^ >1 K-i ^ U ' «» /?. -^>5 . * ^ drey Predigten über den Luxus vott Franz Xaver Vock, Prediger in der Stifts-und Pfarrkirche r« Solorhurn. Mir Erlaubniß der Obern In Hochoberkeitlicher Buchdruckerey bey Idftph Gaßmami. »rss. r .« Vorrede. Männer, deren Urtheil mir überaus wichtig ist, haben geglau- bet, gegenwärtige Predigten würden dem Bedürfnisse unserer Zeiten nicht ganz unangemessen, nicht ganz gleichgültig seyn: das bewog mich, dem Wunsche vieler von meinen Zuhörern zu entsprechen, und sie in den Druck zu geben. Ich weiß nicht, ob Einer vor mir über den gleichen Stoff geprediget; wenigst, kenne ich keinen. Darum hoffe ich, der Leser werde sich nicht ganz betrogen finden , -er in diesen paar Bogen neugedachte Wahrheiten suchen möchte, wie wohl ich niemals daran gedacht, neu, aber immer , nützlich zu seyn. Die vielen Klagen über den Luxus, die ich gehöret und gelesen, hatten mich überzeuget , unsere Zeiten haben die Schemgründe des Englischen Philosophen für den Luxus sattsam widerleget und alle Welt müsse endlich das Unheil desselben einsehen: aber um so stärker drang es mir ans Herz, daß dagegen jederman schreyt, und niemand arbeitet. Das war die Veranlassung dieser Predigten, die in der Ordnung auf einander folgen, welche dieSensation foderte, die jede vorangehende machte, oder machen sollte: die erste sollte Vorbereitung zur zweyten, die zweyte zur dritten seyn. ^ Man hat mir den Einwurf gemacht , die Religion könne wider den Luxus nichts wirken, weil er sie untergrabe und umstürze. So, dünkt mich, könnte man auch behaupten , die Sonne könne den Schnee nicht schmelzen, weil er sie durch ausgestossene Dünste, und daraus gebildete Nebel und Wolken verfinstert. Religion, tief ans Herz geleget, kann gegen die Ausschweifungen des Luxus mich verwahren : wer wird das widersprechen? Bin ich aber schon darein gerathen, so leidt freylich meine Religion gewaltig darunter ; ihre Wahrheiten sind mir verdunkelt, oder gar in meinem Gemüthe erstorben: und da halt es ohne Zweifel schwer, sie wieder zu beleben, und mächtig genug auf mein Herz wirken zu machen: aber die Möglichkeit wird doch niemand laugnen ^ der über die eben mehr so außerordentlichen Wege der Gnade Beobachtungen gemacht hat: ein Buch, eine Predigt, em Wortvom Freunde oder Feinde gesprochen, ein Unfall, alles wird unter ihrem Einflüsse ein Funken , der die erloschene Religion wieder in volle Flamme bringt- Ich will damit gar nicht sagen, daß die Regierungen ihre Hand von diesem Uebel zurück ziehen und die Heilung ganz der Religion überlassen müssen: das wäre nur in einem bloß möglichen Staate gangbar, in welchem der achte Geist des Christenthums alle Glieder belebete. So lange aber Staaten sind, was sie sind , und immer seyn werden , eine Gesellschaft der Menschen von verschiedenen Denkungs - und Handlungsarten , fodert ihr eigen Wohl, wider dieses Uebel, so wie wider viele andere, der Religion Hand zu bieten, . ten, und auch ihrerseits durch weise Vorkehrungen und Gesetze ihm zu steuern. Sollte es etwa einen Leser irre machen, daß er in der gleichen Person Religion und Lurus gepaaret zu sehen glaubet, so bitte ich ihn , zu bedenken, daß Religion nicht bloßes Aussenwerk, daß sie Geist und Wahrheit ist, und daß man wohl aus dem Mangel äußerlicher Religion auf den Mangel der innerlichen schließen kann, aber nicht immer aus äußerlichen Religionsübungen auf den belebenden Geist der Religion. , Vielleicht wünschet irgend ein frommer Leser, die Lehren und Beweggründe der Religion wider den Luxus in größerm Lichte zu sehen, und mit mehr Stärke zu empfinden. Dieser hat mich verstanden, und mit Freuden verweise ich ihn an dasjenige, was so viele große NeligMslehrer üoer Wollüste, Menschenehre, Reichthum, von Tode, Gerichte, Ewigkeit u. s. w. geschrieben. Der Verfasser. Erste Predigt am achten Sontage nach Pfingsten Hic Mzrnstu; eil gpuci iilum» qusli clilllpsilse Kons illju;. Er würde bey ihm übel berüchtiget, als hätte er Seifen Güter verschwendet. Luk.i öR. M. wahr und fürchterlich beschreibet das abgelesene Evangelium den Zustand eines verschwenderischen Haushalrers! Er kömmt erstens in Übeln Ruf; dann wird seine Verwaltung in Untersuchung genommen, und die abgelegte Rechenschaft decket ferne Schande vollkommen auf: Er wird seines Standes verlustig und so ehre - und nahrunglos. Aber das ist erst des Unglückes Anfang. Wo soll der verstossene Haushalter nun seinen Unterhalt hernehmen? Das Grabscheit ergreifen und arbeiten kann oder mag, er nicht; zu betteln schämet er sich; des Wohllebens ist er gewöhnt: Was thut er dann ? Er nimt seine Zuflucht zu unerlaubten Kniffen: um seine Noth wenigstens in etwas zu erleichtern, begeht er Ungerechtigkeiten und stürzet sich so aus einem zeitlichen Elende auch noch m das ewige. Er würd- bey ihm übel be- rüchtiyet, als hatte er dessen Güter verschwendet. Das sind gewöhnliche Folgen einer verschwenderischen Haushaltung. Dies erkenen und fürchten wir alle; warnende Beyspiele liegen vor Unsern Augen: und -och ist eine Arc von Verschwendung, wovon unsere Vater nickt einmal den Name wußten, und die zu benennen, wir ein Wort aus einer fremden Sprache haben herhohlen müssen, der Luxus ist unter uns bey nahe zur Nothwendigkeit geworden. Ja es ist eine allgemeine Klage, „man könne so nicht länger bestehen, und „wenn dem Uebel nicht noch bey Zeiten geheuert werde, so werde es endlich alle von „unsern Vorältern hinterlassene Güter verschlingen , die blühendsten Häuser zerstöre». „und gar den Staat untergraben. Und dennoch lassen wir diesen Luxus, wider den wir so oft und so heftig und mit so großem Rechte schreyen, seinen verderblichen Gang fortgehen und mit jedem Jahre weiter um sich greifen. Woher kommt wohl so ein Widerspruch zwischen unsrer Denkungsart, die so vernünftig , und zwischen unserer Aufführung, die das Gegentheil ist? Es müssen gewisse Quellen des Luxus verborgen liegen, die nicht jederman so ins Aug fallen, wie das Verderben des Luxus, die aber stärker wirke» als alle Vorstellungen von den fürchterlichen Folgen desselben. Diese Quellen möchte ich euch heut aufdecken, und in so weit es ein geistlicher Redner kann, euch dagegen verwahren. Das wird aber wenig fruchten, wenn ihr dann nicht selbst Hand ans Werk leget, jeder nach seinen Kräften und nach seinem Wirkungskreise, dem Uebel entgegen arbeitet , und selbes in seiner Wurzel zerstöret. Welches sind dann die Hauptursachen des immern mehr überhand nehmenden Luxus? Wir müssen sie nicht ferne von uns suchen: Sie liegen im.menschlichen Herzen: und da finde ich hauptsächlich zwo: bey einigen ist es unordentliche Begierde zu gefallen ; bey andern unordentlicher Hang nach Vergnügen ; und beyde verfehlen ihren Zweck: die ersten erwerben den Beyfall der Menschen nicht/ den sie suchen; die zweyten finden das vergnügte Leben nicht/ wonach ste einzig streben. Das ist der Inhalt meiner Rede: Luxus aus thörichter Ehrbegierde; das ist der erste; Luxus aus thörichter Vergnügungsbegierde; der zweyte Theil. Gebe der Herr / das ich euch dieses in gröster Deutlichkeit vortragen möge! Ich unternehme es in seinem heiligsten Name / Jesus. Erster Theil. Wenn ich vom Luxus rede / so verstehe ich darunter nicht eine gewisse Reinlichkeit und Bequemlichkeit in Kleidern und Wohnungen/ welche die Regeln der Gesundheit oder des Wohlstandes fodern; nicht schmackhafte und gesunde Nahrungsmittel / so lange ste die Schranken der Mäßigkeit oder deS Vermögens nicht überschreiten ; nicht jene Ausgaben , die man hin und wieder auf eine anständige Ergötzung verwendet; nicht einen mäßigen Aufwand auf aufferliche Zierathen , wodurch steh ein Stand vom andern unterscheidet; mcht endlich jede Verwendung des Reichthums, wodurch eigene oder fremde Wohlfahrt befödert wird: Denn Luxus ist Aufwand auf unnütze oder gar schädliche Dinge, wobey man weder sein eigenes, noch des nächsten Wohl zur Absteht hat, Aufwand auf Anzug , Wohnung und Geräthschaften, die nur zur eiteln Pracht dienen, Aufwand auf zu niedliche Speisen, kostbare Getränke, und schwelgerisches Wohlleben , wodurch Kräfte und Gesundheit mehr geschwächet, als gestartet werden, Aufwand auf Vergnügungen , die entweder zu oft oder zu kostspielig vorgenommen werden, Aufwand auf zu viele Gemächlichkeiten und Bedienungen, welche nur die Weichlichkeit und der Müfsiqgang erfunden hat und unterhält : und so giebt es für ieden Stand und Ort, für jedes Alter und Geschlecht einen eigenthümlichen Luxus: Luxus der Mauer und Luxus der Frauen, Luxus der Dienst- Lothen und Luxus der Herrschaften, Luxus Ley Kindern und Luxus bey Erwachsenen, Luxus im Anzüge; Luxus in der Nahrung, Luxus im Gerüche, Luxus in Vergnügungen, Luxus in der Bedienung, Luxus in Städten, und Luxus auf dem Lande. Woher entstehen wohl alle diese Arten von Luxus? Ich sage, erstens aus unordentlicher Begierde zu gefallen. Man will sich ein Ansehen geben, man will glänzen, man will die Augen auf sich ziehen, man will geehret, bewundert werden: daher jenes unsinnige Bestreben, einander in der Pracht zu übertreffen ; daher werden so viele Hände, so viel Zeit und Geld verschwendet, um eine einzige Person aufzuputzen ; Daher gehen so große Summen ins Ausland, um allen jenen Tand, den die immer erfinderische Mode aufbringt, herzuhohlen. Man will nicht weniger scheinen als andere , die niedrigen Stände strengen sich an, die höhern zu erreichen, oder doch wenigstens sich rhnen zu nähern; die Höhern wollen sich doch im- mer Standesgemäß auszeichnen: Daher jene thörichte Nachäffungen und das immer währende Steigen der Pracht in alleu Ständen. Endlich nachdem sich so durch alle Klassen des Volkes ein gewisser Luxus verbreitet, schämet sich auch der bescheidenste.Theil, denselben nicht mit zu machen, und glaubet, es Würdeseiner Ehre nachtheilig seyn, wen er weniger schimmerte als andere Leute von seinem Stande und Vermögen: Daher ergreifet der Luxus nach und nach alles, und unterwirft es seiger verheerenden Herrschaft. Kurz, man will das Lob und die Bewunderung seiner Mitbürger erwerben, oder wenigst ihrem Tadel entgehen : man will gefallen ; das ist die erste Quelle des Luxus. Ich könnte hier Fragen, ob -er Luxus das einzige, ob das schicklichste Mittel sey, sich in Ansehen und Credit zu setzen, und ob es klug sey, ein so verderbliches Mittel zu gebrauchen. Allein M. Z. ich will den kürzern Weg nehmen, und euch gerade zu fragen , ob man durch Luxus auf Eure Lobsprüche rechnen, oder nur Eurem Tadel ausweichen könne. In großen Städten, wo die Einwohner einander nicht genug kennen, mag wohl eine glänzende Außenseite für vornehme Geburt oder für großen Reichthum genommen werden, mag wohl «in schönes Kleid die Fehler des Herzens -checken , mag wohl eilt großer Aufwand de» Mangel des Verstandes und der Tugend in etwas ersetzen, mag wohl die Pracht die Bewunderung des Pöbels auf fich ziehen: aber an kleinern Orten , wo man einander durch und