Feldzug vom Jahr 1652. 109
plötzlich sich um, und eroberten alles, was sie verloren, wieder, bis das Regiment Tü-rcnne erschien und ihnen den Sieg entriß, da sie dann vor: neuem von Mauer zu Mauervertrieben wurden, und erst an der letzten sich wieder wandten, hier aber die Truppendes Königs, die ihnen wie vorhin in Unordnung gefolgt waren, auch wie vorhin zu-rückschlugen. Doch waren sie zu entkräftet, um ihren Sieg weiter zu treiben, und be-haupteten blos ihre letzte Mauer; die Truppen des Königs aber versammelten sich ihnengegenüber, hinter einer andern eines Garten zwischen beyden. Dumont, Major vonConde' sprang mit der Pike in der Hand aus seinem Gliede vor, und nahte sich denTruppen des Königs auf zwanzig Schritte der ganzen Breite des Gartens; und wäreman ihm von seiner Seite gefolgt, so hätte die Gestalt der Sache sich geändert. Erwiederholte aber dreymal das nämliche Manöuvre, ohne daß jemand von den Seinenihm folgte; die Officiers aber von den Truppen des Königs ahmten ihm nach, undeiner von ihnen, dessen Name vergessen ward, drang bis zur Mauer vor, und ihmfolgte ein Theil von den Seinen, so viel an die Mauer sich schmiegen konnten, um sichvor dem Feuer des Feindes zu decken. Die Mauer wurde von beyden Seiten abge-worfen und nahm schon um ein beträchtliches ab, als endlich die Truppen des Königseine kleine Hohe gewahr wurden, wo man die Feinde im Rücken sah. Hierauf war-fen sich diese in eine Kirche und ergaben sich, und der Herzog von Pork erkannte unterden Gefangnen den Major von Conde'.
Es hatten indeß die Generale der Feinde bereits beschlossen, mit der Cavallerie Memoiresdes Nachts einen Weg nach Paris sich zu öffnen, weil die Prinzen die Ankunft desHerzogs von Lothringen daselbst erwarteten; die Armee des Königs aber, die mit nichtsversehen, was zur Belagerung gehörig war, begab sich ihnen ganz unvermuthet auf denRückzug. Die Bestürzung, in der sie waren, machte, daß sie nach dem Urtheile des Aork.Herzogs von Pork die Vortheilhafteste Gelegenheit versäumten, der Armee des Königsihre Niederlage zu vergelten. Hocquincourt führte beym Rückzüge wie beym Anmärschedie Avantgarde, und Türenne schloß; ein Theil der Truppen aber hatte sich in denVorstädten zerstreut, so daß man Zeit sie zu versammeln brauchte. Es war auch über-dem leicht zu gedenken, daß der Feind diese Arriergarde verfolgen würde; gleichwohlsetzte der Marschall Hocquincourt ohne Halte und ohne Rücksicht auf die Truppen,welche schloffen, seinen Marsch gerade nach Etrechi fort; und wenn die Feinde aus dempariser Thore zur Stadt ausrückten, so konnten sie beyde Armeen trennen, und, welchesie wählten, schlagen. Sie thatens nicht, und verfolgten blos die Arriergarde, aberso hitzig, daß der Marschall Türenne mit Cavallerie anrücken mußte, um sie zu befreyen.
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