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wickelte. Viele Handwerker ließen sich in seinenMauern nieder, mußten aber als Unfreie großeSteuern zahlen und Kriegsdienste leisten. In denRat dursten nur die Angehörigen vornehmer Familien,die Konstabler, gewählt werden, die sich mit der Zeitals ungerechte Richter und bestechliche und willkür-liche Herrscher verhaßt machten.
Da stellte sich ein Konstabler, Rudolf Brun, andie Spitze der Unzufriedenen, um mit ihnen gemein-sam die Verfassung umzugestalten, das heißt neueGesetze für die Stadt aufzustellen. Er tat dies ausWohlwollen für den unterdrückten Handwerkerstand,aber auch um sich selbst eine angesehene und einträg-liche Stellung zu verschaffen. Als der Plan gründ-lich vorbereitet war, stürmten die Unzufriedenen einesTages nach dem Rathaus und setzten die Regierungab. Der neue Rat wurde nun zusammengesetzt aus13 Konstablern und den Vorstehern der 13 Zünfte,oder Zunftmeistern, welche von den Zünften selbstgewählt wurden. Rudolf Brun selbst ließ sich aufLebenszeit als Bürgermeister wählen.
Jetzt waren die gestürzten Edelleute die Unzu-friedenen. Brun aber bewachte sie scharf, um dieStadt vor einer Überrumpelung zu bewahren. Esblieb ihm nicht unbekannt, daß Hans von Rappers-wil mit einigen verbannten Rittern ihm nach demLeben trachtete und die alte Ordnung wieder her-stellen wollte. Im Februar 1350 sollte dieser Planausgeführt werden. Schon waren Verräter, alsPilger und Handwerksburschen verkleidet, in die Stadtgekommen und hatten bei treulosen Bürgern Unter-kunft gefunden. Edelleute ritten in die Stadt, Ge-schäfte halber, wie sie vorgaben. Dem Grafen Hans