durch kennet, wo man jedem seine Einkünfte / wie den Adel seiner Geburt/ ziemlich richtig berechnen kann / wo man alle Fehler und Mängel des Nachbars und -es Ntchtnachbars besser als seine eigene weiß, und wo oft die geheimsten Vorfalle der Häuser nicht verborgen bleiben konen/ an einem kleinen Orte / wie bey uns/kann da der äußerliche Schein auch so blenden? Kan man fich da durch Aufwand und Pracht. Bewunderung und Ehre erwerben? Vielmehr das Gegentheil / Schande und Tadel. Ich rufe Euch sechsten hier zu Zeugen; den Ihr wisset es besser als ich, wie man die Prachtführer beurtheilet. Dieses Frauenzimmer/ das wie eine Theaterköniginn ein- hertritt / oder diese Bürgerstochter/ die sich durch Aufputz so gerne den Schein einer vornehmen Person geben möchte / oder diese Dienstmagd / die wie eine reiche Tochter pranget: was sind sie in euren Augen ? Was sagen die Leute / was die ganze Stadt von ihnen? „Diese Frau / heißt es / würde besser thun / wenn sie die Zeit / welche sie „zum Putze / zu Lustpartheycn verwendet / «ihren Kindern und ihrem Hauswesen schenkte: Diese Wittwe sollte bedenken / daß es „ihr besser anstünde / einsam unter ihren „Mägden wie Judith / zu bethen und zu „arbeiten / als im Kreise der Stutzer um „Schmeicheleyen zu buhlen: Diese Magd, „wenn sie klug wäre/ würde das Geld / so „sie um ihren Leib ausgehangen hat/ als „einen Nothpfenning für ihr Alter zurücklegen : Diese Tochter wäre viel liebenswürdiger / wenn sie mehr Arbeitsamkeit und „Sittsamkeit/ und weniger Putz und Eitelkeit besässe: Diese Person würde viel eher »ihre Parthey finden , wenn sie sich mehr »auf die Haushaltung als auf die Mode »verstünde. Wehe dem Man, der so eine »Geld verschlingende Thörinn ins Haus »nimmt! ». Sehet ihr eiteln Frauenspersonen , das gewinnet ihr durch alle Künste eures Putzes: Ja, man fragt bey vielen von Euch , woher ihr das Geld zu solchen Ausgaben hernehmet: und ihr selbst seyd Schuld, wenn man eine Antwort bekämt, die eurer Ehre nachteilig ist; denn ihr gebet Gelegenheit zu den schändlichsten Argwöhnen. Dieser Bürger spielet den Herrn, oder wenn ihr lieber wollet/ dieser Herr spielet einen Großen , der Gleichen er etwa im Auslande gesehen ; das Haus, in dem er gebohren und erzogen worden / stehet ihm nicht an; alles muß umgeändert und verschönert seyn; Geräthe/ Nahrung, Bedienung, die ganze Wirthschaft wird nach dem Fuße eines vornehmen Edelmannes eingerichtet; Er hält Bekanntschaften und Lustbarkeiten mit Leuten eines höhern Standes, sucht Gesellschaften, wo er seine thörichte Ausgaben kann bewundern lassen: Seine Aufführung , wie sein Anzug, sagt es laut, daß er auf Bewunderung und Beyfall seiner Mitbürger Anspruch machet: und was erhalt er? Spott von seines Gleichen , Verachtung von Hohern, und Neid und üble Nachrede von Niedrigern. Ihr selbst könnt es oft genug hören, wie man sich über solche Leute aufhält , die über ihren Stand hinausgehen, wie sie von einigen verlachet, von andern bemitleidet , von allen verachtet werden. Sehet, ihr eiteln Jünglinge und Männer, welch einen Beyfall ihr durch Euer Großthun findet. So lange wir alle einander so genau kennen werden, als wir an einem so kleinen Orte einander kennen müssen, wird nie bey uns ein prächtiges Auffenwerk für innern Werth gelten und verehret werden. So lange gesunder Menschenverstand unter uns ist , wird nicht die Frau unser Lob erhalten, die im schönsten Schmucke sich zeiget, sondern diejenige, welche die beste Hausmutter ist; nicht der Man , welcher die beste Weine kennet , sondern derjenige, welcher seine Geschäfte zum besten behandelt; nicht die Tochter, welche den neuesten Kopfputz trägt, sondern diejenige, welche die meisten Kenntnisse ihrer Pflichten verräth; nicht der Jüngling, welcher fremde Sitten und neue Thorheiten in sein Vaterland bringt , sondern derjenige, welcher selbes mit neuen nützlichen Künsten und Kenntnissen bereichert. Aber vielleicht bringt uns der Luxus wenigst bey Ausländern in guten Ruf, zumal, da itzt derselben so viele die Schweiz bereisen. Ich erinnere mich nicht in irgend einer schweizerischen Reisebeschreibung, derer es doch so viele giebt, einen Lobspruch auf den Luxus der Schweizer , wohl aber bittere Anmerkungen gelesen zu haben: Nein, nicht die Pracht , die in unsern Städten herrschet, und die ohnehin in unsern kleinen Freystaa- ten weiter nichts als eine Nachahmung im Kleinen von dem seyn kann, was man in größer» Staaten im Großen sieht, wird von Fremden bewundert, wohl aber die alte, simple Lebensart, das ungezwungene und freye Wesen, der gerade Sinn , und alle jene altschweizerischen Eigenschaften, die man noch in einigen engen Thälern Helvetiens findt. Die ganze Welt erkennet es nämlich so gut als wir, daß Tugend und Rechtschaffeiiheit die Ehre einer Nation, wie die Ehre einer Familie ausmachen, daß nicht Pracht und Ueppigkeit , sondern sittliche Lebensart und Menschenliebe, Industrie und Thätigkeit , Nüchternheit und Ordnung , Künste und Ge- schicklichkeit einem Volke den Vorzug über das andere, wie einem Menschen über den andern giebt. Diejenigen irren sich also sehr, die durch Luxus die Achtung und den Beyfall der Menschen gewinnen wollen: Aber noch mehr betrügen sich jene, welche dadurch vergnügte Tage suchen. Zweyter Theil. Die zweyte Quelle -es Luxus ist unordentlicher Hang nach Vergnügungen. Man will jede Bequemlichkeit haben und sich in keinem Stücke Zwang anthun: das fodert eine Menge von Handen nicht nur zur Aufwart , sondern damit einige die Pflichten des Mannes, andere die Pachten der Frau thun; daher Luxus in der Bedienung. Man will bey einem so müßigen und thatlosen Leben 14 doch nicht lange Weile haben; man muß also immer Gesellschaft, immer Zerstreuung, immer neue Lustbarkeilen suchen; Daher Luxus in den Ergötzungen. Eine mäßige und gesunde Kost, die von keiner Arbeit gewür- zet wird , wird bald unschmackhaft, und man will doch dem Leibe, für den man ganz lebet , gutes thun : da müssen oann kostbare Gerichte und ausländische Gelränke/ unter welchen Gesundheit und Oekonomie gleich leiden, den verwöhnten Geschmack reizen und befriedigen; daher Lurus im Lebensunterhalt. Kurz, man will ein rubtqes und vergnügtes Leben führen ; und das ganze Leben ist nichts als stete Abwechslung zwischen Schlafe und Essen, zwischen Putz und Ergötzung, zwischen Zerstreuung und langer Weile. Ich will hier nicht untersuchen, ob so ein Leben christlich sey, und ob man dabey seine Seligkeit wirken könne, nicht, ob es nur eines Menschen würdig sey ; sondern nur, ob diese Leute wenigst jenes dadurch erhalten, was fie einzig wünschen, ein ver-' gnügtes Leben. Setzen Setze» wir eine» Menschen, der Vermö, gens genug hat, so ein Leben sich zu verschaffen , und Verstandes genug, -essen auf die angenehmste Weise zu gemessen. Setzet einen mächtigen Fürsten , wenn ihr wollet, der über das fruchtbarste Reich herrschet, den seine Unterthanen lieben und die benachbarten Staaten fürchten : Er sey in -er Blühte der Jahre, mit der festesten Gesundheit begabt, im vollkommensten Friede um und um: Er habe kein ander Geschäft und keine andere Sorge, als sich zu vergnügen: tausend Hände seyn beschäftiget seinen Wünschen zuvorzukommen : Sr versage sich kein Vergnügen, das in seiner Macht steht, und brauche einen Engelsverstand, immer neue zu erfinden : so gehe ihm jeder Tag unter neuen Freuden auf, und jede Nacht labe ihn zum neuen Genuße. Wie? Dieser Glücklichste der Sterblichen, wird Er nicht wenigst hier auf Erde ein zufriednes und vergnügtes Leben haben? Nein, spricht Religion und Vernunft ; nein, sagen Philosophen und Asteten. Alle diese Freuden lassen im Herzen ein grosses Leeres zurück, welches jeder sol- gende Genuß nicht auszufüllen vermag; lassen ein strafendes Gefühl zurück, daß er seiner Bestimmung zuwider handelt. Der Mensch ist zur Thätigkeit geschaffen, und zur Erfüllung der Pflichten jenes Standes , den ihm die ewige Fürstcht angewiesen; und nur darin findt jeder ein vergnügtes Leben: seyet er diese hindan,.so bringen ihm alle Vergnügungen nichts als Unmuth und Bitterkeit des Herzens. Der Wechsel der rauschenden Freuden mag eine Zeitlang die Vernunft und das Gewissen übertäuben; aber bald.ist der Taumel vorüber und das Gefühl eigner Nichtswürdigkeit und die innern Vorwürfe, die die Unordnung bestrafen , sprechen wieder laut, und vergällen die blühendsten Tage. Wen ihr, M. Z., diese Wahrheit durch eigenes Beobachten und Nachdenken noch nicht gelernet habet, so glaubet fie wenigst demjenigen, der ste Euch aus eigner Erfahrung lehret. Denn der glückliche Sterbliche, den ich Euch eben vor beschrieben , ist nicht meine Erfindung, ist eine wahre Geschichte, die der Herr zu unsrer Belehrung in den heiligen Büchern aufbewahren lassen. Salomon war dieser glückliche Fürst , der sich eigends vorsetzte, durch immer abwechselnden Freudengenuß ein vergnügtes Leben sich zu verschaffen, und der alle seine Macht und Weisheit dahin verwandte. Er selbst macht eine weitläuftige Beschreibung Pred. i. und 2. K. von allen den Vergnügen der Weisheit und der Sine, des Geschmackes und des Körpers, die er genossen, wie er von einem zum andern Übergängen , wie er alles versucht, verwechselt und verdoppelt hat : und jedesmal leget er das wehmüthige Gestandniß ab: siel), alles rvar Eitelkeit und Rummer des Gemüthes. Nun, nach einem so aufrichtigen Zeugniß, für dessen Wahrheit sich die Religion sechsten verbürget, sollten uns Diener und Dienerinnen des Luxus noch glaube»! machen, sie leben vergnügt ? Sie, denen jene üppigen Freuden nur tropfweise zu Theile werden , die Salomon in Strömen getrunken? Sie, die gemeiniglich keine andere Vergnügen als sinnliche kennen, da doch Salomon beyde, die Vergnügen des Geistes B und der Sinne, mit einander zu vereinigen wußte? Sie, denen ihr Luxus tausend Sorgen und Kummer gebiehrt / davor den Salo- mon königliche Macht und Güter geschähet, Sie sollten wahrhaft zufriedne Tage haben ? Lasset euch vom Scheine nicht blenden, M. Z.: sieh, alles war Eitelkeit und Rumer des Gemüthes. Doch gehet und beobachtet selbst: ( denn ich weiß, wie schwer es hält, steh durch fremde Erfahrungen zu überzeugen, ein Leben , das aus lauter Vergnügungen zusamen gesetzet zu seyn scheint, sey nicht vergnügt.) Gehet in die üppigsten, fröhlichsten und glänzendsten Gesellschaften, und beobachtet: gehet in jene schimmernden Zusamenkünfte, wo der Luxus in seiner ganzen Größe auftritt; bemerket da, wie vteleZeit und Geduld und lange Weile und Verdrießlichkeiten man vorher auf den Putz verwenden mußte, um nun drey Stunden lang glänzen zu können : sehet da, wie alle gefallen wollen , und mit Auge und Geberden um Lob und Be- wnndmmg betteln ; wie man einander Schmeicheleien sagt , und im Herzen verabscheuet ; wie alles einander in der Stille beobachtet, beneidet und tadelt / oderbelachet und spottet: welch ein Zwang/ welch eine Leerheit / und oft noch welch eine