Salas y Gomez.
319
3.
Die andere Schiefertafel.
1. Ich saß vor Sonnenaufgang an dem Strande;
Das Sternenkreuz verkündete den Tag,
Sich neigend zu des Horizontes Rande.
2. Und noch gehüllt in tiefes Dunkel lag
Vor mir der Osten, leuchtend nur entrollteZu meinen Füßen sich der Wellenschlag.
3. Mir war, als ob die Nacht nicht enden wollte;
Mein starrer Blick lag auf des Meeres Saum,
Wo bald die Sonne sich erheben sollte.
4. Die Vogel auf den Nestern, wie im Traum,
Erhoben ihre Stimmen; blaß und blasserErlosch der Schimmer in der Brandung Schaum;
5. Es sonderte die Luft sich von dem Wasser;
In tiefem Blau verschwand der Sterne Chor;
Ich kniet' in Andacht, und mein Aug' ward nasser.
6. Nun trat die Pracht der Sonne selbst hervor,
Die Freude noch in wunde Herzen senkt;
Ich richtete zu ihr den Blick empor.
7. Ein Schiff! Ein Schiff! Mit vollen Segeln lenkt
Es herwärts seinen Lauf, mit vollem Winde;
Noch lebt ein Gott, der meines Elends denkt!
8. O Gott der Liebe, ja, du strafst gelinde!
Kaum hab' ich dir gebeichtet meine Reu',
Erbarmen übst du schon an deinem Kinde!
9. Du öffnest mir das Grab und führst auss neu
Zu Menschen mich, sie an mein Herz zu drücken,Zu leben und zu lieben warm und treu.
10. Und oben von der Klippe höchstem Rücken
Betrachtend scharf das Fahrzeug, ward ich bleich;Noch mußte mir bemerkt zu werden glücken.
11. Es wuchs das hergetragne Schiff, zugleich
Die Angst in meinem Busen namenlos:
Es galt des Fernrohrs möglichen Bereich.
12. Nicht Rauch! Nicht Flaggentuch! So bar und bloß,
Die Arme nur vermögend auszubreiten!
Du kennst, barmherz'ger Gott, du fühlst mein Los!
13. Und ruhig sah ich her das Fahrzeug gleiten
Mit windgeschwellten Segeln auf den Wogen,
Und schwinden zwischen ihm und mir die Weiten.