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Jü. Die Ncuzeir,
Die Reichs-stünde
in BersailleS.1789 .
Die Nationalverkammlung.
Neue
Berfasiung.
Abschaffungder Borrechte.
folge dessen wuchsen auch die Steuern zu erschreckender Höhe.Dazu kam, daß die ganze Steuerlast auf dem ärmeren Teiledes Volkes ruhte; denn der Adel und die Geistlichkeitwaren steuerfrei. Solche Übelstände verfehlten nicht, bei demfranzösischen Volke nach und nach eine tiefe Erbitterung her-vorzurufen. Geistreiche Schriftsteller, wie Montesquieu,Voltaire und Rousseau, vermehrten die Unzufriedenheit,indem sie das Volk auf seine natürlichen Rechte aufmerksammachten. Von Jahr zu Jahr wurde die Lage schwieriger.
Da entschloß sich Ludwig XVI., auf den Vorschlag desaus Genf stammenden Finanzministers Necker, im Frühjahr1789 eine Reichsversammlung nach Versailles zu berufen, ummit ihr Rat zu pflegen, wie dem Lande geholfen werden könnte.Die Versammlung bestand aus den Reichs ständen (etatsgeneraux) und zählte 300 Mitglieder vom Adel, 300 Geist-liche und 600 aus dem übrigen Volke, dem sogenanntendritten Stande. Aber unmittelbar nach ihrer Eröffnungbrachen Streitigkeiten aus. Die Abgeordneten des drittenStandes verlangten gemeinsame Beratung der Geschäfte. Diebeiden privilegierten Stände aber wollten nur getrennt ver-handeln und lehnten die Verbindung mit den Bürgerlichenbeharrlich ab. Endlich faßte der dritte Stand einen entschei-denden Beschluß. Er erklärte sich als Nationalversamm-lung, d. h. als Vertretung der ganzen Nation und leistetehierauf nach dem Antrage des großen Redners Mirabeauden Schwur, sich nicht zu trennen, bis der Staat eine Ver-fassung erhalten habe. Dieses kräftige Vorgehen machte tiefenEindruck. Die nieisten Vertreter des Adels und der Geistlichkeitschlössen sich nun der Nationalversammlung an. Anfangs Juliwar der Umschwung vollzogen. Die drei Reichsstände hattensich in eine einzige konstituierende, d. h. verfassung-gebende Nationalversammlung umgebildet.
Noch in Versailles nahm die neue Versammlung ihreArbeit an die Hand. Sie schaffte zunächst alle Vbrrechteab und verkündete den Grundsatz der Freiheit und Gleich-heit aller Bürger. Im Spätjahr 1789 verlegte sie ihren Sitz