Bosär- tigkeit'herrschet in diesen Zusamenkünften! Saget / können diese Leute vergnügt seyn? Sieh, altes war Eitelkeit rm Rumer des Gemüthes. Gehet in die engern Kreise / wo wenige Freunde um einen Spieltisch sitzen, und auf ein Blatt die beträchtlichsten Summen gewinnen oder verlieren : beobachtet und sehet da auf dem Antlitz des einen boshafte Schadenfreude ; und Zorn und verbissene Wuch und Verzweiflung in der Mine des andern; bey allen eine höllische Begierde einader zu ruiniren: Ernst und sprachlos bringen sie da Nächte zu / bis endlich der kommende Tag sie auseinander scheuet / und über einen Verlust des einen oder andern entscheidet/ von dem er sich Jahre lang nicht mehr erhöhtet. Saget / sind diese Freunde / wie sie sich nennen / zufrieden und vergnügt? Sieh / alles war Eitelkeit uns Nummer des Gemüthes. Gehet in die sogenannten lustigen Gesellschaften der Trinkbrüder: sehet da/ welch ein Gelärme , welch eine Ungezogenheit / was für Gezänke und Beschimpfungen / was für nichtswürdige Possen und Unverschämtheiten da vertoben: begleitet den Trunkenbolden nach Hause / und beobachtet / welch einen Schrecken und Jammer / welche Zwietracht und Armuth er in den Schoos seiner Familie zurück bringt; und saget dann / ob das ein vergnügtes Leben sey. e?ieh . alles war Eitelkeit und Kummer des Gemüthes. Gehet in das erste beste bürgerliche oder adeliche Haus / dartnn der Luxus / herrscht; betrachtet ihn da in seiner wahren Gestalt - samt dem fürchterlichen Heere von Elende / das ihn umqiebt: sehet da den Anhänger des Luxns; Verstand und Herz sind ihm gelähmt / alle edlen Gefühle abgestumpft , der Körper entnervt, die Gesundheit zerrüttet / die Geschäfte ver- nachläfiget / alles in Verwirrung und Unordnung ; Nacht ist in Tag / und Tag in Nacht verändert ; Ruhe und Friede sind aus seinem Herzen gewichen ; seine Güter wie seine Geheimnisse / seine Kinder wie sein guter Name sind den Dienstboten Preis gegeben. Sehet hier den Sklaven des Lurus, wie er unter dessen Joche seufzet! Er erkennet dessen Verderben und Thorheit , er sieht seinen baldigen Rum vor: immer foltert ihn dieser fürchterliche Gedanke: er möchte sich gerne vom Luxus losmachen und kan es nicht; denn viele Rücksichten hindern ihn: schwer ist es, sich dessen Herrschaft zu entziehen : das fodert einen Muth und eine Starke , die die Luxusdiener gemeiniglich nicht haben. Sehet dort , die Tongeberinn des Luxus mit Schande gebrandmarket, mit allgemeiner Verachtung belegt, von übler Laune und Krankheiten gequäkt, von Schulden und Sorgen verfolget - mit Elend und Hochmuth , mit Neid und Verdruß, und mit dem Bewußtseyn ihrer Lüderlichkeit kämpfen. Sehet jenen Helden des Luxus , der nun nachdem seine häusliche Umstände in Zerfall gekommen, sklavisch kriechet, um eine Bedienung oder ein Allmosen rwn der Regierung zu erbetteln, der die niederträchtigsten Streiche wagt, um Geld zu erbeu- 22 ten, und selbst offenbare Ungerechtigkeiten nicht scheuet, wenn ste ihm neue Nahrung des Luxus versprechen. Alles ist Quaal für ihn , -er Anblick seiner Güter , die in andere Hände Übergängen, oder bald übergeben Missen; seine Gattinn, die er unglücklich gewacht; seine Kinder , denen er weder Erziehung noch Versorgung standesmäßig setzen kann; seine Nachbarn und Mitbürger, vor denen er seine Umstände nicht länger tzergen kann. Gehet, und schauet all das Elend, so der Luxus verbreitet, sonderbar in republikanischen Verfassungen, wo es keine Großen giebt, die das Fett eines ganzen Landes zu verzehren haben , sonderbar in einem Lande, dessen Produkte kaum Hinreichen , die unentbehrlichen Bedürfnisse herzuschaffen, sonderbar bey uns, wo bey immer gleichen Einkünften die Hilfsmittel des Luxus so bald erschöpfet stnd ; gehet und schauet: saget dann, ob der Luxus ein vergnügtes Leben gewähre. Sieh, alles war Eitelkeit »nd Rummer des Gemüthes. Der Der Luxus verschaffet also weder Ehre und Hochachtung, noch Vergnügen und Zufriedenheit des Lebens. Diese so simple und einleuchtende Wahrheit würde erklccken,den Luxus zu hemmen, wenn die Menschen gewöhnt wären, über ihre Aufführung reif nachzudenken, und stark genug , ihrer Vernunft wider die blinden Neigungen des Herzens zu folgen. Allein das sind sie nun einmal nicht. Wie ist dann dem Uebel abzuhelfen ? Vielleicht durch scharfe Gesetze? So lange die Quellen des Uebels nicht abgegraben sind, sind Gesetze allein nur ein schwacher Damm dagegen. Die Grundursachen des Luxus, diese unordentliche Gefallens-und Vergnügensbegierde, müssen gehoben werden, oder eine bessere Richtung bekommen; denn fällt der Luxus von sechsten. Das können aber keine Gesetze allein zu Wege bringen. Die Regierung kan wohl jene öffentlichen Lustbarkeiten einschränken , und vermindern, wobey man seine Person in vollem Kleiderluxus zur Schau aussetzet, um Lob und Bewunderung einzuärntnen; und wo man sich lächerlich machen würde. wenn man ohne Luxus aufträtte. Sie kan jene öffentlichen Vergnügungen hindern, welche von ernsthaften Beschäftigungen abziehen, selbst den Geist der Arbeitsamkeit todten, dafür den Hang nach Vergnügen starken, und Weichlichkeit und Müsstggang pstanzen. Sie kann übertriebenem Auswande mit Verachtung und Ungnade begegnen, kann nützliche Thätigkeit, Fleiß und Industrie ehren und begünstigen. Aber damit ist lange noch nicht alles gethan. Jeder Privat muß das Seinige mit beytragen. Und wie? Erlaubet mir Euch Vorschläge zu machen. Erweiset dem keine Ehre, was keiner werth ist: werdet nie die Lobredner kostbarer Mahlzeit ten, herrlicher! Häuser, prächtiger Kleider, ausschweifender Ergötzungen; wünschet Niemanden zu seiner neumodischen Pracht Glück, sondern laßt es mik allschweizerischer Freymüthgkeit Jedermann wissen , daß ihr euch vor keinem goldnen Kalbe, sondern nur vor Tugend und Rechtschaffenheit bücket. Suchet da keine Ehre, wo keine ist, in einem glänzenden Aussenwerke: schämet euch eurer tapfern Voröltern nicht, sondern nähert euch, so viel es unsere Zeiten erlauben, ihrer einfachen und ungekünstelten Lebensart?, und setzet euere Ehre allein darin, worin sie eigentlich besteht, in der Tugend und Erfüllung eurer Pflichten Gebet nicht zu, daß man eure Untergebenen wegen eines schönen Anzuges lobet, sondern lehret sie durch Thaten und Worte, daß nicht äussere Dinge, sondern der inere Werth des Menschen Ehre sey. Und so wir- nach und nach, wenigst um euch herum , der Wahn verschwinden, als wenn übertriebene Pracht Ehre brachte, und die erste Quelle des Luxus abgeleitet seyn. Allein das ist noch nicht genug: die zweyte Quelle, der Hang nach Vergnügen, wirket noch weit stärker; um -lese zu zerstören, so weit eure Macht reichet, stellet bey jeder Gelegenheit die bittern Folgen des Luxus vor, und benutzet dazu jedes traurige Beyspiel der Ueppigkeit, derer unsere Tage so viele zeigen: haltet eure Kinder und Untergebene , ich meyne nicht so fast die Kleinen, als die schon erwachsenen Söhne und Töchter , haltet sie zu schicklichen Arbeiten an, und lehret sie bey Zeilen das edelste und reinste Vergnügen schmecken, welches Mr allemal in nützlicher Beschäftigung finden: sonderbar hütet euch, daß ihr sie nie in eine Lage versetzet , wo sie nicht wissen, was sie den ganzen Tag thun sollen . und so gleichsam genöthiget sind, auszuschweifen. Versperret ihnen den Zutritt zu allen verschwenderischen Gesellschaften, aus Furcht, das schlimme Beyspiel möchte die Früchte Eurer Bemühungen zerstören; lasset sie es beyzeiten fühlen, daß die süßesten Freuden die Hausfreuden sind , und daß sie nirgends so herzlich vergnügt wie im engen Kreise ihrer Freunde seyn können: und was das Wirksamste ist, gebet das Beyspiel dazu, und versaget Euch, wie ihnen, alle jene Lustbarkeiten, bey denen sie die Lust zur Arbeit verlieren, und dafür den Geist der Zerstreuung und der Weichlichkeit nach Hause bringen; oder gestattet sie ihnen so selten, daß sie keinen starken Eindruck auf ihr Herz machen können. Vielleicht werden sie sich dagegen sträuben, und das Beyspiel anderer junger Leute ihres Standes anführen ; vielleicht mag eine thörichte Mutter auf ihre Seite tretten: und 27 -ann ist es Zeit, rast Ihr Euch als Man bezeiget, und Euch einer Macht nicht begebet , die euch Gott über Euer Haus verliehen ; ihr müsset unerbittlich seyn / wo es die Vernunft und die Wohlfahrt der Eurigen fodert. Endlich müssen wir alle die Religion ehren und befödern; denn ste ist das kräftigste Verwahrungsmittel gegen den Luxus , wie ich mit Gottes Hilfe ein andermal darthun werde, Amen. 4 Zweyte Predigt, am eilfren Sontage nach Pfingsten. llsne ornnia secit. Er hat alles wohl gemacht. Mark. 6, »7. vi-iebt es wohl noch ein Hilfsmittel gegen den Luxus ? Oder muß unter diesem Gesundheit und Sitten verderbenden, Familien und Staaten verwüstenden Uebel endlich alles erliegen? Ist es möglich, fich dagegen zu verwahren, und dem Untergänge fich zu entziehen? Oder ist es damit wie mit einer vergifteten Seuche, deren Verwüstungen man an seinen dahinfallenden Brüdern bebend steht, und gegen welche man sich doch auf keine sichre Weise schützen kann ? Ich will zugeben, daß Gesetze und Strafen, daß vielleicht Erziehung und selbst die so stolze menschliche Vernunft, daß die ganze Gewalt der Herrscher dieser Erde wenig oder nichts dawider vermögen : aber ich behaupte, was keine menschliche Kraft vermag, das vermag die göttliche Religion Jesu Christi. Er, dieser Retter der Menschen hat diesen Feind des Menschengeschlechtes in den Tiefen des menschlichen Herzens aufgesuchet, bestatten und besieget Man kann in den heiligen Schriften seine Lehre wider den Luxus, und die Wirkungen derselben in der Religionsgeschichte nicht lesen, ohne mit Erstaunen aufzurufen, wie das Volk im heutigen Evangelium bey einem viel kleinern Wunder aufrief: Er hat alles wodl gemacht. Das ist es auch, was ich Euch heut, in so weit es die engen Schranken der Zeit erlauben , vortragen möchte, nämlich, was die Religion wider den Luxus gethan ; und zwar erstens was sie dawider gelehret, und zweytens , was ste dawider gewirket habe. Dadurch werde ich Euch zween sehr verderbliche Irrthümer aufdecken; den Irrthum, als ob Christenthum und Luxus fich vereinbaren liessen; und den Irrthum, als ob wider dieses ausgebreitete Uebel kein Ret- Lungsmittel mehr übrig sey. Ihr sollet sehen, -aß man beym Luxus kein guter Christ seyn kann, und daß das Christenthum das wirksamste verwahrungs - und Heilungsmittel dagegen sey; denn unmöglich kann wahres/ thätiges Christenthum neben dem Luxus stehen ; weil die christliche Religion den Luxus verdammet / erster Theil; weil ste ihn besieget , zweyter Theil. Wenn ich jemals ge- wünschet , mit Deutlichkeit und Nachdruck zu Euch zu rede»/so ist es heut: denn ich möchte euch auf eine wichtige und doch oft verkannte Pflicht des Christenthums aufmerksam machen; möchte Euch zugleich die tröst- volle Ueberzeugung beybringen, daß ihr nicht durch Luxus endlich zu Grunde