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ctrt solches Mitklingen am meisten bemerkbar ist, den Schall zu verstärken suchen, so möchtesolches wohl wegen des dadurch entstehenden Nachhalls für die Deutlichkeit mehr schädlich alsnützlich seyn; daher es auch wohl anzurathen wäre, zu dessen Verhütung die Logen oderSitze nicht von dünnen Bretern, sondern von stärkern Bohlen zu erbauen. Hingegen scheinteiniger Nachhall für die Würkung der Musik mehr vortheilhaft, als schädlich zu seyn, vor-ausgesetzt, daß er nicht so stark, und nicht so anhaltend ist, daß die Töne dadurch unrein oderundeutlich werden. In Sanssouci soll, wie ich mich erinnere gehört oder gelesen zu haben,der Concertsahl mit dünnen Bretchen von Resonanzholz, die nur am Rande auf schmale Leistenbefestigt sind, ausgetäfelt seyn, mit gutem Erfolge. Die Alten haben in einigen Theaternden Schall dadurch zu verstärken gesucht, daß sie in Vertiefungen zwischen den Sitzen derZuschauer dünne metallene Gefäße, die in verschiedene Töne gestimmt gewesen sind, schief nachunten gekehrt und auf schmale keilförmige Unterlagen gestützt angebracht haben, in der Absicht,daß jeder Ton, welchen der Schauspieler sprach, wenigstens eines oder zwey Gefäße fände,welche durch die Erschütterung der Luft mit erschüttert würden, und den Klang vermehrten.An einigen Orten, wo man die Kosten nicht daran wenden wollte, gebrauchte man thönerneGefäße dazu. In Rom bediente man sich deren nicht, aber sonst in einigen italiänischen und
griechischen Städten, wie z,B. inCorinth. Vitruv ius giebt davonNachricht in ^rcbitecturalibr.v. cap. 5. Sollte eine solche Einrichtung auch einige Würkung thun, so möchte doch wohl dieVerstärkung der Töne sehr ungleich seyn, und mit der menschlichen Stimme wenig harmoniren,es möchte auch bey einzelnen Tönen der Nachhall weit stärker als bey andern seyn, so daß diesesVerstärkungsmittel wohl nicht würde zur Nachahmung können empfohlen werden»
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Das zweyte und unstreitig das vorzüglichste Mittel, um in einem zum Hören be-stimmten Gebäude den Schall zu verstärken, ist die Brechung desselben. Es kommt hierbeyalles darauf an, daß außer dem auf natürliche Art vorwärts verbreiteten Schalle auch dieWürkung desjenigen, welcher von dem Orte, wo er erregt wird, seitwärts, oder rückwärts,oder auch aufwärts geht, gegen die Zuhörer hingeieitet werde, und zwar so, daß zwischen demnatürlichen und dem gebrochenen Schalle keine Verschiedenheit der Zeit bemerkbar sey, weilsonst mehr ein Nachhall, als eine Verstärkung erfolgen würde, weshalb auch die Wände oderFlächen, welche den Schall brechen, nicht allzuweit von der Stelle, wo er hervorgebrachtwird, entfernt seyn dürfen.