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Erinnerung an jene Zeiten vor dem großen Glaubens-abfalle des 16. Jahrhunderts der edle und geistvolle pro-testantische Geschichtschreiber Novalis. Heute noch lasten dienamenlos traurigen Folgen jener großen religiösen undpolitischen Umwälzungen auf Fürsten und Völkern undbestätigen mehr als jemals daS Wort Goethe's: „Daseigentliche, einzige und tiefste Thema derWeltgeschichte ist der Conslikt des Unglaubensund des Glaubens. Alle Epochen der Welt-geschichte, in welchen der G laube herrscht, sindg l ä n z e n d, h e r z e r h e b e n d u n d f r u ch t b a r f ü r M i t-itnb Nachwelt; alle Epochen dagegen, in denender Unglaube einen kümmerlichen Sieg behaup-tet, verschwinden vor der Nachwelt." Das ist diegrößte Lehre, welche die Geschichte uns bietet. Die Völkersind für Gott geschaffen, sie sind bestimmt, in der KircheJesu Christi, des menschgewordenen Gottessohnes, ihrHeil zu wirken. Folgen sie dem Rufe Gottes, so sindsie glücklich, und ihr Wirken ist segensreich; entfernen siesich aber von ihrem höchsten Ziele, so bricht mit Riesen-schritten das Unglück herein; im Dienste ihrer Leiden-schaften stehend, verlieren sie alle großen Gedanken undhohen Entschlüsse. Der Bruder vergreift sich an seinesBruders Gut und Leben, Kriege entstehen, die blühendstenProvinzen werden zu trostlosen Einöden. Wie einfachund natürlich ist diese Lehre, aber von wie Wenigenwird sie beachtet! Wenn es einen großen Fehler gibtbeim Studimn der Weltgeschichte, so ist es vor allenider: Man lernt Nichts von der Vergangenheit! „AlleEpochen in der Weltgeschichte, in welchen der Glaubeherrscht, sind glänzend, herzerhebend uiib fruchtbar fürMit- und Nachwelt; alle Epochen dagegen, in denen derUnglaube einen kümmerlichen Sieg behauptet, verschivindenvor der Nachwelt": auf unzähligen Seiten der Geschichtesteht diese Wahrheit geschrieben, — und dennoch arbeiten