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Deutsches Lesebuch für Sekundarschulen / von H. Utzinger
Entstehung
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an sie. Es wurde kälter, und der Regen wurde zu Schnee. Immerstärker brauste der Wind, immer dichter wurde das Schneegestöber, undder Vater, obschon von Angst gequält, sprach den Seinen Mut zu.Nurrüstig!" sagte er,bald sind wir auf der Höhe, wo das Schutzhaus ist.(Miti mir das Kindlein, Mutter, du bist müde!"Ich kann nicht mehr,"sprach die Frau und setzte sich auf einen Stein : auch die Kinder jammertenund weinten. Da gab der Vater das Kindlein der Mutter wieder.Ichbringe diese vier in Sicherheit und komme eilig mit Hilfe aus dem Schutzhaus zurück zu dir. Der liebe Gott wird uns nicht verlassen."Sogeb' in Gottes Namen: aber komm' bald wieder," sprach die erschöpfteFrau und drückte ihr Kindlein an sich. Durch den rasenden Schneesturmeilte Wohltuend dahin, zwei Kinder tragend, während die größer» Knabenwacker vorwärts schritten. Obschon der Schnee ihnen bald bis an dieKnie reichte, gelangten sie doch nach unsäglichen Anstrengungen in dasSchutzhaus. Ohne sich auch nur einen Augenblick aufzuhalten, eilteWohltuend mit zwei Männern, Hirten, die im Schutzhaus ein Obdachgesucht hatten, wieder den Berg hinab.

Allein die drei Männer vermochten sich beinahe nicht durchzuarbeiten.Sie versanken oft bis an die Brust in den Schnee, kamen vorn Pfadeab, und Stunde um Stunde verging: es wurde dunkler und immerdunkler. Endlich glaubte Wohltuend die Stelle gesunden zu haben, woer die Frau mit dem Kindlein zurückgelassen : allein wo ist sie? Erruft umsonst, die Männer räumen mit den Schaufeln den Schnee tveg.Das ist nicht die Stelle. Sie sind irre gegangen. Sie suchen rings-umher: alles ist vergeblich. Nach langen, bangen Stunden und tröstlosein Wandern in der Irre kehren sie ins Schutzhaus zurück. WelcheNacht durchwachte da der arme Gatte und Vater! Am frühen Morgenbrachen die drei Männer tvieder auf, in höchster Besorgnis um das Schicksalder Verlorenen. Ach, die Angst war nur zu begründet!Die armeFrau ist gewiß mit dein Kindlein vorn Schnee zugedeckt worden undmuß wohl mit ihrem Liebling elendiglich umgekommen sein." Die Männerschaufelten und schaufelten, und endlich lag die Frau tot vor ihnen: abersiehe, in dem Tuch, das sie mit ihren Armen fest an die Brust gedrückthält, ist's lebendig, ein schwaches Wimmern läßt . sich hören das Kindlein lebt! Man schlägt das Tuch auseinander und findet das Knäbleinleise sich regend.

Aber was ist das, worein das Knäblein gehüllt ist? Es ist daswarme wollene Halstuch der guten Mutter und darunter ihr Unterkleid.