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[Dritter Band.]
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Th. Lecretan.

zwischen 3000 und 4000 Kranken, um 1700 waren es gar ihrer 9000,nnd während des großen Sterbens ini 14. Jahrhundert hatte man täg-lich 500 Todesfälle. Dabei standen doch nur 1219 Betten zur Verfügung,in die man bis zu s e ch s Personen legte. Die großen Betten hattenvier Fuß und vier Zoll Breite, die kleinen für vier Personen berechnetendagegen 3 Fuß. Oft lag in ihnen ein Genesender zwischen zwei Sterben-den und blieb eingekeilt zwischen den Leichnamen, bis es dem Wärtereinfiel, sie fortzutragen. Zum Atmen standen den Unglücklichen drei bisvier Kubikmeter nicht erneuter Lust zur Verfügung.

Noch vor nicht ganz einem halben Jahrhundert waren in einzelnenKantonen die für die Sorge um die Kranken getroffenen Maßnahmensehr mangelhaft zu nennen, und die Einrichtungen boten ein traurigesBild dar. An Stelle eines Kantonsspitales oder eines Bezirkskrankenhausesgab es Gemeindespitäler, die zugleich den Armen als Aufenthalt dienten.Wohnten die Kranken in weit entlegenen Orten oder Häusern, so mußtensie sich mit einem oder zwei ärztlichen Besuchen in der Woche begnügen.

So erzählt Or. Sonderegger von St. Gallen in einem 1867 er-schienenen Schriftchen:Ein Arbeiter erkrankte au Peripneumonie. Damail nicht wußte, wohin mit ihm, so legte man ihn aus den Schrägen desArrestlokals, wo er auch einige Tage später verschied."

Der kleine Spital, über den du Näheres zu wissen wünschest,"schrieb ihm ein anderer Arzt,ist alt und wenig geräumig. Ich habe inihm einen drastischen Fall erlebt. Ein Mensch hatte sich den Halsabschneiden wollen. Er besaß nur ein Spitalmesser, und trotz allerMühe, die er sich gab, vermochte er nur die Haut und die Schlagaderzu verletzen. Als ich eintrat, lag er auf einer Bank, die an der Malierbefestigt ist und unter der ein Hühnerkasten stand. Dessen Thüre hatte manoffen gelassen, und so kam es, daß die Hühner auf dem Körper des Unglück-lichen herumspazierten. Ein bemitleidenswerter Anblick war es, zu sehen,wie eines der Tiere mit seinem Fuße in die klaffende Wunde trat."

Heute wetteifern alle öffentlichen Spitäler, seien sie nun staatlichenoder privaten Ursprungs, in der peinlichsten Sorge für Reinlichkeit,Lüftung, Pflege nnd hygieinische Vorkehrungen. Mail lagert nicht mehrTausende voll Kranken unter ein und dasselbe Dach, und noch wenigervereinigt man die körperlich Leidenden mit den Geisteskranken in demnämlichen Gebäude. Spitäler für besondere Zwecke finden sich überall,und es war zumeist die private Wohlthätigkeit, welche sie entstehen ließ.