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Früh morgens fuhren wir mit dem Rollwagen in denBerg ein. Weit drinnen, wo sich der Hauptstollen verzweigteund die Rollschienen aufhörten, krochen wir durch enge, nie-dere Gänge tiefer ins Erdinnere, erst gebückt, zuhinterst sogarauf allen Vieren. Schwach nur erhellten die kleinen Öl-lämpchen den düstern Gang. Auf dem Rücken liegend spreng-ten wir mit kurzen Brecheisen große Stücke von der Deckelos. Gefährliche und ungesunde Arbeit! Brocken um Brockenfiel schwer herab. Der Boden war lehmig und naß. WieWühlmäuse und Maulwürfe wälzten und mühten wir uns inSchmutz und Dunkel. Und erst in bösen Wintertagen wolltenKleider und Glieder vereisen und erstarren. Rollwagenbrachten die braunen Brocken ans Tageslicht. Ein blindesPferd zog den Karren an einem Eöppel die Halde hinan.Ein Rollwagen ächzte hinauf, der andere rollte hinunter. Inniedern Hütten schlugen Arbeiter die Brocken klein zum Ver-sand nach allen Seiten. Sogar über dem See in Deutsch-land rühmten die Leute die Mörschwiler Brocken, sie gebenviel Wärme ab.
Der Leiter, Herr Zucker, starb; ein Nachfolger fehlte. Diealten Vergmänner traten aus, starben weg. Junge Burschenfanden sicherere Arbeit in der Stickerei, die damals geradeaufkam. Das Bergwerk zerfiel.
Still ifts heute in der Gegend. Man hört kein Rollenmehr, kein Wiehern des blinden Pferdes, kein Rufen undKlopfen. Nur der Bach rauscht und sprudelt wie damals.Oben auf der Höhe weiden die Herden, ernten und wohnendie Bauern jahraus, jahrein. Wiese und Wald blühen, tra-gen Frucht und blättern ab, schlummern ein und erwachenwieder wie damals. Die Natur gibt, was die Sonne Sommerfür Sommer reift. Was sie aber vor Jahrtausenden tiefin den Schoß der Erde eingebettet hat, wird sie erst heraus-geben, wenn Kohlennot uns wieder im Berge graben heißt.
Vom alten Gredhaus in Steinach. n. Benz u. Zäch.
Steinach ist heute ein stilles Dorf. Da ist ein altes Haus,das wüßte viel zu erzählen aus einer Zeit, wo hier viel mehr