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Das Zeitalter der religiösen Kämpfe 1519 —1648.
Forderungender Bauern.
Thomas
Münzer.
Besiegung derBauern 1525.
Haufen; meist von Bauern, zum Teil auch von Adligen wieFlorian Geyer und Götz von Berlichingen geführt,brannten sie Klöster und Schlösser nieder und begingen vieleRoheiten, teilweise auch, wie durch die Ermordung der Besatzungvon Weinsberg und ihres Befehlshabers, des Grafen von Helfen-siein, furchtbare Grausamkeiten. Für ihre Forderungen beriefensich die Bauern auf das „göttliche Recht" und das Evangelium. DerInhalt der zwölf Artikel, die schnell von sämtlichen Haufenangenommen wurden, war gemäßigt; die Bauern verlangten inihnen Aufhebung der Leibeigenschaft, Minderung der Frondienste,Freigabe des Waldes, der Jagd, des Fischfanges, ferner auch freiePfarrerwahl. Aber bald wurden auch radikale demokratische undkommunistische Gedanken laut, zumal unter der niederen Bevöl-kerung der süddeutschen Städte, die vielfach zu den aufrührerischenBauern hinneigte. Einen besonderen Charakter erhielt der thürin-gische Aufstand durch den religiösen Fanatiker Thomas Münzer,der aus den Zwickauer Schwarmgeistern hervorgegangen war, inder Reichsstadt Mühlhausen eine revolutionäre Bewegung geleitetund den Rat gestürzt hatte und nun auf blutigem und gewaltsamemWege das Ziel der Gründung eines kommunistischen Gottesreichsverfolgte.
Luther hatte anfangs zu vermitteln versucht; nachher ver-faßte er die Schrift „wider die mordischen und raubischen Rottender Bauern", in der er die rücksichtsloseste Anwendung der Gewaltverlangte. Indessen hatten die Fürsten bereits die Waffen ergriffen.Thomas Münzers Heer wurde bei Frankenhausen von Philippvon Hessen, dem Albertiner Georg von Sachsen-Meißen und anderenFürsten besiegt; die fränkischen Haufen vernichtete der Feldherrdes schwäbischen Bundes, Georg Truchseß von Waldburg, beiKönigshöfen an der Tauber. An den besiegten Bauernnahmen die Herren fast allenthalben eine furchtbare Rache. Diegutsherrlichen Dienste und die staatlichen Abgaben wurden erhöht,die rechtliche Stellung der Bauern verschlechterte sich noch mehr.Es war ein Geist dumpfer, hoffnungsloser Gedrücktheit, der sich desdeutschen Bauernstandes in weiten Gegenden bemächtigte.
§ 130. Die Fortschritte der Reformation. Wie die Nieder-werfung der Bauern ein Werk nicht des Reiches, sondern der Fürstengewesen war und daher eine Stärkung der fürstlichen Macht zurFolge hatte, so verfuhren auch in der religiösen Frage die Fürstenunabhängig vom Reich, und es kam nicht zu einer einheitlichen,nationalen Kirchenpolitik. So hat denn die Reformation zur Aus-bildung der fürstlichen Landeshoheit und zur