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III/1 (1895) [Elektricität und Magnetismus (II)] / unter Mitwirkung von Prof. Dr. F. Auerbach, Dr. E. Brodhun, Prof. Dr. F. Braun, Dr. S. Czapski, Dr. P. Drude, Prof. Dr. K. Exner, Prof. Dr. W. Feussner, Dr. L. Grätz, Prof. Dr. H. Kayser, Prof. Dr. F. Melde, Prof. Dr. A. Oberbeck, Prof. Dr. J. Pernet, Dr. F. Pockels, Dr. K. Pulfrich, Prof. Dr. Fr. Stenger, Dr. R. Straubel, Dr. K. Waitz ; herausgegeben von Dr. A. Winkelmann
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387
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Wechselströme oder elektrische Schwingungen.

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Kempe, Elektrot. Z. S. 10, pag. 313320. 1889.

A. Anderson, Phil. Mag. (5) 31, pag. 329337. 1891.

J. Klemencic, Wied. Ann. 46, pag. 315318. 1892.

H. Abraham, Compt. re:nd. 117, pag. 624626. 1893.

L. Grätz, Wied. Ann. 50, pag. 766 771. 1893.

C. Wechselströme oder elektrische Schwingungen.Vorrichtungen zur Erzeugung und Messung von Wechselströmen.

In einem einfachen Stromkreis sei eine continuirlich veränderliche, elektro-motorische Kraft E wirksam. Der Stromverlauf ergiebt sich dann aus derGleichung:

d)

(23)

K// + ^^7 = Ä

7 1 E

Die allgemeine Lösung derselben ist:

In den meisten Fällen kann man auch schreiben:

_ E p dE p 4 d 3 E

J= Ae > '

dt ^ _

(24)

w w' 1 dt w 3 dt 2

Hier ist A die Integrationsconstante, welche aus dem Anfangswerth der Strom-stärke zu bestimmen ist.

w .

Da im Allgemeinen eine grosse Zahl ist, so übersieht man, dass das erste

Glied meist mit der Zeit schnell verschwindet. Die letzte Formel zeigt dann, in

welcher Weise sich die Stromstärke und der Quotient bei veränderlicher,

w

elektromotorischer Kraft von einander unterscheiden.

Besonders bei einer elektromotorischen Kraft, bei welcher in kurzen Zeit-intervallen immer wieder dieselben Werthe auftreten, wird das erste Glied baldkeinen Einfluss mehr ausüben. Wir nehmen an, dass in den folgenden Ent-wickelungen dieser Zustand stets erreicht ist.

Bevor wir zur Berechnung des Stromverlaufs in diesem Fall übergehen,schicken wir einige Bemerkungen voraus über die Herstellung von elektromotori-schen Kräften, welche ihr Vorzeichenwechseln und dann wieder ihre früherenWerthe annehmen, welche also periodsehe Functionen der Zeit sind, und übeApparate und Methoden, um Wechselströme nachzuweisen und zu messen.

Wird der von einer constanten Kettekommende Strom durch einen Commu-tator regelmässig in gleichen Intervallenumgekehrt, so erhalten wir eine perio-dische, veränderliche, elektromotorischeKraft. Ebenso kann man zu diesemZweck eine magnetelektrische Maschine benutzen, wenn man den Commutatorderselben fortlässt. In beiden Fällen wechseln zwar die elektromotorischenKräfte ihr Vorzeichen. Ihre Werthe werden aber durch eine complicirte Zeit-function (vergl. Fig 224a und b für die beiden Beispiele) darzustellen sein.

Die einfachste Form einer solchen wechselnden Kraft erhalten wir, wenndieselben durch eine Sinus- oder Cosinusfunction der Zeit ausgedrückt wird ( c ).

(P. 224 .)

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