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Die Akustik / Ernst Florens Friedrich Chladni
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296
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mannigfaltigen Modificatione» eines Schalles durch die Luft oder durch andere Körper weiterverbreitet werden, wo jede Art von leitender Materie den Schall mit Beybehaltung seinesvorigen Characrerö wieder etwas anders modificirt, wie es z. B. der Fall ist, wenn Wortedurch die Luft, oder auch durch andere Materien zu den Gehörwerkzeugen geleitet werden, undalso z. B. ein beträchrlich langer Stab oder gespannter Faden, der zwischen den Zahnen ge«halten wird, alle Articulationen der menschlichen Stimme gewissermaßen auf seine eigeneArt nachspricht.

249.

Die Entfernung des Orts, wo ein Schall erregt wird, ist kein unmittelbarer Ge-genstand der Gehörempstndung , sondern läßt sich nur aus der mehrern oder mindern Stärk«des Schalles vermöge eines aus mancherley Erfahrungen abstrahirten Maaßes ungefähr beur-theilen. Bey einer Zunahme der Stärke glauben wir eine Annäherung, bey einer Abnahmederselben aber eine Entfernung dessen, was den Schall erregt, zu hören, z. B. bey dem Vor-beyfahren eines Wagens, oder einem vorüberziehenden Donnerwetter. Dieses ist aber auchnicht sowohl ein Werk der Gehörempstndung selbst, sondern vielmehr der mit dieser Empfindung

innigst verwebten Urtheilskraft. Wenn z. B. jemand in einem finstern Behältnisse verschlossenwäre, und es würde in einiger Entfernung, ohne daß er etwas davon vermuthen könnte, derDonner bis zur Täuschung nachgeahmt, (etwa durch mannigfaltige Reibungen und Erschüt-terungen großer über einen Rahmen gespannter Membranen), nnd zwar erst sehr schwach,nachher mit zunehmender, alsdenn mit abnehmender und endlich mit ganz verschwindenderStärke, so würde dieser glauben die Annäherung und Entfernung eines vorüberziehenden Ge-witters gehört zu haben, ohngeachtet die Maschinerie, durch welche man den Schall erregte,immer an derselben Stelle geblieben ist.

252.

Ueber die Bestimmung der Richtung des Schalles durch das Gehör finden sichBemerkungen von Venturi in Voigts Magazin für Naturkunde 2. B. i.Stück. Wenndas eine Ohr verstopft ist, und man bleibt bey verbundenen Augen immer in einerley Stellung,so scheint der Schall, er werde erregt, wo man wolle, immer von der Seite des offenen Ohresherzukommen, und zwar von dem Orte, welcher dem Ohre gerade gegenüberliegt, oder mitandern Worten, in der akustischen Axe des Ohres. Wird der Kopf nach und nach bey einer