Buch 
Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / von Wilhelm Oechsli. 2. Bd. (zweiter Teil und dritter Teil / 1. Hälfte) Mittlere und neuere Geschichte
Entstehung
Seite
255
JPEG-Download
 

ablegen. Wagte es jemand, sich eine selbständige Gottes- und Welt-anschauung zn bilden, und war er nicht klug genug, seine Meinung zuverhüllen, so war er als Atheist (Gottesleugner) außerhalb Hollandsder Hinrichtung gewiß. Die Wissenschaft und das ganze Geisteslebender Völker war in die engsten kirchlichen Fesseln geschlagen. Um vonden katholischen Ländern nicht zu reden, galt auch in den protestantischen,namentlich in Deutschland und der Schweiz, die Losung: Zuerst dieBibel, dann die Wissenschaft. Was dem für heilig und unfehlbar ge-haltenen Buchstaben der Bibel widersprach, war gottlos, religions-feindlich und wurde deshalb von Staats wegen verboten, wie die Lehredes Kopernikus. Die leisesten Abweichungen genügten, um die ortho-doxe Geistlichkeit in Harnisch zu bringen. So redeten einige TheologenFriedrich Wilhelm I. von Preußen ein, die Lehren des Professor Wolfsin Halle, welcher der berühmteste Schüler des Leibniz, aber ein frommer,ängstlicher Christ war, seien religionsgefährlich, worauf ihn der Königohne weiteres von seiner Stelle jagte und ihm bei Strafe des Strangesgebot, binnen zweimal 24 Stunden Preußen zu verlassen. Damit keinegefährlichen Schriften den gläubigen Sinn des Volkes verdürben, übtendie Regierungen strenge Zensur, d. h. Aussicht über alles, was ge-druckt 'wurde. Da wurden denn eine Menge Schriften im Entstehenverhindert und andere schon gedruckte vernichtet. Auf dem Verkaufevon verbotenen Schriften stand der Galgen oder die Galeere.

ö. Aberglaube und Hexenversolgungen. Mehr alseinmal wurden Schulen und Buchdrnckereien von Geistlichen und Re-genten für eine Erfindung des Teufels erklärt, weil durch sie Ungehor-sam und Ketzerei in die Welt gekommen seien. In diesem Sinne tatder Staat wenig oder nichts für die Bildung der Massen. Dafür triebder unheimlichste Aberglaube überall sein Wesen. Der Glaube andie Kunst, Gold zu machen, und an das Wahrsagen war allgemeinverbreitet. Selbst ein Wallenstein führte beständig seinen Astrologen(Sterndeuter) mit sich, um sich aus der Stellung der Gestirne sein künf-tiges Geschick weissagen zn lassen. Krankheiten und Unglücksfälle aller-art wurden selten auf natürliche Ursachen zurückgeführt. Am Kriegewaren die Kometen, an der Pest die Pestsäer, überhaupt an allemmöglichen Unglück, selbst an Dürre und Wassersnot Menschen schuld.