gehen müsse! , wie ihr fürchtet/ sondern daß Ihr Euch/ Eure Kinder / und Eure Häuser davor sicher stellen könnet, wenn ihr wollet. Ich fange an im heiligsten Name, Jesus. Erster Theil. Die Ev angelten , die Sendschreiben der Apostel / die Schriften der heiligen Väter und Religwnslehrer reden oft und viel von einer Welt, die den Gottgesandten Heiland nickt erkannt, für die Christus bey seinem Hinscheiden aus diesem sterblichen Leben mcht gebetet hat, und die den heiligen Geist nicht empfangen kann; von einer Welt, welche die Jünger Christi hasset und verfolget , wir fie Ihn sechsten zuerst gehastet und verfoiqet Kar, welche aber Christi Jünger nicht fürchten sollen, weil Er sie besieget yar; von einer Welt, welche die Christen hinwieder bekämpfen, Haffen und fliehen müssen , mit welcher ste niemals Gemeinschaft, Friede oder Freundschaft machen dörfen, weil.xreunofchaft mrt ibr Feindschaft Gottes ist. Vielleicht habet Ihr auf eben diesem Lehrstuhle der Religion schon oft diese Welt verdammen , fie als eine Verderberinn der reinen christlichen Sitten vorstellen, und Euch gegen ihre Reize warnen gehöret. Allein wer ist dann diese Welt, wider welche die Religion so oft und so fürchterlich donnert? Es ist nicht die Erde, die uns der Schöpfer selbst zur Wohnung auf unsrer Ptlgrim- schaft angewiesen, und die wir nicht ver- lassen dörfen, bis er durch den Tod uns davon abruft: es sind nicht die Menschen/ »nter denen wir gesellschaftlich leben müssen ; denn uns ist nicht erlaubet, die Welt, als eine Gesellschaft der Menschen betrachtet, zu hassen / sondern es ist eins unsrer Hauptge- boce / sie zu lieben. Was ist dann die von der Religion verworfene Welt ? Der geliebte Jünger sagt es uns deutlich in semem ersten Sendschreiben- 2, is. Ich will euch die Stelle ganz anführen: Liebet die Welt nicht, schreibet Er / noch was in der weit ist: Wer die Welt liebet, der Ueber Gott den bim- lischen Vater nicht; weil alles, was in der Welt ist, Scmerde des Fleisches ist, und L»egierde der Anaen, und Hoffart des Lebens Sehet da, Christen, welch eine Welt Ihr nicht lieben sollet, jene, wo alles Begierde des Fleisches, und Veaierde der Anyen, und Hoffart des Lebens ist. Wo ist nun diese Welt? Da, wo jener ausschweifende Hang nach Vergnügungen ist, wo man die Pflichten seines Standes verabsäumet, um dem nachzujagen, was den Sinnen und dem Fleische schmeichelt; wo der Morgen mit Schlaft und Putze, der Nachmittag mit geschäftigem Nichtsthun, der Abend und die Nacht mit Erlustigungen zugebracht werden; wo man sichs zum angelegensten Geschäfte seines Lebens macht, von einem sittlichen Genusse zum andern Hinüberzugehen, und seinem Leibe wohlzuthun: da ist alles Begierde des Fleisches. Da, wo man auf immer neue Mittel sinnet, sich zu vergnügen , und alle Hilfsmittel und Gegenstände -er Wollüste ausspähet; wo man Intriguen, Niederträchtigkeiten, menschenfeindliche Glücksspiele, und alles waget, um auf eine leichte Weift zu Gelde zu komen; wo man in der einzigen Absicht arbeitet, um neue Nahrung zu gewinen, seinen Hang nach sinnlichen Lüsten zu befriedige«: da ist alles Begierde der Augen. Da, wo jenes thörichte Verlangen zu gefallen ist; wo man seine kleine Person durch alle Künste der Mode aufputzet, eine Pracht über sein C Vermögen, einen Staat über setnm Stand, oder wenigstens wider die Klugheit führet, kurz großen Aufwand macht, nur um Aufsehen zu machen und großzuthun, oder um falsches Lob und Schmeichelten zu erhäschen : Da ist alles Hoffart des Lebens. Wo und Wer ist nun diese Welt? Ihr, die Ihr Euch erinnert, was ich Euch jüngstem vom Luxus gesagt habe, werdet es unschwer einsehen ; denn alles , was ich damals in emer halben Stunde gesagt, saget der heilige Geist in dreyen Worten: Begierde des Fleisches, Begierde der Augen, Hoffart des Lebens. Die Welt also , welcher die Religion so oft und so nachdrücklich den Fluch spricht, ob fie gleich der Luxus nicht allein ist; ist doch gewiß auch allemal da, wo jene Gesallensbegierde, und jene Verqnüqenssucht,diese Quellendes Luxus, die Triebfedern der Aufführung sind, ist gewiß und im eigentlichsten Sinne der Luxus. Was folget daraus , ihr Christen? Daß dle Religion den Luxus nicht nur wie an- dere Ausschweifungen verdammet, sondern ihn als ihren Hauptfeind erkläret, mit welchem ihre Bekenner, keinen Vergleich, keine Gemeinschaft machen können, ohne von ihr abtrünnig und Femde Gottes zu werden : Eine Folge , die so richtig und gewiß ist- daß sie Gott selbsi bestätiget. Höret es, und zittert, ihr Freunde und Freundinnen dieser. Welt, wo alles Begierde des Fleisches und der Augen, und Hoffart des Lebens, alles Luxus ist: Die Freundschaft dieser »Veit ist eine Feindschaft Gottes, spricht der Herr durch Jakob 4, 4: Werimer dann ein Freund dieser Melk i t, der wird ein Feind Gottes. Schmeichelt Euch also nicht, daß ihr Gott dienen und Euer Heil wirken könnet, so lange ihr Eurer Neigung nach Vergnügungen und nach Menschenehre, dieser Mutter des Luxus, dienet: Ihr möget die Kirchen, und Versamlungen der christlichen Gemeinde besuchen; ihr möget die Gebräuche des Christenthums mitmachen , und selbst an den heiligen Geheimnissen Theil nehmen: das ist erst pharisäische .Gerechtigkeit; ihr seyd nur Dienner Gottes in der Auffensette; aber Euer Herz, das an sittlichen Freuden und an -er Pracht hangt/ hat keine Ehrfurcht / kein Vertrauen/ keine Liebe zu Gott / ist ferne von ihm / ist «in Feind Gottes; denn ewig bleibt der Ausspruch wahr: U)er imer ein Freund dieser weit ist / wird ein Feind Gottes- Ja, ihr Kinder des Luxus/ die ihr Euch so gerne bereden möchtet / Religion und Luxus können nebeneinander stehen/ihr selbst seyd überzeugt / daß sie sich. nicht mit einander vereinigen lassen / und ihr verrathet Euch oft wider Euer» Witte: wenn Ihr eine Frauensperson sehet / die in den Kirchen/wie eine Heilige / fromm thut / aber dann auch / wie eine Buhlerinn, alle Künste des Putzes erschöpfet / um in den Gesellschaften zu gefallen: was denket / was saget Ihr von ihr ? »Sie sey eine Heuchlerinn oder Thörin«/ aber nichts weniger als „eine wahre Christinn». Oder den Mann/ der sich zwischen Gott und der Welt theilet / der einen Theil des Tages den Werken der Gottseligkeit weihet / den andern zechet und schwelget, für wen haltet Ihr ihn? »Für einen falschen Andächtler, der »entweder den Geist des Christenthumes nicht »kennet, oder dessen spottet». Und Ihr urtheilet richtig in beyden Fällen, nach der von Gott gegebenen Vorschrift: IDer ein Freund dieser Welt ist, wird ein Feind Gottes. Aber was soll man dann von Euch urtheilen, die ihr eben so viel Luxus, aber lange nicht so viel äusserliche Religion zeiget? Sehet Eure Verblendung: Ihr verdammet Euren Nächsten in einer Sache, in welcher ihr weit schuldiger sey- , und denket nicht daran, -aß ihr das schrecklichste Urtheil über Euch sechsten sprechet, -aß ihr dadurch sechsten bekennet, ihr seyet durch euren Luxus von der Religion abgefallen, und zu den Feinden Gottes hinübergegangen. Allein was thut man dann beym Luxus so böses, das der Freundschaft Gottes, und der Religion zuwider wäre? — WaS man dadurch böses thue, fraget ihr? WaS soll ich euch darauf antworten ? Soll ich euch die schändlichen, die fluchwürdigen, die grruelvvllen Geheimnisse aufdecken, welche der Luxus unter Dienstboten und Herschaf' ten, unter Jünglingen und Greisen / unter Aeltern und Kindern, in Häusern und Fa» mitten, in Ehen, im Gewerbe , in Verwaltung oberkeitlicher Aemter , und überall veranläßet / ausgebrütet, und vollbracht hat? Nein, lassen wir allen diesen Greuel in seiner Schand verborgen liegen, und werfen wir nur einen Blick auf die Uebel, welche vor Augen liegen. Oeffnet Eure Augen, und sehet: Man machet Schulden, die man nicht mehr bezahlen kann ; man läßt arme Tag- löhner und Dürftige Handwerker Jahre Lang auf ihren verdienten Lohn warten und Noth leiden , und zuletzt wird ihnen noch ein Theil davon abgedrücket; man erfüllet keine seiner Pflichten, der Vater ist kein Vater an seinen Kindern , die Mutter keine Mutter, die Kinder nicht der Trost und die Stütze -er Aeltern, sondern ihre Plage; die Wittwe anstatt nach der Lehre des Apostels ihre Kinder und Abkömlinge zur Haus- wirthschaft anzuführen, die Zuflucht und der Trost der Armen und der Leidende» zu seyn / und in allen guten Werken sich zu üben i an Thim. s. , ist die Lehrerinn der Ueppigkeit, die Anführerinn bey den übertriebensten Lustbarkeiten, und die Verderben» der jungen Leute: Der Geschäftsmann läßt seme Arbeiten liegen , und der Arme, die Wittwe, die Wayse, das allgemeine Beste muß darunter leiden ; Die Frau nimmt sich weder Zeit noch Mühe, ihr Hauswesen zu besorgen; Wirthschaft und Kinder und Dienst- Vothen und alles liegt in Unordnung ; es geschehen da Unfugen und Uebel, welche die Nachbarschaft ärgern, und in den Himmel schreyen; und sie weiß es nicht: Die Töchter werden durch ihren leichtfertigen Anzug und durch ihre freche Aufführung das Aergerniß und der Fallstrick der Jugend: Die Söhne Lestehlen ihre Aeltern , entweder offenbar, indem sie ihnen »»nöthige Umkösten abzwingen, oder heimlich, indem sie ihre Hand nach ihren Gütern ausstrecken, und ihr Erbe verschweigen, ehe sie noch geerdet haben r durch Luxus richtet man sein Haus, seine Gesundheit, seine Ehre zu Grunde, erfüllet seine Anverwandte mit Verdrusse und Kumer, und wird ihnen und dem Staate aus eigner Schuld zur Last : man machet seinen Ehr« genossen und Kinder und alles um sich her ohne Rettung unglücklich: Saget, ist das nicht böses genug, nicht wider alle Vorschriften und Gesetze der Religion / nicht vor Gott des Fluches würdig? Denket nicht , daß ihr Euerseits nie so wett gehen und Euch vor solchen Uebeln wohl hüten werdet : so denken Anfangs alle Luxusanhänger ; aber hat man sich einmal unter dessen Herrschaft begeben, so wird er ein Tyrann, der Euch nicht über Euch sechsten Meister läßt, keine Schranken kennet, und von einem Uebel zum andern hinreißt. Glaubet ihr wohl, Salomon, nachdem er sich vorgenommen, seinem Hange nach Vergnügen ganz zu folgen, glaubet ihr, dieser weise König hätte jemals gedacht, es würde endlich so weit mit ihm kommen, -aß er die Einkünfte seines reichen Staates dadurch erschuftn, sein Volk mit neuen Auflagen drücken , und die Religion seiner Väter öffentlich schänden würde? Und dennoch ward er endlich dahin gebracht, daß er sei» Volk nicht nur -rückte, sondern nach dem Ausdrucke seines Sohnes und Nachfolgers mit Ruthen geisselte, vor Götzenbildern das Knie bog und ihnen opferte. So wahr ist es, daß wer ei»; Freund djxstr Welt ist, ein Feind Gottes wird. Aber man muß doch in der Welt leben, und man kann doch unter gesitteten Menschen nicht leben, wie in einer Wüste unter Thieren. — Ja, Ihr müsset in der Welt leren ; aber nicht für diese von Gott verworfene Welt , nicht für ihre Thorheiten und Ausschweifungen, nicht für ihre Verschwendung und