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daher zu spazieren. Und du tust mir alles Schlechte und Nieder-trächtige an. Bei der ersten Brücke hast du mich vor den Leutenzuschanden gemacht, bei der zweiten Brücke hast du mich gefoppt,nachher bist du halsstarrig gewesen wie ein Stier, endlich bist dumir gar mit Rock und Geld davongelaufen wie ein Schelm. Daßes solchergestalt mit unserer Freundschaft aus ist, wirst du einsehen.In diesem Augenblick — das Heu hast du gefressen — trittst dudeinen Dienst an. Wir haben noch ein gut Stück Weges, den wirstdu für uns beide machen. Wollen doch sehen, wer von uns beidenüber ist!
Und damit schwang ich mich auf den Rücken des Esels, daß erschier einknickte unter meiner Last.
Also vorwärts, Kreatur!
Was geschah? Der Esel hub sachte an auszuschreiten, ernstund ruhig trabte er mit mir davon. Auf das ergebenste ließ er sichleiten, zeigte sich sehr unterrichtet, schaute nicht nach rechts undlinks; er streckte seinen Kragen nach keinem Grasbüschel aus, erblieb nicht stehen, und er lief nicht, er trabte ernst und ruhig desWeges. Zu einem Tümpel kamen wir, den ein ausgetretener Mühl-bach auf die Straße gegossen, er trug mich gemessen hinüber; zueiner Brücke kamen wir, da setzt’s was, dachte ich, aber er zögertekeinen Augenblick, trabte ernst und ruhig über die Brücke. In großerEintracht ging die Strecke von sich, bis wir gegen Abend wohlbehaltennach Sitzeidorf kamen.
Heute ist der Graue lange schon tot. Ich werde ihm meineHochachtung bewahren, wie jedem, von dem man etwas Rechtes ge-lernt hat. Ich habe von ihm gelernt, daß der Esel ein gutes undnützliches Tier ist, wenn man ihn als Esel behandelt. p. k. Rose^«-.
17. Braun, der Bär.
Also machte sich Braun, stolz von Gemüt, wie er war, bergauf-wärts aus die Fahrt und nahm seinen Weg durch eine große und langeWüstenei. So kam er endlich vor Malepartus; denn Reineke hattemanches schöne Laus; aber das Kastell zu Malepartus war die bestevon seinen Burgen. Dort lag er, wenn er in Sorgen war.
Als Braun vor das Schloß gekommen war und das Tor ver-schlossen fand, aus welchem Reineke herauszugehen pflegte, stellte er sichvor das Tor und sann darüber nach, was er tun sollte.
Er rief laut: Onkel Reineke, seid Ihr zu Lause? Ich bin Braun,des Königs Bote. Er hat bei seinem Gotte geschworen, wenn Ihr nicht