Siebendes Kapitel. Nach welchem Muster man sanftmüthig seyn solle? Z7« Achtes Kapitel. Einige Beyspiele IEsu Christi in der Sanftmuth. 4Z. ENDE. ^ A..