Eitelkeiten, müsset nicht Eure ganze Sorge und Beschäftigung darauf setzen, der Welt zu gefallen und die Welt zu gemessen; ihr müsset in -er Welt, aber nicht im Luxus leben : So lehret Euch die Religion, diejenigen, spricht sie i Kor. 7, zi., welche diese Welt brauchen, sollen sie nicht misbrauchen. Sie erlaubet, daß Euer Anzug reinlich und bequem und Etandesgemäs, aber nicht zu kostbar, nicht zu prächtig, nicht ärgerlich, sondern be- scheiden sey. Sie erlaubet Euch eine gesunde Nahrung , die eure durch Arbeit Verlornen Kräfte ersetzen , aber nicht eben den Gaumen kützeln ; die Euch sättigen , aber nicht überladen; die Eurem Vermögen, aber nicht eurer Lüsternheit angemessen seyn soll. Sie erlaubet Gemächlichkeit in Wohnungen und im Geräthe, aber nicht unnütze Pracht; sie erlaubet eine Bedienung , wie sie die Noth / aber nicht wie sie die Weichlichkeit und der Müssiggang bestimmet. Sie erlaubet Euch die unschuldigen Freuden der Welt / insoweit sie Euch zur Arbeit neuen Muth und neue Kraft geben, aber nicht so weit, daß sie in Euch die Liebe zur Beschäftigung ersticken; sie sollen eine Erhöhung nach den Geschäften, und Arzney für die Müheseligkeiten dieses Lebens, aber nicht das Geschäft dieses Lebens; und daher unsträflich , und selten seyn, und weder zuviel Zeit, noch zu großem Aufwand fodern. So lehret Euch die Religion die Welt brauchen. Aber ist das heut zu Tage wohl möglich, wo alles in Kleidung, in Nahrung , in Vergnügungen, übertrieben und in Luxus ausgeartet ist? Kann man fich wohl noch so nach den Regeln der Vernunft und Religion einschränken, und ist es nicht eine Art von Nothwendigkeit, dem Strome zu folgen ? Wir dörften dem göttlichem Stifter der Religion wenig Dank wissen, wenn er die Welt und ihren Luxus nur verfluchet, aber keine Mittel gegeben hätte, uns dagegen zu verwahren. Aber Er hat alles wohl gemacht , hat beydes gethan, die Welt verdammet und besieget. Fasset Muth, ruft er seinen Jüngern zu Joh. r s, 19.: Ich habe die Welt besieget. Lasset uns dann seinen Sieg sehen, und die göttliche Kraft bewundern , womit die Religion gegen den Luxus wirket. Zweyter Theil. Alles was aus Gott gebohreu ist, besieget die Welt, sagt der H. Joh. tm i. Sendschr. 5,4.; und das ist der Sieg, welcher die Welt überwindet, unser Glaube. Hier sollte ich Euch die Waffen und Mittel vorlegen, wodurch die Religion die Welt besieget: Mein das würde uns zu weit führen; ich müßte Euch zeigen / daß die Religionsverfassung eigentlich dahin eingerichtet sey, das Reich -es Luxus in seinem Grunde zu zerstören, daß alle ihre Lehren und Beyspiele / alle ihre Strafen und Belohnungen, alle ihre Gesetze und selbst die gottesdienstlichen Handlungen dahin abzielen , den unordentlichen Hang nach Vergnügungen, unh. jene eitle Begierde nach Menschenbeyfall zu vertilgen / oder einzuschränken , oder ihnen eine bessere Richtung zu geben: ich müßte Euch das ganze Religionssystem aus diesem Gesichtspunkte vorstellen , und das ist für eine einzige Rede eine Unmöglichkeit. Wir wollen also für itzt nur einen flüchtigen Blick auf die Stege der Religion über die Welt werfen, und aus dem, was geschehen ist, auf das Messen , was noch geschehen kann. Wähnet nicht, daß der Luxus eine Er» findung erst unserer Zeiten, oder eine Geburt unserer Länder sey. Es hat allezeit und überall eine gewisse Art von Luxus ge- geben, der mehr oder weniger schädlich war. I«/ es sind Zeiten und Gegenden gewesen , in denen der Luxus auf so einen Grad gestiegen, daß der unserige damit in gar keine Vergleichung kömmt. Diese wegen ihres Luxus so berüchtigten Zeiten und Gegenden waren gerade diejenigen, in denen die christliche Religion entstanden. Das wollüstige Asien war die Erfinderinn eines feinern und reizender» Luxus; das frucht» bare Aegypten fand in seinem Boden die Mittel, die Zweige desselben zu vervielfältigen; das aufgeklärtere und gesittetere Griechenland wußte ihm mehr Wohlanständigkeit zugeben; in Rom endlich und Italien, dieser Beherrscherinn des Erdbodens, war der Zusamenfluß von allem, was immer der Luxus auf -er ganzen weiten Erde hervorgebracht hatte: und man muß bekennen, daß damals in diesen Orten ein Luxus ge- herrschet, der alle Glaubwürdigkeit übersteigen würde, wenn er nicht von den zuverlässigsten Geschichtschreibern gezeichnet, uns wäre überliefert worden. Mitte unter diesen vvm Luxus so verdorbenen Völkern erscheinet die Religion Jesu Christi. Und was geschieht? Töchter legen ihren eitel« Putz von sich , und erscheinen im sittsamen Anzüge einer demüthigen Dienerinn Christi: Frauen entfernen sich von Zeit und Geld verschwendenden Gesellschaften und Lustbarkeiten, widmen sich ganz ihren Pflichten, und suchen Niemanden mehr als Gott und ihren Männern zu gefallen: Männer beweinen ihre Verblendung , in der sie dem Menschenbeyfall oder den Wollüsten nachgejagt , und fangen an jenes wahre Vergnüge« zu kosten, welches nützliche Thätigkeit in der Laufbahn seines Berufes bringt: Jünglinge kennen keine grössere Lust , als die Hilfe , die Freude und der Ruhm der Aeltern zu seyn : sogar der Kriegsstand , der zu größern Ausschweifungen in allen Arten des Luxus sich berechtiget glaubte , tritt in die Schranken der Mäßigkeit und Bescheidenheit zurück, und man sieht ganze Legionen unter dem Getümel der Waffen die strenge Lehre des Evangeliums ausüben, wie denn auch dieser Tempel noch heilige Ueberreste von solchen christlichen Kriegern aufbewahret: so wie sich das Christenthum nach und nach in Häusern , in Städten und Ländern verbreitet / wird Sittsamkeit Ordnung , Genügsamkeit , und der Geist der Beschäftigung überall nach und nach hergestellt. Das ist der Sieg, welcher die Welt überwindet, unser Glaube. Diese Veränderung in der Lebensart fiel selbst den Heiden so sehr auf, daß sie- die Christen daran erkannten, so daß sich die Schutzschriften der Christen darauf als auf ein allgemein bekanntes nud immer gegenwärtiges Wunder berufen konnten. Und glaubet nicht, M. Z., daß ich an dem schönen Bilde etwas übertrieben habe; ich habe noch viel zu wenig gesagt: Man verließ nicht nur den Luxus, sondern benahm sich selbsten die Mittel dazu : zu Jerusalem verkauften die neuen Christen sogar ihre Güter, legten das erlöste Geld zu den Füssen der Apostel als ein Gemeingut, und lebten theils von ihrer Arbeit, theils von dem, was sie aus der allgemeinen Kassa erhielten. In Aegypten und bald da nach im ganzen Orient hatten sie so eine Behutsamkeit nur gegen den reizenden Anblick und gegen das Ansteckende des Luxus, daß die Städte verlassen, und Wälder und Einöden von ganzen christlichen Gemeinden angebauet wurden. In Griechenland und Asien, wo vorher dem Luxus keine Einkünfte mehr hinlänglich gewesen , hatte» nun die christlichen Familien so einen Ueberschuß, daß sie nicht nur die Dürftigen ihres OrteS zum Erstaunen der Heiden ernähren, sondern selbst noch an ärmere christliche Gemeinden reichliche Allmosen schicken konnten. In Rom und in unsern Abendländern, wie im Orient, wo vormals in den vornehmsten Häusern oft neben der grösten Pracht die groste Dürftigkeit wohnete, und die grausamsten Gelderpressungen die Provinzen erschöpftet hatten, verschafte das eingeführte Christenthum durch Verbannung des Luxus so einen Ueberfluß, daß sowohl Partikular- als Fürstenpersonen jene grossen frommen Stiftungen machen konnten, die wir noch an so vielen Dom - und Kollegtalstiften, an so vielen Klöstern und Hospitälern bewundern. Da» ist der Sieg, welcher die Welt überwindet, unser Glaube. Da habet Ihr eine kurze Uebersicht dessen, was die Religion wider den Luxus qewirket; eine Thatsache , welche einen grossen Theil der Kirchengerichte ausmachet, und von welcher wir noch immer Denkmäler vor Augen haben, Bilder und Reliquien von Heiligen welche durch die göttliche Kraft der Religion die Welt besieget, und Gotteshäuser die auf die Ruinen des Luxus gebauet worden. Und Wir Kletnmüthigen zweifeln, und glauben, wir haben wider dieses eingerissene Uebel kein Rettungsmittel mehr, Wir, dir wir uns zur gleichen Weltbesiegenden Religion bekennen ? Glauben wir dann die Religion habe ihre Kraft verloren ? Oder ihr göttlicher Stifter habe sie wider seine theure Verheißung verlassen ? Ferne sey es von uns, so eine Gottlosigkeit zu denken. Jesus Christus fährt immer fort, durch seine Religion zu wirken und die Welt zu besiegen: Wir haben davon noch die schönsten Beyspiele vor uns, Personen und ganze Häuser, bey denen die Religion über den Luxus gesieget: Wir haben noch mehrere, als wir glauben; denn D die Stege des Glaubens fallen nicht so stark ins Aug wie die Verwüstungen -es Luxus. Allein es läßt fich -och nicht läugnen , daß -er Luxus selbst in christlichen Staaten sehr große Vor schritte gethan; und es muß Euch nothwendig die Frage beyfallen: Wenn die Religion die Deßegerinn des Luxus ist : wie kann Er neben der Religion bestehen? Wie immer mehr wachsen und sich ausarbeiten? Erlaubet mir, M. Z., zwo andere Fragen vorauszuschicken; und ich will dann die Eitrige befriedigend beantworten. Ich frage erstens: seit wann macht der Luxus unter Christen so große Vorschritte? Ihr sindet die Antwort in Eurer Vaterstadt: seitdem die religiösen Gebrauche in den Häusern von den Gebräuchen der Welt sind verdrängt worden; seitdem die heiligen Bilder, die unsere Dorältern als eine stäte Erinnerung an die großen Religionswahrheiten in ihren Wohnungen aufgestellt hatten, den Bildern der Wollust und der Weichlichkeit haben Platz machen müssen; seitdem man so selten Bücher der Erbauung in Euren Händen sieht, aber desto mehr Bücher, welche einreisten, aber nicht besseres dagegen aufstellen, welche die Religion untergraben / indem sie den Verstand leer, und das Herz voll Thorheit, nnd Empstndeley lassen; seitdem diejenigen Lustbarkeiten, welche die Religion zu allen Zeiten und unter allen Himelsstrichen für ihre gefährlichsten Feinde angesehen, weil sie den Geist des Christenthums nach und nach auslöschen, und doch den Schein der Unstrastichkeit haben, die Tanze, die Schauspiele, die schwelgerischen Gastgebote und Trinkgelage so sehr vervielfältiget worden; seitdem man sich über die heiligsten Satzungen -er Religion weggesetzet, und selbe nur in so weit beobachtet, als sie unserer Weichlichkeit nicht zu nahe tretten; seitdem Gottes Wort, die hochheiligen Geheimnisse, und die öffentlichen Gottesdienste so sichtbar gering geschähet und bin- dan gefttzet worden, und seitdem diejenigen, die hierin die besten Beyspiele geben sollten, gerade die schlechtesten geben. Ich frage zweyccns: bey welchen Personen, in welchen Häufe, n hat der Luxus zum stärksten einge« rissen? Sehet umher, nnd ihr könnet es unmöglich übersehen, daß es diejenigen sind, welche zum wenigsten Religion äusser», und derer geringste Sorge, wenn es doch noch Sorge ist, das Christenthum zu seyn scheint. Nun fraget, M. Ch., warum -er Luxus so sehr überhand nehme': Die Antwort liegt