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1 (1822) Erster Band in welchem die Pulvertheorie und die Einrichtung der Artillerie abgehandelt werden / von Carl Friedrich Borkenstein
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95
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diesen Umständen bei den kurzen und langen Läufen ungefähr einerlei Wurfweiten hakten.Es geschahen jedesmahl 2 Würfe, aus denen man die Mittelzahl zog, und die unbedeuten-den Verschiedenheiten sind nur die gewöhnlichen Differenzen der Würfe. Ganz anders ver-hält es sich aber bei den starkem Ladungen, vorzüglich bei derjenigen von 8 Pfund, welchebei dem 24 pfünder ^ des Kugelgewichts ausmachte. Bei dieser Ladung gab der zo Zoll'lange Lauf eine beinahe doppelt so große Wurfweite als der 8 r Zoll lange, und folglichwürde auch dle zo Zoll lange Kanone eine beinahe doppelt so große anfängliche Rccülge-schwliidkgkeit erhalten haben, als die 8 r Zoll lange, wenn diese Kanonen einerlei Gewichtgehabt hatten. Weil nemlich die größere Ladung dle Intensität der H^tze vermehrt, so istdie Schnelligkeit der Verwandlung der brennenden Pulverkörner in Gas desto größer, undbringt alsdann den auffallend großem Effect bei dem kurzen Geschütze hervor. Indem nundie Pulverladung der Geschütze gewöhnlich nicht geringer als H des Kugelgewichts zu seynpfiegt, so könnte man hieraus folgenden wichtigen Schluß ziehen: Die Recülgeschwin-digkeit und folglich auch der Recül einer Kanone ist bei einerlei Gewichtund einerlei Ladung desto größer, je kürzer selbige ist. Dieses streitet abermit der bis jetzt herrschenden Meinung, nach welcher eine längere Kanone auch einen grö-ßer» Necül hat. (Man sehe Scharnhorsts Handbuch den atm Band §. 148).

Dieser Umstand giebt ferner noch Veranlassung zu folgender für den Mathematikerwichtigen Bemerkung: Hutton berechnete bei seinen Pendulversuchen die Geschwindig-keiten der Kugeln auf zweierlei Art. Bei der ersten bestimmte er selbige aus der Größedes Oscillationsbogens des Pcnduls, und bei der zweiten aus der Größe des Recülbogensder Kanone. Wenn nun die Ladung und Länge so beschaffen waren, daß die längere Ka-none ihrer Kugel wirklich eine größere anfängliche Geschwindigkeit mittheilte, welche durchdie Berechnung aus dem Peodul, will ich annehmen, richtig bestimmt wurde, so konnte daSResultat der Berechnung aus dem Recül, nicht mit dem Resultate der Berechnung auSdem Pendul übereinstimmen; denn wenn bei einerlei Ladung und Gewicht die längere Ka-none (wie aus dem Vorhergehenden folgt) einen kleinern Recül hat, als die kürzere, somußte die aus dem kleinem Recül der langem Kanone gefundene Geschwindigkeit der Ku-gel nothwendig kleiner seyn, als die aus dem größer« Recül der kürzern Kanone bestimmte;und folglich mußte auf diese Art die Geschwindigkeit der Kugel der länger» Kanone imVerhältniß der Geschwindigkeit der Kugel der kürzern kleiner gefunden werden, als sie wirk-lich war. Mir sind Huttons Versuche jetzt nicht gleich zur Hand, um die Resultate derBerechnungen mit dieser Bemerkung zu vergleichen, welches ich nun aber Herrn Hut tonselbst zu thun überlasse.

§. 117.

Man nehme nun an, daß eine Kanone eben so wenig eher mit dcm Kopse nieder-wärts ducke als zurücklaufe, ehe die Kugel die Mündung verläßt, obgleich ersteres durch