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Illustrirter Katalog der Pariser Weltausstellung von 1878 : unter Mitwirkung zahlreicher Berichterstatter ; herausgegeben von W.H. Uhland
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MELLERIO FRÜHES ET FILS, PARIS.

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Unsere Abbildung zeigt drei Prachtstücke der französischen | das dritte ein kostbarer Diamantschmuck für das Haupt einer

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Juwelierkunst aus dem Atelier der Firma Mellerio das | stolzen Dame.

erste eine Krone für die Bildsäule der hl. Jungfrau in Lourdes,das zweite ein Schwert für das Standbild des siegreichen Erz-engels Michael in der Kirche von Mont St.-Michel bei St.-Malo,

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Schränke und Sessel umschlossen so ziemlich das ganze Ar-beitsgebiet der Kunsttischlerei. Von nun an erging sich aberdie Phantasie der Meister in allerlei zierlichen Combinationen,in denen zwar auch noch manche Elemente der Baukunst Ver-wendung fanden, die jedoch mit klarem Bewusstsein der Unter-schiede zwischen Holz- und Steinbearbeitung bis ins Unendlichevariirt. Man sieht dies in den interessanten Mustersammlungenvon Ornamenten und Figuren nach Zeichnungen von PhilibertBelorme, Albrecht Dürer, Holbein und andern Künstlern dieserEpoche. In diesen Sammlungen, die von den Künstlern derGegenwart noch häufig benutzt werden, sind z. B. die Motive

der Säulen als Variationen der der Architektur angehörendenSäulen bezeichnet. Die Holzschnitzerei stand mit der Bild-hauerkunst auf gleicher Höhe und wurde wie die Gold-, Silber-und Bronzearbeit zu den schönen Künsten gerechnet. DieGrenzlinie zwischen denselben und der Industrie war überhauptfür jene Zeit nicht vorhanden, die für den täglichen GebrauchWerke schuf, welche wir heute in den Museen bewundern.

Die Anwendung der Schnitzerei ist für die Möbel der Re-naissancezeit charakteristisch. Gegenüber den Einlagen vonBronze, Email etc. lässt sich zu Gunsten dieses Decorations-verfahrens anführen, dass dasselbe, weil dem gleichen Stoff