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Lehrbuch der Geschichte für die oberen Klassen höherer Lehranstalten / von Friedrich Neubauer
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Das Zeitalter der zunehmenden Auflösung des Reiches.

Johamixxii. zudem mischte sich Papst Johann XXII. ein, indem er das König-tum Ludwigs für unrechtmäßig erklärte und ihn mit dem Bannebelegte. Jetzt versöhnte sich Ludwig mit Frankreich und ließ ihnfrei; als Friedrich seine Bruder nicht bestimmen konnte, in einenFrieden einzuwilligen, kehrte er seinem Versprechen gemäß in die^Regierüng° Gefangenschaft zurück. Ludwig aber räumte ihm die Stellung einesS gS?tcp lb Mitregenten ein, jedoch ohne daß Friedrich einen wesentlichenEinfluß ausgeübt hätte. Ludwig machte jetzt einen Römerzugund erhielt aus der Hand der Vertreter des römischen Volkes dieim Kaiserkrone. 1330 starb Friedrich der Schöne.

Indessen hatte Ludwig Johann XXII. gegenüber die Unter-stützung des Franziskanerordens gefunden, der damals dieheftigsten Angriffe gegen die verweltlichte und durch irdisches Gut be-reicherte Kirche richtete. Gleichzeitig machte sich eine nationaleBewegung in Deutschland geltend, welche die päpstlichen An-^-We°l.s88" einen Schimpf empfand. 1338 traten die Kurfürsten am

me ' Königsstuhl zu Rense am Rhein zu dem Kurverein zusammenund erklärten, daß der von den Kurfürsten gewählte König der Zu-stimmung des Papstes nicht bedürfe. Jetzt fühlte sich Ludwig starkgenug, um sich gegen den König von Frankreich zu wenden, derseinen Einfluß auf den Papst benutzte, um eine Versöhnung zwischenihm und dem Kaiser zu verhindern; er verband sich mit Englandund erklärte an Frankreich den Krieg. Indessen war diese Ent-schlossenheit nicht von Dauer; bald bemühte er sich wieder in wenigwürdiger Weise um die Verzeihung des Papstes,poiuit ' Gleich seinen Vorgängern war Ludwig mit Eifer bestrebt, deni32t. Besitz seines Hauses zu vermehren. Schon 1324 hatte er seinenSohn Ludwig mit der Mark Brandenburg belehnt, derenaskanisches Fürstengeschlecht ausgestorben war. Später vermählteer ihn mit der Erbin von Tirol, Margarete Maultasch; in-dessen ist Tirol nicht im Besitz der Wittelsbacher verblieben, daMargarete nach dem Tode ihres Gemahls ihr Land den H a b s -bürgern überließ. Ferner erwarb der Kaiser Niederbayern undzog die Grafschaften Holland, Seeland, Friesland undHennegau, auf die seine Gemahlin Erbansprüche erhob, als er-ledigte Reichslehen an sich.

Aber gerade diese ländersüchtige Politik verfeindete ihn mit denmeisten Kurfürsten; 1346 wählten sie unter päpstlichem Einfluß denKarlsIV. Sohn Johanns von Böhmen, Karl, dessen Vater eben in jenemJahre in der Schlacht bei Cröcy auf französischer Seite kämpfendsiel, zum Gegenkönig. 1347 starb Ludwig.