STIFTSBIBLIOTHEK ST. GALLEN VI STIFTSBIBLIOT HEK 'X ST. GALLEN _14 Aliofdu Sancta; Mari* 'TfafB? »MFisehm^ VulgoJ /Jm - Wiscbxngc“ “ Ceßen Der Heil. ^oggenburgtschen Gräffm vttd seeligm Mutter Samdt Nützlichen Lchr-Puntten vndkurtzem Bericht/ Von Dero Löölichm Bruderschaffk. Angesetzt Durch den Hochwürdigen Herrn , < p.-jo Acmmf V -l Zlbbten deß Gottöhattjses ! FtWNM/Orci. 8. öeneci^ti, / Die sibende Edition Gti Eallen/Ecdruckt in der Hochfürstl. Druckerey/ bey Jacob Müller, 1701. ; i. \ Ii ; ::7 Wrred An alle vnd -edc Hoch, vnd Nidern Stands Gebühr nach/ geehrte Bruder vnd Schwestern der löblichen Brndcrschafft vnftrcr Hcil. GrDn vnd lieben Mutier Santt Iddä. -On dem Jahr Christi 1580. in welchem dise vnsere löbliche Bruder- fchafft erstlich ist. eingesetzt worden / sind biß auff gegenwärtige Zeit allbereiks u 6 . Jahr verflossen 5 Worbey ersrew- lich beobachtet wird I daß jenes allgemeine Sprüchwork: DerAnfan- sederer Sach ist hitzig vnd eyfferig/ )( r das Vorred. das Mittel lawer / das End kalt/ rc. Bey Abkauff der gesagter so langer Zeit / in diser Bruder schafft / GDtt Lob/ kein Platz hat/ weil der erste heilige Eyffer bey den Einverleibten nicht allein nicht nachgelassen / sondern durch Gottes Seegen/vnd durch die vilmögende Fürbitt der H. Gräfin Iddä dergestalken gewachsen/ daß die Statuten kaum einiger Ant eigentlicher gehalten / vnd die Zahl der Brüter vnd Schwöstem noch we- nrahl grösser erfunden worden/ als jetzmrdcr; Dann in dem Rodel der lebenden Einverleibten / befinden sich Dißmal 287z. Persohnen zvnder welchen «6. Ehrwürdige Priester/ vnd z 9 , andere Geistliche Manns-Per- sohncn; 150. Closter - Iungfrawcn; 846. weltliche Manne - Persohnen; i7Zr. Weiber vnd Iungfrawen. Der liebe Vorred. liebe GDtt wolle sie all: / - .n- §ür- bitt der lieben Mutter St. )oda an Leib vnd Secl segnen / vnd zu der tausend-erwünschten guten Ewigkeit gnädig verleiten. Es sind auch bifer Bruderschafft/durch die verwrche- ne lvp. Jahr in GDtk feelig gestorben 2489. Persohnen; GDtt zeige ihnen fein Angesicht. Befindet sich hiemik die Summa aller Lebend-vnd Lobten diser Bruderschafft anjetzo z-z6r. Persohnen. Vnter den gesagten Verstorbenen haben sich befunden viel Hohen Stands I vnd sonst hoch-gelahrte Gottselige Leuth. Doch ziehrek dise vnsere Bruderschafft voraus der stetige Seclen-eyfferige/hochgetahrk vnd Geistreiche Vatker R- p- Petrus ca- msius Soc. Jpfuy welcher nicht allein zur Auffsttzung distr Bruderschafft )(Z ge- Vorred. geholssen/ sonder hat sich vnder den Ersten in selbige einverleiben lassen. Ist Anno 15-97. seeliglich verschieden/ leuchtet mrt Wunderzeichen. G-Ott gebe Gnad / daß vnscr Eeutschland/ voraus die Löbliche Bruderschassk durch sein so sehr desider trennt Beatis fication bald erfrcwek werde« Diser seelige Vakker hak nicht' allein für sein Persohn / sondern auch' für vns alle hertzlich gewünscht vnd' eyfferig gebetten / daß G-Ött den Geist der Heil. Idda in vnsern Her-' tzen erneweren / vnd vns ihre starcke Fürbitt zu Erhaltung Leibs vnd der' Seelen' wölle gedeym lassen; wie hie vnden am 151. Blakt zu sehen. Ist wohl ein schöne Bitt vnd Heil. Wunsch. Wir wurden je feine Gotkeförchtige Brüder vnd Schwö- stern seyn/ wurden vns auch in beschwur- Vorrede schwärlichen Zuständen gar schön in den lieben Willen Gattes ergeben können / wann wir den heroischen Gerst diser vnser lieben Patronin hakten. So wöllen wir dann GDkk epfferig darumb bitten/ welches durch oben - angedemes / hieunden am r;i. Blatt stehendes/ vnd durch die andere Kvey Pag. i;8. vnd iöo. gesetzte kurße Gebettlein bißwcilcn geschehen kan. Die Einsetzung vndKoktpssantzung diser Bruderschafft / scheint ein son- Verbahre Gnad vom Himmel j vnd allen Gottsförchtigcn ein sonderer Lrost zu seyn; Dann jede einverleibte Persohn hat sich bey Lcbens- Zeit / vnd nach ihrem Todt (da ihre Befreundte derer vrllcicht gantz vergessen ) so viles Gcbetts/Allinusene/ vnd Heiliger Mcsftn zu getrost n/als wann sie crn eigen Jahr-Zeit für ihr Vomk i Pcrsohn mit vilem Gelt gcsilffktt ! hätte ; wie bekandt. GL>tk ertheile sein Väkterkrchm ^ Seegen / damit durch Ablesung diserr - Heiligen History der Seelen Heyl geöffnet werdet ! Amem GOttcs. Register. Orred an alle Bruder vnd Schwöstern der Bruderschafft der. Heil. Gräffin Jdv-e. Das i. Capitel Lon dem Geschlecht/ Iligend/vnd Heyrach der Heil. Idd-c. r Das r. Capitel. Won der Hochzeit vnd Ehestand der Heilige« Zdd-r. 4 DasCapitel. Wie Jdba wegen Verliehrung deß Gemahl- Rings / in ein grossen' Kummer vnd Gefahr gerathen ist. r* Das 4. Capitef. Wie der Graffliche Gemahl-Ring von einem Jager gcstmdrn worden. 11 Das s. Capitel. Wie der Gemahl-Ring an dem Jäger erlaubt/ vnd er dardurch jämmerlich gctödlct worden. 14 Das £ Capitel. Wie Jdda ab der Hohe deß Schloß gesturtzt/ aber von GDtt erhallen worden. ro Das ReMv. Das 7. Capitel. Wie Jdda nach ihrer Verstürtzung in ein Wild» nuß entwichen. - -r Das & Capitel Was matt von der Heil. Jdda gehalten nach ihrer Berstürtzung. 3° Das 9. Capi'tek. S Wie die Heil. Jdda in der Wildnuß einWoh- * nimg gesucht/ vnd jttgerüst hat. 34 Das 10. Capitel. i Von dem Heil. vnd strengen Leben / welches die 1 Heil. Jdda in der Einöde geführt. 38 Das n. Capitel. Wie die Heil. Jdda von einem Jager gefimden worden. 45 Das i-. Capitel. Wie Grass Heinrich die Heil. Jddam in der Wiidnuß bejucht/vnd vmb Werzeyhung gr, betten. 5 * Das >3. Capitel. Wie der Heil. Jdd» in der Auw ein Haußlein erbawct ward/vnd wie sie darinn gelebt. 61 Das 14. Capitel. |, Wie der Heiligen Jdd-- / als sie ;u Nacht gen Fischingen in die Metten gieng/ein Hirsch zwölff Lieckter vortrüge. C6 Das if. Capitel. i Wie die Heil. Jdda sich zu Fischinqen in ein i absonderliche Zell hat ciNgWoffen/snd wie ! sie darinn gelebt. -0 ' . Das Das i 6 . Capitel. Wie -er Heil. Jdda ein Toner das Liecht / so ihr der Tcnffel ausgelöscht/ wieder angc« zündt hat. 77 Das,7. Capitel. Mv dem secligen Abschied vnd Begrabimß der Heil. Jdda-. 8 » Das 18. Capitel. Won den Wnnderzeichcn / welche GOkt bey Her Heil. Jdd-c Grab gewürckt. 84 Das 19. Capiiel. Bot« Erhebung deß Leibs der Heil. Idd« / vnd was Wunders sich mit ihrem Heil. Haupt zugetragen. 90 Das so. Capitel. Etliche Wunderlichen/welche EQlt durch St. Jdda Fürbitt gewürekt. §r Das ri. Capitel. Die Heil. Jdda hat mit ihrem Exempel viel andere zum Geistlichen Stand bewegt. iot Das 2t. Capitel- Nützliche Lehr-Puncten / welche aus diser Hi< stör» der Heil. Gräffin Jdda können gr- mcrckt werden. ios i. Für Qbcrkeitliche Pcrsohnen/ vnd Dr diejenige / über welche etwa« ein vngerecht -. Für die Reichen. 5. Für die Arme. 4. Für die Ehcleuth. Vttheil gefallt wird. 106 jöj 11 6 Jto s. Für Register. f. Für alle Betrübte. uEr Toggenburgische Hoff war da» rumahl * fiißori von bar zumahl juvergleichen einem reichbeladenen Schiff/welches durch den sanfftenWind deß Glücks/ vnd sonderlich deß Seegen GOttes/ in grossem Frieden / Ruh vnd Wolfahrt fortgetrieben wird. Ader di. ses rrfrewliche Wohlwesen sandte auch sein Endschafft ( wie dann alle zeitliche Frewden nicht lang dauren) damr das stille Wesen in ein grausames Vngewik. ker; die Liebe vnd Trew in ein rödtli- chen Haß vnd Teufflische Eyffersucht »rplotzlich feynd verändert worden/ vnd diß aus folgendem Anlaß : Die Heil. Gräffin/ wie auch der Grass/hatten nach Adels Brauch/ viel schöne/ köstliche /ih» rem Stand gemässe Kleyder vnd Kley« nodien ( welche doch die seelige Jdda änderst nicht/ als zu grösserer Ehr GÖt- tes/ vnd wegen der Ehrbarkeit mäsiiglich brauchte; Truge also vnder ziehrlichen Kleydern ein demüthiges Hertz/weil sie dem Guet nach reich / aber der Begierd ' halber im Geist arm wäre) damit dann gcmelDtc Kleyder durch stätes Einligen nicht ktwcm beschädiget wurden/ so hat 9 Heil. GraffmIdda. die Sorgfältige Gräffin Jdda selbige zu gelegner Zeit geralhsammet/ vnd an den Lufft Herfür gethan/ damit sie wiederumb. rrfrischet; durch den lieblichen Sonnenschein gereiniget/ vnd also vor Schaden erhalten wurden. Als sie nun solches einsmahls an einem hellen Tag gethan/ vnd ihre Gräffliche Kleyder vnd Wei- her - Geschmeid ( darunter auch den Gemahl - Ring) an ein bequemes Orth/bey oder auff die Zinnen deß Schloß dar. gelegt/vnd darvon gangen/ vermeynen« de / daß alles wohl versorget wäre / da ist aus sonderbahrer Verhängnuß Gok. tes / aus dem nächsten tieff. gelegenem Wald ( welcher den Berg ? darauff das Schloß stuhnd/ vast auff alle End vnd vOrtf) vmbgabe / von den Dörnern/ Gesträuß / vnd Gestäud gantz vnsauber vnd dick verwachsen/) ein Raab auff das Schloß geflogen / vnd hat sich ohngefähr zu den gemeldtcn Gräfflichen Kleydcrn auff das äusserst Tach oder Zinnen gelassen. Dieser/als er mit seinen fürwitzigen Augen / vnter andern Kley- A 5 nodyen io Histon von bcr nodyen / den von Arabischen Gold glan« tzcnden Gemahl - Ring ersehen / hat er denselben aus Anleitung deß bösen Geists/ vnd zum theil auch aus angcbohrner Br. Zierd zumGold/in sein dicbischm Schna« bei gtfaffet/ ist darmit wiederumb in den dicken Wald zu seinen Jungen in da- Näst geflogen/vnd hat alldort gemeldtm Ring beygclege/ ohne jemands Verme?, cken. Als nun die embsige GräffinJdda die gesonnete Kleyder vnd Kleynodien auf den Abend wiederumb an ihr Orth ver« schliessen wolt / vnd aber den Gemahl. Ring nicht mehr sandte/ ist sie/wre wohl zugedencken/hertzlich erschrocken; vnd weil sie denselben nach ernstlichem vnd wider« hohltem Suchen vnter den andern Sa, chen nicht mehr finden könnte/ ist sie selI betrübt worden. Sie wüßte nicht wir es ergangen wäre. Vermuthlich wolle vnd dorffrc sie den Diebstahl keiner Cam« mer.Jungfrawcn/ oder sonst jemand in ! dem Schloß zukrawen / wolle darneben ihrem Herrn Grasten nichts von diesem Verlurst sagen / in Besorgung grosser Vnge. Heil. Gkäffin Idda 'ii Vngelegenheit / 'Argwohn/ vnd vngleicyer Gedancken / die zu Hoff entstehen möch, ten; verhielte hiemit den Kummer in ih- rem Hertzen/vnd befähle die SachGott/ wölke mit Gedult/jedoch nit ohne grosse Sorg erwarren/biß sie etwan verspühren möchte/wohtn doch der Ring komen wäre. Die Nothdnrfft ist ein rühwi'gs Dikig/ Der Reichlhumb bringt viel Streit: Bist armb ; sih daß dir VArbeit geling/ Vnd leb von Sorgen g'freyt. ' Das 4. Capitel. Wie derGräffliche Gemahl- Ring Von einem Jäger gefnn- den worden. ; LKEil die fromme Graffin Idda in I solcher Sorg steckte / geschahe auff einen Tag/ daß deß Grasten Jäger we« ' gen deß Gewilds sich in den Wald ver« fuget. Vnd als er etwas wciters hin» ein kommen/ hörte er vngesähr ein wildes Geschrey vnd Grarcn junger Raaben; Als er aber feine Augen begierig hin vnd her n tyifiöti von der her wendet / sihet er auff einem hohen Tannen-Baum em Raaben- Nest; steigt hinauff/ die Junge auszunehmen. Nachdem er dann das Nest gelahrt/vnd durchsehen/da findet er den offt-genreldten gut«' dinen Gemahl. Ring/darab er sich hoch erftewet/vermeynde ein glücklichen Fund gethan zu haben / da er doch ihme selbst ein grossen Jamnrer / ja den bittern Todt feststen erhäschet hatte. Er steckt den Ring gleich an den Finger / vnwis- send welchem er zugehörig. Als er nach verrichter Sach aus dem Wald wieder rumb gen Hoff ankommen/ hätte er sollen Nachfrag halten/ob discr Ring nicht etwan der Herrschafft / oder andern an« gehörig wäre; aber der ring-sinnig vnd- begierige Mann hat solches nicht allein nicht gethan/sondern über diß/den guldi- nen Ring an der Hand hin vnd her getragen / denselben übermüthig gespiegelt/ vnd ein gute Zeit darmit also geprangt. Er Wolke darneben angesehen seyn / als wann er denselben / ich weiß nit mit was für Fug/bekomm hätte. Vnd ob gleich- 15 Heil. Gräffm Idda. wohl er einem oder anderem verkramten Menschen geoffenbahrer hatte/wie er den Ring gefunden (dann sonften hätte man dessen kein Wissenschafft) so wolc er dan- noch aus Leichtfertigkeit vnd narrjjchem Hochmuth nicht/ daß man es insgemein wissen solke. Daher ist geschehen / daß vnter den Diensten deß Schloß-allerley Reden / Argwöhn / vnd wie es gemei« niglich geschicht/auch Mißgunst erwach, sen ist. Es sahe je einer den andern an/ vnd war vnter ihnen ein groß Gemüm» mel/woher doch der arme Jagers'Knechk ein guldinen Ring zu tragen Vermögens wäre / dessen doch sich der vnbehutsame Mensch nicht achtete. Aber armer Leuth Hoffart währet nicht lang ; Das hat dieser arme Tropff auch erfahren / wie jetzund soll erzehlt werden. Tmw »it zu vast wann du hast Glück/ Vnd baw kein Hau6 darauff: Hüt dich / dann es hat böse Duck/ Sonst fällst mit Spott zu Hauff. Das rij. Histon' von der ___ Das 5. Capitkk. Wie der Gemahl-Ring M dem Jäger erkandt/vnd er dadurch jämnerlich gelödt worden. -^xArzwischen feyret der Anfänger alle- ^ Vnheyls der Teuffel nicht/sondern ! er hat sich mit seinem Neyd. haffigen/ vergifften > vnd Höllischen Blaßbalg gar meisterlich finden lassen ; dann er hat das noch kleine Fewer durch sein ver« maledeykes Zublaftn / zu einer grausa- ! men Brunst / vnd zweyfachen Mord» ! that gebracht. Darzu brauchte er einen j Neydhcisiigen Diener aus dem Hof/ ein ; Kämmerling / welcher der Gräffm vnd ! dem Jäger ohne das (weiß nicht aus 1 was Vrsach) aussätzig wäre. Dieser/ > als ihm das Gcmnminel von dem Ring I ju Obren kommen/ die Sach eigentlicher j zu erfahren / gehet zum Jager / vnd > spricht ihn an / er solle ihn sein schönen ; Finger- Ring auch sehen lassen. Der > Jager als ein einfältiger Mensch / zeiget i ihme Ruhmsüchtig den Ring/vnwiffend/ i was JM(. Gräffm rjr was er für ein fchless)ten rlohn darumb bald werde einnehmen müssen Der Kämmerling beschämet den Ring gar wohl / vnd erkandte bald / daß es der Ge, mahl. Ring wäre / mit w- lchcm Grass Heinrich Jhme Jddam vermahlet hatte. Dieses war nun diesem neydigen Vn- glückstiffter ein erwünschte Gelegenheit/ fein böses Gemüth zu erkühlen. Dero- halben verzeucht er nicht lang / Andern bey der nächsten Gelegenheit laufst er zu dem Grasten / vnd nach Whaner Revr- rentz fangt er an / mit verstellten trawri, gen Gebärden/ ihme die Sach mit folgen- den / oder dergleichen Worten fürzubrin« gen: Gnädiger Herr/ ich solte Ewer Gräff. lichen Gnaden etwas vnterthänig vnd vcrträwlich anzeigen / das mich schmertz, lich druckt/jedoch weiß ich nicht/ ob/oder wie ichs thun soll. Der Grass erlaubte/ daß er es frey sagen solte. Da sprach der Fuchsfchwänßler; Gn. Herr / ich besorg übel übel/ die Sach stande nicht gar recht zwischen Ewer Fraw Gemahlin vnd dem Jäger / dann es erzeigen sich nur gar zu offent- 1 6 _ Hisiori von dev öffentliche Zeichen- daß sie mit böser Liebe - gegen einander verhafft seyen / weil der - leichtfertige Bued der Jäger ohne scheust ben Gemahl - Ring/welchen die Gräffin von Ewer Gnaden an dem Heyrarhs, Tag empfangen hat / öffentlich an dem . Finger herumb tragen darff. Der Grast entsetzte sich ab dieser Red / well er dex Ehlichen Trew halber von seiner Fraw Gemahlin Jdda nie kein Zweiffel gehabt hatte/wegen bekandter Frombkeit; dar. umb sprach er mit Befrömbdung:Dar. vor wolle GOtt seyn / Jdda wird den Gemahl -Ring besser verwahret haben/ als daß ihn ein Knecht am Finger tragen soll; Meiner Fraw Gemahlin traw ich diese Bosheit nicht. Weil dann der Grast diesen vngereimbten Reden nit leichtlich glaubm wolte/ noch kundte/da sagt der schalckhaffte Diener weiters : < Damit dann Ewer Gnaden selbst sehen/ vnd erfahren/ daß ich die Wahrheit rede/ so will ich anst Ewer Gnaden Belieben den Jäger hieher kommen lassen. Anst deß Grasten Beginnen/laufft er eylends den Heil« Grassier Jdda. 17 den Jäger zu suchen/ öer Graffaber war- tet ihrer mit seltsamen Gedancken vmb- fangen. Als der Ohrentrager den Jäger angetroffen / rufst er ihm zu / daß er ohn Verzug nüc ihme zum Graffen körn» men/vnd alldort seines Befelchs erwarten solle. Der vnglückselige Jäger säufst eylends / sich nichts Böses besorgende. Da aber beyde sur den Graffen kommen/ ' greifft der bemeldte' böß - willige Mensch/ der Kämmerling/dem Jäger gleich nach der Hand/ziehet ihm den Finger-Ring ab/vndgibt ihne dem Graffen/sprechende:,. Da sehen Ewer Gnaden / ist diß nicht' der Ring vnd Edclgcstein / mit welchem Ewer Gnaden Jhro die Gräffin vermählet habet? Der Graff nimmet den Ring/ besichtiget ihn ernstlich / vnd als Er erkandt/ daß es der wahre Gemahl- Ring wäre/ da erbleicht er/ vnd seine Augen braunen vor Zorn. Er nröchte vor grossem Vnmuth von Anfang kein Wort reden. Als der arine Jäger sahe / daß er vnwiffend in ein solche Gefahr gerathen/ da wolle er mit zitterendem vnd erichro« ckencm i8 Histon von dck_ ckenem Hertzen den Grasten dieser Ea- st)en / vnd seiner Vnfchuld halber / mit demüthigen Worten berichten / fienge an zu erzehicn/ wie er den Ring im Wald gefunden; Aber deß Grasten Hertz war voll Vngestümme vnd Aorn/vnd dre Au« gen seiner Vernunfft waren verdunckelt/ halste hiemit kein Bitten noch Betten/ noch die klägliche Wort deß elenden Ja« gers/ sondern der grimmige Grast fallt ihm in sein Red mit entsetzlichen rauchen Schelt - vnd Schmach - Worten/ nennet ihn ein Ehebrecher / ein Ehrvergeßnen 'Buben/ ein Trew-losen Mann./ vnd verurcheiket hiemit aus Gahe den vnver« hörten vnschuidigen Jäger / wider alle Recht/ zu einem grausamen Todt: Dann er schreyet mit grimmigen Worten den andern Dienern zu / vnd befähle / daß sie herbey kommen / vnd dm Bößwicht hinreisten / vnd vnverzüglich durch ein vnqezäumbtcs wildes Pstrdt zu todt fthlaiffen folten. Die Diener gezwun« gen / folgen den, Bestich / vnd binden den vnglnckhaffklgen Jäger an eines Heil. Gräffm ISda. 19 stechen Pferdes Schwantz (ohnangesehen er mit erbärmlichen Worten vnd Zähern sich vnschuldig zu seyn bezeugt / vnd daß man ihn doch zur Verantwortung