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3 (1839) Dritter Band. Eag-Fut / bearbeitet von einem Vereine von Landwirthen und Gelehrten, herausgegeben von F. Kirchhof
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Fliesen Flinte.

einer Feder zu befördern. Ein Gemisch von gepulverter Holzkohle mit Baumölsoll vorzüglich wirksam gegen Vergiftung von Schwämmen überhaupt sein.Der Fliegenschwamm kommt aber auch als Heilmittel in der Medicin inAnwendung, namentlich gegen Epilepsie und Lähmungen. Zum Arzneige-brauch wird der in der Erde steckende Theil im August und September ge-sammelt, gereinigt, geschält, getrocknet und dann gerieben, und in wohlver-wahrten Gläsern an trockenen Orten aufbewahrt. Ferner ist er eins vonden vielen gerühmten Wanzenmitteln, Zu dem Ende soll er im Herbstefrisch gesammelt, in einem Mörser klein gestoßen und so lange darin stehengelassen werden, bis er zu einem Brei oder Schleim wird, womit man nundie Wandritzen und Fugen der Bettstellen mittelst eines Pinsels bestreicht;der häßliche Geruch davon vergeht in einigen Tagen wieder. Als Mittelgegen Fliegen s. diese.

Fliesen, dünne, viereckige, entweder aus Stein gehauene, oder ausThon gebrannte Platten, die man gebraucht, um Wände, Kamine und Fuß-böden zu bekleiden; sie sind gewöhnlich glast« und werden in vorzüglicherFeinheit und trefflich ausgebrannt vornehmlich in den Niederlanden verfertigt.

Fliete, Laßeisen, ein Instrument zum Aderlässen (s. d.) beim Vieh.

Flinte. Man hat einfache und Doppelflinten, die in ihre» einzel-nen Theilen nach dem verschiedenen Gebrauche, der davon gemacht werde»soll, verschiedentlich zusammengestellt sind. In neuerer Zeit führt man dieDoppelflinten am meisten (s. Büchsflinte). Von den einzelnen Bestand-theilen einer Flinte überhaupt sind zu bemerken: a) das Rohr (Lauf),das vorzüglich den Werth einer Flinte bestimmt, und aus weichem, vielfachdurchgeschmiedetem, möglichst zähem Eisen gefertigt werden muß. Die fein-sten Rohre werden nach dem Schweißen noch mit einem, aus verschiedenemDraht zusammengeschweißten, schmalen Streifen umwunden und mit den-selben durch mehrmaliges Bearbeiten vollkommen verbunden. DergleichenRohre gewähren rücksichtlich des Zerspringens eine weit größere Sicherheit,und heißen damascirte oder Bandläufe. Die meisten Flintenläufe sind in-wendig glatt; doch hat man auch solche, die gerade Züge haben; sie schie-ßen aber nicht besser, als die glatten Läufe und sind schwerer. Auch hatdie Damascirung auf den Schuß selbst gar keinen Einfluß. Ueber dieSchwanzschraube s. Büchse; bei dem schwächern Flintenrohre verdient aberdie Patentkammerschraube unbedingt den Vorzug, die jetzt auch bei jedemguten Gewehre angewendet wird. Der aus der Kammer zum Cylinderführende Canal muß so gebohrt sein, daß beim Laden das Pulver bis andie Mündung des Cylinders tritt, wodurch die Entzündung erleichtert unddas Versagen und Verbrennen verhindert wird. b) Der-Schaft einerguten Flinte wird gewöhnlich aus einem gesunden Stück Nußbaumholz ge-macht (vergl. Büchse),Der Flintenschaft muß etwas mehr gekröpft, d. h.der Kolben etwas tiefer gesenkt sein, als der Büchsenschafk. Die Länge desKolben muß nach dem Körperbau des Schützen eingerichtet sein, da bei einerJagdflinte die gute Lage ein Haupterforderniß ist. Ein Gewehr liegt aberdann gut, wenn der Schütze beim Anschlagen desselben sogleich das Kornüber der Mitte der Schwanzschraube, oder beim Doppelgewehr über derMitte der Schiene, ohne einen Theil der Lange des Rohrs sieht. Um dieFlinten leichter zu machen, werden jetzt die einfachen meistens, und die Dop-pelflinten durchgängig, halbgeschaftct, d. h. die Rinne, worin der Laus ein-gepreßt ist, geht nur höchstens unter der halben Länge hin, und der Ladestock