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Lissabon, und Portugals Bewohner.
tige Maßregeln der Polizei, abgestellt werden konnten, bewiesen dieFranzosen, als sie, unter Junot, Lissabon besetzt hielten. Die Ein-wohner wurden aufgefordert, die Straßen bei Tage zu reinige», undbei Nacht den llnstat der Häuser nach bestimmten Plätzen zu bringen,wo er sogleich durch Kothkarren weiter geschafft wurde. Die herren-losen Hunde wurden alle getödtet. Als diese Mahnungen bei denmeisten Einwohnern vergebens waren, wurden die, welche den Platzvor ihren Häusern nicht rein hielten, und, wie früher, alles Entbehr-liche aus ihren Fenstern auf die Straßen schütteten, ohne Unterschieddes Standes, gezwungen, beim hellen Tage vor ihren Häusern zukehren, und aufzuräumen. Dies wirkte, und bald waren die Stra-ßen Lissabons so rein, wie die anderer Hauptstädte Europas. Nochsprechen die Fremden, welche sich damals in Portugals Hauptstadtaufhielten, mit Entzücken von dem Genusse, nach der Tageshitze,beim Scheine des Mondes, in den Straßen lustwandelnd, die reinsteLuft einathmen, und dem erfrischenden Seewinde die Fenster ihrerWohnungen offnen zu können.
Die Unreinlichkeit ist den Bewohnern Portugals so sehr zurzweiten Natur geworden, daß gleich nach dem Abzugs der Franzosendie Straßen sich wieder mit llnrath füllten, und einige Monate hin-reichten, die Stadt wieder in eine Kloake zu verwandeln.
Die vier sehenswcrthesten Plätze Lissabons sind: der Rooio,wo der Pallast der, durch Pombal aufgelösten, Inquisition, und diemeisten Kaufläden stehen; der Praya da figuciro, der belebtestevon allen, weil hier Früchte und Gemüse verkauft werden; derPra?a do Polerim mit dem Rathhause, dem Zeughause, mehrenschönen Gebäuden und Kirchen, und der Praya do Commercio,welcher am größten und schönsten ist. Dieser Platz, welcher jederHauptstadt Europas zur Zierde gereichen würde, ist auf drei Seitenmit prächtigen Gebäuden umgeben, die vierte aber ist gegen denTajo offen, und gewährt die Aussicht auf den mit Schiffen aller Na-tionen bedeckten Strom, und das jenseitige, gebirgig« User. Unterden erwähnten Gebäuden zeichnen sich die Bibliothek, die Börse unddas Zollamt besonders aus. Die Büchersammlung gehörte früherden Jesuiten, ist jetzt mit vielen weltlichen Werken vermehrt, undsoll achzigtausend Bände stark sein. Von den elf Sälen sind fünfmit theologischen Werken angefüllt. Merkwürdig ist eine große Zahl