kommen lassen wolle / gebethen haben wird ) vnd haben es von der Hohe deß Bergs hinab getrieben. Ist also der elmde Mensch jämmerlich zerrissen vnd zer- schlaifft worden / biß er eines grausamen Todts gestorben ist. Wälle GOtt/daß er dieses so vngerechtr grewliche Vrkheil mit Gedult überstanden / vnd sich vor feinem End von Hertzen zu GOtt be. kehrt hab / so wird ihm diese Straff gegen GOtt vielmehr genutzt als geschadet haben. Diese entsetzliche Tragödi ist in grosser Furi zugangen / also daß ohn allen Zweiffel auch die Gräffin den Tumult gehört/ darab sie dann nicht wenig erschrocken / vnd angsthafft worden seyn wird. Vnd weil sie nicht wußte / was es eigentlich anlangte / so verbliebe sie in ihrem Zimmer / vnd erwartete mit Sor- gen/ biß sie gclegenlich vernehmen könn. W to Hiffori von dkk _ ke/ was doch einer so grossen Verwirrung in dem Schloß die Vrfach seyn möchte. Frcml-d Guck du hurtig von dir thu/ Sonst GOtt dich gewiß verlaßt: Wann dir wohl geht / schweig stili darzu/ So wirst du nicht verhaßt. Das 6. Capitel. WieIdda von ihrem eignen Ehe-Herm vmb Verschuld ab der Höhe deß Schloß/in ein grausameTieffe verstürtzt/ aber von Gott ohne Schaden erhalten worden- Ey gemeldker tyrannischer That/ wäre dem wütenden Graffen noch kein Genügen beschehm / dann der böse Feind hakte ihm sein Hertz mit vnmaffi. gem Zorn angefüllet/ vnd gantz eingenommen. Derhalben aus Haß / welchen, dieser Höllische Lermcnblaser gegen der * Gottsförchngen Gräffin vmb ibrerFroln» keil willen trüge/ trieb er den Graffen an/ j daß er sein Grimmen auch gegen seiner » vnschuldigen Fraw Gemahlin ausgiessen' solte. f^dl Gräffin Idda. & i sötte. Das Hofgcsind war ertatteret/ dq dörfft sich dem Graffen niemand mit einem Work widersetzen; sie waren all mit vnauöiprechilchcr Fwchtvnd Angst vmb. fangen. In dem läufst der vor Vnmuch DndZorn /Goms/ seiner selbst/vnd aller Rechten vergessene Gross in das Frawen« Zimmer. Er fallt wie ein Donnerklapff urplötzlich in das Gemach / dann« die Gräffin neben den Camer-Jungst amen/ vielleicht mir was Arbeit besasst waren/ (da merck ein klägliche Tragödi) sie sie« hen ihm Ehren halber auff. Die Gräffin wolle ihn mit sittlichen Worten vnd freundlichen Gebärden / nach Brauch/ gegrüßt haben. Als sie aber aus seinem erbleichten vnd trutzigen Angesicht / vnd vngeheürem Herlauffen vermerckt / daß sein grausamer Zorn auch über sie aus- gehen solre/ da fbnb sie alle/aber inson- derheit die Gottselige Gräffin Jdda/von Hertzen erschrocken / vnd betrübt dort. gestanden. Der Grass machkS nicht lang / er bricht gleich mit entsetzlicher Stimm Herfür / vnd fallt seine sepcher t% f}iftoti tontet _ fb liebe vnd vnschuldige Gemahlin mit sci mählichen Worten an : Bist du die l Ehrvergcßne/ Trew-lose Ehebrecherin? ! Hab ich diß vmb dich verdient '/ Die I sehr erschrockne vnd zitierende Graffin , entsetzte sich sehr ab dieser bösen vnehrli- s' chen Zulag / wolre ihn mir demüthigen/ i vnd vor Forcht gebrochnen Worten/ ihrer > Vnschuld halber berichten / aber er fallt ihr in die Red/last sie zu keinen Worten kommen; sie wainet bitterlich / sinckl auff die Knye/vnd mit erhabnen Händen will sie ihn bitten / so hoch sie bitte» kan/mit Angsthafftigem Hertzen / daß er doch ge, mach thun { vnd ihre Verantwortung anhören wolle; aber es halffe alles nichts/ sondern der Zorn wurde in ihm durch Anblasung deß Eisser- Teuffels / je län« i ger je grausamer ; Er fasset derohalben mit Grimmen die fromme/hochgeängstig« - i te Gräffin in der Mitten/reiffet sie vnge, j stümmiglich zu dem Fenster/oder äuff rste ! . Zinnen / vnd stürtzet sie mit schändlichen ! 1 Schmach» vnd Scheit, Worten von j dem hohen Schloß vnd Berg in ein /vis. Gräsfin Idda. r; grausame Treffe. Die von stderman j vrrlaßne hochbetrübte Zdda / erhebt ihr H rtz vnd Augen in dieser äussersten Angst vnd Todes - Gefahr/zu dem sieben Gort / vnd aus Eingebung deß Heiligen Gegis / verlobe sie: Wann Gott sie in dieser ihrer Noth beym Leben erhalten , werde/ wolle sie aller Welt absagen/vnd jh ne allein absonderlich dienen. Der ; ; Grass über / nachdem er die anwesende . jämmerlich-schreyende Cammer- Jung« j frawen mit bittern Augen arischawet/ vnd ! entsetzlich angeschnarchl/ ist so wohl Mgen ' dieser Mordthat/ als vor Zorn ziltermd/ . beyseyts gangen /von dem Vnmukh vnd Wu>m zu verschnauffen. Darzwischen s . ist Idda von besagter Höhe/durch wilde ^ j Hecken vnd Dorn / ehe sie das Anderste ! deß hohen Bergs erreicht / in die 400. ' ' Ehlev hoch gefallen. Weil sie aber in j ihrer grossen Noth Gott von Hertzcn vmb Hülffvnd Beystand angerußt/ so hat Er > ^ sie nicht verlassen/sondcm er hat sie durch \ seine Heilige Engel bewahret / also daß 1 sie i 24 fiftori von der sie ohne allen Schaden sanffkiq auffdaS Erdreich nidergesetzr worden ist. ^ Dieses war nun ein grausame vnd Tyrannische That von einem Grasten/ welcher ohne vorgehenden Gerichts- Proceß «eine so Tuqendmche fromme Gemahlin/welche ihn ftykhero so sehr geliebt vnd geehret / vnd so fleißig gehorsammet hakte/ vnd welche sich gegen dem Grasten nichts anders als alles Gutes vertröstete/ so Mörderisch verworffen hat. Also lachte der vnrein vnd vermaledeyte böse Geist der Trüffel/ daß sein ncydiger Anschlag ein so glücklichen Fortgang ge- Wonnen. Aber der gütige GOtt/welche»' die Seinige zwar laßt versucht werden/' aber von ihnen nicht weicht/der hat dieses alles zu seiner grösser» Ehr / vnd der stommen Jdda ewigen Heyl gnädig ver- wendet / wie wir jetzund weiters hören werden. In aller Noth an GOtt dich halt/ . Kurtz ist der Menschen Gunst: Wrs.dWclt jetzt liebt/das haßt sie bald/ Bekriege» ist ihr Kunst. Säe Heil. Gtaffrn Idda. rx Das 7. Capitel. Wie dteHeil.Zdda nach ihrer VerMßung in ein Wildnuß entwichen. H>Achdkm die verflossene Graffin Jdda •v y sich von dem erschröcklichen Fall/ vnd von der Vcrstaunung ( welche in dieser urplötzlichen Todts. Gefahr na« lmlicher Weiß in ihren möchte erfolgt seyn) ein wenig erhöhtet/ vnd sie sich durch die gütige vnd allmächtige Hand Gottes noch bey Leben / vnd ohne Verletzung befunden/da hat sie ihr Augen vnd Hertz gen Himmel erhebt/vnd dem lieben Gott vmb sein so grosse vnd Wundmame Gutthat inniglich gedancket. Darauff laßt sie allen Weiblichen Vnmuch/ vnd Klagen fahren / widerholt ihr voriges Versprechen / welches sie in währender Verfluchung gethan / vnd nimbt ihr kraffciglichfür/ der betrüglichen/ falschen vnd vndanckbaren Welt; der Grass, schafft/vnd aller zeitlichen Ergötzlichst/ ein ewiges vale zu sagen/ vnd GOtt / der B sie a*_ Histon' von dek sie so Wundersich beym Leben erhalten/ i vnd so gnädig in seine väkterliche Schooß - auffgefangen hatte/ hinfüran allein vnh . absonderlichzu dienen, Jedoch hat sie { sich nicht lang in dex Nähe deß Schloß * auffgehalten/sondern sie ist ohne Verzug i von der Erden auffgestanden / vnd hat ' j sich eylends weit in den Wald hineiy ' begeben / zum theil rvie sie vielleicht be- - sorgte / der grimmige Grass möchte ihr j weiter nachsetzen / vnd so er sie noch bey .1 Leben antreffen solle / mit mehrerer Grausambkeit völlig hinrichten; zum theil weil sie ihrem Versprechen genug thun/ ; vnd ein sicheres einsames Oerthlein suchen wölke. Darumb hat sie sich hin vnd ; her in dem dicken Wald vnd Gesträuß 1 verkrochen / vnd se länger je weiter in die vnwegsame Wildnuß fortgesetzt/ biß sie I endlich vermeynt vor den Suchenden 1 verborgen vnd sicher zu seyn. Aisdany j hat sie auff ein newes anderwartige S or« i gen vnd Gedancken ausgeschlaaen/vnd j angefangen GOtt zu loben / vnd mit erhabnen Händen vnd nassm Augen zu 1 I I Heil. Geäffm Idda. r-r tu dancken, vnd ihm zu preissen/ wegen dieser Vätterllchen Heimbsuchung. Hat darneben geachtet/ daß dieses die so offt erwünschte/vnd von GQlt jetzund zugc« schickte Gelegmheit seye / daß sie ihme hinfürderan ohne einige Verhindernuß/ nach Wunsch ihres Hertzens / werde dienen können/ darumb sie sich abe/mahlen vnd je langer je vester entschlossen / in die Welt nicht mehr zu kehren/ sondern mit GOttes Hülff das übrige Leben in der Wildnuß zuzubringen. Vnd diestS war wohl ein sonderbahre Gnad / daß Jdda ohn einige Menschliche Anmah- nung / aus einfältiger Leithung deß Hei- ligen Geists / sich zu einem so schweren/ ja dem Schein nach t vnertmglichen Lebens« Stand so heroisch hat enlschKeffen Unnen. Als es nun Abend worden / vnd die finstere Nacht herbey kommen / wäre die Adetiche vnd zarte Gräffin / wegen auS- gestandemr grosser Gefahr vnd Schrecken/ vnd wegen Ermüdung deß Leibs; wegen deß beschwerlichen Hin-vnd Her» B * gehens 28 Histon von der gehens in dem rauchen Wald / einer be, quemlichen Labung vonnöthen gewesen; Weil aber in der vngehewren Wildnuß nichts dergleichen vorhanden war / hat sie etwan an einem Trunck Wasser vergnügt seyn müssen. Hat darauff ihre Nacht-Herberg etwan in einem Ge- sträuß / oder vnter einem Baum gesucht vnd genommen / nicht ohne Sorg vnd natürliche Forcht, wegen deß vnheimb- lichen Orths, vnd der wilden Thieren; dannoch in Angedenckung der gewissen Gegenwart vnd Beystand Gottes/ward sie behertzt vnd wohlgetröst. Vnd nachdem sie sich vnd ihr Vorhaben/ dem lieben GOtt durch das andächtige Gebett mit hertzlichcn Seuffzern besohlen / hat sie den abgemüdeten Leib zu nothwendi. ger Ruhe auff das Erdreich in GQttes Schutz niedergelassen. Was für ein Nacht die edle Gmffm werde gehabt haben/welche seyther zu Hof so wohl bedient gewesen war / aber setzund in einem so wilden vnd vnsichern Orth aller nothwendigen Stucken entrathen mußte, mag Feil. Gräffrn Idda. 29 mag der gukhertzige Leser selbst besser er- achten/als es mag beschrieben werden. Es ist glaublich / sie habe ein Zeiliein ernstlich nachgedacht / was doch die eigentliche Vrsach seyn möchte / daß ihr Ehe- Herr ein solchen bösen Verdacht der Eh- lichen Vntrew (wie sie aus seinen Wo» ten verspührc) gegen ihr gefastet/ vnd sie darumb so grausamb vcrstoffen habe. Vnd weil sie nach ernstlichem Nachge. dencken/an Jhro selbst kein Vrsach oder Anlaß zu einem solchen Vnwesen befunde/so tröstet sie sich selbstcn ihres guten Gewissens / vnd befähle hiemit GQtt dem gerechten Richter vnd Erforscher aller Hertzen / die gantze C ach/vnd bäthe ihn> daß er dem Grasten die Unrühmliche Gähe gnädig verzeyhen wolte. Wie sie dann auch ihres Theils ihm vnd /e. dermänniglich von Hertzen verzyhen/ vnd allen Widerwillen/ Argwohn/ Räch. gierichkeit / gäntzlich ausgeschlagen hat. Ihr gröste Sorg war/ wie sie hinführo ihr Leben anstellen wolte/daß Gott darob «in Wohlgefallen haben möchte. 5 o Histon' von fcfl* Wer gern viel schwatzt vnd gern viel hört/ Ohn Sund geht es nicht ;u: Bald thut er das sein Gwisscn beschwert/ Drnmb suche du die Ruh. Das 8. Capitel. Was man von der seeligm Idda gehalten nach ihrer -Belgurtzung. ZxArzwischen war in dem Schloß Tog» genburg ein grosser Jammer vnd Verwirrung / vnd forchret sich jederman vor dem zornigen Grasten. Es ist kein Aweiffel / es styen etliche aus dem Hof- Gesind welche ein Hertzlichts Mikleyden mit ihrer geliebten F-raw Graffin hatten/ eplendö den hohen Berg hinab geloffen/ zu dem Orth dahin sie verstmtzt worden war/zu sehen/wie es ihren ergangen. Da sie aber dorthin kommen / vnd nach steif, sigem Vmbsehen vnd Suchen / weder sie noch etwas von ihren Kteydern finden könnten ( dann Jdda harte sich wie ver- meldt/ schon weit von bannen gemacht) Heil. Gkafftn Idda. ;i da mögen vntwschiedlicheGedanckenvtid Meynungen bey den Leuthen entlianden seyn; Dann etliche werden darfurgehal« ten haben / ihr todter vnd zerfallener Leib werde etwan von einem trewen Menicoen ohne Verzug heimvlich hinweg genomen/ vnd verzogen worden seyn/damit nicht et« wan auch ihrem todten Leichnamb von dem ergrimmten Graffen ein öffentliche Vnehr angethan werde. Andere aber/ die da glaubten/daß sie die Ehebrecherin wäre/ vnd insonderheit der Graff selbst/ hielten vilkeicht darfÜr/daß sie auch nach ihrem Todt/aus gerechtem Vrtheil Got« tes/wäre gestrafft worden/ indem ihr zer- schmeltererer Leib von wilden Thieren hingerissen vnd gefressen worden seye. Niemand käme in Sinn/daß sie noch leben solle/weil es natürlicher Weiß nicht seyn möchte. Weil dann nach offrwidrrboktem ernstlichemNachsuchen durch dieWrldnuß nichts von ihr möchte verspührt werden/da hat man endlich weiters nachzusetzen abgelassen/ sie möchte gleichwol hinkommen/ B 4 oder zr Hr'siorr von det _ oder vertragen worden seyn/ wohin sie wolte. Das Geschrey der verloffenen Sachen ist bald bey den Unterthanen vnd Benachbarten / darnach auch in die Weite/ vnd Zweiffelsohne auch in der verstoß- nen Grciffln Stammen-Haust zu Kirch- berg erschallen / darab dann jederman/ aber insonderheit ihr Gräffliche Freundschafft hoch betrübt vnd bestürtzt wor- den; wird eines zum anderen mit Verwunderung gesagt haben : Wer hätte vermeynt/ daß Jdda ein solche wäre?' Vnd weil Graff Heinrich nicht wolte darfür angesehen seyn / als wann er die Gräffin wider Recht vnd Billigkeit ver- stürtzt hätte/ so hat er sich/vnd sein vn- rühmliche That Zweiffelsohne gegen dem Grasten von Kirchberg / vnd andern/ welche dieser Handel vmb etwas berühren möchte / durch Bottschafft auff das höchste entschuldiget/ vnd mit möglichstem Fleiß beschönet; hergegen aber Jddam der Ehlichen Vntrew halber «uffs ärgste beschreyet. Aber ob gleich- Heil. GlWn Idda. ;z wohl vast jederman dardurch beredet worden/ zu glauben/ daß die Grässin ein Ehebrecherin gewesen wäre ( weil weder sie/ noch der vnschuldige Jäger zur Verant- wortung haben gelangen mögen/vnd hie- mit die falsche Bezichtigung von niemand anverm möchte abgeleintt werden) so seynd vannoch meines Erachcens noch etliche gewesen/welche darfür hielten/der Grafs wäre zu gäh in die Such gangen/ vnd seye hiemir den Beschuldigten zu kurtz geschehen. Vnd dieses glauben inson- derheit die jenige / welche von dem Jäger gehört hatten/ was Gestalten/ vnd wo er den Ring gefunden. Jedoch aus Forcht deß Grossen /dörffte niemand von der Grässin Vnschuld öffentlich reden. Man hatte weit vnd breit viel von dieser Sach zu sagen/biß man durch Länge der Zeit endlich deß Handels / vnd der Grässin selbsten vast v rqcffen / biß sie wiederumb gefunden worden / wie vnden soll erzehlt werden. Wir wollen ober wie- herum zu der verlaßnen Jdda gehen/vnd B 5 sehen/ 34 Histon von schen/ wie sie ihr Leben in der Einöde au» stellen wolle. Ein gnt Twisten mag leyderr viel/ Es haltet sich gantz vcst: Die Welt mag lsiqen was sie will/ In GOlt bleibts wohl getrost. Das 9 . Capitel. Wte die Heilige Idda in der Wildnuß cm Wohnung gesucht/ vnd jugerust hak. «Tx^e Gottsförchtige verstoßne Gräffin ^ hatte sich / wie oben vermeide/ nach verfloßnem erfkn Tag ihrer Verstürtzung/ die nächtliche nothwendige Ruhe zu nehmen/ etwan vnter einem dicken Baum/ oder in einem Gefträuß auff das Erdreich r i^ergelegt. Als sie nun an dem felgenten anbrechenden Tag aus dem kurßen vnd sorglichen Schlaff erwachet/ vnd sich in der Wildnuß besiinden / hat sie vermuthlich in Angevmckung der gestrigen Gefahr vnd Verlauffs erseuff- zet. Bald aber fällt sie auff ihreKnye/ bettet Hctl.GkäfflnIdda. ■# bettet GOkt an/ vnd von Grund ihres Hertzens begehrt sie von ihme nothwendige Gnad vnd Stärcke / damit / was sie aus Eingeben deß Heil. Geists gestriges Tags versprochen hakte/ins Werck richten könte. Nach verrichtem Gebett fangt sie an / bin vnd her vmbzusehen / wo sie ein fugliche Wohnung haben möchte. Es wäre Sommerszeit/ dahero die edle vndzahrreFraw sich desto leichter in dem wilden Orth gedutken mögen. ' -Lnd wnl sie erachtete/ daß je weiter sie von dem Schloß weichen würd/sie desto sicherer wäre/damit man sie nicht verspätte/ so ist sie noch weiter von bannen gangen/ (nach etlicher Meynung) biß zu dem Orch/ welches noch heutiges Tags der Raabenstein genandt wird / vnd ligt gegen dem Hörnlein (ob gleichwohl die Wildnuß/ welche vnter dem Schloß lag/ auch Raabenstein genandt wird.) Nachdem derhalben die Gottseclige Gräffin Jdda die Wildnuß mühsamb hin vnd her durchforschet/da hat sie letztlich durch Anleytung deß guten Engels/ ange- 3 6 histon' von d-k j angetroffen ein bequemes Oerihlein, dann, i sie GOtl absonderlich dienen / vnd wider die Welt/ das Fleisch / vnd den Teuffel streikten solte vnd wolle. Sie dancket dcrohalben dem lieben GOtt / vnd heilt, get den Platz mit ihrem Geben vnd Zä, hcren. Darnach wolt sie das Orch em wenig zurüsten/vnd verwahren/damic sie - vor den wilden Thieren vnd Vngewrtter vmb etwasgeschirmbt seyn möchte. Aber : wie soll es die Edle Graffin zu Handen- f nehmen/ weil sie dergleichen rauhe Arbeit niemahlen verrichtet ? darzu hatte sie kee» ne Axt/ keine Schauffel / noch ander In- n sirument / mit welchem sie ihren selbst ei« ( Hüttlein machen köndte. Dannoch ste, het ste an / vnd aus den zusammen gele- i senen Höltzeren macht sie ein schlechter Gelegenheitlein so guet sie möcht. Dises wäre nun der Pallast/ in welchem vnsere t seelige Fraw Graffin Jdda hinfürderan | wohnen solte. Was für ein Hauß.vnd Verrath darinnen zufinden gewesen/mag der Christ- liebende Leser selbst betrachten/ nemblich gar keiner» Kein Speiß / kein Beth/ Heil. Graffm Idda. z- Beth / kein Tisch / kein Kuchel - Gejchirr/ Such so gar nicht / daß sie nur die wilde Kräutlein / Wurtzeln vnd Frucht hätte kochen mögen/ja gar nichts/(ausgenommen daß sie vielleicht ihren selbst / aus zweyen über einander gebundenen Höheren ein einfältiges Creutz gemacht / vnd Vor ihrem Augen an em bequemes Orth deß Hüttleins gesetzt hat/ damit ste also ein Christliches Gederck- oder Troji . Zeichen vor ihr hätte / durch welches Ansehung ste zu guten Gedancken vnd Begierden erweckt wurde ) ES verglelchte sich hiemit St. Jddä Behausung.in bi- ser Wildnuß / Armuth halber / mit dem armen Stall / in welchem vnser Erlöser JEsus ist gebobren worden / vnd in welchem er mit seiner lieben Mutter Maria/ vnd dem Heil. Joseph ein Zeitlang gewöhnet hat. Wer GOtt vnd sein Gnad finden will/ Der soll dWelt siichen weit: GOtt laßt sich finden in der Still/ Er liebt die Einsanibkeit- Das 5§ Hrsion von der Das io. Capitel« Von dem Hetl. vnd strengen Leben /welches die Hetl. Idda in der Einöde geführt. AM Lei'chvng deß Heiligen Geists/hak ^ Idda ihr Leben in dieser Wildnuß fein ordenlich vnd weißlich angestellet; bann durch gewisse Stunden verrichtet sie ihr mündliches Gebrtr/ bald betrachtete sie ;• zu gelegnen Stunden suchte sie hin vnd her in dem Wald ihre Nahrung/ nemdltch t wilde Kräuter/ Wmtzlen/ vnd andere wilde Frücht / die in den Walde- ren dieser Lands- Art wachsen. Nach langem Fasten aste sie die gefundene Speist mit grosser Dancksagung/vnd aus dem nächsten. Wästeriein löschen die fromme Gräffin ihren Durst. Sie schlaffce auff der Erden gar wenig / verzehrte M guten Theil der Nacht mit Heil. Übungen. Sie lebete zwar vmer den wilden Thieren in dem dicken Wald/aber in dem Geist fasse sie offl mit Maria Mag- dalma Heil. Gräffin Idda. y) Salena bey den Füssen deß HErrn/vnd als eittflerssige Lehr» Jüngrrin/ kehrnte sie in dieser Wildnuß durch innerliches Anreden GOttes/mehr als sie jemahls aus Büchern / oder von den Menschen hätte mögen vnkerwisen werden. Darneben kidte sie den Abgang der nothwendigen Dingen/auch deß täglichen Brodrs mit grosser Gedult. Was für Hunger/Kälte/ vnd andere Leibs-Trübseligkeiten sie er« lidten hade/durch so lange Zeit in einem so rauchen Orth/zu Wmters-vnd Somers« reiten/ist wohl zu erachten. Also/ daß sich einer nit vnbilkich hoch verwunderenmöch- te/wie doch ein so edle vnd zahrte Gräffin/ welche zuvor mit köstlichem Essen vnd Trincken/ zahrten Kleyderen/vnd anderen Leibs-Ergötzligkeiten aufferzogen istwor. den/vnd so zärtlich gelebt hakte/ darnach so gähling ein so Wunderstrenges/rau« ches Leben/ schier ohne menschliche Speiß/ habe führen vnd ausstehen können. Ge- wiß ist es / daß dieses natürlicher Weiß nicht wohl hat geschehen können / sondern GOtt der da wunderbarlich ist in seinen 40 Histon von der Heiligen/ vnd welcher diese seine liebt Tochter vnd trewe Dienerin Jdda zu sol« chem Leben wunderbahrlich beruften/ vnd' vor dem Todt Wunderchäkig erhallen hat/der hak ihren auch ^tärcke/ Gnad/ vnd Beystand geleistet / daß ste ein so strengen Wandel har führen vnd überstehen können. Wie er dann vor disem Vielen Heiligen gethan hat; wie bewahrte Historien bezeugen / vnd das Exempel deß seeligen Bruder Clausen in Bnter- walden brkanvk ist. Die Heil. Egypti« sehe Büßerin Maria/ harte drey Brodt mit ihr in die Wüsten genommen/öarvon ste 17. Jahr lang wunderbahrlich gespie- scn / vnd nachdem selbige verzehrt /ist sie noch;o. Jahr von GOrt übernatürlicher Weiß erhalten worden. Also hat eben derselbe gütige GOrt vnfere seelige Jddam mit seiner Allmächtigen Hand viel Jahr lang ohne einiges Brodt / nur mit wilden Kräuceren/Würtzlein/Schlä- hen/Holtz-Aepfflen/rc. gnädig ernähret vnd erhalten / sonst hätte sie mit natürlichen Kläfften ein solche Strenge nicht 41 Heil.GlaffmIkda. überstehen mögen. Weil dann die fromme Grciffin diese sonderbahre Gnad vnd Liebe GOttes gegen ihr wobl er, kannte/so hat sie ihm/ als ein danckbare Tochter desto eyfferiger gedienet / vnd hitziger geliebt/ vnd ist in ihrem heiligen Wandel wohl getröst vnd gestärckt wor- den/ vnd hat dem lieben Gott aus wah- kem Kindlichem Vertrawcn/ sich vnd all ihr Anliegen/güntzlich vnd auf ein newes übergeben. Daher ist geschehen / daß ob sie gleichwohl an allen nothwendigen Dingen ein grossen Mangel lidte / so hat dannoch der gütige GOtt sie rndnchs- mahl mit solchem Gnaden- Regen vnd Himmlischen Trost überschüttet / daß ihren alle zeitliche Frewv / vnd Weltliche Ergötzlichkeit/ ein lauter Gallen; her« gegen aber das Creütz vnd Leyden / vnd das strenge Leben / vmb GOttes willen/ ein vnaussprechliche Süßigkeit wäre. Vnd weil sie am Guten von niemand verhindert ward / darneben aber der süs» sen Gesellschafft der lieben Engten vn- sichtbarlich genosse/so war ihr Hertz gegen GOtt 4? Histori von for _ GOttgmcht;har ihme nicht gmugsamb dancken können/ wegen ihres so wunder« bahrlichen Beruffs/ aus der vnruhigen gefährlichen Welt in ein solche heilige/ an« nembliche/ vnd süsse Einsambkelt. Hat hiemit ihren selbst ein vnaussprechlichen Schatz der guten Merck in dieser Wild« nuß verfamblrt. Es war auch ein grosse Gnad / vnd sonderbare Fürsehung Gottes/ daß sie so viel Jahr von niemand ist vermerckt oder gefunden worden. Der Grass hakte bald ein anderen Jager bestellt / welcher mit seiner>'-HundkN eben den Wald/ darmn die Heilige Gräffin sich auffbielte / ohne Zweiffet manchmahl durchstreifft vnd dem Gewitd nachgesetzt hat. Aber Gott hat sie abgelehret - vnd Vätterlich verhü« tet/daß sie biß zu der ihme gefälligen Zeit nicht verspührt wurde. Von den Versuchungen der alten arg« listigen Schlangen / weiche die Heilige Jdda in dieser Einöde überstanden/wird zwar nichts geschrieben ; dannoch ist kein Zweiffel/der abgesagte Feind deß mensch« , lichen Heil. Gkaff tn ) 8da 4z lichen Geschlechts / der vnreine Teuffel (welcher sich auch so gar vnterstanden hat/ den Sohn GOttes in der Wüsten zu versuchen ) werde auch diese Heil. Fraw vielfältig innerlich vnd äusserlich ange« fochten haben / damit er sie entweders wiederumb aus der Einöde in die Welt bringen/ oder aber in ihrem heiligen Wandel sonst verhinderen/ oder verdrossen machen köndte. Gar offt wird er ihren zu Gemüth geführt haben / wie sie von jedermännigtich für ein Ehebrecherin gehalten wurde; wie ihreLanAGrassliche Freundschafft ihrenchalben Hhöch-ent« unehret vnd betrübt wäre; wie ihrem« halben vnter dem Volck ein grosse Aer« gernuß entstanden seye/rc. Hiemit wäre sie schuldig/ daß sie sich bey den Leuthen sehen liesse/ vnd ihr Vnschuld zu grosse« rer Ehr GOttes offenbahrete/ damit also das böse Geschrey vnd Aergermrß auff, gehebt/ vnd ihr Grafftiche Freundschafft von dem grossen Kummer vnd Vnehr mtlkdiget wurde. Mit diesen vnd anderen dergleichen/ dem Schein nach /erheb« 44 H'stori' vo n der_ lichen Argumenten / hat der verschlagne vnd verlogne Trüffeln das einsaitige vnd fromme Hertz der feeligen Jdda vermuthlich manchsmahl angerennt/vermcynende/ sie damit aus der Einsame zu locken/vnd mit der betrüglichen Welt wiederumb zu verwrcklen. Aber Jdda von GQttes Geist innerlich vnterwiesen vnd gestärckt/ hat alle Anfechtung in Gottes Nahmen ritterlich ausgeschlagen vnd überwunden. Sie hat dem allwissenden GOtt alles heimbgestellt vnd befohlen/ mit steiffer Hoffnung/er könne vnd werde alles zum bestN' wenden ^'Vüd ist hiemit in ihrem Heil. Vorhaben nach GÖltes Willen/ beständig verharret. Vnd lemehr ihr der abtrünnig Geist Vngelegenheit mach, te/ desto elfter vemäwlicher vnd eyfferi- ger ist Jdda zu ihrem Schirmet vnd höchsten Trost / zu dem lieben GOtt/ durch das innbrünstig Gebett geflohen/ ' da sie dann allzeit Schutz vnd Schirm/ i vnd den Sieg wider alle Höllische Feind/ . vnd ein wunderschönes Eyren - Kräntzlein ^ erhalten hak. Im Heil. GtEm Jdda^ 45 Zum Himmel ist ein enger Weeg/ Das Thürlein ist gar klein: Ausgeschlossen wird der Faul vnd Trag/ Mit Gwalt kombt man hinein. Das n. Capitel. Wie die Hetl.Zdda von einem Jäger gefunden worden. §xJe stetige Jdda verbliebe also in ih« ^ rem einsamen / Wunder-strengen Leben / allen Menschen vnbekandt/ lange Zeit/(etliche schreiben 17 . Jahr/) da hat es endlich dem lieben Gott gefärlen/chaß dieses angezündte Liecht den Menschen scheinen/ vnd seine trewe Dienerin vnd ihr Vnschuld / anderen zum Trost vnd Exempel/geoffenbahrt werden solle. Die Sach hat sich also zugetragenDer von dem Grasten an statt deß vorigen bestellte Jäger/ gieng eines Tags mit sei. nem Leyt - Hund Gewild auffzutreiben/ in den Raabenstein (also ward der Wald genandt) liesse sich hiemit etwas weirers hinein ; da traffe er ohnvcrsehens an/vnd ver. 46 Histon' von dek _ »erführt aust dem Erdreich etliche Fuß- Tritt eines Menschens / welchen der s Hund beqierlich nachsetzte / dann die Hei- j lige Graffin oknlcingst darvor / die Nak- rung suchende / alldort fürüber gangen Ware) der Zager verwundert sich koch/ daß er in diesem so wilden vngehewrey Ortb/dahin er nicht vermeynte/daß ein einiger Mensch soit kommen seyn / solche Fuß-Tntt antrafst. Setzt derhalbm j sambt dem Hund der Heiligen Gespühr i tyfferig nach / wölke erfahren / wohin diese < Pfad führte.. Da er also durch Stau« < deN'vnd'Stöck sortZehet / kombt er end, , lich zu dem Hüttlein / darinnen sich die j Heilige Zdda auffhieltt. O wie sehr ist ( damahls das demüthige Hertz der ftom- f wen Graffin erschrocken, als sie sahe/ daß < ein Mensch «»versehener Sach zu ihr » käme. Der Zager ist gleichfalls ab dem j f vnverhoffcen Wesen erstaunet. Er be- i schämet sowohl die demüthige übelbekley« » dete Fraw/als ihr armes Hüttlein / mit ; ß Verwunderung. Er grüßt sie/mik Besta« , a gen/ was sie allhie thäte. Die Heil. Zdda f t dan« Heil. GrMn y^eu 4 7 dancker ihm mit kurtzen vnd demüthigen j Worten vmb den Gruß / vnd ,ü wiege j still. Da aber der Jäger ihrerbesser.an» sichtig worden- gedunckke ihn/ daß er diese Fraw mehr g,scheu hätte; spricht bey »hm selbsten Warm ich nicht betrogen werde / foist diß gewiß vnftre versioßne Gräffin Joda (dann er vor Jahrm/ als (k noch bey Hof wäre / schon in anderen Diensten sich hatte brauchen laßen ) bietet darausf ihr mit G)renbiettmg vnd Verwunderung die Hand / sprechmde: Wie kombt es doch/GnädMFraw/daß ich euch noch bey Leben aimiffe/ ^da rhr doch so hoch von dem Schloß hinunder grstürtzt / in viel Stuck sotten zerfallen seyn ^ wir haben nicht änderst vermrynt/ als ihr seyet schon vor vielen Jahren verwesen. Die Heil. Jdda/ als sie hörte/ daß I sie von dem Mann erkandt war/ da ant« worret sie ihme: Es i>i nickt ohne/ baß muh mein Ehe. Herr der Graff grau« ! samb/vnd ohne alle Recht verjturtzt hat/ , also daß ick natürlicher Weiß hätte müssen zu todt-vnd in viel Stuck zerfallen/ je. i doch 48 Historr' von dee doch weil der barmhertzige GOtt mein Vnschuld vnd Gebe« hat angesehen/ so hat er mich Vätterlich beym Leben/vnd vnverletzt erhalten. Vnd weil er mir dann das Leben geschenckt/ so hab ich mir fürgenommen / mein übriges Zeitlein in seinem Lob in diser Wildnuß zu zubringen. Der Jäger sprach: Gnädige Fraw/Ewer Vnfall ist mir vnd anderen von Hertzen leyd gewesen/ vnd noch; aber ich hoffe/ daß diese Ewere gelittene Vnbild / die Euch von dem Graffen widerfahren ist/ tausendfältig von ihme gegen Euch werde wMr Ersetzt Berden. Ich wird heut ein fröliche vnd wunderliche Bottschafft in das Schloß bringen/will mich hiemit hie länger nicht auffhalten/ GOtt wolle Ewer Gnaden darzwischen gnädig bewahren. Die Gott- geliebte Jdda hörte vermuthlich nicht gern / daß der Jäger sie zu Hof vermähren wolt/weil sie lieber den Menschen vndekandc / GOtt aber vnd seinem Heiligen Englen allein er- kandt seyn wolle; Aber der Jäger kam an ihre Wort nicht/sonder er machte sich Hess. GrW n Idda. 49 mit seinem Hund hurtig von dannen/ m Hoffnung / wegen solcher seltsamen Zei. tung ein gureö Bomn«Brodt zu erhöh« , len. Verlaßt also die Goktseelige Graf« fin in grossen Sorgen/ weil sie/ wi wohl zu glauben / anfänglich nicht wußte wie sie der Sach thun solte/ ob sie nemblich . sich von dannen begeben / vnd weiters • verbergen / oder aber alldort verbleibe» solte. Nachdem sie aber dre Sach dem lieben GOtk durch das andächtig Gebett mit hertzigen Seuffzeren befohlen/ bat sie : vermerckr sein Willen zu/e^/?aß sie von ^ dem Orch nicht weichen/sondern der Sm« ^ chen Austrag nach seinem Willen erwar« ! len solle. i Dazwischen liess der Jäger eylends j auff die Bmg/vnd nachdem er bey dem ! Graffen Audientz erlangt/tritt er zu ihm mit frewdlgen Gebärden , sprechende: Gnädiger Herr / ich bringe ein wunder« seltsame / vnd verhoffemlrch Ewer Gräff. ' ^ lichen Gnaden angenehme Zeitung. Als } '] der Grass begi rlich wissen wol» / waS > es dann wäre / da erzehli ihm der Jäger l € nach so Histon' von dek, nach der Lange/was Gestaltm er in der innersten Wildnuß mit Verwunderung ein arme übel-bekleyde Fraw in einem schlechten Hütclein angetroffen / vnd wie . ; er sie erkandt/ daß es die Gräffin Jdda , wäre/vnd was er mit ihren geredt. Dem Grasten kamen diese Sachen ftltsamb/fa vnglaublich für / sagte/ das könne er nicht glauben daö Jdda noch lebendig seyn solle / weil sie/ als ein Trewloß Weib/ f, nach Verdienen / von einer so grausamen !l Höhe gestürtzt/ohn allen Zweistel in tau- ! send Stuck, zerfallen./vnd verdorben seve. Darüber aber bezeugete der Jäger sein Saaq noch mehr vnd ernstlicher / mit Anerbiekunq/ daß er sich so gar am Leben Wolle straffen lassen / wann der Sach f nicht also wäre. Vnd er erzehlte dem .r Grasten weiters/ wie er ihren die Hand ^ gedotten / vnd daß die Gräffrn bekenne/ ' daß ihren von dem Grasten hock vnrecht gcschehcn/vnd sie obne Schuld vrrworffen i worden sey. Endlich fienge der harte j Grass an zu glauben/ward darneben mit seltsamen Gedancken vmbfangen / vnd rüstete HeLGt-affmIwa. xr rüstete sich ohn Verzug der Eachm Mchcheic selbstm zu erfahren. Nichts gschicht ohnqfähr/Gott weißt es als Zuvor eh es aesch>cht: Gut oder Döß fallt auff dem Hals/ Wie es GQtt angericht._ Das ir. Capitel. Wie Grass Heinrich die H. Iddam m der Wildnuß besuche/ vnd vmb Verzeyhunjj gedellen. an der Grass niacht sich eilfertig auff/nimbt der, Jager mir sich/vnd begibt sich in den Raabmsiem. Als sie nun nahe zu dem Hmtlem kommen/ vnd die Heil. Eremitin Jdda die Ankunss deß , Grassens vermerckr/ da ist sie aufgrsian» den / vnd ihme Ehren halber vmb ecwaS entgegen gangen ; Stuhnde also v«rd er« . ^ wartete seiner mit nidergeschlagenen Äu« j gen/ vnd zerrißnen Kleyderen ; vnd als j er herbey kommen/ hat sie ihn mit demü- > thiger Ehrerbietung vnd freundlichem " Angesicht empfangen. Als der vm fteundilch vnd strenge Grass sein ftom« C r fz Histori von der me vnd vnfthuldige Fraw Gemahlin in solcher Gestalt gesehen/ da gienge es ihm erst zu Hertzen; Er verstaunet/seuff- zet/ vnd das Wasser schießt ihm in die Augen. Er schämet sich wegen seiner Tyrannischen That / vnd nachdem er sie auffs freundlichist gegrüßt / fangt .er an GOn zu loben / in seinem gerechten Verheil / mit welchem er seine liebe Ge« mahlin so wunderlich bey Leben erhalten/ vnd dardurch ihr Vnschuld / herge, gen aber sein vnmenschliche Mißhandlung an den Tag geben hat. Er fallt darauff vor ihr auff seine Knye/vnd bittet sie durch die Barmhertzigkeit Gottes/ daß sie ihm die grosse Vnbild die er ihren angethan / verzechen wolle. Die Gott'geliebte Jdda hebt ihne auff von der Erden / sprechende : Vnser lieber HErr IElus Christus wolle vns allen vnsere Sund gnädig verzechen. Der Graff stehet auff/ fallt seiner geliehen Fraw Gemahlin vmb den Halß / vor Fremden hertzlich wennend / zu welchem die Heil. Gräffin weilers sprach: Mein Heil. Gräffin Idda. 5Z vielgeliebter Herr/ es ist nicht vonnöthen/ daß ihr mich vmb Verzeyhung bittend/ ich habe euch schon langst von Hertzen verzyhen; meine Sund härtend wohl ein gröffers Übel verdient/aber der barmher- tzige GQtt hak mich bey Leben erhalten/ damit ich ihme mit reinem Hertzen die« nen solle ; Ob ich gleichwohl aber ein Sünderin bin/so waiß ich doch mich deß Lasters halber/ dessen ihr mich gejigen/ gantz nicht schuldig. Darauff antwor« tet der Grass: Hertzliebe Fraw Gemah« lin < ich erkenne jetzunder gar wohl mein große Vnfürsichtigkeit / vnd straffiiche Gähe/ indem ich den Lugen-Mäulern so leichtlich geglaubt/ vnd mich den vn« Mäßigen Zorn hab übernehmen lassen. Es ist mir von Hertzen leyd; wolte Gott im Himmel daß es nicht geschehen wäre/ vnd weil ich nun Ewer Vnfchuld wahr« hafftig erkenne / so schließe ich hinfüran aus meinem Hertzen allen Argwohn/ Mißtrawen vnd Widerwillen / vnd tra« ge gegen euch auff ein newes die vorige/ ja ein grässere Lieb vnd Vertrawen. Ich C; bitt 54 Histon' V0N t>Achdem die Heil. Jdöa also gefun» *v y den / vnd diese Mähr vnrer das Volck komen ist/ hat sich jederman hoch darab verwundert vvd erftewet / insonderheit die VnttrthgMM der GraffstKafft Togqenburg. Sie/werden ( gleichest das Votc^LtzMWWh^ErledigunM vnd befundenen Vnschuld oer keusches Susann«) GOct höchlich gelobt haben? daß an ihrer Fraw Äräffin Idda die vnehrliche Bezüchtiqung falsch/ sie aber vnschuldig ist erfunden worden. Vor anderen aber/wird abdiestr schlichen Zei- tunq hock erftewet worden seywdie Hoch.^ adeliche Freundschafft der seeliqen Iddä/. welche ibrerhalben seither nicht wenig vnlustig gewesen war. Es ist auch wohl zu glauben / daß nach ihrer Erfin« düng viel / die sie sehr liebten / sie m der W»ld. et Histon von der Wildnuß (darin sie biß nach Erbawung vnd Vollendung deß begehrten Häußleins verblieben war ) heimbgesucht haben/ welche die liebreiche Graffin mit freund« lichen demüthigen Worten vnd Gebahr- den empfangen/vnd mit aufferbäwlichen Worten wohlgetröst wiederumb övn stch gelassen hat. Darzwischen säumet sich der Grass nicht / sondern wieder versprochen / hak er durch seine Merck,. Leurh in kurtzer Zeit ein feine kombliD Wohnung an be- lgehrtem QM^MMLet.. Als so ches dic seelige IM verstanden? dancket sie dem lieben GOtt vmb sein Vatterliche Fürsorg vnd Barmhertzigkeit / mit wel- chcr er sie so lanae Zeit m der Wüsten erhalten / vnd mit so vielen Gnaden begäbet hatte. Darnach ( weil sie vermerckt/ daß es GOkres Will also wäre) ziehet f sie aus dem Wald in Gottes Nahmen in dasnew-erbawte Haußlem. Vnd weil sie vmb der Liebe Christi willen wabrhaff« tig arm war/ vnd wie oben vermeide/ we« f der Haußrach noch etwas anders halte/ iö Heil. Gräffm Idda. .