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Schweizergeschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / von Prof. Dr. Wilhelm Oechsli
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walden gehorten seinem Hause. Karl IV. kam selbst nachZürich und verlangte von den Eidgenossen, sie sollten ihmdie Entscheidung über ihre Streitigkeiten mit Ostreich über-lassen. Sie waren dazu bereit, unter Vorbehalt ihrer Bündeund ihrer Freiheiten. Allein der Kaiser wollte von keinenVorbehalten horen und erklârte ihnen, als sie darauf be-harrten, im Namen des Reiches den Krieg. Frohlockend er-schien Herzog Albrecht mit seinen Scbaren wieder vor Zürich.Nachdem er abermals die Umgegend der Stadt verlieert hatte,zog er nach Rapperswil hinauf, das er dem Grafen Hansabkaufte, und begann Burg und Stadt wieder aufzubauen.Mittlerweile kam auch der Kaiser, der die Fürsten, Herrenund Reichsstâdte ganz Süddeutschlands zum Kriege aufge-boten hatte, und vereinte sich mit dem Herzog, so daB einHeer von nahezu 50,000 Mann Zürich einschloB. Was von 1354den Besitzungen der Bürger auBerhalb der Stadt noch nichtverwüstet war, wurde jetzt zugrunde gerichtet. Die Gebàudegingen in Flammen auf, die Reben wurden ausgerissen, dieBaume umgehauen und die Saaten zertreten. Aber die Stadtvermochte auch das Reichsheer nicht einzunehmen. Wiederumwehrten die Bürger im Verein mit den rechtzeitig herbei-geeilten Eidgenossen aile feindlichen Angriffe auf die Letzinenab. Bald brach in dem bunt zusammengewürfelten Belage-rungslieere Zwietraclit aus. Viele der Herren und Stâdtehatten dem Rufe des Kaisers nur widerwillig Folge geleistet,und dieser selbst zeigte keinen groBen Eifer für eine Sache,die im Grande nur Ostreich anging. Als dalier der sclilaueBrun plotzlich die Reicbsfahne auf den Tünnen aufpflanzenlieB, zum Zeichen, daB Zürich trotz seines Widerstandesgegen die ôstreichisclien AnmaBungen eine gut kaiserlicheStadt sei, war das Reichsheer nicht mehr zusammenzuhalten.

Der Kaiser selbst zog am folgenden Tage ab und lieB denHerzog zu dessen grofier Erbitterung allein. Nachdem dieserden Kampf noch eine Weile erfolglos fortgesetzt hatte, beriefder Kaiser eine zürclierische Gesandtschaft nach Regens- 1355burg und vermittelte dort einen Frieden im ganzen unter