bedeutenden Gaben des Geistes und Körpers ausgerüstet, voller Kraftund Lust zur Arbeit, wollte Ludwig XIV. nicht mehr nur Königheißen, sondern auch sein, so wie ihn Richelieu und Mazarin gelehrthatten. „Der Staat und der König sind eins; *) er ist der von Gottgesetzte und nur ihm verantwortliche Hüter der Menschen; die Unter-tanen haben ihm zu gehorchen, ohne zu fragen warum. Alles, was sichim Lande befindet, gehört ihm, auch das Privateigentum seiner Unter-tanen; er kann damit schalten, wie er will." So dachte und handelteLudwig XIV. Die letzten Freiheiten der Provinzen wurden vernichtet,den Städten das Recht, sich selbst zu verwalten, genommen und das ge-samte Staatsleben, das Kleine wie das Große, in die Hand des Königsund seiner Beamten gelegt. Kein nennenswerter Widerstand rührte sichmehr dagegen; war doch das Volk der Freiheit längst entwöhnt und derAdel dermaßen gedemütigt, daß er keine höhere Ehre mehr zu kennenschien, als bei Hose Lakaiendienste zu verrichten. Zunächst schien dasdem Lande nur zum Vorteil zu gereichen. Ludwig XIV., erfüllt vonhohen Gedanken über seinen Beruf, umgab sich mit ausgezeichnetenMinistern. Colbert, der Sohn eines Tnchhändlers aus Reims, dererste Bürgerliche, der ein so hohes Amt bekleidete, brachte Ordnung indas arg zerrüttete Geldwesen des Staates, und damit nicht mehr wiebisher die Ausgaben ins Blaue hinein gemacht würden, ohne Rücksichtaus den Betrag der Einnahmen, stellte er jedes Jahr ein Budget aus,d. h. einen Voranschlag der mutmaßlichen Ausgaben und Einnahmen,ein Gebrauch, der bald in allen zivilisierten Staaten Eingang fand.Sein Hauptbestreben richtete er jedoch auf die möglichste Steigerung derHilfsquellen des Landes, insbesondere des Handels und der In-dustrie. Er scheute keine Mühe und Kosten, um seine Landslente denSammet, den Goldschmuck, die Spiegel Italiens, die Glas- und Töpser-
*) C's wird erzählt, noch zu Mazarins Zeit sei Ludwig cininnl im Jagd-gewand und mit der Reitpeitsche in der Hand im Parlamente erschienen, nm dieEinregistriernng eines Gesetzes zu befehlen, und habe, da der Präsident das Inter-esse des Staates dagegen vorschützte, gerufen: „Ich bin der Staat" (I-'lÄate'est nroi). Wenn auch daS berühmte Wort in dieser Form nicht geschichtlich zusein scheint, so ist es doch der schneidendste Ausdruck eines Gedankens, der in Lud-wigs eigenen Schriften vielfach wiederkehrt.