< % so trüge sie in die newe Behausung nichts Zeitliches mit ihr; dann sie glaub» te/ daß derjenig reich genug wäre / wmier GOkt das höchste Guck durch ein gutkS reines Gewissen besitzet. Ich Misste nicht / der Grass hab in diefts Häußlein zur Anzeig seiner Lieb vnd Sorg gegen seiner Fraw Gemahlin/ zuvor em angemachtes Beth / schcmbah. ren Hauß - vnd andern nothwendigen Vorrarh an Speiß Lud Tranck/ für ihr tägliche VntkihaltuKg überkragen vgd führen laj^m^iE^^tebbaberin den Heil. Armuth oehielt nichts/ars was^di- grosse Nochdurfft erforderet/das anders schicket sie einweders zurück / oder theilt eö den Dürsstigen aus. Allo lebte Idda in diesem Häußlein viel Jahr/wolte nicht/ daß man ihr etwas weiters von Host schicken solt/sondern sie begnügte sich mit gar wenigem / was ih-'. ren von dem vmbligenden einsaitigen Bauers - Völckein mitgetheilt wurde/ wolte lieber mit ibrem liebsten Bräuti» samb Lhcijio aus dem Alimuscn leben/ als- Icht weit von dieser Wohnung der ** * Heil.Iddä/Lvar ein Manns-Clo- ster/ St.Benedic'tM Ordens/ jetziger Zeit Ilfchingen genand». In dieses GottS- )auß ist Idda ^EAnda cht gar offt ge- mdlet/VndoemUttsoienst mit gkos. Eiffer beygewohnet/ hat das Wort GOttes angehört / vnd die Hochheilige Sacramenra manchesmahl mit grossem Trost vnd Innbrunst alkdort empfan- gen. Insonderheit aber pflegte sie aus ihrem Häußlein in der Auw/ alle Nacht chahin zu gehen / damit sie der Metten/ welche die Geistliche alldortnach Orkans- Brauch zu singen pflegten/ beywohnen/ vnd anderen ihren Andachten abwarten möchte. Heil. Gläffin Idda. ^ möchte. Dieses Merck hat dem lieben GOtt so wohl gefallen / daß er es mit einem grossen Wunderwerck bestättiger; dann es erschiene der Heiligen Iddci ein Hirsch / welcher auff seinem Gehörn jwölff Liechter trüge. Dieser gienge ihr vor/vnd begleyte sie, wann sie, wie ge- meldt, nächtlicher Weil gen Fischingen in die Kirch gieng/vnd nach vollendrem Gotksdienst leuchtet er ihren wiederum!» vor, biß zu ihrem Häußlein in der Auw/ in die tausend Schritt weit. Ab dieser grossen vnd sonderbahren Gutthat Gottes, hat die fromme Gräffin sich höchlich verwundert , vnd erftewet / weil sie dar, aus verspührete / daß ihr Wandel dem gütigen GOtt gefällig wäre; Vnd weil sie nicht allein äusserlich , sondern vielmehr innerlich in der Seel/durch diese Liechter erleuchtet ward / so har sie als ein Kind deß ewigen Liechts/ Gott desto embsiger gedient,vnd ist in s-iner Heil. Lieb je länger je mehr angezündt worden / also daß sie mit dem Heiligen David aus dem 41. Psalmen sprechen möchte: Gleich- 68 Histon' von der_ wie der Hirsch begehrt der Master« Brünnen / also begehrt mein See! O GOrt zu dir« <0 wie seelig ist der Mensch / welcher' mit dieser frommen Gräffrn sich der über» flüssigen Sorgen dieser Welt entschlagt/ vnd durch ein gutes Gewissen / vnd lieb, reiches Hertz fein Ruhe vnd Freud allein in GOtt sucht vnd ßndt». Ällhie kan ich nit vnterlassen zu erzeh«' len/was Gestalten der gütige GOtt obge« sagtem Weeg/ welchen die Heilige Jdda ausser Auw gen Fischmgen / bey ge« meldtem Himmlischen Liecht nächtlicher Weyl so offr gewandert/im Jahr Christi 1584. übermahlen mit einem wunderbahr« lichen Liecht von Himmel herab erleuchtet. Dann als in gesagtem Jahr der Ehrwürdige P. Stephan von Mepland/ ein Capuciner vnd General-Lc miliarius zween /unge clericos nacher Costantz von Lucern, aus / auff die Weyhung ftrhm / vnd sie durch das Zürich-Gebiekh gehend f'til Mräffin ^idda. gebend den hoben Berg Hörn lein ge. nandr/ mühesamb erstiegen/ wurden sie von der Nacht überfallen / vnd sahen nicht mehr wo aus oder an sie gehen sollen. Der gure P. Elephanus taqre: Liebe Bruder/lasst vns GOtl anruffcn; Weil sie ntderknveten vnd betteten, kam -ein Heller Glantz vom Himmel/ leuchcete ihnen vor / bist sie gen Fischingen inS Closter kamen / allwo sie freundlich empfangen / vnd gutwillig beherberget worden. Para h Seraph. Ca^uc. p. r. Ann* »Christi i; 84.. n. Obns Liecht kan man nicht wandle« wohl/ Man fehlt deß Mas gar leicht; Drumb man POtt embsig betten soll/ Daß Er das Hertz erleucht. Das J&iftoti von der 70 Das 15-. Capitel. Wie die Heilige Zdda sikh zu Fr chingen in ein absonderliche Zell hat eingeschlossen/ vnd wie sie barmn gelebt. ßrS war ;ur selben Zeit neben dem ob, ^ bemeldlen Manns- Closter zu Fischin, gen / ein Frawcn - Eloster / auch St. Be, nedicten Ordens/ auffder Ebne/ welche noch heutiges Tags der Fräwier ge, nandt wird. Weil dann der Gottseelige Wandel der Heil. Jdda weit erschallen/ Lnd sie wie vermeldt/offc gen Fischingen zu dem Gottsdienst käme / so wäre sie den Geistlichen Frawen in gedachtem Clösterlein gar wohl bekandt; vnd weil sie augenscheinliche Zeichen einer grossen Heiligkeit an ihr yeripuhrten / so wolren sie es für ein grosse Gnad vnd sonderbah- re Bencdiction halten / wann sie ein so heilige Matron bey ihnen ikl ihrem Ctö» sterlein haben möchten. Dero« f'eil Grü ffin Idda 71 l T^erohalben aus gnneinem Rath fand« ken sie zu ihr / vnd bitten sie vmb GorreS willen/ daß sie ihr Clösterlem nicht ver, , ft!'mähen/sondern zu ihnen kommen/ vnd ^ ihr übriges Leben alldork zubringen wolle/ i weil sie zu ihrem Gokkseeligen Vo ba« n den gute Gelegenheit finden wurde; Sie $ kolken ihren nach bestem Vermögen/ i mit Rarh vnd That verbülff ch seyn/ - damit sie nach Wunsch vnd Beqierd i ihres Herhens/ GQtt ihrem Sclöpffer ! ohnverhindert vnd rühwig dienen möchte, j Die stetige Mrässin dancket ihnen vmb - die Freundschaffr vnd Liebe; vnd weil j sie das Alter nunmehr druckte/ dameber^ ? ihre Kräfften auch / wegen Strenge deß / Lebens / fast abgenommen harten/also/ >j dass sie nicht ohne grosse Mühe vnd Be« J ftt)wernuß zu dem täglichen Gottesdienst aus ihren Haußlein gen Flschin- gen kommen möchte / weil sie darne, ben durch innerliche Eingebung ver- merckte/ daß es GOttes Will wäre/ daß sie grösserer Ruh halber / vnd zu Trost der Geistlichen Frawen / sich in das 7* Histori von der _ das ©öfter begeben solle / so nahm sie die anqcbottene Gelegenheit mit Danck an/ jedoch mit Beding vnd freundlicher Bitt / daß man ihren in dem Gokls- hauß ein ablonderliche Zell eingeben/ vnd im übrigen nicht viel beunruhigen wölke/ damit sie in ihrem einsamen stillen Leben nicht verhindert wurde / ( dann der Gott. liebenden Jddä wäre nunmehr nichts angenehmers / als daß sie / nach der Lehr Christi / ihr inbrünstiges Gebett zu dem Himmlischen Vatter / der da in das Verborgne sihet / mit verschloßnex Thür so wohl deß Zimmers als der aus« kern Sinnen / andächtig vnd vnverhin- dert verrichten möchte. Die ©öfter- Frawen versprachen ihr dieses mit Frew« den / vnd rüsteten hiemit ihren ein gelegenes Zimmerlein zu / nicht weit von der Kirchen also daß das Fenster in den Fremd-Hoff hinaus «ahe. Nachdem solches beschehen / vnd es der Heil. Jddä ist angezeigt worden / da verliesse sie ihr Häuflein in derAuw.-vndgieng gen Fischingen/ wie wohl zu glauben/ nicht ohne Idda. 7} HneTrawren deß vmbligenden gemeinen hinfälligen Völckleins/welches die seelige Zddam wie ein Mutter geliebt/ v» d ab -ihrer Bewohnung seyther ein grossen Trost gehabt -hatte. Die Geistlichen Closter-Frawen aber nahmen sie auff mit Fremden/vnd gaben ihr ein die gerüste Zell / darinn liesse sich die Heil. Gräffin mit gewöhnlichen .Ceremonien vnd Gebett einschließen hei« ligte dieselbe mit ihren Zäheren vnd stä« tem Gebett. Sie folgte hiemit dem Rath deß Heil. Geists/dey dem Prophe« len Jeremia Hrren. z. Es ist guet/daß man m der Stille auff deß HErrn Heyl" warte. Es ist zwar nicht so gar vermuthliche daß sie den Orden deß Heil. Benedicti in ihrem Alter habe angenommen / jedoch weil sie in einem Benedictiner« Clostec ein inclusa oder Claußnerin gewesen / (wie dann vor Zeiten in hiesigem Gotts, hauß viel dergleichen Claußner gewesen / Manns«vnd Weibs. Persohnen/ auch Priester) vnd vnder St. Bene« D dicls 74 Histon' von der dicts Geistlichen Kindern ibr heiliges Leben beschlossen bat ; wie dann auch >>. Albrecht von Bonstätten sie ein Conversi» nambset / so hat es vnserm Altvordern beliebet / daß sie die stetige Jd- dam gemeiniglich in einem Geistlichen Benediktiner, Habit haben mahlen vnd schnitzten lassen/ (welches auch mit andern dergleichen Stands Heiligen zugeschehen pflegt / wie zu sehen an der St. Gallischen Clauserin/der Heil. Junqfrawen/ Martyrin vnd Prophetiffln Wiborada/ vnd wird heutiges Tags offt also rrprä« sentirt ; An welchem doch nicht viel gelegen i weil sich ein jeder nachsseiner Andacht/ohne Gefahr eines sondern Fehlers/ in der Sach verhalten mag. Nun die liebe Mutter Jdda als verschlossen / sienge an auf ein neweö dem lieben GOtt in diesem Orth mir solchem Eiffer zu dienen / als wann sie nichts gethan hätte; Sie wachte/bettete/vnd fa- stete / vnd wuchst in der Liebe GOttes von Tag zu Tag. Vnd damit andere ibret- 'Herl.GraffinIdda 75- lihrethaib nicht sonders bevnruhiget wur- dm/ so kochete sie selbst / so viel zu ihrer nothwendigen Vnterhaitung vonnörhm wäre; Dann die Wchnung die man ihren m dem Closter eingeben hatte/ war also beschaffen / daß sie nicht allein ein verschloßne Zell vnd Kammer / sondern darnebm auch ein Küchelein/ vnd andere nothwendige Gelegenheiten hatte/ damit sie keiner Sachen halber aus der Etaus. fen zu gehen genöchiget wurde. Ob sie gleichwohl auch Schwachhei vnd 2iU lers halber von der vorigen Strenge/ die sie insonderheit in der Wudnuß im Essen gehalten / vmb etwas hat nachlast ftn müssen / dannoch hat sie auch in ch. t'km Aster gar wenig vnd schlechte Speiß genossen'; wie sie dann in allen andern nothwendigen Sachen die Elnfalt vnd Armuth / biß ans End beharrlich gesucht vnd gehalten hat. Die Closter- Frawen verwunderetm vnd aufferbawten sich sehr / ab dem siren- gen vnd heiligen Lebeii dieser Adellchen Dr ^ Gräsi % j6 Histon von dtk Gräffin / vnd dieneren ihr nach Vermö« j gen / ob gleichwohl Jdda nicht wolle he, dient werden. ! Es ist auch wohl zu glauben/ sie habe i die fromme Geistliche C chwöstern man- chesmahl durch das Red , Fensterlcin (wie dergleichen Clauffen zu haben pflegen ) mit Geistreichen Worten zum Guten/ vnd zur Vollkommenheit angefti- scher. Hinwieder hatten die Closter« | Frawen ein grosses Verrrawen vnd Liebe ! zu ihr / vnd in allen begebenden Be« , schwernussen suchten sie Geistliche Hülff/ Trost/ vnd ein mütterlichen Ratb/ Weibchen sie bey der seeligen Jdda allezeit fand- ten; Dann niemand kan vnd weißt andere besser zu trösten/als welcher selbst in grosser Trübsal gesteckt/vnd durch GOtt darauß erlößt worden ist; wie es dann der Heil. Jdda beschehen war. Also machte sie sich gegen GOtt je länger fe j mehr verdient / nicht allein wegen den trewen Diensten die sie für ihr eigne Per« ! söhn ihme Tag vnd Nacht leistete/sondern ' auch wegen deß Gutens / welches sie bey j andern Heil. Gräffin Idda. 77 j andern durch ihr Exemplarisches Leben/ vnd liebreiche Ermahnungen verursachte. Wer hören will das heylsamb Wort; 1 Das ©Off zum Hertzen spricht; Der suche ein fein stilles Orkh/ Sonst hört er JEsum nicht. Das 16 , Capitel. Der Teuffel thut der Heil. Iddä viel Verdruß an; löschet . ihr das Lischt/ welches doch ein Todter i wiederumb anzundt. ^Ls der böse Feind sahe/daß sein An« ^ schlag/ mit welchem er die Heil. Graf» fin vor disem angenedeyet / vnd tödtlich verfolgt/ihme so übel ausgeschlagen/vnd daß durch die Heil. Fraw Gottes Ehr/ ! vnd der Seelen Heyl so sehr befürdert ward/möchte er es nicht leyden / darumb Wendete er alle seine bößwichtige List vnd E Höllische Fund an / damit er sie in ihrem Beruff vnd heiligen stillen Leben * verhinderen / oder zur Vngedult bewe« KN möchte. Derohalben thäte er ihren D z viel 7$ Histon' von der viel Plagen vnd Schröcken an; dann ^ ir sich manchesmal)! vngehewrer Weiß ^ sehen vnd hören liesse. Au Zeilen warffe er mit Steinen (wie es sich anhören ließ ) auff das Tach vnd an die Wand ihrer ' Zellen/ vnd da sie ihr einfältige vnd schlechte Speiß kochte / warst er zu ihr an die Hähl beym Fewr/ satzte sich dar. auff/ schüttet ihr das Essen vmb/ vnd löschet ihr das Fewr aus / vnd triebe viel dergleichen Bubenstück / damit er sie be- trübte/ vnd zurVngedult vnd Verdruß bewegte. Aber Jdda als ein bewährte vnd behertzte Streilterin / verachtet alle ; diese Teuffels-Possen; vermehrte durch die Gedult ihren Verdienst/vnd verbliebe ' in ihren heiligen Übungen nur desto beständiger. Es muste sich auch der höllische Hund schämen / da er sahe/daß er i mit allem seinem Gewalt von einem Weib überwunden / vnd verspottet wur- ; de. Darob ergrimmbte er je länger je mehr/vnd wann es GQtt ihme zugelas, sen hätte/ würd er ihren gern den Todt > selbst angethan haben. Aber Jdda hielte Hei't.GräffrnIdda. 79 te sich vest an GQtt / vnd verbliebe in feinem Dienst nur desto eifferiger. Die andächtige Grassrn wartete eins- makls nächtlicher Weyl dem Heil. Gebet! / vnd der Betrachtung Göttlicher Dingen in ihrer Zellen ab / da kam die arglistige alte Schlang / vnd wolle die fromme Fraw gern daran verhindert ha« den / löschet hiemit ihren alles Fewer vnd Liecht aus. Weil dann die Heil. Jdda nicht gern wolte leyden / daß sie an dem Lob GOtkes von dem neydigen Teuffel folte dergestalten verhindert werden / da ward ihr Hertz emzündt/vnd mit starckem Eyffer der Ehr Gottes angefüllt. Dero- halben von dem Geist Gottes angetrieben- streckt sie Mit grossem Vertrawen die ausgeloschene Kertzen durch das Fenster hinaus / vnd mit grossem Glauben vnd Zuversicht auff GOttes Allmacht/ rufst sie einem Todten / welcher zu nächst bey ihrer Zellen begraben läge / vnd schaffet ihm / daß er auffstehen / vnd ihren die Kertzen anzünden folte. Da geschahe ein groß Wunder, dann der D 4 Todte' so Wfiori von des_ Todte jtuhnd ohne Verzug auff/demselbeU ' botte Jdda die verloschne Kertzen dar / ju ihm sprechend: Indern Nahmen/ vnd zu grösserer Ehr GOttes/ gehe hin / vnd zürn de mir an diese Kertzen / welche mir aus Vngunst deß Teuffels erlöscht worden ist. Der erweckte Todte nimbt die Ker. tzen/vnd nachdem er sie angezündt/ reicht er sie der GottseeligeN Grciffin dar / vnd' sagt zu ihr: Jbba nimb skiecht von meiner Hand/ Von Toggcnburg bin ich genandt. (dardarch andeutende/daß er einer «uö : den Grasten von Toggenburg geweftn.) Die Heilige Jdda nimbt die brennende Kertzen dem Todten ab / vnd nachdem sie ihme (wie nicht zu zweifflen ) angewüm scher/ daß ihme das ewig Liecht scheinen soll / begibt sich der Todte wiederumb in stin Ruhe; Jdda aber/ nachdem sie dem Allmächtigen GOtt vmb diese wunder« fame grosse Gutthat hertzkich gevancket/ ist bey dem newen Liecht in ihrer ange« fangnen Andacht / mit newem Eiffer * fortgefahren/ vnd hat nicht allein dieses/ fon- 81 Heil. Graffin Idda. sondern offtermal für die Ruhe so wohl deßgemeldren/als anderer Abgestorbnen Kbercek. Der Wohl -Ehrwürdige P. Albrecht von Bonstcitten schreibt / daß dieser Todte / welcher de.r seeligen Jdda Sie Kertzen angezünvt/gewesen sey Grass Heinrich ihr Ehe- Herr: Ist hiemit Grass Heinrich nach seiner Aussag/ vor der Heis. Jdva gestorben» Der hoffärtige Sathan ist nach diesem so grossen Wünderwerck durch Got. tes Gewalt dermaßen gedampt vnd zu schänden worden / daß er darnach der Heil. Jddä keine dergleichen Beschwer. Nüssen mehr hat machen dörffen/ also daß sie darnach als ein heroische Obstgerin der Höllischen Geister/ das übrige Zeitlein ihres Lebens/ biß zum seeligen End/ in grosser innerlicher vnd äußerlicher heiliger Ruh zugebracht hat» Wann du berewest deine Sund / Gcdenckst der leisten Noth: So bat dir sLiecht auch angczündt/ Der vnauöbleiölrch Todt. D 5 Das Das i7. Capi'rek. Don drm vnd BegrabnußdepHerl. Iddä. /rrS ist kein Zweiffei / es habenstch viel. ^ mehr denkwürdige Sachen mit die« ftr Heil.Graffinverloffen/ als in Schriff» ttn gefundm wird. Jedoch mag da- wenigem daß seither vermeldet worden/ einem begierigen Leser zu seiner Christlö» chen Nachricht gmug seyn. Was nun ihren vor denAugen GOttes kostbahrli- chen Todt anbelangt/ so mag auch hie gar wohl gesagt werden: Welcher? wohl Lebt/der stirbt ritt übel» Der Gottliebenden Jdda Hertz vndBe- giert) stuhnde allein auf Gott/darumb sie hertzlich begehrte von dem Banden deß Leibs auffgelößt zu werden/vnd bey Christo dem liebsten vnd höchsten Trost'ihrer Seelen- ewig zu seyn: Nachdem dann das so lang; erwünschte Zeitiein herbey kommen/daß ße die süsse Frucht stven- Heil. GraffmIdda. 