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Der nützlichen Hauss- und Veld-Schule erster Theil, in welchem ausführlich enthalten, wie man ein Land-Feld-Guth und Meyerey mit aller Zugehöre ... mit Nutzen anordnen solle : worbey dann auch zugleich eine zur Hausshaltung auf dem Lande nützliche Hauss-Artzney für Menschen und Viehe, samt allerhand raren und vorträglichen Hauss-Künsten, mit sonderbarem Fleiss colligirt ... / und nunmehr mit dem lang-verlangten zweyten Theil, samt darzu gehörigen Figuren und einem vollständigen Register an den Tag gegeben durch Georg Andream Böckler
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Claſf. II. Von Materialien. 19ſeye Aufgang/ Nidergang/ Mittag und Mitternacht/ welches man danndurch eine Sonnen⸗Uhr/ Compaß oder ſonſten andere Wege leichtlich undbald wiſſen kan. Wann man alsdann in den Wald fommt/ ſo wendet manſich gegen Nidergang; Dann gegen demſelbigen Theil iſt das Holtz am aller-argſten/ gemeiniglich krumm/ mißwaͤchſig/ voller Unrath/ bruͤchig/ und zurFaͤule geneiget/ und iſtin Summa zu gar keinem Zimmerwerck zu gebrauchen/wegen ſeiner Gebrechlichkeit/ und iſt zu erkennen bey ſeinem krummen Geaͤderoder Faden/ welcher nicht gerad/ ſondern hin⸗und wiedergehet/ derowegenzumBruch geneigt.

Es iſt zwar nicht ohn/ daß man gegen Nidergang gar nicht einen gutenBaum ſonderlich/ der etwan mit einem Bergoder Huͤgelbedeckt waͤre/ findenſolte; So iſt aber doch dieſe Seite ins gemein und generaliter die boͤſeſte desWaldes oder Forſts.Und das noch mehriſt/ ſagen wir aus vielfaͤltiger ei- gener Erfahrung/ daß man an den Occidentiſchen Gegenden/ das iſt/ gegen Niedergang/ an Holtz/ Steinen/ Quell⸗uud Bronnen⸗ Waſſern/ oderauchan der Erden/ Stein zu brennen/ niemals gar nichts oder gar wenig Gutesgefunden hat/ ſo gegen dem Oriental- und Septentrionaliſchen zu rechnen;Bevorab wang es unten an⸗oder gegen einem Berge oder Huͤgel ſtehet/ derdas Orientaliſche oder Septentrionaliſche Theil bedeckt.

Nota Hiervon will ich(geliebts GOit hund wofern dieſe meine Arbeitangeleget ſeyn moͤchte/ ſpuͤren werde/ auf eine andere Ziit/ in der Continua-tion meines zweyten Thꝛeils des Compendui Architecturæ Civilis ein Meh- rers ſchreiben/ da man ſehenſolle/ daß die Gebaͤu/ ſo etliche gegen Nidergangder Sonnen richten/ in vielfaͤltiger Gefahr ſind. Welches aus Unwiſſen- heit Legens und Durchbruchs geſchicht/ auch daß ſie nicht verſtehen/ noch wiſſen/ wo ein jeder Theil des Hauſes hin ſolle gerichtet werden/ ſeiner Eigen- ſchafft und Natur nach; Daßero dann ſchwere Kranckheiten/ oder andereBeſchwernuͤſſen herflieſſen/ und wiſſen weder die ſo das Hauß gebauet/ nochdie Inwohner deſſen keine Urſach/ ſondern muß das Hauß bey etlichen un- gluͤckhafftig heiſſen.

Zu fernerer Erkaͤntniß des Holtzes muß man meꝛcken/ daß die Bzͤume ge-gen Mittag ſchon einer beſſern Art als g gen Niedergang ſeyen; Weiln ſieaber an heiſſen Ortenduͤrrer und trockener Matur ſeynd/ fallen ſie auch ſo ſchoͤnund gut nicht als gegen Aufgang und Mitternaͤchtlich./ an welchenOrten man die Beſies ſuchenmuß. Dann -

An kalten Mitternaͤchtlichen Orten, behaͤlt der Baum ſeine Nahrungbeſſer/ und iſt ihr natuͤrlich r Safft oder Feuchtigkeit/ darinnen ſie kochen undwachſen/ reichlicher und beſſer ausgethellet; Wie dann leichtlich daraus a zu-nehmen/ daß ſie dieſer mit glatten Adern und Rinden

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