Buch 
Untersuchungen über Thierstaaten / von Carl Vogt
Seite
122
JPEG-Download
 

122

Ich möchte Reichsthränen weinen um deines Schicksalswillen, bittere, salzige Reichsthränen, die auf die kahlenStaatsschädel der so gänzlich über den Löffel barbiertenErfurter fallen sollten, wie glühendes Oel auf die nacktge-schorenen Schädel der Türken vor Rhodns! Gebt ihm eineTribüne, ihr Elenden, nur eine Tribüne, mehr verlangt erja nicht!-

Warum mich der tribünenlose Jakob von der Hirsch-käfcrfamilie abgelenkt hat? Ich weiß es nicht aber erfolgt jetzt allen meinen Gedanken, wie eine Ergänzungs-farbe dem Lichteindrucke. Heuschrecken und beste Männer,Erfurter und kriechendes Gewürm Alles'hat den tribü-nensüchtigen, versöhnungsschwelgenden, VergebungsquellendenJakob als Schlagschatten, als Rahmen, als Vorgänger, alsNachfolger. Wohin ich schaue, streckt dieß blonde Gespenstscille Arme in meinen Sehkreis hinein, blickt mich mit thrä-nenfeuchten Augen an und heult jammernd in meine Ohren:Eine Tribüne! Deutschland um eine Tribüne!

Laß mich in Ruhe! kann ich dir sie schaffen? Undwenn ich es könnte, glaubst du, daß ich es thun würde?Geh' zu Max Dnnker, deinem Freunde, zu Gagern undDahlmann und Beseler und Reh, wende dich an den bun-desstaatlichen Fürstenkongreß in Gotha, oder an den östrei-chischen Bundestag in Frankfurt, und heule diesen edlenStaatsmännern die Ohren voll! Hebe dich weg, Jakob!Schüttle nicht so die blonden Locken gegen mich! Du kannstnicht sagen, daß ich's that!