8z Krengen Lebens von ihrem himmlischen Bräutigamb in der ewigen Frewd em« pfangen solle / vnd sie vermerckt/daß das Stündlein ihres HinDl-eydens nahe wäre / ist wohl zu erachten/wie demüthig sie denCloster-Frawen vmbdre Herberg/ Liebe/ vnd alle trewe Dienst werde gedan« rket/vnd darneben den lieben Gort gebet« ten haben/ daß er ihnen mit seiner vner« schöpfflichen Güte alle Gutthaten / die sie ihr erwiesen / tausendfältig wieder vergelten wollt. Diese fromme Geistliche Frawen / werden hinwiederumb der Gott- geliebten Gräffln vmb ihr heilige Bey. Wohnung / gute Lehren vnd Exempel/auch gedancket haben. Sie trawreten / daß sie ein so liebreiche vnd heilige Mutter verliehren sollen. Aber Jdda/ nachdem sie sich sowohl mitEmpfahung der Heil. Sacramenten / als durch Übung ande« rer GOtt- gefälliger Werck zu ihrem End wohl vorbereitet / schwingt sie ihr Hertz vnd Begterd in dem Himmel / vnd gibt ihr Seel auff m die Hand ihres Er« jchaffers / am nächlien Tag nach aller Seelen $4 Histori von der Seelen Tag/ den 3 , Wimermonat. Ihr Heil.Leibist mit gebührmderSolennikck/ gewöhnlichen Ceremonien / Gellte vnd Begängnuß/in der Abseyten der Knchm zu Fischingen / vor St. Nklaufen Altar begraben worden. Hak also die Heilige' Jdda das Gottshauß Fifchingen bey- Lebenszeiten mit öffterem Heimbsuchen/' vnd Verrichtung ihrer Andacht / nachdem Todt aber mit ihrer Ehrwürdigen' Begräbnuß / vnd darbey geschehenen Munderzeichen geehrt / gezihrt / vnd be-- rühmt gemacht. Wann dn auch stelig sterben will. So- lebe wohl vorhin: So wirst ein Vrtheil haben milt. Dein Frewd wird ewig seyn. Das 18. Capitel. Von den Wunder, Zeichen ? welche Gott bey der Heil. Iddch Grab gcwürckt. §KEil die feelige Jdda ein so wunder« sames heiliges Leben geführt / vnd darneben GOtt noch bey ihrer Lebens» Zeit Heil-GräffmIdda. s y Zeit an ihr so augenscheinliche grosse Wunder gewürckt/ so hatte jed'rm inniglich ein: ohngezweiffleren Wohn' der Heiligkeit von ihr gefasset. Daher ist geschehen / daß Diejenige / welche ihr lieb- reiches Hertz vndMütterliche Gutwilligkeit/ als sie noch lebte, erfahren / nach ihrenr fteligen Ableiben/ebenein sogrosses Wertrawen gegen ihr gefasset haben-weit sie billich glaubten/ daß sie vor GOttes Angesicht jetzund mit ihrer Wrbitt viel mehr vermöchte ihnen zu heiffen, als da sie noch irr diesem Jammerthat lebte« Darumb sie dann irr ihren Nöthen vnd Anligen bey der HeibJlM Grab / mit grossem Vertrawen/ Hülff vnd Trost gesucht haben / vnd das aus Antrieb vnd Eingebung GOttes/ welcher seine trewe vnd liebe Dienerin Jddam/die sich selbst so sehr' gevemüthiget hatte / jetzunder auch vor der Welk erhöhen / vnd durch Wunderzeichen berühmt machen wölke. Weil dann vielen Bedrängten bey ihrem Grab' vnd sonsten durch ihr An- rustung/ wunderbahriich geholffen wurde §6 H i ston von der de (vnd es ruchkbahr worden / da seynd auch andere/ dergleichen Hulff bey ihrer Begrabnuß zu suchen / veranlasset worden/welchen die hebe vnd mwe Mutter St. Idda/ Gnad vnd Meinung ihrer Gepresten/ so osst es zu grösserer Ehr Gottes/ vnd der Bittenden ewigen Hey! diente/erworben. Insonderheit aber haben jederzeit ihr Mütterliche Hirlff vnd kräfftige Fürbitk erfahren / diejenige/welche durch Teufflische Gelpenji angefochten / oder mit Mutter. Siechtag/oder mit Hauptwehe behafft seynd. Nachdem die herrliche vnd vnlaugba- re Wunderzeichm weit vnd breit erschallen/ da ist die stetige Idda durch Ankhorirat deß Ordinarii / in dem gan. tzen Bißlhumb Cosiantz für ein Heiligm gehalten/ vnd auf den z, Wintermonat M der Kirchen durch ein Commemora- sion vnker dem Gotksdienst verehrt worden. Zhr Fest. Tag wird zu FiHin- gen vnd Kirchberg feyrlich/ in etlich anderen Orrhen aber/ sub duplici gehalten. Ihre Bonussen seynd von den Alten Heil. Gräffm Idda. jederzeit mit den Strahlen/ oder Schein ob dem Haupt gemahlec vnd gestochen worden / wie zu fthm in ihrer legend/ von R. P. Alberto von Bonstcitten / Anno 1486. in den Track gegeben. Item / »n einem sehr alten Schild in St. Jddci Capell / von Zürich dahin gefchenckt. Den Nahmen einer Heiligin gibt ihr auch Paulus v.in der Bull/durch welche Er St. Jddä Bruderfchaffr bestactiget/ ond mit Ablaß begnadet. Jtem/Cre- xorius XV. in einem Brevi * Item/ Alexander VII. Clemens IX. vnd Clemens X. in ihren Bullis, in welchen sie Ablaß ertheilten denjenigen/ welche bey« wohnen der Letaney / die vor dem Altar 8. iddae am Sambstag gelungen/ oder gebettet wrrd. Es srynd auch nicht al« lein zu Fischingrn/sondern auch änderst, wo durch das Blßkhumb / Capellen vnd Altar St. Jdda zu Ehren aussgerichttt worden ; wie hin vnd her in der Eyd, gnoßfchafft / aber insonderheit zu Ba. wen ( allwo der Eydgnossische Bundt seinen Anfang genommen) in dem Land r» histon von der- _ Vry zu sehen ist- Es iji zwar vnbewußt/ wann dieses Iddci Küchlein erstlich' feye erbawet worden / doch scheint es ein' alt Herkommen zu haben. Es Ware von Anfang klein/ vnd harn nur einen/ jedoch consecricrten Altar / auf welchem zn Zeiten das Heilige Meß-Opffer verricht tec worden i Es stuhnd in einem einsam men/ wilden Orkh. Ohngefähr vmb' das Jahr Christs 1580. ist es von dem furflieffenden angeloffnen Wasser halben Theils nidergeworffen - aber bald dar- auff von einem Mevnthaler ( dessen Sohn Wilhelm Bernhard ein Maurer/ Anno i667. hundert fahrig noch gelebt/) in eignmr Kosten wieverumb aussge« richt / erweitert / vnd mit drey Altaren (deren doch nur zween consecricrc) ver- sehen worden; Er hat darvukch verdient ein Land> Mann in Vry zu werden. Da er sambk seinen gemelvien Sohn den alten Altar. Stock abgebrochen / haben ste merckliche Hrylthumber darinn gefunden / welche hernach in ein newen Altar ftynd gesttzr worden- Dise ande. tt _He ssGrässmJdda. re Lapell stuhnde also in die 50. Jahr/ da ward sie von dem Wasser abermahl nidergeriffen / darauff die Innwohner di- ses Orths / das Kirchlein an ein ander sichers Orth bey dem See aufferbawen/ mit drey Altären vnd andächtigem Ge. mahl scheinbahrlich gemacht. Stehet noch heut; ist ein Gnadenreich Qrtk/vnd werden die Bittfahrtende mit sonderem Gnaden - Regen der Andacht begossen/ wie dann auch der liebe GQtt durch der Heil. Jdda Fürbitt vielen grosse Gutthaten alldort erzeigt / vnd wird sonder, bahrlich geholffen/ welche mit Zahn. vnd Hatüwehe ; mit schwären Husten vnd Fieber behafft seynd. In dem Marck. Flecken Malters/Lueerner. Gebiekhs/wird auch ein ansehenliche Cäpell gesehen/ darinn St. JVda gnädig/ vnd von dem Volck andächtig geehrt wird/ Ob gleichwohl bald nach Ableiben der Heil. Jddä/vnd bißhero viel Wunderzek- chen geschehen/ so werden doch ihrer nur etliche hieunden beygebracht werden/ zum Theil darumb/ daß von vnseren Alt- 5 « Histon' von der _ vorderen nicht alle verzeichnet worden/ zum Tkeil / weil durch betaurliche Ab- brennung deß Goktshauß Fisch ingen/ so wohl diese als viel andere Monimenta, in die Aschen/ vnd ewige Vergessenheit ge- stellt worden. Am Leib viel Creutz wir levden zwar/ Sv lang wir ftv-nd anff Erd: Doch grösser ist der Seelen Gfahr/ Bitt daß ihr gholffen werd. Das i^. Capitel. Don Erhebung deß Leibs der Heil. Idda/ vnd was Wunders sich mit ihrem Heiligen Haupt zugetragen. A^Achdemman gesehen/wie der gütige ^ ^ GQtt sein außerwählte vnd liebe Dienerin Addam/ durch Wunderzeichen so hoch ehret/ da ist man verursacht vnd bewegt worden / die würdige Ge- sponß Christ/ auch mit möglichistem Fleiß tu verehren ; hiemit ist ihr heiliger Leih (welcher gewesen war ein würdigerTeM- pei deß Heiligen Geists) aus der Erden Heit. Gkäffin Jdd'a. <7* erhebt worden. Ihr heiliges Haupt hak man emgefasstt m ein Bild / vnd hats mit gewürckler Arbeit geziehrt/damit es also zum Trost der Gäubigen möchte fürgestelll/ vnd dardurch Gott desto mehr geehtt werden. Als aber im Jahr Christi i4t4.drn 6. Tag Mcrtzm/vnter Abbt Zoannes dem Dritten diß Nahmens/ beyde Gottshäusser zu Fischingen /sambt aller Kirchen,Zier verbrunnen/ dahat man am dritten Tag nachdem die grau. fame Flammen verfallen / vnd die Hitz nachgelassen / das gemeidte Ehrwürdtze Haupt gantz vnverletzt gefunden / ob gleichwohl das Bild vnd Zierathen / in welchen es eingefasset gewesen / von dem Fewer gcintzlich verzehrt worden seynd. Dieses ist nicht ohne sonderbahre Gnad vnd Fürsehung Gottes geschehen/welcher mit seiner allmächtigen Hand das Heil. Haupt vor deß Fewers Gewalt / zu Trost der Glaubten/wunderbahrlich er, halten hat. Zwey vnd achtzig Jahr darnach/ rmnblich/ Anno 1496. hat Abbt Heim Histori von der rich der i v. diß Nahmens / St. Jddci Grab ernewert/vnd von gehawenen grosi sen Steinen ansetzenlich auffgericht/ wie noch heut zu sehen« Endlich hat der Hochwürdige Herr Prälat Placidus / die vor diesem kleine vnd enge Eapell/varinn der seeligen Jd« da Grab stehet / im Zahr Christi i6rs. ansehenlich erweitert/ vnd mit drey Altären geziehrt« Wann dir begehrst daß deinem Leib/ Nach diesem wohl ergänz: All böse Löst du von ihm treib/ Daß er die Cron erlang. Daß 2o. Capitel. Etliche Wunderzeicheri / welche G^Ztt durch St« Idda Fürbitt gewürckt. (MIr wölken dieselbe von' Wort gtf ^ Work hieher setzen/ wie sie bey R. P. Petro Canisio v in Helvet. Sancta bey R» p. Henric© Murer gefunden werden- r. Es Heil, ffirdfsin Idda. -z I. Es haben zwo Eblrchc vnd stamme Persohnen auf dem Hörnlein / oberhalb - Fiicl mgen gewöhnet / aus denen war die Fraw mit dem bösen Eicctrag anqe« griffen/vnd jämmerlich geplagt/ also daß ihr die «ne Scythen lahm gchhcben/vnd sie nichts mehr reden kördre» NrcltS destowemger ist sie alsbald/vnd eben zur Stund von der Kranckbm rriediget worden/da ihr stommer Mann vor St. Jddä Grab knyete/vnd für ihr Heyl vnd Gesundheit sein Christliches Gebe« ver, richtete. Darumb dieselbige Ehe - Lernst GOtt dem HErrn beyde stölich Danck sagten/der in der Heil. Jdda so kräfftig vnd mächtig wäre / zur Ä^ederbringung der verlohrnen Gesundheit. n. Es geschahe auff ein Zeit in der Statt Rapperschweyl/ daß ein Kind in ein grosses Geschirr oder Wasser. Gelten fiele / vnd für todt von bannen getragen würd / darumb sein liebe Mutter ein groß Wainen vnd Klagen führte; viel keuch wegen deß Kinds Fall treffen zusammen / vnd hauen ein Mitleyden. 94 - Histoki von t><¥ Da war von einem gerathen/ man solle in solcher Noth die seelige Fraw Jddam anrüsten / welches alsbald von dem gegen- wattigen Volck geschehen. Siche da fienge daffelbige Kind wunderbahrlich an / nicht änderst / als aus einem tieffen Schlaff zu erwachen / vnd öffentlich zu ^ schreyen. Vnd ist also die Krafft Got- tes/ so durch St. Jddä Fürbitt gewürckk hatte / von manniAichem erkennet/ vnd gelobet worden. m. So ist auch vttverborgen/ daß zwo Ehliche/ aber doch vnfruchtbare Per- söhnen / in der Reichs-Stadt Vlm gesessen / da man zeblt nach Ci>risti Ge, durch 1540.^ welche zwÄff Jahr lang ohne Kinder geblieben. Nachdem sie aber aus Andacht St. Jddä ein Opffer verheiffen/ist die Gnad GOtres darauff erfolget/ daß die' Fraw eines Kmds schwanger worden / vnd daMbige glück, lich gebchren bat / damit männiglich St. Jddä Fürbitt desto mehr brkandt wurde. iv. In demselben Jahr lebte ein andere fttt. Idda. 95 Here ehrbare Fraw von Batzen/ mir Na« wen Verena Baumbergerin / mit kostn Blätteren bcifft-gbeschwatt/welcher kein Artzt helffen konnte. Die verhreffe -sich auff sonderbahre Andacht zu der -Heil. Frawen Zdda / vnd nach ihrer Ver- Heissung liesse sie ein gelungenes Awpt zu Fischingen halten / vnd opffert ein lebendiges Opsser. Darauffist sie als- Hatd ftisch vnd gesund worden. V. Item/ in dem Jahr isi 8 . ist gen Fischingen kommen der ehrbar Hanns Mictlich von Nördlmgen/ der ein siinss- s fahriges Kind hatte/welches mder redend geben noch stehen könnte. Er verhieffe dasselbige Knablein mit einem halben Pfund Wax zu der Heiligen Frawen Jdda / durch welcher Furbitt dasselbige Kind alsbald anficnge/ ohn aller anderer Menschen Hülss vnd Mittel 1 zu reden/ stehen vnd gehm / darüber sich mannig. sich verwundert/vnd Gott den HErren in -. ist auch ru -6 i von der |u dieser Begräbnuß kommen der Ehe- bare Heintz von Rapperjchweyl/aus der Grafffthaffk Toggenburg / .dieweil sein Haußfrgw.mit der Lahme / vnd bösen Blätteren schwerlich kranck läge / vnd ihr kein Artzt mehr helffen könnte. Dero« Degen ihr Ehe - Mann hochbekümmett war / vnd folgere guter Leuchen Räch/ daß er sich mir einem gelungnen Ambt vnd Opffer zu St. Jdda verheiffen / vnd solche Wahlfahrt dahin verrichten wolle. Nach vollbrachtem Opffer/ ist sein kran« cke Fraw gesund / vnd durch Fürbitt der Heil.Fraw Jdda/von allem Echmertzen erlediget worden. VH. Diesem ist nicht vngleich / so sich begab im Jahr Christi 1576. welches männrglich wohl bewußt / daß ein alter ehrbahrer Mann in der Graffschafft Toggenburg wohnhafft/ vnversehenö das Gehör verlohren / also / daß er den Glocken-Thon / ja kein Wort / wann man ihme schon laut schrye / vernehmen möchte. In solchem Leyd verhieffe sein Sohn für seinen Gehör-losen Vatter ein Wahl« ! i ! i i ' 1 < I I ■3 I i ' i < 97 | Heil. Graffm Jdda. _ i Wal! fahrt mit ihme zu der HA Jdda i zu thun. Als er nun zu Fischingen in z St. Jddä Capell ankommen war/ vnd man jetzi mit allen Glocken zu der Heil. Meß gelitten hatte/Kar gedachter Gehör, loser Mann solchen Thon vnd Klang nicht mögen hören. Folgends knyete er für das Grab der Heiligen Frawen Jdda nieder / vnd opfferete sein andächtiges Eebett zum Lob GOttes der Heil. Iddä l auff/ biß man zu Erhebung deß Hochwür- ! digen Sarramenls leütete; da fragt er . seinen Sohn / warumb man jetzt büken thäte/dann es wäre ihme durch Furbitt der seeligen Frawen zur selben Stund geholffen / daß er vollkommentlich hören möchte; wie er hernach zum öfftemmahl bekannt hat. ; viii. Drey Jahr hernach / nemblich/ im Jahr Christi 1579. verwuchs einer Frawen der Mund so nahe zusammen/ • daß sie kein Speiß/so grösser als ein Bro- sen Brodt/messen köndte/ derowegen sie ^ in solcher Noth aus Rath etlicher from- mm Christen/ ein Wallfahrt zu der Heil. ^ E Jdda §>8 Histon' von der Jdda verlobte / vnd nach Verrichtung derselben chalff ihr GOtt zu ihrer vorige« ix. Über das/hat sich vmb das Jahr Cbristi 1586. vmb St. Martini deß Heil» i Bilchoffs Tag begeben /daß Sara Kuh- 1 nin / deß ehrbahren Josue Scherers Hauß - Fraw zu Langenstein / in der Graffschaffl Toggenburg wohnhafft/in ein schwere vnd grosse Haupt - Kranckheik dcrmaffen fiele / daß sie ohne vnterlaß acht Tag lang jämmerlich schrie/ vnd .weder S peiß noch Tranck niesten möe^ te. Da nun solches schweres Haupt- Webe nicht wolte nachlassen / verhießen ! sie beyde ein Wallfahrt gen Fischingen/ ! die Heilige Fraw Jddam heimbzusuchcn/ vnd vor ihrem Grab einen Rosenkrantz mit gebognen Knyen zu sprechen. Nach- 1 dem nun solche Verlobung geschehen/bc- - kennet dieselbtge Fraw / daß sie in einer halben Stund aller ihrer Vngestüm- i nngkeit vnd Schmertzen deß Haupts er- | lediget worden. Darauß sie deß folge«-- » Hess. Graffin Idda. 99 'den 87. Jahrs trewlich ihre Wallfahrt verrichtet hat. x. Vnter der Regierung deß Abbts Matthiä / im Jahr Christi -609. war Victor Hassy von Glaris / Vogt ja Schwartzenbach / in den Diensten ihrer Fürstl. Gnaden Herrn Prälaten zu St. Gallen/ dessen Gemahl auch von Glaris. Als diese beyde in gesagtem Jahr von Glaris gen Schwartzenbach wiederumb § reitten wölken / vnd gen Watkwyl auff die Thür - Brücken kamen / sprang ohn- versehenlich der Frawen Pferdt v.on der Brucken in die Tieffe hinab. Indem Sprung aber befähle die Fraw sich der j Heiligen Jddä Fürbitt vnd S chu tz^ Ein Wunder-Ding J das Pferdt fast zu todt / vnd der Frawen geschieht kein Leyd. Darauff käme die Fraw von 1 Schwartzenbach etliche Freytäg nach. ' einander gen Fischingen / ihr Gelübde mit ihrer Tochter zu verrichten / vnd j offenbahrck solches Miracu! nach ge- 1 khaner Beicht vnd Communion / mit 8 einem EO / dem P- Jacoho Bücher/ I E L Pfarr- loo Histon' von de»_ Pfarr-Herren vnd Conventual zu Fischingen. xi. Im Jahr Christi deß HErren i6is. zu Herbst-Zeit/käme der.Ehrsame Gallus Hug von Atzawylen aus dem Turgöw / in den Tobleren Gerichten/ mit < einem acht-ichrigen Töchterlein / mit ! Nahmen. Elisabeth / zu der Heil. Jddg , Grab / das fünff Wochen blind gewe, i sen ; welches/ als ers im Jahr 1614. zu < St. Jdda versprochen / ist es wieder se, hend worden. Weil aber der Vatter das Gelübd von Tag zu Tag zu vollbringen auffege / fienge deß Kinds Krdnckheik wiederumb von Tag zu Tag W zu zunehmen / also daß ihme die Red Mfallen/ vnd nicht mehr gehen könnte. Da aber der Vatter sich seines Versprechens wiederumb erinnerte/ sich mit dem elenden Kind auff die Reiß begäbe/vnd ' das Kind in die Capell Gk. Jddä ge, ' tragen wurde/hat es angefangen sich zu bessern / vnd so bald es nach verrichtet Wallfahrt wieder auf das Roß gesetzt < worden/ habe es den Zügel selber in die Hand f'tif. Gt-affm Idda ioi Hand genommen / vnd den zu halten be« gehet. Als es nun zu Hauß kommen/ hat es vollkommentlich geredt vnd gesehen/vnd selbst ab demPferdt abzusteigen begehrt / auch darauff selbst abgestiegen/ vnd ohn einen Gefährten in das Hauß gangen/so viel Leuth gesehen vnd bezeuget haben. Bald hernach/ käme der Vatter vnd das gesunde Töchterlein wiederumb zu St. Jddä Grab/ der Heil. Frawen Danck zu sagen. Bey den -etz-erzehlten wöllen wir eS für dißmahl verbleiben lassen. ES feynd zwar noch frischere vnd vnlangst geschehene Wunderwttck/ welche emweders schlifft- sich/ oder aber in Gelübds-Tafflem«^ kommen ftynd/ weil aber dieselbtge noch Nicht canonice recognos irc vnd auhen« tisirc feynd / sollen wir sie für dißmahl Noch nicht in den Truck geben. Sonst ist bekandt / daß GQtt noch immerdar durch der Heiligen Zddck Verdienst vnd Fürbitt/ denen/ die ihr Mütterliche Hülff mit steiffem Glauben begehren/ grosse Gutthaten an Seel vnd Leib er- E? weiset/ IOZ Hiftori von der weiffet/wie dessen Zeugnussen geben kön, nen die Ordinari Beichrvätter deß Gocts- hauß Fischingen / welchen manchesmal)! auffeinen Tag über die 8. oder A. i-ene'- üch von den Bilgrammcn angegeben werden/ welche sie von dem lieben Gott durch Anruffung der secligen Multer St. Jdda erlangt zu haben sich erftewen/ vnd ihre verlobte Bittfahrren zu ihrem Gnadenreichen- Grab danckbchrlich vnd häuffig verrichten. Biß hiehcr Die Hifiori von der Heil. Graffin Jdda. Das rr» Capitel» Die Heil. Zdda hat mit ihrem Exempel viel andere zum Geist» lichen Stand bewegt. hat das Ansehen/ als habe vnsers HÄl. Gräffin Jdda mit ihrem Heiligen Exempel viel Gräßliche Persoh- NM/ insonderheit von Toggenburgischem Ettmmm/ M einem Heiligen Wandel gezo. Heil.GraffrnIdda. 