Der Alpinismus.
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das andere seiner schönsten Bilder ans seinen Erinnernngen als Berg-steiger schöpfte. Diesem Sinn verdanken unsere Dichter ihre bestenEindrücke, auf ihm fußt fast vollständig unsere Vvlkspoesie. UnsereNovellisten und Romanschriftsteller waren bemüht, in die freiwillig schweig-same, ernste und schwer zugängliche Seele unserer Bergbewohner einzu-dringen. So entstand eine besondere alpine Dichterbibliothek in derSchweiz , welche eine ganze Reihe von Meisterwerken ausweist. Ichmöchte möglichst wenige Namen hier anführen, aber neben EngenRambert muß ich das in seiner Art einzig dastehende, herrliche Werk
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Kug. K. Derthoud. — Die Jungfrau.
(Museum in Neucnburg.)
von Emil Javelle erwähnen. Die beiden waren ja vor allem Alpi-nisten, aber die Leidenschaft verdunkelte nicht ihren klaren Blick. Mitganzer Seele und bewunderungswürdiger Einfachheit hingen sie an ihrerNeigung, und wenn ihre Schriften volkstümlich geworden sind, so geschahdies nicht nur, weil in ihnen Talent vorhanden ist, sondern vorzugs-weise deshalb, weil sie den kräftigen, unumwundenen Ausdruck der edelnLeidenschaft darstellen, welche ihre Verfasser eine gute Lebenszeit hin-durch beherrschte. Besser wie sie kann man unmöglich in das Seelen-leben des Berglers eindringen. Man lese nur immer und immer wiederdie schönen Schilderungen ihrer Streifereien, die — und das gilt be-sonders für Javelle — mehr durch den Reichtum und die Schönheit der