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Siebentes Capitel.
das wird später auf dem Standpunct höhererBildung, deren Mittelpuncte immer die Städteseyn werden, mit Bewußtseyn erkannt, geprüftund gepflegt-, nun vorn Geiste aus auf die klei-neren und größeren Formen des Lebens zurück-wirkend. Daher ist die Klage derer wohl unge-recht, welche die Cultur und das städtische Lebe»,als den Tod der Nationalität, als das Grabehrwürdiger Sitte bezeichnen. Cultur, in ih-rem reinen Wesen, nicht in ihrer (wohl häufigvorkommenden) Verzerrung gedacht, läutert dieNationalität, nnd erhebt sie von der Stufe derblos äußeren Sichtbarkeit auf die Stufe innererWirksamkeit. So wenig jemand behaupten möch-te, die grobe Vadmelsdrsja mache den armenFieldbewohner zum ehrlichen Manne, der feineenglische Frack den reichen Wucherer zum betrü-gerischen Schurken, eben so wenig wird man je-nes Unverdorbenheit dem Naturzustände, diesesSchlechtheit dem Culturzustande al le'in beymes-sen. Gute und böse Anlagen finden Gelegenheitzur vollen Entwickelung mit steigender Cultur,aber kein Naturzustand wiegt deshalb die böseAnlage in Schlummer, weil er der guten hem-mende Schlanken setzt.
In Norwegen, wo die Bevölkerung derStädte etwa den uten Theil der Volksmasse öil-