10 3 gezogen ; dann wie der offt-angezogene Wohl. Ehrwürdige Herr P. Albrecht Von Bonstätten bezeugt/so haben folgende Zeit etliche Gräffmen von Toggenburg/ in dem Lobwürdigen GottshaußMagte« nauw / den Geistlichen Stand angenom« men. Es werden auch anderstwo Tog« genburgische Fräwlein gefunden/ welche ihr Leben in großer Heiligkeit zugebracht haben. Vnter diesen ist voraus berühmt die seelige Mechtildis / ein Grässin von Toggenburg / welche in dem vnderm Gottshauß Riederen / vnder den Regm lierten Chor-Frawm / oder Canoniffep S. Augustini, ein Heiliges Leben geführt; kigt alldort begraben in einer Capell/ .wel^ che von Jhro den Nahmen hat j muff tet mit grossen Wunderzeichen: dann bey ihrem Grab seynd viel beseßne Per« söhnen vom vösen Geist erlediget; zwo von dem hinfallenden Siechtag; Etliche von den Kindelweh ; andere von vnder« schiedlichen schweren Kranckheiten gehey, stt> vnd einem auch das Gehör wieder, geben worden. E 4 Diese 104 fiißori bet Heil. Gräffrn Idda » Die seelige Mechtild hatte ein Geistliche Gespielen / mit Nahmen Agnes / welche sich (gleichwie vnsere Heilige Jdda)vmb der Liebt Christi willen / in ein Ctauftn hat einsperren lassen; hat heiliglich darinn gelebt ; ligt begraben im Gotts- Hauß Berauw/ St. Benedicten-Ordens; wird aüdort als ein Heiligin geehrt. Diß war wohl ein Heil. Gespiele schafft / in welcher die fromme adelicht Seelen im Guten mit einander gestritten / vnd dardurch ein so hohen Staffel Christlicher Vollkommenheit erlangt haben. Ich hab geachtet würdig zu seyn/ daß ihrer allhie wmigist ein kurtze Mcl- jchWg beschehf. Jetzund wollen wir sehen/was wir van vnftrer Heil. Fraw Graffin Jdda vnftrs Theils zu lehrnen haben» .... «©$( los )s» Das rr. Capitel. Schöne vnV nützliche Lchr.Punttcn/ Welche aus vorige? Histon von der Hclt.GrWnZdda können gemcrckt werden. Je außerwählte Heiligen GOtteS leuchten in der Kirchen gleichwie die helle Sternen in dem Firmament; bann sie feynd vns von denr lieben GOtt fürgej!ellt/ daß wir in Anschung oder Abi- lesung ihres Heil. Wandels lehrnen/ was wir thun oder lassen sollen/damit wir auch endlich zu Gott gelangen mögen. Weil bann in der vorgehenden Hijkori viel merckliche Ding ^zu vnserer heylsamen Nachricht mögen gezogen werden/ hab ich vermeynt wohl zu thun/wann ich den Ein» fälligen zum Guten etliche Lehr» Puncten E s I io6 Schöne vnd nützli che ! kürtzlich hierbey setzen ^ wurde ; damit gleichwie ein Hirsch der Heil. Iddä zwölss ' Liechker vorgetragen/ vnd -ihren in der finsteren Nacht den Weeg gezeigt hat/ also wir vnS in ihrem Hell-lchetnenden »Leben selbst ersehen / vnd vermittelst ihres vorleuchtenden Liechts/ durch den gefährlichen Weeg dieses finsteren Lebens/ zur • guten Ewigkeit desto glücklicher gelangen mögen. F. r. i. : : Lchr-Pumtmfür Obrigkeit- | liehe Perfohnm / vnd für VrcjenW L über welche etwa» ein vngerecht f Vttheil gefälltwird. S N Erwegung/ daß Grass Heinrich sich wider GOtt vnd alle Recht/ an feiner frommen Fraw Gemahlin Jdda/ vnd feinem Diener dem vnfchuldi'gcn l Jäger/ so hoch vnd ärgerlich verfehlet/ we»! er in währendem grimmigen Zorn sie ( die er glaubte straffmässig zu seyn/) II zu straffen vnderwundm hak. So sollen alle Lehr - Puncten. 107 alle Oberkeitliche Persohnen wol beobach, ten Erstlich: Daß sie keinen ob gleichwohl sehr Sti affmäffigen/vnder die Straff jie. hen in währendem Zorn/sondern sie sollen verziehen / biß der vnmäffige Zorn vek« gangen; das Hertz gestillt; die Ver- nunfft ihrer selbst mächtig / vnd ohne vn- rühmliche Paffion ist. Sonst wurde offt geschehen/daß sie der Sach zu- viel/ den Beschuidten vnrecht thun / vnd dadurch ihnen selbst ein schweres Vrkheil von Gott dem allgemeinen gerechtesten Richter erhohlrn wurden. Ja es solle kein Vatter / kein Mutter / so lang sie mit Zorn übernonnnen seynd / die Kinder straffen/ weil sich der Zorn m-dem Schrancken einer billigen Züchtigung nicht leichtlich halten kan. Zum andern: Welche über andere vrtheilen muffen/ die sollen sich erinneren/ das sie zwey Ohren haben ; Das eine sollen sie zwar dem Ankläger herhalten / das ander aber dem Beklagten vorbehalten. Sie sollen sich niemahlen von einer ioS Schöne vnd nutziiche einer Parthey zuviel emmhm'en lassen/ sondern sie sollen die Verantwortung deß Beklagten mit lauteren Augen der Ver- nunfft/ vnd mit vnpassionirtcm Gemüth erwarten / vnd gedulrig anhören / wann sie in ihrem Richter - Ampt gerecht/vnd vor GOtt entschuldiget seyn wollen» Was du nicht wilt daß dir geschehe/daS thue einem anderen auch nicht / sagt vnd warnet die ewige Weisheit» ^ Zum brüten r Wurde den Richtern auch nicht verantwortlich seyn / wann sie ihren Richterlichen Proceß von der Execution anfangen/ vnd darnach erst über der verübten Sachen Rechtmäßig- keit Nachschkag halten; die vntergeloffne Fehler bemäntlen vnd beschönen wollen/ wie Grass Heinrich vnrühmlich gethan hat/rc. Diejenige aber / über welche etwan ein Ungerechtes Vrtheik aus GOtteS Verbängnuß gesprochen wird / die sollen sich erinneren deß vnschuldigsten / vnd dannoch zum Todt verdammten HEr, Lehr- Puncten. jop HErren JEsu / seiner lieben Apostlen/ Märtyrer/wie auch vnsercr Hcis Idda/ vnd vieler anderer vnzahlöahrer frommer Leuth / welchen gleiches widerfahren- Sie sollen hiemic aus der Noth ein Tu« genv machen/ dieSach GOtt befehlen/ vnd vmb seiner Liebe willen sich willig darein schicken ( wann ihnen alle Mittel abgeschnitten seynd / daß sie mit der Wahrheit nicht an Tag kommen / vnd ihr Vnschuld erweisen können) sie sollen darneben wissen / vnd sich sicherlich ver- -trösten / daß GOtt ihnen dieses alles zum besten / vnd zu ihrem ewigen Heyk wenden/ vnd mittler Zeit die Wahrheit vnd ihr VnschuId/ zu ihrem ewigen Lob/ der gantzen Welt offenbahren werde. Wann sie dieses thun/ mögen sie wohl ein grosse Cron verhoffen; wann sie sonst im übrigen durch ein reines Gewissen gegen dem lieben Gott versöhnet seynd. §. ir. Für die Reichen» Heil. Gräffin Idda wäre reich vnd ■no Schöne vnd nützliche vnd edel ; sic hatte viel Güter; schöne köstliche Kleydcr vnd Kleynodien; sie fasse in grossen Ehren / aber sie hat nicht viel anders darvon gehabt / als grosse Sorg/ ■! Creutz vndJammer. Gewiß ists / wo ! viel Reichthumb vnd Güter seynd/ da ist > viel Sorg/ Mühe/Arbeit vnd Bnruhe; ' Daher ist der Stand der Reichen viel ,i gefährlicher der Seelen- nach / als des ‘ I Armen / wie solches die ewige WeißheiL ! Christus vnscr HErr ausdrücklich be, zeugt : Dir zeitliche Güter sollen seyn ein Mittel zu der ewigen Seligkeit/ vnd , nicht ein Hindcrnuß. Es fehlen grob | Viel reiche vnd »ermögliche Leuth / welche l durch ihr gantzes Leben ein solche über» - mcijstge Sorg vnd Lieb zu zeitlichen Haab i vnd Guth tragen / daß sie ihrer Seelen H vnd innerlichen Wesens niemahlm ! gründlich wahrnehmen ; Daher erkalten sie gantz gegen GOtt / vnd wird ihnen !(■ das Gebett / das Predig-hören / vnd j andere gute Werck vnangenehmb vnd ! vngefchma'ck. Sie haben odet nehmen I manchesmahl auch an heiligen Täqm V nicht I Lehr - Puncten- wi Nicht Zeit/ etwan ein Gelstreiches Büchlein/ oder ein Rosenkrantz in die Hand zu nehmen / oder ein Gnadenreiches Orch / mit wahrer innerlicher Andacht zu besuchen / die Geschasst seynd eben gar zu groß. Wann nur die Güter gebawet; das Vieh gefutteret; das Gelt gemehrt/ vnd die Schulden richtig eingezogen werden/so seynd sie wohl zufrieden/gange es darzwischen ihrer armen Seelen wie es möge. Vnd wann die Sorg vnd Lust zu zeitlichen Güteren das Hertz eingenommen haben / so geschicht es / daß sie die Heil.Saerament eintweders gar wenig / oder doch mit schlechter Vorberei- tung vnd Jnnbrunst / ja manchesmaht zu ihrem ewigen Verderben empfangen/ weit sie entweders nicht genügsame Zeit darzu nehmen / daß sie ihre Sünden/ Versaumbnussen / vnd Mangel ihrer Seelen erkennen mögen / oder daß sie aus Mangel Göttlicher Liebe vnd Er- kandtnuß / ihrer selbst nicht mit solcher wahrer Rew vnd Leyd / Demuth vnd guten Fiirfatz/rc. darzu gehen/wie es seyn ii i Schöne vnd nützliche sötte. Darneben gerathen sie mehrend theils der Güter halber in viel Streit vnd Rechts-Händel/ daraus dann Ncyd/ Haß/ Aanck/ Widerwillen / vnd int Hertzen ein grosser Vnmuth vnd Vnruh jtt entspringen pflegt'. Sie' sehen selten' gern / wann es andern auch wohl gehet- Hinwider leyden sie von andern gleichen Mißgunst. In Summa / ihr Hertz ist etlichmahl so bekümmert vnd vnrühwig/ daß sie kein ftökichen Bissen essen/ kein rahmigen Schlaff thun / ja manchsmahk kein andächtiges Vatter vnser betten können. Wann sie einem Dürfftigen ein merckliches Allmusen geben sollen/wurden sie vermeynen sie müssen zu Bettleren werden; vnd wann sie schon den Armen etwan ein gewöhnliches Allmusen geben/ so thun sie es dannoch manchsmal mit verdrüssgen Worten/ oder wölken darum von anderen deßwegen als freigebig an, gesehen vnd gerühmt werden. Wann sie vngefähr ein Vnfall oder Schaden an Haabvnd Guth leyden müsscn/da wölken Lehr - Puncten^ »z sie verzagen / bekümmeren sich/vnd jam- meren dermaßen/als Mann sie ihr großes vnd höchstes Glück / Trost vnd Fremd verlohren hatten». Diese vnseelige Mammons- Kinder haben hie kein Fremd; ob sie in der andern Welk eine haben werden / weiß ich nicht. Ein Christ welcher glaubt/daß GOtt allein das höchste vnd ewigmahrende Gukh/vnd nirgend als in Ver ewigen Seligkeit ein wahre vnd be, ständige Fremd zu finden seye / soll sich ab zeitlicher Wolfahrt niemahk so hoch erfrewen / noch ab zeitlichem Vnfall so säst trawren / sonst wurde es das An- sthett haben/ als wann er nicht die ewi- 'mdern nur die zergängliche Güter Deeli'g seynd diejenige reiche vnd ver- Mögkiche Leuth/ welche zwar aus GOt- tes Seegen/vnd mit rechten Zügen / viel Haab vnd Guth besitzen/ aber ihr Hertz/ Lust vnd Fremd nicht darauff setzen/ noch sich zu vast bekümmeren f wann sie dar- ümb kommen. Solche brauchen ihre Güter änderst nicht als zu GOttes Ehr/ vnd N4 Schöne vnd nützliche vnd ihrer Nothwendigkeit. Sie mögM jederman Guts gönnen vnd Guts thun. Sie seynd mitleydig vnd barmhertzig gegen den Dürffrigen / verachten niemand. Vnd ob sie gleichwohl der Haußhaltung steiffig abwarten / so sehen sie doch vorauß vnd voran/ daß ihre Seelen in einem guten ruhwigen Stand/ vnd in der Gnad GOttes seyen / vnd darum erhalten werden. Diesen ist nicht genug/daß sie für ihr eigene Persohn gegen GOkt ein reines Gewissen erhalten/ sondern mit ihrem Ansehen vnd Exempel verhüten sie das Böse / vnd beförderen das Gute auch bey anderen. Das Zeitliche ist ihnen nicht so lieb/daß sie desselben halber den Gottsdienst / die Heilige Sacrament/ oder ihr gewöhnliches Ge» bett verabsäumen wölken. Gibt GOtt j! ihnen Haab vnd Guth / so dancken sie ihm ; Nimbt Er es etwan durch ein Vnfall wieder von ihnen / so seynd sie 1 gar wohl zufrieden / vnd loben ihne dan» i noch/ wie der gedulrige Iob/vnd die Hei» | lige Idda. Diese seynd zwar reich cm Güte» _Lehr - Puncten. rr>- Güteren/ aber seynd armb im Geist / vnd hiemit ist ihnen der Himmel / als außer-« wählten Kmderen GOttes / versprochen. Was nun anlangt die köstliche Kley- der/so lesen wir von der Heil.Jdda/daß sie dieselbige änderst nicht als zur Ehr GOttes; vnd wegen der Ehrbarkeit gebraucht hab. Es ist zubedauren/daß so gar viel ring> sinnige / eytele vnd hoffärtige Menschen gefunden werden / weiche ein so gar vn- ordentliche Lieb/ vnd übermässige Frewd vnd Lust an schönen vnd köstlichen Kiey- deren haben / tragen auch grössere Sorg/ wie sie dergleichen bekommen mögen/ oder (wann sie dergleichen haben) damit selbige nicht etwan besudlet werden / als sie über ihre eigene Seelen sorgfältig ftynd. Wann nur die Kicyder schein- bahr/sauber vnd schön seynd/ so achten sie es nicht / wann schon die Seel durch Hoffart / Haß / Vnreinigkeik/re. häßlich ist; da doch die Kleyder zugänglich/ dieSeel aber vnsterblich ist. Diese Leuth tragen hiemik manchmahl., vnter einem Ii6 Schöne vnb nußllche zierlichen Kleyd ein wüste Seel / darad ^ GOtt vnd seine liebe Engel ein Grausen vnd Abschewen haben« Es ist nicht vn» zulässig / daß sich kein Mensch säuberlich/ ehrbarlich / seinem Stand vnd Land ge- ' mäß bckleyde/aber man muß darbey se. ; hen/ daß es aus guter Meynung beschehe/ vnd daß kein Aergernuß / Hoffarth/ oder ! Leichtfertigkeit mir einlauffe« Vnd zu« ^ forderst soll man sich befleißen / daß die \ Seel (welche nach dem Ebenbild Got« tes erschaffen) durch die Demuth vnd Gnad GOttcs / auch ihre schöne lie-lichk' Gestalt habe» Js. IIL Für die Arme. CtfÜfme Leuth / welche sich mit saurer ^ Mühe vnd Arbeit/oder gar aus dem Allmusen erhalten müssen/ die können wohl ein grossen Trost fassen / in Beden- ckung / daß auch der Sohn GOTTes JEsus / hat wölken armb seyn / vnd Mangel leyden / in welchem ihme vnsere seeliae Lehr-Puncten. 117 seelige Idda trefflich nachgefolgt ist; dann ob sie gleichwohl wiedemmb in ihr GraffÄ afft khren/ vnd ein GnadFraw ftyn köndte / wann sie wölke 1 so hak sie dannoch lieber verächtlich jeyn, vnd aus dem Allmusen leben wölken. - Gewiß ist es/daß die Armuth der sicherer Weeg in den Himmel ist/ vnd daß diejenige/ welche auff dieser Welt Mangel vnd Verachtung / mit Gedult vnd zur Ehr GOttes leyden / in dem zukünffti« gen Leben von GOTT höchlich geehrt/ vnd sonderbahr ergötzt sollen werden. Wann aber die Armen vngedultig seynd/ vnd die Armuth als ein böse Plag Haffen vnd verfluchen / vnd über das viel, leicht nach vnzulässigen Minien trachten/mit welchen sie sich aus der Armuth schwingen mögen/ solche werden'nicht allein kein Nutz / Trost vnd Ergötzligkeit in jenem Leben haben / sondern sie werden wegen ihrer Vngedult die gebührende Straff Mgewarten haben. Seynd also arme / vnd darneben vngedultige/ oder sonst boßhaffte Leuth zweyfach ge, riS Schöne vnd nützliche _ schlagen ; ; hie durch Kummer vnd Man- L gel/ dort aber durch das Fegfcwr/oder gar I durch die Hol! / da sie doch durch ihre I Armmh vor anderen den Himmel ver- I dienen können/ wann sie nur wölken. f Darumb sollen dürffrige Leukh aus ^ der Noch ein Tugend machen / vnd ge- dencken/ weil sie doch an zeitlichem Guth Mangel leyden müssen / so wollen sie es gern/ vnd vmb GOktes willen leyden/ Damit sie die ewige Güter erlangen mögen. Sie sollen darneben nach der Lehr Christi / nicht gar zu angsthafftig seyn/ wie sie sich ernähren wöllen / sondern sie sollen ein vngezweiffletes Kindliches Ver- j trawen auff GQttes Miltigkeit haben/ . vnd ihme sich vnd all ihr Anliegen ver- \ träwlich befehlen vnd übergeben / so wer- x - den sie ein gnädigen Vatker an ihme ] ; haben / vnd ein grosse Hülff vnd Trost $ : verspühren. GOtt speistet die vnver- 1 . nünfftige Thierlein / warumb wolle er A vergessen der Menschen / welche er nach I l seinem Ebenbild erschaffen / vnd welche r i ihr Hoffnung vnd Trost auff ihne setzen ? I Dar- I Lehr - Puncten. m ( Darneben sollen sie gern arbeiten/ so lang ihnen der liebe GOtt Gesundheit vnd Stärcke verleyhet / sonsten wurden -sie ein schweres Vrtheil ausstehen muffen/ wann sie aus lauter Faulkeit muffig ? herumb gehen t vnd anderen Leuchen überlegen seyn wollen. Sie wollen auch folgendes bedenckm: Wann GOtt wußte / daß ihnen die Reichthumb zur Secligkeit nutzer wäre als die Armuth/ ! so vermöchte er sie alle Stund reich zu machen.; weil er aber sihet/ daß manchem die Armuth zur ewigen Seeligkeit nutzer f ist/ so entzeucht er ihme die zeitliche Güter/ vnd will ihm geben die ewige ; ja wann f er mit seinem Erlöser IESV Christs 1 Hunger / Durst / Kälte / vnd andere : | Mangel/ mit gutem Willen leydet. Es E wäre mancher nicht in der Höll/ wann ; {< tv nicht wäre reich gewesen. Es ist , ( besser / daß man mit dem armen Lazaro | hie leyde/ vnd darnach von den Heiligen ^ Englen in die ewige Frewd getragen 1 werde / als daß man mit dem reichen | I Mann hie wohl lebe / vnd darnach ewig 1 I &c. I izo Schöne vnd nützliche gepeyniaet werde. Wann du nur ein Kind der ewigen Seelrgkeit wirst / so bist du reich genug. Zm Himmel iß kein Armuth» JT. IV. FürdteEhe-Leuth. of\Or dem Ehestand / war Jdda ein > •S/ vnstrciffliche Iungfraw; In dem ^ Ehestand ein vntadlichcEbe- Fraw; ! Nach dem Ehestand ein Apostolische Wittib. Sie hat mit dem Grasten «h< rem Ehe-Herren in gutem Friedcn/Liebe , vnd Verträwlichkeit gelebt/ biß der i Eyffer. Geist deß Grasten Hertz/ vnd der vnkrewe Kämmerling seine Ohren hat eingenommen/rc. Der Ehestand ist ein Heiliget-Stand/vnd vielen ein Mittel zur ewigen Seeligkeit. Man soll darein tretten mit reiftem Rath vnd Vorwis. f sen der Eltern / mit guter Meynung /vnd zuvorderist mit Anruffung GOTTes/ ohne dessen Gnad vnd Seegen kein Gott- i wohlgefällige / heilige/ ruhige/ vnd erfrew- liche Ehe mag getroffen werden. Das Ehe- Lehr-Puncten. m Ehliche Versprechen soll mit Christlicher Manier/ vor vnd bey ehrlichen Leuchen/ -vnd nicht etwan in einem Winckel/ rc. geschehen. Ehe daß man vor der Christ« lichen Gememd von dem ordentlichen Priester in offner Kirchen zusammen geben vnd eingesegnet worden ist / sollen sich die angehende Eheleuth also züchtig/ fromb vnd Gsttsförchtig verhalten/daß sie dardurch den Seegen GOttes im Ehestand verdienen/ vnd daß es ihnen bey den Leuchen ein Ehr / vnd Fremd bringe. Rechte wahre Christliche Eheleuth sollen mit Gedult -einander helffen die Bürdetragen/einander lieben / vor. vnd nachgeben/ Sauxs vnd Süsses mit Willen von der Hand GOttes annehmen. Sie sollen nicht allein dem Zeitlichen/ sondern vielmehr der Seelen nach/ für« schlagen. Sie müssen fleiffig sehen/ daß sie vest halten / was sie vor G Ott vnd dem Priester / bey dem Heil. Altar / am Tag ihrer Hochzeit einander in die Hand so krewlich versprochen haben / nemblich/ F daß m Schöne vnd nußkiche daß der Mann seiner lieben Haußfrawm < vorsiehe; sie ernähre