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ihn mit Ruhm und Sieg gekrönt an den Thron, welche» siemit Vergnügen mit ihm theilte. Bald gab sie dem Romaneine andere Wendung; sie rüstete ihren Liebling als einenirrenden Ritter aus, der auf Abenteuer ausgezogen sey,führte ihn an ihrem Hoflager ein, wandelte ihn in eine«Hüon um, und es gebrach ihr auch nicht an der wunderba-ren Geräthschaft, ihn eben so zu begaben, wie Freund Obe-ren seinen Pflegling. Aber wenn die Besonnenheit sichwieder der jungfräulichen Sinnen bemeisterte, und vor demLichtstrahl der Klugheit die bunten Gestalten der Zauberta-lente erbleichten, war der schöne Traum verschwunden. Sieüberlegte alsdann, was für ein Wagestück sie mit einemsolchen Beginnen unternehmen würde, und welches Unheilfür Land und Leute daraus zu befahren sey, wenn Eifer-sucht und Neid die Herzen der Magnaten gegen sie empö-ren und die Lärmstange der Zwietracht das Signal zu Meu-terei und Aufruhr geben würde. Drum verhehlte sie dieNeigungen und Wünsche ihres Herzens sorgfältig dem scharf-sichtigen Auge der Späher und ließ nichts davon offenbarwerden.
Doch jetzt, da das Volk nach einem Fürsten lüstete,hatte die Sache eine andere Gestalt angenommen, und eskam nur darauf an, ihre Wünsche mit dem Verlangen derNation zu vereinbaren. Sie stärkte ihren Muth mit männ-licher Entschlossenheit, und da der dritte Tag heranbrach,legte sie all ihr Geschmeide an und auf ihrem Haupt prangtedie keusche Myrtenkrone. Sie bestieg im Gefolge ihrer Jung-frauen, allesammt mit Blumenkränzen geschmückt, den Für-stenthron, voll hohen Muths und sanfter Würde. Die Ver-sammlung der Ritter und Vasallen um sie her war ganz Ohr,um aus ihrem holden Munde den Namen des glücklichen Prin-zen zu vernehmen, mit welchem sie Herz und Thron zu theilen