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VENICE AND MURANO COMPANY, LONDON.
Venedig war im dreizehnten Jahrhundert mit seiner schwung-vollen Glas-Industrie die Lehrmeisterin Europas. Das venetia-nisclie Glas, obwol wesentlich verschieden von dem des clas-sisclien Altertlmms, zeichnete sich ebenso wie dieses durch
Schönheit der Formen und Farben aus. Gleichsam als Keminis-cenz jener Blütezeit, deren befruchtende Samenstäubchen durch
der Feinheit des Materials und der Pracht des Colorits auf allengrössern europäischen Ausstellungen Anerkennung gefundenhaben. Unter den hier abgebildeten Gefässen von wahrhaft arti-
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stisclier Schönheit wird der Kunstkenner sofort neben neuenl’roductionen Copien antiker Modelle wahrnehmen, die ja in
den Sturmwind des Weltverkehrs in aller Herren Länder ge-tragen wurden, erscheinen uns die Kunstschöpfungen der Vknickand Murano Company in London, St. James Street, die wegen
der Cloisonue-Emails, der als päte-sur-päte bekannten Poreellan-malerei, der trefflichen Erzeugnisse des Berliner Kunstgusses,der englischen Werkzeugmaschinen u. s. w.
Es ist liier nicht der Ort, im einzelnen nachzuweisen, wasdie deutsche Industrie auf den Weltausstellungen früherer Jahregelernt hat und welche Fortschritte seitdem auf den verschieden-artigsten Gebieten gemacht worden sind. Die Lehren, welchewir bei jeder solchen Gelegenheit empfangen haben, sind iiirjeden Vorurtheilsfreien von unbestreitbarem Werthe. Es wareine Folge der grossen Londoner Ausstellung von 1851, dassman in allen Culturländern anfing, nach den Bedingungen zu
den reichhaltigen Sammlungen aller Culturliinder zu finden sindund als treffliche Vorbilder von den Vertretern der heutigenKunstindustrie gern benutzt werden.
fragen, unter welchen irgendein Erzeugniss auf dem Welt-märkte Geltung erlangt. Von jener Zeit au forschte mannach dem Wesen des Geschmacks und nach den Mitteln zuseiner Veredlung, und ein Vergleich der industriellen Lei-stungen sowie der Absatzfähigkeit der verschiedenen Ländermuss die Bedeutung dieser Bestrebungen immer überzeugenderdarlegen.
Es ist eine bekannte Thatsache, dass der Nutzen des inter-nationalen Verkehrs, wie er in augenfälligster Weise durch dieWeltausstellungen vermittelt wird, um so besser von den ein-zelnen Staaten gewürdigt zu werden pflegt, je mehr dieselben
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PARISER WELTAUSSTELLUNG. I.