vnd verwahre wie ! sein eigen Leib; daß er ihren Ehliche !! Trrw pnd Glauben halte/ vnd sie liebe wie Christus sein Heilige Kirch liebt» * Hingegen / daß das Weib ihrem Mann mit Ehticher Trew/ Glauben vnd Liebe vnterthänig seye / daß sie ihme Gehör, samme/ Ehr vnd Hülff erzeige/ re. Wann dir Ehe. Leuth sich also verhalten/ so seynd z sie in einem Heiligen vnd rühwigm Stand / vnd was ihnen für Beschwernuß fürfallt / so leyden sie es leichter/ ] dann die Liebe übertragt alles. Diese Ehe »Leuth können sich wohl getrosten/ ‘ daß sie den Seegen GÖtles hie vnd dort ' x haben werden. ' r Aber wann bey Ehe-§euthen kein -'l Verträwliakeit ist; wann eines von dem ! anderen ein bösen Argwohn oder Eiffer » fasset; wann sie den Lugen - Mäulern vnd , , Sa waberen Statt vnd Platz geben; j wann sie kein Lust vnd Liebe gegen einan, ^ ! der tragen / sondern ibre Augen vnd Hertz • auff andere setzen; wann sie ihnen selbst > ij ein« t &lMrgffitttcKt1> rrz \ einbilden/ sie heitren mit dem oder dieser ein befferen Schick treffen können ; wann sie hiemit Tag vnd Nacht in Zanck/ Hader vnd Widerwillen leben / einander ' verfluchen, -vnd was vngeraths in dem Hauß furgehet / in andere Leuch vnfür- sichriglich stoffen. Wann der Mann ver« khümsch ist / Weib vnd Kind übel hält/ ! vnd laßis am Hunger-Tuch saugen ; ! Wann er sich in Regierung deß Hauß. Wesens wie ein Tyrann ) vnd nicht wie ein bescheydenlicher vnd gütiger Hauß« Vatter verhaltet; Wann Hinwider das Weib rebellisch/ rmrrrisch/vnd zanckisch isi / vnd sich dem Mann / auch in recht- , massiger vnd billiger Anordnung deß Hauß. Wesens- halßstarrig widersetzt/rc. , Solche Ehe - Leuth haben von G Ott kein Sergen noch Glück; Sie wer. * den den Nachkamen zum Gespött: ! Sie tragen deß Teuffels Creutz; Sie zie- l hen hie den Karren vnd dort den Wagen; , (wie im Sprichwort ) Sie dachen hie« mir ihnen stM ( vnd villeicht auch ihren > Kinderm wegen der Acrgernuß / die sie 8 r ihnen t i24 Schönem!) mißliche ihnen geben ) mit bitterem LebeneinHöL' Fladen. O vnseelige Leuth! die Lieb- ist d»e höchste Tugend/ v nd was wider die Liebe geschieht/ ist an ihm ftlbstdie gröste Sund ; weil sie dann die Heil. Liebe mt haben / so seynd vnd stellen sie vor GQtt nichts. Darumb soll ihm ein sedwederes Ehe- Mensch sein ewiges Heyl wohl angelegen seyn laßen. Siehet es / daß der ander Theil irret/ so ermähne es ihn mit gute« Worten; wann es aber sthrt/ daß es weder mit Bitten noch Betten nichts ausrichtet/ sondern daß der ander Theil in seinem elenden vnfriedlichen oder verthu« Nischen Wesen halßstarrig verharret/ da soll es aus der Noth ein Tugend machen/ schweigen / vnd die Sach dem lieben GOtt befchlen. Es soll gedencken/daß es nichts nutze/ wann es aus einem Schaden zween machen wurde / welches geschähe ) wann es mit vnfruchtbahren vergeblichen Worten den anderen Theil zum Fluchen vnd Schwöhren/ sich aber zu gleichem / oder doch _Lehr-Puncten. 125 doch zur Vngedult verursachen thäte. Hiemik schweige es/vnd gedencke: Kön- ne es auff dieser Welt kein Ruhe/Frewd/ noch zeitlich Haab vnö Guth haben / so wolle es doch sehen/daß es durch die Heil.' Gedult die ewige Ruhe vnd Fremd erlangen möge. Es soll auch dem Gegentheil von Hertzen verzechen / vnd für ihne GOlt bitten/ damit er ihme ein besseren Geist geben wolle. Mit dieser Weiß wurde manche Ehe-Fraw ihren vnarti- gen Mann zum bessern bringen f da sie sonst mit ihren hitzigen Worten vnd ver- gebnem Widerbellen / die Cron der Ge« oult verliehet; das Fewr deß Zorns / Zan- ckms / Fluchens vnd Schwöhrens nur anzündet/ vnd ihren selbst viel Sünden/ vnd ein schweres Vrtheik aüff den Halß ladet. Es sollen Christliche Ehe»Leuth auch mercken/daß sie nicht allein einander lieben vnd beybringen müssen / so lang sie jung/ reich / schön vnd gesund feynd/sondern auch/ja vielmehr/wann sie alt/ armb/ vngestalc/kranck vnd verdrießlich worden F 3 seynd; 1 16 Schöne vnvnußkiche ftynd ; dann die rechte Liebe solle sich zum Kleisten sehen lasten / wo die Noch am grösten ist. Vnd das soll ein jeder Christen-mensch wissen/ daß derjenige/welcher den Neben- Menschen nur liebet wegen schöner Leibs- Gestalt/ Reichthumb/ oder Holdseelig, keit/re. daß dieser nicht die rechte wahre Göttliche / sondern nur ein natürliche/ sinnliche/oder vielleicht gar ein fleischliche Liebe habe. Die heilige vnd wahre Lied sihet nicht an die Gaaben der Natur/ sondern daß wir nach dem Ebenbild Gottes erschaffen / der ewigen Seeligkeit fähig/ vnd Mir-Erben Christi seyn mögen. Jf. V. Für alle Betrübte. /ILRoste Bettübnuß / Kummer vnd Angst deß Hertzrns/ hat ausgestanden vnsere Heil. Jdda / wie gehört / aber alles mit heroischer Gedult. Es ist an einem Menschen kaum ein tröstlichers seichen der Gnaden. Wahl/ oder daß er Mtf Lehr - Puncten. iu eines aus den außerwählten Kinderen GOlkes feye/ als wann er Trübsal vnd Creutz auff dieser Welt mit Christlicher Gedult leyden kan; dann Gott züchki« get das Kind das er auffnimbt. Welcher in der anderen Welt lachen will/ der muß hie wainen / vnd welcher in die ewige Frewd eingehen will / der nehme ftin Creutz auff sich vnd folge Christo nach. Kein anderer Weeg ist nicht in Himmel. Der liebe GOtt hat allerley Creutz/ eusserliche vnd innerliche/kleine vnd grosse/ durch welche er die Seinige vor Sünden behütet vnd raimget / von der Welt vnd ihren Frewden abstehet / wie das Gold probiert / vnd der ewigen Frewd fähig machet. Einem gibt er dieses/dem anderen legt er jenes auff / einem jeden nachdem er sihet / daß eS ikm nutz vnd erträglich ist. Vnd soll sich ein jeder Christ wohl hüten/ daß er Gott in diesem Fall nicht wölle fürschreibm / was für ein Creutz er ihme geben oder abnehmen solle. Viel weniger soll er sich Magen/ F 4 daß n 8 Schöne vnd nützl iche daß er mehr zu leyden habe / als recht oder' erträglich seye. Es soll ein jeder von der . Mütterlichen Hand GOttes mit gutem ^ Willen vnd Kindlicher Resignation annehmen / was/ vnd wie viel er ihme zuge- | schicket. Es soll auch ein jeder vestiglich !' glauben vnd wissen / daß keinem Menschen nie kein Creutz oder Vnfall zukomme/ ohne Wissen / Willen / oder Ver- hängnuß GOttes / weil auch so gar kein 5 i Heiklem ab vnftren Häuptercn / kein Läublem ab dem Baum fallt ohne den Willen deß HimMekischen Vatters« [ Die Heilige Jdda ist zwar von ihrem [;• Ehe, Herrn / aus Anlaß deß verlohrnen/ I vnd wiederümb gefundenen Gemahl- [ Rings ab dem Schloß gestürtzt worden; k Aber sie hat diese schwere Heimbsuchung l' nicht als von dem Vnglück oder von i dem Grossen / sondern als von GOtt ! selbst ihren zugesandt / mit willigem Ge- ! müth angenommen. Wäre sie in Ehr [ vnd Fremden sitzen blieben / vnd hätte sie' I aus dem bitteren Kelch der Trübsal rtts Kl 1 getruncken / so wäre sie nicht ein so 1 grosse Lehr-Puncten. n# grosse Heiligin vnd Freundin GOtLeS worden. Der Knecht ist nicht über den Meister; hat dann vnser liebster HErr JEsus sein Lebenlang von Freunden vnd Feinden so viel/ja den bittersten Todt leyden wollen/ vnd also in sein Glory eingehen/warumb wölken wir vns träumen lassen / daß wir chneCreutz vnd Verfolgung in die ewige Frewd gelangen werden? Wer sich kan in daS Creutz schicken/ der kan sich in den Himmel schicken / wer aber nicht leyden will was /wann /wie viel/wie lang / vnd von welchem GOtt will/ der ist deß Himmels nicht werth. Welcher nichts zu leyden hat/ der kämpffct nicht; welcher Nicht kcimpfft / der kan nicht obsigen; welcher nicht sieget / der wird nicht ge, krönet. Es müssen alle leyden / einer wenig der ander viel. Etliche leyden viel / vnd verdienen damit die Höll / weil sie vnge- dultig vnd mürrisch sevnd / vnd sie tret* gen deß Teuffels Creutz hie vnd dort/, wie der Schacher an der linckcn Senken F s Christi. ijo Schöne vnd nützliche Christi. Andere aber leydm auch' viel/ vnd verdienen dardurch den Himmel/ weil sie sich willig vnd gehorsamblich darein ergeben / vnd alles zu grösserer Ehr GOtteS stillschweigend gedulten. Weil es dann muß gelitten ftyn / vnd weder Gute noch Böse dem Creutz entgehen mögen / so sollen vnd wollen wir vn- strer Natur Gewalt anthun / vns demü-- chigen vnter der mächtigem Hand Gottes/ schweigen / vergessen-/ vnd in An» fthunq der vnaussprechlichen Belohnung/ m Widerwärtigkeit / Verachtung/ Ver-- leümbdung/ vnd anderen Beschwernus, sen/ biß zu der Gott - gefälligen Stund Gedult ttagm / damit wir das schöne Ebren. Kräntzlein erlangen mögen. Ein gutes Gewinn mag viel leydm; aber wann der Mensch nicht in den Gnaden GOtkes ist / da ist kern Wunder/wann er schon vngedultig / vnleydig/ kleinmü- thig vnd mürrisch ist. Die Christliche Gedult wächßk nicht m allen Gärten/ sie ist ein sonderbahre grosse Gnad Gottes/ welche er allein ftinm Freunden ertheilt/ _Lehr- Puncten. rzr ertheilt / vnd weiche eines guten Wil« ienS ftynd. Em Mensch der viel Creutz vnd Ve« trübnuß hat i soll folgende Puncten er« wegen: i. Das Creutz / welches du key- best / kombt dir von GOtk / wie oben gesagt } dann er weißt es / vnd er hat eS aus grosser Liebe gegen dir/ihme zugröO- rer Ehr also verhängt, z. GOlt will dir genügsame Gnad vnd Stärcke geben/ vnd dir helffen / daß du das auffcrlegte Creutz mit Gedult vnd Verdienst wirst tragen können. Dein Bekrübnuß fchadtt dir gegen GOTT nicht allein nichts / sondern sie ist dir zu der ewigen Seeligkeik gar befurderkich / wann da i dich nur recht darein schickest. Damit du aber wissen mögest/wie du dich in Deiner Trübsal verhalten sollest / so must du bißweilen bey erfahrnen Beichtvät« , tern / oder sonst Lehr * reichen Leuthen | Rath suchen. 4. Es wird ein Stund« lein kommen (welches GOtt von Ewig« keit hero bestimbt) in welchem alles Creutz einEnd/dieewige Fremd ab» ein Anfang rzr Schöre vnd nützliche fang nehmen wird. O was für ein vn, aussprechliche Frcwd wirst du alsdann haben/ wann du jetzund gedultig bist; hergegen aber wie wurde es dich so sehr' vnd bitterlich rewen / wann du durch Vngedult ein so schönes Kmntzlein ver- liehren wurdest. Siehe/ wie GOtt die' grosse Trübsal der Heil. Jddci so wunder, bahrlich gewendet/vnd derselben nach stf vielen Jahren ein so herrlichen vnd tröstlichen Ausgang gemacht hat. Also wird GOtt deinem Creutz auch ein ersrewli, ches End geben / wann du nur mit Ge- dult deß Zeitleins erwarten magst / vnd solte es erst in deinem Todt geschehen / so ist es noch frühe genug ; Siehe wohl zu / daß du deiner Trübseeligkeit nicht begehrest ledig zu werden / ehe daß es GOtt will. Es seynd Leuth/ die/ wann sie aus GOttes Vcrhangnuß ctwan in ein Vasall / schwere Kranckheit / oder sonst in ein grosses Creutz gerathen/sehr klein- mükhig vnd Kummerhafft werden / vnd gedencken bey ihnen selbst mir grosser Angst/ Lehr - Puncten. i;z Angst /wo sie doch GOtr so höchlich erzürnt haben / daß sie so viel leyden müs. fen. Diesen sag ich erstlich : Der liebe GOtt laßt manchesmaht ein Menschen in Creutz vnd Leyden kommen / ohne eine sonderbahre Schuld / aus lauter Liebe. Also hat die außerwählte Mutter Chri- sti / vnd allerheiligste Jungfraw Maria/ schier durch ihr gantz Heilig Leben/ aber insonderheit in der grausamen Marter vnd Todt ihres einigen Sohns JEsu/ viel vnd vnaussprechliche Schmertzen/ * Angst / vnd Trübsal gelitten / ( frewe dich wann du würdig bist / daß du mit > ihren vnter dem Creutz stehen kanst/) ! also hat auch der Heilige vnd vnschul- dige Vorläuffer Christi Johannes; der - Heilige Job / Tobias/ Joseph/ vnd schier ' alle fromme Gott- gefällige Hertzen grosse ig Trübsal ausgestanden. Vnd diese Gnad jl erweiset GOtt vast allen seinen lieben jj Freunden/ daß sie vmd seiner Liebe willen viel zu leyden haben/ damit ihr Cron desto grösser / vnd sie dem Sohn Gottes desto gleichförmiger werden ; wie dann auch i54 Schöne vnd nützliche auch an der festigen Jdda zu sehen; vnd also hat vielleicht dich der liebe Gott mit dem odligenden Creutz / nicht aus Zorn / sondern aus Väterlicher Liebe auch heimbgesucht. Zum anderen : Es ist nicht ohne / daß GOkt manchmahl dem Menschen ein Vnglück / Kranck- heit l oder andere Betrübnuß zuschickt/ wegen deren Sünden/ die er in der In, gend / oder sonsten durch sein Leben begangen hat. Mann dir dergleichen geschieht / so sollest du dich vielmehr er- ftewen als trawren/ oder kleinmüthig werden; dann wann Gort hie strafft/so ist es ein tröstliches Zeichen/er wolle in der anderen Welt verschonen. Ich zweiffle nicht/du werdest müssen bekennen/ daß du dein Lebtag viel gestmdigek / vnd dardurch d«e Höll verdient hast. Ja es seynd vermuthlich viel in der ewigen Verdambnuß / welche nicht so viel ge- sündiget haben als du / dannoch hat dir GOkt seither verschonet/vnd hat dir die ewige Straff in diese Trübsal verändert, Ist biß nicht em grosse Gnad? So leyde Lehr- Puncten. 13? sie gern/ vnd dancke dem gütigen GOtt/ daß er es so gut mit dir vermeint; Wehe demjenigen / welcher seiner Sünden ha!, der hie nicht gestrafft wird. Hiemit ist Creutz vnd Trübsal ein Trost / sie wer« den gleich von GOtt zugeschickt wegen der Sund oder nicht. Wann ein Mensch sein Trübsal /welche ihm gegen GOtt nutz ist/ mit einem Vatter Unser köndte abwenden / so feste er es nicht thun. Es soll auch kein Mensch in Betrübnuß vnordentlicher Weiß Trost suchen / sondern er soll alles dem lieben GOtt Heimbsetzen/ vnd mit dem geangstigten HErren JESU im Garten sagen: Vatter ist es möglich/ so gange dieser bittere Kelch von mir/aber es soll nicht geschehen was ich will / sondern was vnd wie du wilt. Wann Gott dir in der Trübsal etwan ein Trost schi. cket/ so dancke ihme / schickt er keinen/so gehab dich wohl/dann er dir dein Frewd in den Himmel spahrek; da dann du in der guten Ewigkeit alles Leyds Unaussprechlich wirst ergetzt werden/ wgnn du iz6 Schöne vnd nützliche dich dessen je durch die Gedultvnd reines' Gewissen fähig machet /. VI. Für bk/welche ton dem Trüffel schwerlich angefochten werden. Eil die vermaleöeyte f abtrünnige' böst Geister wissen / daß wir Menschen aus GOttes Gütigkcit besitzen sollen die Stellen / aus welchen sie wegen ihrer Hoffarr ftynd verstosten worden/ so tragen sie ein vnauffhörlichen Neyd vnd Haß wider vns / vnd darumb laujstn sie herumb wie brüllende Löwen / damit sie öns an der ewigen Seeligkeit verbinde, ren / vnd mit sich in die ewige Verdamb- nuß stürtzen mögen. Sie verschohnen niemand / wie heilig er auch ist ; ja so gar hat sich der vnverschambte Sathan vnterjianden/den Sohn GOttes zu versuchen. Also hat er auch die Gotkfteiige Gräffin Jddam mit sonderen argen Listen / innerlich vnd äusserlich manches, mahl _ Lehr-Puncten. H7 mahl hart angefochten / wie ihr Legend bezeugt; aber mit Gottes Gnad hat sie ihn ritterlich überwunden. » Welche dann von den bösen Geisteren innerlich durch böse vnreme/neydige/klkiw mükhige/ oder auch Goktslasterliche Ge- dancken/ böse Begierden / Einbildung/ rc. versucht / oder aber äusserlich durch Gespenst/ Schröckungen/ oder auff wascrley Weiß geplagt werden / die sollen für ihren Trost vnd Nachricht folgende Puncten wissen: . Erstlich» Der Schalckhaffte Trüffel sieht die Seittige eintweders gar nicht/ öder nur fchlechtlich an / dann er muß vmb vnd wider sie nicht streikten / weil sie sonst thun was er will. Aber diejenige/ welche nicht auff seiner Seiten seynd/ vnd welche er sihet / daß sie ihm entgehen werden / die stchtet er an mit allen Kräff ' ken ; Ist hicmit ein gutes vnd köstliches Seichen / wann ein Mensch angefochten wird. 2. Der böse Geist darff vnd kan den Menschen weder innerlich noch äusserlich/nicht mehrers anfechten/ als GOtt 1) 8 Sch öne vnd nützliche Gott ihM zulaßt. Darneben ist gewiß/nach Zeugnuß deß Heil. Pauli/ daß der liebe rmd getrewe GOtt kein lasse mehrcrs angefochten werden/ als er mit GOtteS Gnad ausstehen vnd überwinden kan. Vnd wo grosse Anfechtungen seynd/ da gibt POtt auch grosse Gnad vnd Stärcke/ vnd nach dem Sieg ein grosse Cron. 4. Wie wüst/abscheiÄich/ vnd verdrießlich die Anfechtungen immer seynd / so schaden fte doch dem Menschen ; nicht/ so lang er streitet vnd kein Ge« - fallen öarab Hat/ /a sie verursachen/daß der Mensch GOtt desto angenehmer ist) gleichwie ein Soldat dem König viel ■ lieber ist der da viel streutet/als welcher i, in der Ruhe ist. Durch dergleichen I wüste Anfechtungen / wird der Mensch ! in der Demuth erhalten / vnd wird ge, , rainigct von Sünden/gleichwie ein Ge« ' schirr mit Aschen / Kohlen/ Sand/rc» ! gefaget / nicht wüst/ sondern nur sauber I wird. s. Aus eignen Krafften kan der I Mensch kein Anfechtung nicht überwinden / aber mit der Gnad GOttes kau _Lehr-Puncten. rz- er alle überwinden. Sonst soll em an- gefochtner Mensch in Ansehung seiner Schwachheit/ sich von Hrrtzen demüthigen (vnV diß ist das stcirckste Mittel/ den Hoffärtigcn Teuffel zu überwinden/) vnd darneben ein steiffes vngezweiffletes Vertrawen auff Gott fetzm/welcher ihm gewißlich helffen wird. Er soll in währender Anfechtung bey erfahrnen Seel- sorgerm gern Rath suchen / die Anfechtungen dem Bcichtvatter offenbahren/vnd manchsmal mit grojsirAufmercksame vnd ' herhlichen Seuffzeren das Heilige Vatter vnser sprechm/ insonderheit jene Wort: Vnd führe vno nicht in Versuchung/ sondern erlöse vnö von dem Ubel/rc. Vnterfchiedliche Anfechtungen erfor, deren vnrerschiedliche Artznepen; Etliche werden in ihren Anfechtungen wunderlich beholffen vnd gestarckt/durch Betrachtung/ oder auch einfältiges An- gedencken deß bitteren Leydens Christi/ durch sein Angst im Garten; durch fein grau- ho Schöne vnv nttßliche grausambe Gaißlung; Schmertzhaffte Crönung ; bittern Todt/rc. durch vnd in seinen funff Trojireichcn Wunden« Jedoch vnter allen Waffen deß Leydens Christi/ ist kaum eins/ welches in den An, fechtungen nützlicher vnd bewährter sey/ als derTitrul deß Creutzes Christi. Von diesem schreibt Adam Waßaffer/ in dem Leben Christi/ im 7s. Cap. num. 6. am Rand also: Ein andächtiger Christ soll diesen Tittul wider alle Anfechtung deß Teuffels im Hertzm vnd Mund stets bey ihm tragen ; dann wie einer andächti, gen Persohn offenbahref ist worden / erschrickt der Teuffel ab keinen Waffen deß Leydens Christi so sehr/als ab disem Sieg. Tittul. Also Wallaffer. Wann du derhalben sehr angefochten bist / so sprich mit Ernst folgendes Gebektleüi. sEsus von Nazareth/ ein König der Juden. Dieser stghaffte Tiktul bewahre mich vor allen Sünden/inlon, derheit Lehr-- Puncten. 