da: weil man die Religion verläßt, nicht durch einen offenbaren Abfall, sondern durch Geringschätzung, Vernachläßigung und Vergessenheit: Man gebraucht gegen die vergiftete Seuche das vom Himmel gegebene Bewahrungsmittel nicht; was Wunder, wen man davon ergriffen wird? Man macht es, wie ein Wahnsinniger kranker.; man stößt die Arzney von sich: was Wunder , wenn sie nicht hilft? Eben dieses Ueberhandnehmen des Luxus beym Abnahme der Religion ist ein auffallender Beweis dessen, was ich im ersten Theile gesagt, daß Religion und Luxus Feinde sind, die neben einander nicht stehen können ; gleichwie die Zerstörung des Luxus bey Aufnahme -er Religion augenscheinlich beweist, daß sie ihn besieget. Fasset Fasset dann Muth , ihr, die ihr nicht ein Raub des Luxus seyn wollet: Christus hat ihn besteget; ergreifet seine heilige Religion/ übet / befolget fie; und ihr werdet gerettet seyn. Lasset Euch nicht niederschlagen von dem traurigen Anblicke Euer Brüder / welche steh unbesonnen in den Wirbel des Luxus stürzen / und gegen die wohlthätige Hand der Religion / die fie wieder hinausziehen will, ausschlagen; lasset ste und ihre Familien zu Grunde gehen / wenn ihr es doch nicht hindern könnet; darum werdet ihr, daruin wird die Stadt nicht zu Grunde gehen: aus ihren Trümmern werden andere Familien empor steige» / die dem Staate bessere Bürger / und Gott bessere Diener geben werden. So ist es imer / so ist es vorzüglich bey der Einführung der christlichen Religion gewesen : Nie ward das Christenthum von allen angenommen, nie von allen befolget. Was geschah? Die christlichen Häuser sahen rings um fich Unchristen durch ihre Ausschweifungen steh zu Grunde richten : Sie jammerten / ste beteten für ste; allein da fie selbe nicht retten konnten / rette- teil sie wenigst sich sechsten, indem sie sich vm so fester an die Religion anschlössen: so ward ein besseres Menschengeschlecht und die Religion bis auf uns fortgepflanzet. Wenn nun von dem wirklichen Menschengeschlecht, mit dem wir leben, ein Theil ausartet, und sich sechsten zerstöret, so müssen wir es wohl geschehen, aber darum den Muth noch nicht sinken lassen, als wenn alles verloren wäre: Jesus Christus ist gestern und heut; Er hat die Welt besieget, und besieget sie noch : haltet Euch vest an seine Religion, schützet, verbreitet, befödert sie, so weit Euer Wirkungskreis reichet; und Ihr habet dem Luxus so weit den Eingang versperret; den diese Gränze hat Gott den Ueberschwem- mungen desselben gesetzet. Sollte endlich vor diesem Abgott alles das Knie biegen; so werde du, christlicher Mann, ein zweyter Tobias, du christliche Frau, eine zweyte Sara, bleib der Religion deiner Väter getreu nach allen ihren Vorschriften , hinterlaß sie deinen Kindern als das schönste Erbtheil: und du und dein Haus wird gerettet seyn, Amen. Dritte Dritte Predigt. am vierzehnden Sonntage nach Pfingsten. pokek cluoku; 60M1H5 servire. Niemand kann zweenen Herren dienen. Math. 6, -4. «Niemand kann zweenen Herren dienen, wenn ihre Befehle und Absichten einander zuwider laufen; Gehorsam gegen den eine» wird Ungehorsam gegen !den andern: Niemand kann folglich Gott und der Welt zugleich dienen, jener Welt, wo alles Begierde des 8leisches/ und Begierde der Augen, und Hoffart des Lebens ist, jener Welt voll Luxus; denn die Befehle Gottes widersprechen den Befehlen dieser Welt , so wie ihre Endzwecke einander entgegengesetzet sind : diese Welt strebet nach einem vorüberrauschenden / blendenden Wohlseyn ; Gott verwirft es als ein Scheingut, und führet zu einer wahren und stäken Glückseligkeit. Wenn wir also Gott dienen , und unsere hohe Bestimmung , welche ein ewig seliges Leben ist, erreichen wollen, so ists für uns eine unumgängliche Nothwendigkeit, der Welt, oder um es näher zu bestimmen, dem Luxus den Dienst abzusagen; weil doch Niemand zweenen Herren dienen kan. Ich habe Euch zwar schon gezeiget, daß die Religion den Luxus verdammet und besieget; aber nur im Allgemeinen : Ich habe Euch die Lehre und Beweggründe noch nicht vorgetragen , wodurch sie den Quellen des Lu« , xus entgegen arbeitet, und die Herzen besie- j get; dieses werde ich in der heutigen Rede zu thun mich bemühen. Wäre der Luxus nur eine Pest der Oe- konomie, des Wohlstandes, des Körpers, der Familien, der Staaten; so könnten die Diener der Religion vielleicht dazu schweigen , und es der Zeit überlassen, die Thoren durch eigenen Schaden endlich klug zu machen : allein Euer Seelenheil ist mit in Gefahre , und Ihr wollet es nicht wissen; Ihr 57 / j wandelt am Abgrunde eines ewigen Verderbens ; und ihr zittert nicht: saget, können wir da wohl zu oft oder zu stark Euch warnen ? Ich will also noch einmal vom Luxus reden; nein, nicht so fast vom Luxus will ich reden , als von einem Grundgesetze des Christenthumes, mit welchem der Luxus in offenbarem Widersprüche steht , von der christlichen Selbstverleugnung: oder vielmehr will ich Euren künftigen Richter zu Euch reden lassen; Er soll Euch sagen / wie Ihr beschaffen seyn müsset, um eines Himels würdig zu seyn: Ihr möget dann selbst sehen, ob man beym Luxus so beschaffen sey. Diese unvergeßlichen Worte, welche den Grund der ganzen christlichen Moral ausmachen, und darum von dreyen Evangelisten find aufgezeichnet worden, hat Christus nicht nur etwa zu seinen Aposteln gesprochen, sondern damit man ja nicht denke , fie gehen nur Geistliche oder Ordensleute an, bezeuget das Evangelium ausdrücklich, Er habe das Volk zusamen gerufen, und -an zu allen so geredet: U)er mir folgen will, verlaugne sich sebst, nehme sein Lreuz auf sich, 1 und folge wir nach: denn wer sein Leben erhalten will, wird es verlieren ; wer aber sein Leben wegen Meiner verlieret, wird es erhalten. Den was nützet es dem Menschen, wenn er die ganze Melt gewinnt / aber an seiner Seele Schaden leidet? oder was kann der Mensch geben, seine Seele wieder einzulösen? Math 16.24. Diese Stelle sey -er Stoff meines Unterrichts ; und ob sie schon nicht wider den Luxus allein redet > sondern noch einen viel wettern Umfang hat , so will ich doch in Auslegung derselben nur auf den Luxus Rücksicht nehmen , und es Euch fühlen lassen / wie mächtig dieses Uebel auch das Heil der Seelen untergrabe. Diese Chrtstusworte lassen sich in zween Theile zerlegen: der erste enthält die Lehre von der Selbstverläug- nung; der zweyte den Beweggrund dazu. Dieser Ordnung wollen wir folgen, und erstens das Gebote der Selbstverläugnung / und zweytens die Nothwendigkeit derselben betrachten, in jenem Name, in welchem allein Heil ist / in Name Jesus. Erster Th eil. wer mir folgen will, verlaufe sich selbst, nehme sein Rreuz auf sich, und folge mir nach. Bemühen wir uns den Sinn dieser Gottes Worte zu begreifen. Sie bestimmen jene Vorbereitung oder Bedingung , die man nothwendig erfüllen muß, wenn man des Reiches Jesu Christi würdig seyn will. Denn er saget zu allen ohne Ausnahm: wer mir folgen , das heißt, wer mein Anhänger, mein Jünger, ein Christ, und ein Mitgenoß jener Glückseligkeit seyn will , zu welcher ich führe ; der kann nicht seinen Gelüsten , nicht dem Hange seines Herzens, nickt schmeichelnden Reiz- ungen, nicht dem Beyspiele Anderer allemal folgen, sondern muß auf alle Annehmlichkeiten, Vortheile, Hoffnungen, Freuden und Bequemlichkeiten , die sich mit Gott und der Vernunft nicht vertragen , Verzicht thun; muß seine Leidenschaften bemeistern, seine Neigungen einschränken und ordnen, und vorzüglich jene Neigungen, die so oft wider Gott und die Vernunft sich empören , die 62 Neigung nach sinnlichen Vergnügen, und nach Menschenbeyfall; muß jenem thierischen Theile seiner selbst/ der nur dem Eindrucke -er Sinne / und dem Scheine - lget / nicht knechtisch dienen, muß ihn der Vernunft unterwerfen / und ihn nur in so weit befriedigen / als es diese gestattet / muß mit einem Worte diesen Theil seiner selbst , nicht zernichten / aber verläugnen: Wer mir folgen will, der verlaugne sich selbst. Diese Selbstverläugnung fodert eine gewisse Größe und Erhabenheit der Seele; sie kostet manchen Kampf, manchen Sieg ; sie findt Unannehmlichkeiten,Beschwernisse/und Leiden / die einigermassen jener Last ähnlich sind / welche der große Menschenerlöser um unsers Heiles willen auf den Calvarimberg getragen : der göttliche Lehrer verhehlet es nicht / sondern befehlt / alles wie ein von Gott aufgelegtes Kreuz mit williger Geduld zu übernehmen; der nehme sein Rreuz ) auf sich. Und damit wir die Größe und Vollkommenheit der Selbstverläugnung um so deutlicher erkennen möchten / heißt er uns auf sein Beyspiel schauen: und folge mir l nach, spricht er: in meinem ganzen Erde» leben war nichts/das der Sinnlichkeit schmeichelte; ich folgte nicht den Freuden der Welt, nicht der Pracht, nicht der Menschenehre: Mein Geburtsort war ein Stall, und die dürftige Werkstatt eines Handwerkers die Nahrungsquelle in meinen Jüuglingsjahren; Ich vollbrachte mein Lehramt in Armuth und Verfolgung und meinen Tod zwischen Uebelthatern am Kreuze: Ihr, die ihr mir folgen, und mit mir in mein ewiges Reich eingehen wollet, hoffet also nicht in meinem Dienst hienieden ein wollüstiges Leben z» finden; ich sage es allen: wer mir folgen will , verläugne sich selbst, nehme seil» Rreuz auf sich , und folge mir nach. Christen , habet ihr diese Lehre verstanden ? Es ist die Lehre -es Stifters Eurer Religion, die Lehre Eures Herrn, die Lehre Eures künftigen Richters: nichts kann Euch davon ausnehmen, nicht Eure Geburt, nicht Euer Stand, nicht Eure Geschäfte, nicht Eure Verbindung mit der Welt; denn Selbfiverläugnung ist Gottes Gesetz, ist ein allgemeines Gesetz , welches alle beobachten müssen, die am Reiche Christi Antheil haben wollen. Oder nennet mir einen Einzigen von den vielen Tausenden , die wir als Freunde Gottes verehren , einen Einzigen nennet, der sich nicht in einem hohen Grade verläugnet, und zwar hauptsächlich im Genuße der Freuden dieses Lebens verläugnet hätte. Die Kirchengeschichte stellet uns eine Menge Muster von treuen Befolgern -es christlichen Gesetzes vor, Heilige von jedein Stande und Alter , heilige Fürsten und heilige Unterthanen, heilige Männer und heilige Jünglinge , heilige Ehegatten, heilige Wittwen, heilige Jungfrauen, heilige Krieger / heilige Handwerker ; durchgehet aller Lebe»sgeschichten,und nennet von den unzähligen Dienern Jesu Christi einen Einzigen, der in Ansehen der Pracht, des Wohllebens , -er Vergnügungen sich nicht verläugnet. Ja, ich berufe mich wieder auf Eure eigne Ueberzeugung: wenn man Euch sagte, eine heilige Elisabeth habe alle Kostbarkeiten des Putzes und Veränderungen der Mode verorauchet, um zu gefallen; ein heiliger Ludwig habe sich mehr auf die Pracht und Freuden seines Hofes als auf seine Geschäfte verwandt; eine heilige Anna habe ihr Kind und ihr Hauswesen den Dienstbo- ten überlassen / um ja keine Lustparthie zu versäumen ; ein heiliger Joseph, (kaum dar? ich den Ausdruck wagen,) sey