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Vorlesungen über die Geschichte des Untergangs der schweizerischen Eidgenossenschaft der dreizehn Orte und der Umbildung derselben in eine helvetische Republik / von J.J. Hottinger
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Tapfersten, theils mit gefälltem Bajonet, theils mit gehobenenFlintenkolben so wüthend auf die feindlichen Reihen, daß dieseder ungewohnten Angriffsweise und gesteigerten Körperkraftnicht zu widerstehen vermochten, und unter den Kugeln desur Eile nachrückenden bernischen schweren Geschützes in auf-gelöster Ordnung theils durch den Fluß, theils über die Brückedie Flucht ergriffen, alle eroberten Feldstücke und noch mehrereder eignen in den Händen der Sieger zurückließen, deren Ver-lust in diesem Gefechte ungefähr 200 Todte und Verwundetebetrug, während die Erde weit umher mit erschlagenen Fein-den bedeckt war und nicht weniger als 400 ihrer Verwundetennur in den Spital von Freiburg gebracht wurden. Aber nunmitten im allgemeinen Siegesjubel traf Nachmittags umdrei Uhr die Nachricht von der Einnahme Berns, und derBefehl, die Feindseligkeiten einzustellen, auch den Franzosen da-von Kenntniß zu geben, ein. Für Grafenried ward diesesdie bitterste, die gefährlichste Stunde seines Lebens; immermußte er den Brief wieder vorlesen; unaussprechliche Mühekostete es, den weinenden, wüthenden und drohenden Soldatendie Sache begreiflich zu machen und dem Ausbruche der wilde-sten Auftritte zu begegnen. Auch so wurde dem Rathschrei-ber Thormann, der als Freiwilliger dem Gefechte beigewohnthatte, jetzt aber die Anzeige des Aufhörens der Feindseligkeitenden Franzosen überbringen sollte, ein Schuß nachgeschickt,der ihn verwundete.

In eben diesen Stunden, wo die Tausende vordringenderKrieger der stolzen italiänischen Armee von jener kleinenBernerschaar zurückgeworfen worden waren, hatte die vonSchauenburg persönlich angeführte Abtheilung der deutschengegen Erlach's nicht größer« und nicht minder heldenmüthigenHeerhaufen mit besserem Glücke gekämpft. Nur die wenigenam Ausgange des Grauholzes, in der Umgegend von München-buchsee bis Fraubrunnen hin vertheilten Bataillone waren es,die den Hauptkampf hier führten. Ebensoviel andre, dieZüricher bei Frienisberg, Roveröas Legion und zwei Bataillonedeutscher Berner bei Aarberg, von Erlach selbst, der auch dortund von Büren her einen Angriff besorgte, in jene Stellungenbeordert, kamen theils gar nicht, theils nur zu unbedeu-tendem Gefechte; denn Schauenburg hatte beinahe seine sämmt-