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IN. Lichter.
die Ordnung aufrecht zu erhalten. Wie die Stimmen der Sänger imChor zusammenfließen, treten jetzt auch die Schützen und Turner, außerdaß Mann für Mann sich messen, in Abteilungen zum Wettkampfe an.Damit wurde die Ausbildung der Jungmannschaft in die einheitlicheBewegung geleitet, in den Massenschritt oder das systematische Zusammen-wirken der Kräfte, mit dem die Neuzeit ihre Erfolge erringt.
Von Jahr zu Jahr steigern sich die Forderungen und wird derMaßstab strenger, der an die Leistungen gelegt wird. Die Recken ausdem Naturvolk der alten Eidgenossen würden staune», könnten sie sehen,wie das heutige Geschlecht den vielen Schreibstuben und Fabriksälen zumTrotz sich zur Mannhaftigkeit und Ausdauer heranbildet.
Die eidgenössischen Feste sind nicht allein eine Heerschau kampses-freudiger Scharen, sondern auch eine Landsgemeinde, an der das Bruder-band um die Grenzpfähle der Kantone und um die deutschen undwelschen Volksstämme geschlungen wurde. Von der Festtribüne aus istmanches zündende Wort in die politische Gärung geschleudert worden.Auch wertvolle auswärtige Beziehungen werden an den Festen angeknüpft,die so viel gelten als diplomatische Frenndschaftsversicherungen. DieSchützen, Sänger und Turner fremder Staaten kamen zahlreich anunsere Feste, und die Schweizer erwiderten den Besuch. Was bedeutenaber diese Feste erst den im Ausland lebenden Mitbürgern! Die reichenEhrengaben der Schweizer in allen Erdteilen, die Fähnlein, die ausweiter Ferne herwallen, sind jeweilen eine ergreifende Offenbarungunverbrüchlicher Heimatliebe, und wv in aller Welt Schweizer zu treffensind, geben ihre Feste sich zu erkennen. Nirgends leuchten die männlichenTugenden Heller, als auf dem Kampfplatz, und niemals erglühen dieHerzen reiner, als wenn die blühenden Töchter des Landes herantreten,um die Sieger im ritterlichen Kampfspiel zu krönen. Die Feste sindder Kultus, den wir dem Vaterland weihen- der eidgenössischen Fahnewerden die königlichen Ehren der Republik entgegengebracht, so oft sieihren Einzug in die Feststadt hält. Unter dem Knistern dieser Banner-seide hat sich die innere Vereinigung der Eidgenossen verschiedener Spracheund Sitte vollzogen und gefestigt. Wenn wir im neuen Bunde, imVerlaufe des 19. Jahrhunderts, wirklich ein Volk geworden sind — undwir sind es — so danken wir dies zu einem guten Teil den eidgenössischenFeste».