lieber unter den lustigen Zechbrüdern Nazareths als im Schoose seiner Familie gewesen: wie würdet Ihr nicht beyde Ohren, wie gegen Gotteslästerungen , verschliessen ? Und warum ? Weil Ihr es sechsten erkennet, daß Heilige, wenn sie in solche Ausschweifungen verstelen, aufhören würden, Heilige zu seyn , und daß man Gott und seine Lehre lästerte, wenn man Euch solche Beyspiele zur Nachahmung aufstellte; weil Ihr in Euch sechsten die Ueberzeugung findet, daß man kein Freund Gottes seyn kann, wenn man seinem Hange nach den Freuden der Welt und nach der Pracht den Zügel läßt , und sich nicht zu verläugnen weiß. Allein, meine theuren Christen, wie, was Ihr an Heiligen verdammen würdet, das erlaubet Ihr Euch sechsten? Was Ihr glaubet, es würde Andern den Himmel verschließen, das thuet Ihr selbst / und fürchtet nicht, dieses Glückes verlustig zu werden? Glaubet Ihr dann, das Gesetz Christi gehe nur Heilige an ? Oder Christus werde in seiner göttlichen Religion in Ansehen Eurer eine Veränderung oder einen Ausnahm machen? Allein, werdet Ihr denken, um im Reiche Christi einen Platz zu haben, muß man eben nicht alles thun, was Heilige gethan; ^ Sie haben oft mehr gethan als geboten war. ^ Es ist wahr; aber ich habe Euch noch nichts von dem gesagt, was die Heiligen über das Gebot der Selbstverläugnung gethan, nichts von den freywilligen Abtödungen, wodurch sie die Sinnlichkeit in Knechtschaft gebracht, und die gebotene Selbstverläugnung sich erleichtert hatten, nichts von strengen Fasten, nichts von Bußkleidern, nichts von quälenden Kreuzigungen des Fleisches; und ich > will auch nichts davon sagen: Ich frage nur, ob Ihr glaubet, daß die Heilige heilig , und würdige Gegenstände Eurer Nachahmung wären, wenn sie sich so wenig ver- läugnet hätten, als Ihr Euch verläugnet? Oder wenn Ihr wollet < so will ich Euch gar nichts von Heiligen sagen; Ich stelle Euch nur Euren göttlichen Lehrmeister vor, welcher nicht in den Wollüsten und Freuden, nicht von -er Ehre und Pracht der Welt umgeben, erschienen ist, und welcher, obgleich seiner Allherrschaft alles zu Gebote gestanden, doch von allem dem, was wir bis zum Luxus gemessen wollen , nichts genossen: betrachtet ihn, wie Er freywillig von allem entblößet lebet , und unter namenlosen Leiden am Kreuze willig stirbt; betrachtet ihn am Fuße des Kreuzes, und höret, was er Euch zurufet : wer mir folgen will, verlaugne sich selbst, nehme sein Rreuz auf sich und folge mir nach; und dann urtheilet selbst, ob Ihr Anhänger Christi, und Erden seines Reiches seyd. Ich will damit nicht sagen, daß Ihr in -er Selbstverläugnung Christo gleich körnen müsset; den Er befiehlt nicht, daß Ihr ihn erreichen, sondern nur, daß Ihr ihm nach- E folgen sollet: Er rath und wünschet es / daß Ihr im Genusse der Freuden, der Güter / der Ehre dieser Welt seinem Beyspiele ganz fol« gen und immer näher kommen möchtet; aber Er hat Rücksicht auf Eure Schwachheit und gebietet es nicht unter Strafe der Verdammung : Nur dann gebietet Er Selbstver- läugnung / wann sie die Vernunft / oder das Gewissen / oder die Pflicht Cures Berufes fodert. Sv/ um die Sache durch gewöhnliche Fälle zu erklären / wenn Ihr sehet, " daß Ihr so einen Aufwand in die Länge nicht bestreiken könnet/ ohne Euch oder die " Eurigen unglücklich zu machen; so fodert die Vernunft/ daß Ihr in die Schranken zurück trettet / und Eure Bedienung oder Nahrungsart / oder Ergötzungen herunter setzet: falle es Euch immer schwer / eine angewöhnte Lebensart zu verändern / mache es Aufsehen: da ist Selbstverläugnung nothwendig; denn Christus gebietet sie. Wenn > Ihr bemerket, wie ihr es bald bemerken müsset / daß Ihr bey einem sinnlichen / üppigen / zerstreuten Leben Gott und Eure Seligkeit vergesset/ und m sträfliche Der- gehungen gerathet, daß diese Gesellschaft , diese Art des Vergnügens für Euch ein Stein des Anstoßes ist; so fodert Euer Gewissen, daß Ihr Euch davon entfernet, und die Ursache Eurer Gottesvergessenheit hebet: sey es noch so schwer, mit andern Leuten seines Standes nicht mitzumachen, setze man fich dadurch bittern Anmerkungen aus; da ist Selbstverläugnung nothwendig; den Christus gebiethet sie. Wenn Ihr bey der Prüfung Eures Lebens erkennet, -aß Ihr Euch der Lustbarkeiten und Erhohlunqen so viel verschaffet , daß Ihr die Geschätte Eures Berufes vernachläßiget/ oder wenigst Eure Tage unnütz und müßig verlebet; so fodert Eure Pflicht, daß Ihr Euch Ziel und Maas setzet, und Verbindungen brechet, die Euch so im Wirbel der Erlustigungen herumführen : werde es Euch sauer und lästig / Euch in den Zwang einer nützlichen Beschäftigung zu schicken; da ist Selbstverlaugnung nothwendig; den Christus gebietet fie. Durchforschet Euer Leben , und Ihr werdet noch viele.dergleichen Fälle finden/ wo Euch Selbst- verläugnung geboten ist, und wo Ihr Euch 68 davon loszählet, unter dem eitel» Dorwande, ,,eS sey für Euch zu schwer, oder gar nicht „thunlich; Ihr würdet Euch dadurch Spott, »oder Verfolgung von Eures gleichen zuziehen; »Ihr müsset leben, wie Andere leben»: Ein eitler Vorwand , sage ich : denn alle diese Beschwernisse sah unser allweise Gesetzgeber vor, Er macht sie nicht klein, sondern vergleichet sie mit seinem kreuze; und -enoch gebot Er: der verläugne sich selbst und nehme seine Rreuz auf sich. Werdet Ihr sagen, der Mgütiqe habe Euch etwas Unmögliches geboten ?» Nein, aber es ist doch schwer , oft sehr schwer», saget Ihr. Wahr: aber ist es nicht auch schwer unter dem Joche des Luxus zu leben? Ist es nicht ! «och schwerer , sich , sein Haus, seine Kin- ^ der, seinen Gatten, und alles, was uns auf Erde zum theuersten ist, in Jammer und Elend zu versetzen ? Ist es nicht noch schwerer, ein Taugenichts, eine unnütze Last seines Vaterlandes , und ein Auswurf der thätigen Menschheit zu seyn? Aber ihr fürchtet den ! Tadel, der auf Eure sonderheitliche Aufführung fallen könnte. — Aber entgehet Ihr I ihm dann durch euren Luxus ? Ist es nicht gerade ein zu großer Aufwand , und eine üppige Lebensart, welche zum meisten Aufsehen machen, und eben darum dem Tadel, der Übeln Nachrede, dem Spotte, und den bittersten Anmerkungen zum meisten unterworfen sind? Doch ich will hier keinen Vergleich anstellen zwischen den Beschwerlichkeiten des Luxus, und der christlichen Selbst- verläugnung : mächet sie so schwer ihr wollet; so wird es doch immer unvergleichlich leichter sey», itzt dem gütigen Rufe des Heilands, folge mir nach, freywillig gehorchen, als einst jenem richterlichen Ausspruche gehorchen müssen: Gehet von mir, ihr Verfluchten, in das ewiaeFeuer. Match. 25, 4l. Und Eines von beyden muß geschehen ; Denn wer sich nicht selbst verläug- net, verliert seine Seele: das ist der wichtige Beweggrund zur Selbstverläugnung, und der Zweyte Theil. Denn wer sein Leben erhalten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben wegen Meiner verliert, wird es erkalten, lfährt Christus zu lehren fort; has heißt: Wer sich aus Liebe zu diesem irdischen Leben nicht verläugnel; wer stchs zum eigenen Geschäfte macht, dessen Annehmlichkeiten im vollen Maaße zu gemessen; Wer schier ganz für dieses Leben lebet; der wird das wahre, das ewige Leben verlieren. Das sicherste Mittel dieses unendlich schätzbarere Leben im Himmel zu erhalten, ist , seine Begierden und sein Bestreben dahin richten, und sich dieses irdischen Lebens, das ist, -er Ruhe, der Gemächlichkeiten, der Freuden desselben, um Christi Willen, um Ihm und seiner Pflicht zu folgen, entschlagen. Wer das nicht thut, wenigst in so wett es , Gott fodert; Wer alle seine Gedanken und Bemühungen nur auf den Genuß dieses gegenwärtigen Lebens richtet; der wird das ungleich bessere, das künftige Leben verlieren : kurz, gar zu große Liebe zu den Zer- gänglichkeiten dieses Lebens macht, daß man das Ewige verliert; das ist der Sinn dieser Stelle; wer sein Leben erhalten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben wegen Meiner verliert, wird es erhalten. Dieser Sinn erhellet noch mehr aus so vielen andern Stellen des Evangeliums. Oder warum spricht Christus die Armen, die verfolgten, die weinenden selig? Weil sie dieses Leben nicht sehr lieben können, und gleichsam genötbiget sind, ein Besseres zu suchen. Warum hat Er über die Glückliche», und Lachenden und Reichen -ieserWelt jenesürchterliche^wehe gesprochen? Nicht als wenn Wohlergehen und Reichthum an sich böse wären, sondern weil sich solche Leute gar oft so sehr in dieses Erdeleben verlieben, daß sie nicht eifttg ge- - nug nach dem Ewigen streben. Wenn also zu große Liebe zu diesem irdischen Leben den Verlust des Ewigen nach sich zieht ; was habet Ihr zu erwarten, Ihr Anhänger des Luxus? Dean wenn Ihr dieses Leben nicht zu sehr liebet; wer kann es dann zu sehr lieben? Ihr, derer größte, und vielleicht einzige Sorge ist, hier ein gemächliches und wollüstiges Leben Euch zu verschaffen ; die Ihr so heiß verlanget, hier zu glänzen, hier wohlzuleben, hier zu gefallen; -je ihr hierin von keinem Abbrüche, von keiner Verläugrmug hören wollet; die ihr noch groß dawir thuet,.mid Andere verachtet / welche nicht so an diesen Vergänglichkeiten hängen; die Ihr durch die Eitelkeit Eures Anzuges, durch eure Sehnsucht nach dem, was dem Geschmacke schmeichelt , durch euer Bestreben nach immer neuen Lustbarkeiten es Jedermann laut saget, daß alle eure Wünsche und Begierden nur auf dieses Leben eingeschränket seyn: Wenn ihrs nicht seyd, die zu sehr in dieses Leben verliebet find; wer wird es dann seyn7 Und dennoch hoffet ihr, an jenem ewigen Leben Theil zu haben 7 Wisset, Euer Richter hat schon zum voraus den Ausspruch über Euch gethan: wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren. Doch Ihr brauchet eure Verdammung nicht erst aus einem göttlichen Munde zu vernehmen; Ihr stndet ste in eurem eigenen Herzen. Denn wer so ganz ftrr dieses Leben lebt, und sich nicht sechsten verlängeren lernet, der wird ein Sklav der Sinnlichkeit, und aller der Unordnungen fähig, von denen ihr wisset , daß sie nicht in das Reich Gottes eingehen können. Man verfällt in eine Art von Abgötterey: der wahre Gott wird ver» lassen, und die Freuden und Güter dieses Lebens sind der Abgott, wonach man läuft; ihn liebet man von ganzem Herzen und aus ganzer Seele; ihm widmet man alle Sor» ^ gen und Arbeiten ; ihm opfert man seine Gedanken, seine Kräfte, seine Gesundheit und alles auf: daraus entstehen dann alle jene Unordnungen und Laster - welche nach dem Zeugnisse der Schrift aus der eigentlichen Abgötterey entstehen: Alles wird da unter einander vermengt, Blut und Menschenmord, Diebstahl und Se. trug, verderbniß und Untreue, Verwirrung und Meyneid, Gelarme wider die Guten, Vergessenheit Gottes, Verunreinigung der Seelen, Sünden wider die Natur. Unbeständigkeit der Ehen, Unordnung des Ehebruches und der Unzucht. Weish. 