141 Herheit aber vor aller N. N. O Heilt« ger GOrc / O starcker GOtt / O vn« sterblicher GOtt Vatter/* Sohn/* vnd Heiliger Geist/* erbarme dich mei, ner/ vnd bewahre mich vor allem Übel/ Amen. Andere lausten in ihren schweren Streikten zu der Trösterin der Betrüb« ten / zu der aufierwählten Iungfraw lind Mutter GOttes MARIA. Sie nehmen den Rostnkrantz in die Hand; sie hencken ihn (insonderheit nächtlicher Weil) mit Anbackt an den Halß; sie betten das Salve Regina / oder andere Gebett / vnd befinden sich dardurch ge. stcirckt. Etliche trösten vnd stärkten sich selber mit Betrachtung der ewigen Fremd / welche den Obsigeren verspro« chen ist t oder aber mit Erwegung der Höllischen Tormenten vnd ewiger Peyn/ in welche werden gestürtzt werden / alle die sich von dem vnreinen Teuffel über- Winden lassen. Endlich verspühren etliche »4* Schöne vnd nützliche etliche in ihren Versuchungen ein wunderliche Ringerung / wann sie den Hof. sättigen vnflatigen Trüffel mit heroischem /auch GOtt gekündetem Gemüth verachten/ gewaltig ausfiltzen / ausspotten/ vnd mit wohlverdienten Schmach- Worten wiederumb in die Höll ver- weissen ; Dessen findest du ein Beyspiel in dem güldenen Büchlein von der Nach- folg Christi im h Buch im 6. Capitel/ da du gelehrt wirst/ den Versucher also abzufertigen : Gehe hin du vnreiner Geist / schäme dich du Vnseeliger. Gar vnflätig bist du / der du solche vnraine Ding in meine Ohren trägst. Troll dich von mir du böser Betrüger/ du solt kein Theil an mir haben / sondern Christus wird bey mir seyn/wie ein starcker Streit- ter / vnd du wirst mit Schanden beste, hen. Ich will lieber fterben / vnd alle Marter leyden / dann dir folgen. Schweig/ werde stumm / ich will dich N'cht mebr hören / du fechtest mich an so lang du wöllest/rc. Biß bichergemeldtes Büchlein. C6 wird nicht schaden/ _ sondern viel nutzen/wann du den verdrieß, lichen vermaledeytkn Plag»Teuffel auch Mit dergleichen Worten zu Zeiten aus« hottest, wann er dir vnraine/oder sonst böse Sachen einblastt. Bist du derselb schön Engel/ derftlb großmächtig Him« mels«Fürst/ welcher in dem Paradeyß GOttcs in solcher Ehr vnd Glory ge« festen bist ? Ey woher hast da gelchr- nee / mit dergleichen stinckendem Koth vmbzugehen / vnd darzu auch Ehren« liebende Hertzen darmit zu beunruhigen ? Psiiy dich / vnd schäme dich in alle Ewigkeit du Ehrvergeßner Seelen - Dieb/ du stinckender Bock ; Troll dich mit deinem Lotterbübischen Eingeben/ vnd Höllischen Anschlägen in die vnttrsto Höll binab. Dorr erlustige dich < wann du banst) du garstige Saw/ du GOtt« vergeßner Vnflath; GOtt hat mir geben ein zierliche Seel; ein Ebren-liebe, des Hertz/ du solt kein Tbeii darem haben/ das Höllische Fewr gehöre dir/ rc. Ö IEsu komb mir zu Hülst. Also jag ich/ mit dergleichen Ehren« Tiltlen mag der ; host i i 4 4 Schöne vnd mißliche höffam'ge Teuffel manchesmal mit Frucht . abgewiesen werden. Erzehlte Geistliche Mittel feynd zwar gut/ dannoch nehmen sie die Versuchung gemeiniglich nicht gantzlich hinweg / son- dern sie miltern dieselbe/ siärcken das Hertz / vnd schwachen deß Teuffcls Gewalt. Es soll keiner kleinmüchig werden/ l wann die Versuchung hafftig ist/ vnd v lange Zeit wahret; dann auch das \ .außerwchlte Geschirr der Gottiichm ; Gnaden / der Heilige Apostel Paulus/ ! döse Anfechtung har leydcn müssen / vnd das lange Zeit; vnd ob er gleichwohl dreymahl ernstlich vnd innständig gebet« l ten / daß GOkt ihne von denselben er« ledige/ so ist er dannoch nicht erhört wor« den / weil es ihm be>sir wäre daß er streit- te/ als daß er in der Ruhe wäre. Also mein ; Christ / wann die Anfechtungen nach öffrerem Warnen / Wallfahrten/ Bitten vnd Betten nicht nachlassen/ sollest wohl getrost seyn/ vnd für gewiß hallen / daß es dir also gegen Gott besser ist. Der Hei« ligen Zdda ist erst in ihrem Alter von den Nach« _ Lehr - Puncten. u s • Nachstellungen deß Teuffels völlig be» frepet/ vnd durch die soNderbahre Gnad GOktcs in ein rühwigen Stand gesetzt worden. Siehe wohl / aus was Anlaß du versucht werdest 7 vnd fliehe die Gelegenheit / sonst möchte es gar bald geschehen / daß du in ein Gruben fielest/ aus . welcher du dich schwerlich / oder vielleicht gar nicht mehr schwingen wurdest. Von ! weiteren Miltlen vnd Geistlichen Artz« ! neyen will ich nicht melden / diese mögen ! gnug seyn / den Einfältigen zum Trost vnd Nachricht; will du mehrer/so kanst du ste von deinem Beichtvatter erlehrnen. l Bitt GOtt / daß dein Streikten ein er- frewlichen Ausgang gewinne. ! f. VII. Für alle/welchen ihr ewige Seeligkeit ernstlich angelegen ist. eTxIe Heil. Jdda/ nachdem sie angefan« gen GOtt mit Ernst vnd alleinig zu dienen/ da hat ste sich weder durch i!ieb. G kostn/ i46 Schöne vnd nützliche kostn/ noch durch Widerwärtigkeit vO Versuchung darvon abwenden lassen/ sondern sie ist in ihrem Heil. Fürnehmen beständig verharret biß zu einem stetigen End. Leicht ist es / etwas Guts anfan- gen / aber daünn biß zu einem steligen End verharren / ist ein grosse vndson- derbahre Gnad Gottes. Darumb muß ein jeder Mensch / welchem sein ewige Seeligkeit ernstlich angelegen ist / mit grossem Eiffer den lieben GQll bitten/ daß Er ihn« gnädig wolle gebenErstlich/ein heiliges Liecht/ durch welches er möge erkennen alle seine Sünden vnd Fehler / welche ihne an GOtt verhinderen möchten / vnd daß er dieselbige durch ein wahre Rew/ vnd Dssechertzige demüthige Beicht ablegen/ vnd also ein reines/stilles vnd rühwiges Gewissen Haben möge. Zum andern / soll er bitten vmb Gnad deß Heil. Geists / damit er könne erken« tun / wie er sein Leben anstellen solle/ damit er also durch ein guten / vnd.von GOttihme verordneten Lebenö-Stand/ GOttin der Wahrheit dienen/ ihne be- ständig _ Pufferen. 147 ständig suchen / vnd endlich glücklich'finden könne. Zum dritten/ muß -er bitten/ daß GOtt ihme gebe ein frewdigen Geist vnd Himmlische Stärcke / damit er von ftinem GOtt- gefälligen guten Fürsatz vnd Eiffer/ von keiner Creatur abgezogen werde ; dann so bald der Mensch sich endlich entschleußt / daß er GÖtt mit Ernst dienen wolle / da.ist der ney, dige Trüffel gleich da / vnd vnterstehtt sich/ allerhand Hindernuß/ Verdruß/ ! Schwermütbigkeir / vnd andere Angelegenheiten einzustrewen / damit er den Menschen von dem guten Fürsatz abhalte ; dann es stehet geschrieben/ Eccl. 2» > Mein Kind/ wiit du in Gottes Dienst trrtten / so stehe in der Gerechtigkeit vnd Forcht/vnd rüste dein Seel zur Anfech« \ tung. Zum vierdten/ muß er sich vor- * aus vnd voran der' wahren gründlichen >' Demuth be-fleiffcn/dann.sie ist der Grund, stein eines recht ftominen Lebens/ vnd wo Demuth nicht ist / da stehet deß ; Menschen Heyl mißlich; Die Demuth aber erfordertt/daß der Mensch m Wor. G 2 ten 143 Schöne vnd nü tz liche ten nicht Ruhmsichtig/ noch in Kleyderen/ Sitten ik. hoffärtig sepe / daß er sein j eigen Elend / grosse Sünden/ Gebrech- ^ liqkeit/ vnd gefährliches Wesen/ gegen der Ewigkeit / wahrhassrig erkenne. Daß ; er sich gern weifen vnd lehren lasse / sonst möchte er betrogen werden ; dann es ist ein Weeg/ welcher den Menschen recht gedunckt i aber sein Ausgang führt zum Todt ( sagt der Heilige Geist kroverb. i6.) Wetters lehrt die wahre Demuth/ daß der Mensch alles Übel / welches er an ihm hat/ ihme selbst /das Guet aber GOtk allein zuschreibe / daß er den geringsten Menschen nicht verachte / oder mit Hertzen oder Worten urtheile; dann er soll gedencken / wann ein anderer so viel Gnaden von GOtt empfangen hätte wie er / so wurde derftlbe viel frömmer leben als er thuet. Viel anders mehr * wird ihn die wahre Demuth lehren. Zum ' fünssren/soll er manchesmahl an fern let« stes End gedencken / vnd dasselb ihme - ernstlich angelegen seyn lassen. Darnit er aber ein seeliges End haben möge/wird erfor. _ Lehr - Puncten. -14 9 erfordert/ daß er allzeit wachtbahr/ das ist/ in den Gnaden Gottes erfunden wer« de; vnd so er etwan aus Schwachheit gefallen wäre / daß er doch in der Sund , nicht lang verharre/ sondern sich ehistens i mit GOtt wiederum!» durch wahre Rew Vnd Leyd versöhne: ( Es solle kein > Mensch ohne vorgehende Rew vnd Leyd j schlaffen gehen.) Zum sechsten/ muß er ! den lieben GOtt offrermahl bitten vmk» ! die Tugend / der Perseverantz oder end, I lichen Bcharrligkeit / weil ohne diese alle i andere Tugenden vnd gute Merck nichts nutzen. Zu diesem End wird auch tauglich seyn folgendes kurtzes Gebettleiti. JESV mein höchster Trost / ich ♦ ^ bitte dich durch jene heilige Mört- kein / welche du am Stammen deß Heil. CreützeS gesprochen hast : Es ist alles vollendet; Gib mir Gnad / damit ich ' dir von Hertzeu dienen / vnd endlich mein Leben in deiner Gnad wohl enden könne/ Amen. D Z Es fro Schöne vndnuO'che Es möchten noch viel mehrere Lehr- Puncten aus dem Leben der Heil. Jdda beygebracht werden/ als wie man nach ihrem Heiligen Exempel die Keuschheit im ledigen/ Eh-vnd Wittmn- Stand fleisslg halten; die Kirchen vnd heilige Oeriher andächtig besuchen; dem Gebett vnd heiligen Betrachtungen mit Ernst abwarten ; die Einsambkeit lieben solte/vnd anders mehr; aber ich muß es vnterlassm/ weil es ein absonderliches Tractäklem erfordem wurde. Der guthertzige vnd verständige Leser/ wird für sich ftlbst auS Ablesüng vorgehender Histon/ dergleichen Lehren zu seinem Geistlichen Nutzen zu ziehen wissen. Was ich seithero beyge- sttzt/ hab ich den Einfältigen zuGütem- gethan. Der liebe GOtt wölke vnS durch die' Verdienst vnd heylwärtiges Leyden vm fers Erlösers JEsu Christi / vnd durch die Fürbitt seiner Iungfräwlichen Mutter Mariä / wie auch aller Außerwähtten/ msonderheit aber dieser Heiligen Gräffin l ? lehren. 7. Welche für die Verstorbne aus dieser Bruderschafft 5. Vatter vnftr k vnd Ave Maria betten. Don Bischr'fflichen Mlaß /fambt völligem Be« ! j| richt von dieser Bruderschafft, findet man in dem 1 «bftnderlichen Bruderschafft- Büchlein. .j Grbctt i Gebete 158 Gebett zu der Heil. Gräffln Idda- /StEye gegrüßt/ O Heilige vnd außer- ^ wählte Mutter St. Idda; du Trost. Spiegel aller betrübten Hertzen; du ttcwe Fürbikterin aller deren/ die mit Kindlichem Vertrawen zu dir kommen. Dich hat der liebe GOtt von Ewigkeit zn seiner sonderbahren Dienerin außer- wählet Er hat dich mir seiner Vätter- stehen Hand in deiner grausamen Ver« stürtzung vor dem Todt vnd allem SchcU den wunderbahrlich behütet. Er hat mit seinen Gnaden - Strahlen erleuchtet deine Seel/ vnd mit feiner Liebe hat Er entzündet dein Hertz ; darumb du die' Welt vnd alle ihre Kewden mitstarckem Gemüth vcrlassm/md dein Trost-Hoff» nung/ Liebe/vnd Begierd auf Gott allein gesetzt hast/vnd bist in deinem so wunder« strengen Leben / vnter so viel vnd grossen Versuchungen deß bösen Geists / in wahrer zwder Heil. Idda. 159 ter Gedult vnd Demuth beständig ver, harret / biß dich GON in sein ewiges Reich gnädig auffgenommm hat/ da du die Alierheiligste Dreysaltigkeit mit vn, aussprechlicher Süffigkeit klärlich vnd ewig anschawest. Derohalben O edle Patronin/ bitte ich dich durch die Liebe JEsu Christi/ deines ewigen Bräuti- gambs / erlange mir von ihme ein heiln ges Liecht/ vnd ein zerknirschtes demüthn ges Hertz / damit ich alle meine Sund möge erkennen/vnd durch ein wahre Büß ablegen. Erwirb mir Gnad/ daß ich nach deinem Heil. Exempel alles Creutz von der Hand GOttes mit willigem ge, dultigem Hertzen annehmen / vnd in dem Wahren Glauben / striffer Hoffnung / vnd heiliger Liebe biß in Mein leistcs End ver» harren könne/ damit ich nach diesem Zam, merthal mir dir vnd allen Außerwählten Gott in alle Ewigkeit ftölich anschawm/ loben / lieben/vnd preisten möge/ Amen. „ Gekttk/ I6ö Geb/tk zu der Grbett/ vmb Erleuchtung deß Gemüths. Gestellt über die zwölffLiechter/welche ein Hirsch der Heiligen GrDn Jdd« vor« -etragen^ (fS GOtt mein höchstes Gurt/ich bitte « dich durch alle Verdienst memeS | liebsten HErrn JEsu Christi/ vnd seiner außerwaktten Mutter Maria/ vnd durch > die Fürbilk deiner trewen Dienerin / der seeligen Jdda/ bewahre mein Hertz vor aller böser Verblendung / vnd verleyhk | meiner Seelen: I r. DaS Liecht deß wahren allein, seelig- K machenden Cacholischen Glaubens / vnd | gib mir Gnad/ daß ich dartnn biß in mein E End verharren könne. § 2. Gib mir ein Liecbt / zu erkennen I mein eigen Elend vnd diichtigkeit/ damit » ich allzeit Vemstthig seye. I z. Gib mir ein Liecht / zu erkennen I alle meine vielfältige Sund / auff daß ich _ Heil. Idda. re i ich dieselbe von Hertzen berewen vnd beichten könne. 4. Verleyhr mir ein Liecht / zu be, trachten dein strenge Gerechtigkeit/ damit ich dich allzeit förcht. f. Gib mir ein Liecht/ zu erkennen dein vnrNdliche Liebe gegen mir/auff daß ich dich hinwieder aus gantzem Hertzen liebe / vnd steiff «uff dich hoffe. 6. Verleyhe mir ein Liecht/zu erkennen alle Gutthaten / die du mir so vatterlich erwiesen hast / damit ich dir danckbahr ßye> 7. Gib mir ein Liecht / zu erkennen Keinen heiligen Willen von mir / aUff daß ich wissen möge / wie ich dir von Hermen dienen soll. 8. - Vcrleyhe mir ein Liecht/zu erkennen den Stand meiner Seelen / damit ich r nicht etwan vom Weeg der ewigen See» kigkeit irr' gehe. 9. Gib mir ein Liecht/zu erkennen die Nutzbarkeit der Trübsal / auff daß ich disetbe von deiner Hand willig annehmen/ Kndfo lang du wilt/gedullig lkpden möge. 10 , Der- 1 6 % Gebete zu der H. Iddä. ro. Verleyhe mir ein Lischt/ merken- . «en die Eyteikeit der zeitlichen Frewd/ Ehr/And Gütern/ damit ich mein Hertz nicht darauff setze. ii. Gib mir ein Liecht/zu erkennen die Süsslgkeit der ewigen Frewd / vnd die eufferste Bitterkeit der ewigen Peyn/ auff daß ich diese förcht vnd meyde/ jene aber mit allen Krafften suche, ir. Endlich bitt ich dich/ O mein hoch- i stes Guet/ erleuchte mein Seet nach mei« I nein Todt / mit dem Liecht der Glory/ [ durch welches ich dich klarlich anschawen/ I ewig besitzen / vnd Mit allen Außerwähl- t. ten ftölich loben vnd ewig lieben k möge/ Amen. [ Weil ich von vnterschiedlichen bin ersucht I worden / daß ich ihnen communieleren wolle/ I die Lectiones z. Noct. pro Festo S. Iddae, stz' I hab ich gedacht rathsamb zu seyn/ selbige hiehcr I zu setzen / damit sie einem jeden / der ihrer bc- I gierig/ an der Hand wären. - Es wird ein jeder | Z. oder 4. Lectiönes daraus zu machen wissen/ I «ach Erforschung seines Breviarij. iddA Isß'umc*. r6z ^ + DDÄ in Suevia ex Comitibus Kirchbergensibus oriunda, Henrico CömitiDog- kenburgi cüm nupsisset , lapsu temporis mundum muliebrem ad solem ,, editiori loco arcis Dogkenburgi, expoliiit. Inter quae etiam annulum, quem arrhae nomine Henricus Comes ei dederat. Corvus aurem annulum rostro cum sublegisset» & in subjectam arci vastem avolando nido intulisset ; venator Comitis crocitantes inter corvi ipsius pullos in siim- nia abieteannulum nactusdigito inseruit , quem eum in aula ambitiosius deinde circumferret, aemulorum animos concitaviteo usque, ut apud Comitem nefandae cum Domina consuetudinis insimularent, Uam ob rem ftirore percitus Comes calcitrosi equi caudae alligatum, per praecipitia, stipites, & saxa sisse- leßioner. i^4 infelicem servum diseerpsit. Et mox Iddam innocentem ac religiösem conjugem ex lumma arce ad ima, cubitis quadringentis , praecipitem egit, Sed Deus integram , & illaesam mirabistjei conservavit. D EO igitur servatori gratias Idda- humi fuse cum egisset, ejque se, ac hia Omnia prona devovisset manu, Ut licuit sua tuguriolum in solitudine praeparavit, radicibusque ac limpidis eremi fontibus vitam sustentavit. Demum vero post aliquot annos per venatorem alium, Divinitus, forte,detecta, & Comiti indicata ab eodem Comite ingenti lachrimarum vi, & gaudio de- nuo salutata^ conjugalem vitam, quantumvis Comes ipse rogitaret, JESU Christi amore prorsus relpuit, ac contempsit; Mutato tamen domicilio non procul abs Fisehingensibus Ccenobijs Deiparae Virginis fanum Coluit ; & summis vitae rigoribus complures annos senctisllme, dum exigerer, malignorum Ipirituum horrendas stepe insidias fortiter superavit. Jam Leftiones. l£L J Am verö cum Nocturnas etiam preces , ad jam dictum Coenobium Fi- ichingensc, frequentaret, cervus in cornibus duodecim luminaria praeferre assdlitus , eam quotidie , mille quasi passibus, duxit Se reduxit Senio autem .confecta cum sacrarjim Virginum alterum scilicet Coenobium Fischingae stiis- sct ingressa, semelque Ipiritualibus exer- citijs pervigil ipsa incumberet diabolus lumen ei extinxit. At illa protenso per fenestellam cereo, mortuum decoe- mecerio inclamavit, Se lumen peti/r. Ulicö adest mortuus, Se lumen,inquit, accipe ; Dogkenburgus sum genere. Dixitque, Se accenso cereo, requievit. Idda verö diebus suis omnibus sanctissime demum expletis , multis miraculis clara, die j, Novembris in coelum abijt, apud Divi Benedicti Monachos in coenobio laepe dicto Fischingensi sepuka ftur. FINIS. d-j» U '**^*W»M**, /***%. >*fe» * .*,->» ‘fc. ■' V s ^ 4 .. j \ \ ‘Sji*'- Jg- -SBSttLT--' RMkW . 5 : c,. l*$3**Z* MM HWM iWS* '<&***>*” m&z EELU