14, 2 s. Hat man einmal dieses Leben zu seinem Abgotte gemacht; so bleibt nichts mehr in seinen Schranken; da geräth alles in Verwirrung/ und es entsteht ein entsetzliches Wirrwarr von Unordnungen und Missethaten : Altes wird da unter einander vermenget. Da machet Ehegatte dem Ehegatten / Nachbar dem Nachbarn / Kinder den Aeltern durch tausend Kränkungen das Leben so bitter / daß es vor der Zeit dem Grame unterliegt; da verkürzet man durch Verdruß einander seine Tage, und mordet steh wechselseitig: Lstut und Menschenmord. Da ist das ehrwürdige Alter verlassen und ungeehrt; die jungen Leute geben den Ton und die Gesetze der Lebensart; fie reißen dem seufzenden Vater das Kind aus den Armen / hin in das Verderbniß ihres Wandels: umsonst jammern / bitten und ermähnen die Aeltern ; ste machen stch bey ihren verführten Kindern nur lächerlich: umsonst halten fie mit dem Gelde zurück; die verdorbene Jugend hat die Mittel erfunden / einen Vater zu blenden, und bey Lebzeiten zu erben; fie weiß genau / wo noch klingende Münze liegt / und scheuet keine niederträchtigen Streiche / sie zu heben: Diebstahl und Betrug. Da werden Dienstboten nach dem Beyspiele ihrer Herrschaften, und aus Rech» nung derselben üppig und wollüstig; da seufzen die Kinder dem Augenblicke entgegen, wo ste der Aufsicht ihrer Erzieher entgehen, und nach dem Beyspiele der Großen frey und ungestöret ihrem Hange folgen können; da setzen Aeltern ihre heiligsten Pflichten hintan ; da verrätht oder übervortheilet ein Freund, ein Bruder den Andern ; da ist Treue und Glaube dahin: Verderbnis; und Untreue. So ein Abgötterer dieses Lebens ist ein meyneidiqer Bürger; nur auf seine Person bedacht, kennet er kein allgemeines Beste; wo er für sich keinen persönlichen Vortheil findt, da schreyet er über Drückung, und Ungerechtigkeit; daher Ue- bertretung der Gesetze und Murren wider die Regierung. Bekömmt er an der Staatsverwaltung Antheil, so sieht er nicht weiter, als! sein eignes Jnterreffe reichet, hält sich nicht für den Verwalter des Staates und den Vater des Landes, sondern nur für den Herrn, und seine Untergebenen für eitle Heerde, die nur da ist , «m sich von ihm scheelen zu lassen; Er bringt den verschrienen Spruch in Ausübung: »das Volk ist »wegen des Herrn , und nicht -er Herr we- »gen des Volkes». Da zerrütten dan Mistkarren, Neid, Eifersucht, Unzufriedenheit, sich durchkreuzende Interessen den Staat, und Vaterlandsliebe und der feyerlichste Ei- ist ein leeres Wort und bloßes Ceremonie!: Verwirrung und Meynerd. Ist diese Art von Abgölterey unter einem Volke so ziemlich ausgebreitet; so sind die Guten, die noch übrrgen Diener des wahren Gottes, welche glauben, sie haben auf Erde noch etwas Größeres zu suchen, als die Eitelkeiten dieses Lebens, übel daran: sie können es den Dienern dieses Lebens in Nichts recht machen; man fodert einerseits von ihnen eine Vollkommenheit der Tugend, die über alle menschlichen Schwachheiten erhaben ist; und nimint man an ihnen den geringsten Fehler gewahr, so schreyt man über Schein. Heiligkeit: anderseits verlanget man so eine Willfährigkeit, als wenn das Gewissen alles er- lanbete, was die Welt will; und wird nicht überall mitgemacht, so schreyt man über kleingeisterische Scrupulöfitat: Gelärme wider die Guten. Da wird an Gott, an Religion/ an Ewigkeit nicht / oder imer zuletzt gedacht; Vergessenheit Gottes. Und o daß das Uebel hier stehen bleiben möchte! Aber es wirket im Geheim noch weit fürchterlicher / qebiehrt Greuel und Unordnungen / welche die Heiligkeit dieses Ortes zu nennen verbeut / und die der heil. Geist mit diesen allgemeinen Ausdrücken zu verstehen giebt: Verunreinigung der Seelen/ Zünden wider die Natur, Unbeständigkeit der Eben , Unordnung des Ehebruches und der Unzucht, Sünden, die sich nicht lange mehr schüchtern in ihrer eigenen Schande verbergen, sondern immer unqescheuter und ungestrafter ans Tageslicht hervorbrechen. Sehet wie weit man endlich kommt, wenn man nicht sich selbst ver- läugnet, und den Hang nach dem sinnlichen Genusse dieses Lebens bezwinget: sehet, wie augenscheinlich wahr der Ausspruch Jesu Christi ist: Mer sein Leben erhalten will, wird es verlieren. Und Und die weichlichen, wollüstigen, übermüthigen Diener -es Luxus, derer ganze Seele nur an diesem Leben hängt, nnd denen das Wort Gelbstverlaugnunck unerträglich ist, sie machen sich noch Hoffnung , einst mit dem bis zum Tode sich verläugnenden Jesu Christo in dessen Reiche zu herrschen? Auf was gründen sie wohl ihre Hoffnung ? Nicht auf die Lehre des Evangeliums , welches sie verdammet; nicht auf die Reinigkeit ihres Gewissens, welches sie ohne Selbstverläug- nung unmöglich »»beflecket erhalten können: also auf ihre künftige Bekehrung. Allein was soll bey ihnen ein so großes Werk bewirken ? Das Gebeth der Kirche? Sie find es, welche die gottesdienstlichen Handlungen entweder fliehen , oder durch ihre Gegenwart verunehren. Oder die Verkündigung oder eigene Betrachtung des göttlichen ' Wortes? Sie sind es, welche sich geflissentlich davon entfernen, entweder aus Trägheit , oder aus Furcht, ihre Verdammung zu höre». Die Theilnehmunq an den heiligen Geheimnissen? Sie sind es, welche sich denselben niemals nahen , ausser wenn sie durch die Gesetze -er Kirche oder des Wohlstandes qenöthiqet, es ohne gebührende Vorbereitung des Herzens, und ohne erfolgende Sittenverbefferunq thun. Was kann sie dann dem ewigen Untergänge entreißen? Vielleicht die Zeit ihrer letzten Krankheit? Ja., darauf scheinen sie die ganze Hoffnung ihrer Seligkeit zu bauen. Betrachten wir sie da» noch in diesen für die Ewigkeit so entscheidenden Stunden. Dieser Diener des Lurus wird also nach einem Leben voll Eitelkeit und Zerstreuung, nach so vielen verabsäumten Pflichten, und gemachten Ausschweifungen aufs Krankenbett geworfen. Der Arzt sieht die Gefahre; aber weil bey einer Perlon, die sich so in dieses Leben verliebet hat, eine auch nur zweifelhafte Todesbotschaft die Krankheit gewaltig vergräffern würde, darf er es nicht sagen, sondern muß sie mit guten Hoffnungen unterhalten. Endlich erscheinen die Zeichen eines unausweichlichen und nahen Abschiedes von dieser Welt: Nun suchet man künstliche Vorwande auf , um einen Diener -er Religion zum Kranken zu bringen, ohne ihn zu schrecken. Wie viele Vorsicht wird -a gefodert, damit Er sterbe , ohne es zu wissen? Wie sehr muß sich auch -er Priester hüten, daß er dem Sterbenden die Gefahre nicht entdecke! Nach vielen Umwegen bekömmt er endlich Anlaß , einen Anwurf von der Beicht machen zu können: Der Kranke macht weniger Bedenke»/ als man vermuthet; Er leget sie ab: welch eine Freude im ganzen Hause! Eilig wird der letzte Trost des sterbenden Christen, der Weltheiland / hergebracht: Er empfangt ihn / und — kein verübtes Unrecht, keine verabsäumte Pflicht ist vergütet,kein gegebenes Aergerniß gehoben, vielleicht keine sündliche Gesinnung geändert und Er stirbt. Alles lobet Gott wegen des schönen christlichen Todes: Nur der Priester, der den Sterbenden dazu vorbereitet, zittert im Geheim für die Seele, die itzt vor Gottes Rtchterstuhle steht. Und warum? Weil en weiß, daß die Buße auf dem Sterbebette eine äusserst seltene Gnade ist, daß die Kirche solche Bußen, wenn sie auch mit den größten Zeichen der Reue, wie die Buße des Antiochus, beglei- trt sind , immer für verdächtig gehalten, daß man nach der ordentlichen Führung der Gnade nach einem Leben voll Sünde nicht so auf einmal ganz zu Gott zurück kehret: Weil er weiß , daß bey dieser Buße alles zu eilfertig hat hergehen müsse», daß der Kranke unfähig zu einem zeitlichen Geschäfte gewesen wäre; um wie viel mehr zum Geschäfte der Ewigkeit? Er zweifelt an allen Theilen dieser Buße, an der Wahrheit der Reue und des Vorsayes, an der Vollständigkeit der Anklage , an der wahren Bekehrung -es Herzens : Er tröstet sich damit, daß er wenigst feine Pflicht gethan, und überläßt die Sache dem Urtheile Gottes. Wie, M. Z., wenn das nur eine falsche Buße gewesen wäre , wie es die Bußen , welche auf das Todbette verschoben werden, gewöhnlich sind, und wie es eine so übereilte Buße schier ohne Zweifel ist: wie wird es der armen Seele vor Gottes Gerichte ergehen? So wie es der Richter vorgesagt: Mev das irdische Leben erhalten will, wird F ras Ewige verlieren. Eine Seele verloren; Trauret ihr Himmel! Weine o Erde! Denn was nützet es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnet, aber an seiner Seele Schaden leidet? Oder was kann der Mensch geben, seine Seele wieder einzulösen ? So beschließt Ler Heiland diese wichtige Lehre. Eine Seele verloren! Wahrlich, was nützen ihr nun die Freuden, die sie genossen? Was die Gesellschaften, in denen sie geglänzet? Was rie Lobsprüche, die ihr vorgeschmeichelt wor- ren? Was die Lustparthien, an denen sie Theil gehabt? Was die Pracht? Was der Putz? Was das ganze wollüsiige Leben? Hätte sie in diesem Leben des Guten tausendmal mehr genossen; hätte sie alles Prächtige , alles Schöne, alles Velnstigende, so auf der weiten Erde zerstreuet liegt , um sich her versammelt, und dessen Genuß auf hundert Jahre sich versichert: was nützet es ihr itzt? Denn was nützet es dem Menschen , wenn er die ganze Welt gewinnet , aber an seiner Seele Schaden leidet? oder was kan der Mensch geben, seine Seele wieder einzulösen? Sind die Güter dahin; so kann man durch Gottes Seegen und Fleiß wieder dazu gelangen. Ist die Heimath abgebrannt; so läßt fich durch milde Beysteuer eine Andere aufbauen. Ist die Gesundheit verloren; so bleibt die Hoffnung noch übrig , sie durch Arzneyen wieder herzustellen. Hat man durch Gefangenschaft unter Ungläubigen Freyheit und Vaterland eingebüßet; so ist doch noch möglich, wieder losgekaufet zu werden. Aber ist die Seele einmal verloren ; wie will man sie wieder loskaufen ? Wie dem strafenden Arme des Allmächtigen entreißen? Oder was kann der Mensch geben, seine Seele wieder einzulösen? Und o möchte es nicht viele dieser unglückliche» Seelen geben! Aber ach! Bey einem so sinnlichen Leben, wo man uneingedenk des Ewigen , so ganz für dieses hinfällige Leben lebt / als wenn man niemals sterben müßte; wo man nur dieses Leben, das ist, dessen Wollüste, Pracht und Eitelkeiten, er' halten, und «m keine Selbstverläugnung hie- rin mehr wissen will ; wo -er große Ton und die Mode dieses Uebel gleichsam zur Nothwendigkeit gemacht; ach! was soll man denken? — Doch was klagen wir um >an- dere, da es um unsere, um meine und deine Seele zu thun ist? Diese können, diese müssen wir retten : zerreißen wir die Bande der Welt und des Luxus, und setzen wir uns in die Freyheit -er Kinder Gottes: .alle An: nehmlichkeiten dieses Leben stnd mit Bitterkeit vermischt und vergänglich, find nichts: dort, wo Jesus Christus zur Rechten des Vaters ist, dort ist wahres, ewiges Leben; dahin ist Er uns den Weg vorgegangen; dahin ruft Er uns: aber merket Euch die gewiesene Bahn / und verfehlet fie nie: Wer mir folgen will, verläugne sich selbst, nehme sein Rreuz auf sich, und folge mir nach. Amen. Mr^.' 1 <